Nr 51 162. Jahrgang Donnerstag, 29. Februar 1912 Gießener Anzeiger Erscheint täglich mti Ausnahme de- Sonntag-. General-Anzeiger für Oberhejsen Die ..Gießener FamlliendlSNer" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da- „Kreüblati für den Kreis Gießen- zweimal wöchentlich. Die ..ravdwirllchaftlichen Lett- fra-en" erscheinen monatlich zweimal. Rotationsdruck und vertag der Brüblichen UnwerstlälS - Buch- und 6iehibnidcrtL 5L Lange, tttefeen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedttion und Verlag: bl. Redaktion: 12. Tel.-Adr»AnzeigerGteßew Mb. Deutscher Reichstag. 18. Sitzung,- Mittwoch, 28. Februar. Km Tische des LundeSrolS: Delbrück, Caspar. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. 3n bie Reichsschulden- Kommission werden auf Antrag Basser monn (Natt.) durch Zuruf gewählt: die Abgg. Dr. S ü dekv m lSoz.), Erzberger (Zentr.), v. W > n. terfeldt (Kons.), Zimmermann (Natl), Dove tvp.j und Dom deck (Pole). Der Etat des Reldisamfs des Innern. lErster Tag.) Beim .Gehalt des Staatssekretärs" findet eine allgemeine Aussprache statt. Abg. Wurm (Soz.)S Mit dem sozialen Geist, aus dem die ReichSversicherungSord- nung hervorgegangen ist, sind die Millionen von Arbei - tern durchaus nicht zufrieden. Man könnte sich fast wundern, daß die Massen nicht in noch schärferer Weise ihren Unwillen über die bisherige Mißw rtschaft Ausdruck gegeben haben. Alle So- zialreform stammt ''on der Sozialdemokratie. (Heiterkeit bei den bürgerlichen Parteien.) Es gibt keine Sozialpolitik, weder hier, noch in der ganzen Welt, ohne die Sozialdemo, kratie. (Lachen bei den bürgerlichen Parteien.) Ohne uns ist kein sozialpolitisches Gesetz zustande gekommen. lWiderspruch bei den bürgerlichen Parteien.) Sie behaupten, wir hätten gegen diese Ge. sehe gestimmt. (Lebhafte Zustimmung.) Sie werfen uns vor, wir verelenden die Arbeiter. (Erneute Zustimmung.) Wir haben immer den ersten Anstoß gegeben. Erst als wir in die deutschen Parlamente einzogen, begann die Sozialpolitik. Wir haben zuerst auf die Notwendigkeit einer internationalen Arbeiterschutzpolitik hingewiesen. Wir brauchen nicht erst aufgefordert zu werden, praktisch mitzuarbeiten. Im Gegenteil, Sie müssen ausgerüttelt werden, Sie müssen sich erklären, ob Sie endlich praktisch mit uns arbeiten wollen. Anträge haben Sie ia in genügender Zahl eingebracht. Wir werden ia sehen, was Sie damit machen. Es ist unwahr, daß unsere Parole heißt: Alles oder nichtsl (Lebhafte Oho-Rufe.) Wir werdet: un? aber hüten, für das Linsengericht einer kleinen Verbesierung einen Sack voll Verschlechte- rungen in den Kauf zu nehmen. Wir wissen, daß nicht alles mit einem Schlage durchgesetzt werden kann. (Hört, hört!) Für kleine soziale Abschlagszahlungen machen die Arbeiter nicht Kusch! Die Mätzchen der Mittelstandspolitik sind ganz nutzlos. Die Statistik erweist das unaufhaltsame Fort- schreiten der Proletarisierung. Damit hängt auch die Zunahme der Frauenarbeit zusammen, die einfach durch die Not auch in bürgerlichen Kreisen diktiert wird. Anstatt an Reformen zu denken, sucht man die Arbeiterbewegung totzuschlagen.und zu der- Nichten. Gegen sie sind die Bürgerlichen alle einig, selbst der Hansa-Bund. Der Bundesrat führt die Beschlüsse des Reichstags nicht aus. Zulassung der Arbeiter zur Baukontrolle, einheitliches Bergrecht, Handelsinspcktoren, Verbot der Nachtarbeit der Jugendlichen! (Hört! hört! b. d. Soz.) Zwingen Sie doch den BundeSratl Eie haben ja die Machtmittel in der Hand. Die Gewerbeaussicht ist besser geworden, gewiß, dazu sind ja die Kritiken da, aber demgegenüber was geschehen müßte! Unsere Polizei ist zu Heldentaten ä la Moabit gewiß sehr tüchtig, aber zum Arheiterschutz absolut unbrauchbar. Weshalb zieht man nicht die beteiligten, sachverständigen Personen hinzu? Aber der Staats- sekretär stellt das unter den Gesichtspunkt: entweder sind sie Beamte des Staates, bann sind sie überflüssig, oder sie sind Beamte der sozialdemokratischen Agitation, dann sind sie vom Hebel! Der preußische Handelsminister soll sich einmal die bayerischen Gewerbeaufsichtsberichte über die Baukontrolle ansehen! Arbei- ter als Assistenten der Gewerbeinspektion haben sich bereits bewährt in Baden, in Hessen usw. Selbst baS reaktiv- näre Sachsen hat vor 14 Tagen beschlossen, drei Arbeiter Versuchs- weise anzustellen. Mit den Frauen haben Sie es früher genau so gemacht, und Aerzte werden in Preußen auch jetzt nicht zu- gezogen. In Preußen besteht immer noch die Verfügung, die den Gewerbeaufsichtsbeamten verbietet, auf Lücken im Arbeiterschub aufmerksam und Vorschläge für die Gesetzgebung zu machen, und danach richten sich die Gerichte. Wie soll ein Gesetz, zu dessen Ausführung es an den geeigneten Organen mangelt, wirken, wenn sogar dann die höchste Instanz, die Gerichte versagen? DaS ReichSamt des Innern und die öffentliche Meinung könnte Wirkung üben, aber nicht, so lange die Gewerbeaufsicht Sache der Einzel st aalen mit ihren Geldsackparlamenten ist. Das wir Ihnen Vorschlägen, sind ruhige und besonnene Maßnahmen, die längst spruchreif sind: die manchem von Ihnen vielleicht zu weit gehen — aber unsere Ausgabe ist es nicht, hinterherzulaufen hinter dem Wagen der Sozialpolitik, sondern den Weg zu zeigen. (Beifall der Soz.) Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren (Zentr.)k Drei große Fragen sind bei diesem Etat zu behandeln: die allgemeine Wirtschaftspolitik, die Sozialpolitik und die Mittelstandspolitik. Für die beiden letzten Fragen wird meine Fraktion zwei andere Redner stellen. Ich spreche über die allgemeine Wirtschaftspolitik. Deutschlands Außenhan- d e l hat sich von seinem Rückschlag vor drei Jahren erholt. Er ist stetig gestiegen und weist für 1911 Rekordzahlen auf. In diesem Jahre ist er um 1,2 Milliarden auf 17,6 Milliarden ge- stiegen. In den beiden Jahrzehnten 1891 bis 1911 ist der deutsche Warenexport von 8,1 auf 8,1 Milliarden, d. i. um 155 Proz. gestiegen, während im gleichen Zeitraum sich der Export unseres Hauptkonkurrcnten England von 5 Milliarden auf 9.2 Milliarden, d. i. um nur 83 Proz., erhöhte. Der deutsche Export verfolgt also ein doppelt so schnelles Entwicklungstempo, als der englische. 1891 betrug er 62 Proz., 1911 87 Proz. des englischen Exports, so daß der Schluß berechtigt ist, daß Deutschland tn spätestens 10 Jahren seinem Hauptkonkur- lenten auf dem Weltmärkte überholt hab?n wird. (Lebhaftes Hört! Hört!). In elektrischen Erzeugnissen sind ttrir England bereits über. Bezüglich der Roheisenproduktion ist Deutschland im letzten Jahrzehnt aus einem Einfuhrland ein Ausfuhrland geworden, mich die Bilanz für 1911 zeigt, daß der Ltoheifenimport weiter zurückgeht, während der Export wieder gestiegen ist. Wir führen heute nach den Vereinigten Staaten am meisten Roheisen dem Weltmarkt zu. Diese Ent- Wicklung wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Unser AuSlcmdhandel war 1911 zufriedenstellend, obwohl cc- an zahlreichen Hemmnissen nicht gefehlt hat. Ich erinnere nur an ttie politisch bedenkliche Lage, an die hohen Baumwollpreise, den Rückgang der Inlands- und AuSlandSemte usw. Die Textil« inbuftri- speziell hat gerade 1911 mit Rekordpreisen der Baumwolle zu kämpfen gehabt. Betrachtet man daS Schlußresultat, daS nicht in der HanoelSbilanz zum Ausdruck kommt, die begreiflicherweise nach wie vor passiv ist, sondern in der sogenannten Zah- lungrbilanz, die freilich mit den jetzigen Mitteln unserer Statistik noch nicht ganz erfaßt werden kann, so ergibt sich, daß sich die Zahlungsbilanz seit 1909 aus der Passivität, berauSgearoeitct und feit 1911 etwas aktiv ist. Allerdings ist dieser Zustand erkauft durch eine passive Forderungsbilanz, die sich in der Ausgestaltung unseres Diskonts auSorückt. Unsere Statistik in sehr mangelhaft Ter Redner führt ein drastisches Beispiel an: die Goldeinfuhr. Die Statistik führt 2437 Doppelzentner Gold an; davon handelt eS sich aber bei Dreivierteln bei 1961 Doppelzentnern, um Goldasche, die zusammen nicht mehr Wert haben, wie ein einziger Doppelzentner Neingold, aber die Statistik rechnet sie ruhig mit wie Mnn-gold. (Heiterkeit, Hört! hört!) Ein Nationalökonom fällt ja nicht darauf hinein, aber die Statistik ist doch auch für weitere flreife da. Auch die Entwicklung unserer Volkswirtschaft im Innern ist erfreulich. Unsere I n- oUstrie, sowohl die Rohprodukte, wie die weiter verarbeitende ist pollbesckiästigt, vielfach ist Arbeitermangel, die Arbeiterlöhne haben steigende Tendenz. Die Erneuerung des rheinisch» westfälischen fl o b l e n s y n d i k a t S ist ja ziemlich außer Frage gestellt, durch den Anschluß des preußischen FiSkuS; denn der Anschluß der übrigen Außenseiter und die Erhöhung der Richtpreise deS Kohlensyndikats auf dem Fuße folgen werden. Der Beitritt bcS preußischen FiSkuS zum Kohlen- syndikat ist mit oidser Erhöhung der Richtpreise volkswirtschaftlich so wichtig, daß man nicht achtlos daran vorüb.'rgehen könne. (Sehr richtig!) TaS flohlenfpndikat hat die Preise sogleich um 25 Pfg bis 1 Mk. erhöht. Diese Erhöhung bedeutet allein für die inländische Bevölkerung Preußens eine Mehrbelastung der Konsumenten von mindestens 22 Millionen. Diese Preisbildung wird Schule machen, der Mehrgewinn würde etwa 75 Millionen jährlich betragen. Im Jahre 1887, auch bei einer Hochkonjunktur kostete die Tonne Nußkohle durchschnittlich 115. dann 117 Mk., seht 137 Mk., eine Steigerung von über 12 Proz. DaS ist eine Belastung der Allgemeinheit, die vollkommen einer großen Konsum st euer gleichkommt, nur mit dem Unterschied, daß sie ohne Zustimmung des Parlaments, allerdings mit der preußischen Regierung zustande gekommen ist. Es ist daS keine preußische Angelegenheit, Deutschland hat durch daS Svndikat die teuerste Kohle der Welt. Die Gründe, daß man die Preise stabil halten wolle, treffen nicht zu. denn gerade jetzt bei steigender Konjunktur steigert man auch die Preise. Nun pat man angeblich eine Lohnerhöhung der Arbeiter in Aussicht genommen, um die Sache schmackhafter zu machen, aber diese Lohnerhöhung entspricht keineswegs der Erhöhung der Verkaufspreise. Der preußische Fisknö hat 135 Millionen in den westfälischen Kohlengruben investiert, ohne sie allerdings recht zu verzinsen. DaS Kohlensyndikat hätte niemals diese Preiserhöhung gewagt, wenn nicht der preußische FiSkuS rnitgemacht hätte; der wollte auch einmal auS der großen Schüssel essen. Ter preußische HandelSminister hat ja dieser Tage im Abgeoronetenhaufe das ausdrücklich zugegeben; er hat erfiärt, daß ohne Mitbeteiligung der fiskalischen Zecken das Arrangement des Syndikats mit den Außenseitern aussichtslos fei. Warum hat daS Kohlensyndikat gerade die flokSpreise erhöht und damit der weiter verarbeitenden Industrie die Produktionskosten gewaltig verteuert? Der Reichstag hat 1908, 1909 und 1910 unseren Kartellantrag, den wir jetzt wieder eingebracht haben und zur Etatsresolution machen wollen, mit überwältigender Mehrheit angenommen, gegen die Auswüchse und den Mißbrauch der Kartelle die Preiskonkurrenz als Regulator zu sichern. Wozu diese Stellungnahme des Reichstages, wozu die ganze Kartellenguete, wenn der preußische Minister jetzt selber hingebt und die Preiserhöhung