Hl 21 Der Siehener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GietzenerZamilienhIätler, arveunal möchcntl.KteiS; blatt siirdenAreisGiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech' Anschlüsse: , ™ ™ —- für die Redaktion 112, IXäP politischen Teil: August 8® General-Anzeiger für Oberhessen MB- M'Ä^Tagesnununer Rotation§-ruck UN- Verlag -er vrühl'schen Univ.-Vuch- UN- 51ein-ruckerei R. Lange. Redaktion, Erpe-ition UN- vruSerei: Zchnlstratze 7. Land"^E-HeE^für den bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck. Erstes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 1. Abruar 1915 ZK uf MM Beznasvrei ». 'V rw 63 'v monatlich 7513L, viertel- letzener Anzeiger« Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten. politische Wochenschau. Gieszen, 1. Februar. Der Zeutruinspolitrker Julius Bachen: spricht im „Tag" 'ion einer „Ernüchteruiu;" in unserer inneren Politik, und er führt -einige Aeußeranffen jungliberuler Führer dafür ins Feld. .Herr Dr. Kauffmann, der erste Vorsitzende des .fieichsverbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend, und Herr Rebmann, der jungliberale Fiihrer in Buden, hätten sich über die Unfähigkeit der sozialdemokratischen Politik geäußert, und der „Großblockgedanke" sei im Ab- nehmen begriffen. Und Herr Bachem reibt sich die Hände und meint mit mephistophelischem Lächeln, trotz aller Fehdeansagen gegen die Erbfeinde, zu denen auch das Zentrum gerechnet werde, ständen Arbeitsgemeinschaften zwischen NationaNiberalen, Konservativen und Zentrum in naher Aussicht. Es gibt aber im Zentrum auch noch andere Pfadfinder, die uns voranleuchtcn. Fichren uns die Zentrumssittiche des Herrn Bachen: in „die heiteren Regionen, wo die reinen Formen wohnen", so beweist uns die „Germania", daß der Agregatszustand des Zentrums — es kann kochen und frieren — ganz im Gegenteil spannende Dämpfe entwickelt hat, die, eingedämmt in die Reichstagsknallbüchse, demnächst den ganzer: Herrn v. Bethmann-Hollweg und seine Jesuitenfeindschaft in die Luft sprengen werden. Die beiden Zcntrumsautoritäten fechten, ohne daß sic es wissen, den schönsten Kainpf gegeneinander. Möge Herr Bachem doch von seinem Berliner Parteiblatt — er bevorzugt allerdings seine „Kölnische Volksztg." — sich sagen lassen, daß der blutige Kampf sich nneder erneue, daß die K in d e s -e r b s ch a f t s st e u c r , wie sie von der Re- gierur:g erwöge:: wird, auf politischen Sturm deute: „Eine Neuwahl kann noch vor Pfingsten dem deutschen Volke hevorstehei:. An die Gewehre!" — Das Zentrum ist in einer bemerkenswert kriegerischen Stimmung, und doch will es, allem Anschein nach dem Reiche die neue Wehrvorlcrgc verkürzen. Seine Rüstung legt es für die Jesuiten an. Als der Bundesrat, an der Spitze.Herr v. Bethmann-Hollw-eg, die Hertlingschen Jesuitenwünsche abwies, da kam dein Zentrum die Offenbarung, ihm auf dem ganzen Schachbrett der Reichspolitik die wies. Rache!, so lautet das Kriegsgeschrei. Die Jrntrumsscele kocht. Bei der Voranschlagsbcratung in: Reichstag verdarb die siedende Zentrumsbrühe der Regierung schon manches Rezept. Und die Spatzen pfeifen es spöttisch von den Dächern, daß die neue Wehrvorlage gerieft werden soll, als sei sie des jetzigen Kanzlers eigener Haarschopf. Herr v. Bethmcmn muß Haare lassen bei all seinen weiteren Unternehmungen. Er wünschte vor ein paar Tagen vom Reichstagsausschuß die Bewilligung der OstmarLenzulage für die Beamten; sie wurde vom Zentrum int Verein mit der Sozialdemokratie gestrichen! Noch wirksamer und 'treffender war der zweite Schlag im Plenum. „Die Zulassung der Enteignung polnischer Gutsbesitzer für die Zwecke der preußischen Änsicdlungskommission durch den-Reichskanzler entspricht nicht der Auffassung des lReichs-- tags." Tie Polen hatten mit Hilfe der Zentrun:sh:tze das Eisen zu schmieden gedacht, und es ist ihnen gelungen. Der Antrag wurde angenommen, und das „nationale" Zentrum marschierte dabei in trauter Uebereinstimmung mit Palen, Sozial dein okraten, Welfen und Elsässern. Wo war denn da der Großblock, Herr Bachem? Die fortschrittliche Volkspartei, auf deren Mitmarsch die Herren um Spahn wohl auch gerechnet hatten, ist diesem Aufzuge in weiser Erwägung fern geblieben, obwohl sie grundsätzlicher Gegner der Enteignungspolitik ist. Das Enteignungsgesetz ist durch verfassungsmäßigen Beschluß des preußischen Landtags zustande gekommen. Der Reichskanzler hat dabei also nichts „zuzulassen". Das Gesetz besteht seit vier Jahren und ist beschlossen worden, als Herr v. Bethmann noch bescheidener Staatssekretär war. Der Polenantrag im Reichstag war also von vornherein nicht ernst zu nehmen, und die Fortschrittspartei hat demgemäß gehandelt und sich der Stimmen enthalten. Die Wirkung der Abstimmung geht denn auch nach einer anderen Richtung, als das Zentrum sich gedacht hat. Es war lediglich so eine Art Sonntagsprozession in schwarzen und rote:: Gewändern, wobei der Reichstag infolge des Spnrches „Mir san die Mehrere::" den Platz hergcben mußte. Ta an der Zusammensetzung des Reichstags augenblicklich wirklich nichts zu ändern: ist, wird man nicht ohne ein gewisses Vergnügen die viele:: roten und schwarzen Fähnchen einträchtig,beieinander sehe::. Es regt sich niemand darüber auf, höchstens die „Germania", die auch hier wieder vom Leder zieht: „Was tut nun der Reichskanzler mit diesem Mißtrauensvotum? In parlamentarisch regierten Ländern müßte, er zurücktreten; daß er diese Konsequenz nicht zieht, wissen wir. Andere meinen (?), er antworte mit der Auflösung des Reichstages: er wird sich hüten, sich die Finger zu verbrennen. Wir haben keine Angst und Sorge vor einer Reichstagsauflösung. Ob der Kurs der Polenvolitik geändert wird, steht auch dahin: ob aber eine neue Enteignung vor sich geht, ist doch heute schon sehr zweifelhaft. Das eine steht fest: ein Reichskanzler, der mit Mißtrauenskundgebungen bepackt i st, kann sich ni cht lange halten, wenn er auch noch so hoch in der Gunst des Kaisers steht. Damit läßt sich keine Politik der Erfolge treiben. Die Wirkungen der heutigen Abstimmung werden sich bald zeigen." Es ist nicht verwunderlich, daß das Wallen und Sieden der Zeutrumsseele außerhalb des schwarzen Turmes von niemand recht ernst genommen wird. Dieselbe Mehrheit, die dem Kanzler das neueste Mißtrauen ausgesprochen hat, kann ja auch das Jesuitengesetz umstoßen. Aber diese anspruchsvolle und hcrschsüchtige Partei will eben die Regierung ins Joch spannen, und da Herr v. Bethmann- Hollweg dabei etwas störrig geworden war, soll ihm das Regieren versauert werden. Die Fortschrittliche Volkspartei hat es daher mit Recht abgelehnt, die Proz-ession mitzumachen. Daß das „Berliner Tagebl." zu einem Loblied auf diese fortschrittliche Taktik sich „nicht ausschwiugen" kann, begreift man; ilxm sind alle Mittel recht, den verhaßten Mann au der Spitze zu stürzen. In anderen forsichrittlichcn Parteiblättern herrscht eine verständigere Auffassung; so schreibt die „Neue Badische Land-eszta." nicht nur die verfassungsrechtlichen Gründe seien entscl>ci- dend, sondern auch die Notwendigkeit, das Machtgefühl des Zentrums nicht unnötig zu steigern. Und die „Münch. Reuest. Nachr." meine:: ganz zutreffend, unbeschadet ihrer Stellungnahme in der Sache selbst, hätte die Volkspartei aus formell-staatsrechtlichen Gründen recht wohl mit den Nationalliberalen gegen den