Nr. 302 Drittes Blatt 162. Jahrgang Gietzener Anzeiger Erscheint tLgllch mit Ausnahme deS Sonntags. General-Anzeiger für Oberhessen Die Lietzener ZevilienblSfter" werden dem lÄnieiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsfclatt fit den Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Montag, 23. Dezember 19<2 Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen 'UnioersitälS • Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedlttoil und Druckerei: Schul« strotze 7. Expedition imb Verlag: 51. Redaktion:e-TS 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGletzen. vaffermann über die politische Lage. (Rieften, 23. Dez. Die Versammlung in der Turnhalle, die für gestern abend von der nationalliberalen Partei cinbenijen worden war, war autzewrdentlich stark besucht, so daß viele Besucher mit Stehplätzen vorlieb nehmen mutzten. Nach einigen Begrützungsloorten des Prof. Körte imfyrn, von lebhaftem Beifall begrüßt, Reichstagsabgeordneter B a s s e r m a n n das Wvrt Er gab seiner Freude Ausdruck, daß er endlich der wiederholten Aufforderung habe nachkommen können, in Gießen zu sprechen. Seine Ausführungen über die politische Lage begann er mit einem Hinweis auf die Zeit vor hundert Jahren, mit der die Jetztzeit eine gewisse Aehnlichkeit darin habe, datz wieder viel von Kriegsgefahr gesprochen werde. In den letzten Jahren sei die Kriegsgefahr niemals ganz verstummt. Weiter erinnere die jetzige Zeit an 1878, wo Bismarck als „ehrlicher Makler" die Verhältnisse auf dem Balkan ordnete, dlus jener Zeit rühre die russische Mißstimmung her, die dann zum deutsch österreichischen und einige Zeit später zur Erweiterung dieses Bundes durch den Hinzutritt Italiens gesührt habe. An der gegenwärtigen Bot- schafterkonferen; nehme Deutschland inr Gegensatz zu damals mehr passiven Anteil, während durch die Wahl Londons zum Konferenz- ort toohl eine Steigerung des cnglisdnn Ansehens im Orient zu erwarten sei, was Deutschland nicht ganz angenehm sein könne ^Tanfreid) habe in den letzten Jahrzehnten zielbewutzte Kolonial Politik getrieben und seine Armee mit allen Kräften verstärkt. Letzteres sei hauptsäcUich im Hinblick auf die Rcvandre für 1870/71 geschehen. Ms dann Caprivi den von Bismarck abgeschlossenen Rückversicherungsvertrag mit Rutzland gelöst batte, gab es dort Mitzstiminung, und die Grundlage für eine neue politische Koalition, das französisch-russische Bündnis, mar damit gegeben. Der riesen hafte Aufschwung von Deutschlands Handel und Industrie schasste uns Feindsdxlst bei den Ländern, die wir von ihren Märkten verdrängten. Die Kolonialpolitik Deutschlands und die Schaffung einer starken deutschen Motte schuf in England Angst und Miß trauen; es schloss sich Nutzland an Frankreich an und bildete mit ihnen die Tripel-Entente Der Höhepunkt dieser Entwickelung war die Einsreisungsvolitik König Edwards. Als die bosnisch" Frage auftauchte, stellte fid) Deutschland mit Entschlossenheit ans Oesterreichs Seite, so die Fäden der Einkreisungspolitik zcrreitzend. Zwar madjtc Deutschland Versuche, mit Rutzland wieder in ein besseres Verhältnis zu fomni en, aber es blieb bei dem Zusammenhalt der Tripelentente. Die B a l k a n k r i f c ist nur eine Episode, die verschwinden wird, die aber den Keim neuer Verwickelungen in sich trägt. Bei der Entwickelung der Balkauangclegenheit wird darauf zu achten sein, inwieweit Oesterreich sich mit dem nach dem Weste,! drängenden Slawentum einrichten kann. Tie deutsche Politik muß fest und entschlossen die österreichische Politik unter stützen, die die Politik des Germanentums ist. Es banbclt sich nicht um Durazzo oder einen anderen Hafen, sondern darum, die -österreichische Mauer gegen das Slawentum zu erhalten. Das hat and, Italien erkannt Deutschland hat ferner ein Interesse an der Erhaltung einer lebenssäl)igen Türkei, schon aus wirtschaftlichen Interessen. Es ist "heute ein billiges Vergnügen, sich über des Botschafters Marschalls Tätigkeit in Konstantinopel lustig zu madwn, aber feine dortigen Verdienste sind sehr erheblich. Der türtifd^c Zusammenbruch hängt init anderen Dingen zusammen. Nach dem Versagen der türkischen Armee kam das überrafd>enbc Wiederaufleben der Widerstandskraft des prächtigen türkischen Soldaten. Wenn der Friede auf dem Balkan zustande gekommen ist, wird wohl bald ein >1 a m p f nm den Besitz Kleinasiens beginnen. Frankreich beginnt mit dem Schutz der Christen in Syrien, England will Aegypten gang nehn'.cN usw. In allen 5?ri|'ert ber letzten Zeit bekamen die übrigen Mächte großen Länderzuwachs und wir eine neue Militärvorlage. Eine solche neue Vorlage zeigt sich schon für die nächste Zeit und mir haben auch die nationale Pflicht, eine kräftige Luftflotte zu schaffen. Graf Zeppelin hat das große Verdienst, wieder einmal eine große nationale Begeisterung ent- fnrfrt zu haben. Es ist gerade für die nationalliberale Partei eine Freude, oieses Erwachen des nationalen Geistes zu sehen. Auch bei der Marokkofrage zeigte es sich, datz der nationale Geist und das Verständnis für diese Frage im deutschen Volk weiter verbreitet war, als die Regierung anzunehmen schien. Der Ersolg entsprach zwar nicht