162. Jahrgang Zweiter Blatt Kr. 160 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. in Je 15 der m .neuen, uic gt-u.iuui|i iwu, «uv • ■*- ------ -—- 1 . , " . ' m ' i - denen bat Kirchenregirnent auf alle Kleinlichkeiten kann mit innen vielen Uulverfitaten viel eher bas Brinzw des -i die Kirche immer schleckst gefahren und die Zeiten I Ausgleichs gelten lassen, als Letten mit inner einen Universität. Innstadt -undßwuw- Motoren d^, Sauggas- fotoranlagen: Selbstfahrbare : Band-Sagen i : vergeben werbe t der medij linilen. — Wie sich der Eiffelturm reckt. Daß der Eiffelturm wagerechte Bewegungen ausführt, weiß man seit längerer Zeit; daß er sich jedoch auch reckt, daß er sich verlängert und verkürzt, hat jüngst Guillaume, der Leiter des Internationalen Gewichts- und Längenbureaus, festgestellt. Guillaume hat von den einzelnen Plattformen des Turmes zum Boden einen langen, nicht dehnbaren Draht c«is einer Eisen-Nickellegierung, ausgespannt, an bessern unteren Errde ein Schreibstift beseitigt ist, der die Reckung und Verkürzung des Eiffelturms auf einer drehbaren Trommel aufidjreibt Die Kurven, die Guillaume auf liegen, in L------ — -----,- _ reagierte, sei die Kirche immer schleckst geiahren fauenflinifen i M Angebot? (i werden: 1 Kcankenkleidw atratzen. 1 Muster sind r edizinischen ui nachnM:. lufschrist verseh, AW1A och getrennt c; der medizmijff Prälat Tr. F1 öring verteidigt feinen in der Ersten Kammer vertretenen Standpunkt, den der Vorredner in mancherlei Punkten mißverstanden habe. Es ist nicht richtig, zu verlangen, was, in Preußen möglich ist, muß auch in Lessen möglich sein. Preussen diese Weise erhalten l)at, sind äußerst lehrreich. Der Gelehrte hat sie mit den Temperaturkurven des Meteorologischen Auues ver- glicksen, und dabei hat fich ergeben, daß der Eiffelturm sich >er Lusterwärmung oder -abkühlung sehr schnell anpaßt, denn seine Streckungskurven entsprechen fast völlig den Temperatur- kurven. Zn den .Tagen der größten Hiße reckt er sich ganz, erheblich; seine L ä n g c n a b w ei ch u n g erreicht dann den Betrag von 33 en tim et et, also etwa ein Zehntausendste^ seiner ganzen Länge. ff. Abgelehnte Bilder Alma Tademas. Erne reizende, wohl wenig bekannte Geschichte wußte der jüngst ver> torbene Sir Laurence Alma Tadema aus seinen Anfängen yr erzählen. Höchst selbstbewußt hatte er dem Ausschuß für die Kunstausstellung in Brüssel im Jahre 1859 ein Gemälde ein- gereicht. Als er es nun nach Wochen größter Spannung mit einem ablehnenden Bescheide zurückerhielt, da packte den jungen Künstler die Verzweiflung. Aber die äußerte sich bei ihm anders- als bei gewöhnlichen Sterblichen. Er lud seine Freunde ein, unfr dann forderte er sie auf, nach ihm — durch das Bild, welches ein brennendes Haus barftcllte, zu springen. Unb unter Freuden- geheul 'prang bic ganze Horbe durch das „brennenbe Haus". Gin zweites Bild wurde ebenfalls abgewiesen, und Alma Tadema schenkte es seiner Scheuerfrau als Tischtuch. Später erzählte sie ihm, daß es „bedeutend besser" wäre als die gewöhnlichen Wack>stück)er. „Diese sind niemals wasserdicht," so äußerte fie, „bad Bild aber, das Sie mir geschenkt haben, ist doch wenigstens dick und zeigt ein schönes Bild!" — D i e Sophistik des kleinen Drückebergers. Gin Leser erzählt uns folgende wahre Kindergeschichtchen: Unter vier Jahre aller Kleiner ist kein Rreunb von Mehlspeisen ober Aehulichew, unb wenn cr’5 irgendwie serligbringen kann, sucht er sich am MittagStisch davor zu bewahren. Kürzlich gabs Leber- knödeliuppe, und stugs halte der kleine Bursche, im allgemeinen ein guter Esier, die Brühe vertilgt, die Brocken aber auf dem Teller liegen laßen. Energisch vermahnt, den Rest ebenfalls anfzuessen, ftÖBt er erbarmungswürdigen Tones die Worte hervor: .Ich kann nicht, ich wurde sonst sterben und müßte inS Grabloch!' Auf die erstaunte Frage, wie er denn zu solcher Meinung komme, erwidert der kleine Bursche, der noch keinen Buchstaben eulzißem kann, trocken: „Ich hab's in der Zeitung gelesen!' — Heule sitzt er vor einem Teller mit Spätzle und Kirschen, eigentlich nur noch mit ersteren, denn die Früchte sind bereits in seinem Munde verschwunden. Er fühlt, daß ich ihn beobachte, und auf einmal, nachdem er sichtlich mit sich zu Rate gegangen, sagt er: „Baler, meine Spätzle weinen!' „Wieso?' gab ich ihm zur Antwort. ,Sie weinen, weil ich sie eßen soll, ich laße sie liegen', und flugs rutscht der kleine Samariter von seinem Stuhl herab und kehrt bem, Mittagstisch den Rücken. Die „fckfoeiter Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger' viermal wöcheiitlich beigelegt, daS „KmsbUrtt für bei Kreis Ofehen" zweimal ivöchenitich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- frage!" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slrahe 7. Expedition unb Verlag: Redaktion:«^! 12. Tel.