polnischen Antrag stimmen können. Man sollte annehmen, daß die Konservativen von dem so empfindlich bloßgestellten Zentrum weit abrücken würden Aber es bleibt alles beim alten. In der gestrigen Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses hat der freikonservative Abgeordnete v. Kardorff — dessen unkluge innerpolitische Scharfmacherei nicht den besten Eindruck machte — die Abrechnung mit dem Zentrum vollzogen, während der konservative Redner, v. d. Groeben, mit einem matten Protest gegen die Einmischung des Reichstages sich begnügte. Und die „Sreu^tg." wagt sogar eine gewis e Rechtfertigung des Zentrums, indem sie schreibt: „Das war höchst bedauerlich und hätte auf jeden Fall vermieden werden lallen. Freilich hat ein solches Mißtrauenvotum bet uns glücklicherweise nicht die „praktische Wirkung wie :n parlamentarisch regierten Ländern. Son st würde da^Zcn- trum sich doch wohl anders besonnen haben. Daß solche Dinge die Heydebrand-tsiche Taktik nicht gerade popularisieren, liegt auf der Hand, und Herr Bachem hätte in seinem Aussatz „Weitere Anzeichen e:ner Ermich- teruna" auch diese Vorgänge und Anklänge hrnemflechten können. Der Zweck der Bachem'schen Verkündrgungen :st ganz rätselhaft, und seine Prophezeiungen sind so unsinnig wie diejenigen der „Germania". Ob die Zentrumstaktik, die stark nach römischem Ausschank neueren An- 't sch es schmeckt, so weise ist, wie ihre Urheber sich ern-, bilden, wird die Zukunft zeigen. Die Vorbereitung zu neuen Kämpfen. Es sind heute nur Anzeichen dafür zu verzeichnen, daß in der Tschataldscha-Ebette tatsächlich in den nächsten Tage:: wi der die Kanone.i do n rn werd n Bon Schritt.n der Großmächte ist bisher nichts bekannt. Konstantinopel, 30. Jan., 10 Uhr abends. Das Preßbureau veröffentlicht ein Eommunique aus dem Hauptquartier, das besagt: Da die Bulgaren den Waffenstillstand aufkündigten, werden wir die Fei n d- seligkeiten gemäß Artikel 4 des Waffenstillstand v r o to kolls am Montag abend um 7 Uhr wieder beginnen. Konstantinopel, 3U Jan. Der Chef des Generalstabes Izzet Pascha, der als Generalissimus fungieren soll, ist gestern abend nach dem Hauptquartier in Tschatald- scha abgereist, wohin beträchtliche Mengen M u n: - tion gesandt wurden. Der Großwesir, der gestern abend nach Tschataldscha reisen sollte, verschob die Abreise. Der inister des Innern richtete an die Provinzial- behörden ein Zirkulartelegramm, in dem er die Aufkündigung des Waffenstillstandes durch die Bulgaren mitteilt und hinzufügt, die Regierung würde das Notwendige tun, nm sowohl die Situation des Landes, als den nationalen Gefühlen Rechnung zu tragen, und drückt die Hoffnung aus, die Bevölkermu, würde den notwendigen Maßregeln zustimmen. Die Behörden werden aufgefordert, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Verbreitung falscher Gerüchte, die eine Aufregung Hervorrufen könnten, nicht zu gestatten. Tie Depesche, mit der der Oberkommandierende der bulgarischen Armee General Sawow dem Generalissimus der ottomanisch^n Armee Mahmud Schefket Pascha die Kündigung des Waffenstillstandes mitteilte, lautet: Ich teile Eurer Exzellenz mit, daß die Verhandlungen in London abgebrochen sind. Ich habe die Ehre, darauf hinzuweisen, daß die Feindseligkeiten gemäß Artikel 4 des Waffenstillstandsprotokolls vier Tage nach der Ueberreichung der Kündigung, d. h. am nächsten Montag abends 7 Uhr, wieder ausgenommen werden. Mahmud Schefket Pascha antwortete, daß er die Mitteilung zur Kenntnis genom-. men habe. Saloniki, 31. Jan. Alle hier weitenden bulgarischen Offiziere erhielten Weisung, sich zu anderweitiger Verwendung bereit zu halten, das Militärlazarett der Prinzessin Helene ist nach Epirus verlegt worden. Die Kronprinzessin Sofie richtete auf Levka ein Militärlazarett ein, das von deutschen Aerzten und Schwestern geleitet wird. Die Eröffn "Ny des (Hörten vahnhsfes der Welt. Am kommenden Sonntag wird der neue Leipziger Hauptbahnhof seinen Ruhm, der größte Bahnhof der Welt zu fein, an Amerika abtreten und sich damit begnügen, bis auf loeiteres der größte Bahnhof Europas zu fein, denn am Sonntag wird in New Dort der Riesenbau eingeweiht, der künftig als der New Parker Haupt bahn Hof ein Denkmal bildet für das gewaltige Wachstum des amerikanischen Verkehrswesens. Zusammen mit den Kosten des Grundstückes, das eine Fläche von 32 Hektar umfaßt, hat die Anlage alles in allem rund 6 00 Millionen Mark gekostet. Weder die alte noch die neue Welt hat ein ähnlich gewaltiges und zugleich mich wirklich großartiges Gebäude aufzuweisem Der Bahnhof umfaßt zwei Stockwerke; auf dem oberen laufen auf 42 Schienenpaaren die Schnell frügc ein, auf dem unteren auf ebenso viel Schienenpaaren btt* Vorortzüge. Tie mächtige Halle bietet 1043 Eisenbahnwagen eine gedeckte Unterkunft. Tie Anordnungen sind so getroffen, daß die Passagiere von dem Lärm des Eisenbahnbetriebes ferngehalten werden und sich erst dann auf die Bahnsteige begeben, wenn die Züge wirklich einlauf en; bis dahin halten sie sich in den mächtigen Wartehallen aus. . Es ist nicht häufig, daß sich bei amerikani>chen Riesenbauten die Gewaltigkeit der Abmessungen mit einer harmonischen Schön heitswirkung vermählte, aber bei diesem Bauwerke haben die Architekten Amerikas auch nach ben Auslagen- mchtamerikamscher Kritiker dieses hohe und seltene Ziel erreicht. Der Bau ist fast ausschließlich aus (Stein und Stahl errichtet, und die Architektur wird als klassisch geschildert. Der Hölwpunkt der Raumwirkung wird in der großen Haupthalle, der Wartehalle für die Fahrgäste, erreicht. .Hier wird man an einen riesenhaften Dom erinnert und lauscht crffaunt dem weithin hallenden Echo. Bei der Aufführung der Halleii wurden Botticino-Marmor und Steine verwendet, deren rötlich-braune Färbung einen warmen -ron in das Ganze trägt. Diese Farbenwirkungen erfahren nun noch eine glückliche Steigerung durch die gedämpften Lichtmanen, die durch seck)s große Domfenster ein fallen und dem gewaltigen Raume eine lichte Heiterkeit geben. Vor allem aber ermöglichte die Teckenwölbung eine kunstvolle Abtönung des Lichtzuflufses; man hat das so geschickt ausgeimtzt, daß die Decke m ihrer Beleuchtung den Eindruck eines unermeßlichen Raumes erweckt. Jnmittm dieses weiten Raumes scheint nun ein Bild des Himmels zu schweben. Die Wirkung wird hervorgebrockft durch zwei breite Goldstreifeii, die sich längs der Decke von Osten nach Westen erstrecken und Sternenbilder zwischen fid) .aufnehmen, Sie Streifen versinnbildlichen den Aequotor und die Ekliptik: und zwischen ihnen gruppieren sich 2500 Sterne von verschiedener Größe Tie größeren unter ihnen, die die Sfernstelliing wiedergeben, werden . . . elektrisch erleuchtet. Man hat mehrere Monate Versuche gemacht, ehe man einen wirklich befriedigenden Weg fand, um diese immerhin gewagte Idee zu verwirklicheii, aber nach dem Urteil der Augenzeugen ist das Ziel überraschend glücklich (?) erreicht worden. Neben dieser großen mittleren Wartehalle liegt ein geräumiger Wartesaal, dessen Ausstattung das gleiche Baumaterial zeigt, und von hier aus erreicht der Reisende die Umkleidezimmer, große Badeeinrichtungen, Frisierläden und so weiter. * — Tas Kölner Museum für ostasiatische K u n st. Tas Kölner Museum für ostasiatische Kunst wird in diesem Frühjahr seine Pforten öffnqn. In zwanzigjähriger Tätigkeit hat Prof. Wolf Fischer dafür die