den Erwartungen. Die Kriegsgefahr erscheint heute etwas weniger drohend, als in den letzten vergangenen Tagen, aber sie lauert, ohne datz wir es ändern können, auf neue Gelegenheiten. Deshalb mutz die Stärkung der nationalen Wehrkraft die wich - der Wehrkraft dringend gefordert werden. Zur Betrachtung bei- letzten Reichstagstagung übergehend, führte Bassermann aus, es habe fid, hercuisgestellt, datz sich eine teile Mehrheit für die Erhaltung der jetzigen Wirtfchaftöpolink gebildet habe. Auch in der Fortschrittspartei mehren sich die stimmen, die für Beibehaltung der jetzigen Schutzzollpolitik sind. In der Teucrungssrage hat die naiionalliberale Partei sich für die Beibehaltung der jetzigen Politik mit guten Gründen aus gesprochen. Zu sordern ist dagegen die Förderung der inländischen Fleischproduktion, die Heranziehung der Städte für die Fleischversorgung der Bevölkerung und umfassendste Förderung der i n n e r en Kolonisation Der Staatsmann werde sich das größte Verdienst erwerben, der der übermäßigen Latiinndien dildung ein Ende machen und die Zahl der Meinen und mittleren Bauerngüter entsprechend vermehren werde In der Jesu i t c n f r a g e ist die nationalliberale Partei für die Beibehaltung des jetzigen Gesetzes. Der Redner hätte gewünscht, daß die Sache statt durch den Bundesrat auf diplomatischem Wege erledigt worden wäre. Iedensalls hätte man bei der jetzigen auswärtigen Lage den Streit um die Jesuiten vermeiden müssen. Die Wirkung des Streites sei gewesen, daß man jetzt mehr von Jesuitenvorträgen bei uns höre als früher. Tie Antwort des Zentrums ans die Entscheidung in der Iesuiteufrage war zunächst die schlechte Ausnahme der Vorlage über das Petroleum Monopol. Ter zweite Streich wird bei der Besitzsteuersrage erfolgen. Es wäre dringend zu wünschen, wenn die Vorlage von allen bürgerlichen Parteien gemeinsam gemacht werden würde, da damit ^eine Unsumme von Verbitterung aus der Welt gesckiasst werde. Schlimmer werde es fein, wenn das Zentrum auch auf dem nationalen Gebiet, bei der kommenden Wehrvorlage versagen werde, dann bekämen wir eine innere Krisis. Tie Politik der nationalliberalen Partei erstrebe wie seither aud) fernerhin den Ausgleich der widerstreitenden Interessen auf der mittleren Linie. Wer zwischen der so'ialdemokratischen Partei mit ihren aut Unterdrückung aller individualistischen Freiheiten ausgehenden Klassenbestrebungen und dem von fremdländischen Einflüssen beeinslutzten Zentrum, das die Freiheit der Wissenschaft bedrohe und ebenfalls den Individualismus knechten wolle, eine kräftige nationale und auf die freie Betätigung jedes einzelnen Menschen hinarbeitende Partei haben wolle, müsse ein- treten für die nationalliberale Partei, die aut nationalem und liberalem Boden für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Volksgenossen eintrete. Dem langanhaltenden stürmischen Beifall folgten herzliche Tankesworte des Vorsitzenden, die in einem begeisterten Hock) auf das deutsche Vaterland ausklangen. Außerordentliche Sitzung des Provinzialtags. L. Gießen, 21. Dez. Anwesend: Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger, als Vorsitzender, 23 Mitglieder, Kreisräte der Provinz, Baurat Schöberl, Darmstadt. Ter Vorsitzende begrüßt die Erschienenen und stellt fest, daß die Einladung rechtzeitig erfolgt ist. Er gedenkt sodann der ersprießlichen Tätigkeit des verstorbenen Mitgliedes des Provinzialtages, .Mühlenbesitzer Erk-Nidda, zu dessen Elwen fid) die Anwesenden erheben. Nachdem hieraus noch die Mitglieder Ihring- Lrch und Jöckel-Friedberg zu Urkundspersonen bestellt worden waren, wurde in die Tagesordmmg eingetreten. 1. Erwerb des Elektrizitätswerks Nieder- Wöllstadt. Nach Mitteilung des Vorsitzenden war die Vorlage schon am 22. September d. I. den Mitgliedern zur schriftliche Abstimmung über den Ankauf des genannten Werkes zu- gegangeii. Ta zwei Mitglieder sich gegen die schriftliche Abstimmung ausgesprochen hatten, mußte die Sache auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung gesetzt iverben. Ter Ankauf des Werkes wurde debattelos e i n st i m m i g genehmigt. Die Anlage von Kleinpflaster auf b-n Hauptverkehrsstraßen in Oberheffen. Unter dieser Ueberschrift hat die Provinzial-Vcrwal- tung von Oberhessen eine Denkschrift ausgearbeitet, der wir folgendes entnehmen: „Ter gesteigerte landwirtschaftliche Verkehr und die Zunahme des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen bedingen gegen früher eine wesentlich höhere Inanspruchnahme der Straßenfahrbahnen und damit eine fortgesetzte erheblich? Steigerung der Unterhaltungskosten. Um die von den beteiligten Kreisen und der Provinz Oberhessen auszubringenden Unterhaltungskosten in erträglichen Grenzen zu halten, erscheint fürs erste ein teilweiser Ersatz der chaussierten Fahrbahnen durch solche angezeigt, die dem gesteigerten Verkehr der Neuzeit gegenüber widerstandsfähiger sind. Hierzu geeignet ist das Kleinpflaster, das anderenorts schon in großem Umfang und in der Provinz Oberhessen an den Kreisstraßen Gießen— Steinbach und Bahnhof Großkarben—Gehspitze erprobt worden Die heiligen „Zwölften". Zur Zeit der Wintersonnenwende am 21. Dezember seierten