Nr. 50 Eilchetnl tS-llch mit Ausnahme de» Sonntag». Tie «Oietzrier LamlttendlSNer" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« „Xretiblatt für freu Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „kandwirttchaltlichea Leit- lrngen" erscheinen monatlich zweimal. 162. Jahrgang Mittwoch, 28. Februar 1012 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Rotationsdruck und vertag der vrühl'fche» UniDcrfuäi« • Bilch- und 6tembrudereL 9L Lange. Dieben. Redaktion, Expedition und truderet: Sckul- stratze 7. Expedition und Verlag: ee-UO dl. Redaktion:^« l IL Le1.-LldruAnzeigerDieben. Mb. Deutscher Reichstag. 14. Sitzung, Dien-tag, den 27. Februar. 8m Tische de» Bundesrats: Delbrück, Wermuth. Präs. Dr. S-empf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16. Min. Der schleunige Antrag der Sozialdemokraten auf Ein« fteüung de» gegen den Abgeordneten Rechtsanwalt Dr. Lieb- knecht vor dem Ehrengcnchtshof in Leipzig schwebenden Dis« ziplinarverfahren» für die Dauer der Tagung wird ohne Erörterung angenommen. Die Bekämpfung des ITläddienhandels. Dritte Lesung deS AuSführungSgesetzeS zu dem internationalen Uebereinkommen. Abg. Dr. v. Liszt (Dp.) : Wir sind mit der Vorlage durchaus einverstanden. ES ist aber eine Lücke vorhanden. Die Verbündeten Regierungen vertreten nun in der Konvention die Ansicht, dah bereits das Anwerbenfür ein Bordell ohne weiteres nach geltendem deutschen Recht strafbar ist. DaS ist ein Irrtum. Nach dem Kuppeleipatagravhen ist baß Anwerben noch eine straflose vor- bereitende Handlung. Diese Lücke muh also durch eine besondere Strafbestimmung auSgefüllt werden. Cb das durch ein neues Gesetz geschieht ober erst durch da» neue Strafgesetz, ist eine Frage für sich. Wir erwarten, dah baß Deusche Reich in loyalster Weise dafür sorgen wird. (Beifall.) Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Kriege: Selbstverstänblich wird daß Reich in loyalster Form seinen Wer- vflichtungen nachkommen. Daß ReichS)ustizarnt war der Ansicht, dah hier eine Lücke nicht vorhanden ist, dah der Mädchenhandel vielmehr schon unter Strafe gestellt wird, wenn die Vollendung — die Ueberführung ins Bordell — noch nicht stattgefunden hat. Sollte sich ergeben, daß die Praxis einen anderen Standpunkt ein- Jienommen hat, so wird die Regierung einen Gesetzentwurf vor- egen, um die Lücke auszufüllen. Sicherlich wird der Reichstag einmütig dafür fein. Daß Abkommen wird endgültig angenommen, ebenso in dritter Lesung ohne Erörterung der türkische Handelßvertrag. Das Reichs- und Sfaafsangehörigkelfsgeiefo, Die am Freitag abgebrochene erste Beratung wird fortgesetzt. Abg. v. Licbert (Rp.): Daß höchste Gut deß Mannes ist sein Volk. Daß soll er nie verloren gehen lasten. Am mächtigsten ist aber daß Volk, besten Sprache bu weiteste Verbreitung gesunden hat. Da steht daß deutsche Volk an zweiter Stelle. Mit dem Gesetz ist g u t e n a t i o • nale A - beit g - l e i st e t worden. ES ist durchaus angebracht, dah Ausländer nicht aufgenommen werden können, wenn ein einzelner Bundesstaat Widerspruch erhebt. Besonders erfreu- lich ist, dah die Reichßzugehörigkcit jetzt nicht mehr ohne den Willen deS Betreffenden verloren werden kann, und dah der Wiedererwerb er' ichtert ist Zu wünschen bleibt noch die Ein- führung der unmittelbaren Reichszugehörigkeit und die Schaffung einer befände ren Behörde für Ein - und Auswanderung. Ohn. Wehrpflicht kein Volksrecht. Erfreulich ist, dah für die Ausländsdeutschen bezüglich der Militärpflicht großzügige Erleichterungen gegeben werden. Eine Wehrsteuer, bie unß sonst sehr sympathisch ist, ist bei bi.Jen Verhältnissen aber nicht angc« bracht, da sonst viele junge Leute nach Zürich ober sonstwohin gehen unb für eine kleine Summe sich loskaufen würben. Eß barf keine Seele dem Deutschen Reiche verloren gehen. Abg. Herzog (Wirtsch. Vgg.): Die freundlichen Worte deß Staatssekretärs waren der Situation gar nicht angepafet Eß Ia$ gar k ein ra vour - stück der Regierung vor. Sie hatte das Ge,ctz schon viel früher bringen müsten. Aber immerhin ist eß bester, eß kommt spät als gar nicht. Alle völkischen Elemente haben eS feit Jahren gefordert. Die angeblich schlechte Behandlung der Ausländer durch die Polizei ist zum mindesten nicht allgemein. M,r haben Gastwirte geklagt, dah Ausländer, Ungarn, leichter Konzessionen bekommen als sie. Eine generelle gesetzliche Rege- lung deß Fremdenrechts ist notwendig. Unsere Staats- angehörigkeit darf kein Asyl für alle möglichen unerwünschten Elemente werden, die der deutschen Art und dem deutschen Wesen nicht zur Zierde dienen. Abg. Haussen (Däne): AI» Vertreter einer Provinz, in bet mehrere Tausend Angehörige der Bevölkerung staatenlos sind, begrühe ich das Gesetz als einen Fortschritt. Für ein dringendes Erfordernis aber halte ich die Errichtung eineß ReichSverwaltungSgerichtß, daß über bie Aufnahme von Ausländern entscheidet. Der Redner