Grundlagen geschasien — vor zwanzig Jahren machte der Gelehrte seine erste Reise nach dem Osten. Es lag der Gedanke nahe, dem neuen Museum eine an ostasiatische Bauten anklingende Gestalt zu geben, aber diese Architektur liefert ja für ein Museum keine geeigneten Vorbilder und es ist außerdem sinnwidrig, in das Bild einer europäischen Stadt ganz fremde Stilelemente hineinzutragen. Die Einrichtung ist ganz schlicht, ohne ausgesprochenen Stil, der Hauptwert ist auf gute Beleuchtung gelegt, sonst soll die Umgebung hinter den ausgestellten Gegenständen gewissermaßen verschwinden. Tie Kunstwerke sollen für sich selbst sprechen. Damit der Besucher einen Begriff von der Ausstattung ostasiatifcher Häuser erhält, sind drei Criginaltäiime ausgestellt. Darunter sind, wie das Orientalische Archw berichtet, besonders hervorzuheben die kostbaren Holztüren, deren Bemalung u. a. eine chinesische Dichterin in ihrem traulichen Studio und zwei Reiter auf ungemein lebensvoll galoppierenden Pferden barftcllt. — Ein neues Drama von Heinrich Lilienfein. Heinrich Lilienfeins neuestes vieraktiges Drama „Der Tyrann", das am Donnerstag im Kgl. Schauspielhause zu T r e s d e n seine Uraufführung erlebte, errang einen bedeutenden Erfolg, der in den Vorzügen des Stücks begründet ist, die bei der ausgezeichneten Tarstellung in das hellste Licht traten. Periander, der Tyrann von Korinth, hat einst sein über alles geliebtes Weib erwürgt, da er sie der Untreue schuldig hielt, unö den Sohn in der Verbannung erziehen lassen. Lange Fahre hat er die Qualen des Gewissens ertragen, nun sehnt sich sein Herz nach dem zum Jüngling hcrangewachsenen Lykophron. Er läßt ihn kommen und beschließt, ihn mit Aalaja, der. Tochter des angefebenen Bürgers Sosikles, seines Gegners, zu 'erwählen. Der Sohn aber widerspricht, weil er sich sein Weib selbst gewinnen will. Ta schenkt ihm der Vater höhnend die Sklavin Phrixa. Mit dieser lebt Lykophron in keuscher Zurückhaltung. Seinen Vater sucht er niemals auf, ein unerklärliches Etwas hält ihn davon zurück. Turch Diomedes, den Bruder der Aglaia, trifft er mit dieser wieder zusammen, und da erkennen beide, daß^ sie einander lieben. Aglaia, die Periander haßt, gibt dem Sohne Künde von dem Schicksal seiner Mutter und stellt als Bedingung ihrer Gegenliebe, daß Lykophron ihren Tod räche. Als er dies ihr und den Ihren geschworen, willigt sie in die Vermählung, bei der der Tyrann getötet werden soll. Als aber der Vater dem Sohn, der ihn mit der Mordwaffe erwartet, einen Blick in sein zerrissenes Innere tun läßt, entsinkt der Dolch seiner Hand: er flucht dem Vater und flieht in die Wildnis. Aber hier vollzieht sich in ihm eine seelische Wandlung: als ihn der Vater in dumpfer Verzweiflung auf sucht, glaubt er an dessen Liebe und entsagt Aglaias. Mit Phrixa zieht er in unbekannte Fernen: der Vater hat den Sieg errungen. Es ist ein prächtiges Drama, das uns .Heinrich Lilienfein gegeben, zwar ohne große äußere Handlung, aber mit einer Reihe von packenden seelischen Erlebnissen, weil von feinen psychologischen Beobachtungen und einem großen Wohllaut der Sprache. Zwar denken unb, fühlen die Personen des Stückes, das 600 Jahre v. Ehr. Geb. spielt, genau so wie wir Mi über der Jetztzeit, bas Gefühlsleben ber einzelnen, besonders das Perianders unb Lykophrons ist Höck;st differenziert unb von äußerster Sensibilität, aber dieser Anachronismus fällt nicht auf und stört keineswegs, sondern gib: bem Drama eher noch einen neuen Reiz. Bei glänzeiüwr Aufführung sand das Stück viel Beifall, unb ber Dichter konnte öfter erscheinen. R. S. — Gin mittelalterliches Gemälde entdeckt. Aus Frankfurt a. M., 31. Januar, wirb uns geschrieben: Bei ben Erneuerungsbauten der ältesten evangesischen Kirche Frankfurts, ber Weißfrauenkirche, würbe an ber Ostwanb hinter ber Orgel ein großes Wanbbild freigelegt, das burch ben Staub von vier Jahrhunberten völlig beschmutzt unb, unansehnlich geworden war. Durch ein besonderes Verfahren ist es dem hiesigen Maler Veite gelungen, das Gemälde von dem Schmutz zu befreien unb ohne jeden Pinfelstrich in seinen ursprünglichen Farben wieder zu erneuern. Das Bild ist ein Werk des berühmten Wormser Malers Georg Lust, entstammt dem Jahre 1479 und stellt bas jüngste Gericht in außerordentlich realistischer Weise bar. Wie Bezirkskonservator Luth m c r bei einer heute ftattgefunbenen Besichtigung der Kirche mitteilte, gehört das Bud zu den hervorragendsten Dinstlverken des M.ctelalters. Schwindelnachrichten. Tie „Kölnische Zritung" meldet aus Berlin: Hier liegen nichttürkische Meldungen aus Konstantinopel vor, nctf) bencn die Behauptungen von Schlägereien zwischen türkischen Offizieren und Soldaten aus der T s ch a t a l d s ch a l i n i e unbegründet sind. Tie Verwundetentransporte, die nach Konstantinopel abgegan- gen sein sollen, sind dort tatsächlich nicht eingetroffen. Gerüchte über eine Wasfentat des „Hamidi" werden von der Sabah in folgender iyorm verzeichnet: Ter „Hamidi", vom Suezkanal kommend, traf nördlich von Astypalsa auf v i e r h e l l e n i s ch e L ch i f f e; er brachte drei davon zum Sinken und beschädigte das vierte, das, um sich zu retten, gezwungen war, aufzulaufen. Flecktyphus unter türkischen Gefangenen. Belgrad, 31. Ian. Die „Politika" meldet: Unter den türkischen .Kriegsgefangenen in Negot in ist der Flecktyphus ausgebrochen. Von 342 Ertränkten seien bisher 142 gestorben. Auch iher die Mranten bchan delnde serbische Arzt ist gestorben. Ta die Krankheit auch nnlt; der Bevölserung von Negotin sich ausbreitet, herrsche eine Panik in der Stadt. Deutsches Reich. Ein kaiserlicher Erlas;. Ter Kaiser ersuchte, wie der „Reichsanzeiger" meldet, den Reichskanzler, folgenden Erlaß zur öfientlichen Kenntnis zu bri"S,en: „Ich habe Lei meinem Eintritt in ein n e u e s L e b e n s jahr wiederum zahlreiche Glück- und Segenswünsche von Gemeinden, Vereinen, Korporationen und einzelnen Patrioten erhalten. In allen Kreisen des deutschen Volkes im In- und Auslande ist man bemüht gewesen, mich durch >ttindgebungen herz- lic^r Teilnahme und treuer Anhänglichkeit zu erfreuen. Mein Geburtstag leitete in diesem Jahre eine Reihe von Gedenk tagen ein, die uns die Begebenlmten der nationalen Erhebung Preußens vor 100 Jahren wieder lebhaft vor Augen führen. Beim Rückblick auf jene Zeit größter Not und höchsten Ruhmes erkennen wir mit Bewunderung, was ein Volk z u vollbringen vermag, dessen Vertrauen aus Gott für König und V a t c r t a n b, Freiheit und Ehre auch das Letzte ein setzt, was ihm an Gut und Blut geblieben ist. Möge diese Erinnerung an die Vergangenheit dazu beitragen, uns stets gegenwärtig zu halten, was wir dem Vaterland schulden und uns anspornen, bei den unserer Generation von der Vorsehung gestellten Ausgaben die gleiche Treue, Opferfreudigkeit und Einmütigkeit zu betätigen, wie es vor 100 Jahren von unseren Vätern geschehen ist. Mit diesem Wunsche möchte ich das deutsche Volk in die bevorstehenden patriotischen Gedenk tage geleiten. Allen denen aber, welche mir in diesen Tagen ihre vertrauensvolle Liebe und Anhänglichkeit bezeugt haben, möchte ich meinen Dank aussprechen. Reichseigene Fern sprech st eilen. Um dem wachsenden Bedürfnis des Verkehrs zu entsprechen, will die Reichs-Postverwaltuirg jetzt mit der Errichtung reichseigener Fernsprechstellen aus Preßglas in den , Straßen und Plätzen vorgehen. Ter