SamStag, 24. Februar 1912 Nr. 47 Erfchetnl 1-ßttch mll Ausnahme des Sonntag«. co, 162. Jahrgang Rotntwntbrud und vertag brr Br üblicher Untoerftiäil - Blich- und SteinbrudeteL St. Lange. Dieben. Ministerialdirektor Kriege teilt mit Genugtuung das Interesse deS Hause- fest und die Anerkennung für die Maßnahmen der Regierung. Die zum Ausdruck gebrachten Wünsche kann ich voll unterschreiben: den Kreis der Teilnehmer an der Konvention möglichst zu vergröbern, die Lücken au-zufüllen und den Kreis der Straffälle zu erweitern. Solch ein internationales Abkommen geht einen lang- amen Weg, schon wegen der parlamentarischen Körperschaften in >en verschiedenen Ländern; erst muh die Konvention von den 13 Ländern ratifiziert werden. Wir werden gern auf die andern Staaten einwirken. Wir haben übrigens keinen Zweifel, dah England für seine Kolonien 6citreten wird. Da- Abkommen stellt nur das M i n d e st m a h dessen dar, wozu sich die Einzcl- taaten verpflichten; aber wir werden unS auch international bemühen. Unsere Vebörden im Ausland sind angewiesen, dem Mädchenhandel die schärfste Aufmerksamkeit zu widmen, die ein- laufenden Schiffe daraufhin zu kontrollieren, auch die öffentlichen Häuser zu untersuchen, ob Deutsche bi in sind; eS werden keine Kosten gescheut, die Opfer zu befreien und dem Inland zurückzuaeben. Der Ministerialdirektor schlicht mit einem Tank an das deutsche Zentralkomitee, da- aus allen Kräften Hand in Hand mit der Regierung arbeitet. Damit endet die erste Lesung. ES wird sofort in die zweite Lesung cingetrcten und der Gesetzentwurf angenommen. Die Verlängerung b e 8 Handels- und Schiff - ahrtSvertrages mit der Türkei wird in erster und zweiter Lesung ohne Erörterung genehmigt. Das Reichs- und Sfaafsangehörigkelfsgefefj. Staatssekretär Dr. Delbrück Mb. Deutscher Reichstag. 18. Sitzung, Freitag, den 28. Februar. Am Tische deS BundeSratS: Delbrück. Dr. LiS Kriege, v. Körner. Tie „Gießener LamtliendlSNer" werden dem ,Hnieiflcr* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreliblatl flr den Krell riehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwtrtschastltchen Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion. Expedition und Druckerei: Gcbul- strage 7. örpebihon und Verlag: c»n bL Redaktion:«^IlS. rel.-AdruAuzeigerGieven. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesjen Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 16 Minuten. Die Bekämpfung des Mädchenhandels. Zur ersten Lesung steht zunächst das Ausführung-- gesetz zu dem internationalen Uebereinkom- men zur Bekämpfung des Mädchenhandel- vom 4. Mai 1910. Eine Ergänzung der deutschen Strafgesetze erfolgt durch dieses Ausführungsgesetz nicht, da sie bereits sämtliche Tatbestände enthält, wie sie da- Ucbereinlommen Vorsicht. Eine Ergänzung erfolgt lediglich bezüglich der Straftaten, die die Auslieferung begründen. Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Kriege gibt eine kurze Darstellung über den zwischen zahlreichen Staaten geschlossenen Vertrag, über die geschaffene Zentral- stelle, die bereits eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet hat. DaS Rechtsabkommen stellt fest, dah der Mädchenhandel eine strafbare Handlung ist und begründet die wechselseitige AuS- liefcrungSpflickt. Ehrenpflicht des Deutschen Reiches ist cs, dafür zu sorgen, dah wir in der Lage sind, daS Ucbereinkommen gegebenenfalls sofort zu ratifizieren. Abg. Goehre (Soz.): Namens meiner Parteifreunde spreche ich unsere Befriedigung auS, dah eS endlich gelungen ist, die Konvention zustande zu bringen. Lange genug hat eS gedauert, acht bis zehn Jahre; auf diesem dunklen, schmerzlichen Gebiet waren freilich die Schwierigkeiten besonders groß. Auch die Privatorganisation, insbesondere daS