Freitag, Itt April 1$>12 162. Jahrgang L ton hat. Abg. Dr. v. Golfer (Natl.): Wir ma Nr. 92 Erscheint »glich mit Ausnahme de» Sonntag«. RotQttonSbrud und Verlag bet «rübllchen UntDcrfuöts - Buch» und Sletndruckerel. DL Sange. Gieren. Nedaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strage 7. Expedition und Verlag; 6L «edaktion:'LGSIIS.rel.-AdruAn4etgerGleven. Die ..Gletzener $amlltenblätter“ werden dem ,*Unieiflcr* viermal wöchentlich betgelegL da» *Kteisblati für den Krell riehen" jroetmol wöchentlich. Die „randwlrkschastltchev Leit» tragen- erscheinen monalltd) zweimal. machungen der rche». ' sßmkkikzMW chen sind von den Arbec aren Arbeilaeber und os- :r wählbaren Arbeiter n vählen. den zur Vornahme tei Mai 1912, bis abends 8 Uhr in der !lgcbäudes,GarienstrabeL eitaebcr und Hrbtiter. bie ensjabr voücnde! und un ,’bcn Wohnung oder Beit eines 'Nen umaim Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhehen -feßett, Milien. Jabn! ■ irr 7. Xitel der Gewerbe gleichen Setriebfebeaim chnischen Diensileutunge bredarbeiiöverdiemt c übersteigt- Die der 5. netitcWcnW^.. t MndclienL 2 oder zu flerog ocitfleber, andernsalls c. '^Versorgung u, oannl" mit .ZeuaniSabschrifis. !lNmnsvektiouW'E •J12» uachm. 31/, Uhr, ”ml=Neiiiii| 'schlag sürlAL 3.96ib- des Verbandes miut". 3 ??K°be eines Tier! 8 11 0- xie Stammbauo -rger Äucht. 7. Sörunger. J Auktionen. Zuchiviki ltrage und Mitieilungn -rzuchtvereins Sieben er Vieh: Staatssekretär Dr. Lisco: Wir Baben die Zivilprozeßordnung seit 1898 mehrfach geändert, so daß wir erst endlich einmal Erfahrungen sammeln müssen, ehe wir langsam an ihre allgemeine Revision Herangehen können. Diese Revision muß aber und wird auch kommen. Eine Anzahl Profesioren bat in dankenswerter Weise das Material dazu auch auS dem Auslande zusammengestellt. Wir werden die Sache dauernd verfolgen und die allgemeine Revision vornehmen, sobald die Strafrechtsreform weiter vorgeschritten ist. Auch eine Aenderung der Konkursordnung muß einmal kommen, zurzeit ist sie aber nicht beabsichtigt. Aehnlich liegt es mit dem außergerichtlichen ZwangSvergleich. Es ist aber darauf hinzuweisen, daß Anträge in dieser Richtung früher vom Reichstage abgelehnt worden sind, und zwar zu wiederholten Malen. Die Sache wird aber nicht zur Ruhe kommen, und wir werden auch diese Revision erwägen müssen, wenn wir auch g e - wisse Zwangsmaßregeln gegen die Gläubiger dabei schaffen muffen. Zurzeit'aber beabsichtigt die Reichs- germeister- hdcHtc «YcbenSänö1'- JSews enTdas^'Äiieusobe^ li 1888 MarklMl-2,zo, ganz gut Juristerei studieren können. Ich will natürlich nicht eine Agitation für daS RecktSstudium unserer grauen bcrbeiführen — ganz gewiß nicht; ich stehe viel zu sehr auf dem Standpunkt einer kolossalen Hochbewertung der Tätigkeit, die unsere deutsche Frau als Gattin, als Mutter übt. (2chbaftcr Beifall.) Das Schönste, waS eine Frau als Erinnerung einst sagen kann. ist. daß sic ihre Söhne so erzogen hat, daß sie tüchtige Arbeiter im Staate werden. (Beifall.) Für die Gerichtsverfassung wünschen wir die möglich st weite Berücksichtigung b c 8 Lai- enelementes, die Heranziehung von Schöffen und Geschworenen aus allen Klassen unserer Bevölkerung. Wer erst mal praktisch sich daö mit angesehen hat, mitten drin in unserer Rechtspflege, wird über sie keinen so ungerechten Spruch mehr fällen — nicht wahr? (Zu den Soz.) Gewiß hat unsere Gerichtsorganisation und unser Verfahren große Mängel. Ein Teil des Entwurfs bezog sich auf das schleunige Verfahren, und daS wurde zum Teil nicht freundlich aufgenoinmen, weil man eine Verschlechterung der Justiz befürchtete. Das englische und französische Recht ist unS zweifellos Über. Es ist ein schwerer 'Schade, wenn die Sache zu lange dauert, für den Staat und für den Angeklagten. Ich habe in der Kommission die Bestimmung beantragt und durchgesctzt, daß auch der Angeklagte den Wunsch nach Beschleunigung des Verfahrens äußern kann. Gestern wurde hier über S t r c i f u r t e 11 c gc- sprachen das ist eine schleunige Justiz, und dafür wollen wir dankbar sein. (Unruhe d. Soz.) Cb die Justiz zu hart war, darüber habe ich kein Urteil, ick urteile nicht nach ZeitungS. berichten. (Lebhafter Beifall.) Und ich stehe prinzipiell auf dem Standpunkt, daß unsere deutschen Richter keine Klassen rich ter sind. (Unruhe d. Soz. Lebhafter Beifall, 1 Man darf in die Rechtspflege nicht eingreifen durch Kritisierung des Urteils des einzelnen Gerichtes, ohne den Tatbestand im einzelnen zu kennen. (Sehr richtig.) Reformbedürftig ist sonders das Vorverfahren. (Sehr richt,gl) Vielfach hat man beim .Hauptverfahren den Eindruck, daß überhaupt kein Vorverfahren war. Das mangelnde Vorverfahren macht den Richter nervös, den Staatsanwalt nervös, und der Verteidiger ist von vornherein nervös (Heiterkeit) — ganz begreif- (ich, denn er und der Angeklagte sind gar nicht informiert Aber auch vielfach der StaatSanwalc nicht. Er hat nicht die £rgane; er schreibt an die Polizei, und die läßt in den verschiedenen Re- vieren ohne Verbindung miteinander die Vernehmung vornehmen; daS gibt keine genügende Orientierung. . Ich wünsche dringend, daß die Reichsregierung anregt, daß den S taa t s a n w 5 l t e n selbständige, von der Polizei unabhängige Organe zur Verfügung gestellt werden. Gewiß, das sind verhältnismäßig kleine Sachen, aber, da daS große Mittel der Reform uns einstweilen nicht zu Gebote steht, müssen wir zu kleinen Mitteln greifen. Tas große Mittel, daS auch heule schon dem Staatssekretär zur Verfügung steht, ist, daß er Anregungen gibt, vielleicht zunächst nur persönlicher Art, die doch so unendlich wichtig sind: Für die Reform unseres Rcchtsstudiums, für die Ausgestaltung der Rechts- pflege. Wir wollen heute nicht mehr festhalten an dem harten Satz: Fiat justitia, pereat mundus — sondern ihn so ändern, wie cs vor einiger Zeit ein preußischer hoher Beamter getan hat: Fiat justitia, ne pereat mundusl (Lebhafter Beifall.). Abg. Dove (Vp.): Mb. Deutscher Reichstag. 