Berliner Magistrat beschloß, die erforderlichen Plätze zur Verfügung zu stellen. Wahlen in Hamburg. Bei ben Wahlen zur halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft von Hamburg, die am gestrigen Freitag stattfanden, sind in vier Bezirken des Landgebietes zwei Mitglieder der Rechten gewählt worden. In den zwei anderen Landbezirken hat Stichwahl zwischen den vereinigten Liberalen und den Sozialdemokraten resp. der Rechten stattzufinden. Bis 121/» Uhr nachts waren die Ergebnisse aus 80 Stadtbezirken bekannt. Die vereinigten Liberalen erhielten 68 662 Stimmen, die zu einer Liste verbundenen sechs rechtsstehenden Parteien 106 580 Stimmen und die Sozialdemokraten 164 568 Stimmen. Tic Sozialdemokraten und die vereinigten Liberalen haben einen erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Ter diesjährige sozialdemokratische Parteitag findet, wie die „Vossische Zeitung" erfährt, in Jena vom 24. bis 30. August statt. Aus Stafct und Land. Gießen, 1. Februar 1913. ** Tageskalender Stadttheater. Sonntag imdi- mittag 3'/, Uhr • „Tie versunkene Glocke"; abends 7'/, Uhr: „A uS eiserner Zeit". K i n e m a t o g r a v 6: Täglich Vorstellung. - Biooron h-L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung. B a k o ' s K a m in e r - L i ch t f v i e l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung. Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11 — 1 Uhr unentgeltlich. M u I e u in f ü r Völkerkunde: Geschloffen. Ober hessischer K n n st v e r e i n. Gemäldeausstellung Im Turmhaus am Brand : U b b e 1 o h d e - A u s st e 11 u n g. Sonntag mittag 1—4 Uhr Volkstag. Von Montag ab ist die Ausstellung aui einige Tage geschlossen. K a r n c v a l f c i e r der Karneval-Gesellschaft. Samstag abend 7 Uhr: Zapfenstreich; Conntäg abend 7Uhr: Tarnen- und Fremdenstming in Steins Garten; 9)1 ontag abend 9 Uhr: Prinzen- ball in Steins Gart.m: Dienstag nachmittag 3 Uhr: Kappensayrt, abends 8 Uhr: Schlußfeier im votel Einhorn. Anlage m nsik am Sonntag vormittag 11% Uhr in der Süd-Anlage (nur bei guter Witterung!. Spielplan: 1. Helenen Marsch ch Nr. 173) von Seibert. 2. Ouvertüre zur Over .Wenn ich Koni-, wär", von 9lbam. 3. Walzer aus der Operette J'htgrt", von Linke. 4. Unter siegenden Fahnen, Marsch von Blankenburg. * * 2 c 6 rc rpersonalien. Heber tragen wurde dem Schulamtsaspiranten Friedr. H e b e r m e h l aus Crumstadt eine Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Goddelau; der Schulamtsaspirantin Kath. Becker aus Gonsenheim eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Mülstheim. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schul stelle zu Mörfelden • • Stadttheater. Aus die morgige erste Wiederholung von Theodor BirtS vaterländischem Schauspiel »Aus eiserner Zeit*, das bei der Fest-Vorstellung von dem Publikum io überaus warm ausgenommen tuorben ist. fei ganz besonders hingewiesen. Der Autor des Werkes hot übrigens ein Schreiben an den Direktor unseres Stadttheaters gerichtet, in dem er feine wärmste Anerkennung für die Ur» Aufführung und Inszenierung autzspricht. Er sagt darin u. a.: »Sie haben dabei überraschend Schönes geboten, das tatsächlich über meine eigenen Voraussetzungen mehrfach weit csinauscsing." — Am Dienstag abend totrb als Abonnements- Vorstellung der Faschingstimmung entsprechend der übermütige Schwank von Gustav .Habelburg .Der Weg zur Hölle" aufgeführt. — Am Dienstag nachmittag ist Kinder-Vorstellung (.Klein Däumlings), zu der, ivie nochmals ermähnt sei. den Kindern der Besuch im Maskenanzug gestattet ist. — Am Donnerstag, 13. Februar, findet ein Gesamt- Gastspiel eines Berliner Ensembles nut Eulenbergs „Bel in de* als zweiter Kammerspielabend statt. Vorbestellungen für dieses Gastspiel werden jetzt schon entgegengenommen. * * Freie Studentenschaft. Gestern abend fand der nette Vortrag des angetünbigten >ntlus statt. Professor Tr. M eifer schilderte das an Wechselfällen reiche Leben I. G. Fichtes, seine kraftvolle Persönlichkeit und die Grundzüge seiner Philosophie. Sie ist unter erkenntnis- theoretischen wie unter ethischem Gesichtspunkt als Idealismus zu charakterisieren. Tic zentrale Idee ist die der sittlichen Frcihett. Seine Ethik und seine Staats- und Wirtschaftsphilosophie ist von sozialem Geiste erfüllt. Begeisterung für national-deutsches Wesen verbindet er mit der Schätzung der Humanitätsidee. — Die Ausführungen des Vortragenden fanden bei der zahlreichen Zuhörerschaft, lebhaften Beifall. Ter dritte Vortrag soll am Dienstag, 11. Februar, stattfinden. Professor Tr. Roloff wird sprechen über „G n e i s e n a u". * * Ter all g. Staatseisenbahnverein feiert heute abend auf der Liebigshöhe sein Winterfest und begeht damit gleichzeitig die Feier von Kaisers Geburtstag. ** lieber „Bedeutung und Aufgaben der Ge- werbeverein e in der Gegenwart" spricht morgen Vormittag im Cafe Ebel Reallehrer Kahl aus Tarm- stadt auf Veranlassung des Ortsgewerbevereins. Taß diese Frage in der letzten Zeit in gewerblichen Versammlungen und in der Handwerkerpresse in den Vordergrund getreten ist, liegt an den zünftterischen Strömungen, die neuerdings in verstärktem Maße sich geltend machen und in ihreni Endziel Beschränkungen der Gewerbefreiheit anstreben. Besonders zeigen sich diese rückläufigen Bewegungen in der Agitation für Aushebung des § 100 g der Gewerbeordnung, der den Zwangsinnungen die Festsetzung von Mindestpreisen verbietet. Außerdem hat die Stellungnahme der Handwerkskammern gegenüber den Forderungen der Gewerbevereine hinsichtlich der Verdes, crung ihres Wahlrechts Unzufriedenheit erweckt. lieber diese Streitfragen in den Kreisen der Gewerbetreibenden aufklärend zu wirken, vor reakttonären Strömungen zu warnen, falsche Hof>- nuugen zu beseitigen, den Wert der Gewerbefreiheit zu beleuchten und daneben im allgemeinen die Bedeutung der Gewerbevereine auf Grund ihrer bisherigen Leistungen darzulegen, das ist die Aufgabe, die der Vortragende sich gestellt hat. Es sind interessante Gewerksfragen, die zur Erörterung kommen werden. ** Landw.irtschaftskarnrner. Unter dem Vorsitz des Geheimrats Haas fand am Freitag eine Sitzung des Vorstandes statt. Einem Antrag des Mitglieds Hensel entsprechend, soll bei der Regierung um Auskunft über den derzeitigen Besitz des Tonrania Igel indes angefcagt und ferner angeregt werden, daß bei Verpachtung von Tomanialgetänbc in erster Lin.e dsn Wünschen kleinerer Landwirte entsprock-en wird. Im Verein mit den HandelSlmnmern und der Handwerkskammer soll ein statistisches Handbu ch herausgegeben werden, in dem u. a. auch die statistischen Zahlen Ausnahme finden, die sonst nicht oder nur schwer zugänglich sind. Mit der Einführung der Wirtschaf t s b e r a t u n g und Prämiierung lleinbäuer- sicher Betriebe auf Grund von Feldbesichtigungen und geführter Buchführung soll ein Anfang gemacht werden. Ter Obstbau-Techniker Behne des LandirirtschaftSkammcr-Ausfchusfes Starkenburg wird für alfaemein techn sitze Ar bei en und Beratungen dem^Obst- und Gartenbauverein für die Bergstraße für etwa 20 Tage im Jahr gegen LiTjiatinng der Tagegelder und Reisekosten an die Landwirtschafrskammer zur Verfügung gestellt. Ter Vorstand beschließt, sich an der gemeinsamen Neuorganisation der Zentralstelle für O b st v e r w e r t u n g durch die Landwirtschaftskammer für Wiesbaden und Kas el zu b tei igen ; es sollen entsprechende Mittel im Voranschlag vorgesehen werden Zur Weiterführung der von der Wein- und Obstbauschule seither eingeleiteten Versuche zur Bekämpfung der R e b s ch ä d l i n g e werden die seitherigen voranschlagSmäßigcn Mittel auch für 1913 bereitgestellt. Tent Verein für Hundefreunde von Mainz und Umgebung wird zur internationalen Ausstellung von Hunden aller Rassen am 2. Juni 1913 zu Mainz je 1 Preis zur Prämiierung von Schäferhunden und ranhhaarigen Pinscherit bewilligt. Tie Landwirrschaftskammer wird sich bei der Regierung dahin crussprechen, daß die Gestattung des Hütens von V i e h a n Sonntag Vormittagen bei Revision des Feldstrafgesetzes in Erwägung gezogen wird. * * Gestohlen wurde gestern abend aus einer Hof- reite der Frankfurter Straße ein Fahrrad Neckarsulmer „Pferl" mit der Fabr.