Nr 96 Erscheint t&glld) mt# HuSnafimt bei Bsnntagl. Tie „Oletzener Semtllenblätter- werben dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dal „Kreiiblati für den Kreis »letzen- zweimal wöchentlich. Die ..randwlttschaftttche» Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Mittwoch, 24 Bpril <912 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesjen 162. Jahrgang iRotanonlbrud und «erlag bei ttrübl'ldjer Unwer|UälS - Buch- unb Steinbrudetet ÖL Bangt. Gießen. Redaktion, Qgpebffton unb Druckerei: Schul strotze 7. Expedition unb «erlag, bi Webattion;e^U2, Tel.'^lbr^Aiizeiger>Lietzen. CMT-MLUI F~~f3HMUU erkenne die Bestrebungen dieser Vereine durchaus an, aber < mag da doch im Ueberschwang manches geschehen, was nicht durch geführt werden kann. Jedenfalls haben diese Verbände d? nationcle Bewußtsein unb den nationalen Geist in Teutschla gesteigert. Mit ihren Bestrebungen aber die Marineverwaltu zu identifizieren, liegt keine Veranlassung vor. Wir werden d a :• historische Verdienst des Staatssekretärs vc. Tirpitz als großartigen Organisator der beut scheu Flotte stets anerkennen. (Sehr richtig!) Dir müssen aber ganz besonders anerkennen, baß er es verstanden hat, Die heutige Jh lichcm Gebiet erfolgen. Hoffeu'lich werden die Wehrrorlagen bald K o n s u m n e u c r. dem und vor- Wir das her- und Deutschland aus dem Wege geräumt waren, man auf Gebiet der Marokkofrage zu einer Einigung gekommen sei damit zu einer Zeit des ewigen Friedens und trefflicher Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, haben in Beziehung zu England gesehen, wie periodisch uns. an unseren Grundsätzen festzuhalten. Diese Mahnung war überflüssig, denn als Lehrer über die Aufrechterhaltung von Grundsätzen ist Herr v Betbmann nicht geeignet. (Heiterkeit.) Leibst die »Germania- bat erklärt daß obne die gleichzeitige Auf- bebung de» BergäkkungSzwangS und Durchschnittsbrands die Vorlage keinen Zweck hat. nugtuung bemerkt d i e praktischen Bemühungen eines hochangesehenen Mitglieds bei englischen Kabinett«, die Reibungsflächen $u applanieren und damit zu ver- mindern. Ich nehme an, daß diese Entwicklung der Tinge durch die jetzigen Vorlagen nicht gestört wird, nicht gestört werden kann und darf. Niemals hat der Reichskanzler so die freudige Zu- timmung der erdrückenden Mehrheit des Parlaments gefunden wie damals, als er uns hier von den Verbandlungen mit England Mitte'lung gemacht hat. Ta wäre es im höchsten Grade bedauerlich, wenn diese Verhandlungen mit England, wie es jetzt in der Presse heißt, auf dem toten Punkt angelangt wären. Diese unverantwortlich Hinein- hetzung der Völker Europas in einen gewissermaßen Völker- psychologischen autosuggestiven Zu stand (Heiter- feit) macht eine gewaltige Lös mg dieser Spannung ganz unvermeidlich. Diese fanatischen Minderheit'n auf die der Reich«- känzler gestern anspielte, lehnen wir auf dieser Seite ab, die sitzen viel näher beim Reichskanzler. (Heiterkeit.) Wir haben das Vertrauen zur Vernunft der Völker, daß sie mit diesem Krank- heitSzustand auch fertig werden. Wir haben eS gerade deshalb im Herbst sehr begrüßt, daß der Reichskanzler dem Herrn von Hehdebrand gezeigt bat, al« er den Versuch machte, bteie Tinge zur weltpolitischen Spekulation zu benutzen, daß eS der deutschen Regierung bitter ernst ist mit der