Erstes Blatt 162. Jahrgang GietzenerAnzeiger 162. 3*w mittoo«, 15. ntärj 1912 erscheint täglich, außer V ® Q Ve»u«»vrei-: EonntagS. — Beilagen: M * _ _ . ▼ monatltcf)75l,BUotcrtcI- viermal wöchenilich fl 4W> Jh'yCJk /a /A AA W» K- /k A. A jährlich Mk. 2.S0: durch äää 1 THUb®>| UMAt AApÄ»"-j^s VJivBlVILILJL 411LiuCLULL KUÄL» für die Redaktion 112, MM Verantwortlich für den MAHD General-Anzeiger für Oberhessen MIM WÄSSS ^otatlonrdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpeditlon und Druckerei: Zchuistraße 7. h?5 "Nü b15 D0™uttQ«* 9 __Büdingen: Fernsprecher Rr. 269 «eschastsstelle vahnhofstrahe ’löa. L.gemeü? H^Beck. Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten. Der vergarbeiterausftand im Ruhrgebiet. Da die christlichen Gewerkschaften der Bergarbeiter die Teilnahme an dem Ausstand mit scharfem Widerspruch abgelehnt haben und die Ausständigen bei ihren beschränkten Geldmitteln keine große Aussicht auf Erfolg haben (wie von ihnen in ihrer Ausstandsert'lärung selbst angedeutet worden ist), so war eS vorauszusehen, daß die Gefahr der Ausschreitungen und Belästigung Arbeitswilltger umso bedrohlicher auftreten würde. Heute liegen leider in der Tat Berichte über die schlimmsten llebergrifse vor, wobei den Arbeitswilligen die Kleider böswillig zerschnitten worden sind und Gewalttätigkeiten gegen Personen verübt wurden. In Hamborn hat eine förniltche Schlacht Wischen Poli- zisten und Ausständigen stattgefunden, wobei mehrere Polizisten durch Steinwurfe bedenklich verletzt worden sein sollen. Sogar die Gewerbetreibenden und Laoenbcsitzcr wurden in Mitleidenschaft gezogen, so daß die Läden verbarrikadiert werden mußten. Mit einem solchen Borgehen werden die Ausständigen natürlich noch mehr sich die Sympathie der Allgemeinheit verscherzen als bisher. Wenn sie glauben, durch solche gewaltsamen Vorgänge am ehesten etwas durchsetzen zu tonnen, so befinden sie sich doch auf einem falschen Wege. Daß die Beteiligung am Ausstande durch diesen Lerrorts- mus etwas größer geworden ist, mag sein. Aber auf der anderen Seite wird, auch damit ein unerbittlicher Widerstand der Arbeitgeber herausgcfordert, und Bestrebungen, -wie sie am gestrigen Dienstag im preußischen Herrenhause zuin besseren Schutz der Arbeitswilligen in Gang gekommen 'sind, werden immer mehr Anhänger bekommen. Schon erschallt in den Arbeitgebertreijen auch der Ruf: „Meine Vermittlungsaktion im Bergarbeiterstreik!" Tie „Deutsche Vokkswirtsch. Korresp." veröffentlicht einen solchen Ausruf, in dem die Regierung getoarnt wird, ihre Autorität zwecklos aufs Spiel zu setzen. „Wenn die dringend wünschenswerte Probe gemacht werden soll, ob, wie die Regierung in den letzten Tagen und Wochen wiederholt behauptet hat, die bestehenden Gesetze zum Schütze gegen Strcikvergehen a u s r c i ch e n. so ist die erste Vorbedingung, daß die kämpfenden Parteien unter sich gelassen werden. Das ist das beste Mittel, der gerechten Cache den Weg zu sichern und den Frieden bald wieder herzustellen, gleichzeitig auch den Nimbus zu zerstören, als ob • für eine Machtprobe der ritoten Internationale mit der Wirkung, .der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung Gesetze zu diktieren, die .Zeit bereits gekommen wäre." Das sollte den Aufstandsschürern doch zu denken geben. Nur durch eine baldige Vermittlung können sie den Schaden einigermaßen wieder gut machen, den sie durch die vom Zaun gebrochene Bewegung in Tausende von Familien hineingetragen haben. Die Lage im Ausstandsgebiet hat sich gegen Montag .wesentlich geändert, da es vielfach bei der Einfahrt der Mittags- und der Frühschicht am Dienstag zu Unruhen gekommen ist, bei denen die S ch u tz m a nn s ch a f t e n verschiedentlich den Säbel gebrauchten. Arbeitswillige wurden vielfach verhöhnt und tätlich angegriffen. Stellenweise ist infolge dieser Vorgänge die Zahl der Aus- ständigen erheblich gewachsen. Angesichts des auftretenden Terrorismus fordert eine größere Anzahl von den Arbeitern nahestehenden Zeitungen militärischen Schutz. Tie Zechenverwaltungen haben teilweise die Früh- und die Mittagsschicht zusammengelegt. Essen (Ruhr), 12. März. Von insgesamt 266 835 Bergleuten des Ruhrbezirks sind heute 110107 angefahren. Es streiken demnach 58,74 Prozent. Die Polizei im Kampfe mit Aukstiindischea. Hamborn, 12. März. Heute abend kam es in Ober- Marxloh zu schweren Ausschreitungen. Als eine Anzahl Arbeitswilliger von einem Polizeiaufgebot nach den Wohnungen begleitet wurde, entwickelte