Nr. 142 Erscheint lägllch mit Ausnahme des Sonntag». ige Garantie Telephon 441 Tie „Siebener Zamilienblatter" werden dem .Anzeiger' viermal wöci entlich beigelegt, da» „Kreisblatt fSr den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit« fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Weit unter Preis — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Tie freie Bereinigung Darmstädter Künstler beabsichtigt aus Anlaß des kürzlichen 70. Geburtstages ihres Ehrenmitgliedes Eugen Bracht im Städtischen Ausitellungs- gebäude auf der Mathildenböhe eine Br a ck l - Ä u s >le l l u ng zu veranstalten. Ten Ehrcnfchutz hat der Grostyerzog i rnommtn. Tie Eröffnung der Ausstellung ist für den 20. Juli in Aussicht genommen. schränkt. Tas Streben muß danach gehen, die Unzuverlässigkeit: des menschlichen Geistes durch Gegenmaßrcgeln auszugleichcn, denn sie auSzurolten, wird stets unmöglich bleiben. Vcrbcijcrurigcu der Betriebssicherheit sind nach Zteyes datier auch nur m mecha« nischen Vorrichtungen zu suchen, die unabhängig vom Menschen automatisch die von einem Beamten begangenen Fehler ver- bessert oder deren Folgen aushebt: etwa m Weichen, oie nur einmal benutzt werden können und sich dann wieder automatisch schließen, oder in Signalen, die sich nicht daraus beschränken, dem Lokomotivführer Die Sperrung einer Strecke anzukunoigen, sondern die zugleich, vielleicht auf elekirisck-em Wege, den Zug automatisch zum Stehen bringen, sobald das Signal aus „gesperrte Fahrt" steht. In diesem Zusammenhänge darf auch darauf hingewiesen- werden, daß die Betriebssicherheit der Eisenbahn in oen letzten Jahrzehnten gewaltige Forrschrine gemacht har und daß die Eisenbahn verhältnismäßig viel weniger Opfer ,ordert, als die harmlose alte Postkutsche. Statistische Untersuchungen haben g. zeigt, daß auf die gemächlich durch das Land trabenden Postkutschen der guten alten Zeit 14 mal mehr Reisende gelötet und 20 mal mehr Reisende verwundet wurden, als aus den Eisenbahnen. Tie amtliche Statistik der Eiscnbahnunsallc gibt m der Tat ein erfreuliches Bild. Ttr Betrieb ist am sichersten in Tcursch« land: hier zählte man tm Jahre 1906 auf eine Million Reisende nur 0,08 Todesfälle und 0,39 Verletzungen. Schon für Lestcr- reich-Ungarn lauten die entsprechenden Unfallzahlen 0,12 und 0,96, für die Schweiz 0,15 und 1,12. Ungleich ungünstiger liegen die Verhältnisse auf den russischen Eisenbahnen, wo aus eine Million Reisende 0,99 Tote und 3,93 Verletzte gezählt wuroen. In Amerika dagegen ist die Zahl oer Toten aus eine Million Reisende 0,45, wahrend die der Verletzten 0,59 beträgt. politische Tagesschau. Ter bayrische Zrfuiteuerlaß doch nicht fuipenbiert? Tic Berliner „Germania" verzeichnet mit Genugtuung eine Meldung des ,,'5q.;er. Eouricrs", wonach die Annahme, der bayerische Jesuiten erlaß sei bis zur Entscheidung des Bundesrats suspendiert, durchaus un- richtig fei; der Erlaß sei nicht suspendiert, wie dies auch der bayerische uultusministcr Tr. v unilling mitackilt ljabc. 'Jiun wissen wir nicht, wann und zu luent Minister v. Knilling eine Mitteilung dieses Inhalts gemacht hat. Aber auch abgesehen davon, muß die Meldung des „Bayer. Eour." Ausseheii und Befremden erregen. Tic von ihm als unrichtig bezeichnete Annahme basiert bekanntlich aus den amtlichen Mitteilungen, welck)c R e l ch s t a n z l e r v. B e t h- m an n-Holl weg am 26. April d. I. dem Reichstage in seiner Beantwortung der Anfrage Bassermanii gemacht hat. Herr v. Bethmann-Hollweg hat damals wörtlich gesagt: „Tcnt Bundesrat liegt ein bayerisck)cr Antrag, den Begriff der Ordcnstäligkeit authentisch zu interpretieren, vor. Dafür daß bis zum Ergehen dieses Bundescatsbeschlusses auch m Bayern die Anwendung, die Handhabung des Gesetzes auf Grund der bisher im ganzen Deutsck-cn Reiche besteheiiden Uebung weiter erfolgt, hat die kgl. daher. Regierung Vorsorge getroffen . . . Bis zum Ergehen des Bundesratsbeschlusses wird der § 1 bc5 Jesuiten- geseyes im ganzen Deutschen Reicks gleichmäßig angerveudet werden und für die Zeit danach wird der vom Bundesrat zu fassende Beschluß die einheitliche Grundlage bilden." Hiernach kann, so bemerkt die Natl. Korr. ganz richtig, kein Ziveifcl bestehen, daß die bayerische Regierung dem Reichskanzler, als derjenigen Instanz, welcker vcrfasiungs- gemäßüdie Kontrolle über die Ausführung der ReichsgesetzL obliegt, die verbindliche Erklärung abgegeben hat, die bayerische „Interpretation' des tz 1 des Jesuilengesetzes bleibe bis zur Entscheidung des Bundesrats suspendiert. In welcher Weise das Ministerium Hertling entsprechende Vorsorge getroffen ljat, ist u. W. allerdings nicht bekannt geworden. Doch hat man dem bisher weitere Auf- merkfamteit nicht zugcwandt, da man in die Loyalität des Ministerpräsidenten eines deutschen Bundesstaates ohne weiteres Vertrauen zu setzen gewohnt ist. Wir möchten deshalb die Mitteilung des „Bayr. Eour." vorderhand als apokryph anschen. Tie Bestimmtheit allerdings, mit der die Meldung auf tritt, und die Bezugnahme aus den bayerischen Kultusminister machen es unerläßlich, daß entweder