schildert die Schicksale eineß Seemann» Fischer, der geborener NordschlcSwiger ist, aber trotzdem als Ausländer behandelt wird. Ebenso geht eß seinem Sohne, der sich auch als Preuhe betrachtet, aber von den Behörden als Ausländer angesehen wird. Der Streit tann noch Generationen dauern, da keine Instanz vorhanden ist, bie endgültig entscheidet. Abg. Dr. Landöberg (Soz.)k Man kann eß nur bedauern, dah e» eineß Zeitraum» von 42 Jahren bedurft hat, um einen Irrtum lo» zu werden. Eß erben sich Gesetz und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort. D,e E n t - nationalif ierung von Millionen Drutschen, die gewiy zu beklagen ist, hat aber ganz andere Ursachen al» die bisherige Ge- setzeSpraxi», al» die Eintragung in die KonsulatSmatritel. ^ben Sie nach Teutschböhmen: je deutscher der Name, desto czechftch- deutschfeindlicher die Gesinnung Da» beste Mittel, bie Kräfte bcS beutschen Volke» zu erhalten, ist, dah man zur Auswanderung keinen Anlah gibt, dah man i n n e re ° Io n if a 11 o n treibt, freiheitliche Einrichtungen herstellt (Sehr Jin$- ®.a"? konsequent ist der Entwurf nickt. Gewih, wer sich der Wehrpflicht entzieht, soll der Staatsangehörigkeit verlustig gehen. Aber auch nach dem neuen Gesetz will man baß zur Strafe auch nir bloß formelle verstöhe setzen. Der Krüppel, der eß unterlagen hat, seine Dien st Pflichtangelegenheiten formell »u regeln, wird mit Frau und Kindern seiner staatsbürgerlichen Rechte beraubt. Daher darf der Verlust der Staatsangehörigkeit nicht ipso jure erfolgen, sondern nur durch den Spruch 5'?^.r Verwaltungsbehörde, gegen die der Einspruch an t>a» Jt e i <9 5t> er- Bat tun gl geriet gegeben ist. um befien ErEung wir b°ch nicht herumkommen. Tie verbündeten Negierungen sind nicht galant; fie wollen bloß die Männer dem deutschen Vaterlande erhalten, nicht die Frauen; die sollen sich die StaatSange- Hörigkeit erheiraten ! Bis 70 machte eine Lipperin, die einen Nicht-Lipper heiratete, ihren Mann zum Lipper (Heiterkeit). Für diese» alte Lippische Recht lieh sich wenig anführen, aber für den bei un» bestehenden Zustand, der in da» neue Gesetz übernommen werden soll, ebensowenig. Bei der Religion würbe man da» barbarisch nennen: soll da» für bie S3 a t e r l a n b » I i c b c nicht ebenso gelten? Dem Reichßgcdanken würden Sie weiter einen bebeutenben St. fallen tun, wenn Sie beim Uebergang von einem Bundeß'iaat zum andern bie Staatsangehörigkeit in dem neuen Bundesstaat nicht erst von einem Antrag abhängig machen. Soll doch der den Antrag stellen der sagt: Der Teufel hol' das Treiben, wir wollen Preußen bleiben 1 Tüchtigen, einwandfreien Ausländern sollte man es nickt so schwer machen, Deutsche zu werden. Jetzt soll die preußische Praxis in ganz Deutschland eingcführt werden. Ich habe mich geschämt für die preuhische Regierung, al» ich die erschütiernden Fälle bcS Abg. Hangen hörte. Ten in Deutschland geborenen Abkömmlingen von Außlan - dem mühte man doch ohne weitere» da» Bürgerrecht geben; so müsten sie sich nach vielen Jahren die Ausweisung gefallen lasten, sich in ihr sogenannte» Heimatland abschieben lasten, besten Verhältniste sic gar nicht kennen. Wir haben in Deutschland eine ganze Reihe von kerndeutschen Personen, die Ausländer, die Dänen sind, mitten im Reichel Hoffentlich erfährt der Entwurf in der Kommission eine Gestaltung, bah wir ihn annehmen können. Abg. Frhr. v. Richthosen (9?atL): Wir haben ein starke» Interesse baran, die Deutschen im AuSlande bei unS zu behalten. Ter deutsche Handel hat einen grohen Aufschwung genommen; der deutsche Kaufmann ist eß, der daß Deutschtum im AuSlande vormhmlich vertritt. Diese Kräfte können dem Reiche noch weiter wesentliche Dienste leisten, wenn sie Deutsche bleiben. Andere Staaten sind viel strenger als wir bisher waren. In England wird nur derjenige zur Börse in London zugelasten, der die _ englische Staat», angehörigkeit besitzt. In Südamerika ist eß ähnlich. Wir sind im Prinzip durchaus damit einverstanden, dah AuSlandSbeiitsche ihre Rechte verlieren, wenn fie ihre Militärpflicht nicht erfüllen. Für solche Persönlichkeiten, Die sich um Tcutschland nicht kümmern, kann die Macht de» Deutschen Reiche» nicht in die Wag- chale geworfen werden. Alle Erleichterungen müsten natürlich zugelasten werden. Deutsche, die aucländische höhere Schulen besucht haben, sollten unter erleichterten Bedingungen zum einjährig-freiwilligen Dienst zugelasten werden. Wenn wirk- lich alte Veteranen auß Nordschleßwig auSgewiesen sein sollten, jo bitten wir um Aufklärung. Bei der Anmeldung von Aus- ländern sollte eine Frist für da» Einspruchsrecht der Bundes- floaten festgelegt werden. Man darf nicht rigoros fein. ES sollte auch festgelegt werden, welche Grunde zur Ablehnung einer Anmeldung berechtigen. AuSgeschlosten werden müsten alle konfessionellen Momente. Wir dürfen anderen Läntern nicht nacheifern. Wir muffen die Toleranz