des wichtigsten Konsumtionsmittels der Industrie mitmacht, die ohne sein Zutun nicht möglich wäre! Die Teilnahme unserer Industrie an den großen Syndikaten ist uns lieb, aber im Interesse der Allgemeinheit gegen bie Ausnutzung der Monopole, aber nicht zu deren Unterstützung. (Beifall im Zentrum.) DaS ReichSpe^roleum - Monopol! Alle Achtung vor den glücklichen Ideen, mit denen in der letzten Zeit die Nationalliberalen gekommen sind! Zwei Gruppen von Petrvleumlieferanten gibt es, die Fäden zwischen beiden spinnen sich schon herüber; waS soll da baS Monopol? ES würde im wesentlichen ein Verbrauchsmonopol, ein Antimonopol der Kon- fumenten sein und würde zweifellos die beiden Produzenten- gruppen sofort zur raschen Einigung bringen, zum Schaden der Konsumenten und Verteuerung des Petroleums. Auch die deutsche Landwirtschaft hat die Hoffnungen voll erfüllt, trotz beS schweren Kampfes mit der Maul- und Klauenseuche usw. In bezug auf daS Quantum des FleischgenusseS haben wir den Rang Englands bereits erreicht; baS spricht Bände! In 25 Jahren haben wir unseren Viehstand von 5 Milliarden auf 10 Milliarden gesteigerr. (Hört! Hört!) Unter dem Schutze unserer Wirtschaftspolitik haben wir es fertig gebracht, unsere Viebversorgung von 40 auf 95 Proz. der Bevölkerung zu steigern, und innerhalb dieser Zeit den Fleisch- genuß pro Kopf der Bevölkerung zu verdoppeln (Hört, hört! rechts), und es ist nur eine Frage der Zeit, daß die beutsche Landwirtschaft auch die Getreideversorgung Deutschlands voll wird leisten können. Wie kann man da unserer Landwirtschaft, unserem Wirtschaftssystem einen Vorwurf machen? Die Arbeitslöhne sind in der Industrie seit 25 Jahren verdoppelt. (Lachen und Zurufe der Soz.) Gewiß, wir müssen da weiter arbeiten und wir wollen es auch mit Ihnen tun, aber derartige Heber- treibungen, mit denen Sie hier operieren, schädigen nur die Arbeiterschaft. Wir vertreten eine Schutzzollpolitik im Interesse der Produktion und Konsumtion, die äußere, auch die bürgerliche äußere Linke nur eine ausschließliche Konsumenten- Politik treibt Unsere Wirtschaftspolitik, die wir fortsetzen wollen, hat glänzende Erfolge. (Beifall rechts.) Sie hat Arbeit geschaffen und Arbeitsgelegenheit und ist die notwendige Voraussetzung der Sozialpolitik. (Leb- hafte Zustimmung.) Wir müssen erst Brot schaffen, ehe wir eS verteilen. Allerdings darf der Produzentenschuh nicht zum Schaben der Konsumenten - übertrieben werben. Ter Redner polemisiert unter andauernder lauter Heiterkeit beS Zentrums unb der Rechten gegen den Abg. Gothein und dessen Rebe aus ber ersten Lesung beS Etats. Unsere Hanbwerker auf dem Lande unb in den kleinen und mittleren Städten wissen ganz genau, waS sie von GotheinS MittelstandSrede zu halten haben. (Abgeordneter Gothein ruft: Bei Ihnen find sie ja auch helle! Heiterkeit! Tie Zentrumsbayern rufen: Jawohl, bas stimmt! Große Heiterkeit!) Herr Gothein behauptet, wir hätten Herrn Heimherausgeekelt, dabei lagen ausdrücklich Erklärungen von Tr. Heim vor, daß er wegen seiner angegriffenen 0es undheit schon im vorigen Herbst sich entschlossen hatte, nicht mehr zu kandidieren und Herr v. Gothein habe vielleicht einen Sroßen Teil Schuld an diesem Gesundheitszustand. (Heiterkeit ) ine eidliche Aussage von Heim im Gerichtssaal liegt vor, ein ärztliches Attest. Wenn Herr Gothein damals die Kerfchen- steinerschen Fachschulen für daS Handwerk so gerühmt hat, sind unsere süddeutschen Handwerker über deren Wert sehr geteilter Meinung. Die schrankenlose Gewerbefreiheit ist Schuld daran, daß der Mittelstand nicht vorwärts kommt. Meine Partei wird alles daranfetzen, die 30 Jahre b e • währte Wirtschaftspolitik fortzuführen, wir be- grüßen deshalb die Thronrede, besonders gerade, weil tic äußerste Linke im Reichstage so verstärkt ist. Als die vornehmste Ausgabe dieses Reichstags betragen wir die Vorbereitung der neuen Handelsverträge und haben deshalb einen Initiativantrag gestellt, in dem wir eine weitgehende Ergänzung unserer ProbuklionSstatistik fordern, weiter endliche Erhebungen über tie Produktionsverhältnisse des Auslandes, damit wir bei her Handelsverträgen nickt zu kurz kommen. Wir fordern bie (Ein- Wirkung auf bie konku rrierenden Länder hinsichtlich der Gleichstellung in der sozialen Gesetzgebung und Belastung. Wie steht eS mit der in Frankreich beabsichtigten Einführung einer Tara-Ordnung, bie gegen dir deutsch» Einfuhr gerichtet sein soll? Der Redner schließt mit dem Wunsch, daß ter Reichstag ber Vorbereitung ber Handelsverträge den nötigen Ernst und die nötige Objektivität zeigen werde, damit wir nktrf wieder eine Obstruktionspolitik und ähnliche Vorgänge wie 1902 bekommen. (Lebhafter Beifall im Zentr. unb rechts.) Abg. Pauli-Hagenow (Kons.): Die Frage der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk harrt leider immer noch der Lösung. Eine all- gemeine Kommission hat darüber beraten. Welches ist der Erfolg ihrer Arbeiten? Wir bitten um Auskunft! DaS Kohlensyndikat setzt die Preise für seine Produkte fest. Dem Handwerk verbietet man baS durch den § lOOq ber Gewerbcorbnung. Dann unser SubmissionSwesen! Trotz aller Ministerialerlasse wird nach dem alten Sckema weitergearbeitet. An Reformvorscklägen fehlt eS nicht. Ick erinnere an den Hansa - Bund , an den neuen MittelstandSverband. Die Vorschläge deS Hansa-BunbeS sind allerdings nickt neu und kaum durchführbar. Auf gesetzlichem Wege braucht nicht eingegriffen zu werden, ber Verwaltungsweg genügt. Es liegt allein an dem guten Willen der Regierung. Auch beim Molenbau in Saßnitz find 75 000 Mk. nack Dänemark