sich ein Kampf zwischen Streikenden und Polizeimannschasten. Auch heute wurde die Polizei mit Steinen beworfen und aus den Fennern der Häuser wurden ca. 200 Schüsse auf sie abgegeben. Tie Ladenbesitzer sahen sich gezwungen, ihre Läden zu verbarrikadieren. Ter Mob zertrümmerte die Straßenlaternen. Eine Laterne wurde umgerootfen und das ausslrömende Gas angezündct. Erst nach mehreren Zusammenstößen gelang es der Polizei, die Ruhe wiedcrhcrzustcllen. Viele Polizei- b e a mte, unter ihnen zwei Kommisfare, wurden durcp Steinwürfe erheblich verletzt.. Unter den Verletzten befindet sich auch ein zenjähriger Knabe. Im Laufe des Nachmittags weilte der Regierungspräsident D r. Kruse aus Düsseldorf auf dem Kampfplätze der gestrigen Krawalle. In einer außerordentlichen dringenden Stodlverord- netciiversammlung wurde beantragt, zu gestatten, daß für die Tauer des Streiks die Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" eine Schutz iv ehr von 52 Mann und die Zeche „Neumühl" eine solche von 22 Mann einrichtet, welche aus Beamten der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" gebildet werden. Tie Schutzwehren haben P o l i z e i r e ch t e und werden mit Pistolen und Polizei- tnütteln ausgestattet. Im Laufe des Nachmittags wurden wieoer zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Dortmund, 12. Murz. Vor den Zechen, die im Stadtgebiet Dortmund liegen, lam es heute nachmittag gegen 4 Uhr, als die Schicht der arbeitenden Bergleute zu Ende ging, zu Ansammlungen, die von der Polizei ohne Zwischenfälle zerstreut wurden. — Einige Stunden später versammelten sich Streitende auf dem Borsigplatz. Hier wurden die Schutzleute mit Steinen bewor- fen. Ein Pferd eines Schutzmannes überschlug sich und begrub oen Reiter, dec Verletzungen erlitt. Tie Polizei zog blank und nahm drei Veryaflungen vor. An einer anderen Stelle fiel ein Reoolverfchuß. Verletzt wurde niemand. Der Vermittluogsversuch in England. Lond on, 12. März. Die Konferenz der Vertreter der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter, die unter dem Vorsitz des Premierministers Asquith im Auswärtigen Amt stattsand, ist nach dreieinhalbstundiger Tauer auf morgen vertagt worden. Eine Mitteilung über den Verlauf der Verhandlungen ist nicht erfolgt. *_£_!—l'-J'-----J—1 ■ ____!_.....' . Das neue englische -ftottenprogramm. London, 12. Marz, bum neuen Flottenbau- programm sind an Schiffsneubauten vorgesehen: vier große Panzerschiffe, acht leichte gepanzerte Kreuzer, zwanzig Torpedobootszerstörer und eine Anzahl von Unterseebooten und Hilsssahrzeugen. Der Mannfchastsbestand wird um 2000 Mann vermehrt werden. In der Erläuterung, die der erste Lord der Admiralität Churckill dem Flottenooranschlag beigegeben hat, heißt es, daß der Voranschlag unter der Voraussetzung zu'ammen- gqicut worden sei, daß die vorhandenen Flottenprogramme der anderen Mächte keine Erweiterung erfahren. 'Im Falle solcher Erweiterungen wurde es notwendig sein, sowohl für die zu bewilligenden Mittel wie für den Mannschaftsbestand einen Nachtragsetat einzubringen. Für Schisfsneubauten werden 13 971327 Pfund Sterling gegen 15 0u3 877 im laufenden Rechnungsjahr, davon 12O3, 727 für die Fortsetzung der Arbeiten an den bereits im Bau befindlichen Schiffen und 1 903 800 Pfd. Sterl. für die Inangriffnahme der Neubauten des neuen Programms bestimmt. Ter Prozentsatz der neuen Schiffe des neuen Programms, deren Bau im neuen Rechnungsjahr begonnen werden soll, ist größer als gewöhnlich. Danach wird es nötig sein, den Bau der gesamten neuen Torpedobootszerstörer auf einmal zu beginnen. 2111» reifen. rm. Darmstadt, 12. März Aus den Ausschüssen der Zweiten Kammer. Der Finanzausschuß tagte heute früh, um über den Vorschlag der Regierung zu dem Antrag der Abgg. Köhler, Tr. Osann uiio Gen. betr. die Anstellung der S ch r eibgehilfen Stellung zu nehmen. Die Regierung schlägt als Uebcrgangsbeftimmung vor: Diejenigen Schreibgehilfen, welche vor dem 1. April 1912 das 30. Lebensjahr zuruclgelegt haben, mit dem 33. Lebensjahr ^iach 13 Bordienstjahren anzustellen, ferner soll sür alle Schreibgehilfen ein Kontingent festgelegt werden, das nicht überschritten werden dar,. Wenn nach dem feiJ).agvn Verfahren nur noch 5 Zähre Schreibgehilfen angcftclit werden, habe man dann zusammen etwa luüU angestellte Schreib- gehilsen. Der Finanzausschuß erklärte sich mit dem Vor- Ichlag der Negierung einverstanden. Unter dem Borsttz des Staatsministers Dr. Ewald tagte nachmiftags der