Nr. 298 Der Siebener Anzeiger erschein! täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerZamilienblätter, zweimal ivöchentl.Nreis- blatt färben Kreis Äiefjtn (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. Landwirtschaftliche Seitfragen Fernivrech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Wietzen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnnniiner bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt . 162. Jahrgang Mittwoch, 18. Dezember 1912 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Notationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. VezugSprei i: monatlich 75 vi^ viertel- jährlich Mk. 2.30: durch Abhole- »i. Zweigstellen monatlich 65 'Vt.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährt, ausschl. Bestell«. ZeileiipreiS: lokal IbPs^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz Verantwortlich für den politischen Teil: Angiisl Goetz; für .Feuille- tone, ,93ermljd)ic5* unt .Gcrichtssaal": R. Neurath: für „Stabt und Land": E.Hetz; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfafet 14 Seiten. Studcntenntts ivtttr auf deutschen rr nverfitäten. schreibt uns aus akademischen Kreisen: Der Sttl deut en aus st and in der medizinischen Fakultät der Universitäten Halle und Gießen hat nicht nur auch an anderen deutschen Universitäten Sympathiebewegrmgen aus- gelöst, sondern beginnt auch, das Interesse der politischen Oessentlichkeit zu erregen und zu fesseln. Aus allen Teilen des Reiches laufen bei dem „Streikkomitee" in Halle Syrn- pathieschreiben ein, ein Zeichen, daß man für die Bewegung Verständnis hat und daß der Grund sirr solcho Konflikte auch an anderen Städten gegeben ist. Die Zahl der R e i ch s a u s l ä n d e r, die an deutschen Universitäten studieren, hat sich nach den Angaben der genauesten Statistik im letzten Jahrzehnt von 2162 auf 3578 vermehrt und ist damit st ä r k e r gewachsen als die Zahl der Inländer! Ganz besonders sind es die Russen, die neuerdings ein immer stärkeres Kontingent bei uns stellen. Ein interessantes Moment, das zu dieser Vermehrung beigetragen hat und das allgemein weniger bekannt sein dürfte, ist, daß die russische Regierung neuerdings in weitestem Maßstab Veranstaltungen getroffen hat, um künftige russische Professoren im Auslande ausbildcn zu lassen. In Paris bestehen schon seit längerem entsprechende Äirrse; neuerdings wurden solche auch in Deutschland eingerichtet: in Berlin z. B. übernahm Prof. Seckel die Leitung eines rechtswissenschaftlichen Seminars, in Tübingen Prof. Mochmann die Direktion eines Kursus für Naturwissenschaften. Schon früher wurden junge russische Gelehrte zu Bildungszwecken außer Landes geschickt; aber die jetzige Art des Vorgehens steht zu der ehemals üblichen in merkwürdigem Gegensatz. Waren es früher die Universitäten selbst, die jene Abkommandierungen veranlaßten, und wurde dabei einzig und allein das Ziel verfolgt, die russische Wissenschaft zu fördern, so ist die neueste Regelung der Dinge einzig ein Werk der Regierung, sind die Beweggründe dazu politischer Natur und das ganze ein Unternehmen, das sich nicht nur gegen die Freiheit der Wissenschaft und gegen die russischen Professoren richtet, sondern auch die deutschen Universitäten außerordentlich belastet. Die öffentliche Meinung Rußlands ist entschieden gegen dieses Unternehmen des Ministeriums. Die höchste wissenschaftliche Institution Rußlands, die Akademie der Wissenschaften, der die bedeutendsten Gelehrten Rußlands angehören, hat sich dagegen ausgesprochen. Auch die Reichsduma hat sich geweigert, dem Ministerium die Mittel für solche Seminare im Auslande zu gewähren. Aber der Minister der Volksaufklärung hat auf Allerhöchste Anordnung auf eigene Faust gehandelt. Und die deutschen Bundesstaaten haben nun aus ihrem Budget dem neuen Zuwandererstrome das Studium auf den deutschen Hochschulen zu erleichtern. Es ist aber sicherlich nicht Chauvinismus, der den Sturm gegen das wachsende Ausländertum auf den deutschen Universitäten entfacht hat, sondern der Umstand, daß die Aufnahme- und Studiumbedingungen für die Ausländer leichter sind, als für die deutschen Staatsangehörigen. Von feiten der medizinischen Fakultät in Halle wird zwar geltend gemacht, es bestehe.doch eine große Zurücksetzung der Ausländer insofern, als sie zu keiner Staatsprüfung zugelassen werden, und daher in Deutschland nicht als Aerzte praktizieren dürfen, so daß von einer späteren Konkurrenz mit den deutschen Aerzten nicht die Rede sein könne: sie dürften doch nur das medizinische Doktorexamen nach einem besonderen Modus ablegen, das aber nicht zur Praxis in Deutschland bereck)tige, und die Russen müßten danach in Rußland alle dort üblichen Examina ablegen. Tatsache ist aber, daß die Ausländer, da sie nach dem Mini- sterialerlaß vom Jahre 1896 das Physikum an deutschen Universitäten nicht machen dürfen, durch die Milde der Professoren auch ohne Physikum, ohne genügende Vorbereitung an den klinischen Hebungen aktiv teilnehmen können. Sie werden also ohne die Vorbildung der deutschen Studenten ebenso gefragt und zum Praktizieren zugelassen wie deutsckje Studenten, obwohl sie oft kaum der deutschen Sprache mächtig sind und auch sonst keine besonders starke Vorbildung aufweisen. Die Zahl der russischen Studenten an der medizinischen Fakultät Halle beträgt jetzt ein Drittel der Gesamtziffer. Von 120 Klinikern sind 90 Deutsche und 30 Russen. Die deutschen Studenten verlangen nun, daß erstens die Ausländer, die an einer deutschen Universität studieren wollen, eine Vorbildung aufweisen müssen, die dem deutschen Gymnasialzeugnis gleichwertig ist, und daß zweitens die Ausländer neid) fünf Semestern ihr Physikum bestehen sollen und dann erst zu den praktischen Uebungcs zu gelassen werden. Diese Forderungen sind in Kiel und Königsberg schon erfüllt. In München war die Durchführung ganz besonders scharf. Nur 2 Prozent Ausländer werden dort zugelassen und sie müssen vor ihrer Doktorpromotion eine deutsche Sprachprüsimg ablegen. Angesichts der mannigfachen Klagen, die auch allgemein das Studium der Ausländer auf deutschen Universitäten im Gefolge hat, wird man es mit Genugtuung begrüßen, wenn von diesen künftig höhere Jmmatrikulationsgebühren beansprucht werden. Aber auch die Kollegicngelder sollten für Reichsausländer beträchtlich erhöht werden. Unsere Steuerzahler haben es wirklich nicht nötig, mit ihrem Gelde den Ausländern das Studium auf deutschen Hochschulen zu gewähren. Die Zriedenskonserenz. London, 17. Dez. Die Friedenskonferenz ist heute vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze Dr. Danews zusammengetreten. Sie vertagte sich nach einer Stunde. Heute nachmittag ist keine Sitzung. Die nächste Sitzung der Friedenskonferenz findet erst am Donnerstag statt. Wie das Reutersche Bureau erfährt, herrschte in der heutigen Sitzung der Friedensunterhändler das b e st e Einvernehmen, obwohl man überrascht war, daß die türkischen Delegierten es verabsäumt hatten, sich angesichts der offenkundigen Stellungnahme Griechenlands zum Waffenstillstand rechtzeitig weitere Instruktionen einzuholen. Die türkischen Delegierten schlugen vor, daß in der Zwischenzeit die von den verbündeten Balkanstaaten zu machenden Friedensbedingungen ihnen bekannt gegeben würden. Die Delegierten der Baltanstaaten lehnten dies als zwecklos ab. Da die türkischen Delegierten keine Vollmacht hatten, mit den vier Balkan starrt en zu verhandeln, so konnten Verhandlungen überhaupt nicht stattfinden. Nach einer amtlichen Meldung vertagten die Delegierten die Beratungen "deshalb bis Donnerstag, damit die Vertreter der Türkei sich mit ihrer Regierung in Verbindung setzen können, da ihre Instruktionen nur