unsere Vorfahren das größte Fest des ganzen Jahres, das Julsest: nun hatte Allvater Wodan die bösen Wintermäckte nach hartem Kampfe besiegt und Baldur war wieder auserstanden, d. h. die Sanne batte ihren tiefsten Stand erreich! und stieg von jetzt an wieder höher. Zu dieser Zeit schmückten die alten Germanen ihr Heim mit den grünen Reisern der Tanne, und als Zeichen des wieder erstartenden Lickstes steckten sie brennende Kienspäne dazwischen ein uralter Brauch, aus dem sich später der brennende Weihnachtsbaum als Symbol des Christfestes entwickelte. Tic Nächte zur Zeit dieses Festes galten als heilig und segenbringend. Sie dauern vom 24. Dezember bis zum 6. Januar, und mit diesen heiligen 12 Nächten sind nock) heute mancherlei seltsame Gebräuche verknüpft. Früher durfte in dieser Zeit keinerlei Jagd auägeübr werden, bamt waren auch gewisse Speisen verboten; so herrscht z. B. in Berlin heute noch in vielen alten Familien der Brauch, feine Hülsenfrüchte auf den Tisch zu bringen. In vielen Gegenden ziehen in den heiligen Nächten Knaben singend von Haus zu^Haus, wobei sie an die Türen klopfen oder mit Erbsen an die Fenster werfen, weshalb diese Nächte Klöpsel- oder Klöpslinsnächte, in Schwaben Antlopfete oder Boselnächte genannt werden. Sicherlich ist dies Anklopsen ein uralter Brauch, der die mannigfachsten Deutungen gefüllten hat Nach einer Version sollen die Klöpsel- nächte in der Zeit der ersten Christen entstanden sein, die als Zeichen der Verabredung in nächckicher Stunde Erbsen an die Fenster ihrer Glaubensbrüder warfen, um diese so von der Abhaltung ihrer Ixnmlicken Gotiesdienste in Kenntnis zu setzen. In Sckstvaben deutet man den alten Brauch ganz anders. In alten Zeiten, so erzählt man, herrschte im Schwabenland einst eine furchtbare Pest. Ilm der Ansteckung zu entgehen, wurden alle Häuser geschlossen, und kein Mensch verkehrte mit einem andern. Nur zur Nachtzeit wagten sich einige beherzte Leute auf die Straße und war,en Erbsen an d e Fenster der Wohnungen ihrer Freunde und Bekannten. Lebte nock: jemand in dem bctrnfenben Hause, so kam er ans Fenster und dankte für die Nachfrage mit einem „Vergelts Gott". Wo aber der nächtliche Gruß nicht erwidert wurde, da wußte man, daß alles in dem Hause tot war. In den heiligen Zwölften wird noch heute in vielen Gegenden von jungen Mädchen und Burschen Blei gegossen, um daraus die Zukunft, besonders die Frage der Ver^iratung, zu erkennen, und melerlei Gerichte werden gerade zu dieser Zeit gegessen, vor allen Dingen mancherlei Kuchen und Backwerk, das mit Vorliebe Tier- formen ausweist. In Thüringen gibt es „Zträppelzöppe" und „Hahnewackel", in Sachsen Aepselsalat mit Heringen, die aber nur Rogener sein dürfen, da der Rogen den zu erwarteirden Reichtum anzeigt. In Westfalen und Rheinland werden die „Spekulazi" gebacken, flache Kuchen, die alle Tierfvrmen haben, eine uralte Erinnerung an den gebratenen Jul-Eber der alten Germanen. Die "l eiligen zwölf Nächte haben also auch heute noch vielfach ihre Bedeutung und sind uns ein Beweis dafür, wie im Volke von der Vorzeit überkommene Anschauungen und Gebräuche Jahrtausende lang erhalten bleiben. O. K — Goethe und der Christbaum. Wir wissen aus der Weimarer Zeit Goethes, daß er das Fest nur selten in der Stadt zu verleben liebte, daß er vielmehr, wenn ihm weihnachtlich zumute wurde, gern hinaus in die gebirgige Umgegend wanderte. Es ist sehr fraglich, ob er in seiner Waldeinsamkeit sich an dem Bapme mit den brennenden Lichtern gefreut hat, aber gekannt und geliebt hat er ihn Obgleich der Christbaum erst um die Jahrhundertwende in Leipzig bekannter wurde, scheint er ihn doch schon 1765 dort zum ersten Male gesehen zu haben, und zwar bei dem Kupferstecher Stock, bei dem er den Heiligen Abend verbrachte. Wenn auch in den Briesen an seine Schwester nichts darüber steht, so berichtet doch die Mutter von Theodor Körner, Stocks Tochter: „Goethe und der- Vater trieben ihren Mutwillen soweit, daß sie am Weihnachtsabend ein Christbäumchen für Jolly, mit allerhand Süßigkeiten behangen, aufstellten." Ties war 1767, und die Stelle zeigt, daß Goethe der Christbaum nichts Neues war. Taß er ihn febon zwei Jahre vorher kennen gelernt hatte, ist daraus abzunehmen, übrigens wird in bem Bucke „Kunst und Leben aus Friedrich Försters Nachlaß" direkt berichtet. In Straßburg wird er den Weihnachtsabend sicher unter dem strahlenden Baum zugebracht haben, denn hier war er schon lange allgemein Sitte. Tas- er sie liebte, gebt aus einer Stelle im Werther hervor, nebenbei die einzige, in der er einen Christabend poetisch schildert: „An demselben Tage ... cs war der Sonntag vor Weihnachten, kam er abends zu Lotte und fand sie allein. Sie beschäftigte sich, einige Spielwerke in £rbnung zu bringen, die sie ihrm kleinen Gesckovistem zum Christgeschenk zurechtgemacht hatte. Er rcbeie von dem Vergnügen, das die Kleinen haben würden, und von den Zeiten, da einen die unerwartete Ceffming der Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Aepfeln in paradiesische Entzückung setzte. Sie sollen, sagte Lotte, indem sie ihre Verlegenheit u*Ver ein liebes Lächeln m Es hat für die Kreisstraßenvenvallangen