Zweiter Bion 162. Jahrgang Nr. 85 Gießener Anzeiger 6dd)ebn «ßkkh mit Ausnahme bei Sonntog«. General-Anzeiger für Sberhesien Die „Otetzeaer SemtlicnblStter" werben dem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgelegt, das „Krttsbleti fir ben Krell Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..randwirtschaftlichev Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Donnerstag, April 19(2 Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UnioersilälS - Bilch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktton, Expeditton und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion:«-^ 112. Tel.-AdruAnzeigerGleßen. politische Lagesschau. Der Abgeordnete Haußmann über das Reichsmarineamt. Der Reichstagsabgeordnete Konrad Haußmann hat im „Marz" einen Aufsatz geschrieben, der sich in scharfer Weise gegen das Reichsmarineamt richtet, aber ziemlich allgemeines Kopfschütteln erregt hat. So werden ihm jetzt von allen Seiten Irrtümer und Unrichtigkeiten nachgewiesen. Haußmann hatte z. B. behauptet, der deutsche Flottenverein sei vor 17 Jahren gegründet worden. Darauf erwidern die „Mitteilungen des deutschen Flottenvereins": Das ftimmt nicht, und es ist merkwürdig, daß gerade &err Haußmann, der so lange im öffentlichen Leben steht, nicht weiß, daß der Deutsche Flotten-Verein erst im Jahre 1898 gegründet worden ist. Das Reichsmarineamt bezw. der Staatssekretär hat niemals „den Flotten-Verein organisiert!" Der Flotten-Verein entstammt, wie Herr Haußmann wohl wissen könnte, überhaupt nicht der Initiative des Reichsmarineamtes. Wenn Herr Haußmann sagt, der Flotten-Verein sei ein. „nur scheinbares selbständiges Instrument des Herrn von Tirpitz", so müßte ihm eigentlich die Oberflächlichkeit diests Urteils selbst bedenklich erscheinen, er müßte wissen, daß der Deutsche Flotten- Verein oft genug im Gegensatz zu den Plänen und Absichten des Reicl>smarineamts gestanden hat. Beiläufig möchten wir Herrn Haußmann daran erinnern, daß es noch nicht lange her ist, als Großadmiral v. Koester dem Präsidenten des Flotten-Vereins gerade in der dem ^Abgeordneten Haußmann nahestehenden Presse in den schärfsten Tönen zum Vorwurfe gemacht wurde, er habe eine unzulässige Kritik am Staatssekretär des Reichsmarineamtcs geübt. Dieselbe Jnformativnsbedürstigkeit zeigt er besonders hinsichtlich der Geschichte der auswärtigen Politik des letzten Jahrzehntes. Seine Behauptung: die „Politik der Preßhetzereien des Flotten-Vereins gegen England habe England aus der Neutralität in die Entente cordiale hineingeworfen", haben wir wohl bisweilen von blind deutschfeindlichen Kannegießern Großbritanniens und der Vereinigten Staaten gehört, aber bis jetzt nicht mehr für möglich gehalten, daß ein deutscher Reichslagsabgeordneter von Erfahrung und Urteil sie sich zunutze machen könnte. Die englische Politik der Entente cordiale und Einkreisung war und ist lediglich eine Folge der Tatsache, daß das Deutsche Reich den betreffenden Mächten ein unbequemes Gebilde ist, um so unbequemer, weil es blüht, gedeiht und auf allen Gebieten vorwärts strebt. Auch im eigenen Lager stößt Herr Haußmann auf scharfen Widerspruch. Die „Münch. Neue st. Nachr." begründen ihren Protest, den sie „sonst im Interesse des genannten Llbgeordneten vermieden" hätten, damit, daß Haußmanns Aufsatz „in der englischen Presse einen für deutsche Interessen verhängnisvollen Widerhall" finde. Das Blatt schreibt dann u. a.: Tie Angriffe Haußmanns richten sich zunächst darauf, daß das Reichsmarincamt eine starke Propaganda für seine Ansichten betreibe. Ein Mann wie Paul Rohrbach hat noch kürzlich in Worten höchster Anerkennung gerade diese aufklärende Tätigkeit, die vom Reichsmarineamt ausging, aber nicht auf dieses beschränkt blieb, als die größte politische Erziehungsarbeit bezeichnet, die bisher von feiten der deutschen Regierung dem deutschen Volke überhaupt geleistet worden sei. Wenn Konrad Haußmann nun aber behauptet, daß das Reichs- marineamt Deutschland mit englandfeindlichen Flugschriften „über- schwemmen" lasse, so ist darauf zu erwidern: erstens, daß bis letzt von einer derartigen Ueberschwemmung nichts zu bemerken war, es sei denn, daß man solche Flugschriften oder Artikel, die dem Nachweis der deutschen Seeinteressen gewidmet sind, schon an sich als englandfeindlich bezeichnet, was einem deutschen Abgeordneten sehr fcrnliegt: zweitens daß ein Zusammenhang zwischen solchen Flugschriften und dem Reichsmarineamt nicht bloß behauptet, sondern auch beiviesen werden müßte, wenn die Schlußfolgerung des März-Artikels nicht ihre allererste Voraussetzung verlieren soll. Der schwerste und der eigentlich grundsätzlichste Teil der Vorwürfe des März-Artikels geht dahin, daß das Reichsmarineamt eine eigene Politik betreibe, die sozusagen die offizielle Politik des Deutschen Reiches, oder genauer umschrieben, des Auswärtigen Amtes durchkreuze. Wie eine solche Politik Erfolg haben sollte, ohne daß es ihr gelang, die leitende Stelle im Reiche für ihre Anschauungen zu gewinnen, ist nicht erfindlich: und wenn jene leitende Stelle einmal für diese Politik gewonnen wäre, dann würde das ja für die Zukunft auch die Politik des „nachgeordneten" Auswärtigen Amtes sein müssen. Verschiedene Auffassungen über die einzelnen politischen Fragen werden von den Reichsämtern recht häufig vertreten werden: aber wenn einmal das entscheidende Wort gesprochen ist, so wird es innerhalb