Nr. 79 Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 2. April 1912 Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal roödieiulkb SießenerZamilienblätttr, itveimnl wÖchciitl.Kttls» lattfürdenNreisSiehen (TienStag und Freitag) ; ziveiinal monoil. Landwirtschaftliche Seitfragen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der vriihl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Bezugspreis: monatlich75Pf^viertel- jährlich Mk. 2.20; burd) Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; burd) die Post Alk. 2.—viertel- jährl. auSschl. Bestell^. ZeilenprerS: lokal 15'Ul, auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: Auanst Goetz; für .Fenille- ton*, .Vermischtes" und »Gerichtssaal": St. Neurath; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Bed. Die heutige Nummer umsafzt 12 Seiten. Der Termin der Osterfestes. In diesem Jahre fällt Ostern ans den 7. April, also auf einen mittleren Termin, wie er aus wirtschaftlichen Rücksichten am ehesten erwünscht ist. Aber schon im nächsten Jahre wird sick) der Mitzstand, der sich daraus ergibt, daß der Ostertermin um volle fünf Wochen schwankt, wieder einmal in seiner ganzen Größe zeigen, fällt doch im Jahre 1913 das Osterfest bereits auf den 23. März, also auf einen ganz außerordentlich frühen Zeitpunkt. Es ist das bis auf einen Tag überhaupt der früheste Oslertermin, der möglich ist: kann doch das Osterfest nie vor dem 22. März und nie nach dem 25. April Gregorianischen Stils fallen. Tiefe großen Schwankungen des Ostertermins ergeben sich aus seiner eigenartigen Berechnung, für die folgende Regeln gelten: das Osterfest wird immer an dem Sonntage gefeiert, der zunächst auf den Frühlingsvollmond folgt, also wenn dieser Vollmond selbst aus einen Sonntag fällt, an dem nächstfolgenden Sonntag. Unter dem Frühlingsvollmond versteht man den ersten Vollmond nach dem Acquinoktium, der frühestens am 21. März, spätestens am 18. April eintritt. Tiefe alexandrinische Berechnungsweise ging durch Dionysius Exiguus im Jahre 525 auch in Die römische Kirche über und wurde dann allmählich allgemein. Zweck dieser komplizierten Berechnungsart war, zu verhindern, daß das christliche Osterfest mit dem jüdischen auf denselben Tag des Jahres falle. Aber so klug auck jene alexandrinische Berechnungsmethode erdacht war, sie konnte doch nicht hindern, daß z. B. im 19. Jahrhundert zweimal das christliche und jüdische Osterfest zusammen fielen. Im laufenden Jahrhundert geschieht das sogar viermal; das erste Mal war es am 12. April 1903 der Fall; in der Zukunft werden 1923 (1. April), 1927 (17. April) und 1981 . (19. April) die christlichen und jüdischen Ostern an einem ^age gefeiert werden, vorausgesetzt, daß man sich bis dahin j nicht endlich über eine Festlegung des Osterfestes geeinigt > hat. Auf den 22. März, den frühesten Termin, fiel Ostern ! in den Jahren 1598, 1693, 1761 und zuletzt im Jahre 1818. Erst im Jahre 1970 und dann im Jahre 2285 wird Ostern nach der gegenwärtigen Berechnung wieder am 22. März gefeiert werden. Aus den 23. März siel das Osterfest zuletzt in den Jahren 1845 und 1856: nach dem Jahre 1913 wird das erst wieder 2008 der Fall sein. Annähernd gleich frühe Ostertermine gibt es erst wieder 1921 und 1932 (am 25. März und 1940 am 24. März. Ten spätesten Ostertermin am 25. April gab es in den Jahren 1666, 1734 und zuletzt 1886. Erst 1943 und dann 2038 wird Ostern abermals auf den 25. April fallen. Man hätte sich vielleicht schon früher über die Beseitigung des schwankenden Ostertermins geeinigt, wenn nicht einerseits die Abhängigkeit aller beweglichen Feste vom Ostertermin, anderseits der dreizehntägige Unterschied zwischen dem Gregorianischen und dem in Rußland noch gültigen Juliar'ischen Kalender die Regelung der Frage, die heute weit mehr eine rechtliche und wirtschaftliche, als eine kirchliche ist, erschwert hätte. Rußland hat sich eben bisher geweigert, den Gregorianischen Kalender anzunehmen, und anderseits will man in eine Festlegung des Ostertermins so lange nicht willigen, bis nicht Gewißheit darüber besteht, daß auch tatsächlich alle Kulturmächte sich einer solchen Neuordnung der Dinge anschließen. Dieser Standpunkt ist durchaus anzuerkennen; die Konfusion würbe sonst noch größer und die Störung m den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker durch die immer umfangreicher werdenden internationalen Handelsbeziehungen noch fühlbarer werden. Für die Festlegung des Osterfestes hat sich seit länger als 15 Jahren besonoers Geheimrat Wilhelm Förster, der bedeutende Astronom und frühere Direktor der Berliner Sternwarte eingesetzt. Es gelang ihm bereits unter dem Pontifikat Leos XIII., mit der Kurie ein Abkommen zu erzielen, nachdem diese sich bereit erklärte, selbst die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, sobald die griechisch-katholische Kirche den Gregorianischen Kalender an- nehmen würoe. Tas ist, wie schon erwähnt, nicht geschehen, und aus Försters Plan, mit dem Belte. Aus dem königlichen Handschreiben sei ersichtlich, laß sich Khuen einer Stimmung gegenüber befunden habe, )ie nicht zu berücksichtigen, geradezu ein Verbrechen gegen die Nation und ein Undank gegen die Krone gewesen wäre. Graf Alader Zichy erklärte im Namen der klerikalen Bolkspartei, er beuge sich vor den Argumenten, die das königliche Handschreiben enthalte. Tie Aussprache wurde bis morgen vertagt. vom italientzch-türkifchen Kriegsschauplatz. Paris, 1. April. Ter im türtischen Lager in Tripolis befindliche Kriegsberichterstatter des „Temps" meldet vom 10. März: Zwei italienische Lenrballons schleuderten sechs Bomben, von denen jedoch nur eine explodierte. Er glaube, daß die Italiener nunmehr nach Eintritt der heißen Witterungsperiode einen größeren Vormarsch nicht mehr unternehmen dürften. Rom, 1. April. Die Agenzia Stcfani meldet aus Tobruk vom 31. März: Heute früh ruckte der Feind in drei Kolonnen, zusammen etwa dreitausend Mann, gegenden Neubau ein cs oorts vor, wuroe jeoou) dura) oas oeuct der Li9. Batterie ohne Verluste für die Italiener zum Rüuzug gezwungen. Gleichzeitig wird aus Benghasi gemeldet, ^eine Eskadron eingeborener Kamelreiter, die auf italienischer Seite kämpfen, wurden bei einer Erkundung im Norden der Oase Suni Osman von Beduinen aus dem Hinterl-alt angegriffen. Nach heftigem Kamps wurden die Beduinen unter Verlusten in die Flucht geschlagen. Ein Kameltreiber ist getötet, einer verwundet worden. Russen im Kampf mit persischen Räubern. M esched, 1. April. Seit dem Eintreffen der russischen Detachements verließen die Anhänger des Exschahs, die m der Umgebung des Grabmals Jman-Risa Zuflucht gesucht hatten, ihre Stellung nach und nach. Nur 600 bis 700 gut bewaffnete Räuber, die aus Schiras und Cho- rassan unter dem Vorwande einer Wallfahrt gekommen waren, sind dort unter Leitung des flüchtigen Afghanen Jusuf-Kyan zurückgeblieben. Die Räuber nahmen ver schiedenc, insbesondere bemittelte Persönlichkeiten fest, raubten sie aus und überlieferten sie einem qualvollen Tode. Sie verhielten sich auch Pen Russen gegenüber sehr herausfordernd und drohten alle Europäer yiederzu- metzeln. Tie Bevölkerung gab ihren Unwillen offen kund, daß die Russen die Ordnung nicht herstellten und dem Treiben der Räuber im Stadtzentrum ruhig z u s a h e n. Der russische Generalkonsul forderte die Räuber auf, die Waffen niederzulegen und die Stadt bis zum 30. März nachmittags 3 Uhr zu verlassen, widrigenfalls er mit Truppen vorzugehen drohte. Zu dem genannten Termin umzingelten russische Truppen die Stellung der Räuber. General Rjedko forderte nochmals die Auslieferung der Waffen. Tie Räuber antworteten mit Gewehrseuer. Die Russen eröffneten ein Artillerie- und Gewehrfeuer und nahmen die Stellung ein. Das Grabmal Jmans ist unbeschädigt. Ter Rest der sich dort noch aufhaltenden Räuber ergibt sich nach und nach. Deutscher Reich. In der Kapelle des Mausoleums zu Friedrichsruh fand am Montag die Konfirmation des Fürsten Otto v. Bismarck statt. An der Feier nahmen teil Gräfin Wilhelm v. Bismarck, Gräfin Rantzow und Fürst Henckel Donnersmarck. Die Blätter melden aus G o t b a: Der Landtag nahm die Vorlage an betr. die Erhebung von Chausseegeldern für einheimische und ausländische Automobile. