Nr. 260 Erstes Blatt 162. Jahrgang Montag, 4. November 1912 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Der Otehener Anzeiger erschein» täglich, außer Sonntags. - Beilagen: v 1 erinal wöchentlich SiehenerZamilienblatter. »weimal wöchentl.Nreir- blatlfür-enNreisSiehen (Trenstag unbcTcimq); zweimal nionatl. tand- wirtschaftliche ZeitsraArn ticn-.lpred) • Anschlüsse: für die Redaktion 112, Lerlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Rotationröruck und Verlag der Brühl'jchen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Nedattion, trpcörtion und Druckerei: Schulstrahr 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße Iba. Veznq »1 ret »; monatlich 75 Bi^ viertel» jährlich Lik. 2.20. durch Al'60le- il Zweig'lellen inouatlich 65 Bi., durch die Bost Bik. 2.— otertel- jährt. ausschl. Beuellg. ZeileuvrelS: lokal 15Ps, auswärts 20 Biennig. Lheiredakleur: A Goetz. Verautwonlich für den politische» Zeil: August Goetz- für .Feuilleton", .VernnschleS' und „®erid)ts|nai": K. Reurach, für .Stadl und Land-: E.Hev: für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfafjt 12 Seiten. Europa in den Dardanellen. Die Massakerfurcht in Konstantinopel hat den Mächten Europas b-en mehr oder minder willkommenen Anlaß zur Entsendung von Kriegsschiffen gegeben. England stellt die Kreuzer Yarmouth, Barham, Weynwuth und Medea, Lester- reich den Panzer Maria Theresia, Holland Herr Kreuzer Gelderland. Frankreich und Rußland bleiben natürlich nicht zurück und das Deutscl>e Reich wird ebenfalls einige Schiffe cntfprcdjenb beordern; beim das Stationsschiff Loreley, das den Exschah 2lbdul.Hamid nach Konstantinopel brachte, kann nicht als Kriegsschiff gelten. Bon wem ging die Anregung zu diesen Schifssbewegnngen aus? K i a m i l Pascha, der Großwcsir s e l b st, habe, so heißt es, die internationale Hilfe erbeten, und auf dem Schreibtisch des Sultans soll ein Jrade xur Unterschrift liegen, daß der englischen Flott en division, die bisher vor Tenedos lag, freie Einfahrt durch die Dardanellen gestattet. Damit wär wieder einmal das Papier der Meer- cngenverträge Lerrisscn und dieDardancllenfrage aufgerollt. Das Dardanellenrecht ist über einhundert Jayre alt, also älter als man aewöhnlich liest und schreibt. Schon 1809 kam England mit der Pforte dahin überein, daß kein nichttürkisches Kriegsschiff durch die Dardanellen und den Bosporus laufen dürfe. Dieses Ucbereinkommen, 1841 zwischen den fünf europäischen Großmächten und der Pforte ausdrücklich bestätigt, wurde 1853 zu Beginn des sog. Krimkrieges zum ersten Male verletzt, als eine cnglisch-französi sche Flotte in die Dardanellenstraße einlief und in der Beikvsbai Anker warf. Im Anhang zu den Pariser Friedensartikeln von 1856, also am Ende des für Rußland mrglücklichen Krimkrieges, wurde der Vertrag von 1841 abermals bestätigt und die Dardanellenenge von der Pforte ganz bedeutend stärker befestigt. Das Londoner Protokoll von 1871 bestimmte die Schließung der Dardanellen von neuem. Dennoch liefen während des russisch-türkischen Krieges 1878 englische Kriegsschiffe durch die Dardanellen in das Märrnaramoer, um Konstantinopel gegen eine Eroberung durch die Russen zu schützen. Das war die zweite Durchbrechung des Dardanellenrechts. Der Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 legte dem Sultan von neuem die Pflicht auf, kein fremdes Kriegsschiff die Dardanellen passieren zu lassen. Zum dritten Male wurden die Dardanellen in diesem Jahre 1912 von den Italienern während des Tripoliskrieges aufgebrochen. Und nun wird sich sozusagen ganz Europa auf dem sonst verbotenen Terrain versammeln. Durch die Dardanellenverträge war für Rußland das Schwarze Meer bisher ein Binnensee. Die Verträge begründeten Englands Herrschaft und Uebermacht im Mittel- meer. Wie der Fcuerfunke darauf sinnt, sich zu ent fesseln, so beschäftigt sich die russische Diplomatie seit Jahr und Tag damit, das Dardanellengefängnis zu sprengen. Rußland hatte bisher nur das Recht, seine Handelsschiffe, auch wenn sie der russischen freiwilligen Flotte angchor- ten, oder Truppen an Bord führten, die Dardanellen passieren zu lassen. Von diesem Rechte hat Rußland stets sehr ausgiebigen, ja man muß sagen ein wenig skrupellosen Gebrauch gemacht. So durch fuhren während des russisch-japanischen Krieges die beiden Kreuzer der russischen freiwilligen Flotte „Petersburg" und „Smolensk" ganz friedlich unter der Handelsflagge die Meerengen. Sobald sie aber im Mittelmeer angelangt waren, wurde die Kriegsflagge gehißt und die Geschütze demaskiert. Große Freude erlebten aber die Russen an diesem Schnippchen, das sie dem internationalen Uebereinkommen damals schlugen, nicht. Die beiden genannten Schiffe setzten nämlich Gietzener Aonzertverein. Gießen, 3. Nov. 1. Konzert: Solistcnabend. Die Sommertage mit ihren heuer etwas verwässerten Natursreuden sind verflogen und die winterlichm Kunstgenüsse treten in ihre Rechte. Besonders verheißungsvoll regt es 4ich, wieder im Reich der Töne, und die Freunde edler Musik dürfen mit Freude einer stattlichen Reihe von Darbietungen entgegensehen, die unser Konzertverein in seinem wirklich großzügigen und vielseitigen Programm für 1912 13 in Aussicht stellt: Momimentalwcrke wie Beethovens große Messe, Berlioz' Requiem, Symphonien von Beethoven und Bruckner, daneben hervorragende Solisten- und Kammermusik-Abende — da bleibt nur das eine noch zu wünschen, daß Hörer wie Mitwirkende in ausdauernder Anteilnahme die Bestrebungen des Vereins (und damit auch die, Aussicht auf Gewinnung eines eigenen Konzerthauses) werktätig fördern helfen. Einen vielversprechenden Anfang machte heute das Konzert des Künstler-Ehepaares Josef und Marie Pemba u r - Leipzig und Fräulein Gertrud Geycrsbach, Hofopernsängerin, in Darmstadt. Prof. Pembaur, vom Vater her mit echtem Künstlerblut begabt, beherrscht das Klavier durch souveräne Technik und,— was noch mehr und mit Virtuosität nicht immer gepaart ist —, durch scclenvollen, sein durchgeistigten Vortrag, der alles Kraft- vrotzentum verschmäht und besonders über ein Piano und zart hjsgehauchtes Pianissimo von bestrickendem Reiz verfügt. In der selten gehörten Barcarole und in dem dämonischen H-Moll- Scherzo von Chopin bewies' er übrigens, daß ihm auch der Ausdruck männlicher Kraft und Leidenschaft nicht versagt ist. Ungemein poetisch wirkte die Stelle, wo die rührend flehende Tongestalt am Schluffe des Mittelsatzes im „Scherzo" unter dem schroff anstürmendcn Hauptthema zusammenbricht; wir hören hier das Klavier fast mit Menschenflimme sprechen und fühlen (mit Hans v. Bülow zu sprechen, wie das Geheimnis des Reizes und der Wirkung der Bortragskunst schließlich immer auf dem nachschöpserischen „Eigenen" beruht, welches die Individualität des Ausführendcn allein zu geben vermag. Als würdige Part nerin steht dem Künstler seine Gemahlin zur Seite. In idealem Zusammenspiel hörte man zwei Glanzstücke der — leider wenig ihren Eifer