Erster Blatt |62. Jahrgang Nr. 86 Erster Blatt 162. Jahrgang Zreitag, 12. April 1912 Der Sietzener Anzeige, JMM7 M M dezngsvrei»: erscheint täglich, anher ▼ n2on,Qt!,*7.o$k'D,crtd* LSWSSIIM I 4>1X 4>|T j>r f ■ iTXlzI H iz r M»rLÄS sssvjlvilvllvl 4111 ivlUvlsp wirtschaftliche Zettfragen ▼ ^F W M ^F ■ ▼ ^F^ ^F ^F ▼ ■ ” _ » ▼ Chefredakteur: AGoetz. Fernfprech. Anschlüsse: MM WM Verantwortlich für den siir die Redaktion 112, < politischen Teil: August -LLL" General-Anzeiger für Gberhessen LLK- ”nn°bt?,eiaOcsnummM Rotations&ni(f UN- Verlag -er vnihl'schen Univ.-Vuch- UN- Zteiu-Nttkerei K. Lauge. Redaktion, Lrpe-ttion und Druckerei: Zchulstratze 7. Land": E.Heß^für den bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: zenisprecher Ur. 269 GeschäftsfteSe vahnhofstrahe t6r. Anzeigenteil: 'tz. Beck. Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten» Das Homerule-Gesetz für Irland im englischen Unterhaus. Das englische Parlament hatte gestern Mieder einmal einen großen Tag. Die Iren, auf die der Ministerpräsident bei der parlamentarischen Mehrheitsbildung angewiesen war, sollen entlohnt werden in der Schaffung einer Selbstregierung für Irland. Asquith hat im Unterhause gestern seine Gesetzesvorlage ausführlich erläutert, und niemand wird die weittragende Bedeutung verkennen, die aus einer solchen gesetzgeberischen Umgestaltung herausspringen würde. Der jetzige ist der dritte gesetzgeberische Versuch, Irland Selbstregierung zu geben, und im jetzigen Augenblick ist es interessant, die Geschichte der G l a d st o n e s ch e n Homerulevorlagen in die Erinnerung zurückzurufen: die erste Vorlage wurde am 8. April 1886 von Gladstone eingebracht und am 8. Juli vom Unterhause mit 343 gegen 313 Stimmen verworfen; die zweite von Gladstone am 13. Februar 1893 dem Hause vorgelegte Bill passierte die zweite Lesung mit 347 gegen 304 Stimmen und wurde schließlich vom Oberhause am 8. Dezember mit 419 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Beidemal machte daraufhin Gladstone einem konservativen Ministerium Platz. Die Unionisten scheinen Herrn Asquith tüchtige Schwierigkeiten machen zu wollen, und niemand kann es wissen, ob er Sieger blechen wird oder einem konservativen Minister weichen muß. Wir erhielten folgenden Bericht: London, 11. April. Im Unterhaus brachte Asquith die Irische Homerule Bill ein. Das Haus war dicht besetzt, aber nicht so stark, wie bei der früheren Einbringung der Vorlage 1886 und 1893. Redmond, der Führer der irischen Nationalisten, B a r s o n, der Führer der irischen Unionisten, Bonar L a w und Asquith wurden bei ihrem Eintritt in das Haus von der: Anhängern laut begrüßt. Bei Einbringung der Bill, welche „Bill der Regierung von Irland" genannt wird, erklärte Asquith, er möchte das Haus ersuchen, zu erwägen, wie sich die Lage für oder g e g en die Homerule Bill durch die Ereignisse" seit 1893 gestaltete. Das Verlangen der Iren nach der Hornerule überdauerte alle politischen Veränderungen seit 1893 unverändert. Asquith betonte den gewichtigen Charakter der die Homerule fordernden irischen Stimmen und beschäftigte sich mit den Eirm^endunaen der Unionisterr von Ulster geg^n die vorgeschlagene Aenoerung. Er hätte niemals die Kraft und Entschiedenheit ihres Widerstandes unterschätzt: die Regierung habe sie bei der Abfassung der Bill wohl gekannt. Die Regierung könne einer relativ geringen Minorität, namentlich wenn für die Wahrung ihrer besonderen Interessen gesorgt wird, der ungeheueren Majorität ihrer Landsleute gegenüber nicht das Vetorecht einräumen. Die Homerule für Irland ist der erste Schritt zu einer umfassenden Politik der Befreiung des Reichsparlaments von der Notwendigkeit, sich mit rein örtlichen Angelegenheiten verschiedener Teile des Königreichs zu befassen und der Uebertragung dieser Angelegenheiten auf deren Sondervertreter. Das irische Parlament wird aus einem Senat und einem Hause der Gemeinden bestehen. Die höchste Autorität wird das Reichsparlament unvermindert bleiben. Asquith fuhr fort: Das Haus der Gemeinen wird aus 164 Mitgliedern bestehen, wovon 59 Ulster vertreten. Es ist sehr erwünscht, daß auch Vertreter der Minorität des Inlands in den Senat komnren, der aus 40 Mitgliedern bestehen wird. Mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse Irlands wird der Senat erstmalig von der Reichsregi.erung für eine bestimmte Zahl von Jahren ernannt, doch werden diese Mitglieder in gewissem Turnus ausscheiden und ihre Plätze durch von der irischen Exekutive ernannte Mitglieder ausgefüllt werden. Dis irische Unterhaus wird nur die Befugnis der Gesetzgebung über Fragen, die ausschließlich Irland betreffen, besitzen. Für den Schutz der religiösen Gleichberechtigung werden besondere Bestimmungen getroffen. Der Lordleutnant von Irland, der an der Spitze der irischen Exekutive stehen wird, wird die Vollmacht haben, gegen jedes Gesetz auf Anweisung der Reichs- regierung ein Veto einzulegen oder dessen Geltimg aufzuschieben. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Senat und den Gemeinen werden die beiden Häuser eine gemeinsame Sitzung abhalten, gemeinschaftlich beraten und abstimmen. Irland wird nur 42 Vertreter int Westmünsterpalast haben. Das irische Parlament wird die Machtbefugnis besitzen, innerhalb gewisser Grenzen die Reichs steuern herabzufetzen oder aufzuheben und die Verbrauchsabgaben zu sondern. Dann kam Asquith auf die finanzielle Frage zu sprechen und sagte, augenblicklich bestehe in der irischen Verwaltung ein Defizit von 1'» Millionen Pfund Sterling. Bei der Bill sei der Standpunkt zu Grunde gelegt, wo es kein Defizit mehr geben würde. Inzwischen würden aber alle Steuern weiter an den Reichsschatz gezahlt. Die Summe in Höhe der irisckxm Verwaltungskosten werde vom Reichsschatz an den irischen Schatz gezahlt werden. Ferner werden im ersten Jahre an Irland 600 000 Pfund Sterling überwiesen, die sich jährlich um 50 000 verringert: werden, bis der Betrag 200000 Pfund erreicht habe. Irland werde die Zinset: aller Ersparnisse in seiner Bertvaltung erhalten. Asquith schloß, indem er die Unterstellung entschieden zurückwies, daß die Regierung die Bill unter dem Druck der Nationalisten, eingebracht habe und daß sie den Ueber- zeuaungen der Nationalisten ihre persönliche und ihre politisch: (Ihre ausgeliefert hätte, die Regierung habe die Bill eingebracht, als Verkörperung ihrer ehrlichen und überlegten Meinung. -(Lebhafter Beifall bei den Ministeriellen.) Asquith sprach Mei Stunden. Hierauf erklärte C a r - s o n nantens der Opposition die Bill für lächerlich und phantastisch und-bezeichnete die in der Bill gegebenen Bürg- schasten als Täuschungen. Im Namen der 9-ationalisten begrüßte Redmond die Bill als ein großes Werk, das geeignet sei, die Absichten der Regierung zu verwirklichen. Wenn die Bill am 25. !April> der irischen Nationalistenkonvention zur Annahme unterbreitet wird, werde er der Konvention dringend empfehlet:, die Bill gut zu heißen. — Mac Donald begrüßte die Bill im Namen der Arbeiterpartei. Die Aussprache, die am Montag und Dienstag fortgesetzt werden wird, war in einem sehr ruhigen Ton gehalten. Viele Einzelheiten der Vorlage sind noch dunkel und bevor der Text des'Gesetzes veröffentlicht ist, kann volle Klarheit über alle Bestimmungen «nicht eintreten. Inzwischen stehen die Liberalen und die Nationalisten dem Gesetz günstig gegenüber. Neue Kämpfe der Franzosen in Marotta. Die Stämme firn Osten Marokkos wollen sich noch immer nicht beruhigen; seit Monaten haben die französischen Truppen sich mit ihren Truppenabteilungen herumzuschlagen. Heute kommt von diesem Kriegsschauplatz ein Bericht über ein ziemlich heißes Gefecht in der Nähe der algerischen Grenze bei Debdu, wobei die Franzosen zwanzig Tote unb 63 Verwundete zu verzeichnen hatten: Udschda, 11. April. 