ar. 17 fünftes Blatt 162. Jahrgang Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonnlag». D«e „eifUcnei ZamlUendlSNer- merben dem tttnjeifler' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krttsbloti für den Kreis Oleften" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Selb Ueyrn“ erscheinen monatlich trocunoL Glchener Anzeige^ General-Anzeiger für Gberhejjen Samstag, 20. Januar 1912 Rotationsdruck und Verlag der Brükl'schen Unwers iälS - Buch- und 6teinbnideteü R. Lange. Dieven. Redaktion. Exvedition und Truderet: Schul- straße 7. Erved von und Verlag: e*i# 5L Redaktion: «LSS112. Tel.-Abr.:Ai:zeigerGießen. 3ur Revision öes volksschulgcsetzer. Tin oberhessischerGei st kicher sendet uns einige Aeußerungen über die von und veröffentlichten schulfach- männischen Ausführungen. Wir nehnten auch sie zuin Abdruck auf, obgleich wir an dem Vergleich der Lehrer- mi: der Pfarrerkultur und namentlich an 'her Gegenüberstellung der Psarrerfrauen und Lehrersrauen gar Feinen Ge fallen finden. Tiefe Verallgemeinerungen sind nach unserer Meinung nicht gerechtfertigt. Tie Geringschätzung, die darin liegt, ivenn von „v ermöglichen Bauern- t ö ch t e r n" gesprochen wird, „die zu Lehrersfrauen aus rüden", wird auch nur von sehr wenigen geteilt werden. Tie Einsendung lautet: i Zu den Ausführungen, die hierzu in Nr. 15 aus Lehrer Freisen veröffentlicht worden sind, seien auch einem Pfarrer ein paar ganz persönliche Randglossen gestattet: Ich Haiti die Forderungen der Lehrerschaft auf reinliche Trennung von Kirche und Schule, also auch die Aufhebung des § 5( über obligatorischen Organistendienst und des § 68 über den Schulvorstand für durchaus berechtigt. Aber die Begründung, die diese Forderungen an genannter Stelle gesunden haben, ruft doch an einigen Stellen lebhaften Widerspruch yervor. Zunächst ist es ein Irrtum, zu meinen, eine gesetzliche „Nebenordnung von Kirche und Schule" sei gleichbedeutend mit einer solchen von Pfarrer und Lehrer Ich begrüße in jedem tüchtigen Lehrer mit Freuden den gleichwerten Arbeitsgenossen. Ist's ein älterer, bewährtet Mann, der durch die Reife seiner Persönlichkeit sich die all gemeine Verehrung erworben hat, so stelle ich mich and gerne u n te r ihn und bin dantbar für jeden guten Rat Aber dieses Verhältnis entspringt rein dem freien persönlichen Entscheid auf Grund perfönlicher Qualitäten Stand gegen Stand als Ganzes gehalten dürfte aber bod dem auf akademischer Vorbildung Beruhenden der Vorrang gehören. Und zwar denke id) habet weniger an das größer! oder kleinere Maß von intellektuellem Wissen, als wie - mehr an das Plus von allgemeiner Kultur, das der Akademiker mit fid) bringt, zumal in einem Stand, der einer so hohen Prozentsatz von Söhnen gebildeter Häuser auf weist, wie der Pfarrstand, wenigstens der evangelische. Ec hängt damit etwas anderes zusammen, das der Leyrerstanc nid)t gut wird bestreiten können: Tank seiner durchsdinit - Itch besseren Minherftube und Ausbildung ist her Pfarrstan dem des Lehrers gegenüber erheblich günstiger gestellt ii der Wahl ferner Frauen. Es ist wohl nicht nötig, vorher auözuführen, welchen Einfluß das auf die Höhenlage dec Standes hat. Die Tüchtigkeit der vielen verrnögliche, Bauerntöchter, die zu Lehrersfrauen aufrücken, in Ehren £b aber durch sie das Lehrerhaus in gleichem Maße geistic gehoben wird, wie das Pfarrhaus durch seine meist erheb iid) besser erzogenen und gebildeten Frauen? Nun ein Wort über Beseitigung des obligatorischen Or ganistendienstes. Mag er fallen! Aber nicht, weil er „den Ansehen der Volksschule und des Volksschullehrers keiner Nutzen gebracht hat". Tenn das stimmt einfad) nicht; mai frage nur unsere Bauern! Einstweilen bedeutet eine kirch lidic Haltung des Lehrers einschließlich seiner aktiven Mit Wirkung bei solchen Höhepunkten dörflichen Lebens, wie e der Gottesdienst ist, stets eine Wahrung seines Ansehen- Aufheben soll man den § 50, um die Seminarausbilduw von dem Ballast her obligatorischen Orgelstunden zu befreien, ferner, um nicht tüchtigen, aber nicht oraelsvieleu den Lehrern den Weg in so viele Schulen des Landes ai versperren. Schließlich and), weil es unter der Würde her Kirche und ihrer Gottesdienste ist, erzwungene Hilfen zu brauchen. Die Kirche muß und wird sich für freiw.llige Kräfte sorgen. Und wenn es dazu künftig an Lehrern mangeln sollte, oder wenn die Lehrer ihre Besoldungs- forberungen über das hinaus steigern sollten, was die Ge- meinbe leisten kann, so toerbcit wir, mit ober ohne Spielapparate, unsere Orgeln von musikalisd)en Gemeinbeglie- bern spielen lassen. Zuletzt zur Frage bes Schulvorstandes. And) hier ist zweifellos die Forderung der Lehrer berechtigt, selbst den Hunft Wijicnidniit und Ccben. — Ein neuer Tunnel für bic Gotthardtbahn. Tie Ausführung des H a u h e n st e i n b a s i s t n n n e l s int Zuge der Gotthardbahn ist, wie die Baumelt berichtet, einer Berliner Tief- kau-Firma übertragen