Ausschuß ,ür die Vereinfach u n g im «-taals haushalt und beschäftigte man sich nur mit der Frage der veränderten Einteilung der A in t s g e r i cy t s b e z i r k e. Tie Großy. Regierung hat hierzu une ausführliche Denkschrift versagt, in welcher zu- nächst eine Uebersicht über die seit dem Jahre 1879 in den verschiedenen Bezirken eingetretenen Aenderungcn enthalten ist. Tann wird aus die näheren Verhältnisse in den 34 Amts- gerichtsbeziclen, In denen Veränderungeil vorgesehen waren und die Dagegen erhobenen Einwendungen eüigegangen. Tie Schrift lünimt dann zu folgendem Schluß: Stehl man von einer Aufhebung oes Amtsgerichtes Wimpfen ab, so ergibt sich folgendes: Es fallen ui Wald- Michelbach, Schotten, Ulrichstein, Nied.-Olm uno Wörrstadt je ein, zusammen 5 Richter fort. Von diesen jiiiö 2 nach Alzey und Oppenheim zu versetzen. Tie üürigen 3 finden alsvald Beendung in Gro^-Gerau, Offenbaa- und Darmstadt II, da vort je ein HilsSrichler durch einen ordentlichen Richter ersetzt werden muß. Von den 6 Hilssrichtern, Die in Altenstadt, Hungen, Oppenheim, Groß-Gerau, Darmstadt 1 und Offenbach entbehrlich werden, finden 5 in Wald-Michel- bach, Ulrichstein, Nied.-Olm, mit Wörrstadt, und demnächst Gießen Verwendung. Hiernach tritt eine Ersparnis nach drei Richtungen ein. Zunächst ist die Möglichkeit gegeben, drei Richterstellen, deren Neuschaffung unvermeidlich ist, mit vorhandenen Richterlräften zu besetzen und damit die Neuanforderung der für diese Stellen erforderlichen Mittel zu vermeiden. Sodann wird eine Anzahl Hilfsrichter nur während eines Teils des Geschäftsjahres Verwendung finden. Endlich wird das bei einzelnen Gerichten näher ruckende Bedürfnis nach Vermehrung Der Richterlräfle hintangehalten. Die Ausschußmilglieder erklärten sich mit den Ausführungen der Regierung im allgemeinen einverstanden. Dom itQlieni|ct)=türtifd)en Kriegsschauplatz. Eia erbitterter Kampf bei Tobruk. Tobruk, 12. März. (Agenzia Stesani.) Gestern früh rückten zwei Bataillone Infanterie und eine Batterie Gebirgsgeschütze aus den italienischen Verschanzungen vor, um eine Kompagnie Pioniere, die mit der Herstellung neuer Forts beschäftigt waren, zu beschützen. Gegen zehn Uhr bemerkten sie eine Karawane, der sie mit einigen Kanonenschüssen schwere Verluste beibrachten. Gegen mittag näherten sich größere Massen von Türten und Arabern bis auf vier Kilometer der Stelle, wo Die Italiener neue Fortisikationsanlagen begonnen hatten. Die Italiener eröffneten ein heftiges Geschützfeuer. Es entstand ein e r bitterterKampf,in dem die Infanterie Gicszener Stadttheater. Der Leibgardist. Komödie von Franz Molnar. Gießen, 13. März. Franz Molnar, der vor etwa vier Jahren mit seinem zwar Nicht wertvollen, aber immerhin ganz nett gemachten Spiel „D e r Teufel" seinen ersten großen Erfolg errang, ist ein großer Freund fader Pikanterie. Eine lustige Idee, die sich ganz niedlich erzählen läßt, stellt er auf die Bühne, und nachdem er uns im ersten Aufzug glauben macht, daß er uns einen wohlschmeckenden, frischen Trank zusammenbraue, erweist es sich in der Fortsetzung als ein recht abgestandenes, schales Zeug, das nur solange etwas rechtes erschien, als man davon nur hörte. So ist es auch mit seinem neuen Spiel, dem Leibgardisten, den er uns gestern abend vorexerzieren ließ. Im ersten Aufzug wird mit Witz und Laune ein Schauspielerpaar geschildert, das nach halbjähriger Ehe in frostiger Katzbalgerei lebt, weil das schöne Weibchen — das schon zehn Liebhaber hatte — die Abwechslung liebt. Ihr Gatte, der große Schauspieler, fühlt das verlangen seiner Frau und will ihr in der blanken Uniform Der yeibgart>i|"ten nahen, da er instinktiv empfindet, daß sie etwas einfaches, gesundes, dummes ersehnt. Soweit ist der Scherz ganz vÄbfch, aber sobald nun die Maskerade beginnt — wird er Platt, öeil sich — von den unmöglichen Voraussetzungen ganz abgesehen --„solche Vorgänge nur bis zu einer gewißen Grenze Dariiellcn (Qllen, ohne abgeschmackt zu werden. Schon Ludwig Fulda ift m seinem weiblichen Gegenstück des Leibgardiften, in Der Hrillingsschwester, ein wenig über diese Grenze hinausgegangen, ater Molnar geht noch viel weiter, indem er den Freund Des Ehepaares zum Zeugen des SteUDicheins in Der Theaterloge stacht, wo er den beiden Gatten nun Ritterdienste leisten muß. -ü>ei läßt es der Dichter sehr im Dunkeln, welche Stellung > Kritiker bei Der Schauspielerin einnimmt. Die Prüfung schließt enblitriDamit, daß die Frau ihren Mann U-berredet, sie