Auf- rechterbaltung eine« ehrlichen und selbstbewußten Frieden«. Aber wir haben doch den Eindruck, und auch Herr Bassermann schien darauf anzuspielen, als ob die allgemeine Nervosität auch die Kreise der deutschen Reicksr-'aierung ergriffen hätte Die Nachrichten von schweren U.1 st i m m i g k e i t e n z w i s ch en ein- zelnenAei fern sind nicht neu und wir müssen «die Tätigkeit der Presseabteilung des R e i ch S m a r i n e a m t e S al« außerordentlich bedenklich bezeichnen. (Sehr richtig!) Vertreter aller Parteien, insbesondere Herr von Hertling hat diese« Pressebureau al« u n e r l * äglich bezeichnet. Wir sind auch heute noch der Meinung, daß dieser Zustand nicht erträglich ist, daß endlich einmal der Reichskanzler dafür sorgen soll, daß wir nicht vielleicht — ich drücke mich sehr vorsichtig cr>'S - wenigstens die Möglichkeit einer doppelten auswärtigen Politik haben (Hört, hörtl), nach den Worten des Pressebureau» deS Bestreben cinsetzte, gute Beziehungen auf der ganzen Linie zustellen, durch Betuche von Fürsten, Gelehrten, Kommunal- beamten, wechselseitigem Austausch von Sympathiebezeigungen — der Schluß ist gekommen, es sind die Wehrvor- tagen I (Zustimmung und Hört! Hörtl) Bülow 1908 mit seiner Ankündigung der Sparsamkeit gegeben hat, hat die Militärverwaltung nicht eingelöst. (Sehr richtig! links.) Wir stehen den Mehrforderungen, soweit sie technisch und organisatorisch Verbesierunaen der Armee verlangen, im allgemeinen svmpathisch gegenüber, werden sie aber im einzelnen prüfen und Ersparnis auf anderem Gebiete verlangen. Viel größere Bedenken haben wir bezüglich der D e rf u n g 8 f r a g e. Wir wollen keine Steuern auf Vorrat bewilligen; nicht auS Stenerscheu, sondern weil wir nicht mit offenen Augen in das alte Finanzelend bineinrennen wollen. (Sehr richtig! links.) Aber wie sich die Verhältniffe und die Menschen ändern können! lGroße Heiterkeit!) Da« Reichsschatzamt sollte ein Reklameschild erhalten: Hier wird unübertreffliche Schnellmalerei getrieben! (Große Heiterkeit.) Bald in Rot, bald in Schwarz wie'8 beliebt Noch 1911 verwahrten sich die Staatssekretäre Dr. Delbrück und Wermuth in ^beweglichster Weise gegen die Herabsetzung der Altersrente. (Sehr richtig! links.) Sie (nach rechts) haben damals das kulturelle Niveau der SPncbnerinnen berabsetzrn wollen (Unruhe rechts) Ebenso erging e« den Postunterbeamten. (Sehr richtig! links.) Jetzt hat sich in sechs Wochen die ganze Auffasiung des ReichS- schatzamteS geändert. Welchem Schatzsekretär soll man eigentlich glauben? Beiden? (Große anhaltende Heiterkeit.) Jetzt kommt Herr Dr. Spahn und findet keinen Unterschied zwischen ihnen. Warum ist Wermuth nicht mehr da, der beste Schatzsekretär des Herrn Gamp? (Lachen rechts. Zu- ftimmung links.) ES ist doch ein gewaltiger Unterschied zwischen Kühn und Wermuth. Jener will keine erhöhte Einsetzung der Einnahmen auS Zollen und Steuern wie Kühn: er will eine andere Verwendung der Ueberschüsie, er hält die Beseitigung der Branntweinliebesgabe für ungenügend, er will die Erbschaftssteuer und Kühn will sie nicht! (Große Heiterkeit.) Der Hauptunterschied ist, daß Wermuth seine Grundsätze tatsächlich durchführen wollte, daß Kühn aber keinen Gebrauch davon m ach en will. (Heiterkeit.) Er hat sich als Freund der Erbschaftssteuer bekannt und gefragt, wie können