üben, Die die Verfassung unß vor schreibt. Wir sollten eventuell auch ausdrücklich im Gesetz seftlegen, dah konfessionelle Momente nicht maß- gebend fein dürfen. Leider geht ein leiser partifulariftifdjer Zug durch das Gesetz. Die Gesandtschaften der einzelnen deutschen Bundesstaaten im AuSlande gehören nickt zu den wünschenswertesten Erscheinungen de» nationalen Leben». Sie könnten allmählich verschwinden. Wir hoffen, oah baß Gesetz ta» deutsche Ansehen stärken wird. (Beifall.) Abg. Dr. Seyda (Pole) 7 Die Vorlage ist nach vielen Richtungen hin berbtfierungß- bedürftig. Wir werden in der Kommission milarbeit’n. Tie Vorlage geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Das Schußfruppen-ßefefj. Staatssekretär deS Reichskolonialamts Dr. Sols leitet die erste Lesung ein: Tiefer Entwurf eine» Schutztruppen- gesctzeß konsolidiert nur unb faht alles zusammen, unter Weglassung der vielen Bestimmungen, die mit Rücksicht auf die inzwischen veränderten Verhältnisse in den Schutzgebieten obsolet geworden sind. Wir schaffen die rechtliche BasiS, die in den Schutzgebieten bereits durch Hebung besteht. Die Notwendigkeit de» Gesetzes war besonders durch die Verhältniste des Schutzgebietes Südwestafrika begründet. Hier lebt die gröhte Anzahl von weihen Ansiedlern, hier besteht eine Schutz- truppe von deutschen Soldaten. Ta hat sich herauSgestellt, dah auf Grund der Bestimmungen de» alten Schutztruppengesetzes d i e Wehrhaftigkeit nicht genügend gesichert ist. Aller- ding» hat der Gouverneur die Befugnis, in Zeiten von Aufständen diejenigen Mannschaften deS Beurlaubtenstandes, die dort an- lässig sind, zur Verstärkung der Schutztruppe heranzuziehen. Ta» ist aber vom militärischen Standpunkte auß keine genügende Mah- regel, da die Zahl der in Betracht kommenden Personen gering ist, zudem gehören sie meist zu den Fuhtruppen. Jetzt sollen möglichst alle Wehrpflichtigen, fofern sie eß nicht vorziehen, in der Heimat ihrer Dienstpflicht zu genügen, in die Schutztruppe einge- siellt werden. Infolgedessen muh im Schutzgebiet auch eine Kontrolle eingerichtet werden. E» soll den Gouverneuren genügend Spielraum gegeben werden, ob fie Kontrolloersammlungen für nötig kalten, ober bie Kontrolle anderweitig regeln wollen. Wie baß Gesetz wirken wird, wird sich erst nach einigen Jahren zeigen können. Wir hoffen aber, Loh wir damit die vom Reichstage so oft geäuherten Wunsche nach größeren Ersparungen bei den Schutz- truppen erreichen werden. Tic Verwendung des neuen Be- urlaubtcnslandeß denken wir unß etwa derart: ES fallen zunächst diejenigen weg, die als Farmer angefiebelt sind und im Ernstfälle daher wegen deS Schutzes ihrer Farm unabkömmlich erscheinen. Tann fallen weg die Mannschaften, die als Polizeitruppen eingestellt sind. Von ten übrigbleibcnbcn Mannschaften sollen bann so viel Kompagnien geschaffen werden, al» eß bie Anzahl gestattet. Tie nicht in bie Kompagnien eingestellt sind, werden in festen Plätzen verwendet. Ter Entwurf ist nicht schematisck, et ist so frei gearbeitet, baß den Gouverneuren bie praktische Ausarbeitung Der notwendigen Bestimmungen überlasten bleibt Dir können un» freuen, da st wir schon nach den ersten 25 Jahren in den Kolonien so weit gekommen sind, datz die dortigen Verhalt- niste die Vorlage dieses Entwurfes vom militärischen Standpunkt auß gestattet. (Beifall.) - —---- Abg. Roske (So-.): Der vorliegende Entwurf wird den im ReichSlay wiederholt geäußerten Wünschen nicht gerecht. Man kann sich, wie eß scheint, von der Sckablone nicht loelöfen. Im grotzen und ganzen enthält die Vorlage nur Selbstverständlichkeiten. Mit der A u » - Nutzung der Wehrkraft der Kolonien sind wir im Prinzip einverstanden, weil wir eine finanzielle Entlastung deß Mutterlandes davon erwarten. Aber die Einzelheiten können wir nicht billige». Abg. Erzberger (Zenir.): Ich stehe der Vorlage skeptischer gegenüber al» der Vor. rebner. (Hort! hort!) Vorsicht! muh eß beihen. Hier liegen Fußangeln! Wir wollen doch vor allem am Reichßzusckuß sparen Aber man darf doch nickt alle» ein'ach vom Reiche auf Südwestafrika übertragen. Wa» würde da» allein an Kilometergeldern für die Kontrollveisammlungen kosten! Ter Reichstag würde die Hände über den Stopf schlagen. Der Entwurf mutz wesentlich umgeftallet werden, weil er sonst erhebliche Nachteile für unsere ganze koloniale Entwicklung bringt. (Hört! dort!) Wieder sollen die wichtigsten Punkte durch kaiserliche V fror D n u n g geregelt werden. Da» macheii wir nicht mit, der Reichstag soll mitbeftimmen. Wir haben mit den Vorgängern deß Staatssekretärs zu unangenehme Erfahrungen gemacht. Und wenn man gegen die Miherfolge solcher kaiserlichen Verordnungen protestiert, bann heiht eß, man greift in die Rechte de» Kaiser» ein, obwohl nur Fehler der Bureaukratie vorliegen. Wir wollen alles in» Gesetz hineinbringen. Weiter will man die Budgetrechte des Reichstag» vermindern, -bisher