Nr. 209 Zweiter Blatt 162. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag». Te „Sietzener ZamtlientzläNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» „Kreisblatt für ben Kreis «iehen" zweimal wöchentlich. Die „ran»«irtschaftllch«a Seit» fragte" erscheinen monatlich zweimal. Schmer Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejfen Donnerstag, 5. September 1912 Rotationsdruck und Verlag der Srühlfchen Universität» - Buch- und Gteinbruderel 9L Lange, Dießen. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: bl. Redaki.on.«-GSH2.rel.-Adr>AnzcigerDieben. Tex Ab- und Zugang pflegt bei den Warenhäusern ziemlich 1904 1905 190G 1907 1906 1909 1910 1911 Iah eSsteuerertrag 1 965 000 Alk. 2 160 000 „ 2 525 000 . 2 677 000 , 2 737 000 , 2 5H4 000 „ 3 07M 000 , 3 340 000 . der des Zahl der Betriebe; von 1901 macht sodann die Entwickelung Großbetriebe» gewaltige Fortschritte. Es betrug Ferner lag von dem preußischen Justizminister Tr. Beseler (Berlin) ein Schreiben vor. Nach Eröffnung der Sitzung durch ben früheren öflcrreirf»i- , |u,unv I schen Justizminister Tr. Klein Wien) wurde dieier^und^Ge-^^hl ^rd. lamrat Tr. Brunner Fußbobenbeläge. Der Redner kommt somit zu dem Schluß, daß die Mittel zur Erreichung der Schallsicherheit vielfach den statistischen Anforderungen, der Wirtschaftlichkeit und auch der Wärmedicktigkeit zu- widerlaufen, daß aber durch sorgfältig von Fall zu Fall zu erwägende Mittel es möglich ist, schallsichere Konstruktionen ohne wesentliche Beeinträchtigung anderer berechtigter Ansprüche an ein neuzeitliches Bauwerk zu schaffen. Hierauf sprach über ein ebenfalls allgemein interessantes Thema' die Mückenplage und ihre Bekämpfung Professor Tr. Bruno & et) mann (Berlin). Er stellte eine Zunahme der Stechmücken in Deutschland fest, die durch ihre Stiche nicht nur die juckenden Quaddeln Hervorrufen, die häufig durch Sekundärinsektionen vereitern, sondern auch durch Beeinträchtigung der Nachtruhe empfindliche Gesundheitsstörungen Hervorrufen und auch sogar in einigen Gegenden Deutschlands das Wechseliieber verbreiten. Schließlich führten sie schwere wirtschaftliche Einbußen durch ihr massenhaftes Auftreten in stark besuchten Mur- und Badeorten herbei. Durchgreifende Maßregeln zur Bekämpfung dieser Plage seien daher geboten. Diese Maßregeln müßten sich aus möglichst grünblidje Kenntnisse der Ent- wicklungs- und Lebensbedingungen der Mücken, auf die Ergeb- nisse einwandfreier Versuche unter natürlichen und künstlichen Verhältnissen und auf die kritische Beurteilung des praktischen Bekämpfungseffektes stützen. Hiernach würde die Bekämpfung zerfallen in Maßregeln zur Verhütung neuer Mücken- entwicklung in den warmen Monaten, die „Sommer- B e k ä m p f u n g", und in Maßregeln zur Vernichtung der überwinternden Mücken, die „W in t e r - B e kä m p - Deutscher verein für öffentliche Eesunicheikpflege. :: Breslau, 4. September neben lassen: . .. - , „3d) kenne die wertvollen Arbeiten genau, bte vom deutschen Juristentag seit mehr denn 50 Jahren für bte Wetter entwickelung unseres heimischen Rechtes geleistet sind und ver^ solge sie mit vollstem Interesse. Auch die diesjährigen fbe- raiungen werden sich um Probleme drehen, die un Laute der nächsten Fabre der gesetzgeberischen Lösung m Lester reich wie im Teutleben Weiche harren und bereit gründliche Erörterung auf dem Teutschen Juristentag für die wetteren geietzgebertichcn Maßnahmen von großem Werte ist. Ich sehe daher den tont* menden Beratungen mit Spannung entgegen und wumche dem Verlause der Tagung in der schönen Donaustadt den besten bte Zahl Der veranlagten Betriebe 82 93 90 101 107 101 109 108 Erträgnisse der warenhaussteuer im Königreich Preußen. Nachdem bereits im Jahre 1901 die Zahl der zur Waren Haussteuer veranlagten Betriebe 109 und das IahreseNrägniS her veranlagten Steuer 3 075 905 Mk. betragen hatte, erfolgte in den folgenden drei Jahren ein bemerkensioener Rückgang in Strafdrohung herausruhcben, und das, was die Folge eines Tat fackenkompleres ist, zu einer einzigen Tatsache in Relation zu bringen. Zu Gunsten der Beibehaltung der Todesstrafe wäre noch, ein Moment zu erwähnen, das insbesonders auch in den Gründen eine Rolle gespielt bat, welche die Verfasser des österreichischen Gesetzentwurfes veranlaßt haben, auf diese Strafe in ban Vorentwurf nicht zu verrichten: es ist die Schwierigkeit für die ab uictzende Todesstrafe eine Ersatzstrafe zu finden. Zwetiel- les gibt es heute noch Verbrechen, deren Begehung einen folchen Grund der Scheußlichkeit dartut, daß es immer dem Gereckttg- leit^gefübl der Gesetlfchait enNvrechen würde, derartige Jndi viduen einfach zu einer 'ebenswidrigen Anhaltung in Kerker mauern, die mit keinerlei weiteren liebeln verbunden sind, zu verurteilen Professor Finger erinnert hier an ben Mörder ber Kaiserin Elisabeth und an jene französischen Apachen, die au* viehischer Lust an Grausamkeit einen