nächst ist der jugendliche Kriegswissenschaftler ein wenig verlegen und will nicht recht mit der Sprache heraus. Auf kurzes Zureden cn.fd/lieBi er sich dann aber zu dem verlangten Kommentar und erwidert stramm: „Weil, Herr Oberst, Friedrich der Große bei solchem gemeinen Wetter in den Winterquartieren geblieben wäre!" — Verkauf einer berühmten Künstlerkneipe. Wir lesen im „L. 91.": „Simpliziksimus", die berühmte Bo-» hämekneipc und Ursprungsstätte der Kabnrettabende der „Elf Scharfrichter" ist von der gleichfalls berühmten Besitzerin Kathie Kobus an einen Fremden verkauft worden. Die Kobus, die als Bauerndirne nach München kam, war zuerst Kellnerin und betrieb dann ein win iges Telilatesiengeschäft, bis sie ihre heutige Wirtschaft als bescheidene Künstlerkneipe eröffnete. Von Rudolf Wilke, dem verstorbenen Zeichner des „Simplizissimus", kaufte sie dann eines schönen Abends gegen verschiedene Flüssigkeiten den Namen „Simplizis.imus" und als Wavpenti r Theodor Thomas Heines groben Bullenbeißer. Auch Fürstlichkeiten haben diese berühmte Bohömekneipe besucht; so erschien eines Tages auch der Kronprinz mit zwei jungen bayerischen Prinzen inkognito bei Kathi Kobus. Diese achtete das Inkognito der Hoben Herren so gründlich, daß sie mit dem Kronprinzen ein Gespräch anknüpftc und dabei so furchtbar auf die Preußen schimps;e, daß er völlig davon überzeugt war, daß sein Inkognito auch tatsächlich gewahrt wurde. Auch König Georg von England stattete dieser Münchener Sehenswürdigkeit einen Besuch ab. Bekannter aber noch als durch die so eigenartig erworbene Schild- gerechligkeit der Künstlerkneipe ist Kathi Kobus selber geworden. Sie hat als wohlwollende Herbergsmutter manchem jungen hungernden Talent durchgeholfen und sich bei dieser Gelegenheit eine schöne Bildergalerie zügelest, worauf sie ebenso stolz ist, wie auf ihren hohen fürstlichen Bestich. — Kunsthistorische Entdeckungen in Italien. In Ravenna hat man Lirzlich, wie der Cicerone berichtet, Reste des ältesten byzantinischen Baues entdeckt, der etwa LOO Jahre vor der Gründung des unter Theoderich begonnenen Tempels entstanden sein soll. Reste von figürlichen und ornamentalen Mosaiken und die marmorne Basis des ältesten Altars sanden sich an der Stelle, wo der heilige Vitalis die Marter litt, unterhalb des jetzigen Fußbodens. Tie Arbeiten werden eifrig fortgesetzt. — In V i t e r b o wurde auf der Fassade des Municipal- gebäudes ein vortreffliches Fresko, Madonna mit Stint) von Heiligen, darunter der hl. Hieronymus und der hl. Antonius, umgeben, bloßgelegt. Das Fresko reicht wahrscheinlich ins 14. Jahrhundert zurück; im 15. Jahrhundert ist es ausgebesieri worden. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Die Gesellschaft für experimentelle Psychologie hält ihren nächsten Kongreß vorn 16. bis 19. April 1912 in Berlin ab. " 3.75 " 4-7) " bH 100 » &öo M‘Zitr0|ie rosse" " 4,,d 100 Stück VN. LA wmbiiiijeptf .WM« *! 10.', 11-, 12. | ■hiilnH ■esprelsc. i* Garte as6 Babubofük, lb Ecke i!ndwigist< oSarktUBmii ™ Preisen! U 100 2L rosse” ” inei Freitag, 26. Januar (912 Erstes Blatt 162. Jahrgang iekener Anzeiger Die heutige Nummer umjaht 12 Seiten. 5 3 45 2 1 41 Welfen, Bayerischer Bauernbund« . Nationalliberale, Bauernbund, Bayerischer Liberaler, VezuqSvrei ): monatlich^ Vi., vierteljährlich Pik. 2.20; durch Adhole- iu Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post 'Ulf. 2.— uiertel- jährl. auSschl. Bestetig. ZeilenpreiS: total 15 auswärts 20 Pienniq. (5 heiredakteur: 91 Goetz. Verantwortlich für den politischeu Teil: August Fortschrittliche Volksparter, 110 Sozialdemokraten, 5 Elsässer, Der neue Reichstag. Berlin, 25. Jan. Nach Erledigung der heutigen W Stichwahlen ergibt sich folgende Zusammensetzung des Reichstages: 12 Konservativ^ 14 Reichspartei, 10 Wirtschaftliche Vereinigung, 3 Deutsche Resormpartei, 18 Polen, 93 Zentrum, . ur. 22 ler »lchenrr Anzeiger ischeinl täglich, außer " 3onntagS. — Beilagen: |f o eriual wöchentlich »ehenerZamilllndlätter iiurnnnl ivöcheiul.KreiSi Matt für den Kreis (Sieben T ienstog und Freiing); iveimal monntl. £anb; oirtschaslliche Zeitsragen t ^ruiprech - Anschlüsse: ir die 'Jiebnflion 112, __— - _ Ä ee ** 7, - ,, ... BxS? General-Anzeiger für Oberhessen SMe n°tat'onrdr>ick und Verlag der vrühl'lchen Univ.Guch- und Steindruckerei N. Zange. Nedaltlon. 6rpe6ition und Druckerei- Schulstrobe 7. tis oormillngs 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Auzelgentest: p. Beck. Politik ist. . . . . , Der „Börsenkurier" zweifelt mebt daran, daß jetzt nach den Wahlen die Gegensätze zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie wieder hervortreten werden. Jetzt sei es an der Sozialdemokratie, zu zeigen, ob sie zu praktischer Arbeit bereit ist. Eine unfruchtbare.VerncinungspolitA würde nur für sie der Anfang vom Ende ihrer jetzt gewonnenen. Stärke bedeuten. Die „V o s s is ch e Z ei t un g" begrüßt die Zertrümmerung des schwarz-blauen Blocks und bedauert, daß die Fortschrittler und die Nationallibcralen in verminderter Stärke zurückkehren und stellt das angcheure Anwachsen der Sozialdemokraten dem Schloßherrn von Mein-Tschunkawe^in Rechnung. Das freisinnige Blatt bezweifelt, daß Graf Schwerins abermals Reichstagspräsident werde und meint, für die Erbanfallsteuer, deren Wiederkehr mit Sicherheit erwartet werde, gäbe es im neuen Reichstage eine Mehrheit. Die „Post" hält es für gar nicht ausgeschlossen, daß der neue Reickjstag, der ein Mehrer der Reichsnot, aber kein Um- merter 511 neuen besseren Werten fein könne, sehr bald ausgelöst: werde Das sreikonfervative