Nr. 156 Erscheint t>-7tch mtt Aufnahme Connlagft. ■ 9 immer ■ - Sie „Siebener FomillenblStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da« „Krctsblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschastllche, Lett» fragen" erscheinen monatlich zweimal. ^Turner rS»«10' Redaktion. Expedition und Tnttfereil Schul- ftrafce 7. Expedition und Verlag: ea0 5L Redaktion: «ES HL rel.-Sldr^ AnzeigerEieben. Mittwoch, 12. Juni 1912 •UUftenlbnid und Verlag der Srüblichen UawerfttLt« - Buch- und Sretndruckeret. St Lange, Gießen. thekcn betreffend, wurde einer freisinnigen Anregung Folge gegeben, wonach bei einer zum Verkauf stehenden Apotheke den Gemeinden das Vorkaufsrecht gewährt werden soll. Von der Regierung wurde eine Berechnung der Kosten einer Verstaatlichung vorgelegt. Gin Antrag Zuckmeyer über die Vergebung staatlicher Arbeiten an taristreuc Unternehmer wurde besprochen. 3u einer längeren Aussprache führte die Vorstellung der Bauaspiranten. erheben, zur Hälfte zu den Lasten herangezogen würden x"ie Gemeinden, die mehr als 150 Prozent Konunuualsteuer erheben, sollen freigelassen werden. Danach würde sich eine Minder- belastung der Gemeinden von etwa 70 000—80000 Mark ergeben, welche von den Stählen zu übernehmen sein wurden, wenn der Vorschlag, eine solche Belastung der Gemeinden eimrclcn zu lassen, Aussicht auf Erfolg batte Irgendwelche Beschlüsse wurden aber über diese Punkte noch nicht getaut Morgen wird sich der Ausschuß mit der Sämldentilguug beschäftigen Auch der vierte Ausschuß hielt heute eine Sitzung ab und genehmigte verschiedene Berichte In der Angelegenheit des Abg. 3 o u ß wurde beschlossen, zwei Berichte auszuarbeuen, wovon M> a,r> fett’1 Sem'8’ Tubc^ nur r Der Untergang des „vendemiaire". Paris, 11. Juni. Ans Cherbourg wird gemeldek, daß die am Ort der Katastrophe des „Bendömiairc" zurück- gelasfencn Torpedobootszerstörer keinerlei Bestandteile des Unterseebootes gefunden haben. Man vermutet, daß der „Vendemiaire" von der Strömung fortgerissen worden ist und jetzt auf einem 1.50 Meter liefen Meeresgründe in der Nähe des Cap de la Hague liegt. Paris, 11. Juni. Im Senat richtete der Präsident Dubo st ehrerbietigen Gruß und feierliche Huldigung an die heldenmütigen Opfer des „Vende miaire", die Gefahren für die nationale Verteidigung auf sich genommen hätten. (Beifall.) Marineminister Telcass 6 dankte für die Huldigung, die eine Anerkennung der Marine sei. Diese nehme täglich Hebungen vor, ohne die sie an dem Tage, an dem das Land sie rufe, ihrer Ausgabe nicht gewachsen sein würde. (Beifall.) Au» Reffen. Aus den Ausschüssen. bs. Darmstadt, 11. Juni. Ter Finanzausschuß, der heute seine Sitzungen wieder auinahm, ist nun ein gut Stück D.ges in seinen Arbeiten rodle r gekommen. Den Hauptgegennand Der Beratung bildeten die G e - halte der Volks schullehrer. öierju wurde vom Bauernbund eine neue Skala ausgestellt, nach welcher die Lehrer der unteren Gehaltsklafsen mit den von der Regierung vorgeschlagenen Sätzen bedacht werden sollen, die der mittleren und höheren Gehaltsklasse dagegen mit mehr Zulage, wie in der Regierungsvorlage vorgesehen. Dadurch würde sich eine Mehrforderung do_n etwa 65000 Mark gegenüber der Vorlage ergeben. Tie geforderte Steigerung auf die Höhe von 15 Prozent wurde aber danach nicht eintreten. Tie Summe, die nötig sein wurde, wenn man allen Klassen Die verlangten 15 Prozent bewilligen wollte, beträgt bekanntlich 188 000 Mark, unter Einbeziehung des Wohnungsgeldes sogar 324 500 Mark. Weiter wurde im Anschluß daran über die Heranziehung der Landgemeinden zu den höheren Schullasten gesprochen. Wie tu den Plenarsitzungen bereits hervorgehoben wurde, hielt man auch im Ausschuß an der Unterscheidung zwischen leistungsfähigen und den stark belasteten Gemeinden fest. Tie Regierung legte Zahlen darüber vor, wie hoch sich die Belastung der Gemeinden stellen wurde, roenn die Gemeinden, die dis zu 100 Prozent Kommunalsteuer ausschlagen, voll, diejenigen, die 100—150 Proz. Ud-fN Mgfc der eine im Bureau der Zweiten Kammer ausjielegl, der andere aber vertraulich behandelt werden soll In Sachen des ....... wiederkehrendeil Antrages Ulrich, Verstaatlichung der Apo- KÄTiS »u J'20' kN ftut Ofe uUftomng >n Xag * "• ~ H- Mtn. Zu hsd- erbtogct.Cdo2d)fl0i ’cnbtoflctic W. ihdmis*ori.flbto6eht lvclm «chrader. •• Au» Stadt und Land. Gießen, 12. Juni 1912. ** Lehrerpcrsonalicn. Bestätigt wurde dir von dem Grafen von Schlitz genannt von Görtz auf die Lehrcrstelle an der Gcmcindeschulc zu Hemmen präsentierte Schulamtsaspirant Gg. Dürkcs aus Bechtheim; ferner der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die LehrersteUe an der Gemeindefchulc zu Groß-Gumpeu präsentierte Schul- amtsaspirant Will). Joh. & d) a f f 11 i t aus Wenings. ** Die Hessische Landes-Hypothekenbank gibt bekannt, das; sie in Aendcrung der bisher gültig gewesenen Darlehensbcdingungen den Satz der G c l d b c > ch a f. fungskosten mit Wirkung für die vom 20. Juni ab bei ihr einlaufenden Anträge auf Gewährung von Hypothek- und ztommunawarlehen bis aus weiteres auf 1,9 0 Pr 0 z. festgesetzt hat. **DiePostagentur in Rödgen (Mr. Gießen), deren Einrichtung wegen nicht rechtzeitiger Erledigung des Reichshaushaltseiats hinausgefchoben werden mußte, tritt nun am 17. Juni in Wirksamkeit. ** Konzert für den Jnvalidendank. Am Mittwoch, 19. Juni, findet in Steins Garten abends ein K 0 nzertder hiesigen gesamten Regiments-Kapelle zu Gunsten des „Jnvalidendank" statt, der sich die Förderung der Erwerbstätigkeit und Unterstützung deutscher Invaliden zum Ziele gesetzt hat. Lbcrmusikmeister Löber wird bestrebt sein, dem Publikum einen angenehmen musikalischen Abend zu