Nr. 6 Erstes Blatt 163. Jahrgang Dienstag, 7. Januar WZ Der Siehener Anzeiger erscheint täglich, aufcev Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich EiehenerZamilienblätter, zweimal wöchenll.Nreis- blattsürdenNreisSiehett (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expeditioi, 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. d a:tr 9 inifl>ui>iTirr nzpinpr Mil* nkr Ulf I jfJi II IRhw I KJr General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. bis vornrittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. B e z n a s v r e i r: monatlich 75 Li., viertel- jährlich Alt. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2.— viertel* jährt, ausjchl. Bestellg Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausiväns 20 Pieimiq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuille- ton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": St. Neurath; für „Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfahr 10 Selten Die vorläufige Entscheidung in London. Die Balkanstaaten erfüllen ihre Drohungen einstweilen nicht. Die Antwort der türkischen Delegierten entspricht ihren Forderungen nicht, und so wurden die Verhandlungen einstweilen „suspendiert", ohne damit aber einen endgültigen Abbruch Ku erklären. Im Gegenteil, die Balkanvertreter erklären ganz ruhig, warten zu wollen, bis die Türken sich eines besseren besonnen hätten. Das aeschieh-t zweifellos im Hinblick auf die äußerst kritische Lage in Adrianopel. .Heute liegt eine Meldung des Festungskommandanten Schükai Pascha an den Großwesir vor, wo- ' nach der Widerstand der Festung fernerhin unmöglich sei. Es sollen schon Verhandlungen zur Uebergabe stattsinden. Wenn die Türken nun noch mit einem Eingreifen der Großmächte zu ihren Gunsten rechnen, so haben sie ganz sicher auf Sand gebaut. Was die Türkei auf militärischem Gebiete eingebüßt hat, das haben ihre Diplomaten nicht wettzumachen gewußt, im Gegenteil, sie haben neue Schlachten verloren. Wir erhalten folgende Meldungen: London, 6. Ian. Die Friedenskonferenz trat\ heute nachmittag 4 Uhr wieder zusammen. Die türkischen | Delegierten unterbreiteten neue Vorschläge. Um 5 Uhr war die Sitzung beendet. London, 6. Ian. Ueber die heutige Sitzung der Friedenskonferenz erfährt das Reuterbureau: Resch id Pascha unterbreitete folgende neue Vorschläge der Pforte: 1. Die Türkei ist bereit, int Norden von Adrianopel einige Zugeständnisse an Gebiet zu machen, jedoch mit Ausschluß Adria nopels selbst. 2. Die Türkei begibt sich ihrer Rechte auf Kreta unter der Bedingung, daß die Abtretung keiner anderen Inseln von ihr verlangt wird. Die MitgliederdertürkifchenMissionver- ließen darauf den Konferenzsaal, während die Delegierten der Bolkanverbündeten zurückblieben und nach längerer Beratung zu folgendem Beschluß kamen: Tie Vorschläge der türkischen Delegierten entsprechen nicht den von den Verbündeten in der vorhergehenden Sitzung formulierten Forderungen und die Verhandlungen auf der vorgeschlagenen neuen Grundlage waren nicht derart, daß iis> iir ü.',', Abkommen führen könnten Die Delegierten der Verbündeten sehen sich daher genötigt, die Arbeiten der Konferenz zu suspendieren. Nach der Rückkehr der Türken in den Saal verlas der Präsident No w a ko w itsch die Antwort der Verbündeten und hob die Sitzung auf. Die Türken protestierten und erklärten, der Präsident sei nicht dazu berechtigt, die Sitzung aufzuheben. Nach- lym die formelle Sitzung beendet war, wurde den Türken in der folgenden allgemeinen Unterhaltung erklärt, die Verbündeten beabsichtigten nicht, den A b - bruchderVer Handl ungen herbeizuführen. Da * aber eine zufriedenstellende Antwort auf die Vorschläge der Verbündeten- vom Freitag nicht eingegangen sei, suspendierten sie die Arbeiten so lange, bis eine zufriedenstellende Antwort erfolgt sei. Im weiteren Verlauf der nicht formellen Unlerhal tung erklärte Resch id Pascha, er beabsichtige, über die Verproviantierung Adrianopels zr sprechen, sei aber der Gelegenheit beraubt worden, dies zu tun. Es wurde ihm gesagt, die Angelegenheit sei bereits in der früheren Sitzung besprochen worden, in der erklärt worden sei, daß die Konferenz, nichts mit den Bedingungen des Waffenstillstandes zu tun habe. Die Türken verließen sodann etwas erregt den Palast. In der türkischen Antwort, die Reschid Pascha verlas, heißt es u. a.: Wenn wir die Abtretung Adrianopels verwe'gern, so geschieht das u. a. deshalb, weil sie vom Gesichtspunkte der Sicherheit Kon st anti nopels und der Dardanellen aus ein Ding der Unmöglichkeit ist. Außerdem müssen wir sagen, daß wir in der festen Absicht hierher gekommen sind, einen dauerhaften Fri.den zu schließen^ unter-Bedingungen, die geeignet sind, freundschaftliche Beziehungen zu sichern und beiden Parteien Nutzen bringende Handelsbeziehungen zu erleichtern. Wir sind auch heute noch bereit, über Grenzlinien zwischen der _ Türkei und Bulgarien zu diskutieren; diese Greuzen müssen Adria- nopelan ft ürkischemGe bietbelassen. Um einen neuen Beweis von unserem versöhnlichen Geiste zu geben, willigen wir ein, uns unserer Rechte auf Kreta zu begeben, wohl verstanden unter der Bedingung, daß dann von den Verbündeten die Abtretung keiner weiteren Insel des Aegäi- schen Meeres verlangt wird. Wenn bie Verbündeten trotz dieser ungewöhnlichen Opfer dadurch, daß sie jeden Ge- dauken eines Zugeständnisses abweisen, die Verhandlungen abbrechen wollen, wird alle Verantwortung für die Folgen des Abbruchs auf sie fallen. Sollte diese Mög ichkwt eintreten, dann erklären wir hiermit die Zugeständn.sse, die wir bis zum heutigen Tage gemacht Haben, für null und nichtig. Wie das Reutersche Bureau erfährt, waren die Delegierten der Volkanstaaten der Meinung, daß die Vertagung der Konferenz über das griechisch- orthodoxe We ihn achtsfest hinaus den Türken zu weiterer Ueberlegung Zeit geben wird, so daß es ihnen möglich ist, bei der nächsten Sitzung annehmbare Vorschläge zu machen. Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am Freitag statt, vielleicht schon am Donnerstag. Es ist möglich, daß inzwischen unter den Delegierten der beiden Parteien privateVer Handlungen gepflogen werden. Die türkischen Blätter „Jeni Gazetta" und „Sabah" wollen wissen, daß die Großmächte eine Formel ssir eine Vermittelung gefunden^ hatten. „'Taswtri Efriar" versichert, Marsch all. von der Goltz werde, falls der Krieg wieder beginne, aus der deutschen Armee ausscheiden und den türkischen Oberbefehl übernehmen. Es war dieser Tage schon einmal der Rücktritt des Marschalls von der Goltz dementiert worden. Die vorstehende Nachricht klingt natürlich auch höchst unglaubhaft. Die Botschafterversammtung unter dem Vorsitz Sir Edward Greys tagte heute nachmittag im Auswärtigen Amt. Vor der Sitzung hatten der türkische Botschafter und der Staatssekretär eine Besprechung. vie bevorstehende Kapitulation der Heftung Adrianopel. Laut Meldung der „Neuen Freien Presse" aus Sofia treten auf Berlaugen des Festungslommandanten vou Adrianopel am 8. Dez. bulgarische und türkische Delegierte ',u B e r h a n d l u n g e n zusammen, die, wie man annimmt, die Kapitulation Adrianopels betreffen. — Ein Radiotelegramm des Kommandanten an den Großwesi- bezeichnet die Lage der Festung als hoffnungslos. Der See-Krieg. Der „Lokalanzeiger" will aus Konstantinopel wissen: Die türkische Flotte hat heute den Kampf vor Chios von neuem ausgenommen. Ter Widerstand von Skutari. Aus Belgrad wird gemeldet: Der türkische Kommandant von Skutari erklärte serbischen Abgesandten, ihm sei von der Pforte von dem Waffenstillstand nichts bekannt gegeben worden. Neue Ausfälle aus der Stadt werden fortgesetzt unternommen. Eine türkische Anleihe. London, 6. Jan. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist es der türkischen Regierung gelungen, Arrangements für eine sofortige Anleihe zu treffen, die durch Spezialkriegssteuern garantiert wird. Rumänische Niistnngen. Die „Deutsche Tageszeitung" berichtet aus Bukarest: Das rumänische Kri. gsministerium bestellte dr.ngend bei einem Braunschweiger Werk 100 A u t o mo b i l l a st - zeuge nach dem Muster der österreichisch-ungarischen. Aus Jassy wird gemeldet, Rußland führe die M o - b i l i s i e r u n g in Bessarabien beschleunigt durch. ;Drei russische Flug Maschinen stehen zur Aus- j spähung des rumänischen Gebietes bereit. Am Montag früh wurde über dem rumänischen Dorfe Stoenesti eine russische Flugmaschine gesichtet. Streitigkeiten zwischen Griechen und Serben. Aus Salon iki wird gemeldet: Die Serben haben den griechischen Gouverneur von Florina gefangen gesetzt, da er sich weigerte, ihnen die Verwaltung des Platzes zu übergeben. Der neue Staatssekretär. Eine Ernennung Jagows zum Staatssekretär ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt, trotzdem ist sie so gut wie sicher. Wir tragen aus feinem Werdegang zu unseren gestrigen Notizen daher noch die folgenden Mitteilungen nach: Gottlieb Eugen Günther von Jagow wurde am 22. Juni 1863 zu Berlin geboren als sechstes Kind des 1888 verstorbenen Rittmeisters a. 2. und Erbjägermeisters der Kirrmark Brandenburg, auf Rühstädt, Quchobel und Friedrichswalde, aus dessen' erster Ehe mit der Freiin Luise von Gayl, die acht Ta^ nach seiner Geburt starb. Die Herren v. Jagow sind eine der ältesten Familien der Uckermark, deren Statthalter ein Hermann von Jagow bereits 1396 war. Hans v. Jagow war Oberst und Hofmarschall des Kurfürsten Johann von Brandenburg. Nach Beendigung seiner Gymnasialstudien bezog er int Jahre 1883 die Universität Bonn, wo er dem Korps der Borussen angehörte. Er bestand 1886 das Referendarexamen int Bezirk des Berliner Kammertzerichts, wurde 1889 als Regierungsreferendar der Regierung in Oppeln zugeteilt, legte 1892 in Potsdam die Prüfung zum Regierungsassefsor ab und ging drei Jahre später zur Diplomatie über. Zunächst wurde er der Botschaft in R o m und 1896 der preußischen Gesandtschaft in München zugeteilt. Nach bestandener diplomatischer Prüfung wurde er 1897 als Legationssekretär der preußischen Gesandtschaft in Hamburg, aber sckwn int Herbst desselben Jahres der Botschaft in Rom zu- gcteilt. Dort rückte er im Dezember 1899 zum Legativnsrat auf. Nachdem er ein Jahr lang der Gesandtschaft im Haag aitgchört hatte, kehrte er int März 1901 als erster Sekretär an die Botschaft in Rom 'zurück. Bon 1906 bis 1907 war er als Wirklicher Legationsrat Vortragender Rat im Auswärtigen Amte, Bet Gerhart Hauptmann in potioftito. Nach den Ehrungen und Feiern der letzten Wochen ist Gerhart Hauptmann in die Einsamkeit geflüchtet. Vor drei Jahren suchte er auf der kleinen Halbinsel von Sestri sein Heim, im Vorjahre weilte er in dem „Castello Brown", dessen massige Granitmauern unmittelbar von den Meereswogen bespült werden; in diesem Jahre aber ist die kleine Billa Carnavon bei Portofino sein Winterheinl geworden, hoch oben' auf den sanften Hügeln, von ittut aus der Blick über blühende Gärten hinausschweift über die silberglänzende Fläche des Meeres. Hier hat ihn in diesen Tagen ein italienischer Verehrer, Alfredo Mantero, aufgesucht. In der Swmpa schildert er seinen Besuch bei dem Dichter, und beruhtet von den interessanten Gesprächen, die er mit Hauptmann führen k^Gin schmaler Fußsteig führt hinauf auf bett Hügel, zu beiden Seiten debnt sich ein Meer von Blüten, blaue Jrts, duftende weiße Tuberosen, leuchtende Geranien und Bäume, dte sich unter her Last von Mimosenblüten zu beugen scheinen. Miß Cox, Hauptmanns Sekretärin, empfängt den Besucher und erzählt ihm in ihrem den britischen Akzent rerratenbeit Italienisch, datz Hauptmann sonst keinerlei Besuche annimint; er will allein sein, ber heutige Emvfang sei eine Ausnahme. Und sie geleitet den Italiener zuni Arbeitszimmer des Dichters, einem etwas strengen, kühlen Raume. Ein weites Fenster spendet Licht, an den Wänden einige Regale mit Büchern und einige Stiche: Grill- parzer, Hebbel, Otto Ludwig, Richard Wagner. Es ist eine Atmosphäre deS Sinnens und Denkens, Stille herrscht ringsum, und in der Ferne verschwimmen die Linien der Lanbsckwft. Mit einem herzlichen Händedruck empfängt Hauptmann seinen Gast, und bald kommt das Gespräch auf die Erlebnisse ber letzten Wochen. Auf bic Frage nach bent Nobelpreis nwlbert Hauptmann ruhig: „Der Nobelpreis hat auf mich keinen Embrnck geinacht." Unb babei öffnet er ein kleines Etm, das auf feinem Schreibtische steht, und zeigt Mantero eine grote goldene Medaille, die das Bildnis Alfred Nobels trägt Und Dabei erzählt Hauptmann in recht gutem Italienisch, deßen Ausdruckskraft er nu. hin und wieder durch einige französische Worte ergänzt, wie er nach Empfang ber Nachricht nach Stockholm gereist Jet, nach Stockholm, „bicser wuiiberbaren ^tabt, dem Venedig des Nordens. Nach dem Branche hat mir der König selbst bei einem Bankett bei Hofe den Preis überreicht." Dann nzahlt Haupts mann von Ren Festen und Ehrungen, die ihm sein Hcunatlcmb zu seinem 50. Geburtstag erwiesen habe, aber, nach einer Pause fährt er bann fort: „Aber ich liebe biescs /»astige Leben, die es fieberhafte Treiben Berlins nicht, und ich flüchte lieber, fluchte hierher nach Jhretn Portofino, auf der Suche nach der Ruhe zuch Einsamkeit." Und zurückgezogen lebt Hauptmann auch ui seinem italienischen Asyl, nur selten betreten nahe Freunde auf kurze Zeit das Haus. „Bisweilen besucht mich Ludwig von Hos- mann, der in Florenz ein kleines Haus und ein Atelier hat. Und in früheren Jahren kam auch Cosima Wagner mit ihrer Familie. Und yeben den Vesuck»en weniger Freunde genügt die Anwesenheit meines jüngeren Sohnes, um mich die Einsamkeit meines Hauses nicht zu sehr empsinden zu lassen. Benvenuto ist voller. Intelligenz, er ist mir in den Stunden ber Muße ein guter Kamerab; und er ist fröhlich und füllt das Haus mit der heiteren Munterkeit seiner 12 Jahre." Das Gespräch kommt dann auf die Theaterverhältnisse in Deutschland und in Italien. Hauptmann spricht von den Vorzügen, die das ständige Theater im Gegensatz zu den italienischen Wandertheatern haben, spricht davon, daß die „dem ungewissen Wanderleben ausgelieserteil Schauspieler jetzt ruhig in einem Heime leben können unb sich besser geistig fortbilbcn unb verfeinern können, als wenn sie ihr Leben int einigen Zuge von Stadt zu Stadt »erbringen. Und damit gewinnt die Möglichkeit der Inszenierung, die Reichhaltigkeit des Theaters. Die Reform in dieser Richtung müßte auch das Ziel Ihres Landes sein, das so viele ausgezeichnete Schauspieler und Künstler hervorbringt." Auf die Frage nach Dem Stand des gegenwärtigen dramatischen Schaffens in Deutschland erwidert Hauptmann: „Zurzeit besitzen wir viele begabte Dichter: Wedekind nähert sich seinem 50. Jahre und es ist ein Jammer, daß man ihn im Ausland nicht kennt, Schmidtbonn, Stucken, E n l e n b c r g, Hugo von Hofmannsthal sind- noch jung und von großer Begabung, sie breiten die Flügel zum Fluge. Ich verspreche mir viel von der Zukunft unseres Theaters." Mantei'o fragt den Dichter, ob er unter seinen Werken eines besonders lieb habe, fragt nach ber „Versunkenen Glocke"; Gerhart Hauptmann zuckt die Achseln unb meint schließlich: „Nein, jeder Autor liebt wohl alle seine Werke ein wenig, auch jene, bic ben anberen weniger gefallen; unb in allen spiegeln sich die Probleme, bic Hoffnungen unb Zweifel seines eigenen Wesens. Die „Versunkene Glocke" ist übrigens nur ein Jugendwerk." Dann erzählt Hauptmann, daß er sich ausgezeichnet erholt habe und nun sehr viel arbeite. „Wenn ich nicht arbeite, bin ich krank; Arbeit ist der Gesundheit zuträglich. Jetzt ^arbeite ich mit dieser alten Landkarte von Deutschland. Sehen Sic die Jahreszahl an: sie stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ich studiere diese Zeit und ihre religiösen und wissenschaftlichen Ideen. Und sehen Sie hier," und dabei zeigte er dem Gaste zwei Bronze- Medaillen, Savonarola und Erasmus von Rotterdam; „Sa- vonarola geht natürlich vorauf, aber er befruchtet mit seinem Geiste den unruhigen Geist deS 17. Jahrhunderts. Erasmus von Rotterdam ist ein Skeptiker, ist ein wenig der Ausdruck unserer heutigen unklaren Zeiten, J>ie zwischen der Reformation und der Kirche von Rom balancieren. Ich aber beschäftige mich vor allem mit den Bauernkriegen in jener 3eit. Daran arbeite ich seit 10 Jahren und langer, wenn auch nicht immer mit gleicher Intensität. Und aus jener Epoche will ich ein Werk schaffen, ein Werk ans dem Bauernkrieg. 