-er iv» Erlchetnt ti-Uch mü Ausnahme bei SonntagT, £te „Gletzener $.)5 Der Vertreter Bremens hat gestern eine erschütternde Rede gehalten Die Bremer Arbeiter sollten doch am besten wissen, was unsere Kolonien für den dcutsclvn Handel bedeuten. (Sehr flutl) Herr Henke hätte sich vor seiner Jungfernrede doch informieren müssen, wie seine eigenen Parteigenossen über Kolonialpolitik denken. Der Redner zitiert kolonialfreundliche Aeuherun- gen von Eduard Bernstein, Huö und anderen. H u e hat auf den Nutzen der Kolonien als Rohstoffgebiete hingewiesen und sich dabei auf ähnliche Anschauungen Bebels berufen. Der Herr Vertreter der Stadt Bremen hätte doch an der Bremer Baumwollbörse erfahren können, weshalb wir Deutsche jetzt Baumwolle zückten (Sehr wahrI), wieviel Kapital von uns schon hineingesteckt ist, mit welchen Schwierig, feiten wir dort in den Tropen zu arbeiten haben. Wir wollen un3 freuen, dah wir schon bei 5000 Ballen angekommen sind. Dann der merkwürdige Vorstoh des Bremer Herrn gegen d i e SKiffinnen! Gewiß, der Islam verbreitet sich, er wendet sich an die niedrigsten Instinkte des Menschen. (Unruhe der Soz.) Ich kann aus eigener Erfahrung feststeven, daß gegenüber der Mehrehe die Missionen, die katholische wie die evangelische, niemals kapitulier! haben. Sogar bekehrte Christen wurden, wenn sie zwei Frauen hatten, aus der Kirche ausgeschlossen. Wir ver- wahren uns dagegen, dah diese Männer, die ihre Leben einsehen für eine Ide-, ohne jeden persönlichen Vorteil verunglimpft wer- den. (Beifall.) Leider stehen unsere Kolonien im Zeichen des Gouverneurweck sels. Das ist nickt erfreulich, wie überhaupt der Veamtenwechsel. Wir müssen dahin streben, dah gerade die Gouverneurstellen in festen Händen bleiben, denn der Gouverneur bedeutet, wenn er überhaupt eine Persönlichkeit ist, ein System. Wir wollen hoffen, dah der neue Gouverneur in Ostafrika, der ja noch in jugendlichem Alter steht, zehn Jahre dort bleibt. (Zuruf: Sckneelandschaft!) Unter Herrn v. Rechenbcrg ist die Kolonie glänzend emporgestiegen. Sic kann jetzt das große Eisenbahnnetz voll verzinsen. Dagegen in Südwest haben wir '.n ach! Jahren vier Gouverneure gehabt. Durchaus einverstanden bin ich nut der Verlängerung der Dienst. Periode der Beamten von drei auf vier Jahre; auch für die tropischen Kolonien sollte sie von zwei auf drei Jahre erhöht werden. Der Redner empfiehlt die Ausnutzung der Holzbe stände in den Kolonien, besonders auch für Eisenbahnschwellen, und nimmt Bezug auf die Erklärung des preupischen Ei'enbabnministers. wonach probeweise tropiscke Hölzer auch in Deutschland verwendet werden sollen. Die In der frage ist alt; mit Erhöhung der Gewerbesteuer und der Lizenzgebühr sollte man den deutschen Kaufleuten Schutz gewähren geg n diese Konkurrenz. Der Redner bittet den Staatssekretär, sich über die Arbeiterfrage auszusprechen ferner über die schwierigen Verhältnisse des B o d e n e r w e r b s. In Kamerun tritt immer wieder der Widerpart zwischen Nord- unb Südkamerun auf. Ter Gouverneur sitzt in Buna, dort sind die Bahnen, und ter Süden hat gar nichts. Nun heißt es, die Trace der Mittellandbahn sei erwählt; es habe gar keinen Zweck, sie weiter nach Süden zu führen, die Südfarmer hätten gar keinen Nutzen davon; diese forderten für sich eine eigene Bahn, direkt von der Datangaküste herauf. Hierüber muß Klarheit ge- schaffen werden. Bei Neukamerun sollte die Regierung nicht erst die Festsetzung der Außengrenzen abwarten, sondern sofort die Besitzergreifung vollziehen und die für den Handel erforderlichen Bestimmungen treffen: das Verbot des Handels mit Pulver unb Gewehren, des Raubbaus, das Gebot der Nackpflanzung von flaut- chuk, die Barzahlung an die Träger