deutsche Natioaalkornitee, hat sich große Verdienste erworben. Der Mädchenhandel in jeder Form muh als eines der schlimmsten Verbrechen in der schwersten Weise bestraft werden; wir bitten di.» Regierung, daraus zu bringen, baß die Lücken in dieser Beziehung beseitigt werden. Die Schweiz, die Türkei und die Bal- k a n st a a t e n sind dem Abkommen noch nicht beigetreten, nicht einmal Nordamerika und nur ein einziger fü t a m c r i la« nischer Staat! Nur die deutschen, italienischen und sranzösi- scken Kolonien find einbezogen, die englischen nicht. Da» bei steht fest, dah gerade nach dem Orient, der Türkei, Australien, Nordamerika und vor allem nach Südamerika eine besonders grohe, ununterbrochene Ausfuhr von Mädchen aus Europa stattfindet. ES muh scharf auf diese Staaten eingewirkt werden, dah sie den Anschluh vollziehen. Aber mit der Bestrafung der Mädchenhändler ist eS nicht getan, eS kommt vor allem auch' darauf an, die Absatz- gebiete zu beseitigen, und daS sind vornehmlich die Bordelle. Tun eS andere Staaten nicht, so soll unsere Negierung die In,- tiative ergreifen. Freilich, die Ursachen kann eine internationale Konvention nicht auS der Welt schaffen: Leichtsinn, vor allem aber Unerfahrenheit, bann wirtschaftliche Not unb Mangel an geistiger Durchbildung. Eltern, Sormünbcr, vor allem aber Geistliche unb Lehrer könnten der Unerfahrenheit entgegen- wirken: eS wird da ja schon Erfolgreiches geleistet. Aber die Hauptschuld gibt die Statistik der wirtschaftlichen Not. DteS ist eine der furchtbarsten Erscheinungen der heutigen Gcsellschasts- ordnung. Und gegen die geistige Not als Ursache kann nur eine radikale, rücksichtslose Sozialschulpolitik wirken, wie wir sie erstreben. daß sich die Zahl der Personen, die mehreren Staaten angeboren, dir sujets mixtes, die in der Regel eine Last waren, verminderte. Nun haben sich ja die Verhältnisse seit jener Zeit außerordentlich geändert. Da- Civis romanus s u m ist nicht mehr ein leeres Wort. Heute ftebt der Ausländsdeutsche bH den Verkehr-- Verhältnissen, bei der Entwicklung unserer Presse in dauerndem und lebhaftem Verkehr mit dem wirtschaftlichen und geistigen Leben seines Heimatlandes und mit denen, die ihm dort noch nabe- stehen. Da» Bewuhtscin, ein Deutscher zu sein, gibt gleichzeitig das Gefühl der Sicherheit, da- alle diejenigen haben, d,e sich unter dem Schub einer st a r k c n Flagge befinden. Und auch daö Deutsche Reick bat cm andere- Interesse al- damals, die- jenigen an sich zu fesseln, die über daö Meer Iiinaudgegcingcn sind, denn auch die Gründe der Auswanderung sind zum größten Teil andere geworden. Wer beute geht, gebt nicht, um sich wirtschaftlich und politisch vom Vaterlande zu trennen, sondern zum großen Teil, um i nt 2 tcnste d e ö V a t c r l a n dr - zu arbeiten; und dank unserer entwickelten Konsulate unt unserer starken Flagge sind wir in der finge, denen, die sich dort auf den Schutz des Deutsck>cn Reiches verlasicn, diesen Sckutz zu getvähren. Die- führt z u r V c- feitigung be8 § 21. E- fragt sich nur, wie man den Forde- rungen, die in dieser Bestimmung zwar erhoben, aber sehr wenig genau formuliert sind, gerecht werden kann. Man hat gesagt, man muffe von dem Grundsatz ausgehen, dah Die Eigenschaft alö Deutscher, die man durch die Geburt erworben hat, wo immer auch die Wiege gestanden bat, niemals verloren gehen kann. S c m e 1 Germanns, semper Germanns I Wenn man sich grundsätzlich auf den Standpunkt stellt, so muß man doch zugeben, daß cs nicht angebracht ist, den, der klar zum Ausdruck gebracht bat, daß er nicht Deutscher bleiben will, zurückzuhalten, wo ihm das vielleicht Schwierigkeiten machen kann gegenüber dem Lande, das er mit Recht oder Unrecht seinem Vaterlande vorzieht. Deshalb wollen wir