Nr. 65 ien Mittel, Lohnbewegung vor ganzen Bezirk, die zugehen, Vertrage. Redaktion. Expedition und Dnickeret: Scdul» stratze ?. Expedition und Verlag: fcs® 6L Redaktion:^« 112. Te1.-AdruAnzetgerGieben. . .. , --------. . ia rden , - -^ringend zu machen, in edier Linie aus k!» b«Er Wohnungsfrage. Zur Förderung der litionsjreiheit nicht antasten sGelächter links) — nur wollen wir — ------1- Dir wollen Schutz der Arbeit gegen den —---^reiher t und das Recht der Ar- 6 * 1 * .tooacn to,r auf allen Gebieten schützen. (Lebhafter Beifall Die Ruhrffrelk-Snferpellaflon des Zentrums. (Zweiter Tag.) Erscheint tBglid) mtl Ausnahme des Sonntag». Die „Gießener KamittendlStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich be,gelegt, da« „XretrdlaN für Öen Kreh Gießen" ,we,mal wöchentlich. Die „ranöwlrtschaftltchen Stil» trafen" erscheinen monatlich jroeunoL gralhon, daß diese Forderung berechtigt ist, da macht er aber schleunigst ein sehr zweifelhaftes Gesicht. (Heiterkeit.) Freilich ist oaö ein Eingriff in den Herrenstandpunkt, das H e r r i m H a u s e bleiben. Es scheint, dah die Kunst der Menschenbehandlung den Herren in der dortigen Gegend und gerade im Bergbau ganz besonders verloren ging. Bedauerlich ist, daß der Streik durch »ontraktbruch begann, aber eine derartige Kündigung für Öen Einzelnen ist außerordentlich schwer und es fehlt die Vertretung der Arbeiter, die in der Lage wäre, die gemeinsame Kün. digung auszusprecheu Wir haben 1905 eine entsprechende Reso- lution beschlossen; leider ist diese Bestimmung im Abgeordneten. houS nicht in die Berggesetz.Novelle hineingekommen. ^'"S^hcikc.n kann der ArbeiterauSschuß zweifellos besser terhandeln, aber für die großen allgemeinen Fragen ist dcr urveitgeververbano geeigneter. In anderen Gewerben werden ja die Verhandlungen über den Arbeitsvertrag von den Vertretern m ).rbC.1 Cr' unb bsS Arbeitgeberverbandes geführt nicht von der Werkslcitung mit den Werkarbeitern. Tas entspricht nun ein. m ober n en A r b e i t e r r e ch t. Auch im Hergbau ist öie Möglichkeit für die menten Arbeiter gegeben. Natürlich machen die Gedingeverhaltnisse Korrekturen notwendig, aber das ist mög. tich und deshalb ist bic Forderung des M i n i m a l l o h n e S gar nicht so wichtig. Merkwürdig, oaß gerade die Herren auf der Rechten darin etwas so Sozialistenstaatlutjes sehen; lit denn die Beseitigung oes § 100g anderes? Und in das Kali-Gesetz haben sie doch mit dem Zentrum den Muidcstlohn hineingebracht, derartige Forderungen werden sich mit der Zeit umsetzen, dazu müssen sie aber bei den Lohnbewegungen aufgestellt werden, und wo ein Wille zur Verständigung ist, ist auch ein Weg. Aber die Bergherren wollen eben nicht. Auch ich habe hier ein Protokoll auS einer Sitzung der Berg. Herren 1909 im Palast-Hotel. 2a heißt eS: Drücken Sie dem Minister den Herren standpunkt ins Auge, daß wir dem Herrenhause sagen können, wir haben unfern Herren. Standpunkt vertreten; nun, Herrenhaus, zeige, daß du demen Namen verdienst und hilf! (Hört, hört! links.) Sie haben ia fetzt nachträglich mit den Arbciterauöschüffen verbandelt, aber da man weiß, wie diese Leute drangsaliert werden, wenn sie eine L'ppe riskieren wollen, in ihrem ArbeitSverhältnis, sind sie nicht die Organe des Vertrauens der Belegschaft. Und man hat