habe ihn längst drdel'schaut — und alles ift wieder g»it natürlich nur solange,üigen >er nächste Liebhaber kommt. Ob das Molnars Ansicht.jnm^h ’kt sich allerdings kaum imt- !Aeiden, denn er läßt auch ö^Ulllbll unklar — hat die erau Men Mann erkannt, hat sie Steint-tfannt? — Wer will es Itngen? — anmahr. Rc en nabt. Gar Blumensta Wer von euch ist so weise, eine Frau zu durchschauen, ihr bis auf den Grund Der Seele zu blicken? — Wer will behaupten, daß er es vermöchte? — Das ist wohl der Sinn des Spieles, dessen Geschehnisse alle nur diese eine Frage illustrieren, die riesengroß am Ende wieder auftaucht. — Nur eine Antwort gibt das Stück: Ihr.Männer roolit betrogen sein; ihr glaubt noch, wenn euch auch schon zehn Liebhaber Doraufgegangen sind, glaubt noch, wenn ihr Den Beweis Der Untreue vor Augen habt. Da macht mans wie der Kritiker: Man verzichtet und lächelt — lächelt — Tie Aufführung, die Herr Direktor Steingoetter im allgemeinen mit gutem Erfolg eingerichtet hatte — auf Einzelheiten komme ich noch zurück —, fand Den lebhaften Beifall Des sehr stark besetzten Hauses und hätte zweifellos noch mehr gewirkt, wenn man in den letzten beiden Auszügen noch ein paar kräftige Striche angebracht hätte. Vorteilhaft wäre es auch gewesen, wenn man im zweiten Aufzuge den Logenhintergrund durch einen Vorhang von dem eigentlichen Bühnenhaus abgeschlossen hätte, denn es mutet doch recht merkwürdig an, wenn gebildete Menschen sich sozusagen vor dem ganzen Theater in der ungeniertesten Weise benehmen. Dadurch wäre wohl auch der die Oper vortäuschende Phonograph etwas gedämpft worden und das gemalte Publikum wäre ganz natürlich erschienen. Im übrigen war diese Einrichtung sehr gut gelungen. Die Darstellung, die sich zum Teil vor sehr schwierigen Aufgaben sah, hatte sich redliche Mühe gegeben und versuchte nicht ohne Erfolg auch in den heiklen Situationen den Ernst zu wahren. Fräulein Kitty Franke oom Stadttheater in Barmen, die in der Rolle der Schauspielerin auf Anstellung spielte, brachte für das nervöse, lüsterne Weibchen ein lebhaftes, empfindungsfähiges Temperament mit, das zwar im Anfang etwas zögerte und tastete, dann aber, als es sich gesunden hatte, forsch darauf losging. Mil natürlichster Anmut spielte sie die gewagtesten Stellen, doch hätte sie — Die schon zehn Liebhabern den Kopf verDreht hat — mitunter noch einen Schritt weitergehen Dürfen unD lockenDer, bestrickender, verführerischer spielen müssen, um die Maskerade ihres Mannes und seine unsinnige Leidenschaft glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Herr Goll, der sich in der Uniform allemal am wohlften fühlt, batte mit seiner Doppelrolle als Gatte und Leibgardist eine sehr schwere Aufgabe, Die fein Schauspieler restlos bewältigen kann. Ganz davon abgesehen, daß sich ein Schauspieler, tote dieser gezeichnet ist, ein Könner, vielleicht gar ein Genie, niemals so verstellen kann, wie Molnar es verlangt, birgt die Rolle eine Unmenge von Schwierigkeiten, Die sich aus Dem Doppelspiel ergeben. Indem Herr Goll als Leibgardist Den großen Schauspieler dar,teilte. Der sich auch im schlimmsten Falle zu beherrschen weiß, mußte er Den Gatten, Der uns menschlich näher steht, natürlich vernachlässigen, und Daß er es oerfianD, diesen Zwiespalt Dennoch leise anzuDeuten, war aller Ehren wert. Wo et sich rein als Mensch, natürlich geben konnte, ivar er, in einer äußerlt gefälligen Maske, Die stark an Matkowsky erinnerte, mitunter geradezu glänzenD. Auch Herr B o l ck als Kritiker hatte eine immerhin recht schwere Aufgabe, aber er löste sie mit Dem leinen Takt, Den er schon so oft bewiesen hat, sehr glücklich. Als Mama war Ftäulein Scholz in Der bremischen, «was gesuchten Rolle von heiterster Wirkung, und Herr Hilbert spielte Den Gläubiger ebenfalls recht vergnüglich. Zu erwähnen wate noch Frl. M ü h l p f o r t als Dienstmädchen. Taß das Spiel über 8/* StunDen später tnbigte, ate angegeben, sei nur bemerkt. n * — EhrungenAmundsen-. Ehristiania, 12. März. In der heutigen Sitzung Des Storthings brachte Der Abg. Vit einen Antrag ein, 60Ö0 Kronen jährlich stlr ein ArnunDsen zu über- tragenDes außervrDentliches Professariat an der Universität xu bewilligen. Ter Antrag wurde dem BuDgetansschuß uoerroiefen Ter Ministerpräsident teilte mit, die Regierung beabsichtige in Den nächsten Tagen einen Antrag auf Bewilligung eines Betrages für Die Expedition Amundsens einzubringen, damft . ^nundsen, in Den Stand gesetzt werde, oas Ziel ;u erreichen, oos