-Nr. 143 427. * * Der Februar im Volks mund. Wenn der Hornung warm uns macht, frierts im Mai noch gern bei Nacht. — Schmilzt im Februar die Sonn die Butter, so gibt das Jahr dann später Futter. — Viel Nebel im Februar, viel Regen das ganze Jahr. — Wenn im Hortmng die Mücken spielen, wird der März den Winter fühlen. — Nasser Februar bringt ein fruchtbar Jahr. — Heftige Nordwinde im Februar, vermelden ein fruchtbares Jahr, wenn aber Nordwind im Februar nicht will, so kommt er sicher im April. Friert's im Februar nicht ein, wird's ein schlechtes Kornjahr sein. — Klar' Februar, gut Roggenjahr. Landkreis Gießen. - fi Saasen, 1. Febr. Heute morgen glitt beim Einsteigen in den Frühzug nach Gießen der Arbeiter P o st von hier vorn Trittbrett ab and kam zwischen die Räder zu liegen. Er erlitt schwere Quetschwunden an Brust uub Leib und wurde mit dem Zuge nach Gießen gebracht. r. Londorf, 31. Jan. Nächsten Sonntag, den 2. Februar, hält der Gesangverein Frohsinn fein Winte.rkonzert im Boegerschen Saale. —m Nonnenroth, 31. Jan. Heute nachmittag wurde der Polizeid-iener Stephan, ein Veteran von 1866 und 1870/71, der feint Amt 27 Jahre versehen hat, zu Grabe getragen. Tic Kollegen der Umgegend erwiesen ihm hierbei die letzte Ehre. Als die auswärtigen Teilnehmer nach der Beerdigung gemeinsam Kaffee tranken, saitk plötzlich, während der Unterhaltung, der 63jährige Polizeidiener Klö s ans N i ed e r-B e s s in ge n, eben falls ein Veteran, von einem Herzschlag getroffen zusammen und war nach weittgen Minuten lot. — Heute nachmittag zog ein Gewitter mit kräftigem Donner Über die Gegend. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 31. Jan. Stadtverordneten- s i tz u n g. Ter Plan, die Umformstation in der Mainzertor Anlage in die Erde zu legen, wird nach Anhören der ^achocr- flänbigen aufgegeben; es soll ein Transformatorenhäuschen erbaut werden. — Nachdem der hierzu beftimmte Ausschuß sich die Krematorien in Mainz und Wiesbaden angesehen bat, legt der Bürgermeister die Pläne für das hier zu erbauende Krematorium vor, die in allen Teilen genehmigt werden. Tie seitherige Fricdhofskapelle wird als Vorhalle umgebaut. Davor kommt das Krematorium, ferner sind eine Lcickwnhalle und Urnen halle vorgesehen, der Voranschlag beträgt 48 000 Mk., der s. Zt. von dem verstorbenen Rentner Karl Loenhard gestiftet worden sind. — Die Pläne für Tieferlegung der Bis m a r d st r a ß c vom städtischen Lagerplatz ab, werden angenommen. Zugleich rcmrbejjie Rohrleitung für die neue Kanalisierung eilige» legt und die Straße gepflastert. Tie Kosten belaufen sich auf 20000 Mk. und werden genehmigt. Der Herberge zur Heimat wird em Iahresbeittag von 100 Mk. bewilligt. Tic Vergütung an die Lehrer der Fortbildungsschule wird auf 2,50 Mk. für die Stunde festgesetzt. — Die Erhebung einer Filia 1 und Warenhaus st.euer wird beschlossen und es werden hierfür folgende Steuersätze festgesetzt. 'Bet Filialen mit 10 000 bis 50000 Mk. llmiatz 1 Proz, 50000 bis 100 000 Mk. Umfan !»_• Proz., 100 OOO bis 200,000 Mk. Umsatz 2 Proz., 200 (KN) und Darüber Unnay 2». Pro; Für Warenhäuser bei einem Umsatz von 80 000—220 000 Mk. 1 Proz., 200 000 bis 300 000 li 4 Proz., 300 000 bis 400 000 Mk. IV2 Pro;., 500 000 und darüber Mark 2 Pro;. — Bei dem Gewerbegericht tarnen im Jahr 1912 75 Fälle zum Austrag, davon nmrDen verglichen 37, durch Endurteil erledigt 7 und der Rest auf andere Weise geschlichtet. — In dem B ü r g e r h 0 s i p t a l, in Dem 110 Betten ausgestellt sind, wurden 1065 Kranke an 24 268 Verpflegungstagen verpflegt. — In diesem Jahr soll eine Gemäldeausstellung des L b e r h e s s i s ck e n K u n st v c r e t n s hter statt - finden, die etwa 14 Tage dauern wird. — Zur Pferdeprämi- ierung wird der städtische Beittag, der seither 650' Mk. bering, um 300 Mk erhöht. — Tie Pläne für Errichtung eines Industriegleis es am neuen Güterbahnhof werden vorgelegt und sollen der Eisenbahndirektton zur ©eneljmigung ein geschickt werden. s Bad-Nauheim, 31. Jan. Die Stadtverordneten haben in ihrer heutigen Sitzung die (Einführung der Fikialsteucr beschlossen. F-erncr wurde bestimmt, daß das städtische Archiv, das in letzterer Zett von Lehramtsreferendar Dr. Lirrdenstruth geordnet worden ist, in einem Raum des alten Rathauses untergebracht wird. Die unteren Räume des Gebäudes stehen seit vergangenem Jahr dem Bildungsverein als Lese- und Bibliothekszimmer zur Verfügung. — Ein starkes Gewitter mit Schnee- sturm ging heute nachmittag über unsere Gegend nieder. Mehrere heftige D v n n e r s ch l ä g e waren zu vernehmen. — In der Geiangsabteilung des Turnvereins ist ein Tiri- gentenwechsel eingetreten. Bäckermeister Karl Wetter, der früher in Elimbach als Lehrer tätig war, hat die Leitung der Singstunden übernommen. ? Bad-Nau heim, 31. Jan. Eine rege Tätigkeit hat, wie aus dem auf der Hmcptversammlung von dem Vorfitzmden, Finanzmistirant Schnell, erstatteten JahresberickN zu entnehmen war, der Stenographenverein Gabelsberger entfaltet Ein gutbefnebter Anfängerkursus, sowie ein Fortbildungsund ein Redeschriftkursus sind noch im Gange, es wurde erstmalig auch in der hiesigen Stadtschule stenographischer Unterricht erteilt. Starkenburg und Rhein Hessen. Darmstadt, 31. Jan. Der 37 Jahre alte Theodor Berger, der kürzlich mit seinem 17jährigen Bruder den G 0 l d w a r e n d i e b st a h l in der Rheinstraßc ausführte und in Ludwi>7shafen verhaftet worden war, ist heute nacht aus seiner Zelle im dortigen Untersuchungsgefängnis ausgebrochen und entflohen. in. Offenbach, 31. Jan. Ter übelbeleumdete Schuhmacher Fritz Groß traf auf der Straße mit seiner Frau zu lammen. Während die Frau sich mit iljrcm Manne nach ihrer Wohnung begeben wollte, schlug dieser die entgegengesetzte Richtung durch die Geleitsstraße ein. In der Nähe des Militärpostcns hing sich die Frau an ihren Mann, der sie durch Schläge abzu- schütteln versuchte und sie an der Kehle würgte. Da sich der Vorfall im Bereich des Postens abspielte, forderte der Posten Groß auf, von seiner Frau zu lassen und sich zu entfernen. Groß leistete dieser Aussorderung feine Folge, erwiderte sie mit beleidigenden Worten und riat dem Posten entgegen. Tie Frau nahm gleichfalls Stellung gegen den Posten. -Beide wurden handgreiflich und hetzten ihren Hund auf den Soldaten. Der Posten suchte mit aufgepflanzten Seitengewehr die Angreifer von sich zu halten, während die Eheleute Groß versuchten, ihm das Gewehr zu entreißen. Das Ehepaar bemächtigte sich schließlich des Helms, der bet dem Handgemenge heruntergefallen war und verschwand damit. Groß wurde jeftgenommen. d. Heidesheim, 31. Jan. Der Gastwirt Jak. Bieber war bis 1909 Rendant der hiesigen Spar und Darlehenskasie. In letzter Zeit hat sich herausgestellt, daß er bei seiner Tätigkeit der Kasse 6 0— 70 000 Mark veruntreut hat. Besonders hat er Schuldverschreibungen gefälscht. Heute wurde Bieber in Mainz von der Staatsanwaltschaft vernommen und nach dem Verhör verhaftet. Hesscn-Nliß'au. . , W. Hanau, 31. Ja». Die Kran.kheit im frfen'r bahn regiment Nr. 3 ist weiter im Rückgang ' griffen; es sind heute noch 85 Kranke, darunter neun Mann mit hohem Fieber, und 100 Genesende vorhanden. vereinrnachnchten. — Steinberg, 31. Jan. Der Turnverein „Gut Heil" Steinberg hielt seine Hau p t v e r s a m m l u n g ab. Ter seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. 