n u r allgemeine Versprechungen gegeben; in einer so weit vorgerückten Situation genügen sie nicht, hier mußte eine klar für- muherte Kundgebung erfolgen. Der Staatssekretär meint, die Zeit sei nicht r. jf für eine Vermittelung. Im Ge. genteil, es iu vielleicht schon etwas zu spät. (Sehr wahr! bei den Soz.) Im Moment, wo die Forderungen aufgestellt, wo sie abne- lehnt waren, hatte er eingreifen sollen, die Vertreter beider Grup. "rftänbigung von Organisation zu Organisation einladen. Man hat bei uns in den regierenden Kreisen anscheinend kein rechtes Verständnis für die PsychoIogie des Volkes. (Sehr richtig! links.) Sei einer ----von Hunderttausendcn von Arbeitern, die den eezin, die ganze Bevölkerung hineinzieht, kann es nicht '0 wie unter vier Augen zwischen zwei Menschen, bei einem . . wo man warten kann. Da spielt eine Erregung, die sich steigert, mit, unb die Zeit soll man nicht verpassen. Hätte die Vermittlung früher eingesetzt, wäre es wahrscheinlich zum streik gar nicht gekommen. Hatte der Staatssekretär den nötigen -J“!:0!?**' 10 toätt bcr Widerstand der Arbeitgeber wohl zu > Uberlmnom nptnpfrn s.;_ u~____ „ 0 Abg. Gothei» (Vp.)? ,cr ®c0tü^ungSrebe des Herrn Schiffer empfand der Interpellation anzuseben. toQ?r I,nI6^ '"^1 mit einem Wort hat er diese Inter- pellation seiner Freunde begründet. Auf ein hohes Niveau bat U H nicht Phöben, es wurde daraus wieder ein o^nh,^0 danZ' <^Ur handelt cs sich bei dieser großen de^ Ar^N^.ü^ VH- prinzipielle Frage ves Einflusses der Arbeiter durch die Arbeiterorgani,ation auf Vie Arbeitsbe- nlm- b?.rYm' 06 dieser oder jener Verband durch seine Tcdtik mehr Mitglieder bekommt. Es handelt sich um den ^.?^^cken erklärt hat, in feiner Verwaltung mürbe ?t"bec Streikenden sind vorgekommen. DaS geben die Arbeiter ein Sozialdemokrat nicht geduldet werden, und jeder fliege, wer iE muß den Mut der Arbeitswilligen schlienl7ch^mÄ'^^bn herauskommt. Er muß ja auch ?er großen Gefahr bei der Arbeit verharren, schließlich cnE Verlangen des Abgeordnetenhauses dafür forgen, Ctrnf Mirb zeigen, ob wir mit den vorhandenen Mitteln daß Preußische Bergwerke kaufmännisch betrieben werden, und uuskommen oder ob wir dem Staat neue Strafmittel ba wird es ihm schwer, dem Standpunkt der Arbeiter gerecht zu £ ^,e ^^d geben müssen. (Hört, hört! links; Unruhe bei den werden. y w ö I ^°J-) Wir sind nicht Freunde neuer Strafgesetze; aber wenn es Auch der ©toatSfefrctär hat gestern noch die Eierschalen bon ÄLÄ , eben geschaffen werben, seinem fricheren Amt als preußischer Handelsminister gezeigt, auch Ausschreitungen vorgekommen diese Arbeitgeberseele W.r brauchen einen Mann, der ganz vo? L?'/- muß docherst ^fftellt werden, wer die Schuld daran urteil-frei von der höheren Warte sucht Vertrauen bei” ben S?L Nch über die Schutzleute. Der- Arbeitern zu erwecken, unb nicht das Mißtrauen, daß er alles m-nn er eines Lchutzmanns in dieser Situation, Recht aus ,eiten der Arbeitgeber finbet. Wir brauchen ein Termarmp^hpn ur^. tagelang unter diesen Reichsberggesetz: hätten wir es schon, bie SZvIrrigkeiten b’STSES? ^nn ^dcn Sie auch die Ge- waren aus der Welt gebracht. In jenem Protokoll vom Palast- ^iÄ menn r?Sehr merkwürdig nimmt b^tel hieß es ja auch: .Vielleicht wäre cS möglich, den Minister tr e t n 'mrner als bie Ver- 