von Bm-crn aus eine unzweideutige amtliche Erklärung erfolgt oder dag sich die „Nvrdd. Allg. Ztg." der Angelegenheit annimmt. vorüber sein müsse, er handelte, wie er nach Gewohnheit und Fahrplan stets zu haiideln pflegte, und das Unglück war ge schehen. Tiefer traurige Fall ist wieder ein lel/rreiches Beispiel dafür, daß die tvenigsten Eifenbahnkatastropheir am technische Mängel zurückgehen: die Ursache von weitaus Den meisten Bahn- Unfällen ist und muß seiner Natur und seinem ganzen Wesen nach der Mensch sein. Ter amerikanische Eisenbahningenieur Key es hat vor einiger Zeit lehrreiche Untersuchungen über die Psychologie der Eisenbahnunfälle herausgegeben, die sich mit der vermeintlichen „Fahrlässigkeit" besäxifrigen, die bei den meisten Katastrophen die entscheidende Rolle stielt. Fast immer ist diese „Fahrlässigkeit" nur eine Augenblicksschwäche des Gehirns, wie sie jeder un täglichen Leben an sich immer wieder beobachten wird. Mit der Erkenntnis, daß eine Vorschrift von einem Beamten nicht genau befolgt worden ist, kann man sich dabei nicht begnügen: fast immer wird der Psychologe ziemlia» fier die Ursachen aufweisen können, die in den einzelnen Fällen zu Dem augenblicklichen Versagen der Intelligenz, Der Aufmerksamkeit oder des Gedäckunisses geführt haben. Fast alle Eisenbahnkatastrokchen gehen in ihren letzten Ursachen auf irgend einen Vorgang zurück, der Den altgewohnten täglidrtn Ablauf des Betr.eoes unterbrochen bat. In Jefferson zwang ein Berechnungsfehler des Lokomotivführers den Weichensteller ju einem plötzlichen ungewohnten Entschluß, in Malmstädt durchbrach eine ungewohnte Zugverspätung den gewöhnlichen Gang des Betriebes: bei allen ttataiwovhen wird man fast immer finden, daß^irgendeine Abweichung von der mechanifchen Gleichmäßigkeit des TageslaufeS den Keim uim Unglück in sich trug. So lange die Dinge von der Alltäglichkeit nicht abweichen, ist die Gefahr gering; sobald aber irgend etwas nicht Alltäglichcs eintritt, nimmt die Möglichkeit eines Unfalles zu. Dabei ist es belanglos, ob diese ungewohnte Besonderheit aus einer Verspätung entspringt, ob aus d:r Einschiebung eines sonst nickt laufenden Sonderzuges oder ob ein unerwartet anders stehendes Signal plötzlich die Aufmerksamkeit eines Beamten auf sich lenkt und damit am Sekunden ober Minuten aus bem gewohnten Gc- dankengeleise reißt Mit dieser „Unsicherheit des Menschengeistes" wird man immer rechnen müssen, und der .stampf gegen die Gefahr der statastrophen wird nie Früchte tragen, so lange er sich nur auf die Entlassung der „Schuldigen" und aus die „Verbesserung" des Betriebes be- Mittwoch, 19. Juni (912 Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unioerstiätr - Buch- und Cteiudruckerci. R. Lange, Gießen. pcbilbetc Mannschaftsbestand durch die Entlassung der R.- servisten und Einstellung von Rekruten sehr gering ist. ES wäre überhaupt wohl zweckmäßiger gewesen, wenn daS ganze Fußartillerie Bataillon nach Borkuin gelegt worden wäre, und nicht zur Hälfte nach Etnden. ES würde dann auch der jetzt sehr lästig empfundene Wechsel zwischen den einzelnen Batterien fortfallen. Die Verstärkung der Infanterie auf eilt volles Bataillon dürfte ebenfalls nur eine Frage der Zeit sein. Als empfindlicher Mangel hat sich herauSgestellt, daß weder Borkum noch Emden Flottenstützpunkte sind, und daß sich dort nicht dauernd Teile der Marine befinden. Dabei ist natürlich nicht an große Kriegsschiffe zu denken, sondern an Auftlärungsschisfe, Torpedo- und Unterseeboote. Auch ein Teil bet Ji inenadteilung müßte hierher verlegt werden. Es ist keine Gewähr dafür gegeben, daß diefe Steile rechtzeitig aus Euxhaven. herai:- gesuhrt werden können. Wenige stunden können hier von entscheidender Bedeutung sein. So bat auch diese Hebung wertvolle Erfahrungen gegeben, wie unser Küstenschutz noch zu verbessern fein durste. Je besser er ausgebaut wird, desto schwieriger wird es dem G« gner werden, sich einer It tiflen und eine Blockade der deutschen Küst—t durchzu- führcn. ■12.50 Krieg im $rieöen aus Borkum. AuS Borkum wird uns geschrieben: Ein ungeivohntcs militärisches Leben und Treiben auf unserer Insel. Es ist, als ob wir uns wirklich im Kriegszustand beiinden. sticht nur die fyiefige Garnison wird plötzlich alarmiert, fonbem auch die Beurlaubten sind ein- gezogen, und zahlreiche Dampfer bringen Truppenverstärkungen von dem Festlande herüber. Verwundert blicken die Badegäste, von denen schon ein ganzer Teil auf der Insel eingetrofieu ist, auf das ungewollte Leben Eine Zal)l hoher Offiziere mit ihren Stäben erscheinen. Da ist der Kommandierende General des 10. Armeekorps Exzellenz Emmi d).3ini> viele Generalstäbler — „himbeerfarbene" nennt fie der Armeewitz, in seiner Umgebung. Aber es ist keine Urfadfe zu irgend welcher Beunruhigung. Kein Krieg ist mit England, sondern krieg im Frieden ist es, was sia) da vor unseren Augen abspielt. Es ist eine größere Uebung, bei der Armee und Marine flcmcinjam operieren, und bet der die Fraga geprüft merben soll, ob die Verteidigungs- einrichtnngeu von Borkum genügen, ob die