Blatt gibt zu, daß die konservativ- l'ierilale Mehrheit zertrümmert ist. Mit mindestens neun Stimmen Mehrheit stehe int neuen Reichstag der Block von Bassermann bis Bebel dem sogenannten schwarz-blauen Block gegenüber. Für Die derzeitige Regierung sei die Zusammensetzung des neuen Reichs- rages außerordentlich bequem, da der Reichskanzler mit der Mehrheit arbeiten werde, welche sich sinde. Tas Blatt befürchtet, daß Oie Regierung sich breitschlagen läßt, wenn die neue^ Mehrheit auf die Erbanfallsteuer zurückgreift, was nähe liege. Tas würde aber eine ernste Krisis bedeuten. Das „Berliner Tageblatt" erklärt die schwarz- blaue Mehrheit jetzt für abgetan. Die Linke, zu der das Blatt die beiden liberalen Parteien, die Sozialdemokraten, den liberalen Lothringer, die beiden bayerischen Bauernbündler und den Dänen rechnet, verfüge im neuen Reichstage über 203 Stimmen. Sie habe also eine, wenn auch kleine Mehrheit für sich. Der „Vorwärts" sieht triumphierend schon den Siegestag lieraufkommen, den Tag der Völkerverbrüderung mtd Böllersreih.'it, den Tag des Sozialismus. Nach dem Blatt hat der schwarzblaue Block aufgehört, da er Inrr über 195 (Stimmen verfüge Der „Vorwärts" fordert die Liberalen auf, zu zeigen, was lie können Sie trügen jetzt die Verantwortung, doch glaubten Die Sozialdemokraten an feine Unterstützung gegen den Imperialismus und seine Begleitersck-einungen, Wettrüsten, Kolomalpolrtif, Särutzzöllncrei. Aber die Liberaleii hätten getobt, für freiheitliche, politische Entwickelung und soziale Verbesserung einzutrelcn Tie letzten Stichwahlen. Marienburg-Elbing (bisher Oldetibura (Kons.). Gewählt Schröder (Rp.) mit 13 500 Stimmen v. Oldenburg erhielt 11552 Stimmen Schwetz (bisher v. Saß-Jaworski, Pole). Gewählt von Halem (Rp.). Potsdam-Osthavelland (bisher Pauli, Kons.). Gewählt Liebknecht (Soz.). Landsberg-Soldin Holtschke (Kons.) wiedergewählt. Franksurt a. d. Oder-Lebus (bisher Faber, Soz.). Gewählt Bollert (Natl.). Züllichau-Crossen (bisher Schlüter, Rp.). Gewählt Bruckhofs "(Forttchr. Vp.). Guben-Lübben Prinz Schönaich-Carolath (Natlib.) wiedergewählt mit 14 224 gegen 7823 sozialdcmokrat.sche Stimmen. Heb erbarmt sind die Verluste der Liberalen bei weitem! spottete Mischung des konservativen uitd liberalen Gedankens die nicht so schwer wie die der Rechten. Nalionallibcrale und «-'inzige Möglichkeit für em gedeihliches Arbeiten in der Re, )s- Fortschrittler verlieren zusammen 14 Mandate, indessen werden voraussichtlich von den süddeutschen Dauernbündlern und Elsaß-Lothringern noch einige sich ihnen angliedern. Wie schwer sind dagegen die Verluste der Rechten, auf deren Kosten sich die Sozialdemokraten vermehrt haben! Tie Kvn- servativen verlieren 16, die Reichspartei 11 und auch das bisher beinahe als unverwundbar angesehene Zentrum büßt 10 Sitze ein. Das sind Lehren, die man sobald nicht vergessen 2 Lothringer, 1 Däne, 2 Wilde. Gewinne und Verluste der Parteien stellen stch wie folgt: Konservative plus 6, minus 23, Reichspartei MS 5, minus 16, Wirtschaftliche Vereinigung pluö 3, minus 10, Bayerischer Bauernbund pluS 3, Zentrum plus 5, minus 15, Polen minus 2, Nationallibcrale pluS -6, minus 34, fortschrittliche VollSpattei plus 11, minus 21, Sozialdemokraten plus 69, minus 12, Welfen plus 5, minus 1, Elsässer plus 2, minus 2, Lothringer minus 1, Wilde plus 2, minus 5 Gictzen, 26. Januar. Die alte Reichsfinanz-Mchrhcit ist nicht mehr. Auch 6er gestrige Stichwahltag hat unter den Parteien der Rechten arg aufgeräumt: freilich sind auch infolge ihrer Rnhepolitik einige Führer des Fortschritts auf der Strecke ,geblieben: Dr. Wiemer, Eicklwfs, dagegen wurden wieder- aewählt: Fischbeck, Dove und Ablaß. Tie Fortschrittler haben noch tu? Genugtuung, Mcrseburg-Oucrsurt den Konservativen, Züllichau Erosscn den Frcilonservativen abge- iwnimen zu haben. In Striegau-^chweidnitz mußte der konservative- Führer Frhr. v. Richthofen dem Genossen Feld- mriin den Platz räumen, und auch der „Januschauer" wurde in Marienburg^Elbing nicht mehr gewählt. An seine Stelle tritt der Freikonscrvative Schröder. Nur Landsberg-Soldin und Salzwedel-Gardelcgen tonnten die Konservativen in den gestrigen Stichwahlen behaupten; in dem letztgenannten Wahlkreis.ist der Bauernbündler Böhme entgegen einer früheren Meldung unterlegen. Tie Sozialdemokratie ttuimphiert auch nach/dem letzten Stichwahltage. Zwar bot sie in Bochum-Oelsenkireben den Abgeordneten Huc ver loren, der von dem nationallideralen Bergarbeiter Heckmann besiegt wurde, aber sie hat von neuem über 11 Wahlkreisen ike rote Fahne gehißt und nennt nun 110 Wahlkreise ihr eigen! Tie Nationalliberalen haben gestern gut abgeschnit- ten und ihren Besitz noch um 7 Mandate vermehrt, so doß sie im neuen Reichstag mit 45 Abgeordneten vertreten sind. wird. Wie steht es nun um die neue Parteikonstellation im Reichstage? Tie Rechte steht hinter der Linken (einschließlich der Sozialdemokraten) um einige Sitze zurück, und wenn heute die Erbschaftssteuer wieder zur Abstimmung stehen würde, so hätte sie auf Annahme zu rechnen — falls nicht die Sozialdemokraten wegen Verwendung der Einnahmen für Miutärzwecke dagegen Einspruch erheben würden. Das Zentrum aber gewinnt, wie wir schon einmal erwähnten, trotz feiner Mandatsverluste künftig eine sehr einflußreiche Stellung. Tic Linke wird in allem, was sie positiv erreichen will, in ein fatales Adhängigkeitsverhältnis zur Sozialdemokratie kommen, und die zusammengefchrumpsten lonserva- tiven Gruppen werden der Gefahr, zu Hörigen des Zentrums zu werden, schwer entgehen. Tas Zentrum wird, — seine innere