Nr. 9 Zweites Blatt 152. Jahrgang Donnerstag, U. Januar J9U Erfchein! tLgllch mtt Ausnahme des Sonntag». Tie „Oietzener Samfllenblätter** trerben btm ^Anzeiger* otermal wöchenlltct» betg*legt, ba6 „Kreisblati für ben Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Tie „tandwlrfschaftttchev Seit» fragen" erfdjemen monatlich jroennaL General-Anzeiger für OberlMn Rotationlbrud unb Seviag Oer 8r ü blichen llnroerftiätb - Buch- und SteinbrudtEtL Ä. Lange, V'eßen. ÄebaftUn Typebition und Druckerei: Schul- ftraBt 7 ErvediNon unb flerlag. fcüö 6L Reöaftum:e^ll2. icL-Wbu SlnietgeriSieBcn. Liberal: Wählerversammlung in Steins Garten. Gießen, 11. Januar. Tie gestrige, vom liberalen Wahlausschuß einberuscnc Wähler- Versammlung war außerordentlich stark besucht. Um 1 - 9 Uhr war dec große Saal von Steins Garten samt dem Ncbensaal überfüllt und noch immer strömten Leute herbei, bi? an der lebten liberalen Kundgebung in Gießen vor dem Wahltag teilnehmen wollten. Der Vorsibende, Geh. Justizrat Metz,, eröffnete die Versammlung mit einem Willkommensgruß und sprach die Hoßnung aus, daß der starke Besuch eine gute Vorbedeutung für den Erfolg am Wahltag sei. Der erste Redner, Geh. Justizrat Prof. Tr. Biermann, wies aus die liberale Einigung in einem großen Test des ReicycS hin. Leider mache man in Lessen eine Ausnahme, aber von dieser Ausnahme mache unser Wahlkreis wieder eaie Ausnahme. Er glaube bestimmt, daß diese Einigung, die an früheres gemeinsames Vorgehen anknüpsc, dauernd sein werde. Die na» tionalliberale Partei trete für den fortschrittlichen Kandidaten ein, weil sie es nach ihren Grundsätzen mit gutem Gewissen tun könne. Ter Liberalismus habe rccyts und links einen schweren Kampf zu kämpfen und laufe bei Uneinigkeit Gefahr, zerrieben zu werden. Daß die Nationallibcralen nickst für den fozialdenw- kratischen Kandidaten cintrctcn können, fei klar. Die Sozialdemokraten haben kein Gefühl für die staatlichen und nationalen Notwendigkeiten, deshalb kämen sie für die Nationalliberalen nickst in Betracht. Man habe aber auch in unserem Wahlkampi gegen den allen Gegner von rechts zu kämpfen.^ Man habe sich 3U wenden gegen das Zentrum, dessen wenige Stimmen ja dem nntiscrnitischen Gegner zufallen. Man habe ferner zu kämpfen gegen die Konservativen, denen er am 12. Januar eine gründlich Niederlage wünsche. Die Konservativen beße.rschen die Parteien der Rechten, mit denen man es bei uns zu tun habe. Die hiesigen Gegner nennen sich Teutschsozial, ein schöner Name für eine schlechte Sache. Das Programm dieser Partei sei aus den Pro Grammen aller übrigen Parteien zusainmengestellt, das eigene, was sie habe, sei die Gegnericfan't gegen die Juden. Im jetzigen Wahlkampfe sei allerdings hiervon nicht viel zu merken, das werde nach der Wahl wohl wieder anders werden. Wer den antisemitischen Ton richtig kennen lernen wolle, müsse die deutschsozialeit Blätter lesen. So viel Schmutz wie in diesen Blättern werde sonst nirgends verbreitet. Ter antisemitische Gegner sei an sich nicht gefährlich, diesen Geisteskapazitätelt sei man wohl noch gewachsen weiterleit). Gefährlicher sei der ebenfalls am Kampfe beteiligte Bund der Landwirte. Seine (Redners) Partei jtebe dem Bund der Landwirte nicht ganz so gegenüber wie die Fortschrittspart.i. Es sei den Landwirten so wenig zu verdenken, sich zusammenzuschließen wie den übrigen Ständen und der Bund habe in der ersten Zeit seines Bestehens gutes bewirkt. Aber heute sei er eigentlich überflüssig. Tie Interessen der Landwirte seien nicht dieselben und die Heinen Landwirte seien vielfach in den Bund gekommen, ohne zu wissen wie. Der Bund sei, wenn man ihn mit seinen eigenen Was, en bekämpfen wolle, durch einen Bund der Konsumenten zu bekämpfen. Tas tue man selbstverständlich nicht, aber bei allem, was man für die