er sich von Anfang gesetzl habe, nämlich zum 9tordpol oorzudringen. — Tie Geogroptische Gesellschaft Hal heute Die angerünoigte Aufforderung an das norwegische Volk erlassen. Beitrage für Amundsens NordpolexpeDition zu zeichnen. — Eine neue T7 etbobc Der Krebsbehandlung. Aus Moskau wird berichtet: In allen Ländern arbeitet die Aerztewelt mit fieberhaftem Eifer an Der Klärung Des großen Problems, auf welchem Wege Der Krebs sich bekämpfen läßt. Am Montag hat nun vor einer Versammlung Moskauer Aerzte Dr. v. Stein über eine neue MethoDe der KrebsbehanDlung, mit Der er in Moskau überraschend günstige Ergebnisse erzielt haben will, einen interessanten Bericht erstattet und seine Tar- mit zwei erfolgreichen Bajonettangriffen oen 'Angriff des Feindes aufhielt, der den italienischen rechten Flügel ein- zuschließen versuchte. Ter Kamps dauerte bis nachmittagc- 4 Uhr. Nach ungeheuren Verlusten begann der Feind sich z u r uckz u z i e h e n, verfolgt von dem Feuer der Italiener. Eine Stunde später war er vollständig verschwunden. Tie Italiener hatten 13 Tote, darunter ein Offizier, und 7 3 Verwundete, darunter drei Offiziere. Ein Geschenk de8 Sultans. Konstantinopel, 12. März. Ter Kommandant von Lenghasi E n v e r B c i wurde beauftragt, dem S ch e i k d e r Genussi den Großkordon des Osmanieordens nebst kostbarem -Säbel, Teppich und Uhr mit Brillanten als Geschenke des Sultans zu überreichen. Alle im Libanon ansässigen Italiener verließen infolge des Ausweisungsbef e h l s das Land. DeutZches Reich. Im Reichstage nimmt man, so schreibt man uns aus Berlin, an, daß die laufenden Arbeiten kurz vor Pfingsten abgeschlossen werden können. Tie Beratung des Voranschlags durste noch vor Ende April beendet werben. Der übrige vorliegend. Stofs, in ber Hauptsache bas Staatsangehörigkeitsgesetz, dun-c im Plenum nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. SSas ou neuen Wehrvorlagen anbelangt, so hofft man, daß diese Vorlagen dem Reichstag noch einige Tage vor dem Beginn der Osterferien zugehen werden, so daß diese Vorlagen in den Fraktionen noch vor Ostern in ber Hauptsache besprochen werben können. Die erste Lesung dieser Vorlage soll kurz nach der Wiederaufnahme der Beratungen im April erfolgen. Das preußische Herrenhaus beriet am DienStag den Antrag v. Puttkarner, in dem die Regieruna ersucht wirb, alle eriorberlichen Maßnahmen nötigenfalls durch Einbringung von Gesetzesvorlagen zu ergreifen, welche geeignet erscheinen. Arbeitswillige und Gewerbetreibende wirksam roonnen worden ist. - Im Gießener Fröbel-Seminar, deffen erster Kursus jetzt zu Ende geht, fand am letzten Montag unter dem Vorsitz von Kreisschulmspektor Profeffor Dr. Alles die Lchlußvrüfunq flott. Sämtliche Seminaristinnen bestanden. *?FrauenbundderDeukschenKolonialgescll- t ch a N , Abteilung Gießen. Man schreibt uns zu bcm Vortrag von Hauptmann Leßner über Kamerun: In Herrn Leßner werden wir einen guten Kenner unserer Kolonien, einen i^geiüertei Anhänger ber Lolonialfachc, einen gfänrnben und fefidnben Webner kennen lernen, dessen trcriluhc Sch-lberungen von Selbst, erlebten durch eine Reibe vorzüglicher Lichtbilder ergänzt wird, so _bau uns ein genußreicher '’lbcnb bevorsteht. - Hauptmann Laner M der Venasscr der befannten f!einen Lvlonialbro'cbüre: nunjen roir von unteren Kolonien wissen?", eine Schrift, wr alle Kreise berechnet, die namemlich aber auch bas Interesse der Heranwachsenden Jugend für unsere Kolonien wecken soll Der Stenographenverein „Stolzc-Schrev" veranstaltete an1 Sonntag, 3 Mörz, als Vorübung für das Be- zittswettichreiben in Wetzlar sein Frühjahrs-Vereins- wetts chr eiben. cn dem zum erstenmal sich Gießener VolH- schüler mit gu.m Erfolg beteiligten. Bei der Preisverteilung, die am Samstag abend anläßlich des Stiftungsfest Kommerses vorgenommen wurde, wurden folgende Resultate bekannt: Mteilung (30 Silben, 1. Preise: Schiller Heinr. Ockel, Schüler Karl Drechsler, Schüler Ludwig Haas: 2. Preis: Schüler Karl Vaupel: 3. Preis: Ludwig Wehrum: lobende Erwähnung: Schuler Gorr und Schüler Hahn. Abteilung 80 Silben, 1. Preise: Mari MauS, 2lug. Bock, Ad Keil, Unterefürier Weinert,, Schüler Karl Ockel und Fr. Jughardt: 2. Preis: Heinr Erb: 3. Preis: Ludwig Braun, Großen Linden. Abteilung 100 Süden, 3. Preise: Adolf Ockel, Will». GeiSler, Großen-Linden, Karl Faber, Großen-Linden Abteilung 120 Silben, 1. Preise: Otto Behr, Heinrich Schomber. Abteilung 140 Silben, 1. Preise: Anton Roth, Ang. Telus, Wilhelm Ludwig, Ludwig