kleinen, zehnjährigen Aungen banden, ihn auf die Schienen des heranbramenden Eil luge* waricn und im Versteck lick an dessen Qualen weideten. Tiefe Beispiele eigen, daß es ein Maß von Schlechtigkeit gibt, dem gegenüber jedes andere Mittel, wie das der Vernichtung, ein zu geringes ist. Aus allen diesen Gründen beantwortet Professor Tinger bte vom turnten tage gestellte Frage: „Ist die Todes- strafe im künftigen deutschen und österreichischen Strafgesetzbuch bei zubehalten ' - t erzog en. Zunächst h) erben psychologische Gründe dafür angc führt, daß die Strafdrohung als gänzlich untaugliche Hemmung-- Vorstellung erscheint. Eltern, die durch größte Nahrungssorgen sich zu dem Entschluß allmählich feftmachten, ihr Kind zu töten, Männer, die durch jahrelange Verbitterungen und Lieblosigkeiten bestimmt werden, die ungeliebte oder allmählich gehaßte Frau au beseitigen — in allen solchen Fällen pflegt die Tat der explosive Abschluß einer Seelentragöbic zu fein, in deren Ent Wickelung ganz allmählich der Abscheu vor ber Tat verdrängt und den immer tiefer sich festwurzelnden Entschluß gewichen ist: Es geht nicht anders, du mußt so handeln. — Eine andere Grupve von Mördern bilden die aus politischen oder monarchistischem Fanatismus Handelnden. Niemandem, der diese Men- schon oder die Literatur über ihre Taten kennt, kann es heute auch nur im geringsten zivenelhait fein, daß gerade bei ihnen die abschreckende Wirkung der Todesstrafe vollkommen — ausnahmslos — fehlt; ja noch mehr: wir wissen von einer Reibe von anarchistischen Mördern, daß der Gedanke, auf dem Schaffst als Märtnrer für eine „Idee" zu enden, auf das Hirn dieser Menschen nicht abschreckend, sondern geradezu anreizend, an« stachelnd wirkt! Wir brauchen aber nicht nach einzelnen Adl n zu hieben, die uns die Fabeln von der abschreckenden skrait der Todesstrafe widerlegen können. Wir haben ja Massenbeobach- Wenn sich »eigen läßt, daß IN • x.. . . Handlung stand heute zunächst daS Thema Schallsichere Bauten. jung". Tie Sommer-Bekämpfung umfaßt Maßregeln gegen die Eier, Larven und Puppen in Form von Beseitigung von Brut- pläyen durch Regulierung stagnierender größerer Gewässer und durch künstliche Bewegung, Bedeckung ober Entfernung kleinerer Wasserbehälter, ferner in Form der Vernichtung der Larven irnb Puppen ui vorhandenen Brutplätzen durch chemische Zusätze oder durch Begünstigung bezw. Züchtung mückenfeindlicher Wafsertiere uno Wasserpflanzen. Tie Maßregeln gegen die ausgebildeten Insekten bestehen in der Errichtung von Mückenfangapparaten sowie in der Begünstigung mückenseindlicher Landtiere und Pflanzen. Tie Winterbekämvfung umfaßt die Vernichtung ber in geschlossenen Räumen überwinternden Mücken durch Bespritzen mit Chemikalien, Ausräuchern ober Abbrennen: die Verfolgung der im. Freien überwinternden Mücken hat durch Ausstöbern^oder Abtötung in ihren Schlupfwinkeln zu erfolgen. Tiefe Maßregel, bezw. die Turchiührung eines je nach den Veri öltnissen ausgewählten Teiles derselben, hat bereits zweifellose Erfolge erzielt. Zur erfolgversprechenden Durch- fül.rung der Bekampfungsmaßnahmen sind erforderlich: Lrga- nisation sachverständiger und zuverlässiaer Mannschaften unter Organisation sackwerständiger und zuverlässiger Manm'chasten unter b-’r Oberleitung einer mit Land und Leuten vertrauten, zur Ausstellung eines detaillierten BekämpfungSplanes, zur Unterweisung und Kontrolle der aussührenden Crganc, sowie zu eigenen Be- cbachtungcn und zur Berichterstattung befähigten und geeigneten Persönlia-keiten, wie Gemeindebeamte, Tcsinfeftore, Feuernxhr- leutc, Feld und Forftpersonal u. a. m. Weiter ist erforderlich Unterstützung seitens des Publikums durch Entgegenkommen bei ben Arbeiten der Mannschaften und durch eigene Mitwirkung, sowie burdi etwaige Beisteuerungen zu den erforderlichen Aufwendungen. Weiter muß auf bie Unterstützung seitens der Behörden gerechnet werden in Form von Anordnungen zu möglichst ausg^ehnter und ausnahmsloser Turcknührung der Maßregeln durch Bereitstellung geetgretner Hilfskräfte, sowie durch Bewilligung von Geldmitteln. Tie Kosten ber Bekämpfung hängen im wesentlichen von den jür bte Arbeitskräfte erforderlichen Aufwendungen ab; die Kosten, iür die einmalige Beschaffung der Ausrüstungsgegenstänbe ebenso wie die für die Keller- und Tümpelbehandlung nötigen P er brauch-,- I mrrtrrintipn fink relativ oerina. Die Aufbringung der Mittel, Hier unterbreitete CberIngenieur Privatdozent Dr Mautner Tüfielbon deut Kongreß eine Anzahl von Seitfa j e n , in denen ausgeführt wird, daß es eine ganze Anzahl von Mog' hehfriten gibt, bei den modernen HochbaukonftruktIonen den schall möglichst ahzudämpsen Es sei daS vor allem Aufgabe ber Hygiene, dem jedoch nicht auf Kosten der Wirtfchaftlichkeit, der konstruktiven Sicherheit, ber Feuersickjerheit unb anderen rhH- gaben der Hygiene, wie Wärmeschutz usw. entsproctren werden dürste Teslwlb müsse das Bestreben