40. Sitzung, Donnerstag, den 18. April. Am Tische des BundeSratS: Dr. Delbrück, Dr. LiSco. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. Die Sefuifenlnferpeilafion der nafionalliberalen. Auf Anfrage des Präsidenten erklärt Staatssekretär Dr. Dßlbrück: Der Reichskanzler ist bereit, die Interpellation zu beantworten, und ich werde mich mit dem Herrn Präsidenten über den Tag verständigen. Bezüglich der Wahl des Abg. Dr. Becker- Hessen (b. k. F.) werden nach dem Anträge der Wahlprüfungskommission Beweiserhebungen beschlossen. Der Suiffzefaf. (Zweiter Tag.) Abg. Dr. Belzer (Zentr.) äußert den Wunsch, den im vorigen Jahre schon Dr. Heckscher und der verswrbcne Abgeordnete Kirsch vorgcbracht haben, daß zu den Arbeiten der S t r a f r e ch 1 S k o m m i s s i o n bei den einschlägigen Materien Pädagogen und Sozialpol itikcr herangezogen werden. Für eine konservative Resolution zum Schutz der Jugend gegen die Schmutz- und Schundlite- ratur werden wir natürlich stimmen. Wir fragen weiter, ob die Regierung nicht mit Benützung des vorhandenen Materials uns wieder eine Vorlage über die Refor m der Straf- Prozeßordnung vorlegen will. Sie darf nicht hinter die Strafgesetznovellc zurückgestellt werden, sonst wird kein Mitglied dieses Reichstages sie wohl erleben. Die Verfügungen, die eine Einschränkung des Schreibwerks im amtsgerichtlichen Verfahren herbeiführen sollen, begrüßen wir. Für die künftige Zivilprozeß.Ordnung wird das österreichische Gesetz besonders als Vorbild m§ Auge gefaßt werden müssen. Unbedingt werden Laien in stärkerem Maße zur Rechtsprechung zugezogcn werden muffen. Jedenfalls wird eine Revision der Konkursordnung nicht zu umgehen sein. Tie internationalen Rechts- beziehungen müssen weiter ausgestaltet werden; erfreuliche An- fange sind ja schon gemacht. Besonders wünschenswert ist die Schaffung eines internationalen L u s t s ch i s s a h r t S r e ch t c S , ebenso die eines internationalen Wechselrechts. Um die verschiedenen Gesetzcsauslegungen zu vermeiden, würde cs sich empfehlen, eine Instanz vom ReichSjustizamt aus einzurichten, die authentische Interpretationen erläßt. Eine größere Einheitlichkeit der Polizeiverordnungen wäre dringend zu wünschen, aber der Wunsch, ein Reichspolizeistrafgcsetzbuch zu schaffen, schießt dock) über das Ziel hinaus. Die Rechtsauskunftsstellen sind an sich sehr zu begrüßen; cS läßt sich aber nicht leugnen, daß dadurch vielfach den Rechtsanwälten Konkurrenz gemacht wird. ES liegt hier ein ahi^ lichcr Vorgang vor wie bei der Ausschaltung der Gerichte durch die Sondergcrichte, die Juri st en werden immer mehr zurückgedrängt. Der Forderung, den Schöffen und Geschworenen Tagegelder zu gewähren, muß endlich Rechnung getragen werden. Auch die neue Gebührenordn u n g ,f u r Zeugen und Sachverständige muß endlich erscheinen. Herr Stadthagen hat gestern eine Kritik an den Rechtsvorgängen des letzten Jahres geübt, die zum Teil weit über das Ziel hinaus» ging. Aber insofern muß ich ihm zustimmen, daß die Strafen, die bei Streiks verhängt werden, vielfach zu hoch sind. Brutale Ausschreitungen soll man auch brutal bestrafen, aber im all- gemeinen sollte die große Erregung, die bei Streiks herrscht, nicht strafverschärfend, sondern strafmildernd bewertet werden. Wenn auch im einzelnen manche Mißstände in unserer Justiz zu beklagen sind, so liegt doch für unS durchaus kein Anlaß vor, sie so trübe zu beurteilen, wie es gestern der Abg. Stadthagen ge- dressieren, auf den prüfenden Professor. Sie lassen die Fragen dieses Professor" von ihren Kandidaten auswendig lernen. Das ist ein Unfcgcn und furchtbarer Schaden für unsere Rechts- pflege. So weden unsere jungen Iuristen z u Routiniers gemacht, die lediglich auswendig gelerntes Zeug im Kopf haben und in bft Priris draußen reproduzieren. (Sehr richtig!) Daian sind natürlich die Examinatoren in erster Linie schuld. Wenn man so schlecht examiniert, daß eS genügt, wenn man sich von einem Repetitor Doebcreiten läßt, dann rann man es dem jungen Mann nichl verdanken, wenn er zum Einpauker geht Hrir muß die Justizverwaltung eingreifen. ES gibt Examinatoren, die ihre Fragen auf einem Zettel ausgeschrieben haben. Die fragen sie herunter und davon gehen sie nicht ab. Und wenn der junge Mann sie nicht weiß, dann wird er angescbnauzt. dann heißt eS gleich: Das wissen Sie nicht, Herr Kandidat? Und dann kriegt der junge Mann gleich alle möglichen Zustände. (Heiterkeit.) Man kann nur gut examinieren, wenn man mit der Materie durchaus vertraut ist, aber jetzt kommt eS schon vor, daß der Examinator und der junge Mann, der geprüft werden soll, sich über die Seiten des Einpauk- bucheS einigen über die geprüft werden soll. DaS gibt bann ein gutes Examen, aber der Geprüfte wird niemals ein Jurist werden. Er ist eine