-Adr.:An»eiger»ie»en. Mittwoch, s0. Juli 1912 t Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scheu UniversiläiS - Buch- unb Steindruckerci. R. Lange, Gießen. waren für die Kirckte traurig, während in den letzten Jahren, tn denen man die Verhältnisse sich ruhig entwickeln ließ, sic sich mtt Ruhe entfaltete. Die frühere scharfe Zensur sei md)t gludud) gewesen, leider sei manche gme Kraft, für die man 'roh gewesen wäre, hinausgetrieben worden Er könne sich Nicht für Jatho begeineru, ebensowenig wie für die Kllndgebung der bi, C5 gehe aber nicht an, das heilige Recht der freien Meinungs- iußernng zu beschränken, selbst wenn es einmal über das hinausschieße Wohl sei cs richtig, daß mandx Gemeinden durch das Barkomnmis beuruhigt wurden, doch komme dies auch durch andere llmitänbc vor, deshalb dürse man nicht durch gcroaltianw Unterdrückung dieser Aeußerungen Sflapcnjinb .iknechle erziehen, wie dies in srüheren Jahrlmnderten zum schaden der Kirche ge fchah Der Redner ist erfreut, daß dc.s Lberkonsistonum die ,"al'igkeii besint, sich über solche Geschichten In nweg zu setzen BDu Pfarrer Fritsch RiiPPwisburg führt aus, baß Die Erklärung der 87 nicht univibersprocknn bleiben bunte, da Durch bas Stillschweigen sonst eine falsche nachteilige MciMing entstehen könnte. Ter ebner hätte gewünscht, bau die Erklärung der üicgicnmg etwas deutlicher ausgefallen wäre, damit raiclier eine Beruhigung unter der Bevölkerung ein trete. -Ltc Beunruhigung sei besonders durch eine gewisse Presse gefördert worben, xer Redner hat immer im Interesse der Einigkeit gearbeitet unb hat bic Erklärung der 124 sicher zur Beruhigung bcigetragcn. ^cr Redner nimmt Dann die Mitteilungen in Der Enten und Zweiten Kammer, besonders den Adg. Lutz in Sckmtz, der die .Ingelegenheit in würdiger Weise im Sinne der Kirche vertreten habe. Shn. K rapp- Sickenhofen hätte gewünscht, daß vom lärmen regiment eine beruhigende Erklärung, aber nicht in breiter Seffent- H lRioS-i-a- -brOt'C^c ,2B. fr HM Giesse11 SfaS! Preises Ird . Leo" un lichkeit, erfolgt wäre. Svn. Pfarrer D. Schlosser-Gießen hat die Kundgebung der 87 nicht unterschrieben, doch gehört er zu denen, bic den Spruch bes Kollegiums gegen Jatho bedauert haben, xie cvang. Kirckn? könne es sich erlauben, in der jetzigen Zeit, in der immer schwierigere Probleme auftauchen, auch einen Jatho, der ^ahrc einer für bie Kirche verdienstvollen Tätigkeit hinter sich habe, zu vernehmen und zu beachten. Es muß freilich ei,re Grenze geben, denn es gehe nicht an, ein Sammelsurium aller möglichen Jici- nungen zur Geltung kommen zu lassen. Feststehen muß, was christlich und evangelisch ist. , . Syn Dingeldcy - Darmstadt gibt eure Erklärung bekannt, »ach der eine Anzahl Abgeordneten den Standpunkt des Ober- kousistoriums teilen, obwohl sic mit dem Vorgehen der 87 nicht einverstanbeu sind. Hierzu sprechen noch bic shnolmlen t o o 5 - Groß-Umstadt, Schaub- Offenbach unb Wahl- -schlitz, sowie Dr. Lucius namens ber positiven Vereinigung. In ber Nachmittags sitznng würbe bas gleiche Thema weiter behandelt. Syn. Pfarrer Widmann-Darmstadt macht eingehende Ausführungen über die Verhandlungen der beiden Kammern, betr. die Besetzung der Theol. Fakultät an der Laubcsuniversitäl. Obwohl die Leistungen der positiven Gelehrten allseitig anerkannt werben, besetzt man bic Stellen seit Jahren mit liberalen Geistlichen. Den Ausführungen bes Prälaten in ber Ersten Kammer könne er nicht beiftimmen, benn bie wißen- schastlichc Tätigkeit bürfc nickst allein maßgebenb fern Man lollc das Preußische System der Ausgleichsprosessoren cmführen Die Ablehnung der beiden positiven Professoren durch den Herrn Prälaten mit der Begründung, daß nickst die Gesichtspunkte, wie bei ber Pfarrstellenbesetzung maßgebend sein dürfen, sei nicht stichhaltig. ®lefeener Anzeiger Heneral-AnZeiger für Gberhchen Der Redner verweist bann auf die Aeußerung des Vertreters der Universität in der Ersten Kammer, daß weder Fakultät noch Senat einseitig verfahren. Gerade in den letzten Jahren sei die Besetzung der Fakultät sehr einseitig gewesen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß fast 2/5 der gesamten heil neben Theologen ausschließlich an der Landesuniversltät vorgebildct werden, und der Tatsache, daß die Erweiterung des Gesichtskreises gefördert würde, hätte man von dieser Einseitigkeit der Fakultät absehen müssen. Wiederholte Malen wolle Redner an einen Auszug des früheren Ministers des Innern Brann erinnern, der goldene Worte sprach von dem Grundsatz der ausgleichenden Gerechtigkeit, von dem die hessische Regierung sich leiten lasse. Nur was zur Tat wird, das hat Wert. Sehr scharf kritisiert der Redner die Ausführungen bvS Abg Lutz in der 3 realen Kammer, ber die cv äuge linde tanDcönran. an dem Forum des Landes schlecht gemacht hat nut taliajcii Darstellungen und llebcrtrcibungcn. (Zustimmung Syn. Dr. Eck: Neues zu dieser Frage ist heule mdtf getagt worbeii unb neues kann er Daher auch nicht jagen Der Redner verliest dazu das s. Zt. auf bie Eingabe Domiatt ergangene' Gutachten der Fakultät, aus bem besonders hervor geht, baß die Vorschlagsliste stets auch Hantnbatcn ber sogcnaniitai positiven. Richtung enthält und daß stets nur die witteisichaftllchc Bedeut nug des Einzel neu für die Entscheidung matzgebeud ist sehr ein- gehend unb interessant verbreitet sich ber Redner über Die Definition dcS Wortes „positiv", unb kommt zu Dem ^niliiiic, Dav Die Positiven sich im einzelnen gar nicht cüircbcn lassen, vaw das, was man beule neuere positive Theologie zu nennen bfhcbU so stark vom liberalen Gesichtspunkte Dnrd)$<>gcn unb Durcutrarat ist daß sic uns icljr nahe kommt Wir wahren