Hörle, Ernst Strack. Abteilung 180 Silben, 1. Preis: Heinr. KrauS köpf. Abteilung 240 Silben, 1. Preis: Karl Reitz. Abteilung 260 Silben, 1. Preis: Josef Kübel, Gymnasiast. • • Der Geflügel- und Vogelzucht-Verein Gießen und Umgegend 1897 hielt seine Ordentliche Hauptversammlung im Saale des Hotel Einhorn ab. Es erfolgte die Rechnungsablage der LandeS-GcstügelauSstellung und die Jahresabrechnung von 1911. Ferner wurde über den Voranschlag für 1912 beraten. Bei der VorstandS-Reu- wahl wurde der 1. Vorsitzende Stadtv. L. Troß wieder- geivählt. Weiter wurden in den Vorstand gewählt Herr Matheis als Schriftführer, Herr Lepvcr als Rechner und als Mitglieder des VerwaltungSauSschuffes die Herren Berg, Forbach, Mecke, Müller, Reulmg, Rübsamen und Schäfer. • • Der Bayern-Verein Gießen und Umgebung feierte im Vereinslolal .WagnerSruh- gestern abend den 9 1. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Die Feier verlief unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bayern in schönster Weise. An den Prinzregenten wurde ein Glückwunschtelegramm abgesandt. • • Von der Straßenbahn. Gestern nachmittag wurde in der Marburger Straße ein Kind von der elektrischen Straßenbahn erfaßt. Einige Kinder spielten auf dem Bürgersteig; em Kind sprang kurz vor einem fahrenden Straßenbahnwagen über die Geleise. Der Wagenführer verwandte seine ganze Aufmerksamkeit darauf, daß dieses Kind nicht überfahren ivurde, und während dieser Zeit wollte ein zweites Kind über das Gleis laufen. Es wurde von der Straßenbahn erfaßt, umgeworfen und etwa eine Wagenlänge mitgeschleift. Wunderbarerweise ist dem Kmde außer einigen Hautabschürfungen nichts geschehen, ein Beweis dafür, daß die hier im Gebrauch besindliche Schutzvorrichtung sich bewähtte. Der erfreulicherweise glücklich ausgegangene Unfall bildet eine erneute Mahnung, Kinder nicht unmittelbar bei der elektrischen Bahn spielen zu lasten. ** Straßensperrung. Gestern nachmittag wurde durch einen Möbelwagen, der aus einem Hofe in der Wall- torsttaße herausgefahren und sich auf der Straße festgesetzt hatte, der Verkehr für die Straßenbahn g e« sperrt. Um die Bahn frei zu bekommen wurde die „Elektrische" an dem Möbelwagen befestigt und zog den Möbelwagen vom Geleise fort ** Diebsta hl. Ein früheres Dien ft mädchen, das sich jetzt in Laufstetten beschäftigt, wurde gestern dabei betroffen, als es bei einem Althändler eine Anzahl silberne Milchkännchen und silberne Leuchter zum Verkauf bringen wollte. Bei der polizeilichen Vernehmung gestand dasselbe ein, die Gegenitände nebst einer Anzahl silberner Löffel, Gabeln und Messer einer früheren Herrschaft in Friedberg entwendet zu haben. Landkreis Gießen. — Heuchelheim, 12. März. Altbürgermeister Jakob Kreiling IV. konnte dieser Tage auf eine 25jährige Tätigfeit als Di rektor des hiesigen Kreditvereins zurückblicken. Sein rastloses, von Erfolg gekröntes Wirken hat ihm stets das Vertrauen der zahlreichen Mitgliedschaft gewahrt. Schon seit 1873 gehört er dem Verein als Biit- glied des Verwaltungsrates an. O Treis a. Lda., 11. März. In der vorigen Woche hielt Missionar Gell-Frankfurt a. M. in der hiesigen Kirche einen gut besuchten und äußerst interessanten Lichtbildervortra- über die Mission in unserer deutschen Kolonie Kamerun. Gestern abend sand in Mills Saal hier der zweite diesjährige Familienabend des hiesigen Zlveigvercins des Evang. Bundes statt, zu dem auch Nichtmilglieder freien Zutritt hatten. Es war dem Vorstand gelungen, den 'befannlen Schriftsteller Naumann aus Nanzhausen bei Lohra für diesen Abend al# Redner zu gewinnen. Dieser sprich in seiner volkstümlichen, zu Herzen gehenden Weise über die Liebe zur Heimat und verstand es, tiefen Eindruck auf die Zuhörer zu machen, von denen gewiß keine ohne inneren Gewinn nach Hause ging. Zur Verschönerung des Abends trugen noch besonders die von unserem Kirchengesang- verein zu Gehöv gebrachten Lieder bei. Kreis Büdingen. — Büdingen, 12. März. Heute mittag 41/* Uhr fuhr die Victoria Luise, von Gelnhausen kommend, über unser Städtchen und wandte sich nach Stockheim zu, wo si« ebenfalls gesehen wurde. DaS Luftschiff fuhr ziemlich niedrig, so daß man die Inschrift lesen konnte und daS surrende Geräusch der Propeller noch lange hörte. X Nidda, 11. März. Das vorn „Gemischten Chor" unter Leitung des Lehrers Bopp gestern abend veranstaltete Kirchen- ' n z e r t war sehr gut besucht. Es wirkten noch mit Frau Rechtsanwalt Koch-Büdingen sSopran), Konzertmeister Keller- Frankfurt a. M. (Violine) und Lehrer Wolf- Büdingen (Orgel). Es war seit längerer Zeit wieder das erste Kirchenkonzert, das hier veranstaltet wurde, und fand allgemein Beifall. Frau KoÄ inmmte mit ihrem seelenvollen Vortrag des „Caro mio ben" oon Giordani, dem .