9tber ich habe keine große Eile, selbst die Handlung ist noch nicht entworfen. Ich will vorbereiten, viel vorbereiten, mit der nun erlangten Ruhe der Jahre , . ." Lin lklalsiker 6es Schwulstes. Am 6. Januar sind 250 Jahre dahingegangen, daß Heinrich A n s h e I m von Ziegler und Kliphaufen, ber berühmte Verfasser ber vielgelesenen „Asiatischen Banisc", das Licht ber Welt erblickte. Dieser etwas hypochondrische schlesisckw Edelmann, der, ein rechter Mensch des deutschen Barock, kränkelnd und vergrämt auf seinen Gütern saß und dabei die wildesten, blutrünstigsten und abenteuerlichsten Geschichten schrieb, hat lange Zeit, bis in bic Tage Gottscheds, für den klassischen Prosa- Schriftsteller unserer Dichtung gegolten: seine Sprache er feinen als bas unübertreffliche Muster leidenschaftlichen Ausdrucks. Wie viele Schöngeister haben nicht um bic Wende des 17. Jahrhunderts den Anfang seines großen Romans auswendig deklamiert und darin einen .Höhenflug der deutschen Musen verehrt! Diese pathetische Deklamation, ein gutes Beispiel für Zieglers Stil, beginnt folgendermaßen: „Blitz, donner und Hagel, als die rächenden werckzeuge des gerechten Himmels, zersaimcttere den Pracht deiner gold-bedeckten thürmc, und die rache der Götter verzehre alle bcsitzer der stadt: Walten die Götter! es könnten meine äugen zu donner schwängern wolcken, und diese meine thränen zu grausamen sünd-fluthen werden: Ich wolte mit tausend keulen, als ein fenerwerck rechtmäßigen zorns, nach dein hertzen des vermaledeyten blut Hundes werfsen, unb bellen gewiß nicht verfehlen." Der eble Stistsrat zu Wurzen, den die vielen Mühen seines ewigen Lebens und Studierens und bic Aufregungen seiner Schriftstellcrci schon im 37. Jahre da hinraff teu, hat iveitschichtige historische Kompilationen in seinem „Historischen Schauplatz" und „Labyrinth der Zeiten" geboten, beliebte Mobc- werke, aus benen man gern feine Geschichtskenntnifse entnahm; er hat in seinen biblischen Helbengeschichten Männlein unb Weiblein bcs Alten unb Neuen Testaments im hochtrabend bombastischen Ton Hofmannswaldaus einander anschwärmen lassen; Adam korrespondiert mit Eva, Moses mit Zipora, Holofernes mit Judith usw.; der biblischen Liebespaare ist fein Ende. Aber all diese Exerzitien hätten Ziegler nicht berühmt gemacht. Dies tat sein Roman „Asiatische Banisc, Oder blutiges doch muthiges Pegn, In Historischer und mit dem Mantel einer Heiben- unb Liebes-Geschichte bedeckten Warheit beruljieubc". Die Banisc war das Licblingsbuch der deutschen Lesewclt von 1690 -1730. Sie erschien immer wieder in neuen Auslagen, die letzte iwch 1766. Eine Fortsetzung lieferte Joh. G. Hamann, Es fehlte Wirtschaft. Sie boten den deutschen Wehrpflichtigen 350 Frantz, wenn sie sich verpflichteten, mit ihnen nach Frankreich zu fahren und sich dem nächsten Werbcbureau zu stellen. Wenn es To nicht geht, greifen die Werber zur Lift oder Gewalt, wie mir an dem oben erwähnten Fall gesehen haben, der durchaus nicht vereinzelt dasteht. In der Fremdenlegion finden unsere unglücklichen Landsleute harte Arbeit, schlechte Löhnung und strenge Strafen bei den kleinsten Versehen. Und wenn ein Legionär die Strapazen übersteht, so wird er mit ganz geringen Barmitteln aus Frankreich abgeschoben. Also sogar der Ehrenpflicht, für seine alten Fremdenlegionäre zu sorgen, entzieht sich das reiche Frankreich, das nach seiner eigenen Meinung an der Spitze der Zivilisation marschiert. Es ist unbebreiflich, daß es den europäischen Großmächten noch nicht gelungen ist, Frankreich zur Beseitigung dieses kultureUen Schandfleckes zu bewegen. 1 •<-— —— - j Vom national iberalen Verein in Darmstadt. bs. Darmstadt, 6. Jan. Ter nationalliberale Verein in Darmstadt hielt heute seinen zweiten Vortragsabend über politische Gegenstände ab. Ingenieur Schäfer sprach über die bayerische Politik. Ter Redner begann mit der Zeit der Auflösung des bayerischen Landtages und charakterisiert die Ag tatiou des Zentrums in dein Wahlkampfe, die in jeder Beziehung skrupellos gewesen sei. Er belegt dies durch Acußerungen der Zentrumspresse. Der Redner behandelte dann das Groß- blockabkommen. Er bezweifelt die Möglichkeit eines Großblocks, da das Zentrum eine Vormachtstellung in Bayern besitze, die ihm nicht streitig genracht werden könne, zümal bei ber' bestehenden Wahlkreiseinteilung, lieber den Frhrn. v. Hertling sagt der Vortragende, daß ein so gefestigter Charakter seine Ansicht nicht ändern könne; das falt er auch in seiner Tätigkeit bewiesen. Tie Jesuitenfrage sollte die erste Tat des neuen Ministeriums sein. Es wnr^e-ohne Frage hierbei der Versuch gemacht, die Reichsgesetze zu umgehen. Das Bestreben, alles in Bayarn zu konfessioualisieren wird von dem Redner besonders betont. Die Frage der Regent- scha't ist aufgegrisfen worden von den „Münchener Neuesten Nachrichten. Tas Vorgehen der Presse in dieser Frage wird von dem Redner scharf verurteilt. Die Bloßstellung der Krone durch den Brief an den Minister-Präsidenten sei auch eine Schuld des Mi- 'listervräsidenten. Auch die Frage der „Bayerischen Staatszeitung" schneidet der Vortragende an. Tie Tatsache, daß der Staat hier ein Privatunternehmen unterstützt, sei verurteilenswnrdig. Der Staat mißbrauche hier seine Macht. Der- Redner schloß, daß es die Ausgabe der Liberalen sein müsse, das Ministerium Hertling scharf zu bekämpfen. — Ter Vorsitzende der Versammlung, Tr. Osann, zog einen Vergleich zwischen Bayern und H esse n und kommt zu dem Ergebnis, daß in .Hessen doch mehr praktische Politik getrieben werde. Die Regentschaftsfrage und die Einrichtung einer Staatszeitung sei vom Redner doch wohl zu einseitig behandelt worden. Es sei doch zu begrüßen, wenn ein Ministerpräsident sich von der Parteipresse unabhängig mache. Tie Frage der Staatszeitung im Sinne des Tr. Osann behandelt auch der Rewrendar Tingeldey. Tie Bündnispolitik mit der Sozialdemokratie verurteilt Prof. Dr. Nestling. Ans Stadt und Land. Gießen, 7. Januar 1913. ** Tageskalender für Dienstag, 7. Januar: Stadt- t h e a t e r : »Magdalena.