darein, im Roten Meere deutsche und eng lischc Dampfer wegen angeblichen Führens von Kontra bande zu belästigen und damit die Sorgen der russischen Regierung durch diplomatische Schwierigkeiten zu vermeh reu. Auch heute bereiten die Dardanellen der russischen Diplomatie große Sorge. Rußland sagt sich, daß es mit dem Ersatz der im Japankriege verloren gegangenen Flotte doch immer noch seine gute Weile hat. Das Lslseegeschwa der ist nur noch der Schatten einer Seemacht. Also wäre eine rasche Verstärkung durch die Schwarzemeerflotte in Ernstfällen von höchster Bedeutung. Und England? Man weiß in Downinastreet ganz genau, daß von der russischen Marine auf Jahre hinaus nichts zu fürchten ist. Man kann aber andererseits russische Schwarzcmcerschiffe zur Unterstützung im Mittelmeere ganz gut brauchen. Der wachsenden österreichischen Marine mochte man gerne eine min bestens gleiche Schiffszahl ber Entente gegcnüberstellcn. Der Notschrei der Orten. Was cs mit ben letzten Siegesmelbungcn aus Konstantinopel auf sich hatte, erkennt man daraus, daß die Pforte wegen der Einstellung der Feindsttigtciten die V c r - Mittelung der Mächte an gerufen hat. Gleichzeitig gibt man jetzt in Konstantinopel zu, daß die türkische Armee genötigt wurde, sich aus die T s ch a t a lisch a - C b c n c zurückzuziehen. Gleichwohl gefiel man sich noch am Samstag darin, die Lage in rosigem Lichte darzustellen, und der Großwesir soll der türkischen Obcr- kommandicrenden nicht nur zu militärischen Erfolgen beglückwünscht, sondern auch mit Genugtuung auf diplomatische Erfolge hingewiesen haben. Wo diese liegen sollen, ist zunächst recht schleierhaft. Man rechnet in Konstantinopel auf England, aber dieses wird kaum die Verteilung der europäischen Türkei verhindern können oder wollen. Konstantinopel, 3. Nov. (Reuter-Meldung.) Die Pforte bittet die Mächte nm ihre Vermittelung wegen Einstellung der Feindseligkeiten und Einleitung von Friedensverhandlungen. Konstantinopel, 3. Nov. Amtlich wird gemeldet: Die türkische Armee sah sich genötigt, sich auf die Tscha T a l d s ch a-Lin i e zurückzuziehen. Sofia, 3. Nov. Unbestätigte Gerüchte besagen, Torgut h Pascha )ei mit einer Division auf der Höhe östlich von S c r a j von den Bulgaren eingeschlossen luorben. Er habe sich jedoch nach verzweifeltem Kampfe durchgeschlagen und auf Tataldschau zurückgezogen. Aus Sofia wird ergänzend hinzugefiigt, die bereits bei T s ch o r l u an gelangte bulgarische Hauptarmee sei dem Feind hart auf den Fersen. 30 Bulgaren und drei Griechen, die türkis cheVerwundetemassakrierenwollten, wurden kriegsgerichtlich verurteilt und erschossen. W i e n , 3. Nov. (W. B.) Der Kriegsberichterstatter, der „Reichspost" bei der bulgarischen Armee meldet von gestern: Tic in der Schlacht von Lule Burgas Wisa geschlagene türkische Armee setzt ihren Rückzug entsprechend den beiden Hauptkamps gruppen im großen und ganzen auf zwei Linien, nämlich über Tschorlu und westlich von Saras fort. Die nördliche Kolonne versucht die Linie über Sarai auf Stranza, die südliche jene auf Tataldscha zu gewinnen, um in den dortigen befestigten Stellungen nock/mals einen Widerstand zu versuchen. Die unmittelbar nach dem Kampfe in voller Auflösung geflüchteten Truppen haben, durch das Ein- treffenzwciertürkischenTivisionen westlich S t r a n- z a und bei Kerkeskoej unterstützt, sich teilweise zu sammeln begonnen. Die Bulgaren sind bestrebt, durcl Verschieben ihrer Vorposten über Sarai nach Stranza und Kerkeskoej den Türken den Rückzug zu verlegen. Das Vorrücken der Bulgaren erlitt eine Verzögerung durch die Kämpe im Waldgebiet süd- Schlich Wisa, es wird jedoch nach Zurückwersen der dort befindlichen türkischen Truppen mit größter Energie weiter fortgrfcfl werden. Im Kampfe bei Lule Burgas ivurde einetürkisä e T i v i s i o n von dem Gros der Armee nach Süden abgebrängt und zersprengt. Die Eisenbahnverbindung der Türken nach Tataldscha und mehreren anderen Stellen ist unterbrochen. Die Grausamkeiten, welche die Türken aus ihrem R ü ck z u g e verüben, sind entsetzlich. Alle T ö r fe t werden uicdcrgcbrannt, alle Christen ermordet. Dutzende von Frauenleichen findet man mit auf- geschlitzten Leibern. Namentlich die anatolischen R e d i f s hausen wieiwilde Tiere. Türkische Schönmalerei. Konstantinopel, 3. Nov. Gestern abend ist hier amtlich bekanntgegeben worden, daß nach einer Depesche aus de in Hauptquartier vom 1. November abends die ?lrmeekorps, die sich im Zentrum des linken Flügels befanden. Befehl erhielten, ebenfalls offensiv vorLu gehen. Konstantinopel, 2. Nov. Während die Nachrichten vrmr Kriegsschauplatz in Thrazien erkennen lassen, daß dort dem" Vordringen der Bulgaren Halt geboten wurde und daß allem Anscheine nach die Türken sogar Vorteile bei Wisa errungen.'' haben, gilt die Lage Mazedoniens als hoffnungslos, imddem daS fünfte Korps durch.die Serben bei Kurnanowo vernichtend geschlagen und das zu Hilfe eilende sechste Korps oorr den Bulgaren besiegt ist. Die Trümmer beider Korps sind später infolge blinder Panik geflohen, so daß der Weg nach Salo nika den Verbündeten offen liegt. Zugleich mit der Vernichtung der Warda-Armee wurde die den Griechen gegen« überstehende Armee besiegt, so daß am Mittwoch den Griechen keine irgendwie nennenswerte Streitkräfte entgegengestellt werden konnten. Dazu kommt, daß die griechische Flotte bedeutende griechische Banden auf der Halbinsel CHaiti di ke organisierte, deren Wachtfeuer bereits auf den Höhen über Saloniki zu sehen waren. Sie erwarteten allem Anscheine nach den Anmarsch der griechischen Armee, um in Saloniki einzudringen. Dort sollen sehr bedenkliche Zustände herrschen. Verschiedene Mordtaten versetzten die Bevölkerung in Angst. Auch die europäische Kolonie befürchtet das Schlimmste und erwartet deshalb sehnsüchtig fremde Kriegsschiffe. Angeblich sind 30 000 Flüchtlinge aus Mazedonien in Salonik, meist Gesindel, von deut man Plünderungen befürchtet. Seit gestern nacht sind hier wieder Regengüsse niedergegangen, die die Operationen in Thrazier erschweren dürften: doch ist die Stimmung gebesserte Nach einer Depesche des Kommandanten der Westarmee, vom 30. Oktober ist bei einem Angriff, der nordöstlich von Skutari gegen montenegrinische Truppen in Stärke von über 4300 Mann unternommen wurde, der Feind zerstreut worden. Mehr als 1000 Montenegriner wurden getötet. Ein Hauptmann und acht Mann wurden gefangen- eine Anzahl von Gewehren und Zelten sowie Munation erbeutet. Die türkischen Blätter bestätigen die Wieder« ein nähme von Bunar-Hissar durch die Türken. Die „Jeni Gazetta" bringt folgende Einzelheiten iiber die Schlacht: Nach dem Kampf am 22. Oktober entwickelte die zweite bulgarische Armee ihre Front mit dem rechten Flügel bei Babä 'Eski, dem Zentrum vor Bunar-Hissar und dem linken Flügel vor Wisa. Die Armee bildete so einen weiten Bogen. Die türkische Armee batte sich gegen Luele-Burgas konzentriert über Tschuerenli, Ta- tarli, M>med