2500 Angehörige des Stammes der Beni Uarain machten gestern bei Tagesanbruch bei Mahiridja am Flusse Han: am, etwa 11 Kilometer von Debdu, einen äußerst heftigen Angriff auf eine Rekognoszierungsabteilung unter dem Oberbefehl des Oberstleutnants F e r a u d. Fcraud ging energisch zur Offensive über, zerstreute die Herks und t)erfolgte sie etwa zehn Kilometer. Die Marokkaner ließen zahlreiche Tote auf den: Kampfplatz zurück. Die Fran-, zosen soNen etwa 20 Tote gehabt haben, darunter ein Offizierund vier Unteroffiziere, sowie 63 SJer* wundete, darunter drei Offiziere und ein Unteroffizier. Diese Meldung wird durch nachfolgenden Bericht ergänzt: Tie französischen Truppen sind nach den Kämpfen bei Mahiridja am 9. April nach dem Lager bei Pritissa zurückgekebrt, wo sie eiitstweilen verweilen werden. Auf dem Schlachtfelde wurden etwa 190 tote Marokkaner gefunden, zu welcher Zahl noch die von den Marokkanern mitgenommenen Leichen zuzurechnen sind, um die feindlichen Verluste zu schätzen. Nach Nach-, richten aus Eingeborenenkreisen haben die Beni Uarain und die Niata eine neue Trtchpenabteilung gebildet, die zwischen T a s z a und dem M u l u j a (dem größten Fluß in dieser Gegend) stehen soll. vom ita!ieniid)dürfifd)en Kriegsschauplatz. Die neuen Truppenlandungen der Italiener. Rom, 11. April. Die Agenzia Stefani veröffentlicht Einzelheiten über die gelungene Aktion, die in den letzten Tagen von der libyschen Küste aus in der Richtung der tunesischen Grenze ausgeführt wurde. Einige Hochseetorpedoboote kamen am Morgen des 8. Aprils vor Zuara an und bereiteten die Ankerung der Kriegs-! schiffe vor, die morgens in zwei Linien parallel der Küste' erfolgte. Man begann sofort das Bombardement auf : die Oase, worauf zahlreiche Bewaffnete in vorbereitet«, Laufgräben eilten. Bei Tagesanbruch des 10. April wurde die Ausschiffung von Truppen am östlichen Teil der Küste' bei der obengenannten Oase vorgetäuscht. Trotz des Schein- manüvers, das bis 4 Uhr dauerte, blieb der Gegner ihr seinen ersten Stellungen und gab einige Salven ab. Während der Nacht wurde das Bombardement langsam fortgesetzt, um den Feind in Zuara festzuhalten irnd um in den ersten Stunden desselben Morgens den in Begleitung; von Kriegsschiffen aus Italien abgegangenen Truppen-! transport abzuwarten. Nach der Ankunft besetzten zu-' nächst Matrosen, denen dann Truppen und Kriegsmaterial' folgten, die Halbinsel Macabes. Heute vormittag ging; ein Teil der Truppen Vogt der Halbinsel aus vor. Um 11 Uhr gelang die Besetzung des Forts Buchelec ohne Widerstand. Dank oer starren Truppenabteilung konnte die Unternehmung wirkungsvoll durchgeführt iperben. Deutsches Reich. Der Reichskanzler v. B e t h m a n n - H o l l w e g ist nrie* der nach der Heimat unterwegs. Er ist an Bord des Kreuzers „Kolberg" von Korfu kommend am Donnerstag in Brindisi Sonnenfinfternis. Wer über die Sonnenfinsternis am 17. April in astronomischen Jahrbüchern genaue Angaben sucht, wird bemerken, daß die Zeit und Ortsangaben der verschiedenen Astronomen miteinander nicht völlig in: Einklang stehen. Die sonst so um fehlbare Astronomie ist dieses Mal tatsächlich nicht in der Lage, mit unbedingter Sicherheit anzugeben, ob die bevorstehende Sonnenfinsternis nur ringförmig oder an einzelnen Orten vollständig sein ivirb, ja die Astronomen find sogar über den Verlauf der Mittellinie nicht vollkommen einig. Tas Jahrbuch des Pariser Längenbureaus (1912) gibt z. B. an, in Portugal, Spanien, Frankreich und Belgien sei die Sonnenfinsternis vollständig, während Bigourdan auf Grund seiner Berechnung zu dem Ergebnisse gelangt ist, auch in diesen Ländern sei die Finsternis längs der „Zentralitätslinie" nur ringförmig. Eine andere Meinungsverschiedenheit besteht zwischen Bigourdan und Flammariou über den Verlauf der Zentralität: Bigourdan läßt die Linie nordwestlich von Paris verlaufen, so daß sie durch die Saint- Germain geht, während Flammarion annimmt, sie lasse Paris nördlich von sich und kreuze Choistz-le-Rois. Tiese Meinungsverschiedenheiten der Astronomen beruhen in der Unsicherheit der zu Grunde liegenden Zahlenwerte. Bei den Größen, die für die Entscheidung über die „Totalität" und die „Zentralitats- linie" in Frage kommen, sind die Kenntnisse der Astronomen trotz aller Vervollkommnung der Instrumente noch nicht ausreichend. Wenn die Sonne durch den Mond voUständig verfinstert erscheinen fotl, müssen beide Himmelskörper von der Erde aus unter gleichem Winkel erscheinen. Ob dies der Fall ist, läßt sich nur angeben, wenn nicht nur die wahren Durchmesser der Himmelskörper, sondern auch ihre genauen Abstände bekannt sind. Soweit es sich nun um die Sonne handelt, sind die Angaben ausreichend; anders ist es bei dem Monde. Bei seiner vev- wickelten Bahn ergeben die Berechnungen seiner Lage im Raum zu einer bestimmten Zeit zuweilen Abweichungen von 0,1 Bogen- minuten von der späteren Beobachtung. Wenn der Mond von der Erde nun 385 000 Kilometer entfernt ist, entspricht diese Abweichung einer Länge von 11 Kilometer, und gerade diese Strecke kann dieses Mal für die Frage, ob die Sonnenfinsternis vollständig oder nur ringförmig ist, entscheidend werden. Völlig verfinstert erscheint die Sonne an allen Punkten der Erde, die vom Kernschatten des Mondes getroffen werden. Tie Verlängerung des Kernschattenkegels dagegen trifft alle Orte, an denen eine nur ringförmige Verfinsterung sichtbar ist. Je nachdem, ob die Spitze des Kernschattenkegels nun einige Orte der Erdoberfläche wirklich erreicht, wie man erwartet, ober nicht, ist die Sonnenfinsternis am 17. April vollständig ober ringförmig. Tie Gestalt des Mondes spielt hierbei auch noch eine Rolle. Man kennt den Monddurchmefser zwar genau und kann daher auf ziemlich einfachem geometrischem Wege die Grenzen des Kern- schattens, die sich auf der Erde abzeichnen, berechnen. Tabei wird der Mond aber als eine Kugel betrachtet, was ungenau ist. Bei seinem Halbmesser von 8070 Kilometer spielen Berge von mehr als 5000 Meter Hohe auf seiner Oberfläche eine solche Rolle, daß sie den Kemschatten vergrößern können. Tatsächlich können die Astronomen also nur an Stelle der Zentralität s--„Linie" einen 1 bis IV2 Kilometer breiten Streifen auf der Erdoberfläche angeben, innerhalb dessen die wahre Zentralitätslinie zu suchen ist, und in den: Verlause dieses Streh- fens kann die Strecke angegeben werden, für die die völlige Verfinsterung wahrscheinlich, doch nicht ganz sicher ist. • — Eine Spur der Mona Lisa. Mehrere römi- s ch e Blätter melden, daß die gestohlene „M 0 n a Lisa" Pierpont Morgan in Florenz zum Kauf angeboten worden sei. — Bremer Theaterbrief: Tie deutsche Uraufführung von Rostands „Samariterin". Aus Bremen wird uns geschrieben : Im Bremer Stadttheater fand unter Mitwirkung von Tarnen und Herren der Bremer Gesellschaft die deutsche Uraufführung von Edmond Rostands Evangelium „Tie Samariterin" statt. Selten hat wohl ein poetisches Werk an dieser Stätte einen so nachhaltigen und weihevollen Eindruck hinterlassen. Und dies, obwohl es keineswegs im eigentlichen Wortsinne dramatisch ist. Jene befannte Szene aus dem Johannesevangelium, wo Christus die Samariterin um einen Trunk bittet, ist im wesentlichen das Gerüst des Stückes geblieben. Rostand hat nur, was davor, dazwischen und dahinter liegt, poetisch ausgemalt. Aber bleibt der Stoff selbst auf diese Weise durchaus episch, so wirken die einzelne:: Bilder durch ihren meisterhaft gegipfelten Aufbau im stärksten und zugleich vornehmsten Sinne des Worts unvergleichlich theatralisch. Tie