^Jesulein süß" und „Komm, o süßer Tod" von Bach, sowie dem „Meine Seele ist stille zu Gott" von Emmerich die Zuhörer zur Andacht. Herr Keller trug das Adagio und die Romanze von Beethoven sowie ein Andante von Gluck meisterhaft vor. Die Begleitung, die sich den Vorträgen anpaßte, lag in den Händen der Herren Bopp und Wols Letzterer trug )wki ^rgelstücke (Präludium von Brosig und Beruhiguna von Mendelssohn'' aus unserer etwas mangelhaften Orgel tadellos t?ot- Ter „Gemischte Chor" fang die exakt cinitubierten Chöre „lieber ben Sternen" von Abt, „Herr, zu dir will ich mich wenden" von Mendelssohn und ,^Sei mir gegrüßt" von Ayßlingcr, sowie „p großer Gottt von Stadler. Der Reinertrag ist für den Orgel- wndS benimmt Kreis Friedberg. x Bad-Nauhcim, 12. März. Das Zeppelin-Luftjchn'f . i k t v r i a - L u i s e" überraschte Hütte morgen unsere Staü von Frankfurt aus mit einem Besuch Ein bedauerlicher Unglücks fall ereignete sich im Anschluß daran. Ein Dienst- n idchen. das cs sehr eilig hatte, den Luftkreuzer zu begrüßen, rannte mit dem Kopf durch ein geschlossenes Fenster und .zoq sich erhebliche Verletzungen zu. - „ Die in Bad-Nauhcim ansässigen Bayern feierten heute ah -oen 91. Geburtstag des D inzregenten Luif «in Form eines Bavcrnabends. , = Nreder-WSl.l 2< u. März. Am Sonntag tand hier eine Haup^ 'nmlung der Vereinigung ehmaliger Angehörig n s a n t e r i e -R e g i m c n- teS Kaiser Wilh zu der Lertreler von 47 [d. unb'S' ÄPsS ’Ä 3oin 5’? ■IhnZ Sitfe iinb ^’^euin haupi, b. 6§ ,tl 'lanSslellun, wurde iltt standS'Nc^ °B wieder, wählt Herr "er und ola ecren Vera, ' -chäscr. 1 Umgebung abend den uüpolb von Iciligung der ^rmzregenten nachniillai; r elelirischen rem Bürger, itrofienbabn» wandte leine |t übersahren es Kind über 'bahn erfax!, Ortschaften erschienen waren. Ais Vertreter des Ofsizier- korps wohnten Hauptmann v. Staehling und Oberleutnant Wolf den Verhandlungen bei. Einziger Punkt der Tagesordnung war die Verhandlung über die Feier des Hundert- jäbrigen Regimentsjubiläums und es wird das ausführliche Protokoll über dieselbe den Obleuten aller der Vereinigung beigetretenen Ortschaften eingesandt werden. Infolge eines in allen Ortschaften Oberhessens angeschlagenen Aufrufes haben bis jetzt sieben- undzwanzig Ortschaften, die seither noch nicht beigetretcn waren, ihren Beitritt erklärt, so daß die Vereinigung jetzt ,134 Ortschaften umfaßt und es werden die Kameraden aller Ortschaften, die noch nicht beibetreten find, gebeten, doch sofort den beabsichtigten Beitritt dem ersten Vorsitzenden, Apotheker Hempel in Köln, mitzuteilen. Das Sommerfest der Vereinigung wird am Sonntag, 14. Juli, in Wölfersheim abgehalten werden, Starkenburg und Rheinhessen« i m. Offenbach a. M., 13. März. Das Infanterieregiment Nr. 168, von dem das erste Bataillon in Butzbach und das zweite in Offenbach liegt, soll durch die Bildung eines dritten Bataillons vermehrt werden. Um die Garnison dieses neu zu bildenden Bataillons haben sich Butzbach und Friedberg beworben, auch mit Lf,enbach sind Unterhandlungen im Gange. Da nach Mitteilungen des Beig. Weil ein Kasernenbau einen Kostenaufwand von 1860 000 Mk. erfordern würde, war man anfänglich gegen ibie Uebernahme des Bataillons. Gestern hat sich abermals der Verfassungsausschuß damit befaßt. Von der Erwägung ausgehend, daß in den letzten Jahren alle in Frage lammenden Städte die Kasernenbauten übernommen haben und daß das dafür aufgebrachte Kapital vom Militarfis- kis mit vier Prozent verzinst und mit einem Prozent amortisiert wird, so daß in Wirtlichkeit, abgesehen von der Kapitalbeschaffung, keine Kosten für die Stadt entstehen würden, wurde die Bürgermeisterei ermächtigt, mit der Militärverwaltung in weitere Unterhandlungen zu treten. Hessen-Nassau. fj Marburg, 12. März. Die Beratung des städtischen Voranschlags für 1912 konnte heute abend von den Stadtverordneten zu Ende geführt werden. Der ordentliche Voranschlag wurde auf 1 441 800 Mk. und der außerordentliche auf 460 560 Mk. festgesetzt. Tie Ausgaben werden durch 852 420 Mk. eigene Einnahmen und 589 400 Mark Steuern gedeckt. Die andauernd günstige finanzielle Lage der Stadt ermöglicht, wieder eine Herabsetzung aller Steuern um 6 Proz. emtreten zu