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" schreibt: „Unter der Ueberschrift „Die Katserreije" bringt die „Nowoje. Wremja" einen Leitartikel, worin u. a. ausgeführt wird, daß die r u j - fische Vermittlungsaktion an Berlin scheitere, da der Widerstand der Türkei für Deutschland nötig sei. Diese Bemerkung verdient tiefer gehängt zu werden. Wer einigermaßen die diplomatischen Vorgänge der letzten Zeit verfolgte, dem muß das Unsinnige solcher Behauptungen in die Augen springen. Tie „Nowoje Wremja" weiß auch selbst, daß sie Unsinn behauptet. Für sie handelt es sich um gewohnheitsmäßige Brunnenveraif- tung gegen die deutsche Politik und dazu ist ihr jedes Mittel recht." Der Reichstagsabg. Dr. Werner-Gießen ersucht uns, unserem Parlamentsbericht folgendes nachzutragen: Das Wetter im April. Ter Monat April bringt einen entschiedenen llebergang zur wärmeren Jahreszeit und zu dem Frühling der Pflanzenwelt. Fällt doch, besonders in seine zweite Hälfte, die Blütezeit unserer charakteristischsten Gewächse, wie weißblühende Roßkastanie, Weißdorn, Geisblatt, Kirsche, Birnbaum, Johannisbeere u. v. a. Unsere Laubwälder beginnen sich zu belauben, ausgenommen den Eichenwald, der erst im Mai sein grünes Kleid anlegt. Tie durchschnittliche Tageswärme, die Ende März auf 6 Grad in Oberhessen, bis 8 Grad in Rhein- und Mainebene angestiegen war, erhebt sich im Avril langsam bis auf 10 und 12 Grad. Nur die höheren Gebirgslagen des Großherzogtums bleiben auch in diesem Monat noch verhältnismäßig rauh. Im zehnjährigen Zeitraum von 1901—1910 trat der letzte Frost im Mittel an folgenden Tagen ein: Mainz am 4., Worms .am 14., Tarmstadt 18., Alzey, Offenbach 21., Bad-Nauheim 25., Gießen und Schotten am 30. April, während die mittlere Eintrittszeit des letzten Frostes ‘auf den Höhen des Vogelsberges und Ldenwaldes noch in den Mai fällt. Tie höchsten Tagestemperaturen können gelegentlich schon hochsommerliche Beträge erreichen. Es wurden in dem Zeitraum 1857—1911 schon sehr häufig Nachmittagstemperaturen über 25 Grad beobachtet, am 26. April 1862 sogar 28—29 Grad; i.n Monatsdurchschnitt erreichen die Höchsttemperaturen 23—24 Grad Wärme, gegen 17 bis 18 Grad im März. In gleicher Weise sind aber auch nach der negativen Seite der Temperaturskala' Abweichungen möglich, die der Pflanzenwelt empfindlichen Schaden zufügen können. .So sank 1864 am 8. April die Temperatur auf 4—5 Grad Malte; ähnliche Fröste wiederholten sich 1871, 1875, 1879, 1881, 1887, 1891, 1900 und 1905. Durchschnittlich dürfen im normalen April 1—2 Frosttage erwartet werden, 1887 aber traten 6—8 Frosttage ein. Dagegen war der April 1865 außerordentlich warm und brachte bereits 5 Sommertage mit über 25 Grad Wärme.. Sehr interessant sind die Statijtiken der am häufigsten vorkommLnden Temperalurwerte. Hierher gehören an erster Stelle die Temperaturen von 8—9 und 10—11 Grad. Verhältnismäßig selten kommen Temperaturen über 15 Grad und unter 5 Grad vor. Immerhin ist im gebirgigen Mitteldeutschland die Frostgefahr Koch recht groß und mahnt den Gärtner und Land- wirt zur Vorsicht. Ter mitteldeutsche Frühling ist recht unbeständig und Hat viel mit den rauhen nördlichen Lagen der Ost- und Nordscx gemein. KliDMch pivil günstiger liegen MrrtzeMcheä Ltefland unb Neckarland aufwärts bis Stuttgart, wo Temperaturverhältnisse ähnlich dem europäischen Süden vorherrschen und wo der Pflanzen- srühling nur 2 Wochen später als in Bozen oder am Gardasee eintritt, aber 3—4 Wochen früher als in Norddeutschland. Tie normale Aprilwärme hat im Großherzogtum folgende regionale Verteilung: Mainz 9,7 Grad, Darmstadt 9,0 Grad, Offenbach 8,9 Grad, Worms 8,9 Grad, Gießen 8,4 Grad, Bad-Nauheim 8,2 Grad, Alzey 8,2 Grad, Michelstadt 7,7 Grad, Schotten 6,7 Grad. Bezüglich der Bewölkung gehört der April zu den heiteren Monaten und ist besser als sein Rus. Tie normale Anzahl der heiteren Tage beträgt etwa 6, die der trüben etwa 9. 1893 waren 24 Tage als heiter zu bezeichnen, 1889. 1903 kam aber kein einziger heiterer Tag vor. Also auch hier sind große Gegensätze möglich, die durch die wechselnde europäische Lustdruckver- leilung hervorgerufen werden. Im Mittel der Jahre 1901 bis 1910 hatte Hessen folgende Bewölkungsverhältnisse im April. Es bedeuten 0 wolkenloser, 5 halbbedeckter und 10 bedeckter Him- mil: Tarmstadt, 5,8, Gießen 6,0, Bad-Nauheim 6,1, Mainz 5,7, Offenbach 6,0, Michelstadt 6,2, Schotten 6,0, Worms 6,2, Alzey 5,9; demnach schwankt die normale Bewölkung um etwa 6 der zehnteiligen Bewölkungsskala (0—10). Auch die Niederschlagsmenge ist im April gering. In einzelnen Gegenden, so in der Umgebung von Frankfurt ist der Monat der trockenste des ganzen Jahres; die größten^ Regenmengen fallen in unserem Klima normalerweise im Sommer, um südwärts in Oberitalien auf den Herbst, im eigentlichen Mittelmeergebiet auf den Winter überzugehen. Für Hessen ergeben sich für April im zehnjährigen Turchschnitt folgende Nieder- schlags s u m m e n: Worms, Bingen 34, Oppenheim, Mainz, Alzey 38, Groß-Gerau 40, Tarmstadt 42, Offenbach 32, Bad-Nau- hemi 36, Gießen 38, Grünberg 42, Herchenhain 73, Gedern 65, Büdingen 50, Grebenhain 69, Herbstein 58, Schotten 55, Alsfeld 47, Michelstadt i. O. 58 mm. Mit zunehmender Höhenlage des Landes wachsen die Niederschläge stark; am trockensten sind Main- und Rheinebene, in zweiter Linie die Wetterau. Im normalen April dürfen 13—15 Tage mit Niederschlag erwartet werden, darunter im Tiefland 1 Tag mit Schneesalk, in den höchsten Gebirgslagen aber noch 5—6 Schneetage^ Nur 1871 kamen auch in den Ebenen, selbst des Mains, noch 5 Schneetage im April vor. Tie mittleren Schneefallgrenzen verteilen sich nach den Berechnungen des Hydrographischen Bureaus in Tarmstadt folgendermaßen: Rheinhessen 10.—12., Oberhessen (Ebene) 20,« jltogeldterfl 25, Mrck o Anfang Lai, StarkLichurg 9.