die Zeitdauer als Ursache für den Verlust der Staatsangehörigkeit beseitigen, aber daran festhalten, daß der Verlust möglich ist. Auch daö Deutsche Reich selbst hat ein Inter- esse daran, daß seine Staatsbürger draußen unter dem Schutz der Angrhörigkeit zu dem andern Staate die Geschäfte zum Vorteil des eigenen Vaterlandes betreiben können. Daher verliert die Staatsangehörigkeit nicht, wer vor dem Erwerbe der ausländischen Staatsangehörigkeit auf seinen Antrag die schriftliche Genehmigung der zuständigen Behörde seine- HeimatsstaateS zur Beibehaltung der Staatsangehörigkeit erhalten yat. Nun gehört dieWaffen- pflichtzumSchutzcdeSVaterlandcSzudcn vornehm- ften Aufgaben dcö Deutschen. T«hcr ist derjenige nicht berechtigt, die Vorteile der Zugehörigkeit zum deutschen Vaterlandc, den Schutz der deutschen Regierung — dessen Gewährung manchmal eine schwere wirtschaftliche Last ist — zu beanspruchen, wenn er nicht selbst die Bereitwilligkeit betont, zum Schutze seines Vater- landcö die Waffen zu tragen. Wer also biß zum vollendeten 81. Lebensjahr feiner Dienstpflicht nicht genügt hat, oder eine Regelung dieser Dienstpflicht nicht herbeigeführt hat, kann also diese Vortelle nicht haben. Es wird den Ausländsdeutschen nicht immer leicht sein, den militärischen Verpflichtungen nachzukommen. Darum haben wir verschiedene Erleichterungen gefchasfen. Schwierigkeiten machte auch die Tatsackc, daß Personen oft in mehreren Bundesstaaten die Staatsangehörigkeit besaßen unb ebenso ihre Nachkommen. Man kann da an einen Professor denken, der Die Runde an den Universitäten macht und sie schließlich in Berlin beendet. In Berlin wird ihm nun em Kind geboren, daS sich stets für einen Preußen hält, daS bann außerdem aber noch die badische, württembergische, hessiscke unb bayerische SiaatSange- Hörigkeit besitzt. Das erscheint auf ben ersten Blick unbebenklich, kann aber unter Umständen zu sehr unbequemen, öffentlich recht- licken und privatrechtlichen Situationen führen. Unsere Justiz- beworben wünschten baher in biefer Richtung größere Sicherheit. Darum schlagen wir vor, baß in Zukunft derjenige, ber bie An- gehörigkeit eme8 BunbcSstaatS erwirbt, gleichzeitig bie Staats- angehörigfeit verliert, bie er vorher in einem anberen Staate befeffen hat. Jeber, ber aber ben Wunsch au8spricht, eine bestimmte Staatsangehörigkeit zu behalten, kann babei bleiben. Das Gesetz ist überall mit Freube begrüßt worden. Die Kundgebungen, bie dem Reichskanzler aus bem AuSlanbe zugegangen sind, beweisen, daß man auch dort damit einverstanden ist, und daß man die Erfüllung langgehegter Wünsche vor sich sieht. Der Entwurf wurde feit Jahren stürmisch verlangt, er ist jetzt beinahe in der ganzen Presse mit einem gewissen Jubel begrüßt worden. Man spricht ihm offenbar eine weitgehende vaterländische Bedeutung zu. Auch ich bin ber Ansicht, baß er einen Markstein in ber Entwicklung beS Deutschen Reiche» bedeutet, aber auS einem anderen Grunde. Wenn wir uns von bem Recht verabschieden, daS 40 Jahre in Geltung war, fo tun wir cd nicht, weil das Gesetz nicht genügt hat, fonbem weil das Deutsche Reich unb bie Deutschen mit ihren wirtschaftlichen unb politischen Beziehungen weit hinauSgcwachsen Jinb über bas, waS unsere Väter erwarten konnten. Deshalb möchte ich biefcn neuen Entwurf mit bem Wunsche begleiten, baß auch unter feiner Herrschaft bem Deuts, tum im Jnlanbe unb AuSlanbe dieselbe glückliche, wirtschaftliche unb politische Ent- Wicklung beschieden sein möge, bie uns heute nötigt, daS alte Recht zu änbem. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Unsere Wünsche sind w e i t e r g e b e n b. Die Art, wie ber SBicbcrcrmerb der ReickSanaebörigkcit geregelt werden toll, ist un- befriedigend. Zum Beispiel bie Naturalisation eines AuSlanbcrs ist an die Bedingung deS .unbescholtenen Lebenswandels" geknüpft; ber Handhabung dieses Paragraphen bringen wir nicht das Schwarze unter dem Nagel an Vertrauen entgegen. Sozialdemo'ratiscke Redakteure werden nach dem Vagabunden- Paragraphen behandelt. Weiter u. a. sollte die Bestimmung, wo- nach eine Entlassung aus dem Staatsvcrbanb nicht gelten soll, wenn der Betreffende nach sechs Monaten noch im Lande weit, ausgedehnt werden auf die, die nach mehrmonatigem Aufenthalte z. B. auS Amerika wieder zurückkommen. Ter Staatssekretär betont zwar das Civis Germanus sum, aber das semel Gcrma- nus, semper Germanus lehnt er ab. Der Schutz im Ausland wird dem Arbeiter nicht so gewährt wie bem Vertreter ber Kapitalisten. Unb ber Erwerb der Staatszugehörigkeit ist heute nur denen möglich, die wohlhabend sind und fionnerionen haben, xie ausländischen Arbeiter brauchen Sie, aber sie sollen Sklaven in Deutschland fein. Heloten. (Lachen unb Unruhe rechts.» Selbst bas Kammergericht ftebt auf bem Standpunkt, baß für die Ausländer bi« gesetzlichen Garantien aufgehoben sind. (Wider- spruck und Unruhe.) Tas ist eins der traurigsten Kapitel ber preußischen Politik. Ein Golbarbeiter. der Jahrzehnte lang in Deutschland sein Gewerbe betrieb, bekommt ben Befehl, binnen 14 Tagen Landarbeiter zu werden, widrigenfalls er ausgewieien werbe. (Lachen rechts.) Darüber kann nur lachen, wer moralisch leitet bie erste Lesung ein: Das StaatsangehörigkeitSgesch soll das Gesetz vom 1. Juli 1870 ersetzen! Es ist aber nicht die Absicht, bie Bestimmungen über Erwerb und Verlust der Staats- und ReichSangchörigkeit von Grund aus zu ändern, andern nur einzelne Bestimmungen zu ändern und zu ergänzen entsprechend der Entwicklung ber politischen unb wirtschaftlichen Verhältnisse deS Deutschen Reiches. Das Gesetz von 1870 gehört noch zu ben grunblegcnbcn Gesehen beB Norddeutschen Bundes. Er hatte die Ausgabe, bie Bundesverträge in ein taatSrcchtlichcS Band zu fasten und allen Bundekangchörigen ein gemeinsames Jndigenat bem AuSlanbe gegenüber zu verschaffen. Das Gesetz hat biefe Aufgaben entsprechenb ber Geschichte unb staatsrechtlichen Konstruktion beS Deutschen Reiches unb den da- maligen staats- und völkerrechtlichen Anschauungen gelöst, und wenn man ehrlich fein will, muß man behaupten, cs hat auch bis beute im großen ganzen allen Anforderungen genügt. DaS alte Gesetz stellt an die Spitze den Grundsatz, daß die Reichsangehörigkeit durch die Staatsangehörigkeit zu einem Bundesstaat erworben wird und mit ihrem Verlust erlischt. DaS ist konsequent unb muß noch heure als richtig angesehen werben. Es entspricht bem föberatiben Charakter b e 3 Reiches, wenn bie ReichSangchörigkeit nicht felbftänbig als solche erworben werben kann, sondern wenn sie lediglich als die Rechtsfolge der Angehörigkeit zu einem Bundesstaat erscheint. Eine Anfechtung hat daS alte Gesetz eigentlich nur bezüglich deS Paragraphen über ben Verlust der Staatsangehörigkeit erfahren, wonach derjenige seine Staatsangehörigkeit verliert, ber sich 10 Jahre im AuSlanbe aufgehallen bat. Man ist ber Meinung, daß durch diese Bestimmung dem Deutschen Reiche ein gut Teil feiner besten Volkskräfte ohne zwingenden Grund verloren gehen. DaS ist die einzige wesentliche Frage. Alle anderen Aenderungcn sind nickt grundsätzlicher Natur; sondern sie beseitigen nur Unebenheiten. Eine selbständige Reichsangehörigkeit würde Schwierigkeiten machen, obwohl sie im Ueberschwang patriotischer Begeisterung gefordert worden ist. Nur in einem Punkt ist eine Ergänzung erfolgt, und zwar bezüglich der Kolonien unb Schutzgebiete, die beim Erlaß deS alten Gesetzes noch nicht Dorbanben waren. Innerhalb dieser Gebisse kann eine unmittelbare ReichSangchörigkeit