hinreißende Glut und Pracht .ber Sprache, die auch in der Verdeutschung des jungen Bremer Schauspielers Friedrich Begas wohl erkennbar blieb, erhebt auch sie zu Kunstwerken von großartiger geschlossener Wirkung. Tie von Tirektor Hofrat Otto sorgsam und stilvoll durchgeführte Inszenierung verdiente vollste Anerkennung. — Gin orientalisches Seminar in London. Nach dem Muster des bereits seit Jahren in Berlin befteljenben Orientalischen Seminars wird nun auch in London eine höhere Lehranstalt erstehen, die dem Studium der orientalischen Sprachen gewidmet sein soll. In der jüngsten Sitzung der Eigentümer der London Institution wurde auf Antrag beschlossen, der Regierung zur Errichtung eines orientalischen Seminars eine erhebliche Summe zur Verfügung zu {teilen. Man wird den sogenannten Finsbury- Zirkus ankaufen, um den Bau in eine Hochschule umzuwandeln: 500 000 Mark für den Umbau und die Ginridjtung werden zur > Verfügung gestellt und nach den bisherigen Plänen werden jährlich 80 000 Mark zum Unterhalt der Anstalt bereit sein. Mit deut Schatzamt schweben bereits Unterhandlungen über die Uebemahme dieses neuen orientalischen Seminars durch den Staat. Ff. Edison über den Schulkinematographen.. Was beinahe kein Schulbuch zu erreichen imstande ist, die Schul-» linder an die Schulaufgabe zu fesseln, das vermag der Kinemato- graph — so behauptet Edison in einem längeren Aufsätze, der sich mit dem Kinematographen in der Schule beschäftigt. Edison ist dabei durchaus nicht bei der Theorie stehen geblieben, sondern vermag seine Behauptung bereits durch Erfahrungen aus der: Praxis zu stützen. In Schulen in Drange hat man versuchsweise den Kinematographen in den Unterricht eingeführt und sich ganz' nach Edisons Vorschriften gerichtet, der auf diesem Wege den Schülern durch das Auge die Anschamlng vermitteln will, die sie sonst aus Worten in gedruckten Büchern schöpfen sollten. Natürlich gibt es Unterrichtsfächer, für die der Kinematograptz von vornherein nicht in Betracht fommt; für andere dagegen scheint er wirklich wertvoll werden zu können. Die Naturwissenschaften stehen dabei obenan. Edison läßt gegenroärtig^in Afrika Aufnahmen für den geographischen Unterricht machen. Sein Kinein atograph hat dabei nach seinen eigenen Worten, den Auftrag, alles aufzunehmen, was zwischen Kapstadt und der Nilmnndung überhaupt vorhanden ist Wenn dann in der Schule nicht in einem geographischen Buche eine notdürftige Abbildung etwa von zwei Kaffem zu sehen ist, sondern wirklich an dem Wandschirm die Koffern lebend zu sehen sind, dabei aber auch landschaftliche Aufnahmen und Bilder aus dem Tierleben, einschließlich der „Landes- prcdukte", die im Unterricht gewöhnlich recht unschmackhaft aus- fallen, wird nach Edisons Ansicht der Unterricht mirtlid) m'selnd sein. Bei den übrigen Naturwissenschaften ist die Möglichkeit des kinematographischen Unterrichts genau fo einleuchtend wie bei der Kinematographie. Edison denkt auch daran, Schreiben, Lesen, Lautbildung, physiologische Tinge und Teile der Mathematik linematographisch vorzuführen, außerdem bat er bereits Geschichte kinematographffch gelebt:. So z. B. hat er in Drange Films vorführen lassen, die d:e Schlacht boi Lexington und Washingtons Uebergaug über den Delaware zeigen. Weitere geschichtliche Bilder sind in seiner kinematographischen Werkstatt in Vorbereitung. Von einer amtlichen Einflchrung des kinematographischen Unterrichts in den Vereinigten Staaten hort man vorläufig noch nichts, wohl aber hat man in Europa den Versuch mit Schulkinematographie gemacht. In Versailles werden in einer Schule im; naturwissenschaftlichen Unterricht gegenwärtig Films vorgeführt. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wislen- schaft. Tie freie Vereinigung Berliner Studentinnen wird vom 15. April an täglich von 12—1 Uhr im Damen- zimmer der Universität durch ein Mitglied Auskunft über alle Fragen erteilen lassen, die für die jungen Studentinnen nutzbar; sind. — Anaetroffen. Der „Berliner Lokalanzeiger"' meldet dazu noch aus München: Der Reichskanzler v. Bcthmann-Holl- wea wird -am Samstag um 4 Uhr nachmittags hier ein- trejfen und um 10 Uhr abends nach Nauheim zum Besuche der Kaiserin Weiterreisen. In einem Bericht eines französischen Generalstabsoffiziers über die deutsche Heeresvor- la g e heißt es u. a.: Angenehm enttäuscht hat uns der Umstand, daß Deutschland nicht einmal alle seine fehlenden Bataillone ersetzt hat, obwohl ihm noch Tausende von jungen kräftigen Leuten zur Verfügung stehen. Der Geldpunkt spielt in Deutschland eine viel zu große Rolle. Dabei besteht Deutschlands Schwäche nicht in mangelnder Finanzkraft, sondern in dem politischen Horizont des Volkes. Diese Rückständigkeit ist bisher der beste Bundesgenosse der Geaner Deutschlands gewesen. In dem Bericht wird zum Schluß daraus hingewiesen, daß Frankreich trotz seiner völkischen Minderheit durch seine kommende Wehrvorlage bald den Vorsprung wieder ausgleichen dürfte, den Deutschland augenblicklich errungen zu haben glaubt. Das fortschrittliche Hamburger Fremdenblatt benennt den Abg. Haußmann „demokratischen Zopfträ- ’ger" und schreibt u. a.: . Es liegt in unserem ureigensten Interesse, weder int Auslande noch in der deutschen Bevölkerung, namentlich nicht bei unteren Parteifreunden selbst, eine falsch verallgemeinernde Ansicht über das heutige Streben und Wollen des freiheitlich und fortschrltd- lich gesinnten Bürgertums, wie es sich in der Fortschrittlichen Volkspartei parteipolitisch verkörpert, au,fkommen zu lassen. Cs ist besser, wir treten ruhig und überlegt in eine klärende gegenseitige Auseinandersetzung ein, wenn unsere Ansichten ausein- 'anderzulaufen scheinen, und bemühen uns, selbst gegenseitig von ^einander zu lernen. Sonst wird der Gegner ein härterer Lehrmeister. Es wäre ein Freundschaftsdienst für Haußmann gewesen, wenn man ihn auf die Irrtümer seiner 21 us la ssungen aufmerksam gemacht hätte, bevor sie der Kritik der Oeffentlichkeit preisgegeben wurden. Er wird es hoffentlich als einen Freundschaftsdienst würdigen, wenn ihm Gesinnungsgenossen an der Wasserkante mit kräftigem Scherenschnitt das entstellende Anhängsel bon dem Haupte abtrennen. Haußmanns Auslassungen sind nichts als ein Rückfall in Fehler, die die große Masse des fortschritt'- lichen Bürgertums längst überwunden hat. Sem Artikel ist — gerade vom liberalen Standpunkt aus — so anfechtbar m allen feinen Gedankengängen, daß einzelne Aussetzungen sich erübrigen. Die Vorwürfe gegen den deutschen Staatssekretär, der nie auch nur im entferntesten so herausfordernd aufgetreten ist tote ferne Amtsgenossen jenseits des Kanals, die sind gar nicht wert, widerlegt zu werden. Mer die Sitzung eines sozialdemokratischen Ketzergerichtes, das den Revisionisten und Kolonialpolitiker Gerhard Hildebrand in Solingen aus der sozialdemokratischen Partei ausschloß, bringt jetzt der „Vorwärts" einen längeren Bericht. Danach kam bas Schiedsgericht nach mehrstündiger Beratung mit vier gegen drei Stimmen zu dem Schluß, daß Hildebrand nicht mehr aus dem Boden des sozialdemokratlschen Parteiprogramms stehe und daher aus der Parteiorganisation Luszuschließen sei. Gegen das Urteil steht dem Betroffenen noch eine zweite Berufung zu, über die vom Parteitag entschieden wird. In den Ausschlußgründen heißt es: „Tie Verhandlungen, ganz besonders die Darlegungen des Genossen Hildebrand, vor dem Schiedsgericht selbst haben ergeben, daß Hildebrand die sozialen Forderungen des grundsätzlichen Teils des Parteiprogramms als offene Fragen betrachtet wissen will und lediglich den demokratischen Teil des Parteiprogramms als verbindlich für sich anerkennt. Tas tritt auch an verschiedenen