den Vorteil, daß es die Unter baltungstoftvn vermindert und nir den Verkeln den Vorzug, bar es die Transportkosten nickt erhöht. Immerhin sind die Anlagelosten des Kleinpflasters derart hohe, daß sie aus den für die laufende Unterhaltung der KreiSsttaßen zur Verfügung ftcl.enbcn Mitteln nickst bestritten merben können, sondern durch Anleihen bcfdxtfft werden müssen. Die Zinsen- und TilgungS- beträgt* der "Anleihen müßten dagegen aus lausenden Mitteln gedeckt werden, wobei die an Unterhaltungskosten erzielten Erspar iiisse zum Teil Ersatz bieten. Die Anlage von Kleinpslaster, dessen Haltbarkeit bei sorgfältiger Ausführung in bestem Material lBasalt) nach den vor- liegenden Erfahrungen auf 30 bis 40 Jahre angenommen werden darf, ist für die Kreis st raßenverwaltung überall da rentabel, wo diejährlicken Unterhaltungskosten für das Kilometer ztzreisstraße mehr als 1250,— Mark betragen. Die weiteren Vorteile der Transvortverbilligung und der Verminderung der Staubplage aus verkehrsreichen Straßen, die nur dem Verkehr zugut kommen, würden ein Herabsetzen dieser Rentabilitätsgrenze wohl red)tfartigen. Aber so sehr die Anlage von Kleinpflaster in größerem Umfange an und für sich zu begrüßen wäre, so mußte fid- doch die Vorlage mit Rücksicht ans die finanzielle Leistungsfähigkeit von Provinz und Kreisen zunächst auf diejenigen. Straßen teile beschranken, für die das Kleinpflaster sciwn rein redmerifd) von pekuniärem Vorteil ist. 9?ad) den angestellten Ermittelungen beanspruchen schon zurzeit von den in der Provinz Oberhessen vorhandenen 2270 Milometern Mreisstraßen rund 40 Kilometer freie Strecken und 6 Kilometer Ortsdurdstahrten einen größeren Aufwand pro Jahr und Kilometer als 1250,— Mark; er beträgt für einige Strecken sogar mehr als 20Ö0,— Mark. Die in Bel rack: komm enden Strecken sind in der Hauptsachc Teile folgender Straßenzüge: Kreis Alsfeld: Ortsdurchfahrt Alsfeld (nach Willings- häufen). K reis Büdingen: Straße Ober-Mockstadt—Ranstadt; Straße Hainchen—Enzheim; Straße Enzheim—Glauberg; sowie die Ortsdurchfahrten 9Ueder-MoMadt, Ober-Mockstadt, Enzheim, Altenstadt und Lindheim. Kreis Friedberg: Straße Potlgöns—Butzbach; Straße Friedberg—Bad-Nauheim: Straße Nieder-Wöllstadt—Okarben; Straße Okarben -Selzerbrunnen; Strafte M toppen heim—Vilbel; Straße Dortelweil Vilbel; Straße Butzbach -Gambach; Straße Bonames—Ober-Esd)bach; Straße Assenheim -Bahnhof; sowit die Ortsdurchfahrten Okarben, Vilbel und Ober-Eschbach. Kreis Gießen: Straße Gießen—Rvdl)eim; Strafte Gießer. —Steinbach; Straße Lich—Eberstadt; Strafte Hungen—In- heidett. Für die Anlage von Kleinpflaster auf den in Betracht kommenden Strecken hätten Provinz und Kreise rund 1 OGO 000 Mark zu gleichen Teilen aufzuwenden, so daß der Anteil der Provinz und derjenige der beteiligten Streife je 530000 Mark betragen. Tie Provinzialverwaltung schlägt vor, die gesamten Baukostenanteile der Provinz und der Kreise durch eine Anleihe der Provinz Oberhessen aufzubringen und die betreffenden Moftenanteile den Kreisen unter der Bedingung zu überweisen, daß die Streife ihve Anteile in gleicher Weise, wie die Provim verzinsen und tilgen. Für die Verzinsung und Tilgung wird ein Satz von 7 Prozent vorgeschlagen, so daß die Anleihe in etwa 22 Jahren getilgt würde. Die hiernach von der Provinz benötigten Geldmittel sollen für die nächsten Jahre aus vorhandenen Fonds und später ans Einnahmeüberscküssen der Provinz gedeckt werden." Der Provinzialtag hat sich nach längeren Verhandlungen der Gewichtigkeit der Gründe, die für die in der Denkschrift nieber- gelegten Grundsätze sprechen, nicht verschlossen und der.Denkschrift e i n ft i m m i g zugestimmt. Es ist hiernach zu hoffen, daß schon in nächster Zeit mit den Vorarbeiten begonnen werden kann. Die für Kleinpflaster vorgesehenen Strecken bilden zunächst allerdings nur 1,85 Prozent des gesamten Strafteimehcs der Provinz. Bei dem Verständnis, das alle Beteiligten der Vorlage entgegengebrad’t haben, darf erwartet werden, daß auch künftigen Aniorderuirgen, insbesondere dann, wenn sie aus den jetzt nicht mit Kleinpflaster bedachten Streifen kommen, von der Provinzial- Vertretung das gleiche Wohlwollen entgegengebracht ivirb und daß der Anfang, der hier in weitsichtiger Weise mit der Verbesserung der Straßeiwerhältnisse Oberhessens gemacht worden ist, immer weitere Kreise ziehen und damit dem früheren guten Ruf unserer Straßen nach und nach wieder zu feinem Recht verhelfen wird. Der Vorsitzende bemerkt einleitend, die Vorlage verdanke ihre Entstehung dem Umstand, daß die Unterhaltungskosten einzelner Straßenftrecken ganz abnorm hoch seien, so daß hier Abhilfe geschaffen werden müsse. Es sei kein Kreis vor dem anderen bevorzugt, wie schon daraus hervorgehe, daß der Kreis Gießen, der den größten Bettrag zu den Provinzialumlagen leiste, weit verbarg. Sie sollen auch beschert kriegen, wenn Sie recht geschickt sind, ein Wadisstöckchen und noch was." Besonders ergriffen hat ihn der Weihnachtsabend 1796 bei Frau von Stein. Auch hier flammte ein Christbaum. Sonst sprächt er in Briefen nur von „Wachsstöc^en", und in dem Gedichte „Christgeschenk"^ gedenkt er des Baumes und der