Gey, Sakizkocj bis Babaeski. Tie Tage vom! 22. bis 25. Oktober vergingen mit Vorbereitungen und Erkundungen beiderseits. T ie S ck> l a ch t b c g a n n a rn 2 6. O k t o b cr mit dem Vorrücken derTürken anfWisa und dehnte sich auf die ganze Linie bis Luelc Burgas aus. Vorgestern und gestern (am 81. Oktober und 1, November- leisteten die Türken heldenhaften. Widerstand gegen die Bulgaren, welche die Verteidigungslinie Wisa-Luele Burgas sprengen wollten. Gestern gingen die Vereinigten Streitkräfte bei Luele Burgas zum Angriff über und warfen die Bulgaren bis Tschongara zurück und drangen nach heftigem Kampf bei Karagatsch bisBunarHissar vor. Nach in der Nacht aus Samstag eingelaufenen Meldungen besetzten die Türken Kawaklue südöstlich von Kirk Ki- lisse. Tie bulgarischen Streitkräfte sind auf der ganzen Linie umfangreichen — Literatur für zwei Klaviere: das Andante mit Variationen des Klavierpoeten par exeellenee, Rob. Schumann, und die wirkungsvollen Variationen über ein Beethovensches Thema von Saint-Saens. Wie befriedigend und wie anregend ist es für den Hörer, wenn er wie hier, durch das Verdienst des Komponisten wie der Ausführenden, unter den bunt wechseln den Gewändern der Variationen immer noch das wohlvertraute Gesicht des Themas zu erkennen vermag. Neben diesem Künstlerpaar hatte die Sängerin keinen leichten Stand. Tie beiden Lieder von Brahms sind stellenweise ziemlich spröde, und erst das Schubertsche „Gretchen am Spinnrad" brachte etwas mehr Wärme, die sich dann in den späteren Nummern, vor allem in den tiefempfundenen Mörike-Liedern von Hugo Wolf wohltuend steigerte. Frl. Geycrsbach verfügt über einen tadellos geschulten hohen, etwas kühlen Sopran, der durch absolute Reinheit, sicherstes Bilden und Festhalten des Tons, wie durch vorzügliche Aussprache fesselt. Leider verliert das Darmstädter Hoftheater diese Künstlerin an die Wiener Bühne, und wir dursten hier nur noch ihren Abschicdsgesang hören. Tas Publikum war mit Recht sehr animiert und dankbar und errang sich einige gefällige Zugaben. Professor Trautmann bewährte wieder seine Meisterschaft als feinsinniger Begleiter. Tie Aula war dicht gefüllt; etwas mäßigere Heizung wäre wünschenswert. P. ♦ — Thomas „Mag t>af ena" im Darmftäbter Hof- thcater. lieber die gelegentlich ihrer Uraufführung von uns ausführlich besprochene Bauerntragödie von L. Thoma erhalten wir aus Tarmstadt, 2. November, folgenden Bericht: Der Wert der Tragödie liegt in der Wahrhaftigkeit der Gestalten und in der scharfen Beobachtung der Umwelt. Man kann sich an dem feingeschlifseneit Dialog erfreuen, aber den theatralischen Schluß ablehnen. Wenn der alte Paulimann zum Stoß ausholt, werden wir uns bewußt, daß wir im Theater war en während sich vordem ein Menschenschicksal uns offenbarte. Tie Darstellung hatte mit Recht darauf Bedacht genommen, die Typen zu zeichnen. Herr Wagner spielte den alten Mayr und war besonders dann groß, wenn er sich und sein Haus von dem Makel der Tochter reinwaschen wollte. Tas scheue Aushorchen, wenn von draußen Stimmen kamen, war eine verständnisvolle Kleinarbeit. Die Lene gab Frl. Alsen. Das weltenfremde Kind machte sie überzeugend. Aus der Tiefe kam die Sehnsucht nach einem Menschen. Den Knecht Loreitz spielte Herr Baumeister, der auch die Regie führte. Ich muß mehr den Regisseur als den Darsteller diesmal loben. Die Herren West ermann und Heinz hatten dankbare Ausgaben. Besonders Herr Westermann als intrigierenden Bürgermeister gefiel mir. Frau Müller- Rudolph gab als Mangin eine fein durchdachte Episodenrolle — Ein Vischer-Zimmer in Ludwigsburg. Man schreibt uns aus Stuttgart: Die Vaterstadt von Mörike, Kerner, David Friedrich Strauß und Friedrich Theodor Vischer, Ludwigsburg bei Stuttgart, ist durch das Entgegenkommen von Geh.-Rat Robert v. Vischer in Göttingen in den Besitz des einstigen Studierzimmers des Dichters und Aesthetikers Fr. Th. Vischer gelangt, dessen Sohn der Göttinger Kunsthistoriker ist. Tas Zimmer, das dem historischen Verein der Stadt zur Verwaltung überwiesen wurde und in dem früheren „Schulbau" an dem berühmten Marktplatz untergebracht ist, macht in seiner Einfachheit einen tiefen Eindruck von der Bedürfnislosigkeit und Schlichtheit des kunstsinnigen Tichters. Das bescheidene Mobiliar besteht in einem Schreibtisch mit Bücheraufsatz, Stehpult mit Bücherbrettern, einer Kommode und einem runden Tisch mit Sofa und Polsterstühlen. Ebenso einfach sind die Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Trinkglas, Stcinfrug, Tintenfaß, Tabakskasten, Pfeife und Zigarrenspitzen. Handschriften, Tiplome und ähnliches sind in den Schubladen aufbewahrt. Als Schmuck sind einige Nachbildungen plastischer Werke vorhanden, so eine Madonna von Michelangelo, Tanneckers Ariadne, Peter Vischers den der Dichter als Vorfahren schätzte) Nürnberger Gänsemännchen: dann ein Tefreggerbildchen und ein paar kleine Gipsreliefbildchen von Vischers Lehrer Hegel und von Lichtenberg. Als guter Patriot hat Vischer bann in seinem Studierzimmer auch seine Uniform von der Bürger wehr von 1848 aufgehängt, sowie ein beim ersten Frankfurter Schützenfest von 1862 heraus- geschosscnes Gewehr und andere Waffen, zu denen sich verschiedene Reiseerinnerungen gesellen. gegen Kirk Misse zurückgewichen. Es ist den Türken geglückt, sich zwischen Bunar Hissar und Kamaklue festzusehen. Konstantinopel, 2. 9?ot. A m t l i ch e N a ch ri ch - ten aus dem Hauptquartier bestätigen, daß die Bulgaren westlich und bei Bunar Hiss ar zurückgeworfen worden sind. Auf dem linken Flügel bei Luele Burgas hätten nur Scharmützel stattgefunden Nach Mitteilungen, die vom Kriegsministerium ausgingen, soll das Umgehungsmanöver der türkischen Armee erfolgreich gewesen sein. Tie bei Wisa und Luele Burgas stehenden Korps hätten sich vereinigen können. Der Kriegskorrespondent der „Sabah" telegraphiert: Die Bulgaren wurden aus Lule-Burgas vertrieben. Die Verluste sino auf beiden Seiten, besonders bei den Vulgärer:, groß. Es wurden 1300 Verwundete nach Konstantinopel geschafft Zahlreiche .tturben schreiben sich als Freiwillige ein und tragen einen Fez mit der Aufschrift: „Nach Sofia oder in den To b." „Jcni G azet t a" erfährt, daß die Bulgaren wegen der schwierigen Lage der bulgarischen Armee zwischen Luele Burgas und Wisa beschlossen haben, durch Heranziehung der Truppen von Küstendil die Ost- armee zu verstärken. Die Verteidigung der Grenze überlasseir sie den Truppen dritter Klasse. Die türkischen Blätter melden eine große Schlacht der Vorder-Armee bei B o z a d s ch I b u r n u und W e r t i - kop an der Eisenbahn, 12 Kilometer östlich von Modenas. Die türkischen Flugschiffe beobachteten die Stellung der Griechen. Tie Stellung der Türken ist günstig Wie Griechen ergriffen die Flucht unter Zn- rücklassung vor: acht Kanonen. 