erlauben, mit den Delegierten der drei Länder, die den Waffenstillstand bereits unterzeichnet haben, in Verhandlung zu treten. In der Friedenskonferenz wurde beschlossen, Grey zu bitten, der Konferenz einen englischen Sekretär beizuordnen, der mit der Leitung des Sekretariats betraut werden soll. Die Botschaftertonferenz, wurde gegen 3 Uhr 30 im auswärtigen Amt eröffnet. Der russische Botschafter Graf v. Benckendorff erchien zuerst, der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky, der französische Botschafter Cambon, der italienische Botschafter Imperiali und der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Mensdorff folgten. Tas Reutersche Bureau erfährt, die Botschafter hätten gestern bei dem Minister des Auswärtigen Grey im Auswärtigen Amt eine Besprechung gehabt, wobei die allgemeinen Grundlagen der bevorstehenden Unterredungen beschlossen wurden. Wie das Reutersche Bureau aus diplomatischer Quelle erfährt, wird jeder Beschluß nur ad referendum gefaßt werden. DieVerhand- jungen sollen geheim gehalten werden. Wahrscheinlich werden zuerst die heikleren Fragen, die Störungen herbeiführen könnten, verhandelt. Man hofft, daß der beständigere schnellere Meinungsaustausch, indem er die Mächte in engen Beziehungen hält, einen wohltuenden Einfluß auf die europäische Meinung ausüben und die Regierung instand setzen wird, ihren Wunsch nach einer Lösung der schwebenden Fragen und • Aufrechterhaltung des europäischen Friedens in die Wirklichkeit umzusetzen. Wieder ein Gefecht an der Einfahrt der Dardanellen. London, 17. Dez. Einer Lloydmelduug zufolge, begann heute morgen in der Einfahrt der Dardanellen ein Gefecht zwischen der griechischen und der türkischen Flotte. Konstantinopel, 17. Dez. Wie verlautet, erhielt der Kriegsminister ein Telegramm vom Kommandanten der Flotte, in dem es heißt: Heute morgen fand ein neuer Kampf zwischen der türkischen und griechischen Flotte statt. Nach einer Stunde seien Flammen auf dem Deck des „Averoff" bemerkt worden. Dieser legte sich alsbald auf die rechte Seite und wurde von den übrigen griechischen Schlachtschiffen umringt, die sich dann, verfolgt von der türkischen Flotte, zurückgezogen hätten. Wie weiter verlautet, schicken sich türkische Transportschiffe an, Truppen mit unbekannter Bestimmung an Bord zu nehmen. Ter Berliner „Lokal-Anzeiger" meldet aus Konstantinopel : Nach Berichten von Reisenden liegt der „Averoff" etwa 70 Meilen vom Piräus entfernt auf einer Seite. Beschießung des Hafens von Moliro. Konstantinopel, 17. Dez. Wie ein Telegramm des Kommandanten des türkischen Detachements auf My- tilene, Abdul Ghani, meldet, erschienen gestern früh zwei in Kriegsschiffe verwandelte griechische Dampfer vor M o l i v o und forderten Um* Schiffer auf, 'sich aus dem Hafen zu entfernen. Als diese sich weigerten, bombardierten die Schiffe den Hafen. Das Gebäude der Dette publique, das Zollgebäude, zwei Läden, eine Bäckerei, zwei Die Adrcssc der deutschen Stäöte zum Kaiferjubiläum. 80000 Mark Herstellungskosten. Die deutschen Städte haben sich, wie berichtet, dahin geeinigt, 6cm Kaiser zu seinem 25iäljrigcn Regierungsjubiläum eine künstlerisch ausgestattete Adresse zu überreichen. Die Zentralflelle des T rutschen Städtetages hat jetzt den einzelnen Stadtverwaltungen mflgeteilt, daß es sich nicht ermöglichen läßt, die Huldigungs- adrcsse im Rahmen der zuerst vcransäflagten Kosten in Hohe von 40 000 Mark auszuführen, da nach Meinung des mit der Ausführung betrauten Professors Hupp in Schleißheim zur Erzielung einer vollen künstlerischen Wirkung eine mit der Adresse zn einem einheitlichen Ganzen harmonisch verbundene Kapsel nicht gut umgangen werben könne. Die Kosten er höben sich hierdurch aus etwa 80 000 Mark. Das bisher nur in allgemeinen Umrissen ange- fertigte Modell stellt sich folgendermaßen dar: 1. Oberdeckel nut dem Wappen des Kaisers mit Helm, Kleinod und Decken aus emaiHicrtem und vergeudeten Feinsilber, anf einem mit graviertem Elimbein und Perlmutter eingelegtem Grund: 2 die Tafel im Znnenbeckel: 3. die goldene Schristtafel -,e nach der Lange des Textes der Urkunde würbe biefe beide Tafeln füllen ober sich auf bte zweite beschränken: in diesem Falle erhielte der Jnnendeckel cm geatztes Flächenornament: 4. die Mitteltafel:, 5 die rechte und die linke Seitentafel. Diese ttiptyckwnartig aunchlagenden Tafeln sollen auf goldenem Grund die Wappen der 1(6 stabte des Ttritschen Städtetages in Email tragen, jede mit einem Tafelchen Mr dem Schild. Die Mitteltafel erhält als Miltelstück das Reichswappen mit der Kaiserkrone und den Worten: „Deutscher Etäbtetag mit 176 Städten". Ringsherum und die^stadtewappen ton Aachen bis Gera an geordnet. Die rechte r-ertentasel be- fonrmt das Wappen und die Uebersckfrift „Rcimslsauvtfladt Berlin »um Mittelpunkt und darum die Scknlder Gietzen bis Neumünster Als Gegenstück hat die linke Taiel das Wappen und bie Neber sch rist ■ Haupt- und Residenzstadt München" und darum die Schilber Neuß bis Zwickan. Die Mittelivappcn sollen aus Lekorativen Gründen erheblich größer und reicher ausgestattet Derben als die anderen: 6. eine Tafel, nut ben Wappenschildern 6er Provinzen Brandenburg, Ost- und Weltpreußen, Pommern, Wen, Schlesien, Schleswig-Holstein und Vannover, sowie der Staaten Bauern und Baden: 7. einen Ruckendeckel foll die Urkunde nicht bekontmen, da sie ihrer Schwere wegen nicht frei buch- 1-rmig beweglich ist, sondern,fest auf einem niederen sockel ruht. Stbe der sieben Tafeln ,oll ferner die Große von 47: 34 Zenti - wteni erhalten. Ms Material für die Wappen und Befchlage ist Feinsilber, für bie Schrifttafetn Kupfer, beides stark vergoldtt, rvegesehen. Nach der Fertigstellung der Adxesse ist in Aussicht genommen, alle fieben Tafeln und auch gegebenenfalls die Elfenbeinkapsel in Lichtdruck aufnehmen zu lassen, so daß jeder der beteiligten Gemeinden eine genaue Abbildung und Beschreibung der Ehrengabe eingehändigt werben kann. Wegen der von 40 000 Mark auf 80 000 Mark gestiegenen Kosten ivaren zuerst einige Bedenken laut geworden, vor allem wurde auch betont, daß der Kaiser selbst sich Geschenke von materiellem Wert verbeten und ausdrücklich gewünscht habe, cs möchten die hierfür in Aussicht genommenen Mittel woUtätigen, gemeinnützigen ober patriotischen Zwecken zugewendet werden. Schließlich erschien jedoch bei gründlicher Prüfung der erhöhte Betrag von 80 000 Mark gering in 2lnbetracht der Tatsache, daß die 176 Städte des Städtetages zusamnicn etwa 20 Millionen Einwohner haben. Die bayerischen Städte mit einer Gesamtbevölkerung von nur 2 400 000 Einwohnern haben seinerzeit dem Prinzregenten Luitpold zu seinem 90. Geburtstage eine Huldigungsadresse überreicht, für die ein Betrag von 40 000 Matt aufgewendet worden ist. Lluch die Bedenken wegen des kaiser- lickfen Verbots von Geschenken mit materiellem Wert wurden fallen gelassen mit Rüch'icht darauf, daß die deittschen Städte schon durch die Errichtung einer Kriegs vetcranenstrftting den Wünschen des Kaisers gerecht werden, und baß die Adresse nur die würdige äußere Form des Inhalts der Urkunde ist. • Neue Erscheinungen auf der Sonne. 