Gefabr für unsere Rechtspflege, denn er hat alles nur mechanisch auswendig gelernt und hat nicht die Fädigkeit erworben, zu den juristischen Fragen Stellung zu nehmen. (Sehr richtig!) Wir bekommen bann Leute, die oft in ber Praxis ein großes Ansehen gewinnen, weil sie mit gelehrter Miene sagen können: Ja, da ist eine Entscheidung vom Reichsgericht. Band 14, Seite 985. wenn ich nicht irre! (Heiter- feit.) Gewiß, da mag eine ähnliche Entscheidung fein, abcr^baS ist ein PräjudizienkultuS schlimmster Art. (Sehr richtig!) Meine Wünsche sind nicht radikal, fies fordern nur eine Reform, eine reichSgesetzlichc Regelung, auch der juristischen Vorprüfungen. „ Ich glaube nicht, daß wir an Semestern verlängern muffen; wenn der juristische Hörer nur von vornherein ein bißchen taugt! (Sehr wahr!) Früher war die allgemeine Bildung viel größer al? hcutÄ, (lebhafte Zustimmung), sie kam vom guten alten humanistischen Gymnasium. Man sollte mehr allgemeine Vorlesungen halten. Unsere Zeit drängt zur Spezialisierung, möglichst bald ins Brot zu kommen; wollen wir aber unfern Beamtenstand Hochbalten in feiner Autorität, bann muffen wir eben bie allgemeine Bildung heben und vermehren. (Beifall.) Deshalb empfehle ich immer meinen jungen Leuten: Hört Vor- lefungen über Philosophie, Kunstgeschichte usw.! (Zuruf auS dem Zentrum: In Bayern ist es vorgeschriebenI) Ja, ich bin selbst Bayer. (Große Heiterkeit.) Wir müssen unsere jungen Leute vom ersten Semester an etwas mehr in die Vorlesungen hineinbrinaeM Der junge Mann kommt vom Gymnasium und bat keine UUpna von der ganzen juristischen Geschichte. Der Mediziner,^ der Theologe studiert aus Interesse; wenn ich den Juristen frqae, weshalb er Jura studiert, dann errötet er und sagt: Ja weil ich nichts anderes weiß! ES kann ja auch nicht anders fein. Auf dem Gvmnasium weiß er gar nicht, w i e ba 8 Leben im Staate auSsieht, sein Lehrer weiß eS nicht einmal. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Gebildeten im allgc- meinen haben viel zu wenig Ahnung von unferm Staatsleben. Tann noch -ins: Unser Verbindungswegen l ^ch bin ein großer Freund des Verbindungswesens jeder Art. Ich bin mit meinen Verbindungsstudenten nicht unzufrieden; ich lese morgens von 8 bis 9 Uhr, manche behaupten, mitten in der Nacht (Heiterkeit), und meine Vorlesungen sind nicht schlecht besucht; aber unsere Verbindungen und unsere Alten Herren in der Der- binbung — eS sind ja auch manche hier unter Ihnen — bie sollten nicht den Studenten sagen: Liebe Freunde, im ersten Se- mester und im zweiten und dritten ist man für seine Verbindung ba, — sondern in heutiger Zeit ist eS nicht mehr angängig, daß junge Menschen in voller Jugendkraft semesterlang nichts tun! (Lebhafter Beifall.) Das entspricht unserer heutigen Zeit nicht mehr. Sie sollen fröhlich fein und die studentischen Sitten pflegen, aber eS ist durchaus möglich, dabei auch etwas zu arbeiten, gleichgültig, in welcher Verbindung man ist. Aber wenn man den ganzen Tag bummelt, nicht herauSkommt aus dem Tran, kann man nicht die Energie aufbringen zum juristischen Studium; das schadet dem jungen Menschen für fein ganzes Leben. (Lebhafte Zustimmung.) Da können die Verbindungen kolossal viel tun; dort kann man den jungen Leuten noch mehr sagen: Kinder, gebt kein schlechtes Beispiel l Ihr müßt auch arbeiten, wie jeder andere; ihr müßt auch zeigen, daß ihr nicht der Freude und des Genusses des Lebens wegen da seid, euch bor- bereiten, um mal tüchtige Söhne des Vaterlandes zu werden. (Stürmischer Beifall.) Aber damit ist die Sache nicht abgetan. WaS ber Staat für die Bildung feiner Juristen tun kann, ist incht abgeschlossen mit dem Affessorexamen. Ich wünsche nicht etwa weitere Examen; im Gegenteil, je weniger Examen, desto besser! Aber man kann auch gerade die älteren Leute durch Kurse wieder herausholen aus der öden Tätigkeit des täglichen Lebens. Seit wenigen Jahren besteht die Vereinigung für rechts- und staaLSwifsenfchaftl'.ch" Fortbildung. Ich habe an diesen Kursen mehrfach aktiv und passiv teilgenommen und mit warmer Dankbarkeit denke ich gerade an diese Dozenten- tätigfeit zurück. Ich habe noch niemals die Empfindung gehabt, wirklich so zu nützen wie in diesen Kursen. Ter Redner gibt drastische Beisp ele u. a. von einem alten praktischen Juristen, einem Gehe im rat, der ihm erklärt hat, wie er für seine praktische Tätigkeit geradezu neues Leben gewonnen habe. Tas könnte generell durchgeführt werden. Der Amtsrichter, der bifiten draußen sitzt in seinem Dienst und der Landgerichis- bireftor, der unter seiner täglichen Arbeit erschöpft zusammenbricht und für wissenfchaftliche Sachen kein Interesse mehr bat, schöpft einmal wieder Luft und lernt und gewinnt dadurch. Und das wird gewiß für unsere ganze deutsche Rechtspflege eine Auffrischung fein. Der Reichskanzler ist ja der Vorsitzende die,er Vereinigung; es foöte einheitlicher geschehen, die Surie im ganzen Deutschen Reich gehalten werden. _ Tie Herren, die im Elsaß sitzen, würde man so einmal nach Ostelbien bringen (Lebhafter Beifall rechts), um zu sehen, daß in Ostelbien auch ganz nette Leute wohnen. (Große Heiterkeit.) Und umgekehrt aus dem Osten nach Süddeutschland; das würbe einen großen Gewinn für unsere deutsche Rechtspflege erzielen. Auf eine Reform unterer Gerichtsverfassung und unserer Rechtspflege können wir ja so bald nichl rechnen. Aber vorweg ein