und damit wieder ein großer Erfolg d e u t s ch e n U n t c r n e h m u n g S g e i st e s erzielt worden. Die Eisenbahnstredc Basel Olten mit dem bereits vorhandenen Hauhensteintunncl von 2495 Meter Sänge hat io ungünstige Stei- gungsverhältnisse, dast der ständig wachsende Verkehr nid)t mehr ordnungsgemäss durchgcführt iverden kann. Zur Verbesserung der Betriebsverhältnisse bleibt kein anderer Ausweg, als eine teilweise Verlegung der Linie, fcurd) die günstigere Steigungs- und Krümmungsverhältnisse erzielt werden. Nad) dem Plan der Gc ncraldirektion her schweizerischen Bundesbahn zweigt dicie neue Linie hinter dem Bahnhof Sissach von der alten ab, wendet l'id) östlich dem Torfe Geldertinden zu, schlägt dann eine fast südliche Richtung ein und tritt hinter dem Bahnhof Tecknang in ben neu zu erbauenden, 8135 Meter langen Hauheitsteiit-Basistunnel em, den sie kurz vor der Ueberschreittuig der Aare verlässt, um alsdann in den Bahnhof Olten einzulaufen. Tie neue Linie i|t bei 16,2 Kilometer Baulänge 111 Meter lürjer als die bestehende, und der Sckmitelpunkt der Bahn liegt 110 Meter tiefer. Ihre größte Steigung beträgt 10,5 Prozent, während die der bestehenden Strecke 26,6 Prozent hat: int südlichen Tunnelidtenkel ist eine Steigung von 7,5 Prozent angeordnet, bei einer Länge von 6,3 Kilometer. Tie Quellen, die nach dem geologischen Gutachten int Tunnel zu erwarten sein werden, haben höchstens die Temperatur, von ach: Grad C.: nur im südlichsten Muschelkalkgebiet wird die Temperatur der Quellen auf *20—25 Grad C. steigen. Tie Kürzung Basel. Olten beträgt 30 Kilometer, die Abkürzung her Fahrzeiten für Schnell- und Personenzüge 15—20, für Güterzüge 26 Minuten. Bei der Ausschreibung int August vorigen Jahres waren vier Angebote eingegangen, zwei von schweizerischen, eins von einer französischen und eins von einer deutschen Firma. Tie Berliner Tiefbau-Firma Julius Berger, überschritt den Anschlag her Generaldirektion, um 1,6 Millionen Mark, blieb aber hinter den übrigen Angeboten um 1, 3—4,3 Millionen Mark. Bei einem neuen Ausschreib.n erhielt die deutsche Firma, obwohl sie ihr erstes Angebot um' 72o 000 Mark erhöht hatte, aL- mindestfordernde ben Zuschlag MA Ausführung des Tunnels unb der anschließenden stredeiL * ’3- Vorsitz ru erhalten. Schreiber dieses hat deshalb seinerseits auf den Vorsitz verzichtet. Mer es ist wiederum eine starke Behauptung, wenn in der Führung des Vorsitzes durch den Pfarrer eine „ungeheuerliche Zurücksetzung", eine „Degradierung der Volksschule und der Lehrerbildung" gesehen wird. Zunächst fällt auch hier wieder die unbedingte Gleichsetzung von „Schule und Lehrer" auf. Daß beider Interessen weitgehend zusammen fallen, ist klar. Sie laufen mitunter auch recht kräftig wider einander! Jedenfalls: wenn hier bei der Frage des Vorsitzes im Schulvorstand von Degradierung die Rebe sein soll, so hätte wohl — abgesehen von Fällen klerikaler Herrschsucht — eher bei Pfarrstand ein Recht, barüber zu klagen. Denn es ist kein sehr würdebringendes Geschäft, in der Hauptsad)e nichts als her Briefträger zwischen Schule und Kreisamt zu sein Biele Pfarrer unterziehen sich diesem undankbaren Geschäft auch nur, ben Lehrern zulieb, um sie vor noch unwill- l'ommeneren Vorsitzenden zu bewahren! Ob wohl, wenn künftig der Lehrer selbst den Vorsitz führen und der Pfarrei als Religionslehrer und Mitglieder des Schulvorstandes ihnen unterstellt sein werden, der Psarrstaud anfangen mirb, über Zurücksetzung usw. zu klagen? Wir werden nick)t so kleinlich sein! Aus Hessen. An8 dem Finanzausschuß. bs. Darmstadt, 19. Jan. In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses wurde zunächst bei der Beratung des Kapitels 53, Aerztlichen Dienst betreffend, der Wunsch ausgesprod)en, daß man mit diesem auch das I in p f - wesen verbinden möge, das im Budget als Kapitel 54 besonders behandelt wird. Tie Kapitel 56—57b, hie hie Ausgaben für bic Lanbes Heilanstalten in God- betau, Heppenheim, Alzey und Gießen betreffen, wurden angenommen. Zu Kapitel 70, Landeskrehilkas.e, wurde der Gedanke angeregt, ob fick) nicht in absehbarer Zeit )iese Landeskredttkasse in der Organisation aufheben und mit der Landeshvpothekenbank bereinigen ließ. Bei Bera- ung der Landwirtschaftskapitel 71—73 sprach der Abg Weber bei Erörterung der Gestüte den Wunsch ans, daß eine Station in Ulfa errichtet werden und eine andere Art der Erhöhung der Sprunggelder vorgesehen werden möge. Außerdem möge eine Aufklärung darüber gegeben werden, wie sich die genossenschaftliche und private Hengsthaltung bewährt habe. Bei Kapitel 76, Bergbau, wird die Stelle )es vortragenden Rats im Ministerium der Finanzen, die seinerzeit auf den Inhaber bewilligt war, der aber am 28. Februar 1911 starb, nicht wieder besetzt, wodurch eine Ersparnis von 7200 Mk. erzielt wird. Bei Kapitel 77, .kunststraßenwefen, ist die Erledigung der Frage der Kreis .»auinspeltoren hinausgesd)oben worden mit Rücksicht auf ne Organisation der Bauverwaltung. Zu Kapitel 82, Tampfkesselprüfung, regte ein oberhessisches Ausschußmil- ;lied an, daß ein oder mehrere Assistenten in ließen ihren Wohnsitz nehmen sollten, was ine Ersparnis an Reisekosten bringen würde und auch im znteressc der Interessenten läge. Zum Kapitel 83, Eich^ jefen betreffend, wurde hervorgehoben, daß eine Nenorgani- ation auf Grund einer reichsgesetzlichen Regelung eine um- angreiche Organisation der Behörden erforderlich mache. 