m. 295 Donnerstag, 12. Dezember 1912 Zweites Blatt 162. Jahrgang Erscheint löslich mit Ausnahme des Sonntags. n 5 - etc. te. Die Kammerbeamten erhalten, was Es handelt sich hier darum. im Initiativantrag vorgesehen. ) I 'll 6 1 S. nomnren. Abg. Adelung (So».): SLu^e- AideS» Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lchen UniversikälS - Buch- und Eieindruckerei. R. Lange, Dießen. Kirche und Sd)uU» Tas sächsische Volksschulgejeh. Die sächsische E r st e Kammer nahm nach siebenstündiger Beratung den Entwurf de sVolks schul- gesetzes einstimmig an. Danach wurde in teilweiser Abweichung von dem Beschlüsse der Zweiten Kammer unter anderen: beschlossen, daß der Religionsunterricht innerhalb des Bekenntnisses von der betreffenden Kirche zu erteilen sei, daß die Lehrer das Gelöbnis zur Be«? kenntnistreue abzulegen haben und daß der freien Entschließung der Schulgemeinde zu überlassen sei, ob sie neben der einfachen Volksschule eine höhere Volksschule unterhalten will oder ob Schulgeld erhoben werden soll. Ferner ist nach dem Beschluß der Ersten Kammer die Einführung der Mädchenfortbildungsschule mit ge- wissen Erleichterungen sür das Platte Land in Aussicht genommen. Es hat nunmehr das Vereinigungsver- sahren zwischen den beiden Kammern zu erfolg en. Redaktton, Expeditton und Druckerei: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: e^»5L Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerDießen. najvj: Rach der Pause wird über die Regierungsvorlage, betreffend den Gesetzentwurf, die Vereinigung der Landgemeinde Kostheim mit der Stadt Mainz abgestimmr. Der Ausschuß «Berichterstatter Reh) hatte einstimmig Annahme der cif Artikel vorgeschlagen. Tie heutige Abstimmung im Plenum ergibt, daß allerlei Artikel ohne Besprechung und ohne Widerspruch angenommen werden. Auch die Regierungsvorlage, Gesetzentwurf die Heranziehung der Grundstückseigentümer im Gebiet der S ü d - u n d 2 üdweU - front zu Mainz zu den Kosten des Straßengeländeerwerbes, wird, abgesehen von einem kleinen Zusatz des Abg. Tr. Fulda zu Artikel 1, ohne Aenderung und Aussprache angenommen. Alsdann N'ird in die Beratung des dringlichen Antrages Adelung und Genossen, den Gesetzentwurf über vie Abänderung dos Gesetzes, die Besoldungen der Staatsbeamten vom 9. Juni 1898 betreffend, eingetreten. Staatsminister Dr. Ewald verliest eine Erklärung, in der es heißt, daß nach dem ganzen Sachverhalt eigentlich nicht die Meinung aufkommen konnte, daß der früher mündlich und schritt lich von der Regierung eingenommene Standpunkt von ihr verlassen worden sei. Gegen eine Erhöhung der Gehälter der Kammer- beamten habe die Regierung einzuwenden, daß es eine Bevorzugung der Kammerbeamten wäre, wenn diese sckwn vom 1. April 1912 ab eine definitive Regelung erhielten, während die Erhöhungen der übrigen Beamten sowohl als auch die Zivilliste nur provisorisch bewilligt wurden. Tie Regierung müsse durchaus unparteiisch sein. In der neuen Besoldungsordnung komme die Regierung den Wüusck>en der beiden Kammern auch in weitgehendstem Maße entgegen. Dort sind folgende Gehälter für die Kammerbeamten vorgesehen: die Direktoren der beiden Kammern erhalten ein Höchstgehalt von 7000 Mark, 400 Mark nicht pen- sionsfähige Zulage und 960 Mark Wohnungsgeldzuschuß: die Archivare erhalten 3700—4100 Mark, 300 Mark Zulage und 480 Mark Wohnungsgeldzuschuß: die Bureauassistenten 2-100 bis 3300 Mark, 200 Mark Zulage und 380 Mark Wohnungsgeldzuschuß: die Kanzleidiener 1050—1900 Mark, 70 Mark Kleidergeld und 320 Warf Wohnungsgeldzuschuß. Sollten aber die Stände nicht geneigt sein, diese Sätze anzunehmen, so stände es ihnen frei, ihre Beamten lediglich als Kammerbeamten zu behandeln, diese also aus dem Staatsdienste ausscheiden. Sollte die Kammer dies vorziehen, so sieht die Regierung diesbezüglichen Vorschlägen entgegen. Ein Antrag auf sofortige Besprechung der Erklärung wird angenommen. Abg. Dr. Osann (natl.) als Berichterstatter in dieser Angelegenheit gibt zunächst eine Darlegung des ganzen Falles, den wir wiederholt hier besprochen haben. Eine Loslösung der Kammerbeamten von den Staatsbeamten sei nur mit Zustimmung der Kammerbeamten selbst möglich. Tie Verhandlungen ioäh- rend der Pause sind in folgender Entschließung zusam,neu gefaßt: „1. Tie Zweite Kammer bedauert, daß dem Initiativantrag der beiden Kammern in Drucksache Nr. 200 von der Regierung keine Folge gegeben nmrde. 2. Tie Zweite Kammer nimmt in dem Schreiben der Regierung vom 5. Dezember 1912 enthaltene Erklärung an. 3. Die Zweite Kammer beharrt zunächst auf ihrem Initiativantrag bis zu einer befriedigenden Lösung der bestehenden Differenzen. 4. Ter Antrag der Abgg. Adelung und Genossen ist damit erledigt." Es wird die Dringlichkeit beantragt und diese Entschließung einstimmig ange- Jch bitte dem Anträge des Finanzausschusses Ihre Zustimmung zu geben, damit diese Angelegenheit erledigt wird. Staatsminister Tr. Ewald: Der Herr Abg. Köhler hat gemeint, daß wir zugestimmt hätten, wenn an uns die Frage gerichtet worden wäre, ob wir dem Anträge Gesetzeskraft verleiben wollten. Der Meinung bin ich and) (Heiterkeit). Aber bann wäre die Lage auch den anderen Beamten gegenüber eine andere gewesen. Abg. Molthan (Ztr ): Man hat nicht nötig, einen scheinen Ton anzuschlagen. Man kann aud) nicht von einer Brüskierung der Kammer spredien. Aber da» niöditc.id) and) unterstreichen, daß auch meine politisd)en Freunde der bestimmten Ansicht waren, daß mit den übrigen Gesetzentwürfen auch der Initiativantrag angenommen