—30. April, je nach der Höhenlage des Ortes. Wie im Mär» steigt auch im April die Zahl der ©eroittertage, von 30 aus etwa 47 im Zeitraum 1857—1907. Damit wächst auch die Hagelwahrscheinlichkeit. Ter vergangene März war in den meisten Gegenden Mitteldeutschlands um 10—20 mm zu feucht gegen den normalen Turchschnitt. Auch seine Temperatur lag erheblich über dem Normalwert (bis 3 Grad). Tie atlantischen Zyklonen gewinnen jetzt immer mehr freie Bahn nach dem Festland, zumal jetzt das russische Kältehochdruckgebiet verschwunden ist. Tas deutet für die Folge auf eine nasse Wetterperiode im April. ♦ — Karl May f. Ter bekannte Romanschriftsteller Karl May ist in seiner Villa in Radebeul int 71. Lebensjahre geworben. — Von den zahlreichen, dickleibigen Werken, die Karl May veröffentlicht hat, und die alle eine glühende Phantasie und eine flüssige, packende Schreibweise bekunden, ist sein „Winn e- tou" wohl am meisten gelesen worden, aber auch die übrigen „Reiseromane", die von der Jugend verschlungen wurden, haben hohe Auflagen erreicht. In den letzten Jahren war er mehrfach in Prozesse verwickelt, die großes Aufsehen erregten und von dem Sekretär der gelben Gewerkschaften, Lebius, hervorgerufen waren. Es waren Karl May dabei Die abenteuerlichsten Verbrechen zum Vorwurf gemacht worden, ohne das es gelungen wäre, einen bestimmten Nachweis zu erbringen. May selbst hat allerdings zugestanden, daß er in seiner Jugend mehrfach bestraft worden sei, doch konnte das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die An- grisse, die Lebius gegen ihn richtete, mehr auf Gehässigkeit denn auf sachlicher Gegnerschaft beruhe. — Das Denkmalarchiv für das Großherzogtum Hessen bereitet, wie die „Tarmst. Ztg." meldet, augenblicklich in der Aula derTechnischenHochschulezuDarm- stadt eine Ausstellung von mittelalterlichen Wandmalereien auf hessischem Boden in Faknmilienachlnl- bungen vor. Werke aus Mainz, Worms, Jugenheim i. Rh., Wimpfen, Hirschhorn, Laubach, Frau-Rombach, Ilbenstadt usw. werden ausgestellt, Arbeiten, die zum Teil schon inhaltlich von größtem Interesse sind. Man darf hoffen, daß infolge dieser, Veranstaltung die althessischen Malereien den ihnen gebührenden Ehrenplatz in der Kunstgeschichte finden werden. Der Allgemeinheit ist die Ausstellung aus praktischen Gründen leider nur in beschränkten Zeiten zugänglich. Zunächst ist dafür Sonntag, der 14- ÄLril, lwrrnchtags vpn 10—1 Uhr, in Aussicht genommen/ 2 Volksstücke und 2 'Kinderkomödien, im ganzen also 55 verschiedene Stücke. In Offenbach wurden 27 Vorstellungen und in Homburg v. d. H. 21 Vorstellungen gegeben. Als Gäste waren verpflichtet: Ernst von Possart, Alexander Moissi, Agnes Sorma, Margarete Beling-Schäfer, Karl Baum, Hermann Nesselträger, Frieda Eichels- heirn. Ferner Ensemble-Gastspiele: Rosa Poppe mit Ensemble; Hanako, Japan, Tragödin mit Gesellschaft; Bayer. Bauerntheater Josef Meth; L Wiener Kinder-Operetten-Ensemble. Tie Tireklion des Stadttheaters Hanau a. M. (Kurhaustheaters Homburg v. d. H.) wurde Herrn Direktor Adalbert Stetster bis zum Jahre 1917 weiter übertragen. — DiedeutscheSpracheandenhöherenSchulen. Gelegentlich des vom 9.—11. April in Dresden statlfindenden BerbandstageS der akademisch gebildeten Lehrer Deutschlands veranstalten die Lehrer des Deutschen an den höheren Schulen Deutschlands im dortigen Künstlerhäuse eine Zusammenkunft, in der wichtige Fragen über die Ausgestaltung des Unterrichts unserer Muttersprache an den höheren Schulen zur Erörterung gelangen werden. In der Hauptsache werden sich die Verhandlungen um den Kampf der Germanisten gegen die alten Sprachen drehen; eS soll endlich dafür Sorge getragen werden, daß der Muttersprache in der Bildung unserer deutschen Jugend der Platz eingeräumt wird, der ihr gebührt. Zahlreiche Vertreter des deutschsprachlichen Unterrichts aller Schulgattungen aus allen deutschen Staaten haben in Aussicht gesellt, baß sie an der Tagung teilnehmen werden. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen schäft. Tie schwäbische Landesausstellung für Rei und Fremdenverkehr ist gestern in Stuttgart im Auftrage de Königs von Herzog Albrecht von Württemberg eröffnet worden. — Anne Filossosow, eine der hervorragendsten Frauenrechtlerinnen, ist im Alter von 74 Jahren in Petersburg gestorben — In Freiburg ist der frühere ordentliche Professor der Philosophie Tr. Uebinger im AUer von 57 Jahren gestorben. — Professor Toerpseld- Athen wurde in den Ruhestand versetzt unter Verleihung des Roten Adlerordens zweiter Klasse mit Krone: Professor Karo, der bisherrge -werte Sekretär des Archäologischen Instituts in Athen ist sein Nachfolger, Ausland. Dem Kurier des französischen Ministeriums des Acußcrn wurde während der Eisetrbahnfahrt zwischen Petersburg und Luga eine Brieftaschegestohlen, in der sich 3000 Francs sowie ein G e h e i m b r i e f des französischen Botschafters Weitere öffenUiche Besichtigungen werden anfangs Mai veranstaltet. — Tie Komponisten des Konzertiahres 1910» 1911. In der ,Meuen Zeitschrift für Musik" veröffentlicht Ernst Challier eine Statistik der nn Konzertjahr 1910/11 meistauf- gcführten Komponisten. Tie absolut größte Zahl von Aufführungen erzielten (die in Klammer beigefügte Zahl bedeutet die des JahreS 1909/10): Beethoven mit 1120 (1116) und Brahms mit 1195 (1114k trotz der kleineren Gesamtzahl nimmt Beethoven die erste Stelle ein, weil sich diese Zahl aus 453 großen Orchesterwerkcn und 108 Konzerten mit Orchester zusammensetzt, während Brahms nur 139 bezw 60 aufzuweisen hat, dazu aber 592 Lieder, Gesänge, Duette usw. Ihnen folgt Robert Schumann mit 914 (919); das Konzertjahr greift bekanntlich in Atoei Kalenderjahre hinein, also hat der 100. Geburtstag Schumanns (8. Juni 1910) beide Konzertjahre beeinflußt. Tann Schubert: 764 (752), Mozart 547 (414), Liszt 529 (327); auch hier, wie bei Schumann, ist der 100. Geburtstag (20. November 1911), trotzdem er erst nach Schluß des Konzertjahres 1910/11 zu feiern war, nicht ohne Einfluß geblieben. Es schließen sich an: Dach 521 (433), Wagner 480 (529), Hugo Wolf 405 (301), Reger 326 (218) und R. Strauß 322 (264). Namhaftere Zahlen haben bann noch aufzuweisen, zum Teil ebenfalls mit aufsteigender Richtung: Mendelssohn-Bartholdy 223 (211), Tschaikowsky 233 (183), Haydn 216 (209), Saint-SaenS 173 (133), Handel 158 (151), Weber 148 (137), Grieg 144 (103), Dooräk 127 (101), Berlioz 117 (121), Debussy 92 (49), Loewe 85 (62), Lalo 84 (24), Weingartner 76 (20). — Statistischer Rückblick des StadttheaterS Hanau a. M. TaS Stadttheater in Hanau in Verbindung mit dem Jnterim-Sladttheater in Offenbach a. M. und dem Kur- hauStheater in Homburg v. d. Höhe (Direktor Adalbert Steffter) versendet folgenden statistischen Rückblick: ES wurden während der Winterspielzeit 1911/12 insgesamt 213 Vorstellungen gegeben und zwar: 78 Vorstellunaen im Abonnement, 90 Vorstellungen außer Womtement, 40 Nachmittagsvorstellungen und 7 Dolks- vorstellungen. _ Zur Darstellung gelangten: 18 Trauerspiele, Dramen und Schauspiele, 17 Komödien, Lustspiele und Schwänke, Freisberger von Weilburg nach Koblenz, der Reseroe-L.'ko- motivfübrer H ü t l e r von Grebenhain nach Bebra, die Lokomotw- beizer Becker von Bebra nach Grebenhain, Nobitz von Betz- , boif nach Altenkirchen, Klein von Bebra nach Grebenhain, Wagner von Gießen nach London der Ober-Packmenter Burk von Gladenbach nach Nidda, der Bahicho's-Aufseher D r o mm er s- hausen von Büdesheim i. O. nach Gießen, der Unter-Asiist-nt O h l r von Torlelweil nach Büdesheim, der Eisenbahngehilfe G o t t - wals von Höchst a. M. nach Lauterbach. •• firet5amtspetfonalien. Ter Großberzog hat den Ministerialsekretär m dem Ministerium deS Innern, Re- gierungSrat Herm. Pfeiffer, zum ständigen Hilfsarbeiter in diesem Ministerium, den Kreisamtmann bei dem Kreiöamt Offenbach, Konr. Löhlein, zum Ministerialsekretär im Ministerium deS Innern, den RegierungSassestor Dr. Erich Kintscher genannt von Köbke zu Darmstadt zuin KreiS- amtmann ernannt. •• HauSwirtschastl. Fortbildungsschulen für Mädchen. Man schreibt uns: Ter Deutsche Reichstag hat am b. Dezember 1911 eine einschneidende Slenderung der Reichs-Gewerbeordnung beschloffen, die am 1. April 1912 bereits in Kraft getreten ist. Darnach erhalten die Gemeinden das Recht, für alle erwerbstätigen weiblichen Personen unter 18 Jahren hauswirtschaftliche Pflicht-Fortbildungsschulen zu errichten. Die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen HandlungSaehilfen-VerbandeS hat daher eine Eingabe an die städtischen Behörden gerichtet und gebeten, auf Grund der neuen Fassung des § 120, Abs. III, der R.