Lichter gar nicht. — T ie Schneerose. Eine der merkwürdigsten Blumen unserer Flora ist die Schneerose oder Christblume, die ihren Namen daher hat, daß sie zur Winterszeit, wenn alle anderen Blumen draußen in Feld und Wald längst verschwunden sind, blüht und selbst aus tiefem Schnee heraus ihre schönen, weißen Blüten- löpfchen emvorstteckt. Weil sie zur Zeit der Wintersonnenwende blüht, hieß sie früher allgemein Wendewurz, während ihr wiffen- schaitlicher Name Schwarze Nieswurz (Helleborus niger) ist. Nieswurz heißt sie ihrer Wurzel wegen, die, in pulverisierter Form in die Nase gebracht, sehr heftiges Niesen erzeugt; diese Eigenschaft wird auch industriell in großem Umfange ausgenutzt in der Schnupftabakfabrikation; der Hauptbestandteil des in der ganzen Welt bekannten Schneeberger Schnupftabaks ist die Wurzel der Nieswurz. Es kann nicht wundernehmen, daß eine zu so ungewöhnlicher Zeit blühende Pflanze fdpn seit jeher die Aufmerksamkeit der Meirschen in hohem Grade erregt hat, und ebenso selbstverständlich ist es, daß dieser geheimnisvollen Pflanz? auch ganz besondere Kräfte innewohnen mußten. T-ie zur heiligen Chrnstzeft blühende Pflanze'mußte auch selbst heilig sein, und bei der furchtbarsten Geißel der Menschheit früherer Zeiten, bei der Pest, konnte nur die Christrose Hilse bringen. Man machte den Pestkanken Emsd/Nitte in die Haut und steckte Stückchen von der Wurzel de^ Schneerosen in die Wunden, dadurch sollte die böse Krankheit ver trieben werden. Dann hatte die Pflanze auch die Kraft, die bösen Geister und Kobolde zu vertreiben, und wer ein Stückchen ihrer Wurzel bei sich trug, war vor mancherlei Ungemach bewahrt. Weil die Schmeerose nicht in allen Gegenden unseres Vaterlandes vor- kommt, wurden die Berichte über ihre Blütezeit vielfach ate Niärchen angesehen, was einen alten Botaniker veranlaßte, bet der Beschreibung der Pflanze in seinem Pflanzenbuch besonders hiw^uzufügcn: „Christwur'' Ht seinen Namen banimb. daß seine Blüte, de grüat ist auf Christnacht sich auftue: und blühe, welch« ich auch selbst wahrgenommen und gesehen, mag für ein gespott haben wer da will." Wenn wir heute im Winter in einem Garten oder am Waldrande auf die weißen Blüten treffen, betrachten wir immer noch mit Staunen und Interesse dies kleine Naturwunder, das uns den ersten Ausblick auf den kommenden, blühenden Frckhlmg eröffnet. fjintn anderen Kreisen znrückstehe Es handele sich um eine Denkschrift, nicht um einen Voranschlag. Diese habe aber insofern grundsätzlichen Charakter, als, wenn man den Ausführungen der Denkschrift zustimme, damit bindende Richtlinien für die Arbeit späterer Jabre gegeben seien. Tie Kreisverwaltungen müßten wissen, welche Mittel sie bereitzuhalten hätten und dafür schon jetzt Vorsorge treffen. Mitglied B r a u e r - Ober-Ofleiden bemerkt, die letzten Ausführungen des .Herrn Provinzialdirektor veranlaßten ihn, schon jetzt Stellung zu der Denkschrift zu nehmen, weil vielleicht die später vorgebrachten Wünsche nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Er wolle zugeben, daß die Denkschrift durchaus objektiv versaßt sei. Daß der Autoverkehr nicht in erster Linie die Ursache zu dieser Vorlage gewesen wäre, sei ihm sehr faßlich, denn die Straßen seien früher schon in schlechtem Zustand gewesen und früher schon hätte man nach Mitteln suchen müssen, um Abhilfe zu schaffen. Daß man gerade den jetzigen Zeitpunkt für die Vorlage gewählt habe, der zufällig zusammenfalle mit der Zeit, in der der Automobilverkehr nicht nur im Kreise Gießen, sondern auch in anderen Kreisen zunehme, sei ein außerordentlicher Zufall. Nun sollten an den Wohltaten der Vorlage die Kreise teilnehmen, die an sich schon durch die Bahnen und die Einführung von Elek trizität bevorzugt wären. Man müsse aber versuchen, für die anderen beiden Kreise dem fehlenden Verkehr dadurch abzuhelfen, daß man auch dort Automobilstraßen baue. Er denke da an die Automobilverbindungen Alsfeld—Landesgrenze—Neustadt, Kir torf—Landesgrenze—Kirchhain und Mücke—Ulrichstein., Wenn man jetzt hier ein ganz neues Unternehmen in Angriff nehme, ehe d!c Versprechungen der Provinzialverwaltung bezüglich der Elektrizität in den beiden Kreisen erfüllt seien, und wenn man in diesem Stadium keine Versprechungen mache, daß man auch an die geringeren Landesteile denke, so falle es den Vertretern dieser weniger von der Natur begünstigten Kreise schwer, einer solchen Vorlage zuzustimmen, wenn man auch rein rechnerisch die Vorlage gut heißen müsse. Was später geschehe wisse man nicht. Die Erfahrungen mit dem Kleinpflaster seien noch jung und es frage sich, ob das Kleinpflaster nicht später mehr Unterhaltungskosten erfordere, wie die heute vorhandenen Straßen. Es würde für die Vertreter der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten die Zustimmung erleichtern, wenn von der Provinzialverwaltung sichere Versprechungen gemacht werden könnten, daß man die Straßen so herzustellen suche, wie es für den Autoverkehr angemessen sei. Man könne auch an einen Beitrag der Provinz an die au dem Autoverkehr beteiligten Gesellschaften denken, wenn man davon absehe, einen einmaligen Zuschuß zu geben. Der Staat