0 Kassel, 15. Dezember. Infolge der außerordentlichen Fortschritte der Astronomie und Astrophysik ist es nicht mehr möglich, daß ein einzelner Forsckxr sämtliche Zweige dieser schwierigen Wissenschaften beherrscht. Es gibt daher auch hier Spezialisten, die sich auf eng begrenzte Gebiete beschränken, um diese intensiver bearbeiten zu können. Tie Doppel fterne, die veränderlichen und farbigen Sterne, die Nebelflecke und Sonnenhaufen, der Blond, bie Planeten und Planetoiden haben ihre Sonderbeobachter, ebenso die verschiedenen Erscheinungen auf der Sonne. Die Protuberanzen beobachtet seit Jahren M Fenyi in Kalosea (Ungarn1, die Grannulation R. Chevalier in Zose ,China h und die Sonnenflecke Stephani iSonnenwarte Kassel,. Beobachtungsinstrumente und Sternwarten werden vielfach für Spezialzwecke gebaut: so die Sonnenwatte auf Mount Wilson in Kalifornien. Professor Hale schlug daselbst eine ganz neue Methode ent, er plwtographiett die Sonne mit dem Licht einer einzigen Spektralfarbe und hat es fv möglich gemacht, uns Aufklärung zu verschaffen über die Beschaffenheit der glühenden Gashülle, welche, im gewöhnlichen Fernrohr unsichtbar, den riesigen Sonnenball umgibt. Auch Deslandres in Meudon und Ricco (Sizilien) benutzten die Halesche Methode. — Die schwierigen Bereckmungen der Beobachtungsresultate, welche in früheren Zeiten der Observator selbst ausführen mußte, besorgt heute das Astronomische Recheninstitut in Berlin, sobald es sich um Bahnbestimmungen der Komtten und Planetuidcn und ähnliche Sachen handelt, die von allgemeiner Wichtigkeit für die Astronomie sind. Wälirend nun Deslandres, Ricco und Hale die Erscheinungen in den höchsten Regionen der Gashülle der Sonne photographieren, untersucht Stephani die sehr veränderlichen Vorgänge auf der sichtbaren Sonnenoberfläche im stark vergrößernden, nach seinen Angaben gebauten Photoheliographen. Seine häufigen Photographien in stets genau gleicher Größe erlauben später noch genaue Messungen und Vergleiche, um Veränderungen festzustellen. Gr hat auf Grund seiner 2200 Sonnenbilder nachgewiesen, daß neben der von Schwabe 1842 entdeckten 11jährigen Periode der Fleckenhäufigkeit noch eine andere besteht, nämlich eine Periode des Entstehungsortes der größeren Flecken. Diese entstehen zum 'größten Teil — über 92 Prozsit — auf der Seite der Sonne, die gerade der Erde abgewendet ist und werden uns sichtbar durch die Achsendrehung der Sonne, ivclche in etwa 27 Tagen erscheint. Aus diesem Grunde ist es selten möglich, einen größeren Flecken oder eine Gruppe in ihrer Entstehung zu beobachten ober zu photographieren, was für die genauere Erforschung dieses Vorganges von größter Wichtigkeit wäre. Die meisten Flecken ziehen über die sichtbare Sonnenseite in etwas weniger als 14 Tagen und vergehen auf deren Rückseite. Die Astronomen teilen die Sonnenoberfläche in Sängen grabe, die vom Nordpol nach dem Südpol laufen und in Breitengrade, dem Soiinen-Aeguator parallel, ebenso wie es auf unseren Landkarten üblich ist. Tie scheinbaren Bahnen der Flecken laufen nun stets parallel den Breitengraden und befinden sich hauptsächlich in zwei Zonen, nördlich und südlich vom Aeguator. Stephani hat in den „Mitteilungen der Bereinigung von Freunden der Astronomie und tosmischen Physik" 'Dezemberheft 1912) graphische Darstellungen der Fleckenzonen veröffentlicht, welche sehr übersichtlich die Verteilung der Flecken für jedes Halbjahr von 1899 bis 1911 zeigen. Man erficht daraus, daß die Flecken stets symetrisch auf der nördlichen und südlichen Hälfte der Sonnenkugel erfdienen sind. Die Polgegenden der Sonne bleiben stets völlig frei, nur bis 22 Grad nördlich und südlich vom Aeguator erscheinen Flecken. Während des Maximums bleibt auch der Aeguator der Sonne fast ganz frei. Später erscheinen auch hier Flecke, und ein Ueberblick der Zeichnungen der letzten 14 Jahre läßt ein regelmäßiges An- und Abschcvellen der Fleckenhäufigkeit erternten. Professor Dr. I. P l a ß m a n n sagt bei einer Besprechung dieser noch unerklärten Erscheinungen (Hochland, 10. Jahrgang, 3. Heft': „Es wäre ein poetischer Gedanke, wenn wir uns die Sonne, das gewaltige Lebensherz unseres Planetensystems, auch pulsierend vorstellen könnten. Jeder Puls- Cafes irnb ein Hvtek bcrbTorntten. Weiter wurden einige Häuser und Läden beschädigt. Menschen sind nicht um- geEommen. Der Prohaska. Wien, 16. Dez. Die t>jm Ministerium des Aeußern in der Angelegenheit des Konsuls Prohaska in Prizrend durch den von hier entsendeten Delegierten gepflogene Untersuchung, die sich infolge der großen Entfernungen und der durch die Kriegslage geschaffenen Verhältnisse einigermaßen in die Länge zog, ist nunmehr abgeschlossen. Auf Grund des Ergebnisses kann erfreulicher Weise feftgestellt werden, daß die im Umlauf gewesenen Gerüchte, wonach der Konsul Prohaska von serbischer Seite auf seinem Po st en förmlich gefangen gehalten und sogar mißhandelt worden sei, jeder Grundlage entbehren. Die seiner Zeit von der serbischen Regierung gegen den genannten Konsularfunktionär mit dem Ersuchen um dessen Versetzung erhobene amtliche Anschuldigung, daß bei dem Einzüge der serbischen Truppen in Prizrend aus dem Konsulate auf diese geschossen worden wäre, hat sich als vollkommen grundlos erwiesen. Dag"gm haben sich die serbischen Militärbehörden in Prizrend allerdings unserem dortigen Konsulat, dessen Leiter und dem Personal gegenüber vom völkerrechtlichen Standpunkte aus mehrfach ins Unrecht gesetzt. Die in dieser Beziehung vorgekommenen Verstöße werden der serbischen Regierung mit dem Begehren um entsprechende Genugtuung bekannt gegeben Es ist kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß die serbische Regierung, welche sich der Mission des Delegierten des Ministeriums des Aeußern gegenüber durchaus entgegenkommend verhalten hat, die Genugtuung verweigern wird. % JULI1 ......... ' ..■,■■■»X"— Deutsches Reich. Ein Straferlaß des Prinzregenten Ludwig. Prinzregent Ludwig von Bayern teilte dem bayerischen Iustizminister den Wunsch mit, aus Anlaß der Uebernahme der Regentschaft im Andenken an seinen Vater Luitpold einer größeren Zahl von Verurteilten Gnade zu erweisen. Er beauftragte ihn, geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Der Prinzregent empfing int kleinen Thsronsaal der Residenz in feierlicher Form das diplomatische Korps. Der päpstliche Nuntius Monsignore Frühwirth gab als Doyen des diplomatischen Korps der tiefen Trauer über das Ableben des Prinzregenten Luitpold Ausdruck und sprach dem Prinzregeuten Ludwig die Wünsche des diplomatischen Korps für eine lange, gesegnete und glückliche Regierung aus. Die polnische Propaganda. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Posen: Das polnischen Zentralkomitee für Deutschland beschloß die Gründung eines 64gliedrigen National- Landtages; außerdem wurde in Posen ein neuer polnischer Verein „Bürgerliches Zentrum" gegründet. Ein Pamphlet gegen das Deutschtum. Aus Straßburg wird gemeldet: Ein bei Fleury in Paris soeben erschienenes neues Jllustrationswerk des Kolmarer Zeichners I. I. Waltz (HanM ..SS; ft n i r c d'A lsaoe" ist verboten worden, weil das Buch als ein tendenziöses Pamphlet gegen das Deutschtum angesehen wird. Ausland. Ein Gymnasiast als Spion. Die „Voss. Zeitung" berichtet aus Krakau: Auf dem hiesigen Bahnhof wurde ein Gymnasiast Kunke aus Jaroslaw verhaftet. In seinem Besitz wurden Aktenstücke über die Reservisteneinberufung und Truppenverschiebung gefunden. Kunke wollte im Auftrag zweier Beamten nach Rußland fahren. Die beiden Beamten sind verhaftet worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. hessische Erste Kammer. 8. Sitzung. . 