Zusammensetzung macht ihm das leicht — seine berühmte Sozialpolitik in den Vordergrund schieben und nach außen hin den Schein zu erivecken suchen, als treibe es allein wirklich praktijche und positive Arbeit. £bjä ihm wieder, wie einst, gelingen wird, die Regierung ins Schlöpp- tau zu nehmen? Tie muß aber, wenn sie vernünftig vorgeht, viel mehr als bisher den Wünschen des Liberalismus ent- gcgenkommen. Tenn wenn cs dann über der Herrschsucht der Sozialdemokraten und des Zentrums zu einer Rcichs- taasauilösung kommen sollte, muß im Reichsinleresse dafür geiorgt sein, daß die Extreme zurückgedrängt werden können und die Mittelpartcien enolich den Platz bekommen, der ihnen gebührt. Herr v. Bethmanu-Hollweg hat jetzt das Wort. Ob die bisher so redselige „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" jetzt auch etwas über die Aufgaben der neuen Zeit sagen wird? Pr'siestimmen. Berlin, 26. Jan. (D r a h t b e r i ch t). Die „T e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" schreibt ganz kurz: Wie sich die Beryältnisse im n.uen Reichstage gestalten werden, bleibt immer noch unklar. Vielleicht ist es eine Mehrheit der Linken von 11 Stimmen, vielleicht nicht einmal das, denn es ccrlautet, daß der bayerische Bauernbund sich zur Wittsckiaftlichen Vereinigung schlagen will. Tie „Tägliche Rundschau" glaubt nicht, daß die Sozialdemottatie sich auf dem jetzt erreichten Höhepunkt werde halten können, toemt die bürgerlichen Parteien einigermaßen verständig operieren. Die Frei,innigen könnten sich nicht dauernd zu Kostgängern derSozialdemotratie machen. Sie würden sich wieder ihrer Blockvergangenheit erinnern und nach rechts Anschluß suchen müssen. Den Nationalliberalen, so sähtt das Blatt sott, fällt der Beruf der Vermittelung zwischen recksts und links zu und sie werden oiefe Mission besser ausfüil^n können, als im vorigen Reichstage, da die Blockleiche nicht mehr im Wege liege. Die Konservativen aber müssen aus den Wahlen lernen, daß in Deutschland tatsächlich nur mit den Liberalen regiert werden kann und daß die viel be- Die „Rue de la pa x" auf der Sühne. — Ein heiteres Wahlstückchen wird aus Anhalt berichtet: Sind da auf einer großen Domäne ungefähr 30 wahlberechtigte KneäUe und sonstige Angestellte. Ter Besitzer verspricht, ein fettes Schwein schlackst en zu wollen, wenn aut seinem Gute keine Stimme für den Soziald-mokraten abgegeben würde. Mit Spannung sieht man der Verkündigung des Resultat.'S ent» gegen. Alle Stimmen lauten auf dm bürgerlichen Kandidaten, nur zwei auf den Namen des Sozialdemokraten. Es sollen die St'mmm — des Des tzers und des Jn'p ktors gewesen sein. Durch diesen Trick waren statt der vielleicht 23—30 Stimmen für den Sozialdemokraten nur 2 Stimmen abgegeben worden, und der Besitzer behält fein fettes Schwein. Von den langen Gesichtern der Knechte hat uns die Fama nichts berichtet. — Warum Friedrich ein großer Feldherr war. Bei bitterster Kälte fand nach einem Anmarsch von zwanzig Kilometern über vereiste Straßen ein gefechtsmäßiges Scharfschießen statt, dem sich unter schneidendem Winde eine längere Besprechung anschloß. Man fror Stein und Bein, was aber den die Kritik abhallcndcn Stabsoßizier wenig zu stören schien. Als endlich nach dem: „Ich danke, meine Herren!" die Offiziere auseinandergingen, fing der Leitende die laute Bemerkung eines noch recht jungen Dachses auf: „Friedrich der Große war doch ein großer Feldherr." Der Künder dieser tiefsinnigen Weisheit wird zu dem gestrengen Kommandeur zitiert: der will gern wißen, was feine llcbungsanlage wohl mit dem Großen Könige zu tun habe. Zuentsetzten Modekünstlerinnen ballen im Stillen die Faust und flehen aus das Haupt der großen Madame Paquin alles andere, als den Segen des Himmels h. rab. Tie berühmte Sünderin aber hat h iter lächelnd am nächsten Tage einen Ze.tungsmann empfing n. Ost fie die Kostüme gemacht habe? Jawohl. Ob sie ihr Geschmack sei? Aber nein! Und bann erzählt Madame Paauin, daß sie diesmal, das erste Mal in ihrem Leben, sich den Wünschen eines modernen Künst- lers anbequemt habe, den Wünschen des als Prophet modernen Geschmackes in Paris gefeierten Malers Paul Jribe, der die künstlerische Seite der Aufführung leitete., „Nach seinen Zeichnungen habe ich die Roben unfertigen lassen mtd sie haben jnit meinem Gedanken über Mode nichts zu tun.'£ Und belustigt weist Frau Paquin darauf hin, daß das ganze Stück satirisch gefärbt sei und daß überall im Tialog die grotesken Auswüchse moderner Mod.rnarrheiten g geißelt werden. So enthüllt sich das, was die schönen Premicrenb iueherinnen entsetzt als eine unerträgliche Entgleisung des Geschmacks ansahen, als eine bewußte Karikatur des Künstlers. Und das lustigste an der ganzen Komödie ist, daß die seinen Fraueit in den Logen, die auf ihren feinen Geschmack und auf ihre Klugh it so stolz sind, die satirische Absicht dieser Farbenzusammenstellung gar nicht empfangen, weil sie gekommen waren, statt eines Stückes neue Stoben zu sehen. . . tTic Aufführung des jüngsten Erzeugnisses Pariser Dramattk, Stückes „Rue de la Paix" im Vaudeville-Theater ist die lche unbeschreiblicher Aufregung geworden. In den Salons Lt man nur von „Rue be la Paix" und die wirkliche 9hie da tzaix macht ihrem Namen gegenwärtig wenig Ehre, denn sie >er Herd wilder Aufregung und zorniger Entrüstung. Was ist leben? Was hat die sorglosen Pariser so plötzlich aus ihrer lilichkeit gerissen? Es sei gleich vorweggenommen, daß es t etwa das Stück oder die Hairdlmig des neuen Werkes ist, die Gemüter erregt. Ter Fall ist wichtiger. Die drei Akte Werkes spielen in den Probiersalons zweier großer Mode- Lufcr der Rue de la Paix. Tas Milieu rechtfertigt also jeden zilettenluxus und der Regisseur hat auch nicht gezaudert, davon i reichsten Maße Gebrauch zu machen. , Es waren wohl hundert oder mehr kostbare Roben, die man i Saufe der drei Akte über die Bühne wandeln sah nnb frf)on enge vor der Erstaufführung hatte man geschickt die Ausrnerk- :inteil der vornehmen Damenw It aufgcjad.c.t, indem man^an- utete, daß diese Legion von Kleidern eigenS für dieses Stock den Weik'.