20 griechische Kavalleristen sind gefangen genommen worden. Ferner melden die türkischen Blätter einen neuen Ausfall aus Adrian opel auf der Seite gegen Marasch. Der Kampf dauerte 10 Stunden. Der Großwesir richtete an den Generalissimus Nazim Pascha eine Depesche, in der er ihn zu seinem militärischer! Erfolge beglückwünscht und hin- zufügte, es seien auch diplomatische Erfolge erzielt. Der Sultan, der eine lebhafte Befriedigung über die Schlachtberichte bezeugt, richtete, als er die Moschee verließ, an die Offiziere einige Worte und sprach die Hoffnung aus, die Freude werde bald allgemein werden. Vie Beschießung von Adrianopel. Seit gestern (2. Nov.) früh wird Adriano- Hel beschossen. Es waren Gerüchte verbreitet, daß die Festung bereits kapitulierte, die Gerüchte sind jedoch amtlich noch nicht bestätigt worden. — Mehrere bulgarische Flugschiffe umkreisten Adrianopel zwecks Rekognoszierung. Serbische Erfolge. Belgrad, 3. Nov. Es verlautet, daß Issa Boljet i n g e sich mit 15 000 Albanesen den serbischen Truppen ergeben habe. Ter König ist gestern nachmittag mit dem Ministerpräsidenten Pafit sch in feierlicher Weise in Uesküb e i n g e z o g e n. Die Einnahme von P r i z r e n d wird amtlich bestätigt. Tie Montenegriner. R j e k a, 3. Nov. Trotz des anhaltenden Artilleriefeuers der Türken gelang es gestern einer montenegrinischen Brigade von ungefähr 3000 Mann, die Bojana auf einer Pontonbrücke zu überschreiten. Vie Entsendung deutscher Kriegsschiffe. Wie das Wolffsche Bureau erfährt, erhielten die zurzeit sich im Mittelmeer befindlichen drei Kreuzer „Her- t h a", „B ineta" und „Gehe r" den Befehl, sich zum Schutz von Leben und Eigentum der Deutschen in die türkischen Gewässer zu begeben. Außer- dein werden der Panzerkreuzer „G o e b e n" und der kleine .streuzer „Breslau", welche gegenwärtig in Kiel mit Ucbernahme von Proviant und Munition beschäftigt sind, wie verlautet, bereit gemacht,- um binnen 24 Stunden in Ser zu gehen. England mobilisiert? London, 3. Nov. Große Aufregung herrscht in Chatham infolge der Austeilung zahlreicher Telegramme der Admiralität, durch die die auf Urlaub befindlichen Offiziere und Mannschaften an Bord der Schiffe zurückberufen werden. Ebenso wie für Chatham sind für die Häfen Devon- p o r t und Plymouth sämtliche Offiziere und Mann- schaften der Schiffe vom Urlaub zuriickgerufen worden. Die siebenteTorpedozerstörerflottile und verschiedene andere Schiffe sollen am Sonntag und Montag von Devonport und die fünfte Zerstörerflot- t i l l e am Montag von Plymouth abgehen. Man glaubt, daß sämtliche Schiffe nach dem nahen Oste n bestimmt sind. Portsmouth, 3. Nov. Eine Sonderausgabe der „Evening News" meldete daß auf der sechsten Zerst örerflottillegroßeTätigkeit herrsche. Die Zerstörer seien bctcit, in See zu gehen. Es verlautet, daß die Seeleute und die Offiziere an Bord berufen worden seien und daß die Flottille heute nacht mit versiegelter Order abfahren werde. Außerdem verlautet, daß auch günstige Stimmung entgegen, der Dreibund frage sich, ob er den Balkanstaatcn gegenüber nicht irgendwelche Inter essen zu vertreten haben werde, was bei einer Macht der Triple-Entente nicht der Fall sei. Das Blatt richtet dann an die Balkanstaaten die dringende Mahnung, in enger Fühlung zu bleiben und ihre im Frühling dieses Jahres getroffenen Vereinbarungen und die gegenwärtige Lage auszugestalten. Wenn ihnen dies gelänge, so werde ihre Verhandlungsfähigkeit eine zehnfach stärkere sein. Sie hätten einen glänzenden Erfolg errungen, aber das geringste Schwanken werde ihr Verderben werden. Die Hoffnung .Kiamils. Ter Konstantinopeler Korrespondent des „Matin" mel- bet, baß Ki am il - Pas ch a ihm unter anderem folgendes erklärt habe: Frankreich und England haben in Konstantinopel ungeheure materielle und moralische Interessen. Sie haben sich in bedeutungsvollen Stunden unserer Geschichte als treue Freunde der Türkei gezeigt. Ich hoffe, daß sic uns auch heute alle beide .einen Beweis ihrer Freundschaft geben iverdcn, und daß durch ihre Einigkeit diejenige Europas in einem Gefühl der Sympathie für mein Land erzielt werden wird. Der „Matin" hat vielleicht die Betonung „Frankreich und England" zu stark aus den Worten Kiamils beraus- gehört, denn es ist nicht anzunehmen, daß dieser Politiker die Empfindlichkeit der anderen Mächte willkürlich reizen wollte. Vom früheren Sultan Abdul Hamid. Konstantinopel, 3. Nov. Ab du l H a mi d, der hier eintraf, ist, wie gemeldet wird, gestern früh an Bord der „Loreley" durch ein türkisches Dampfbvot nach dem Palaste Beylebey übergeführt worden. Mittwoch mittag holte ihn ein von Oberleutnant Becker kommandiertes Boot in Saloniki vom Kai ab. Nach Besteigen des Bootes sprach Abdul Hamid seinen Dank aus, welchen er an Bord der „Loreley" dem Kommandanten, Kapitänleutnant v. Arnim und dem ersten Offizier, Oberleutnant Rose, wiederholte. Er sagte auf Französisch: „Ich danke Seiner Majestät dem Kaiser sehr für die Freundschaft, die er mir auch in diesen dunklen Tagen beweist." — Die „Loreley" verließ um drei Uhr nachmittags Saloniki. In Begleitung Abdul Hamids befanden sich seine zivei Hauptfrauen und 10 Nebenfrauen und Dienerinnen, welche mit ihm zusammen die Offiziersmesse der beiden Offizierstammern des Achterdecks bewohnten. Dann kamen noch sein siebenjähriger Sohn Mehenicd Alid Efendi, vier türkische Offiziere des militärischen Gefolges, drei Eunuchen, zwei Diener und zwei Köche. Auch bei den Mahlzeiten auf der „Loreley" lvar der Exsultan heiter und ausschließlich Familienvater: er aß und schlief sehr gut. Eine Niederlage gelandeter türkischer Truppen. Die „Times" meldet aus Sofia: SchefketTorgut Pascha landete mit 20000 Mann in Media. Er versuchte, den linken Flügel der Bulgaren am 31. Oktober zu umgehen, wurde aber von den Bulgaren u n t e r K u l i n - S ch e f f v o l l st ä n d i g g e s ch l a g e n. Es ist unbekannt, ob es den Türken gelungen ist, wieder auf ihre Schiffe zu kommen. Türkische Greueltaten.? Sofia, 3. diov. (Agence Bulgare.) Auf dem Rück- Mge von Babaeski nach Luele Burgas verübten die türkischen Truppen vor drei Tagen in dem fünf Kilometer nordwestlich von Luele Burgas gelegenen Dorfe Aivali Greueltaten, deren Opfer gegen 2 00 Personen, darunter Frauen, Greise und Kinder im zartesten Alter sind. Man muß diese Meldung mit Vorsicht aufnehmen, da sie aus bulgarischer Quelle stammt. Das Blatt „Mir" berichtet aus zuverlässiger Quelle, daß die Türken, bevor sie Temir-Hissar verließen, in einer Kaserne 200 Bulgaren einschlossen und die Kaserne in Brand steckten, so daß sämtliche Bulgaren umgekommcn seien. Im Strumatal hätten die Türken bulgarische Einwohner gruppenweise angebunden und nieder gemetzelt. Das Vorgehen Ser Griechen. Athen, 3. Nov. Als die Bewohn-er der nordöstlich Son Verrio gelegenen Stadt Njausta erfuhren, daß die griechische Armee auf Saloniki marschiere, verjagten sie die türkischen Behörden und ließen dem griechischen Thronfolger sagen, daß die Stadt griechisch sei und täglich 2 5,000 Rationen Brot liefern wolle. Njausta zählt 10 000 Einwohner. Athen, 