erworben werden. Auch im übrigen ist bei den Bestimmungen, die den Erwerb ber Staatsangehörigkeit regeln, nichts geändert. Ein zweifelloser Mangel aber besteht, indem eS die Aufnahme eines AuS- l änb erS in die Hand deS B u n d e S it a a t S legt, in bem er bie Niederlassung hat unb ben Antrag stellt. Man übersieht babei, baß bie Aufnahme in einen Bundesstaat gleichzeitig das Recht gibt, Ausnahmen in jedem anderen Bundesstaat zu treffen. Dem ioö jetzt abgeholfen werden. Eine wesentliche Aenderung aber soll in ben Bestimmungen über ben Verlust bet Staatsangehörigkeit getroffen werben. Dieser § 21 stammt auS einer anderen Zeit, ist geboren auS anderen Bedürfnissen, als wir sie beule haben. Ende ber sechziger Jahre war die sehr er. hcblicke Auswanderung für die Bundesstaaten ein schwer empfundene-, aber schwer abwendbares liebel. Es waren nicht die schlechtesten Köpfe und keineswegs immer nnfleißige Hände, die dem Daterlande entzogen wurden. Selbst n-enn bie Regierungen damals ben Willen gehabt hätten, bie Deutschen in Beziehung zum alten Vaterlanbe zu erhalten, sie hätten das nicht wirksam betätigen können; sie waren nicht imstande. denen, die sich noch als Deutsche fühlten, im AuSlanbe den Sckutz zu gewähren, der ihnen bie Zugehörigkeit zum alten Vaterlanbe wertvoll machte. Ta war eS erklärlick, wenn man bamals sagte, wir wollen ben Verlust ber Staatsangeborig- feit, die ein ideales, aber wenig wertvolles Gut ist, nicht erschweren. Bei ben Damaligen Verhältnissen hatte bas außerbem ben Vorzug, Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.) erklärt die Zustimmung deS Zentrums zur Vorlage ®« ift b« Krönung deS Werke- insbesondere des deutschen National komiteeS. Auf seiner Vorarbeit beruht zum größten Teil diese Konvention. Alle GesellsckaftSichichten, alle Stande und Parteien erblicken in bet Bekämpfung des Mädchenhandel- cne der wichtigsten Kulturaufgaben, elfen bahn- unb ©AiftahrtS. gesellschaften stellen fick in diesen Dienst. Im letzten Jahrfünft sind über 90 Mädchenhändler in $eutfälanb aur ®c! langt. Die Berliner Polizeiliste umfaßt 1400 Mädchenhändler. (Hort! Hort!) Diese weißen Sklavenhändler verstehen e-, sich mit einer Tarnkappe zu versehen und dann anderwärts aufzu- tauchen. Die Strafen müssen so streng und kräftig wie mogh» sein Hoffentlich gelingt cB. Nordamerika zur alsbaldigen unter- zcicknung ber Konvention zu bringen, die Vorarbeiten Ftnb• bort ?a schon weit gediehen. Dcut'ckland sollte auck. sein. poli>tische- Schwergewicht im Balkan geltend macken D,eS hier tft bic Krönung eine- großen Werke- der deutschen Natwnalpvlitik, zum Ruhme Deutschlands. Dank den verbündeten Regierungen, Dank dem Nationalkomitee! Abfl. @rnf Knuth (Qonf.)’ Dor 15 Jahren brachte ich den Antrag em, Zuchthaus lnS zu 5 Jahren auf Verleidung zur Auswanderung einer KrauenS. person zum Zwecke der gewerblichen Nnzuckt zu fetzen. Dieser Antrag fand mit einer von Bebel beantragten Verschärfung em- wütige Annahme. Die Import la n d e r fehlen her der Kon- vention (Sehr wahrN Aber auch in ber Umgrenzung der ftrar- baren Handlungen bestehen Lücken. Großer Wert 'st auf bie *uf- klärung der in die Großstadt kommenden Mädchen zu legen. Der Redner schließt mit einem Appell an biic St i