laßen. ES gelangen demzufolge zur Erhebung 160 Proz. Zuschläge zur StaatSem- kornmensteuer und 182 Proz Zuschläge zu den Realstcuern. w Wiesbaden, 12. März. Heute wurde hier der Verein Deutscher Adler mit dem Zweck der Förderung des deutschen Militärflugwesens gegründet. Ter Zweck soll erreicht werden durch Beschaffung von Mitteln in Form einer Nationalsammlung zur Anschaffung und Erhaltung von Luftfahrzeugen,^ sowie zur Ausbildung von Fliegern. Ter Verband wird demnächst einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen. Von der Regierung und einer Anzahl von Großindustriellen ist dem Unternehmen weitgehende Unterstützung zugesagt worden. Geriehtssaal. Wiesbaden, 12. März. Ter ehemalige Direktor der Zemralverkaussgenossenschaft Deutscher Winzervereine in Eltville, Werner, erhielt wegen Unueue, ttmeriuMgung, schwerer Ui> kundensälschung, drei grober Bilanzfälschungen und wegen Verfehlung gegen das Geiwssenschafisgeietz zum Nachteil der Zentral- oerkaufsgenossensä-afl Nl)emgauer Winzervereine und der Zen- tralvcrlaussgesellschaft 2-cmiujer Winzer vereine in Eltville drei Jahre Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe, sowie 3Jahre Ehrverlust. Er wurde sofort verhaftet. Hamburg, 12. Mürz. Der Redakteur des „Hamburger Fremdenblattes", Tr. Obst, ist im Zeugniszwangsvcrsahren zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt worden, da er unter Berufung auf seine Berufschre das Zeugnis verweigerte. Von einer Hast- strafe wurde auf Wunsch des Staatsanwalts abgesehen. Lnstjcyisfatzrt. Berlin, 12. März. Auf dem Flugplatz in Teltow ist heute nachmittag der Ingenieur Stein mit seinem selbstkonslrn- ierten Eindecker abgestürzt. Er hat schwere Verwundungen üavon- getragen. Berlin, 12. März. Die Leutnants Engwer und Schmitz von der Döberitzer Fliegerschule unternahmen heule vormittag eine Versuchsfahrt mit einem Militäraeroplan. Auf der Potsdamer Chaussee, in der Nähe von Zehlendorf, stürzte der Apparat aus unaufgeklärter Ursache in die Tiefe und ging vollständig in Trümmer. Schmitz wurde schwer, Engwer leicht ver- l etzt. Kleine Eageschronit. In Straßburg i. E. stiegen in der Nacht vom Sonntag auf Montag Diebe in das Münster, zerstörten eines der kostbarsten F ü r st e n fe n ft e r, erbeuteten Opfcrgeld und ent kamen unerkannt. In Warschau ist die Flucht des Mönchs Ma zock aus dem Petrikauer Gefängnis unbestätigt. Der älteste Oberammergauer, L e d e r m a n n , der in allen Passionssvielen seit dem Jahre 1830 mitwirkte, ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der König von Spanien hat durch seinen Rechtsanwalt vor dem Gerichtshof von St. Gaudens erklären lassen, daß er die Erbschaft von 21/» Millionen Franks an treten wolle, die ihm im vorigen Jahre der im Jrrenhause zu BragueviNc verstorbene Rentner Capene hinterlassen hat, da das Testament auS einer Zeit herrühre, wo der Erblasser geistig gesund gewefen sei. Die Nichte Sapenes hgt die Rechtsgulligkeit deS Testaments angefochten und ihr Anwalt verlangt die Ablehnung der vom König Alfons verlangten Einsetzung eines Sequesters. Kiiuiid)cr Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. WettcraliSfichten in Hessen Mr TouncrStag, den 14. März 1912* Wolkig, ocieuijelt leichte RegeufaUe, milb. Letzte Nachrichten. AuS der Hessischen Zweiten Kammer. bs. Darmstadt, 13. März. Die Zweite ft a m t x begann heute die E i n z e l b c r a t u n g des Voranschlages des Ministeriums des Jnnerii. Tie Kapitel 24—29 werden angenommen, ebenso Kapitel 30, nachdem Minister von Homberg k einige Wünsche der Abg. Köhler (Ntl.) und Finger (Ntl) zusagend beantwortet hat. Bei Kapitel 31, Gendarmerie, wünscht 21bg. Breidenbach (Bbd.) Anschluß der Gendarmeriestationen an das Telephon. Minister von H o ni b e r g k erkennt die Dring • sichlest dieser Forderung an. Bei Kapitel 32, Polizei, entsteht zunächst eilte längere Aussprache über die Geschäftsordnung, nadi deren Beendigung Minister von Hombergk die Gründe darlegt, die sür die Verstaalliclmng des Polizeiwesens in Offenbach sprrcl-cn' Abg. E l ß n e r t.,(Sozd.) bezeichnet die Verstaatliduuig der Polizei als einen Eingriff in das städtische Selbstverwaltungsrecht, während Abg. von Brentano (Ztr.) sich sür die Verstaatlichung au-.- spricht. — Die Sitzung dauert fort. ist. SBimbn- lbschürsuM im Gebraut : ersleulichki- eine erneu!! rischen Ach üttag nmrix in der Sah- Straße fch abahn gt wurde t! ind zog do Billige Apfelsinen! 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