8t. Darmstadt, 17. Dezember. Am Regrcrungstnche: Staatsminister Emald, Minister des Innern von Hombergk zu Vach, Geheimerat Dr. Becker. Ministerialrat Hölzinger, Oberregierungsrat Graes, Geh. Obcrforstrat Dr. Walther. Präsident Graf v. Schlitz gen. v. Görtz eröffnet die Sitzung schlag imirbe dann elf Jahre dauern, vierhundcrtmillionenmal so langsam, als der des Menschenherzens." Diese regelmäßige Aenderung ist mm 1912 (Jahr des Mini mmns) babiivri), unterbrochen worden, daß die wenigen Fie len sämtlich nur auf die Südl^lbkugel der Sonne erschienen sind, und zwar zwischen dem 7. bis 9. Breitengrade südlich vom Aeouator Wahrend also m allen anderen Ial/rcn sie sich über in hr als 60 Breitengrade der Sonne erstrecken, nelMen sie in diesem Jahre, 1912, weniger als 3 Breitengrade ein. — Eine Erklärung dieser merkwürdigen Erscheinung hat auch Stephani bisher noch nicht versucht. ♦ Richard Kirch, der beliebte Heldendarsteller des Frankfurter Schauspielhauses ist am Dienstag nach längerer Krankheit rin Alter von 45 Jahren gestorben. Kirch war zehn Jahre lang mit bestem Erfolge in Frankfurt tätig, nachdem er vorher in Mcinlngen, Stuttgart, Petersburg, Mainz, Dresden, Wien und Hamburg tätig gewesen ist. Reuerdings hatte man ihn zum zweiten Dramaturgen des Schauspielhauses gemacht er konnte diese Stelle aber nicht mehr antreten. — Von Kapitän Scotts Südvolarexpcdition Die „Terra nova", das Expeditionsschiff Scotts, das int ver- scmtiencn März nach der Landung der Schlittenabteilungen nach Neuseeland zuruckgekelm war, hat am Freitag die Ausreise von Ehrsttcl'urch iDtebcr angetrcten, um die mit dem ewigen Eise der Südpolarregion ringenden Forscher wieder auszunehmeii und beim- z>ubringen. Rach der UeberWindung des Packeises wird die Terra nova sich dem MeMurdo^Stmd zuivenden und man hnfst daß das Fahrzeug nngesälw fn der Mitte des Januars die Basis der ocohito Schlittenexpedition am Kap Evans erreiffen wird Wenn d-.e.e Voraussetzungen eintreffen, wird man Kapitan Scott bereits im März wieder in Neuseeland erwarten dürfen Tie Expedition würde dann ungefähr 2 Jahre und 4 Monate in Anspruch genommen haben. Die letzte Nachricht, die von dem R'valm Anmndsens nnglng, berichtete, daß sich Scott am 3 Jaguar loO engl.säv Metten vom Südpol entfernt befand (a.7 Ä*1'" "us Ku nst und Wissen- " Vr q?^'dcmt oallißres empfing am Montag den Südpol mtdcckn ck mund, en und überreichte ilrm die Insignien eines Grvßoffl,ziers der Ebrenlegton. — Zur Erlanauna eines nut™ Entwurfes für ein Plakat der Deutschen W e^ k b u n d - A E l hin g5t ol n 19 1 4 ist ein Wettbewerb unter den Mitgliedern des De'Mcken Werkbundes ausgeschrieben, iiir den 3700 Mrnck ersten,Jntendanten von r e‘51 a « ijt bet Lberreguicur des ^vck>auspiels in a-r o n r fmt a. M. Wold-mar Runge gewählt uwrdcn ” um 121/* Uhr mit Verlesung mehrerer Entschuldigungen: U. a. teilt Prinz z u Solms-Braunfels mit, daß er krankheitshalber gezwungen ist, seine Mitgliedschaft im Finanz- und Vereinfachungsausschuß niederzulegen. Staatsminister Ewald stellt dem Hohen Hause als neuen Regierungskommissar.den Oberregierungsrat Gracf vor. Einige Wahlen werden zurückgestellt und das Haus berät zuerst die Regierungsvorlage/ Entwurf eines Gesetzes, die Ausführung der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung betreffend, und in Verbindung damit den Antrag der Abgeordneten Senßfelder und Gen., die Abführung der Beiträge zur Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft betreffend. — Geh. Justizrat Dr. Kleinschmidt erstattet kurzen Bericht für den Ausschuß. Tie Artikel 1, 2, 3, 4 werden nach den Ausschußanträgen in der von der Zweiten Kammer beschlossenen Fassung angenommen. Zu Artikel 5 wurde in der Zweiten Kammer bekanntlich mit Zustimmung der Regierung eingefügt als Pos. bi: „insolange die Land- und Forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen die Gärtnereibetriebe umfaßt, einen Vertreter der selbständigen Handelsgärtner Hessens, den unser Ministerium zu bestellen berechtigt ist." Minister des Innern von Hombergk zu Vach: Ter Ausschuß dieses Hohen Hauses hat angeregt, nachdem die Zweite Kammer den Gärtnereibetrieben eine Vertretung verschafft, nunmehr auch den Waldbesitzern das Recht auf eine Vertretung im Ausschüsse einzuräumen. Die Regierung glaubt, dieser Anregung nicht stattgeben zu sollen, da die Interessen der Waldbesitzer genügend vertreten werden durch das Finanzministerium. Ter Ausschuß und das Hohe Haus sind damit einverstanden und stimmen dem Beschluß der Zweiten Kammer zu. Die Artikel 6 und 7 werden in der Fassung der Zweiten Kammer angenommen. Zu Artikel 8 hatte bekanntlich die Zweite Kammer im Abs. 2 die Worte „nach Anhörung" in „mit Zu st i m mun g" ab- gcändert. Ter Ausschuß der Ersten Kammer hält es für richtig, daß das Ministerium des Innern vor einer Ernennung des Vorsitzenden und des Stellvertreters die Genossenschaftsversamm- lung anzuhören hat und billigt deshalb die Fassung, wie sie ursprünglich vom Ausschuß der Zweiten Kammer vorgeschlagen war. Der Ausschuß beantragt daher: Annahme des Art. 8 in der Fassung Zweiter Kammer unter Abänderung der Worte „mit Zustimmung" in die Worte „nari Anhörung". Ter Ausschußantrag wird angenommen. Ebenso in der Fassung der Beschlüsse Zweiter Kammer die Artikel 9 bis 12. Zu Artikel 13 führt Berichterstatter Geh. Justizrat Dr. Kleinschmidt aus: Der Ausschuß hat sich mit der Ansicht, daß die Beiträge von den Grundeigentümern erhoben werden, nicht einverstanden erklären können. Dagegen beantragt der Ausschuß die Annahme des Artikels 13 in der Fassung der Regierungsvorlage unter Beifügung folgender Bestimmung zu Abs. 1: „Wird indes der Betrieb ganz oder teilweise für Rechnung eines anderen geführt, so hat dieser den bezahlten Beitrag an den Grundeigentümer zurückzuerstatten. Bei Streit über die Erstattung finden die Vorschriften des Abs. 3 des § 1009 R.-V.-O. Anwendung." Minister des Innern v. H o m b e r g k z u V a ch: Da der vom Zweiten Ausschuß des Hohen Hauses beschlossene Zusatz mit der Reichsgesetzgebung im Einklang steht, hat die Regierung nichts dagegen zu erinnern, wenn der Antrag angenommen wird. Fürst z u Leiningen weist als Vorsitzender des Zweiten Ausschusses daraus hin, daß dieser zunächst auf dem Standpunkte stand, daß die Beiträge nicht von dem Verpächter, sondern vom Pächter zu erheben sind. Die Reichsversicherungsordnung hat mit Recht den Betriebsunternehmer als denjenigen bezeichnet, der die Beiträge zu zahlen .hat. Der Besitzer, der seinen Besitz verpachtet, hat keine Vorteile von der Versicherung, sondern der Pächter, also hat dieser rechtlich auch die Beiträge zu zahlen. Die Regierung hat erklärt, fcaft sie für die Forstverwaltung, da die Erhebungskosten usw. unverhältnismäßig hohe wären, später die Beiträge aus die Staatskasse übernehmen will. Ich bin der Meinung, daß das nicht der richtige Weg ist, wenn das Reichsgesetz vorschrecht, daß die Pächter die Beiträge zu zahlen haben. Die der Staatskasse erwachsende Belastung läßt sich wohl gut anderweit verwenden. Den Privatunternehmern ist es schwer, dem Beispiel des Staates zu folgen. Der heute vorgeschlagene Zusatz bedeutet die Aufgabe vieler Wünsche; er bedeutet, daß die vom Verpächter vorgeschossene Summe zurückzuzahlen ist. Redner bittet, den Antrag anzunehmen. Domkapitular Dr. Bend ix möchte darauf Hinweisen, daß auch diese Bestimmung wieder eine Belastung der Besoldungsgüter bedeutet. Minister des Innern v. Hombergkzu Vach: Das Vorge- chlagene ist bereits in dem Gesetz von 1902 vorgesehen und bedeutet dagegen keine Aenderung. — Der Ausschußantrag wird dann angenommen. Ebenso nach der Fassung der Beschlüsse Zweiter Kammer die Artikel 14 unk 15. Zu Artikel 16 stellt Fürst Karl zu Solms-Hohensolms - L i ch den Antrag, dem Artikel am Schlüsse folgenden Zusatz zuzufügen: „Die Frist der Offenlegung ist den' abwärts Wohnenden schriftlich mitutcilen ober im Kreisblatt bekannt zu machen." Minister des Innern v. Hombergk zu Vach: Die Bedenken, die diesem Antrag entgegenstehen, liegen ausschließlich ans materiellem Gebiete. Da die Summe aber wohl nicht hoch ist, hat die Regierung nichts dagegen einzuwenden. — Ter Antrag wird bann angenommen. Ebenso sämtliche übrigen Artikel in der Fassung der Beschlüsse der Zweiten Kammer und d a m 11 :das ganze Gesetz. Hiernach hält Finanzminister Braun den gleichen Vortrag über den H a u p t v o r a n schl a g für 19 13, der int Bericht über die Verhandlungen Zweiter Kammer im Auszüge mitgeteilt wird. Das Haus berät dann den dringlichen Anttag der Abg. Adelung und Gen., den Gesetzentwurf über die Abänderung des Gesetzes, die Besoldungen der Staatsbeamten vom 9. Juni 1898 betreffend. Fürst zu Jsenburg-Birstein verliest hierzu eine längere Erklärung, an deren Schluß der erweiterte Erste Ausschuß beantragt: 1. Tie Erste Kammer bedauert, daß dem Initiativantrag der beiden Kammern in Drucksache Nr. 200 seitens der Regierung feine Folge gegeben wurde. 