-G.-O. verbind- lichen HauShaltSunterricht für alle erwerbstätigen Mädchen unter 18 Jahren einzurichten. ** Die Schlachtviehpreise sind, soweit sie für die Fleischversorgung der Stadt Gießen in Betracht kommen, in den letzten Tagen sehr in die Höhe gegangen. Dabei besteht eine Knappheit in Ochsen und Rindern, wie Händler und Metzger sie noch nicht erlebt haben. Trotz der sehr hohen Preise, die die Metzger bezahlen müssen, ist die Qualität des Viehes gegen normale Zeiten zurückgegangen, wodurch den Konsumenten weiterer Nachteil erwächst. Die Preise für Schlachtvieh stellen sich augenblicklich für Ochsen 93 bis 95 Mk., Rinder 91 bis 93 Mk., Kälber 72 bis 76 Mk., Kühe 75 bis 80 Mk., Schweine 74 bis 76 Mk. der Zentner Schlachtgewicht. Kenner der Verhältnisse sind der Ansicht, daß wir noch lange nicht an der Grenze des Höchstpreises für Schlachtvieh, besonders für Ochsen, Rinder und Kälber, angelangt sind. ** Elektrische Straßenbahn. Vom 1. April ab haben die bisherigen Zahlmarken der Straßenbahn ihre Gültigkeit verloren. Umtausch gegen neue findet nur bei der Verwaltung des städtischen Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn, Lahnstraße 28, statt. Tie Wagenführer sind nicht berechtigt, die bisherigen Zahlmarken in Tausch zu nehmen. **Die festkicheProbefahrtder Automobilomnibusse Gießen—Wieseck—Alten-Buseck ist wegen des gestrigen regnerischen Wetters auf den nächsten J. April verschoben worden. Tie Bretzeln und die dazu gestifteten Würstchen haben indessen, wie uns mitgeteilt wird, im Eichamt am Walltor zur Ausgabe bereit gelegen — sie wurden aber gewogen und zu leicht befunden. *♦ Schutz den Hecken. Die nicht allzuhäufig vorhandenen Hecken in den Feldern sollten weit mehr als bisher Schutz finden, da sie meist die Wohn- und Nistplätze der nützlichen Vögel bilden. Mit der Entfernung der Hecken vertreibt man die durch die Vertilgung von Sck)ädlingen der Landwirtschaft unentbehrlichen Gehilfen aus der Vogelwelt. Ebenso kann das Verbrennen des alten Grases an Hecken und Rainen nicht genug gerügt werden. Landtreis Gießen. --Londorf, 1. April. Am 1. Ostertag veranstalte der Kirchengesangverein Londorf ein Kirchenkonzert, bet dem Herr v. d. Au, Konzertorganist in Mainz, das neue Orgelwerk der eoang. Kirche in all seiner Pracht und Mannig- faltigtcit vorführen wird. Herr v. d. Au besitzt den Ru eines technisch durchgebtldeten, feinfühlenden Konzertspielers. Kreis Büdingen. X Nidda, 1. April. Mtt Schluß des Schuljahres verließ uns der Oberlehrer und Rektor der hiesigen Höheren ' Bürgerschule, E. Kolb. Neun Jahre lang hat er an unserer ' Schule gewirkt. Er hat mit Treue, Gewissenhaftigkeit und । Pünktlichkeit feines Amtes gewaltet, und das Lehrerkollegium , der Höheren Bürgerschule, wie auch der Volksschule und auch die Gemeinde sieht ihn nur ungern scheiden. Er ui zum Oberlehrer an der Höheren Bürgerschule in Langen ernannt worden. — Tie einzelnen Frühlingstage haben das Wachstum in Feld und Wiesen sehr gefördert; in den Garten tonnte man, besonders in tieferliegenben, wegen der anhaltenden Raffe noch nicht viel arbeiten. Die Obstbäume zeigen einen großen Reichtum an TragknoSpen, die ebenfalls schon sehr weit entwickelt sind und — falls nicht Nachtfröste kommen — eine reiche Ernte versprechen. Kreis Lauterbach. 4- Schlitz, 1. April. Tie höhere Bürgerschule wurde nach dem Jahresbericht im vergangenen Schuljahre von 43 Schülern, darunter acht Schülerinnen, besucht; davon waren 35 aus Schlitz. An der Anstalt wirken fünf Lehrkräfte, darunter eine Lehrerin. Neu ausgenommen wurden diesmal zehn Schüler, wahrend sieben zur Enllassung kamen, von denen drei an andere höhere Lehranstalten übergehen. Sir. 5 Schotten. I. Vom Hoherodskopf, 1. Avril. Am Samstag beging der Vogelsberger Höhen-Club^ seine erste Bis - m a r ck f e i e r auf dem Hoherodskopf. Trotz Nebel, Schnee und Regen waren Gäste aus fern und nah herbcigeeilt, um teilzunehmen an der Ehrung des großen Kanzlers. Nach gemein- chastlichen Nachtessen zog man zum Tauisteinturm, von bejen Zeuerfchale die Flammen des Bismarckfeuers den Teilnehmern entgegenleuchteten. Es dauerte ziemlich lange, bis das Feuer die Nässe von Schnee und Regen überwunden hatte, aber dann schlugen die Flammen hoch auf. Gegen 1 »10 Uhr begann der Kommers im neuen, urgemütlichen Klubhaus, geleitet von Zahnarzt Jäger- Gießen. Nach einem Lied auf „unseren Bismarck" hielt Prof. Allendorf eine tiefempfundene Rede, die dem Andenken Bismarcks geweiht war. „Liebe zum Vaterland soll der Dank fein, den wir Deutsche Bismarck schulden. TaS zu sagen und dazu anzuspornen ist heute nötiger als jemals seit 1870." Seine Worte fanden freudigen Widerhall in aller Herzen. In ein dreifaches Heil aufs geliebte ' Vaterland stimmten die Anwesenden freudig.ein, begeistert erklang „Deutschland, Teutsch- land über alles". Noch manches frohe Lied schloß sich an, heitere Vorträge folgten und das unvermeidliche Tänzchen, wenn auch im engen Raum. Kreis Friedberg. (?) Bad-Nauheim, 1. April. Ein schönes Stück Arbeit leistet seit 6 Jahren der B i l d u n g S v e r e r n. Ec zählt jetzt 434 Mitglieder. Im letzten Winter wurden acht Theatervorstellungen vom Rhein-Mainischen Verbandst!), a- ter gegeben, die eine Turchschnittsbesucherzahl von 210 aus- weisen. Die Bibliothek wird neuerdings auch von der Stadt unterstützt; auch private Freunde des Vereins ver- mehren den Bücherbestand dauernd durch Zuweisungen. Im abgelaufenen Vereinsjahre wurden in 52 Bibliotiieksstunden rund 5000 Bände ausgeliehen. Leider fehlen bei den Veranstaltungen des Vereins immer noch sehr die BevöllerungS- lreise, denen in erster Linie die Volksbildungsarbeit gilt. Auch das jetzt von der Stadt im alten Rathaus zur Verfügung gestellte öffentliche Lesezimmer, in dem Zeitschriften und Zeitungen der verschiedensten politischen Richtungen ausliegen, wird von der einheimischen Bevölkerung noch verhältnismäßig wenig benutzt, aber um so mehr von den Kur- fremden. 1 Er habe nicht nur für die gehobenen Unterbeamten den Titel „PostbetriebSassistent", sondern auch für die mittleren Beamten den "Postbetriebs sek r et art gefordert: 2. Er sei in seiner Rede zum Postetat dafür eingetreten, daß Gießen in die Ortsklasse B, Nidda und Hungen in die Ortsklasse D des Wohnungsgeldtarifs ver- setzt werden. Aus der Erklärung des Abg. Roeren, in der er seine Mandate niederlegt, sind folgende Sätze herauszu- &CbC,% Hat für kurze Zeit einige Ruhe ein, dann aber begannen wieder, und zwar in steigender Hestigkeit, dle alten ^Zngrme gegen die „Nörgle r", „H y v er ka t hol ik e n und tote sonst man die Vertreter der katholischen Weltanschauung trn Gegensatz zu den Vertretern der sog. „allgemein-" ober „gEmsam-chrU^ lichen" Weltanschauung zu bezeichnen pflegte. Ich habe Mich trotzdem von jeder weiteren Behandlung der Streitfrage und trotz aller Provokationen von jeder Erwiderung zurückgehalten, vielmehr die Angelegenheit in loyaler Weise vor bet unter diesen Um- standen allein gegebenen Stelle, nämlich in der am 14. v. JJC. im Abgeordnetenhaus« stattgefundenen Fraktion S- sitzung, in der über den Streit auf katholischer Seite verhandelt wurde, zur Sprache gebracht. Die Auseinandersetzungen, die sich hieran anknüpften, haben ergeben, daß eine Verteidigung des von mir vertretenen Grundsatzes, selbst den fortgesetzten Provokationen gegenüber für mich in meiner Stellung als Mitglied der Fraktion als ausgeschlossen gelten muß. Diese Lage wurde für mich unerträglich sein, ich müßte sie als unwürdig bezeichnen. Ich bin deshalb nicht in der Lage, mein Mandat länger beizubehalten, und zwar weder dasjenige zum Abgeordnetenhaus, noch auch in Konseauenz davon dasjenige zum Reichstag." , Auch in einer besonderen Erklärung an ferne Wähler betont Herr Roeren, daß sein Schritt eine „Notwendigkeit sei, der gegenüber alle persönlichen Rücksichten zurücktreten müssen". Die Zentrumspresse hüllt sich im allgemeinen ju der Sache in Schweigen und enthält sich jeder Kritik. Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man unS: lieber die Wahl eines Mandatsnachfolgers für den verstorbenen Abg. Träger ist im Lager der fortschrittlichen Partei ein Zwist ausgebrochen. Ein Teil der Partei wünscht den Abg. Wremer wieder in den Reichstag zu entsenden, während ein anderer für den früheren Abg. M u g d a n plädiert. Es ist noch zweifelhaft, wer den Sieg davonttagen wird. Für die Nachfolge im preußischen Abgeordnetenhause sind noch feine Bestimmungen getroffen. Die Freunde Wiemers wollen dieses Mandat Mugdan antragen. Au» Stadt und Land. Gießen, 2. April 1912. •• Lehramtsassessoren. Durch Entschließung deS Ministeriums deS Innern wurden die nachstehend genannten LehramtSceferendare zu Lehramtsaffefforen ernannt: Wilh. Backhaus zu Groß-Umstadt, Ludw. Bauder zu Bensheim, Dr. Odo Becker zu Darmstadt, Gust. Busch zu Darmstadt, Herrn. Buß zu Gießen, Rich. Frölich zu Mainz, Alfr. Graf zu WorinS, Phil. Guntrum zu Alsfeld, Hch. Jockel zu Darmstadt, Hch. Koch zu Friedberg, Friedr. Lehmann zu RüffelSheiin, Dr. Hch. Lotz zu Friedberg, Hch. Müller zu Mainz, Ludw. Karl Müller zu Darmstadt, Karl Neu- kum meter zu Mainz, Friedr. PI och zu Gießen, Joh. Rüdiuger zu Bingen, Otto Schaffner zu Darmstadt, Rich. Schmalz zu Gießen, Martin Schmidt zu Gießen, Dr. Karl Schmoll zu Offenbach, Theodor Spitznagel zu Gießen, Wilh. Stein zu Friedberg, Herm. Stöhr zu Offenbach, Dr. Wilh. Tavernier zu Darmstadt, Gg. lieber le zu Mainz, Karl Wa lisch mitt zu Friedberg, ■Otto Wasser zu Grünberg, Dr. Wilh. W e r n e r zu Darmstadt, Nik. Würth zu Darmstadt. ** Eisenbahn personal-Nachrichten. Dem Ober- uad Geh. Regierungsrat Dr. Roesler in Frankfurt ist die ständige Vertretung des Eisenbahndirektions-Präsidenten in Fällen seiner Abwesenheit oder Behinderung Übertragen worden. Versetzt wurden: Bahnhofsvorsteher Reitze von Griesheim nach Wetzlar, der Eisenbahn-Assistent Wagner von Frankfurt' nach Lauterbach, die Komm.-Asssstenten Keller von Hersfeld nach Griesheim a. Main uL» Bartel von Wetzlar nach Frankfurt, die Lokomotivführer Profiti ich von Gießen nach Limburg, Rauh von Rennerod nach Limburg, B o n a r d von Bebra nach Fulda, L. Bad-Nauheim, 1. April. Von heute an ist der neue Bahnhof so weit fertiggestellt, daß die lämtlichen Geleise be- ahren werden können. Tie seitherigen Uebergänge über die Geleise nach dem Goldstein, der neuen Saline usw. sind vom 1. April verboten. Aller Verkehr geht nun nur durch die südliche Unterführung. Ferner wird morgen eine der neuen Einsteig ha Hi dem Verkehr übergeben. *"■ Starkenburg und Rheinhessen. W. D a r m st a d t, 1. April. Die Süddeutsche Eisen» bahn-Gesell schäft stimmte in ihrer heutigen Generalversammlung dem Vertrag mit der Stadt Darmstadt betreffend die Gründung der Hessischen Eisenbahn-Gesellschaft und die Uebertraguna der Konzessionen für die Dampfstraßenbahnen auf diese im Prinzip und vorbehaltlich redaktioneller Aende- rungen zu. , rm. Darmstadt, 1. April. Zum Dorndieler Raubmord, dem am 10. Mai 1910 der Kaufmann W. Bachmann II. in Dorndiel durch einen bis jetzt nicht ermittelten Täter zum Opfer siel, wird gemeldet, daß die Gen- darmerie m Groß-Umstadt den feit dem Mord aus der dortigen Gegend verschwundenen Peter Anton Hitzel, gen. Marosch auS Mühlheim fest genommen hat, der schon da- mals als der Tat verdächtig festgenommen, aber wieder entlasten worden war. Die Staatsanwaltschaft begab sich heute nach Groß-Umstadt, um Vernehmungen vorzunehmen. m. Offenbach a. M., 1. April. Im hiesigen Krankenhaus wurde vor einigen Tagen ein Patient eingeliefert, der sich einen falschen Namen beigelegt hatte und nunmehr geworben ist. Der Mann hatte dem in Frankfurt wohnenden Schreiner Jakob Haas die Ausweispapiere gestohlen und war unter dessen Namen aufgetreten. Wie sestgestellt wurde, handelt es sich um einen alten Verbrecher, der schon zahlreiche Vorstrafen hinter sich hat. Es ist der 39jährige Seiler Theodor Betkcr aus Riga, der sich längere Zeit in Frankfurt aufhielt und dort mit mehreren Kumpanen zahlreiche Einbrüche verübt hat. B. hat ent kürzlich eine längere Freiheitsstrafe in Preungesheim verbüßt und dann unter seinem richtigen Namen in Offenbach in der Ludwig- straßc gewohnt. Die Leiche, die der Anatomie der Gießener Universität überliefert wurde, wurde durch einen Gefangenenaufseher der Preungesheimer Strafanstalt als die des B. fest- gestellt. d. Mainz. 1. April. In der heutigen Sitzuna der Stadtverordeten erfolgte die Beratung der Voran s ch l ä g e für 1912. Auch für das laufende Jahr soll von einer Erhöhung der Umschlagsziffer bei den Umlagen abgesehen werden, sie bleiben tote im Vorjahr auf 106,5 Proz. Zur Ausgleichung des Voranschlags der Betriebsrechnung werden bte Überschüsse früherer Jahre mit 307 546 Mk, sowie ein Teil von 206 396 Mk. aus den für außerordentliche Tilgungen bestimmten Summen gedeckt. Was im nächsten Jahre geschieht, weiß bis jetzt niemand, da man die Wirkung des neuen Umlagesteuergesetzes noch nicht kennt. Stadtv. Adelung machte auf die neue Besoldungsordnung für die höheren Schüler aufmerksam, die Städte muffen hier- ür 230000 Mk. au j bring en, ohne daß sie etwas mitzu- prechen hatten. Tie he,jischen Städte müßten hiergegen Protest erbeben. — Für die Erweiterung der EiSaniage im Schlacht- und Viehhof wurden 35000 Mk. bewilligt. — Bezüglich des neuen Wasserwerks am Schönauer Hof ' bei Groß-Gerau erklärte der Oberbürgermeister, das P^o.ekt sei soweit gefördert, daß in 2 Jahren das Werk vollendet wäre, die Stadt werde gutes und ausreichendes Wasser , erhalten. — Von der Errichtung eines Winter- Schwimmbades soll der großen Kosten halber vorläufig Abstand genommen werden. — Ein Antrag des Stadtv. —— 1 11 1 - ■ OSRAM PE morgen vertagt. PsennigedasP s und erhöht. ^oynuches minofiei,cy roilei feit zwei . Uhr vor der Tur dec. in der Mue De »oette gelegenen @emefter) 150 Mark bezahlen müssen. Daß diese, nach preu- jetzt 90 Psg., Kuhfleisch 75 Psg., Schwerneslerich 80 ^ig., Äalb- Eanl aus die Ankunst des Kaffenboten Gouffet. Gouffet betrat Muster getroffene Neueinrichtung nicht nach dem Ge- fleisch 85 Psg. und Hammelfleisch 75 Pfg. Bei besseren Qualitäten Bankgebäude. Ehe er wieder herauskam, waren die betben , j)mQ^^r Bibliotheksbenutzer ist, braucht wohl nicht besonders ert/ühl sich der Preis. — Am Sonntag i^^en stch m den am Randc Täter verhaftet. Bei ihnen wurde Zange ^^t zu werden. Tie Studenten opfern während ihres Studiums dcs Lahngebirges nach dem Ebsdorfer Gru^ zu liegenden Ort- imn Zerschneiden von Le^rrlemen ein NasM rin Vermögen, das doch dem Staate und der Stadt zugute kommt, schäften