Sie glauben, daß ich ein Feind der Erbschaftssteuer bin. (Zuruf rechts: Sie sind e« ia auch gewesen!) I a, wir sind wenigstens gescheiter geworden. (Großes Hallo, stürmische, sich minutenlang wiederholende Heiterkeit.) Er hat bann gefragt, warum man sich denn nicht auf die Stimme deS Volkes berufen wolle, um eine Erbschaftssteuer einzubringen. D i e Volksabstimmung über d i e Erbschaftssteuer hat b c • r e i t 8 im Januar stattgefunden. (Sehr richtig! links Große Unruhe rechts.) Ja. Sie blieben in einer erdrückenden Minderheit mit Ihren 3)4 Millionen. (Zuruf recht«: Wo ist denn Ihre Mehrheit?) Sie brauchen nicht stolz zu sein auf Ihre Ergebnisse. (Lachen recht«. Unruhe.) Wozu alle tiefe gefährlichen Operationen? Sie werden wegen der Ang st deS Zentrums und der Konservativen gemacht, die vor einer allgemeinen Besitzsteuer zurückschrecken. Das Zentrum ist „auS Grundsätzen" gegen die Erbschaftssteuer. Es ist eine schöne Satte um dieses grunbsatztreuc Zentrum. Wer hat sich denn zuerst für die Erbschaftssteuer begeistert? Die Zentrum«. abgeordneten Am Zehnhoff und Dr. Heim. (Hört! hört!) Man wollte nur den Fürsten Bülow stürzen. (Lachen recht» unt im Zentr.) Jetzt heißt die ReickSsirma Hertling u. Beth. mann Hollweg. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler mahnte Ter Reichskanzler hätte seine Vorlesung über die VaterlandsN.'be an dre Rechte richten sollen. Glaubt er, daß er dort nichts mehr erreicht mit seinen Moralpredigten? Bei uns wird tr auch nicht« erreichen! Der Reichskanzler ist kein Kanzler mehr über den Parteien. Er bildet sich zu einem Abkanzler der Linken heraus. (Große Heiterkeit.) Auch die Sozialdemokraten würden die Erbschaftssteuer bewilligen, sonst würden die 110 Mandate verschwinden wie der Schnee in der Märzsonne. Hier handelt es sich um eine Frage der sozialen Gerechtigkeit Die Konservativen aber denken wie der Oberste der Pinguine in dem Buche von Anatole France, der sagte: Steuernzahlen ist gemein! Eine direkte Besitz steuer kommt, und ivenn sich alle K. aservativen auf den Kopf stellen, der Abgeordnete Oertel eingeschlosien (Heiterkeit.) Herr Wermuth war mehr als deß Reiches £ bertalfulator, als ein Rentenmeister. Er war aber zu selbständig und er hatte Grundsätze. TaS ist freilich ein unbequemer Ballast für „Nachgeordnete Stellen". Ter Schatzsekieläi muß unbedingt verantu örtlicher Reichs- Minister werden. Ueberag Desorganisation. E« ist ein kühne» Unterfangen, noch von Homogenität zu sprechen. Nicht nur nach unserer Wehrmacht schätzt man uns ein, sondern auch nach unseren konstitutionellen Verhältnissen. TaS isoliert uns. Daher auch der Haß gegen uns. Der altenglische Satz, daß auch im Soldaten der Bürger de« Staats gepflegt und geachtet werden muß, muß auch bei uns zur Geltung fommrn. Gerechtigkeit und Zufriedenheit fd)af|en öie befte T i ) ziplin in der Armee. Auch dorn OssizerSkorp» fehst es an Rechtsgarantien. Der moderne Zeitgeist klopsi auch an die Pi'orten der Armee. Wenn er berücksichtigt wird, dann werden auch Heer und Flotte wirklich erstklassig sein im besten Sinne deS Worte». (Beifall link».) StnntSfefrctär v. Tirpih: Ich möchte linen Irrtum berichtigen. Ich habe nicht neue Perspektiven eröffnet und nicht erklärt, daß die Materialreserve später wieder angefordert werden soll. Ich habe gesagt: daß die