bereiten. Hoffentlich wird im Interesse der,guten Sache die Beteiligung recht zahlreich fein. ** Ob st einkochen und Frucht saftbereitung. Man schreibt uns: Tie Firma Lang u. Wiederstein hier lagt, morgen einen Vortrag über Einkochen von Obst, Gemüse usw., sowie über Fruchtsaftbereitung abhalten. Der Vortrag dürste für jede Hausfrau von größtem Interesse fein, wird doch anschließend daran das Dampfkoch-System Lri- ginal Bade Duplex und der neue Fruchtsast-Bereitungs- Einsatz dazu (dieser wird in den seitherigen Topf eingesetzt, also kein neuer Topf nötig, praktisch vorgeführt werden Tie neue Erfindung der Saftgewinnung übertrifft an Ein- fachheit alle bisherigen anderen Apparate. (Siehe Inserat.) ** Gemeinden mit Bevölkerungsabnahme in Hessen. Von 1871 bis 1910 Hal die Bevölkerung in 337 Gemeinden, d. i. rund ein Drittel aller Gemeinden in Hessen, abgenommen. Tie Abnahme ist allerdings n. d. Tstt. Ztg. nicht (ehr erheblich. Sie betragt in dem ganzen Zeitraum 12 156 Personen ober 36 Personen durchschnittlich. Da iedoch diese Gemeinden in der gleichen Zeit einen (Geburtenüberschuß von 51 206 Personen auszuweisen haben, so sind ihnen nicht nur 12 156, sondern 63 362 Personen durch Abwanderung verloren gegangen, und ohne diese starke Abwanderung hätte also ihre Einwohnerzahl, statt int Durchschnitt von 433 aus 397 zu fallen, auf 621 Seelen anwachsen können. Wie man sieht, handelt es sich nicht um große, sondern fast durchweg um kleinere Gemeinden. 309 davon hatten weniger als 1000 Einwohner, 221 sogar weniger als 500. Nur eine Gemeinde, Beerfelden, hatte über 2000 Einwohner (1871: 2643, 1910: 2113,. Tie Mehrzahl der Gemeinden 173,1 findet sich in Ober Hessen, vor allem in ben Kreisen Alsfeld (54), Lauterbach i31 , Schotten (31,. 115 entfallen auf Starkenburg, davon allem 56 aut den Kreis Erbach, 49 auf Rheinhessen. In den Kreisen Darmstadt und Lssenbach gab es feine Gemeinden mit Abnahme; hier hat sich die Bevölkerung in allen Gemeinden vermehrt. Kreis Büdingen. Vonhausen, 11. Juni. Von einem jähen Tod wurde der hiesige 67jährige Zimmermeister I 0 st ereilt. Als er heute morgen mit seinem erwachsenen Sohne in Lorbach mit dem Beschlagen von Bauholz beschäftigt war, brach er plötzlich zusammen Ein Herzschlag hatte dem Leben des fleißigen Mannes ein Ende bereitet. Kreis Alsfeld. O Brau er sch wend, 10. Juni. Gestern hielt der hiesige Kriegeroerein sein 25jähriges Stiftungsfest ab. Zahlreiche Vereine aus der Umgegend hatten sich dazu eingefunden. Um i?2 Uhr bewegte sich ein stattlicher^ Zug durch die Straßen. An der Spitze befand sich die Schuljugend, dann folgten die Festdamcn und dte auswärtigen Vereine. Alte Veteranen wurden in gejchmuck- 'be| übeV^h, Genesende, durch erschöpfende Üftai5 enneschwächlsind, trink- guMuBen Altbach rstcr MarliKpradtl irkqaclle. Lein b^' ml an wertvoll. Miners Mrsalzen hebt schnell untenen Kräfte, steif,er. chlig den Avvetit, iöibcr. iLlonwechselu. macht bt rper blutreicher 11. roibn ndSsähiger. i'ebenssreuk it u. Energie kehren rait eder u. verscheuchen bi: >len Reste körperlichen jagens. Lon zahlt. Pt» ioren u. Aerzten nlänzeü intachlel. 8L R Pf. in bc tiberfitäW'lWothcftnir ld. Engel u. in den Tro, . Seibel, W. Kilbingn ug. Roll, C- Tchaas r mit Roll. gegen erstmals bestrafte Jugendliche verhängten Strafen nach 10 jähriger guter Führung nicht bloß gelöscht, sondern völlig getilgt werden können, sei zu begrüßen. Hinsichtlich der A l k 0 h 0 l d e l i k t 0 bezeichnet es der Redner als erfreulich, daß der Strafrechtsaus- sckuß für die in selbstverschuldeter Trunkenlieit begangenen ftra»- baren Handlungen einen besonderen Tatbestand formulieren will. Anzustreben sei: Strafdrohung gegen Wirte und Weinhändler, rocld;e geistige Oktränfc an Kinder und Betrunkene verabfolgen, Wirtshausverbot bei Begehung der Tat in selbstverschuldeter Trun> kenhcit, Unterbringung in eine Trinkerheilanstalt im Jolle der Trunkenheit des Täters: dringend wünschenswert sei die Einführung des z. B. in Amerika und der Schweiz bewährten, sog. Pollardsystems. — In der Frage der Sittlichkeitsdclikte stimmt der Vortragende den verschärften Bestimmungen des Vor- cntwurss gegen schamlose Schriften und Darstellungen zu, verwirft aber die Reglementierung der Prostitution und fordert die Bestrafung jeder weiblichen Person, die gewerbsmäßige Unzucht treibt, falls sie dadurch den öffentlichen Anstand oder die Gesundheit der Gesellschaft bedroht. Seine Zustimmung findet, daß unter Strafe gestellt werde, wer einen anderen der unmittelbaren Gefahr der Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit aussetzt. In der Erörterung betonten Landgerichtsdir. Schmeckenbecher- Gießen und Ministerialrat R ö ck e r die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens der Gesetzgeber und Gerichte, die den Faktoren der Inneren Mission für Anregung aus der Praxis stets dankbar seien. Dankbar begrüßt wurden die praktischen Vorschläge des Stuttgarter Jugendgeistlichen Stadtpfarrer Wüterich: Inanspruchnahme des Gutachtens der Jugendgerichts- Hilfe schon int Vorverfahren, zur Feststellung des sittlichen Reifezustandes ; Feststellung der geistigen Zurechnungsfähigkeit durch Ucberroeifung an eine psnckjiatrisch beratene Anstalt; Spezialisierung der Fürsorgeerziehung bei SdntlenUaifenen (schwer und leicht Erziehbare, landwirtschaftliche und gewerbliche Beschäftigung). Nach eindrucksvollen Ausführungen von Frl. Mathilde Planck- Stuttgart, Pfarrer Bruns- Straßburg und Geheimer Monfiftorialrat Kayser- Frankfurt a. M., die sich gegen d i e 9i c g 1 e m c n t i e r 11 n g der Prostitution wenden, wird folgende Erklärung einstimmig angenommen: „Die in Stuttgart am 10. Juni tagende