der modernen Konstntt- Nonen nur dahin gehen, bie den Ansprüchen der Virtschastlich- keit unb den anderen Anforderungen genügenden Kon st nikt tonen gleichzeitig idtalUidier zu machen. Alle neuzeitlichen Baumaterialien, wie gutgebrannte Mauersteine, Beton, gußeiserne Träger, (num- beton in Tecken. Stützen und Wänden begünstigen die «chall- Übertragung und zwar um so mehr, ie geeigneter die Materialien in statischer Beziehung sind und je höher ihre Gebrauchsivonnung ist, mit n»elcher sie un Bauwerk wirken. Die Mittel, welche zur Bekämpfung der Hellbörigkeit zur Verfügung stehen, find: bte Verringerung ber Schwingungen der den Raum umichhet.cnben Bauteile, die Vermeidung der Schwingungsübertragung aus benachbarte Bauteile, die Reflexion und Brechung^ der durch den Raum abschließenden Körper direkt dringenden Schallwellen, die Beseitigung etwaiger Resonanzwirkungen und die Verringerung der Geräuschentstehung Tie Verringerung der Schwingungen der den Raum absdfließenden Bauteile ist nur möglich durch Vergrößerung der Maße und Verringerung des SpannungS- zustandes, somit Vergrößerung der Bauhöhe, der Decken und Wände. Tie Ansorderungen der Du ischastlichkeit führten bet Erfüllung der Forderung einer Massivdecke von großer Bau- höhe zur Verivendung von Füllstossen in den statisch unwirksamen Teilen der Deckenkonstniktion. Durch die Füllungen von Teckenbaustosfen verschiedenen Materials wird auch Brechung der Schallwellen erzielt. Tas Mittel der Auslösung der Wände in Doppelwände und Zwischenfüllung kann aud) zur Koftenver- ringcrung von schallsicheren, tragenden Wänden benutzt werdeii. Tie Vermeidung der Schwingungsübertragung auf benadtbarte Bauteile muß durch Auflagerisolierung erfolgen. Ein Mittel zur Vermeidung der Schwingungsübertragung befiehl auch in der Isolierung des Estrichs von den Umfassungswänden ödHom- gungen von Maschinen werden zweckmäßig durch feberartige Tämp- fungsunterlagen abgeschwacht. Außerdem'sind ihre Fundamente unabhängig von den Gebäudefundamenten auSzusühren. Tie Schalldämpfung durch Brechung der Sckrallwellen an der Grenze verschiedener Materialien ist ein sehr wirksamer ^Behelf. Einige der gebräuchlichsten Estriche vermindern id)on die Hellhorigkeit. Am wirksamsten sind versdiiedene Auffüllungen. Die Wirkung der Ausfüllung ist umso besser, je bidyter diese ist; ihre einzelnen Teile dürfen fick jedoch nicht gegenseitig verspannen. Tie Wirkung der Ausfüllung wird unterstützt burd) Pappe- ober Filzlagen über der tragenden Teckenplatte. Tie eigentliche Fußbodenlon- ftrultion muß von der Tragplatte isoliert sein. Die Befestigung : ter Resonanzwirkung ist nötig bei Hohldecken und erfolgt durch • frei untergehängte Upterdecken. Die Verringerung der Geräufch- cntftchung beim Gehen und Bewegen von Lasten ist.Aufgabe der Die heutige zweite Hauptversammlung des Deutschen Kon- ------ . greises für öffentliche Gesundhestspflege eröffnete ber Korfttzende,'matcrmlten unb relativ gering. febbaft zu fein: der Abgang wird hauptsächlich infolge von Konkursen, Einschränlurg der Waren auf eine Gruppe oder Einlegung von Rechtsmitteln bewirkt. Die starke Vermehrung des , < .. f m in Steuerertruge« in den letzten Jahren läßt eine anfterorbcnthche hingen auf diesem Gcbi^ We^ sich zeigen lant, » Steigern ngdes Umsatzes erkennen, die von raufmannuefren ^taaten, m denen d,e Todesstrafe abgefckwift worben ist, kemerle Gewerbetreibenden sehr beklagt wird. Dor weitaus größte Teil Anschwellen der ^mdzisfern-ukonstatierenist,wenn - ber Warenlwussteuer wird von einigen wenigen Betrieben nut Im denen bie iobcöitraic in Hebung ist, keineswegs eine crheblid) Umsätzen von weit über 3 Millionen Mark luirrlid) auigebradit künftigere Jhimina itotöjiffer aut zuweisen haben, wenn em Ber- Van dem Steuererträgnis des Jahres 1911 in Höhe von 3 346000 gleich .innerhalb desselben ^taates vor und nach Wschaffung der Mark entfanm 45,6 v. H. aus den Stadtkreis Berlin und Todesurafe keinerlei Lehren über bu- abschreckende Tat der Todes. 10,4 v.H. auf die Berliner Vororte, d. i. im Regierungsbezirk strafe zu geben vermag — so können alle diese Tatsachen nicht Potsdam. Danach folgen bie Regierungsbezirke Düsseldorf mit bloßer Zufall fein, «."flnehr können ne nur «ne J’h^afe gc 7 7 Köln mit 5,8, Wiesbaden mit 3,9, Schleswig mit 3,4, Bettangung der aus pfnchologiichen und histonichen Argumenten Ctipeht mit 3,3, Arnsberg mit 3,1 V.H. Es versteht sich von gezogenen Schlüsse geben. Tieien ftatmuchen Nachweis erbringt selbst, daß der Warenhausbetrieb in erster Linie auf die großen nun Liepmann burch Die Grgebmnc ber nrimmaüfhf m jenen -täbte befdnänft ist; säst bie Hälfte der Warenhäuser hat ihicn Landern, welche die Todesstrafe abgeickwstt haben (Italien, Ru- t-itz in Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern, nur 15 Waren, mänien, Portugal, Holland, Nonvegen, Belgien Finnland, Arne- Häuser werden in Städten mit nveniaer als 50 000 