8STU5 -L! Ä 'N Sjg&SSJ-,sr fe-S-ÄffM hon Bethrnann Hollweg." (Heiterkeit.) Ich weiß nicht, oh dieses ---- Sob aus diesem Munde cm wirkliches Lob für den jetzigen Staats- die sekretar des Innern ist; wenn es zutrifft, dann verstehe ich den er -weiten Deil seiner gestrigen Rede besser. um Auch wir wollen die Ordnung im Streikgebiet überall auf. ber recht erhalten und ebenso den Schutz der Arbeitswilligen. Wo Regierung mo Hundertlau,ende streiken, muß auch der notwendige Schutz ver- Eingriffs enttiUiien- aum mp.i Vin Dienst wzweifellos sehr schweren Hervorrufen würde. s?,-.-.stimmuno rechts ) rcoacn bip^ocr Dienst, und er wird ihnen noch erschwert durch die Nervosität litionsfreiheit nicht art-1"- ucn „e t0Q' ' h I. V orgefe^te n. Diese Nervosität wird noch gesteigert keinen Koalitionszwong. durch ^charfmachcrcien wie im Herrenhause, und noch gestern "hat Terrorismus. 2 i c "- Herr von Bieberstein als Vertreter des ungekrönten Äönios feie- Leit. " Sorisch cm schneidiges Vorgehen verlangt. Ich habe selbst als rechts.) w'e die Husarennachrichten,selbst ruhige Leute Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg): iatenna^un.' W.r Ä ttSS, I K M‘e U er" Mb. Deutscher Reichstag. 2 7. Sitzung, Freitag, den 18. März. Am Tische des Bund-Srats: Dr. Delbrück, Sydow, ►•ä elfen, Richter. 1R Präsident Dr. Kaempf eröffnet, die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. und teilt mit, daß vom Präsidenten vex italienischen Deputiertenkammer folgendes Antwort- Telegramm eingegangen ist: .Ich mache mich zu dem getreuen Dolmetscher der Gedanken der italienischen ^eputiertcnkaminer, indem ich Ihnen hiermit - SS? f k!LC n 1,16 herzliche Kundgebung des Reichstags anläßlich des fluchwürdigen Attentats ausspreche, eine Kund- gebung, bie bie gegenseitigen Gefühle der Sympathie zwischen ^5n. beiden Volkern von neuem kräftigt Marcora, Präsident der italienischen Deputiertenkammer." DaS Haus nahm diese Shmbge6ung mit lebhaftem Beifall auf. Born preußischen Kriegsminister v. Heeringen ist ein eingegangen, in dem er gegenüber einer Aeußerung yJ* e m ) ’n her Bubgetkommifsion gclcgenl ber Etatkbeoatitng über baß Reicbsamt des Innern, daß die Anstellung eines Sohiies deS Präsidenten der Artiacrlc-PrüfungS- kommisswn bm der Firma Krupp in Essen ein sehr bedenkliches Symptom in Hinblick auf die nahen Beziehungen der Firma zur Heeresverwaltung sei, erklärt, daß der Präsident der 'Artillerie. Prufun^kommisfwn, General Siegel, nur einen Sohn habe bcr r/l£e-m Infanterieregiment ist. Auch der Vorgänger des Generals Siegel habe keinen Sohn bei bcr Firma Krupp. Abg. Dr. Südcknm (Soz., zur Geschäftsordnung): ES bedarf keiner Versicherung, daß ich sehr bedauern würde, der Artillerieprüfungskom- S°*rbr 8 Cp^cr bischer Informationen ober einer Personen. öc»orben 3u fern. Sen Sachverhalt festzustellen, sich bis zur Beratung des Militäretats Gelegenheit bieten ^fommeri bcr.^ntra9 auf . ®infteCung des gegen den Abg. Graf 6 1 8 L? x f f (SBilb) schwebenden Strafverfahrens wegen Be. Pi£irXS.rrb saTn^*Ten- ?er Antrag ist nicht, wie infolge hÄ ^ ^rCr8 wurde, von Ablaß u. Gen., also nicht von der Bolffpaiici gestellt, sondern von Arnstadt u. Gen., Mit- gliedern der Konservativen und anderer Parteien. ^dritte Lesung dcö N a ch t r a g ö e 1 a t s f ü r d i e Reichsversicherungsan ft alt. w 162. Jahrgang Samstag, 16. Mürz 1012 iw* ** «Otühonibrutf «n» Btrtati 6er etObH»«- vJivnCiici ^niiCiücr General-Anzeiger für Oberhessen Abg, Mertin-Oels (Rp.): Wir danken dem Staatssekretär für die Entschieden. heit und Energie seines Tones, zumal »uirin dieser Beziehung von ihm nicht verrvöhnt sind. (Lebhafte Zu- nStmUh.?