ättcn der berühmt n Frau Paquin gefchaf e.i worden .ich. Und so war denn auch da-s Haus bei der ersten Auf- linmng bis auf den letzten Platz ausverkauft und ungeduldig cr- txrtetcn die hübschen Frauen den Augenblick, da endlich, endlich Lt Vorhang auf gehen und Madame Paquins neue Tichtong ent-- |KLen sollte. Ter Vorhang ging auch auf, aber was man auf It Bühne zu sehen bekam, üb .r^raf alle Erwartungen. Tie hüb- jeen Pariserinnen waren vor Staunen so überwältigt, daß sie iibchacht um ihr Aussehen fassungslos die geschminkten Lippen tarnten und buchstäblich mit off eitern Munde auf die Bühne .iiriten. Aber ach, nicht Bewunderung war es, was'die schöne Darnen- , Mit die „contenancc" verlieren ließ. Was hier auf den Brettern ItjcJtete und lohte, spottete in der Tat jeder Beschreibung. So gr De, so mißtönende und aufdringliche Farben hatte man noch : i: in einem Raum vereinigt gesehen. Ta erschien eine junge Same in einem Straßenkleide aus rcsasarbencm Samt mit einem 3jq& aus Sckuvanenfedern, eine andere in einem grellroten laifett, die dritte mit einem weithin leuchtenden giftiggrünen Tii^kleid, zu dem sie einen strahlend blauen Hut angelegt hatte, S vierte in einem weißseidenen Straßenkleid (!), über das sic di: kleine weißlcinene Jacke in der Art der Barkellner trug, man recht? Furchtbares Blendwerk der Hölle: die Leinen Briserinnen fühlten die Gänsehaut über ihren Rücken kriechen, uto die Enttäuschung war unbeschreiblich. Der Schmerz der T.'^terbesuck^erinnen war nur ein mattes Vorspiel der wilden (frtförung, die heute in allen Werkstii tm der berühmten Straße da Parkser Schneiderkünstlerinnen herrscht. Man ist entsetzt, man 4 amißer sich, das der heilige Name der Rue de la Paix zu einer lilißjn Orgie detz Ungeschmacks mißbraucht werden tonnte. Die lochelegante „Mein Kind batte tc Flechte die allenMitteln trotzt audi verschwand, aberc wieder auftrat. schleich ZuckerösM u. bin cnmuni. wie i$- Miivlich das Hebet!« ä™ ®- »Ä Selterswea (Sw ». 53nbiibontr.al unbl' KaiseuDrogerie- werben tgjjJ sowie neu uberB -»"SÄ cSÄ»nl,,v'' 8l" Ml. ZKtzSZ in f eU. tcntc f < SilllsLitre-' wie- Ge- wie- überall erhllfflch. Auergesellschaft Berlin 0.17 Ablaß wiedergcwählt. Salzwedel-Gardelegen. v. Kroecher (Kons.) dergewählt gegen Böhme (Bauernbund). Liebenwerda-Torgau (bisher Milde, Natl.). wählr Tr. Ortniann (Natl.). Schweinitz-Wrttenberg. Dove (Fortschr. Vp.) vom türkisch-italienischen Kriegsschauplatz. Tripolis, 25. Jan. (Agenzia Stelani.) In der Nacht #um 24. Januar entstand ein kleiner Alarm, weil einige Räuber eine Familie in der östlichen Oase von Tripolis überfallet: und zwei Eingeborene verwundet hatten. Gestern griff eine arabische Kavalleriepatrouille die italienischen Beobachtungspostcn vor Gargaresch an, wurde aber sofort zurückgeschlagen. Tie Verteidigungswerke von Gargaresch sind vollendet. Meldungen aus Homs berichten: Die Türken haben am 22. und 23. Januar einige Kanonenschüsse gegen die italienischen Stellungen abgegeben, die aber keinen Schaden anrichteten. Aus B e n g h a s i wird gemeldet, daß vorgestern einige Vor- postcngefechte stattgefunden haben, bei denen die Beduinen und Türken geschlagen wurden. Sie hatten 150 Tote und Verwundete. Die Italiener erlitten keine Verluste. fliitftfCtyinatyrL Flugplatz Johannisthal, 25. Jan. Tiplomingemeur Gr ul ich flog mit drei Passagieren auf einem Harlaneinbecker 1 Stunde 35 Minuten und peilte damit einen Tau er Weltrekord auf. Die bisherige Höchstleistung im^Tauerflug mu drei Passagieren wies der Belgier Lanser mit 1 Stunde 26 Mia, auf. 1 (Erdbeben. Heidelberg, 25. Jan. Der Erdbebenmesser der Königstuhlwarte verzeichnete gestern ein starkes Fcrnbebea, dessen beide Vorbebcn um 5.26 Uhr und um 5.29 Uhr begannen. Tie stärksten Schwingungen fanden um 5.33 Uhr stall. Erst gegen 6.45 Uhr kam der Apparat wieder zur Ruhe. Zakynthos, 25. Jan. Heftige Erdbeben, die großen Materialschaden anrichteten, landen hier statt. Menscl>enleben fhib nicht zu beklagen. Weniger starte Erdstöße waren in Leukadia. Eis; und Kaphallenia zu spüren. 3 Sorau-Forst (bisher Bahn (Natl.). Gewählt Schumann ^o^alau-Luckau (bisher Henning, Kons.). Gewählt Welz ^Krotoschin (bisher v. Trzinski, Pole). Gewählt Tr. von Chalpowski (Pole). _ Stricgau-Scbweidnitz (bisher v. Richthofen, Kon,.). Gewählt Feldmann (Soz.). Oppeln. Brandys (Pole) wiedergewählt. Grünberg-Freistadt (bisher Beuchelt, Kons.). Gewählt Davidsohn (Soz.j. _ Glogau (bisher Hoffmeister, Fortschr. Vp.). Gewählt v. Liszt (Fortschr. Vp.). m . Lüben-Bunzlau _ (bisher Doormann, Fortschr. Vp.). Gewählt Doormann (Fortschr. Vp.). Liegnitz-Goldberg-Haynau, Fischbeck (Fortschr. Ap.) wiedergewählt. Schönau-.