uns Dagegen^ uns unter bev Bezeichnung „liberal" cinsuorDneu. Die Gegen- I satze zwischeii positiv unb liberal bat der Deutel a.i?gche(n. In Den Liberalen steckt soviel positives unb umgekehrt, baß die Gegensätze nicht nachhaltig sein können. Die Dünsche der Lotttivcw tonnen wir nicht erfüllen. Lieber das Urteil kommen Wir ninr einmal nicht hinweg unb solange dieses unb nicht bic lieber zciiguug gilt, daß ein positiver Kandidat wisicnichaftlich Hoyer steht alS Der liberale, können wir ihn nicht beritten. Syn. Dieckmann tritt bem Vorredner entgegen -Jrr Ausgleich zwischen positiv unb liberal, den der Vorredner sckwmni möchte, sei nicht angängig. Tie Lehrer müssen sich gefallen lassen, sie nach ihren Früchten zu Int liieren. Das Jmb int jungen Dhcologen. Da sind aber bic Enahrungen Nicht sehr erfreulich. Syn. D. Dr. Diehl ist ber Meinung, daß es zum großen Teil richtig ist, was Syn. Tr. Eck gesagt hat, daß mürben Worten positiv unb liberal viel Unfug getrieben wird, fern Urteil Dieckmanns über die jüngeren Theologen mochte er sich nicht ohne weiteres anschließen. Radikale Elemente hat cs zu jeder Zeit gegeben. Der Redner steht ebenfalls aus dem Standpunkt, daß aub pädagogischen Gründen die Mahnung der Einheitlichkeit an unserer Heinen Universität notwendig ist. ^>vnft kann Der junge Student sich in bem Wirrsal sich überhaupt nicht mehr zurecht finden. Es sei eigentlich zu bebauern, datz das Studium auf anderen Universitäten so erleichtert routbe. ES ist bebauerliri), daß die Herren in Gietzen eine andere Theologie haben als viele von uns, aber eine Sprengung der Falultac darf nicht erfolgen, das kann nie von Segen sein. Syn. Marx-Darmstadt verteidigt die Gießener Fakultät gegen Dieckmanns Angriffe. Svn Fritsch tritt nochmals für bie positive Richtung an. GZ folgen eine Reihe persönlicher Bemerkungen, xamit ist die Besprechung dieses Themas bccnbcL schiebenen Zonen untersucht. Dabei zeigte sich, daß die meisten eingeborenen Völker Afrikas, Indiens und Ehinas eine fast vollkommene .Immunität der Zähne" aufwiesen; bie Untersuchung von Kasferschädeln unb lebenden Kafsern ergab beispielswette nicht einen einzigen Fall von Karies unb bei den Chinesen entfiel auf 30 Gebisse nur ein einziger kariöser Zahn. Interessant ist in biesem Zusammenhänge die Tatsache, daß der Kaffer sich nach jeder Mahlzeit sorgsam das Gebiß reinigt, eine Gewohnheit, bie zu einem religiösen Brauch geworben ist. Unb ebenso wirb ein Hindu ober ein Chinese nicht zu essen beginnen, ehe er sich nicht überzeugt hat, daß er nach der Mahlzeit Gelegenheit finden wird, ein Gebiß zu reinigen. Aber unter ben lebenden Menschen besitzen anscheinenb bic Eskimos bic gesündesten und besten Zähne; Unberrooob hat eine ganze Reihe von Eskimogebissen untersuckst, ohne Spuren irgend eines Zahnleidcns zu finden. Diese Tatsache beweist, daß die Verschlechterung des Gebisses bei den gegenwärtig lebenden Kulturvölkern vom Klima vollkommen unabhängig ist unb wahrscheinlich auch von ber Zahnpflege, ba beispielsweise der Eskimo eine Pflege des Gebisses überhaupt nicht.kennt. Unberwood neigt dazu, die unaufhaltsam fortschreitende Verschlechterung des menschlichen Gebisses in den Kreis der naturwissenschaftlichen Entwicklungstheorie ciwzuordnen: mit dem Zeitpunkt, da der Urmensch zum Menschen wurde unb anstelle der rohen Nahrung eine gekochte trat, verlor das Gebiß naturgemäß an Bedeutung für bie Erhaltung des Lebens, und mit dem Ueberflüssig- werben starker kräftiger Zähne begann auch ber Verfall Das einzige, burch das mir bas Tempo bieser Degeneration bes Gebisses vielleicht verlangsamen können, ist eine sehr ftrenge unb systematische Pflege der Zähne Unberrooob bezeichnet hierin ben Kaffer als vorbilblick, empfiehlt bann eine Reform der Nahrung unb zwar auf eine Kost, die eine stärkere Speichel en twicklung hervorruft, da der Speichel die Wirkung zerstörender Säuren aufhebt. Sehr wichtig aber für die Gesundheit des Gebisses ist die Ernährung neugeborener Kinder durch bie Muttermilch; bic künstliche Ernährung ber Säuglinge rächt sich in erster Linie in ber Entstehung eines Gebisses, das zu Zahnleiden bestimmt erscheint. urort Braunti onQnifdsan^c SBcrpflcfl.v.iJI.Wt _ [S%l__ jener OUditpafiia"’• Äägg »S sasöS htischen Unfälle M1'* "ÄlSs? SÄ Das Urteil im Zchapiroprozeh. In dem Prozeß des Beigeordneten Berndt und der Frau Schapiro gegen den Verleger und Chefredakteur des „Neuesten Anzeigers" zu Mainz Heinrich Hirsch hat das Gericht, wie wir gefterti schon mitteilten, den Angeklagten wegen Beleidigung des Beigeordneten Berndt zu 3 Monaten Gefängnis, wegen Beleidigung der Polizeiassistentin Schapiro zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Gesamtstrafe 4 Monate Gefängnis. In den weiteren Beleidigungsprozessen wegen Pffotographierens und fcenim- zeigens eines Briefes sowie Veröffentlichung auswärtiger Blatterstimmen, wobei der Staatsanwalt je 2 Monate Gefängnis beantragt hatte, tg.urde der Angeklagte freigesprochen. Tic Verlesung des Urteils nahm fünf Viertelstunden in Anspruch. In der Urteilsbegründung wurde u. a. ausgeführt: p Tie Anstellung der Polizciassistentin erfolgte auf Anregung der sozialdemokratischen Partei. Tie Einrichtung war zunächst als ein Versuch gedacht. Allmählich entwickelte sich die Fürsorgetätiakeit, für die keine gesetzlichen Grundlagen gegeben find; dem Takt, der barmherzigen Liebe ist alles überlassen. In dieser Beziehung zeigt sich, daß der Frau Schapiro Lob überall gespendet wurde. Die Urteilsbegründung geht dann auf die einzelnen Fälle ein. Im Falle Gmünd ist kein Bewcispunkt, der als '^SMi.