Küstenschutz- Maßnahmen ausreichend sind, um eine feindliche Lairdnng zu verhindern. Gleichzeitig sollte dabei eine Art Probe- Mobilmachung abgehalten werden, um zu sehen, ob die aus dem Papier fo sorgsam und eingehend vorbereiteten Maßnahmen sich, auch wirklich durchführen ließen. Borkunh. die große dem Tollart und der Emsmündung vorgelagerte Insel, besitzt für einen Gegner, der die beul- scheu Shifteir blockieren will, einen großen Wert als Ltütz- puntt. Es mttß deshalb damit gerechnet werden, daß der Feind sofort bei KriegsattSbruch versuchen würde, sich in den Besitz dieses Eilandes zu setzen. Um dies zu verhindern, ist Borkum in den letzten Ial)ren stark befestigt worden. Versteckt im Dunengelande liegen Batterien, die mit den schwersten Listen gesckMtzen armiert sind, um einer feindlichen Flotte einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Eine ständige Friedensgarnison ist au| der Insel unter- gebracht, und noch in letzter Zeit wurde sie beträchtlich vermehrt. Sie besteht jetzt aus zwei Infanteriekompagnien, einer Maschinengeweyrl'ontpagnie und aus zwei Batterien Fußartillerie. Das Fahrwasser soll durch Minen gesperrt iverden. ES ist anzunehmen, daß auch die auf der Insel lebenden wehrpflichtigen Mannschaften des Beurlaubten- standes sowohl des HooreS wie der Marine bei Ausbruch von Feindseligkeiten sofort, zur Verteidigung der Insel heran- gezogen werden. Nack) den Erfahrungen der letzten Kriege muß man mehr wie früljer mit einem strategischen Uebersall als Feldzugs Einleitung rechnen. Deshalb muß die Garnison selbst einen hohen Grad von Kriegsbereitschaft besitzen. Außerdem müssen alte Vorbereitungen getroffen sein, daß auch vor Erlaß des allgemeinen Mobilmachungsbefehles und lieber^ gäbe der cigvntlid)ei: Kriegserklärung sofort Verstärkungen aus der nächsten Garnifou l-erangeselzafft werden können. Tiefe Maßnahmen müssen schon im Frieden so getroffen sein, daß cs im Bedarfsfälle keiner langen Befehle mehr bedarf, fonbem daß eine kurze telegraphische Mitteilung genügt, daß alles sich wie von selbst abwickelt. Dies alles sollte bei dieser Hebung erprobt werden. DaS Geheimnis der Uebung war so gut bewahrt, daß außer der Leitung niemand etwas davon wußte. Wir Badegäste wurden davon ebenso wie die Truppen vollkommen überrascht. In manchen Standorten deS Festlandes waren die Bataillone zu Schießübungen ansgerückt und mußten erst in ihre Garnisonen zurückgeholt werden, um mobil zu werden und sich kriogsg^mäß auszurüsten. Das weit vor gesck-obene Feuerschiff meldete telegraphisch an die Kom mandantnr der Insel Barium und an das Generalkommando in Hannover das Aus tauchen feindlicher Kriegsschiffe, die ihren Zkurs auf Borkum nahmen. Darauf wurde sofort der Kriegszustand auf der Insel proklamiert: Tic Batterien und die Küstcnwachcn wurden besetzt, die Garnison in Alarmzustand gebracht, die Mannsck)asten des Beurlaub- eijcnbafjiitataftropijen. Die tragifdjc Katastrophe bei Malmstädt, wo der gewöhnlich stark besetzte Nachtschncllzug Malmö-Stockholm durch falsche Weichcnstcllung mit voller straft auf einen Güterzug stieß, weist eine eigenartige Aehnlichkeü mit einem amerikanischen Eisenbahnunglück aus, das sich vor einigen Jahren bei der Station Jefferson ereignete und das damals zu umfangreichen vwchologiickien Untersuchungen über die Ursachen derartiger Unglückssälle führte. Wie bei Malmstädt geriet Der in voller Fahrt dahin,türmende schnell- zug durch ein Versehen in der Weichenstellung aut ein salsches Geleise, und der einzige Unterschied zwischen den beiden Katastrophen liegt darin, daß der schwedische Expreß au, seiner Bahn au, einen Güterzug stieß, während der amerifanüdx Zug einen Prellbock überrannte und mit sämtlichen Wagen einen steilen Ab- I>ang hinabstürzte. . . _ . Wie Malmstädt besaß auch Jefferson cm doppeltes Seiten - geleise, aus dem Güterzüge abgefertigt wurden. Ton wiegte nun ein Lokalzug täglich einige Güterwagen von Jener,on mit» zunehinen Dabei wird die Lokonwtive des Zuges abgekoppcll, fährt über die eingestellte Weiche auf das Nebcngelei'e, letzt sich vor die Güterwagen und schiebt sie dann vor den im Bahnboi. bereitstchenden Personenzug. Tie Weiche wird dabei von einem besonderen Beamten bedient. Ter Zu,all nnll. dav cuicv -lagcs die Zahl der mitzunehmenden Güterwagen groyer i,t als ,on,t. Der Lokomotivführer setzt die ungewohnte größere range ter Wagenkettc nicht in Rechnung, fährt mit etwas zu viel krart, so daß ein zu harter Zusammenstoß mit dem Per,oncn;ug bevor- auftelien scheint. Ter Weichensteller bemerkt dtcicn :.iangel an Berechnung, springt auf einen der vorbereitenden Wagen und bremst. Diese Notwendigkeit eines ungewöhnlichen entununc» reißt ihn aus der meck)anischen Gleichmäßigkeit lernet taglidicn Verrichtungen, seine Ausmerksamkclt wird au, «nen Augenbluck abgcleiift, und er vergißt, die Weiche wieder umzu,tell>.n. (Stunde später brau ft der Expreß Durch Die ^wnon, gerat, lurch die Stellung der Weiche auf das Nebengeleue, und eine iurdit bare ^Katastrophe ist geschehen. Auch bei Malm,tadt ha! ein l n- gewöhnlichkcit, eine Abivcichuni) von dem geivohnlichen^ -ck laj des Betriebes, unmittelbar zur .'tataitroplje geführt , da «ahulUiy hatte die ungcnwhnl.che Verspätung von mehr eimr sliinD.. und dem Führer des Güterzuges beherrschte geivohr.b. tinauig i Gefühl, daß der Nachiexpreß wie immer um dieje Z^u langu ®’ut. | Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schiil- strnve 7. Expedition imb Verlag: fcÄ31. Redaktion: ead 112. Tel.