usw. Notwendig sind flaut- 'chuk-Jnspektionen. Keine Nation kümmert sich so sehr um Kultur- förberung wie die deutsche; aber es geht nickt alles auf einmal. Wir können nicht auf einmal die Schulpflicht in Afrika einführen. Ter Redner fordert weiter eine stärkere Unterstützung der evan- gelifchen Kolonialsibule Ditzenhaufen. Nur zwei Drittel der Scküler sind in die Kolonien mit Anerkennung hinauSgelaffen, tic anderen sind hier fckon abgesckoben. Die Schule sorgt eben für Selbstzucht, die drüben in den Kolonien so notwendig ist. (Beifall.) Abg. Noske (Soz.): Tag Programm des Herrn v. Siebert lautet: Keine Bildung ber Neger, feine erfülle, sondern die Aufgabe der Neger sei, zu arbeiten. Der Redner spricht über die Arbeiterfrage. Die Nilpferdpcitsche herrscht noch jetzt Vielsack in Citafrifa. Vom Dia. manfcnrumme( hat das denlscke Volk nicht den geringsten Vorteil, der Ertrag gebt an das südwestafrikanische Schutzgebiet. Daß der Bahnbau die Erschließung des Landes fördert, fällt mir nicht ein zu bestreiten. Aber die äußerste Vorsicht ist notwendig, da die Kolonien genug damit bepackt sind. Tic Henckesche Rede hat Herrn Erzberger z u recht lebhaften Lob sprächen aus die Kolo- i-ien veranlaßt. Die Sozialdemokratie ist gegen die kapitalistische Kolonialpolitik. Gegen eine wirklich kulturelle Erschließung rück, ständiger Gebiete haben auch wir nichts. Allzu gut stebt eS mit unseren Kolonien nicht. Von Kiautscbou sagte ein sehr bekannter nationalliberaler Abgeordneter, wir würden eS nicht noch einmal pachten. Und was wir über Südwestafrika in der Kommission gehört haben, war ein Jammerlied allerschl im in ft e r •'l r t. (Hört? Hört!) Ter Nationalwohlstand ist durch die Kolonien um keinen Pfennig gebessert worden. In Südwestafrika stecken 600 Millionen guten deutschen Geldes. Zurückbekommen haben wir dafür 8000 Invaliden! Die Maste des deutschen Volks, die Maste der Arbeiter hat keinen Vorteil von diesen Kolonien. Das hindert uns aber nicht, uns mit beiden Füßen auf den Bo de n der gegebenen Tatsacken zu stellen. (Hört! Hört!) Deutschland hat Kolonien, hat eine Menge Geld verpul- t’crt und eine Menge Menschenleben geopfert. Darum haben wir auch an der Beseitigung von Mißständen mitgearbeitet. Wir verkennen auch die Wichtigkeit der Baumwollenfrage nicht. Was für die Baumwollenkultur hier im Reichstage getan wurde, ist mit unserer Zustimmung geschehen. (Hört! Hört!) DaS sollte auch Herr b. Siebert wissen, der ja Aufsichtsrat von sehr faulen kolonialen Gründungen i ft (Hört! hörtl). Es ist ein klägliches Resultat im Vergleich zu den bombastischen Redensarten, daß in allen Kolonien zusammen 21 000 Weiße leben; davon sind 9440 erwerbstätige Männer und 4140 Beamte, also etwa auf je 2 Männe.' ein Beamter! In keiner auSländisclien Kolonie gibt eS auch nur annähernd soviel Beamte. Da ist es begreiflich, wenn die Ansiedler sagen, wir können nicht vorwärts kommen, weil die Beamten die ganze Kolonie auffressen! Es wäre direkt frivol, die Besiedlung in Ostafrika besonders zu fördern, da wir wissen, wie 'tznell selbst die Beamten kaputt gehen, trotzdem sie längere Erholungsurlaube erhalten Höchst bedauerlich ist, daß der Alkoholgenuß in den Kolonien sich nickt einschränken läßt. Besonders in Süd west, der versoffensten Kolonie, wird jeder Anlaß zu großen Saufgelagen wahrgenommen. Tie beutschen Geldgeber machen in den Kolonien die schlimmsten Erfahrungen. Traurig ist eS, daß Herr von Siebert auf einem Prospekt einer ganz besonders faulen Unternehmung mit all seinen Titeln als Mitgründer verzeichnet ist. Da haben wir Sozialdemokraten alle Ur'' ^e, unsere warnenden Stimmen zu erheben. An der Barb. :i der Rechtspflege hat sich noch nichts geändert. Es ist ein Schimpf