Südwestdeutsche JTbnicrens für Innere Mission spricht auf Grund eines eingehenden Referats von Direktor Schroandner-Ludroigsburg ihre Zustimmung zu dessen Vorschlägen zum Jugendstrafrecht, zur Behandlung der Alkohol- und Sittlichkeitsdelikte aus, insbesondere spricht sie sich einmütig gegen das bisherige System der polizeilichen Reglementierung Der Prostitution aus, weil diese sanitär erfahrungsgemäß so gut wie wertlos, moralisch bedenklich und ein Unrecht gegen das Weib ist, das allein der Reglementierung unterworfen wird, und weil durch ihre Aufhebung die öffentlichen sittlichen Zustände nicht schlimmer, sondern heiler werden. Aus diesem Grund erklärt sie ihr Einverständnis mit den posittven Vorschlägen des Referenten." In der 2. Hauptversammlung am Nachmittag sprach Prof, v. Schoell-Friedberg in seiner klaren und frifdjen Art über „Volks apologetische Aufgaben der Gegen war t". Durch die Gesamtentwicklung des geistigen Lebens und eine ziel- beroußle antichristliche Agitation sind die religiös-sittlichen Grund Überzeugungen des Ehrisleutums wie feine geschichtlichen Grundlagen Unzähligen erschüttert. Wie ist die Oteiabr adzuwenden? Der Kampf muß im letzten Grund praktisch entschieden werden. Die verstandesmäßige Auseinandersetzung bient zur Erschütterung der antichristlichen Zuversicht, zur Ueberwindung der christlichen Unsicherheit und zur Verhinderung einer unchristlickjen Gesamt- atmosphäre. Ausgabe dieser Apologetik kann nicht sein die wissen- schaftliche Demonstration des Glaubens, sondern negativ die Zerstörung des Scheins, als fei der Unglaube das reine und notwendige Ergebnis des wisfenschaftlichen Lenkens, positiv die Auf- zeigung der eigentlichen Wurzeln und Gründe der christlichen Welt- und Lebensauffassung und der Nachweis der Vereinbarkeit von Glauben und Wissen. Zur literarischen Arbeit der Apologetik rechnet der Redner: Herausgabe aktueller faßlicher Flugschriften für die verschiedenen Bildungsschichten, Verbreitung von Büchern, die, ohne direkt apologetisch und „christlich" zu sein, einen gesunden und kräftigen Geist ausströmen. Die mündliche Apologetik fängt im Religionsunterricht und der Predigt an mit ernsthafter Pflege klarer christlicher Erkenntnis. Hierzu müssen kommen Serienvorträge übet aktuelle Themen mit möglichst weitgesaßter Einladung tu neutralen Räumen sowie in der Einrichtung von Tiskussionsadenden in kleinerem Kreis. Beim Auftreten in gegnerischen Versammlungen gilt cs, dem Gegner gegenüber sachlich, gerecht und weitherzig zu sein, den eigenen Standpunkt aber ohne schwächliche Konzession und ohne Buhlen um Augenblickserfolge überzeugt und entfchieden zu Dertrcten. Hierzu bedarf es der Gewinnung und -lusbildung geeigneter Persönlichkeiten und der planmäßigen Organisation. Tem Vortrag schloß sich eine lebhafte Erörterung an, an der sich Dekan Groß- Leonberg, Pft. Bölter- Baiereck, Dekan Herzog-Waiblingen, Hoivr. Hoffmann-Stuttgart, Sekretär Fischer- Heilbronn u. a. beteiligten. Einstimmig wurde eine Erklärung angenommen, die die Zustimmung zu den im Vortrag enthaltenen praktischen Vorschlägen ausspricht und eine Organisation der apologetischen Arbeit im südivestdeuttchen Gebiet anregt. Es folgte eine Veranstaltung im Königsbau, mit der die Konferenz ihren Abschluß sand. in. 6668 Smc-, I M I Lotten "l^erstein. | Zweites Blatt 162. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Durch direkten ne jeden Zwischenb.ank ‘ iichind-Lageöiivnenenei 96°/. reinen Lvmtue Ü Ar. n Ltr.lv L üo exkl. Flaschen, ferne Ibit bergeiiellien 7rll r" .«»»ck»-!» ' ordbämer Bramüw. ovvelstümmel räuter-Masenbitter 1. iicfiermunzLikör - letrcideckummel SSSK »Ä zchmewche M ‘ --- erbawZ nachE«^ d. Lain:- Zadncrc- 3um Streit über die christlichen Gewertschaften veröffentlicht llbitore Heiner in der „Köln. Bolksztg." nochmals einen größeren Artikel, in dem er auf Grund päpsl kicher Weisung nochtnals die Richtlinien des Vatikans darlegt, allerdings mit einem etwas größeren Entgegenkommen gegenüber den interkonfessionellen Gewerkschaften, was von der „Köln. Ztg." in ihrem Begleitmort auch hervorgehoben wird. Sachlich ist es aber derselbe Standpunkt, nur daß der Mittelweg oorgeschlagen wird, die katholischen Arbeiter sollten zuerst in den rein katholischen Vereinen, dann viel- leicht auch in den christlichen Gewerkschaften organisiert werden. Dr. Heiner schreibt wörtlich: Der Apostolische Stuhl hat es ausdrücklich den Bischöfen ftciaestellt, diezemge Richtung der Gewerkschastcii zuzulasfcn und zu billigen oder zu bevorzugen, welche den jeweiligen Bedürfnissen I ihrer Diözesen und Provinzen am besten entspricht: beide Richtungen hat er wegen ihrer Ziele als gut bezeichnet, wenn er auch vom Prinz ipieNen Standpunkte die nicht interkon- fqftonellen Gewerkichaften bevorzugt Was auf der einen Seite grundsätzlich besser ist, kann auf der andern Seite praktisch dennoch gut sein. .Apostolische Stuhl hat dieser Sachlage und tatsächlichen Verhältnissen Rechnung getragen, und ich kann versichern, daß I cr "och heute auf diesem Standpunkte steht: es ist (einer- I lei Veränderung in seiner bisherigen Stellung der Haltung 1 -u den fttterkonsessioitellen Gewerksckwsten eingetreten. Was der | Heilige Vater stets gefürchtet, das find die Okiabren, welche für bie katholisckxm Arbeiter mit der Zugehörigkeit zu den akon- eftionellen Gewerkschaften verbunden find oder doch verbunden I cm Jönncii; diese Furcht besteht auch jetzt noch. Die rnaß- [ gebenden Faktoren der christlichen Getoerkschaften haben es in der ! Hand, diese Gefahren, soweit sie tatsächlich bestehen, hintanzu- lalten, besonders durch allseitige und intensive Pflege der kon- essioncllen