3ei der Besprechung über die Kapitel 98—113, bic zur ibteilung des Ministeriums der Finanzen gehören, wurde arüber debattiert, ob die Ministerialabteiluug für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen mit einem Mtnisterial - rat an der Spitze bestehen zu bleiben habe, ober ob nicht eine Vereinigung dieser Abteilung mit einzelnen Zweigen anderer Abteilungen geschehen könne, wodurch man bic Stellung eines Mrnifterialrates ersparen würde. Hierüber soll mit der Regierung nochmals verhandelt werden. Auck) über die Stellung eines vortragenden Rates im Bauwesen soll noch einmal mit der Regierung gesprochen werden, auch darüber, wie bic Frage her Gesamtorganisation im Vereinfachungsausschuß gelöst sei. Bei Kapitel 103, Bauwesen, würbe angeregt, bei her Frage her Bauinspektoren, — Liliencron und bie Schiller st iftung. Bei den Angriffen auf bic deutsche Schillerstiftung wurde auch von mehreren Seiten auf die bekannte Postkarte hingewiesen, durch die Lilien- cron von der Ehrengabe Kenn.nis erhi.lt und über die er feinem Aerger in Briefen an den Verleger Friedrich in echt Liliencron- scher Weise Luft machte. Da ist es denn von großem Interesse, in der Zurückweisung, bic die Verwaltung der Schillerstiftung den gegen sie erhobenen Vorwürfen ui der nächsten Nummer des „Literarischen Eckws", das in diesen Tagen ersck)eint, zuteil werden läßt, auch diese Liliencronlegende zerstört zu sehen. In den Liliencronbriefcn an Friedrich handelt es sich um die erste Unterstützung, die der Dichter im Jahre ,1886 von der Stiftung erhielt. Also sdwn damals, als nur seine „Mjutantenritte" Vorlagen, bat d.'r Generalselretär der Sd)illerstiftung Julius (Grosse auf das hervorragende Talent des neuen Mannes hingewiesen. Die Schillerstiftung bewahrt in ihren Archiven einundzwanzig, zum Teil sehr umfangreiche und vertrauensvolle Briefe des Dichters, die an Grosse und Heyse gerichtet sind. Man darf aber von dem Takt der Stiftungsverwaltung die Veröfsentlidmng dieser Briefe nicht erwarten, ebensowenig wie die Angabe der f ü n f st e l l i g e n Summe, die Liliencron insgesamt in den folgenden Jahren von der Schillerstiftung zugewendet erhielt. Tie erste Unterstützung ging wie in einigen folgenden Fällen, gerade wegen der den Herren in Weimar wohlbekannten Gläubigergefahr, durch Vcr- mittlung von Hermann Heiberg an Liliencron. Ob dieser wohl in der Freude seines Herzens" die unheilstiftende Postkarte an Liliencron geschrieben hat? Auf jeden Fall kann sie nicht der Verwaltung der Schillerstiftung zur Last gelegt werden. — D i e Erbschaft des Mini st c r p r ä s identem Aus Paris wird berichtet: Für einen alten Bewohner der Seinestadt ist es ein ganz ungewöhnliches Ereignis, daß Paris sich durch einen Ministcrweckpel aus seinem Gleichmute aufschrecken läßt. Kabinettskrisen stoßen sonst auf die größte Gl ickrgültig- keil: der Sturz Eaillaux' aber war ein wirÜiches Ereignis für das Pariser Leben. Ter Sturz des Premiers verdarb der Pariser Gesellschaft auf einige Zit die Laune. Tenn M. Eaillaux war jung verheiratet, seine Gattin ist entzückend uitb gilt als gciitreicb, und die großen Empfänge sollten gerade jetzt beginnen. Allgemein erwartete man eine große Saison gesell- schaf.licher Feste und reizende Uebecrafchungen. Alle diese sdzönen Träume sind nun zerstört. Der neue Premierminister Poincarö ist weder ein Führer gesellschaftlicher Mode noch jungverheiratet. insbesondere bei den Hochbauämtern, neue Stellen vor beit endgültigen Organisationen nicht zu schaffen. Die Beratung über Kapikel 104, Brücke über ben R l; e i it b e i Mainz betreffend, wurde cinftivciten zurückgcstellt, bis der Vertrag zwischen der Stadt Mainz und her Regierung vorliegt, weil ja bod) noch Aenderungen ftattjinben werben. Bei Kapitel 115, Pensionen, soll, wenn mögtid), eine Besei - tignng der Staatsrenten erstrebt werden, lieber die Herstellung eines vierten Afsembleezimmers im Großuerzog- liehen Rcsidenzschloß, die im Kapitel 119 gefordert wiro, soll iwd) mit her Regierung Rücksprache gepflogen werden. Tas Kapitel 124, das die Staatseisenbahnen betrifft, wurde vollständig bewilligt. Es soll aber nod) eine allgemeine Besprechung über Staatsetsenbahnen mit der Regierung stattfinden. Tic nächste Fiuanzausschuß-^Sitzung wirb am' Dienstag, ben 23. Januar, in Gcmeinsck)aft mit der Regierung, ab* gehalten werden. Heer und Flotte. — Das 2. Bataillon E i s e n l> a h n - R e g i m eN t S 91 r. 2 