der Regierung, sofern nicht Anarchie in ihr herrscht, nur noch eine Auffassung geben können. Tas Bedenklich« an dem März-Artikel ist aber die Wirkung, die er in England geübt hat und, wie jeder über den Augenblick hinaus denkende Politiker sich sagen konnte, auch üben mußte. Bis jetzt liegt die Stimme des „Standard" vor, der die Behauptungen des März-Artikels schlankweg als Tatsachen voraussetzt und nun mit der Bescheidenheit und Zurückhaltung, die die Engländer bei der Besprechung fremder Ango- legenheiten häufig auszeichnet, nicht mehr und nicht weniger als den Rücktritt des Staatssekretärs v. Tirpitz als des Großmeisters einer englandfeindlichen Hetze in Deutschland fordert. In der gestrigen Nummer der „Voss. Ztg." setzt Haußmann seine Ansichten weiter auseinander. Er kommt dabei zu folgendem Schluß: „Alles was über das unumgängliche technische Jnstandhalten von Heer und Flotte herausgreift, ist vom Standpunkt der internationalen Lage aus Teilte Stärkung und vom innerpolitischen Standpunkt aus ein Fehler." Es kann aber umsomehr eine Notwendigkeit sein, und wenn Herr Haußmann verfolgt hätte, wie das Ausland weiterrüstet, wie z. B. Herr Delcasse in Frankreich seine Marinepläne widerspruchslos durchsetzt, so würde er vielleicht weniger theoretische Betrachtungen angestellt haben. Daß er jetzt die Abteilungen innerhalb der Reichsregierung zueinander in Widerspruch setzt, erweist von neuem, wie traurig es ist, daß Herr v. Betbmann-chollweg dem deutschen Volke über seine Ziele und Absichten bisher so viel wie nichts gesagt hat. Im Zusammenhang mit diesen Erörterungen verdient es hervorgehoben zu werden, daß das foZialistische sFrankreich für 1913 80 Millionen M-eh rausgaben für die nationale Verteidigung gegenüber 1912 vorgesehen hat. Mr erhielten heute folgende Meldung: Paris, 10. April. Der Miniftervat genehmigte den Budgetentwurf 1913. Die Ausgaben betragen 4 664 665 385 Frs., das bedeutet eine Vermehrung von ungefähr 167 Millionen gegenüber 1912. 'Die Vermehrung umfaßt insbesondere 8 0 Millionen für die nationale Verteidigung, 46 Millionen für wirtschaftliche und 26 Millionen für soziale Zwecke. Die Einkünfte belaufen sich auf 4 504 054 315 Franks. Es bleiben also noch ungefähr 161 Millionen zu decken, die ohne neue Steuern, u. a. durch den Ueberschuß des Budgets 1911 geliefert werden sollen. ♦ Genosse Scheidemann über die Hofgäugerei. In einer Wählerversammlung zu Solingen hat der Genosse Scheidemann, der „verflossene" Reicystags- präsident, folgende Ausführungen gemacht: Er stehe durchaus nicht auf dem Standpunkte, daß die Erfüllung höfischer Pflichten unbedingt für einen Sozialdemokraten verboten sei. Man wisse ja, daß es in den Einzelstaaten auch sozialdemvkrattsche Hofgänger gebe. Handele es sich um eine Machtfrage, wäre irgendein Recht, ein Vorteil für die Partei dadurch zu erlangen, so würde auch er zum Kaiser gehen. Man würde daun den Gang genau s o auf fassen wie deuTreu- eid der Landtagsabgeordneten auf König und $er» faffung. Man leiste diesen Eid, weil man dazu gezwungen werde,, genau so, wie der Zwang zum Zeugeneid am Gericht bestehe, und weil man ohne ihn nicht die Interessen des Volkes im Landtage vertreten könne. „Wenn wir Wert darauf legen, als Sprachrohr für Millionen Wähler zu wirken, so werden wir nicht deshalb darauf verzichten, weil gewisse Formen zu erfüll en sind. lieber derartige Zwirnfäden würden wir nicht stolpern!" Aber hier, bei dem Gange zum Kaiser, handle es sich weder um eine Machtfrage, noch darum, daß die Partei irgendwelchen Nutzen von dem Gange babc. Nun habe man weiter gesagt, daß es im Volke einen guten Eindruck machen werde, wenn ein Vertreter der Partei zum Kaiser gehen würde, deren Anhänger als vaterlandslose Gesellen bezeichnet worden feien. Gewiß, er hätte aus diesen Erwägungen heraus vielleicht seine Anmeldung beim Kaiser machen können, wenn sich dann zwei berechtigte Männer gegenüber gestanden hätten. Er gehe aber nirgendwo hin, wenn er nicht von vornherein die Gewißheit habe, daß er empfangen werde, empfangen werden müsse, auch nicht dorthin, wo er keine unbedingte Redefreiheit habe, wo der eine alles sagen könne und er dabciFtehen und das Maul halten müsse. Scheidemann meinte weiter, daß neun Zehntel der Sozialdemokraten so dächten, und deshalb habe er den beiden fortschrittlichen Präsidenten, als man sich über den' Hofgang ausgesprochen, erklärt: Tun Sie Ihren Gefühlen keinen Zwang an, ich gehe nicht mit! Unbedingte Redefreiheit auch vorm Kaiser! Als ob ein Reichstagspräsident das Amt hätte, vorm Kaiser weltbeglückende Reden zu halten! Herr Scheidemann scheint auf dem Standpunkte zu stehen, daß alles, was ein Sozialdemokrat unternimmt, so etwas wie ein Donnergericht der Weltgeschichte werden müsse. Eide sind bei ihm aber nur Zwirnfäden. Schmoller über die Sozialdemokratie. Der greise Meister dec Volkswirtschaftslehre, Gnstiv Schm oll er, beschäftigt sich in der „Neuen Freien Presse" mit den 110 Sozialdemokraten im Reichstag, wobei er bie Meinung ausspricht, daß nicht etwa die organisierte Sozialdemokratie plötzlich ihre Zahl und Macht mehr als verdoppelt habe, sondern „daß sehr breite Schichten des Mittelstandes und der unteren Klassen mit der Reichsregierung unzufrieden sind, daß sie die Art der Reichssteuer- r e f o r m und den Sturz Bülows mißbilligen". Dann fährt Schmoller [ort: „Von einem künftigen Siege der Sozialdemokratie in