Nr. 255 Muster Blast 165. Jahrgang i Gießener Anzeiger Erscheint tS-lich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Oberhejsen Die „Siehener Zamtlienblätter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigeleot, das „Krcisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Somstog, 4. Moder 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adi.:AnzeigerGießen, Die Kapujiner in ponape. Man schreibt uns: Unser hessischer Landsmann, der Geheime Regierungsrat Georg Fritz (ein geborener Alzeyer), früherer Bezirksamtmann in Saipan, Jap und Ponape auf unseren Kolonien in Mikronesien, setzt seinen Kampf gegen die Mission der Kapuziner auf den Karolinen in entschiedener, mannhafter Weise fort. In Ponape, dem Verwaltungssitz der Ostkarolinen, war gegen Ende des Jahres 1910 ein blutiger Aufstand der Eingeborenen ausgebrochen, der mit deutschen Waffen in einem schweren Buschkriege beendet wurde. Fritz hatte bei früheren Unruhen unter den Eingeborenen die Erfahrung gemacht, daß die Ursachen der Aufstände in konfessionellen Gegensätzen beruhten. Peil er bei seinen weiteren Nachforschungen über die Gründtz^dieser Unruhen zu der Ueberzeugung gekommen war, daß zwei Patres der Kapuzinermission dabei eine bedenkliche Rolle gespielt hatten, so verlangte er vom Reichskolonialamt die Entfernung des einen aus Ponape, und nach entsprechenden Verhandlungen mit der Ordensleitung war von dieser auch dessen Abberufung dem Kolonialamt zugesagt worden. Der Kwpuzinerpater Venantius a Prechtal, apostolischer Präfekt für die Karolinen und Palau, der die erforderlichen Maßnahmen durchführen sollte, kam bei der von ihm erneut angestellten Untersuchung im Gegensatz zu dem Bezirksamtmann Fritz zu dem Ergebnis, daß an dem Verhalten der beiden Patres nichts auszusetzen sei und strebte nun dahin, die Abberufung des Patres Cres- cenz von Ponape wieder rückgängig zu machen. Der politische Gegensatz, der sich so zwischen der Verwaltung in Ponape und der dortigen Kapuzinermission herausbildete, führte nun im weiteren Verlaus zu einer Verurteilung des Paters Venantius durch das koloniale Bezirksgericht in Ponape wegen verleumderischer Beleidigung des Amtman- n e s F r i tz zu einer Geldstrafe von 100 Mark. Auf eingelegte Berufung verurteilte das Obergericht als höchste Instanz am 12. März 1913 den Pater zu einer Geldstrafe von 900 Mk. „wegen bewußter Verleumdung seines politischen Gegners zu ganz bestimmten Zwecken." Zwar wurden dem Angeklagten mildernde Gründe zugebilligt, aber in den Urteilsgründen heißt es, daß „die Straftat als eine sehr schwere Verfehlung betrachtet werden muß, die gerade an der Grenze dessen steht, was mit Geld gesühnt werden kann." Das Kolonialamt in Berlin aber fügte sich dem Wunsche des Kapuzinerordens, nahm seine auf Entfernung des schlimmsten Zeloten gerichteten Beschlüsse zurück und verleugnete seine Beamten, so daß Fritz seine Entlassung nahm. Herr Fritz erhoffte nun von einer politischen Machtverschiebung im deutschen Reiche durch die letzten Reichstagswahlen eine Besserung der Zustände auf dem Gebiete der kolonialen Verwaltung, und um ähnlichen Unheil künftig vorzubeugen, wandte er sich in einer Schrift, betitelt „Ad mu- jorem Dei gloriam" an die Öffentlichkeit, in der er nach einer Schilderung von Land und Leuten und den Zuständen unter der spanischen Herrschaft (1885—1899) und denjenigen unter deutscher Herrschaft (seit 1899) die Vorgeschichte des Aufstandes in Ponape von 1910/11 und seine Tätigkeit als Bezirksamtmann darlegt. (Leipzig Dietrich'sche Verlagsbuchhandlung.) An einer Stelle dieser Schrift heißt es: Auch die Kapuziner in Ponape haben in ihrer Mehrheit bewiesen, daß sie ihre Tätigkeit nicht auf das religiöse Gebiet beschränken wollen, sondern imstande sind, unter Mißbrauch des ihnen vom Staat geschenkten Vertrauens die Eingeborenen unter- cinanter zu verfeinden und gegen die Regierung aufzuspielen, Beamte, sogar Ordensbrüder, die ihren ultramontanen Zwecken nicht dienstbar sind, mit allen Mitteln zu verfolgen, ja, daß es ihnen auf einen blutigen Aufstand nicht ankommt, wenn es Gläulnge zu gewinnen gilt. Die katholische Mission ist mit- schuloig an dem in Ponape vergossenen Blute. Alle ultramontanen Bestrebungen dienen dem Ziel der Kirchen- und Mönchsherrschaft und der Geistesknechtschaft. Fritz hatte, um der deutschen Sprache Eingang zu verschaffen, noch zur Zeit der spanischen Mönche, die auf eine Lehrtätigkeit unter deutscher Herrschaft verzichteten, auf Saipan eine Regierungsschule und Schulzwang eingeführt. Und diese Todsünde haben ihm die Ultramontanen deutscher Zunge nie verziehen. Fritz hat vergeblich darauf gewartet, daß die beschuldigten