M a t e r ia l r e s e r v e , auf die wir jetzt verzichten, künftig wieder angefordert wird, daß die jetzt g.'kürzten Dienststellen al» Reserveformationen wieder aufleben, halte ich für ausgeschlossen. — Auf den Flottenverein habe ich keinen Ein- fluß- Er ist besonders eifersüchtig auf seine Selbständigkeit. Em guter Beweis dafür ist ja die Vorlage, die anders ist al» die Wünsche de» FlotlenvereinS lauten. Also mit der Bewegung des FlottenvereinS, die ich, im ganzen genommen, als dankenswert aufklärend anerkennen kann, habe ich nichts zu tun. Der Abgeordnete Tr. Müller-Meiningen sagte dann, daß daS Nachrichtenbureau des Reichsmarineamts eine Agitation eingerichtet habe. Ich weise das ab. daS ist nicht der Fall. Tas Bureau besteht auö drei aktiven Offizieren, die au« der Front kommen und schon nach drei Jahren wieder ick die Front zurückgehen. Ob eS möglich ist, in dieser Zeit journalistische Fähigkeiten in sie hineinzustecken, bezweifle ick. Diese drei Offiziere haben nun erstens die gesamte Weltpresie durchzusehen und das Brauchbare für bit verschiedenen Departements te» Amts zu bearbeiten, zweitens haben sie die Marine-Rundschau zu bearbeiten. Diese hat im Hause allgemeine Anerkennung gefunden, in der Budgetkommission wollte man sie als Information haben. Sie wissen, welche Arbeit darin steckt. Drittens haben die Herren namentlich den Auftrag, über Schifföbewegungen, Un- jedes Uebermaß zu vermeiden, daß er ruhig und stetig unsere deutsche Flotte zu dem schönen Standpunkt auf- geführt hat, in dem sie sich heute befindet. (Bravo!) Ter Ausgangspunkt für diese Wehrvorlogen ist zweifellos in den Marokko- wirren, in Agadir zu suchen. Ohne sie wäre wohl keine Aenderung unserer bestehenden Wehrgesctze erfolgt. Blitzartig ist damals die Gefahr der ganzen internationalen Lage vor unseren Augen erschienen. Wir haben mit einem Schlage gesehen, welcke G e - fahren Deutschland bedrohen, und in unserem Volke ist auch volles Verständnis dafür gewesen, sowohl in den Tagen, wo die Wogen hoch gingen, als auch bis auf den heutigen Tag, das Verständnis, daß es nunmehr nottut, unsere Wehr zu verstärken. Es ist gar keine Frage, daß in jener Zeit der Chauvinismus in Frankreich gewachsen ist, und daß er auch noch heute besteht. Tie Sozialdemokratie sucht daS hier und da zu bestreiten. Aber da ist mir in ter letzten Zeit ein Artikel der „Leipziger Volkszeitung" — doch gewiß einer sozialdemokratischen Zeitung (Heiterkeit) — in die Hände gekommen, der damit beginnt, daß sie darauf verzichten wolle, das Vorhandensein chauvinistischer Bestrebungen, die Verherrlichung militärischer Einrichtungen usw. in Frankreich etwa zu leugnen. Ein ähnlicher Artikel ist dieser Tage auch im „Vorwärts" erschienen. Wenn man da« als richtig anerkennt, dann muß man aber auch für Deutschland die Konsequenzen ziehen. (Sehr richtig!) Tann ist auch die Politik die richtige, die der Gefahr flar ins Auge sieht und die Vorbereitungen für den Krieg trifft, die nicht in sentimentaler Weise versäumt, die Lücken in unserer Wehr aus- zufüllen. Trotz der hohen Bedeutung unserer Flotte muß dock die Ausbildung des Landheeres in den Vordergrund treten. Tie Entscheidung in einem Feldkriege wird auf dem Kontinent geschlagen werden. ES ist vorhin die Rede davon gewesen, daß Deutschland tn diesen letzten 40 Jahren keinen Krieg geführt bat. Wir haben eine Friedenspolitik getrieben, die vielleicht viel zu sehr entgegenkommend war. (Sehr richtig!) Wir haben eine Marokkopolitik gemacht, die vielleicht zu sehr von dem Gedanken beherrscht war. daß nun, nachdem so viele Schwierigkeiten zwischen Frankreich irjberger i Am 3. rag der äss L'S". rSSS .jei rmndc» Lange । Mit nicht viel W Härte, daß die Molde habe, Steuern sur M ile nir gefährlich halte scmokraiische Zustimnu ।