Arbeitervereine. Tas erste und höchste Ziel, das diese konfessionellen oder katholischen Organisattonen zu erstreben haben, liegt auf dem geistigen, religiösen Gebiete. Gerade heute tut es wegen der Gesahren des Sozialismus doppelt not, daß die katholischen Arbeitervereine gepflegt ? und moralisch gehoben werden und ihren religiösen Zweck mit l doppeltem Eifer verfolgen. Für derartige religiös geschulte und Überzeugungstreue Arbeiter bildet dann die Zugehörigkeit zu den I interkonfessionellen Gewerksckxn'ten keine Gefahr: im Gegenteil, V die Arbeiter, die in dieser Weise mit festen katholischen Grund- 1 satzen erfüllt und mit entsprechenden Fachkenntnifsen ausgerüstet t sind, werden auch in der gewerkschaftlichen Tätigkeit den rechten r Weg zu finden, innezuhatten und zu behaupten wissen. Ja, sie | werden die .sterntruppe in der Arbeiterschaft abgeben, und es ist | zu hoffen, daß es durch sie immer mehr gelingt, den sozial- E demokratischen Einfluß allmählich auch in der nichtchristlichen Arbeiterbewegung zu bannen. Eine leise Drohung mit der Verurteilung der 1 christlichen Gewerkschaften ist aber auch in dieser Kundgebung enthalten. Heiner schreibt nämlich an einer andern I Stelle: Ter Apostolische Stuhl rechnet eben mit der Tatsache, daß die interkonfessionellen oder „christlichen" Gewerkschaften die Re- k ligiou wenigstens theoretisch ausschließen und deshalb von der ■ Aussicht und Leitung der Kirche abstrahieren. Von seinem Stand- ■ öuntie aus kann der Apostolische Stuhl solche Vereinigungen ■ deshalb nicht loben oder empfehlen, sondern kann ihnen nur I passiv und wachend und mahnend gegenüber» I stehen, ohne sie jedoch deshalb zu verurteilen, solange nicht 6 Tatsachen Oorlicgen, bie eine Duldung untnög» Glich machen und ein Einschreiten gebieten. Wir halten es für schädlich, die konfessionelle Ab- ( schließung immer weiter zu treiben, wie eS hier auf römische Weisung geschehen soll. Sck)ließlich könnte vom „grundsätzlichen Standpunkt' man auch noch dazu gelangen, rein konfessionelle Friseur- oder Schornsteinfegerinnungen zu gründen. Wir meinen: Die „religiöse Schulung" soll tu der Kirche besorgt tverden, nicht in Berufsvereinen. Das ist praktisch und grundsätzlich besser als der römische Stand- vunkt, den auch die „Köln. Volksztg." wieder mit einigen kritischen Randglossen versah. Hagen i. Westfalen, 11. Juni. Gestern trat eine Kon- (f e r e n z von 25 evangelischen Arbeitergewerk- jchaftS-Sekretären aus dem Rheinisch-Weftfälifchen Industriegebiet zusammen. Zu der Frage des Gewerkschastsstreites wurde eine Entschließung gefaßt, in der bedauert wird, daß neue Beunruhigungen in die christlich-nationale Gewerkschaftsbewegung bineingetragen worden seien. Die Konferenz nähme mit großer Befriedigung von der Erttärung des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften und der angesckstossenen Unterverbände ' Kenntnis. Durw diese Erklärung fei öffentlich die Inter- konf essionalität, die politische Neutralität und Die Unabhängigkeit der Christlichen Gewerkschaften sestge- 'tellt. Die evangelisckien Kollegen werden ausgefordert, als völlig gleichberechtigter Teil der Christlichen Gewerksckiasten nachdrück- ichst für die Stärkung der evangelischen Gewerksck-aften einzutteten. Ein neuer päpstlicher Erlaß? Wie dem „Berliner Tageblatt" aus Rom telegraphiert wird, erscheint in allernächster Zeit ein neuer päpstlicher Erlaß über Die Disziplin des Klerus, lieber den speziellen Inhalt des neuen Motuproprio wird an zuständiger Stelle noch äußerste Tiskretion bewahrt. $ü6roeftöcutfd)e Konferenj für Innere Mission. 4- Stuttgart, 10. Juni. Die Sudwestdeutsche Konferenz für Innere Mission begann Mihre 48. Tagung, zu der zahlreiche Vertreter von Baden, Hessen, W Elsaß-Lothringen und der Pfalz eingetrohen waren, am Abend M des 9. Juni mtt einem Festgottesdienst in der Stiftskirche. ^,te ? tigentlid>e Tagung am 10. Juni, inrt 9 Ubr vormittags eronnet j fon Professor D. v. Wur st er, begann mit einem Bottrag von Direktor S ch w a ndn e r - Ludwigsburg über ,,-t 1 e Stellung I ber Inneren Mission zu den Besttrnrnungen des I Lor ent Wurfs zu einem Deutschen^ o t r a rg eie p « i u ch über Jugendstrafrecht, Alkohol- und -Ltttltckkettsdeltkte I Tcr VoreMwurs, der gegenwärtig stark bie öffentliche - Innung I leschäftige, verdiene eingehende Besprechung in diesem Kreise, k Lezüglich des , t 3 3 u g e n b ft r a T r c cl^t I cinpsiehlt der Vortrageiide u. a.: die etrajmunbigfeu von 1- £ cuf 14 Jahre hinauszusetzen, ferner die Ltrasbarkett Der jugendlichen abhängig zu machen nicht .blotz von der genngen, • sondern auch von der sittlichen Reife. Vor allem Wille sich | der Gedanke der Erziehung innerbafb des StrarrecbU Babn drecken, 1 mit der ?Mglichkeit für den Richter, sotoohl bei nidu itrar |e ’ieien als bei verurteilten Jugendlichen Erziehungsmatzregeln an I öxorbnen, unter Umständen iiud) von Straw abzusehen. xac Erziehung soll neben der Strafe stehen, nicht an stelle Der cacafe. Ter Beschluß des StrasrechtsausschuUO-', nach dem Die Aschenregen in Alaska. Meteorologische Beobachtungen -er Station Gietzeu. Wetter s Sonnenschetv Stück 20 Pf 21.4 16,5 15,3 53 73 79 5 2 10 am die 10,1 10,5 10,3 N NNE NE 2 2 2 11 11. 12. i = Juni 1912 .39,5 789,8 741.3 Q. v» P SÄ s 5 tÜD Zur Hauskur bei Blasen- . . , Nieren- I 010011 Gicht- ikh tigikh I Flasche „Wernener Weiser4' m «fern Kgl. Mineralbrunnen Brückenau. Mrhdltlich l n MI nera la> a tierA andlg. u. -Apotheken- Rein natürliche Füllung! _____ Universitäts-Nachrichten. — Dem Sttasrcchtslehrer Professor Dr. jur. Reinhard Frank an der Universität Tübingen wurde vom König von Württemberg das Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone verliehen, mir dem der Personaladel verbunden ist. Er ist am 16. August 1860 zu Reddighäuscr Dammer in Hessen-Nassau geboren, studierte in Marburg, München und Kiel, war 1883 bis 1889 in der preußischen gerichtlichen Praxis tätig und habilitierte sich 1887 in Marburg. 