1. Turnwart wurde Heinrich Schäfer und 2. Turnwart Karl Philipp. Neun Mitglieder wurden neu ausgenommen. Der Verein nölt fein Wintcrvergnügen am 4. Februar im „Griineu Baum" ab.______ Der 6i‘enbaf)nräuber Dreyer. , Halle a. S., 31. Jan Der 42 Jahre alte Zivilingenieur Emil Dreher aus Groß Lichterfelde hatte sich vor der hiesigen Straffammer unter der Anklage des mehrfachen Diebstahls und Betniges zu verantworten. Der Angeklagte wird besckwldigt, im O-Zug zwischen Weimar imb Gotha Schmuck achen im Werte von 4000 Mark und im I)-Zuge zwischen Bitterfeld und Halle eine Tafche mit Toilettcngegenständen und Juwelen im Werte von 20 000 Mark gestohlen zu haben. Der Bettttg soll begangen sein an dem Preußischen Eisenbahnsiskus, und zwar durch die mißbräuckckick)e Benutzung einer Eiscnbalmfieikarte. — Der - gcHagtc, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird, stammt aus sehr guter hannoverscher Familie. Sein Vater soll bei je nem Tode ein Vermögen von annäl>ernd 2 Miiuonen Innteclassen haben. Da sich aber der Angeklagte mit seinem Vater schon lange vor dessen Tode verzürnt hatte, erhielt er als Erbe nur einen kleinen Teil des Vermögens ausbezahlt, und von einem anderen Teil nur die Nutznieiung, ivcihrend das Kapital seinen Kindern zu Gute kommen sollte. Der Llngellagte batte sich schon vorher in verschiedene Unternehmungen eingelassen, die aber, trotzdem er verhältnismäßig ivertoolle Patente in sie hineinbrachte, nicht hock- famen. Schließlich geriet er in immer größere Geldverlegenheit, und diese scheint ihm aus die Dahn des Verbrechens getrieben zu haben Die 1 isenbahndiebstähie, die zur Anllage stehen, wurden immer ausgeführt, wenn sich die Eigentümer der gestohlenen Sache» in den Speisetvagen zurückgezogen hatten. Der vermeintliche Tötet war ivohl von den Angestellten der Züge bemerkt worden und humte beschrieben werden, aber erst durch seine eigene Unvorsichtigkeit gelang es, ihn sestzunehmen. Tas Eltevaar Eckardt, dem die Gegenstände im Werte von 20000 Mark gestohlen worden waren, erhielt in Meran, wo es sich damals aufhielt, die Mitteilung, daß die Juwelen gegen die ausgesetzäe Belohnung jurürfgfgeben würden. In der Tat stellte sich bei den Eheleuten eine Persönlichkeit ein, die behauptete, die Juwelen int Besitz« zu haben. Diese seien ihm von einem Freunde über geben loorben, der sie wieder am Bahndamm in Groß-LickNerselde gefunden habe; sie seien wahrscheinlich von dem eigentlichen Diebe aus dem Bahnabteil herausgetvorsen worden. Eckardt stand dieser ErzäÄung sehr mißtrauisch gegenüber und benachrichtigte die Behörde, die fest- stellte, daß die unbefannte Perfönlicht eit der '2btgeflagte war. Im Laufe der Untersuchung räumte er die Diebstähle ein, behauptete aber, in einem Dämmerzustände gehandelt zu haben, da er in hohem Grade Morphinist sei. Tatsächlich ist auch festgestellt, daß. er es verstanden hat, sich große Dosen Morphiun» und Opiunc zu verschaffen. Seine Verwandten haben ihn auch eine Zeitlang in einem Sanatorium untergebracht, wo er auf seinen Geisteszustand hin beobachtet nmrde. Die Frau des Angeklagten bekundete: ihr Mann sei schott als Kind sehr nervös gewesen und habe oft an 23cm* krampfen gelitten. Im ersten Jahre ihrer Ehe habe er ctnrnnl brennendes Zritungsparier an den Lampenschirm gehalten und nur durch ihr Eingreisen sei der Ausbruch eines Schadenfeuer- verhütet worden. Er habe ihr auch das Haar ganz kurz ge* schnitten, so daß sie aussah wie eine Heuschrecke. In Drombevg hatte er die Leitung einer Fabrik übernommen und überarbeitete sich dort, während die Fabrik große Erfolge erzielte. Während die Eheleute in Spandau wohnten und Dreyer bei Oren st ein Uhr entschlief sanft unsere Die trauernden Hinterbliebenen. i. d. N.: Ferdinand Harnickel Giessen, am ZI. Januar IYIZ. Die Beerdigung findet. Montag, den 3. Februar, nach». 2 Uhr, auf dem neuen Friedhof statt. Todes-Anzeige. Gestern morgen 5V2 Uhr verschied nach längerem Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Henriette Harnickel geb. von Dittfurt gestellt. Unvergängliche Schönheit K8; A-ker g 0801 Familie Familie Familie Familie Semmler Rühl Jardt Polh. Giessen, Jülich, Offenbach a. M., den 31. Jan, 1913. Süd-Anlage 7. Die Beerdigung findet statt: Montag, den 3. Febr., nachmittag l1 /2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus. sowie Kostüme für Herren ii. Damen billig zu verleiben bei H. Ticbv, Selterswea43. Zchncebericht des SchiNubr Sichen. 5° Taft, etwas Neuschnee. Schneeschuhbahn nicht besonders günstig. ..j ucrvadbt. Nabe bcr Sckönen Aussicht. Medekpat (Nordschwedenh 1. Febr. Tie Temperatur ist anfangs dieser Woche auf 43 Grad Celsius Kälte gesunken, die niedrigste Temperatur, die seit Jahrhunderten in Schweden zu verzeichnen gewesen ist. * 43 Grad Kält c. mit der Polizei wurde ein Einbrecher erschosfen, Trtc anderen entkamen. Bei Ausführung von Küstenschutzarbeiten bei Rotting bcan in der Nähe von Brighton wurden durch erneu' Felsenrutsch ftcbeu Arbeiter verschüttet. Zwei ind tot, drei verletzt. Auf einem Ko stümball in Rom erschien die Fürstin Borghese auf einem Streitwagen, der von einem Löwen, einem Tiger und einem Leoparden gezogen wurde. Tie Tiere wurden durch die zahlreichen Gäste und durch die Lichtfülle erschreckt und drohten die Gäste anzufallen. Nur mit Muhe brachte man sie aus dem Saale. In Paris über fielen am Freitag nachmittag 4 Uhr in der Rue Dauphine zwei Burschen den Kassenboten einer großen Kreditanstalt und raubten ihm eine Handtasche mit 55 000 Franks. Landwirtsebaft. — Der Allgemeine Schweizerbund, Sitz Leipzig, gewann im verflossenen Jahre eine Mitgliederzunahme von 2500, während über 100 Zweigvereine in allen Provinzen Deutschlands angeschlossen sind. Die fofteiilöfcn Stellennachweise des Bundes haben über 5000 Stellen besetzt. Ter Bund, der auf nationaler Grundlage steht, hat sich in erster Linie die .Hebung des Schwcizcr- standes und die bessere Ausbildung des ViehvflegepcrsonalS zum Prinzip gemacht. Zur besseren Ausbildung wurde ein praktisches Handbuch der Rindviehzucht und -Pflege herauSgegeben. Tie nächste Tagung des Buildcs findet am 20. April 1915 in Leipzig statt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen tüt Sonntag, den 2. Febr. 1913 t Wolkig, vielfach leichte Niederschläge, Temperatur wenig verändert. W. Zweibrücken, 31. Jan. In der Angelegenheit des Grubenschlossers Friedrich R 0 jan aus Sanddors bei Homburg in, der Pfalz, über die wir vor einigen Tagen berichteten, sprach qcircrn abend das Schwurgericht Rojan, der vor Jahresfrist von demselben Gericht wegen Meineids zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, kostenlos frei. Domino Susäi.1-' Mülhausen i. Elsaß, 30. Januar. Einen neuen Weltrekord hat heute nachmittag der Flieger Faller auf einem Doppeldecker aufgestellt. Faller flog auf dem Flugplatz Habs- heim mit drei Passagieren int Gesamtgewicht von 285 Kilogramm mit Pilot ohne Betriebsstoff zwei Stunden drei Minuten. Faller hat somit GruNs, den bisherigen Inhaber dieses Rekords, der eine Stunde 35 Minuten unb 15 Sekunden geflogen, ist, glänzend überholt. /_s, _ . r r,, r , W. Paris, 31. Jan. Die Sport-Akademie beschloß, den großen Jahrespreis von 10 000 Franks für die beste Flugleistung dem Flieger Garros, insbesondere tu Anerkenmmg feines Fluges von Tunis nach Rom, zu verleihen. !N. TuiMtkin „Emt bhl' nilüHfl ab. sm» nrwML l rurnma n Atari Philivtz. ?