war. , . Abg. Bähr «Dbd.), der bekanntlich in dieser Sache auch eine dringliche Anfrage an die Regierung geridstet hatte, geht noch einmal ausführlich auf diese Angelegenheit ein, ohne neue Ge» sichtspunkle vorzubringen. Aud) der Abg. H e n r i d) (Vp.) macht einige kurze Bemerkungen. .... Ter Antrag des Aussckmsses wird daraufhin einftunmig angenommen. Schluß der Sitzung gegen 2 Uhr. Fortsetzung morgen 9 Uhr. Die „Eietzener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „KreUblott fflr den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Au; den Reid)Stag$au;fd)üfien. :: Berlin, 11. Dez. Alzey-Bingen im WahlprufungsanSschnß. Der Wahlprüfungsausschuß beschäftigte sid) heute wieder mehrere Stunden mit der Wahl des Abg. Becker (Bingen« Alzey, bek. P.), kam aber nod> zu keinem Besä) laß. Lie Verhandlungen werden erst nach den Weihnachtsferien fortgesetzt werden. Der Ausschuß zur Vorberatung des Petroleummouopolgesehes hat sich konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Abg. Wurm (Soz.) gewählt, zum Stellvertreter Abg. Tr. Zehnter (Ztr.), -bic übrigen Mitglieder sind: Tie Konservativen: Dietrich, Kreth. Malkewitz, Rupp: vom Zentrum: Astor, Erzberger, Frerker, Dr Mayer (:iauibeuren'», Müller i Fulda-, Dr. Pfleger: die Polen: Tombek, Kurzawski: die Nalionailideralen: Keinath, Marguart, Roland-Lücke: die Freisinnigen: Gothein, Dr. v. Schulze Gaever-- nitz, Schweickharbt: die Sozialdemokraten: Bender (Bernburg), Tr. Frank, Henke, Dr. Herzfeld, Hoffmann (Kaiserslauteim), Metzger, Silbersd)midt, Vogtherr. Ausland. Aus Marokko. Rach einem Funkspruch aus Casablanca vom 9. ds. hatte die Kolonne B l o n d o 1 a t einen blutigen Kampf mit dem Taddertstamme zu bestehen, in dem auf französischer Seite ein Mann getötet und sechs verwundet wurden. Die Taddertleute mußten sich mit großen Verlusten zurückziehen. — Wie aus Tanger gemeldet wird, wird die Eröffnung der Eisenbahn von Casablanca nach Rabat am 12. Dezember stattsrnden. Mit Rücksicht auf den rein militärischen Charakter der Bahn sind zu der Feier nur Offiziere geladen worden. Der „Simplizissimus" in Rußland verboten. Der russische Minister des Innern hat die Verbreitung des „Simplizissimus" in Rußland verboten. j daß die Regierung hier schriftlich sich bereit erklärt hat, zu gestatten, daß der Dispositionsfonds dazu verwandt wird, den Kammerbeamten eine Aufbesserung -zu geben. Damit bricht sie die Chance ab, daß sie sagt, mir konnten deshalb nicht dem Initiativ- antrag zustimmen, weil dadurch Unstimmigkeiten heroorgerusen werden würden, und die anderen Beamten mürben sich darüber beschweren, daß die Kammerbeamten bevorzugt werden. Tas Materielle ist damit erledigt. Die Regierung hat eine Brüskierung des Präsidiums herbei geführt. Die Regierung hat es hier auf einen Konflikt ankommen lassen. Es ist nod) nicht da gewesen, daß beide Kammern einen Beschluß gefaßt haben, der von der Regierung nicht ausgeführt wurde. Tie Regierung erklärt jetzt, wir haben damals keine Zustimmung gegeben. Wir hatten alle ohne Ausnahme die Uebcr^eugnng, daß die Regierung zugestimmt hatte, wenn and) ein solcher Passus nickst aus- drücklich im Protokoll zu finden ist. Tie Regierung hätte aber damals auf eine direkte Llnfrage wohl kaum nein gesagt, angesichts der Lage, in der wir uns befanden. Ich hatte den Eindruck, als wenn die Herren von der Regierung auch dieser Meinung gewesen wären Aber nachher unter sich haben sie sich vielleicht durch kleinliche Reibereien umstimmen lassen. Dieser Konflikt soll'e doch zu Bedenken Anlaß geben, und ich bin erfreut, daß sich sämtliche Parteien auf den Standpunkt gestellt haben, daß die Reckste der Kammer gewahrt werden müssen. Staatsminister Dr. Ewald: Wir haben erfiärt, wenn die noch bestehende Differenz ausgeglichen werden soll, so müssen wir dies den Herren Präsidenten überlassen. Tas ist keine Genehmigung der Regierung. Wenn die Kammer weitere Erhöhungen der an sich schon recht hohen Sätze will, so muß sie eben die Kammerbeamten nur als solche und nickst als Staatsbeamte betrachten. Solange aber die Kammerbeamten Staatsbeamte sind, solange müssen wir den Grundsatz gleiches Recht für alle gelten Ia”C?ibg. Köhler OitL): Der Fall liegt nicht so, als hätten wir für die Kammerbeamten eine definitive Besoldung gewollt, während für alle übrigen Beamten nur ein Provisorium gelten sollte. Wir wollten nur, daß unsere Beamten in eine gehobene Stellung kommen, wie das in den meisten übrigen deutschen Parlamenten der Fall ist. Wir waren nickst wenig erstaunt, als wir bei Veröffentlichung des Gesetzes diesen Initiativantrag vermißten. 3cb habe durch verschiedene Schreiben, die ich mit dem Staatsministerium gewechselt habe, die Uebencugung gewonnen, daß dieser Initiativantrag mit den übrigen Gesetzen veröffentlicht werden würde. Wir hatten die Ueberzeugung, daß das Gefetz- gchungswerk ein zusammengehöriges Ganzes sei. Wir, müssen die Tatsache hinnehmen, wenn uns der Herr Staatsminister sagt, daß das ein Irrtum sei. Ich bin der Meinung, daß, wenn jemand an die Regierung die Frage gerichtet hätte, ob sie auch diesen Initiativantrag Gesetz werden lassen wolle, bie Regierung zugestimmt hätte, lieber die Frage, wer die Kammerbeamten anstelle nnrb ein Entwurf einer Geschäftsordnung dem Haufe demnächst unterbreitet werden. Wir werden von dem Standpunkt nicht ablassen, die Kammerbeamten in eine gehobene Stellung zu bringen. Tie Präsidenten der Kammer sind bereit — selbstverständlich unter Zustimmung der Kammer — die entstandene Gehaltsdifferenz