* Anfang 8 Uhr. Italienische Preffestimmcn. Rom, 6. Jan. Die Ernennung des deutschen Botschafters v. I a g o w zum Staatssekretär des Auswärtigen 'wirb von sämtlichen Blättern aufs wärmste begrüßt. „P o p o l o Roman o" schreibt: Wenn uns ein wenig Egoismus erlaubt wäre, hätten wir keinen Grund, uns über die Beförderung Jagows zu freuen, da sie uns nicht nur eines sympathischen und illuftren Vertreters einer befreundeten Nation, sondern eines der aufrichtigsten Freunde Italiens beraubt. Das Blatt betont dann, mit tvelchem diplomatischem Geschick und welcher Liebenswürdigkeit Jagow während des Trienniums die Botschaft geleitet und sich in allen hiesigen Kreisen Sympathien erworben habe. Das Blatt schließt mit dem Wunsche, daß Jagow in Berlin dieselbe persönliche Genugtuung wie in Rom finde. „M e s s a g e r o" hebt die großen Verdienste Jagows um die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Italien und die vorzeitige Erneuerung des Dreibundes hervor, an der er energisch mitarbeitete. Das Blatt wünscht Jagow, daß er seinen Namen mit dem Friedenswerk verknüpfe und wahrend seiner Tätigkeit in der Wichelmstraße die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien immer herzlich bleiben mögen. „Vita" schreibt: Jagow trug zur Unterhaltung der lebhaftesten Freundschaft zwischen Deutschland, Italien und Oesterreich-Ungarn bei. Die Italiener seien Jagow dankbar für das vollbrachte Werk und wünschten daß er sein Freundschaftsgefühl für Italien auch als Minister bewahre. Die „Trifruna" bemerkt: Wenn auch die Ernennung Jagows uns eines ausgezeichneten Freundes und lieben Gastes geraubt, so kann sie in Italien doch nur mit warmer, allgemeiner Sympathie begrüßt werden. Ter Botschafter Jagow hinterläßt bei uns ein Andenken an seine Person und sein Werk, das bei den Italienern nicht so leicht verwischt werden kann. Und das ist es, was uns allein für ben Verlust unseres Gastes entschädigen kann, daß die Person des neuen deutschen Staatssekretärs des Auswärtigen uns eine Garantie ist, daß die auswärtige Politik des verbündeten Staates immer mehr von dem Geiste warmer Freundschaft durchdrungen sein wird, auf der der Dreibund beruht. „G i r o n a l e d ' I t a li a" meint, es sei Jagows Verdienst gewesen, daß die deutsche Regierung den Botschafter Marschall stiner Zeit abberief, dem türkenfreundlichen Freiherrn von der Goltz den Maulkorb anlegte und so die italienfeind'iche Presse Deutschlands während des Tripoliskrieges zum Schweigen brachte. Als Nachfolger Jagows in Rom wird mit Bestimmtheit der Generalmajor Oskar v. Sche- lins, diensttuender General a la suite des Kaisers, genannt, der früher in Rom Militärattache war. Aus Hessen. Aus der amtlichen Statistik. Im Großherzogtum Hessen bestanden im Jahre 1912 nach der amtlichen Statistik 978 eingetragene Genossenschaften mit 154 351 Mitgliedern, davon sind 814 Genossenschaften mit 104042 Mitgliedern solche mit unbeschränkter und nur 164 Genossenschaften mit 50 309 Mitgliedern solche mit beschränkter Haftpflicht. Deren Haftsumme beträgt über 20 Mill. Mark. Seit 1907 hat sich die Zahl der Kassen um 73, die Zahl ber Mitglieder um etwa 50 000 Mk., die Gesamthailsumme um nahezu 9 Millionen Mark vermehrt. Seit einem Jahre sind nur bei den Rohstoffgenossenschaften und bei den landw. Produklioge- noßenschaften, Milch usw. kleine Vermehrungen zu verzeichnen, die übrigen blieben sich beinahe gleich. Auch zwei Zeitungs- Genossenschaften mit 107 Mitgliedern und einer Gesamt- Haftsumme von 9450 Mk. sind vorhanden. Die Zahl der Ge- nossenschaften verteilt sich auf die 3 Provinzen ziemlich gleichmäßig. Die erste Stelle nehmen die Kreditgenossenschaften mit überwiegend städt. Cha rat ter ein, die eine Haftpflicht von über 16 Millionen Mark repräsentieren. Tie Zahl der Recht st reitigkeiten ber den Gewerbe- und Kaufmanns gerichten in Hessen betrug nach der amtl. Statistik i. I. 1911 bei den Gewerbegerichten 2191, bei den Kaufmannsgerichten 296, davon ivurden durch Vergleich erledigt bei den Gewerbegerichten 1032, bei den Kaufmannsgerichten 130 Fälle, durch Verzicht 26, durch Anerkenntnis 135, 15, durch andere Endurteile 250, 48, unerledigt blieben 738, 101. Tie Tätigkeit der Gewcrbegerichte als Einigungs- ä m t e r wurde nur seitens der Arbeitnehmer in 5 Fällen in -rarmswdt 4, Offenbach 1 angerufen. In Darmstadt kam in allen Fällen weder eine Vereinbarung noch ein Schiedsspruch zustande. In Offenbach blieb der Fall unerledigt. Als Einigungs- ämtcr traten die, Kaufmannsgerichte nicht in Tätigkeit. Gutachten sind bei den Gewerbe- und Kausmannsgerichten nicht abgegeben worden. Die gewerbsmäßige Stellenvermittelung im Großherzogtum Hessen ergibt nach der amtlichen Statistik, daß wm, 1. März 1912 von .den Geschäftsinhabern 31 dem weiblichcü Geschlechte angehören: es wurden nur 1 männlicher und 10 weibliche Gehilfen beschäftigt. Tie weitaus überwiegende Zahl der Geschäftsinhaber ist verheiratet oder verwitwet. Bei den männlichen Inhabern wird das Geschäft mehr als Nebenberuf betrieben. Die Zahl der besetzten Stellen und die Zahl der Aufträge von Arbeitnehmern ist in dem Jahre 1911, also in dem ersten Jahre nach dem Erlaß des Stcllenvermittlergesetzes bedeutend in die Höhe gegangen. Man vermutet nicht ohne .Grund, daß sich das Publikum mehr an eine bureaumäßige Art der Vermittelung gewöhnt har, mitbeftimmenb können auch die niedrigen Tari^ffestsetzungen fein. Trotz der Fortschritte der Arbeitsnachweise auf 'dem Gebiet der landwirtschaftlichen Stellenvermittelung beherrscht die gewerbsmäßig Vermittelung hier noch durchaus das Feld, ja jie ist auf diesem .Gebiete in steigendem Masse tätig. Im Steuerjahre 1912 wurden in Hessen 11 938 besondere Aufforderungen zur A b g a b e n e u e r Steuererklärungen erlassen. Im ganzen wurden 14 873 Steuererklärungen mit einem deklarierten Einkommen von nahezu 128 Mill. A a r k abgegeben. Von den abgegebenen Erklärungen wurden 5.-)62_ beanstandet. Deklariert wurden an Einkommen, soweit sie beanstandet waren, 37 615 702 Mk. versteuert, dagegen resp. veranlagt 43 953 262 Mk. res. 6 337 560 Mk. oder nahezu 17 Proz. mehr als deklariert. Ans dem Wahlkreis Friedberg-Büdingen. § Bad-Nauheim, 6. Jan. In einer von Sanitätsrat Tr. Baur, dem Vorsitzenden des hiesigen Nationalliberalen Vereins, eröffneten und gut besuchten öffentlichen Versammlung sprach unser Neichstagsabgeordneter, Landgerichtsrat Strack-Gießen, gestern abend in der Turnhalle über die politische Lage. Eingehend erörterte der Redner die Tätigkeit des abgelaufenen Reichstags, sowie die Aufgaben, die dem jetzigen gestellt sind und kennzeichnete seine Stellungnahme zu den einzelnen Hauptfragen, zur Heeres- und Teckungävorlage zur Frage der Futtermittelzölle, zur Fleischteuerung, zum Petro- leummonopol und zur kleinen Novelle des Strasgefetzbuches, welch letztere er, da sie verschiedene Milderungen im Prozeßverfahren bringen wird, mit Freuden begrüßt. In der Aussprache beantwortete Landgerickstsrat Strack verschiedene, aus der Versammlung an ihn gerichtete Fragen. Der „Straßenbahnerverein" Gießen hatte am Sonntag sein Weihnachtsfest im Kath. Vereinshaus. Der besuch zeigte welch großer Sympathie sich unsere Wagenführer erfreuen; last alle Stände waren vertreten Tie reichhaltigen Darbietungen erzielten großen Beifall. Der Prolog, der von dem achtiahrigsn Töchterchen eines Führers gesprochen wurde, gefiel sehr. Die lebenden Bilder und die Theaterstücke zeigten das; die Dilettanten überall zu Hause. Ein Tanz hielt die Teilnehmer bis zum frühen Morgen zusammen. Ern Ausfr ild ungs kursu s für Dekora- tionsmaler wird frei ausreichender Beteil gung von der Zentralstelle für Gewerbe in Darmstadt unter Leitung des Malermeisters H. I. Nover vom 3. bis 22 Februar Oeran£aIte?