2. Die Erste Kammer nimmt die in dem Schreiben der Regierung vom 5. Dezember 1912 enthaltenen Erklärungen an. 3. Die Erste Kammer beharrt zunächst auf ihrem Initiativantrag bis zu einer diese befriedigenden Lösung der bestehenden Differenzen. 4. Ten Antrag der Abg. Adelung und Gen. damit für erledigt zu erklären. Finanzminister Braun: Auf die vom Herrn Referenten erwähnten Verhandlungen im Ausschuß, über die ja ein genaues Protokoll nicht geführt wird, kann ich mich heute nicht mehr genau .erinnern. Ich kann aber darauf Hinweisen, daß für mich kein Anlaß zu einer Erklärung bestand, nachdem die Regierung früher schon eine ablehnende Erklärung schriftlich der Zweiten Kammer abgegeben hatte. Es ist doch nicht angängig, daß ein Minister eine Erklärung abgibt, die mit einer früheren wiederholten Erklärung des Staatsministeriums als Ganzes in Widerspruch gestanden hätte. Minister des Innern von Hombergk zu Vach: Ich famt mich den Worten des Herrn Finanzministers anschließen und möchte hinzufügen, daß ich bei der Zusage, die ich im Finanzaus- unuß gegeben, mit keinem Gedanken an den Jni'.iativantrag gedacht nabe. Es i|t das wohl begreiflich, wenn die Herren in Er- H?1 äufnt-1 SKhen, daß sich die Verhandlungen im Finanzausschuß ia lieblich doch im wesentlichen dah.n zusammengezogeii batren, nne mit) ab jnc Wunfche der Lehrer berückfichiigi merben können ober nicht -ter Gedanke an die Mantmerbeamlen bat mir begreif Ilcherwcpc ferner gelegen, als die anderen großen Fragen. Daß W. We Theodor Bei Zuni in Crc nann begang = Fra Wie hchrmrWm Ht. Wi' Ne- fcpfato, w Straßen in so gutem Zustande sind, weil Die Stadt Gießen Z Anregung dazu gibt. Wo solche Zustande herrschen, n?ieJ zwischen der Station Großen-Linden und Leihgestern, sollte Stunde von der Stadt. Ter Einsender vermutet, daß diese öm den |dnc sorMt M dringend i bevirlen. Bc rechtzeitig : Swährlristet . u KJ1 °rdentl Sß6erorbent( WtMten u K- Srifi Ä“ ISpta RäS.* I fü I lÄS» 6 1842 ^^atriknl I.VÄ I ich den Initiativantrag als etwas ganz selbstverständliches Betrachtet habe, geht auch daraus hervor, daß ich einem Mitglied dieses Hohen Hauses auf die Frage, wie es mit dem Jntuatrv antrag werden würde, geantwortet habe, „darüber werben mir uns wohl auch schon noch einigen". Ich glaube, man tonn aus dem Schweigen Der Regierung wohl nicht Die Folgerung riehen, daß sie bewußt dem Initiativanträge zugestimmt hat. Namentlich auch nicht, wenn man die Erklärungen in Betracht zieht, die der Herr Geheime Staatsrat Krug von Nidda seinerzeit für den erkrankten Herrn Staatsminister in Der Zweiten Kammer abgegeben hat. Fürst zu Stolberg-Roßla kann sich den Darlegungen der Regierung nicht anschließen. Im Ansschllß konnte inan nicht im Zweifel Darüber fein, daß die Regierung dem Initiativantrag völlig zustimme. Staatsminister Ewald: Ich Tann im Wesentlichen auf meine Ausführungen in der Zweiten Kammer verweisen, die ja wohl zur Kenntnis der Hohen Herren gelangt sind. Es ist ausgefuhrt worden, daß es sich in dem Initiativanträge nur um ein Provisorium handeln sollte. Das ist aber aus dem Initiativanträge nicht heraüszulesen. Daß der Jnitiattvantrag vielmehr ein beiß nitiver Regelungsvorschlag ist, ist auch aus seinem Schlußsatz zu ersehen, in Dem gefordert wird, daß zu diesen Gehaltssätzen noch Die Gehaltssätze hiitzukommen. Die bei Den Vorlagen der organischen Besoldimgsordnung beschlossen werden. Es bat sich als zweifellos nicht um ein Provisorium gehandelt. Gerade dieser Punkt hat bei uns Bedenken heroorgerufen. Ich habe schon gesagt, wenn der Kammer ihre Beamten näher stehen, als die übrigen Staatsbeamten, so ist das begreiflich, aber es ist ein Standpunkt, den die Regierung nickst teilen kann. Solange die Kammerbeamten in dem Verband Der Zivilstaatsdiener bleiben, müssen sie sich 'Den für diese geltenden Bestimmungen fügen, die übrigen Beamten würden das sonst mit Reckst als eine Zurück fet-ung cm sehen. Der zweite Grund liegt für uns in der An stellung der Beamten. Das Recht Der Anstellung durch den Kammerpräsidenten kennt man wohl in anderen Staaten, aber diese ziehen Dann auch Die Konsrauenzen daraus. In Preußen z. B. stehen diese Beamten ausschließlich unter der Verantwortung und der Disziplin des Präsidenten. Das wollte der Initiativantrag, aber nicht, die Anstellung Durch den Großherzig sollte beibehalten werden. Dieser Regelung können wir nickst Mstimmen. Es gebt dockt nicht, daß mau einen Beamten anstellt, eventuell gegen Den Willen eines Ministers, dem gleichen Minister aber die Veram wortnng für seine Dienstführung des Beamten überläßt. Es sprechen noch weiter zu der Sache int Sinne Der Aus- schußerklärnng Die Herren Oberbürgermeister Göttelmann, Frhr. v. Hehl, Fürst Jsenburg-Birstein. Dann wird der Ausschuß antrag angenommen. Wegen der vorgerückten Zeit wird die Sitzung um yz3 Uhr abgebrochen. — Nächste Sitzung Mi'ttwoch, 11 Uhr. I .frÄ Aus Stadt und Catifc, (Sie neu, 38. Dezember 1912. * * Tageskalender für Mittwoch, 18. Dez. Stadt» theater: „A u t o l i e b ch e n". Anfang 7 Uhr. Deutscher F l o t t e n v e r e i n. Bort rag des Admiral« Westphal: lieber Bart und Ausrüstd'Ng von Kriegsschiffen. Abends 8 Uhr im Hotel Großherzog. * "Psarrversonalien. Der GroH Herzog hat dein seitherigen 2. Pfarrer an der Epileptischencuistalt zu Nieder- Namstadt Gg. Glock die evang. Pfarrstelle ztt Stumpertenrod übertragen. "Ails dem Forst dien st. Der Grvßherzog hat den Forstassessor Otto Kratz zu Eichelsdorf zum Forstassistenten ernannt. • • Prüsung 8 statistik. Der Staatsprüfung für da« höhere Justiz- und VermaltungSfach unterzogen sich! im Herbst 15 Kandidaten, von denen 3 nicht bestanden. Von den 12 Bestandenen erhielten je 4 Kandidaten die Noten Gut, Im Ganzen gut und Genügend. • * Pfandmeister Karl Diehl zu Michelstadt wurde in gleicher Diensteigenschaft in den Beitreibungsbezirk Darmstadt I und Pfandmeister Heinrich Krämer zu Nidda in gleicher Diensteigenschaft in den BeitreibungSbezirk WormS II versetzt. — Gießener StadttHeater: So ' n Windhund. Der neue Schwank von Kurt Kraatz und Artur Hoffmann, Der gestern abend über unsere Bühne ging, fand bei einer flotten Darstellung eine über die Müßen freudige Aufnahme. Den beiden Verfassern ist es gelungen, recht viel Situationskomit entwickeln und durch eine solche Häufung der drastischsten Vorgänge zu wirken, daß, sich auch der Ernsteste eines fortgesetzten Lachens nicht zu erwehren vermocht haben wird. Den wirren Inhalt des Schwankes zu erzählen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, Da so viel DurcheinanDer stvusselt und nebeneinander verläuft, daß es schwer wird, die Ereignisse einzeln aufzuzählen. Festgestellt sei nur, daß mitunter auch bei offenem Vorhang wacker geklatscht wurde und das Lachen manchmal gar kein Ende nehmen wollte. Tie TarstelluN'a, die von Herrn Norden sehr flott und temperamentvoll geleitet wurde, war sehr lobenswert und jeder einzelne mühte sich nach besten Kräften um einen vollen Erfolg Zu erwähnen sind vor allem die Herren Norden als derber Tittmar, Grosser als prächtig gegebener Hilfslehrer, B