aus dem Reservefonds zu vergüten. Wir wollen bie Erklärung der Regierung, daß sie mitwirken will, um bicie Remuneration auszugleichen, annehmen. Sie hat weiter erklärt, daß sie auch in der Besoldungsorbnung ben von uns vorgeschla- genen Sätzen möglichst nabe gekommen ist. Wir rverben_ bestrebt i'ein müssen, in bie Besoldungsorbnung biese unsere L-ätze ein- zm'etzen. Die Regierung sagt, bie Kammer könne zu ieber gewünschten Besolbung ihrer Beamten kommen, wenn bicie aus der Zahl der Staatsbeamten ausscheiden würben. Auch wir lind bieser Frage nahegetreten. Wir müssen selbstverständlich aus formellen Grünben auf unserem Initiativantrag bestehen bleiben. Anmeldung LottericvkM deinen wollen^ fielen *■ u8 rniwi IjljÄi'l] 40. Sitzung. Eröffnung ber Sitzung 10.20. Am Regierungstische bie Minister Dr. Ewald und von Hombergk, später auch Dr. Braun. Tas Hans ist wieder gut besucht. Es wird bann in die Beratung der noch ausstehenden Artikel des Gesetzentwurfes, die Ausführung der landwirtschaftlichen Unfallversicherung betreffend eingetreten, nämlich der Artikel 5, 6, 8 und 28. Zu diesen Artikeln liegen Aenderungsanträge der Abgg. Bähr und Finger vor. Fenier wünscht ein Antrag des Abg. Adelung, daß in öen Gcnosseni'ckwslsausschuß auch ein oder zwei Angehörige des Gärtnereigewerbes mit ausgenommen werden. Abg. Reh (Vp.l als Berichterstatter schlägt vor, den Antrag Adelung anzunchmen, aber nur die Hinzuwahl eines weiteren Ausschiißmitgliedes festzulegen. Tie Anträge Bähr und Finger bittet er aber abzulehnen und sich dem früheren Ausschußantrage anzuschließen. Hierüber entsteht eine längere Aussprache, da sich besonders Meinungsverschiedenheiten darüber ergeben, wie der $ 8 lauten soll. W. 2 dieses Paragraphen hat folgenden Wort (aut: „Der Vorstand ber Genossenschaft besteht aus einem Vorsitzenden und fünf Mitgliedern. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden nach Anhörung der Genossenschaftsvenammlung von Unserem Ministerium des Innern ernannt, das die aus Mitteln der Geiwstemchaft etwa zu zahlenden Vergütungen fcst- ietzt." Die Anträge Bähr und Finger wünschen, daß die Genostcn- schaft sich selbst ihren Vorsitzenden wähle. . Minister v. Hombergk: Tie Regierung ist mit ihrem großen Grundbesitz an der Genossenschaft beteiligt und sie muß sich einen Einfluß sichern. Sie hat geglaubt, das dadurch tun zu können, daß sie sich das Recht vorbehält, den Vorsitzenden zu ernennen, ebenso die Fortsetzung der Vergütung, -tic Regierung hat schließlich nach langen Verhandlungen nachgegeben iwowrn, daß auch die Genossenschaft gehört werden solle. Es ist das — ick; wiederhole das — das Ergebnis langer Verhandlungen, -ttc Regierung erblickt darin die äußerste Grenze, bis zu der sie gehen kann. Ich möchte nicht verfehlen, daraus hinzuweisen, baß bie Regierung, wenn cs der Kammer gefallen sollte, die Rechte ber Regierung noch weiter einzuschränken, die Frage in Erwägung stehen 'würde, nicht ganz ans der Genossenschaft auszuicheiden. Rach dem Reichsgesetze steht ihr dies Recht zu. Ein Antrag des Abg. Best fordert die Umanberung der Worte । „nadi Anhörung der Genossensckfaftsversammlung" in nach Anhörung und mit Zustimmung der Genossenschaftsverfamm(ung Mg Korcll-Rieder-Ingelheim Vp. . ^d) lege Bro teil ein dagegen, wenn der Mini,ter sagt, wir treten aus ber Genossenschaft aus, wenn die Kammer nicht folgt, -öd) glaube i. B nicht, daß Bapern einen g ringcren Beitrag zur ckÄenoiwn schäft' leistet als Hessen, trotzdem stehl dort bie Wahl des Vorstandes und die Festsetzung der Vergütung ber Genosfenschastsver,ammlung biefer^-age fpred>en noch die Abgg. Dr. S tepHan(Rtl.), bangk (Bb^, K o r e l l - Angenrod (Bbd.) und W o 11 h a n. Vor der Abstimmung fam es zu einer Geichaftsordnungs -mssprache. Die Abstimmimg wurde da im ,o geleitet, baß zunächst , über den Ausschußantrag und dann über den dntrag Best ab gestimmt werden sollte. Die Abstimmung ergab Annahme des Ausschußantrages mit 27 gegen 21 stimmen und die Annahme bS Antrages Best. , Es tritt dann eine längere Pause em, die auch dazu benutz! tairbe, eine Einigung über den dringlichen Antrag Adelung m Angelegenheit ber Kammer beamten herbeizufuhren.. Pre^ des ^fl-,naunfl?f0ll4n3 ’ Deutsche Kolonien» Die Lage in Subwest kann mit der Hinrichtung ber Kopperleute keineswegs als geklärt angesehen werden. Namentlich an der Ost grenze und im Bezirk Keetrnanshoop dauert die Beunruhigung unter ber Bevölkerung an. Die „Keet- manshooper Zeitung" fordert daher vermehrte Patrouille- ritte der Polizeitruppen, um bie Eingeborenen in ihren Schlupfwinkeln aufzustöbern. Zugleich führt sie erneut Klage über das Schweigesystem ber Regierung, bie der Presse jegliche Mitteilung über die tatsächlichen Vorgänge verweigere. Es heißt in einem vom 2. November datierten Artikel: „Durch vermehrte Patrouillenritte würden auch Zusammenrottungen von Eingeborenen und Bildung von bewaffneten Bauden Deutsches Neicd. König Manuel von Portugal zu Besuch beim Kaiser. Der Kaiser empfing am Mittwoch im Schloß zu Berlin beit Besuch des Königs Manuel von Portugal. Jur Frühstücks - tafel waren geladen der österreichisch nngarisdie Botschafter, der frühere österreichisch-ungarische Botsck)aster in Nom, Wraf v. Luetzow, (Staatssekretär v. Kiderlen-Wädster und General ber Infanterie p. Mvltke. Der russische Kriegsminister General ber Kavallerie Ssuchomlinow trifft am 28. Dezember in Vertretung der russischen Regierung in Leipzig ein, um an der Grundsteinlegung der bei Leipzig zu errichtenden Kapelle zum Gedächtnis an die im Jahre 1813 gefallenen Rusten teil- zimehmen. Ein Kongreß der Fleischermeister Deutschlands. Am Mittwoch fand im Etablissement zur „Neuen Wel^ in Berlin ein von vielen Tausenden besuchter Kongreß ber Fleischermeistcr Deutschlands statt. Es gelangte sdstießlich eine längere Entschließung einstimmig zur Annahme, in der verlangt wurde, daß der dem Reichstage vorliegende Gesetzentwurf bett, die Zollerleichterung nicht mir ben Stadtverwaltungen, sondern auch dem allgemeinen Fleischergewerbe zu- geftanben werbe. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen hessifche Zweite Kammer. bs. Darrnstadt, 11. Dez. Die Hessische Kammer erledigte heute nach vielem Hin und Her die vier gestern von ber Tagesordnung abgesetzten Artikel des. landwirtschaftlichen Unfallversicherungsgesetzes. Man machte — besonders der Abg. Bähr — angestrengt den Versuch, der Regierung das Mitbestimmungsrecht bei der Ernennung des Vorstandes der Genossenschaftsversammlung zu versagen. Schließlich brachte iirnn es dahin, daß ein Antrag B e st Annahme fand, der eine unbedeutende Einslußverstärkung der Genossenschaft bringt. Statt „nach Anhören" setzte man „nach Anhören und Zustimmung" der Genossenschaftsversammlung ernennt das Ministerium des Innern ben Vorsitzenden und seinen Stellvertreter. Das war aber mehr Formensache als ein einsthneidender Fortschritt. Abgesehen von einer Meinen Zurückweisung einer Androhung des Ministers des Innern durck) ben Abg. Kvrell-Nieder-Jngelheim brachte vor erste Teil der heutigen Sitzung so wenig Interessantes wie der ganze gestrige Tag. Nach der Pause wurde es unten im Saale lebendiger — soll heißen politischer. Der dringliche Antrag Adelung und Genossen stand zur Beratung. Man kennt die Vorgeschichet dieses „Konfliktes". Der Staatsminister verlas seine Erklärung, und die Betonung legte er auf die Gleichheit aller Staatsbeamten vor der hohen Regierung, bie alle ihre Kinder gleich lieb hätte. Schön! Aber da kommt die gleichberechtigte Kammer und sagt: so einfach steht die Sache nicht. Wir haben den Initiativantrag angenommen, ergo müßt ihr ihn Gesetz werden lassen. Auch unsere ernannten Kollegen im anderen Hause haben so wie wir getan. Eine Entschließung sprach dann der Negierung auch in nicht gerade sanfter Art ein „Wir bedauern" aus, das einem Mißtrauensvotum nicht allzu fern war. Darin stand geschrieben, daß die Zweite Kammer auf ihrem Schein bestehe. Der Antragsteller selbst (übrigens ein außerordentlich geschickter Parlamentarier) hieb recht unsanft auf die Regierung ein und sprach von einer Brüskierung des Kammerpräsidiums und davon, daß es die Regierung auf einen Konflikt habe ankommen lassen. „Ich warne die Regierung", erhob er drohend seine Prophetenstimme? Selbst der Präsident der Kammer fand scharfe Worte des Tadels für die Regierung. Wir werden — wir wollen —. so klang es immerfort, dem Staatsminister in die Ohren. Und was tat der berufene Vertreter der Regierung zu seiner Verteidigung? Nein, nicht zu seiner Verteidigung, sondern zur Verteidigung der von ihm repräsentierten Regierung? Er versuchte nur zu entschuldigen, wo er dock) eigentlich die Möglichkeit hatte, sich zu wehren. Denn verfassungsrechtlich ist ja die Regierung nicht gezwungen, einen angenommenen Antrag als Gesetz zu veröffentlichen. Warum schlug er nicht in diese Kerbe und las ein Privatissimum über Staats- und Verfasfungs- recht? Fürchtete er beim in der Tat einen Konflikt? So aber wich er mutig einen Schritt zurück. — Es ist ja an sich erfreulich, das Parlament so herrschen zu sehen. Mer eine schwache Regierung ist doch immer ein recht trauriges Bild. Und das haben wir heute betrachten dürfen. Freidenker- Giessen. 0-rcilaa, den 18. M abenvs 8'/, Ubr, ra g „Einborn" Leh- und TWslsnsabenU Gaste willkommen! I Wohllätigkeilsverti' Märkte. 4- Nidda, 11. Dez. Heute mnb liier der Weihnachts» markt statt. Der Austrieb zmn S ch w e i n e m a r k t mar io stark, wie seit Ja Kren nicht. Trotzdeul herrfditen so hohe Preise, wie aus den Trübsal)rSmärkten. Ein Preisabschlag war gcflcn die voriaeu Tiörfte nicht zu bemerken, denn 7 bis 8 Wochen alte werkel kosteten das Paar 45 bis 50 Mk., 12 Wochen alte daS Paar 60 9)1 f. und Einlegeschweine das Paar IOC bis 120 Mk. Cbflleic das Angebot sehr groß und die Preise so hoch waren, wurden boit alle Tiere verkau't und mancher Kauflustige fuhr wieder leer Heini Wenn auch der nachmittags abgehalteue Krämermarkt rotnr Stände auswies, so brachte er doch recht regen Verkehr und di« hiesigen Kaufleute batten viel zu tun. F.C. Wiesbaden. Vlebhok »M ark tbertcht vom 11. Dez Austrieb: Rinder 101 (Ochsen 28, Bullen 0, Kühe 73), Kälber 21b Schafe 35, Schweine 3k3. Geschäft mittelmäßig. Preise für 100M Lebend- Schlacht- Ochsen. oewicht VoNKeischige, aukgemästete. höchsten Schlacht- Mk. Mk wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 53—56 96—10. Die nock nicht gezogen haben tunqejocht) . . 52-55 94—10( Lunae, fleischige, nicht auSgeinästete und ältere auSgemästete............ 47—50 85-91 Bull en. Vollfleischige, ausgew^ höchsten Schlachtm. . . 49—52 81—87 Vollfleischige, jüngere 44—48 73-80 Märien, K n h;. Vollfleischige auSgemästete Färsen höchsten Echlachtwertes........... 49 -53 88-95 Vollste,schige auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes b,r zu 7 Jahren ... . 41—44 80—85 Wenig gut entwickelte Färsen 43—48 83—92 Aeltere auSgemästete Kühe und wenig gut ent- wickelle lungere Kühe 86—40 66—74 Mäßig genährte Kühe imb Färsen .... 