Stellen seines Buches ,,Tie Erschütterung der Jndustrieherrschaft unb des Jndustriesozialismus" klar zutage. Ta zur Partei nur gehören kann, wer die Grundsätze des Parteiprogramms voll anerkennt, mußte auf den Ausschluß Hildebrands erkannt werden." Anrlant. Zu den französisch-spanischen Verhandlungen wird aus Madrid gemeldet: In amtlichen Kreisen glaubt man, die durch Garcia Prästo dem französischen Botschafter überreichte 'Antwortnote werde die zwischen den beiden Negierungen in der Marokkofrage bestehenden Meinungsverschiedenheiten so milbern, daß eine baldige Verständigung erzielt werden würde, umsomehr als der mit der Regelung der 23erroaltung und der Finanzangelegenheiten betraute fachmännische Ausschuß sich nunmehr nur nicht mit Einzelfragen zu befassen hat. Die spanische Regierung wünscht, daß die Verhandlungen vor dem für Ende dieses Monats anberaumten Wiederzusammentrilt der Cortes beendet seien, bamit das Parlament einer vollendeten Tatsache gegenüberstebe. Dem „Petit Parisien" wird dagegen gemeldet, daß die spanische Antwortnote als unzureichend angesehen werde und keineswegs den großen Optimismus rechtfertige, der in Madrider.Reaie- rungskreisen zu herrschen scheine. Die neue Note werde die Verhandlungen kaum besonders vorwärts bringen. Der englische Ausschuß zur Untersuchung der Handelsbeziehungen zwischen England und den Kolonien, dessen Einsetzung auf der vorigen Reichskonferenz beschlossen wurde, wird demnächst in London zusammentreten und die Arbeiten beginnen. Die Einzelarbeiten des Ärbeitsprogramms werden, so meldet man aus London, erst vom Ausschuß selbst bestimmt werden. Die Studienreisen des Ausschusses, die sich auf die autonomen britischen Kolonien beschränken werden, werden vorläufig drei Jahre in Anspruch nehmen. Indien und die jKrondomänen, die keine Vertretung auf der Reichslonserenz haben, sind von dem Arbeitsplan der Konferenz ausgeschlossen. Die Kosten werden von .England und den Dominions genremsam getragen werden. Die „Times" meldet aus Peking vom 10. April: Das diplomatische Korps hat am Mittwoch Über eine Meldung der Konsuln in Schanghai beraten, die das Verhalten des Militärgouverneurs der Chinesenstadt in Schanghai, Tschentschimei, der kürzlich zum Kabinettsminister ernannt worden ist, zum Gegenstand hatten. Danach hat Tschentschimei wohlhabende Chinesen aus dem Gebiet der europäischen Niederlassung gelockt, um sie draußen zu verhaften. In einzelnen Fällen haben derartige Verhaftungen sogar in dem Bereiche der europäischen Niederlassung stattgefunden. Die Gesandten haben die Konsuln in Scl-anghai telegraphisch ermächtigt, geeignete Abwehrmaßregeln zu ergreifen, und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Tschentschimei der Schutz der europäischen Niederlassung entzogen werde, wo er aus Furcht vor Verfolgungen durch .Ehrnesen nachts Zuflucht zu suchen pflegt. Kongreß für ^amilienforfd)iing. Gießen, 12. April. Gestern früh um 11 Uhr wurde unter dem Vorsitz des Kammer- verrn Dr. Kekule von Stradonitz der Kongreß für Familien- forschung, Dererbungs- und Regenerationslehre eröffnet Tic Eröffnungsrede hielt Geheimrat Prof. Tr. Sommer. Er be- gicklßte nochmals die Teilnehmer, insbesondere die Vertreter der .Grotzherzoglichen Ministerien, Geh. Obermedizinalrat Tr. Hauser Und Generalstaatsanwalt Tr. Prätorius, den Provinzialdirektor Geheimerat Usinger, den Beigeordneten Keller, der für ben dienstlich abwesenden Oberbürgermeister die Stadt vertrat, sowie den Rektor Prof. Dr. König. Ferner dankte der Redner für ine Entsendung von Vertretern dem preußischen, sächsischen, württem- bergischen und dem mecklenburgischen Staatsministerium sowie den hamburgischen Staatsbehörden. Tarnach gab der Redner einen kurzen Ueberblick über die Beziehungen des Kongreßprogrammes zu einer Reihe von wissenschaftlichen und sozialen Gebieten. Tie beobachtende Psychologie führt von der Untersuchung einzelner geistiger Funktionen zur Betrachtung der Gesamtpersönlichkeit, von da über die Untersuchung einzelner Anlagen zum Studium von gleichartigen Gruppen und Persönlichkeiten, wodurch der soziale Charakter der beobachtenden Psychologie gekennzeichnet ist. Diese wird nun durch die Ziele des jetzigen Kongresses wissenschaftlich ergänzt in dem Sinne, daß dort mehr die differenzierende Analyse der Einzelfunktionen, hier mehr die zu- ammenfaffenbe Anwendung der Einzelforschung auf die Perfön. lichkeitspsychologie in den Vordergrund tritt. Außer der soziologischen hat die Aufgabe des Kongresses eine entwicklungsgo- chichtlich-biologische Färbung. Hier stellt nun wieder die genea» ogische Forschung eine Ergänzung her naturwissenschaftlichen Forschung bar. In dieser Ergänzung ist die Voraussetzung zu einer exakten Erforschung im Gebiet der menschlichen Familien und ihrer naturwissenschaftlichen und soziologischen Beziehung zu suchen. Tas Problem der menschlichen Familie im biologischen Sinne ist ür die Betrachtung des ganzen Staatslebens von fundamentaler Bedeutung, und der Hauptfortfchritt in dem ganzen Gebiet be- steht darin, daß anstelle einer rein persönlichen oder bis zu einem gewissen Grade auch einseitig feudalen Beschäftigung mit der eignen Familie eine systematische und methodische Erforschung des ganzen Netzwerkes von Familien getreten ist, welche den sozialen Körper bilden. Vor allem ergibt sich auf Grund der analytischen Familienforschung, besonders soweit sie die Tatsachen der Degeneration im körperlichen und geistigen Gebiet klargelegt hat, das wichtige Problem der Regeneration, durch welches die beobachtende Wissenschaft an eine Stelle gelangt, an der sich die wissenschaftliche Betrachtung durch einen auf die zukünftige Entwicklung gerichteten Willen ergänzen muß. Tie lebhafte Beteiligung einer Anzahl von staatlichen Behörden, ist ein Zeichen dafür, daß bte methobisch- oziale Seite der Familienforschung immer mehr erkannt wird. Tie Ausstellung bilbet, besonders auch für ben Außenstehenden, eine planvolle Erläuterung des Vortragsprogrammes. Indem der Redner die Hoffnung ausspricht, daß der Kongreß tn bezug auf feine Aufgaben klärend und zusammenfassend wirkt und daß er die Zusammenarbeit von Genealogen, Historikern, Soziologen, Naturwissenschaftlern und Medizinern auf dem gemeinsamen Boden der menschlichen Familienforschung fördert, erklärt er um 11»/, Uhr den Kongreß für eröffnet. , c . Geh. Obermedizinalrat Dr. Hauser dankt im Namen seiner Behörde für die Einladung und überbringt deren Grüße, worauf Generalstaatsanwalt Tr. Prätorius im Namen des Justizministeriums dankt. r Tarnach heißt der Re kt o r den Kongreß herzlich willkommen, indem er betont, daß Gießen daS richtige Feld für kleinere, wirkliche Arbeitskongresse sei. Provinzialdirektor Tr. Usinger begrüßt den Kongreß als Vertreter der Provinz Oberhessen, die das natürliche Bindeglied zwischen dem Norden und dem Süden sei, und besonders Gießen sei durch seine geographische Sage zur Abhaltung derartiger Veranstaltungen besonders geeignet. Darauf begrüßte Beigeordneter Keller im Namen der Stadt Gießen den Kongreß mit folgenden Worten: Meine hochgeehrten Damen und Herren! Dem Kongreß für Familienforfchung, VererbungS- und Regenerationslehre entbiete ich namens der Stadt Gießen herz- Iid£n Willkommensgruß! Es hat uns mit Freude und mit Genugtuung erfüllt, alä die Kunde kam, daß unsere Stadt zum Orte Ihres Kongresses erwählt worden sei. Haben auch bereits in früheren Jahren Kurse für Ihr spezielles Arbeitsgebiet stattgefunden, so ist es doch heute das erstemal, daß Forscher nicht nur aus deutschen Gauen, sondern auch aus außerdeutschen Landen sich zu einem Kongresse zusammenfinden, um die Ergebnisse wiisen- schaftlicher