[hrC "«Schutz in Anspruch zu nehmen. (Große Heiter, feit.) Wenn ein Christlicher heute zum Schutze seiner Gesund- heil einen Revolver mit sich trägt, so hat ja der alte Verband da- mal« auch Revolver angeschafft, und im Keller des Verbands. Hauses Schießübungen veranstaltet. (Stürmische Heiterkeit.) Bei diesen Zuständen kann man dem einzelnen Selbsthilfe nicht so sehr verargen: eß wäre hier Sache der sozialdemokratischen Gewerkschaften, Disziplin in ihren Kreisen zu halten. Es ist übri- aenS eine Feigheit, wenn die Streikenden, wie berichtet wird, Frauen und Kinder au solchen Ansammlungen mitnehmen. Will man sich mit denen decken, weil die Polizei Frauen und Kinder stickk aW'*'Vl DerärNcke'S Muffen Gewerkschaften unter allen Umständen verhindern. Wo e3 vorkommt, ist-es eine Feig- beit ohnegleichen. (Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Mein Freund Effert hatte bei dem Ausbruch des Streiks im Auftrage des Verbandcö wicht ge Auftrage im Sieger- land zu erfüllen und steht jetzt in dem Kampfe im Ruhrgebiet ganz auf unserer Seite. In den Orten, wo die Sozialdemokratie nicht herrscht, ist heute noch Ruhe und Ordnung. Tie Darstellung, daß die u-priit- liehen zur Unordnung Anlaß geben, ist vollkommen unrichtig und gefärbt. Den Anlaß geben die Sozialdemokraten, und wie diese dort auf dem Lande ausseben, daß kann man an dem Verhalten der Herren hier sehen, die ;a d i r E l i t e der ganzen Partei darstellen. (Stürmische Heiterkeit rechts und im Zentr. Unruhe bei den Soz.) Ja, wenn Sie sich nicht im Zügel halten können, was wollen Sie dann von Ihren Leuten auf dem Lande verlangen? Gehen Sie ihnen mit gutem Beispiel voran, dann Serben Sie. dort eine andere Stellung gewinnen. Eß ist ungeheuerlich, wie man ehrenhafte Männer, die auf unserer Seite stehen, beschimpft und besudelt. Herr Hue hat in seinem Bochu- mer Volksblatt den Kollegen Heckmann eine vorübergehende Er- scheinung genannt, eine Unternehmerpuppe, der in anderem Auftrage handele. Vorübergehende Erscheinung ist im Munde des Herrn Hue gut. (Heiterkeit.) Es ist aber ungeheuerlich, einen Mann wie Heckmann, der während dcS Wahlkampfes noch seine schwere Bergarbeit verrichtet Bat, der sein Lebtag ein ehrenhafter Bergmann war und jetzt nach einem schweren Unfall mit zerbrochenen Gliedern im Krankenhaus liegt, in dieser Weise zu behandeln. (Stürmische Zustimmung rechts, bei National!, und im Zentr.) DaS ist eS, was unß empört, und man konnte im Ruhrgebiet sehen, wenn man diese Tinge vor tausendköpfigen Versammlungen festnagelt, wie eine ungeheure Entrüstung durch die Menge ging. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum, Unruhe bet den Soz.) Ich will bas hier feststellen, damit nicht auf» neue die Lügen der sozialdemokratischen Presse über die Vorgänge ins Land hinaus» gehen und die Sozialdemokraten als die einzigen berufenen Ver- treter der Arbeiter hinstellrn. Tie Briefe und Telegramme des Abg. Sachse besagen nichts, dem Kenner können sie nickt imponieren. Wir kennen die Fäden, die dort gesponnen sino, ganz genau. Ten Klagen des Abg. Sachse über die Tinge im niederschlesischen Revier könnte bald abgeholfen werden, wenn die Sozialdemokraten dort für bessere Löhne sorgten; sie haben ja die Mehrheit dort. Wenn jetzt Militär ins Streikgebiet berufen ist, so habe ich Briefe genug über die dort herrschende Unsicherheit. Gewiß, wenn daß Militär da ist, ist all.'s ruhig. Wenn Sie das Militär überflüssig machen wollen, so haben Sie ja die Macht dazu, sorgen Sie tafür, daß die Streikenden zur Vernunft kommen und das Militär keine Gelegenheit zum Eingr?ifen hat. (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Wir unsererseits können nur wünschen, daß die Maschinengewehre dort außer Tätigkeit bleiben._ Nach unseren Nachrichten ist der Streik jetzt auch bereits im Rückgänge begriffen. (Lachen bei den Soz.) Menn das nicht noch mehr der Fall ist. so liegt eß an dem TerroriSmuS, der geübt wird. Von Christlichen haben sich nur ganz wenige Hundert freiwillig dem Streik angeschlossen, und eß gibt Tausende von_ sozialdemokratisch Organisierten, die ihn nicht billigen. (Hört, hort!) @8 arbeiten mehr Sozialdemokraten, selbst Vertrauensleute, als vom Gewerkverein der Christlichen. Das ist noch heute morgen in Essen fest- gestellt worden. Wir wünschen auch, daß die Lohnerhöhung mog- lichst bewilligt wird, Herr Sachse hat ja selbst gesagt, eS brauchten ja nicht fünfzehn Prozent fein. Unser Dreibund besteht auß dem christlichen Gewerkvcrein, dem evangelischen und katholischen Knappen- und Arbeiterverein, also eine interkonfessionelle Ge- Werkschaft verbündet mit konfessionellen Vereinen. Wir haben unfern Standpunkt im Interesse oer deutschen Volkswirtschaft eingenommen und werden oen Kampf auf dieser Basis weiter durch- kämpfen und daran festhalten bis zu seiner Erledigung. Hoffent- lich kehren die falsch beratenen Arbeiter zu ihrer Arbeit zurück, und dann wird Ruhe, Friede, Sicherheit und damit die Wohlfahrt in baß Ruhrgebiet wieder emkehren. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Preußischer Minister Dr. Sydotv erklärt auf die Ansraae des Abg. Behrens bezüglich der Zu» ständig leit der Arbeiterausschüsse in Lohnfragen: Gegenüber von Zweifeln habe ich durch eine an die Bergwerks- direktionen gerichtete Verfügung vom 10. Dezember 1910 Stellung genommen, in der ich diese Zuständigkeitanerkannte. (Hört! Hört!) Schon bei der Beratung de- Bergegesctze» im Abgeordnetenhaufe wurde von der Regierung betont, daß die ArbeiterauSschüffe Lohnfragen allgemeiner Natur zur Sprache bringen könnten, weil man sie sonst ziemlich illusorisch machen würde. In diesem Sinne zu handeln, habe ich die fiskalischen BergwerkSdjrektionen gewiesen, , " 3V ' Dbg. Dr. Erdmann (<5o3.)T '. r Bei der RcickßtagSdebatte 1906 war mit Ausnahme ber Konservativen fas. der ganze Reichstag auf feiten der Streikenden. Heute leider nicht. Ter Streik von 1905 bildet ein Chren- bla 11 in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Herr BehrenS hat dieses Ehrenblatt herabgerissen und mit Füßen getreten, denn alles, WaS er gegen den jetzigen Streik auSgcfuhrt hat: den Kontraktbruch, die geringe Zahl der Organisierten, hat er tatfächli vergleich gegen Den Streik von 1905 gesagt. Und doch war damals der Reichstag fast einstimmig auf fetten der Streikenden. Unterdessen ist ater das Zentrum nach rechts gerückt, nicht nur räumlich. Jetzt weist mm in diesen Kreisen mit Vorliebe auf b i c A n ar cho-Sozialisten hin, obgleich diese Trt der Bewegung loch gar keine Rolle spielen. Tie »Köln. VolkSztg.