habe dazu noch keine Stellung genommen, weil er die ganze Sacke grundsätzlich regeln wolle. Er meine aber, irgend etwas müsse für die Gegend getan, und es müßten jetzt Zusicherungen für die Zukunft gegeben werden. Es sei auch nicht zu verkennen, daß die, die die mit Kleinpflaster versehenen Straßen in Zukunft benutzten, die doppelten Lasten transportieren könnten gegen seither. Das fei ein großer Vorzug gegenüber den schlechten Straßen in den nördlichen Kreisen, die zudem noch große Steigungen aufwiesen. Man müsse also dem seinerzeit gegebenen Versprechen jetzt etwas größere Wahrscheinlichkeit geben. Der Vorsitzende dankt zunächst auch im Namen des Provinzial-Ausschusses .Herrn Brauer für die objektive Würdigung, die er der Vorlage habe zu Teil werden lassen. Er könne es verstehen, daß der Vorredner als Vertreter eines der Kreise, die bei der Vorlage zunächst nicht in Betracht Tarnen, hier zum Ausdruck bringe, wie in diesen Kreisen das Gefühl herrsche, daß nun wieder die wohlhabenderen Kreise bevorzugt werden sollten. Zunächst möchte er aber sagen, daß aus den Kreisen Alsfeld und Lauterback noch keine Wünsche auf provinzielle Unterstützung in der von Herrn Brauer anaeorbneten Richtung vor gebracht worden seien. Wenn derartige Wünsche kämen, dann sei er überzeugt, daß sie vom Provinzialausschuß wohlwollend geprüft würden. Es liege ja nachher dem Provinziallandtag selbst ob, über derartige Anträge zu entscheiden. Bezüglich der Unterstützung der Automobilverbindungen sei allerdings zu überlegen, was der Staat tue. Es sei wohl fein Zweifel, daß durch die Automobilverbindungen Nebenbahnen gespart würden. Diese ftrage jetzt prinzipiell zu erörtern, sei aber wohl auch nicht die Absicht des Herrn Brauer. Von diesen wäre weiter die Frage der Elektrisierung der Kreise Alsfeld und Lauterbach aufgeworfen worden. Er könne dem Provinzialtag heute versichern, daß von der Provinzialverwaltung das Möglichste getan werbe, um auch biefen beiden Kreisen baldmöglichst Wohltaten der Elektrizität.teilhaftig werben zu lasten. Die Verhanblungeu wären im Gange, ein Projekt werbe in nächster Zeit vorgelegt und es würbe bann zunächst Sache des Provinzialausschusses sein, in Verhanblungeu mit den beteiligten Kreisen sestzustellen, was sich in der Richtung machen lasse. Er wolle aber darauf aufmerksam machen, daß bis fetzt nicht einmal die Anleihe für das bereits im Bau befindliche Leitungsnetz von Wölfersheim begeben sei, sondern daß mau sich auf andere Weise geholfen habe. Mau müsse schon deshalb mit Rücksicht aus den Stand des Anleihemarktes mit weiteren Engagements der Provinz vorsichtig sein. Tie Frage der Versorgung der Kreise Alsfeld und Lauterbach, das erkläre er hiermit nochmals nachdrücklichst, sei jedoch niemals aus dem Auge verloren worben und die Versorgung sei vielleicht näher als man denke. Was die Haltbarkeit des .Kleinpftasters anlange, so könne Baurat Hechler aus Wunsch hierüber Auskunft geben, der in der Provinz Han noocr Besichtigungen vorgenommen habe, die ergeben hätten, daß die Haltbarkeit recht gut sei. Es sei bestimmt zu erwarten, daß •an Wärterlöhnen usw. in Zukunft gespart werde Man könne aber auch von Ersparnissen sozusagen nach der negativen Seite hin reden, insofern als die Materialpreife und die Löhne von Fahr zu Jahr in die Höhe gehen, während künftig keine höheren Unterhaltnngskosten wie seither verursacht würden. Graf Wilhelm zu Sol ms-Lau doch möchte aus den Ausführungen des Herrn Vorsitzenden feststellen, baß auch bic Kreise, die jetzt gar nicht ober nickt so berücksichtigt würden, wie andere Kreise, jederzeit in der Lage seien, auch während der fünf Jahre, für die Vorlage .Kleinpflasteranlagen vorsehe, der Provinz Wünsche vorzutragen, unb daß die Provinz bestrebt fein werde, diese Wünsche auch innerhalb der fünf Jahre zu erfüllen. Es könnte doch sein, baß Straßenteile in biefen Kreisen, bic von ber Vorlage nicht berührt würben, auch ben höheren jährlichen Aufwand erforderten Der Vorsitzende stellt daraus fest, daß diese Frage int Provinzialausschuß allerdings noch nickt erörtert worden sei. Man märe der Ansicht gewesen, nun zunächst einmal mit den Straßen vorzugehen, die zurzeit sehr hohe Unlerhattungskosten verursachten Mit den etwaigen Wünschen ber Kreise müsse der Provinzial ausschust aber auch den Nachweis bekommen, daß während einer Reihe von Jahren tatsächlich eine höhere Summe aufgeivcnbet worden sei. Wäre bas nickt her Fall und ergäbe sich trotzdem die Not Notwenbigkeit von Kleinpflaster, so müsse darüber allerdings int Rahmen des Ordinariums des Proviitzialkassevoranschlags Beschluß gefaßt merbeu Es seien ja seither schon unter dem Kapitel ..Außerordentliche Herstellungen" eine ganze Reihe von Kleinpflasteranlagen vorgesehen unb ausgeführt worden. Man dürfe auch in den anderen Kreisen nicht vergessen, daß betracht licke Zuschüsse zu der Persehuna von Ortsdurckfahrteu mit Klein vflaster von der Provinz geleistet worden seien. Wenn sich im Kreise Schotten Herausstellen sollte, daß eine Straße verfehlt angelegt sei, so denke er, daß man auch Mittel unb Wege finden werde, um bezüglickeu Wünschen innerhalb ber Grenze des Mögliche,! zu ihrem