unb eine Schande, daß so viel geprügelt wird. Tie Zahl der Bestrafungen wächst ungeheuer. Es wird behauptet, man nehme absichtlich viel Leute fest, um sie bei den Eisenbahnarbeiten verw"nden zu können. Recht merkwürdige Anschauungen soll auch der Herzog Adolf von Mecklenburg haben, der für Togo in Aussicht genommen ist. Wir werden dieser Kolonie von jetzt an unsere besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Bei den Babnbaut-n in Ostafrika ging eS noch leiblich menschlich zu, geradezu mörderisch aber war es in Togo. Die Ausführungen Henkes über die Missionen sind von den anderen Rednern total mißverstanden worden. (Rufe: Aha!) Auch er ist der Meinung, daß die Missionare unter großem persönlichen Opfermut kulturelle Arbeit leisten. (Hört! Hört!) Er meint aber, daß die Missienare die Eigenart der Schwarzen nicht kennen und sich nicht genügen^ um sie kümmern. Trotz unserer arunMählirfien Abneigung gegen die Kolonialpolitik, werden wir für wirklich kulturelle Aufgaben immer eintreten. (Beifall der Soz.) Staatssekretär des Kolonialcimts Dr. Solf: Zunächst einige allgemeine Betrachtungen, kein allgemeines Kolonialprogramm! Ein solches hier aufzustellen, würde ick nicht für richtig halten, um damit nicht im Hause und außerhalb den Anschein zu erwecken, als ob bei dem von verschiedenen Rednern beklagten häufigen Wechsel des Leiters des .Kolonialamtes auch zugleich ein Wechsel des Systems und des Programms eingetreten sei. Ein solches Programm ist auch nicht nötig, weil tatsächlich kein neues Programm vorliegt, denn das Programm, wie es mei'n'e beiden Herren Amtsvorgänger mit Z stimmung dieses Hauses fest gelegthaben, ist auch mein Programm. Ich werde mich bemühen, innerhalb des Rahmens des Programmes die Schutzgebiete zu fördern, soweit es in meinen Kräften steht. (Beifall.) Die Tätigkeit bei .Kolonialverwaltung unterscheidet sich ganz erheblich von der Tätigkeit der übrigen Reichsämter. Tie übrigen Reichsämter bilden jedes für sich ein besonderes umschriebenes Ressort und alle zusammen eine allgemeine Landes- Verwaltung. Das Kolonialamt ist für sich selbst allein eine allgemeine Landesverwaltung (Sehr richtig!), nur mit dem Unterschied, daß sich diese Verwaltung auf Länder bezieht, die nicht in Deutschland liegen unb mit ber Entwicklung Deutschlands historisch und geographisch in gar keinem Zusammenhänge stehen. Teswegen erscheint eS mir nicht richtig, daß wir ohne weiteres die Partei- gruppierung hier auf die Schutzgebiete übertragen. Ich bin überzeugt, wenn die Schutzgebiete sckon soweit wären, daß sie e i n eigenes Parlament hätten, so würden die Jntereyen, die Bedürfnisse der Schutzgebiete in diesem fiolonialparlament ganz anders gruppiert sein, als in diesem Hause. Ich habe es deswegen stets bedauert, daß sick an ber Wiege dieses Amtes die heimische Politik gleichsam als eine böse Fee uneingelaben eingestellt hat. Es wird mein Bestreben sein, die Kolonialverwaltung aus den Fittichen dieser bösen Fee herauszuführen, unb ich bitte Sie, mich dabei zu unterstützen (Beifall), denn ich meine, daß die einzelnen Kolonien kein Tummelplatz für die Betätigung der Parteiinteressen sind, sondern ich glaube, daß unser gesamter Kolonialbesitz ein weites und breites Feld für die Betätigung von Ihnen allen zusammen unb der Regierung bilden. Auf eine Kolon-alpolitik, wie sic der Abg. Henke vorschlägt, können wir unö im zwanzigsten Jahrhundert nicht einigsten Die große Mehrheit des Hauses und des ganzen deutschen Volkes wird nicht mit ihm übcrcinftiinmen. ich glaube, sogar nicht einmal die Sozialdemokratie wird diese absolute bedingungslose Negation billigen. (Zustimmung.) Ter Abg. Erzberger hat Ihnen 50 Jahre gegeben, um Positives au schaffen, ick