»- ürnberfl-umbence mkledÄiisehenjiir, tfila'&JluÄöl,-. anröt machid.i^ tiö wirkt baaritötfet Hauslüi dem auf ‘ISgeroerbe-Ml , abends 9 ft US festgesetzten Raab über | abend««, (J ehtitz. läftsbericht u>- H ‘"wähl des lenes. bittet Der Vonu, 80 M. YM - v. ftilbingcr. änv°ni.3Q- la Fuji h8tag8wa^t I ,er9-Mid<4 ' 3. Ma, »*/, Ihr, Hessen ze,, Lage im E- cIWhi. mit man am büi «. Abel Wetzimc onldL ab bart' «Uhrwerk frei (e ;erden daieion Fnhrleis» ÄSS i, Abe!, Wr«^ floblcnboiM Kappens; E'E SM Stil* ■ »ir: M imv E gut*1 I ■ Rcichstagsabgeord Bericht über die Rede des Oh' • Dr. Werner-Gießen neten: ffuilMalkomesiui M •• 0138 *6tot irt flttffc 5 sind 372 347 Vicbinitraf;c. 1219 nefcbcn werden. D-*/. 0W’]2d).3--3. 2ypbn.,(s-ber= | 4 Zimmer Bergstraße 22 890 •vodielennntc 112 Möbl. dimmet zu verin. iiefentoenll 01441 irrbl. möbl. dimmer a- verni. 0144501 Babndoistr.60H.Er. Neuen wen 19 10191 •nieten. (413 ctimc 1004 ^tiiheres Hinterhaus. 231 .VcnMtadt 11 13M au vermieten. 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DaS bedeutet die Aufhebung des vundeL staatlichen Eharakters. DaS kann nicht ohne Einfluß bleiben auf die Zusammensetzung des Deutschen Reiches. Er ist auch nicht durch» zuführen und höchstens eine Quelle von Schikanen. Ter Verdacht liegt nahe, daß der einflußreichste Bundesstaat die preußische Praxis zu dec allgemeinen deutschen Praxis machen will. Der bisherige Zustand hat sich seit 40 fahren durchaus bewährt. Mio- bestens mußte die Entscheidung in die Hände eines t'ieichsver- fasiungsgerichtcs, nicht des Bundesrats gelegt werden. Tie mehr- fache Staatsangehörigkeit soll bleibe::, und nur auf besonderen Wunsch aufhören. Jetzt soll bei der Aushebung unter den Brauch- baren nicht daS Los mehr entscheiden, sondern der Grad der Tauglichkeit. Davor warne ich dringend, da die Gefahr des Miß- brauchs vorliegt. Man könnte konfessionelle Momente mißbrauchen. ES kann sein, daß man den ländlichen Ersatz bevorzugt daß man Leute ausschließt, die keine Zierde der Front sein wurden. Es scheint, daß man bei diesem Gesetz verschiedenes durckchringen will, was sonst wenig Aussicht auf Annahme hätte. Wer Deut- scher werden will und dessen würdig ist, dec soll auch Deutscher werden. (Beifall.) Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Dienstag 1 Uhr: Weiterberatung, Antrag auf Einstellung deS Verfahrens gegen Dr. Liebknecht beim anwaltlichen Ehcengerickitshof in Leipzig, die heutigen Vorlagen in dritter bezw. zweiter Lesung. Schutztruppengesetz und zweite Lesung des Etats (ReichSamt des Innern). Schluß 4’4 Uhr. Wir stehen heute mit großer 'deineoigiing an dem Endpunkte einer biertelfjunbcrtjährigcn Entwicklung. Im Jahre 1889 schloß das Deutsche Reich mit anderen Ländern ein llcbcreinfommen zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Im Jahre 1894 bei Besprechung des Auswanderungsgesetzes hat Abg. Bebel mit Recht bau Finger auf die Wunde des Mädchenlrandels gelegt, indem er eine Reihe von Fällen aus öambiivg anführte. Im Jahre 1897 kamen bei dem Auswandernngsgesetzentwnrs wieder diese Tinge zur Sprache und in demselben Jahre bat dann das Auswärtige Amt eine ausiährliche Denkschrift über den internationalen Mädchenhandel mit außerordentlich vielen intcrcffanten Einzelheiten veröffentlicht. Ein besonderes Verdienst aber in dieser Frage hat eine Petition eines Herrn Aßmann aus Meißen, die um ausgiebige Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels bat, gehabt und der Reichstag hat sie dem Reichsianzler einstimmig zur Berücksichtigung überwiesen, so daß eine erneute Petition desselben Herrn im Jahre 1899 durch liebergang zur Tagesordnung erledigt werden lonnte. Außerordentlich interessant waren aber die Anträge der Abgg. Graf Könitz, Dr.^ Förster und Dr. Vielhagen zu dem Answanderergesetz von 1897. Beim Stellen- vermittlungsgesetze haben meine politischen Freunde Molle und Dr. Burckhardt einen verschärften Antrag eingebracht, der allerdings nicht angenommen wurde. Wenn wir früher feststellen konnten, daß die verbündeten Regierungen der Frage nicht mit diesem positiven Interesse gegenüberstanden, toie heute, so können wir allerdings heute sagen, daß, seitdem sie in Petitionen und Diskussionen im Reick)stag zur Sprache stand, das Auswärtige Amt feine Pflicht getan hat, und wir erkennen mit den Vorrednern und den übrigen' Parteien die Tätigkeit der Regierungen an. Es muß aber auch dem Nationalkomitee zur Bekämpfung des blU‘A *u verm. EllfiMkllk >i**] Eichwea 5. 