Einwohnern rika.) Den stärksten und auch heute noch entfcheldenden Grund betrieben Wie im Königreick) Preußen, so haben sick) auch in gegen bie Tobesfttaie erblickt Liepmann in der Irreparablitat d n anderen Bundesstaatett die Warenhäuser außerordentlich ent derselben. Jede, auch die fchwerste Strafe kann auigehoben roer; to;jcrt I ben, wenn sich nachträglich der Wahripruch als „Falfchlpruch • I «*r»veiff: die vollstreckte Todesstrafe ist nicht wieder gutziimach ftrnnen heute vormittag in Gegenwart verschiedener Erzherzöge, und gelangt schließlich zu folgendem Ergebnis: Die mir gewannen heute vormittag in Gegenwart verschiedener Erzherzoge, und gelangt schließlich zu folgendem trrgevms: ^ie mir ge- bes ofterreichisckjen Iuftizministers Tr. v. Hochenburger und ,teilte Frage beantworte ich lur die Zivllftra,gefetzbuch.'r D-ulfch- von Vertreterii des Teutschen und Oesterreichischen Richterbundes, lands und Oesterreichs, loroeit es sich nicht um Ausnahmezu- Deutschen Anwalt-Vereins, preußischen Richtervereins, sowie stände ber Revolution, des Kriegsrechts oder kolonialer Verhalt- von deutschen und österreichisdfen Richtern, Staatsanwälten, Mit- nisse handelt, mit „Nein". g’.icbern des Reiche-gerichts, der verschiedenen Oberlandesgerichte Das zweite Gutachten, aus der Feber bcs Professors August unb des deutschen Anwaltsstandes die Verhandlungen des Finger (Halle) spricht sich für die Beibehaltung der 31. Teutschen Iuristentages, ans dessen Tagesordnung iahlreickje I Todesstrafe aus. Das Gutachten verfolgt nachstehenden Gedanken- k vagen von allgemeinem Interesse stehen. Am geftrigep Abeiid I . „Die Todesstrafe hat, seit über dieses Slrasmittel^diskutiert war der Tagung eine Begrüßung ber Teilnehmer durch oen entschiedene Gegner Zwanglos lassen sich dieselben mit Wiener Ortsausschuß im Sophicnsaal vorausgegangen A^cr 15Bcbad)t auf die Grunde, durch bie sie ihre Position stützen, Staatssekretär des deutschen Iustizamtes Dr. L l s e o hatte bem -n üicr Gruppen teilen. In der ersten Gruppe wären die Aull. Teutschen Juristentag folgendes Begrüßungsschreiben 8U» | ^3^^. der theoretischen Weltanschauung zu zählen. Tic Todesstrafe raubt dem, der schwer gefehlt hat, die Möglichkeit, zu bereuen und verstößt gegen göttliche Vorschriften. Ter zweiten Gruppe ist die Abschaffung der Todesstrafe eine Herzens-, eine E'esühlssache. Zn dieser Gruppe gehören auch meist die Frauen. Tic dritte Gruppe umfaßt seine Gegner, welche die Todesstrafe in Konseauenz eines politifck)cn Parteiprogramms ablehnen. Eine vierte Gruppe bilden jene, die mit ihrer Ueberjeuguug immer dort zu finden sind, wo es gilt, der Autorität des Staates etwas abzubröckeln. Für die Entscheidung des vorliegenden Themas sind zwei Fragen zu beantworten: 1. Erfüllt das Gesetz, bas eine Tobesstrase kennt, seinen Zweck als Trohung? 2. Sprechen irgend welche Gründe gegen den Vollzug ber Todesstrafe? Tie erste Frage ist zu bejahen. Tie Verbrecher sinb meist stark egoistische Naturen; auf solche wirkt die Vorstellung des Verlustes des Ledens abschreckend. Hierzu kommt, daß dieser Tod ein schimpflicher ist, wodurch die abschreckende Wirkung noch er- — - - ■ . yuyi unu. Als ein wesentlicher Mangel der Todesstrafe, welcher Berlin) in das Präsidium des Deut' den Vollzug derselben spreche, wird die Unwiderruflichkeit j heu Iuristentages gewählt. — Hieraus begrüßte der oltcrrcp j.^oorgehoben. Ter Einwand wiegt indessen nicht so fdyrocr, als chisckje Justizminister Tr. v. Hochenburger dtc -tcunehmer 1 gCmc^nf)in angenommen wird. Die stärker abhaltende Kraft und als Vertreter der österrcichiichen Regierung. ,nir den Dcrhinber- l:1Crmjt rinc größere ©irFfamfcit der Todesstrafe ist eben mit jener ten Staatssekretär des Reichsittinzamtes überbrachte Lbcrrcgic-1 Unniderruslichlett untrennbar verbunden. Weil die Todesstrafe rungsrat Tel brück (Berlin) dessen Grüße. — (Sö,nrachcn lf,Kr natf, unmiberruflid) ift, roirb fic mcit mehr gefürchtet, bann noch ber Oberbürgermeister 9? c u mji n er Wien) und Tur 1 ld-rC(ft mchr ab als andere Strafmittel. Audi trifft der Ein- bte Wiener Universität Rektor Profcffor ^r^Rehlin. I ivand der Unwiderruf lickckcit keincswgs die Todesstrase allein: Jin Anschluß an die Bcarüßungsanfprachen verlas der -00^ and) bic anj)Crcn Strafmittel sind nidit ohne weiteres widerruflich, sitzende esti Entschuldigungsschreiben des Prattdenteii des osterrei Jahre, die jemand infolge eines JustinrNums im Zuckt ; ckischen Abgeordnetenhauses Tr. Sylvester. x\n bioem saircu hau-c ^^h^dn bat, sind unwiderruflich verloren, die Einbuße [vn wird der Tcutidje Juristentag als da-5 Vorparlament Tur me QU ^tfundheit, körpcrlick^r und geistiger Spannkrast ist nicht zu legislative Tätigkeit des deutschen unb österreichischen -i-arta« cr)-CPen Anhänger der Abschaffung der Todessttasc pflegen gerne mentv bezeichnet. . ... , ^„ darauf hinzuweisen, daß die Statistik einzelner Länder in