Recht zu verhelfen. Er könne natürlich darüber heute nichts bindendes erklären, sondern nur soviel sagen daß, wenn sich innerhalb, einer Reibe von Jahren Herausstellen sollte, daß andere Straßen ebenfalls einen höheren Aufwand erforderten, es wohl nur ein Akt der Gerechtigkeit und Billie feit wäre, wenn der Provinftattag zum Beschluß tarne, auch für Versetzung dieser Straßen die nötigen Mittel bereu zu stellen Abg. Hofmann-Hof Güll bekennt sich alt Freund > • Vorlage. Sehr sympathisch hat es ihn berühr', da', bic v. Pflasterung nicht im Interesse des Antomot 1 eingciühu werden solle. Er möchte nur wünschen, baß diese Ansicht auch weitere Verbreitung finde. Sehr ungünstig^ wirkten aber Artikel in der Presse, die das Gegenteil besagten. So .habe er int Frankfurter Generalanzeiger eine Notiz gefunden daß der Kreis Gietzen beschlossen habe, einen Teil der Kreisstraßen mit Kleinpflaster zu versehen, weil der wachsende Automobilverkehr dazu dränge. Solche Behauptungen fänden in der Bevölkerung sehr leicht Ausnahme. Es sei eine gewisse Empörung in der Landbevölkerung schon dadurch entstanden, daß ber Kreis Gießen jetzt die Ctzauiftc- rung der Feldwegabfahrten auf 25 Meter fordere. Die Bevölkerung sage, daß auch diese Forderung nur gestellt werde, um dem Automobilverkehk zu dienen. Wenn nun weiter solche falsche Nachrichten erschienen, so wirke das auf die Landbevölkerung ungünstig, und er möchte den Wunsch aussprechen, daß Gegen- artitel veröffentlicht würden. Kreisrat Kranzbühler-Schotten legt großen Wert darauf, als weiteres Motiv ber Vorlage angeführt zu sehen, baß wenn man im Kreis Schotten zu höheren Unterhaltungskosten komme auch biefer bic Unterstützung ber Provinz finde ebenso wie die anderen Kreise. Er könne bemerken, daß der Kreis Schotten nur deshalb unter dem Turchschnittssatz geblieben sei, weil die Straßenunterhaltung gewisse Mängel gehabt habe. Er möchte bitten, daß bic Provinz nicht ben Nachweis eines zehnjährigen Durchschnittes verlange. Abg. Brauer: Für manche Kreise sei es gar nicht möglich, jährlich 1200 Mk Unterhaltungskosten aufzuwenben, weil die Hälfte aus Kreismitteln aufgebracht werden müsse. Was bic Ausführungen bes Oekonomierats Hofmann anlange, so glaube er. daß es schwer halten werde, die Bevölkerung zu einer anöcrcn Meinung zu bringen. Es sei nicht zu verkennen, daß bic Möglichkeit ber Benutzung eines Automobils nur ben besseren Kreisen offen stehe und daß von diesen manchmal nicht die. Rücksicht auf die Bevölkerung genommen werde, die notwendig sei. Er halte es aber auch für richtig, daß man für das Automobil Opfer bringe, nachdem es nun einmal Verkehrsmittel geworden sei. Wie die Bevölkerung fick nach und nach an die Bahnen gewöhnt habe, werde sie sich vielleicht auch an die Automobile gewöhnen. Turch Zeitungsartikel werde aber die Mißstimmung nicht aus der Welt gebracht. Ter Vorsitzende bemerkt, man könne bic Straßen in dem oberen Teil ber Provinz nicht in Parallele stellen zu benen anberer Kreise. In ber Wetterau sei ein enorm starker Verkehr, der sich mit bem in ben nördlichen Kreisen nicht vergleichen lasse. Dazu komme, daß die sämtlichen Kreise schon seit Jahren walzten unb badurch ihre Straßen besser unterhielten. Wenn sich bic Notwenbigkeit ergebe, im Kreis Schotten mit Kleinpflaster vorzugeyen, werbe ber Provinzialausschuß wohl nicht verlangen, baß erst zehn Jahre gewartet werde. Zunächst müsse man aber im Kreis Schotten den Anfang mit dem Walzen machen. Er glaube, daß auch im Kreis Alsfeld noch wenig gewalzt worden sei. Der von Herrn Hofmann erwähnte Zeitungsartikel habe wohl auf dem Mißverständnis eines Reporters beruht. Er bedauere auch derartige Artikel, aber man könne wohl nur im Weg ber Berichtigung etwas machen, unb biefen Weg beschreite er nur in ben allergravsten Fällen. Vielleicht könnten aber die Provinzialtagsmitglieber baju beitragen, baß in ihren Kreisen solchen Gerüchten der Boben entzogen werde. Daß gegen die Chaussierung der Feldwege maßlos agitiert werde, wisse er. Es gäbe Leute, die von der Notwendigkeit dieser Maßregel nicht zu überzeugen seien. Da bliebe uns das Verwaltungsstreitverfahrcw Im übrigen sei dies eine Angelegenheit, die den Kreis' Gießen angehe unb auf die er deshalb nicht näher eingehen wolle. Mgeordnetcr Dr. W cb c r - Kvnradsdvrs: Wenn mau einerseits bic Gemeinbcn antzaltc, daß sie die Feldwege chaussierten, so müsse man auf der anderen Seite auch den Wünschen der Gemeinden Rechnung tragen, bic innerhalb der Ortsdurchfahrten bessere Zustände schaffen wollten. Er bitte, bei dem Kleinpflaster auch die Ortsdurchfahrten nicht zu vergessen. Wenn man -sich überlege, daß bei einem Straß"nnetz von 2270 Kilometern jetzt nur 40 Kilometer mit einem Koftenauftvand von 1000 000 Mark mit Kleinpflaster versehen würden, so müsse man sich darüber klar 'werden, daß weitere Herstellungen «über die Kräfte der Provinz hinausgingen. Man lasse einmal einen Krieg kommen und werde bann setzen, was von ben Millionen noch übrig bleibe. Er- glaube, ber anbere Weg werde doch wohl die Hauptsache bleiben, nämlich das Walzen ber Straßen. Tas, was der Provinzialtag heute tue, solle nur das Aeußerste fein. Mgeordnetcr