1890 folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor nach Gießen, kam 1899 nach Halle als Nachfolger v. Liszts und 1902 nach Tübingen. eine neuartige Haushaltseife von fabelhafter Waschkrast Gerichissaal. Marburg, 11. Juni. Das Landgericht verurteilte einen Landbriefträger aus dem Amt Wetter, der eine Anzahl Wertbriefe unterschlagen hatte, zu 8 Monaten Gefängnis. Müller'sche Baöeanftalt. Was, erwärme der Lahn am 12. I u n i : 16° R. Sport. ♦ 2 7. Mainzer Ruder-Regatta. »ei der Regatta des Mainzer Ruder-Vereins, die am nöchuen Samstag, 15., und Sonntag, 16. Juni, stattfindet, kommen 19 Rennen zum Austrag, 3 im Einer, darunter die Meisterschaft vom Rhein und das Rennen um den Rhein-Pokal, 2 im Zweier, 11 im Pierer und 3 im Achter Es werden 22 Einer, 6 Zweier, 70 Vierer und 12 Achter mit 500 Ruderern die Riemen miteinander kreuzen. Seward (Maska); 10. Juni. Der Dampfer „Dora" kam Sonntag ganz nut Asche bedeckt an. Die Besatzung jonxc Passagiere hatten den Ausdruck des Vulkans Karrnai aus den alcutischen Inseln beobachtet. Sie glauben, daß mehrere Fischerdörfer an der Meerenge von Schelikow zerstört sind. Nach einer furchtbaren Explosion sielen beständig Felsstücke und Asche auf das Land und verdunkelten die Sonne. Obwohl der Dampfer 70 Meilen von der Eruption entfernt war, herrschte um 4 Uhr nachmittags vollständige F i n st e r n i s , in dem Aschenregen nieberging. Die Asche bedeckte in dichten Mengen das Schiffsdeck. Dre Passagiere sind infolge der erstickenden Atmosphäre erkrankt. Sio 1-Ä Die Reinigungswirkung ist einfach fabelhaft. Selbst durch und durch verschmutzte Wäsche wird mit Kavon-Zeift bei spielend leichter Arbeit wie neu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen ujro. bleiben vollständig unverändert. Kein Einlaufen! Kein Farbenverblaffen! Dabei billig: Bei richtiger Anwendung braucht man von Kavon-Seife halb so viel Seife wie sonst. Tie Kavon-Seife ist nach Zusammensetzung nnd Waschkraft die reinste und vollkommenste Hausseife, die die Seifeu-Jnduftrie je hervorgebracht hat. KavonSeife / ganz. ohne -Soda!! / kommissar den Drohbrief überbrachte, hat der Zeuge eine Haussuchung vorgenommen, wobei er Bad-Nauheimer Zeitungen fand, weiter Klebstoff, Ränder von 5 Pfennigmarken und in dem Zimmer d-r Frau Friedrich die Glückwunschkarte. Wachlmeiuer Dillenburger bemerkt weiter, daß ihm Frau Friedrich, als ihr Mann verhaftet worden war, mitgeteilt habe, so wollten den Hintcrbau zu Wohnungen umwandeln. Verteidiger Justizrat Win decket will vom .Zeugen wissen, ob es richtig ist und ob er wisse, daß im Wald haus früher schon Möbel waren, und ob er wisse, daß vor dem Brande nur zwei Betten aus dem Ritter dorthin gekommen sind. Dillenburger erklärt, er habe dort nie Erhebungen vorgenommen, es sei thm aber mitgeteilt worden, daß vor dem Brande Möbel in das Waldhaus gekommen wären. Ter Zeuge bemerkt auf Belagen weiter, er habe erfahren, daß in der Brandnackt das Hoftor des Ritter bis 3 Uhr offen gestanden habe: er wolle die Möglichkeit nicht bestreiten, daß etwa auch ein Fremder in den Hof gelangt fei. Justiz rat Windecker weist den Zeugen darauf hin, baQ er in der am 1. März erstatteten Anzeige über den Branb geschrieben hat, die Gegenstände auf der Brandstelle feien derartig mit Wasser getränkt, daß man nicht wahrnehmen könne, ob sie zum Zwecke einer Brandstiftung etwa präpariert seien. Diese Angabe widerspreche seinen heutigen Bekundungen. Dillenburger erklärt, er habe die Anzeige unmittelbar nach dem Brand verfaßt, und erst nach einigen Tagen sei es ihm möglich gewesen, die Feststellungen zu treffen, die er heute unter Eid dargelegt hat. Der Vorsitzende stellt aus ben Akten fest, daß die Anzeige am 28. Februar, also unmittelbar nach dem Brand niedergeschrieben ist. Die Verteidigung verweist darauf, daß es sich um einen Nachtrag zur Anzeige vom 1. März handelt, der für die Behauptung des Justi.z- rats Windecker in Betracht kommt. Nach dem Aktenbefund hat Dillenburger erst in einer Eingabe vom 8. März den Spiritusgeruch zur Kenntnis der Untersuchungsbehörde gebracht. Auf Antrag der Verteidigung werden nun die medizinischen Sachverständigen gehört, wobei der Verteidiger Windecker jedoch erklärt, daß weder er noch sein Klient sich auf Geisteskrankheit beriefen. Medizinalrat Dr. Haber korn bemerkt, er habe den Angeklagten nicht eingehend untersucht. In der Untersuchungshaft habe er nie Anzeichen von Geistesgestörtsein gezeigt. Medizinalrat Dr. Dietz, Oberarzt von der Heib- und Pflegeanstalt Gießen, gibt ein eingehendes Gutachten ab. Er hält den Angeklagten für geistig gesund. Der Stationsassistent Karl Martin, früher in Bad-Nau- heim, jetzt in Frankfurt a. M., ist seit langen Jahren mit dem Angeklagten bekannt: er war 1907 bei Abschluß der Feuerversicherung zugegen. Die Police wurde damals erhöht. Es kann sein, baß der Wert der einzelnen versicherten Gruppen auf feine Schätzung hin angenommen ist. Er weiß aber, daß der Agent Heß mit ihm darüber einig war, daß diese Werte nicht zu hoch gingen. Er erinnert sich, daß Friedrich nicht. so hoch versichern wollte, weil er nicht so viel Prämie zahlen wollte. Der Zeuge äußert sich weiter über die Familie Friedrich sehr günstig.. Der Zeuge B r ü ck e l aus Halle a. S. kennt die Ehefrau Friedrich, die vor ihrer Verheiratung in Halle wohnte: seine Familie war mit ihr befreundet. Die ihm oorgelegte Glückwunschkarte hat er in Halle bei einer ftirma gekauft. Der ihm weiter vorgelegte Umschlag gehört nach seiner Ansicht dazu. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß er Karte und Umschlag geschickt hat. Er hat die Gepflogenheit, kleine Karten mit den dazu gehörigen Umschlägen in einem größeren Umschlag zu versenden, damit sie bei dem starken Verkehr zu Neujahr nicht verloren gehen. Der Bureauvorsteher der Osnabrücker Papierwarenfabrtk in Berlin erklärt, daß die Glückwunschkarte in einer, Anzahl von 40 Stück für Brücke! bedruckt auf Bestellung von seiner Fabrik an eine Firma in Halle a. S. geliefert worden sei. Der Umschlag des Drohbriefes entspreche der Glückwunschkarte. Ob aber der Umschlag auch wirklich zu der Karte an Grube geliefert sei, könne er unter Eid nicht behaupten. Der Zeuge gibt zu, daß fein Haus in Bad-Nauheim und Friedberg Geschäftsverbindungen hat Der Chemiker D r. Karl W r cd e und Fabrikant T h ü r i n g , die von der Kostprobe, die sie in Bad-Nauheim genommen, zurückgekehrt sind, bekunden, daß der Llpselwein des Angeklagten nicht übermäßig gewässert sei. Die Herstellung der Ware sei die handelsübliche. Die Geschmacksprobe heute sei im allgemeinen gut ausgefallen. Die Flüssigkeit, die nach dem Brande in seinem Holzkübel gefunden wurde, war, wie die chemische Untersuchung ergeben hat, Apfelwein, der durch Ruß und Kohlenteilchen verunreinigt und mit Wasser vermischt war. Spiritus oder sonst leicht brennbare Substanzen sind darin nicht gefunden worden. Nach dem Plädoher des Staatsanwaltes, der den Angeklagten als des in Anklage stehenden Verbrechens für überführt erachtet, und nach den Plädoyers der beiden Verteidiger, die Freisprechung beantragen, ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Spät am Abend verkündete der Obmann, Rentner Sehrt- Grünberg, den Wahrspruch der Geschworenen, nach dem der Angeklagte der Brandstiftung und des begangenen Versicherungsbetruges für nicht schuldig befunden wird. Er wird daher vom Gerichtshof freigesprochen und aus der Untersuchungshaft entlassen. Schwurgericht. th. Gießen, 11. Juni. Verbrechen der Brandstiftung. (Schluß.) Eine ganze Anzahl Zeugen haben den Wunsch ausgesprochen, frühzellig vernommen zu werden, weil sie zu Haus unabkömmlich sind: der Vorsitzende bemerkt, er werde diese Wünsche tunlichst berücksichtigen. In der Zeugenvernehmung bekundet zunächst die Ehefrau des Schutzmanns Vcllh in Bad-Nauheim, daß sie am 4. März d. I. nachmittags mit ihrem Mann, der dienstfrei war, spazieren gegangen ist. Gleich itach 3 Uhr hat sie gesehen, daß der Angeklagte am Markt nach dem Briefkasten gegangen ist, der stch am Ralhaufc befindet. Sie bat aber nicht gesehen, daß, wie sie auf besondere Frage wiederholt erklärt, er einen Brief einge- worsen hat. Ihr Mann hat mit Friedrich einige Worte gewechselt. Arn nächsten Tage hat sie von ihrem Manne die Geschichte mit dem Drohbriefe erzählt bekommen, und da sei ihr der (Gedanke gekommen, daß Friedrich diesen Brief 'selbst an sich gerichtet haben könne. Der Ehemann bestätigt die Bekundung seiner Frau. Die D i e u st m a g d Dingel, die bei dem schon erwähnten Nachbar Fleischhauer bedienstet ist, erzählt, daß sie drei Nächte vor dem Brande im Ritter stets von Feuer geträumt habe; in der dritten Nacht brannte es wirklich. Sie set an dem Morgen kurz vor y26 Uhr aufgestanden: als sie in d Küche den Herd anzünden wollte, habe Friedrich am Fenster geklopft und ihr gesagt, sie möge so gut sein und ihre Herrschaft wecken: es brenne. Sie sah den Feuerschein, hat aber nicht gehört, daß der Angeklagte Feuerlärm gemacht hat. Auf die Frage, ob die Worte des Angeklagten wörtlich so gelautet hüben, erklärt dte Zeugin, sie wisle es nicht, sie sei eine beschränkte Person. Der Schweizer B a r b m a n n , der bei Fleischhauer in Dienst ist, war um >/,6 Uhr, als der Braud ausgebrochen war, schon aufgestanden. Tas Mädchen hatte ihm zugerufen, bei Friedrich brennte es. Er war etwa 10 Minuten darauf bei Friedrich im Hof und sah eine Helligkeit int Hinterhaus. Er sah Friedrich aus dem Vorderhaus kommen, der sich seinen Metzgerkittel noch zuknöpsle, während dessen Neffe von hintenher kam Friedrich sagte • wir wollen den Schlauch an den Kranen anlegen. Ter Zeuge hat sich nicht weiter um das Feuer gekümmert, well er die Kühe melken mußte. Darauf wird der Hauptbelastungszeuge, Polizeiwacht- meister Dillenburger -Bad-Nauheim, vernommen. Er erklärt, er habe ine Untersuchung wegen des Brandes zu führen gehabt. Er war am Morgen des Brandes an der Brandstelle, wo er den Angeklagten auf deut Hofe traf. Dieser war sehr ruhig und gelassen und zeigte nickst die geringste Spur einer Erregung. Er begab sich, als die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, in das Gebäude und sand oben auf dem Speicher eine Menge leicht brennbarer Stosse wie Holzwolle, eine alte Matratze, altes Papier. Alles stand unordentlich umher. Es war noch dunkel in den Räumen. Die Feuerwehr verlangte Lickst, Friedrich trat abeif keine Anstalt, eine Laterne herbeiziischafsen. Ob die leicht brennbaren Stoffe auf dem Speicher absichtlich so gruppiert wäre«, kann der Zeuge nickst sagen. Der Angeklagte bemerkt, daß er die Holzwolle auf dem Speicher zur Isolierung der Fenster und Türen seines Apfelweinkellers brauchen wollte und vorläufig auf dem Speicher hatte niederlegen lassen. Wachtmeister Dillenburger schildert darnach, wie er den dritten Brandherd im Keller gesunden: es hat dort zwischen den vollen Fässern gebrannt und er hatte den Eindruck, als ob eine Flüssigkeit dabei benutzt sei, um den Brand anzukegen. Er sand unterhalb der Fässer einen Rest eines Zigarrenkistchens, das nach Spiritus roch. Ter