Jugendgesetz! Und da sollten wir auch daran denken, daß unsere deutschen Frauen in den letzten Jahren außerordentlich Gutes auf dem Gebiet der Fürsorge für Kinder geleistet haben, aus allen Parteien. Die Frauen sollte man auch als Schöffen in den Jugendgerichten zuziebcn. (Sehr richtig!) Ich habe in letzter Zeit Erfahrungen gemacht, daß auch Mädchen tat, * bie W* «SSSK ^des^etteLmA AUL Prüfung b Auf diese G e n e r a lb e i ch 1 e eines Professors konnte ich alsalterdeutscherRichter ebenfalls eine folgen lassen, ich will aber darauf verzichten. AuS der Strafprozeßordnung sollte man diejenigen Materien als Novelle herausnehmen, über bie Einigkeit besteht. Die konnte man erledigen, trotz der bedrängten Geschäftslage, in der wir uns gewohnheitsmäßig durch die Schuld der Regierung befinden. Klagen über tendenziöse Rechtsprechung bestehen. Aber wenn die Richter vom Volke ge- wählt würden, so würden wir sicherlich auch wieder Klassenjustiz haben. Eine bewußte Klassenjustiz haben wir nicht. ES gibt aber Massensuggestion, die die Rechtsprechung beeinflussen. Denken Sie an die Zeit der Attentate gegen Kaiser Wil. Helm I. Damals wurden exorbitante Strafen verhängt. Aehn- lich mag eS im Ruhrgebiet liegen. Die Rechtsprechung muß von allem entfernt werden, waS politischen Beigeschmack hat. Wenn die Richter aber vom Volke gewählt würden, würde daS eine ausgedehnte politische Agitation geben. Politik und Rechtsprechung müssen völlig getrennt sein. Die Reichsrechte müssen den Einzelstaaten gegenüber gewahrt werden. Das scheint aber nicht der Fall zu fein bei dem Gesetz über bie Nähr- pflichtigen unb Arbeitsscheuen, daS den preußischen Lanbtag jetzt beschäftigt. Ich bitte ben Staatssekretär, hier einzugreifen. Beschleunigung ist allerbingS nötig. Der Rebner forbert eine Erhöhung ber Gebühren ber Sachvcrstänbigen, auch ber Zeugen. Jetzt brücken sich hervorragenbe Sachverstänbige gern um bie Pflicht herum, vor Gericht zu erscheinen. Ein großer Teil ber Vorwürfe gegen bie Justiz fällt auf bie Gesetzgebung zurück. Wir machen zuviel Gesetze. (Zustimmung.) Wenn bie Richter wegen ber Unförmigkeit ihrer Urteile angegriffen werben, so sinb auch hier die Gesetze viel schuld. Dr. van Calkcr hat viele nützliche Fingerzeige gegeben. Ein Hauptschaden aber ist, baß bie Professoren bie Praxis selber nicht kennen. Unsere Richter sind von ben neuen Rcformbcwegungen aufgerüttelt worben. Sie haben nachgedacht, ob sie nicht zu sehr in ber alten Scholastik stecken, ob sie mit bem praktischen Leben bie nötige Fühlung haben. Die Gerichte bürfen nicht überfiürbet, nickst mit k I e i n e m ' S ch r e i b w e r k belastet werden. Die Richter müssen bie nötige Freiheit haben, um bie großen Bewegungen ber Zeit erfassen zu können. Die großen gesetzgeberischen Werke, bie in Aussicht stehen, müssen von freiheitlichem, fortschrittlichem Geiste erfüllt werben. (Beifall.) 'turnen^ )ett 2, . ^"tags 2^l Uh Wfcier öbtib, rten. 9nir8,.Uht ^HJ>erV«S!?n fegte W-ck >eg b» ’W»1 ,1 cifeut^ i Ist es nicht möglich, bah bie Reform bet (straf- Prozeßordnung in abseKarer Zeit bem Reichstage vorgelegt wirb? Unb zwar in einer Form, bie angenommen werben kann? Das wäre mein lebhaftester Wunsch. Inzwischen müssen wir Sonderwünsche Vorbringen. Eine besondere Jugend- gcsetzgebung ist notwendig, Schutzbestimmungen für Kinder, eine Heraufsetzung ber Strafmündigkeit. Wie steht es mit ber Konkurrenzklausel? Notwendig ist eine reichsgesehliche Regelung und Reform bcS jur, stischen Studiums Eine Klassenjustiz haben wir nickt. (Lachen ber Soz.) Von bewußter Recktsbreckung ist keine Rcbe. Oft sinb bie Zeitungsberichte nicht richtig. (Lachen ber Soz.) Die Kritik schießt oft über das Ziel hinaus. Gewiß werden neue Anforderungen an ben Nichterstand gestellt. Dafür müssen bie Richter vorbereitet werden. Wer ist schuld, daß untere jungen Iuristen auf der Universität nicht mehr lernen? (Zuruf links: Die Professoren!) Gewiß, auch bie. Unsere jungen Semester gehen nicht genügend in die Vorlesungen, weil diese nicht interessant genug sind. Mancher Professor ist zu sehr Forscher und gibt sich als Dozent nicht genug Mühe. Das ist besonders bedenklich an mittleren unb kleinen Universitäten, wo oft ein Fach nur einen einzigen Vertreter hat. Einer meiner Professoren hat ben Zivilprozeß einfach biftiert. Zu dem bin ich nicht mehr gegangen. (Hört, hört!. — Heiterkeit.) Gewiß, es gibt Professoren, bie nur biltiercn, die bie Er- finbung ber Buchdruckerkunst einfach ignorte* r en. (Sehr richtig!) Warum verweisen sie nicht auf d,e gedruckten Bücher? Wir Professoren sind oft etwas langstielig. Oft genügt ein Professor, um einem Studenten daS ganze junstuche Studium zu verleiden. (Sehr richtig!) Die Vorlesungen sollen verkürzt werden. Bei Materien, die wissenschaftlich erledigt sind, soll man auf bie gebrückten Bücher verweisen. Die Vorlesungen müssen so sein, daß bie Studenten daS Gefühl haben, daß pe etwas dabei lernen, bann gehen sie auch inS Kolleg. Unb wenn sie einmal ein Semester nicht kommen, weil fie im Schwarzwald ober in ben Vogesen waren, so sckadet das nichts. (Sehr gut!) Wir wollen eine fröhliche Wissenschaft, ~ e ult e mit offenen unb klaren Augen. (Zustimmung.) Wir können mit bem juristischen Stubium und seiner Gestaltung im wesentlichen zufrieben sein, aber es muß auch richtig eramimert werden. Man klagt viel über das Unwesen der Repetitoren. Ich stehe ba auf einem ketzerischen Standpunkt. Mir ist cs ganz gleid^ gültig, wo femanb etwas gelernt hat. (Zustimmung.) Wenn gute VorIesung«Ni ba sind, geht der Student nicht zum Repetitor. Es gibt nun Repetitoren, die ihre Leute gut unterrichten und vorbereiten. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. (Sehr rich^ll') Es aibt aber auch Repetitoren, die ihre Leute auf ben Mann achtet worden. S. 3 eurer Geschäftsordnung für berechtigt, während Stadtv. U. r st a d t Be- — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. In B u d a p e st ist der langjährige Vertreter des römischen Rechts an der dortigen Universität ord. Professor Hofrae Dr. jur. Tl>omas V e c s e y im Alter von 73 Jahren gestorben. — Ter Deutsche Verein für Schulgesundheits- pflege wird in Gemeinschaft mit der Vereinigung der Schulärzte Deutschlands ferne diesjährige 12. Versammlung vom 28. bis 30. Mai in Berlin unter dem Vorsitz des Ministeriav« direktors Kirchner halten. — Wiener Blättern zufolge ist vor der Generalversammlung der k. k. zoologisch - botanischen Gesell- schast zum ersten Male die Verleihung der, anläßlich des Pro» tektoratsiubiläums des Erzherzogs Rainer gestifteten Rainer- Medaille, vorgenommen worden und zwar an den Botaniker Professor Baur-Berlin und den Zoologen Professor Boveri Würzburg. Sitzung -er Stadtverordneten. Gießen, 18. April. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: die Beigeordneten Keller, EnimeliuS und Grünewald: die Stadtverordneten Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Friedberger, Gabriel, Habenicht, Dr. Haberkorn, Heichelheim, Helfrich, Helm, Jann, Krumm, Löber, Loos, Orbig Petri, Plank, Simon, Urstadt, Vetters, Wallenfels, Wina. ICirdjc und Schule. * D i e 25. Generalversammlung des Evang. Bundes wird vom 3. bis 6. Oktober in Saarbrücken stau- finden. Für Sonntag, 6. Oktober, ist eine nationale Feier int , Ehrenthal" geplant. Alle Vorbereitungen lassen eine bedeutende Kundgebung deS deutschen Protestantismus erwarten. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter die,er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lang-GönS. Am 6. d M. wurde durch den hiesigen Orts- und Polizeidiener bekannt gegeben, daß u. a. auch das Reinigen der Schulsäle an den Wenigstnehmenden vergeben werden soll. Wenigsmehmender war nun ein Steuerzahler, dessen Frau acht Jahre lang das Schulreinigen zur Befriedigung der Lehrer ausgeführt hat und trotzdem wird diese Arbeit anderen Personen übertragen! Ter Einsender erlaubt sich die Frage, welche Gründe die Gemeindeverwaltung haben mußte, um ihrer Bekanntmachung durch die Ortsschelle so zuwider zu handeln, toic Dies geschehen ist. Der Einsender hat noch nicht wahrnehmen können, daß unsere Gemeinde Geld weg zu werfen hätte und wäre der Gemeindeverwaltung dankbar, wenn sie die Gründe öffentlich angeben wollte, warum nicht der Wenigstbietende die Reinigung^ arbeiten bekommen hat? eig. Grünewald Hal. den Wnn'ch tti ft und Wissenschaft. — Zur gestrigen Sonnenfinsternis wird uns von einem Leser geschrieben: Die gestrige Ausgabe dieses Blattes enthielt in dem von Paris erstatteten Bericht die interessante Mitteilung, daß bei der dortigen ringförmigen Sonnenfinsternis der Planet Venus 12 Uhr 48 Min. gesichtet wurde. Auch hier in Gießen, in dem Gebiet der oberen partiellen Finsternis, konnte er lange Zeit mit unbewaffnetem Auge gesehen werden. Er stand als blasser Stern rechts unterhalb der Sonne, etwa 2b Mondbreiten von ihr entfernt. Ich entdeckte die Venus kurz nach 1 Uhr. Gewiß war sie schon füherr sichtbar, denn ich konnte sie bis */43 Uhr verfolgen. Hoffentlich ist diese interessante Erscheinung unseres jetzigen Morgensterns noch von vielen beob- Mitteilungen. Ter D o r s i tz e n d e weist darauf hin, daß die heutige Sitzung die erste unter der Herrschaft der neuen Stadteordnung ict. A/te Städteordnung bringe manche gute Aenderung mit stch, von anderen müsse man erst abwarten, ob iw richtig feien, tfur die Atzungen der Stadwerordneten kommen zunächst zwet Neuerungen in Betracht. Es muß festgestellt werden, datz mehr als bie Halste der Stadwerordneten anwesend ilt- 2/lc^ Ter Sitzungsbericht ist von dem Vorsttzenden, zwet.^tadweror^ netcn und dem Schriftführer zu unterzeichnew. Auf Vor,chlag des Vorsitzenden beschließt man, daß dem ^tenstalter nach ie 2 der anwesenden Stadtverordneten als UrfunbSper 1 onen tätig |etn sollen. Für heute sind dies die Stadtv. Petri und Wallensels Ter Vorsitzende hat den drei Ehrenbu^ern der Stadt Mitteilung von der Wahl, Bestätigung und Etmuhrung des Beig. Grünewald gemacht, worauf Gehetmerat Gafsky schrift- Vvd) ^in^Eingabe eines Beamten wegen Gehaltsaufbesserung geht an den Finanzausschuß. Baugesuche. Dem Aug. (saunte ist im Jahre 1889 bei Errichtung seine« Hauses Ludwigstr. 