- SJS* Unterricht erstreckt sich auf Bemalung boit Wanden, Decken und Möbeln in den verschiedenen Techniken. Gelehrt wird die Faß- und Freskomalerei, sowie Patinieren einschließlich der einschlägigen Preisbere.' - nnngen und Materialienlehre. Das Unterrichtsgeld beträgt •(5t.aat^anfle^ri9e 25 Mk., für Nichthessen o0 Mk. Detoratronsmaler und Weißbinder mit ausreichen der Vorbildung, welche an diesem Unterricht teilzunehmen wünschen, wollen sich bei genannter Behörde, die zu näherer Auskunft gerne bereit ist, baldigst melden. Der II äd tische Sees, sch markt, dessen Abhaltung m der Weihnachtsmoche und zwischen den Jahren eingestellt worden war, wird vom nächsten Donnerstag ab wieder allwöchentlich in der bekannten Weise stattfinden. Landkreis Gießen. 13. Treib a. L, 5. Jan. Heute nachmittag hielt auf Veranlassung der Landwirischastskammer in der Bennerschen ** Die Handelskammer wählte gestern ihren seitherigen Vorstand wieder, also Geh. Kommerzienrat Heichel- heim zum Vorsitzenden, Kommerzienrat Schirmer-Gießen zum 1. und Kommerzienrat Grünewald-Alsfeld zum 2. stellv. Vorsitzenden, soivie Kaufmann Röhr zum Rechner. ” Die Mitglieder der Handelskammer besich- ligten gestern nachmittag unter Führung deS Oberbürgermeisters Mecum und des Direktors Stolte das Städtische Elek- t r i z l t ä t s w e r k. •• Stadttheater. Wegen Absage von Fräulein Riza Bajor muß für die Abonnements-Vorstelllingen om Mittwoch und Freitag, „Herodes und Mariamiie" und „Hedda Gabler", eine Aendernng deS Spielplanes eintreten. Es gelangt am Mittwoch zur Aufführung der erfolgreiche Schwank .„So 'n Windhund", am Freitag die neue GesangSpossc ..Parkettsitz Rr. 10." — Aufführungen von „Herodes und Manamne" und „Hedda Gabler" finden noch in diesem Monat statt. ** B. H. C. Einen teilweisen Rundgang um Gießen veranstaltete am Sonntag der V. H. E. Gießen anläßlich seiner 10. Vereinswanderung 1912/13. Nahezu 70 Teilnehmer hatten sich am Treispnnil am Lutfarberg eingefunden, um gemeinsam die gelbe Punktmarklerung (das jüngste Erzeugnis der Gruppe III vom W. B. A.) abzugehen. Diese Wanberstrecke, die namentlich an heißen Tagen sehr zu einpfehlen ist, führt die alte Anneröder Straße, den Butterweg entlang, in dem bie Stadtverwaltung in dankenswerter Weise einen neuen Waldweg anlegen ließ, zum Hohe Wartturm, dessen Besteigung sich, erübrigte, da der herrschende Nebel keine Fernsicht zuließ. Von hier überschreitet der Weg die Licker Straße, stets durch unseren herrlichen Stadtwald führend, um nach etwa IV2 Stunden (vom Ausgangspunkte gerechnet) den Schiffeiiberg zu erreichen, der sich gerade von dieser Seite besonders malerisch dem Auge des Wanderers darbietet. Eine längere Rast $cin durchwärmten Saale schien unseren Teilnehmern am Platze, und nach genügeiiber Stärkung wurde die Wanderfahrt fortgesetzt. Wiederum den gelben Punkten folgend, ging es hieraus durch den Bergwerkswald zur Theodorsruhe, von der man einen prächtigen Blick zum Schissenberg genießt. Um die Wanderung etwas ausziidehnen, beschlossen die Führer die Markierung, die über Klein-Linden führt, zu verlassen. Nach manchem Umher- Itreifeu in den schönen Waldungen der Lindener Mark wurde bei der Waldschenke die Landstraße erreicht, von wo die Teil- nehiner m verschißenen Abteilungen der Heimatstadt wieder zuwanderten. Warnung vor der zremdenlegion. Gießen, 7. Januar. Das U nwesen der französischen Fremdenlegion fordert nach wie vor weitere Opfer und leider sind es zumeist Deutsche, die dieser mittelalterlichen Einrichtung zum Opfer fallen Tie Leute werdeii durch gewissenlose Werber betrunken gemacht und dann über die Grenze geschleppt. So besuchte uns dieser Dage efn Mann aus Ober-Widdersheim, ber ebenfalls (juT diese Art in die Fremdenlegion geraten war unb vor einigen Monaten m die Hnmat zurückgekehrt ist, nachdem er 12 Jahre 'emes Lebens dem französischen Barbarismus geopfert lwt. Wie es dort hergeht, geht aus der Tatsache hervor, daß der Mann Meimal Fluchtversuche gemacht hat. Einmal glaubte er schon an Bord eines Schiffes m Sicherheit zu .sein, er hatte Aber 'ba" sonderbare Pech, auf ein franizömches Kriegsschiff zu geraten und mürbe zu ferner Truppe zurückgebracht. ... Wce weit verbreitet das französische Werbesystem bet uns ist, zeigt folgende Meldung aus: r n s efVft6’ xan‘ . "®ie Polizei nahm gestern fünfFran - zosen fest, darunter eine Frauensperson, die Werber für * c md en leg i 0 n luaren. Tic Werber durchzogen als len- und Parfumeriehändler hausierend Elsaß-Lothringen und hatten m letzter Zeit ihr MM^equartier in einer Metzer u.icht an Nachahmungen: so gab es eine „deutsche Banise", eine, „engeländische Banise Prinzessin von Sussex" Gottsched empfahl das Buch als einen trefflichen Stoff für Dramen, und nach der verunglückten Tragödie des Arztes Ludwig machte Grimm ein dramatisch wirksames und lebendiges Stück daraus, ^luch als Opernaestalten nach einem Tert von I. Beeeeau rührt-m der Wutench Chanrnigren, der edle Prinz Balanein und die un beschreiblich schöne Banise mit ihren Trillern und Ruladen die Herzen ber Hörer. Ziegler knüpft in dem Buch an das Interesse uU'..oiis man damals durch die Reisebeschreibnngen für die oft- • rnbiidicit Lander bekommen hatte. Er wählt einen historischen Vorgang im Reiche Brama und läßt seine Phantasie in ungeheuerlich burlesken Vorstellungen schwelgen. Unter den vielbändigen Romanen der Zeit zeichnet sich die Erzählung durch verhältnismäßige Kürze, durch Lebendigkeit und ein unleugbares Erzählertalent aus. Neben dem edlen Helden steht der derb realistische Diener Scanbor, wie Sancho Pausa nehm Don Oiurole. Ungewöhnlich lange erhielt sich die Banise ntCn Eigenschaften und trotz des unerträglichen Schwulstes m der Gunst des Lesepubllknms. Gottsched empfahl sie m den Vernünftigen Dadlerinnen" als musterhafte Prosa Tbc .'Vtes Muster eines gesunden ü- Ä li?1 •h^nnnc0 gepriesen. Dem jungen Goethe ist "ich C ha nm igren, der eine populäre Figur des Puppen ÄulÄ ■nar' wohlbekannt: in der Kindheitsgeschichte bc. TJlhelm ..(elfter muß der König Saul auch diesen .Haupttyrannen ,m schwarzen Samtkleide darstellen. Aber in den deutschen Ltteraturbriefen belegt Abbt einen in Aegypteii spiclen- den schlechten Roman nut bem Schimpfnamen einer „ägyptischen 5anuc und ber „bunte ^Äellenklang" des einstigen Modebuchs wirb eine sehr altvaterische Schönfant der ehrwürdigen bar- baru.chen Jahrhunderte" genannt. Als die wirkliche Klassik der ^'^süLueratiir zu erbl.ihen begann, hatte der „Klassiker des , Schwulstes" seine Rolle ausgespielt. ** Ordensangelegenheit. Der Großherz-og hat dem Chefredakteur der Illustrierten Zeitung Olto sonne zu Leipzig die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großhcrzog von Oldenburg verliehenen Chren-Ritterkreuzes 1. Klasse des Haus- und Verdienstor dens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erteilt. ** Erl edigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weinolsheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. ** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versaminlung am Donnerstag, 9. Januar, nachmittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung voraeseheu: 1. Auslosung von Schuldverschreibunaen. 2. Mitteilungen. 3. Baugesuch des Professor Dr. von Eicken für die Friedrichstraße. 4. Baugesuch Georg Martini für die Schillerstraße. 5. Genehmigung zum Aubringeii von Zeitungskästen am Hause Bahnhofstraße 23. 6. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Marburger Straße, Ost-Anlage und Moltke- straße. 7. Anschaffung von Anhängewagen für die Straßenbahw 8. Einrichtung der alten Klinik für Zwecke der städtischen Verwaltung und des Polizeiamts. 9. Genehmigung von Rechnungen. 10. Rechnung der Arntentasse für 1911. 