Kapuziner ihm Gelegenheit geben würden, seine Angriffe vor einem deutschen Gerichte zu vertreten. Die Mönche haben aber diesen Weg verschmäht und sich mit einer Verteidigung begnügt, die der Sekretär der Kapuzinermission in Ehrenbreitstein, Pater Kilian, unter dem Titel „Ponape im Sonnenlichte der Oeffentlichkeit" bei I. P. Bachem in Köln 1912 erscheinen ließ. Darauf hat nun Fritz in einer zweiten Broschüre: „Die Kapuziner in Ponape", Leipzig Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1913 in ausführlicher Weise erwidert und das Treiben der politisierenden Patres zur Ausbreitung ihrer Macht geschildert. Er uErstützt die Forderung der Häuptlinge der protestantischen Stämme auf Abgrenzung der konfessionellen Propaganda. Während der Pater Kilian den protestantischen Häuptlingspastoren mehr Schuld an den Aufständen und Unruhen zuschreibt, als allen spanischen und deutschen Kapuzinern zusammengenommen, erblickt der Amtmann Fritz dagegen die Ursache des in Ponape potentiellen Zustandes der Unruhe in der von den Spaniern herbeigeführten und von den Kapuzinern geförderten konfessionellen Spaltung. Die Boston-Mission habe wohltätig gewirkt, so lange sie allein war: es gab unter ihr keine Stammes- kriege mehr. Mit der Ankunft der Spanier und Kapuziner aber lebten unter der Flagge der Religionsverschiedenheit die alten Stammesfehden wieder auf. Die Kapuziner unterstützten die politischen, katholisierenden Häuptlinge, so daß die protestantischen Staaten aus Gründen der Selbsterhaltung das Eindringen des Katholizismus bekämpfen mußten. „Der Ponapemann kennt keine religiösen Vorurteile und steht in dieser Hinsicht moralisch über den ultramontanen Zeloten und ihrem verhetzten Gefolge in Europa, deren ganzes Wesen und Streben durch alle Jahrhunderte die kirchliche Unduldsamkeit gewesen ist und heute noch ist." Unter der Etikette der Gewissensfreiheit schlich sich in unser Schutzgebietgesetz eine Bestimmung ein, die es der Regierung unmöglich macht, die Propaganda der verschiedenen Konfessionen räumlich zu trennen, selbst wenn die schrankenlose Konkurrenz auf kleinstem Gebiete natürlich zur Beunruhigung der Bevölkerung und zu Friedensstörungen führt, wie die Geschichte von Ponape auch denjenigen lehrt, der nicht an eine direkte oder indirekte Schuld der Patres glaubt. Nun sind die Kapuziner auch in das protestantische Missionsgebiet der Mortlockinseln und auf Truk eingedrungen: unter dem Firnis der Religionsverschiedenheit werden auch unter jener kriegerischen Bevölkerung die alten Stammesfehden wieder aufleben und das deutsche Reich zu kostspieligen Eingriffen nötigen. Darum sind die Missionen als reine Privatunternehmen zu behandeln und in ihren nicht immer heilsamen Einflüssen besonders da zu überwachen, wo verschiedene Missionen tätig sind. Dies ist auch der durch Jahrhunderte alte Erfahrungen gewonnene Standpunkt der englischen Kolonialpolitik: selbst die spanische Regierung hatte sich ein Aufsichtsrecht über die katholischen Missionen gewahrt, und in den holländischen Kolonien gärt es unter der mohammedanischen Bevölkerung Indiens, der man christliche Schulen aufzwingen will. Landwirtschaft. Frostspanner! Von Tr. Hans Hoffmann -Friedberg. Vielen tauben Ohren wurde im vergangenen Jahre über das Auftreten der Frostspanner gepredigt! Die Belehrungen und Mahnungen sielen auf unfruchtbaren Boden! Män wußte alles besser als der Fachmann. Die Praxis hat aber in diesem Frühjahr beu. Beweis für die Richtigkeit der Worte der Obstbautechniker erhalten. Der Beweis wurde in manchen Gemeinden mit 20 000 bis 30 000 Mk. bezahlt! In manchen Gemeinden beläuft sich der Schaden noch höher! Es seien darum alle einsichtsvollen Obstzüchter jetzt rechtzeitig ermahnt: Obstzüchter legt Anfang Oktober Klebgürtel an!! Damit sich Obstzüchter über das Wesen des Frvskspanners unterrichten können, sei hier eine ausführliche Besprechung des Frostspanners und seiner Bekämpfung aufgesührt: Otto Hins- b e r g-Nackenheim schreibt darüber in seinem Ratgeber für Krankheiten und Schädlinge: Ter am längsten er- und bekannte Obstbaumschädling ist der Frostspanner. Seine Bekämpfung wird mit Erfolg schon seit 1770 geübt. Er ist ein merkwürdiges Tier. Während andere Schmetterlinge nur in den warmen Sommerinonaten fliegen, wartet dieser, bis der erste Frost gefallen. Auch die Ausbildung seiner beiden Geschlechter ist nicht nach der Regel. Männchen und Weibchen sind durchaus verschieden voneinander. Ersteres hat Flügel von hellbrauner mit Weiß verwaschener Farbe, die etwa 25 bis 30 Millimeter groß sind, letzterem fehlen die Flügel fast ganz. Es hat an ihrer Stelle nur kleine Stummel, dafür aber sehr lange Beine. Sein Leib