41 gestaltet worden, eine Mauer, die eigentlich als Brandmauer auszubilden gewesen wäre, mit Türen und jcnuern zu versehen. In zwischen ist ein Nachbargebaude errichtet worden, so daß die Brandmauer jetzt errichtet werden mußte, Ta kein Bedenken gegen die Belassung des seitherigen Zultandes vorliegt, wird Dispens von der Ällg. Bauordnung befürwortet. Ein Baugesuch des Generalleutnants Klingelhöffer für die Georg-Philipp-Gail-Straße betrifst die Errichtung eines Pa- tentschornsteins. Ter deshalb erforderliche Tispens wird gud- gehechew Christel wird ein Dispens wegen eines 40 cm vorspringenden Erkers an seinem Neubau in der Mühlstraße befürwortet. m Tem Ernst Krause wird gestattet, die Brandmauer des Hauses Mühlstraße 20, die wegen Aufbau eines Stockwerkes aul 50 cm gebracht werden müßte, in der jetzigen Stärke von 38 cm zu belassen. , Tie Herren Ritzert und Stein wollen an der Ltcher Straße zunächst der Kaserne zwei zusammenhängende Wohnhäuser errichten, für die Dispense erforderlich sind, weil der Bauplatz außerhalb des Bebauungsplanes liegt, die Fassade statt 8 nur 7 Meter breit ist und die Einfriedigung in Holz erfolgen soll. Tie Tispense werden unter der Bedingung erteilt, daß ein Vorgarten von 5 Meter Tiefe angelegt wird. Tem Philipp Nicolaus wird bei seinem Neubau in der Süd-Anlage die Anlage der Einfriedigung in Holz gestattet. Ltädllfche Straheao unh GtrndtücksaugelegenheiUn. Hanöet und verkehr, Volfsivirtfdyaft. ** Deuts eher Verband Kaufm. Vereine. Der Verband, der in diesem Berichtsjahre um rund 6000 Mitglieder Angenommen hat, versendet gleichzeitig mit seinem Tätigkeitsbericht die Einladung zum diesjährigen Verbandstage, der am 19. bis 20. Mai im Reichstagsgebäude in Berlin staltfinden wird. Die Tagesordnung umfaßt einen Vortraa über ,,Kaufmannschaft und Weltwirtschaft", den Syndikus Dr. Gust. S t r e s e m a n-T resdcn übernommen hat. Außerdem werden Vorträge über ,chie Ge» baltsfrage der Handlungsgehilfen" (Berichterstatter Hugo Schwarz- Frankfurt a. M.) sowie „die Notwendigkeit der Jugendoraani- latum für den Deutschen Kaufmannsstand" (Sorfcagenber Ernst Vesper-Barmen) zur Verhandlung gelangen. — Der Verband verausgabte in diesem Jahre eine interessante Statistik über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, die für die kommenden Ver- Handlungen ttn Reichstage von aktuellem Interesse sein wird. <9crid?ttfaaL Mainz, 18. April. Der frühere Kassierer des Deut- chen Bauarbeiterverbandes (Zahlstelle Mainz) Wilhelm Werner hatte sich wegen Unterschlagung zu ncranl warten. Werner genoß großes Vertrauen, sowohl bei den Bauarbeitern als auch in der sozialdemokratischen Partei, deren Bezirkslasiierer er war. Tem Bauarbeiterverband ;at er 5aö.71 Mt., der Bauarbeiterschutzkommission 28.89 Mark, der sozialdemokratischen Partei 219.50 Mk. unter- chlagen. Dem Bauarbeiteroerband hat der Angeklagte 323.71 Mk. zurückerstattet. Ter Angeklagte erhärte, er wisse nicht, wie die Fehlbeträge in den von ihm geführten Kassen entstanden. Ter Amlsanwalt beantragte 1 Monat 3 Wochen und 5 Tage Gefängnis. Durch heute verkündetes Urteil wurde Werner zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Das Mainzer Schöffengericht hielt für fesigestellt, daß der Angeklagte für die sozialdemokratische Partei und die Ver- bände vereinnahmte Gelder unterschlagen und für sich behalten habe. Tie unterschlagene Summe wurde auf 418 Mk. esrgestellt. Der grobe Ver^auensmi^brauch uno der Um- taub, daß es Arbeitergelder waren, die der Angeklagte unterschlagen', sei bei Ausmessung der Strafe erschwerend ns Gewicht gefallen. Internationaler psychologenkongreh. -- Berlin, 18. April. In den fortgesetzten Verhandlungen deS 5. Internationalen Kongresses für experimentelle Psychologie führte Professor K i e - ow (Turin) einige interessante optnche Täuschungen vor, die er vor allem dadurch erklären will, daß Vorstellungen, bte gleid> zellig ins Bewußtsein treten, einander gegenseitig beeinflussen. — L. Marlin, Professorin der Psychologie an der Stanford Univerfity in Californien, sprach über die Lokalisation der vi- iblen Bilder normaler und anormaler Personen. — Katz (Göllingen) zeigte in feinem Dortrage über „Experimentelle Psi>- chologie und Gemäldekunst" einige von den Umbildungen, welche der Maler im Kunstwerk mit seinen natürlichen Eindrücken vornehmen muß, und der vornehmlich in der Unterdrückung eine« Elementes, z. B. der Farbe, des Lichtes usw. besteht, unter Hervorhebung anderer. Menzerath (Brüssel) sprach über die sogenannten „Kom- plexmerkmale beim Assoziationsexperiment". In der Aussprache führte S o m m er (Gießen) einen Apparat zur praktischen Darbietung von Komplexworten vor. mm» ’vt Ää I SmÄ? £ ÄÄÄ ES ^e r tigg e stellt und wird gleichfalls m bex nächst Session dem Hause zugehen. , Nun die Fragen internationalen Charakter?. Degen ein j-t E- ß nale Konferenz bat einen Entwurf seNgestellt "e ? Verein- S. Ä? Ä ein »f steh, in Aussicht. Bei bet gorSerung bet ® t Ijö5 uin 0 S«f.t ®em ten Ein« °E-1n-"e°rhöh» ng°d-i"G-iüh»u l"-chl«°nwSU- Innn em standesgemäßes Einkommen zu bieten. ^n Bewe'S baf^. daß die Gebühren dafür nicht ausreichen, ist noch nicht gevracht worden. Auf unseren Fragebogen haben b'« «nwaltSkammern die Antwort nicht direkt verweigert, aber sie haben erklärt, datz Fer Fragebogen ganz ungeeignet fonrt. Die DunbeSregsetungen sind der Ansicht, daß ein e G rh oh un g de r G e buhr en nicht notwendig sei. Die Sache ist noch nicht geklart, zu meinem Bedauern kann also eine allgemeine Erhöhung der Gebühren de. RcckiSanwälte jetzt nicht vorgenommen werden. ES mag viele Anwälte geben, die nicht ein genügendes Einkommen haben, das liegt aber nicht an den Gebühren, sondern on bet Uebeifülle von Anwälten. (Sehr richtig.) Ein Gesetz- Entwurf über die Erhöhung der Gebühren der Zeugen und Sachverständigen ist seit zwei Jahren fertiggestellt, aber mit Rücksicht auf bie Finanzlage dem Reichstage nicht vorgelegt worden. Jetzt schweben Erwägungen, ob der