Deutschland, so daß sie! unsere Staats- und Wirtschaftsverfassung nach ihren doch zum größeren Teil utopischen Idealen umgestalten könnte, kann nach meinem Urteil in aller Zukunft nicht die Rede sein: und ich hoffe, daß vier Fünftel der deutschen Nation, Negierungen und Volk, ebenso denken und jeden Versuch dazu im Keime ersticken würden. Ich zweifle nicht daran, daß ein erheblicher Teil der aufgeregteren? Führer der Sozialdemokratie ebenso denkt, wenn sie auch dick Sonntagsideale vergangener Tage äußerlich noch nicht abschwören, können und wollen. Ich bin ganz sicher, daß jeder ernstliche Anlauf? zu solcher Revolution eine für die Sozialdemokratie vernichtende: Reaktion zur Folge hätte, die zugleich ein gut Teil unserer gelungenen Sozialreform in Frage ftellen könnte, wie sie unsere Industrie mit Ruin bedrohte. Für ebenso unmöglich aber halte ich die Hoffnungen gewisser ultrakonservativer Kreise, gewisser Großgrundbesitzer und Großunternehmer, ein „starker" Mann in der Regierung könnte mit Ausnahmegesetzen, Staatsstreich und Gewalt die ganze heutige Sozialdemokratie, die ja nur das Zeugnis einzelner Theoretiker und Agitatoren sei, wieder beseitigen. . . Tie Sozialdemokratie ist doch mir ein Glied der geistigen und materiellen ungeheuren Umbildung unserer gesellschaftlichen Zustände; sie enthält große Verirrungen und utopische Hoffnungen, die mau bekämpfen muß, die aber durch den Prozeß der Geschichte nach und nach selbst zurücktreten werden. Das zeigt sich schon in dem Unterschied von Marx und Liebknecht sen. zu dem den Generalv- streik abschwörenden Bebel, in dem Unterschied der heutigen Führer zu den Revisionisten, die deren Erbe antreten werden. Mit jedem Jahr ruhiger politischer Entwicklung, mit jedem Jahr Industrie und Technik. Aktumulatoreu-Doppelwagen für Vollbahnen. Zurzeit werden von der preußischen Eisenbahnverwaltung auf ber Strecke Berlin—Jüterbog interessante Versuche mit Akkumulatorenwagen vorgenommen, die bei einmaliger Ladung der Batterie eine Fahrtstrecke von 130 km zurücklegen. Diese Versuche bedeuten wiederum einen weiteren Schritt zur Einführung der elektrischen Zugförderung auf Vollbahnen, auf welchem Gebiete gegenwärtig der Wettkampf zwischen Elektrizität und Dampf ausgetragen wird. Gilt es doch hier in der Dampflokomotive eine Gegnerin zu verdrängen, die in ihrer Entwicklung vor den elektrischen Triebwagen einen zeitlichen Vorsprung von rund 50 Jahren voraus hat und int Lause dieser Zeit zu einem wirtschaftlichen und zuverlässigen Betriebsmittel durchgebildet worden i>l. Nach den großen Fortschritten im Lokomotivban besteht selbst heute noch die Möglichkeit, Leistung und Wirtschaftlichkeit der Dampflokomotive weiter zu steigern. So können Verbesserungen erzielt werden durch Erhöhung der Tampfspamiung, Verwendung hoher überhitzten Dampfes, Vervollkommnung der Steuerungen, Ausnutzung der mit den Heizgasen aus dem Schornstein und mit dem Dampf aus dem Blasrohr entweichenden Wärme, Reinigung und Vorwärmung des Speisewassers und dergleichen. Aus diesen und anderen Gründen erklärt sich auch die Zurückhaltung der Bahnverwaltungen gegenüber dem elektrischen Betriebe aus Fernbahnen. Auch bezüglich der Frage des „Systems" konnte bis zum Anfang dieses Jahrhunderts noch keine befried oigcnbe Lösung gefunden werden. Es gab bis dahin noch kein System, das unter Wahrung voller Wirtschaftlichkeit in der Stromverteilung ans große (Entfernungen allen Anforderungen an die Betriebssicherheit genügte. Für Fernbahnen, die schwere Züge roettE Entfernungen zu befördern haben, hat man sich nuw- mebr endgültig für einphasigen Wechselstrom entschieden, der in einer einfachen Fahrleitung die betriebssichere Zuführung von Hochspannung zu den Fahrzeugen ermöglicht. Tie elektrische Lokomotive, die in ihrer Entwicklung von den elektrischen Straßenbahnwagen und den Triebwagen mit Zahnradmotoren ausgegangen, ist, hat im Lause der Zeit, entsprechend den gesteigert em Anforderungen an Leistung und Geschwindigkeit, diese Richtung verlassen und sich in ihrer Bauart mehr der von der Dampflokomotive her bekannten und bewährten Triebwerksanordnung genähert. Gleichen Schritt mit der Vervollkommnung der Wechselstrom- wkomottveu hielt die Ausbildung von Akkumalatoren-Triebwagen, die zur Unterstützung des Dampfbetriebes auf eine Reihe von Haupt- und Nebenstrecken schon seit längerer Zeit eingeführt finb. Ist z. B. ans kleineren Eisenbahnstrecken eine häufigere Zugfolge bei nur schwachem Verkehr erwünscht, so eignet sich hierfür unter Umständen weder der Betrieb mit Tarnpslokomotiven nod) der elektrische Betrieb mit Zuführung des Stromes durch eine das Gleis entlang führende Fahrleitung. Tie preußische Eisenbahnverwaltung hat daher für vorliegenden Zweck nach eigenen Entwürfen Akkumulatorengwagen bauen lassen, die es ermöglichen, mit einer Ladung der aus 168 Elementen bestehenden Akkumulatorenbatterie 100 bis 130 km auf ebener Strecke zurückzulegen. Tie Fahrgeschwindigkeit beträgt 50 bis 55 km in der Stunde, kommt also der Turchschnittsgeschwindigkeit eines Personenzuges gleich. Charakteristisch für diese Bahntype sind die beiden zweiachsigen Einzelwagen, die unter sich kurz gekuppelt sind, und die beiderseitigen niedrigen Vorbaue zur Unterbringung der beiden Akkumulatorenbatterien von je 84 Elementen. Gegenüber älteren Konstrukttonen von Akkumulatorenwagen, bei denen die Stromsammler unter den Sitzen aufgestellt