teuer nicht zu rechnet Arzberger rcbeic zuerst -,u einem schüchternen G wurde, in Bezug auf in mlitär-politijchen 3 ft hätte hier, Ivie tag- bei der Erbschajissteuc tonnen: „Wir find tm ::men da aus dem Z enmutenbe Lätze: Teu eilen Umständen aufrei rode!" Lder „sagen Achten an dem eyrli Imlenswert war es i -Mhe vergessenen V für Europa wiedl unvermeidlichen M(f)c Lozialdcmokra .reiben lassen. Dann ( Irestungen für die L Partei, die an früher irumsfraklion werde a billigen. Der Abgei in neue Schreibe schritten über Verteil langen, nm--Krsp Antichrist will er da "chnn-g der Msühri l-Mnzen getvstet habe M bewahrter Fremü Reibereien. ,n l-ergamen.. Gegenrechnu ,ur lcine Aereirwilli ^'len, dem kriem u» Heere abzuschaffei -uellerlasse, und er e eetanntlich al» Ciim, "b lich darauf der m l,9et Nm schon ] blc noch sehr ti Ak. znstlgtl sKL 9 Land- J’V «titstagtN $8« Wir werden die Einzelheiten der Wehrvorlagen prüfen und hoffen, daß es gelingen wird, vor Pfingsten zum min- b c ft e n b i c Wehrvorlagen z u verabschieden, weil die Kriegsverwaltung möglichst bald in den Stand gesetzt werden muß, die Neuorganisation aufzustellen. Wir hoffen, daß der feste Wille des deutschen Volkes, seine Wehrkraft zu stärken, in anderen Ländern dämpfen wird (Unruhe bei den Soz., Zustim. mung bei den bürgerlichen Parteien), und hoffen, daß da« Schluß, ergehni§ dazu dienen wird, die Macht und Wehrkraft deS Deutschen Reiches zu stärken und auf der anderen Seite den Frieden zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.):' Wir sind nut dem Vorschläge Bassermann« einverstanden, daß die Deckungsfrage einer besonderen Kommission überwiesen wird; damit ohne unnötige Verzögerungen die Beratung vor sich gehen kann, und damit die sachlich-technische Prüfung der Branntweinsteuer gründlich erfolgen kann. Den Ministern ist ja die Fixigkeit her Bewilligung die Hauptsache. Man will noch vor Pfingsten fertig werden. Wer ist denn schuld, wenn jetzt so gedrängt werden muß? Die Regierung! (Beifall links.) Es ist ungewöhnlich merkwürdig, wie man hier den Reichstag behandelt. Der Reichstag ist daö ja fast schon gewöhnt. Wie lange wird er sich da« gefallen lasten? Wie lanae pat eS gedauert, ehe man ihm dieses Bukett von wichtigen Vorlagen vorgelegt hat. Jetzt drängt man wieder. Man treibt Raubbau mit der Arbeitskraft des Parlaments. (Zustimmung links.) Wir wer- den — um mit dem Reichskanzler zu reden — mit ruhiger und ernster Entschlostenheit ohne jede taktische Parteispe- k u I a t i o n die Vorlagen vom rein sachlichen Standpunkt aus behandeln und alle« bewilligen, was im Interesse der Machtstellung Deutschland« uns als absolut notwendig bewiesen wird. (Beifall link».) Da wäre eS geradezu eine Pflichtvergessenheil sondergleichen, ivenn nicht da« Parlament die allergewistenhafteste Aufklärung über die ganze Voraussetzung der Vorlagen fordern