^Dimsionsvfarrcr Licdtkc-Darmstadt wendet sich bei Anerkennung aller Geistesgröße Jatlros gegen die Kundgebung brr 87. Wenn Jatho nicht von allen Seiten außerordentlich anerkannt worden wäre, würde bie Entscheidung gegen ihn viel ciitfadKr gewesen fein. Hier trete die Lehrwirksarnkeit Jatffis in den Vordergrund Die Eristenzbercchtigung Jathos tn ber Eoring. 5Hrrlw werde ihm ja nicht avgesprochen, dock) sei er in feiner" Lehrtätigkeit zu weit gegangen, er habe den Boden der tlistlichen Weltansck>auung und des christlichen Bekenntnisses so» weit verlassen, daß er feinen Anspruch auf wettere Ausübung seines Lehramtes mein machen könne. Die Stellung des t)ber Konsistoriums zu der Kundgebung der 87 sei sehr schwer zu I end al nt, doch dürfte nicht unwidersprochen bleiben, datz eine ornfee Anzahl Glcickigesinntcr bie Kundgebung nicht billigt. Syn. Landgerickstsdirektor Schm eck ende ch er-Gießcn hält die Erklärung der 87 für unangemessen und nicht für veranlaßt m Hinblick auf unsere hessischen Verhältnisse. Viele der Unter- ridmer haben rm ersten Eifer und ohne besondere Ucberlegung jee Unterschrift gegeben unb haben bies auch schon bedauert, wenn es möglich wäre, hätten sie sie auch schon zurückgezogen, trotz- beii aber dürfe man sic nicht ohne weiteres zu den Jüngern Pathos zählen. Im Interesse des Friedens begrüßt cs ber Redner, tat bas Oberkonsistorium sich von Schärfe fretgehalten habe. Syn Pfarrer D. Dr. Diehl-Darmstadt verbreitet sich zunächst über seine persönliche Stellung zu ber Frage unb führt Ms, baß er die Kundgebung nicht unterschrieben habe, obwohl er viele persönliche Freunde unter den Unterzeichnern habe unb auch ta zu aufgefordert worden sei. Er muß die Frage, ob das Lder- foiififtorium gegen bic 87 hätte einschreften sollen, verneinen, icnn in alten Zeiten, bie zeitweise noch gar nicht so lange zuruck Die Vergangenheit und die Zuiunst der menschlichen Zähne. „Die Menschheit ist auf dem Wege zur Zahnlosigkeit", daS ist b«S pessimistische Endergebnis der Untersuchungen, die eine tührendc englische Autorität auf dem Gebiete ber Zahnheilkunbe^ Pro!. Arthur S. Unberrooob Dom Royal College of Dental Lmrgery in Lonbon, angestellt bat unb deren Ergebnis in einer englilw’n Zeitschrift veröffentlicht wird. Die Schlußfolgerungen des Gelehrten stützen sich auf ein umfassendes Material unb Mvftlff tn t> r Behauptung, baß eine unvermeidliche Folge in der wrtichreiten- ben Kulttrrentwicklung unb der Zivilisation zu allen Zeiten und m aflen Weltteilen diese ist: der Mensch verliert die r 87 hessifckfon Geistlichen einzusckfreiten, führte Svn. Jacob- re nz au«, baß die Zott'ur des Cbcrfonfiftoriumd gegenüber Ihr Kundgebung der 87 noch ziemlich scharf sei, auch sei bie > der I. Kammer nickst berubtigt gewesen. 3hn. Pft. Wagner- Darmstabt ist mtt ber Erklärung des ILber-Konsistoriums nickst ganz einverftanben, ba sie ihm nicht . Den bas Urteil erregt habe, sei , aber erfreulich, feststcllen zu können, daß doch noch Ordnung hi der evangelischen Kirche herrsche. Der Spruch des Kollegiums Lite gezeigt, daß Jatho in der prcußifchen Landeskirche nicht icbr amtieren könne. In der Bevölkerung war man schon darüber limruljigt, bah überhaupt ein Geistlickfer sich gegen das U» jnl nKiuxm könnte. Man müsse alles aufbieten, um bic Kirche irr Irrwegen zu bewahren. Syn. Arcknvrat D. Herrmann- Darmstabt ist über bie Sritbgcbnng Der 87 erfreut gewesen, wenn auch die Form hätte besser gewählt sein können. In ber Kundgebung werde ja die , sich nicht verteidigt. Niemals werde mau in ber Lage sein, derartige Kundgebungen ganz zu untcrDriidcn. man ängstlich sein, so müsse man auch an ber strengen f rhobone Anstoß nehmen. Schwer sei es, solche Bestrebungen |lt unterdrücken, denn der freie Meinungsaustausch werde sich nicht enbänunen lassen. S^n D-ickmann fordert als Vertreter der positiven Rich fiüTj, daß mau bic gewährten Freiheiten nicht zu weit gehen eit> den Fortsckmtt bis ins Blaue hinein wachsen lasse. Mau U[r an den apostolischen Glaubensbekenntnissen festhalten, bic f.ixnikenlose Lehrfreiheit führe zu weit. Das Dber-tfonfiftoriun bitte gegen bie Kundgebung schärfer Stellung nehmen sollen. Syn' Pfr. Widmann-Darmstadt wendet sich gegen bic J'ebe des Svn. Herrmann, der bic Lehrfreiheit allzittehr aus- -d Hut wissen wolle. Mit Recht sei der Fall in den Sonntags Icttcrn besprochen worben, nachdem sich die Tagesprcsse der rage eingehend bemäckstigt hatte. Die Protesterklärung der 87 di Redner zunächst für so maßlos gehalten, daß er cs für i! hielt, sie mit Schweigen zu übergehen, doch kam er zu der »«sicht, daß dies falsch gedeutet werden könne. Die von den Unterzeichnern geführte Sprack;e könne man sicher nicht billigen, viiMrm seien auch nicht alle liberal gesinnten Geistlichen ai. Kindermehl Meteorologische Beobachtungen der Station Sieh«« Welter Sonnenschein Juli 1912 50,3 -50,6 ''50,5 Schwerer Grubenunglück