ist kräftig entwickelt und mit einer großen Anzahl von Eiern gefüllt. Beide Geschlechter haben ihre Puppenruhe in der Erde durchgemacht. Meist in den letzten Tagen des Oktober beginnen die Schmetterlinge auszuschlüpfen. Ihr Erscheinen dauert bis halben Dezember. Die Weibchen können mit ihren verkümmerten Flügeln nicht fliegen. Deshalb müssen sie zu den Knospen in der Krone, wo sie ihre Eier ablegen wollen, zu Fuß gehen und zwar ist der einzig mögliche Weg am Stammle hinauf. Unterwegs sucht das fliegende Männchen das Weibchen auf. Der Hauptflug und Aufstieg findet am Abend und in der Nacht statt. Das Weibchen legt 200 bis 300 Eier einzeln an den Knospen ab. Dieselben haben zuerst eine hellgrüne Farbe. An der Lust werden sie erst fleischfarben, nachher grau-braun. Die Eichen werden im Frühjahr von der Sonne ausgebrütet. Die daraus entstandenen grünen Spartnerräupchen fressen sogleich die hcr- vorbrechenden Blätter und Blüten ab, bohren sich auch später in kleine Früchte (Kirschen und Aprikosen) ein. Sie erreichen bis Ende Mai eine Länge von 20 bis *5 Millimetern und verpuppen sich um diese Jahreszeit in der Erde. Man sieht die Bäume durch sie vielfach entblättert. Der Schaden des Frostspanners ist deshalb so sehr groß, weil er nicht allein die Ernte des laufenden Jahres zerstört, sondern auch die Aussichten für das kommende zunichte macht, indem er die Blätter — die Lungen der Bäume — aufsrißt. Mehrjähriger Befall durch den Frostspanner kann die ftärfften Bäume zum Absterben bringen. Auf die Flugunfähigkeit der Frostspannerweibchen hat man ihre einfache Bekämpfung aufgebaut. Man legt um den Stamm einen klebrigen Ring und fängt auf diese Weise die auffteigciy den WeiMew ünb auch viele Männchen. Herr E. B. in Freilaubersheim fing an einem Baume, den ihm der Frostspanner jedes Jahr vernichtete, 396 Frostspanner- männchen und 415 Weibchen. Ein kleinerer Teil der Weibchen bleibt ratlos unterhalb des Ringes fitzen und legt da feine (Sier in Schnüren ab. Es ist nicht gut', den Leim direkt auf die Rinde zu streichen, sondern auf ein fett- und wasserdichtes Unterlagepapier, das ine Rollen von entsprechender Breite zu haben. Im nachstehenden einige Winke, wie man sich in den dringenden Herbstarbeiten einrichtet, um die Arbeit des Leimringe-Än- legens ohne große Mühe und rechtzeitig zu erledigen. Nach dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre erscheinen die ersten vereinzelten Männchen vom 25. bis 31. Oktober. Drei oder vier Tage danach die ersten Weibchen. Die Hauptzeit beider ist vom 10. bis 30. November. Bis 15. Dezember läßt der Strom dann ganz nach. Westn früh anhaltender Frost eintritt, kommen Nachzügler auch _ noch im Frühjahr. In ausgedehnten Anlagen geht man nun so vor, daß man im Oktober an irgend einem freien Tage die Papiergürtel anlegt. Man nimmt zwei Zentimeter Papier mehr als um den Baum unbedingt erforderlich ist und bindet den Gürtel mit zwei dünnen Schnüren je einen Zentimeter vom oberen und unteren Rande entfernt fest. An einer Stelle, wo nach dem Auftreten der Raupen im Frühjahr sicher Schmetterlinge zu erwarten sind, bringt man auf einigen Gürteln auch den Leim schon an. Rückt der 25. Oktober heran, so beobachtet man diese geleimten Stämme. Sobald dann das erste Ndännchen gefunden wird, oder am Abmd schwärmt, ist der Augcn- Frauen-Run-schari. Neue Tanzlveishcitcn der Pawlowa. Anna Pawlowa, der hellste Stern in der Welt der russischen Tänzerinnen, weilt gegenwärtig in London, und bei dieser Gelegenheit veröffentlicht die berühmte Künstlerin im „Strand Magazine" allerlei neue Tanzweisheiten aus ihrer Erfahrung. Man hat sie z. B. nach ihrem Urteil über die Tanzkunst der einzelnen Völker gefragt und hierüber äußert sie sich folgenber- E^Man hat mir oft die Frage vorgelegt, welches Volk die traurigsten und welches die fröhlichsten Tänzer habe. Aut bie erftc Frage müßte ich antworten: die Russen. Am ausgelassensten tanzen die Spanier: dann kommen die Italiener, die Franzosen sind lustig und unbekümmert, die Deutschen fröhlich, aber etwas schwerfällig, und die Russen können Melancholie, Trauer und die entgegengesetzten Extreme, Süssigkeit, Freude und Ans- qelassenheit, besser als irgend ein Volk auf der ganzen Welt im Tanz ausdrücken." Hier fehlen die Engländer, und von diesen meint die Pawlowa, sie habe englische Kinder gesehen, die es zur höchsten Vollendung in der Tanzkunst bringen würden, doch prfrfüene ihr ein englischer Ballsaal unterhaltend, aber nicht wür- dia Dies geht wahrscheinlich auf den Cakewalk zurück. „C'est borrible" — lagt sie von diesen amerikanischen Tänzen. Sie erklärt hierüber könne sie urteilen, denn im Turkey-Trot hat fip sich selbst