waren, sind sie hier von dem Aufenthaltsraum der Reisenden boll1* ständig getrennt, um einer Belästigung durch Säuredämpfe vorzubeugen. Beide Abteile des Doppelwagens fassen etwa 100 Sitzplätze außer den Räumen für das Dienstpersonal. Angetrieben wird der Toppelwagen durch zwei Hauptstrommotoren mit Wendepolen von je 80 PS Stundenleistung bet 310 Volt. Tie Motoren sind wasserdicht gekapselt und arbeiten mittels Vorgelege 1:4 auf die beiden mittleren Achsen des Toppelwagens. Tie elektrische Ausrüstung besteht ferner noch ans zwei Fahrtrickstungs- schaltern und den zur Steuerung dieser Schalter dienenden Führerschaltern. Ter Führerschalter ist mit einer Truckknopfvvrrich- tting versehen, die mittelbar den Motorstrom unterbricht und die Bremse anstellt, sobald der Führer die Kurbel losläßt. Auf eine ausgiebige Bremseinrichtung der Wagen wurde besonderer Mert gelegt. Vom Eisenbahn-Zentralamt war nur eine Luftdruckbremse und als übliche Reserve eine Handdruckbremse vorgeschrieben. Tie Wagen können jedoch außerdem noch mit dem Fahrschalter elektrisch gebremst werden. Tie Luftdruckbremse ist eine Zwrikammerbremse nach dem System Knorr. Tie komprimierte Lust wird durch einen zweizylindrigen, einfach wirkenden Komj- pressor erzeugt, dessen Antrieb durch einen 2\2 PS-Hauptstrommotor erfolgt. Jeder der beiden Toppelwagen enthält einen Führerstand in genau gleicher Ausführung, so daß ein Umsetzen der Wagen für die Rückfahrt nicht erforderlich ist. Tie Einrichtung der Führerstände ist jedoch so getroffen, daß immer nur ein solcher benutzt werden kann. Bei etwaigem Tefektwerden einer der beiden Batteriehälften bleibt der Wagen dann mit der intakten Batteriehälfte so weit betriebsfähig, daß er mit entsprechend verringerter Fahrgeschwindigkeit seine Zielstatton zu erreichen vermag. Zur Ladung der in zwei Hälften geteilten Batterie dienen zwei 'Ladedosen, deren Ladestöpsel so eingerichtet sind, daß die Ladung weder in Hintereinander- oder in Nebeneinanderschaltung der Batteriehälften erfolgt. Die Beleuchtung des Wageninnerns und der vorschriftsmäßigen Signallaternen geschieht durch Metallfadenlampen: auch die Signalgebung erfolgt anstatt mit der bei Dampflokomotiven üblichen Pfeife durch eine elektrische Hupe, die von dem Führer durch einen auf dem Steuerapparat angebrachten Druckknopf eingeschaltet wird. Tie Signallaternen sind mit je zwei Lampen ausgerüstet, die in getrennten Stromkreisen liegen, so daß bet etwaigem Versagen der einen Lampe die andere ungestört weiterbrennt. Bei einer anderen Wagentype ist anstelle der beiden Hauptltrommotoreu ein Nebenschlußmotor von 230 PS bei 310 Bolt vorhanden; die Feldwicklung des Nebenschlußmotors besteht aus zwei Teilen, deren jeder gesondert von einer Batteriehälfts gespeist wird. Ergeben die Versuche günstige Betrieibsresultate, so ist die Einstellung weiterer Akkumulatoren-Toppelwagen aut größeren Fahrstrecken in Aussicht genommen. kf. Holz aus Stroh. Einen glücklichen Ausweg au£ ber drohenden Hvlznot hat der französische Erfinder Louis Earrä gefunden. Es ist ihm gelungen, künstliches Holz zu erzeugen^ dessen Eigenschaften denen des natürlichen Holzes überlegen ist. Der Rohstoff, dessen er sich dazu bedient, ist Stroh! Wie die Monatsschrift „The Worlde Work" in ihrem neuesten Hefte mit- teut hat Garre nach jahrelangen Untersuchungen seine Erfindung vor einiger Zeit abgeschlossen. Die Herstellung des künftlickwu Holzes erfolgt auf folgende Weise: Tie Strohl>alme werden zuerst in einer eigens hierzu gebauten Vorrichtung der Länge nach gespalten, wodurch die Widerstandsfähigkeit des zylindrischen Stengels, die sonst in der Herstellung des künstlichen Holzes hinderlich wäre, beseitigt wird. Dann wird das Stroh unter Zusatz ge- unffer chemischer Stoffe, die nicht genannt werden, bei einer bestimmten Temperatur gekocht und schließlich einem starken Drucke unterworfen. Das ehemalige Stroh kommt dann aus der Maschine in Gestalt einer gleichförmiger: Masse heraus, die äußerlich von Hol; nicht zu unterscheiden ist. Tie Zähigkeit des künstlichen Holzes ist etwas größer, als die des natürlichen. Garred Maschinen gestatten, künstliches Holz in jeder Größe herzustellen, vom dünnsten Splitter bis zum dicksten Balken. Ein besonderer Vorzug des künstliches Holzes besteht darin, daß es keine Knoten und Aftstellen enthält. Gewöhnliche Tischlerwerkzeuge sind zur Be-. arbeitung geeignet, nur ist das künstliche Holz etwas härter. Das künstliche Holz hat natürlich, da es aus langen Halmen auf» gebaut ist, die allerdings nicht mehr zu erkennen sind, eine bestimmte Faserrichtung. Um nun besonders haltbare große Ballen herzuftellen, setzt (£arre große Stücke aus einzelnen dünnen Schichten zusammen, deren Faserrichtung dem des echten Holzes überlegen zu fein fdjeint, wie die bisherigen Versuche gezeigt haben. Es splittert nicht, wenn es mit Nägeln ober Schrauben durchbohrt wird; unter dem Einfluß von Feuchtigkeit ober Temperaturschwankuugen verzieht es sich nicht unb außerdem quillt es auch nicht. Für einzelne Industriezweige scheint es von besonderer Bedeutung zu sein. Es ift Carre gelungen, Bleistifte mit künstlichem Holz herzuftellen. Außerdem erzeugt er auf einer besonderen Maschine Streichhölzer aus künstlichem Holz. Das künstliche Holz brennt mit heller Flamme unb entwickelt babei starke Hitze, erzeugt keinen Rauch unb hinterläßt wenig Asche, in daß es schließlich auch zum Heizen verwendet werben kann. 84-91 40-43 84—88 58-59 74-76 s Bett* April DrigTlasche f2MK] 2 2 2 10 0 8 68-69 58-59 108-116 106-112 95- 103 83-92 8? April 1912 71-79 81—85 63—70 68—66 74—76 78—74 Mr. 51—63 50-52 45-49 83-89 71—78 91—91 90-93 ^^Tarnach^sprach Oberlehrer Dr. Brinkwerth (Völklingen) über die „Mittelschullehrerfrage und verwandte Schneefall Klarer Himmel Bew. Himmel =■ 4- 6,6 1 6» - - 0,7 °C. SSE NW W Au» Stadt und Land. Gießen, 11. April 1912. L. U. Anmeldung zum Besuch der Universität im Sommersemester 1912. 