Entwurf in diesem Zeitpunkte vorgebracht werden soll. Die Bestimmungen über die juristische Vorbildung sind Sache der Einzelstaaten. Wir können die Angelegenheit nicht in die Hände nehmen, da uns die Erfahrungen dazu fehlen. Die Fortbildung der Beamten gehört noch weniger zu meiner Befug- nis, aber die Landesverwaltungen tun auf diesem Gebiete schon sehr viel durch Fortbildungsmöglichkeiten aller Art. Tie erste Lesung deS Strafgesetzbuches wird bis Ende des Jahres fertig- gestellt werden. Das Strafgesetzbuch wird dann wohl dem neuen Reichstag am 1. April 1917 vor- gelegt werden. Auch wenn es eher fertig werden sollte, wird es diesem Reichstag nicht mehr zugehen. Rach den Erfahrungen, die wir mit der Strafprozeßordnung gemacht haben, würde der Reichstag gar nicht fähig sein, in kurzer Zeit diese ausgedehnte Materie zu erledigen. Sachverständige der verschiedenen Gruppen sind dabei zugezogen worden, z. B. a u ch ein Herr von der Presse. Die StrnfrechtSnovelle wird vor der allgemeinen Revision nicht mehr vorgelegt werden. Einige Paragraphen können aber wohl herausgenommen werden. Ein entsprechender Vorschlag liegt den Bundesregierungen vor. Herr Stadthagen hat gestern sehr übertrieben lind verallgemeinert. Wenn er behauptet, daß zwei Schulmädchen und ihre Eltern schwer bestraft wurden, weil sie Kohlen auflasen, so muß doch festgestellt werden, daß die Leute mehrfach gewarnt worden sind und daß sie mit den Kohlen einen schwunghaften Handel getrieben haben. Ter Staatssekretär geht dann auf eine Reihe einzelner Falle ein. In dem Falle des Arbeiters Hermann ist alles Nötige schon un Abgeordnetenhause gesagt worden, es ist tatsächlich alles geschehen, was geschehen konnte. Ter Fall ist bedauerlich, wird aber unter ähnlichen Umständen wieder Vorkommen können. Tie Behauptung, bei den Ruhrftrelkprozes fen fei das GerichtsversassungSgejetz außer Kraft gesetzt worden, weise ich mit allem Nachdruck zurück. Weil bte Strafanzeigen sich mehrten, wurden Hilssrichter eingesetzt und die Geschäfte anders verteilt. TaS ist ganz korrekt und kein Ausnahmeverfahren. (Sehr richtig! rechts.) UebrigenS ist das Sache des Gerichtspräsidiums und nicht des Justizministers. Auch bei den Verhaftungen ist nicht ungesetzlich verfahren worden. Daß die Strafprozeßordnung nicht zustande gekommen ist, ist nicht Schuld des RcichsjustizamteS. Zurzeit ist erst abzuwarten, wie die Reform des Strafrechts ausfällt, ehe wir die Arbeit wieder in Angriff nehmen tonnen. Abg. Holtschke (Kons.)' kittet um recht baldige Vorlage einet Novelle über daS Jugendrecht und andere dringende Materien. Ter Redner spricht über die neuerlich sich häufenden Zusammenstöße zwischen den Richtern und Verteidigern urtt führt das auf die Reklamesucht bet Rechtsanwälte zurück. Er begründet eine Resolution seiner Fraktion, die zum Schutze der Jugend einen Gesetzentwurf gegen die Schmutz- und Schundliteratur und die Auswüchse des Kmcmato- graphen fordert. Er verteidigt den Richterstand gegen dje An- griffe Stadthagen». Abg. Dr. b. LaSzewöki (Pole) begründet eine Resolution, die Tagegelder für Schöffen und Geschworene fordert. Der Redner führt Beschwerde über Verletzungen de» Verein»- und Versammlungsrecht». Bei dem unschuldigsten Polen operieren die Richter mit dem Gedanken, er wolle die Provinzen loSreißen. Abg. Mertin (Rv.)k Die maßlosen Uebertreibungen de» Herrn Stadtbagen geben kin Urteil über seine ganzen Ausführungen. Eine schnelle Justiz liegt auch im Interesse der Angeklagten. Sn den Zänkereien vor Gericht tränt eine gewisse Gruppe von Strafverteidigern die Schuld; aber auch die Richter werd.n oft in einer Weise nervö», wie e» sich nickt gehört. Au« Prozessen, bei denen e» sich um Leben und Freiheit handelt, dürfen nicht Spektakelstücke gemacht werden. Da» Hau» vertagt sich. Weiterberatung Freitag, 1 Uhr. Schluß 6H Uhr, Auf Wunsch des Architekten Huhn soll der Ausbau der verlängerten Bleichstraße jetzt schon vorgenommen werden, nach- dem Herr Huhn sich verpflichtet hat, die aut ihn entfallenden Straßenkostenbeiträge jetzt schon zu bezahlen. Tie Grundanlieferung hierzu wird der Firma Kahl übertragen. Tie Herstellung einer G a r t e n e i n f riedig un g amR eal- g y m n a s i n m, die 850 Mark kostete, wird nachträglich gut» geheißen. , Ter Handelskammer wird der Bauplatz in der Lony- straße, den gegenwärtig Herr Kronenberg gepachtet hat, zum Selbstkostenpreis (22,67 Mark für den Quadratmeter) für die Errichtung des neuen Handelskammergebäudes abgetreten. Tie Stadt ist damit einverstanden, daß für diesen Teil der Lony- straße offene Bauweise vorgeschrieben wird und übernimmt die Kosten der vorläufigen und der endgültigen Kvnalisationsanlage. Tie Vereinbarung wird nach kurzen Bemerkungen der Stadtv. W i n n und Heichelheim genehmigt. Konrad Walther will von der Stadt ein H».