Zeuge konnte sich des Verdachts nicht erwehren, daß es sich bei dem Feuer um Brandstiftung hvndelte und er hat alle Beweisstücke erhoben und der Staatsanwaltschaft zugestellt. Da es sich um drei vollständig voneinander getrennte Brandstellen handelt, war es für ihn ganz zweifellos, daß Brandstiftung vorliege. Der Zeuge erklärt auf eine Bemerkung des Vorsitzenden, er halte es für ausgeschlossen, daß ein Fremder von der Straße herkommend das Hinterhaus anzustecken versucht 'jabc. Am Tage des Brandes und auch nachher war ihm das Wesen des Friedrich verdächtig vorgekommen, die gleiche Empfindung hatten die Feuerwehrleute Ms Friedrich dem Polizei- »erV un(b ■ / , ■ ■ p’ liefert billigst die ßrahrsche Kuverts mit Firma äms Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.» „(Erbe". Ter Nacherbe kann jederzeit vom Borerben verlangen, daß der Vorerbe ein Verzeichnis der zur Erbschaft gcbongen Gegenstände auf stellt und ihm mitteilt. Er kann weiter verlangen, datz er bei der Aufnahme dieses Verzeichnisses zugezogen wird. Tas Verzeichnis ist zu datieren, vom Vorerben zu unterzeichnen und auf Verlangen des Nacherben öffentlich beglaubigen zu lassen. Vorerbe und Nacherbe haben in gleicher^ Weise das Recht, den Zustand der zur Erbschaft gehörenden Sachen auf ihre Kosten durch Sachverständige feststellen zu lassen. Tiesc Rechte des Nach- erben find unbeschränkbar und können selbst vorn Erblasser nicht ausgeschlossen werden. — Außerdem stehen dem Nacherben noch eine ganze Reihe weiterer Rechte gegen den Vorerben zu, btt aufzuführen hier zu weit führen würde. Von diesen Beschränkungen kann aber der Erblasser den Vorerben letztwillig befreien. Tiefe Befreiung ist vorzunehmen, wenn der Nacherbe auf das eingesetzt ist, was beim Eintritt der Nacherbfolge übrig ist, ober wenn der Vorerbe zur freien Verfügung über die Erbschaft befugt ist, die Herausgabepflicht des Vorerben beschränkt 'ich auf du vorhandenen Nachlaßgegenstände. Aufwendungen für diese Gegen, stände, die er gemacht hat, können nicht ersetzt verlangt werden. Dagegen kann der Nacherbe Schadenersatz verlangen, roenn, der Vorerbe schenkweise oder unentgeltlich einen Nachlaßgegenftand veräußert oder die Erbschaft vermindert, in der Absicht, den Nacherben zu benachteiligen. Unter Umständen kann der Nach» erbe Sicherstellung verlangen. — Wir empfehlen Ihnen, sich eine Abschrift des Testaments zu verschaffen, die Ihnen gegen Ersatz der Gebühren erteilt werden muß Desgleichen können Sie noch aus den Nachlaßakten des Amtsgerichts den ungefähren Wert der Erbschaft erfahren. Ter Wert der Erbschaft wird meistens mit Rücksicht auf die Stempelgebühren möglichst gering angegeben. Dieser angegebene Wert entspricht also meistens, dem Mindest« betrag der Erbschaft. cat Wagen nach dem Festplatze gebracht. Am Festplatze an» gekommen, ließ zunächst der Ge,angverein „Germama" ein Lied erschallen, bann hieß der Präsident des Kriegervereins die Erschienenen willkommen. Herr Kreisrat Dr. Heinrichs von Alsfeld überreichte die vom deutschen Kaiser gestiftete Fahnenschleife Er brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Nach einer längeren Ansprache ides Pfarrers Eichenauer über die Bedeutung der Kriegervereine führten noch drei Damen einen Festprolog auf. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 11. Juni. Heute morgen um 4 Uhr traten die Zöglinge der T a u b st u m m e n a n st a l t ihren diesjährigen Sommerausflug an. Unter Aufsicht des Direktors und einiger Lehrer fuhren sie nach Homburg und Wiesbaden und gingen auf den Ncroberg Hierauf sahen sie den Rhein und abends um 11 llbr kamen sie wieder in Friedberg an. Alle Kosten trägt die Anstaltskasse. Hessen-Nassau. hk. F r an k f u r t a. M., 10. Juni. Der Generaldirektor der Farbwerke vorm. Meister, Lucius u. Brüning zu Höchst a. M., Dr. Gustav von Brüning, ist zum ordentlichen Ehrenmitgliede des Kgl. Instituts für experimentelle Therapie zu Frankfurt a. M. ernannt worden. X Hanau, 10. Juni. Nachdem das Gymnasialgebäude niedergebrannt ist und die Frage, ob ein Wiederaufbau an der gleichen ober ein Neubau an anberer Stelle erfolgen soll, noch nicht entschieden, auch bie Bauzeit länger anbauern wirb, hat der Fiskus Teile bes ber Stadt gehörenden alten Landgerichtsgebäudes für jährlich 5000 Mk. auf die Dauer von fünf Jahren zur Unterbringung des Gymnasiums gemietet. _ frankfurter gtr, . Ä f 3iimncrtoo ?' ^eichvlav und Gar, ^geherSroen 44, 2f i ‘ cl°di oer i Boden I, «JAZZ ! • 28 Höchste Temperatur am 10. dis 11. Juni — + 21,5 * C. Niedrigste „ , 10. , 11. „ -+113*0. Niederschlag: 0,0 mm. Lrrstschissahrt. Baden-Oos, 11. Juni. Tas Luftschiff ./Schwaben" ist heute früh um 6,50 Uhr nach Frankfurt a. M. abgefahren und kurz vor 10 Uhr in Frankfurt angelangt und glücklich gelcnbet. Paris, 11. Juni. Ter Militärflieger Jnfaiuerieleutnam Etienne stürzte geitern bei einem Flug von St. Evr nach Gunancourt aus etwa dreißig Metern Höhe ob und zog fich lebensgefährliche Verletzungen zu. Auf dem Flug- felde B u c bei Versailles überschlug fich bet der Landung das Flugzeug bes Fliegers Artillerieleutnants Happ6. Der Flieger blieb unverletzt. ÜWZ Wx Sdö^'db. perl- gjmmcrlvobr Üts&S **ß*Ziinmer UL? gilt k-ZjWWW und IbM zu verm. Urankmttcr,str. Q 5 Zimmer Md. L- .jinnn .. ,em.MH-Launsv Alim'trakk 22 Part. Zioonstraße 1 l'ianiatbenitocf u. 5=3 tiobnuno mtksümü. n.w'.;uverm.Nab.M.«e s'udwigftrane 28 H. r.'cu berzunchl. 5=3ttni Wohnung v. 1. Juli zu mieten. l**l «leubltr. irrte i'udwigfttave. 1H 5-Zimmerwoba nächst der Friedrichstt^ zu pennieten. Eim, Friedrichstr. «Geräumige 5-Zinm wohnung zum 1. Oki iu oerni. Ludwigftr. frfll_________I. 