^irschberg (bisher Ablaß, Fortschr. Vp.). * * Ta g es r al ender für Freitag, 26. Januar. Stadttheater: „Tr e Haubenlerche'. Anfang 8 Uhr. '• Das GroßherzogSpaar reiste am Freitag abend 10 Uhr 26 Min. mit Gewlge über Frankfurt—Bebra zu den Feierlichkeiten, die aus Anlaß von Kaisers Geburtstag in Berlin statt finden, ab. Am Sonntag erfolgt voraussichtlich wieder die Rückkehr. * • Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 18. Dezember 1911 wurde der Referendar Hans Horch zu Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen zugelasien. • • Stadttheater. Wegen Trauerfalls in der Familie deS Herrn Gühne kann die Aufführung von „Hochzeit von Baleni' am Sonntag abend nicht slattfinden, es wird dafür „Dr. Klaus* gegeben. — Die Direktion hat schon mehrfach darauf hingewiesen, daß ältere Stücke im Interesse der Gutscheinbesitzer für gewöhnlich nicht durch das ganze Abonnement gehen sollen. Ta jedoch die Aufführungen von „Dr. Klaus* und „H a u b e n l e r ch e* ganz besonders angesprochen haben und um zahlreich geäußerten Wünschen zu entsprechen, ist „Tr. Klaus" auch für eine Ticnstag- und „Haubenlerche* für eine MillwochvorsteUung im Abonnement angesetzt ivorden. Landkreis Gießen. △ Klein-Linden, 25. Jan. Unser Kriegerverein feiert nächsten Samstag m der „Deutschen Eiche* den Geburtslag des Kaisers und verbindet damit die Feier des 200jährigen Geburtstages Friedrichs hes Großen und sein 30jährigeS Stiftungsfest. Ten Teilnehmern sieht ein genußreicher Abend bevor; es kommen mehrere Theater- und Gesangsstücke, sowie lebende Bilder zur Vorführung. Unter den Theaterstücken befindet sich auch die Posse mit Gesang „Robert und Bertram". Daran schließt sich ein Tanz. Kreis Büdingen. X Stockheim, 2a. ^au. Au stelle des vor mehreren Wochen verstorbenen BürßerMeisters Vermann Ko ch mürbe heute der Sohn des früheren Bürgermeisters Atay gewählt. In oer Zwischenzeit besorgte der im Amt befindliche Beigeordnete May die Bürgermeistereigeschäfte.' Dieser erhielt 62 (stimmen ais Dürgermeulerkanoibat, wahrend sein Gegner 79 Stimmen auf sich vereinigte. Kreis Friedberg. O. Friedberg, 25. Jan. Zurzeit wird ote 93er- bindungssiraße, die von dem neuen Güterbahnhof nach der durch den Stadtteil Fauerbach führenden Kretsstraße Friedberg—Ranstadt führt, fertiggesiellt. Sie hat eine Breite von 8 Meter. Rechts und Unls führen 1 Meter breite Bürgersteige. Die Straße hat den Rainen Fritz Reuter- Straße erhalten. Am Güterbahnhof, der bis zum 1. Oktober fertig sein wird, wird ebenfalls emsig gearbeitet. Kreis Wetzlar. •g. Glei berg, 25. Jan. Unser Lehrer Wilh. Loch au, der jetzt über 25 Jahre unter schwierigen Verhältnissen das Schulamt auf unserem Berge versieht, wurde aus Anlaß deL Ordensfestes mit dem Adler der Inhaber des Hohenzollernschen HauSordens ausgezeichnet. — In Hosheim i. Taunus starb dec 86jährige Veteran aus den Feldzügen 1848 und 49 Christoph Feuser, der ein geborener Gleiberger war. Hesjcn-Raffau. ^.Höchst a. Ri., 25. Jan. Einen unheimlichen Fund machte man heute früh auf der Eisenbahn strecke zwischen Ried und Höchst. Hier fand man frische menschliche Lei ch ent ei le, Kleiderfetzen und eine Taschenuhr, jedoch fehlte der eigentliche Leichnam. Im Laufe deS Vormittags fand man im hiesigen Bahnhof einen verstückelten Körper am unteren Teil eines Wagens, der auf ein sogenanntes totes Gleis geschoben war. Ter Verunglückte wurde als der verheiratete Fabrikarbeiter Wilhelm Warmth von Höchst feslgesiellt. Ob UnglücksfaU oder Selvstmord oor- liegt, ist noch nicht aufgeklärt. fc. Eltville a. Rh., 25. Jan. An der Stadtkaffe sind Unregelmäßigkeiten zutage getreten, sodaß die Regierung eingehe..de Ermittelungen hat anstellen lassen. Sie Haven ergeben, daß Steuerbeträge, die Eltviller Bürger bezahlt hatten, nicht gebucht aber vorhanden sind und auch Veruntreuungen erfolgt find. Wie hoch die veruntreuten Beträge sind, konnte noch nicht festgesteilt werden. Tie Regierung hat die Akten an die Wiesbadener Staatsanwaltschaft gelangen lassen. Heute nachmittag ist der Stadtsekretär Philipp Mohr, der die Kasfenverwaltung stlhct, wegen der zutage getretenen Unterschlagung verhaftet worden, da man an- mmmt, daß er die Verfeh.ungen begangen hat. Staotselretär Mohr steht seit 1909 in Dienst, ist eine angesehene und wohlhabende Persönlichkeit, mehrfacher Hausbesitzer und bestrettet die ihm zur Last gelegte Straftat. Gestern wollten Eltoiller Bürger die fehlende Summe für ihn decken, Mol/r wies es aber ab, da er sich schuldlos fühlt. baute Herrn Ldw. G soffet vcm Gießener Stadttheater für fe.ne Couplets, von denen namentlich das Lied vom schönen echgM mächtig zündete. Als eifrige Frauenrechtlerin stellte sich bam, Herr Wingens aus Köln vor, der späterbin auch als Main -x Polizeiassistentin stürmischen Beifall fand. Rach einem Musikstück (Cello und .vdabier) verbreitete sich Herr Schwedt er als Zj. garrenarbeiter unter großem Beifall über lokale EreignisTer Präsident besprach bann die Vorbereitungen zum hiesigen Karneval, und seine Mitteilung, daß er bei den staatlichen und städtischen Behörden das größte Wohlwollen gesunden habe, weckte lebhafte Beifallsrufe. Als Abdul Hamid erntete Herr Frank aus Franl- iurt a. M? stürmische Heiterkeit. Gießener Verhältnisse glofsicne Herr Vogel als Mitglied der städtischen Besengarde. Ten Schluß des reichen Programms machte Herr Mundo, der den Abend so außerordentlich erfolgreich eröffnet hatte, mit einem famosen Sprichwörterpotpourri, das mächtig einschlug. Tie närrisaie Ho • musik wurde von der Kapelle des Regiments gestellt. Tie Lieder, die begeistert gesungen wurden und viel Lachen verursachten, hatten die Herren Architetten Kratz, Zahnarzt Schwalm, Kunstmaler Sch wedl er aus Gießen sowie die Herren Becker aus Köln und Gerling aus Mahel zu Verfassern. Ter Ball, der gegen '»3 Uhr begann, hielt die fröhliche tzc. sellschafi noch lange in bester und gemütlichner Laune zuiammen. Während des Abends lief eine Liste zur Einzeichnung aller Karnevalfreunde um, und