würde. Den Standpunkt des Grafen Posadowskh, den gestern auch Herr Herzog sich zu eigen machte, daß das einfach eine Frage des iß ert rauen« sei (Sehr richtig! recht« — Heiterkeit.) — darauf können wir uns nicht einlasten. Da wäre ja daS Parka- ment gerade auf dem allerwichtigsten Gebiet vollkommen über- flüssig, könnte seine Tätigkeit vollkommen einstellen. (Sehr richtig! rechts.) Sie scheinen ja das zu wünschen (Heiterkeit), der Leutnant mit zehn Mann! (Große Heiterkeit.) Zwischen dem blinden Vertrauen und dem blinden Mißtrauen, Herr Graf Posa- dowSkh, ist doch eine sehr starke Kluft und die nennt sich kritische, genaue, sachliche, objektive Prüfung. (Lachen recht«.) — ES scheint, ein Herr, der bis jetzt geschlafen hat, meldet sich soeben. (Große Heiterkeit.) Auch jetzt verlangt man wieder die Bindung deS Etat rechts auf fünf Jahre. Die Entwicklung hat Eugen Richter und un» so recht gegeben, daß man endlich mit diesem al t c n Zopf a u f r ä u m c n sollte, diesem Mißtrauen gegenüber dem Parlament. Die Regierung bindet sich ja selbst nicht. Der Reichskanzler hat ja gestern so viel von Vertrauen gegen- über dem Parlament gesagt; zeigen Sie cd doch einmal! Der Kommandant der österreichischen Marine, Graf Montecuculi, hat mit Recht gesagt, es ist ein großer Nachteil für eine Flotte, entspricht nicht der rastlosen Entwicklung der modernen Technik, wenn man den Dau durck ein Bindungsgesetz festlegt. Nicht viel ander« ist eS in der Armee. Selbst Generalmajor Keim, der Präsident des WehrbereinS, hat dem Kriegsminister gesagt, cS sei merkwürdig, daß man vor la um zwölf Monaten ein derartige» Kompromiß mit dem Parlament eingehen konnte, und jetzt die ganze Sache wieder umkehre. Die Verhältniste haben sich seit einem Jahr nicht so geändert; da ist der Sckluß erlaubt: entweder die Militärverwaltung hat damals eine große Unter- Mung begangen oder die Gefahr wird jetzt ganz gewaltig über- trieben. Darüber müssen wir in der Bubgetkommistion genaue Auskunft erhalten. Der Erregung der internationalen Nervosität in allen Kulturländern durch die Agitation von Chauvinisten (Sehr richtig! link«) mit aller Schärfe entgegen- jutreten, ist eine gemeinsame Pflicht der Parlamente und der Regierung. Was ist an internationaler Taktlosig - leit da selbst von Mitgliedern diese« Hohen HauseS geleistet worden! (Hört! Hört! — Zuruf: Namen nennen!) Der Herr toeifc eß. der fühlt eS, ick brauche den Namen nicht zu nennen er wird in diesem Augenblick rot (Große Heiterkeit.) Diese auf- stachelnde We'ie, mit der die deutsche Armee selbst herunter, gezogen al« jammernd} ,n ihrer ganzen Zusammensetziing und Organisation hmgestellt wird, und auf der anderen Seite die ae- waltige Ueberlegenheit der französischen Armee, - wundern Sie sich da über die chauvinistische Preste in Pari«? Die Schmäh, artitel der englischen Preste haben bei un« da» &bo gefunden und eine Agitation beraufgeff brt. die im Interesse d r Aufrechterhaltung des Weltfrieden« auf« höchste zu bedauern ist (Zuruf reck-tS: Sollen wir un« die Unverschämtheiten von dort gefallen lasten?) Lis Prüfung der Frage, ob sich im letzten Jahr die Situation fo grundsätzlich geändert Hai, ist durch diese nervöse Spannung», trjeugung außerordentlich erschwert. Wir haben mit großer ®e- ReichSmarineamtS. . , Ten Forderungen technischer