Cinzeluntersuchungen aus der stillen Enge des Studierzimmers hinauszustellen in die freie Kritik, den allgemeinen Gedankenaustausch, auf daß sie in praktische Werte umgesetzt und der ganzen Menschheit verständlich und nutzbar gemacht werden. ~ , Erst seit wenigen Jahren hat die Famckienforschung aufgehört, überwiegend Privatsache einzelner Familien zu sein. Je mehr die experimentelle Psychologie sich erweiterte, je mehr die wissenschaftliche Entwicklungslehre sich vertiefte und betätigte, umso besser ward der Boden bereitet für die methodische Untersuchung der Vererbungserscheinungen der menschlichen Familien, umso deutlicher die Erkenntnis, daß diese Untersuchung mitten hineinführe in die Kulturgeschichte und in die wichttgen und großen Fragen des Staatslebens und der Menschheitsentwicke- lung. Hierbei darf der Vertreter der Stadt Gießen mit freudigem Stolze feststellen, wie der Wissenschaft der Familienforschung und Vererbungslehre gerade von Gießen aus reiche Förderung zuteil geworden ist. wie gerade ein Lehrer und Forscher unserer ahna mater Ludoviciana es gewesen ist, der in allen diesen Fragen grundlegend und bahnbrechend gewirkt hat. Sehr geehrte Damen und Herren! Zu den Arbeitsgebieten der Familienforschung und der Vererbungslehre haben Sie auf diesem Kongreß auch die Lehre der Regeneration erstmals zur Erörterung gestellt. Mit vollem Recht: denn wenn die Fann- lienforschung und die Vererbungsgesetze in zahlreichen Fällen Tegenerationserscheinungen, fei es körperlicher, fei es psychischer Art, erweisen, so ist es nur folgerecht, die forschende Tätigkeit auch auf die Regeneration des Menschengeschlechts zu erstrecken. Und gerade die Regeneration ist das Feld, auf dem die Arbeit des kommunalen Sozialpolitikers sich mit der Ihrigen begegnet. Unmöglich eine Regeneration ohne Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen, unmöglich eine Regeneration, wenn nicht immer allgemeiner sich die Forderung erfüllt, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne! Hierfür zu wirken, ist eine Arbeit, bei der der Sozialpolitiker in Ihnen einen treuen Bundesgenossen erblicken muß, eine Arbeit, die zwar schwierig, aber auch edel und ernsten Fleißes wert ist, eine Arbeit, die nicht das Vorrecht einer bestimmten BerufSgruppe ist, sondern die viele angeht, wie ich ja auch Mediziner, Naturwissenschaftler, Juristen, Sozialpolitiker und andere in gleicher Weise hier versammelt sehe. Wilhelm Ostwald bat einmal gesagt, daß jede Kenntnis umsomehr Wissenschaft sei, je hoher ihre soziale Bedeutung sei. Ist dies richtig — und ich glaube es — so ist die Familiew- forschung, Vererbungs- und Regenerationslehre eine echte und bedeutsame Wissenschaft, da sie der Erforschung des Menschengeschlechts gewidmet und feiner Aufwärtsentwickelung und Veredelung zugewandt ist. Meine Tarnen und Herren! Ihr Kongreß fällt in die Zeit des schwellenden Frühlings. Traußen in der Natur klopft der Pulsschlag neuen Lebens und lockt Blumen aus den Keimen und Blüten aus den Knospen. Möge auch aus Ihrem Kongreß reiche Frucht entsprießen: Ihnen, Ihrer Arbeit, Ihrer Wissenschaft und allen denjenigen, denen sie dient! Nochmals: Willkommen in Gießen! Im Anschluß daran sprachen noch Rechtsanwalt Dr. Brey- mann-Leipzig namens der „Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte". Schulinspcktor Th. Math. Meyer-Hamburg dantt als Vertreter des „Bundes für Schulreform, allgemeinen Vereines für Erziehung und Unterricht". Tr. S ch o l o m o v i t s ch für die „Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie an der kaiserlich-russischen Universität zu Kasan", und zum Schluß Schulrttt Wehrhahn als Vertreter des Ver- biandes der Hilfsschulen. Im Anschluß daran dankt Prof. Tr. Sommer mit ein paar herzlichen Worten. Nach Schluß der Rednerliste wird ein Huldigungstelegramm an ben Großherzog abgcsandt und darnach in die Erledigung des wissenschastlichen Programmes eingetreten. Das Wort erhält zunächst Prof. Tr. Rosenfeld -Münster zu dem Thema: „Verbrechensbekämpfung und Rasse n Hygiene". Der Redner führt aus: Die Rassenverbesserung ist ein wesentlicher Faktor der sozialpolitischen Aufgaben des Staates. In diesem Sinne hat er sich vor allem auf nichtstrafrechtlick:ni Gebiete zu betätigen (Ehe, Auswanderung, Einwanderung usw.). Aber auch das Strafrecht, das ja im Dienste des Gemeinwesens steht, kann sich mit der Rassenhygiene vereinigen, etwa im Sinne von Sicherungs-, Heilungs-, Erziehungs- und anderen Rettungsmaßnahmen. Die Strafe, als zeitweise oder dauernde Ausschaltung des Rechtbrechers aus der Gesellschaft stellt sich als eine Prophylaxe dar. Für die Zeit nach dem Strafvollzug ist eine Schutz aufsicht zu fordern. Als sichernde Maßnahme gegen Unverbesserliche und z. T. gegen vermindert Zurechnungsfähige kommt außer der Asylierung die Fortpflanzungsbemmung in Betracht. Soweit die Kriminalanthropologie in die Degeneriertenanthropologie übergeht, wäre auch ein gewaltsamer Eingriff in den Generationsvorgang diskutierbar. Eine der Hauptaufgaben der Rassenhygiene ist die Erziehung verwahrloster Jugend und die Bekämpfung des AlkoholismuS. Dr. med. Friedrich D a m m e r - Stuttgart spricht: „Heber Mendelsche Vererbung beim Menschen". Dominierende Merkmale werden daran erkannt, daß sie durch Betroffene Übermittelt werden. Ist der Betroffene doppelwertig (Homozygot), dann vererbt er daS Merkmal auf seine sämtlichen Kinder. Ist er aber nur einfach (heterosygotisch» betroffen, und der andere. Elternteil nicht, fo weist nur die Hälfte der Kinder das Merkmal auf. Rezessive Merkmale wurden nur vererbt, wenn beide Eltern in ihren Keimzellen das Merkmal besiien. Sind b.'ibe Eltern homo- zygotisch rezessiv, also auch äußerlich behastet, dann müssen sämtliche Kinder betroffen sein, andernfalls Die Hälfte oder ein Viertel. Im letztem Falle ist also kei.ics der Eltern äußerlich betroffen. Rezessive Merkmale treten besonders leicht bei Blutsverwandtschaft auf. Tie Vererbung der Pigmente der Haut scheint entsprechend Derjenigen bei Tieren zu erfolgen: Die dunklere Pigmentierung dominiert über die hellere, außerdem beim Haare das braune Pigment über das rote. Ter menschliche Albinismus läßt rezessive Merkmale erkennen. Umschriebene Röte der Haut (der Wangen» zeigt dominante Vererbung. Dominante Vererbung ist wahrscheinlich bei vielen Anomalien, so bei Star, Diabetes insipidus, Milzvergrößerung. Der Musiksinn läßt rezessive Vererbung erkennen, ebenso die Anlage von Mehrlingsgeburten. Die Aussprache wird auf den Nachmittag verschoben und darauf die Sitzung geschlossen. In der Nachmittagssitzung spricht zunächst Dr. Ke- kule von Stradonitz Über „Fehler in der genealogischen Methode bei der Untersuchung von Vererbungsfragen". Die Fehler bestehen in der Unterschätzung des genealogischen und personalgeschichtlichen Materials, namentlich invezug aus das 18. Jahrhundert. Gedruckte Literatur ist auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen, dagegen ist das handschriftliche Material von Wichtigkeit. Statistische Tabellen sind für Folgerungen auf dem Gebiet ber Vererbungslehre unbrauchbar. Weitere Fehler ergeben sich bei der Verarbeitung des beschafften genealogischen und personalge- schichtlichen Tatsachenmaterials. Schließlich hat die Verwertung der genealogischen Tafeln zu Schlußfolgerungen öfters Fehler im Gefolge. - 1 In der Aussprache spricht Dr. Auerbach-Haifa au dem Vortrag von Dr. Hammer, indem er anführt, daß die Menoelschen Gesetze nicht ohne weiteres auf den Menschen zu übertragen feien. Sommer fand, daß die Männer immer wieder den FamüientypuS reproduzieren. Der Redner bringt eine Hypothese hierfür. Dr. Crzellitzer-Berlin warnt im Hinblick auf