gebe Ihnen nur 5 Jahre, unb ich glaube, selbst schon jetzt bemühen Sie sick unter einem Deckmantel, positiv mitzuarbeiten an unteren Kolonien. (Zuruf des Abg. Sebebour: Wir haben immer positiv mitgearbeitet. — Heiterkeit.) An einem einzelnen Beispiel, an ber Stellungnahme der Sozialdemokratie zur Baumwollkultur, kann irf) das nach- weisen. Der ,Vorwärts" schrieb am 16. Oktober 1903: Wir jinb durrftaus Gegner der Kolonialpolitik, lieben aber den in 'Jlfufa gemachten Versuchen, die Baumwollkultur auSzudehnen, sympathisch gegenüber. Der Al^g. Henke hat gesagt, irf) stehe ihnen unsympathisch gegenüber. (Zuruf bei den Soz.: I wo! — Heiterkeit.) Ebenfalls steht die Sozialdemokratie anderer Lander, England zum Beispiel, diesen Bestrebungen durchaus sympathisch gegenüber. Zu der britischen Baumwollvereinigung zahlen die dortigen Arbeiter etwa 600 000 M. freiwillige Beiträge. Meine pertönlicheStellung ist genau die meiner Amtsvorgänger: die Rohprodukt'on unserer Kolonien zu fördern. DaS tun alle Nationen, die Kolonialpolitik treiben. Die Erfahrungen Rußlands sind bezeicknend. Seit Mitte der 80er Jahre begann es unter großen Schwierigkeiten Baumwollkulturen in Transkaukasien und Turkestan und deckt jetzt des eigenen Bedarfes des großen Reiches. (Hört! Hört!) Allerdings waren die Verhältnisse dort zunächst günstiger als in unseren Kolonien. Aber wir haben von den .alten Kulturstaaten die Kulturen kennen gelernt und führen felbstverständlich aern bewährte Einrichtungen ein. Wir können hoifnunasfreubig in die Zukunst blicken und hoben keinen Anlaß zu Pessimismus. Man denke an die unglückseligen Verhältnisse, als in den sechziger Jahren durch den Sezessionskrieg die amerikanische Baumwolle auSblieb unb ber Bvumwollhunger ausbrach: 250 000 Arbeiter wurden brotlos unb 1% Millionen Menschen, «hre Frauen und Kinder, kamen an den Bettelstab. Unsere Kulturen bringen jetzt erst wenige Tausend Ballen, sie können aber späterhin solche unglücklichen Kalamitäten auS der Welt schaffen. Bezüglich des KolonialgerichtshoseS habe ich bereits in der Budgetkommissioii geäußert daß wir eine dritte Instanz absolut notwendig brauchen, unb daß eine Verbindung von 83er- Wallung und Justiz, soweit sie noch vorhanden ist. völlig auS- scheiden muß. Der neue Entwurf betr. den Kolonial- gerichtshof. ist fast fertig unb wird möglichst bald dem BundeSrat unb dem Hause zugehen. (Beifall.) Die Richten in den Kolonien sind oft stark angegriffen worden. Die Schuld tragen sie nickt allein. Die Laiengerichtsbarkeit ist dort weit mehr ausgebildet als in Deutschland, unb den Richter, der mit vier Beisitzern arbeitet, kann man nicht für jedes Urteil verantwortlich machen. Die Regierung bedauert den Prozeß Wäckter und b i e recht peinlichen (Streiflichter, die dadurch auf das kollegiale und kameradschaftliche Verhalten der Beamten geworfen sind. Man wird Herrn v. Wächter ein menschliches Mitgefühl nicht versagen können, aber wir müssen dock abhxirten. bis daS Urteil vorliegt, und ob die Freisprechung darin auch eine moralische Billigung findet. Nach meinen Erfahrungen mutz dem Gouverneur zunächst die Befugnis, auszuweisen, erhalten bleiben. In den Kolonien steht eine geringe Minderheit von Weißen einer großen Mehrheit von Eingeborenen gegenüber, unb es ist außerordentlich gefährlich. wenn da ein Weißer mit den Eingeborenen ober gegen die Weißen arbeitet. Das kommt vor. daS kommt täglich vor. Ich wollte, ich hätte einen euphemistisckeren Ausdruck dafür (Heiterkeit.) ES handelt sich ja nicht um Ausweisung eines Deutschen aus dem deutschen Gebiet: es ist genau dasselbe, was wir im Freizügigkeitsgesetz haben Wir können nicht einen Deutschen aus Kamerun oder auS Afrika auSweifen und