30—35 61—72 51 ä t b ec. Feinste Mastkälber .... . 66—68 111—11« Mältere Atast- und beste Saugkälber . . ’ . 59—63 98-10. Geringere wtasl- und gute «vaugkätber . . . 53—58 88—97 Geringer« Saugkälber......... 48—52 80—87 o d) a <*. Weidemastschafe. Geringere Mauhammel und Cchaie .... 00—00 86 -00 Schweinr. Vollfletschige Schweine von 80—100 k? Lebendgewicht 67-68'/, 86—88 Lollfleischige Schweine unter 80kx Lebendgewicht 6,-677, 86-87 Vollsleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 69-70'/, 86 -88 InfPFTPIlVA in lanprjnhriff erprobten guten OunJitMc. iiCUgc Garantiefür jedesStück.A.Salomon&Cie wirken ganz vorzüglich gegen verhütet oder im Keime erstickt werden können. Vorfälle wie die letzten von Aminuis, Auob usw., über die sich die Behörden nach wie vor hartnäckig aussckweigen, damit wir ja nicht wissen, was los ist, würden wahrscheinlich auch ausgeschlossen sein, wenn ein recht reger Patrouillendienst gehandhabt wird. Vor einigen Tagen hörte man wieder von einem Gerücht hier am Platze, daß einer der alte st en Farmer des Südens von einem Iagdzuge nicht zurückgekehrt s e i und vermißt werde. Erne solche Nachricht muß in dieser Zeit, wo man immer noch annehmen muß, daß sich bewaffnete Eingeborene im Gelände umheNrerben, beunruhigen." Eine sichere Meldung über den Verbleib des vermißten Farmers vermag das Blatt auch nicht in den folgenden Nummern, die bis zu der vvm 13. November in Deutschland eingetroffen. sind, zu geben. Au- Stadt und Land. Gießen, 12. Dezember 1912. ** Handelsrichter. Der Großherzig hat Kommerzienrat Ferfr. Jacobi, Kammerxierrrat Ludw. Frölich, Kommerzienrat Louis Röder, Buchdruckereibesitzer Rud. L. Wittich, in Darmstadt, Brauercibesitzer Justis Hildebrand in Pfungstadt, Kommerzienrat Jean Göbel in Darmstadt zu Handels- •cuiytern, Kaufmann Wilh. Kölb und Ingenieur Emil Schenck, beide in Darmstadt, zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Darmstadt; die Fabrikanten Phil. Sbe i m, Rob. Weintrau- und Eugen Fcistmann, Kommerzienrat Jak. Hinkel in Offenbach, zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Wilh. Klingspor in Offenbach, Jak. Erckrath in Klein-Krotzenburg, Gg. Äch. Koch in Neu-Isenburg und Kaufmann Karl Schömbs in Offenbach zu Erganzmrgsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Offenbach; Geh. Kommerzienrat Sigm. Heichelheim, die Kommerzienräte Gust. Mueller und Hch. Schirmer, den Fabrikanten Herrn. Eichenauer in Gießen, M Handelsrichtern, Kaufmann Max Friedberger und Kommerzienrat Adolf Klingspor in Gießen, zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen in Gießen; Kommerzienrat Aug. Feine, Kaufmann Jos., Rein ach, Kommerzienrat Dr. Otto Jung, Kommerzienrat Jos. Harth, Kommerzienrat Beruh. Mb. M ay er, Kommerzienrat Jos. St enz in Mainz, zu Handelsrichtern, Kaufmann Karl Aug. Barthel, Bankier Felix Goldschmidt, Kommerzienrat Florian Kupferberg, den Kaufmann Karl Ihm in Mainz, Kaufmann Jak. Albrecht in Bodenheim und Kaufmann Konr. Jung in Mainz zu Er- gäirzungsrichtern bei dec Kammer für Handelssachen in Mainz; Kommerzienrat Wilh. K ö l s ch, Kaufmann Karl Stockhausen, Kaufmann Hch. Rnd. Süttenbach, Bankdirektor Christian Lot! m Worms, zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Jak. Heckel und Augult Eller in Worms zu ErgänzungsricKern bei der Kammer für Handelssachen in Worms, ernannt. ** Er senbahn - Personalien. Versetzt wurde: Regierungsbanmcister Bergmann von Halle zur Eisenbahndirektion Frankfurt, technischer Eisenbahn-Sekretär Schmitt von Alsfeld nach Grebenau zur Verwaltung des Baubezirks für die Nebenbahn Niederaula-Alsfeld. •• La n dwirtschaftliches. Die Aachener und Münchener Feuervecsicherung§gesellschaft,Generalaaentur Darm- stadt, überweist seit Jahren aus ihren durch Versicherung von Landwirten sich ergebenden Ucberschüssen den landwirtschaftlichen Bezirksvereinen namhafte Unterstützungen. So wurde auch im abgelaufcnen Rechnungsjahr den sämtlichen land- wirtschaftl. Bezirksvereinen in Hessen ein Betrag von 549 Mk. überwiesen und seit dem Bestehen deS Abkommens sind insgesamt 186 551,70 Mk. von der Versicherungsgesellschaft gespendet worden. " Stadttheater. Nochmals sei auf den heutigen Lustigen Abend von Professor Marzell Salzer hingewiesen. -— Die Vorstellungen von „Braut von Messina" am Samstag Nachmittag und von „Prinzip" am Sonntag Nachmittag sind die unbedingt letzten Aufführungen dieser Merke überhaupt. ** Bcsitzwechsel. Die Stadt kaufte vom Architekten Louis Seuling dessen in der Nähe der Mar- garethcnWtte gelegenes Fabrikanwesen (Gipsdielenfabrik, für 40 000 Mk. — Das Gelände stellt sich mit den darauf stehenden Fabrikgebäuden auf etwa 8—9 Mk. pro Quadratmeter. Die Stadt ist mit diesem Kauf mit der Abrundung ihres Geländes am Güterbahnhof wieder einen Schritt weiter gekommen. Es muß in dieser Gegend über kurz oder lang doch einmal zu einer gründlichen Erweiterung der Gleisanlagen kommen. ” Zur schnellen Abwickelung des Post- schalterverkehrS während der Weihnachtszeit kann daS Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung beV Weihnachtspakete sollte nicht lediglich oder vor- wiegend bis zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungen tunlichst an den Vormittagen aufgegeben werden. Selbstfrankierung der einzuliesecnden Weihnachtspakete durch Postwertzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an Postwertzeichen müßte sich ein jeder schon vor b-mi 19. Dezember versehen. ZeitungSbestellungen dürsten nicht vom 19. bis 24. Dezember am Schalter der Postanstalten