01440] Frdl. möbl. 3immer zu verm. Sounenstr. 28III. 0,Ä* Eini. möbl. riim. z. v. Renen Baue 2 I. b. Glöckle. '*S1 Möbl. Zimmer m. scv. Eing. a- v. Woctbeitr. 52 II. Einzelne Dame sucht Idiom 3—4jimintr='Kol)nMi auf 1. Juli. Schristl. rinnet). u. 01432 an d. (tz.eß. Anz erb- Ruhige Dame nicht zwei« Zimmer - Wo! nuno mit Kammer und Zubehör netnt Kochgaö in gutem Haufe uni freier ruhiger Lage. Sdninl Angebote mit Breisaimatx u. 01435 an d. Gieß. Anz. ew Pension Menne, Mod.mödl.Zimmer, elektr. 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Ter vorliegende Gesetzentwurf genügt tmorern^nuht, daß rr nur den Maui für andere, nicht den Kauf der Fraucnsv^rion an und für sich unter Srtase stellen will: auch darf kein Unter e!'-^ zwifck)en Minderwertigen und BoUiabrigen in bezug auf Verfügung und Einbehaltung gemacht werden Erfreulicherweise ist aber der ihn zelstaatsgesetzgebung, dem Reiche, die Möglichkeit gegeben, nut möglichst DcrfdwrfteH Strafbestimmungen in diesen Fragen iu arbeiten. Wir haben den dringenden Wunsch, daß das m kum't geschehen möge. _ Es ist ja nun nidü so cinsach, die Mädchcnhaiidler zu fassen, mit ungeheurem Raffinement roiffen fit fick der Strafe zu ent ziehen, zum Beifpiel durch den Wechsel ihres Namens. Sie fabmr streckenweise im Personenzug oder Lokaldamvfer, um dann in einen Schnellzug oder Schnelldainvier überzugehen und so der Verfolgung zu entrinnen. Wenn beklagt morden ist, daß die fogenannten Importländer, die in der 5?auptsakhe in Frag? kommen, an dem internationalen Ucbercinfommcn nicht beteiligt find, so ist nach meiner Ueberzeugung der Export dorthin doch durch die schärfste Kontrolle bei der Einschiffung in unseren Läsen au unterbinden. iLehr richtig! rechts.s Dieser dandel mit Aen scktenileisch, dec „Krstcnhandel", wie er in der Sprache der Mädchen- Händler heißt, geht hauptsächlich nach dem SLdosten Europas, Südrußland, nach Antwerpen, London, Konstantinopel, na* Aegypten und Südamerika. Riga ist ganz besonders bekannt, aum Buenos-Aires. Tas Bedauerlichste ist, daß in Südamerika Hanoi sachlich gerade deutsche Mädchen zu sinden sind. Tie Ursache dieses Mädchenhandels lassen sich natürlich nicht im Rahmen dieses Gesepes erörtern. Jedenfalls laufen da vieler!c- Tinge zufammen; Animierkneipen, Kabaretts, auch die foqe nannten Liliputanervorstellungen, das Stellenoermittliingswefeii ufw. (Sehr richtig! rechts.) Atif eines möchte ich gegenüber der Linken noch einmal gan; besonders Hinweisen. Es ist bemerkenswert und wird auch in hc amtlichen Denkschrift betont, daß die Mädchenhändler ausschlief. lich jüdischen Stammes sind. Hört, hört! rechts und ne Zentrum.« Wir sinden da Rainen von ganz eigenartigem Slang, ■ mit Ri. .sicht auf den Ernst der Stunde will ich darauf nicht cm eot pervers Ist. Kann Je ein So.JaUemokca! die Staatsangehörigkeit erwerbend Äoec ein deutschen Polizeispitzel darf sagen: Civis iGcrmantis sum! (Unruhe rechts.) Das fetzige Gesetz ist gar Dicht jo jcblecb!. schlecht wird es nur durch seine Anwendung. Tie Willkür der Verwaltung-behörden muß beseitigt teerten; unserer Polizei kennen wir nicht über den Weg trauen. Der neue Entwurf hat aber eine Hintertür: nach § 7 entscheidet, trenn ein Bunc-sftaat gegen eine Aufnahme durch einen anderen .Vundesstaat Bedenken erhebt, der Bundesrat. DaS bedeutet eine Verpreußung SüddeutschlandS (Lachen retfctS), Vreußen will die Einfallspforte für die Ausländer verschließen, di? Aber in Süddeutschland bestand. Diese Bestimmung muß unbcoiugt ausgeschaltet werden, sonst mag das ganze