vergeben worben. (Hört! Hört!) Die kleinen Unternehmer vom Lande, in den kleinen Städten sollten in erftcr Linie berücksichtigt werden. Die Regierung sieht nur nach billigen Preisen und bevorzugt oft reckt zweifelhafte Firmen. Damit untergräbt sie die Existenz deS Handwerks, daS auch unter der OefänaniSarbeit zu leiden bat. Wir find für das Fortbildungsschulwesen in jeder Hinsicht, Aber eS werden jetzt Dinge gelehrt, die den jungen Leuten gar nichts nützen, z. B. Bürgerkunde. (Lebh. Hört! hört! links.) WaS nützt es den Schüler, wenn er die Verfassung deS Deutschen Reiches kennen lernt! (EntrüftungSrufe links.) DaS bringen Sie ihm ja später bei. (Zuruf links: Und der ReligionS- unterricht?) Auch der gehört nicht hink Der Redner spricht gegen die Konsumvereine, besonders die der Beamten. Ich ermahne die Beamten, daran zu denken, daß sie auch andere leben lassen! Sie sind doch nicht allein existenzberechtigt! (Lachen links.) Die Lohnbewegungen sind durch die Tarifverträge nur noch zahlreicher geworden. Der paritätische Arbeitsnachweis wird niemals in gerechter Weise die Arbeitsstellen vermitteln, wenn er nickt unter kommunale Aussicht gestellt wird. Mit dem zweiten Teil deS Gesetzes über die Sicherung ber Bauforderungen müßte man eS doch einmal versuchen. Wie kann man denn von vornherein wissen, daß er sich nicht bewähren wirb. Die ReichSver- sicherungSordnung bedeutet einen großen Fortschritt, um den uns viele andere Länder beneiden können. In der Sozialpolitik darf nicht Halt gemacht werden. Liber wir wissen, daß die Industrie und Landwirtschaft an den Grenzen der LeistungS. f ä h i g k e i t angelangt sind. Werden neue Lasten notwendig, bann müssen sie auf die Schultern des ganzen Volkes gelegt wer- den. Wir stehen auf dem Boden des Schutze» der heimischer Arbeit. Der Mittelstand ist dankbar für unsere WirtschastS- Politik. Darum folgt er auch uns, bie diese Politik vertreten. (Lachen links.) Wir wollen vom DunbeSrat endlich Taten für den Mittelstand sehen. (Beifall.) Abg. b. Morawski (Pole) führt Beschwerde, daß bei staatlichen Submissionen polnische Gewerbetreibende systematisch überaangen werden. Wir verlangen Parität auf allen Gebieten der Politik unb deS Wirtschaftslebens. Die Regierung hat ein gewaltiges Schuldkonto gegenüber der polnischen Bevölkerung. Abg. Graf v. Posadowsky (b. k. P.): Bei diesem (Etat ist man berechtigt, einen Ueberblick zu geben über unsere gesamte wirtschaftliche Entwicklung. Die Regierung ist während ber Wahlen vielen Angriffen auSgefetzt gewesen. Unsere Verhältnisse sind als sehr schlecht geschildert worden. Wer bie_ ausländische Presse verfolgt, der weiß, daß d a s AuS- land über die deutschen Verhältnisse i>'«rentlich anders denkt, und daß das Ausland unsere Entwicklung hmcibet Wenn man da deutsch« Kritiker hört, denkt man, daß für sie ber Grundsatz maßgebend ist: Jedes Landes Freund, nur nicht ber des eigenen. In Deutschland ist volle Freiheit für die Betätigung der Tüchtigkeit jedes einzelnen. Wenn daS deutsche Volk (ick mehr von der inneren Gesundheit unserer Zustände überzeugen wurde, würde eS mehr Freude empfinden, und dieser nationale Stolz würde auch unser politisches Schwergewicht im AuSlande stärken. Die Sozialdemokraten wollen beim StaatSangehörigkeitSgesetz Ausländern den Eingang ins Reich erleichtern. TaS ist nickt human, wenn bei uns die Verhältnisse wirklich so schlecht sind (Heiterkeit.) Es herrscht ein Mißmut im Volke, der auch bei der Wahlen vielfach in Übertriebener Weise zum Ausdruck gefommer ist- Ein Beamter soll sich vor jedem politischen Mißbrauch hüten, aber er muß auch daS Publikum, mit dem et direkt in Verbindung kommt, über bie wirkli che n Zu stände des Landes auf klären, damit eS die Gesetzgebung und die Handlungen ber Regierung richtig beurteilen kann. (Hört! Hört! und Widerspruch links, Zuruf: Beamtenbeeinflussung.) So wie der Soldat das militärische Leben nur nach seinem nächsten Vorgesetzten beurteilt, so beurteilt das Publikum den Staat auch nach den Beamten, mit denen es zunächst zu tun hat. Im modernen Staat muß der Beamte mit allen (Erinnerungen an den alten Polizeistaat brechen. Der Beamte darf nicht berrschsüchtig sein, er muß sich fernhalten von aller bureaulratifcfien Ueberhebung, er muß das Gefühl haben, daß er das ausführende Organ öffentlicher Interessen ift 70 730.00 Armenkasse [) bie von jebem srultgenonen zu lentenoe allgemeinen Interesse zu wünschenden Bernicktunci rs i Winter därnons. Wer ober dieser religiösen SCOTTS Emulsion bilbung. Hessen-Nassau. Dtileh»* ursprünglich gelautet haben: „Steiett, steiert (steuert) dm (dem) Hohl zu: Bann (wann) dr (ihr) net steiert dm Hal zu. Dreckt'r (drückt er) dm Baouer die Kahl yi " Zinn, Pfarrer zu HerbßaE Aus Stadt und Land. Dieüen, 29. Februar 1912. Aus dem städtischen Voranschlag, m. Da in diesem Jahre wieder ba-5 Jugcndsest stattfindet, ist für öffentliche Feierlichtciten der vorjährige Ausgabeanfatz von 1000 Mk. aus 2500 Mk. erhöht worden. Die für gemeinnützige Zwecke vorgesehene Ausgabe Set bul« IM® bd SV*»' enthält in vollkommen leicht verdaulicher, wohlschmeckender Form die zur Festigung eines zarten Knochenbaues und zur Zahnbildung nötigen Aufbaustosfe. Dies erklärt die ausgedehnte Anwendung von Scottö Emulsion seitens der Herren Ärzte in der Kinderpraxis, wenn eilte dauernde Kräftigung des Knochenbaues herbeigeführt werden soll. Der Beamte hat die Pflicht, die Gesetze streng au-zulegen tiach dem Buchstaben und nach dem Geist. Tas NeichSvereinS. neseh aber ist teilweise ausgelegt worden in einer Weise, die mit dem Geiste und Buchstaben