1. Studierende, die bereits hier immatrikuliert sind und ihre Studien hier fortsetzen wollen, haben sich auf dem Universitäts-Sekretariat, BiSmarckstraße 22, anzumelden, um die Ausweiskarte umzu-1 tauschen und ihre Wohnung anzugeben. Die Anmeldungen werden vom 15. April bis zum 11. Mai 1912 vormittags von 9—12l/a, nachmittags von 3—5 Uhr angenommen. 2. Anmeldungen zur Immatrikulation werden vom 15. April bis zum 11. Mai 1912 vormittags von 9 — 1 2^ Uhr angenommen. Nach dem 11. Mai werden Anmeldungen nur dann angenommen, wenn die Verspätung in genügender Weise entschuldigt wird. 3. Bei der Anmeldung zur Immatrikulation sind die zum Abschluß deS gewählten Studiums gemäß reichsrechtlichen oder hessischen Prüfungsvorschriften erforderlichen Zeugnisse über die Vorbildung emzureichen. Nach dem Ermessen deS Rektors können auch Bewerber zugelassen werden, die sich durch andere Zeugnisse über Un- bescholtenheit und wissenschaftliche Vorbildung auSweisen. Für Frauen gilt diese Bestimmung nicht. In jedem Fall bleiben für die Zulassung zu einer Prüfung oder zur Pro- motion die Bestimmungen der betreffenden PrüfungS- oder Promotionsordnung allein maßgebend. Wer schon eine Hochschule besucht hat, ist verpflichtet, deren Abgangszeugnis emzureichen. Ist seit Ausstellung dieser Zeugnisse eine längere Zeit abgelaufen, so ist für die Zwischenzeit ein Leu- mundszeugniS beizubringen. Minderjährige haben eine beglaubigte Bescheinigung ihrer gesetzlichen Vertreter darüber beizubringen, daß sie mit deren Einwilligung die Universität AkwJÜW Haemafogen Marke „fl-Ring aus der Fabrik AdolF Bommel ECc,Hanau. Züheziehen durch die Drogerienu.Knlanialwarfndeschänr. 10 10 11. 47-61 39—43 42—45 34—88 29-88 66-70 64—67 57—62 50—55 Märkte. «leben, 11. April. Marktbericht. Auf heutigem Wochen markte kosteteButter das Pfund 1,40-1.45 Hühnereier 1 Stück 7—0 Pfg^ 2 Stück 13 Psg., Enteneier das Ltuck 9—10 P'g., Käse das Stück 6—3 Psg., Kasematte 2 Stück 5—6 Pia. Tauben vr Br. 0,80—1,00 WiL, Hübner pr. St. 1,00—1,60 ])((., Halmen pr. Stück 0,80-1,80 Alk, Enten pr. St. 1,80-2,20 Mk.. Gänse das Psd 75-80 Pfg. Schsenfteisch vr. Psd. 88-96 Vg.. Rindsieisch pr. Psund 84-86 Psg., Kuhfleisch 70 Pfg- Schweine- fleisch pr. Psund 70—90 Pfg^ Kalbfleisch pr. Psd. 90-94 Psg. vannnelfleisch pr. Md. 70—90 Psg., Kartogeln pr. 100 flg, 9.56 bis 10.00 Mk., Weißkraut das Stück 15 bis 30 Psg^ Zwiebeln per 2tr. 12,00—15,00 'DiU Alilch das Viter 22 Psg^ Aepiel per Ztr. 15 bis 20 Mk^ Dliiffe 100 Stück 60—00 Psg., per Ztr. 0—Oq Mk. Birnen das Psund 20—25 Psg. Marktzeit von 8—2 Uhr. F.C. Wiesbaden. Viehh of-M arktverlcht vom 10. April. Auftrieb: Rinder 79 «Ochsen 23, Bullen 0, Kühe 56), Kälber 248, Schale 23, Schweine 293. Tendenz: Rinder, Kälber, Schale, Schweine mäßig rege. Preis kur 100 Psd. Lebend- Schlacht- Ä. ManaihruQfdlESdmhnrafRfl fünfter deutscher Gberlehrertag. Dresden, 10. April. Die Beratungen des 5. deutschen Oberlehrertages wurden heute vormittag fortgesetzt. Zuerst sprach Rektor Professor Tr. Poland iTresden) über „Die freiere Gestaltung des Unterricht s". Eine Gabelung d e r 6 eiben P r i m e n in eine sprachlich-historische und eine m at he m a tisch - naturwissenschaftliche Abteilung erscheint wm wichtiger und wünschenswerter als andere Wege zu einer treieren Gestaltung. Neben der Gabelung sind Sonderkurse in maßvoller Ausgestaltung nicht unerwünscht. „ Ter zweite Redner Oberlehrer Rösel (Bielefeld) sprach über die „Bedeutung der Mädchens chu lreforrn jur bi t akademisch gebildeten Leh r e r 2, e u 11 (6 l a n b § , wobei er trotz aller Sympathien für bie Frauenblldung mit aller umt- schiebenheit gegen die Möglichkeit einer amtlichen Unterstellung von Oberlehrern unter Frauen Einspruch erhob. . Darauf wurde eine Entschließung angenommen, bie bann gipfelte, daß in ben Lehrkörpern der höheren Mädchenschulen die akademisch gebildeten Lehrkräfte zu überwiegen haben: daß öffentliche höhere Mädchenschulen mit männlichen Lehrkräften nur unter männlicher Leitung stehen dürfen. Nach einem Bericht, den Professor Dr. Dünger (Görlitz) über den Anteil von Oberlehrern an Tisziplinarkanünern erstattete, gab der erste Schatzmeister,, Oberlehrer P hilipp (Dresden), feinen Kassenbericht. Auf Antrag der Rechnungsprüfer wurde ihm Entlastung zuteil. Anschließend an die Versammlung sand dann, ebenfalls tm Evangelischen Vereinshause die offizielle Begrüßungsversamwrung statt. Ter derzeitige Vorsitzende des Veremsverbandes Rektor Professor Tr. Poland (Dresden) hieß die Ehrengäste herzlich willkommen, unter denen sich als Vertreter von Dessen der Geheime Oberschulrat Block (Darmstadt) befand. Tann folgten die beiden Festvorträge: „Die höhere Schule und der nationale Gedanke" und „Verschiedene Wege ein Ziel Ten Schluß der Verhandlungen bildete ein Bericht^des Direktors Professor Tr. Mellmann (Berlin) über den -Stand des Paulsen-Tenkmals-Fonds. , Ms Vorort