angebracht werben. Für bie am Postschalter zu leistenben Zahlungen sollte der Auflieferer bas Gelb abgezählt bereit halten. Die Befolgung bieser Ratschläge würbe der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen. ** Einstellung von Freiwilligen. Die 2. Abteilung II. Torpcdodivision in Wilhelmshaven stellt am 3. Januar, 1. April und 1. Oktober VierjährigLreiwilligc als Torpedo-Masckinisten-Anwärter ein und zwar: Maschinisten und Maschine,lenassistenten von Dampfern und im Betriebe befindlichen Dampfmaschinen, sowie junge Leute, die eine dreijährige Lehr- ober Arbeitszeit als Maschinenbauer, Schlosser, Kupferschmied, Elektrotechniker, Meäxmikcr, Klempner, Kesselschmiede ober in ähnlichen Handwerken Nachweisen. Von dieser Zeit dars rin Jahr als Maschinist ober Gelstlfe zugcbracht sein. Bewerber wollen sich umgehend unter Vorlegen eines vom Zivilvorsitzcnden der Ersatzkornmission des Aushebungsbezirkes ausgestellten Melde schemes zum freiwilligen Dienst auf vier Jahre lautend, eines selbstgeschriebenen und selbstverfaßten Lebenslaufes und sämtliche Schul- und Arbcitszeugnisse evtl. Seefahrtspapiere an das oben genannte Kommando wenden. Zur Erlangung des Meldescheines sind den Zivilvorsitzenden der Geburtssck>ein, die väterliche Einwilligung für eine vierjährige Dienstzeit und ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Die Aufnahme zum Mafchinistcn- Auwartcr umfaßt: einige Fertigkeit in mündlicher und schrift- hdter Wiedergabe der Gedanken, die Grundrechnungsarten mit gewöhnlichen und Dezimalbrüchen, einige Kenntnis im Anfertigen von Skizzen einfacher Maschinenteile. Das 4. Dienstjabr ist für den Besuch einer scd)Smonatlichen, unentgeltlichen Maschinisten Maat-Schule (Nnteroffizierschule) bestimmt. Die mit Erfolg abgelebte Prüfung und die erwiesene Brauchbarkeit als Torpedo- Mafchinisten-Maat berechtigt zum Besitz des Seedampfschiffs- maschmisten-Patentes 3. Klasse. Landkreis Gießen. nc'J2' 'Die Bürgermeisterei Saasen schreibt uns: Auf Ihren Bericht m Nr. 290 teilen wir Ihnen mit, daß kein Grund vorlieyt, an der Schranöen- bedienuny am Bahnübergang bei Saasen ettoaa au§- Su' btzem Alle bisher an dieser Stelle vorgekommenen Unglucksfalle sind in der Hauptsache immer den Fnhr- werksleitern zuzuschreiben gewesen. Trotzdem hat der Eisenbahn fiskus auf Antrag der Bürgermeisterei angeordnet, daß «die Schranke von morgens 6 bis «abends 6 Uhr durch eine Wärterin bedient wird. Im Sommer dagegen wird die Schranke bis abends 10 Uhr bedient. Der Fuhrwerksverkehr zur jetzigen Zeit nach 6 Uhr ist nicht so umfangreich, daß vielleicht wegen einem oder zwei Fuhrwerken ein Wärter bis 10 oder 11 Uhr bei der Schranke sitzen sollte, um so mehr, als von der Eisenbahnverwaltung Vorsichtsmaßregeln getroffen sind, so daß bei einiger Aufmerksamkeit des Fuhrmanns jeder Unfall ausgeschlossen bleibt. Der Uebergang ist doppelt beleuchtet, sogar in der Mitte der Fahrbahn, eine Signalqlocke gibt so frühzeitig und so laut das Wc.rnungszeichen, daß man schon bei 39 m Entfernung halten kann. Jedoch haben die meisten Fuhrwerkslenker die Angewohnheit, sobald die Glocke ertönt, schneller zu fahren, um noch über den Bahnkörper zu gelangen. .Gießener Strafkammer. )( Gießen, 11. Dez. Die Untersuchung über den Geisteszustand des Taglöhners I. H. III. von Rübdingshausen würbe von bem Gericht angeorbnet, da in der Verhandlung Bedenken darüber austanchten. Der Angeklagte, der wegen Bedrohung sckwn häufig vorbestraft ist, hatte in der Angetrunkenheit einen 18 jährigen Burschen ohne nennenswerte Veranlassung mit einem geladenen Revolver bedroht. Betrug int Rückfall. Der Arbeiter L. G. von Simmern hatte sich im Februar l. I. in Friedberg unter Vorspiegelung falscher Tatsachen 5 Mk. erschwindelt. Das Gericht zog seine Not strafmildernd in Berücksichtigung und verurteilte ihn zu drei Monaten und eine Woche Gefängnis. Wegen Arbeitsverweigerung hatte sich der Zimmermann O. D. zu verantworten. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, da nicht nachzuweisen sei, daß er aus Arbeitsscheu die aufgetragene Arbeit verweigert habe. Wegen Viehseuchevergehens sind angeklagt: der Landwirt A. S. in Gambach, der Landwirt Fr. K. B. in Rodenbach, der Landwirt I. G. K. und der Landwirt K. M. III. von Bösgesäß. In zwei Sachen wurde die Verhandlung zur Vornahme weiterer Ermittelungen ausgesetzt, in den übrigen auf die geringstzulässige Geldstrafe von jc 15 Mk. für jede Ucbertretung erkannt. Furcht vor dem Arbeitshaus veranlaßte den Arbeiter P. S. von Schmiegel, gegen ein Urteil des Schöffengerichts Butzbach, das ihn wegen Bettelns mit drei Wollen Hast bestrafte, Berufung einzulegen, da das Gericht auch die Uebecweisung an die Landcspolizeibchörde angeorbnet hatte. Es blieb inbessen bei ber Ueberweisung, da der Angeklagte wegen Bettelns häufig vorbestraft ist und auch schon in einem Arbeitshaus untergebracht war. tofaochgeschurz ihm zum Kauf angebotene Gold von der Kaiserkette herrührte. Der Zeuge erklärt, daß in dem Metall ein Drittel Gold, ein Drittel Silber und ein Drittel unedles Metall enthalten gewesen sei. Es sei aber immerhin möglich, daß das Gold tatsächlich von der Kaiserkette hcrrührte. Auf Antrag des Verteidigers des Angeklagten Hoch- aeschurz wurde der Zeuge Haefke, der bettlägerig krank zu 5)ause liegt, durch einen GerichtSbeisitzenden in seiner Wohnung vernommen. Dieser Vernehmung wohnte der Angeklagte Hochge- schurz gefesselt und unter Bedeckung von zwei Schutzleuten bei. Nach der durch diese Vernehmung notwendigen