2. Nov. Die Blätter veröffentlichen über eine Schlacht bei Nalkankoei (südlich vom Ostrowo- See) folgende Einzelheiten: Die Türken waren viertausend Mann stark und hatten ungeheure Verluste. Zweihundert Reiter, tausend andere Soldaten wurden getötet. Sieben Geschütze fielen in die Hande der Griechen. Die Türken flohen bestürzt in der Richtung auf Monastir, ohne weiter zu widerstehen. Ter Feind tourbe von der g-neckisch en Artillerie buck>- stäblich weggcsegt. Tic Schlacht dauerte sechs Stunden Trotz des Baionettkampfes und der starken Stellung der Feinde waren die Verluste der Griechen nicht sehr bedeutend Tausende von Gewehren fielen den Griechen in die Hände Tic Türken sollen gestern c i n e n Z u g v o n B e r w u n d c t c n aus der Straße von Kozani nach Kailar erschossen haben. — Ter König besuchte die Verwundeten, die nach Kozani gebracht worden waren, und beglückwünschte sic zu ihrem heldenmütigen Verhalten. Tie Kapitulation von Prevesa. Athen, 3. Nov. Es lotrb bekannt gegeben, daß die Stadt Prevesa am Golf von Arta kapitulierte. General S a p u n d j a t i s meldet Einzelheiten über die Besetzung der P r e v e s a beherrschenden Höhen von N i copolis. Danach begann der Angriff auf die türkische Armee, die in Prevesa verschanzt war, heute nacht 2 Uhr Dre Griechen eroberten die Höhen von Nicopolis und sprengten eine türkische Batterie in die Luft. Die türkischen -soldalen und Pacht BozukS flüchteten und wurden von- ben Griechen verfolgt. Ein türkisches Torpeboboot hat den Golf von Arta beschossen. Die Griechen machten 4 5 0 Gefangene. Der- Kommandant her vor Prevesa befindlickren Flotte jcpeirtneit, daß er 500 türkische Gefangene zum Transport an Bord habe. Ein türkischer Schleppdampfer getapert. Nach einer Blättermeldung aus Athen bat ein qrie- Torpedoboot einen türkischen Schlepp- lrrkaper^t, der die griechische Flagge ge- J!?d) ^nifi zu segeln, wo er versuchen 4IVh? wr9 21n fc 11 cn türkischen Kreuzer Jv 1 c b c r flott z u machen Der Sck>lep;wamp,er wurde von der Mannschaft des griechischen Torpedobootes nach P:raus gebracht. J 1 1 die 2. und 3. F lo 11 e n d i v i s i o n, die aus vier Schlachtschiffen und neun Kreuzern besteht. Befehl erhalten habe, sich zur Abfahrt bereit zu machen. Dazu -wird aus London „zur Beruhigung" mitgeteilt: Tic Gerüchte über eine Mobilisierung der englischen Flotte, die durch die Presse -gehen, werben von der Armirali- tat als vollkommen unbegrünb-et bezeichnet. Es wird keinerlei Schiffsbcwegung in ben Heini ische n Gewässern in Erwägung gezogen. Nach dem Berliner „Lok.-Anz." wird in leiteirden politischen .Streifen Londons hervorgehoben, daß cs sich n u r u m eine teilweise Mobilmachung der englischen Flotte handele. In keiner Weise sei sie gegen andere Mächte gerichtet. Stolypin erklärte in der „Nowoje Wremja", die Bulgaren müßten sich mit ihrem Vormarsch beeilen, auch Ruy land müsse auf der Hut fein. England sei zwar mit Rußland befreundet, doch seien Aegypten und Syrien so verführerische Leckerbissen, daß es Kiamil Pascha vielleicht gelingen werde, England gegen Rußland auszuspielen. Die Wiener Politik. Tas Wicncr „Fremdcnblatt" stellt fest, die allgemeine Auffassung der europäischen Mächte gehe dahin, daß die bedeutenden Interessen, welck>e Europa auf dem Balkan besitzt, nicht berührt werden dürften. In diesem Sinne habe sich auch Safonow unzweideutig geäußert. Gerade auf biefer Auffassung beruhe aber der Wille aller Mächte zur Einmütigkeit und gemeinsamem Handeln, ein Wille, der sich selbstverständlich während der Tauer des Krieges noch nicht habe betätigen können. Tic Balkanstaaten ließen erkennen, daß auch sie den ungestörten Fortbestand der europäischen Interessen auf dem Balkan in Rechnung ziehen. Den vereinzelten serbischen Stimmen, die mit der in Europa vorherrschenden Friedensstimmung nickst im Einklang ständen, möchte das Blatt keine übermäßige Wichtigkeit beilegen. Es kann, so schließt das Blatt, der bestimmten Erwartung Raum gegeben werden, daß der Balkankricg keine weiteren ernsten Komplikationen nach sich ziehen wird. In Verbindung mit den Nachrichten von der Entsendung von Kriegsschiffen durch die Großmächte nach türkischen Häfen weist die „Tribuna" darauf hin, daß Italien im Aegäischen Meere durch die erste Division des zweiten Geschwaders, bestehend aus den Sck)isfen „Regina Margherita", „Emanuele Filiberto", „Ammiraglio di Saint Bon" und „Coatit", unter dem Admiral Amero Taste vertreten ist. Wie es heißt, haben die Botschafter an die Pforte bas Ersuchen gerichtet, einem Kreuzer jeder Nation die Durchfahrt durch die Meerenge zu gestatten. Der „Pester Lloyb" schreibt über die Ereignisse am Balkan: Nach wie vor sind unsere leitenden Kreise und in vollem Einklang mit ihnen alle Vertreter unserer öNentlichcn Meinung entsckstofscn, an dem bisherigen Proaramm scstzuhalten, das unseren Interessen am meisten entsprach. Tie Interessen sind heute die gleichen wie in ber Vergangenheit. Es ist absolut unmöglich, daran zu zweifeln, daß die S el b stbes chrä n kun g, die wir uns aus freiem Entschlüsse auf erlegten, von uns als bindend anerkannt wird,, solange unsere Interessen wirklich gewahrt werden können, um berehviUcit mir sie auf uns genommen haben. 'Xber ebenso sicher und unzweifelhaft ist, daß selbst der Friedlichste der Friedlichen in dieser ganzen Monarckste von einem Ueber- bordwerfen der Interessen nichts wissen will und zu ihrem Schutze jeder nur denkbaren Neugestaltung auf dem Balkan gegenüber auf ber Forderung beharren wird, daß die Garantien für ein bleibend gutes Verhältnis zu den B a l k a n st a a t e n in politisckicr und wirlschaftlickier Hinsicht geboten sein müssen. Zweierlei verlangt unser altes bewährtes Orient Programm: Verlangt von uns Be- scheideichcit, bau mir nicht auf Eroberung auSgehen und ans mit der Entwickelung dessen begnügen, was wir haben, und verlangt pvn uns Festigkeit, daß wir unsere Zukunft nicht dem Zufall vreisgeben und ihr schon gegenwärtig eine <->chutzmauer und Bürgschaften errichten. Fanzöfifchc Ermunterungen für den Balkanbnnd. Der „Temps" erklärt, die Balkanstaaten wüßten, daß ihre eventuelle ,v e st s e tz u n g in Salonik ober in einem Abria Hafen in Wien Beunruhigung Hervorrufen werde. Tie Triple Entente brachte dieser Eventualität eine Aus StaSt und Caitö» Gießen, 4. November 1912. ** Tageskalender für Montag, 4. Nov. Versammlung von Iung - Deutschland. Vorträve von Pros. Kissinger- Tarmsiadt und Pros. O. Tr S ch ö l l - Friedberg. Abends 8‘/4v Uhr in der Turnhalle des Turnvereins. ♦ ** Ordensverleihung. Ter Großherzog hat die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen den Wackstmeistern a. T. Karl Tietz und Andreas L e ib- ner, beiden zu ihrem Ausscheiden aus dem Großhnzoglichen OKndarmeriekorps verliehen. ** Lehrcrpcrsonalien. In den Ruhestand ver- c tz t wurde der Oberlehrer an der Volksschule zu Mainz Rektor t'ldam S t e n n e r auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treuen