den der Tarani sandte der Juristentag Huldigiingstetegrammc an sTlbidmiung her Todesstrafe solgenden Zeitperioden vtelfack) keine j Kaiser Wilhelm II. und Maifcr Franz Joies ab. Zunahme der vorher mit dem Tode bedrohten Verbrechen ausweise. Der Geschäftsführer des Deutfchen Iuristentages Justizrat Stellungnahme zu derartigen statistischen Taten wäre zwecklos. <7>- kUQ0 Neumann Berlin beantragte dann eine Sta Die BegcHunf jedes Verbreck>ens, die Zu- und Abnahme bestimmter tut en ä n b e r u n q Ter Absatz 3 der Statuten soll m Zu fv-attungen ist das Ergebnis einer großen zu, am men Hang enden kunkt es dem Teutschen Juristentage gestatten, in seine ständige Reihe von Verhältnissen — cs gebt nicht an, aus dieser Fülle ein ■Tfhiifation auch Nichtjuristen zu wählen, also z. B. 9(er»tc, cin:rlnc§ Moment, die Existenz einer ftrengeren oder gelinderen belehrte usw. Gras Gleispach Graz) beantragte hierzu, daß -----------..«h diese Personen aber deutscher Nationalität sein müßten, was der Juristentag aolehnte, während er der Acndcrung selbst feine Smnumg erteilte. Tic Zahl der Mitglieder des ständigen Ausschusses wurde von 19 auf 24 erhobt. Am Nachmittage traten dann die vier Abteilungen des Kon arcsse-' zu ihren Arbeiten zusammen, -tie Abteilungsfitzunge.i hab'n sämtliche den Juristentag beschäftigende AngelegenbettQi »um Gegenstände und bereiten dtefc zur Abstunmung für du Pie narvcrsamnilungen des Juriflentagcs vor. bemen bctrcHin f3,t alle Zweige der Rechtswissenschaft, des Privat- "nd Handeiereck ts, des Strafrechts und des straf crne* allen Fragen liegen umfangreiche Gutachten vor. An erster Stelle steht die Frage ber , Abschaffung ber Todesstrafe. Hc SeibeMtuno d-r Zobeiihaic kvnchl nck Glll ca ,.,, x,.-, Professors Tr. Moritz Liepmann Mul , l Beibedalt.ng das Gutachten des Geheimen Justizrats Droienors Tr Auaut Finger (Halle) aus. Proscor Liebmann beginnt jrin ÄStm mit "er Stßfteltung, baft unferc Stra-gefebbud«;, in Teutt'chland und Oesterreich nur unter der Borausietzung, Sob^aic bchnbebatten, ein Recht haben wenn ne uncn.°b-dti.ch iist: läßt sich der Nachweis erbringen, bar» die Abichaffung Gr ^ode-^strase heu*c kein gefährliches Experiment mehr darstellt, »Öndern ohne Schaben für b.c Rechtssicherheit bes einzelnen rote bie 'Lrhaltuno des Staatsorganismus burckgeführt werben kann, w ist )amit die Entbehrlichkeit ber Tobeeitrate ^«Atfcrtigt )araetan Tic abschreckende Wirkung der ^otn^tra l r^mt.ni 0 fagt man, dieses äußerste Mittel des ^aatszwanges, A lumcnt wird von Liepmann einer eingehenden Untenucpung un dürfte am besten aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Wenn dies überhaupt nicht oder nur unzureichend geschehen tarn, so empfiehlt sich die Bestreitung der Aufwendungen durch Privattnteres>e7tten, eventuell durch Verschönerungs- und ^remdenverkehrsvereine usw. Tie zwangsweise Erhebung irgend welcher Beisteuer von den Grundstücksbesitzern ist nicht zu empfehlen. Die Maßregelnmüssen jahrelangfortgeführt werden. Persönlicher Schutz gegen die Mückenplage wird geboten durch Schleier, Netze usw., durch riechende Einreibungen, salben usw., durch Räucherungen, durch Ventilatoren und durch Jmmunifierngs- met Hoden. In der Aussprache über das Thema -.Schallsichere Bauten" bemerkte Geh. Medizinal- rat Professor Dr. Roth (Potsdam), daß die Frage der schallsicheren Bauten für die öffentliche Gesundheitspflege von äußerster Wichtigkeit sei. Das gehe schon daraus hervor, daß von Seiten der Genesenden in Krankenhäusern wiederholt darüber geklagt worden sei, daß sie durch Schallgeräusche aus den Nachbarhäusern und von den Korridoren her dermaßen belästigt würden, daß dadurch ihre Genesung verzögert werde. Um so wichtiger sei es daher für die Kommunen, welche Krankenhausneu bauten zu vergeben hätten, daß die Frage der Schall sicherheit den Baumeistern in erster Anie ans Herz gelegt werde. (Sehr richtig und Beifall.) „ w , , Stadlrat Wagner (Glogau) führte aus, daß er die Beobachtung gemacht habe, daß nicht die Decken, sondern die Wände die Schallträger seien. Er empfiehlt daher insbesondere bei Schulbauten die Wände durch Einlegung von Isolierschichten ab- zudämpfen. In der Aussprache über ,chie Mückenplage und ihre Bekämv- sung" empfahl Stabsarzt Dr. Mayer (München) den H y a n -- schen Apparat, einen Schwefel-Desinfektor, der sich in München bei der Mückenbekämpfung gut bewährt habe. Professor Dr N c i ß e r (Frankfurt a. M.