eine ganze Menge Narrhallesen trugen ihre Namen ein. ... Der Anfang war sehr erfolgreich, und der Karneval in Gieß« darf damit als gesichert gelten. I Eichener Karneval. Gießen, 26. Januar. Die gestern abend in der närrisch geschmückten Narrhalla (Steins Garten) abgehaltene Tomen- und Herrensitzung des Bundes der Karnevalvereine Deutschlands war außerordentlich gut besucht, und schon lange vor dem se,llick)en Einzug des Präsidiums waren alle verfügbaren Plätze besetzt. Auch die Damen hatten sich sehr zahlreich eingesunden, und die bunten diarrenlappcn, die keck aus ihren Locken thronten, standen ihnen ganz besonders gut, obwohl anfänglich manch schämiges Maidlein das Zackenmützchen verlegen in den Händen drehte. Aber die Stimmung, die zum Gelingen einer Karnevalsitzung so außerordentlich lvichtig ist, [teilte sich rasch ein, und sreudig folgte jeber den humorvollen Darbietungen, die sich bis lange nach Mitternacht hinzogen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Bundesvorsitzenden Hei - decket, der unter großem Jubel aus das Wohl der „holden Närrinnen" traut, wurde das Eroffnungslied gelungen, das von Herrn Gerling (Kassel) versaßt war. Ter Präsident verlas darnach eine närrisck-e biundschau und dann flieg Herr Mundo von der Mainzer Karneval-Gesellschaft in die Bütt — d. h. eigentlich stand er davor — und gab unter dem lebhaftesten Beifall der Narrhallesen zwei jein poin.ierte humorinische Lieder oorträge zum Besten. Besonders mit bau ersten: Die Menschen sein schlecht, weckte er schallende Heitertett. Herr Cahn, der Bors, der Franis. htorneö al Vereinigung Rheinländer, verbreitete sich dann in witzigen Versen über dte erneu Menschen, um im Anschluß daran die Grüße seines Berans zu überbringen. Großen Beifall land der kleinste Humorist Gießens, der Sohn des Gastwirles T r i n k a u s , der einige Gedichte in obcrh. Mundart Dortrug. Jubelnder Beifall Vermischtes. — Die Erfolge des Besuchs der höheren Schulen. Die Erfolge, welche die Schüler an den höheren Schulen erzielten, sind günstig zu nennen. Bon der Gesamtzahl der Schüler, die auf den Gymnasien im Jahre 1910 103 643, auf den Realgymnasien 44 885, auf den Oberrealschulen 37 677 betrugen, bestanden rund 20 Prozent das Abiturientenexamen der betreficnben Lehranstalten. Bon den weiteren 80 Prozent hatten 43 Prozent das Einjährigen-Zeugnis erreicht oder sind in den Klassen zwischen Oberfeiultea und Oberprima von der Lehranstalt abgegangen. Der Rest hat das Gymnasium nur bis zur Urner* sekunoa ohne Erlangung des Einjährigen-Zeilgnisses^ besucht. Tie Anzahl der jährlichen Versetzungen betrug 75 Proz.: cs blieben also im Durchschnitt 25 Prozent aller Schüler einmal im Jahre in einer Klasse zurück. Interessant iit die Beoöaästung. daß von 100 Schülern nur fünf das ^iturientcncjameit madüen, ohne von Sexta bis Oberprima einmal sitzcngeblieben zu sein. * Eine Köpenikia de. Aus Innsbruck wird über einen dreisten Raub gemeldet: Gestern abend bestellte ein unbekannter etwa 25 Jahre alter Mann in der Uniform eines Postaintsdienerv im Auftrage eines Postamts einen Postwagen zum Einsammeln der Abendpost. Ter Wagen wurde ihm neb)t Postillion anitanb? ’ los abgegeben. Er holte von zwei Postämtern Briefschaften ab und lieferte sie am Bahnpostamt ab. Tann ließ er sich auf einem Postamt die Abendpost mit Wertbriefen geben, die ihm audi aus- gehändigt wurde, da er durch seine frühere Fahrt bereits befamu war. Er nahm fünf Postbeittel mit Brief schatten mit einem deklarierten Wert von über 17 000 Kronen au sich und versa-wand. Tie leeren Beutel wurden später gefunden. Der Innsbrucks Postdiener, der dem Räuber seine Uniform gegeben hatte, ist-' verha-tet worden. , .3 * Mit M atz krügen erschlagen. Aus München wird gemeldet: Bei einer Wirtshausschlacht wurde der Gastwirt Tenk in grausamster Weise von einem der Raufenden, dem rasend gewordenen Kupserdrucker Küfer, umgebracht. Nachdem er bereits eine Menge Maßkrüge auf den Kopien der Kämmenden zertrümmert hatte, stürzte Küfer auf den fricbenftiftenben Wirt zu — dessen liebster Gast er übrigens war — führte nacheinander Schlagau! Schlag auf den Kopf des Wirtes und zog ihn Ichlleßliv unter dem Billard hervor, um ihn vor den Augen,da entsetzte« Wirtin mit einem dritten Maßkrug vollends totzuschlagen. Die Wände waren über und über mit Blut bedeckt, und der Witt schwamm förmlich in einer Blutlache. Der Mörder ließ sich ohne Widerstand abführen. «M * Für d i e Hinrichtung einer Frau. 5ae Hinrichtung der Baronin de Coupriany, jener Megäre, die ihren Sohn 8um Vatermord aushetzte, wird in der ganzen Nicder- 'Jlormanbie verlangt. Der Ermordete, der sich allgemeiner Sympathien erfreute, wurde infolge seines uneigennützigen^Weien» in allen umliegenden Städten und Dörfern verehrt, xic wvhner wollen sich zusammentun, um dementsprechende Eingaben an die Behörden und den Präsidenten zu senden. Daß seit langer Zeit Frauen in Frankreich nicht mehr hingerichtet worden finü, gilt nicht als Hinderungsgrund, da das Gesetz nirgends vcriuat, daß keine Frau zur Guillotine geführt werden dürfe. Die Bewegung ist so ernst, daß man mit ihr wird rechnen rnüsien. * Durch polizeiliches Eingreifen dieStellun- verloren. An der Hand des Briefes eines Vaters, besten Sohn in Holland wegen Urkundenfälschung zwei Jahre Gefängnis zu verbüßen hatte, dann aber in Berlin eine Stellung lonb, bt» richtet das holländische Blatt Nieuwe Courant über eine Maßnahme der Berliner Polizechehörde, die den jungen Mann wieder brvllos werden ließ. Der Frankfurter Zeitung wird barüb« nachstehendes gemeldet: „Der betreffende