sagen, er soll ins Ausland gehen. Nein, eS ist wie die Ausweisung aus einem Bundesstaat in den anderen. Es ist wirklich nicht io schlimm wie der Ausdruck schließen läßt. Ter Staatssekretär äußerte sich sodann zu der M i s s i o n s f r a g e. Der Fall, daß ein Missionar Vielweiberei geduldet hat. ist mir nicht bekannt, und ich kann mir einen solchen Fall auch gar nicht denken; es müßte denn gerade der Eingeborene verschwiegen haben, daß er noch eine zweite Frau hat. DerISlam ist dem Christentum gegenübergestellt worden, und zwar unverkennbar mit ber Tenbenz, ben Islam wegen seiner Wirkung auf die Eingeborenen herauszustreichen. Das ist für uns eine akabe- miscke Frage. Nachdem wir als christlicher Staat Länder mit un- zivilisierten Eingeborenen einmal gewonnen haben, ist cs unsere Pflicht, Propaganda zu machen für das Christentum, ohne eine andere daneben stehende Religion zu berücksichtigen. Daß sich die Wirkung des Islams mich nicht auf die Eingeborenen günstig gezeigt hat, beweist die Geschickte des Islam. Nun komme ich zu dem Thema, das einen breiten Raum in der Erörterung eingenommen bat, bie Haussklaverei. Wir sind durchaus bestrebt, sie auszurotten, und das hat auch gute Fortschritte gemacht. Es ist nun behauptet worden, daß in Tahora fast 75 Prozent aller Gericktsfälle sick auf Haussklaverei beziehen unb 25- bis 30 000 Sklaven dort jinb. Sollte bie Ziffer stimmen, so kann nicht die Stadt Taoora gemeint fein, ''ondern Großtabora, also mit den ganzen umliegenden Dörfern, und da wäre die Zahl von 25 000 -noch aar nicht bock. Stimmt eS mit den 75 Prozent aller Gerichtsfälle — übrigen? ist daS Angelegenheit der Bezirksamtsmänner — dann spricht das ja nur zugunsten der Bestrebungen ber Regierung, bie Haussklaverei ahzuschaffen. Den ungünstigen Scklutz, den ber Vorrebner gezogen bat, kann ick nickt daran? ziehen. Tie Vorsck!äge zur Abschaffung ber HauSsklaverei sinb mir sehr sympathisch, aber im Einvernehmen mit dem sehr bewanderten, hier anmci’enben Gon- herneur habe ick Bebenken aeaen bie Festsetzung de? Termins. TieSckwieriakeiten halte ich nickt für unüberwindbar, bitte aber, ber Regierung Spielraum zu lassen zur Prüfung, welcker Termin richtig ist. Vorsicht ist bock nötig, es schncibet tief ein in das Leben ber Eingeborenen. Beim Wort Sklaverei kommen über uns alle die Jugenderinnerungeii von „Onkel Tom? Hütte" und all den schönen Geschichten, die sick auf den amerikanischen Sklavenhandel beziehen und womit soviel Unheil angeriebtet worden ist. (Zuruf b. d. Soz.: Unheil?) Unheil wegen der falschen Beurteilung der Verhältnisse. Tie Tatsache der Sklaverei ist nach unseren ethischen Begriffen eine Unmöglichkeit; aber die Sklaverei in Afrika ist wirklich nicht so schlimm und grausam aufzufassen, wie nach den Schilderungen in Amerika. Ach glaube, wenn Sie uns ei n etwa» langsamere- Tempo gestatten, wir können Ihnen da» versprechen abgeben, bafc wir sie allgemein abschaffen werven. nur wegen des Termin» haben wir Bedenken. Tie englischen Kolonien hoben die Sklopen- holter hoch entschädigt, auch da muffe« wir die Frage prüfen, wie weit das Schutzgebiet dazu in der Lage ist, die Koste« aufzu- bringen. Sodann der Mkoholmihbronch. Die Kolonialverwolkung steht nach wie vor auf dem Standpunkt der Dernburgschen Denkschrift. Sie wird alles tun. was in ibrcn Kräften steht, den Alkohalkonsum einzuschränkcn. Tie verbündeten Regierungen werden die Jni- tiative ergreifen, um in Brüssel diejenigen Bestimmungen der Brüffeler Akte, die in Afrika noch nicht durchgeführt sind, zur Ausführung zu bringen. Es handelt sich bei dieser Konferenz erstens um die Heraufsetzung bei Zoll» für Spiritus und Alkohol und zweitens um Festsetzung der Regulierung der in