für 1912 bis 1914 wurde München bestimmt. Tort wird Ostern 1914 der 6. deutsche Oberlehrertag zusammentreten. Am Nachmittage traten die Teilnehmer im Evangelischen Vereinshause zur Hauptversammlung zusammen. Nach einigen ge- schäftlichen Mitteilungen berichtete Oberlehrer Tr. Rosenmüller (Dresden) über die Frage der „I u g endschristen- Ausschüsse". Ter Redner unterzieht deshall» einige Hauptfragen auf Grund der Erfahrungen, bie er und die übrigen Mit- glieber des Dresdener Jugendschriften-Ausschusses gesammelt haben, einer eingehenden Besprechung und erläutert sodann die Grundsätze und das Verfahren, die der Dresdener Ausschuß bisher s) Marburg, 10. April. Heute starb im Alter von 74 Jahren Geh. Ronfiftotmlrat Prof. Dr. theol. Ernst Christian Acheliö. Der Verblichene, der lange Jahre hier bie akademischen Gottesdienste abhielt, stammt auS Bremen. Früher Pfarrer in Arsten, Harstedt und Barmen kam er im Fahre 1882 nach Marburg, wo er bis zum 1. Oktober v. I. dem akademischen Lehrkörper angebörte. Er ist Verfasser zahlreicher theologischer Werke und Schriften. O Grävenwiesbach, 9. April. Die hiesigen öon | Dekan a. T. Deißmann-Cubach ins Leben gerufene K orb - flechtschule blickt mit diesem Sommer auf ein 30jä hrigeS Bestehen zurück. AuS diesem Anlaß soll ein Volksfest veranstaltet werden. w Wiesbaden, 11 April. In der Gemarkung Dotzheim wurde heute morgen 6 Uhr der 24 Jahre alte Arbeiter Fuchs erfroren aufgefunben. Fuchs hatte sich in der Nacht abseits vom Wegä nicdergelegt, da et anscheinend ermüdet war. w. Biebrich, 10. April. Heute nacht um 3 Uhr ist der auf dem Rhein vor Anker liegende Perso nen dam v f er „Wiesbaden" der Biebrich-Mainzer Personenschiftahrt Wald mann ausgebrannt. Das Feuer entstand durch Selbstentzündung der im Maschinenraum lagernden Kohlen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Das Schiss war nicht versichert gewicht Mk. Ochsen. Povsteiscbige, miSgemästete. höchsten Schlachtwertes im Alter von 4-7 Jahren .... Tie nocti nicht gezogen haben (ungejocht) . . Funge, fleischige, nicht auSgemästete und ältere auSgemästete............ Bullen. Vollfleischtge, auSgew^ höchsten Schlachtw. . . F ärj en. Rüb*. Pollfleischige auSgemästete Färsen höchsten EchlachtwerteS Pollftesichige auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Wenig gut entwickelte Färsen....... Äeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte lungere Kühe Mäßig genährte Kühe und Färsen Mal v ec. Feinste Mastkälber Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . . Geringere Plast- und gute Saugkälber . , . Geringere Saugkälber......... ö ch a (j. Weidemastschafe: Mastlämmer und Maithammel . . » . Schweine. Vollsteischige Schweine von 80—100 Lx Lebendgewicht » Bollfleischige Schweine unter 80 bx Lebendgewicht Vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebend- gewicht.............. praktischer Mitarbeit der Sozialdemokratie an der laufenden Staatsverwaltung verliert sie einen oder zwei ihrer revolutionären Giftzähne. Wird sie doch darum von den °^l kl^neren, aber iviel radikaleren sozialistischen Parteien uns^^r Nachbarn häufig ials eine zahme, patriotische Philisterparier gescholten, bie Marx unb bie Revolutionsideale verleugne. . . . f Schmollet meint, es gehe nicht mehr an, die Sozialdemokratie von der praktischen Mitarbeit zuruckzustoßen, und darin hat er ganz recht. Freilich haben auch weder Regierung noch Parteien dieMacht, die Sozialdemokratie von den Geschäften fernzuhalten. Vor allem wird es sich immer darum handeln, oo die Genossen selbe r Mitarbeiten wollen, ob sie sich in den parlamentarischen Betrieb ohne Einschränkung einbequemen wollen. Bei der Präsidentenwahl hat sich das Gegenteil gezeigt. Sonderrechte wird aber auch der liberalste Mann der Sozialdemokratie nicht einräumen wollen. schneller wirke. Hieraus wird der Vater der Zeugin Wichmann vernommen, die bei ihrer Vernehmung vor dem Polizeikommissar Toussaint behauptete, daß Scharmach zu ihr von der Giftigkeit des Methylalkohols gesprochen habe; er gibt an, daß seine Tochter durch die vielen Fremdwörter und durch die Zumutung, sie solle doch eingestehen, daß sie die Geliebte Scharmachs sei, ganz verwirrt wurde und ihm gesagt habe, daß sie glaube, falsch ausgesagt zu haben. Der Beuge Polizeileutnant a. D. P r ob st, bei dem Fräulein Wichmann als Stütze tätig war, gibt an, daß er Frl. Wichmann gesagt habe, sie könne ja diese Aussage noch richtig stellen. Der Zeuge Tänzler, Direktor vom Stlwtvogteigefängnis, sagt aus, daß am 30. und 31. Dezember, sowie am 1. Januar in das Stadtvogteigesängnis 8 Polizeigesangene eingeliefert wurden, die Höchste Temperatur am 9. bis 10. Niedrigste „ , 9. , 10. Nieberichlaq: 5,0 mm. kirchliche Nachrichten. Israelitische tteUgionsgememoe. Gottesdienst in der Spnagoqe (Süd-Anlage). - Samstag, den 13. April 1912: Vorabend: 7.00 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. GchrifterklSrmrg. 6abbatau8gang: 8.05 Uhr. Israelitische Ueliaionsgesellschast. Sotterdienst. Sabbathfeier am 18. April 1912: Freitag abend 6.50 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Ubr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-AuSgang 8.05 Ubr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Ubr, abends 8.05 Ubr. Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen. 110 erkrankt und 58 davon gestorben. Nach eingehender Untersuchung habe er festgestellt, daß die meisten Erkrankten bei J>aak Schnaps getrunken hatten. Tie Erkrankungen hörten aus, nach, dem die Kneipe von Isaak gesperrt war. Weibliche Asylilten eien nicht erkrankt, da diese bie Schankwirtschaft Isaaks, Die in dem Ruf einer Pennerkneipe stehe, meiden. Ausfallend sei, daß meist Asylisten, bie nichts gegessen hatten, erkrankten. Emer der erkrankten Asylisten habe ihm auf Befragen angegeben, baß er so 40 bis 50 Gläschen Schnaps am Tage trinke, also für 2,50 bis 2,75 Mark Schnaps; gegessen habe er nichts, denn wenn er Schnaps trinke, brauche er nichts zu essen. Der Staatsanwalt teilt im Anschluß hieran mit, baß er von den erkrankten Asylisten, bie am Leben geblieben sind, eine große Anzahl als Zeugen geladen habe, bie am Freitag vor Gericht erscheinen werben. Aus Befragen des Verteibigers Dr. Wertbauer bekundet Oberinspektor Jettel noch, daß in dem Asyl nur Mehlsuppe verabreicht werde, weil diese den geschwächten Magen der Asylisten am besten bekomme. Ein Asylist habe angegeben, daß er Aelher trinke, weil der Schnaps ihm nichc mehr schmecke. Eine Reihe von Gastwirten, die hierauf als Zeugen vernommen werden, geben an, daß sie von Zastrow Methylalkohol als Sprit bezogen haben: ,ie hätten selbst davon getrunken, ohne eine schädliche Wirkung zu verspüren. Darauf werden die weiteren Verhandlungen auf Freitag vertagt. _______ ______________ Kleine daaeschroniL Ter Reeder Wintg ens v erwachte der Stadt Krefeld 250 000 Mark für soziale Zwecke. Zur Jahrhundertfeier der Vereinigung von Mansfeld mit P r eußen sollen im Jahre 1915 die alten bekannten Segenstaler als Gedenkmünze nengepragt werden. Während eines über den Weilhartforst niedergehenden Gewitters traf der Blitz ein Bauernhaus und erschlug eine 70jährige Frau und einen z e hn jährigen Knaben. Zwei andere im Zimmer befindliche Kinder wurden verletzt. In der Ortschaft Pöadnik kamen 16, in P o dgo r c s Wenfalls zahlreiche Blatternfälle vor. Die Krankheit ist bereits in die Vorstädte von Krakau verschleppt worden. bald darauf erkrankten Auf Befragen gaben sie an, daß sie Schnaps bei Isaak getrunken hatten. Großes Interesse erregt die Vernehmung des Zeugen Jettel, des Oberinspektors vom Asyl für Obdachlose. Er schildert eingehend die Vorgänge während der Weihnachtsfeiertage uit Asyl und die Maßnahmen, die von der Leitung des Asyls gc = troffen wurden. Von den etwa 4000 anwesenden Asylisten seien Gießen besuchen. ' Ordensverleihungen. Der Großherzog hat dem Postsekretär Gg. Wolf in Bangkok die Erlaubnis zur j Er f ch ein'ung e n". Annahme unb zum Tragen des ihm von dem König von Siam verliehenen OfsizierkreuzeS des siamesischen Weißen SerMaNlsteN-UoNgrey. g Elefanten-Ordens, der Rachamongol-Medaftle, der Racha-I ^^md des hier zurzeit stattfindenden 5. Verbandstages des mangkala-Medaille und der Borom - Rachaptse k- Medaille! Pereinsverbandes akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands traten erteilt. auch die Lehrer des Deutschen an allen deutschen höheren Landkreis Gieken. Schulen zu einer Tagung zusammen. Cftna 150 Vertreter aus -m Sangb, 10. April. Es wurde s-NMM. b.8 b-e £ seinerzeit eingetretene Trübung unserer Wasserleitung P(.^.-g„^lung hin, die den Zusammenschluß aller deutschen Ger- durch Eindringen von Tagwasier bei schweren Regengüssen Pianisten an Hochschule und höherer Schule vorbereiten sollte^ verursacht wurde. Dieser Fehler ist leicht zu beseitigen unb Als erster sprach Prof. Joh. Georg Sprengel lFran^ roitb bie SBaffeclcitung ^balb^roiebei: intatt fein. I eben isch--- - Aus dem Ohmtal, 10. ^cin^^S^ifü^run^i ^Um bTe beutfij Unseren Orten aufgeschlagen. Das Pfund Rindfteisch kostet Schullektüre zu heben, bedarf es einer anderen Vorbildung des jetzt 85 Pfg., Schweinefleisch 80 Pfg. Die Metzger haben dabei »ehrers besonders muß auf der Universität in Seminarübungen ihre Not, das erforderliche Rindvieh aufzukaufen. gher alle bedeutenden Erscheinungen der Literatur von 1748 bis x Von der Ohm, 10. April. Erst seit der Zeit, da Gegenwart ihr menschlicher Gehalt und ihre künstlerische Ge- ForeUenbrut in das Ohmwas ser regelrecht gesetzt wird, bat ?la(tlIng mehr betont werden. es sich mit Forellen bevölkert. Allerdings eignet sich Darauf sprach Direktor Tr. Bojunga (Frankfurt a. M.) die Ohm in einzelnen Bezirken hierzu vorzüglich. Tie Lieferung Die deutsche Gramatik in der höheren der Brut geschieht vom akademischen Forstmstitut Gießen aus. Gegenwärtig wurden 6000 Stück Bachforellenbrut m die Ohm Direktor Le Mang forderte zusammenfassend zur Unter- bei Burg-Gemünden, 2000 Stück bei Ruppertenrod und 1UUU . Bewegung auf, die auf Gründung eines Germanistew- Stück bei Ober-Ohmen eingesetzt. Wenn auch em großer V/o- hinzielll zeutsatz der jungen Forellen nicht aufkommt, so ist doch eine Auf- AuZs^ache wurde immer wieder die Notwendigkeit frifajung des Forell-enbestandes dieser Bezirke mit -Sicherheit zu I Erhöhung und eines Zusammenschlusses der Germanisten be- envarten. tont. Es gelangte dann folgende von Tr. D ofstae11 e r (Dresden) Kreis Lauterbach. vorgeschlagene Entschließung einstimmig zur Annahme: - Lauterbach, 9. April. Der seit Jahren bestehende „Tie am 9. April im Künstlerhaus tzu Dresden versammelten WobnunaSmangel hat sich bei der jetzigen UmzugS- Lehrer des Deutschen an hohen Schulen sind einrnüftg der Ueber- periobe roitbec recht unangenehm sühlbar gezeigt. BesanberS ^aß^s bratf^ M ^uft °nmß'b^sanbers wird über baS