junge Mann suchte |u8 nach seiner Haftentlassung wieder emporzuarbeiten. Er ipndn und schreibt fünf Sprachen, hat Stenographie, Buchhaltung uiw M aschin ens ch reib en gelernt, und da er in Holland kaum eine Stellung finden konnte, wandte er sich ins Ausland. Es gelang ihm auch, in Berlin einen Posten mit 200 Mark Monatsgehalt zu finden, auf dem er zur Zufriedenheit seines Prinzivals arbeitete. Als er vier Wochen hier tätig war, kam die Polizei zu leinem Ches und fragte ihn, ob er auch wisse, daß sein Angestellter eine Gefängnisstrafe hinter sich habe. Damit erreichte die Polijn, daß dem jungen Manne fofort gekündigt wurde und batz er Tcutschland verließ. In Holland erregt das Geschehnis, M jetzt von den Blattern besprochen wird, ein solches Aergernis, das ein Einschreiten der holländischen Regierung verlantzt wird; man wünscht, baß sie im BeNragswege ihre Landesgenost'en vor einer derartigen Behandlung zu schützen versuche." * Gin Künstlerstreich. Die Schüler der Akademie der schönen träufle in Paris haben sich die Lust, wlle Streiche zu verüben, durch die Not der Zeit nicht nehmen lasten- Gestern zog ein Kunstjünger um, und da diese Gelegenheit do« Ans StaOt nnd Land. ©reuen, 26. Januar 1912. Aus der Sitzung der Stadtverordneten. Die gestrige Sitzung unserer Stadtväter dauerte zwar ziemlich lange, doch wurden größere allgemeiner interessierende Gegenstände fast gar nicht verhandelt, wenn man von der Beratung über den Amtsgerichtsneubau obsieht. Das Ministerium hatte der Versammlung vier Pläne vorgelegt und diese sollte darüber befinden, ob die Stadt etwas gegen diese Pläne einzuwenden habe, womit die Regierung dann freie Hand habe, ohne wettere zeitraubende Verhandlung mit dem Bau beginnen zu tönneu. Die Versammlung war sich darüber einig, daß keiner der vier Pläne eine besonders glückliche Lösung der Frage bedeute, sprach sich aber in erster Linie für den Entwurf aus, der den Anbau unmittelbar an das jetzige Justizgebäude anstoßen läßt. Durch diesen Entwurf wird die nn Zuge des Weges nach dem Philosophenwald neu geplante Straße etwas verschoben, so daß der hübsche Ausblick in das Wiesecktal nur wenig beeinträchtigt wird. Beachtenswerter als die Vorschläge der Regierung erscheinen uns zwei aus der Mitte der Versammlung heraus gemachten Vorschläge, anstatt des einen Ausbaus zwei auf beiden Seiten des Justiz- gebäudes zu errichten oder einen Teil des Arrestgebättdes dem Neubau zu opfern. Von grundsätzlicher Bedeutung war die Entscheidung über das Wirtschastskonzes- s i o n s g e s u d) des kath. Kirchenvorftandes, das mangels des Bedürfnisses für eine neue Wirtschaft in der in Frage stehenden ^tadtgegend nicht befürwortet louroc, zumal an juristische Personen in Hesfen keine Konzessionen gegeben werden. dergewählt. Sa ngershausen- Eckartsberga (bisher Scherre, Rp.). Gewählt Wamhoff (Natl.). Querfurt -Merseburg (bisher Winckler, Kons.). Gewählt Koch (Fortschr. Vp.). Nordhausen (bisher Dr. Wierner, Fortschr. Vp.). Gewählt Cohn (Soz.) mit 8170 Stimmen. Dr. Wierner erhielt 6783 Stimmen. Osnabrück (bisher Bitter, Ztr.). Gewählt Stoeve (Natl.). Altena-Iserlohn (bisher Müller, Fortschr. Vp.). Gewählt Spiegel (Soz.) 19 685 gegen Müller (Fortschr. Vp.) 16 828 Stimmen. Bochum-Gelsenkirchen (bisher Hu6, Soz.). Die Mahl von Heckmann (Natl.) ist gesichert. Dortmund (bisher Bömelburg, Soz.), Dr. Erdmann (Soz.) gewählt. Lennep-Remscheid (bisher Eickhoff, Fortschr. Vp.). Gewählt Dlltmann (Soz.) mit ungefähr 300 Stimmen Mehrheit gegen Eickhoff (Fortschr. Vp.). Elberfeld-Barmen (bisher Linz, Rp.). Gewählt Ebert (Soz.) mit 35 792 gegen den Hospitant der Reichspartei Linz mit 33 349 Stimmen. Düsseldorf (bisher Haberland, Soz.). Haberland (Soz.) wiedergewählt mit 42 643, Schmitz (Ztr.) 42 277 Stimmen. Essen (bisher Giesberts, Ztr.). Gewählt Giesberts (Ztr.) mit 57 300 gegen Gewehr (Soz.) mit 52 500 Stimmen. Mülheim a. d. Ruhr-Duisburg (bisher Hengsbach, Soz.). Gewählt Dr. Boettger (Natl.). Moers-Rees (bisher Fritzen, Ztr.). .Gewählt Dr. Bell (Zentrum). Kiöerlen=Wäd)ter in Hom. Köln, 25. Jan. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: lieber den Besuch des Staatssekretärs v. Kiderlen-Wäch- ter beim Kardinal Merry del Val werden noch immer Erzählungen verbreitet, die nicht mit der Wahrbeit übereinstimmen. Nachdem Herr v. Kiderlen-Wächter den italienischen Minister des Aeußemr Marquis di San Giuliano besucht hatte, lag es nahe, auch beim Staatssekretär des Vatikans nicht vorbeizugehen. Ein besonderer Anlaß zu einer politischen Unterredung war nicht vorhanden, ebenso aber auch keiner, einen Höflichkeitsbesuch zu unterlassen. Gänzlich unzutreffend sind die Meldungen, denen zufolge der preußische Gesandte am Vatikan sich große, aber vergebliche Mühe aegeben habe, einen Empfang des Herrn v. Kiderlen zu vermitteln. Solche Versuche tonnten aus dem einfachen Grunde auch nicht auf eine ablehnende Haltung des Papstes stoßen, weil ein Besuch bei ihm nicht angeregt wuroe und überhaupt nicht zur Erörterung gestanden hat. Springmanns Schuhwarenhaus Bahnhofstrasse 58 a*A Eigene Geschäfte ‘Giessen (Ludwigstr. 39), 26. Januar 1912. 690 691 Giessen, den 25. Januar 1912. Mietgesuche Vermietungen Kaufgesuclie Stellenangebote Verschiedenes Verkäufe Würzburg Liarkl 10 Herborn Hauptstrabe 105 Kulda Mittelstrabe 6 cdbebenmesser^ Fernbeb- o.o3 Uhr fam urRuh^ 1 1 "'eben, die großen L >tt. Menschenleben i, »tze waren in M- Aschaffenburg Landingstraste 6 und 9 Kaiiaricit-Pi>gel'«-iÄ" Schriftl. Angeb. mit Preis u. 0659 o. d. Gieh. Anz. erb. 1 ^iblominn^ eM KL. elM Laun^ mit 1 stunde 2u < Allgemeiner AiißSand in Portugal Lissabon, 26. Jan. Tie Laildarbeiter sind in ein» undzwanzig Orten ausständig. Tie Führer der Arbeiter- snndikalc werden in Lissabon Zusammenkommen, um über die Frage dcS allgemeinen Ausstandes zu beschließen. SOtrtinMoU?