Art stehen wir nach unseren alten Grundsätzen durchaus sympathisch gegenüber. Wir haben stets den Standpunkt vertreten: daS Beste und Zeit- gemäßeste an Ausrüstung ,st für unsere Armee gerade gut genug. Tie Forderungen für die Magazingewehrkomvagnie, Pwniere, Verkehrstruppen, Unterseeboote, Luftschiffe für die Flotte, natürlich vorbehaltlich der Rechtfertigung im einzelnen, sind vollkommen gerechtfertigt. Wir sind unS der schweren Verantwortung^ die das Parlament trägt, voll bewußt. Auch wir legen den größten Wert auf die sofortige Kriegsbereitschaft im Frieden. Wir wisten, daß ohne solche Kriegsbereitschaft das gewaltige Instrument der Flotte und Armee ein Mester ohne Klinge ist. Wir werden aber auch fragen müsten, ob die Mißstände tatsächlich dadurch gehoben werden. Die Verpflichtung zur gewissenhaften Prüfung im einzelnen ist um so größer, als wir unS klar darüber sind, daß eS mit den 880 Millionen, einschließlich der 230 von 1911, gar nicht sein Bewenden hat. Eine Menge von Dingen ist überhaupt nickt berücksichtigt. Tie Reserve- formationen, die Kosten für Ersatzpflichtige! Wir dürfen da nicht im Hintergründe bleiben. (Sehr richtig! rechts.) Sie sehen, daß wir allen diesen Fragen vollkommen objektiv gegenüberstehen. Dann die wichtige Frage des Ersatzes, der Ofsizierkadre«; dann der Untcroffizierersatz. der wird von Jahr zu Jahr schwerer. In diesen technischen Fragen sind wir zur Bewilligung bereit, aber wir fordern dafür Sparsamkeit auf anderem Gebiete. An dem guten Willen dazu bat eS die Militärverwaltung bisher fehlen lasten. Sie will die Dekorationen und Sinekuren beibehalten. Den Wecksel. den unS Fürst üie ^«utrieier f« KÄS Bä« iilb tM'!"dcnen Ä, MU-r Unter ^UNN [Je cl zahlreichen S«3KS»' ■?2nn ?re7l°tecner . '^rhn. tt* N? uVunQ"unfl ber b-( ^ ..f^urge WC1 Ä i°°ren Vühnt ÄkiAdrlkn de?N 'h WW n’ene J^öianiu u,-ö glückSsälle — ick erinnere z. B. an die „Gneisenau" — prompt Auskunft zu geoen über daS. was der Ccffentlidbfeit zukommt. Da« geschieht in korrektester We'se, und gerade Blätter von ter Richtung Tr. Müllers haben daS anerkannt. Ich glaube, sogar das „Berliner Tageblatt". (Heiterkeit.) Tie Tätigkeit dieses Nachrichtenbureaus wird ganz rnaßlo» überschätzt, und die Herren, die ihm angehörten und jetzt in anderen Stellungen sind, werden erstaunt sein über die übernatürlichen Leistungen, die man ihnen zu traut. Eine Bewegung wie die wegen der Flotte kann nickt von wenigen Menschen gemacht »erben, sie liegt in der Situation. (Bravo! recht».) Wir brauchen ein solches Nachrichtenbureau; bei dem Werftprozeste z. B. sind wir geradezu machtlos gewesen. Ta» Jntereste unsere« Volks an der Flotte ist entstanden durch die Entwickelung unserer Nation und die fremder Nationen infolge der veränderten und sich fortgesetzt ändernder wirtschaftlicher Verhältniste. Tarin liegt der Grund der Bewegung und nicht am Nachrichtenbureau, ich muß nochmal» den Vorwurf zurückweisen. ®taat§fefretär Kühn: Der Abgeordnete Müller-Meiningen hat gesagt, ich batte wohl Grundsätze, aber macke keinen Gebrauch davon. Wie er diese Aeußerung mit der parlamentarischen Schulung und andererseits mit den Erfahrungen, die er über mich gesammelt hat, vereinbaren kann, überlaste ich ihm. (Sehr ricktig!) Ich habe u. a. den Grundsatz, alle Tinge nur sachlich zu behandln, und davon werde