die modernsten Ergebnisse auf diesem Gebiet vor einer üb er eiligen Hypothese. Dr. Breym ann-Leipzig: Bei der psychiatrischen Untersuchung muß genauer vorgegangen werden: Daß sich Abnormi- täten vererben, wissen wir, aber wie sie sich vererben, ist mi erkunden. Zu derartigen Untersuchungen empfehlen sich CrzeUitzerS Sippschaststafeln. Dr. Romer- Jllenau behanbelt das Thema „lieber Hereditätsforschung. Der Redner gibt einen Ueberblick über die geschichtliche Entwickelung der Erblichkeitsßorfchung, deren neueren Fortschritte, insbesondere die Mendelsche Vererbungslehre, der Psychiatrie aussichtsvolle Perspektiven eröffnet. Die wesentlichsten Methoden der Erforschung psychisch-nervöser Erblichkeitserschein- ungen sind: Statistik, Familienforschung und psychiatrische Topographie. Zur Verwertung dieser Probleme bedarf es einer Organisation der Forscher und der Materialgewinnung, was durch den Ausbau der Medizinalabteilung bei den staatlichen statistischen Aemtern erreicht werden kann. In der Aussprache vertritt Dr. Kekule von Stradonitz den Standpunkt, daß sich die Psychiatrie der Genealogie bedienen sott. M a c e o - Berkin-Steglitz meint, daß die Genealogie »war die Todesursache in ihre Tafeln aufnehme, aber leider sei das Material (Todeszettel) unzuverlässig. Die Fragebogen würden oft aus familiären Gründen nicht objektiv ausgesüllt. Darnach spricht Prof. Dannern ann - Gießen über die Fürsorgerzieyung vom Standpunkte der Rassenhygiene. Aus Statt und Cant» Gießen, 12. April 1912. ** TageSkalender für Freitag, 12. April: Allgemeine Bürger-Versammlung, einberufen vom Burgeroerem: Verkehrsfragen. Abends 9X Uhr im »Einhorn*. •• Winter im Frühling. Heute vormittag 10»/, Uhr etzte abermals ein heftiges Schneetreiben ein. Dec ^Schnee fiel in dichten Flocken hernieder und blieb auch in der inneren Stadt auf den Dächern und an geschützten Stellen auf Straßen und Plätzen liegen. ** Die ausländischen Juden in Hessen. Bei der letzten Volkszähluna am 1. Dezember 1910 wurden nach der Tarmst. Ztg. 2502 ausländische Juden, 715 mehr als 1905, gezählt, die fast ausschließlich in den größeren Städten lebten, io in Offenbach 1131, in Tarmstadt 512 und in Mainz 380. Ter Staatsangehörigkeit nach jinb die ausländischen Juden hauptsächlich Russen (1606) und Österreicher (689). Bemerkenswert ist, daß seit der letzten Volkszählung im Jahre 1905 besonders viele russische Juden in Offenbach eingewandert sind, so daß deren Zahl von 330 auf 874 gestiegen ist. Davon sind 116 dem Beruf nach Portefeuiller, zu denen 114 männliche und 171 weibliche berufslose und erwerbstätige Familienangehörige zählen, so daß sich die ganze Bevölkerung der russischen jüdischen Portefeuiller iv Offenbach aus 401 Köpfen zusammensetzt. Übereil erMitfich. Auergesellschaft . Berlin 0.17 ——— ----------------------। ■ 1 1,1 - W VX ä Unser bester Glühkörper * i/vytcv s Mit fähjt für ä ***?£!£ «Sw* «treten °’e ^l-di- teÄ"> Laoten ÄJV'1 8K ib anderen Kuinc NW gliche und r 7 L^Vittung s u d.e Klimmt "Ze übergeht, wäre onsvargang diskutier- Erziehung L-Mholrsmus. r spricht: „lieber I» hw * A^inie. ffm, unb btt inbm « Je.be Amt in nb bttbe (Ettern hon». 5 bann müssen samt- wite oder ein Viertel :n. Mich betroffen. 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QUben Rf «ß-t so da» L,rus nach äk>- Mschen * F.Neumeier | Sonnenstrasse 20 03054 I Amtlicher wettervencht. Oesfentiicher Wetterdienst, Gießen. Wetteransstchten in Hessen für Samstag, den 13. April 1912: Wechselnd bewölkt, Nachlassen der Niederschläge, stellenweise noch Nachtfrost; morgen milder. Ilitaitaiii schallt laut und frei und sie war am Tage vorher so tiberangestrengt worden, dass am Abend kein Ton mehr heraus kam. Einpaar Wybert- Tabletten haben die Stimme wieder rein, den Hals frei gemacht. Sie sind für niemanden zu entbehren. Hessen-Nassau. I] Marburg, 11. April. Die Stadtverordneten. Versammlung lehnte den Antrag, einen Kredit von 220 000 Mk. zur Erbauung einer neuen Wagenhalle und zum weiteren Ausbau der elektrischen Straßenbahn zu bewilligen, vorläufig ab und stellte dem Magistrat an- heim, geteilte Vorlagen zu machen. fc. Weilburg, 11. April. Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. beabsichtigte zur Aufhebung eines Niveau- Überganges am Fuße des Karlsberges eine Straßenvevlegung und einen an das Lahmiser herantretenden Viadukt auszuführcn. Eine von dem Vezickskonservator Professor Luthmer-Frankfurt a. M. ausgeführte Orlsbesichtigung ergab, daß hierdurch das schöne Bild, das sich vom Bahnhof Weilburg aus auf den bewaldeten als Stadtprommcnade dienenden Karlsberg bietet, stark beeinträchtigt werden würde. Professor Luthmer empfahl, auf ein früheres Projekt der Eisenbahndirektion zurückzugreifen, das durch eine andere Führung der Straße diese Uebelstände vermeiden und den Waldbestand erhalten würde. Kreis Schotten. O Laubach, 10. April. Das Opfer einer VerwechS- lung ist ein junger Mann von hier geworden. Als er in der Nacht auf Mittwoch eine Wirtschaft verließ, erhielt er mit einem Holzscheit einen Schlag auf den Kops, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Er vermochte sich noch in seine Wohnung zu schleppen, wo er andern morgens in be» wußtlosem Zustand aufgefunden wurde. Ter Arzt stellte eine Schädelzertrümmerung fest und ein Teil des HuteS war in das Gehirn eingedrungen. Der Verletzte wurde in das Johann Friedrich-Stift gebracht, wo er in hoffnungslosem Zustand darnieder liegt. Der Täter, ein schon öfters vorbestrafter Dienstknecht von hier, soll den Schlag einem anderen zugedacht haben, Zwistigkeiten mit diesem hatten ihm vor nicht langer Zeit eine Gefängnisstrafe eingetragen. Er wurde in Haft genommen. Kreis Friedberg. L. Bad-Nauheim, 11. April. Heute morgen nahm die Kaiserin ihr erstes Bad. Am Nachmittag fuhr sie spazieren und kehrte um 5 Uhr wieder zurück. Vor der Villa Grodel stehen zwei Gendarmeriewachtmeister Posten. Es sind zehn Wachtmeister hierher kommandiert und außerdem befinben sich einige Kriminalschutzleute aus Berlin hier. — Heute kamen der Großherzog und die Großherzogin zum Besuche der Kaiserin hierher. Starkenburg und Rheinhessen. Darmstadt, 11. April. Prinz und Prinzessin Heinrich sind von hier nach Kiel wieder abgereist. (bs) Darmstadt, 11. April. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten machte der Oberbürgermeister Dr. Glässing Mitteilungen über die Verhandlungen mit der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft. Einigen redaktionellen Aenderungen, die ohne Belang sind, stimmte die Versammlung zu. Als Termin der Gründung wurde der 15. April festgesetzt. Stadtv. Nodnagel sprach dem Oberbürgermeister für seine verdienstvolle Tätigkeit bei der Lösung dieser seit vielen Jahren wichtigsten Aufgabe der Stadt Dank aus, dem die Stadtverordneten lebhaft zustimmten. Der Oberbürgermeister betonte, er sei sich wohl bewußt gewesen, daß eine Geschäftsverbindung mit der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft nicht allgemein beliebt sei, daß er aber im Laufe der Verhandlungen habe feststellen können, daß die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft weit besser als ihr Ruf sei. Es stehe fest, daß der Stadt Airchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Samstag, den 13. April, 3n der Stadtkirche. Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer D. Schlosser. 3n der Zohannestirche. Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer AuSfeld. katholische Gemeinde. Samstag, den 13. April: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag, den 14. April, weißer Sonntag: Vormittags von 6'/. Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Tie erste hl. Messe. , um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. , um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Leier der ersten hl. Kommunion der Kinder. , um 11 Uhr Heil. 'Messe. Nachmittag? um 3 Uhr: Ehrisienlehre; Andacht mit Segen. Montag, vormittags um 8 Uhr: Amt für die Erstkommunifanten. ♦* Der Großherzog hat das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste": den Vizefeldwebeln n. D. Hoß selb, Müller und Saxer, sämtlich seither im Infanterie-Regiment Prinz Karl (4. Hess.) sj:r 118; ferner: dem Unterzahlmeister Best rm Fußartille- ric-Regiment Generalfeldzeugmeister (Brandenburgisches) Nri. 3 und dem Vizefeldwebel a. D. S t ü h l e r, beide seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 verliehen und dem Schornsteinfegermeister Joh. Nik. Kolb in Mainz die Erlaubnis zu erteilen, die ihm von dem König von Preußen verliehene Rote Kreuz-Medaille 3. Kl. annehmcn und tragen zu Dürfen. ** Di e Kontrollversammlungen im Kreise Gießen beginnen am 15. April, weshalb wir auf die heute im Kreisblatt veröffentlichte Bekanntmachung Hinweisen. Tie zum Erscheinen verpflichteten Mannschaften des Be- urlaubtenstandes ausT r e i s a. d. Lumda seien darauf aufmerksam gemacht, daß sie bei der Kontrollversammlung in Lollar (nicht in Londorf) zu erscheinen haben. "Elsen bah n-Betciebskraulenkasse. Bei der am 10. April stattgefundenen Vertreterwahl zur Eisenbahn- BetriebSkrankenkaffe gingen von den aufgestellten 15 Kandidaten folgende» fünf nut fast doppelter Stimmenmehrheit al? Sieger ouS der Wahl hervor: Karl Zorn, Güterabfertigung Gießen, Karl Schinulbach, Bahnmeisteret 6 Gießen, Friedrich Otter, Bahnhof Gießen, Georg Dreher, Bahnhof Langgöns, mb Friedrich Jung, Bahnmeisterei 1, Gießen. Kreis Büdingen. --'Büdingen, 11. April. Dem diesjährigen Kreistag ist ein Bericht des Kreisobstbauinspektors M e t t e r n ich vorgelegt worden, der unter dem Titel: „D e r Obstbau im Kreise Büdingen in den Fahren 1908/10" gedruckt morden ist. Der Bericht bringt eine reiche Fülle Material und ist ein ehrendes Zeugnis für die Tätiy- (eit unseres Kreisobstbauinspektors und zugleich für die Kreisverwaltung und den Obst- und Gartenbauverein des .Kreises. Von besonderem allgemeinen Interesse find bie Kapitel: Beobachtungen bei Gemarkungsrundgängen ; Pflanzenphänologie und bas Obstsortiment des Kreises Büdingen, ^bstsortenrcinzuchtstation Bad Salzhausen, Hausspa.ier- zucht, Naturdenkmäler, Blumenschmuck, Obstverwertung, Krankheiten und Feinde der Obstbäume. Kreis Lauterbach. — Lauterbach, 11. April. Zwecks Gründung einer Ortsgruppe des hessischen Landesverbandes .Jungdeutschland" sand gestern nachmittag im Konfirmandensaale eine von dem Schulrat Andres einberufene Versammlung statt. Schulrat Andres, der zum Vorsitzenden der zu bildenden Ortsgruppe ernannt wurde, schilderte die Bestrebungen und Ziele der Jungdeutschlandbewegung. Die Ausgabe bestehe hauptiächlich darin, die deutsche Jugend in der Zeit zwischen Schule und Eintritt in daS Heer an Körper und Seele gesund zu erhalten, da der Einfluß der Eltern und Lehrherren in dieser Zeit nicht mehr auSreiche, die Jugend in diesem Alter vor Schädigungen zu bewahren. In den Turnvereinen und anderen sportlichen Veranstaltungen werde zwar viel zur körperlichen und sittlichen Erziehung der deutschen Jugend getan, aber nur 25 Prozent der gesamten jungen Deutschen treiben regelmäßig Leibesübungen. Der Bund Jungdeutschland wolle aber alle jungen Deutschen in seinem Bunde vereinigen, unb bieser Gedanke gehe hauptsächlich von dem General-Feldmarschall Freiherrn v. d. Goltz au8, dem die Erhaltung und Stählung unserer Volks- und Wehrkraft am Herzen liege. Nach einem an die Anwesenden gerichteten Appell zum eifrigen Mitwirken an dieser edlen Aufgabe sand eine lebhafte Aussprache statt. Es wurde eine Ortsgruppe gebildet und in zirka 14 Tagen soll eine Ausschußsitzung stattsinden. Zahnbelag. Jede Mahlzeit laßt in der Mundhöhle Speise- reffe zurück, die mit Speichel vermengt sich an den Zähnen festsetzen. Zum Teil gehen diese Neste in Fäulnis Über, zum Teil bilden fie einen häßlichen Zahnbelag, aus dem allmählich der Zahnstein entsteht. Rauchen, Tabakkauen ustv. verfärben die Zähne und geben ihnen ein häßliches Aussehen. Tägliches, zweimaliges Putzen der Zähne mit Kosmodont - Zahncreme mit aktivem Sauerstoff (Tube 60 Pfennig) macht die Zähne blendend weiß. Zn allen Geschäften zu haben. Probetube gratis durch die Kolberger Anstalten für Exterikultur, Ostseebad Kolberg. beim Abschluß des Vertrages außerordentliche Vorteile zu- gestanden worden seien. * Darmstadt, 9. April. Auf Veranlassung der Hess. Handwerkskammer sand heute morgen in Darmstadt eine Set» ammlung der beteiligten Kreise über die Durchführung der Gesellenprüfung in Hessen statt. Ter Zweck der Ver- ammlung war, eine Aussprache über die Erfahrungen herbeizuführen, Wünsche auf Aenderung ober Verbesserung deS Prü- fungswcsens -u hören und einer Besprechung zu unterziehen. Anwesend waren von der Handwerkskammer die Vorstandsmitglieder Falk-Mainz, Rockel-, Laub- und Sames-Tarmstadt und Syndikus Engelbach-Tarmstadt, die Vorsitzenden der Ortsgewerbc- vereine, Innungen, Gesellenprüfungsausschüsse, sowie zahlreiche, ich ebenfalls für bie Prüfungsfrage intercssierenbc Per- onen. Rach Begrüßung ber Versammlung durch Gewcrberat Falk leitete Syndikus Engelbach mit einem tunen Vortrag über das Prüfungswesen die Verhandlungen ein. Er besprach die Frage der Zulassungen zu den Prüfungen, die Abgrenzung der Bezirke, die Prüfungen der in Großbetrieben ausgebildeten Lehrt linge, die Tätigkeit und Aufgaben der Beisitzer, die Bewertung der Gesellenstücke, insbesondere auch die Bewertung der theoretischen Prüfung usw. Eine anregende Aussprache ergab eine Klärung mancher Fragen, so daß mit der Versammlung selbst der Zweck der Aussprache vollkommen erreicht wurde. (m) Offenbach a. M., 11. April. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde die neue L o h n t a f e l und Arbeitsordnung für die städtischen Arbeiter verabschiedet. Die Lohntafel enthält fünf Klassen. Der Höchstlohn wird nach achtjähriger Arbeitszeit erreicht. In ber ersten Lohnklasse beträgt der Arbeitslohn 35—42 Mark, in der zweiten 33—40 Mark, in der dritten 31—38 Mark, in ber vierten 27—34 Mark unb in ber fünften Lohnklasse 23—30 Mark. Nach ber neuen Lohntafel erhalten 202 Arbeiter eine wöchentliche Zulage von 1 Mark, 200 Arbeiter 2 Mark, 9 Arbeiter 3 Mark, 28 Arbeiter 9 Mark, 5 Arbeiter 5 Mark, 13 Arbeiter 6 Mark, 3 Arbeiter 7 Mark, 2 Arbiter 8 Mark Und ein Arbeiter eine wöchentliche Zulage von 11,56 Mark. Durch bie Einführung der Lohntafel ist eine Mehrausgabe von 57 405,44 Mark erforberlich. In dieser Summe sind nicht enthalten bie Stundenlöhne, bie Löhne ber Saisonarbeiter usw., so baß der Mehrbetrag die Summe von 100000 Mark erreichen wird. — Für den Erweiterungsbau des städtischen Elektrizitätswerks wurden 500 000 Mark bewilligt. Weiter erklärten sich bie Stadtverorbneten für bie Gewährung eines Beitrags für bie Lupusbekämpfung einverstanden. Mit ber Prüfung der Straßenbahnverhältnisse wird ein Sonderausschuß betraut. Außerhalb der Tagesordnung wurden noch 5000 Mark zur Weiterbeschäftigung der Arbeitslosen zur Verfügung gestellt. Mainz, 12. April. Ter totgesagte Hoboist Prüfer vom Inf.