deö Gesetzes nicht vereinbar ist. (Sebr richtig! links.) Diese falsche Auslegung (Zuruf bei den Soz. ist die Regel. Heiterkeit.) hat viel Mißmut in den Massen er. zeugt, ohne politische Erfolge herbeizuführen. (Zuruf bei den Eoz. politische Mißerfolge.) Zur Mißstimmung hat auch die Steuerpolitik unzweifelhaft beigetragen. Ich meine nicht die einzelnen Steuern, die zu unrecht herabgesetzt wurden, sondern die Tatsache, daß man in den letzten Jahrzehnten zu häufig mit neuen Steuerforderungen an das Volk herangetrcten ist. (Leb- hafte Zustimmung links.) Kür einen gewissenlosen Agitator gibt cs kein dankbareres Feld, als immer wieder auf die neuen Steuern hinzuweisen. Wir werden deshalb bei der Prüfung des Etats die äußerste Sparsamkeit walten lassen nnt) vor allem trachten müssen, die notwendigen Forderungen für btt Ergänzung unserer Landesverteidigung durch Ersparnisse auf anderem Gebiet womöglich zu befriedigen. Neue Lasten müssen möglichst verhindert werden. Ich glaube, es gibt im Etat des Innern eine ganze Reihe von Posten, die endlich einmal beteiligt werden könnten. Die dort vorgesehenen Arbeiten scheinen Aufgaben zu sein, die sich vererben wie die Prozesse beim alten Reichskammergericht. (Heiterkeit.) Es müßte doch endlich einmal für neue Aufgaben Platz geschaffen werden. Tie wichtigste Aufgabe der Sozialpolitik ist heute eine V e r. besserung der Wohn ungsvcrhätn ifse. Für diesen Zweck ist eine Ergänzung des Dürgerlich.'N Gesetzbuches iiotwendig hinsichtlich des Erbbaurechtes. Diesen Weg halte ich für das geeignete Mittel, große ßänterei?n zu gewinnen, die für den Wohnungsbau in den großen Städten dienen könnten. Es gebären dazu große Kapitalien, die allerdings späl.-r wieder dem Mittelstand oder dem kleinen Geiverbe zugute kommen würden. Aber es müssen Bestimmungen getroffen w.'rden, die dem Großkapital Lust mach"", diese »Sache mit grossen Mitteln zu unter» stützen. Es muß damit rechnen können, daß es diese .Kapitalien später wieder zurückerhält. Nach meiner Auffassung hat hier das Bürgerliche Gesetzbuch eine Lücke, bi? ausgefüllt werden muß, und das Kapital muß sicher sein, sein Kapital wieder zu erhalten. Es kst mir in der sozialdemokratischen Presse vorgehalten worden, mir fehle die bescheidenste Kenntnis der sozialdemokratischen Literatur. (Sehr richtig! links.) Die Ansichten der sozialdemokratischen Presse gc1 n tndi weit auseinander; die Partei hat einen recht > "id einen linken Flügel und kann sich über die künftige Gestaltung des Staatswesens nicht einigen. Ich halte mich an Ihr Parteiprogramm (Hnrufic links); das sagt mit Haren Worten: Tas Privateigentum wird abgeschafft. (Großes Gelächter und Widerspruch bei den Soz.) Sie wollen das Kollektiveigen- t u m; ob Sie dem Bauern, dem Sie seine Scholle nehmen, sagen, das ist Staatseigentum ober das ist Kollektiveigentum, das ist ihm ganz gleich (Lebhafter Beifall.); er wird seines Privateigentums beraubt. Wenn Sie ihr Erfurter Programm für überlebt halten, und ich habe das Gefühl, daß Sie es tun, dann haben Sie auch den Mut, Ihren Leuten zu sagen, das Erfurter Pro» gramm war eine Täuschung. (Lärm bei den soz. Radikalen.) Herr Wurm sagt, Sie ständen auf dem Standpunkt geschichtlicher Entwicklung. Tas ist etwas ganz Neues. (Unruhe bei den Soz.) Sie wollen durch die geschichtliche Entwicklung einen dicken Strich machen. Auch Herr Wurm hat die Verelendungstheorie preisgegeben, er hat anerkannt, daß die sozialpolitische Gesetzgebung zur Verbesserung der Lage der Ar- beiter beigetragen hat. (Unruhe bei den Soz.) Er sprach von einer Proletarisierung der Massen. Gibt es einen Staat in der Welt, wo nicht das Proletariat die große Masse des Volkes ist? Und das glauben Sie durch gesetzliche Maßregeln beseitigen zu können? Taö sind eben die Leute, d>e ihren täglichen Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit erwerben. Die m"derneIndustrie, die, wie Herr Wurm sagt, die Massen proletarisiert, ist die Folge der modernen motorischen Kraft. Wollen Sic diele abidjaffen? (Schallendes Gelächter bnr Saz.) Der Arbeiter von heute ist ein Aanz anderer Mensch, als der vor 30—40 Jahren, und der Gegensatz zwischen seiner äußeren, mechanischen Tätigkeit und seinem gegenwärtigen inneren Bilbungsznstand ist es allein, der die zanze Arbeiterbewegung pspchologisch verständlich macht. Deshalb werden Sie mit bei Zeit auf andere Gleise gehen müssen, wenn Sie überhaupt ein produktives Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft und des Staates fein wollen. (Lärm bet Soz.) Die Frage des Mittelstandes ist auch eine solche des Bauernstandes. Graf Posadowsky wendet sich zur Rechten: Ich halte die Erhaltung des Bauernstandes für eine der wichtigsten politischen Fragen, tic es gegenwärtig gibt. (Lebhafter Beifall rechts.) Und für eine der wichtigsten Aufgaben halte ich es, den Bauernstand in allen Teilen Deutschlands zu kräftigen und zu vermehren. (Lebhafter Beifall links, Sehr richtig! rechts.) Und ich muß jetzt etwas sagen, was mir lange auf der Seele brennt. Ich halte es für das schwerste Unglück, daß fortgesetzt der Großgrundbesitz, int seine Latifundien zu vermehren, Bauern euff au ft. '(Stürmischer Beifall links)'. Täglich einen Bauern nach dem andern, ja ganze Dörfer, ^(Erneute Kundgebungen links.) Wer das tut, der soll nicht öffentlich behaupten, daß er ein Freund des Mittelstandes ist. (Stürmischer Beifall links.) Herr Pauli sagt, die Töchter des Mittelstandes werden in das Erwerbsleben getrieben. Ja, das ist in allen Gesellschaftsschichten so. daß die Töchter sich jetzt bemühen, etwas Nützliches in der