konnte nur der Reichstag bestimmen, wo Sckutztriippen hingelegt werden sollen. Jetzt will man da» allein mackfn. Ta» geht nicht. Ueberall sehen wir bei diesem Gesetz ein lieber- wuchern beß Militarismus in [einen schlimmst e n Schattenseiten. Tie Slarbinalfrage, wem benn bie sckutztruppen unterstehen, bem Gouverneur oder dem Kommandeur der Sckutztruppe, übergeht man mit Stillschweigen. Man sagt einfach: dem Kaiser! Da» ist ganz neue» Reckt in unseren Kolonien. Wenn die Offiziere brautzen da» erste Wort fügreif sollen, bann kann baß bedenkliche Folgen haben, bann wird leicht loSgescklagcn werben, bamit bie Herren ihre Orden mit Schwertern bekommen. Wir müsten doch eine beranhvortlute stelle haben, an bie wir unß halten können. Tie Pensionen für die Schutztrupve wachsen erschreckend. Ungeheuer viele jungt Cfrijicrc, bie während beß Aufstande» draußen waren, sind in Pension gegangen. Das alle» wird gemacht ohne jede Gegen- zeichnung eine» ocranhoortlidycn Staatsbeamten. Diese Lücke must in Der Kommission auSgefüllt werden. Wichtig wäre eß, daß wir schon in der Kommission Mitteilungen erhalten, wieweit da» Strafverfahren in den Kolonien geän- bert werden soll und ebenso, ob unb wieweit das hinsichtlich des Strafrecht» geschehen soll. Ta» Ehrengericht mit all feinen Vorschriften nadi den Kolonien hinanSzutragen, da» streift doch geradezu an Lächerlichkeit. Und dann sonst die K i n b e r ! r a n i • heiten: Marmorwaschtische für den Hauptmann, Schiefer für den Leutnant! (Heiterkeit.) Man muh doch die verhältniste in Afrika berücksichtigen. Abg. ©ötting (Natl.)k Wir Nalionalliberalcn begrüßen die Vorlage mit Freuden. Da» Gesetz tritt in die Zukunft mit den Grundgedanken, daß jeder Deutsche der Fahne de» Kaiser» folgen soll, der Grundgedanken der Kriegsbereitschaft. E» ist unsere Ehrenpflicht, die Wehrpflicht durchzuführen; eS wird sich ja erst für die Sohne unserer jetzigen Ansiedler geltend machen. Dann werden die teuersten unserer Truppen, die wir jetzt auS der Heimat herüber- schicken, dem Reiche auch nicht mehr die Kosten machen. Südwestafrika ist ja in dieser Beziehung am weitesten voraus. Meine politischen Freunde, wenn sie auch nicht der Ansicht deS Grafen PosadowSky sstid, daß Forderungen der Militarver- waltung Vertrauenssache sind, sind doch dec Ansicht, dah für Die Schutzgebiete die Verantwortlichkeit der dortigen Befehlshaber eine größere Rolle spielt und danach die Frage der Verminderung oder Verstärkung der Schuhtruppe zu beurteilen ist. Ter lauer- Ischen Verordnung ist für Südwestafrika ia nichts weiter überlasten, al» fut den Kriegsfall bie Einberufung beß Land- tage». Wehrpflicht. UebungSpflicht unb Kapitulation an Ort und Stelle, mit dem einjahrig.zwei)ährig-freiwivigen Dienste, da» wirb unserer Jugenb ben Anreiz geben, hinuberzu- neuen in die Schutzgebiete. Die bubgetrechtlichen Fragen werben in ber Kommission geklärt weiden. Die Leute drüben sollen sich zu einem tüchtigen ßeereßteile zusammenschlietzen, nicht einer Miliz, sondern toic da» Heer .m Mutterlande stolz unb kriegsbereit unter dem Befehle beß Kaiser». (Beifall.) Abg. b. Böhlendorfs (Kölpin, Kons.): Die» Schutztruppengesetz ist ein sehr erfreuliches Zeichen für die Entwicklung ber Kolonien. Alle Vorredner haben bet vollen Ausnutzung der Wehrkraft in den Schutzgebiten zugestimmt. Die Kolonialverwaltung wird — wir hoffen da» zuversichtlich — dafür sorgen, baß bas Ersatz- und Kontrollgeschäft usw. praktisch unb vor allem wohlfeil eingerichtet ist. Daß eß möglich ist, Kriegsfreiwillige aufzunehmen, ist eine wesentliche Verstärkung der Wehrkraft; auch Ausländer, natürlich wird man sie sich genau ansehen. Ter Redner feiert bie jungen Deutschen, die beim Ausbruch beß Aufstandes die Flinte nahmen unb als herrliche, brave Deutsche den >od sanden, u. a. Graf Arnim. Mit einer Kommissionsberatung sind wir einverstanden. Abg. Tobe (fr. Vp.): Eine kaiserliche Verordnung im staatsrechtlichen Sinne untersteht der Vetantwortlichkeit beß Reichskanzler». Nun hat Herr Erzberger sich auf den Vorgänger de» ©taatßfejretarß berufen, nicht auf den unmittelbar, n, sondern den vorher, ben er besonders gern zitiert. (Heiterkeit.) Dcrnburg soll einen Sn- griff auf eine kaiserliche Verordnung al» (Eingriffen bie Reckte deS Kaisers erklärt haben Dos war wohl nur ein kleiner Kunstgriff, iHeiterkeit; Erzber'qer ruft: Da» wollte id> au» Jbnen heran »haben) — Heiterkeit.) Uns ist eine kaiserliche Verordnung lieber al» eine solche nachgeordneter Stellen. Abg. b. Liebert (Rv): Hoffentlich werden die Bedenken beß Abgeordneten Erz- berget» in ber Kommission zerstreut. Wir erwarten von dem Gesetz eine gute koloniale Forderung. An bie Maschinengewehre darf kein Farbiger heran, damit nicht große Gefahren herauf- beschworen werden. Wir brauchen noch viel Weiße, besonder» in Lüdwest unb Kamerun. Dankbar gedenken wir unserer tapferen Schutztruppen, die in den Gefechten geradezu heroisch waren. (Beifall.) Staatssekretär Dr. Sols: Die Kolonialverwaltung kann mit dieser Debatte zufrieden sein. Ter Grundgedanke be» Gesetze» ist allseitig al» richtig an- erkannt worden. Die dankenswerten Anregungen werden wir prüfen, und ihnen überall — wo e» nur möglich ist — gern nachgeben. (Beifall.) Die Vorlage geht an die Budgetkommisfron. Mittwoch, 1 Ubr: Zweite Lesung deß Etat» (ReichSamt de» Innern). Schluß 6 Uhr. Klammern () ) (+ D Nlai-Jum 118.00 (4- 1.00) Mk. Meteorologische Beobachtungen der Station Sieb«. s C Oil •o Wett« 26. bis 27. 