11. Teilung von Klassen der Stadtknabenschule. ** Der Bauassessor Bauinspektor Schön ist icruf fein Nachsuchen mit Wirkung üom 1. Januar 1913 aus dem Staatsdienst entlassen worden. Wie wir erfahren, wird Herr Schön seine Tätigkeit als Privat-Archi- t e k t, die er während seiner einjährigen Beurlaubung begonnen hat, weiterfiihren und seinen Wohnsitz in Gießen beibehalten. Das Ministerium hat ihm gestattet, seinen früheren Titel „Regierungsbaumeister" mit dem Zusatz „a. T." weiterzuführen. — -Anter nationale Geologische Vereint g n n g beschäftigte sich am Sonntag in den Räumen des Senckew bergimlums zu Frankfurt a. M. mit der Stellung der G e 0 l 0 g i e i m 11 n ter rlchtswe,en und nahm dazu mehrere Vortrage entgegen. Gegen den Verband Preußischer Oberreal- fchuldirektoren, der den natunmnenschaftlicheii Unterricht be= tranken will, nahm die Versammlung scharf Stellung. Geheimst Steinmann/Bonn) regte die Schaffung einer geologischen 85crI-LrilJtmbl-rcf)?tc Bereinigung an. Mit der Tagung war zugleich die Vorftandswahl öerbunben. Es wurden gewählt Ge- heiwrat s u ß (Wien) als Vorsitzender, Geheimrat Kayser lMar- bttrg), Aos Holzapfel (Straßburg), Prof. Molengraaff (Holland) Prof Teiner (Pans) und Direktor Tscherni- tschow (Petersburg). !Am 2. D^emfrcr 1907 wurde er ak? außerordentlicher Gesandter in Luremfrurg und am 9. Mai 1909 als Botschafter in Ronr beglaubigt. Herr von Jagow ist unverheiratet. Seinem Aeußern nach ist Herr von Jagow eine ganz andere Erscheinung als Herr von Kiderlen-Wächter, nur mittelgroß, sehr schlank, ausfallend jugendlich von Gestalt und Aiitlitz und in der Unterhaltung der liebenswürdige, vornehme und gewandte Weltmann. Fürst Bülow hat ihn eines Tages als den fähigsten von seinen jüngeren Diplomaten bezeichnet, unb er hat diesen Ruf unter teilweise sehr schwierigen Verhältnissen unb Zeitläuften in Rom burchaus gerechffertigt. Auch mit der deutschen Kolonie in ber italienischen Hauptstadt stand er auf bestem Fuße, trotzdem sein nicht sehr kräftiger Gesundheitszustand ihm in der Ausübung seiner Repräsentationspflichten manchmal Besckfränkung auferlegte. Der Nachfolger Herrn v. Kiderlen-Wächters hat zwei Brüder Günther unb Hermann unb zwei Schwestern Hedwig und Elisabeth. Während der Rittmeister a. D. Günther v. Jagow eine Gräfin von Perponcher-Seblnitzky geheiratet hat und zu seinen Verwandten die Wartensleben und die Schulenburg zählen darf, hat Hermann v. Jagow, Landrat des Kreises Osterburg und Mitglied des Abgeordnetenhauses, ein Fräulein Ellionor Löbbecke geheiratet. Die beiden Schwestern Gottlieb v. Jagows sind verwitwet. Im Jahre 1876 haben die v. Jagows einen Familien- gegründet, der alljährlich seine Sitzungen abhält, und dessen Vorsitzender der Oberpräsident von Weftpreußen Ernst v. Jagow aus bem Hause Aulosen ist. Einen erkennbaren Druck von Initiation hat v. Jagow während des tripolitanischen Krieges gezeigt. Die deutschen Offiziösen haben sich damals wieoerholt um eine Italien freundliche Beeinflussung der Presse bemüht. Da .n den Gang der türkischen Angelegenheiten von Deutschland nicht tatkräftig eingegriffen worden ist, war es wohl auch zu billigen. Der Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Rom: Botschafter von Jagow verläßt am 8. Januar Rom, um in Berlin das Staatssekretariat zu übernahmen unb k-'hrt 'pcfter noch ei'ima" nach Rem z rück, um dem Kön'g sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Augenzeugen f» lgcnbcrma6.cn geschildert: Ich nxrr nut meinem Automobil von Dö-eritz auf der Rückfahrt nach Berlin begriffen An den Lahn- Kreis Lauterbach. Den größten Rind (die fünftgrößte Gebe r Beachten Nie was folgt Durch anstrengende Kopfarbeit war ich sowohl geistig alt körperlich K.J5PATZ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ygrfaA öonHüHQnu.Hognina i Fibrik.Weltruf.(Badnn Direktor verlassen. Schlage eisernen eisernen wurde, worden So Ijat UVeißbrot 2 Sig. 56 btg„ Schwarzbrot 2Rg.48 Big. TRAIEll II 1) T H-: |a‘J/il A-Salonion &Oe. Skr Bedarf hat Wetteraussichten in Hessen für Mittwoch, den 8. Jan. 1913: eist trüb unö nebelig, verbreitete, mcift leichte Niederschläge: Südweitwtnde. Krippen in Berührung gekommen, von denen durch die .Halsketten die Elektrizität aus die Ullihe übergeleitet Wenn den Tieren sofort die Halsschlagader geöffnet wäre, so würde deren Fleisch genießbar gewesen sein, man sie aber liegen lassen und sie später der Kadaver- nmrbcn, ereignete sich am Montag am Väynberg bet Der „Vossischen Zeitung" wird der Vorfall von einem Wetzen luO Kg. 21.25— Oo.OO 'Mk. Roggen 100 Kg. 18.00-18.25 Mik. Abschliesser :: zum Verdichten :: schlecht schliessender Fenster und Türen Tic Marktpreise für Vieh unb Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcisc am 6. Januar 1913. Herden abgeschlachtet werden mußten. Viehbestand hat tue Gemeinde Maar meinde des Kreises) aufzuweisen. Kreis Friedberg. Lohrey, rm Dorfe allgemein „Essig" genannt. = Wenings, 4. Jan. Unsere Wasserleitung lammt nun zustande. Die von der Gemeinde erworbenen Quellen in der Gemarkung Gedern, nahe der Bahn Ober- seemen—Alteburg, sind bereits gefaßt und erweisen sich als recht ergiebig. Die Ausschreibung der Arbeiten dürfte demnächst erfolgen, so daß noch vor Frühjahr Hand ans Werk gelegt werden kann. Außer Wenings wird auch der Weiber Schönhausen, der zur Gemeinde Gedern zählt u.nd von jeher unter Wassermangel zu leiden hatte, mit» versorgt werden. Bis zum Herbst 1913 soll die Leitung fertig sein. Hessen-Nassau. |] Marburg, 6. Jan. Nachdem man längere Zeit von den wegen des bekannten Mords bei Fulda verfolgten Zigeunern Will), und Herrn. Ebender (der dritte, Ernst Ebender, ist schon abgcurteilti,in unserer Gegend, in der sie ja recht gut bekannt sind, nichts gehört hatte, verbreitete sich gestern die Nachricht, daß zwei verdächtige Männer, auf die die Beschreibung haßte, sich in den Lahnbergen auflßelten. Im Walde roaren sie Spaziergänger)! begegnet und außerdem hatte man sie in verschiedenen Dörfern, z. B. in Wolfshausen, Schröck und Bürgel gesehen, sie waren also anscheinend von Süden nach Norden immer den Weg durch die Waldungen nehmend, gezogen. Die sofort durch Gendarmen ausgenommene Verfolgung der Verdächtigen hatte keinen Erfolg. ff M a r b u r g , 6. Jan. In dem nahen Bierdorf Ockershausen, wo die meisten studentischen Mensuren geschlagen werden, starb ein seit vielen Jahren, besonders in Studentenkrciseu bekannter Mann, der Gemeindegänsehirte Heinrich $ BadNauheiin, 6. Jan. Von dem alten Salinen- gelände, wo sich jetzt das neue Grand- H o t e l erhebt, werden auch die beiden letzten noch vorhandenen Gebäude bald verschwin- deu. Ans dein Goldstein, jenseits des Bahnkörpers, werden neben der neu-'lt Saline neue Häuser für Salinenbeamte errichtet werden. Auf der neuen Saline wurden im abgelaufeuen Jahr rund 30 000 Zentner Salz gewonnen. Für die Salzsiedung sind drei Pfannen vorhanden: dazu kommt nod) eine Pfanne, die für die Herstellung der zu Vadezwecken dienenden Mutterlauge gebraucht wird. L. Friedberg, 6. Jan. Dec Gew erbe-A lade mie will seine Stellung Starkenburg und Rheinhessen. I verletzt — Darmstadt, 6. Jan. Die Landwirtschaftskammer ver-! Staken. Visitkarten liefert billigst Briibl'fchc Univ.