r Ü d j a m als toller Windhund und Goll als Fürst, sowie die Dam« R a p p o als fesche Schauspielerin, Lore Scholz als „reizende^ Rornelie, Dagny als eifersüchtiges Frauchen und oe Bruyn als liebe Wanda. Aber auch die übrigen alle gaben ihr bestes. • • Stadtt Heater. In Der Kinder-Vorstellung am nächsten Samstag nachmittag: »Die drei Haule- männerchen" ober ,DaS gute Liesel und das böfe OreteP, sind zwei kleine Tänze eingelegt, die Frau Ballettmeisterin Oldini cinflnbiert hat. Im zweiten Bild gibt eS einen »Tanz der Eichhörnchen" und im vierten einen „Mäusetanz". Ein Teil ijcr NegimentSkapelle stellt Die Musik zu dieser Vorstellung. Landkreis Gietzen. — Leihgeste rn, 17. Dez. Wie stiefmütterlich manche Strek- ken (besonders die Fußgängerpfade) Der Kreisstraßen behandelt werden, fann man so recht sehen, wenn man von der Statior Großen-Linden nach Leihgestern geht; dort ist auf dem Fuß- gängerpfad ein solcher Schmutz, daß kaum durchzukommen ist. Ganz besonders schlecht geht es Den Frauen, die be: ihrer Tracht die niedrigen Schilhe tragen. Es kommt nicht selten vor, das; ihnen der Schmritz in die Schuhe hinein» läuft. Der Einsender war dieser Tage Augenzeuge, wie einer Fran aus Leihgestern ein Schuh im Schlamm stecken blieb und sie mit dem Strumpf im Schlamm herumtunten mußte. Kommt man aber in Die Nähe von Gießen, Grün- berger Straße, Rodheimer Straße, Lollarer Straße, Schiffen- berger Straße und ,vie sie alle heißen, dort ist der Fuß- qängerweg in bester Ordnung, mindestens bis auf eine halbe ■ - den ?•* ß-t-E & -F llnlkgelinal mit, d-ß 1 „nb «khl kostens al , Dieckchlag' ' Ob -ag abend Sortrag ^lichorgany versucht" m. Ofl ter bis 1- !nig standn 518 (g< Wnnber 1 ?on diesen rieder vern i:ten Wohn jungen, 25/ U (3D 5Ü1 3(1) Zehn-1 die IReure krufs,mü bedarfs der liefert, imirt folgende Pre läge 0.90 P Schinken mit (0.55 M.), § schinkm 0.9C 1.10 Mack I 1.00 Mack M', Kopf die Neuregest varenpräse; den. Es kos stell 0.85 Ml Mark (1.20), 0.11 Mk. (0. Mark (0.14), ilnü Sottet i ^Herzog hat in aaasialt z» Stieb» le zu Stümperten^ Md. Dezember 1912, > 18. Tez. Etat! 1 Uhr. | ctrag de? Slbmirti» I von kriegsschifaM 5J-Js I kv*K»- I "tt bat ® •’bf? I I * <4: cm^l I t 1 * i Ätv- •ftvcd S*fatat % °bn e? j- J, ' »Äfej ur uns in Ä ^uug durch btn »kl, Maaten, abtru 3n Preuhen i.i Verantwortung a dn JnMivark, (Jff jofite beibchch, Mmmtn. aber die Sets i überlast im Zinne da 1» » Göttelmar, ' ft ei n. ^genommen, sitzuna um v23 6 11 Uhr. tow den brireffenben Gemeinden Anregung zur Beseitigung der Mißstände gegeben werden. ÄrriS ÖÖMtujctl ” Htm bach, 17. DeK. Im Gasthause von Seibert stildet hier am Sonntag nachmittag ein Vortrag über „Die Bekämpfung von Uu kraut, Pflanzen krau cheiten und tierischen Schädlingen" statt. Redner ist Oekonomie- rat Andrae-Büdingen. Lreis Friedberg. = Friedberg, 17. Tezbr. Der Lagerist der landw Hauptgen offen schäft für Oberhessen Phil. «e h l wurde wegen Unregelmäßigkeiten verhaftet. Die Genossenschaft teilt dazu mit, daß die Betrügereien bereits längere Zeit zurückliegen und Gehl durch die neue Leitung der Genossen schäft feines Posten? als Lagerist bereits enthoben worden war. Die Unterschlagungen sind nicht sehr umfangreich und größtenteils gedeckt. --- Ober-Mörlen, 17. D^z. Am nächsten Samstag abend findet hier im Gastchause „Zur Germania" ein Vortrag über „Die Bedeutung und den Wert her Herd- buchorgantsation für die Entwicklung und Hebung der Tierzucht" statt, »tetrner ist Sekretär Schwa rz-Gießen. Starkenburg und Rheinhesien. m. Offenbach, 17. Dez. Nach der vom 26. Novem- her brs 1. Dezember 1912 veranstalteten Wohnungszählung standen in Offenbach einschließlich des Stadtteils Bürzel 518 (gegen 742 im Vergleich zu der vorletzten, im November 1910 abgehaltenen Zählung) Wohnungen leer. Von diesen waren 51 (67) für spätere Benutzung bereits wieder vermietet. Unter den 467 (675) noch nicht vermie teten Wohnungen befanden sich 10 (10) Einzimmerwohnungen, 257 (327) Zwei-, 149 (256) Drei-, 26 (35) Vier-, 14 (31) Fünf-, 4 (9) Sechs-, 1 (2) Sieben-, 1 (2) Acht-. 3 (1) Zehn- und 1 (0) Vierzehnzimmerwvhnungen. — Durch die Neuregelung des städtischen Fleischverkaufs, mit dem die Stadt ungefähr dte Hälfte des Fleischbedarfs der Metzger mit etwa 170 Schweinen in der Woche liefert, wurden für die Dauer bis zum 1. Februar 1913 folgende Preise vereinbart: Fleisch wie gewachsen mit Bei läge 0.90 pro Pfund (bisheriger Ladenpreis 1.05 MkF Schinken mit Bein 0.90 Mk. (1.05 Mk.), Vorderfüße 0.55 Mk (0.55 Mk.), Speck und Schmalz 0.95 Mk. (1.00 Mk.), Vorder schinken 0.90 Mark (0.90 Mk.), Rippen und Halsstücke 1.10 Mark (1.20 Mk ), zurechtgeschnittenes Bauchfleisch 1.00 Mark (1.20 Mk.), Bauchabschnitte 0.85 Mk. (1.20 Mark), Kopf mit Backen 0.70 Mk. (0.70 Mk.). Wichtig für die Neuregelung des Fleischverkaufs ist, daß auch die Wurst- Warenpreise mit Ausnahme des Preßkopfs herabgesetzt wurden. Es kosten jetzt: gewöhnliche Wurst in ganzen Würsten 0.85 Mk. (0.90), Extrawurst in ganzen Würsten 1.10 Mark (1.20), gewöhnliche Wurst im Ausschnitt % Pfund 0.11 Mk. (0.12), Extrawurst im Ausschnitt Vs Pfund 0.14 Mark (0.14), Preßkopf % Pfund 0.15 Mk. (0.15), Dörrfleisch und Solber das Pfund 1.20 Mk. (1.30). Kreis Wetzlar. Graßherzoq hat da zum Forstassistknla r »’ stell'- atSprüfunfl für bo? (i ch unterzogrn üt ä)t beitanben. Äo' aten die Noten ©ui, Das Ende der Zrauzosenz-it in Gießen 1762. In diesen Tagen sind 150 Jahre verflossen, seitdem die französische Besatzung, die am 16. November 1758, nach einer Schein- Mitulakion die Festung Gießen in Besitz genommen hatte, wieder nbwjj. Es geschah dies infolge des zwischen Englimd und Frank- oeich am 3. November 1762 zu Forttainbleau abgeschlossenen Gcricvts-aal. Berlin, 17. Dez. Gestern fmib unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit vor dem Kriegsgericht der Landwebrinsvektwn in Berlin ^die Beahandlung gegeii den früheren cernennten Ä 5 lierlinq vom Bezirkskommando Thorn wegen Spionage statt. Er soll (in Rußland wertvolle 9lad)richten nusgelie^ert haben. Er wurde ui 15 Jahren Zuchthaus, Entfernung ans dem Heer und ti,15000 M art Geldstrafe, im Nichtbeschaffungs'alle zu iDtiteren acht Monaten Zuchthaus verurteilt. 75 0G0 Mark Hypo- Mhelengelder wurden eingezogen. Unseren Anzetgenknnden zur gefälligen Beachtung. Um den größeren Anzeigen für die Samstagsnutnmer eine sorgfälttge Satzausstattung zu sichern, empfiehlt es sich dringend, die Aufgabe ein bis zwei Tage vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine wirkungsvolle Anordnung gewährleistet werden. Verlag der Gießener Anzeigers. W. Wetzlar, 17. Dezbr. Hier wurde ein Mann namens Theodor Beutke verhaftet, der im Verdacht steht, Anfang Juni in C r o n b e r g den N a u b m o r d an der Witwe Zimmermann begangen zu haben. Hessen-Nassau. — Frankenbcrg, 17. Dez. Auf der Fahrt von Gaffel lehnte sich da? viereinhalbjährige Söhnchen des HilfSmaschincnführerS Behrend von hier gegen die Wagen- tür. Plötzlich gab diese nach und daS Kind stürzte ans dem Zuge. In Treysa brachte man eS in das Krankenhaus nach Hephata, wo eS infolge der Verletzungen starb. u Michelstadt rourh nblingsbezirk Dam- im er zu Nidda u ingSbejirf WomiS E r: So'n Wind Kraatz und M' unsere Bühne ginc [e über die Mßkt lern ist es geling^ , -In und durch ei« nac zu wirken, das m Lachens nicht zc «ir«" ■r WS*“.',,? iniclTi wIM-L fc bei offenem » gchn, m-mchin^ f i di- »«n Sg-lÄ-t«» (ne m au erwahueus fieber DK? -LS i«** &»* d°rt 'f1” Lfoi* i,n e*“bf * pikn""1 i« bet»»«’; •* Universitäts-Nacbrichten. Darmstadt, 17. Dez. Das Personalvcrzeichnis der Technischen H o ck s ch u l e für daS Wintersemester 1912/13 zählt 31 ordentliche Professoren, 2 ordentliche