26. 27. Vor Katarrh sich schützen in allen Apotheken 1 M,rt - n A n zx* k z>l- <* L r ATI TDIAIZ avon6eife eine neuartige Haushaltseife sw NW SSW 9 5 9 (- (- (- (- (- (- (- (- (+ (- 208 (4- 207 (+ 208 ( - 204 (— 202 (— Kindermehl 180 184 185 181 181 190 X 185 187 187 187 196 195 195 194 200 200 210 213 218 206 214 213 217 222 */, 227'/, 231 1) 2) 1) 1) 3) ) 1) 1) 2) 2) 3) 3) 1) 2) 6) 2) 2) 2) (- ) (- 1) 205 (- 208 (— 207 (- CM X Krankenkost. ZA Höchste Temperatur am Niedrigste „ , Niederschlag: 0,1 mm. (- 6j (+ 1) (- 4) Sturm. Win! Bew. Himme Tunst Hervorragend bewührt« Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. Woche Mieder festere Haltung an, da 'Argentinien feine tbreiic erbi'htc. Tie Ernteaussichten in diesem Lande bleiben werter günstig, aber der Umstand, daß die anderen Provemen^n mdentheh teurer sind, veranlagt die La-Plata-Expotteure nchtlich zur 3urüd. Königsberg Danzig Stetttn Polen Breslau Berlin Dlagdeburg Leipzig Dresden Rostock Hamburg Hannover Düsseldorf .Köln Frankfurt a. M. Mannheim Straßburg von <7 fabelhafter Wafchkrast Februar = 4- 13,5' C. , --- + M*c. 6 2 2 212 216 200 200 210 2127. 215 214 Geriehtssaal. Hannover, 26. Febr. Tie Wahrheit des alten Sprich- ivortes, daß der Prophet in feinem Vaterlande nichts gilt, hat der Kaufmann Voigt in Einbeck erfahren müssen. Voigt ist ein eii- riger Agitator für die Antialkoholbewegnng. In seinen Mußestunden beschäsligte er sich daneben mit Prophezeien und bei dieser Tätigkeit hatte er vor kurzem herausbekoinmen, daß am nächsten 21. April, abends 10 Uhr, die Welt untergehen werde. Um nun die sündige Menschheit nicht ungewarnt in den unvermeidlichen Tod gehen zu lassen, setzte er sich hin und schrieb eine Broschüre, in der er die Ergebnisse seiner Untersuchungen über den drohenden Weltuntergang verössentlichte. Diese Broschüre enthielt die angeblichen Belege für seine Behauptungen, die im wesentlichen ans Bibel- prüchen bestanden. Aus seinen Agitationsreisen gegen den Alkohol hat Voigt auch die Broschüre vielfach abzufetzen gewußt. Leider zeigten die Behörden der betreffenden Städte recht wenig Verständnis stir den Prophetenberus Voigts, denn sie belegten ihn verschiedentlich mit Geldstrafen. Neuerdings hat er auch in Einbeck ein Strafmandat über 10 Alk. erhalten, da die Polizeiverwaltung in dem Vertrieb der Broschüre groben Unfug erblickte. Es stellten kick die Preise für mlandiicheS Getreide Om 1000 k" je nach Qualität, wode, (—) gegenüber der Vorwoche ;n folgt: Roggen Gute Gesundheit und neues Leben fiit Geschwächte. Gute Gesundheit ist das Geburtsrecht eines Jeden. Würden rot leben wie es die Natur verlangt, so würden wir uns immer gute Gesundheit erfreuen und ein hohes Alter erreichen. Aber die Ar forderungen an unsere Lebenskraft die 'Knivannuna unserer N" den, die Gcschästsiorocn, die schlechte Luft die mau in gronei Städten cinatmet, unterminieren unsere Gesundheit und reduziere uns zu ohmischer und geistiger Schwäche, Vlutarmut, Tcvremoi Schlaflosigkeit, Schwäche, Ncrvenzerrüttuug nnb die dolin Ein zeitiger Gebrauch von Leciierrin wird die Strafte idicöci betn die zerrütteten Nerven aussrischen und neue Lebenslust und (rncui werden eintreten. Leciscrrin ilt unumgänglich notwendig bei unlerv jetzigen Lebensweise und wird allenthalben gevriesen und verordne Preis Mk. 3.—, in Apotheken zu haben, sicher von llntor sitöts-Avotheke und Hirsch Avolheke Gießen. P*6 Febr. ||o 1912 j| 5 S 2 & l- "1 (- ) ist wichtiger, als ihn vertreiben und leichter dazu ; denn e« bei drohender Erkaltung, rauhem Hals u. drgl. ein paar uer > kannten Wybert-T abletten zu nehmen, die dem Hau * wohl tun. die Verschleimung beheben und die Stimme frei klar machen. Die Schachtel kostet in allen Apotheken 1 S|en s-.1“ul Niederlagen in Giessen: Pelikan-Apotheke, Krea»P»‘z_ bett, als sie vielfach wegen Mes geringeren Dreises Abnahme finden. Die Verwendung des Methylalkohols und methylalkoholartiger Präparate, die auch unter der Bezeichnung Spritol, Spritogen, Kolumbiaspiritus usw. im Handel Vorkommen, zur Herstellung von Heilmitteln, ist n. d. Tstdt. Ztg. den hessischen Apothekern bereits untersagt worden, aber auch zur Herstellung kosmetischer Mittel (Haarwässer, Parfüms usw.) soll Methylalkohol nicht teer» wendet werden, da nach den gemachten Beobachtungen auch dessen