bettelnde Zigeuner. Als die telephonisch benacM cine Spritze gesunden Sie beabncf>tigten,benwunb die „nicht zur Universität gehörenden Personen" sind doch richligte Gendarmerie eintraf, waren die lästigen Kaste bereits Boden zu schlagen: und vielleicht zu vergüten. Beide meistens Akademiker, die dieses Opfer schon gebracht haben und über alle Berge. - , - -! >VC9en u c r 1 11 d) 1 e n Raubmords »u verantworten haben, s . pinp Anstellung erlanat. an Staat W! 02837 Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen fßt Mittwoch, den 3. April 1912: Die Methylalloholvergistungen vor Gericht. sh. Berlin, 1. April. Hochachtungsvoll Leb. WUd, Lollar Lujtjchiftahrt. Berlin, 1. April. Morgen wird hier die allgemeine Luftschisserausstellung Berlin 1912, die vom Kaiser lichen Automobilklub, dem Kaiserlichen Aeroklub und dem Verein Deutscher Motorsahrzeug-Jndustrieller veranstaltet wird, durch den Prinzen Heinrich von Preutzen eröffnet roeroen. Die Ausstellung weist auch eine reich beschickte wissenschaftliche Abteilung auf. . . Halle a. S, 1. AprU. Zur Errichtung einer Fliegerschule in Halle brachte der Hallesche Luftschifferverein mit zwei auswärtigen Ruberverein en 50.000 Mk. zusammen. 100 000 Mk. Der Missouri und Ohio siiid über ihre User getreten' _ und haben im Ufergebiet weithin Verheerungen oiv gerichtet. . M , Zn Wayne'sNeujerseh) sind drei Pulverfabriken explodiert, wobei zwei Personen getötet, eine Anzahl weiterer Personen verletzt wurde. Tie Umgebung wurde durch die Explosion erdbebengleich erschüttert. MEIN ARCHITEKTUR-BUREAU BEFINDET SICH JETZT FRIEDRICHSTRASSE 14 ECKE FRANKFURTER STRASSE FERNSPRECHER NR. 895 HANS BURG* ARCHITEKT Der verehrten Einwohnerschaft von Lollar die er. gebens Mitteilung, daß ich die Vertretung der Elektr. techn. Fabrik Friedrich Hinierlhür, Siegen übernommen habe. Unter Zusicherung prompter Bedienung bittet um gütige Unterstützung daß ich stets vor dem Essen ein Anregungsmittel nehmen mußte, hob sich derselbe nach Gebrauch des Biofon derart, das; ich kaum die Mahlzeiten erwarten kannte. Meine Strafte wurden merklich gesteigert und ich fühle mich jetzt frischer und gesünder denn ie. Auch hat sich mein Körpergewicht um 5 Pfund gehoben, so dah ich infolge dieser äußerst zufriedenstellenden Resultate Ihr vorzügliches Präparat vielen Bekannten empfohlen habe. Ich habe s. Z. mit einigen Be kannten verschiedene chemische Nährmittel versucht, von denen wir aber bald wieder abkamen und zu Bioson übergingen. Auch mein Arzt hält die Biosonkur für mich für sehr zweckmäßig, zumal er es im Gegensatz zu anderen ähnlichen Mitteln sehr preiswert findet. Hochachtend M. Friedeberg, Pankow b. Berlin, Kreuzstraße 3. Unterschrift beglaubigt: Dr. Titöpelt, Röntgt Notar. Bioson das beste und billigste Nähr- und Sträftigungsrnttttel feinet Art, Dose len. '/, Kilo» Mark3.— in Apotheken Drogerien. Verlangen Sie vom Biosonwerk Frankfurt (Main) Gratisprobe und interrefsante Broschüre: „Die Lebenskraft und ihre Erhaltung"5% Verhältnisse von Amylalkohol, Der Sachverständige Dr. B a u r a t h von gibt an, daß die Anzeigen der Spritoaen- und Spritolsabriken so abgefaßt seien, daß em oberflächlicher Leser, wenn er auch Händler sei, vielleicht zu dem Glauben verführt werden könne, daß L-piri» logen and Spritol für den menschlichen Genug brauchbar feien. | Der Zeuge und Sachverständige Dr. Rotger von der Firma Riedel, von der Scharmach den Methylalkovol bezog, sagt aus, daß Scharmach durch den Reisenden der Fabrik ausdrücklich aufmerksam gemacht worden fei, daß der Methylalkohol zu Schnäpsen nicht verwendet werden dürfe. Im »eueren Bertaut «einer Vernehmung gibt der Sachverständige an, daß allerdings die Ballons mit Methylalkohol nicht mit der Aufschrift „®ift" versehen seien. Daraus werden verschiedene Ministerialerlasse verlesen, in denen die Gefährlichkeit des Methylalkohols betont wird und der Artikel über Methylalkohol aus Hagers Handouch tue Pharmazeutische Praxis, darin hergt es zum Schlüsse: „Es muß daraus aup merksam gemacht werden, dag bei Hohen Spirituspreisen die Verwendung des reinen Methylalkohols zu Schnäpsen nmji ganz aus- geschlosien erscheint. Sachverst. Dr. Juckonack gibt hierzu an, daß der Bersasjer des Artikels Prof. Fischer (Breslau) damit nur aus die mißbräuchliche Verwendung des Methylalkohols aufmerksam machen wollte. — Darauf wurden die Verhandlungen auf Jedenfalls täten sich die deutschen Spirituosenfabrikanten davor, irgend ein Präparat, das nicht aethylhaltig ist, zu ihren Fabrikaten zu verwenden. Vert. Dr. W e r t h a u e r führt demgegenüber an, dag in sachkundigen Kreisen die Anschauung herrsche, daß nicht Methylalkohol die Ursache der Vergiftungen sei, fonbern eine Beimischung zu den Essenzen, die wie spanischer Pfeffer schmecke. Darnach entspinill sich eine längere Erörterung über bie Preis- Verhältnisse von Amylalkohol, Methylalkohol und Aethyalkohol. der Firma Kahlbaum Begeisterter Freund, der rechtzeitig die großen Vorteile erkannte. Et« Bries Weihnachten 1911. . । Bei Neurasthenie und Bluiarmut batte ich immer über Matttg' Ter älteste kett und Appetitlosigkeit zu klagen, weshalb ich mich entschloß, zur sind noch in Aussicht. „ , ,, Rom, 1. Aprll. Zur Beschaffung einer Militarluft- flotte eröffnete der Turiner Aeroklub eine nationale Geldsammlung. Der Turiner Industrielle Mara gab 20 000 Mk , ein Italiener in Paris 200000 Lire, von denen die Hälfte als Prämie für den besten Aeroplan des Jahres 1912 beitimmt ist. Kleine Cagerchronik. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner trat im Rathause zu Berlin der Vorstand des Deutschen Städtetages zu einer Sitzung zusammen. In der M artinsschmelze des Bochumer Vereins wurde der Verschlug einer Gießkanne herausgedrückt, wodurch das flüssige Metal, herauslief. Sieben Arbeiter wurden mehr oder weniger schwer verletzt. . . In Leopoldshöhe fuhr ein Eilguterzug tn der Nacht vom Samstag zum Sonntag infolge falscher Weichenstellung in ein stumpfes Gleis. Infolge der nachdrangenden Wagen schob sich der Gepäckwagen auf die Lokomotive, wobei das Führerhaus eingedrückt und der Lokomotivführer Ritz-Baden getötet und der Heizer Leber- Baden durch den aus,trömenden Dampf schwer verwund et wurde. Wie die Brüsseler Abendblätter melden, hat Staatsminister B e r n a e r t der Universttät Löwen einehalbeMil- Hessen-Nassau. 8 Marburg, 1. April. Tie Fleischerinnung hat seit bi ute die Preise iur olle Fleischsorten um ourchKnlltlich z e h n Pfennige das Pfund erhöht. Gewöhnliches Rindfleisch kostet Reinach, den Stadtverordneten freie Fahrt auf der elcltrischen Straßenbahn zu gewähren, wurde an die Straßenbahndeputation verwiesen. - Stadtv. Adelung wünschte, daß die der Versammlung angehorenden Juristen von der Führung städtischer Prozesse ausgeschlossen würden Die Bürgermeisterei sprach sich gegen die,en Wunsch aus. — Damit wurde die Weiterberatung auf WTÄ, 1 April. Sein 40jähriges Dienst- iubiläum feierte heute der Ortsgenchtsdiener mw Ortsaus- schell er stonrad Rausch. Rausch roar biä zum Jahre 1897 als Polizeidiener tätig. Im Jahre 1897 wurde bie Bet« roa(tunq des Polizeiarrestlokales übertragen. Sell Aushebung des Arrestlokalcs ist Rausch als OrtSgerichtsdiener und als Orts- au-fcheller r äg ^Tpril. In der Nacht zum Sonntag stürzte der 22 Jahre alte Fähnrich Sieber vom Jnsanteri^Regt. Nr 118 aus dem 2. Stockwerk des Offizierkasinos. Er zog sich' so schwere Verletzungen zu, daß er bald daraus starb Sieber hatte ein kleines Fest gegeben und wollte gegen 2 Uhr aus dem Fenster sehen. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und verunglückte. Kreis Wetzlar. X Gleiberg, 1. April. Dreißig Jahre waren gestern verflossen, seitdem der Wirtsckaftsbetrieb auf der Burg Gleiberg eröffnet worden ist und fett dieser Zeit waltet der Burgwirt Niebergall oben seines Amtes. Alle die Tausende, die im Laufe Der Jahre zur Hohe deS Gleibergs ge- wandert sind, werden dankbar anertennen, Daß der Gleiberg-Verein die gastliche Stätte geschaffen hat uiid sich damit wie überhaupt mit feiner Tätigkeit um die Erhaltung der Burg Gleiberg ein großes Verdienst um die Allgemeinheit erworben hat. Bei dieser Gelegenheit sei auch mitgeteilt, Daß die elektrische Beleuchtung der Wirtschastsräume bis auf den großen Radleuchter im Kaisersaal fertiggestellt und in S3e- frieb genommen ist. X Kinzenbach, 1. April. Die Lehrerwitwe Weckmüller, geb. Eolnot, vollendete am heutigen 1. April in seltener Frische ihr 92. Lebensjahr. Die hochbetagte Greisin, deren olachkommenschast (Enkel und Urenkel) Die QaM 60 bereits überschritten hat, besorgt noch ihren Haushalt. Lehrer Weckmüller amtierte im nahen Atzbach und trat im Jahre 1884 in den Ruhestand. 1 i o n überwiesen. Mitglieder des österreichischen Gebirgsvereins fanden von den in dem Hochschwabgebiet verunglückten vier Wiener Tou- Men die Leichen eines Herren und einer Dame ziemlich weit von der Stelle, wo die zuerst aufgefundene Leiche des Mechanikers Die Verhandlungen in dem Prozeß gegen Scharmach und (xpelbofer lag. c « n k Genossen wegen der Methylalkoholvergiftungen konnten heute erst An der Augartenbrucke in W ie n wurde ein « agabunD mit zweistündiger Verspätung eröffnet werden, da der Angeklagte ausgegrüfen, von dem sich herausstellte, daß er mit dem fett Redomski, der sich auf freiem Fuße befindet, zur feitgefetrten ötei galjreii gesuchten Juwelendieb Fischon identisch ist, der Stunde nicht vor Gericht erschienen war. Es gelangten junaebu m Amerika für über 600 000 Kronen Juwelen Itagi. Emzelfälle zur Erörterung, die sich außerhalb des Asyls er- Ter zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurtellte Mönch Ma- eigueten. In den meisten Fällen konnten Die Saqveruaudigen . §ch hat dem Gericht ein Schreiben eingereicht, in dem er am feiistellen, daß der Tod auf den Genuß von Methylalkohol $urüd- Berufung gegen das vor einigen Wochen gefällte Urte i l v e r - iuführen war, während einige Fälle unaufgeilärt blieben. zichtet. Er will ein Gnadengesuch um Milderung der Der Sachverständige Sandmann, Mitglied der ®crlmer Strafe an den Zaren richten. Handclskammer und Vorsitzender des Fachausschusses für L-piri- In Wien versuchte der Offiziersburfche Zänker leinen Herrn, tuosenfabrikation sagt aus, daß Scharmach uno Zastrow als Fach-1 Hauptmann Goldmann vom 94. Infanterieregiment, leule wissen mußten, daß sie um 1,50 Mk. für den Liter Ietrt€n (n der Wohnung durch zwei Schupe zu toten. Beide echten Sprit beziehen konnten. In den Kreisen der deutschen gingen fehl, worauf Zenker lich selbst durch ernen Schutz SoirituofenfabrikaMen sei allerdings nicht bekannt gewesen. Daß ,n den Kopf schwer verletzte 4,a§ Motiv ist offenbar mache Ateihylalkohol ein solch scharfes Gift sei. Die Ballons, die Pcethol oder gekränkter Ehrgeiz, da der Hauptmann mit Zänker un- allrbol enthielten, seien auch nicht mit der Aufschrift „Gift ter- iUfricben war. 'eben Die Ansicht, daß der Methylalkohol nicht gütig let, wäre Aus der etation Porican kam es zwischen gwei Wach- auo,' durch Anzeigen ver Sprnogen- und Spirituoiiabcitonten teTn ,u einer Messerstecherei, wobei sie das Kommen eines icftärtt worden, die ihre Fabrikate als nicht schädlich bezeichneten, ^^ellzuqes überhörten. T-er eine wurde vom Zuge erfaßt Der Staatsanwalt führt demgegenüber einige Anzeigen aus Fach- schwer verletzt, seine zu Hilfe eilende Frau Häuern an, i.n denen ausdrücklich daraus ausnierkiam gemacht ' r er malmt. Tie ebenfalls zu Hilfe kommende AS Ä I»»-- lvieüer zwei Bankräuber. Der Direktor der Sicherheitsbehörde Guichard ließ heute nachmittag in Faubourg St. Honore zwei Leute in dem Augenblick verhaften, als sie den Kassenboten der Bank von Frankreich überfallen wollten. . . Paris, 1. Avril. Der Kassenbote trug eine Million in Banknoten und 50000 Franks in Goldstücken bei sich Es heißt, daß die Verhafteten mit Revolvern bewaffnet waren. Die Vereitelung des Anschlages ist insbesondere den von der Bank von Frankreich zum Schutz ihrer Kassenboten getroffenen Maßnahmen zu danken. Die Untersuchung hat er- .... . . geben, daß sich die beiden Verhafteten der Beihilfe eines ^gau]- Leihgebühren der Universitätsbibliothek, seurs versichert hatten, der nach verbrachten Ueberfall zur Flucht $$ Direktion der Universitätsbibliothek gibt durch Runddienen sollte. Ter Chauffeur konnte fich fedoch im letzten Augen- ^^^»1 bekannt, daß „vom 1. April ab auch an unserer Bib- blick kein Aulomobll verschaffen. Es wird gegenwärtig auf ihn I bad Entleihen von Büchern Gebühren eingeführt gefahndet. ... - . werden " Tiefe Gebühren werden erhoben von den Studenten — P aris, 1. Aprll. Die beiden Verhafteten heißen Co ulind Belegen der Vorlesungen — semesterweise und von „den und P r ev o st. Prevost legte et n do lles G estand n is ab nirf)t 6ur Universität gehörenden Personen", welche entweder für während Coulm hartnäckiges Schweigen bewahrt. Beide warteten ^oen Band beim Entleihen 10 Pfennige oder für ein Halbjahr seit zwei Uhr vor der Tur der,in öer Rue be 2ö°?tie gelegenen | Wnrf fiptnbTen müden. Dan diese, nach vreu- ©Iterliteratur. — „Vom Stift zum Handelsherr n", ein deutsches Kaufmannsbuch von F. W. Stern, das bereits in 13. Auslage er scheint und mit dem die Union, Deutsche Verftagsa nftal t in Stuttgart, bie Zahl ihrer vorzüglichen Schriften für die reifere Jugend aufs Neue glücklich,ergänzt bat, ist ein vortrefflich geeignetes Konfirmation«- oder Fcstgefchcnk für die her anwachs end. männliche Jugend, die sich dem Kaufmannsstande widmen möchle Es ist anregend, unterhaltend und lehrreich zugleich und sühn auch sachlich und gewissenhaft in die Welt des Handelsstandes ein, so daß Lust und Liebe für djc kaufmännische Laufbahn geweckl werden. — Theodor Körner wird in keinem Klassikerpvogramm fehlen dürfen. Es ist daher lebhaft zu begrüßen, daß der Tempel Verlag diesen früh verstorbenen Dichter, des,cn Andenken gerade in dieser Säkularzeit der Freiheitskriege wisder besonders unter uns lebendig wird, in seine Klassikerausgaben ausgenommen hai. Der Herausgeber, Dr. Heinrich Spiero, bat in den beiden schönen Bänden eine so sinnvoll geordnete Auswal)l vorgelegt, daß sie ir per Tat das Bild des Dichters aufs klarste herausarbeitet. Unter Den Dramen ist jede der von Körner gepflegten dramatischen Dichtungsarten vertreten. Daß Zriny, Rosamunde und Joseph Heyderich nicht schien, ist ja selbstverständlich. Körners Lyrik ist in ganz neuer Weise zu strafsgesaßten Abteilungen vereinigt nur trefflichen Ueberlcitungen. Den Beschluß des Werkes bilden die biographischen Erläuterungen des Herausgebers samt einer Auslese Körnerscher Briefe. Die Körner-Ausgabe des Tempel-Perlags wird zweifellos der lchhaftesten Zustimmung begegnen, als Kon firmations-Geschenk gibt es kaum etwas geeigneteres als diesen | neuen Tempel-Klassiker. Liirgesarldt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Schlange, die unter Blumen lauert, gleicht den Gefahren für die Gesundheit, denen man am L. -'M allen Spaziergängen, Ausflügen, Touren rc. ausgesetzt ift Ein Regenguß, plötzliche Abkühlung und die Unzahl sonnige, MW« Möglichkeiten können in einem Vergnügen in freier Natur ■■■ ein recht böses Nachspiel geben, und Me einfachste Vorucht gebietet, den Gefahren beizeiten vorzubeugen. DaS tut man, wenn man Fays ächte Sodener MineradPafttllen immer zur Hand hat und nach Vorschrift verwendet. Eine Schachtel ■■■ Sodener laßt sich beauem in jeder Tasche unterbringen um man kann sie überall für 85 Psg. haben. ssu/1D r. j I --------- nnnn wenn fie giuana) eine fege y.n|ituung vuuuyi, u»i omui X. Hanau, 1. Aprll. Stadtschulrat Hahne, der fe —-------------— .. ... und Gemeinde genug Steuern bezahlen. Eine Aufbesserung des dem 1. 