-Adru AnzeigerGleven. Zweites Blatt 162. Jahrgang Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oderhejsen iinl1’*1,-tiii u”- ■ i äs; OUS’rS» . enuLÄl s w®- 1 I sei»»"1® ausgerüstet und bekleidet. Es stellte dies eine ansehnliche Verstärkung der Garnison dar. An die nächsten Garnisonen des Festlandes Aurich, Emden, Oldenburg, Osnabrück, Hildesheim erging der Befehl, Verstärkungen nach Borkum zu senden. Tie Eisenbahn batte Militär-Extrazüge zu gellen, aus denen die mobil gemachten Truppen nach Emden befördert wurden, vier war inzwischen auf dem Bahnhofe eine Bahnhofs- lommandantur ins Leben getreten, j)ic den ganzen Betrieb ubccnal)in. Tas gesamte dienstfreie Eisenbahnpersonal wurde zum Tienst beordert, um den gesteigerten Betrieb ordnungsgemäß beivältißcn zu lönnen. An die Reedereien erging der Auftrag, alle verfügbaren Dampfer für den Truppentransport zur Verfügung zu stellen, und obwohl bei dem größten Teil erst Feuer angemacht werden mußte, gelang es doch, alle enttreffenben Truppen ohne Verzug weiter zu befördern. 8 Stunden nachdem die ersten feind» lieben Schiffe gemeldet waren, traf der erste Truppentransport bereits auf der Insel ein. Mit einem Wort: es batte alles vorzüglich geklappt. Wir Badegäste waren in Borkum an den Strand geeilt und ballen uns auf den höchsten Erhebungen der Duneu- lette aufgestellt, um ja nichts zu versäumen. Der ganze Strand wurde mit Strandwachen besetzt, die scharfen Ausblick nack) der See hin hielten. Auch auf dem Leuchtturm zog ein militärischer Beobachtungsposten auf, der von den Wächtern unterstützt wurde. Ein Marinefernrohr wurde ausgestellt, um jedes an kommende Schiss erkennen zu können. Elettrische Leitungen verbanden diesen wlchttgen Posten mit der Kommandantur und den einzelnen Werken. Manche Maßnahmen, wie z B baä Auslegen 2er Minen, konnte freilich nicht ansgesührt, sondern nur angeoeütet loeröcn. Tic kleine Bahn, die den Hasen mit der Badestadt vor bindet, wurde in üerftärtten Betrieb genommen, um die antommenden Truppen schnell nach ihren Bestimmungsorten zu bringen. Trotzdem sic auf eine derartige Massenbeförderung nicht eingerichtet war, entsprach sie doch allen berechtigten Anforderungen. Unterdessen hatte sich der Gegner, der von der Uebungs- flotte dargeftellt mar, der Insel genäl-ert. Er stellte unsere Geduld auf eine harte Probe, dein, er wartete bas Eintreten der Nacht ab, ehe er fich auf wirlfame Schußweite heran ivagte. Aber wie eine Mauer blieb das Publikum auf seinen Posten. Tic Scheinwerfer entdeckten den Gegner aber, trotz aller seiner Vorsicht und trotzdem er alle seine Lichter abgcblenbet hatte. Und nun begann ein heftiger Geschütz kampf, der mehrere Stunden dauerte. Auch die a n g r e i f e n d c 51 o 11 c ließ ihrc^Scheinwcrser spielen, um die im Dünengelände liegenden Batterien zu entdecken und unter Feuer zu nehmen. Gegen Morgen wurde an genommen, daß das Feuer der Strandbatterien iiicbcr- gekämpst sei, so daß cs dem Angreifer möglich war, ein L an dun g s k o r p s auf kleinen Booten gegen die Insel vorzutreiben, das nach der Landung die einzelnen Werke stürmte. Damit batte die interessante und lehrreiche Uebung ihr Ende erreicht. Allgemein waren wir aber der Ansicht, daß unter den vorliegenden Verhältnissen eine Landung schwerlich Erfolg gehabt hätte, und daß das schnelle Nieder- kämpfen der rtüfhmarlillcric nur angenommen worden war, um die Hebung in der beabsichtigten Weise zu Ende zu führen. Immerhin wird zu erwägen sein, ob die jetzige Garnison der Insel genügent) ist, oder ob es notmenbig ist, sie zu verstärken. Die Heranfülfrung der Truppen aus den rückwärts gelegenen Garnisonen gelang sehr schnell. ES lagen aber auch sehr günstige W i tt e r u n g sv erhält n i s s c vor. Bei starkem Winde, hohem Wellengang, bei dichtem Nebel dürfte sehr viel mehr Zeit dafür verwendet werden nmssen. Eisgang kann die llcbcrfübrung der Truppen direkt unmöglich inadfcn. Das ist umfv schwerwiegender, als diese ungünstigen Momente gerade in den Zeiten des Herbstes und des Winters einzntreten pflegen, wo der aus- Pöstchen \ * V Ich M enorm Ä Gelegenheils Kaufhaus ® 14 Babuin®'' k> Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. US Well« & eo 18 19. + US ' C. KavonSeise ganz- ohne SodaH eine neuartige Haushaltseife von fabelhafter Waschkraft ao Pi Juni 191? 