der Brüffeler Akte bereits festgestellten Sperrzone, eine Sone, die parallel mit der Küste gebt und über die hinaus in» Innere die Mächte der Kongoa.'te sich verpk'.ichtet haben, feinen Spiritus einzuführen. Frankreich hat sich aber zur Einhaltung dieser Abmachungen nicht verstanden (Hört! Hört» und die Brülleler Konferenz ging also an dem Widerstand Frankreichs erfolglo» auseinander. (Hört! Hört» Wir werden aber nicht nachlaffen. bet der französischen Regierung vorstellig zu werden, damit endlich der Zustand erreicht wird, wie ihn die Mächte durch die Brüffeler Akte erreichen wollen. (Beifall.) Sodann die Kameruner Bahnprojekte.. Da» Südprojekt, das den Jntereffen der € übfirmen entspricht, ist an sich wohl überlegt und gut. To« Problem einer Südbahn lieat aber in Kamerun für da« Gouvernement ander«, al« für die Interventen und die auswärtigen Firmen. Wenn Sie sich die Karte von Kamerun ansehen, werden Sie sehen, daff e« notwendig ist, da» Innere von Kamerun mit seinen Produkten zu erschlieffen und eine Zubringerbahn nach der Küste zu bauen. Nun ist die Frage, ob von Kribi ober Tuala unb die Entscheidung muh für Tuala fallen. Einmal ist e« ein natürlicher guter Hafen, ber ein sehr guter Hafen werben wirb; Kribi leibet unter der Unmöglichkeit, einen Hafen anzulegen, e« ist und bleibt eine offene Reeve, und wir haben soviel schlechte Erfahrungen in Südwest mit den offenen Reeden gemacht, mit den Molen und Lan- dungSwerften, baff wir nicht einen Crt ohne Hafen nehmen können. Haben wir eine große Mole, so ist es baSselbe, wie in Togo, und eine kleine, so wie in Swakopmund. Aber nicht nur diese technischen Gründe sprechen für Tuala, sondern auch politische Verwaltung»gründe. Ta» östliche Innere von Kamerun ist noch nicht so erschlaffen, daß mit Sicherheit damit gerechnet werden kann, daß dem Vordringen unserer Kaufleute die Eingeborenen nicht Schwierigkeiten machen werten. E» muß damit gerechnet werden, daß gelegentlich Schuhtruppen nach dem Süden gebracht werden müffen, und da ist e« doch natürlich, daß man die Dahn dahin lenkt, wo die Schuhtruppenvem'altung sitzt unb olle die Verwaltungsorgane. Ausschlaggebend ist aber folgender Grund: Tie Bahn, die die Interessenten in Kribi haben wollen, wird immer eine Stichbahn sein unb bleiben, aber wir sind schon von der Anlage von Stichbahnen in den Kolonien abgekommen. Wir brauchen eine große Zubringerbahn au» dem Innern an das Meer, die Anschluß hat an ein bisher vorhandenes Bahn. Wem, unb da» wäre die Mittellandbahn. Wie man im einzelnen bie Trace zieht, kann ich noch nicht übersehen. Tie Angelegenheit biefer neuen Eisenbahn liegt aber in ber Hanb beS jetzigen Gouverneurs Ebermeher, der außerordentlich sachverständig ist, der bi« ganze Eisenbahnbaufrage im Kolonialamt bearbeitet hat. Tie Kolonialverwaltung steht auf bem Standpunkt, daß bie Xnrife den Bedürfnissen de« Landes angepaßt fein müssen, der Eingeborenen und bet Weiffen. Es ist verlangt worben, baff auch bie Landstraffen auSqeoaut werden sollen und die Schutz, truppe mithelfen soll. Ich kann da mittcilen, bah in Sübwest» afrifa bie Schuhtruppe sehr rege beteiligt war an ben Tamm. bauten nach dem letzten großen Regenwasser. Da« Crienta. lifaje Seminar wirb nach der Anweisung ber Kolonial. bermnHnng ;etzt von allen besucht, die nach Ostafrika gehen. Wa« die Anwerbuna von Arbeitern : n L st a f r i k a an- langt, so ist gegen bie AnwerbungSverorbnung keine Klage bisher erhoben worden. Tie Klagen beziehen sich mehr auf da» Per- baltni« zwischen dem Arbeitgeber und ben Mittelspersonen, bie ba« Anwerben von Eingeborenen als Geschäft betreiben; ba ist ffswflt worden, die Gebühren seien zu hoch. Ta« ist aber keine Gebubr. das ist lediglich der