Pause wurde in die weitere Zcugenvernehmima wieder eingetreten. Die Vernehmungen ergaben nicksts wesentlich neues, so daß int Einvernehmen sämtlicher Prozeßbeteiligten auf eine ganze Reihe von Zeugen verzichtet wurde. In vorgerückter Nachmittagsstunde begannen die Plädoyers. r In später Abendstunde mürbe solgenbes Urteil gefällt: K n i e V erhielt 7 JaHre Zuchthaus und Hochgeschuvz 7 Jahre Zuchthaus unb eine Woche Gefängnis. Letztere Strafe wurde wegen falscher Namensangabe verhängt. Beide wurden außerdem zu 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Anstifter Bayer wurde freigefprochen, weil es sich nur um Vorbereitungsbehanblungen hanbele. Wegen verbotenen Waffentragens erhielt er 20 Mark Gelbstrafe. Der Hehler Rvlla erhielt 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, ber Hehler Hamacher 10 Monate Gefängnis, der Kölner Zahntechniker T h i l l würbe ebenfalls wegen Hehlerei zu 5 Monaten Gefängnis verutteilt. Bei Rotta wurden 5, bei Hamacher und Thill je 4 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Bayer und Thill wurden sofott in Freiheit gesetzt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Dttikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) 1 Gießten, 12. Dezember. Zur Errichtung eines Saalbaues. In meinem Eingesandt in Nr. 288 bin ich auf die Ausführbarkeit des Planes, einen Saalbau zwisclZen Seltersweg und Johannesstraße zu errichten, nicht eingegangen, um nicht zu ausführlich zu werden. Die Zweifel, welche der Verfasser des Eingefandts in Nr. 291 in dieser Beziehung äußert, veranlassen mich, das nac^uholeu. Für einen Saalbau an genannter Stelle würde nicht nur das As Prions che Gelände 13438 Quadratmeter), sondern auch das an dieses anschließende städtische — das alte Hvspitalgrundstück (1725 Quadratmeter) zur Verfügung stehen; zusammen also 5163 Quadratmeter, die sich durch AK- kaus 'weiteren Hintergelandcs, falls nötig, noch vermehren ließen. Das Theater befreit ein Areal von zirka 1580 Quadratmeter, für einen Saal bau mit 1600—2000 Sitzen würden höchstens 2500 bis 3000 Quadratmeter nötig fein. An Platz fehlt es also nicht. Einsahtten sind zwei vorhanden; einmal vom Seltersweg aus, wo die Lotzsche Wittsck-aft zum Asprionscheu Gelände, imd das daneben stellende Haus der Stadt gehört. Fallen müssen beide Häuser so wie so, — wie auch die weiteren nach dem Kreuz- platz zu gelegenen, ba die Straße wegen der elektrischen Bahn verbreitert werden muß. Zweitens von der Johannosstraße her, wo das Asprionsche Grundstück eine Front von zirka 22 Metern hat. Die Bedenken des Einsenders, daß das Läuten der Glocken der nahen Johauneökirche während eines Konzertes störend wirken, muß ich zwar teilen, doch halte ich gerade diese Art der Störung für die erträglicbihi, und sie würde auch m ber Mvltkestraßc nicht ganz fehlen. Große Städte muffen ba ganz anberc Störungen mit m den Kauf nehmen. Man denke z. B. an bie berühmten Chorkonzerte in ber Thomaskircke zu Leipzig, wo während eines Konzertes zirka 200 Straßenbahnwagen wegen des abschüssigen Terrains klingelnd vorüberfahren, und das Glockenläuten haben die Zuhörer noch obendrein. Ich iverde — falls sich kein besserer Platz gefunden hätte doch eher bie Geräusche einiger an dem Klrmkgrundstück vorüberfahrender Züge, als das Helle Klingeln ber elektrischen Bahn über mich ergehen lassen. Ein zwischen Seltersweg und Johannesüratze zentral errichteter Saalbau würde vor dem Klingeln ber elektrischen Bahn durch die davor zum Teü wieder aufzubaueufren Häuser hinreichend geschützt sein. Ein an Stelle ber alten Klinik errichteter Saalbau, den ich dk^halb ins Auge gefaßt habe, weil ich die Verwendung diefes Platzes Tür einen Saalbau immer noch für besser halte. als für ein Rathaus, würde den Vorteil bieten, daß das au.- wärtiqe Publikum, welches zumeist zwischen 4 Uhr 56 Min. «4 4 Uhr 59 Min. hier ankommt lDilltal, Lollar, Butzbach, Al,' feld) noch rechtzeitig im Konzettsaal eintreffen kann. Dos trif auch für einen im Zentrum gelegenen Saalbau zu. Die V<- waltung ber elektrischen Bahn wird selbstverständtich zum mir besten an den Konzetttagen eine Haltestelle vor dem Einganr einttchten, so daß bie Fremden innerhalb 10 Minuten zu biefi gelangen können. Dos wäre aber nicht mehr möglich, n>enn d: Saalbau in ber Moltkestroße errichtet würbe. Man kann v. - den Fremden nicht verlangen, daß sie mit früheren Zügen hü. i eintreffen, da sie alsbann z. T. sofott nach dem MiNagefsqr I ihren Wohnort verlassen müßten. Außerdem müßten sic, un den Saal bau in der Mvltkestraße zu erreichen, den südlichen Ti : dieser Straße zu Fuß zurücklegen, loos im Winter sehr ui bequem ist. Es ist zu befürchten, daß die Hoffnung, frurd i einen Saalbau den Fremdendes"h her K-mzette zu fteigmt, ec täuscht werden w rd, und ohne diese Steigerung mür .c d.r K njrg oerem in eine ungünstige frefunure rrag. .o.nmen, ober die C.u .* tat feiner Darbietungen herabsetzen müssen. Man möge bogegr nicht einwenden, daß das Fremden-Abonnerneut sich von 50 Plä^- im Vorjahre auf 80 im laufenden erhöht hat mtb baß auch de Verkauf an der Kasse sich jetzt schon auf zirka 40 Pläg beläuft, obgleich die 2Iule, in welcher 6 Konzerte abgehalten wer den, vielleicht noch ungünstiger gelegen ist, als ein Saail^, in der Moltkestraße. Die Leitung des KonzettvereinH bat nej nur schwer e^ttschließen können, gegen das Vorjahr 3 .M o 115er!