in England. In bcn Steinkohlenbergwerken bei Dcuaby erfolgte ein fdMütrcd Grubenunglück, dem eine große Anzahl von Bergleuten zuin Opfer fielen. Wir erhielten folgende Drahtnreldungen: London, 9. Juli. In den Steinkohlenbergwerken bei Denaby ereignete sich frühmorgens eine Explosion, bei der 22 Mann getötet worden sein sollen. Die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Die Bergwerke liegen in der Nabe des Schlosses Conisborough, das der König erst gestern ans seinem Wege nach Wentworib Woodhouse, der Besitzung des Grasen Fitzwilliapi, besuchte. Kurz darnach fanden noch 1 weitere Explosionen statt, wodurch eine Decke einstürzte. Eine Ret- tnngsabteilung soll um'diüttct sein. London, 9. Juli. Der König und die Königin besuchten heute abend Caüebp, inn aus Anlatz der Grubenkatastrophc persönlich ihre Teilnahme zum Ausdruck bringen zu können. Von der trauernden Menge, die am Grubeneingang auf die neuesten 22,9 18.4 16,4 (5erid)t»faaL Mainz, 9. Juli. Der Deinhändter Schober aus Ovk-e». heim, der sich vor dem hiesigen Schwurgericht wegen bt. trügerischen Bankerotts zu verantworten hatte, wurd? heute abend zu 4> 2 Jahren Zuchthaus verurteilt, ^eine. ?VIaa erhielt 5 Monate Gefängnis und der Mitangeklagte Ltessa, 14 Tage Gefängnis. Leipzig, 9. Juli. Das Reichsgericht.verwart fc Revision des Hauptmanns Buies und des Grafen Wolfs, Metternich, welche das Landgericht Berlin am 20. ML wegen Betrugs zu 2*/, Jahren bezw. zu einer Woche Gesangs verurteilte. Landwirtschaft. w B c r l i n , 8. Juli Der S a a t c n st a n d i m T eu t sche, Reich anfangs Juli 1912 weist nachstehende Zahlen aus, mtiQ 2 gut, 3 mittel bedeutet: Winterwcizcn 2,3, Sommerweizen 2^ I Spelz 2,0, Ainterroggen 2,4, Sommerroggen 2,3, Gerste 2,1,' Haier 2,5, Kartoffeln 2,6, Klee 3,2, Luzerne 2,5, Bewässerung-, wiesen 2,0, andere Diesen 2,3. In den Bemerkungen zum btut. schen Saatenstandsbericht heitzt es: Tie Witterung im Juni wc: allgemein recht günstig für die Weiterentwickelunq der rreldsrüchh. Zwar mangelte es meist an Sonnenschein. Die Temperaturkr blieben zeinveise etwas hinter mittel zurück, dafür gab es foj überall ausgiebige Nicderscksläge. Die zahlreichen Gewitter ivata stelleiiweise von schweren Hagclschlägen l^egleitet. Infolge btt vielen Niederschläge breitete sich Unkraut aller Art aus^ beicnbtr$ Hederid) ist stark. Soweit Weizen infolge Wmterschäden bünx stand, konnte sich trotz der Niederschläge die Beuockung m« wesentlich verbessern. Beim Roggen soll die Blüte durch bq Regen gelitten haben, so daß die Aehren teilweise sdwrtig g» blieben sind. Immerhin ist der Stand der Winterung als de» friedigend zu bezeichnen. Sommergetreide entwickelte sich bet reud> tem Wetter gut weiter bis auf Hafer. Kartoffeln behielten vieliaij ihren lückenhaften Stand. Tie Ernte in Frühkartosieln hat stellnt, weise begonnen. Sie befriedigt nicht überall. Ter erste Skhinn Klee und Luzerne ist bei dem sdiwachen lückenhaften Stande da Felder meist nicht befriedigend, der zweite Schnitt bietet wesentlich bessere Aussichten. Tie Heuernte ist teils in vollem Gange, teil* schon beendet, und brachte im allgemeinen erheblich größere Et. träge als erwartet. Auch die Güte des Futters läßt meist nicht; zu wünschen übrig. Der zweite Schnitt wächst gut nach. Müller'sche öadeanftalt Wasser wärme der Lahn am 10. I u l i : 180 R. Internationale Bonserenz für drahtlose Telegraphie. Die internationale Konferenz für drahtlose Telegraphie ist am letzten Freitag in London förmlich geschlossen worden. Auf Veranlassung der englischen Regierung hat die Konferenz der Benutzung der Funkentelegraphie zur Verhütung von Unfällen auf See besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Entschließung, die sich sür die pflichtmätzige Ausstattung der Schiffe mit funkentelegraphischen Apparaten aussprach, wurde einstimmig angenommen. In dieser Entschließung sprach die Kon- jscrenz den Wunsch aus, datz die verschiedenen Regierungen ent» sprechende Maßregeln ergreifen möchten. Ferner erklärt sie ein .internationales Abkommen für wünschenswert, damit eine gleichförmige Grundlage für die Gesetzgebung der einzelnen Staaten ge- sd-affen würde, und schließlich empfiehlt sie den Regierungen die Errichtung von Küstenstationen mit ununterbrochenem Dienst, wie cs den Erfordernissen der Schissahrt entspräche. Das neue Abtommen enthält eine Bestimmung, daß aus den Schiffen eine besondere Kraftquelle vorhanden sein muß, um den funkentelegraphifchen Apparat mindestens seck)s Stunden lang in Tätigkeit zu erhalten, so daß ein Unfall, der die Schiffsmasdßnen zum Stehen bringt, die Funkentelegraphie nicht beeinträchtigt. Schiffe der 1. Klasse sollen einen ununterbrochenen Dienst haben und braud)en daher mindestens zwei völlig ausgebildete Telegraphenbeamte. Bei Schissen der 2. Klasse, die nur einen Telegraphenbeamten haben, soll dieser die ersten 10 Minuten jeder Stunde am Apparat hören. Für die kleinsten Fahrzeuge, die Fischerboote usw. wird kein regelmäßiger Dienst vorgeschriebeu. Verschiedene Bestimmungen verfolgen den Zweck, Verwirrung durch Durcheinaudcrkrenzcn der Meldungen zu verhüten. Der Tele- araphenbeamte aus dem Sck)ifse wird ausdrücklich dem Befehl des Kapitäns unterstellt. Weitere Bestimmungen regeln