versucht. Sie meinte, alles verstehen heiße alles Treiben unb lernte in Amerika den Turkey-Trot, um biete nfte Weisheit auf ben Tanz anzuwenden. Aber der Turkey-Trot siel ihr auf die Nerven und noch heute denkt sie an biete Er- fnhritna mit Schauber". Ten Tanz faßt die Pawlowa als eine Limit au? bie b?r Dichtkunst und der Musik verwanbt i)t. Ter ey' ift aber abhängig von ber Lebensweite/ und noch mehr hn« her Tracht Als Beweis hierfür nennt )te bie griechischen Tcwze bie nur durch bie klassische Tracht ermöglicht wurden, bi? Eße Bewegungsfreiheit liest ferner bie steifen gravitatsichen her Krinolinenzeit und als britles Beispiel nennt sie bie wSxn Tän,° ä- in tf>rer Msg-l-ss-nh-it Mdjttamit btt ESaät ber Schotten harmonieren. Was nun insbesondere chm Tänze angeht, so meint die Pawlowa, hier könne arten roerten: man sollt ixm Tanz nicht als einen der Gymnastik und des Sportes lehren sondern cs mit it« ^»r.mterrickit ähnlich rote mit dem Musikunterricht halten. Als Vorbild^ stellt sie bann ben russischen Tanzunternchl hin, p”? 4« her kaiserlichen Ballettschule erteilt wird, worüber lic « Ln mebNMks geäußert Hot Wer es im Tanze wirklich u’ mul seine HLten Jahre der Tanzkunst widmen und es so wett bringen, d-tz er ..nicht mir mit den Seinen tanzt, sondern mit den Augen, den Händen und dem Hals, bem Kopf, mit den Annen und dem Mund, kurz mit dem ganzen Körper." Die russischen Jünger des Tanzes, so erklärt sie weiter, üben deswegen außerordentlich viel: sie kannte z. B. einen jungen Tänzer, ber 6 Stunden täglich tanzte, unb eine ihrer Freunbinnen, bie jetzt als Tänzerin hochangesehen ist, pflegte in ihrem Sommeraufenthalte täglich 4 Stunben unter Aufsicht ihres Bruders, — auch eines angesehenen Tänzers — zu tanzen. Besonders interessant ist, was die Pawlowa von ben bereits erwähnten schottischen Tänzen sagt. Tic schottischen Tänze haben zwar nicht, wie manchmal behauptet wirb, Aehnlichkeit mit den russischen, doch ist bie Pawlowa überzeugt, baß ein schottisches Nationalballett nicht nur in Großbritannien ungeheure Erfolge erzielen würde, sondern in ber ganzen Welt begeistert aufgenom- men werben würde. * — Eine indische Aerzte schule für Frau en. In Delhi wird jetzt eine Hochschule für Frauen erbaut, in der Jndierinnen eine fachmännische Ausbildung in der Medizin erhalten werden. Die Kosten für dieses erste Institut dieser Art in Indien ist durch Sammlungen aufgebracht worden, bie unter ber Leitung der Vizekönigin Laby Harbinge veranstaltet würben. Die Aerzteschule soll bie Basis bilden für eine großzügig geplante Versorgung ber weiten indischen Gebiete durch weibliche Aerzte. Die Hilfe, die die englischen Aerzte den Eingeborenen angedeihen lassen können, ist ganz ungenügend und deshalb weitere Hilfe Heilkundiger dringend notwendig. Zudem gibt es eine große Anzahl von sogen. Purdah-Frauen, b._ h. von Frauen „hinter dem Schleier", die streng an den Vorschriften der mohammedanischen Religion festhalten unb sich vor keinem Manne sehen lassen. Für biese ist bas Vorhanbensein weiblicher Aerzte drin- genb erforderlich. Die indischen Frauen, die sich bereits von altersher viel mit Heilkunde beschäftigen, eignen sich vortrefflich zur Ausbildung in den Heilwissenschaften, und so wird sich das Institut eines großes Zuspruches und guter Erfolge erfreuen. Die Einrichtung erfolgt nach bem Muster der Aerzteschule für Frauen in London; die Regierung hat ben Bauplatz zur Verfügung gestellt unb gewährt dem Unternehmen, bas sie außer- orbentlich begünstigt, einen jährlichen Zuschuß von 200 000 Mk. Kf. Neues von der japanischen Frauenerziehung. Im alten Japan bestand bie Frauenerziehung darin, baß bem Mädchen von früh auf die „drei Gebote des Gehorsams" eingeprägt wurden, nämlich der Gehorsam gegen die Eltern, später gegen ben Gatten und noch später gegen den ältesten Sohn. Diese Gesetze ber Erziehung waren ein Ausfluß der buddhistischen Lehre. Sett Dielen Jahren ist dies jedoch viel anders geworden: die moderne japanische Frauenzeitung erkennt die PeZönüchkeit und das Recht zur Perantworelichkeit und Selbstbestimmung der Frau an, demgemäß wird der Unterricht erteift, unb gegenwärtig gibt es im japanischen Reiche über 200 höhere Mädchenschulen, bie durchschnittlich 500 Schülerinnen haben. Die meisten dieser Schulen, so berichtet Frau Jisiio Naruze, bie Leiterin ber japanischen Frauenuniversität in ber „Oriental Review" bereiten bie Japanerin auf das praktische Leben, auf ben Beruf vor. Im Jahre 1901 ist bie japanische Frauenuniversität ins Leben getreten, ein Institut, bas. gegenwärtig rund 1100 Studentinnen zählt. Diese verteilen sich vorläufig auf vier „Fakultäten", nämlich