^ bezeichnete die Frankfurter „Schnacken- toter" (das sind Beamte des Städtischen Wasserwerks) als geeignetste Bekämpfer des Uebets. Oberbürgermeister Dr. Ebeling (Dessau) führte die Mückenplage zum großen Teile auf die Hackmesser zurück. In Dessau hätten alle Mittel und Versuche der städtischen Behörden zunächst nichts gefruchtet. Erst als man mit der E i n s e tz- ung von Stichlingen in die m ückenv er sc u cht c n stehenden Gewässer begonnen habe, hätten sich bemerkenswerte Erfolge gezeigt, so daß er nur empfehlen könne, diese Fisckmrt überall einzusetzen Tie Stichlinge fraßen sogar die Larven. Geheimrat Riedel (Lübeck) empfahl die Heranziehung der Schüler zur Bekämpfung der Mückenbrut. Darauf wurden die wetteren Verhandlungen auf Donnerstag vormittag vertagt. Deutsche Kolonien. Die Reife des Staatssekretärs Dr. Solf. Berlin, 4. Sept. Aus Tanga wird unter dem 31. August von der Reise des Kolonialsekretärs, D r. Solf, gemeldet: Der Staatssekretär fuhr am 19. August von Tab ora bis zur Gleisspitze der Mittellandbahn. Von dort trat er am! 20. August die Rückreise an. I« Dodoma besichtigte er die neuen Ortsankagen und jn Kilossa die Baumwollpflanzungen des Kommerzienrates Otto. Im Anschluß daran fand am 21. August eine Besprechung mit den Pflanzern des Bezirkes statt, denen die Sanierung Kilossas in Aussicht gestellt wurde. Dann wurden die Pflanzungen und die katholische Missionsstation in Orogoro besucht. Nach seinem Wiedereintreffen in Dar- cs-Salam trat der Staatssekretär am 23. August die Weiterreise nach Tanga an und besuchte von hier aus das Gebiet der Nordbahn. Am 24. August -wurden auf der Fahrt nach Amani die Sigi-Bahn sowie die dortigen Pflanzungen, am 25. August die Pflanzungen bei Amani besich- tigt, wobei der Staaksfekretär seine Anerkennung und Befriedigung über den Stand der Pflanzungen aussprach. Nach Besichtigung der Sisalpflanzung und der Fabrik in Korogwe fuhr der Staatssekretär am 26. August auf der Nordbahn bis Mom bo und mittels Automobils nach Wilhelm" stal, um dort die Forstanlagen zu besichtigen und die Ansiedelungsfrage an Ort und Stelle zu prüfen. Von dort aus wurde das Forstgebiet des Schumewalds besucht und das Sägewerk und die Drahtseilbahn besichtigt. Am 27. August wurde vom Wilhelmstal über Mvmbo die Weiterreise nach Neu-Mo schi angetreten, wo im Anschluß an die Besichtigung der Kaffeepslanzungen und der Eingeborenenkulturcn eine Besprechung mit den Pflanzern gepflogen wurde. Am Abend fand ein Bierabend von der Bevölkerung statt. Am 30. August traf der Staatssekretär in Tanga ein. Berlin > 4. Sept. In der heutigen H au pt versa mm- lungder Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika wurden die Regularien einstimmig genehmigt. In der Aussprache wurde von der Verwaltung betont, daß das Haupt- besitztum das Tiamantvorkommen sei, welches bessere Ergebnisse abwerfen werde, sobald die Vereinbarung bett, die Steuergesetzgebung in Kraft getreten sei, worauf nach der Rückkehr des Staatssekretärs Dr. Solf zu rechnen wäre. Gegenüber der in der Aussprache angeregten Frage einer Teilung der Anteile in kleinere Abschnitte zwecks leicksterer Beweglichkeit sowie Aufhebung de8 Stimmrechtes der Vorzugsaktien verhielt sich die Verwaltung ablehnend. Aus Hessen. Der HauptaoSschlag der Einkommensteuer für daS gauze Grosjhcrzogtum hat nach der amtl. Statistik für das Steuerjahr 1912 einen Betrag von 14 098108 Mk. nnb danach ein Mehr gegen das Jahr 1911 von 578 986 Mk. erbracht. An biefem Mehr, das eine prozentuale Zunahme von 4,28 Prozent bedeutet, sind alle drei Provinzen beteiligt und zwar ent- fällt auf Starkenburg ein Mehr von 333 037 Mk., aufOber - Hessen 110808 und auf Rheinhessen 135140 Mk. Insgesamt bringt nunmehr die Provinz Starkenburg 6 539 581 Mark, Oberhessen 2 596 750 und Rheinhessen £961776 Mark an Einkommensteuer auf. Von den 37 Finanzämtern des Landes hat nur Seligenstadt mit 551 Mk. weniger einen Rückgang an Einkommensteuer anfzuweisen, alle übrigen Finanzämter weisen einen zum Teil erheblichen Zugang auf, am stärk st en in Offenbach, mit 97 946 Mk. mehr, prozentual am größten ist der Zuwachs im Finanzamt Gr.-Gerau mit einer Erhöhung von 14,93 Prozent gegen 1911. Jn allen Städten des Landes mit Ausnahme von Bingen (das 2331 Mk. weniger hat) hat sich der Ein- kommenfteuerertrag nicht unwesentlich erhöht. Weitaus an der Spitze marschiert hierbei die Stadt Offenbach mit einem Mehr von 97 946 Mk., an zweiter Stelle steht Mainz mit einem Mehr von 43000, dann folgt erst Darmstadt mit 40500 Mk. Auch hat Offenbach die relativ größte Zunahme zu verzeichnen und zwar mit 6,13 Prozent, Friedberg folgt mit 6,1 Prozent, dagegen beträgt die prozentuale Zunahme für Mainz nur 2,43 Prozent, für Darmstadt 2,09 Prozent. Unter den Städten bringt Mainz noch immer den höchsten Ein kommen st euerertrag mit 2 299 789 Mk. auf Darmstadt steht mit 1979 432 an yneiter, Offenbach mit 1 696969 an dritter Stelle. Den geringsten 6rtrag bringt Alzey mit 99582, vor ihm kommt Bensheim mit 125 461 Mk. Die Zahl der Einkommen steuerpflichtig en hat um 8043 zugenommen und beträgt letzt 383 153. Eine Abnahme der Zahl der Einkommensteuerpflichtigen zeigen nur die Finanzämter Beerfelden mit 8 und Dingen mit 128, alle übrigen Finanzämter, darunter Offenbach an der Spitze mit 1245 Personen zeigen eine Zunahme der Einkommen- steuerpflichtigen. Im Vergleich hierzu kann der Zugang von Darmstadt mit 