Gesellschaft zu vollbringen, und wenn die Töchter des Mittelstandes ins Erwerbsleben eintreten, fo ist das nur in der Ordnung, und viel besser, als daß sie Romane lesen oder Salonstückc üben zur Qual ihrer Nachbarn, (Heitere Zustimmung.) Für eine Herabsetzung bet Altersgrenze bet der Altersversicherung auf 65 Jahre finde ich keinen wirtschaftlichen und humanitären Grund. Wer mit 65 Jahren noch arbeiten will, den soll man ruhig arbeiten lassen. Nach Bismarck sterben die besten Pferde in den Sielen. Auf die Gefahr hin, etwas Unpopuläres zu sagen, muß ich mich gegen die Art aussprechen, wie fortgesetzt Gehaltserhöhungen der Beamten verlangt werden, nicht aus den eigenen Bedürfnissen heraus, sondern au8 den Verhältnissen an. derer Beamter. Das muß aufhören int Interesse des Staats- und Beamtentums. Bismarck, der das allgemeine Wahlrecht ein» geführt hat. soll sich in intimem Kreise öfter dagegen ausgesprochen haben. Eine amtliche Handlung von ihm in diesem Sinne ist aber nicht bekannt geworden. Der schlimmste Fehler des heutigen SvstemS wäre eS, wenn man mtsächlich rein arithmetisch auf je 100 000 Einwohner einen Abgeordneten wählen würde. DaS wäre beute, wo sich die Bevölkerung an einzelnen Brennpunkten zusammenballt, eine geradezu schreiende Ungerechtigkeit gegen daS platte Land und den Mittelstand. Den Beschluß deS Elsaß-Lothringischen Landtages, den Gnadenfonds deS Kaisers zu streichen, halte ich für einen politischen Mißgriff und keine erfreuliche Erscheinung. Ich habe den Eindnick. als ob man sich in Elsaß-Lothringen auf Kräfte stützt, die man im Reiche bekämpft, und daS halte ich allerdings für einen großen Fehler. In Deutschland herrscht rege» politisches und geisti- geS Leben. Dadurch muß daS Volk reif werden, damit es die ge- forderte erweiterte politische Freiheit mich verständig anwendet und ein richtiges Urteil gewinnt über die Staatsnotwendigkeiten und «ktaatSmöglichkeiten. Weiterberatung: Donnerstag, 1 Uhr. Schluß 6% Uhr. E j» ol'ßc £«l Mt«. l-'LsUH' Aehnliche Feuerbräuche fanden sich ehemals im ganzen biete des alten Buchaniens am Hutzelsonntage. Man nannte :t um Fulda herum einfach die ,Hutzelfeuer" oder dae „vubclman» verbrennen". Dabei pflegte man nämlich zwei kreuzweise ubo einander genagelte und mit Stroh umwickelte Stangen auizurubr r und die ganze einen Menschen natbbilbenbe Gestalt mit Ytnl und Reisig zu umgeben und zu verbrennen. 'Den Veranstalt dieser Hutzelfeuer wurden bann von den Torfgenossen allere Geschenke gegeben. In den Dörfern des östlichen Vogelsbait nach Fulda hin, pflegte man ehemals am Hutzelsonntage auch aJt ^Pslug- und Wagenräder mit Stroh zu umwickeln unb brcnncil die Berge hinunter zu rollen. Man nannte diese brcmtfttiei Räder die „Hahlräder". Sie erinnern an die brennenden nachtsräder, die auch aus dem südlichen Odenwald und der W-i» gegenb bekannt sind. Alle diese und ähnllck)e uralten ifeue« bräuche verdienen einmal eine zusammenfasfende Darstellung irl religionsgeschichtliche Behandlung und Erklärung. Für heute w nüge die Bemerkung, daß der Name „Smhlfeuer" i'pratMta’ cfl ursprüngliches „Hagelfeuer" (Bergl. das mundartllche Zahl, = ursprünglich Zagel, Schwanz) zurückzuführen ist und b-l materiell die Hutzclfonntagfeuer auf ehemalige FrstMM^ Sonnenwendfeuer, ursprünglich Sonnenkultfeucr, zin7ückge^n, mt denen sich die Erinnerung an uralte apotropäische ZanberfaeH verknüpft hat, die in der Verbrämung des Winters (fcutidmartl oder des Hagels, als Dämon gebucht unb sinnenfälltg dargesteit, ihren Höhepunkt hatten. Der in Herbstein heute noch fortltwr* altheidnifche, heilige Feuerbrauch bürste schon mehr als zwei 3a- ' tausende alt sein. Die jugendlichen Feuerveranstalter unb r bie Stelle der ehemaligen heidnischen Priester und 3aubm<£< getreten, die für ihre im Interesse der Gesamtheit anzustellcnd« heiligen Feuer auch an allen Kultgenoffen ihre Beisteuer u® ihre Belohnung forderten. Tie Gaben an Stroh und Seifte. J man heute noch als „ein Opfer für den Herrn" versteht, wn ursprünglich die von jedem Kultgenoffen zu leistende BeiüerA .5® 21. März •> -niator. Tie ;n- ?ii(ht gleiä "'chniuig, . - >mnl ’cllt mir bie । 11 ? eom ■? W $cb i*. -Utarj an. ' eint not E'chen am r 'jrmeanftieg j '-.."“Wütig, t-. < mit de •Törn ~ au^a9' -Annenn '.''"er --.^alenS :: durchau ,Qui den s J®nn dieser t.J KW Mnrt H-n 3 : ‘ am - ? '!* 181 Ä-* ^»den n . ■ v :.Tt?anbj b tl Oü$ ya .tseuer in yecvfteui. Herbstein, 26. Febr. 23er am letzten Sonntag abend mit den Abendzügen der Vogels- bergbahn an dem Städtchen Herbstein vorübersui,. der tonnte eir ■eiten schönes Schauspiel beobachten Auf allen Höhen inner ball, der Gemarkung flammten helle Stror und Reisigfeuer air. -anu jungen entzündeten deren mitgebrachte Fackeln und sprangen, . .. diesen feurige Räder schlagend, laut johlend durch die Felder Hallscuer nennt man diesen alljährlich am ersten Fa)tensonn:a - dem sogenannten Hutzelsonntage, Dcrajtfialteten uralten Feuer brauch. „Huyelsonntag" heißt dieser Sonntag, weil an ib:n b • ledigen Burschen von ihren )Aädch.'n, die sie am vorangegangcnei Fastnachtsdienstage zum Tanze führten, in deren Elternhcii:. gast lich bewirtet werden, wobei die „Hutzeln" oder gebörrten Bi nur eine große Rolle spielen. Nur Mädchen gehen zum Fastnachtstan^- die von einem ihnen genehmen Burschen förmlich^eingeladen uni abgeholt werden Man vergewissert sich so im Stillen, ob ihn labung und 2lbholung zu ernxtrten ist, und, salls Gefahr brobt daß ein tanzlustiges Kind bie Fastnacht ohne Tanz und Muss einsam babeim vertrauern müßte, finbet sich in der Regel jctn-- eine gutmütige