-ck Gelände an dem Seitengäßchen zur Neustadt pachten. Ta bte'' Angelegen» heil noch nicht genügend geklärt erscheint, wird si^-nach kurzer Aussprache zurückgestellt. Tie Hinlerlandbahn. Ter Vorsitzende teilt zunächst mit, daß die Ansicht, die Stadt wolle nach dem sogenannten Tezember-Abkommen allen Ansprüchen entsagen, bis die staatliche Nebenbahn Wetzlar—Sieben» köpf gesichert sei, nicht richtig sei. Es sei in dem Abk>mmen ausbrücklich gewahrt gewesen, daß eine Abzweigung nach Gießen angestrebt werden solle. Auch die weiter verbreitete Behauptung, er (Redner) habe kein Interesse an einer Vollbahn, sondern wolle nur eine elektrische Bahn, sei nicht richtig. Tie Verhandlungen roegeh des Baues elektrischer Bahnen nach Krofdors usw. feien älter als die Verhandlungen über das Hinterlandbahnproiekt. Ihre Weiterbetreibung sei in Punkt 3 des Abkommens nieder-- gelegt. Tas bedeute feinen Verzicht Gießens auf bas Hinter- landdahnprojekt, sondern eine Erweiterung der Bahn» vläne. Auch fei in dem Abkommen ausdrücklich gefegt, daß die Angelegenheit der elektrischen Bahnen unabhängig von dem Zustandekommen der Hinterlandbahn sei. Tas Tezember-Abkommen habe ein anderes Gesicht bekommen durch eine Besprechung mit dem Eisenbahndirektionspräsidenten in FranNurt. Tamals sei zugestimmt worden, daß in Gemeinschast mit den Kreisen Wetzlar, Biedenkopf und Marburg die Erschließung des Hinterlandes durch eine Nord-Süd-Verbindung zu erstreben sei, die an einem noch fesrzustellenden Punkte sich nach Wetzlar und Gießen verzweigen solle. Inzwischen habe per Landrat des Kreises Biedenkopf mitgeteilt, daß am 3. April der Krcistag^beschlossen habe, eine staatliche Nebenbahn zu erstreben, die im Süden nach Wetzlar und Gießen auslaufen solle. Zunächst aber solle die Bahn nach Wetzlar gebaut werden, da sich dem Bahnbau nach Gießen Schwierigkeiten durch das Vorhandensein der Bieberthalbahn in den Weg stellten. Einen ähnlichen Beschluß habe nach Blättermeldungen an demselben Tag der Kreistag des Kreises Wetzlar gefaßt. Angc>ic. .s dieser veränderten Sachlage beantrage die 93er» kehrskommission nunmehr eine Eingabe an das preußische Ministerium der öffentl. Arbeiten, des Inhalts zu richten, daß es der Stadt Gießen fern liege, die Wünsch« der Kreise Wetzlar u. Biedenkopf auf Erlangung einer Bahnverbindung Biedenkopf—Wetzlar vereiteln zu wollen, aber sie erwarte, daß von dieser Bahn aus «pätestenS gleichzeitig mit der Verbindung nach Wetzlar auch eine geeignete Verbindung nach Gießen geschaffen werde. Abschriften dieser Eingabe sollen an das hessische Ministerium, die Landräte der beteiligten preußischen Kreise und an die beiden Gießener LandtaaSabgeordneten gerichtet werden. Eine ähnliche Eingabe sei bereits von den beteiligten Gemeinden (LrtSvorstehern und Bürgermeistern) des Hinterlandkreises an das preußische Ministerium gerichtet worden. Stadtv. Heichelheim ersucht, auch der Handelskammer die Eingabe zugehen zu lassen, damit sie Gelegenheit habe, dazu Stellung zu nehmen. Die Versammlung stimmt den Vorschlägen zu. Die Bestimmungen über bie AuSschufle und Deputationen ber Stadtverorbneten-Beriammlung sind auf Grund der Art. 130 usw. der neuen Städteordnung voit der juristischen und Vorschlags- lommission neu bearbeitet worden. Wie Beig. Keller berichtet, sollen folgende Teputatwnen gebildet werden: Betriebs- iGas-, Wasser- und Elektrizität-), Bau-, Annen-, Schul-, Schlachthof-, landwirtschaftliche, Arbeitsnachweis-, Pserdemartt- und Einquar- tlerungsdcputatlon: ferner an Ausschüssen: Finanz-, Verkehrs-, Rechts-, sozialpolitische, Markt-, Schankkonzesiions-, Verkehrs-, und Theaterkommisswn, sowie der Atunitbeirat Weiter gelangen bie ziemlich umfangreichen allgemeinen Bestimmungen über bie Zahl und die WaÄ der Mitglieder, die GeschajiSordnung usw der Deputationen und Ausschüsse zur Verlesung. Stadtv. Dr. Ebel wünscht, daß bei wichtigeren Vorlagen die Anrrage vorher in bie Hande ber StahtDecorOneten gelangen füllten. Das härte auch bei biefec umfangreichen Vorlage ge» ichehcn sollen. denken gegen schriftliche Astimmungen auf Grund bei gefügt er Akte« bat Stadtv. Heichelheim ist für sofortige^Entichlieyung. Rack» weiterer kurzer Aussprache, an der sich bie «tablv. E i ch e- nauer, Wallenfels und Winn, sowie der Voriitzende beteiligen, wird beschlossen, bie allgemeinen Bestimmungen zu vervielfältigen und zusammen mit den besonderen Bestimmungen in der nächsten Sitzung zu beraten. Die Wirtschaft?konzesfiousgesuche d«s Wilhelm Rehmann für Neuen Bäue 22 und deS Georg Schrimpf für Goethestraße 54 werden befürwortet. Uttlversitäts-Nacbrlchten. hk. Marburg. 17. April. Dr. med. et Phil. Martin Schenck habilitiert sich am 22. d. M. in der hiesigen medizinischen Fakultät mit einer Antrittsvorlesung über: „Synthesen im Tierkörper". Formen, Ausführung, Eleganz, Haltbarkeit und Preis der Salamanderstiefel entsprechen den verwöhntesten Ansprüchen. Fordern Sie Musterbuch 8. Einheitspreis . . . . 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Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 31/, Uhr von der Kapelle des neuen Sriedboss auS statt "337t Die Zimmerarbeiten zur Herstellung des Lokomotiv schuppens aufBahnhosJried- berg sollen vergeben werden. Zeichnungen und Angebots muiter liegen im Geschäfts' gebäude der Bau-Abteilg. 1 iBismarckstrahe 32) zur Einsicht aus. Die Angebots- muiter können, solange der Vorrat reicht, für 1.40 Mk (portokreieZusendung desBe> träges und nicht in Brief- markenl bezogen werden. Die Angebote werden am 8. Mai, vormittags 10 Uhr, geöffnet Zuschlagsfrist 4 Wochen. Grostb. Hcn. Eisenbahn Ban Abteils. 1 Fricdbers. (Id“/«) Fräulein vom Lande, ges. Alters, aus guter Bürgers familie, auch WirtStochter. in ein Gasthaus eines Landilädtchens gesucht Verlrauensstell. Für Küche und Hauö, Bedienung der Gäste. Schriftliche Angebote mit Zeugnissen unter 2907 an den Giehener Anzeig, erb. 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