Honorarprosessoren, 13 außerordentliche Professoren, 43 Lehrer und Privatdozenten, 53 Assistenten und 1668 Studierende auf. Bon diesen sind 1258 Deutsche und 410 Aitsländer. Bon den Deutschen steht an erster Stelle Preußen mit 520, es folgen Hessen mit 501, Bayern mit 69, Sachsen mit 28, Baden mit 26, Hamburg mit 23, Elsaß- Lothringen mit 25, Württemberg mit 14, Mecklenburg-Schwerin mit 11, Sachsen-Koburg-Gotha mit 7, Sachsen-Meiningen und Bremen mit je 6, Oldenburg mit 15, Braunschweig mit 4, Sachsen-Weimar und Schwarzburg-Rudolstadt mit je 3, Sachsen- Altenburg und Schaumburg-Lippe mit je 2, Lippe-Detmold, Lübeck und Waldeck mit je 1. Bei den Ausländern steht an erster^ Stelle Rußland mit 251, es folgen Norwegen und Vereinigte Staaten von Amerika mit je 41, Oesterreich Ungarn mit 26, Schweiz mit 11, Bulgarien mit 7, Schweden mit 6, Luxemburg mit 4, England, Türkei und Niederlande mit je 3, Frankreich, Rumänien, Spanien und Italien mit je 2, Griechenland, Argentinien, Chile, Siam, Kapland und Serbien mit je 1. Am stärksten besucht ist die Abteilung für Maschinenbau mit 395, es folgen Architektur 286, Ingeniennvesen 254, Elektrotechnik 169, Chemie 123, Papier- fabrikation 59 und die Allgemeine Abteilung 24. Hierzu kommen 3258 Gäste, worunter 175 Damen. — Die Universität Jena zählt im laufenden Wintersemester 11842 immatrikulierte Studierende und 95 Hörer. Friedens, dessen Ratisäeattoncn am 22. November ausgewechselt Erden. — Am 2L September 1852 hatte, nm den Besitz der Amönckburg und nm den Uebergang an der Brückenmühle über.die Ohm bei .fvirchhrirn die letzte, aber bartnätfigite imb blutigste ^chiach.k de» ganzen Krieges statt gefunden, soweit der westliche Kriegösckmuvlatz in Frage kommt. Die Franzosen und die mit Anm vereinten Rcichsrruvven rümpften unter dem Befehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig erbittert gegen die Allierte- Armee. _ Um den Uebergang über die Ohm su hindern, setzte der Herzog Ferdinand mit Erfolg alles dran, denn wenn hier die Franzosen durckchrachen, dann war die geplatue Einnahme von Kassel, das von den Franzosen besetzt war, nicht mehr möglich. Don früh 6 Uhr bis Mim Abend wurde mit Todesverachtung um den -lieber gang gekämpft, der nur durch eine niedrige Schanze mit schwacher Brustwehr, ans der kaum 200 Verteidiger Platz hatten, beteiligt war. Die steinerne Brücke an der Mühle hatte nicht die BeackUung gefunden, die sie verdiente. Zwar war das Gehöft verbarrikadiert, aber nur mit 12 Mann und 1 Unteroffizier besetzt. In der schanze standen 200 Hannoversche unter dem Befehl des Oberstleutnants Wense: in Amöneburg standen 600 Engländer unter oauptmann Kruse. Am 20. "September schlossen die Franzosen Amöneburg ein und zogen in der Nacht vor der Brücke einen Laufraden, um Geschütze und (Infanterie aufstellen zu können. Eine Meldung Kruses wurde abgefangen. Am andern Morgen, der Ncvel lag noch über dem Ohmtal, eröffnete man das Feuer gegen die Schanze, in der sich Wense entschlossen nerteibigte, so datz General Zastrow und auch Granbh herankommen konnten. Herzog Ferdinand, der in unmittelbarer Nähe war, ließ schwere Gig'chütze aus der Reserve und Berstär'- hingen nach dem GesechtSfelde abgehen. Das Kattätschseuer verhinderte zwar zunächst das Vorgehen französischer Infanterie gegen die Schanze. Als aber die Franzosen mit 30 schweren Kanonen ebenfalls in das Gefecht eingriffen, mußte sich Zastrow mit seinen Bataillonen zurückziehen. Am härtesten litt unter dem Hagel der französischen Geschosse die tapfere Besatzung der Schanze, die aber mit Beharrlichkeit intb Entschlossenheit aus hielt und den Platz behauptete. Es standen ihnen die Freiwilligen des Hennegaus, rmterstützt durch Grenadiere und Jäger, gegenüber. Inzwischen hatte sich Granby mit dem hessischen Artilleriepark entwickelt und griff mit 6 Zwölfpsünder wirkungsvoll in den Artilleriekampf ein. Wense hatte auf der 2ck>anze andern Verteidigern Platz gemacht, deren Lage von ViertelstuTide zu Viettelstunde gefälirlicher wurde. Von der Artillerie der Alliierten waren bereits 3 Geschütze demontiert und ihre Mumtion ging zu Ende. In diesem kritischen Augenblick traten auf dem Kampfplatz 6 hessische und 6 hannöversche Zwölf- pfünder ein, die vom Bückenwald und vom Galgenberg in den heftigen Kampf eingriffen. Ferner langten auf dem Schlachtfelde 4 Bataillmw englisckie Garde, 2 Bataillone Bergschotten und zwei bch'iftfie Infanterie-Regimenter an. Tie Verluste der Verteidiger der Schanze erreichten eine solckie Höl^. daß diese alle Stunde burdMtcne Truppen abgelöst werden nnifitcn. Als die Brustwehr der Sckanze heruntergesckwsfen war, schichteten die Verteidiger ihre gefalleiien Kameraden wie einen Wall vor sich auf, um dahinter ihre Stellung zu verteidigen. Gegen 7 Uhr abends unternahmen die Franzosen einen sclmrfen Angriff auf die Schanze, der bis in deren unmittelbarr Nähe geführt, aber abgeschlagen wurde. Darnach endete nach 14stündissem Ringen der blutige Kampf, bei dein sich die Hessen vom Regiment Gilsa und Mals- burge besorrders zäh und tapser gezeigt hatten. Wahrend des Kampfes um den Ucbergang über die Ohm waren die französffck>en Geschütze eifrig an der Arbeit, um in die Mauer der Amöneburg Bresche zu legen. Obwohl die Oeffnung in dieser an 40 Fuß breit war, drei Türme eingestürzt und ein Teil des Schlosses in Trümmern lag, scheiterte ein Sturmangriff. Auch ein zweiter, abends 10 Uhr, unternommener Hturm wurde von der Besatzung adgesästagen. Die Angreifer orangen zivar in das Schloß ein, mußten es aber wieder verlassen intb verloren dabei noch Gefangene. Sie bereiteten einen weiteren Sturm vor und errichteten dazu neue Batterien. Der Besatzrmg war die Munition vollständig ausgegangen, dazu war die Mannsckiast tief erschöpft und sie wäre sicher dem dritten Angriff erlegen. Hauptmann Kruse schloß daher eine ehrenvolle Kapitulation. Die Besatzung, noch 540 Mann stark, zog mit kriegerischen Ehren zur eigenen Armee ab und überließ den in Trümmern geschossenen Platz dem Gegner. Bei Amöneburg und an der Brückenmühle waren am 21. September an 10 000 Kanonensckmsse gewechselt, die Alliierten verloren 800, die Franzosen 1200 Mann. In der Nacht nach dem Kampf legte Herzog Ferdinand sein Quartier in die BrückesmEe, am nächsten Tage kam sein Hauptguartier nach Kirchhain. Die Marschälle Soubise und der Prinz Condö, die den Angriff befehligt hatten, legten ihr Hlniptgnartier nach Bauerback). Nach dem Treffen an der Ohm standen sich die beiden Heere wochenlang untätig gegenüber. Ter Versuch, mit der französischen Armee nach Kassel durchzubrechen, war gescheitert. Der Herzog ließ die Stadt durch 13 000 Mann mit 72 Geschützen Anfang Oktober belagern, so daß die Besatzung am 1. November kapitulieren mußte, wobei sie freien Abzug mit kriegerischen Ehren Mgebilligt erhielt. Beim Eintreffen derFriedensbotschaft am 15. November 1762 trafen die französischen Marschälle und der Herzog Ferdinand an der Brücken-Mühle zusammen. An derselben Stelle, ivo man Wochen vorlzer auf blutigem Felde mannhaft gegeneinander gekämpft hatte, setzten die 3 Heerführer zur Erinnerung an ihr Zusammentreffen den FriÄensftein, der heute noch der Nachwelt Kunde gibt von dem Ereignis. Jm> Dezember 1762 räumten die Franzosen die festen Platze Marburg und Gießen und zogen sich allmahlig auf das jenseitige Rhenntfer znrüL vermischter. * Hauptmannfeier der Berliner Studentenschaft. Vor dem Adlon-Hotel staute sich am Montag eine gewaltige Menge: man holte, den gefeierten Dichter ab und geleitete ihn in prächtiger Auffahrt zum Lessing- Theater, wo ,,Ter Biberpelz" als Sondervorstellung vor einem studentischen Hause gegeben wurde. Nach dem Absingen des „Gaudeamus igitur" erhob sich