93 79 91 W W still 10 10 5 12,3 11,6 9,9 ll 156 17 2 12,6 2 2 still ♦ Automobilunfällc. AuS Moskau wird gemeldet: ihm doch einige Zeilen aus seinem Material zu diktieren, was der Zeuge auch in dem Umfange von etwa 5 Zeilen getan habe. Er selbst habe dem Angeklagten aber kein Material zur Verfügung gestellt. In einer groß inszenierten Ltadtvcrord- netcnsitzung wurde beschlossen, Hirsch aufzufordern, sein Material der Bürgermeisterei einzureichen, damit man die Angelegenheit prüfen könne. Ter Zeuge hebt dann zwei Fälle vor, in denen die Frau Schapiro sich seiner Ansicht nach habe Uebcrgrine zu Schulden kommen lassen. Ucberhaupt hätte sich die Frau Schapiro zu große Machtbefugnisse ungeeignet. Ter Zeuge erwähnt ferner, das; er auch mit dem früheren Oberstaatsanwalt Puff über dielen Fall gesprochen habe. Auch dieser sei der Meinung gewesen, daß die Tätigkeit der Polizeiagentin Anlab zu Klagen gegeben hätte. Solche Zünder gedeihen luirfliri), deren Ernährung und Ber dauung durch Nestle'S Ämbcrmcbl geregelt ist. Erhältlich in Avo theken, Drogerien rc. -u Pt. 1.40 per Dose und 75 Pf. per'/,Dos« Probcdose an jedermann durch Nestle S flinbcrmebl G. m. di. Berlin W. 57, gratis und franko und ohne verpfltchtnag. Lnfticbiffahrt. Zum Brande des Z. III. Friedrichshafen, 18. Juni. Wie die Untersuchung ergeben Hal, ist die gestrige Explosion an dem Luftschiff 3- III aus die Selbstentzündung von Knall- G a s beim Entleeren der letzten Zelle zurückzuführen. Tas Luftschiff' ift Mitte Juli wieder abnahmefähtg, da der Unfall zur Vornahme einiger anderen gröberen Bauten benützt werden soll. Der eine der beiden verletzten Arbeiter befindet sich bereits wieder zu Lause, cs wurden ihm etwas die Haare versengt. Der andere liegt nod; mit einer Landverletzung im Krankenhause, befindet sich aber verl)ältnismäbig wohl. '48,6 <49,6 750.8 der Eisenbahnarbeiter geschehen und sic zu prüfen sei diePflicht jedes Abgeordneten. Er könne im Namen seiner pottwchen fyreunDe bas Versprechen geben, baß sie im Rahmen des allgemeinen Interesses gerne die Wünsche der Eisenbahner unterstützen nmrdcn. Bahnhofsvorsteher Fiedler betonte die Wrclsttgkcrt der Magensragc und sprach namentlich über die Wirkungen der Reichs- sinanzre'ornr. Man sei bei ihr von bcm Grundsatz ausgegangen, dab die mittleren und unteren Schichten die Haupttaiten zu tragen gehabt hätten. Im letzten Reichstag habe man steuern gemacht, die die Lebenshaltung auf das schwerste beein'lußten. Als der Redner allzusehr auf die Rciä^srnanzreform und bic Stellung der volitisch-cn Parteien zu ihr einging, wurde er vom Vorsitzend, u gebeten, von politischen Erörterungen Abstand zu nehmen Ter Redner besprach dann die Verhältnisse der Etsenbahnarbcstcr und Bediensteten und schloß mit der Aufforderung zum Emtrul in die Organisation: 3 bis 4 Verbände genügten aber für die Eisenbahner, man brauche ja nicht 60. , Verbandsvorsitzeuder Ickler führte im Schlußwort aus, daß man hier in einer wirtschaftlichen Organisation die Politik aus bcm Spiel lassen müsse Zu fordern sei, daß der Verschiebung der winscl-afttichen Verhältnisse durch eine entsprechende Lohnerlwhung Rechnung getragen werde. Ter jetzige EisenbahnnnnMer trete durchaus für seine Beamten und Arbeiter ein, doch finde das seine Grenze an den wirtschaftlichen Verhältnissen. ?roS,rlDobnung,' ”mm^beS,,Cr-.&c te»LS?nole -^ j-idUlt inÖPr Bei einer Äutomobilfahrt, an der drei Herren und die Schauspielerin ttißnowski beteiligt waren, entstand eine Explosion. TieSchauspielerin wurde g c t ö t e t, ein Herr schwer, die beiden anderen leichter verletzt. — Nach einer Meldung aut Innsbruck geriet ein mit acht Passagieren besetztes Postauto- mobil bei To blach über den Stras;enrand und stürzte ab. Eim Insassin wurde schwer, die anderen Passagiere leicht verle-t * Kinematographische Schiebscheiben. Auf dm Schiebplatz von Vincennes wurden gestern von einer Kompagnie des 46. Infanterieregiments interessante Versuche vor- genommen. Die Soldateii seuerteil aus einer Höhe von Hunden Metern auf eine Schießscheibe, auf die kinematographisch bewegte Figuren projeziert wurden. Man stellte fest, dab fast alle Kugeln trafen. StSihi/ett 1. WLM ,lc.ten sW-L .SNel c^ont Der Prozeß Schapiro-Hirsch. Darmstadt, 18. Juni. Der Prozcst gegen den Herausgeber des „Mainzer Neuesten Anzeigers" scheint gewaltig an Interesse bei dem Publikum verloren zu haben. Als Landgerichtsdirektor Nagel mit den vier Beisitzern Dr. Tenn er, Dr. Wolfs, Tr. Lehr und -tr. Güngcrich den Gerichtssaal betritt, sind im Zuschauerraum kaum 10 Personen anwesend. Vor bcm, Zm'chauerraum, bcm sogenannten Zeugenraum unb vor den Schranken des Gerichts selbst entwickelt sich ein lebhaftes Treiben. Die Prcne scheint grobes Interesse an diesem Prozesse zu nehmen, beim sic hat viele Vertreter entfanbt, für die die vorhandenen Plätze bet weitem nicht ausreichen. Trotzdem die Geschworenenbank unbennht stehl, gestattet der Vorsitzende den Pressevertretern nicht, hier Platz zu nehmen, sondern hat neben bcm bereits vorhandenen kleinen Preife- tisch einen ebenso großen vor die Zeugenbänke stellen lassen, io baß viele Pressevertreter während der ganzen Verhandlung ihr Amt stehend ausüben müssen. Um 1 .10 Uhr eröffnet der Präsident die Sitzung. Er gibt bekannt, das; 170 Zeugen geladen sind. Ferner fragt er, ob man sich damit einverstanden erklären wolle, daß der Prozeß gewissermaßen in einzelne Fülle zerlegt werde. Ter Angeklagte