-Regt. Nr. 88 ist von den Toten auferstanden. P. war Korpsältester bei der Kapelle, er sollte demnächst, nach dem er 13 Jahre dem Militär angehört, zum Vizefeldwebel befördert werden. In den letzten Jahren ließ er sich zu viel mit Frauenzimmern ein und machte Schulden. So schuldete er allein seiner Wirtin über 800 Mk. Als er vor 8 Tagen in Bingen für die Kapelle 550 Mk. eingenommen hatte, verschwand er mit dem Gelde und trieb sich in Frankfurt herum. Von dort aus ließ er eine Postkarte nach Berlin abgehen, die von dort an hiesige Bekannte ging. In der Postkarte war mitgeteilt, daß Prüfer sich am ersten Ostersciertag von der Stadtbahn habe totsahren lassen. Am Mittwoch nachmittag wurde der Totgesagte in Frankfurt verhaftet. In seinem Besitze wurden nur noch 35 Pfg. und ein Revolver mit sechs scharfen Patronen vorgefundcn. Prüfer wurde gestern ins Militärarresthaus gebracht. Kreis Wetzlar. e. Wetzlar, 10. April. Die Vereinigung zur Er- Haltung der Burgen wird am 9. Juni auf der Marksburg bei Braubach ihre Generalversammlung abhalten. Daran schließt sich eine dreitägige Besichtigung der Baudenkmäler des LahntaleS. Am 11. Juni wird unser wiederhergestellter Dom, der KalSmunt und daS Kloster Altenberg besucht. X AuS dem Schöffengrund, 10. April. Durch die Neuverpachtung der Jagdbezirke ber Bürgermeisterei Schöffengrund wurde eine Jahreseinnahme von 2380 Mk. erzielt. Da sämtliche Jagden auf 9 Jahre verpachtet sind, er- wächst der Gemeindekaffe eine Gesamteinnahme von 21 420 Mk. Dazu haben die Jagdpächter größtenteils den Wildschaden übernommen. Letzte Nachrichten. Die französischen Kämpfe in Marokko. Paris, 12. April. Nach einer Meldung aus Oran sind bei dem Kampf von Maharidja 25 Franzosen getötet und 100 verwundet worden. Die Marokkaner sollen 200 Tote auf dem Schlachtfeld zurückgelafsen haben. ♦ London, 12. April. Die Unruhen in dem Ser Werksrevier von Südluneashire haben aufgehört und die Arbeit wurde überall wieder ausgenommen. Auch in Südwales ist der Streik beendet. der viel und laut zu sprechen hat. Eine Schachtel mit ca 400 Tabletten kostet in allen Apotheken nur 1 Mark. ss*/« Niederlage in Giessen: Pelikan-Apotheke Kreuzplatz 2. vermischtes. ♦ Herzogin Wera von Württemberg, Großfürstin von Rußland, deren Tod wir gestern mitteilten, war eine Tochter des 1892 gestorbenen Großfürsten Konstantin und der im vorigen Jahre verstorbenen Prinzessin Alexandra von Sachsen-Altenburg. Sie verheiratete sich 1874 mit dem Herzog Eugen von Württemberg, ber schon nach dreijähriger Ehe starb. Ihre Tochter Elsa ist mit dem Prinzen Albrecht zu Schaumburg^Lippe verheiratet, während die jüngste Tochter Olga, die nut dem Prinzen Maximilian zu Schaumburg-Lippe verheiratet war, schon seit acht Jahren Witwe ist. Herzogin Wera erreichte ein Alter von 58 Jahren. Vor drei Jahren war sie von der griechisch-katholischen zur evangelischen Kirche übergetreten. — Die Beisetzung der Herzogin finbet voraussichtlich in der Gruft des alten Schlosses an der Seite chres Gatten und ihres Sohnes statt. Kieme Tageschronlk. In Dahlhausen bei Mülheim wurde bei Ausschachtungsarbeiten in einer Tiefe von nur 75 Zentimetern unter einem Baum ein m cnschlickes Gerippe bloßgelegt, von dem aber der Schädel fehlte. Das Skelett dürfte etwa 50 Jahre gelegen | Zum Schulanfang s •= haben Zu jener Zeit wurde in dem jetzt abgebrochenen vause eine Wirtschaft betrieben. Die Untersuchung ist cingcteilet Aus den Kellereien der Berliner Charit 6 sind zweihundert, zu Versuchszwecken dienende, weiße Ratten ge^ stöhlen worden. Sie gehören dem Institut für Krebsforschung. In einem Torfe des Erzgebirges hat ein Gutsbe- si tz e r jahrelang in dem Haushalte statt Kochsalz steuerfreies Viehsalz verwenden lassen, um Geld zu sparen. Er muß die Salzsteuerhinterziehung, deren er sich schuldig machte, mit 60 Mark Geldstrafe büßen. Der schweizerische G e n e r a l st abs m a j o r F ried - r i ch Wille, der älteste Sohn des schwcizerisckten . Korps-Kommandanten Ulrich Wille-Bismarck und der aus der badischen Linie entstammenden Gräfin Clara Bismarck, stürzte bei einem Rekognosziernngsritt mit seinem Pferde und starb. In Budapest trug eine Arbeiterfrau ihre drei Kinder im Alter von vier, drei unb eineinhalb Jahren vor die Stadt und schoß auf sie aus einem Revolver. Der dreijährige Sohn wurde getötet, der vierjährige Sohn lebensgefährlich verletzt. Das kleine Mädchen versteckte sich im Gebüsch. Polizisten entwaffneten die Frau. DaS Motiv zu der Tat will sie nicht angeben. DaS Jndustriestädtchen Horrtelgeist von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht worden, die eine ganze Anzahl von Wohnhäusern mit den Nebengebäuden in Asche legte. Etwa hundert Menschen sind obdachlos. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 11. April. Wie feit Jahren war der Besuch der diesjährigen Frühjahrs-Ledermesse schwach, aber die Stimmung fest. Die Zustchren in dem Hauptartikel der Meße, in eichenlohgegerbtem Sohlleder waren sehr klein und der gesamte Bedarf konnte nicht gedeckt werden. Zahmsohlleder gemischter Kerbung erzielte befriedigende Umsätze, ebenso norddeutsches Sohlleder, das zum Teil große Nachttage bei geringem Angebot halte. Hier fehlten die schweren Sortimente in norddeutschen Wildkühen. Man notierte: Zahmsohlleder, prima starke Ochsen 150—160 Mk., Zahmfohlleder, kräftige Kalbin 150-165 Alk, Zahmsohlleder, geringere Ware 140—150 Mk., Wildkühe, teilte Tiere in schwerer Ware 175—183 Mk., Wstdkühe, feine Malmedyer 160-168 Mk., Wstdkühe in leichteren unb geringeren Sorten 145 bis 155 Mk., Wildochfen in feiner Ware 165—175 Nik., Wildochsen in billigeren Erzeugnissen 150 — 160 Mk., Wildochsen, norddeutsche schwere prima 125—136 Mk, Wildochsen, norddeutsche leichtere und geringere 110—125 Mk., Wstdkühe, norddeutsche schwere prima 125 bis 13t Mk., Wildkühe, norddeutsche Nebensortimente 110-120 Mk., Brandsohlleder je nach Beschaffenheit 100-125 Mk., Vacheleder, feine Ware 165—180 Nik. sBacheleder, gute Mittelware 150—160 Nik., Vacheleder, geringere Ware 135—145 Mk, Slipfe, fein und leicht 190-220 Mk., Kipfe, Mittelsorten 160-180 Mk., Kipse, geringere 140—155 Nik., Rindleder in feiner Ware 220—240 Mk., Rindleder in geringerer Ware 190—210 Nik. 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April, abends 7 Uhr, verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein treusorgender Gatte, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Frebel im Alter von 35 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Maria Frebel geb. Birkenstock und Kinder Familie Heinrich Frebel „ Birkenstock „ Martin Frebel Giessen (Schützenstr. 8), 12. April 1912. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. April, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 2741 Fortschritt-Stiefel: Machruf Aparte Halb - Schuhe W. Herbert Giessen, den 12. April 1912. DW« Nachruf. Giessen, den 12. April 1912. v"/. Emil Karn. Schnlstr. Das Beste in Qualität DasHöchste i.Eleganz Das Bequemstei. Form Mk. 16.5O an Die Direktion der städt. Elektrizitätswerke und der Strassenbahn Er war seit Errichtung des Elektrizitätswerks in unserem Betriebe treu und unermüdlich tätig und hat sich durch sein bescheidenes und ' freundliches Benehmen die Liebe und Achtung seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter erworben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Elegante Stiefel von Gestern abend verstarb plötzlich und unerwartet unser langjähriger Bureaudiener Herr Heinrich Frebel. Plötzlich und unerwartet verschied gestern abend unser langjähriger Mitarbeiter und Kollege Herr Heinrich Frebel. Wir haben den leider allzufrüh Dahingeschiedenen als einen bewährten Mitarbeiter und treuen Freund schätzen und achten gelernt, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Die Beamten und Bediensteten der städt. Elektrizitätswerke und der Strassenbahn. taos, W toMiin bei weitgehender Garantie und günstigster Kauf- u. Mietbedingung. Stimmung, Reparatur Transport Ständiges Lager von 250 bis 300 Instrumenten. 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