Gerhart Hauptmann und richtete folgende Ansprache an das Haus: „Wenn die deutsche Jugend sich in dieser Weise auf ihre Dichter besinnt, so ist das ein Beweis, daß Deutschland sich auf sich selbst besinnt. Sie haben durch das, was Sie unternommen haben, etwas wie das Nahen eines deutschen Geistesfrühlings angekündigt. Möchte dieser Frühling kommen im Sinne der Dichter und Philosophen, im Sinne der Dichter und Führer der großen Epochen, durchdrungen vom alten Besitz deutscher Geistigkeit. Ich danke Ihnen, daß ich dies herrliche Frühjahrssymptom habe sehen dürfen und wünsche Ihnen und uns Glück zu Ihrer Jugend." * Schwermütige Liebe. . Nach einer Meldung aus Kalkutta traf dort aus Südafrika eine junge Dame ein und besuchte im Hospital ihren totkranken Bräutigam. Ms sie am anderen Tage wieder erschien und ihren Verlobten tot antraf, zog sie eine Nadel aus ihrem Hut und stach sich bannt in die Brust. Man hofft jedock) die Verunglückte, anscheinend eine Spanierin, am Leben zu er» hatten. Der Verstorbene war ein Engländer namens Fraser und Geschäftsführer einer großen Baumwollspinnerei. Kleine Tayeschronik. Die Schiffbrücke zwisttien Koblenz und Ehrenbreit- st e i n wird m den nächsten Jahren durch eine U n 1 e r t u n n e l n n g des Rheins ersetzt. Tie Vorarbeiten znm Ban einer festen RHetnbrncke zwischen Neuwted und Weißenthurm sind nunmehr erledigt. Tie Brücke soll 1914 fertig fern. Die Düsseldorfer Städteausftellung ergab einen Überschuß von 121000 Mk. Davon sollen 100 000 Mk. für Ausstellungszwecke angelegt werden. Meldungen aus dem Wuppertal znwlge richtete die Ibtb» gehende Wupper große Verwüstungen an. Auch die Ruhr hat Parkes Hochwasser. Auf der Bahnstreche Landsberg—Svldin ist auf einer Strecke von 500 Metern em Dammrutsch eingetretrn. Buche frisch. — Deutscher Fischereikalender für 1918. Her- auSgegeben von Vettag der „^lllgeiveinen FüchereizeitnngE. Bern beitet von Dr. Karl Mutfow und Tr. Hans Reriß. In Taschenformat, mit zahlreichen Abbildungen. Ter im 4. Jahrgänge erschienene Teutlcbe Fischereikalender enthält außer den, für tägliche Notizen geeigneten stalendarium eine ganze Anzahl wichtiger Aufsätze und fchließlich folgen noch Verzeichnisse der fischereiwtstenschaft- peben Institute, der Fischerei-Vereine und -Behörden, sowie die «blichen Tabellen der Alünzen, Alaße, Gewichte uud 'Postgebühren. Gansel Mannheim, 17 Tez vciite ift die Pfälzische Ueber- landzen träte gegründet wo> den. Beteiligt stnd als Aktionäre zunächst der Kreis, sowie die Städte Lndwi ieb.Jen, Homburg ( tztalztz Frankenthal und Cveier und die Rheinische Lchuckeri-^esellschnfl in Mannheim. Das Aktienkavttal beträgt 71', Millionen Mark. Die bestehenden Werke iverden von der Gesellschaft am 1 Januar 1913 übernommen und von der htesigen Lchuckert-Gesellschast verwaltet und betrieben. Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Vroipreise am 16. Dezember 1912. Schlachtvielwreise in Frankfurt a. TI. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Ra. Schlachtgewicht 83—100 Alk. Kg. Schlachtgw. 8 -ULPf. !'/, , , H4—87 , 7, Kg. 99—100 Psg. 7, , 92—98 , '/, , 90-110 , Getreidepreise in a n t, h e i m Brotpreise in Gießen Weizen 100 Mg. 21.15-0o.00 Mk. Roggen 100 Kg. 18.25-00.00 Alk. Weißbrot 2 Mg. 58 Big., Schwarzbrot 2Kg. 48Pfg. Amtlicher Wetterbericht. O öffentlicher Wetterdienst, Gießen. DetterauSsichten in Hessen für Donneistag, den 1h. Dez. 1912 Stärkere Sudweltwinde, trüb, vielfach leichte Niederschlage, mild. Letzte 27(1 ehriebten« Aus der Hessischen Zweiten Kammer. bs. D a r m st a d t, 18. Dez. Die Zlvctte triunnttr berief heute über die Nückäußeriing der Ersten Kammer zu dem Gesetzentwurf über die l a it d w. Unfallversicherung. Die Erste .Kammer hatte den Befchluß der Zweiten Kammer, daß der Vorstand der landn'. Berufogcuossenschaft „mit Zustimmung der Genossens'chaftsver- sammlung" von der Regierung ernannt werden sötte, gesttichen. Die Zweite Kammer beharrt auf ihrem früheren Beschluß. In den Wahlprüfungsausschuß wird anstelle des Aba. Grünewald Abg. Urstadt (fort* schrittl. Volksp.) gewählt. Hierauf wird mit der Beratung der verschiedenen Anträge auf Abänderung des Wahlgesetzes sortgestayreir. * Tie Seeschlacht vor den Dardanellen. Konstantinopel, 18. Dez. Ein ausländischer Marineoffizier, der an Bord des hier eingetroffenen rumänischen Dampfers „Imperator Trajan" den vorgestrigen Seekampf bei den Dardanellen beobachtete, erzählt: Gegen 8 Uhr früh lief die türkische Flotte in vvllkom- mener Ordnung aus und riickte bis auf 6 oder 7 Meilen jenseits des Forts Kumkaleh vor und stellte dort Torpedobootzerstörer und Torpedoboote in Schlachtlinie auf. Die griechische Flotte kam hinter der Insel Jmbros hervor. Das Panzerschiff „Averoff" fuhr an der Spitze, ihm folgten die Panzerschiffe „Hydra", „Spetsai" und „Psara", sowie 9 Tor- pedobootszrrstörer. Das g r i e ck» i s ch e Geschwader stellte sich gegenüberbem türkischen in einerEntfernung von sieben oder acht Meilen auf. Die türkischen Schiffe eröffneten das Feuer. Die im Korber treff en stehenden griechischen Schiffe erwiderten es nach zehn Minuten. Die Türken zielten sehr gut, ihre Granaten fielen hageldicht auf die griechischen Schiffe, während die Geschosse der Griechen bald vor, bald hinter den türkischen Schiffen ein» schlugen Während der ganzen Dauer des Kampfes, bei gegen 9 «Uhr begonnen hatte und um IOV2 Uhr endete, ändert die türkische Flotte ihre Stellungen nicht, ivohingegen eine hatte Stunde nach Beginn des Kampfes die griechischen Schiffe eines nach dem andern hinter Jmbros verschwanden. Nur der „Averoff" blieb und erwidertefortwährenddassehrlebhafte Feuer des Feindes. Die beiderseits gewechselten Schüsse werden auf tausend gescksätzt. Gegen 10',, Uhr stellte der „Avervfp' das Feuer ein, während die Türken es noch eine Viertelstunde forlsetzten, bis der „Averoff" außer Sicht gekommen war. Zwanzig Minuten vor Beendigung des Kampfes fiel anscheinend e i n e G r a n a t e aus den „A v e r 0 f f". Der Augenzeuge tarnt es jedoch nicht mit Bestimmtheit behaupten. Der „Averofff' fuhr so, das; auf eine Havaria nicht geschlossen werden kann. Der Imperator Trajan" bemerkte vor Begimr der Schlacht 22 bis 25 griechisck»e Schisfseinheiten, die vor Tenedos konzentriert waren. Bon den letztgenannten griechischen Schiffen machte daS- Unterseeboot „Delphin" um den „Imperator Trajan" die Runde, ivähreird d eser von der Mannsckxrft des griechischen Torpedobovts- zerstörers durchsucht nmrbe. und Überzeugung genügt ei Pfund Nußarien sind billi: und wohlbekömmlich Pfund 40 Pfg. balKD ia den oeislei Dtiicatess- and Köleitiilwara-i hätte ich vergessen Pinots mitzubringen. 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Karten für reservierte Plätze können von Dienstag an im Seminar, Gartenstraße 30, entgegengenommen werden. Zur Deckung der Kosten wird ein freiwilliger Beitrag gerne entaegengenommen. D16/l2 1863 1913 Zu der am 19. ds. Mts., abends 9 Uhr, im Gasthof „Pfälzer Hof", Schanzenstraße, staltfindenden Hauptversammlung betr. Feier der 50 er im Jahre 1913 laden wir alle Altersgenossen freundlichst ein. ______________Der provisorische Ausschuß. Generalversammlung bcrLpu-u.VmschiißkiiiseKchelbliUEH.in.ll.h.j findet Samstag, den 2l. Dezember 1912, nachmittags 2 Uhr, im Gemeindefaal (alter Schulsaal) statt, wozu die Mitglieder freundlichst eingeladen werden. Tagesordnung: 25 jähr. Jubiläumsfeier des Rechners Lindenstruth. Kesselbach, den 17. Dezember 1912. Schwalb, Direktor. 8144 Gesangstunden (Schule Rückbeil-Hiller) erteilt 010112 Edda Heineck Konzertsängerin aus Frankfurt a. M. z. Zt. Alsfeld (Oberhessen). Anfragen dahin erbeten. 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