Alles- Nieder-Florstadt: Unter den vorgesehenen Strecken befinde sich die von Assenhcim nach dem Bahnhof. Sie weise einen außerordentlich starken Verkehr auf und müsse iedes Jahr gewalzt werden. Wenn hier nicht mit Kleinpftaster abgeholfen werde, sei die Straße nicht zu unterhalten. Was die Feldwege betreffe, so gingen die Straßen vollständig zugrunde, wenn die Feldwege nicht chauffiert würden. Kreisrat Tr. Heinrichs-Alsfeld spricht den Wunsch aus, baß die Bahnhofstraße in Alsfeld schon früher wie vorgesehen mit Kleinpflaster versehen werde. Vorsitzender: Wenn nicht besondere Verhältnisse Vorlagen, sollten die Straßen in ber vorgesehenen Reihenfolge * bleiben. Kleinere Abänderungen könnten ja gemacht werden. Hierüber habe sich der Provinzialtag ibei jedem einzelnen Voranschlag schlüssig zu machen. Kreisrat Boeck m a n n-Büdingen legt dar, daß bfüglich der im Kreise Büdingen vorgesehenen Strecken vielleicht eine M- weichung von der Vorlage eintreten werde. Hierauf wird die Vorlage einstimmig angenommen. lieber den weiteren Verhandlungsgegenstand des Prooinzial- tages, den gegenwärtigen Stand der Elektrizitätsversorgung der Provinz Oberhessen, werden wir morgen berichten. Lin schwere; Grubenunglück. Dortmund, 21. Dez. Heute nachmittag wurden 31 Opfer der Katastrophe auf der Grube „Minister Achenbach" auf dem Gemeindefriedhofe Br am bauer in einem Massengrabe beerdigt. An der Beerdigung nahmen u. a. Regierungspräsident v. Bake, Exzellenz General v. Schubert, Generalleutnant v. Harbou, Landrat von der Heyden-Rynsch und andere hervorragende Persönlichkeiten sowie zahlreiche Vereine mit ungefähr 150 Fahßen teil. Die Leichen wurden zu je sechs auf fünf Wagen zum Friedhöfe übergeführt. Ein Steiger wurde in einem besonderen Grabe beerdigt. Das Massengrab war schwarz ausbeschlagen und mit Grubenlampen umstellt. Grabreden hielten der Generalfuper- intendeut Simon-Münster, der evangelische Ortsgeist- liche Batt und Tvmkapitular Geistlicher Rat Klein- Paderborn. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge umstand den Friedhof. Zahlreiche Häuser und die Zechengebäude hißten Trailers ahnen. <5erid>tdfaaL rm. Darmstadt, 22. Dez. Der russische Student Jacob Landau aus Warsckau ist an dem Tage, au dem der erstochene Student Weiser beerdigt wurde, in einem Laden erwischt worden, wie er zwei Krawatten in eine Tasche steckte, ohne sie zu bezahlen' Das Rektorat der Hochschule hat L. auf vier Jahre, die höchste zulässige Zeit, relegiert. Inzwischen ist L. auf seinen Geisteszustand untersucht unb trotz seiner Minderwertigkeit für die Tat verantwortlich erklärt worden. Bei der gestrigen Schönengerichts tierhandlung gab er an, daß er als Freund Weisers an diesem Tage sehr aufgeregt war unb sich des Vorfalls kaum mehr erinnere. Der Vertreter ber Anklage beantragt 5 Tage Gefängnis, doch kam er mit einem Tage davon: voraussichtlich wird er zur bedingten Begnadigung empfohlen Universitäts-Nachrichten. )( Marburg, 22. Dez. Der ordentliche Professor der Rechte, Dr Ernst Hey mann, hat einen Ruf an die Universität Tübingen erhalten. Er soll dort die Stelle des Rechtslehrers Prof. Rietschel einnehmen. vüchertisch. — „Der Deutsche kennt seine Sprache nicht", so betitelt sich ein umfassendes Unternehmen Buch, Postkarten unb Familicnspiclctz das der „gegenwärtig größten deutschen Bildungslücke" begegnen will. Erschienen sind die Spiele em Vertag der Leipziger Lehrmittclanstalt Tr. O. Schneider in L c i p z i g und zwar 1. T i e deutschen Vornamen mit den davon abgeleiteten Familiennamen. 2. Ter Wortschatz. Als Proben geben wir daraus: aus den Familien- unb Schülerspielen. Von ben Vornamen: Woherkommtund wasbedeutet „Heinri ch" ? Von Hcimrich abgeleitet bedeutet es Hausherr, von Hagau-rich: Gutsherr Herr eines Hags). Davon bildeten sich die Familiennamen: Heine, Heinze, Hcinicke, Heinemann, Hcinzelmaun, Hinsch Henze, Heu stell) u. ä. 2lus dem Wortschatz: Worauf ist das Wort „S t c ck b r i e s" > heute: die Personbeschreibung eines gerichtlich Gesuchten) zurückzusützren? Antwort: Es war ursprünglich die mit dem Dolche ans Tor „g csteckt c" Vorladung vor das mittelalterliche Femgericht. Woher kommt das Wort „schenken" für geben unb erlassen? Von ,ein> „schänken" unentgeltlich z. B. als Willkomm. Aus diesem ursprünglichen „zu trinken geben" wurde — wohl wegen ber Läufigkeit dieser Handlung in Deutschland — das „geben" überhaupt. — Der Herausgeber der Spiele ist ein Gießener, der sich mit dem Decknamen Thcod. Okrell verbirgt. kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 1. weihnacktsfeiertag, den 25. Dezember. Kollekte für die Kleiukinber-Bewahranstalt. Gottesdienst. 3n der Stadtkirche. Vormittaas SPX Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Beickie unb heil. Abendmahl für Matthäus'- und Markus« geiueinbe aemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Abends 5 Uhr: Pfarrasst steut Hoff m a n n. 3n der Zotzannerkircde. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Adolph. 2. Weihnachtsfeierlag, den 26. Dezember. Ja de Stadtkirche. Vormittags 9*/, Uhr : Piarrer Sckwabe. Abends 5 Uhr: Liturgischer Gottesdienst. Pfarrer Bechtolsheimer. 3n der 3ob