2lpril 1908 hier wirkt, ist in Stettin zum Stadt- Budgets wird durch die Gebührenerhebung sicher auch nicht her- scblllrat aeroählt worden. Er wird diese Stelle am 1. Juli ' Verschleppt. Ein junges Mädchen aus Nör en b erg, beigeführt, da dafür die eingehende Summe doch zu gering- * 1 Kreis Ltargard in Pommern, meldete sich Freitag abend zum Be- fügig ist. Und für bie Ausleihebeamten ist es auch gerade kein anireien. suche ihres Bräutigams, eines Hilismiterbeamlen in Hannover, angenehmes Vergnügen, Benutzern, die vielleicht alle Schaltjahre Frankfurt, 1. 24)^11. Sne Ote Franrf. Üt»- 9 » L,, und kam wahrscheinlich nicht mit dem angetuntagten einmal einen Band entleihen, nach kaufmännischer Weise 10 Pfg. wird Oberbürgermeister ADickes am 1. ^uit aus Dem äuflCt Sie wurde vermutlich, well sie m Hannover abzunehmen. Die Hofbibliothek in Darmstadt hat bis jetzt noch städtischen Dienst scheiden. Ferner vernehmen wir, Daß fcemb roor, durch bisher unbekannte Personen in bte feine berartige Extra-Steuer eingeführt, wird es auch wohl nicht Herr Adickes seinen Wohnsitz vorerst in Frankfurt be- Ejienriede verschleppt, wo es am Samstag morgen 1Mußte sie denn unbedingt hier an der Universitätsbibliothc halten wird. Der Magistrat berichtet über die außer-rot auf gefunden wurde. Tas Mädchen soll ziemlich erheb- ^geführt werden? Ließ sich nicht auf anderem Wege etwas ordentliche Sitzung, die er heute abgehalten hat: Zu un- liche Wertsachen und Barmtitel bei sich getragen haben. Auf bie Uun, um die Mittel zur Bestreitung ber notwendigen Ausgaben ierem lebhaften und schmerzlichen Bedauern hat sich Ober- Ergreifung des Täters wurde eine Belohnung von öOO Alk. aud-1 unj) iur Neuanschaffung von Werken zu erlangen?____________ bürgermeister Dr. Adickes mit Rücksicht auf seinen Gesund- gesetzt. 93iäbriaer Heiratsschwindler. Old hellszustand veranlaßt gesehen, am 30^ v. M. den ^lnt^S das berühmte Londoner Polizeigericht, war vor einigen seiner Amtsentlassung ernzurerchen. Wir 2agen der Schauplatz einer hochinteressanten Verhandlung. Ein i W^ig, doch trocken, falt’ Nachtfrost, überzeugen müssen, daß Herr Oberbürgermeister Dr. Adrckes gzrühriger war angeklagt, einer Witwe, deren Alter leider ver-' nicht in der Lage ist, seinen Antrag zurückzunehmen unD Riegen wird, eine beträchtliche Summe Geldes unter der Vorweiter im Amte zu verbleiben, so sehr wir dies im Interesse spiegeümg abgelockt zu haben, daß er mit ihr den Bund furS Unserer Stadt gewünscht hätten, Die seiner Initiative und Leben zu schließen beabsichtige. Als Der alte Gauner nämlich tn seiner Tätigkeit so überaus viel verdankt. Nach den gesetz» den Besitz der Ersparnisse gelangt war, dachte er nicht im ent- lirlien Bestimmunaen beträat die Pension "/so von 24 000 ferntesten Daran, feine „Braut heirnzusuhren, fonDern verlebte Mark pensionsfähigem Gehalt, mithin 16 800 Mark yitptodq. ^ratiStoinDltr’Ttr^^el^tote d« Richte/?hn nannte0 bat I©tÄtfitttB 'bie Wirkung war ich ein- »i« Beaktribähe : bie St«btv er°rdn. t en- b« « .bn nan^ bat s Versammlung wolle fich damit einverstanden er- ^ens Aber es hals ihm nichts. Für 12 Monate mußte ec1 uuu H klären, daß für den Oberbürgermeister Herrn Dr. Adickes ind Zuchthaus wandern. A vom Tage seines Rücktrittes an 16 800 Mark Pension in den * Das Wachstum von Paris in Zahlen. Die Haushaltsplan eingestellt werden. Ergebnisse Der am 5. März erfolgten neusten Pari,er BolkSzaNung y - ___ — ergeben wieDer ein bedeutendes Anwachsen der Seinestadt. Parw umfaßt gegenwärtig 80 639 Häuser, 1123 634 Haushaltungen und liitWCrfitatS*4iaCT?t*tCI?Cen« hat eine Einwohnerzahl von 2 888 110 Personen. DaS Anwachfen — Prof. Weismanns Nachfolger. AuS Frei- in bcn letzten 110 Jahren veranschaulichen folgende bürg i. B r. schreibt man uns: Zum Nachfolger des Wirklichen QQ^en. Stadt hatte 1801 547 756 Einwohner; 1831 785 862; Geheimen Rats Prof. WeiSmann auf dem Lehrfiuhl der Zoologie 1 174 346; 1861 1696 141; 1872 1851 792; 1886 an der Universität Freiburg». Br. wurde: vom 1. «^»1; o 344 550* 1896 2 536 834; 1906 2763393. Das Seinedeparte- ab Professor Dr. Franz D o f l e i n von der UmoerfUat München ment eine Bevölkerung von 4 154 042 gegen 631808 berufen. Einwohner im Jahre 1801. 1 r"’J der Nachdem die wissenschaftliche Erkenntnis, daß insbesondere eine trinkbare Nahrung mit dem Grade ihrer seinen Verarbeitung an Appetitlichkeit und Verdaulichkeit gewinnt, auch ins Publikum gedrungen ist, wiederholen sich Inserate von Fabrikanten, die den Anschein erwecken, als ob die höchste, technisch erreichbare Kornfeinheit, die eine spezifische Eigenschaft der Reichardt-Kakaos darstellt, neuerdings auch von ihnen erzielt sei. Wir weisen demgegenüber darauf hin, daß sich durch Zentrifugalverfahren, wie sie sonst in unserer Industrie zur Anwendung gelangen, nicht im entferntesten das sonnenstäubchenseine Fabrikat erzielen läßt, wie durch das nur uns patentierte Luftdruckverfahren. Enthält doch 1 Gramm Reichardt-Kakao nach mikroskopischen Mefiungen vereidigter Fachgelehrter bis zu 20 Milliarden Partikelchen, eine Kornfeinheit, die andere Fabrikate auch nicht annähernd aufweisen. Alle sich mit diesen Tatsachen in Widerspruch setzenden Behauptungen anderer Fabriken bilden eine unlautere Reklame im Sinne des Wettbewerbgesetzes. Die unerläßliche Vorbedingung für die ideale Kornfeinheit des Reichardt-Kakaos besteht außerdem aber in einer ungemein sorgfältigen Behandlung und Reinigung des Rohmaterials. Schon die Auswahl der Bohnen beim Einkauf geschieht nach Grundsätzen, die weit über den Rahmen der sonst im Kakaohandel üblichen Qualitätsprüfung hinausgehen. Ebenso peinlich wird bei der Reinigung der Bohnen verfahren. Indefien nicht nur um der Erzielung höchster Kornfeinheit, sondern auch um der Appetitlichkeit willen befolgen wir hierin bereits seit jeher auf das genaueste die Vorschriften, die auf den internationalen Kongressen leider immer noch erst als erstrebenswertes Ziel ins Auge gefaßt sind, und beseitigen dadurch im Kakaogetränk den ungenießbaren Bodensatz völlig. Die in Betracht kommenden Vorschriften gehen dahin, daß die Rohbohnen nach der Röstung nicht nur von ihren Schalen, sondern auch von den die völlige Reinheit und den Genußwert beeinträchtigenden Samenhäutchen und Keimen befreit werden sollen. Wie weit die übrige Industrie bei ihrer Fabrikation im allgemeinen von diesem Reinheitsideal entfernt ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß sich ihre Reinheitsvorschriften darauf beschränken, lediglich eine Entfernung der Schalen zu fordern. Die sorgfältige Auswahl und peinliche Reinigung des Rohmaterials fetzt uns in den Stand, ebenfalls mit vollstem Rechte zu sagen: "