in Schöneberg-Berlin beabsichtigt, den dnrck) Uabinettsordre auf den 11. Marz festgesetzten Sliftnngölag iiiv Erinnerung an die vor 25 Jahren erfolgte Gründung des Bataillons am 8. und 9. Marz d. Js. durch ein Zusaminensem nut bei, ehemaligen Angehörigen des Bataillons m einfacher Weise festlich zu begehen, l'llle alten Kamerabeii werden gebeten, ihre be- iiimnue Ansage zum 1. Februar d. IS. abzugeben. An» Stadt und Land. Gießen, 20. Januar 1912. Hessische Fratten-Erwerbs-Vereinigung. Es wird uns gefd)rieben: Diese Einrichtung ist etwas neues für Gießen. Sie imlT das in feste Form zu bringen suchen, was für die Erwerbs- tätigfeit her Frauen fehlt: sic will eine Vermittclungsstelle — einen Sammelpunkt schassen — für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Umwälzung aller Frauenbetätigung hat in ihrer Freizügigkeit einen so großen Umfang angenommen, baß es jetzt heißt: die Wege ebnen, auf denen bic Erwerbs-t tätigen wandeln, damit die eingeseßten Frauenkräfte auch zu ihrem Vorteil kommen. Nicht alle Frauen und Mädchen können in Geschäfte ober auf Arbeit gehen, um hort Unterhalt ober Ncbeneiunahmcni zu erlangen. Die bas wollen, finden auch bereits in ben verschiedenen Bernfsorganisationen ihre vorbeschriebenen Bedingungen. Viel schwieriger ist es für biejentgen, bie aus verschiedenen Gründen ihre Häuslichkeit nicht verlassen mögen ober können und für sie perabc ist es oft noch notwendiger, Erwerb zu suchen. Bei vielen hat es fast immer an Zeit und Mitteln gefehlt, bie eine Ausbildung ^möglichleit in dem einen oder anderen Fache zugelassen hätte. Aber zu irgend einer Betätigung hat jedes weibliche 01esd)öpf eine Neigung, sei es zum Hauswirtschaften, waschen, bügeln, kod)en, nähen u. dgl. m., worin sie bald durch Ausübung zu großer Gesck)icklichkeit gelangt, die ihr genug Verdienst gibt. Es liegen aber eine Menge Arbeiten gänzlich bradi, bic von Frauen noch ganz anders als bisher ausgenustti toerben können. Aber was? unb wo? Die Zeiten sind vorüber, wo gute alte Flickfrauen für bescheidenes Essen unb 60—80 Pfg. von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends ganze .Hausen unb Körbe voll wegslickten. Wenn auch bie Stoffe nicht mehr so solib und haltbar wiej früher sind, so hat hoch jeher Gegenftanh schließlich seinen Wert und jeder Lappen findet Verwendnng. Ans jedem, alten Jaket, .Hut, Kleid ober sonstigen Bekleibnngsstück ist etwas anderes anzufertigen. Aber nicht nur Altes ist neu und wieher brauchbar zu machen, es gibt auck) viele neue, moderne, künstlerische und wertvolle Gegenstände, bic gebildete Frauen, ohne sick) in bie Oefsentlichteit zu begeben, gerne anfertigten, um fick) bamit einen Nebenerwerb zu sichern. Ter Frau unb hem Mädchen bringt bas Leben so mand)C Erlebnisse unb Bekümmernisse, über bie sie sich an einer Er ist nur ein Gelehrter unb ein Politiker von ungewöhnlicher Begabung. Aber von ihm kann man die Wiederkehr einer neuen Directoirezeit nicht erhoffen, und bis Eaillaux wieder einmal Minlstcrpräscdent wird, wird wohl nod) viel Wasser die S ine bin» ablaufen. Eine Erbschaft aber hat er seinem Nad)solgcr überladen, die dieser wohl oder übel antreten müssen wird. Das erste, was Poincare bei seinem Amtsantritt vorsand, war eine stattliche Reckmung. Sein jungverh.irateter Vorgänger toollte seiner Gattin eine Freude machen und ließ daher alle Zimmer der ihm vom; Staate zur Verfügung gestellten Ministerwohituitg umbauen unb renovieren. Unb obgleich Eaillaux ein r.icher Mann ist, ließ er diese Neuausstattung natürlich auf Staatskosten vornehmen. Er brachte einen kleinen Krebit von 80 000 Frs. für diesen Zweck ein: inzwisckten mürben die Arbeiten ausgeführt, unb sein ''Jlady folger in der Wohnung, der neue Minister des Innern, wird für die Bezahlung dieser 'Rechnung einzutreten haben. Ter neue Minister aber M. Steeg hat jedock) keine Vorliebe für die reizenden kleinen Umwandlungen, die Eaillaux getroffen hat. Er liebt die Einfachheit und Poincarc wird es nicht leicht haben, seinen Mi- tnsterkvllegen dazu zu bringen, die Angelegenheit zu ordnen. Tenn die Reiwvierung hat natürlich viel mehr als die ausgesetzten 80000 Frs. gekostet, und nun erhebt sich die Frag?: wird M. Steeg eine Renovierung bezahlen, die er nickst bestellt hat, ober soll ber gestürzte M. Eaillaux alle die schönen Neuerungen bezahlen, die er und seine junge Frau nicht genießen werden? — Die englische Bücherslut. Tie Jahresstatistlk der neuen Bücher für 1911, die i'ocben in englischen Fachzeitschriften veröffentlicht mirb, zeigt, daß die Ueberproduktion nod) immer zunimmt 1910 waren es 10 804 Bücher, 1911 sind es 10 914. Tie größten Zunahmen entfallen dabei aufjbie Abteilungen Philosophie und Religion, Wissenschaft unb Technil, Geschichte unb Biographie, Poesie und Trama. Nene Dichtungen gab es 1238 Bände: mit 933 Neuausgaben, 40 Uebcrsetzungen und 4 Broschüren, kommt diese Abteilung auf die stattliche Gefamtziffer oon 2215 