-Druckerei Gießen. ~ Lauterbach, 6. Jan. Bei der am 2. Dezember 1912 vorgenommenen Viehzählung wurden im Kreise Lauterbach nachstehende Viehbeffände ermittelt: Pferde 2167 (im Jahre 1907 1997), Esel 3 (0), Rindvieh 22 223 (25 169), Schafe 4458 (6065), Schweine 17 064 (17 821), Ziegen 2888 (2841), Federvieh 50 320(47 298) und Bienenstöcke 1851 (1585). Die Hansschlachumgen betrugen im Jahre 1912; Rindvieh 114, Schafe 59, Schweine 7433, Jiegen 390. Der bedeutende Rückgang des Rindviehs um 1946 Stück gegen das Jahr 1907 ist vornehmlich auf den vorjährigen Futtermangel zurückzuführen, während der Rückgang. der Schafzucht um 1607 Stück hauptsächlich der ort ausgetretenen Schafräude zuzuschreiben ist, wodurch ganze Dcrmifcbtcs. * Liebesdrama. In Rohrbach bet Heidelber verletzte heute früh der 20jährige Georg Weidemeier au Seimen feine 19jährige Geliebte Käthe Langens Herrn au Rohrbad) durch 3 Revolverschüsse schwer und versuchte dann dun Erhängen Selbstmord zu begehen. Das verwundete Mädchc wurde in das akademische Krankenhaus gebracht und einer Operation unterzogen. Ihr Zustand ist bedenklich. Der junge Mann konnte nod) rechtzeitig an seinem Vorhaben gehindert werden. * Falschmünzerei. Wegen Herstellung falsd;er Zwei-, Ein- und Vs Markstücke wurde ein Insasse des Hamburger Werk- und Armenhauses verhaftet. Er lyatte seine freie Zeit im Logter- hause dazu benutzt, um die. falschen Münzen anzufertigen. Ter Verhaftete, der auf der linken Seite gelähmt ist, verbüßte bereits wegen Falsdstnünzerei 21 Jahre Zuchthaus. * E i n unseliger Schuß. Die in Großwardein bei ihren Verwandten zu Besuch weilende Tochter des Handelsministers Beöthy v. Bessenyö begab sid; nach dem Abendessen bei ihrer Großmutter ins Nebenzimmer, um, wie sie sagte, dem Vater einen Brief zu schreiben. Als sie den auf dem Schreibtisch liegenden Revolver entfernen ivollte, entlud sich unglücklicherweise die Waffe und die Kugel tötete das Mädchen. * (Sin merkwürdiges Vorkommnis hat sich in Heeren im Landkreise Hamm ereignet. Ein Gutsbesitzer ließ seinen Stall an die elektrische Leitung auschließen. Der Beamte anstaltet Ende Februar in Darmstadt ihre 2. Pferde- iinbj Fvhlenauktion, auf der nur Pferde und Fohlen hessischer Landwirte zugelasseu werden. Die Bestimmungen für die Auktion owie die Anmeldeformulare versendet die Landwirtschaftskammer in Darmstadt. Schlußtermin; für die Anmeldungen ist der 8. Februar. it. Offenbach, 5. Jan. Auf Einladung des Vogelsberger Höheuklubs sprad> kürzlich Kreisschulinspektor Pros. K i f f i n g e r Darmstadt über Schülerwanderungen. Einer damals durch ihn gegebenen Anregung folgend, veranstaltete der Leiter des hiesigen „Winderfalken", Dberlebrcr Fischer, durch Schüler des hiesigen Ghmnasiums zwei Konzerte zugunsten von Wanderungen bedürftiger Volksschule r. Beide Veranstaltnugen waren ehr gut besucht- und ergaben 425 Mark Reinertrag. Da mehrere Wandewereiue zu dem glcick)en Zwecke Beiträge leisten wollen, ist Hoffnung vorhanden, daß and) hier die Jugendwanderuugeu ür weniger bemittelte Kinder mehr gepflegt werden können. Kreis Wetzlar. O KiuAeub ach, 6. Jan. Der am 10. Dezember neu gewählte Gemcirrdevorsteh'cr .Heinrich Schäfer ist bestätigt worden. — Gestern abend hielt der Kriegerverein seine Hauptversammlung ab. Der Verein hat 50 Mitglieder, darunter 7 Veteranen. Die Rechnung ergab einen Kassenbestand von 253.75 9)tf Der Vorstand wurde w-ieder gewählt. Kaisers Geburtstagsfeier ist für Sonntag, 26. Januar, festgesetzt. Taufende nie Raucher ° empfehl, mein. aaranl. ungc- idiiDcfelt., deshalb sehr bekömmt, u. gesunden Tabak. I Tabakspfeife um- fonftzuBPId. meiner berühmten Tabake franko gegen llachn. Bille aneugeben, ob ncbcnflehcndc Gc- lundhellspfelle oder eine rcldigcldinlklc Bofzpfelfe oder «Ine lange PI. crtnünldil. m.Pf. des Verbands-Elektrizitätswerks hatte die Inbetriebnahme der Leitung von der Beseitigung von Mängeln abhängig gemacht, der Installateur setzte aber die Leitung früher in Betrieb, was zur Folge hatte, das; zum Entsetzen des Landwirts mit einem ~ ' elf Kühe erschlagen wurden. Die Leitung war mit den wiesen südlich) der Stadt, wo er sich mit seinen Gänsen befand, erfreute er gar oft die die Landstraße entlang ziehenden Passanten du^'h die Töne, die er seiner Trompete entlockte. Eine besondere Freude bereitete es ihm, wenn ihn die Musensöhne tm Wagen aufnahmen und in seinem Orte ablieferten. w. Hanau, 6. Jan. Beim 1. Bataillon des hiesiger Eisenbahn-Regiments wurden h u e 178 Typ h u s kranke -gezählt. 30 Kranke haben Hz Here Fieber. Be drei Kranken besteht noch Lebensgefahr. W Westfälisches 'S« Schwarzbrot sehr wohlschmeckend empfiehlt stete frifd) E. Muth, Feinbäckerei Lndwiaftraßc 44. 109942 vcrwertungsanstalt zugesührt. Die Frage, wer dem Landwirte den 6000 bis 7000 Mark betragenden Schaden zu ersetzen hat. wird nun die Gerichte beschäftigen. Das Elektrizitätswerk ist be: „Frkf. Ztg." zufolge gegen Haftpflicht versichert. Wahrsagen ist Schwindel und beim Publikum als solcher bekämet und deswegen straffrei. Unter dieser Begründung hat das Schöffengericht in Frankfurt a. M. eine Karten- legcriit f r e i ge s p r v ch c u, die wegen Betrugs angezcigt war. Die von der Frau zur Entlastung herheigerufeneu Zeuginueu Tapetenhaus Hcchstätter Brand platz 1 [227 EckcSehloßgasso Tel. 86 Unreiner Pickel, Miiesser, Blüten verschwinden sehr schnell, luenn mnn abendö den Schaum von Zucker s I’alcnt-Meili- zinal-Seile, ä St. 50 Pf. im.im und 1.50 M. (35u/,ig, stärkste norm) eintrvcknen läßt. Schanin erst morgens abivaschen n. miiZuckooh- Creine (ä 75 Pi. n. 2 Pi.) nachstreichen. Großartige Wirkung, von Tausenden bestätigt. Zu haben in der Uni vcrsitäio Apotheke, Hirsch- Apotheke, bei Aua. Roll, (S. Seibel, W- ftilbittacr, C. Schani, «. Karn, Ernst Roll u. W. Schrader, Trog. '(sl13/1) Das Domgut Römern von Konsumverein Giessen u.Umgeg. Unseren Mitgliedern, die Brötchen-^"» aussüllten, zur Nachricht, daß ÜJiittioodi, dm 8.Jmar, fr üb, die Verteilung beginnt. Ferner richten wir an die Mitglieder, die Marten noch nicht ausstilllen, das Ersnchen, dies nmgehend zu tun unb tm Bureau, Schanzenstraße, ab zu liefern. ()?/.] Ter Vorstand Wirtschaft Oekonomierat Weitzel-Lich einen außerordentlich lehrreichen Vortrag über „Die Vorteile der Jeldbereinigung* In 1^/zstündiger, anziehender Rede führte er sein Thema au§ und betonte zum Schluß die Wichtigkeit einer siebenjährigen Fruchtfolge, die gleich nach Beendigung der Feldbereinigung einzttrichlen sei, wenn der Landwirt die Vorteile richtig ans- nutzen ivotte. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine rrefflichen Ausführungen, die hoffentlich auf fruchtbaren Boden gefallen sind, da in einigen Jahren unsere Gemarkung bc- teinigt fein wird. — Lich, 5. Jan. Die Aufnahmeprüfung für den Eintritt in das hiesige Vorseminar (bisherige Präparauden- vnst.alt) findet in Zukunft nicht mehr tote bisher 14 Tage nach Ostern, sondern bereits vorher, dieses Jahr am 13. März statt. Alle Interessenten werden daher daraus aufmerksam gemacht, daß die Anmeldungen für den Eintritt mit den erforderlichen Anmeldepapiere (Geburts-, grüner Imps-, Vermögensschein vom Bürgermeister, Schulzeugnis mit Angabe der Leistungen in den einzelnen Fächern und krciSärztlicheS Gesundheitszeugnis) bis spätestens 10. März eingesandt werden müssen. O Lich, 6. Jan. Der Neubau unserer katholischen Kapelle ist im Aeußern fertiggestellt. Bis zum Herbst soll das Gebäude, das neben dem Kapellenranm auch noch eine Fa- milienwohnnng enthält, seinem Zweck übergeben werden. Die Gcsamtkosten belaufen sid) nach dem Voranschlag auf etwa 30000 Mark. — Verschiedene Kinderkrankheiten, u. a. Masern, find eben in der Stadt verbreitet. Kreis Büdingen. h. Büdingen, 6. Jan. Aus Anlaß seines 40jährigen Bestehens läßt der hiesige Veteranen- und Militärverein im Rathcmssckale eine Ehrentafel für die KriegSveteranen von 1866 und 1870—71, sowie für die Teilnehmer des China» und Südwestafrika-Feldzuges anbringen. A Bleichenbach, 5. Jan. Im Jahre 1914 begeht der hiesige Turnverein sein 50jähriges Jubiläum. ff- Hcrrnhaag b. Büdingen, 5. Jan. Unter außergewöhnlich starker Beteiligung von nah und fern wurde heute der Rekrut Ehrhard Zieg von Diebach a. H. hier zu Grabe g e t r a g