(t Bcrein hält K*8 inm Äum" ab. liebe, herzensgute, treubesorgte Mutter und Grossmutter im vollendeten 77. Lebensjahre. Die tieftrauernden Kinder: Sporthalle ein und bei Reichenau wurde sogar ein ganzer, in Fahrt befindlicher Personenzug aus den Gleisen gehoben und umgeworfen. Auch Norwegen und Schweden wurden stark in Mitleidenschaft gezogen: aus Nordschweden iverden heute 43 Grad Kälte gemeldet. Wir erhielten olgende Drahtnachrichten: Gottesberg, 31. Jan. sPriv.-TelJ Ein furchtbarer Orkan tobt seit der letzten Nacht. In dem Waldenburger Bcrg- lande linirbe alles, was nicht genügend Widerstand leisten konnte, umgeworfen. Eine Menge Dächer liebst Dachsparren und Ziegeln wurden auf die Straße geworfen. Starke Balken wurden wie Streichhölzer geknickt. Bei den Schlesischen Kohlen- und Kokswerken wurde ein 30 Meter hoher Sch 0 rnstein u m - geworfen. Ter Telephonverkchr ist gestört; die Drähte liegen' auf der Straße. Dresden, 31. Jan. Infolge des Sturmes stürzte auf dem Ausstellungsgcländc die große Sporthalle zusammen. M enschen sind glücklicherweise nicht verletzt worden. Ein Eisenbahnzug vom Sturm umgew orsen Aus Dresden, 31. Jan. wird uns amtlich gemeldet:. Um 51/2 Uhr früh wurde der von Reichenau nach Zittau 1 abgefertigte Personenzug unweit Reichenau durch einen orkanartigen Sturm umgeworfen; ein Personenwagen ist verbrannt, die Fahrgäste blieben unverletzt. Bis auf weiteres ist nur der Verkehr zwischen Zittau und Waldoppelsdorf möglich. Weitere Einzelheiten fehlen. Auch aus Hirschberg werden schwere Unfälle gemeldet. In der letzten Nacht tobte ein gewaltiger Sturm, der zahlreiche Schneeverwehungen im Gefolge hatte. Auf dem Bahnhof Merzdorf der Strecke Hirschberg— Breslau richtete der Sturm schweren Schaden an, warf die Signalstangen um und machte die Weichen unbrauchbar. Infolgedessen mußte der Verkehr auf der Strecke Hirschberg—Ruhbank heute früh vollständig eingestellt werden. Der Verkehr Hirschberg—Breslau wird über Schmiedeberg—Landeshut geleitet. Ter Zeitpunkt der Verkehrsaufnahme ist unbestimmt. Berlin, 31. Jan. In Berlin und dessen Umgegend wütete den ganzen Tag über ein heftiger Schnee st n rm. Er ließ erst nach mit dem Einbrechen der Dunkelheit. Zahlreiche Straßen sind hoch mit Schnee bedeckt, viele Verkehrsstörungen au zahlreichen Stellen der Stadt machen sich bemerkbar. Auch bei der Hoch- und Untergrundbahn, sowie bei den Stadt- und Vorortzügen war es nicht möglich, den fahrplanmäßigen Verkehr einzuhalten. Berlin, 31. Jan. lAmtl. Meld.) Bei Jan nowitz und Merzdorf ist die Strecke durch Schneeverwehungen gesperrt. Tie Strecke wird voraussichtlich heute abend wieder frei. Tie Züge werden umgeleitet. Lübeck, 31. Jan. Infolge des anhaltenden starken Schnee- sturm eS wurde der Trajcktvcrkchr nach Fehmarn ein- Sturm und Unwetter. Ost- und Norddeutschland hat tu den letzten Tag er außerordentlich unter Sturm und Schneewetter zu leidet gehabt. An vielen -Orten wurden Hauser abgedeckt um Schornsteine umaesturzt. In Dresden stürzte eine großi Letzte Hadincbteii. E i n neuer Schritt der Mächte? Konstantinopel, 1. Febr. Nach einer Meldung des Wiener Korrespondenzbureaus hält man in hiesigen diplomatischen Kreisen einen kollegialen Schritt der Mächte bei der türkischen Regierung für unmittelbar bevorstehend. Trotz der zunehmenden patriotischen Bewegung in der türkischen Be völkerung glaubt man, die Wiederaufnahme dec Feind feiigfeiten verhindern zu können. Man glaubt, das; auch beim Wiederausbruch des Kampfes zunächst bloß bet Adrta- nopel gekämpft werden wird. Unstimmigkeiten der Balkanstaaten. :|: Belgrad, 1. Febr. (Priv.-Tel.) Die Beziehungen der Balkan st aaten unter sich lassen viel z u wünschen übrig, so daß nach dem Friedensschluß offener Streit unter ihnen zu erwarten ist. Ilm bett Besitz der wichttgen Hafenstadt Saloniki bemühen sich Serbien und Bulgarien, um den von M 0 nastir, Serbien imb Gricchenlanb und zwischen Serbien und Montenegro bestellen ebenfalls Unstimmigkeiten, Eine Flottenkundgebung? Konstantinopel, 1. Febr. (Priv.)Tel.) In der Armee soll die dem Kabinett feindliche Strömung im Wachsen begriffen sein, da angeblich alle höheren Kommandostellen neu beseht werden sollen. Ter Kriegsminister zögert noch, den Krieg wieder aufzunehmen, aber das Komitee drangt auf den Beginn der Feindseligkeiten. In diplomatischen Kreisen hofft man, daß durch einen von den Mächten ausgeübten Xrutf, etwa durch eine Flottenkundgebung des Dretv er - ba ndes und Italiens, der Wiederbeginn des Krieges verhindert werden kann. Aus der Haft entlassen. Konstantinopel, 1. Febr. Ter Mgeordnete I s in a i l. der einzige, der infolge der letzten Umwälzung noch in Hast war, ist jetzt ebenfalls fr ciget affen worden. • Statt der Todesstrafe 10 Jahre Zuchthaus. Ulm, 1. Febr. Der Taglöhuer Lemp, der wegen Mordes zum Tode v erurteilt und vom König zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden war, wurde im Wiederaufnahmeverfahren wegen Kor- perverletzimg mit tödlick>em Erfolg schuldig gesprochen und ;u 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. imb Kovvel tätig War, schlug er einmal eine Fensterscheibe ein unb wollte dieselbe dann zerschneiden. Seinen Lieblingshund banb er einmal an eine Koppel und begoß ihn mit kaltem Wasser, ffr erhielt dann von einem Arzt Opium verschrieben; ein Sani- täfsrat stellte später fest, daß es sich um Opium-Mißbrauch handele. Der Tod seines Schwiegervaters regte Drever sehr auf. Die Schwiegereltern der Frau waren gegen die Ehe, weil ge, die Frau, mittellos war. Drevers Benehmen wurde Hack unb nach immer rätselhafter. Er brach auf der Post einmal zusammen: man glaubte, er sei betrunken, während er einen schweren Opiumrausch hatte. In Danzig hat er seine Frau unb die Kinder bis zur Bewußtlosigkeit geglückt. Manchmal ist audj seine Sprache fortgefallen. Seine Fran war wiederholt der Anscknnnmg, daß er an Gehirnerweichung leide. Ter An- ticklagte ruft dazwischen: Meine Frau stellt mich als dummen Jungen hm! — Drever wurde nur mit Mühe durch den Präsidenten und seinen Verteidiger R.