ich trotz erschwer-nder Umstände nicht abweichen. (Beifall.) Ich habe gesagt, nach meiner Ueberzeugung wird für Deutschland, wie für andere große Kulturstaaten eine» Tage» die Erbschaftssteuer kommen, und habe dann au«ein- andergesetzt, daß die S.euer jetzt nicht kommen könne, weil eine so hohe Deckung zurzeit nicht gebraucht werde. (Lachen links.) Wo liegt da die Verletzung ei"e» Grundsatzes? Er hat mir ferner Abhängigkeit von einer Partei vorgeworfen und hätte die Denkschrift nach dem Diktat einet Partei behandelt. D i e berühmte Denkschrift, die von einer Partei dieses Hauses auSgchen soll, ist durch eine zufällige Verkettung der Umstände mir überhaupt niemals zu Gesicht gekommen. (Hört! Hört!) Wir mußten Deckung suchen für recht bedeutende Ausgaben und mußten infolaedesten die Einheit de« Etats nach der Ausgabenseite revidieren, infolgedesten aber auch die Einnahmeseite. Das ist nicht» Ungewöhnliches; die Herren, die länger de.n Reichstage angehören, wissen, daß in derselben Weise schon öfter verfahren ist, und zwar auf Anreguna von Mitgliedern deS .Hause«, jedenfalls aber unter Zustimmung Der Mehrheit. Dasselbe ist jetzt auch geschehen. Unser Bestreben war, ein EtatSbild zu gebe., da» der Wirklichkeit tunlichst nabekommf. DaS Bild wird sich im Spätsommer 1911 anders stellen, als nackhrr im Frübiommer 1912. Aber wir haben in Der Denkschrift und später auch mündlich auf alle wunden Stellen unserer Darstellung besonder» hingewiesen, so daß wir den Vorwurf. eine Irreführung des Haukes versucht zu haben, zurückweisen müsten Wir glauben, der Wabrbeit möglichst nahegekommen zu sein. Sollen wir deshalb, weil die Einnabmeschätzungen sich f pater als unrichtig zeigen können, neue Steuervorlagen machen? Abfl, Frhr. v. Gamp (Rv.): Kollege Müller bat sich in zahlreichen Wider sprachen bewegt. Ter Reichskanzler hätte put getan, wenn er in einer großzügigen politischen Rede die Notwendigkeit der Wehrvorlagen bargelegt hätte. ES ist ba» erstemal, baß ba» ganze Volk solchen Forberungen zustimmt. (Lachen ber Soz.) Ja. weite Volkskreise fordern sogar mehr. Erfreulich ist, daß auch die Linke eiusteht. daß untere Wehrfähigkeit noch nicht genügend auSgeniitzl wird. Leider wisten wir nicht, ob die Heeresverwaltung Konzessionen machen mußte. BiSber find nur die Sozialdemokraten Gegner der Vorlage. Die Bürgerwehr verdient kein Wort. Warum haben denn Ihre Genosten in Frankreich nicht die Bürgerw.'hr eingeführt? Tie Forderungen der Regierung find außerordentlich maßvoll. Es belieben ernste Befürchtungen, ob sie auch wirklich auSreickien. Die Verständigung mit England kann nur auf wirtschaft- /**. . . r k k v J tiu^viii v/v viui ti v ’ ’ *■ * 1 ,VM >vii will Uli uiMltuiiuyiii v*» • “ 1,1 e 1 n.e, 9 la 11 r u n d nackte verabschiedet Bei der Cinnabmenschätzung kann ich den Stand- .. , . (Zuuimmung links.) Es ist bezeicknenk, daß punkt deS Zentrum» nick» teilen. Wir halten fest an dem Prinzip, *2. 'V fresse von einer Gefährdung der Webrvorlag.'n feine nfUe Ausgabe ohne Deckung Allerdings legen wir un« •2 c nn ÖIC TrbickaktSsteuer kommen werde. Sie hätten also nicht auf eine bestimmte Steuer lest. bie Webrvorlagen abgelebnt. wenn die Erbschaftssteuer vorgesckla- I Weiterberatung Mittwoch 1 Uhr. gen worden wäre. Ein feiner nationaler Sinn. (Lachen recht».) > Schluß 6h Uhr.