41 und Mainz mit 221 als gering bezeichnet werden. Tie größte Gesamtzahl von Einkommen- steuerpflichtigen weist nach wie vor die Stadt Mainz mit 36930 Personen auf, dann folgt Offenbach mit 29 676, während Darmstadt noch 1400 weniger Einkommensteuer- pflichtige wie Offenbach hat. Tie Fleischttuernog. bs. Darmstadt, 3. Sept. Die Stadtverordneten Gallus, Henrich, Dr. Heyd, Kahn, Kalbfuß, Dr. Kolb, Leyerzapf, Lindt, Möser, Pickert, Saeng, Sames, Dr. Baubel, Wagner und Sßerner haben am 1. September nachfolgenden /Antrag für die Stadtverordnetenversammlung ein gereicht: „Wir beantragen, der Herr Oberbürgermeister wolle unverzüglich Maßnahmen zur Linderung der allgemeinen Notlage aus dem Gebiete der Fleischversorgung erwägen und der Stadtverordnetenversammlung Vorschlägen. Wir bitten zugleich um alsbaldige Einberufung des erweiterten sozialpolitischen Ausschusses zur Beratung der erforderlichen Maßnahmen."________ Kirche unö Schule. Ein neues Schulgesetz für Luxemburg, das den Verdruß aller Zentrumsblatter erregt hat, fordert im wesentlichen folgendes: Tie Schulpflicht erstreckt sich vom 6. bis zum 13. Lebensjahre, während sie bisher nur auf sechs Jahre ausgedehnt war. Daran schließt sich ein obligatorischer Fortbildungsunterricht an, während zwei Jahren, der jährlich wenigstens fünf Monate mit sechs Stunden wöchentlich dauern muß. Der Unterricht darf nicht am Abend stattfinden. Die in Deutschland vielfach geforderte Einheitsschule, die schon bestand, wird beibehalten. Die Pflichtfächer der Primärschule sind: Religiöser und moralischer Unterricht, deutsche Sprache, französische Sprache, die Elemente der Physik und der Naturwissewi schäften, Nativnalaeschichte, Geographie, Zeichnen, Gesang, Turnen und Schulsprele, für die Mädchen Handarbeit und Haushaltungskunde. Die Beziehungen zwischen Schule und Kirche werden folgendermaßen geregelt: Der Lehrer ist vollständig vom Religionsunterricht entbunden (bisher eine Stunde Bibel und vier Viertelstunden Auf hören des Katechismus); der Geistliche kommt in die Schule, den Religionsunterricht zu erteilen. Die Eltern können für ihre Kinder Dispens von diesem Unterricht erwirken. Der Lehrer muß sich im profanen Unterricht jeder Aeußerung enthalten, die eine religiöse Anschauung verletzen könnte. Die Schulaufsicht wird nur von den staatlichen Inspektoren ausgeübt (Fachaufsicht). In jeder Gemeinde ist eine Lokalschulkommission, welcher der Pfarrer von Rechts wegen angehört, mit der Ueberwachung der materiellen Seite des Unterrichts, Lehrmittel, Schulgebäude, Schulbesuch, beauftragt. Gießener Strafkammer. )( Gießen,- 3. September. Verworfen wurde die Berufung des Fuhrmanns K. von hier gegen ein Urteil des hiesigen Schöffengerichts, durch das er u. a. wegen Diebstahls eines seinem Dienstherrn entwendeten Säckchens Mehl bc- sttaft 'worden ist. Er behauptete, das Säckchen Mehl zu einem Besteller in die Steinsttaße, dessen Adresse er aber nicht mehr angeben kann, getragen zu haben und zwar im Austtag der Frau seines Dienstherrn. Die Verhandlung ergab aber, daß er es sich rechtswidrig ungeeignet hat. Ebenfalls v erwor fen wurde die Berufung der A. St. von Bärnbach. Das Schöffengericht Vilbel hat sie wegen Betrugs zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, weil sie nach Annahme einer Dienststelle sich 10 Mk. Reisegeld von der Dienstherrschaft schicken ließ, den Dienst aber nicht antrat und auch nicht batte antreten wollen. Die Nachprüfung ergab, daß die Angeklagte zu Recht verurteilt ist, doch wurde die Strafe durch die inzwischen erltttene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde sodann in zwei Sachen verhandelt. Der Jnstallations- gehilse G. in Steinfurth wurde zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er mit einem zehnjährigen Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen bat, und der Eisenbahnarbeiter B. in Nieder- Wöllstadt wurde mit 3 Monaten Gefängnis bestraft, weil er ein vierzehnjähriges, unbescholtenes Mädchen verfuhrt hat. Des Betrugs im wiederholten Rückfall machte sich der Tagelöhner K. P. in Villingen schuldig. Unter Angabe eines falschen Namens und einer falschen Arbeitsstätte ließ er sich in einem Butzbacher Schuhwarengeschäst ein Paar Schuhe auf Kredit geben, er hatte aber nicht die Absicht, sie auch zu bezahlen. Das Gericht billigte ihm mildernde Umstände zu, er bleibt daher von der Zuchthausstrase verschont und erhält 5 Monate Gefängnis. Ein falsches Einmarkstück wurde eingezogen; in einer Sache wegen Vergehens gegen das Personenstandsgesetz wurde die Verhandlung zwecks weiterer Aufklärung des Sachverhalts ausgesetzt: eine Privatklagesache wurde auf Berufung hin an das Schöffengericht zu erneuter Verhandlung zurückverwiesen. Vermachtes. — Die Kirche von Borodino. Die Kathedrale von Borodino, der stumme Zeuge der gewaltigen schlacht an jt-cr Moßkwa, ist 1697 erbaut. Im Jahre 1812 wurde sie während der Schlacht sowohl von