Bänden. Es ist zweifellos, bemerkt dazu das Athenaeum, daß bas Angebot bei weitem größer ist als bie Nachfrage. ‘JludJ Der Fachmann findet es unter den heutigen Betstngungen fctmicrig, das Bemerkenswerte unter einer solche Fülle von Neu^ erscheinungen herauszufinden, aber er erkennt schließlich darunter eine Menge „Äufgewärmtes", das nicht zu existieren brauchte. durchaus vertrauensvollen Stelle aussprechen, sich Rat und Aufklärung holen möchten. Sie wissen oft nicht Bescheid und wie sich verhalten sotten in häuslichen oder geschäft- lichen Dingen. Sowohl Herrschaften und Hausangestellte, als auch Geschäftsinhaber und Angestellte können sich Rat holen und int Stillen Streitsachen schlichten. Heber Gesund- heits- und Schönheitspflege, über Körperkultur, wie Geist und Seele zu pflegen ist, wird gründlich Rat erteilt. Zum Schluß sei noch die allgemeine Hess. Stellenvermittlung für olle weiblichen Haus- und Geschäjtsangestellte erwähnt, die über ganz Hessen einheitlich zu organisieren angestrebt wird. Die Hessische Frauen-Erwerbs-Vereiniaung übernimmt für alle Suchenden die Vermittlung, sie gibt Rat und Auskünfte an alle, und somit ist durch diese Vermittlungsstelle endlich ein Sammelpunkt für viele EinAeldinge gesunden. 9 •• Für da§ Konzert, das der Kr on b au er'sche flua rte tt o er e t n am 4. Februar in unserem Stadttbeatei veranstaltet, roncbe, rote wir schon kurz mitteilten, die Münchener Hosopernsängerin Frau Marie Burk« Berger als Solistin gewonnen. Dieses Auftreten ist für uns insofern von erhöhtem Interesse, als die Sängerin, ein Kind unserer engeren Heimat, sich m ihrer gereiften Küustlersckaft jetzt zum erfien Male in Gießen hören läßt. Wie es Frau Marie Wittich, ebenfalls einer Hessin, gelang, die PrimadonnensieUe an der Dresdener Hosoper zu erringen, so eroberte Frau Alane Burk-Berge, die Stelle der hochdramatischen Sängerin an tem Hoi- und Nationaltheater in München. Dein Konzert, dessen Ertrag bekanntlich bedürftigen Schiilkindern giignte kommt, wird ohn. Zweifel in Gießen und seiner Umgebung das größte Interest'- entgegengebracht werden. ** Von der Jagd. Wir berichteten gestern einen Ausfall bei der Hasenjagd von 30 000 bis 40 000 Stück Es handelt sich aber nur um 30 bis 40 Prozent Ausfall, welcyen die Jagd auf Hasen in der abgelaufenen Sai,on gebracht hat. Lanokreis Gießen. d. Steinberg, 19. Ian. Die Vorarbeiten zu bei am 8., 9. und 10. Juni 1912 stallfindeuden 43jährige- Jubiläumsfeier des Gesangvereins .Eintracht", inu der ein nationaler Gesangsiveltstreil verbunden wird, sind so weit gediehen, daß L rzlich die zweiten Rundschreiben an dn Vereine zum Versandt gelangten. Die aiisgesetzten Geld preise belaufen sich auf etwa 1300 Alk. Außerdem werde! den wettüreitenden Vereinen loertooUe Kunslgegenüände ^u, Verfügung stehen. Eine ganz besondere Anziehlingskrasi dürfte wohl die unter anderen ivertvollen Preisen für bac Ehrensingen ausgesetzte silberne Plakette sein. Ter Vectretei- tag finbet am 25. Februar statt. Vereine, denen die Bedingungen noch nicht zugegang-'n sind, können sie bei bem 1. Vorsitzenben beS geschä^tssührenben Ausschusses Balth. Pitz III. anfordern. j — Ruttershausen. 19. Jan. Seit einigen Jahren wirb von der Verwaltung des Buderus'schen Eisenwerkes Lollar einem hiesigen 84]ährigen Greis eine Weihnachtsfreude durch ein Geldgeschenk bereitet. Der Mann ist ivohl ber Senior ber Arbeiterschaft bieses Werkes, der von ben kleinsten Anfängen beS Erbauers Kilian tätig war und nachher bei (Sebrüber Buderuß über 30 Jahre einen verantwortungsvollen Pollen als Kesielioärter versah. — Lanbwirt Hch Schwarz I schlachtete heute ein Schwein, das daS Geivicht von 524 Pfund hatte. Kreis Lauterbach. ---Ilbeshausen, 19. Jan. DaS Hotel „Zum Felsenmeer" geht vom 21 Januar ds. Js. ab pachtweise an ben seitherigen Geschäftsführer, Lubwig Hafner aus Borkum, über. Starkenburg und Rheinhessen. bs. Darmstadt, 19. Jan. Die Großtz. Hand'els- Yammer Darmstadt hat in ihrer Sitzung vom 15. Januar, über die erst heute ein Bericht aus gegeben wurde, sich zunächst mit der Konstituierung der Handelskammer befaßt. Danach wurden die Herren Bankdirektor C. Parcus, G.h. Kommerzienrat Dr. L. M e r ck und Kommerzienrat F. Jacobi als Vorsitzende wiedergewählt. Die Handelskammer feiert in diesem Jahre ihr 50jähriges Jubiläum. Es wurde beschlossen, einen .Ausschuß von etwa 3—4 Herren zur Vorbereitung der Feier zu wählen. — Es haben verschiedene Sitzungen des Ausschusses für Gesetz-, Steuer- und Zollwcsen stattgefunden, in welchen hauptsächlich über die Revision der Aussührungsvor- schriften zur Gewerbeordnung und über den Gesetzentwurf betr. Regelung der Sonntagsruhe im Handelsg-werbe sowie über Abänderungsvorschläge zum hessischen Handelskammergesetz verhandelt wurde. — Es fanden Beratungen über eine dritte Auflage des Nahrungsmitielbuches am 4. und 5. Dezember in Wiesbaden statt. Die Handelskammer beschloß, die Mitgliedschaft beim