äußerliche Verwendung zu erheblichen Schädigungen der Gesundheit führen kann. letzten Markttag in Mark pro das Mehr (+) bezw. Weniger beigefügt ist, wie Weizen handel. Mannheim, 27. Febr. Tie auf heute vormittag 11 Ubr einberufene außerordentliche Hauptversammlung der Zellstoff, f a b r i f Waldhos, in der über die Erhöhung des Drundkamia um 7 Millionen Mk. Beschluß gefaßt werden sollte, war beschlu-- unfähig, da von dem Aktienkapital von 25 Millionen nur 3W; Stimmen vertreten waren, laut Gesellschaftsstatut aber mmde ui 4 die Halste des Aktienkapitals zur Beschlußfassung erforderlich n. wird daher eine neue außerordentliche Hauptversammlung au den 20. März ausgeschrieben. Märkte. — Kartosielmarkt-Bcricht vom 26. Februar 1912. Berlin; Rote Daher 'Mk. 4.2u—4.50, andere rote Sorten Alk. 3.60-3^', Magnum bonum 4.10—4.20, weiße runde 3.60—3.85. Breslau Rote Taber Mk. 3.20—3.50, andere rote Sorten 3.20 bis 3^ Magnum bonum Mk. 3.70—4.00, weiße runde Mk. 3.20-3,m Liegn itz: Rote Taber Mk. 0.00-0.00, andere rote 3ortr Mk. 3.50—3.90, Magnum bonum Mk. 4.00—4.30, weiße runbi Mk. 3.40—8.90 Dortmund: Magnum bonuni 4.00-4..V, weiße runde Mk 3.00 bis 3.40, Gelbfleischige rote 3.80 -4.fr. Leipzig: Rote Taber Mk. 0.00, andere rote Sorten 4.00-0.«», Magnum bonum 4.50—0 00, weiße runde 'DV 4.10 - 0 00, Gelt- fleischige blaue Mk 0.00- 0.00, Gelbfleischige rote Mk. 0.00-0.',>. Plaidt: Rote Taber Mk. 0.00 bis 0.00, andere rote Corm» Mk. 4,20—0.00, Magnum bonum Mk. 3.40—0.00, weiße nitrt 0 00—0.00, Gelbfleischige blaue Mk. 0.00—0 00, rote 3 51— C, refeld: Rote Taber Alk. 0.00—0.00, andere rote Sorten T k. 0 00- 0.00, Magnum bonum Alk. 3.70—3.90, weiße runde Tt 0.00—0.00, Gelbfleischige blaue Alk. 0.00—0.00, Gelbfleischige rvü Mk. 3.70—3.90. (Alles für 50 Kilo.) le. Frankfurt a. M., 27.Febr. Heu- und Strohmarff. Anaefahren waren 9 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4.30—4.60 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 0.00—0.00 Ti!. Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Tie Zufuhikn waren aus Sberhesien, den Kreisen Dieburg und Hanau. 2107. l- 1) 206 (— 2) 1) ) 2) ) 2) 3) 2) Stadt und Land. Gießen, 28. Februar 1912. Altgermanische Baukunst. In der hessischen Vereinigung für Volkskunde sprach am Montag abend Baurat Pros. Dr. Haupt über a l t a e rm an i s ch e Bau- lu n st. Ter Redner gab seiner Freude Ausdruck, wieder einmal vor seinen engeren Landsleuten zu sprechen. Er führte aus, daß die neue Art von Kunst, die heule in der (rntimettung begriffen ist, ■eng mit der alten zusammenhangt. Soll jedoch das Ringen der -neuen deutscl)en Kunst Erfolg haben, so muß sie vor allem germanisch bleiben. Was allerdings germanische Kunst ist, muß erst genau sestgestellt werden. Gegenüber der fremden ist „die deutsche Kunst bis jetzt in jeder Beziehung sehr vernachlasiigt worden. Freute man sich doch selbst in Mainz mehr über einen römischen Fund als über einen germanischen. Entgegen dem Redner bestreiten viele das Bestehen einer germanischen Kunst. Jener muß vorläufig noch den Beweis für seine Behausung .schuldig bleiben, da bedauerlicherweise zier Erforschung noch zu roenig getan ist. Im 5. Jahrhundert beherrschen Germanen die ganze bekannte Welt. In Frankreich, Spanien, Asrika, England, Italien bis zum Balkan, überall trcisen wir germanische Stamme. In dieser Zeit hat sich oud) ihre Kunst entwickelt. Sie hat sich dann weiter entwickelt bis zum heutigen Tag. Skandinavien nimmt dabei eine besondere Stelle ein, inbem es sich noch beute in einem gewissen Urzustand befindet. Aus der frühesten Zeit ist uns das meiste naturgemäß aus Grabfunden bekannt. Man llswöhtü sich bald an die eigenartigen Formen, die der Redner im Lichtbild zeigt. Nadeln und sonstige Schmuckgegenstände aus Eisen, Bronze, Silber oder Gold. In einem Grabe bei Reichen hall wurde eine Gürtelschnalle aufgedeckt, die in ihrer Ausführung nur bei den Bayern und Franken höchstens noch bei den Burgundern vor- tommt. Diese Sachen sind sehr schön, aber sie stehen der Gegenwart noch sehr fern. Einen viel höheren Grad der Vervollkornrn- ■nung hat eine Spange, die bei Mailand gesunden wurde, erreicht. Wenn man «bedenkt, daß diese Gegenstände aus dem 6. und 7. Jahrhundert stammen, so muß man über diese Leistungen staunen. Der Schatz der in Childerichs I. Grab gefunden wurde, ,jst leider zum größten Teil verloren gegangen. Die spärlichen Reste beweisen aber noch zur Genüge, auf welcher künstlerischen jHöhe die Verfertiger standen. Die Technik, in der alles gearbeitet 'wurde, ist der germanischen Rasse eigentümlich. Sie hält einen Vergleich mit der griechischen, römischen und ägyptischen, die ffckpm jahrtausende älter sind, voll und ganz aus. Einem Priestergrab bei Tobdo in Spanien entstammen mehrere IHängekronen, die vielleicht jn ihm beim Einfall der Araber versteckt wurden. Jn einem alten Kloster des Rhonetales hat sich leine