Hirsch und seine Verteidiger Justizrat Bern stein, München, und der Rechtsanwalt Dr. Bopp, Darmstadt, sowie bte Vertreter der Nebenkläger Rechtsanwalt Tr. P a g e n st e ch e r , -r r. Ganic und Dr. Löwen berg crHärcn sich damit einverstanden. Man >vird also-zunächst allgemein verhandeln und im weiteren Verlauf des Prozesses soll dann auf die besonderen Fälle cm» gegangen werden. Zunächst werden als Zeugen auigerufen unter anderen die beiden Nebenkläger Frau Schapiro und Beigeordneter Berndt. Dann wird der Erössnungsbeschluß verlesen, zu dem sich der Angeklagte Hirsch im allgemeinen äußert. Nach dem Erscheinen seines ersten Artikels, der für die Frau Schapiro günstig lautete, habe er eine ganze Reihe von Zuschriften erhalten, die ihm sagen mußten, daß es wohl doch nickst so glatt abginge, wie cs den Anschein hätte. Danach sind ihm bann Dinge zu Ohren gekommen, die ihn veranlaßt hätten, sich einmal näher mit fber Sache zu befassen. Jrgeiidwelck-c unlauteren Motive hätten ihn zu diesen Anklageartikeln nicht bewogen, er hätte lediglich das Interesse der Stadt Mainz im Auge gehabt, und was er durch seine Artikel habe erreid)en wollen, das habe er erreicht. Die Sittenbehörde in Mainz sei besser geworden. Der Vorsitzende bemerkt, daß die Anklage ja vor allem behaupte, daß seine Artikel sich mit der Sittenpolizei eigentlich nicht beschäftigen, sondern daß sie persönliche Beleidigungen enthalten. Hierzu bemerkt Hirsch, daß er sich nur gegen persönliche Angriffe gewehrt habe. Seiner Ansicht nach hätten die nächtlichen •streif* züge einer Dame einen Stich ins Sexuelle. Ferner sei ihm von dem Beigeordneten Berndt der Vorwurf gemacht worden, daß er i Angeklagter) sich in seinen Jagdgründen gestört fühle. In diesem Ausdruck müsse er eine persönliche Beleidigung erblicken. Aber nicht er allein liebe das Empfinden gehabt, als wollte Berndt ihn mit diesem Ausdruck treffen, auch andere Personen seien dieser Ansicht gewesen. Der Vomtzende fragt dann den Angeklagten, ob er alle Artikel allein geschrieben hätte. Dieses verneint der Angeklagte, nichtsdestoweniger aber übernehme er die völlige Verantwortung für sämtliche Artikel. Es wird dann die Frage aufgeworfen, warum der Angeklagte nicht sein Material zur Aufklärung dem Beigeordneten Berndt, wie dies verlangt wurde, übergeben hätte. Ter Angeklagte sagt, daß der Beigeordnete Berndt auf feinen Fall der geeignete Richter in dieser Sache sein könne, da er selbst zu stark interessiert sei. Auch habe er dem Beigeordneten Berndt nickst die nötige Objektivität zugetraut, weil dieser vorher gesagt hätte, daß fein Material in nichts zerfallen würde. Danach werden die infriminierten Artikel, Berichte über die Stadtverordnetensitzungen und eine Anzahl Zuschriften unb Presse äußerungen verlesen. Der Angeklagte äußert sich bann auch über das gegen ihn schwebende zweite Verfahren, bleibt aber auf bcm schlechten Platz des Journalistentisches unverständlich. Es tritt bann vor 1 Uhr eine Mittagspause bis um 3 Uhr ein. Bei Beginn der Nachmittagssitzung nrirb sogleich mit ber Zeugenvernehmung begonnen. Erster Zeuge ist der Oberstaatsan walt Tr. Schwarz, der sich Über die Tätigkeit der Frau Schapiro äußerst lobend ausspricht. Ein weiterer Zeuge, Amtsgerichts rat Kolb, stellt der Nebenklägerin gleichfalls das beste Zeugnis aus. Ter folgende Zeuge ist der Justizrat Horch: Er behält sich vor, nur auf die Fragen Antwort zu geben, auf die er als Rechtsanwalt ohne Bedenken antworten könne, da er mit Berndt vertrauliche Gespräche geführt habe, von denen er an nehme, daß sie in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt geführt wurden. Zur Sache selbst bekundet der Zeuge, daß er sich in der Stadtverordnetenversammlung gegen die Anstellung der Frau Schapiro ausgesprochen habe. Dem Zeugen sind mehrere Fälle bekannt geworden, die sehr gegen bic Frau Sckmpiro sprechen. Nach dem Erscheinen bes ersten Artikels bes Hirsch habe er mit bicsem über die Angelegenheit gesprochen. Hirsch habe ihn bann gebeten. Vermischte». * Schmugglerfrechheit. Am Montag vormittag um i'410 Uhr wurde in Ulm ein Sckmtzmann von einem Automobilisten schwer verletzt. Ter Schutzmann wollte ein vom Stuttgarter Stadtpolizeiarnt signalifiertes^Schmuggler-Automobil an- halten unb sprang beshatv auf das Trittbrett des Wagens. Der Ehaufseur kehrte * mit dem Automobil, mit bcm er bis an den Eingang der Stabt gefahren war, um und fidyr auf der Ehinger Landstraße samt bcm Schutzmann in rafenber Geschwinbigkeit davon. Etwa 2 Kilometer von Ulm entfernt, gab der Insasse btt Autos bcm Schutzmann einen Stoß auf bic Brust, so baß bieser auf bic Straße fiel unb schwer verletzt würbe. Das Auto kam dann nach Oberbattheim im Oberamt Laubheim, wo nach Zürich unb Nürnberg Depeschen aufgegeben wurden. Man vermutet, daß das Auto seinen Weg nach Prag in Böhmen genommen hat. WM 4iuiuinuw .fessn AMiiage MW ''fTziinme -hsä fr k-Zimm« 1 Aage, CoflflüV 45 Äebör su Derr »s^Franknlrtc^S h^dwiKHtraNse tone 6B'Mmcrwo nniSi.mit all.Bub jto ftmtcr.su nennt Höchste Temperatur am 17. bis 18. Juni Niedrigste , , 17. , 