Pädagogik, Nationalliteratur, englische Literatin unb häusliche Fertigkeiten. Es sollen aber binnen kurzem weitere Fakultäten angegliedert werden, zunächst solche für Medizin, Musik unb Zeichenkunst. Kf. Perlenarbeiterinnen. Seit ber mysteriösen Perlenhalsbanbgefchichte hat bie Erzeugung falscher Perlen, bie ihren Hauptsitz in Paris hat, einen neuen Aufschwung genommen, benn einmal ist jetzt Mode geworben, Nachbilbungen des berühmten gestohlenen Perlenhalsbanbes zu tragen, andrerseits aber lassen sich bie Besitzer wertvoller Perlenketten Nachbildungen ihrer Schmuckstücke Herstellen. Die Zeitschrift „Nos Loisirs" erzählt deswegen einige interessante Züge aus ber Welt der Perlenarbeiterinnen. Die Herstellung falscher Perlen liegt nämlich fast ausschließlich in den Händen von Arbeiterinnen, und in Paris sind etwa 8000 Frauen damit beschäftigt. 2000 Arbeitesinnen stellen die durchsichtigen Glasperlen her, und jede von diesen verdient damit täglich 4—6 Franken. Diese Rohperlen kommen nun in die Hände ber „Nacreuses", etwa 800 .an ber Zahl, die den Perlmutterüberzug ber Glasperle Herstellen. Je nach ihrer Geschicklichkeit verdienen sie 4—8 Franken am Tag. DiS jetzt weißen Perlen werden den „Limeuses" anvertraut, bie ber Perle den letzten Schliff geben. Es sind etwa 200 an der Zahl. Ihre — einfachere — Arbeit wirb mit 312 Franken täglich bezahlt. 500 „Enfileuses" stellen bie falschen Perlen bann zu Perlenketten zusammen, eine Arbeit, bie runb 4 Franken am Tage einbsingt. Alle biese Angaben beziehen sich auf die wirklich guten, oft täuschenben Perlennachahmungen, unb bie Industrie, die diese herstellt, beschäftigt an die 4000 Arbeiterinnen, die nicht so gut bezahlt werden, wie die oben erwähnten. Wirklich gut nachgeahmte Perlen sind ziemlich teuer unb kosten, je noch ber Größe, das Stück 1 bis 5 Franken. Ties ist ber Preis der Fabrikware. Durch ben Zwischenhandel werden die falschen Perlen natürlich bedeutend verteuert unb besonders in ben Lüben der vornehmen Boulevards bezahlt man für falsche Perlen ganz ansehnliche Preise. Noch teurer werden bie falschen Perlen bezahlt, wenn es sich um bestellte Nachbildungen befhmmter echter Perlenketten handelt. Wirf selommtfL wo ÄleZ ändere liegen und''stehen bleiben trmh, Xmb soßori die Leimung gller übrigen Bäume vorzunehmen tfL Ein Tag Verspätung kann dabei verhängnisvoll werden, denn wenn «in Weibchen einmal in der Krone ist, ist ihm nicht mehr bei- lzukommen. Bei Vereinen macht ernt besten der Vorsitzende die «obigen Beobachtungen und gibt dann durch die Ortsschelle das Zeichen zum allgemeinen Vorgehen. Die Leimung nimmt man so vor, daß man den Leim mit einem flachen Hölzchen oder einer Kelle zwei bis drei Millimeter stark zwischen den beiden Schnüren Lückenlos aufstreicht, dabei etwas von der unteren Schnur abbleibend. Je nach der Stärke des zu erwartenden Befalls verwendet man breiteres oder schmäleres Papier. Während der Aufstiegperiode muß man hie und da nach- Isehen, ob nicht die nachkommenden über die Leiber ihrer gegangenen Brüder und Schwestern doch den Ring überschreiten rönnen. In diesem Falle betupft man den Leim mit dem Spatel «und macht ihn dadurch wieder fängisch. Wo im Sommer Jnsektensanggürtel „Einfach" angelegt waren, kann man deren Oberfläche im Oktober als Unterlage für den Raupenleim benützen, vorausbesetzt, daß sie nicht von Meisen zerhackt sind. Die im Jnsektenianggürtel eingenisteten Spinnen merken dann bald, dos', die aufsteigenden Frostspannerweibchen für sie fette Braten sind. Sie fertigen von dem abstehenden Gürtel bis zum Stamm ein Gespinst und fangen darin die unbehilflichen Schmetterlinge ab, um sie auszusaugen und als Nahrung zu benutzen. Mitte Januar nimmt man die Gürtel behutsam ab und verbrennt sie, wenn nicht Nachzügler im Frühjahr zu erwarten sind. Die Stämme unterhalb der Gürtel, wo die Weibchen vielfach ihre Eier in Schnüren abgelegt haben, bürstet man zweckmäßig mit 25 Proz. Karbolineumlösung, um die Eichen abzutöten. Weil der heiße Sommer 1911 ein plötzliches Verschwinden mancher Schädlinge gebracht hat, haben die Leute geglaubt, auch der Frostspanner sei durch die Trockenheit zum Absterben gekommen. So ließen sie das Leimen sein. Sie sind bitter enttäuscht worden, denn die Schmetterlinge kamen erst Ende November und Anfang Dezember in großer Menge. 