Verdienst des Anwerbers. Sodann ist an mich bie Frage gerichtet, ob bie neu erworbenen Gebiete in Neukamerun so wenig wert sind, al» damals bei den Verhandlungen in der Preffe behandlet wurde. Ich kann Ihnen die Mitteilung machen, daß allmählich in der Bewertung dieser Ländereien doch eine du rchauS günstige Stimmung Platz gegriffen hat. Ma« die KonzessionSgesellschaft - n betrifft, so arbeitet ba» Kolonialamt mit bem Auswärtigen Amt Hand in Hand in bec Erledigung dieser schwierigen Materie. E« ist selbstverständlich, daß wir uns durchaus auf den Boden der Kongoakte stellen und nicht gestatten werden, daß die Privilegien Einzelner die Han- delSfreiheif anderer stören. Im einw'nen darf ich bitten, daff 'ch mich über Neukamerun aussprechen kann, wenn Ihnen der Nachtragsetat über die Angliederung der neu erworbenen Lände, reien vorliegen wird. Herr v. Siebert hat die Inder frage berührt. Es ist eine sehr schwierig« Frage, und wenn Herr v. Rechen, berg getadelt wurde, daß er in der Jndersrage eine zu lare ?,oh^-$ekieb,*n^at' dann muff ich diesen Tadel weitergeben an Die Machte, die die Kongoakte beschloffen haben. Ter Gouverneur kann nicht» gegen die Inder machen, ohne daß Deutsch, land ben vertragSrechten ber Inder gegenüber vertrag-brüchig wirb. Sie finb Jahrtausende, möchte ich sagen, in Ostafrika, unb ich kann Ihnen bie interessante Mitteilung machen, daff ein Sprach- forscher herauSgefunden hat, daß in ber Bantu-Sprache Sanskrit. Elemente enthalten finb. Diese Leute nun mit einemmal au« diesem Lande herauSzutreiben. da« geht nicht. Ich gebe zu, Seuchen unb onbere Krankheiten sinb von minderwertigen Ele. menten bei der Einwanderung hereingevracht, aber dafür gibt e» andere Gesetze, Quarantäne usw. Allgemein können wir die Jnd-r nicht m,«schließen. Daß sie dicht In jeder Beziehung erwünscht sind, gibt die Verwaltung ohne weitere« zu; aber die Jndersrage ist nun einmal eine von ben Schwierigkeiten, mit benen wir in ber Kolonie zu rechnen haben; wir können sie nicht au« ber Welt schaffen. Wa« bie Klagen über großen Schwierigkeiten de» Landerwerb« in Ostafrika anlangt, so finb bie Beschränkungen, bie bat Gouvernement barauf gelegt hat, hier vom Hause gewünscht worden, um der Spekulation entgegenzutreten. E« sind aber auch noch andere Schwierigkeiten ba; wer ein Lanb kauft, muß c« der- meffen haben unb bie Vermessung in ben Kolonien geht nicht toJe .5icc uni. Heber die Benutzung von Holzschwel en bei den E i s e n b a h n b a u t e n hat die Kolonialverwaltung verschiedene versuche gemacht. 3 Kilometer sind gelegt; wir muffen erst wiffen, wie sich da, bewährt. Ich glaube nicht, daß wir allzu optimistisch s-in können, nach ben Er- 'n btn «nb(„n tropif*fn Slofonicn. pur ^örbrnrng inrm IfJ 8 0 ?' ,f‘ ,m vergangenen Jahr eine M Uster. I®1® schon angeregt worden. 1 « chule in Wihenbausen wurde schon In der rubgetfomimffon beantragt, einen höheren Iahre«sad Der « b» Echü er einzustellen. Die Regierung batte erklärt, daß sie t ^"Vialvem-altung wird voraussichtlich im vachslcii Etat darauf eingehen. Schließlich ist von einzelnen Ab- «orbneten behauptet worden, daß wir zuviel Beamte in den Kolonien hoben Ich laffe e« dahingestellt, ob dieser °£C '/""«dearnle in Zukunft vielleicht gestrichen werden kann Ü1*1 -br*€1 emarfuiiflen zn beziehen, da es Vesser ist, vatz ber Baurn in ein« waimere Gegenb fommt, als umgeteort Alan kaufe nur 6 dis o v,aure alle Bäume mit einjähriger Krone, einmal veredelt, nut 5—ü üronenäsien. Tie Stämme sollen wie Motnljalme gebaut und bie Wlirzeldlldung DoUfoinmeii fern. Bei schlechter Bobenbefchafsen- üeit soll Die Baumgrude je 1 Aletei lang, drei! unb tief lern, ba- gegen genügt lei gutem Boden eine Tie e von 7ö Zentimeter. TU