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An dc lung beteiligten ich Dies während in jrn Heren recht ausüblen: cs M Steigerung des Jnteres r.nid'iui; an einen Vortr uder Äohnungssragen Gründung eines gemei dem iept 98 Mitgliedei tätigltil beginnen wird, Vut« LiraNe, oberheis Zaulano zu 1,50 Mk gritellt hat. Ter Recht tun über 400 000 Mk. Tic Maifc hat in i 31. Mürz c. ab entgegengenommen: zuzüglich 4% Stückzinsen vom bei der in u Frankfurt a. M. Mainz: „ Worms: 4147 Darmstadt. Frankfurt a. M. und Mannheim, im Joni 1912. Direction der Disconto-Gesellschaft Bank für Handel und Industrie Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G den der Mannheim: Wiesbaden : Darmstadt: Berlin: Die Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft zu Darmstadt, welche auf Grund eines Vertrags zwischen der Stadt Darmstadt und der Suddeutschen Eisenbahn* Gesellschaft am 15. April 1912 behufs Uebernahme der städtischen elektrischen Bahnen und Elektrizitätswerke sowie der 3 in elektrischen Betrieb umzuwandelnden Dampfbahnlinien der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft von Darmstadt nach Griesheim, Eberstadt und Arheilgen, mit einem Aktienkapital von M. 4,OOO,(XX).— errichtet worden ist, hat eine 4% Anleihe von M. 5,000,000.— aufgenommen, eingeteilt in Stücke zu 2000, 1000, 500 und 200 Mark, für deren Verzinsung und Rückzahlung die Stadt Darmstadt vertraglich die Garantie übernommen hat. Verlosung und Kündigung der Anleihe kann frühestens auf den 31. Mürz 1922 erfolgen; von da ab wird sie mit 72% P- a* zuzüglich der ersparten Zinsen getilgter Obligationen durch Verlosung oder Rückkauf getilgt. Der Gesellschaft bleibt das Recht Vorbehalten, vom 31. März 1922 an, nach Genehmigung durch die Hessische Regierung, die Anleihe über die jährliche planmäßige Tilgung hinaus durch Auslosung oder Rückkauf verstärkt zu tilgen oder sie durch öffentliche Bekanntmachung ganz oder teilweise zur Rückzahlung zu kündigen. Den Schuldverschreibungen sind halbjährige Zinsscheine per 31. März und 30. September beigegeben, die gleich wie die~ rückzahlbaren Stücke bei der Hauptkasse der Gesellschaft, derjenigen der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft, der Stadtkasse zu Darmstadt, ferner bei der Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt und Berlin, der Direction der Disconto-Gesellschaft zu Berlin und der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G. zu Mannheim, sowie bei den Niederlassungen dieser Banken zahlbar sind. Alle auf die Anleihe bezüglichen Bekanntmachungen, insbesondere betreffend Verlosungen, Kündigungen und Rückkäufe, die Veröffentlichungen der Nummern nicht vorgezeigter, verloster Obligationen erfolgen in mindestens einer Darmstädter, Frankfurter, Berliner und Mannheimer Zeitung. Die ministerielle Genehmigung zur Ausgabe der Schuldverschreibungen ist demnächst zu erwarten. Biessen: Hamburg: Offenbach a. M. Nürnberg, Strassburg i. E. und denjenigen der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G. in Bruchsal, Freiburg i. 8 , Heidelberg, Karlsruhe, Lahr i. B , Land an (Pfalz) und Pforzheim. Bei der Zeichnung ist auf Verlangen der Zeichnungsstelle eine Kaution von 5% des gezeichneten Betrages in bar oder in Wertpapieren zu hinterlegen. Die Zuteilungen erfolgen nach Ermessen einer jeden Zeichnungsstelle, den Schlußnotenstempel trägt der Zeichner. Früherer Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. Die Zahlung des "Zeichnungspreises hat in der Zeit bis zum 26. Juni 1912 zu erfolgen. Bis zur Lieferung der definitiven Stücke (voraussichtlich Mitte Juli) werden Kassaquittungen ausgegeben. Bank für Handel und Industrie und deren Depesitenkasse, Wilhelminenstr. Bank für Handel und Industrie, Direction der Disconto-Gesellschaft, Filiale der Bank für Handel und Industrie, Direction der Disconto-Gesellschaft, Herrn E. Ladenbnrg, Bank für Handel und Industrie, Niederlassung Biessen, Bank für Handel und Industrie, Filiale Hamburg, Bank für Handel und Industrie, Niederlassung Offenbach a. M., Direction der Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Offenbach a. M., Herrn S. Merzbach, Direction der Disconto-Gesellschaft, Herren Schmitz, Heidelberger & Co., Bank für Handel und Industrie, Filiale Mannheim, Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G., Bank für Handel und Industrie, Niederlassung Wiesbaden, (vonn. Martin Wiener) Direction der Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Wiesbaden, „ Worms: „ „ Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G., ferner bei den Niederlassungen der Bank für Handel und Industrie in Freiburg i. B Halle, Hannover, Leipzig, München, der Hessischen Eisenbahn - Aktiengesellschaft frühestens kündbar auf 31. März 1922, mit Garantie der Stadt Darmstadt für Verzinsung und Rückzahlung. Auf vorstehende Anleihe werden am Montag, den 17. Juni er. innerhalb der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden Zeichnungen zum Kurse von 99,IO°|o 1 der Gillungen zusamn I dorgeichriebene Mas; t öcd utung der Nasse l Aeservcwnds, Aermögc in die Nasse gcwachse Neservcionds von ruiii Vermögen von rund 1 dem Bericht der Prüs - Rechtsanwalt Rach unverhoisc crsolgendkn und nassenbern " 1 1 unb fiaiie veanitanbungen Weranlt wintlung des Verbände- i Rechtsanmall Raab, Lc htourier als Vertreter t ,6er freien Bereinigung 'ilan^Bindewald, K ; t -td "Vezier Laude 'Hu er. I| Wdann erstattete Stellungnahme der Ort -kla'ilenhaus. 6t Mrantenhaus in Hess, * fllt '.'wann, daß in 'ur lo; ialcMed X" U"d die sonstiger ,n - ur- und Gene ^rtslranlenlasse kam -■ass ■ D -MW «aß di- W'-W §'gen -)(u.! [ damit - r, qI &-9lnlt>ai tnmn dete I dars -|nonimcn totet Mi VC ; ° J r.i .1. 5 fleni..