Dienste. ** Zulassung und Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. ?Im 1. Oktober wurde der Gerichts assessor Paul Loo ff zu Worms zur Rcckstsanwaltschaft bei dem Amtsacrickst Pfeddersheim und am 8. Oktober der Rechtsanwalt Dr. Ludw. Schocncnberg zu Offenbach zur Rechtsamrmlt- schast am Landgericht der Provinz Starkenburg, neben der ihm rüber erteilten Zulassung bei der Kammer für Handelssachen zu Offenbach und dem Amtsgericht Offenbach, zugelassen. Am 25. September hat der Rechtsanwalt Tr. Aler. Marx zu Offenbach die Zulassung zur Rechtsantvaltschaft aufgegeben. "Der Verein städtischer Beamten -hielt am Samstag abend eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die sich mit dem ablehnenden Beschluß der Stadt- verordneten-Verfammlung wegen der Gel^altSerhöhung für die städtischen Beamten und Lehrer beschäftigte. Nach längerer Aussprack>e wurde beschlossen, erneut an die Mitglieder der Stadtverordneten-Verfammlung wegen einer Gehaltserhöhuna heranzutreten. Es wurde betont, die Beamtenschaft verstehe es, daß eine Stener- crhöhung gerade aus diesem Anlaß keinen guten Eindruck in der Bürgerschaft machen würde. Die Beamten sind aber der Ansicht, daß wegen der Gehaltserhöhungen eine Steuererhöhung nicht notwendig ist und wollen dies in der Eingabe an die Stadtverordncten-Bersammlung mit Zahlen belegen. ** Stadttheater. Nochmals sei auf die morgige kcmicre von Hermann Bahrs „Prinzip" hingewiesen, )ie unter der Regie von Direktor Steingoetter steht. Er lM anch für z. T. neue Aussbattung Sorge getragen und nainentlich die Herrschaft lickte Küche des 2. Aktes wird sich n modernster Einrichtung darftellen. — Auf vielfache Lünsche wird Hartlebens „Rosetimontag" am nächsten Mittwoch im Abonnement wiederholt. ** Kreisziegenznchtverein Gießen. In der qcftrigen unter dem Vorsitz des Rea.-Rals Dr. Merck ab gehaltenen Sitzung des Vereinsausschusses, in der 22 Ortsvereine vertreten nxaren, wurde die vom Verein eingerichtete V e r m i t t e l u ng s st e l l e für den An- und Verkauf sowie zum Tausch von Zuchttieren an StÄle des nach Heidelbergs versetzten Kreis-Ackerbauinspektors Strcr^ dem' Martin SckMall in Gießen, Marburger Straße 66, übertragen. Als Vorsitzender der Körkommission wurde Zuchtvernxüter Büxler beim hiesigen Landwirtschastskammer-Ausschuß gewählt. Die Aufnahme und Kennzeichntmg der Jungvieh- bestäube würbe in ber seitherigen Weise Schmall-OKeßen lv-citerhin übertragen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die infolge der Maul- und Klauenseuche unb ber Vorbereitung zur landw. Kreisschau bis jetzt nur teilweise vorgenommenen Körungen in alletc Ortsvereinen, in denen ein Bebürfnis zur Körung noch besteht, alsbald vornehmcni zu lassen. "Der erste Schnee dieses Winters ist gestern hier gefallen, zerrann aber rasch wieder zu Master. Auf dem Hoherodskops schneit cs seit Samstag. Der Schnee ist bei 5 Grad Kälte liegen geblieben, bietet aber noch keine Gelegenheit zur Ausübung des Wintersportes. Landkreis Gießen. = Sie inbach, 3. Nov. Einem hiesigen Einwohner ist es gelungen, eine Flug maschine herzustellen, die heute ihren ersten Aufstieg machte. Er ging glatt von statten, aber bei dem zweiten Versuch mürbe die Maschine in einet Höhe von etwa 60 Meter vom Winde erfaßt und kippte mrS. Die Festrede hielt Gauvertreter Turner Weihel-Mainz Schill-Osthofen. Es folgten weitere Festansprachen und Aufführungen. Kreis Wetzlar. Mk. 81-83 45—46 neu 86—91 48-60 86-88 41-42 67.00—69.00 66.00—68.00 86.00-88.00 67.00-69.03 85.00-87.00 67.00—69.00 (Crig.-Xelegr. deS „Gieß Die Türken solle^ bei einer Stärke von ins an. C*/** Im Lenienverlag erschien soeben: für Damen in allen Grössen | HK und QE und Farben . . Paar Mk. l.ttJ Pfg- UU 1Cognacs \ Deutscher A. Salomon & Cie. 60-64 56-59 83-86 80—83 97-105 89—95 47-60 43-47 40-46 50—62 46-48 100-107 93—100 Körbe und Stühle ro. schnell u. bill. geflacht. [vm3 I. Glöcklc, Neuen Baue 2. gesamt 90000 Mann 40000 Tote und Verwundete haben. Auch die Verluste der Bulgaren sind sehrgroß. — Das türkische Hauptquartier ist nach Hadem- ko ei verlegt worden. 86.00—88.00 64.00—87.00 Mk. 53-59 49—52 87—89 83-90 74-86 oember 1912. w. Versamm- raue von Pro! boll-(jnebbtrg. eins. *aus französischen Weinen Hervorragendes Erzeugniss der Cognacbrennerei: Landauer & Macholl HEILBRONN. Nur echt mrt der Hammer-Schutzmarke. Überall erhältlich. Stal. 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Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine lebbn't, alles anSverkaust. Preis sür 100 Pid. Ledens- odjia.ijt» gewicht erbaute Schule ihrer Bestimmung übergeben. Die Errichtung einer siebenten Klasse und die Anstellung des sechsten Lehrers bleibt für nächstes Frühjahr vorbehalten. Hesten-Nasfau. fo. Fulda, 3. Nov. Nach einer Mitteilung des Regierungspräsidenten an den Magistrat hat der Landwirtschasts- Minister die Vieheinfuhr aus den Niederlanden für Fulda abgelehnt, weil dem Fuldaer Schlachthof der Gleisanschluß an den Bahnhof fehlt. biejel Morg. Dienstag trifft große Send. Weihkraut, Notkraut. Wirsing u. Zwiebel z. d. bill. Preisenein. Berkausv.morg. 8 Uhr an im Hose der Wiri- schast Boller, Bahnhofstr. t09577 Vermischtes. ♦ Ein ausgebrochener Bär setzte am Samstag in Wien eine ganze Straße in Aufregung. In dem Vergnügungsgasthaus Renaschcr entkam ein Bär ans dem Käsig im Keller, drang in die Küche und verletzte die A b w a s ch f r a n und den Schankburschen schwer. Schließlich schlug ein Dienst mann mit einer Keule dem Bären auf den Kopf, nwrauf das Tier betäubt in den Keller zurücklief. Die Polizei rückte ihm auf den Pelz und streckte ihn mit — 60 Kugeln zu Boden. * Gin durchgegangener Straßenbahnzug. Em Anhängewagen eines elektrischen Straßenbahnzuges in Posen, der wegen schlechten Funktionierens einer Bremse außer Betrieb gesetzt werden sollte, entriß sich am Sonntag vormittag um IO1/.. Uhr beim Loskuppeln an einer abschüssigen Stelle den Händen der Haltenden und glitt, nur mit einem Schaffner besetzt, immer schneller und schneller die Berliner und die Neue Straße hinab, bis er auf dem Alten Markt aus dem Gleise sprang und in ein großes Schaufenster hineinraste, das vollständig zertrümmert wurde. Der Vorderperron des Wagens wurde schwer beschädigt und mehrerePersonen verletzt. Der Schaffner erlitt einen Armbruch, eine Frau einen so schweren schadel- bruch, daß ihr Auskommen bezweifelt wird, ein junges Mädchen eine schwere Hüstverletzung, eine andere Frau einen Oberschenkelbruch. Auch mehrere Straßenpassanten wurden verletzt. Aerzt- liche Hilfe war sofort zur Stelle. Fünf Personen wurden ins Städtisch Krankenhaus gebracht. * Brand im Warenhaus. Am Sonntag früh um 2 Uhr entstand ein Brand in dem großen Warenmagazin von John Barker in Kensington, dessen mau erst um 7 Uhr Herr toerben konnte. In dem Magazin haben zahlreiche Angestellte ihre Schlafräume. Nach den bisherigen Feststellungen sind drei Personen umgekommen; elf wurden schwer verletzt, darunter ein Feuerwehrmann. Vier weibliche Angestellte, die aus den Fenstern gesprungen waren, haben den Tod gefunden. Kleine Lageschronik. Geheimer Kommerzienrat L. Iänecke, der Seniorchef der Firma Gebrüder Iänecke und Verleger des „Hannoverschen Courier", ist am Samstag abend gestorben. Ein kleiner Passagierdampfer scheiterte auf der Fahrt von Montreal nach Ballet) F i c l d nachts während eines schrecklichen Sturmes auf dem See Saint Louis. Sechzehn Passagiere, Männer, Frauen und Kinder, ertranken. Nur vier sind gerettet. Die am Sonntag mittag geschlossene >städteausstellung in Düsseldorf wurde während ihrer viermonatigen Tauer von rund 750 000 Personen besucht und wird einen namhaften U eberschuß haben. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen. Die Stadtverordnetenversammlung hat ein Gesuch nm einen Zuschuß zu den Kosten der Tagung des hessischen Gauvcrbandes gegen deii Alkoholismus und der damit verbundenen Ausstellung abgelehnr Dagegen hat man s. Z. für den Karnevalszug 500 Mk. bewilligt. Jeder, der das Karnevaltreiben in den rheinischen Städten kennt, weiß, wieviel gerade bei dieser Gelegenheit bürd) maßlosen Mkoholgenuß ge- Vg hat die tont ilim des Grob- d Andreas Stil» | Großhegoglichm -estarib w» ! u Rkk ■ lettarramg seine ■ ulassung zur |] irbt der Gerichts M mltschast bei dm H der RechtsaiMii I iut Rechtsanwalt I g, ncken der ihm I Handelssachen zu fl zugelassen. Am I Mar; zu Ötzen. | gegeben. mten hielt cm ptversamm'1 schluß der Stadt-!! lltserhöhung sm 1 tigte. Nach lan' 1 ut an die Mit« ng wegen einer Es wurde aß eine Steuev t guten Cnnbrud e Beamten Itnb Erhöhungen me ipoficn dies in ersammlnng "tu ans die morgige 'SLZ -_as\ 'Sä** '^Plngmch Jede Plättanstalt braucht eine Patentpllttmaschlne von der PorsterWäscherel-Äaschinenlabrik Rnmsch & Hammer 75006t.im Betriebe. POTSttL 163 Offerte kostenlos. ■CSS tetS l|t 9 L ber: r S * * ctes. . r .. EiiM>^ jieW sje nustell^ / aM glatt v Lebendgewicht je. Frankfurt a. M., 4. Nov. ?lnz.^) Amtliche Notierungen der heutigen Fruch t markt vrei se. Weizen (hiesiger» 21.25—00.00, Km-Hessischer Mk. 21.25—00.00, Wetterauer Mk. 00.00—00.00. Roggen (ljienger) Alk. 18.40 bi« “"feer I i h°Uk i diejenige I n Land i J Frankreich 5® heraus- Ä.er. Politik» , reizen ib. Z.ü'N'd.dn R»" Ä-id L,"°ch dem lltwoch mittag Helles Boot Bootes sprach an Bord der aant v. Arnim e-wiederholte. ' Majestät dem auch in diesen 'erließ um drei Abdul Hamids 0 Nebenftauen 1 die Offiziers- 'rdeäs bewohn' W Mehemed ilüärischen Ge- -i Köche. Auch I - der Ersultan aß und schlies Prima Kieler Bittle zum Rohessen, soeben frisch eingetroffen und billigst bei Aug. Wallenfels Marktplatz 17 V6®6 Telephon 262 GroHettiÄ (Dfccrbett, Unterbett, 2 CM ff en) mir bopneüaerttntflt neuen Bett, f eberru bdf .SBcttrni 5, WT.; Vh (d)L Betten 16, 20, 23.50, tozo, 3SL0DU.usw.Bers.geg.Nach mchmc. Gastar Lästig k »rSht. Hp.-Vefch.DeMM. Ä uxa. Die Flugmaschine erlitt einige Beschädigungen unb-ber Hieb unverletzt. — Ober-Hörgern- 4 Nov. Hier wirb am nächsten Sonntag nachmittag int Gcrsthause von Düringer ein landwirtschaftlicher Vortrag über „Die Bedeutung der FruchtfolgenundihreeinschlägigenSysteme" abgehalten. Redner ist Ockonomierat Weitz el-Lich. Starkenburg und Rheinhcsien. V. Mainz, 3. Nov. Unter Beteiligung von etwa 6000 Personen fand heute in der Stadthalle in Anwesenheit der Spitzen der Behörden die 60jährige Jubelfeier des GaueS Nheinhessen der Deutschen Turnerschaft statt. Das Gut Heil auf Kaiser und Grobherzog brachte was ist ein Warenzeichen? Die ständig fortschreitende Entwicklung von Handel und Industrie hat dazu geführt, daß sich die Gewerbetreibenden zur Kennzeichnung des Ursprunges ober ber Herkunft ihrer Waren sowie zur Unterscheidung von ylcichen oder gleichartigen Waren der Konkurrenten nicht mehr, rote früher, nur ihres Namens oder ihrer Firma, sondern auch eines bestimmten Warenzeichens bedienen. Dieser Entwickelung hat auch unsere Reichsgesetzgebung dadurch Rechnung getragen, daß sie unter Aufhebung des früheren Gesetzes über den Markenschutz von 1874 ein neues „Reichs-- gesetz zum Schutze der Warenbezeichnungen" vom 12. Mai 1894 erließ in dem das Zeichenrecht erheblich weiter ausgebildet ,st. Nach diesem Gesetz wird bei dem Kaiserlichen Patentamt in Berlin für das ganze Deutsche Reich eine Zeichenrolle geführt, in welche die Warenzeichen einzutragen sind. Die Eiir- sicht in diese Zeichenrolle steht jedem frei. Jeder Eintragung geht ein Vorprüsunasverfahren voraus, in dem sestgestellt wird, ob das angemeldete Zeichen eintragungsfähig ist ober nicht. Von Amtswegen ist die Eintragung zu versagen für Freizeichen, b. h. Zeichen, die derart rm allgemeinen Gebrauch sind, baß sie nicht als Bezeichnung ber Ware eures bestimmten Fabrikanten angesehen werden können sowie für Warenzeichen die entweder ausschließlich aus Zahlen, Buchstaben oder solchen Wörtern bestehen, die Angaben über Art, Ort und Zeit der Herstellung, über Beschaffenheit, Bestimmung, Preis- Mengen ober Gewichtsverhältnisse der Ware enthalten oder welche in ober ausländische Wappen oder Aergerms erregende Darstellungen oder auf Täuschung berechnete Angaben enthalten. Unzulässig sind also z. B dic .Bezeichnungen „Berlin" (Herkunstsangabe), „Persekt" «Beschatfenheltsangabe', „Kasino" iBestimmungsangabe). Unzulässig ist neuerdings auch das in der Genfer Konvention zum Neutralitätszeichen erklärte rote Kreuz auf weißem Grunde. .. Das Patentamt prüft nun das Vorhandensein der für Die Eintragung notwendigen Voraussetzungen. Ist das Zeichen nicht eintragungsfähig, so erfolgt die Versagung. Stimmt das an- gemeldete Zeichen nach Ansicht des Patentamts mit einem bereits früher eingetragenen Zeichen überein, so erhält der Inhaber dieses Zeichens von der Neuannieldung Mitteilung. Erhebt er nicht innerhalb eines Monats nach der Zustellung Widerspruch so wird das neue Zeichen eingetragen. Im anderen Falle entscheidet das Patentamt durch Beschluß, ob die Zeichen über» cinstimmen. , m , Jede Eintragung wird ebenso wie jebe Veränderung und Löschung im Reichsanzeiger bekannt gemacht Durch Die Eintra- gnng erlangt ber Berechtigte bas ausschließliche Recht, Waren der angenielbetcn Art oder deren Verpackung oder Umhüllung mit dem Warenzeichen zu versehen, die so bezeichneten Waren in Verkehr zu setzen, sowie auf Ankündigungen, Preislisten, Geschäftsbriefen Empfehlungen, Rechnungen ober berg!, das Zeichen anzubringen. Die Gebühr für jebe Anmelbnng betragt 30 Mk., von benen aber, falls die Eintragung nicht erfolgt, 20 Mt. zurückerstattet werden . . .. Stellt sich nachträglich heraus, baß die Eintragung hatte versagt werben müssen, so erfolgt bic Löschung von Amtswegen. Sie wirb ferner nach Ablauf von 10 Jahren |ett ber Anmeldung vorgenommen, wenn nicht inzwischen die Anmeldung gegen Zahlung einer Gebühr von 10 Mk. erneuert ist; m bieicm ö-alle beginnt’ mit dem Tage der Erneuerung