1912 war der Befall nur halb so stark, und wird es 1913 wieder fein, wo int vergangenen Herbst durchgreifend geleimt worden ist. Ich empfehle die regelmäßige Anwendung, da sie eine Art Versicherung gegen den schlimmsten Schmetterling ist. wetterschau. Der Oktober ist nach meteorologischer Rechnung bereits der zweite Herbstmonat, der ein weiteres starkes Sinken der Temperatur bringt. Betrug im September der normale Tenrperaturrückgang' vom 1—30. rund 4 Grad Celsius, so muß man im Oktober mit '6 Grad rechnen. Kein anderer Monat weist durchschnittlich eine so starke Abkühlung auf als der Oktober. Die Temperatur sinkt •int Mittel von 13 Grad am 1. auf 7 Gtad am 31. Die Nächte sind bereits so lang, daß die Wärmeausstrahlung die Einstrahlung weit überwiegt. In den Gebieten der Nordhalbkuzel, deren Wärme- Derhältnisse allein von Ein- und Ausstrahlung abhängen und wo der mildernde Einfluß warmer Meere fehlt, tritt int Oktober ganz unvermittelt der Uebergang zum Winter ein. Das ist vor allem in den arktischen Regionen und Sibirien der Fall. Wo aber warme Meere die im (Sommer aufgefpeicherte Sonnenwärme abgeben (Ostsee, Nordsee, Südeuropa), da pflegen milde Oktober vorzu-, herrschen. Die mittlere Oktoberwärme der wichtigsten deutschen Städte sei hier mitgeteilt: Aachen 10.3, Hamburg 8.6, Helgoland 10.11, Karlsruhe 9.8, Straßburg i. E. 9.7, Stuttgart 9.8, München 8.0, Frankfurt 9.6, Berlin 9.5, Breslau 8.8, Königsberg 7.7, Brocken 3.6, Feldberg Taunus 5.6, Schneekoppe 0,8, Zugspitze 3.2 Grad. Die mittlere Frostgrenze liegt in einer ungefähren Höhe von 1700 Metern. Ost kommen im Oktober schon stucke Fröste vor, besonders wenn nordeuropäische Hochdruckgebiete, wie sie die Wetterkarten ost zeigen, kalte Nordwinde über Europa senden. Diese Wetterlagen pflegen ost sehr lang anzudauern. Von 1857—1907 betrug die tiefste Temperatur, die im Oktober vorkam, 7—8 Grad Kälte am 30. Oktober 1869. Dagegen sank die Temperatur in den 10 Jahren, 1901—1910, im Jahre 1908 auf 5—6 Grad Kälte an verschiedenen Tagen. Die höchste beobachtete Temhercckur im gleicher Zeitraum betrüg 22—24 Grad Wärme. Sommertage mit Nachmittagstemperaturen über 25 Grad sind im Oktober äußerst selten. Nur im Oktober 1874 und 1903 wurde je ein Sommertag beobachtet. Dagegen beträgt durchschnittlich in ledern Oktober die Anzahl der Frosttage zwei: 1869 kamen sogar 10 Frosttage vor. Die häufigsten Temperaturen, die untertags gemessen werden, betragen in Mitteldeutschland 9—12 Grad. Gewitter wurden im Oktober von 1857—1907 insgesamt nur 20 beobachtet: das macht für den mittleren Oktober 0,4 Gewitterige. Innerhalb des Gr o ß h e r z o g tu m s Hessen ist die Wärmeverteilung folgeirde: Darmstadt 9.7, Gießen 9.1, Bad- Nauheim 8.9, Mainz 10.2, Offenbach 9.3, Schotten 8.9, Worms 9.9, Alzey 9.2 Grad. Die mittlere Eintrittszeit des ersten Frostes fällt in .Darmstadt auf 3. November, Gießen den 28. Oktober, Bad-Nauheim 26. Oktober, Mainz 3. November, Schotten 24. Oktober, Worms, Alzey 29. Oktober. Der vergangene September war in seinen Wärmeverhältnissen nahezu normal. Bis zum 7. bedeckte ein umfangreiches Hochdruckgebiet Nordeuropa. Da sich gleichzeittg südliche Tiefdruckgebiete über Zentraleuropa verlagerten, herrschte trübes, mildes und niederschlagsreiches Wetter. Erst am 8., als der hohe Druck südwärts wanderte, trat Aufklärung ein. Die höchste Temperatur wurde an den meisten Orten am 9. gemessen. In einzelnen Gegenden (Frankfurt, Trier, Aachen) stieg die Wärme auf 24 Grad und 25 Grad an. Erheblich kühler blieb er in Ostdeutschland, doch am 14. kamen strichweise sehr hohe Temperaturen vor. An diesem Tage rückte noch ein Tiefdruckgebiet von Westen heran, so daß in Norddeutschland bei anfangs heiterem Himmel lebhafte Südostwinde einsetzten. Unter deren Einfluß kam es in Magdeburg zu der außerordentlich starken Erwärmung von 27 Grad, in Halle 25 Grad. UeberaU stieg die Mittagwärme auf mindestens 22 Grad an. Als bann die Zyklone vorüber waren, traten vielerorts Gewitter und Regensälle ein. Der Rest des Monats brachte dann merklich kühlere Witterung, in den letzten Tagen des Monats vielfach Nachtfröste. ————— - ■■ J — ........ »" Aufklärung der Dynamitattentate in den vereinigten Staaten. Heber viele der in den letzten Jahren im Staate New Dort verübten Verbrechen gegen das Eigentum soll jetzt Licht verbreitet sein. Aus New Bork wird unterm 2. Okt. gemeldet: Hier ist ein Mann namens Davis oder O d o n e l l unter der Beschuldigung verhaftet worden, am 3. September 1911 die Eisenbahnbrücke von Mount Vernon im Staate New Bork gesprengt zu haben. Nach der Aussage des Polizeiagenten hat Davis ein Ge - ständnis abgelegt, wonach verschiedene Beamte in die Labour- Unton verwickelt sind. Die Affäre verspricht ebensolches Aussehen zu erregen, wie die gerichtliche Untersuchung, die 1912 im Zusammenhang mit einer Reihe von Dynamitattentaten in den Weststaaten gegen die Arbeiterführer stattfand. Diese Attentate erreichten damals ihren Höhepunkt durch die Sprengung der Geschäftsräume der Zeitung „Los Angelos