alte Tante ober Großmutter, bie mit Geld un: guten Worten sich aus das corriger la fortunc versteht. Die vhn labung am Hutzelsonntage ist bann gleichsam der Tank der Famtlu ür den geleisteten Ritterdienst. Tie Hauptsreude aber hat an Hutzelsonntage bie noch schulpflichtige männliche Jugend, _3bi: althistorische 2lusgabe ist es, am Abend dieses 4,agei das Hadi feuer anzustellen. In 3—4 Abteilungen eingeteilt,^durchzieh- ic die Stadt, von Bauernhaus zu Bauernhaus Stroh- uij Reisigbündel als Gaben heischend mit dem altüberlieferten fitifd'c. vers: Steier, steier dem Hahl zu. Dreckt dem Baouer die Kahl zu! Kein Bauer, der fo angcsprochen wird, verweigert bet jungem Schar eine Beisteuer an Stroh oder Reisig. „Das wäre noch chöner" (d. h. das wäre unerhört) war die Antwort, als'ein Neu- gieriger fragte, ob es auch Bauern gäbe, die kein Stroh hergädcr, und wer weiß, welcher Schaden den Geizigen treffen könnt-., denken die Bauern und geben nach Vermögen viel oder w-n-- Fröhlich zieht dann die Jugend mit der reichen Beute gegen.Ädci-L hinaus ins Winterfeld (d. h. Korn- und Weizenfeld, wo dmi>. die Strohbündel an vorher dazu ersehenen Plätzen um bie .stammt von Heckenbäumen gewickelt und in deren Kronen verstaut wecken Alte, schon wochenlang vorher am Ofen ausgedörrte und ? hchlings mit Oel getränkte, auch mit Stroh, Werg und La pro umwickelte Reiserbefen werden parat gehalten. Sobald die Dnn! > heit einbricht, lodern rings um die Stadt herum hoch die Flammt: aus. Mit den am Feuer entzündeten Fackeln Räder schlagend, schwärmt die Jugend johlend nach allen weiten übet bte ffrlbci Daheim aber stehen die Alten an den Straßen ^und Femtcrn - und genießen mit eigentümlicher Andacht das Schauspiel. Äa: zeigt den Kleinsten, die noch nicht mitkonnten, wie die da btimr,.- den Hahl verbrennen und gedenkt der längst entschwunden.n Jugend zeit, da man selber mittat und mit anderen wetteifernd jeun:: Räder schlug und über die Felder sprang. Andere sagen, des man den Winter verbrennt. So recht weiß keiner, was es w i (ich mit diesem Feuer für eine Bewandtnis hat. 2tbcr alle iw t daß es eine uralte Herbsteiner Volkssittc ist, bah jrüber aua die Erwachsenen sich dabei beteiligten und zuletzt auf dem Saat dem alten Malplatz des ehemaligen Herbsteiner Cenigerichts, d.: Reste der Fackeln verbrannten, eine Sitte, die in allerlei llmuj und großes Schnapstrinken ausgeartet war, bis sie schlicßlit verboten wurde. Bezeichnend ist, daß man den ganzen Feuerbr-:ur ausfaßt als ein „Opfer für den Herrn", daß er die gelber Jeber Bauer sieht es gern, wenn der Rauch des yamicr ri über feine Felder streicht und es geht die Sage: wer andackl^?!. ins Hahlfeuer schaut, der bekommt das ganze Jahr kerne bM > Augen. * ** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde am 23. Februar dem Schulamtsaspiranten Karl Haas aus Heidelberg eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Langen. — Erledigt sind drei Lehrerstellen an der Volksschule zu Alzey, wovon zwei mit evang. Lehrern und eine mit einem kath. Lehrer zu besetzen sind. ** Staatsbahn-Personal-Nachrichten. Den Mitgliedern der Eisenbahndirekti^l Frankfurt a. M. Gr. Hess. Reg.-Rat Drescher und Baurä^n Hartwig und Levi wurde der Rote tAdlerorden 4. Klasse verliehen. Die goldenen doppelten Dienstauszeichnungsschnüre erhielten: Reservelokomotivführer F r i e d r i ch zu Gießen, die Schaffner E r k zu Stockheim, B u ch zu Laubach, B o l l e r zu Rennerod und Malkomesius zu Gießen, die Bahnwärter Hofmann zu Vilbel und Gr o ß I. in Werdorf. Die goldenen einfachen Dienstauszeichnungsschnüre erhielten: Reservelokomotiv- führer H e ck e l m a n n zu Schlitz, der EisenbahngeHilfe H a r- b ach zu Saasen, die Schaffner Kaiser zu Schotten und Bruder zu Gießen, sowie der Bahnwärter Leidner zu Friedberg. Für fünfzigjährige Dienstzeit erhielt eine einmalige Lohnzulage von 300 Mk. der Wagenputzer Kling in Gießen, für vierzigjährige Dienstzeit eine einmalige Lohn- zulage-von 100 Mk. der Güterbodenarbeiter D e ch in Gießen, der Wagenputzer Körber-Gießen, der Bahnunterhaltungsarbeiter Frey in Wetzlar, sowie der Werkstättenarbeiter Schmidt in Gießen. Der Eisenbahn-Praktikant Fleck in Gießen wurde zum Eisenbahn-Gütervorsteher ernannt. Der Regierungs-Baumeister Kümmel wurde kommissarisch mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Direktionsmitgliedes beauftragt und zu diesem Zweck von Aachen nach Frankfurt a. M. versetzt. Die Prüfung %um Unterassi-, stenten bei der Staatseifenbahn bestanden: die Eisenbahn- gechilfen R a p p o l d in Gießen, Gaubead in Abendstern, Karl Sau e r in Gießen, Kreutferin Salzschlirf, Alexander Sana in Wetzlar, Luh in Gießen, Knaupp in Oberbrechen, Brodrecht in Nieder-Wöllstadt, Schwan in Großen-Linden sowie Konrad Stein in Ortenberg. Kreis Lauterbach. ~ Herbstein, 27. Febr. Rtit dem Wiederaufbau der durch das Großseuer in der Nacht vom 6. auf 7. November v. I. eingeäfcherten 12 Ho freiten wird in nächster Zeit begonnen werden. Zur Anfertigung der Baupläne ift vom Ministerium des Innern ein RegieningSbauineister auk Darmstadt beauftragt worden, der vor einigen Tagen an der Brandstelle verweilte und sich über die Lage und Verhältnisse informierte. Infolge des beschränkten Raumes, auf dem die niedergebrannten Hofreiten standen, wird nur ein Teil davon auf dem früheren Gelände wieder errichtet werden, während einige Besitzer neue Bauplätze erhalten. 