18. , Niederschlag: 0,4 mm. Tagung der Reichrpost- und Telegraphenbeamten. ~ Köln, 18. Juni. In einer überaus stark besuchten Mitgliederversammlung des Gauverbandstages mittlerer Reichspost unb Telegraphenbcamter sprach Redakteur Fritz Winter lBcrlin-Fricbenau über das moderne Beamten-Problcm. Der Redner führte aus: Wir leben in einer Z e i t des Mißmutes unb der Verärgerung. Tie allgemeine Lage und besonders die unseres engeren Standes ist gewiß uickü derart, baß sic zu den rosigsten Hoftnungen berechtigte. Tas Beamlen- Problcm ist aus ber neuzeitlichen Entwicklung beraufgeihcgcn. Es ist nicht Mangel an Können unb Wissen, bas zu ber großen Vermehrung ber Bcamtcnfck>aft geführt hat, wir bürfen behaupten, baß bic Leistungen ber deutschen Beamten auf ber Höhe der fortgeschrittenen Zeit stehen. Für Nichtstuer unb Tagcbiebe gibt» keinen Raum mehr in ben staatlichen Verwaltungen. Zustim mung.) Mit ber gewaltigen Volksvermehrung mußte auch bic Zahl ber Beamten stark ausckuvcllen Tic Tätigkeit beionber» der Verkehrsbcamlcu unterscheidet fick» wesentlich von ber Verwaltungs- tätigfeit ber Beamten früherer Zeit. Tie Beamten werben leider immer noch als Drohnen ber Gesellschaft betrachtet, die von den Groschen der Steuerzahler leben. Wir sind dagegen der Ansicht, daß sich bte Arbeit ber Beamten für die Allgemeinheit sehr gut bezahlt macht. Wäre die Allgemeinlftüt ihren Pflichten gegen die Beamten immer ausreichend nachgekommen, dann brauchte man über ein Beamten-Problcm nicht ??u sprechen. Tic Arbeit der Beamten im Verkehrsdienst kann nicht als unproduktiv bezeichnet werden. Tic Periode der Arbeitergesetzgebung müßte mit einer Periode der Beamtengesetzgebung ihre Fortsetzung finden. Tann wird es an uns sein, den Beweis zu führen, daß wir die größere Freiheit, nach der wir in gut beutfd>em Tränge streben, nicht nur zu schützen, sondern auch zu gebrauchen wissen. Mit der wirtschaftlichen Aufwärtsdewcgung fast aller Volksklassen haben die Beamten nicht gleichen Schritt gehalten. Die Gehaltserhöhungen kamen bisher regelmäßig zu sp.it. Die letzte Gehaltserh hung entsprach kaum bei irgend einer Klasse den Preissteigerungen, die in den letzten 15 Jahren eingetreten waren. So lange ui bestimmt vorausgeseben werden kann, daß in absehbarer Zeit die Lebensmittel- unb Wohnungspreise nicht steigen, kann nicht baoon bie Rebe sein, daß Gchaltserlwlmngen auf lange Zett hinaus als abgeschlossen zu betrachteii seien. Was man bei der Besoldungsreform den Beamten mit bet einen Hanb gab, hat man Unten nut der Wirtschaftspolitik roieber genommen. So hat ber Staat Ansehen müssen, wie bic den Beamten zutzebachteu Summen in bic Tasck»cn anberer Volkskrcisc geflossen finb. Es kann den Beamten nicht gleichgültig sein, welche Wege bic deutsche Wirtschaftspolitik einschlägt. Das Beamten-Problcm ist allgemein gesprochen, feine Geldfrage, sondern ein Kulturproblem von eminenter Bedeutung. (Lebhafter Beifall.) Es wird bann ;u dem Artikel mit der Ueberschnst ,Lex Berndt" übergegangen. Rechtsanwalt Bernstei n bemerkt, baß auch von dem Zeugen gesagt worden sei, daß sein Matrrml ebenfalls in nichts zerrinnen werde. Der Zeuge gibt^iu, baß auck' er von einem Teil seiner Zeugen tm ^ttck> gelaßen toor- ben sei. Darnach wird auf die Einzelheiten der sturnmchen. ötabt- rerorbnctcnür.ung eingegangen. Der Zeuge ist ber Anucht, daß ber Angeklagte Hirsdie ganze Sache mckt nxitrr wrfolgt hätte, wenn er nicht von der Sürgermciftcrci durch ein odueiben ba u veranlaßt worden wäre Bon einer Aufforderung an ben Angeklagten, sein Material einzurcicheu, weiß der Zeuge nichts. Rechtsanwalt Tr Bopp: Hat der Feldzug des Herrn Hirsch den Erfolg gehabt, daß nach den Artikeln die Polizei vornchttgrr ewvrden ist? Zeuge: Ick habe den Eindruck, daß sich d,e Polizei »weniger bemerkbar macht. , r . Darnach werden bic Protokolle der mehrfach erwähnten Stadt- verordiictcnsitzung verlesen, worauf eine Pause ein tritt. Rach dieser Pause werden zunächst zwei Bürgermeisterei- fcfictärc vernommen, bic über die Richtigkeit des Protokolls aus- agen sollen. Einer von ihnen antwortet aut bic ß-ragc, ob er wisse, auf wen sich ber Ausdruck von den Jagdgründen be- ziehen könne, daß in den Kreisen der Bureaubeamten des Magistrats allgemein die Ansicht verbreitet sei, baß bannt der An- geklagte gemeint sei. Die Zeugin Frau Nägli ist mit der Nebenklägerin bekannt unb kann sich nur lobend über sic aussprechen. Die Zeugin hat auck' in einer 'Fraucnzcitung Artikel geschrieben, die, wie sie auf 'Befragen des Rechtsanwalts Tr. Bopp zugeben muß, nicht Line Versammlung der LUendchnarbeiter. Gießen, 19. Juni. Ter Ortsverein Gießen des Verbandes der deutsch e n E i s e n b a h n a r b c i t e r und H a n d w c r k e r hielt gestern abend im Felsenkellcr eine gut besuchte Versammlung unter dem Vorsitz des Vcreinsvorfitzenden Fr. Wenzel ab, in der der Verbandsvorsitzende, Reichstagsabg. Jckl er-Berlin über die Tätigkeit des Verbandes sprach. Durch bie Reichsfinanzreform unb bic vorjährige Mißernte habe eine Verschiebung der wirtschaftlichen Verl)ättnisse ftattgefunben, die