^ bringt sogar oaS Attentat auf das italienische König S p a a r mit dem deutschen Dcrgarbe'ter-Streik in Beziehung.- (Heitert, links.) Aber ber Anarchismus stammt gerade auß urkatholischen Gegenden (Sehr richtig! links.), au3 Spanien, Italien usw. Eß steht fest, daß der neueste Attentäter in Italien eine stark religiöse Natur ist. (Hört! Hört b. d. Soz.) Jedenfalls bat er mit ber deutschen Arbeitebewegung auch geistig nichts zu tun. Dir Sozialdemokraten brauchen die Arbeiter nicht zu verhetzen. Bei uns hetzen die Verhältnisse. Denn z. B. im Ruhrgebiet eine einzelne Person — es ist eine Dam- — über eine KapitalSmacht von 180 Millionen und über ein Arbeiterheer von 70 000 Mann verfugt, so ist baß doch ungesund und muß den Arbeitern zu denken geben. Speziell der Beruf deß Bergarbeiters ist sehr bart, jeder siebente Bergmann verunglückt jährlich. Und gerade im Bergbau fitzen die .Herrenmenschen, die mit den Arbeitern nie verhandeln wollen: 1889 nicht, 1905 nicht und jetzt, beim dritten großen Streik wiederum nickt. Gesteigert wird die Erbitterung auck ber Bergarbeiter durck die Politik beß schwarz-blauen Blocks und die Reicksfinanzreform. \ Daß Zentrum hat am wenigsten Grund, unß Verhetzung vorzuwerfen, denn z. B. der Bischof Kettler, der erst im vorigen Jahre vom Zentrum als Vorkämpfer gefeiert worden ist bat sich über den modernen Kapitalismus sckärfer geäußert als je ein Sozialdemokrat. Ebenso andere klerikale Schriftsteller! — Der Redner verliest scharfe Stellen gegen den „nationalliBe- ralen Mastbürger", gegen die .weißen Sklavenhalter der modernen Industrie" ufto. auß klerikalen Sänften, die von den Sozialdemokraten mit lautem Hört, hört! begrüßt werden.) — Warum Herr Schiffer jede Beziehung zu den gelben Gewerk- schäften ableugnet, weiß ich eigentlich nicht, da daS Zentrum doch enge Beziehungen zu den .katholischen Fachabteilungen" hat, die von Bischöfen als Streikbrecher-Kolonnen gegründet wurden, und die noch vor kurzem von den Christlichen als ..schlimmer als die Gelben" bezeichnet wurden, jetzt aber mit den Christlichen zusammengeschmiedet sind, auf Veranlassung ber Zentrumßführer. Heute gehen von 8 Arbeitern im Ruhrgebiet 7 ins rote und nur einer ins schwarze Lager. Ein guter Katholik charakterisierte mir mal die Taktik der christlichen Gewerkschaften mit den Worten: " „Unb willst bu nicht mein Bruder sein. So schlag ich dir den Schädel ein In Gottes Namen. Amen!" (Heiterkeit.)'" ’ Daß bet Streik politische Motive hat, ist durch nicht- 6t« wiesen. Man kann doch nicht, tote Herr Gisberts, den Arbeitern daraus einen Vorwurf macken, daß sie sich e>nen möglichst günstigen Augenblick außsuchen. Wenn die deutsche Industrie dadurch geschädigt wird, so haben die Arbeitgeber selbst schuld, die die auch vom Abg. GießbertS als berechtigt anerkannten Arbeiter- forderungen ablehnen. DaS Zentrum sucht Anschluß an die Nationalliberalen, weil der vielbesungene Zentrums- türm geborsten ist und sogar