4- Scblitz, 27. Febr. Tas an der höheren Bürgerschule be- stehende .Stenographische Kränzchen" (Lyslem Stolze» ^chrey) veranstaltete (icftern ein Preisschreiben für die Teilnehmer eines vom Sehr er Lteuerwalb geleiteten Stenographie- kurjuS. Tas Ergebnis des Korrekt- unb SckmelljchreibenS war recht gut. Es wurden zehn Preise, in zum Teil recht wertvollen stenographischen Buchern bcftcbeiib, zuerkannl. Ter Rektor bet Nnualt. Oberlehrer Rodeichanjen, wohnte dem Preisfchreibeu bei. Er sprach leine lebhafte Anerkennung über bie guten Leistungen aus unb ermunterte bie jungen Stenographen zur eifrigen jort- Heber ben ss italienisch r •' ifebruar srü S>'^olonnen, Ge vor. Tie « 'tronl angreifer P-klonne decken. F3 teil Aergheb F®' iu schützen R.Ntiii zu nn F1;- bereit, beim L iie brn hlon f daß sie Bein Ane daß • oll'S egcii e cott 8 Emulsion roitb ron uni auil-lirhl»ch 'M dertaos - bü lok nach obtt TRa*. tonUrn uur in perfugtUfn Ct- Rarton mit uni em Schuvwaile (zijchrr mU dem Torlch). vu>u S m. b H.. granffurt a. DL $r!ianMtiU: ssrinsler ®ltbivna(.Uebfrtren lio/i. »rtma I* pyoivdortg'ourer Ralt O. unterlMoipdorigsaureo -iatron .^oou)4» fernster arob. ®ummt pulb. 1,0, Wnster 11»,0, ttllobol UA pnrtu a* fcoulfiou du Slot-, toanbtl- unb GculUhrnuLt p 3 i$op|«U steigt von 15164 auf 16 699.60 Mk. ^.ie Steigerung nt ( lauptsächlich hervorgerufen burch bie vermehrte Aufwendung für die Lesehalle (2150 statt 1020 Mk), eine Bewrlli- {ung von 200 Mk. für die Benutzung der Straßenbahn durch Krankenschwestern anläßlich ihrer Pflegebefuche und IOC Mark Mehraufwendung für das Museum für Völkerkunde (jetzt 350 Mk.). Die Straßenunterhaltung erfordert 74 240 anstatt 86 255 Mk., während die Einnahmen daraus von 6600 Mk. auf 5300 Mk. sinken. Auch die Straßenreinigung konnte mit 76 000 Mk. Ausgaben etwas geringer als im Vorjahr^ angesetzt werden. Dagegen smd die Kosten der Straßenbeleuchtung jetzt mit 54 000 Mk., also 2000 Mk. mehr als seither, angefetzt worden. Tie öffentlichen Anlagen erfordern zwar für die Unterhaltung 700 Mt. mehr (13 350 Mk.), aber durch )en Fortfall von größeren Umgestaltungen — im vorigm Jahre wurden für die Anlagen am alten Friedhof 2500 Mk. ausgegeben — schließen die Gesamtausgaben dafür mit nur 20 510 (statt 22 310) Mk. ab. Die Ausgaben für die Kanäle sind mit 217860 (229 826) Mk. veranschlagt, wovon 125 298.30 (124 803.36) Mk. auf die Verzinfuna und 47 000 (57 600) Mk. auf die Tilgung der Kanaftchuld entfallen. Tie Kanalgebühren find mit 182 000 (171000) Mk. in Einnahme gestellt. Da nach der neuen Städte-Ordnung von Unterrichts- und Bildungsanstalten, von Kranken-, Heil- und Pflege-Anstalten usw. Abgaben dieser Art nicht mehr erhoben werden dürfen, find 20 000 Mk. abzusetzen, fo daß nur 162 000 Mk. Kanalgebühren tatsächlich erhoben werden. Der aus den Gemeindesteuern zu leistende ^usckMß zu den Kanalkosten beträgt 54 000 (57 000) Mk. Die durch die Kanalisation entstandene Schuld beträgt noch 3 390 225.76 Mark. Ter Zuschuß zu der elektrischen Straßenbahn ist mit 13551 (11464) Mk. vorgesehen, übersteigt also nur wenig die Summe, die in den letzten Jahren für >en Omnibusvetrieb zugefchosfen wurde. Die Ausaaben ür die Feuerlö schaust alten steigen von 4790 auf 6492.50 Mk. Die Steigerung entfällt im wesentlichen auf die Anschaffung und Unterhaltung der Löschgerätschaften, ür die statt 1000 Mk. 2500 Mk. angefetzt smö. Die Vergütung aus der Landes-Brandverficherungs- anstatt für die durch die Hydranten bedingte erhöhte Jeuersicherheit steigt von 16 000 auf 16 500 Mk. Für Arme n p f l e g e und Wohltätigkeit sind '79n m (64 552.58) Mk. vorgesehen. Der Zuschuß der teigt von 54 500 auf 61400 Mk. Der Ehrenfold an Feld- zugsteilnehmer mit einem Einkommen unter 2000 Mk. ist wiederum mit 4500 Mk. angefetzt. zu der im ---------v------- - ----, — Hagel- und Winterdämons. Wer aber dieser religiösen nidrt nachfam unb ben Dämon nicht verbrennen Hols, bem ümj es ber Dämon nach Dämonenart, b. h. mit Undank und «-■ Schaden und Verderben seiner Saaten. Von hier au-5 unb np Analogie ähnlicher bei anderen altheidnischen Feuerbräuwni r' lickier Heischeverse, dürste auch der oben angeführte, K&t nl? mehr verstandene Herbsteiner Hahlseuerspruch verftändlich snn u= X Marburg, 27. Febr. Die von dem Kreise vor einigen Jahren mit fo großen Hoffnungen ins Leben gerufene Wander-Haushaltungsschule dür>te wohl wieder cingefcn. ES hat sich nämlich bis jetzt Line Gemeinde mehr gemeldet, die einen Haushaltungskursus haben will. Wenn bis zum 24. März keine Meldung zu einem Kursus eingeht, soll die Schule, deren Existenz man schon einmal im Kreistage bezweifelte, ganz geschlossen werden. — Naunheim, 27. Febr. Die uralte Naunheimer Mühle hat ihren Besitzer gewechselt. Der bisherige Inhaber H. Leidolf. dessen Vater schon auf der Mühle wohnte, ist aus die Dillheimer Mühle übergesiedelt und ber Lanbwirt W. Biehmann ist als neuer Pächter hier eingezogen. Ter Pachtpreis ist um nahezu 500 Mk. gestiegen. — Der Gesangverein .Viktoria" feiert am 23. unb 24. Juni sein 2 5. Stiftungsfest in Gestalt eines Gefangsestes. pom naiw‘ stehl fest'd (»iingc i|t \ f tat einer 'cb W1 äunfd), i>e aeivesen ist, «ächte ft Korsatz, das L.u bcsckränker E -ncressenau- K ist überall J t r: ianser v L- 'ividersproch» aus Berlin 2-:>e«rsucdes iniÄNUNg. Unt> sehr günftic Ijj-nb die türli, Kirtanh getriebf »^ungeit über t totr beweisen ^-ivegs gebroch fct als ihren hi Zugriffe der 2 Girkolten, so bai Klifte sehr viel Iwhr haben w M;mche Besetzu Ul nid gewonnci Zache, d An können. W Sad) einer osf Irrntrleii Meldu W' -gehört zu d Bieder Anschein M ü-her im N jiltEiebcn wir! k:Tjj ob die Ve seien, das Ptimichen Besiki M ckinden läßt, t®'ft „Neuen Frc ijrt:? „unterrid)! I^ittelung zwis denn je. »!■, ohne die c