Gesetz fallen. Ter Meiner beantragt eine Ltzgliedrige Kommission. Hoffentlich gestaltet sie baS Gesetz so, daß auch wir ihm zustimmen können, x Abg. Dr. Spahn (Zentr.) gibt zur Erwägung, sich mit einer Kommission bon nur 21 Mitgliedern zu begnügen. Tie Ausführung des Vorredners rechtfertigt den Wunsch nach einer Regelung des Fremden- rechts, um dem fremden Arbeiter, der nach Deutschland kommt, unb nicht die Absicht hat, sich naturalisieren zu lassen, eine sichere byiftenz zu verschaffen. Aber mit diesem Gesetz hat das nur in den wenig zahlreichen Fällen zu tun, wo sich ein ausländischer Arbeiter naiucalificren lassen will; unb wir können ihnen nicht ein gesetzliches Recht auf Naturalisation geben und das Ermessen dec Behörden ausschalten. Richtig ist, daß der Grundsatz dec Erschwerung des Verlustes der Staatsangehörigkeit durchgeführt werden muß. Der Redner erklärt sich für seine Parteifreunde mit den einzelnen Bestim- ninngen deo Gesetzes einverstanden, erhebt aber Bedenken gegen die Deslimmung, wonach jemand, der in einen Bundesstaat ausgenommen wird, feine Zugehörigkeit zu einem anderen verliert, wenn ec nicht ausdrücklich die Beibehaltung beantragt. Dies Gesetz wird der deutschen Bevölkerung große Wohltaten bereiten. Abg. Dr. Giese (KosisZ? Wir sind einverstanden. , Der Hauptpunkt für unS isk die Erhaltung des Deutschlums im Auslanoe. Bisher regierte die gormalktat, jetzt tritt die freie Willenserklärung an ihre Stelle, uf die Erfüllung der Wehrpflicht legen wir besonderen Wert. iKeine Volksgemeinschaft ohne Wehrgemein, schäft! Der vom Vorredner so heftig angegriffene § 7 erscheint unS durchaus zweckmäßig und völlig gerechtfertigt. Wir sind einverstanden mit einer Kommission von 28 oder 21 Mitgliedern. Möge das Gesetz dazu beitragen, daß die Deutschen im KuSlande mit immer größerem Stolz ihrer Heimat gedenken, Abg. Bcck'Heidelberg (Natl.): Jahrzehnsekang gehegte Wunsche sind endlich erfüllt worden. Die Verpflichtungen, die b.‘u Deutschen im Auslände anferlegt tverdeu, sind gering. Jeder wirklich deutsch empfindende Mann wird sie mit Freuden erfüllen, um die Beziehungen zur Heimat giifrechtzuerbalten. Einige Abänderung santräge bebalten wir uns für die Koiiimiffion vor. Die Praxis bei der Aufnahme von Ausländern war in den einzelnen Bundesstaaten bisher verschieden, vielleicht oft zu lax. Manche Staaten waren aber auch zu streng Wir wünschen eine größere Einheitlichkeit. Gewisse Richttinten sind notwenoig. Bei dec Prüfung der Auf- nahinesähigkeii müssen gewisse Tatsachen als notwendige Vor- außfebung fesigelegt werden. Nicht alle Bundesstaaten sollten fine Einspruchssrift haben, sondern nur die, in denen der Ausländer fruhec wohnhaft war. Auch eine bestimmte Einspruchs- frist ist notwendig. Einen Anspruch auf Aufnahme rönnen wir allerdings keinem Ausländer znbilligen. Ob es richtig ist, die mehrfache Staatszugehörigkeit im Reiche au nehmen, ist fraglich. Wir wollen sie aufrecht erhalten. Dadurch wird das Band der Zilsaniniengehorigkeit im illeiche gestärkt. An und für sich beklage ich, daß man den Unterschied zwischen Aufnahme und Naturaliiatlon ganz aufgegeben hat. Ich hoffe da auf die Kommission. Im ganzen begrüßen wir den Fortschritt, der durch baß Gesetz erzielt wirb. Wir hoffen eine gute Wirkung davon. Wir wollen die Deutschen im Auslände als Mitstreiter für die | 1 straßc 20 1., p. sos. od. spät, zu J vertu.Nah.JobanncSitr. 15. *r„ . < Schöne 3-3immcrwobnnna 4= lillllllCnHOhlL "lü Gae, Loggia. Bleichplatz nh und Gartcnanteil, Neuvan rbarl.i nut Wartcnantctl nnb Vnhnftrnfie fnfnrt n i rr- Bleichplav ver 1. Mai ober . !»->,. zu °c.n.^--NrE KcnftÄ" 4 - Simmet - Wohiimittn -------- j1-'78 (SBiftiMBr. 3u. 5, und»-. 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