e n. Zieg war im Herbst als Freiwilliger beim Trainbataillon in Darmstadt eingetreten und verlebte seinen crfteif Urlaub während der Feiertage bei seinen Angehörigen. Vor wenigen Tagen stellte sich bei rhm ein tückisches Halsleiden ein, das unerwartet schnell beit Tod herbeiführte. Der Hauptmann, ein Leutnant, Viele Einsährig-Freiwillige und andere Kameraden des Verblichenen gaben ihm das letzte Geleite, das Trompeterkorps des Trainbataillons spielte. Der Gesangverein trug einige Lieder vor und ließ einen Kranz am Grabe niederlegen. Ebenso wurden Kränze niedergclegt von dem Bataillon, den Unteroffizieren, den Einjahrig-Freiwilligen und den übrigen Kameraden der Kompagnie. unb hatte vier Fliogevoffiziere im Wagen. Wir fuhren am Hahnberg mit ziemlicl)er Geschwindigkeit vorbei. Unser Wagen war beleudstet. Plötzlich Freute, aus dem Felde kommend, int rcästen Winkel ein Leiterwagen, der unbeleuchtet war, unseren Weg. Beide Pferde und der Leiterwagen wurden von dem Atltoiuobil erfaßt und es kam zn einem Zusammenstoß, wobei Oberleutnant von Neumann einen Armbruch erlitt und auch der Kutscher des Leiterwagens schwer verletzt wurde. Beide Pferde wurden getötet und das Automobil beschädigt. Die übrigen Insassen kamen mit dem Schrecken davon. * Aus Furcht vor den: Irrenhaus hat sich im Hotel „Union" in München die in Warschau geborene 50jährige Gräfin Gabriele A p r a x i n aus Wien in ihrem Zimmer c r - hä n g t, während sid) ihr Gatte, der Rittmeister in der ungarischen Leibgarde Graf Sergius 2lpraxin im Gasthaus des Hotels befand. Ter Graf war mit feiner gemütskranken Frau nach München gekommen, um sie dort in eine Nervenheilanstalt zu bringen. * Schiffsunfall. Am Montag abend gegen 6 11 br rannte vor Fr iedrichsort der Kreuzer ,,S t r a ß b u r g" mit dem dänischen Dampfer „Christian II." zusammen. Der Kreuzer wurde von dem Dampfer gerammt, so daß die Abteilungen 13 und 14 im Vorderschiff voll Wasser liefen. Von der Besatzung der „Straßburg" wurde ein Mann schwer verletzt. Beide Schiffe befinden sich im Kieler Hafen. Kleine Tageschronik. Aus dem Schnellzug Halle—Berlin stürzte _ bei Groß - Lichterfelde ein russischer Student. An Kopf und Armen erlitt er schwere Verletzungen. Der Bankier Mohrdieck ans Itzehoe ist nach Unterschlagung von mehreren hunderttausend Mark mit seiner Gattin angeblich nach Italien geflüchtet. Tie Porzellanfabrik Kahla bat aus Anlaß ihres 25jährigen Jubiläums als Aktiengesellschaft für ihr Personal 10 0 0 0 0 Mark geslistet. Davon gelangen 60 000 Mark in bar zur Auszahlung, während 40 000 Mark der Unterstützmigskasse der Porzellaiisabrik übernnesen werden. In L a n g e n ö l s wurde 'bei einer in der Werkstatt des Tischlers Ludwig infolge einer anonymen Anzeige vor genommenen Haussuchung eine Kiste mit Falschmünzerwerk- zeugcn und ein Päckchen mit hundert falschen Hun dertmarkscheineu gefunden. Ludwig wurde ver- haftet und in das Gefängnis in Görlitz cmgeliefert. Er ist ein Brrlder des vor Monatsfrist wegen Herstellung fal scher Hundertmarkscheine verurteilten Gcfangenenauffel)ers Ludwig aus Görlitz. in uirr.iau „u. schneidenden So- Unoer Slahlwareu bestelle sofort in eigenem Imertssc unseren fiauptka- talOfl über tausende Artikel aller Art, den wir gratis und franko versenden. Gehr. Bell, GrälralM3?l). Soling ---■ Vabrik-Umandhan». ■-- Heater- und Ball- Tücher, -Hauben, Schals, Handsch., Fächer, Taschen, Strümpfe. Ban der, Spitzen, Sei denstosfe la'/" Salomon&Cie. Letzte Nachrichten. Friedensauss ichten. :/: London, 7. Jan. (Privattek.) Allgemein ist man hier der Ansicht, daß dar Krieg nicht w i e d c v ausgenommen werden wird. Dagegen wird die Halt u n g u m äniens, sowie die teilweise B c ibehalt ung der österreichischen Mobilmachung als ein gefährliches Anzeichen der Weltlage angesehen. Die Balkänstaaten haben sich dabin verständigt, daß sie keine Kriegsentschädigung verlangen wollen, wenn die Türkei auf Ädriauopel verzichtet. Ein Sh st e m w e ch s e l in d e r T ü rtei ? :/: Konstantinopel, 7. Jan. (Privattcl.) Die A n- zeichen. mehren sich, daß cs nach dem Friedensschluß zu einem Shstemwechsel in der Regierung kommen wird. Auch ein Thronwechsel ist nicht ausgeschlossen. U n r ii h e n i n M a r o t f o. :/: Paris, 7. Jan. (Priv.-Tel.) General L i a n l e h fordert dringend Verstärkungen. Nur an den Küsten herrscht Ruhe, im Innern wüten überall Ausstände. Der Streik int Saarrevicr ift beendigt. Saarbrücken, 7. Jan. Auf den Gruben „Belsen" und „Luisen t al" ist die Belegschaft vollzählig eingefahren. __________________ _______ „jlrlmlsi" macht [D12/n naMM) Keller,fenclite Wohnungen garant. Manht»*ocken. 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Ein Wilderer, welcher seine Leidenschaft nicht bezähmen kann, wird vom Jäger ertappt; seine Verfolgung über steile Abhänge und Felsen, durch Wälder und Auen halten den Zuschauer in atemloser Spannung. a7/, ?cr WcibnachWmaus beim Lhcriff Schauspiel in 1 Akt. Der glückbringende Zaun Glänzende Humoreske. Hauptdarsteller John Bunny und Frl. Frisch. Der Wunderfächer, Werdern daö vorzügliche neue Programm. Verein dersortschrittl. Volkspartei in Gießen Die ausden lO.Jan. l.Js. anberaumtc Wtglicdcr-Versammlung fällt wegen Erkrankung des Herrn Referenten aus. vV- ________________Der Vorstand. Natnrheil Verein Giessen. Donnerstag, den 9. Januar, abends 8V2 Ubr iin Saale des Hotel Schütz Oeffentiicher Vortrag des Lehrer a. D. Kirsten mit! Wcistenfels über ,Die gefiirchtetsten Kinderkrankheiten1 Eintritt für Nichtmitgliedcr 40 Pfg., für Mitglieder gegen ___________Vorzeigung der Aittgliedskarte frei.______IV4/1 Mess. Oeschichtsverein. Montag, 13. Januar, abends 8*/2 Uhr, im Hörsaal 2 des KollegiengebäudeS: Vortrag des Herrn hei. Dr. Ranch Die Kaiserpfalz Karls des Großen zu Ingelheim a.Rh. Gäste sind willkommen. v7/1 eines Manes • Ab heute bis inklusiuc Freitag: ® © Ein deutscher Knnstsilm • : Gescheitert: oder * Dor ewige Kampf zwischen Ehre und Liebe9 ® Liebestragödie eines jungen schönen Mädchens ® In 3 Akten. ® In der Rolle von Toni Hagen: Fräulein $ Ilse Oeser, die Heldin ans „Sündige A Liebe" und „Madeleine" u. a. w Der Film zeichnet sich aus durch etnc Fülle “ außerordentlich effektvoller Original-Auf- W nahmen von den malerischsten Punkten der ® Küste Rügens, der Perle der Ostsee •Emphie Siras-Iiiiaierl Die Sioux-Indianer gehen auf den Kriegs- _ W Pfad und übersatten und berauben weiße ® Ansiedler. Das Bild zeigt die tapfere, D heldenmütige Verteidigung eines Block- M, hanses durch ein Mädchen und wie dieses ä dann durch ein Soldatenaufgebot gerettet wird. Ä Ihr Verhältnis Ä d Drama aus dem Leben. ®Ni Cadenahlia nach farenna0 ® Herrliche Naturaufnahme. O Das Panorama von Varcnna bietet dem ® Beschauer erstklassige Landschaftsschön- G heilen und ist Varenna selbst ein äußerst A beliebter Ausflugsort der deutschen w Touristen in Italien. ® • Die Wochenschau • Das Neueste aus aller Welt. Eine tüchtige Ordonnanz _ d Eine erstklassige Humoreske. ® © Lemke als Matrose© Sehr komisch. Eva und die Schlange " Komödie. a’ w in Giessen (E. V.) Ordentl. Generalversammlung Dienstag, <1. 14. Januar 1913. abends 6 Uhr, im Kroßen Saale des Hotels Ctroßherzos v. liessen. 1. Entgegennahme des Jahresberichts. 2. Prüfung der Rechnung für das abgelaufene Rechnungsjahr und Erteilung der Entlastung. 3. Saalbaufrage, v7/, Der Vorstand. Schützen-Verein Giessen Grosser Maskenball in sömtl. Räumen berLiebigsW nm 18. Jon. IW vl7/1 Wir bitten unsere Mitglieder, die Einladungen und Eintrittskarten bis z. 10. d. M. bestimmt bei unserem Mit- glied, Herrn H. 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