Kasette aus Gold gefunben, auf deren Rückseite Namen liehen, von denen zwei als die der Verfertiger aufgefaßt werden müssen. Es ist dies die älteste Namensnennung von Kunstgewerblern. Ter Altar des heiligen Ambrosius in Mailand ist da7 schönste derartige germanische Künstdenkmal. Die Zwinge der Schwertscheide ,eines Wickingers beweist, daß deren Kunstgewerbe in höchster Blüte stand. Man nahm immer an, daß unsere Kunst aus dem 'Süden und Osten ftamme. An einer Reihe von Beispielen zeigt der Redner jedoch, daß wir ruhig eine Einwanderung von Norden her annehmen können: Jn dem ältesten bekannten Kriegsschiff der Wickinger ist ein Häuschen, das, wie das game Schiff überhaupt, die schönsten Holzschnitzereien aufweist. Ein alter Türpfosten an einer Kirche am Hardangcr Tjord zeigt dieselben herrlichen Schnitzwerke. Diese Holzhäuser, wie wir sie noch beute litt Skandinavien finden, müssen früher in Deutschland allgemein gewesen sein, denn Jllfilas kennt das Wort Mauer und Maurer ,gar nicht. Es folgen Steindenkmäler, an deren Ausführung man noch ! deutlich die Entwicklung aus der Holzbearbeitung sieht. Die schönen !Holz Hoftore der Wetterau sind ebenfalls auf germanische »Kirnst '.'mück zu führen: denn dieselben finden wir in Siebenbürgen: das schon vor mehr als 500 Jahren von Sachsen bevölkert wurde. Der Redner führt uns zu den Denkmälern in Italien, wo vor allem das Theodorichgrabmal auffällt. Eine Zeichnung davon vom Vortragenden drückt die erhabene Ruhe nordischer Heide- llandschasten aus. In Spanien finden wir Kirchen, an denen der nordische Huseisenbogen schon im Jahre 660, also vor Eindringen Iber Araber, angewandt wird. Mer auch sonst trägt alles den Dypus echt nordischer Kunst. Der Vortragende schließt damit, -daß wir nur stolz auf unsere Erzeugnisse sein können, und daß Itoir soweit »kommen müssen, daß zur Erforschung der deutschen ! Kunst, die iwch so wenig bekannt ist, dieselben Mittel betoüligt werden, wie für die fremde. Der Beifall der zahlreichen Zuhörer zeigte, daß diese mit Spannung den Ausführungen gefolgt waren. ♦ ** Versichern ngspflichtige kaufmännische -Betriebe. Von der Handelskammer wird uns geschrie- !ben: Da in den beteiligten Kreisen über die .Anmel-« chungspflicht zur Unfallversicherung noch viel- jfach Unklarheit zu bestehen scheint, sei nochmals hervor- gehoben, daß dnrch die Reichsversicherungsordnung die Versicherungspflicht auf eine Reihe von Tätigkeiten ausgedehnt worden ist, welche bisher der Versicherungspflicht nicht unterlagen. Denn der neue Begriff „Handhabung nnb Behandlung der Ware" umfaßt neben den eigentliüien Lagerungsarbeiten, welche bisher allein versicherungspflichtig waren, auch alle übrigen dem technischen Teile des Betriebes angehörendcn Verrichtungen, welche zu der bischer unversicherten Vert'aufstätigkeit in näherer Beziehung stehen, wie das Herbeiholen, das Borlegen, das Umsehen ■mit der Ware zum Zwecke des Verkaufs. Unversichert Ibleiben nur die Arbeiten int Kontor und an der Kasse. Der Strcid der Versicherten ist auch insofern ausgedehnt ivor> jlben, als der Inhaber des Betriebs nicht mehr im ^Handelsregister eingetragen sein muß. Die Versiche- runaspflicht tritt also in jedem Falle ein, sobald ein ge- gverblicher Angestellter (Hausdiener, Markthelfer, Laufbursche, Kutscher usw.) oder zwei kaufmännische Angestellte i(and) Lehrlinge! in dem mit eineih kaufmännischen Unternehmen verbundenen Betrieb dauernd das ganze Jahr hindurch beschäftigt werden. Da auch die Wartung und Pflege von Vieh durch den Viehhändler als Behandlung und Hano- Ihabung der Ware gilt, unterliegen deshalb auch die Betriebe der Viehhändler und ähnliche unter der :gleichen Voraussetzmig der Versicherung. ** Die Berivendung von Methylalkohol. Wie den Tagesblätterm zu entnehmen war, sind kürzlich in Berlin infolge des Olenusses geistiger Getränke (Brannt- hvein), die mit Methylalto h ö l (Holzyeist) verseht waren, zahlreiche und schwere Vergiftungsfälle vorgekommen. Außerdem ist bekannt, das; infolge des Genusses von Methylalkohol ErblindunasfäUe vorgekommen sind. Die Herstel- llung und der Verkauf derartiger Getränke sind nach dem ".pahrungsmittclgeseh und dem Reichsstrafgesetzbuch als Verfälschungen anzusehen und daher strafbar. Es muß rvor dem Genuß solcher Getränke umsomehr gewarnt wer- Stsrkenburg und Rheinhessen- --Darmstadt, 26. Febr. Der Vorstand des Landesverbandes der Hausbesitzervereine im Großherzog Lum Hessen hielt am Freitag hier eine gemeinschaftliche Sitzung ab. Es waren vertreten Mainz, Darmstadt und Gießen (Fabrikant Jnderthal). Ferner war der Gesamtvorstand des Allgemeinen Hausbefitzervereins Darmstadt erschienen. Die Wasser- und Kana l g e b ü h - renfrage erregte eine sehr ausgedehnte Besprechung, an der sich fast alle Anwesenden beteiligten, so daß die Frage, über die an und für sich besondere Meinungsverschiedenheiten nicht herrschten, spruchreif