den Tele- graphenvcrkehr zwischen dem Schiss und den Küstenstationen, sowie zwischen den Schiffen untereinander, mit Rücksicht auf größere und geringere Entfernungen. Alle beteiligten Staaten erkennen die Verpflichtung der Schiffe an, ungeachtet der Verschiedenheit der Systeme snnkentelegraphisdie Meldungen voneinander aufzunehmen. Die Konferenz kam zu dem Ergebnis, daß es nod) nicht an der Zeit sei, Bestimmungen über d n Dienst zwischen Landstationen aus große Entfernungen aufzustellen. Tie Organisation eines solchen Dienstes wird allen Ländern freigegcbeii, jebod) unter der Voraussetzung, daß Störungen durch verschiedene Stationen nach Möglichkeit vermieden werden und daß die Ver- schiedcnheit der Systeme nicht zum Anlaß genommen wird, den Verkehr abzulehnen. Die nächste Konferenz wird im Jahre 1917 in Washington stattfinden. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Diarrhöe, -Krankenkost Darmkatarrh, etc. 10,1 49 11,4 72 11,1 80 Hlärfte. fc. Frankfurt a.M. Schmeinem arkt bericht vom 10. Juli Aufgetriebeu waren 1672 Schweine. Vollfleifchige Schweine vor 80 bis 100 kg Lebendgeivicht 60.50-62.50 M., Schlachtgewicht 78.00-80.00 Mk., vollslcischige Schiveine unter 80 kg Lebendgewicht 60.00-61.50 Mk., Schlachtgewicht 77-79.-0 9)1 L; vollfleifchi.it Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht ^1.00—62.50. TlL Schlachtgewicht 78—79.00 Mk.-. vollfleifchige Schweine von 120 bis 150 k" Lebendgewicht 60.50-62.00 2)1 Schlachtgeivicht 78.00—79 Mk. Geschäft lebhaft, kein lleberstand. fc. Frankfurt a. M., 9. Juli. Heu- und St rob markt. Angefahren waren 9 Wagen Heu (2 alte, 7 neue) und 0 Stroh. Ma» notierte: Heu (olt) 4.30—4.50 OJlf., Veit (neu) 2,«0-3,00 Stroh (Kornlangstroh) 0.00-0.00 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 TU Alles für 50 Kilo. Geschäft mittelmäßig. Tie Zufuhren waren aut Cbcrheh’en, den Kreisen Dieburg und Hanau. J [] Kirchhain, 9 Juli. Bei schwacher Zufuhr entwickelte nd> aut dein heutigen Schweine markt ein flottes Geschält. Le» zahlt luurben für 6.-8 Wo eben alle Ferkel 25—35 Mk., für größere Ware 40-50 Mk. und füt Läufer je nach Größe und Qualität 70 bis 80 Mk. sonstiger Stiftungen eingewiesen waren. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 9. Juli. Sitzung der Stadtverordneten. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Bürgermeister der großen Verdienste, die sich der seitherige Kommandant unserer Feuerwehr, Stadtv. Ferdinand Damm, um die Ausbildung und langjährige Führung der Wehr erworben ha.be. Er habe das Korps stets schlagfertig und ans der Höhe gehakten, ohne das städtische Budget besonders zu belasten. Da er jetzt aus Gesundheitsrücksichten das Kommando niedergelcgt habe, spricht er ihm den besonderen Dank der Stadt aus. — Die Vergebung der Arbeiten für das Eich- und Sten er am t sowie der Umbau der Gewerbeschule in ein Museum, Lesehalle und Feuerwehrstation gel t auf Antrag des Beigeordneten Falk nochmals an die Baukommission z-urück. — Ein mit Metzgermeister Gröninger durch Beigeordneten Justizrat Windecker abgeschlossener Vertrag und Vergleich, wonach dessen Hofreite für 36 000 Mark in den Besitz der Stadt übergeht, wird genehmigt. — Der von der Stadt bestellte Sachverständige für Herstellung des Verteilungsnetzes für die elektrische Licht- und Kraftzuführung erläutert sodann sein Projekt. Rach dessen Ausführungen wird der Strom von der Provinz in einem unterirdischen Kabel bis zur Uebergabestelle in Drehstrom von 5000 Volt Spannung geliefert und in neun Transformatorstationen, die über die ganze Stadt verteilt sind, in 127—220 Volt Spannung umgeformt. Die Kosten der Anlage in die Häuser bis zum Zahler übernimmt die Stadt. Das .Hochspannungs kabel erforderr eine Ausgabe von 44 000 Mk., die Transformatoren 22 300 Mk., das Verteilungsnetz innerhalb der Stadt 78 000 Mk. Die Gcsamtanlage einschließlich Einführung bis zum Bahnhofsgelände würde sich aus 187 000 Mark stellen, bei Kabel-Erdlegung innerhalb der Stadt etwa 50 000 Mk. mehr. ES wird beschlossen, Freileitung einzuführen und das Projekt wird nach dem Vorschlag des Tipl.-Jng. Dr. Ritsert-Darmstadt genehmigt. Heber den Preis der Kilowattstunde, sowie Tarife für größere Mnehmer und zum maschinellen Betrieb sollen bis in 14 Tagen Tarife ausgearbeitet und bekannt gegeben werden. Starkenburg und Nhcinhcssen. m. Offenbach a. M., 9. Juli. Eine eigenartige Verwechslung eines toten und eines lebenden Kindes ereignete sich im Stadtkrankenhaus. Dort waren mehrere Kinder unter gebracht, die an den Masern erkrankt waren. Unter diesen befand sich das Kind einer Frau, deren Mann zurzeit eine Freiheitsstrafe verbüßt. Eins der beiden Kinder starb und man glaubte, daß es sich um das Kind der Frau handle, zumal es von dieser als ihr eigenes anerkannt wurde. Unter deren Namen wurde denn auch das Kind auf Armenkosten beerdigt. Wie es sich fetzt heraus gestellt hat, handelt es sich um eine Venoechslung mit einem unehelichen .And. Der Irrtum wäre wohl nie herausgekommen, wenn nicht die Frau dieser Tage ins Krankenhaus gekommen wäre, um ihr anderes Kind §u besudln. Dabei gewahrte sie unter den übrigen Kranken ihr totgeglaubtes Kind, das sie vor einigen Tagen zu Grabe getragen hatte. Durch eine gerichtliche Entscheidung