-A Dr. Halvert beruhigt ) Ein andermal zerschlug er eine große Sviegelfcheibe und mißbandelte Fron und Kinder ohne jcbr’i Grund. In Lichterfelde kam er ciirmat nach Hause und erzählte, er sei auf der Lokomotive her- gesabren. — Auch andere Zeugen äußern sich ähnlich. Hierauf werden die G-ftachten der Sachverständigen erstattet Professor Aschaffenburg (Köln) betont, er würde gemäß dem B. G. B den Angeklagten ohne weiteres' entmündigen: in kriminellen Sachen .halte er ihn aber für verantwortlich. Prof. Schultz glaubt gleichfalls nicht, daß die Momente des § 51 gegeben seien, daoegen sei der Angeklagte zweifellos sehr degeneriert und im gewissen Sinne geistesschwach. — Der Sachverständige Gerichtsarzt Dr. Spottet Merans gab der lle6m-mauno Ausdruck. daß Omum. von dem der Angeklagte in M'eran bis zu 300 Tropfen am Tag 'zu sich genommen habe, große Einwirk imen auf dessen G^amtoraanismus gehabt habe. Drever habe gewckstr- mnßen ein Dovvelleben gewährt. Es wird hierauf die Aussage des Gefängniswärters in Meran verlesen, wonach Treuer bis zu 800 Tropfen Opium zu sich genommen habe. — Das einstimmige Gutachten der Sachverständigen geht dahin, daß Treuer geistig sehr minderwertig und durch Opiumgenuß ruiniert sei, daß aber § 51 ihm nicht znzubckligen sei. Er habe das Gefühl für das, was sich gehört, völlständig verloren; von Dämmerzuständen könne aber nickst gesprochen iverden. Ter Staatsanwalt Dankwortt beantragt in seinem Plaidoyer gegen den Angeklagten eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis, unter Zubilligung mildernder Umstünde, sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von fünf Jahren. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorscknmde folgendes Urteil: Ter Angeklagte wird wegen Diebstahls und Betruges SU drei Jahren Gefängnis verurteilt. Elf Monate der Untersuchungshaft werden dem' Angeklagten angerechnet. Tie bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten belassen. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß der Gerichtshof den Angeklagten in allen Fällen, abgesehen von dem Diebstahl des Zahnstocherbehälters für überführt angesehen habe. Strafmildernd kam in Betracht, daß sein Geist durch den Opium"enuß zerrüttet war. Andererseits batte der Gerichtshof aber auch k inen Zweifel, daß sich der Angekla^tte zur Zeit der Begehung bcr Straftaten im Besitz seiner Geisteskraft befand, soweit diese überhaupt noch üörbanbett war. Im übrigen wurde noch ausgesprochen, daß die Diebstähle nicht vor gekommen wären, wenn die Eisen- bahnbeamten vorsichtiger und mißtraut sckier dem Auaeklagten geaenübm gewesen wären. — Während der Beratung des Gerichtshofes entfernte sich Frau Dreher ausschreiend und trank auf dem Korridor eilte Flasche Opium aus, worauf sie etwas ruhiger wurde. Vermischter. * Aus breche r. Aus Ludwigshafen a. Rh., 31. Jan. wird uns gemeldet: Der vor einigen Tagen festgenommene 30jöhr. Theodor Berger, der in Gemeinschaft mit einem anderen Tieb in einem Tarrnstödter Goldivarengescluift eingebrock-en war, ist aus dem hiesigen Anftsgerichtsgefängnis, wo er inhaftiert wurde, in der vergangenen Nacht ausgebrochen und entkommen. Er hatte die Eisenteile von der § Bettstelle gelöst unb mit diesen Löcher in die Wand gebohrt. * Ich mache eine Rundfahrt auf dem Starnberger See. Neben mir «zwei Hochzeitsreisende, die sich nicht sattsehen können an der Silhouette des Gebirges, das man heute haarscharf vor Augen hat. „Tas gefällt dir wohl," spricht er, „mein Süßes, das ist auch die Zugspitze dort!" „Ich bin ganz weg," meint sie, „sei nicht böse!" „Tummchen! warum soll ich böse sein?" „Mein erster Br-nftigam hat solche „Neese jehabt"!" * Tin ergespräch. „Das Bein ist das Beste an der Ente, meine Gnädige." „Ja, das höre ich immer die sagen, die sich nachher den Flügel nehmen." Kleine Tageschronik. In Werne bei Langendreer wurde in der Wohnung des Past 0 rs Luther in dessen Arbeitszimmer dec Pastor selbst und der ihm befreundete, aus Arnsberg stammende Gutsbesitzer Großbrautmann erschossen aufgeffmden. Der Fall ist bis jetzt unaufgeklärt. Aus Fallersleben, 31. Januar, wird gemeldet: Heute mittag stürzte aus dem V-Zuge Berlin—Hannover zwischen der hiesigen und der Station Kalberlah ein etwa 15 jähriger Franzose, der sich an einer nicht fest geschlossenen Tür angelehnt hatte, aus einem Wagen 2. Klasse unb starb an den Verletzungen. Am Tonnerstag abenb würben auf der Strecke Spanbau— Eharlottenburg die Arbeiter Hasse- Seegefeld, Gehde und Kasp 0 zak, beide aus Spandau, von dem v-Zuge 15 überfahren und getötet. Die Genannten wurden von bem' Unternehmer Meier-Spandau mit Legen von Kabeln beschäftigt. In Fallingbostel wurden nach einer Meldung aus Hannover bei einem Fahrradhändler dessen drei Kinder int Alter von fünf bis zehn Jahren, als sie zum Schulgang geweckt werden sollten, tot aufgefunden. Der Arzt stellte den Tod durch Gasvergiftung fest, die durch herausfallende Gluten aus dem »habhaften Ofen entstanden ist. In Zabrze drangen in der vergangenen Nacht Einbrecher, die der Polizei vorher signalisiert umreit, in die Geschäftsräume der Ober schlesisch en Kokswerle. Bei einem Kampf Zu erfr. Bruchstr. 7 II. Maskenkostüme, Har lekin u. Pyretle. zu verleihen. 053!) J Steinstraße 1211. vreyer. . | labte alte ZivilmMcL« itte sich vor der JWJB flaqie w«? k,dp)- , en dmecjcld und »d •, 1 'lunxlcn tm Anttzk ?'Betrug soll b-gE» * SLj jtamniiW -°> ---»'M,»! -poM , actrieben>“■ - irr g' c*dr (TdarDt. .^g au'W*1' ?Knirii^e^| .müden ck-e Höhlung g ' > di-« M ctl7je()ftä6te aZcA R nflf ist II gro^ haben »J |löetcinr^au51 - 3inttÄ^r Iqh, gelegt u^lttit. 8*1 ■SS’"'« Ung !^rd- ‘ Vierer 3' ti* »Sei "tter mtt Sm£t tcr Karl fetter ,8**$ Men. : tot alte Theodor ,'odngen Bruder den n^,tTa^ lusführte n >var t|t heute nacht lh'ffuchungsgefängnis übelbcleumdrte Schuh, ,l' mit seiner ssrny Wm Manne nach ihrer entgegengesetzte Richtung des Militätpastcns ne durch Schläge abzu- ■ würgte. Ta sich der tc, wrderte der Bosten und sich zu entfernen, wlge, enviberte sie mit en entgegen. Tie Frau Bosten. -Beide wurden ui den Soldaten. Ter :irrf)t die Angreifer von rost versuchten, ihm das mächligte sich schließlich eruntergesallen war und immen. Gastwirt Jak. Bieber ar- und Tarlehenskafse. ast er bei seiner tätiger untreu! hat. Br- p'sälscht. Leute wurde ltschait vernommen uni „Ick, glaube, daß die meisten Frauen ihren jugendlichen Teint breiß'ig Jahre länger beltaften könnten, als dies jetzt der Fall ist", schreibt Madame de Ville, die bekannte SpezraUstm m Schon heitsfragen „Das Sckstimme ist nur, daß sie nrcht Mssen, auf welche Ärt unb Weise. Ich bin neugierig, ob Sie jemals von btmi „Absorbrerungs-Prozeß" gehört Itaben. Er ist lehr einfach Er.- besteht in dem Versuch, den verblaßten, mit Runzeln unh Flecken versetzten äußeren Teint zu entfernen und den darunter befmo- licheu, schönen, belebten, jungen Teint freizulegen. Für bic'ien. ■IroccF verwendet die moderne Frau ein wenig halbstarkes Eleminrt, das sie einige Nächte in derselben Weise auflegt wie Coldeream, Ungefähr süufunddreißig Gramm sollten genügm. Es ist em durchaus angenehmes Mittel und ist m fast jeber Apotheke zu haben. Sein Zweck ist, die häßliche leblose äußere Haut nach unb nach in fast unsichtbare, kleine Teilchen aufzulösen. Die. gesunden Gewebe werden durchaus nicht angegriffen. Sein Ge- brauch verursacht ost in wenigen Tagen bemerkenswerte Veränderungen. Mit dieser Gewischeit habe ich die Furcht vor dem herom- nahenden Alter fast völlig verloren." __________________ss^/j» f— Rhelnlsohes """HffasonnenCäuTTlelctrötööTmlk^^K ITechnikum Bingen M tfheit im lfilcn' in ^1 baxunter neun Mvm ihanben. iUlbniOUiyS 11(1110 Kronbauer sehen Quartettvereins, Giessen 1 am Sonntag, den 9, Februar 1913, abends 5 Uhr Sonntag, Uhi 9 . 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