Times". Dazu erhalten wir noch folgende Meldungen aus I n d i a n o- polis, 2. Okt.: Der Schatzmeister-Sekretär der Metallarbeiter Harry Oones ist unter der Beschuldigung verhaftet worden, daß er in die Angelegenheit des in New Bork verhafteten Davis verwickelt ist. Die Verhaftung erfolgte auf Veranlassung eines Privatdetektivs, der Oones bescchildigte, mit 50 anderen Metallarbeitern Dynamit befördert zu haben, um ein Anwesen im Bezirke dec American Bridge Comp. in die Luft zu sprengen. Der Staatsanwalt hat eine Lifte über 12 Dynamitattentate und ähnliche Verbrechen aufgestellt, nrelche durch das Geständnis Davis aufgedeckt sein sollen. Diese Enthüllungen sollen viele geheim- nisvolleVerbrechen gegen das Eigentum, die in den letzten Jahren vorgekommen sind, aufklären. Vermischtes. * Anzeigepflicht für Kinderlähmung. Tie in der letzten Zeit in verschiedenen Gebieten des deutschen Reiches aufgetretene epidemische Kinderlähmung i|t, wie der „Staaisanzeiger^ nreldet, auch in Württemberg eingeschleppt worden. Durch eine Verfügung des Ministers des Innern ist deshalb für diese Krankheit die Anzeigepflicht festgesetzt. Auch wurden die in h^r Verfügung des Ministeriums des Innern vom 9. Februar 1910, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, gegebenen Vorschriften auf die epidemische Kinderlähmung für anwendbar erklärt. * Straßenraub. In Groß-Lichterfelde imirbq am Donnerstag nachmittag die verheiratete Tochccr des Bezirks- schomsteinfegers Bu m ke, Frau Gage, von einem jungen Mann hinterrücks angefallen und einer Handtasche beraubt, die sie über den rechten Arm trug. Tie Frau war gestern damit beschäftigt, Gelder für ihren Vater einzukassieren. Ter Attentäter stürzte sich auf sie, würgte sie am Halse und entriß ihr außer der Handtasche, in der sich einige hundert Mark bares Geld befanden, eine Uhr. Es gelang ihm, untrer folgt auf seinem Fahrrad z-: entkommen. * Erdbeben in Panama. Aus Panama, 2. Okt., wird gemeldet: Aus den Orten in dem Innern Panamas kommen .Berichte über Schäden durch das gestrige Erdbeben. In Los-Santos ist die Polizeistatton und der Regierungspvlast beschädigt worden. In einem anderen Orte wurden drei Häuser zerstört. In Macaracat und Las Tablas stürzten zwei Kirchtürme und andere Qkbäube ein. — Oberst Goet hals erhielt Berichte aus allen Teilen der Kanalzone, in denen mitgeteilt wird, daß im Panamakanal keine Schäden angerichtet worden sind. Kleine Tagerchronik. . In Hamburg sind in der Nacht zum Tonnerstag Diebe in das Gold- und Hhremvarengeschäft von Dietrich Rosenbrvck eingebrodien. Sie haben für 30000 Mark Sclpnuck- fachen und TasäZmnhrell geraubt. Waruung! Ein so begehrtes Kräftigungsmittel, wie ScottS Emulsion, ist begreiflicherweise Nachahmungen besonders ausgesetzt. Mancher Händler wird sich auf dm Verkauf dieser natürlich „eben» soguten" (!), jedoch billigeren Ersatzpräparate bemühm, dmn sein Verdienst an ihnen ist vielleicht ein höherer. Es kann aber nicht genug vor minderwertigm Lebertran-Emulsionen gewarnt werden,sie kaufen heißtGeld wegwerfen. s^COtts hingegen ist ihr Geld teert, sie Inftet mehr, als sie verspricht. r^g Man lasse sich deshalb durch | LJ die billigeren Angebote nicht täuschen und kattfe nur Scotts 'Emulsion. Das Gespenst von Hollerbruch. Also — cs war einmal ein Gespenst. — Fn Hollerbruchhausen kannte jeder Menschj dies Gespenst. Und' ging gern zwei Meilen 1 um den Hollerbruch herum Der Hollerbruch war damals ein verlassener, halb ersoffener Steinbruch. Die Sage berichtet, daß ehemals ein lasterhaft üppiges Schloß da gestanden hat. Cs war aus den kostbarsten Marmorarten gebaut und gehörte einer sehr schönen, aber ebenso grausamen Prinzessin. Die machte sich (wie die selige' Turandot von China) das grausige Vergnügen, ihren Freiern Raffel auszugeben: wenn sie die nicht lösen konnten, wurden sie auf ihren Befehl schnöde umgcbracht. Einmal aber ließ, sie sich hinreißen, einen besonders Nugen und kecken Freier eigenhändig izu erdolchen, noch ehe er überhaupt ein Wort gesprochen hatte, weil sie nämlich fürchtete, dieser Eine würde ihr Rätsel lösen. Er riß ihr, stürzend, den Schleier ab, preßte ihn auf seine" blutende Wunde und rief ihr sterbend einen wilden Fluch zu. — In diesem Augen- blick krachte ein furchtbarer Donnerschlag und das ganze Schloß versank klaftertief in den Felsen. Ein paar kecke Abenteurer haben dann später versucht, den Schätzen des versunkenen Marmorbaus nachzugrabcn Aber sie kamen nie mehr nach hollcrbruchhausen zurück, und als man hinging sie zu suchen, fand man den Bruch, .in dem sie gearbeitet hatten, bis an den Rand mit Wasser angefüllt — Zuerst dachte man an eine versehentlich angeschlagene Wasserader