namentlich bie Fest- besoldeten und bie Staatsarbeiter betroffen habe. Er forderte auf, am Aufbau der Organisation mitzuwirken. Der Verband stelle keine unerfüllbaren Forderungen, aber wenn er bic Oeffent- lichkeit bafür gewinnen wolle, müsse man eine große Organisation haben Tie Entlohnung der Arbeiter müsse so sein, baß sie ihre Familien ausreichend ernähren unb fieiben könnten, baust t die Frau int Haus bleiben könne zur Erziehung ber Kinder. Zu fordern sei ferner bic Schaffung geräumiger, gesunder Wohnungen, um die Volksgesundheit zu lyeben. Das Alters- und Jnvaliditätsgesetz biete dazu die Mittel. Es sei ja schon viel auf diesem Gebiet geschehen, aber noch nicht genug. Die Lohn- Verhältnisse seien so zu gestalten, daß der Arbeiter sich ein kleines Besitztum schassen könne, davon werde der Staat den größten Vorteil haben. Durch eine Erweiterung und Vertiefung der Bildung würden sich die Gegensätze der einzelnen Volks schichten penmschen. Ohne die Intelligenz seiner Arbeiterschaft hatte sich Deutschland nicht so emporentwickeln können,, sie durch Bildung weiter zu fördern, liege daher im allgemeinen' Interesse. Tie Arbeiterschaft stehe nicht außerhalb des Volksganzen, wie vielfach gesagt werde. Er erinnere nur an die Arbeiterschutz- gefeßgebung, bic Versicherungsgesetze usw., bie, wenn auch noch einzelne Wünsche dabei zu erfüllen seien, besser als in allen anderen Ländern seien. Der Redner betonte bie Notwendigkeit, organisierte Arbeiter in bie Versicherungsorgane zu wählen, da diese viel sachkundiger als Abseitsstehende urteilen könnten. Durch bic Forderung der Llbschafsung des vcrstchcrungstechnischen Gutachtens bei ber Arbeiterpensionskasse müsse dafür gesorgt werden, daß den in absehbarer Zeit abgehenden Eisenbahnarbeitern etwas richtiges geboten werde. Die Pcnsionskassc sei ja schon besser geworden, müsse aber noch besser werden. Die Eisenbahnarbeiter hätten burdwuö gemeinsame Interessen, deshalb sollten sic sich zu einer großen Organisation zusammcnschließen. Zu fordern sei weiter eine Ausdehnung des Erholungsurlaubes. Zu bedauern fei, baß die Direktion Mainz ben Arbeitern hinsichtlich ber Frci- fahrsckwinc nicht genügenb entgegenkomme. Ucberhaupt sei bei der Gewährung von Fahrscheinen mit Wohwollen zu verfahren. Die Arbeiterausschüsse seien so zu ordnen, daß jeder Arbeiter einem solchen unterstellt sei unb die Zuständigkeit ber Ausschüsse erweitert werbe. Wichtig sei auch bic allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, wie sie in den Werkstätten durchgeführt sei, sic sei aus wirtsckfaftttchen, sozialen und sittlichen Gründen zu fordern. Wenn auch bic Interessen ber Arbeitergruppen vielfach verschieben seien, so könnten sic boch in einer Organisation vertreten werden. Weiter stellte ber Rebner bic Forderung einer tvöchentlichen Ruhezeit von 36 Stunden für alle Vahubebienstete. Der Rebner schloß seine ir/zstündigen Ausführungen unter lebhaftem Beifall mit per Aufforderung zur Mitarbeit. In der Aussprache führte Landtagsabg. Ur stabt aus, daß er gerne gekommen sei, um sich über die Wünsche ber Eisenbahn - arbeitet zu unterridrten. Die Art, wie ber Verband arbeite, sei durchaus anerkennenswert, namentlich das Eintreten für bic geistigen Interessen. Er verspreckn', stets nach besten Kräften für bic bercduigtcii Bestrebungen der Eisenbahner einzutreten. Ter Geist ber politischen Duldung, bic den Verband beherrsche, könne vorbildlich für andere .Greife wirken. Tie Förderung der Interessen der Eisenbahnarbeiter sei eine nationale Angelegenheit und der Geist, ben er heute kennen gelernt habe, bürge bafür, daß die Bestrebungen des Verbandes das allgemeine Wohl fördern würden RcichstagSabg. Dr. Werner betonte die Notwendigkeit der Organisation auch für bic Eisenbahnarbeiter und Handwerker und versicherte, daß sic der .Teilnahme aller Kreise, denen an dem Wohlergehen einer aufstrebenden Arbeiterschaft gelegen sei, sicher sein konnten. Im Reichstag könne viel für die Wünsche unwidersprochen blieben. , Alsdann wird bie Vcrhanblung auf morgen früh 8 Uhr vertagt.______ Universitäts-Nachrichten. hk. Ter Gesamtbcsn ch ber Berliner Tierärztlichen Hochschule beträgt im laufenden Semester 606 Stu- diereiide, darunter 126 TlilitärUubicrenbe — Ter Neuteftamentler Exzellenz Professor Dr. theol. et pdil. Bernhard Weitz, ber älteste der Berliner theologischen Fakultät, vollendet am 20. Juni dal »5. Lebensjahr. _______—t Regen Beb. Himmel Sonnenschein 5 Zimme Wob. 5-Zimmerwc keem. M H.Lam Micettrafic 22 pari Sioonftratze Saniarbcnftocf (5:- vodnuna) nut mm Aloi.suverm.AabLtz. Lidwigfwakc 28 H. Neu derzurtcht. 5-Z eobnuno v. 1. Juli miucn. l ‘10l Bleichf 8dc_Vubrojnftraj^_ IKob. »Zimmerwc gädn't der Friedrich zu vermieten. Eim, Friedrichs Geräumige 5-Zi wohnnng zum 1. su verm. Ludwigs 37391 I. H Wodnungil.St.lneu 5 dimmer, Badez. Sveiiet.,tzoggia,Bal u. elektrisch. Acht, M Irotfcnboö. unb Ai Won ob. foät. z. uern treb. Haün,Henic!sn WM üarttneroobmmQ.v- j. l'lnufarben\im., v. ab Vb. fttod, Rvdheiir Ä moderne 5; Wobr.-g. m. 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