wurde. Direktor Volk- Mainz wurde von der Versammlung mit Abfassung der beschlossenen Denkschrift an sämtliche städtischen Behörden Hessens, die Wasserleitungen haben, betraut. Seine vor- getragenen Ansicyten fanden den vollen Beifall der Versammlung. — Weiter wurden die Belästigungen und Schädigungen der Hausbesitzer in den Straßen der größeren Städte besprochen, in denen Kraftfahrzeuge, als Last- automobile, eventl. noch mit Anhängewagen, Automobile selbst, sowie Autodroschken vorwiegend verkehren. Tie Anregung dazu haben Hausbesitzervereine des Königsreichs Sachsen gegeben. Da die Sache nicht durch die lokalen Behörden erledigt werden soll, weil der Verkehr solcher Kraftfahrzeuge durch Bundesratsverordnung, wenn auch nur manaelhast, geregelt ist, so kann nur an die Regierungen das Ersuchen gestellt werden, daß sie entweder erweiternde Ausführungsbestimmungen hierzu erlassen oder sich um den Erlaß solcher an den Bundesrat wenden. Eine in diesem Sinne zur Vorlage gebrachte Eingabe an das Ministerium des Innern fand einstimmige Annahme und wird bald abgehen. Die Eingabe betont besonders die Gefahren für andere kleinere Fahrwerke, sowie bei Personen für Leib und Leben, insbesondere älterer oder mit Gebrechen behafteter, beim Ueberschreiten der Straße. Auch die abscheulichen Geräusche und das Getute solcher Fahrzeuge fanden dabei Berücksichtigung. — Letzter Gegenstand der Tagung war die Organisation des Landesverbandes. Die Hauptversammlung des Landesverbandes findet im Mai, Landwirtschaft. -n. Göbelnrod, 26. Febr. Am Samstag abend fand im Saale des Gastwirts Ehr. Schultheiß eine gut besetzte Versammlung von hiesigen Landwirten statt. Techniker Kreuz von der Landwirtschaftskammer hielt einen interessanten Vortrag über Reinzucht be§ Vogelsberger Viehs. Hieran anschließend wurden noch Düngungs- und sonstige landwirtschaftliche Fragen erörtert. Am Schlüsse des Vortrags wurde dem Redner der Tank der Versammlung durch Bürgermeister Damm ausgesprochen.______________________________________________________ Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschastsrats turnt 20. bis 26. Februar 1912. Vorn Auslande lagen für den Getreidehandel in der Berichts- Woche keine neuen Anregungen vor. Die Forderungen für ausländischen Weizen waren nicht sonderlich verändert, jedenfalls scksten die Zurückhaltung der Käufer nur wenig Eindruck auf die Exportländer zu machen. Wie vorausMsehen war, hat Argentinien nach Beendigung des Streiks seine Ausfuhr gesteigert, ohne den Weltverschisfungen damit größeren Umfang zu verschaffen, da die übrigen Gebiete weniger exportierten. Jn Deutschland übte die unbefriedigende Lage des Mehlgeschäftes sowie Mangel an Exportgelegenheit einen ungünstigen Einfluß auf das Weizen- geschäst aus, aber das zeitweise kältere Wetter und vereinzelte Klagen über die Saaten veranlaßten die Abgeber am Lieserungs- marfte zu größerer Vorsicht, so daß sich die Preise für Mai und Juli um 1,00 Mark, für Herbst sogar um 2»/« Mark bessern, diesen Gewinn aber nicht auf die Dauer behaupten konnten: immerhin sind gegenüber der Vorwoche noch Fortschritte von Vi—3,i sestzuftellen. Roggen hatte im Warengeschäft gleichfalls sehr stillen Verkelw, und der Export befunbete nur für spätere Abladung Interesse. Andererseits war das Angebot vom Jnlande keineswegs reichlich, und da auf dem Lieferungsmarkte zeitweise größere Kaufaufträge für rrcntbe Rechnung ausjuführen waren, so konMe nameMlich der Julitermin bis 3,00 Mark im Werte anziehen, während die Gewiime für Mai und September sich in engeren Grenzen hielten. Auch hier konnten sich die Höchstpreise der Woche indessen nicht voll behaupten. Tas Hafergeschäst behielt auch in der Bettiebswochc seinen lustlosen Charakter bei, aber die Provinz hielt wieder mehr auf Preise und sowohl in den russischen wie in den argentinischen Forderungen sprach sich zuletzt größere Festigkeit aus. Für russische Gerste, deren Preise in der letzten Zeit um ungefähr 10 Mark nachgegeben hatten, ohne daß Rußland dieser Bewegung gefolgt wäre, begann sich das Interesse wieder $u heben, so daß zuletzt erhöhte Forderungni bewilligt werden mußten. Auch Mais nahm um die Mitte der Hafer 192 (4- 2) 190 (- 2, 195 (- 1) 191 (- 1, 191 (- 1) 209 (4- 1) 208 (- 1) 215 (- 1) 209 (4- 1) 195 (- 3» München — , , -- , „ ,- _ Weltmarktpreise: Weizen: Berlm Ma, 214.75 (4 (L25i: Budapest April 199.65 (— u.70); Liverpool März 176.^ । — 0.70); Vans Februar 218.60 (— 0.40); Chicago Mai 155 (ü (4- 0.20). Roggen: Berlin 'Dlhi 194.50 (4 1.00). Hafer: Btrln Mai 195.00 (4- 3 5 ). Futlergersie: cif Hamburg Februar 154.7j (4- 0.75), März 154.00 (+ 0.50). Mais: Mixed Februar»M:z 134.50 (4- 0.60), Odessa schwimm. 132.00 (— 1.00), La Plaia if . • ■ liefen billigst die ßrflhfic» Kuverts mit Firma sä’ 27 2" 750,2 13,0 7,4 60 63 27 । «54,6 8,4 73 28. »l. •54,1 1 7,1 6,8 91 Preis pro Stück 20 Pfg. — Jetzt überall erhältlich