• mehr in die Aula zu verlegen und es bleibt abzmoatten, roelch Folgen diese Erscheinung des Besuches für die Fremden, die diese- erft im laufenden Jahre zum Bewußtsein kommt, für den Besuch de. Konzctte in späteren Jahren haben wird. Aus alle Fälle würde : sich aber die Aussichten für die Zukunft des Konzertveccins wescni lich verschlechtern. Nicht beadjtet hat ber Einsender, daß der Saalbau ja nick: mir den Konzerten, sondern ganz besonders den Kongressen dienen soll, zu welchen Tausende von Personen nach Gießen kommen und ihr Geld hier ausgeben werden. In erftcr Lim- kommen hier die medizinischen Kongresse in Frage. 21 1 dann darf ber Saalbau nicht zu weit von den Kliniken und dec Universität entfernt liegen, da die Vorträge abwechselnd in bm genannten Räumen ftottffnbcn. Gießen kann im Frühjahr unb im Herbst, in welcher Zeit die meisten Kongresse abgehalicn werden, zahlreiche Personen beherbergen. Bei den großen Kon greffen wird der Ueberschuß in Wetzlar, Nauheim usw. für bv Nacht untergebracht, während die Teilnehmer am1 Tage unb an Abend tn Gießen verweilen. Um letzteren den Besuch der Vottric zu ermöglichen, muß ber Saalbau möglichst nahe am Bahnte- errichtet werden. Ein seln gewichtiger, bisher nock) mcht genannter Grunb. weshalb die zeittralc Lage unbedingt den Vorzug verdient, if der, daß bie Heranzielfung ber Fremden durch den Saalbci gebietettsch die Errichtung eines größeren und eleganten Restan rats verlangt, insbesondere für bie Kongreßteilnehmer. Dies« im Parterre des Saalbaues untergebracht, wird sich, wenn 'm Zentrum errichtet, auch in den Zeiten rentieren, wenn weder Kongresse noch Konzette stattfinden und an sich einen Anziehung^ fünft für. Fremde bilden. Die Rentabilität eines zentralqe legenen Restaurants wird weiterhin dadurch begünstigt, fraß an beir m Aussicht genommenen Platze eine alte, gutgehende Wrttfäxv: so wie so verschwinden muft Ein in der Motckestzraße errick tttes Restaurant würbe bei weitem nicht solche Chancen br Rentabilität besitzen, da eine Sommerwittsckxift an dieser Stelle wegen des Windes, wie übcrhauvt unserer Witterungsverlßiltnisse und wegen der frort starken Mückenplage wenig Aussichten Hot Ich will es als nebensächlich betrachten, daß ein Bau an ber Stelle der jetzigen Eisbahn den zahlreichen Spaziergängern der Mvltkestraße bat einzigartigen Blick in das Busecker Tc. raubt; darauf muß jedoch noch hingewiesen tverden, daß bi: Errichtung eines so großai Baues in den feuchten Wiesen )"cb: bedeutende Kosten für die Fundamente verursachen wird. Tc das völlig frefliegende Gebäude außerdem nicht nur einer mo numentalat Front bedarf, sondern von allen Seiten ansehnlich ausgestattet werden muh: und ba das allseitig Wind und Wenn ausgesetzte Gebäude hohe Unterhaltungskostcii erfordern wird, fc mutz ein Bau in der Moltkestraße sehr erheblich teurer toerbnt, als ein im Zentrum ohne große Front und gesckrützt errichteter. Nach den oben angeführten Gninden glaube ich annclnncn ju müssen, daß. ein Saalban in ber Moltkestraße seinen Zweck nicht crftlllen wirb. -t. Daubringen, den 1L Dezember 1912. 01068 Die Beerdigung findet Freitag, den 13. Dezember, nachm. 3 Uhr, statt Danksagung. ■ K Giessen, den 12. Dezember 1912. 8052 ! herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden sowie für das ehrende zahlreichen Blumen- Für die vielen Beweise während der Krankheit und unseres teueren Entschlafenen, Grabgeleite und die überaus liefert jedes Quantum beste harte Stückkohlen in einzelnen Waggons und in Abschlüssen. Billigste Kohle der Gegenwart. 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Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. ___________________Kissel._______________8047 Einladung zur Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitischen ReligionSgcmeinde Gießen. Es wird zur Kenntnis der Interessenten gebracht, daß in Gemäßheit der Bestimmungen der Wahlordnung für die Wahl des Vorstandes der israelitischeuReligionsgemeinde Gießen vom 4.August 1871, infolge Ablauf der Amtszeit des Mitgliedes Herrn Max Friedberger, eine Erganzungswahl notwendig geworden ist und daß diese Wahl Freitag, den 20. Dezember d. I., im Sttzungssaale des Gemeindehauses an der Lony- straße dahier stattfinden soll. Sämtliche nach §§ 2 und 6 der Wahlordnung Stimmberechtigten werden zu dieser Wahl mit dem Bemerken eingeladen, daß die Abstimmung in den Stunden von 10 Nhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags stattfindct. Derjenige, welcher die meisten Stimmen erhält, gilt für eine Amtsdauer bis Ende des Jahres 1917 gewählt. Zum Wahlkommissär wurde Herr Moritz Strauß ernannt. Gießen, den 11. Dezember 1912. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. S. Heichelheim. du/m 5 3»F»Miu8zslkt!iSB?S?L!i- ; ■ auS dem Leben im Bergforftbause und im ■ ■ Bergwalde v. Alb. Kleinschmidt. 2 I. Band 6. u. 7. Aufl. II. Band, 5. Au». III. Bd. ! ■ 5. Aufl. IV. Band, 5. Allfl. V. Band, 1.-3. ■ ■ Aufl. Jeder Band (zirka 250 Seiten) mit ■ ■ farbigen Vollbildern und vielen Tert-Jllustra- ■ ! tionen bildet ein in sich abgeschloflencö Ganze ■ । und ist auch einzeln L Mk. 4.— käuflich. Alle , , 5 Bände zusammen nur Mk. 16.— e Preisgekrönte und anerkannt beste Jugend- ■ ■ schrift für Knaben u. Mädchen o.10—16Jahren ■ : Aus Wer Vorzeit, : ■ Jugend und Volk zur Unterhaltung und Be- ■ ■ lehrung v. Alb. Kleinschmidt. 2 Band I: Brinno der bbattcnfürst. Aus 2 ■ der Zeit der Varusschlacht, 2. Aufl. Band II: , ■ Wehe den Besiegten. Aus der Zeit des ■ ■ GermanikuS, 2. Aufl. Band III: Lindmutb. ■ 2 Aus derZcit des Bonifatius,2. Ausl. Band IV: ■ ™ Gnndakar. 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