Baumpfahle müfien z,bo Dieter lang uno 10 Zentimeter dick fein. Sie sollen möglichst aus einem Ficylenitanuniuta deitehen. Unten müssen 50 Zentimeter gebrannt und geteert sein; o>>ch die obere Fläche soll geteert sein. Universttäts-Nachrichten. — Ter Piinbettist uno Zivllrechtsleiuer Gegelmerat ProUffar Dr. jar. Fribolin Eisele m Freiburg L Br. voUeubet am 2. Mai da« 7ö. Leben«iahr. Am 1. Oktober 1911 hat Prof. Eisele in ben Ruheitanb. Best bewährt» gesunde und magendarmkranke Nahrung fUr: sowie schwächliche. In der Entwickln^ zurückgeblieben« Kinder. i-Klndtre*! Tie sparen, ohne zu eutbehren, Vanoluueifc. y.- L Wnu,unfl M des ^üsgwecbevaeL ' g°b bekam, datz die i: zahnte bie jungen Sejellc: nszMden und nicht der Wung |ei mmmehr bmda Vertreter bet vandwee!-. t Bad-Naicheim und ule Kriedberg. - hier n« He hätten dem Frühsten nicht jetzt noch Dtrnt^ x hier eine recht gute M Anten. der feifcnlh|. "nann, sE^gcri aüz' . ns Ivegen? i" - PsW. te-K» 'N, von POnJ U1I9 der I au5u,""ni) u>n he:ur,a ' H «Ä * an««ft1* öl®6= Mr (L: IheinhesskL r Deutschnationalr ianb bätt am Sonnte:, einen 8. handlungi. d Hessen-Nassaua: L ze Zeitsragen. Herr Jul W oelt die „Äirtschajl'I ssgehilfen in M|k ■ ten Mal einen lleberoirt erhältnisse des Gebiete M bringen soll, her pricht über Siegelung de neinden, und Herr Äil: rag über Lehrling-, slege im Kausmrlull sleyrer , Hahrung AW sowie , schwächlich! r AAS' Kinder. tbehre«'°°"L«.. , s Sililt IM’’ [gMlilr«;' lKr«ditbne|el chast. umjucht. Siu« Iroil- jec geschrieben, daß man i- nächster Stave bejiehen |o-x fiiiid. Wenn aber üeraW um e aus nördlicher fltltgtL er ist, oah der Äamn in -u üjrt Man kaute nutlH «tone, einmal veredelt, * it tute Horiitjolme ojbMt «J bet schlechter ÄodenbeMc ang biett und tul w* ite e voit 7Ö M*Mb* UN- »«■**£ emtammsutä bestehen. 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Der Zeiohnnngspreis beträgt 100 nzflglich 4V,prozent. Stückzinsen ab 1. Januar 1912, Stempel der Zuteilungsschlussnote zu Lasten der Zeichner. Z. Bei der Zeichnung ist auf Verlangen der Zeichnungsstelle eine Kaution von 5% des gezeichneten Betrages in bar oder börsengängigen, von der betreffenden Stelle für anlässig erachteten Wertpapieren zu hinterlegen. 4. Die Zuteilung, welche sobald als möglich nach Schluss der Zeichnung durch schriftliche Benachrichtigung der Zeichner erfolgt, unterliegt dem freien Ermessen jeder einzelnen Zeichnungsstelle. Zeichnungen, welche unter üebernahme einer Sperrverpflichtung erfolgen, finden ■vorzugsweise Berücksichtigung. 5. Der Kaufpreis für die zugeteilten Teilschuldverschreibungen ist bei derselben Stelle, bei der die Anmeldung erfolgt ist, in der Zeit vom 15. bis spätestens 23. Mai er. «in zuzahlen; von letzterem Tage ab gelangen die Stücke zur Ausgabe. ^STE^ Mein Frühjahrsangebot bietet Ihnen ganz enorme Vorteile gewähre Schuhhaus Wolff, Giessen, Seltersweg 19 Schokolade Die neue GOLD beherrscht die Weih Deutsches Fabrikat Fabriken: Köln. Berlin. Wien. Pressburg < Pozsony). London. Stamford^New-York. WW8 Gruft 9ioU. [81% Reste Krawattem Pianola, Phonola iü Phonola-Piano 4 Stück 1250 und 950 Mk. 2150 - 2650 Mk. He$*r Walltorstr. 5 Tel. 322 /. Selbstbinder 3 Stück Krawattenalle Fo^tnück Nicht kochen, nur waschen in handwarmer Perslllauge von 30 — 40* Keine weitern Waschzusätze nehmen. Die Reinigung ist vollkommen, das Gewebe bleibt locker und grillig und die Wäsche wird gleichzeitig deainliziert Erprobt u. gelobt! Nur in Originalpaketen, niemals lose. HENKEL & CO., DÜSSELDORF. ^Alleinige Fabrikanten auch der allbeliebten 1911er Apfelwein ist hinsichtlich seiner vorzüglichen Qualität von keinem Jahrgang erreicht worden. 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