und ein Unglück. Aber auch ihre Leichen fand man nie. Dagegen verschwanden im Hollerbruch im Laufe der Jahrzehnte alle jungen Leute, die sich in die Gegend wagten, ohne daß man jemals die geringste Spur von ihnen wieder- fand. Der Hollerbruch wurde immer verrufener und öder, ohne doch fein schauerliches Geheimnis zu offenbaren. Vis endlich ein alter halb- blinder Schäfer seiner Herde versehentlich bis dicht an den Hollerbruch folgte. Dieser Mann s a h das Hollerbruchgespenst. — Da er ein Kreuzfettmännchen bei sich trug, konnte er sich noch zeitig retten. Aber daheim starb er vor Schreck, und er konnte nur noch aussagen, daß das Gespenst äußerlich einer wunderschönen Dame gleichgesehen und einen blutigen Schleier in Händen gehabt hätte. Danach hatte man jedem Hollerbruchhausener eine halbe Million bieten können: er wäre nicht mehr in den öden Steinbruch gegangen. Da kam eines Tages ein fremder junger Mann ins Dorf. Dieser junge Mann kam aus der Großstadt und lachte die hollerbruchhausener mit ihrem Gespenst einfach aus. Und schon am zweiten Abend wettete er mit sämtlichen Honoratioren am Stammtisch: er würde in den Hollerbruch gehen und auch lebendig wiederkommen. Wirklich machte er sich am nächsten Morgen auf den Weg. — Solange es durch Sieder und Felder ging, lachte er immer noch. Aber als er an den ersoffenen Steinbruch kam, wehte ihn plötzlich ein unbestimmtes Grauen an. Der Ort war unbeschreiblich wüst und öde, und der kleine Wasserspiegel sah unergründlich und so tückisch aus, daß dem jungen Manne auf einmal das ganze Abenteuer leid wurde und er sich stracks umdrehte, um davon zu laufen. Im selben Augenblick aber blieb er wie an- gewurzelt stehen. Aus der Tiefe des Wajserlochs erhob sich lautlos ein gespenstisches, schönes Weib, totenblaß, in den Händen einen feinen, zarten, aber über und über blutbesudelten Schleier. Der junge Mensch, vor Schreck erstarrt, konnte kein Wort hervorbringen. Das Gespenst aber begann klagend: „Wehe, du Leichtsinniger! Wo kamst du her? Weißt du nicht, wer ich bin? — Ich bin die verfluchte Prinzessin, und nun muß ich auch dir mein letztes und schwerstes Rätsel aufgeben. Merke wohl auf: nur ein einziges Wort steht dir frei! Triffst du es, so bin ich von meinem furchtbaren Mord- geroerbe erlöst. Rätst du falsch, bann muß ich dich in demselben Quell ertränken, in dem ich erfolglos meinen Schleier spüle, und der reißende Quell schlingt dich ein wie alle deine Vorgänger und zerschmettert deinen Körper in den Gängen meines unterirdischen Palastes!" Eine schreckliche Stille folgte. Dann sprach das Gespenst dumpf und monoton, wie einen allzu oft vergebens geleierten Vettelspruch: „Unfreiwilliger Freier, Was wäscht meinen Schleier, Blutbefleckt, doch seidenfein, Ohn' ihn zu zerreißen, rein?" — (Eine noch unheimlichere, schrecklichere Stille folgte. — Der junge Mensch zermarterte vergebens sein Gehirn: das Rätsel-Wort wollte ihm nicht einfallen. — Rach einer Weile klang es aus dem Wasserloch wie eine höhnische Stimme: „Eins!" Die Prinzessin rang die Hände. Tränen stürzten ihr aus den Augen. „Zwei!" sagte die höhnische Stimme. Die gespenstische Prinzessin schritt auf den unglücklichen jungen Mann zu. Schon streckte sie die Hände aus. Da kam ihm, in letzter Rot. ein Lichtgedanke. „Persil!" schrie er laut. In diesem Augenblick lief ein furchtbares Rollen durch die Felsen. Das schwarze Wasser setzte sich gurgelnd in Bewegung, — und an seiner Statt stieg ein schimmerndes Schloß empor. — Die Prinzeß aber nahm ihren Retter bei der Hand und führte ihn als Herrn in das Schloß. UeberalTerhältlich, niemals lose, nur in Original-Paketen. HENKEL & Co-, DÜSSELDORF. Alleinige Fabrikanten auch der allbeliebten. • Oll Gebrauch die fabelhafte Wasch- und Bleichwirkung Persil. Man kann eben nicht verstehen, was die Wäsche bei Anwendung dieses Waschmittels so schnell und so überaus rein und blendend weiss macht, ohne dass sie, wie bisher gerieben oder sonstwie kraftvoll bearbeitet wird, wie beim Waschen mit Seife nach der alten mühseligen Waschrr.cthcde. Persil selbsttätiges Waschmittel dessen unvergleichliche Wirkung in seiner wissenschaftlich Bleich- lind besitzt also dreifache Wirkung! Während es als Bleichmittel begründeten und praktisch erprobten Zusammensetzung hegt. . r die Anwendung der Rasenbleiche unnötig macht, ist es infolge Persil ist aber nicht nur Waschmittel, sondern gleichzeitig LJCSiniCKtlOnSnilttd seiner desinfizierenden Eigenschaft für die Reinigung von Kranken-, Wöchnerinnen- und Kinderwäsche Rpwpi c •Seine millionenfache im Haushalt geradezu unentbehrlich, dabei aber garantiert unschädlich für das Gewebe. NX viö • Verbreitung! Henkel 's Bleich