Bunde der Nahrungsmittelfabrikauten und -Händler, Sitz Nürnberg, zu erwerben. — «Set Verein für Handlungs-Kommis von 1858, Bezirk Darmstadt, hatte an die Handelskammer ein Schreiben gerichtet, welches sich gegen die melwfach hervorgetretenen Bestrebungen richtet, es möchte ein gesetzliches Verbot der Führung der Kaufmannsbezeichnung für alle kaufmännischen . Angestellten herbeigeführt werden. Die Handelskammer stellte sich auf den auch vom Deutschen Handelstag aus seiner letz en Ausschußsitzung eingenommenen Standpunk , es dürfte die Standesbezeichnung „Kaufmann" nicht nur den selbständigen Handelstreibenden Vorbehalten werden. Kreis Wetzlar. O Krofdorf, 19. Jan. Die Gemeindevorsteherwahl fiel auf Landwirt Karl Schmidt. Gemeindevorsteher Pfeiffer, der zwölf Jahre an der Spitze unseres Gemeinwesens gestanden, war der Nachfolger von Vorsteher Ludwig. Hessen-Nassau. th. T r e h s a , Kreis Ziegenhain, 19. Jan. Heute fand Titer eine sehr stark besuchte Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins des Kreises Ziegenhain statt. Direktor Stolte vom städtischen Elektrizitätswerk in Gießen sprach über die Vorteile des elettr. Lichts und der elellrischen Kraf. besonders für landwirtschaftliche Betriebe. Die Versammlung beschloß nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag das Landratsamt zu bitten, sich eiligst mit der Stadt Gießen oder mit der Zentrale der Edertalsperre wegen Lieferung von Elektrizität für den Kreis ins Benehmen zu setzen. !. -----L----------’LS---_■_■■■■ ' _____ Gedenket der hungernden Vögel! (ßcricbtsfaaL Der Prozeß der Mainzer Polizeiassistentin vor b cm Reichsgericht. Vor dem 1. Strafsenat des Reichsgerichts findet beute die Rcvisunrsv er Handlung in hem Aufsehen erregenden ^Beleidigungsprozeß statt, den die Pottzeiassistentin Frau Sr. Scha.pt ro und der zweite Bürgermeister der Stadt Mainz, Beigeordneter Berndt ygen Den Verleger des Mainzer „Neuesten Anzeiger" Hirsch veranlaßt hatten und der die Mainzer Strafkammer vom 18. September v. I. ab mehrere Tage lang beschäftigt hat. Das Urteil lautete damals gegen Hirich aut sechs Monate Ge ängnis wegen B leMgung und Tragung der Kosten. DieRevsiwn des Angeklagten bringt verschiedene prozessuale Rügen vor. Vermischtes. * Eine Millionen stiftung für verlassene Frauen. Aus Neuyork wird berichtet: Der vielfache Mtt- sionär und große Eisenindustrielle aus Chicago, Richard Crane, der stets als ein erbitterter Gegner des amerikanischen Studentenlebens behauptete, daß die Jugend in den Colleges zu Ausschweifungen und zur Trunk,ucht erzogen würde, hat aus seinem Vermögen eine Summe von fünf Millionen dazu bestimmt, zur Unterstützung von Frauen, die von ihren Männern verlassen wurden, verwandt zu werden. Das Geld soll dazu dienen, kleine Landhäuser für schuldlos verlassene Frauen zu errichten,, die außerdem nebst ihren Kindern noch mit Geld unterstützt werden sollen. — Tas E i des großen Alk. In diesen Tagen ist in London wiederum eine jener seltenen naturgeschicb.sichen Reliquien verkauft worden, die an eine merlrvürdige, jetzt ausgestoroene Vogelart gemahnt: das Ei des großen Alks. Der Käufer, muß nicht weniger als 6000 Mark anlegen, um dieses Vogelci in seinen Besitz zu bringen und er hat bei diesem Kaufe sogar noch ein gutes Geschäft gemacht, da die Eier des großen Alts als kostoare Raritäten mit Gold ausgewogen werden. Gerade in die en Tagen ist m London ein kleines Buch erschienen, das sich mit der romantischen Geschickte der wenigen Eier des großen Alks_ beschäftigt, die heute m naturhistorischen Museen uno in den Sammlungen weniger Naturforscher ein „Glanzstück" bilden. Tie Welt kennt nur noch acht Balge dieser ausgestorbenen Vogelart und 73 Eier. Mitte Der 50 et Jahre ging ein englischer Lammler in Paris spazieren und sah dabei in einem ft einen Schaufenster eine Reihe verschiedener Vogcleier. Er betrat den kleinen Laden, erkundigte sich nach Dem Preis: 1 Ftants das Stück. Nur das große sollte 2 Franks tosten. T er Engländer nahm Vorsichtshall er dieses große Ei in seinem Hute gleich mit, denn er wußte wohl, daß man für ein Ei eines großen Alks 2 Franks |d>on anlegen darf. Er verkaufte es in London im Jahre 1856 zu einem wahren Schleuderpreis, Für 420 Mark. 