eine neue zehmahrige Schutzfrist. Ans Antrag des Inhabers wird das Zeichen jederzeit gc- lüjcht, auf Antrag eines Dritten nur, wenn das Zeichen entweder für ihn auf Grund einer früheren Anmeldung ein- getragen steht, ober wenn der Geschäftsbetrieb, zu dem das Warenzeichen gehört, von dem eingetragenen Inhaber nicht mehr fortgesetzt wird, ober ivenn schließlich Umstände vorliegen, ans denen sich ergibt, daß der Inhalt des Warenzeichens den tat sächlichen Verhältnissen nicht entspricht und die Gefahr einer Täuschung begründet. Ter Antrag auf Löschung aus diesen drei Gründen ist im Wege der Klage gegen den eingetragenen Inhaber geltend zu machen. Das durch die Eintragung begründete Recht geht auf die Erben über und kann durch Vertrag ober Verfügung von Todeswegen auf andere übertragen werden. Es kann jebod) nur mit dem Geschäftsbetriebe, zn dem das Warenzeichen gehört, auf einen anderen übergehen. Der eingetragene Berechtigte genießt durch zahlreiche Sttat- bestimmungen gegen Verletzungen seines Rechtes einen weitgehenden Schutz. Grob fahrlässige Verletzung des Zeichenrechts verpflichtet zur Entschäoigung, wissentliche wird auf Antrag mit Geldstrafe von 150 Mk. bis 5000 Mk. oder mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Gleichen Schutz genießen auch ohne Eintragung Name und Firma eines anderen. Erfolgt eine Verurteilung im Strafverfahren, so erhält der Verletzte die Befugnis, die Verurteilung auf Kosten des Verurteilten öffentlich bekannt zu machen. Statt einer Entschädigung kann auf Verlangen des Geschädigten neben der Strafe auf eine an ihn zu erlegende Buße bis zu 10 000 Mk. erkannt werden; durch oie Zuerkennung ber Buße wird bann bic Geltendmachung eines weiteren Eiitschädigungsanspruches ausgeschlossen. Ausländische Waren, die widerrechtlich mit einer deutschen Firma oder einem eingetragenen Warenzeichen versehen sind, können bei ihrem Eingang nach Deutschland auf Antrag des Verletzten und gegen Sicherheitsleistung beschlagnahmt und eingezogen werden. Strafbar ist ferner noch die zum Zwecke der Täuschung erfolgte Nachahmung einer besonderen Ausstattung, bic in beteiligten Verkehrszeichen als Kennzeichen gleichartiger Waren eines anderen gilt, sowie die Verwendung von Staatswappen, Namen oder Wappen eines Ortes ober einer Gemeinde zu dem Zwecke, über Beschaffenheit und Wert der Waren einen Irrtum zu er- regen. ’ünbigt wird: wieviel Stimmer und Elend gerade biefe Tage Ausgelassenster Lustigkeit und Zügellosigkeit über viele Familien: bringen. Man hätte viel eher dazu Geld ausgeben sollen, diese Sitte, ober vielmehr Unsitte, von Gießen fern zu halten, als sic hier großzuziehcn. Daß man nun gar einer Bewegung jede Unterstützung verweigert, die für die Gesundung unseres Volkes von fo ungeheurer Dichtigkeit ist, wie bic Antialkoholbewegung, bas stimmt freilich mit jener Subvention des tfarncoalS trefflich überem, muß aber jedem, ber bic tausendfachen schädlichen Folgen des Alkoholismus kennt, mit uefftem Bedauern erfüllen. In anderen Städten bat man sich im Zkompfe gegen den Alkobol- mißbrauch als viel locitblidenber eriviesen. ; ihn Bürger. Vier Menschen. Dramatische Dichtung m drei Aufzügen Von Sommernacht u. Flieder Gedichte. Preis elegant gebunden je 3 Mark. Vorrätig in der (7318 I. McMcn llniv.-Buchh. (tsrnft Segler), 18.60, Gerste (Wettcrauer) Pik. 20.50—21.25, Gerste, kranken, Pfälzer, Ried 9)1 f. 21.00-22.00, Hafer Mk. 18.75—21.00, Mais Mk. 15.25 bis 15.50, V eizenmehl 0 Mk. 32.50—32.75, Weizenmehl I Mk. 30.50—30.75, Weizenmehl III Mk. 27.25—27.5Roggen» n.ehl 0 Mk. 27.75—28.00, Roggenmehl 0/1 Ml. 26.50—26.75, Roggenmehl I Alk. 00.00—00.00, Weizenkleie Mk. 13.50-13.75, Weizenscbalen Mk. 12 25—12.50, Roggenkleie Mk. 15.00—15.25, Malzkeime Alk. 14.00—14.50, Biertreber 16.00—15.50, Raps Mk. 32.00—32.75. Alles ver 100 Kg. ab hier. fo. Frankfurt a. M., 4. Nov. Mrig.-Telegr. des .Gieß. Anzeigers^.) Lartoffelmarkt. Man notierte: Kartoffeln in Waggons Alk. 3.50—4.50, im Kleinhandel Alk. 5.00—6.00, für je 100 Kg. Wetter aussichten in Hessen für Dienstag, den 6. Nov. 1912: Zunächst heiter, trocken, kühl, später Trübung, einzelne Regen- ’älle, wärmer. Letzte Nachrichten. Zum Rückzug der Türken. Konstantinopel, 4.Nov. Ter Rückzug der Türken auf die Tschataltscha-Linie ist eine Folge des mörderischen Kampfes südlich von Luele Burgas. Die Türken kämpften heldenmütig, mußten aber schließlich dem Feuer bet bulgarischen Artillerie weichen, deffen Wirkung schrecklich war. Es sollen 20 0 00 Türken gefallen fein. Die Türken bemühen sich, die Truppen an der Tschataltscha-Linie wieder za ordnen, um die Hauptstadt zu retten. (Sofia, 4. Nov. Die Schlacht von Lüte-Burgas ist für dieTürkenzu einem furcht barenSchlag geworden. Die Bulgaren, in deren Reihen sehr viele siebzehnjährige Rekruten fochten, griffen mit hartnäckiger Todesverachtung Oberursel bei Frankfurt a. 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Vorträge über deutsch-evangelisches Gemeindelcben in Paris. Sekretär Ahlmann aus Paris u. a. Mittwoch 10 Ubr im ^ohannessaal: Ccnenllirfie JahreS- ucn"nmmhmg. Die weitere Entwicklung der Arbeit der inneren Mission in der Gegenwart. Piarrer Wurm-Stuttgart. Pxof. D. Schoell-Friedberg Pfarrer Schulte- Grohen-Lindcu. Dmho Ter gcfchästSsübrcndc Ausschuss: Adolph. E. Haussmann. Hofmann. D. Schian. D. Schlosser. Schmeckenbecher. Schwabe. D. Stamm. l>r. Weimar. khrißlilh-soziale Partei Ltze»7 I Mitgliederversammlung Mittwoch, den 6. November, abends 81/» Uhr, im oberen Saale der Herberge zur Heimat. Vortrag des Herrn Verbandsbeamten P. Neumann aus Frankfurt a. M. Kirche, innere Mission n. Cenierkschnften I. A.: Heuser, Oberbibliothekar, zzt. Vorsitzender. pfälzrr^ss^:."' Montag, den 4. November 1912 Humoristisches Konzert deS bekannten und beliebten Variete-Ensemble Damen „Ernst Berghaus" Herren ____________________anS Elberfeld._______________7303 Zism Oambrhus-Bräu Franksurter Straße II. Otto Frankfurter Strabe Dienstag, 5. November, abends von 7 Uhr an: Humoristisches Konzert des bekannten und beliebten Varietö-Ensemble 09283 3 Damen Er bi st Berghaus3flemn Amüs. Programm! auS Elberfeld. Amüs. Programm! Theaterverein. Anmeldungen AU,n Eintritt in den Verein werden noch ZllllilUUUIll|lU bis spätestens Samstag, den 9. Novbr. von unserem Rechner. Herrn Ernst Eballicr, Neuenweg, entncnennenonuncii. ?as erste Lperil-8ists»iel ÄSS“’* ®"-r Der Vorstand: Dr. Fromme. Damen-, Mädchen- :: u. Kinder-Hüte :: 73121 verkaufen wir zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Geschw. Sailer Goethestr. 36p. Putz-5alon. Goethestr. 36p. aysytx •.setyarari ajMgjinma—ecaaaCTamn— H -a ■ .r. Bücklinge täglich frisch cintrefsend: 3 Stck. 20 Pfg., per Kiste 35 Slck. Mk. 1.95 Billig Brot von Steinmüller, Großen-Lindcn 4-Pfund-Larb 46 Pfg., weißes 50 Pfg. 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Neuheit! Neuheit! Das Prinzip Lustspiel in 3 Akten von Hermann Bahr. Ende nach 10*/, Uhr. la4/“