muß nunmehr die Aufhebung der ftandesamtlid)en Eintragung herbeigeführt werden. h. Dieburg, 9. Juli. Der älteste katholische Geistliche^ Hessens, der Kapuzinerpater In genuin, feiert am 1. September sein 7 0jähriaes P r i e st e r j u b i l ä u m. Der Greis konnte schon vor 4 Jahren den Gedenktag feiern, an dem er vor 70 Jahren in seiner Tiroler Heimat in den Kapuzinerorden eintrat. F.C. Viernheim, 9. Juli. Hier wurde eine polnische Arbeitern. von Drillingen entbunben, von denen zwei zusammengewachsen waren. Die Drillinge starben kurz nach der Geburt. _^rf) warne Sie, verreisen Sie nicht, Effil ebne wenigstens eine Schachtel der ächten Sodener Mineral Pastillen von Fan in der Handtasche zu haben. Die 9fc -l bringt immer gewisse Gefahren: beiße und trockene Luft, Staut Zug 2c. Alle diefe Gefahren wirken zuerst auf die Racheff schleimhäure u. hier muß ein bequem anzuwendendes Mtic z. Hand fein, das diefen Gefahren sofort begegnen kann. <2 old) er- Mittel und anerkannt. Maßen Favs ächte Sodener Mineral Pastillen, d. mnns.BPf.i. all. Avoihek., Drogerien rc.kaufenkonr ss handel, ** Postscheckverkehr. Jrn Reichspostgebiet ist die Zajl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Ium 1912 auf 68 5A gestiegen (Zugang im Monat Juni allein 956). Aut du'v'n. Poi- scheckkonten wurden im Juni gebucht 1171 Millionen Mark Gutschriften und 1194 Millionen Mark Lastschriften. Das Äesami. guthaben der Kontoinhaber betrug im Juni durchschnittlich IKi Millionen Mark. Jrn Verkehr der Reichspostsd>eckamter mit bar Postsparkasscnamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, ber luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie bcn schweizerischen Postscheckbureaus wurden 6,6 Mllioncu Mark umgest-t und zwar auf 2520 Uebertragungen in der Richtung nach im) auf 12 220 Uebertragungen in der Richtung aus dem 2111-51,0nix Deutsche Gold- und S i l b e r s ch e i d e a n itali Frankfurt a. M. In der ordentlichen Geueralversammliws wurden die Regularien genehmigt und die Dividende mit 50 Prof festgesetzi. Aus die Anfrage eines Aktionärs über den Beitand voi Holzverkohlungsaktien bei der Gesellschaft wurde von bei Va- waltung mitgeteilt, daß es nicht im Interesse der Ge,ell,ast sind in ta letzten Tagen an der Frankfurter Börse um etwa 30 Pro^.»/ » die Höhe getrieben worden. Es hieß, ixiv bi-' Ge,eil 1 chatt ni neues Verfahren zur Azetylgewinnuug ausbeute. Damtt roinix die Kurssteigerung motiviert. Nun meldet die Direktion, datz alle Gerüchte vollständig unbegründet sind. Es habe iidi bet da Gesellschaft in letzter Zeit nichts ereignet, was eine bqonberf Höhcrbewertung der Aktien rechtfertige. Nachrichten von dem UnglLa wartete, wurden sie ehrerbietigst ndon, 9. Juli. Bei der Explosion in den Steinkohlenbergwerken bei Tenaby wurden nach amtlichen Feststellungen 30 Arbeiter getötet, zwei verletzt. Loudon, 9. Juli Trotz der Katastrophe in der Eadebv- Grube ist der Stönig nackmiittags in die in demselben Bezirk liegenbe Elsecar-Grube eingesahren. Er sah in einer Tiefe vyn über 100 Fuß das Kohlenbergwerk in vollem Betriebe. Die Toten in der Cadeby-Grube sind einschließlich der 40—50 Mit glieScr der Rettungsabteilung durch den Einsturz einer Decke abgeschnitten. , .. . r . London, 9. Juli. Nach den letzten Berichten lmd bei dem Grubenunglück bei Denaby mindestens 65 Personen ums Leben gekommen, darunter 3 Regierungsinspcktoren, die sick) bei einer Rettungsabteilung besanden. Bisher sind 31 Leichen geborgen worden, doch wird befürchtet, daß ü>te Zahl 80 erreichen wird. Aus Stadt und Land. Gießen, 10. Juli 1912. " Das Turnfest hat der städtischen Straßenbahn folgende Einnahmen gebracht: Samstag Mk. 800, Sonntag Mk. 1900 und Montag Mk. 1200, zusammen Mk. 3900. Es wurde wenig mit Fahrmarken gefahren, so daß im Ganzen rund 40 OOÖ Personen besördert wurden. Unsere Elektrische hat mit diesem Verkehr ihre höchste Leistung vollbracht. Das Beamtenpersonal hat aber auch angestrengt gearbeitet. Ganz besonders ist es der Tätigkeit der BLageii- fuhrer zu danken, daß alles geklappt hat, denn sonst wäre es bei dem Massenverkehr nicht möglich gewesen, mit nur 16 Wagen diese Leistung zu bewältigen. Das Publikum kam den Anordnungen der Wagenführer willig nach, so daß eS zu keiner Differenz kam. •* „Festung* Gießen. Im Großherzogtum Hessen ivurde die Festungshaft seither nur im Provinzialarresthaiis Darmstadt verbüßt. Da aber die Zahl der Festungsgefangenen stets zunimmt, wird jetzt nach einer Verfügung des Mmiste- riums der Justiz auch im ProvinzialarrestbauS Gießen Festungshaft verbüßt, ^m übrigen hat in Hessen die Zahl der Gefangenen erheblich abgenommen, was wohl in erster Linie dem bedingten Strasaufschub zuzuschreiben sein wird.^ ** B e i der LandesversickierungsanftaltGroßh. Hessen sind im Juni 316 Anträge eingegangen und zwar: 250 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente (I. u. K.), 13 Anträge airr Altersrente (A.), 23 Einträge auf Witwen- und Wit wer- reute (W.), 22 Anträge auf Waisenrente (O.) und 7 Anträge auf Witwengeld (Wg.), 1 Antrag auf Waiseuausstcuer (Da.). Unerledigt wurden in diesen Monat übernommen 455 Anträge, so daß 771 Rentengcsuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 319 Anträge durch Bewilligung (267 I., 19 K„ 11 A., 4 W., 6 Wg., 12 O.), 4 Anträge durch Anwartschastsbesd)eid, 49 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (40 I., 2 233., 1 Wg., 6 O.), 16 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw. (11 I., 1 A., 3 W., 1 Wg.), M- sammen 388 Anträge, so daß 383 als unerledigt auf den Juli übernommen werden mußten. — In welchem Umfange die Landesversicherungsanstalt Heilverfahrenskosten für ihre Versicherten.übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Juni 1912 in Anstalten 371 versicherte Personen untergebracht waren. In der Eleonoren- heilstätte befanbcit sich außerdem noch 54 Personen, die teils auf eigene Kosten, teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin oder Droyurrg auf gefaxt werden kann. Das Gerücht ist der Ansicht, daß in Fürsorgesaichen von einer derartigen Untersuchung abzusehen sei. In den Fällen Frauentropteu hatt^ Frau Schapiro besser getan, sich nicht zu beteiligen, als Frau sowohl als auch als Beamtin. Betont |olt werden, daß bei der Pvstkarte von einer Urkundenfälschung nicht Die Rebe sein kann. Zieht man die Sckftußfolgerungen aus allen Feststellungen, so Haun man sick) dahin aussprechen, daß trob einiger Verstöße der Gesamttätigkeit nur das beste Zeugnis ans- geftellt werdcii kann, daß mit mütterlicher Liebe und Barmherzigkeit und mit außerordentlicher Milde vorgegangeii wurde und alle Härten nach Möglichkeit vermieden wurden Frau Schapiro ist auch weit davon entfernt gewesen, irgendwelche Schnüffeleien zu betreiben. Die Begründung geht dann näher auf die von dem Angeklagten veröffentlichten Artikel ein. Der Meineidsvorwurf ist zweifellos von .Hirsch erhoben worden. Ncun geht das Gericht bei oiescr Angelegenheit von der Ueberzeugüng aus, daß eine Eibesverletzung in feiner Weise vorliegt. Tie Persönlichkeit des Herrn Berndt und seine anerkannte Wahrheitsliebe sprechen unter allen Umständen dagegen. Es ist zugunsten des Herrn Hirsch angenommen worden, daß er zuerst an einen Meineid geglaubt habe. Er hat auch mit Mcksicht auf die Rolle, die Herr .Berndt in der ganzen Angelegenheit gespielt hat, etn berechtigtes Interesse daran gelebt, sich gegen diesen Zeugen zu wehren. Dem Angeklagten ist deshalb hier der Schutz des st 193 auch gewälzt worden. Der Angeklagte, der die Macht der Presse kennt, hätte sich aber sagen müssen, daß ein derartiger Borwurf nicht ohne weittragenden Einfluß sein würde'. Wer die Laterne tragt, stolpert leichter als der, der ihr folgt. Ungeeignet scheint dem Gericht die Verbindung ,ber Furs'orgetätigkeit mit der Polizeitätigkeit, da es sich oft ergeben muß, daß Fran Schapiro von den Fällen, ibte tlyr als Fürsorgedame mitgelerlt werden, auch als Polizeiassistentin Gebrauch macht und umgekehrt. Die Pflichten sind so groß und so vielseitig, daß sie für eine Trennung sprechen. Bei der Trennung beider Tätigkeiten ist ein H and-in-H and arbeit en auch sehr wohl denkbar. Der scharfe Ton der Erwiderungen Berndts auf die Artikel war nicht notwendig. Es wäre auch vielleicht zweckmäßiger gewesen, einen anderen Beamten mit der Prüfung des Materials zu betrauen. Unzweckmäßig war auch das Nicht zulass en einer Aussprache in der Stadtverordneten- sitzung und die Zurückweisungen der AusMsrungen des Herrn Professor liebel. Einer der wichtigsten Punkte ist der des Zeugen Bruder. Bruder war zwar nicht mit sittenpolizeilicher Tätigkeit betraut, war aber doch als Instrukteur der Frau Schapiro beschäftigt. Auch war es nicht.gerechtsertigt, mit Bruder Amtshandlungen vorzunehmen. Es hat sich ergeben, daß das Vertrauen, das auf Bruder gesetzt wurde, nicht gerechtfertigt war. Er war viel zu jung, um einen solchen Posten aüszufüllen. Schon der Umstand, daß er mit einigen nls gefährdet bekannten Mädchen sich privat unterhalten habe, hätte Frau Schapiro veranlassen müssen, um einen anderen Instrukteur nachzusuchen. Bruder sei daher auch auf Veranlassung des 2Aeigeordneten Berndt seines Amtes enthoben worden. Nach Berücksichtigung aller dieser Umstände sind aber die gegen Herrn Berndt und Frau Schapiro gerichteten Borwürfe so schwer, ebenso die Art und Weise, in der diese Vorwürfe erhoben wurden, daß das Gericht nicht auf eine Geldstrafe erkennen konnte. Hier war nur eine Gefängnisstrafe am Platze. eeil Bip-e ° 5=3 WNWl 2 NW j 2 N 2 Höchste Temperatur am 8. dir 9. Juli =» * 28,0 ’ C. Niedrigste „ , 8. , 9. , a + 16,1 0 C. Niederschlag: 0,(J mm. Verkaufsstelle Vorführung und Erklärung Jul. 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Bürgermeisterei Großen-Linden einzureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt Vorbehalten. Gießen, den 1. Juli 1912. Der Großherzogliche KreiSbaninspektor. »Itgebict ist die uni 1912 aus 6). Aus diesen i Hillionen Marl j iften. Tas Grii i. durchsckniNlick stscheckämtn mii ife in Adapei ng sowie den ja oncn Mark uny r Richtung nach I aus dem Ausk erscheideani Gencralvcrsam»! ividende mit 50 s über den Besam luurdc von der! iresje der Gesell^ ien ständen sehr stierten. Tie ff [ exklusive Bezug, ozent. AeS ents» ezugsrrcht einer fc ?h Men berechn heim Elektr fefflfaf! linb ir etwa bie Veiellni»'! aeutc. Tcmit 7 nc Direktion, das: is habe sich bei , was eine bese: 23,016 ikl'O. 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