'Der Käufer war Baron Louis d'Hamonoille. Aker die Lauflahn dieses Alkeies war mit diesem Handel nicht abgeschlossen: im Jahre 1894 erschien es wieder in einem Londoner Versteigerungslokal. Hier erstand Sir Vauncey Harpur Crewe das Ei, das sein Landsmann vor ,40 Jahren in Paris mit 2 Franks bezahlt hatte, für die stattliche Summe von 6030 Mk. 1.880 wurden in Edmburg 2 Eier des großen Alts versteigert, aber in der Versammlung befand sich nur ein Käufer, der von Der Seltenheit dieser Eier feine Ahnung hatte. Man lächelte Damals üeer diesen Mann, der für die beiden Vogeleier 32 Al irrt bezah te, aber 14 Tage später lernte man darüber anders beuten: Der schlaue Schotte hatte die beiden Alkeier nach, London geschickt, wo sie Lord Milford sofort für 4140 Mark kaufte. * Der Bart der Engländer. Die Londoner Barbiere bedrohen ihre Kundschaft mit einer ansehnlichen Erhöhung des Preises für das Rasieren, und wenn dieser Plan sich verwirklicht, werden viele Londoner aus Opposition gegen die Künstler des Rasiermessers sich am Ende einen Vollbart stehen lassen. Das vermutet wenigstens die Eoening News, die in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß noch vor 40 Jahren alle kultivierten Engländer einen Vollbart trugen, ja vor 100 Jahren war die Vorliebe für wallende lange Bärte in England so groß, daß die Regierung alle Bürger mit einer besonderen Steuer von 3 Schilling belegte, falls ihr Bart länger wie 10 cm war. Wer diese schönen Zeiten sind dahin, der moderne englische Dandy geht glattrasiert und ist daher auf die Anwendung des Rasiermessers stärker angewiesen als andere Nationen. Nun haben aber Geschichtsforscher mehrfach die Behauptung aufgestellt, daß zu allen Zeiten und bei allen Völkern Perioden des Niederganges und des Verfalles durch eine Vorliebe für die Bartlosigkeit eingeleitet worden feien. Sorgenvoll fragt sich die Evening News daher auch, ob das Vorherrschen der bartlosen Mode in England nicht ein Zeichen für den Verfall Der Nation fei und ob die Oeffentlichkeit nicht schon aus diesem Grunde einen Generalstreik aller Barbiere nach Kräften unterstützen solle. kf. Mark Twains elektrisches Pferd Mark Twain nahm für sich den Tue! des Cdamvions der Aufschneider in An- svrnch. Eines Tages war er zu einer ®e'e(lfrfiaft geladen, und es schien, als ob durch eine unglaubliche Geschichte, die einer der Teilnehmer zum besten gab, der Ruhm des großen Humoristen ins Wanken aerateu würde. Gelassen hone Mark Twain den^Lchwindel eines Nebenbuhlers an. Taun fragte er beiläufig: „Sagen Sie mal, ist Ihnen jemals etwas über mein schnelles Pferd, das ich in Nevada zu reiten vsieaie, zu Ohren gekommen?" Der Gefragte verneinte. „Nun," fuhr Mark Twain fort, „ich sage Ihnen, meine Herren, es war ein sehr schnelles Pferd. Aber es halte einen Hehler: es war furchtbar ungestüm und bissig, und jedes Zaumzeug ging zu Schanden." — „9lber wie lenkten Sie es Dann?" - „3d) nahm die Elektrizität zur Hilfe. Ich Halle ständig im Wagen eme elektrische Batterie und TräHte führten zum Maule des Pferdes hin. Nur so konnte ich es zum Stehen bringen." — „Aber weshalb riefen Sie denn nicht einfach: Hü!?" - „Was? Einfach Hü! rufen, ja aber, mein Lieber, was glauben Sie denn? Sie vergessen ganz, daß das Pferd ein außergewöhnlich schnelles war. Es lief schneller als Der Schall Wenn ich Hü! rief, war es sicher schon in der nächsten Stadt. Ta fällt mir eine Geschichte ein: Eines Tages fuhr ich gerade vor einem der fürd'terluhfieii Rcgen- 'türme los, die ick) je durchgemacht Haie. Ter raste mit 80 Meilen in der Stunde dahin. Ich trieb gerade am Rande des Trk.ms und drei Stunden genoß ich das Peranügen." - „Aber wurden Sie denn nicht naß?" — ..Naß? Aber ick) bitte Sie, mein Herr. Ich erzählte Ihnen doch gerade, daß ich vor dcm Sturm dabin- stihr. Ich konnte mich nach vorn hm lehnen und Die Sonne brannte mir aufs Gesicht. Lehnte ich mich zurück, so vackle mich der Regen. Wehte der Crfaii langsamer, ging das Pferd langsamer, erhöhte er seine Geschwindigkeit, so brauchte ick) nur die v alterte in Betrieb ui 'klzen und fo'oit H elt mein Pferd mit ihm Schritt. Ich möchte nicht lügen, wirklich nicht, meine Herren I Aber glauben Sie mir, als ich au meinem 'Benimmnngcorte anlnngte, da war ich so trocken wie das Pulver auf unteren Üriegsschisf n." kf. Das dritte Geschlecht in Amerika. Es scheint, als ob in den Vereinigten Staaten die jungen Mädchen — vom ästhetischen Standvunlte der weiblichen Anmut aus betrach et — im Aussterben begriffen sind. Wenigstens behauptet dies Tr. Sar pent, der Leiter der gymnastischen Uebuncen an der Universität Harvard. „Die llebertreibung der Spiele im Freien", so sagt er, „sowie die ungewöhnliche Entwicklung ber Muskelkraft formen allmählich den Körper des jungen Mädch ns um. Der Hals wird dünner, die Hüs.en nehmen zus hendss ab, d e Schultern werden eckig, Hände und Füße wachsen und werden größer. Ich l-.abe Messungen mit ungefähr 10 000 jungen Mädch n aus allen amerikanischen Gesellschaftsklassen veranstaltet, und ich bin zu dem Schluß gefontmen, daß ein neuer menschlicher Typ in Amerika im Entstehen begriffen ist, den man anatomisch noch als w.ibsich bezeichnen muß, der aber den Aeußeren nach dem männlichen Geschlechte sehr nahe steht. Meines Erachtens wird dieses „dritte" Geschlecht wohl bald die männliche Kleidung annehmen, die seine Formen besser und vortellhafter zur SckMt bringt, und cs wird in diesem Anzuge keineswegs Aufsehen erregen." ? Kleine Gagesd^ronit Aus Hechingen und Rottenburg rourbat zwei neue heftige Erdstöße gemeldet, die auch in Stuttgart verspürt wurden. Es sind dies die stärksten seit dem 