französischen wie von russischen Kugeln getroffen und ronl man fürchtete, daß sie ein Raub der Flammen werden könnte, brachte man alle wertvollen Gegenstände in Sicher, beit. Nach Beendigung deS Feldzuges wurde btc Kirche restauriert, aber noch beute sieht man die zahlreichen Spuren der Gewehr- und Geschüykugeln. Jn der Kirche befindet sich cm Altarkreuz, das der Patriarch von Jerusalem dem Kaiser Alexander II. gc- schenkt hat Dies Kreu; ist nach seinem Stil und den es um gebenden Figuren zweifellos deutscher Herkunft. Es stammt aus der Zeit der Kreuzzüge und ist wahrscheinlich von Kreuzfahrern nach Jerusalem gebracht und dort in einer Kapelle ausgestellt worden. Sehr kostbar sind die reich mit edlen Perlen bestickten Kelchdecken, die, abgesehen von ihrem materiellen Wert, hoch geschätzt werden als Muster altrussischer Kunst,ttckeret. Das Jko- noftat stammt aus einem cingegangenen Kloster und ist als Ganzes in die Kirche überführt. Tie Altgläubigen haben für ein einziges kleines Heiligenbild 20 000 Rubel geboten: der Veit des ganzen Jkonostat wird auf mehr als 100 000 Rubel geschätzt Am Tage der Schlacht wird in bet Kirche ein feierlicher Gottesdienst stattfinden. Handel. Köln, 4. Sept. Tie Vereinigung der Rheinisch-West- s ä l i s ch e n Bandeisen-Walz werke Hal gestern die B a n b- eisenpreise um 2.00 Mk. pro lO'K) Kilogramm erhöht. Märkte. P.0. Wiesbaden. Die h h ot-M a r k tb e ri ch t vom 4. teetir. Austrieb: Rinder 93 (Ochsen 31, Bullen Kühe 62), Kälber 279, Schale 41, Schweine 4U1. Marklverlaus: Geschäft mäßig rege. Preise für 100 Psh. Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht Dollfleischige, ouSgemästete, höchsten Schlacht- Mk. wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 54—57 102—lOß Die noch nicht gezogen haben (nngejocht) . . 53—56 101—lua Junge, fleischige^ nicht auSgemästete und ältere auSgemäftete ...... ..... 48—52 89—06 Bull e n. Dollfleischige, auSgeiv^ höchsten Schlachtw. . . 48—51 80—85 Dollfleischige, jüngere.......... 44—47 74—79 Fürs en, nü (j•, Dollfleischige auSgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes........... 50—67 95—105 Dollfleischige auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren ... . 45—48 86—93 Wenig gut entwickelte Färsen.......45—49 88—94 Aeitere ouSgemästete Kühe imb wenig gut entwickelte jüngere Kühe......... 88—42 72—80 K ä l b er. Feinste Mastkälbec........... 64—68 108—115 Muttere Mast, und beste Saugkälber .... 60—64 101-108 Geringere Mash- und gute Saugkälber . . . 55—59 93—9a v-ermgere Saugkälber......... 49—53 82—89 S ch a tr. Weidemastschase: Mastlämmer und Masthannnel...... 41—00 86—00 Schweins. Dollfleischige Schweine von 80—100 kg- Lebendgewicht ..............657,-69 85—9k Dollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 66-677, 84—8« Dollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht .............. 68-697, 85-87 Dollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht .............. 66-67 83-84 Limburg a. d. Lahn, 4. Sept. Fruchtmarkt. Durch, schnittspreis pro Dialter. Roter Weizen (nassauischer) 17,50 Wit, weißer Weizeu (angebaute Jremdsorten) 17,00 Dlk^ Korn 12,50 Mk., Gerste: Futtergerste 00,00 Mk^ Braugerste 00,00 Mk., Hafer, alter, 11,20 Mk., neuer 8,50 Mk., Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln 4.00 bi» b,00 DU. Kirchliche Nachrichten. israelitische Religionsgemeinde. GottesdienJ in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, den 7. Septenrber 1912; Dorabend: 6.45 Uhr, Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. SabbatauSgang: 7.45 Uhr. Sept. 7Hüfflers ’*. '’steritlsirls ZKinder-ftahru n * 14,8 0. + 6,8*0. Tri iür kleine Kinder sBFür einen Versuch senden eine Drobe Unbedingt keimfreie in warmer Jahreszeit zuverlässigste Nahrung bücbfe kostenfrei Muffler & Lte., Freiburg L Brg. «** Sicher und Schmeinlo* wirkt baö echte Nadlaucr'icheHübner nnacnmittel. jjl. 60 Psg. 9hir echt aus der Kronen Avotbckc, Berlin W. 8. Devot in den meisten Aoolheken und Drogerien N Höchste Temperatur am 8. bi» 4. Niedrigste , ,3. ,4. Niederschlag: 2,5 mm. Israelitische Religionsgefellfchaft. Sottesdienst. ©abbatfeler am 7. September 1912: Freitag abend 6.30 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. SamStaa nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-AuSgang 7.45 Uhr. Wochengottesdienst: Sonntag und Mittwoch morgens 5.OO Uhr, an den übrigen Tckyen 5.15, abends 6.30 Uhr. Verantwortlich für „Aus Stadt und Land" i. V.: K. Neural Meteorologische veobachtungen de^5tation Sieben. Sept, y 1912 U Barometer auf 0° reduziert Temveratur II der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke || (Brat) ber B«wölku"g In grhnlrl brr ftchid Wetter 4. £“ 749,0 14,1 9,7 30 SW 2 10 Bed. Himmel 4. <47,2 130 10,9 98 still still 0 Klarer Himme! 5. 746,0 10.6 9,1 95 SW 2 10 Bed. Himmel Kno [Bouillon fachen macht Vergnügen mit Jfnorr •• 'S uppen und fjouillon-Würfel 1