Fehlen besserer Mahnungen allgemein geklagt ^r Unterricht im Deutschen verstärkt und verlieft werden, unb ihre Vermehrung ist ein dringendes Bedürfnis geworden. Dieses Ziel ist nur durch eifrige Zusammenarbeit aller gev- Recht trübe Erfahrungen müssen daher auswärtige, hierher monistisch Gebildeten, insbesondere der Vertreter be§ xeutjmen A machen, tue mit b,n - ^ättniffen L-to dS nicht ver raut sind. ES hält ihnen schwer, überhaupt cine hH,utfcf)en Germanistenverbandes und erklären sich bereit, in ihren passende Wohnung zu erhalten ober sie müßen mit einer Greifen für rege Beteiligung an ber Gründungsversammlung und geringwertigen, ihrer häuslichen Einrichtung nicht entsprechenden zahlreichen Eintritt in den Verband zu werben." Wohnung fürlieb nehmen. Die Preise der Wohnungen sind " dabei verhältnismäßig hoch unb kommen benen größerer Stabte DU NethylalkvhSlverglstUNgeN DOt Gericht, fast gleich. Der hiesige Bauverein würbe sich nützlich machen, . 2CIÄLn^ *?* * roenn er an bevorzugten Plätzen einige bessere Wohnungen ^chenA Verhandlungen dem Pwzeß gegen Sch^rmach^und errichten ließe, an Leerstehen wäre bei den heutigen Umstanden I Gassen wegen der Methylalkoholvergistungen beantragte -u- kaum zu denken. nächst der Verteidiger Rechtsanwalt Bredereck die Ladung eines Arris Schotten. Ingenieurs Pöschel aus Berlin, eines Fabrikanten von Methyl- ~ Dhor.pMhfrtpnrnh 10 Avril Nachdem die bie- alkoholfeuerzeugen, der nach seinen Wahrnehmungen zu der Heber- Rüraermeisterwabl ^s d^rch LEfthung bei -eugung gelangt sei, daß der Methylalkohol erst durch einen Oxy- 6C1C9L Hessen-Nassau I verdünnter Methylalkohol schneller formiert werde und daher auch 1 . p s 3 romele u< 0' biuiert iperali r Luft üolute chngke elatwe chtigke '34,8 19 5,1 97 39,7 2.1 40 74 -44 5 0,7 4.7 96 GUMMIABSÄTZE Continental - i i n „.4-^. Fräulein Dorothea Keil im 71. Lebensjahre. Schwelmer Gummlwsren-lndnstrleG.m.b.H.l8ehweliel.W. In tiefer Trauer: MW Ml W1 * PB Wiesbaden, 10. April 1912. Darmstadt. Die Beerdigung findet Samstag, den 13. April, nachmittags 4 Uhr, in Giessen vom Portale des alten Friedhofes aus statt. 2713 Grobh. Amtsgericht. Bu/* KMkM Stenogrsphen-Verein Giessen (E. V.) M NI Wir erfüllen die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem vu/< 83-89 Danksagung 71-78 84-91 Giessen, Berlin, den 11. April 1912. onn 84-88 Statt jeder besonderen Anzeige 40-43 tbenb* 6849 en>W 6M« Danksagung lebend« 58-59 Frau Louise Bornemann geb. Müller ^fterNärvog« Im Namen der trauernden Familie: Hofgut Obbornhofen, den 10. April 1912. Susanne Wogt Ww. Lieh den 10. April 1912. Die Beisetzung findet in der Stille auf dem Friedhof zu Coblenz statt. Blumenspenden dankend abgelehnt. 2702 eM s 1< Passiva. «M 260.55 11469.61 2697 Lagerhalter u. Rechner. Bu/< 11-79 81-85 108—118 106-112 95-103 83-92 91—9< 90-93 63-70 68-66 74-76 73-74 74-76 Luise Ackermann geb. Keil Marie Süffert geb. Keil. Mitglieder>Gut> Haden Kreditoren Rest Verwaltungskosten Reservefonds Reingewinn Hochachtungsvoll R. Krombach Zink- Emaille- Solz- Korb- u. Bürsten- schlagende Arbeiten. 03072 115.10 3804.31 6989.65 300.— Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres unvergesslichen Gatten, Vaters und Grossvaters sagen wir unseren innigsten Dank. 1260.— 5761.04 lesellschaft' April 1913: In unser Handelsregister Abt. A Nr. 21 wurde heute eingetragen: Die Firma Gedr. Baum, Lich, ist erloschen. Lich, den 6. April 1912. Heute mittag entschlief nach kurzem Krankenlager nach vollendetem 85. Lebensjahre unsere liebe Mutter, Grossmutter und Tante Herrn Reallehrer i. P. Christian Albach in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet statt am ttreitag, den 12. April, nach«, um 3®/4 Ubr. aus dem alten Sriedhos. Wir bitten unsere Mitglieder um zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. Heute morgen 4’/2 Uhr Entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden unsere geliebte Schwester Gießen, den 10. April 1912. Der Gr. Kreisbauinspektor. Hechler. Aktiva. Kassa-Konto Warenvorrat Debitoren Sparkasse-Konto Mobilien 289.49 IO0/., Abschreibung 28.94 Rechtsanwalt Geissner und Frau Lucle geb. Bieker. Mitgliederstand Ende 1910 Zugang 1911 . . . Abgang 1911 . . . Stand der Mitglieder 1911 >htf-heutigem Wochen -1.45 M, imbnereiet •t das Stück 9-10 Piq. ' 2 Ltück 5-6 vr. Lt. 1,00-1,60 'M Pt. Ct. 1,80-2,20 ^s/'bh!ten ^°'kten § >'d°6 "lnke, Q[in Vu8 er *'benn^2'M «MZ Verhandlungen au. liefern äuherst preiswert in anerkannt bester Qualität Geschw. Seuling Wetzsteinstrahe 45 Ausgabe von Rabattmarken des Konsumvereins Gienen und Umgebung. 2634 Statt besonderer Anzeige. Heute nachmittag 3i/t Uhr ist infolge eines Schlaganfalls nach kaum vollendetem 70. Lebensjahre zur ewigen Heimat eingegangen unser treubesorgter, innigstgeliebter Gatte, Vater, Grossvater, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Christian Albach Reallehrer i. P. In tiefer Trauer: Helene Albach geb. Schaum Anna Engel geb. Albach Frida Hotz geb. Albach Giessen, 10. April 1912. Johannes Engel, Pfarrer zu Obbornhofen Schiffenberger Weg 12 und 4 Enkel. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. April, nachmittags 38/* Uhr, von der Kapelle des alten Friedhofs aus statt. 2708 wird erst richtiger Genuss durch Continental Gummi- Absitze. Angenehm weichr, elastischer Gang. Erschütterungen vermindert. Dauerhafter als Leder. 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