16. November. In Cb er berg bei Eberswalde ft arbeit der Töpfermeister Sceliger, dessen Frau und Tochter nach dem Genuß von AnauaH-Speise. yn Csttirol herrschen furchtbare S chneeitfi rme. Ter Wiener Nachtschnellzug ist bei Fieberbrunn im Schnee vollständig eingeweht. In B a u n e-lcs-Dam es bei Dtion wurde ber Arzt Tr. Gensvoie unter der Beschuldigung verhaftet, vor mehreren Monaten ein.n seiner Kollegen zu vergiften versucht zu haben, indem er ihm eine Flasche Kirschbranntwein übersandte, die ein starkes Gift enthielt. vüchertttch. — Zeitungskatalog. Die bekannte Annoncen-Ervc- bition I nv a lidendank, Berlin W„ hat ihren Zeitungs- Katalog für 1912 herausgegeben. Das vornehm aud-ruattelc und dabei handliche Werk führt in zuverlässiger, übersichtlicher Rc hmftl^e fast säm siche Tageszeitungen, tlluftr.crte Blätter und Fachzci.cn der Welt auf, jo daß es jedem, der in die Lage kommt zu inserieren, an Hand dieses Katologes möglich ist, sich schnell und sicher ju orten.ieren. Tie wohltätigen, gemeinnützigen Bestrebungen des Jnvalidmdank sind bereits allgemein bekannt. Es wäre zu wünschen, daß im Interesse ber hilfsbedürftigen Jirvaliden und b:ren Hin erbliebenen, denen doch ausschließlich die Einnaljmen des Jnval'ib.mdank zugute Launen, auch diejenigen Leser unseres Blattes, wttche den Jnvalidenoank ,noch nicht in Anspruch genommen haben, sich seiner erinnern, falls einmal aus irgend einer Veranlassung die Aufgabe von Inseraten notwendig wird: Mchrkosten entstehen dadurch nicht. ßait&cL DerVerbandwestdeulscherDürsten-undBind- fabenfabrilanten teilt feinen Abmtönern durch Rundschreiben mit, daß seine Mitglieder wegen der Steigerung der Rohmaterialicnvreife eine Erhöhung der Preise für ihre Fertigwaren einireten lassen müssin. Gießen, 20. Jan. Parkt bericht. 9luf leiittaem Wochen- markte louete; Putter pr. Pfd. 1,10—1.20 Mk. Hühnereier 1 St. pi — 12 1 fg., tiäfe vr. Ll. 6—1 .ig„ Räfematie 2 St. 5—6 Pfg., rauben vr P'r. ' ,ho—1,00 Mk., Hübner vr. St. l,"0—1,60 Pik., vahiien vr. Stück 0,«0—1,60 9)if„ Enten vr. St. 1,80—2,20 Mk., b'änfe das Pfd 70-80 Pfa^ Cchfeuneii h vr. Pfd. b6—94 Pfg^ •hinDfletf h vr. Pfund ^4—86 Pfg., llumleijch 70 Mg^ Schweine- • leitet) vr. Pfund 64—86 Pfg., Jialbfieiich vr. Pfd. 80—n4 l-ftu, vammelfleii l) vr. Pfd 6)—80 Pfg., Mavtoiiehi vr. lüO Rq. 8.50 bis 9.00 Alk., Weißkraut bas Stilck 15 bis 30 Psg^ Ziviebeln per Plr. 12,00—15,00 'JJiL A'il h das Liter 22 Pfg., Aev'el ver Plr. Id bis 20 Pik., Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., ver Str. 0—00 l)if., Btrnen das Pfund 20—25 Pfg. Alarklzeit von 8—2 II br. F. C Wiesbaden. i e h h o i -M art toeri d)t oom 1J. Jan. Antrieb: Rinder ko (Cdjfcn 19, Kühe bl, Bullen 0), Kälber 148, Schate 22, Schweute 18g. Tendenz: DüuDer, Kälber, Schafe und Schweine ruhig. Preis für 100 Pfd. Levend- Schlachtgewicht Ochsen. Mk. Mk. Poll^eifck'ige, au8gemaiicie, bZchsien Schlachtwertes un Alter von 4-7 Jahren .... 50—63 90—92 Tie noch nicht aezo- en haben iniinejocht) . . 50 -57 89—91 Oimae, fleijclige, nicht auSgcmäucte und ältere auSqemä'ieti..... 46—49 82-89 Riäßlg genährte junge, gut genährte ällere . . 41—44 74—81 Pullen. Pollslesichige, ausgeio^ höchsten Schlachtw. . . 43—46 72—78 PoUslestchige, jüngere 89—42 66—70 vor en. ü h ». Pollsietlchige auSgemäslete Färsen höchsten Schlacbtwertes 46—60 83—89 PoUsleücMge auSgemäslete Kühe höchsten Lchlachtwertes bis zu 7 fahren . ... 40—43 74—78 Wenig gut eniiuidelie Färsen 3s—42 73—81 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte lungere Kühe 34—88 68—73 Mäpig geualjrte Kühe unb Färsen .... 29—32 5d 63 K al o ec. sieinsie Aiastkälder 62—64 104—106 Mutiere 'Jüan- und beste Saugkälber . . • . 55—60 95 — 100 kernigere Mast- und gute Saugkälber . . . 50—54 85—89 Geringere c-augfalber 45—49 7ö—82 o rt) a * i. Weldemastschafe: Mastlämmer und IKauDanunet ..... 87—39 76—78 Schweins. Pollslesichige Schweine von 80—100 kx Lebend- geiutdjl 49—50 63—64 P oUjleisck'ige Schweine unter 80dx Lebendgewicht 48—49 62—63 PoUjleljchige Schweine von 100—12U kg Lebend- gewlcht ........... 49—50 63 — 64 Vollflesiclüge Schweine von 120—150 kg Lebend- geimcbt 47—48 61 — 62 Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. E Jan. ■o Wetter 1912 L Für die sparsame Hausfrau unentbehrlich! |SB4/» 2 2 2 9 0 8 + 2,7 *3. - 1.2*0. 18. 18. il 8-e 65 88 98 Höchste Tenrperatttr am Niedrigste Bed. Himmel Klarer , Tunst € - & c - ° - tN bis 19. Januar — , 19 NE NE N -Z-S Die nach- A pr?fam Sonntag, 21. Jan. 1912, Ntehenden Avl 4ilv von |' Uhr inillax4 ü g U i.nr naa.its nnr tnr dringende Fälle siCh-r anzntretfen: D ’•/. Dr. KR*in, Ost-Anlage 37. — Dr. Stuhl, Süd-Anlage 7. Werner Breuer^ 19 16 53,4 + 25 8,6 19 . 16 52,5 -07 38 20. 16 50 9 - 25 3,7 Bei Appetitlosigkeit Dr. Hümmel S Haematogen 20jähriger Erfolgl Warnung! Man verlange ausdrücklich den Namen Dr. Hommel. [)1/l II i • e p"’ fiefert billigst die Brühl’tcM Kuverts mit Firma kää