seine Krone, Köln, verloren hat. Sie kennen alle die Zwistigkeiten im klerikalen Lager! Darum dürfen die Christlichen nicht streiken mit Rücksicht auf die gefährdete Kirche. Ich erinnere an den Silvesterbrief auß Rom. Deshalb spekulieren dir christlichen Gewerkschaften auf den Zbfluß auß den abhängigen Existenzen ber StaatSarbciter. Deshalb dürfen sie eß aber au£j mit der Regierung nicht verderben. Zentrum, Kirche und Regierung bilden einen dreifachen Ring t e ß Zwanges um die christlichen Gewerkschaften. Sin Zentrums- blatt aus dem Wahlkreise des Herrn GießbertS war eß deshalb, das zuerst den Ruf nach Militär außstieß. (Hört, hört! b. d. Soz.) Tie Bergleute sind freilich keine Salon-Menschen mit Monokel. Da darf man nicht gleich nach Militär rufen, wenn ihnen mal der Ellenbogen ausrutscht. Dazu kommen die vielen Elemente aus dem Osten, die ihre Erziehung unter dem Regiment ter Junker und der Klerisei genossen haben. Die Sckauermären com RegierungStische find' nicht ernst zu nehmen. Wo stammt denn eigentlich der Herr HandelSminister her? (Heiterkeit.) AIS ich keine Erzählungen hörte, schweiften meine Blicke zufällig über die Tribünen weg und sah Dort eine Reihe von Gesichtern, die auf eine — sagen wir — sehr temperamentvoll verlebte Univerfitätßzeit schließen lassen. So lange die Regierung eS nicht für nötig hält, die Universitäten unter Belagerungß-Zustand zu erklären, um die Jugend der zahlungßsähigen Vourgoise daran zu lindern, auß ihren Ge- sichtern Hackfleisch zu machen (Heiterkeit.), — so lange sollte sie auch kein Militär aufblcten, wenn ein Bergmann dem anderen .Pfui" zuruft. (Sehr richtig! bet den Soz.) Auch die „Köln. Z t g." hot anerkannt, daß die moderne Arbeiterbewegung immer gesitteter wird. Am schwersten ist eß freilich, diejenigen Elemente in Ruhe zu halten, die auß ber Gegend deß Herrn Rogalla von Bieberstein stammen. (Heiterkeit und Beifall links.) Der Bestand deß Reiches wird wohl nickt gefährdet, wenn die äußerst empfindliche Ehre eines Streikbrechers mal durch ein scharfes Wort von Streikenden verletzt wird. Sollte der Belagerungszustand das einzige Ergebnis des Streiks sein, so wird eß keine sieben Jahre dauern, biß der vierte große Bergarbeiter streik auSbricht. Die Arbeiterforderungen sind berechtigt und werden dock einmal durchgeführt werden, mag eS biegen oder brechen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.), STbfl. Werner (Nesormv.)k ' Die Sympathie bei Volke! ist mithin auf feiten ber Streikenden. Weiterberatung Sonnabend 11 Uhr. Schluß gegen 7 Uhr. Modellhut- Ausstellung sowie den Eingang sämtlicher Neuheiten der Saison beehren sich ergebenst anzuzeigen :: :: Geschw. Sailer, Putz-Salon Goetheetr. 36 p. Goethestr. 36 p \_______________122J___________________________> Konfirmanden - Anzüge blaa und eehware, nur bessere Sachen, gebe billig ab. (1915 R. Schich, Murg 3. Günstige Gelegenheit! Die aus der Liquidation von Kuder & Sonno- born übernommenen Waren: Ein grosser Posten moderner Herren-.Bursch: n-1. Knaben-Änzüge sowie Buikinreste rr Hosea u. ganze tage ferner eine schöne Auswahl Damen-Kleiderstoffe steile, um echnell damit zu räumen, zu jedem annehmbaren Preis zum Verkauf in meiner Wohnung Süd-Anlage 22 01997 J. Sonneborn. 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