&in” sos. gesucht. Schriftl. Angeb. um. 0595 a. d. Giest. Anz. erb. Letzte 2le Karawane und brächte ueb dem Revier, wo sie fie einem hochnotpeinlichen Verhör Vt roarf. Tann wurden dir Teilnehmer entlassen, aber unter L.cntzung aller Borstchtsmaßregeln — alle zwanzig Mi,tuten ixte. Tas hals aber wenig, denn nach zwei Stunden ungefähr Ho die Karawane wieder beisammen und tonnte den 11 mzug dann ^clich -u Ende sichren. Kleine Tageschronik. | crn Schöneberg ist der jugendliche Billardmeister Johann I-r t a u im Alter von 25 Jahren einem Lungenlerdcn erlegen. Bei Heidelberg wurde an einem Höhenweg des nörd- li-»n Neckarufers eine stark verweste männliche Leime ohne Iti ausgesunden. Bei den Nachforschungen wurde nun auch hodi und ein Revolver entdeckt. Man glaubt, daß es stch fr, oem rätselhaften Fund um einen Selbstmord handelt. Aus dem städtischen Museum in München sind wertvolle Hü izen. Schmuclsachen und Uhreii gestohlen worden. Arbeiterin dauernde Beschäftig. «2 Alieestr. 14 H. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem H inscheiden und der meiner lieben Gattin, unserer guten .Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Margarethe Wolf, geb. Becker für die trostreichen Worte des Herrn Kirchenrat D. Schlosser und für die aufopfernde 1 nege der evangel. Schwestern, sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden sagen wir aut diesem Wege unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.. Heinrich Wolf. Nahe dem Hauptbahnhos Saarbrücken fuhr eine Rangier abteilung aus einen Revisionszug. Ein Zugführer wurde getötet, ein Ministerialdirektor verletzt. In B ftteN a. d. Ruhr drang ein Metzger in die Lzohnimg seiner von ihm getrennt lebenden Frau und bedrohte sie. Ti. Iran sprang in ihrer Angst aus dein Fenster und blieb tot aus der Straste liegen. Ter Mann flüchtete und konnte bio jetzt nicht ermittelt werden. In Schötmar erschoss die Frau.eines Zieglers in einem Anfall von Schwermut ihre vier Kinder im Alter von vier bi« neun Jahren. Tann richtete sie die Pistole gegen sich selbst. Die Verletzungen der Iran sind schwer. Ein fünftes tfinb befand sich zur Zeit in der Schule und blieb verschont. Assessor sucht gut möbl. Zimmer mit freier Aussicht im mutt, oder nördl. 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Bewerber wollen sich unter Angabe der Lohn- ansvrüche und Borlage von Zeugnissen bei der Ver^ waltuna des Elektrizitätswerks und der Strastcn- bahn, Lahnstrahe28, Zimmer Nr. 4, melden.__________B”/i Gärtnerlehrling für Citern unter pünitigen Bedingungen gesucht. (0645 Ctto Müller, Vandels- gärtncr, Lollar. "LehrHnff^ mit guter Schulbildung per Ostern gesucht. 689 Ernst Blocdncr Xachf. Jnh.:W. Docter. Wärterinnen gesucht. Lohn 300—450 Mt. bei freier Station u. Dienstkleidung. Nach 6-jähr. Dienstzeit 1000Mk.Prämie..lästige Mädchen über 19Jahre woll. sich melden bei B*4 Grostb. Tircktion d. vetl- u. Pflege-Anstalt Gienen. 06511 Fleth, sol. Mädchen, nid)tunter 18 Jahren, in ein Land - Pfarrhaus (2 Kinder) möglichst sofort gesucht. Näh. Schiffenberg. Weg 4II Fleiß. Williges ÜJläödjcn für sofort ober später gesucht. 6501 Dauttcr, Alicestrahe 23 einen Vortrag über: „Die Schiffbarmachung des Rheins bis zum Bodensee". Unter den erschienenen Gästen waren u. a. vanoeis Minister Tr. R. v Nötzler, Eisenbahnminister Freiherr v. Forster und zahlreiche andere hohe Ministerialbeamte. iyetterauSüttlen in Hessen für SamSlag, heu 27. Januar 1912. Zunächst nod) geringe Niederschläge, später aufheiternd, trocken, tn.ter._______________ | Verschiedene] 5-6=jimmtrwolinuiig mit reichlichem Zubehör und ein Stück Garten zu verm. Näh. Parterre._________<189 Kleine Wohnuug zu vermieten. , B. Wolf, Bakrnhofstrahe 32 l^s 8er höhci^ -chüler an den hox inen. Aon der ötie im Jahre 1910103«! 'benealidjultn 37 67i! Abihirienlenexamen: iteten 80 Prozent hü- 'reicht oder sind in i cima von der Lchran^ ium nur bis zur litt ^Zeugnisses besucht. $ i betrug 75 Proz.: it aller Schüler tun ’l’ant ist die Beobacht- turimtenciamcn mata itzengcbliäen zu sein ansbrulk loird über c. bestellte ein unbete- m eines Postamts^ nagen zum EinslMa: lebst Postillion mM’ amtern Brirsschasten t nn ließ er sich auf to: iebtn, die ihm auch ui ite Fahrt bereiti W fschasten mit einem M an sich und versag [itben. Der ^nnsbro. ijortn gegeben hatte, i n, WMünchens wurde der Gastioirl ausenden, dem ra0f id)t. Nachdem « W cUmPlendenrerlruM enöen Wirt zu - ” lacheinander^chL es und zog ihn |M den -lugen.der jllenbs ut bedeckt, und,der» 5er Mörder heb VH '°^(lvÄnde SÄ W RS äfSUsg! * ersuliir'^ w beit ittMj- y 7 Zimmer 7^ininicriD,»J4iL 5 Zimmer | ^teuzcttlictie 5-Zimmer Wobnungcn zu verm. [7 Aäb. Bliccstrastc 22 Pt. siciijkiMt g-Zimmr- Wolllilllig $3) VC'äetret6 ___BleichHtraße 42 II 5-Zimmml>ohiiii«g gut auSgestaltet, zu verm. 7'>2 Licblattr. ^3. \ 4 Zimmer | -i-;,unmein).,neuuerg.,m. Gas p.baldz.v.Wilhelmstr.3v. | 3 Zimmer | 3-Ztmmerivobnung zu uermteten. Steinstraste 35 3 jimintr unö Küche Tcuiclslustgärtchen 5 z. v. (>6531 Nah. ^dmmcnitrjßö. Lehrling mit guter Schulbildung zu Ostern für mein Drogen- geschäst gesucht. . 51u Eentral-Drogerie ^chulstr. i Ächt. Mb. Waschfrau s.Fr.P.Eermak, Ebelstr.il II GHöj Sauberes, ordentliches Mädchen °LL"' 8raii von 1/-28—5 Ubr gesucht. Wilbelmstrastc 44 II. 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