Landwirtschaft tue, habe man vom Bund keinen Tank, er verlange immer mehr. Der Bund Der Landwirte sei gemeingefährlich geworden, weil er eine einseitige Klassenpartei geworden sei, gerade so gut, Ivie es die Sozialdemokraten seien. Allerdings iünnc diese in Bezug auf die Agitation iwch etwas vom Bund der Landwirte lernen. Aber die liberalen Gebauten würden nicht allein wie der schwarzblaue Block durch die gcmcinfamc Abwehr gegnerischer Bestrebungen zusammengehatten, sondern durch ihre gemeinsamen Grundanschauungcn, die beruhen auf dem Idealismus, auf der gemeinsamen Weltanschauung, die die allgemeine Wohlfahrt aller Stände fördern wollen. Wer diese gemeinfamen liberalen Anschauungen fördern wolle, der solle dazu beitragen, daß am 12. Januar der gemeinsame liberale Kandidat Erkelenz gewählt werde. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Privatdozeut Dr. Vogt wies daraus hin, daß der Libe- ralisnrus den schweren politischen Kamps der letzten Wochen gern geführt habe, weil ein solcher Kamps Gelegenheit gebe, im Volke politische Erziehungsarbeit zu leisten. Der Kamps habe gezeigt, daß, wer Unkraut säe, leichte Arbeit habe, daß der aber schwere Arbeit zu leisten habe, der einen Baum pslanzen wolle. Aus welcher Löhe sich der Kamps der Antisemiten bewege, habe der Vorredner gezeigt unb zeigten die „Fluchblätter" der Gegner. Erfreulich sei nur, daß der Kantps mit dem Antisemitismus nicht mehr lauge dauern werde, daß es auch hier gelingen werde, unsere Gegend von dem Namen zu befreien, der wahrlich keinen Ruhmestitel bedeute, nämlich den Namen des dunkelsten Tcutsch- lano. Ter Liberalismus sei noch lange nicht verloren, er stehe kampssreudig da und sei wieder von Optimismus erfüllt. Tas Wort Bebels von vor 20 Jahren, daß der Liberalismus tot sei, sei nicht wahr geworden und werde nicht wahr werden. Tie Sozialdemokratie gerade habe es mittlerweile gesehen, daß es nicht so schnell gehe mit der Verwirklichung ihrer Grundsätze. Tic Entwickelung der letzten Jahre habe gezeigt, daß der erste Teil des sozialdernokratiscien Programms, die Vergesellschastung der Produktionsmittel, sich nicht erfüllt habe. Deshalb wende man sich jetzt mehr dem zweiten Teil des Programms zu, dem demokratischen. 9lber auch hier zeige sich, daß die Entwickelung der Dinge eine andere sei, als die Sozialdemotratie vorausgesagt habe. Ein Stück nach dem andern werde von dem Programm ausgegeben, bloß die Verelendungstheorie tauche noch hie und da aus. Und wie sehe es mit den GegenwartsForderungen der Partei aus. ,Sic kämpse mit großen Worten für die Wahlsreiheit, für das Koalitionsrecht, für den Schutz der Minderheit, aber in der Praxis handle man da, wo man die Macht habe, ganz anders. In der sozialdem. Partei säßen Republikaner unb Monarchisten, Freihändler und Schutzzöllner. Das gleiche Bild wie bei uns zeige sich bei den ausländischen Sozialdemokraten. Weil man wisse, daß die Sozialdemokratie ihr Programm durchlöchere, habe man auch keine Ängst mehr vor ihr. Tie Sozialdemokratie sei mit ihren 3—4 Millionen Stimmen nichts als eine große Maschine, die Rauch und Feuer mache, aber nichts leiste. Tic Agitation sei ihr alles, die Politik nichts. Durch ihren Wort- radikalismus fördere die Sozialdemokratie nur die Reaktion, die ihre Helle Freude au ihrem Gebaren l;auc. Beide Parteien handelten wie eine Versicherungsgesellschaft aus Gegenseitigkeit, bei der aber die Arbeiter die Prämien zu zahlen hätten. Aber auch bei der Sozialdemokratie mehrten sich die Anzeichen, daß sie im gegebenen Falle anders handeln könne. Tic Sozialdcnw kralle hätte dem Liberalismus den Vorwurs gemacht, daß er indirekte Steuern habe bewilligen wollen. Er glaube, wenn die Erbschaftssteuer angenommen worden wäre und rann ßu Konservativen sich abseits gestellt hätten, so hatte wohl auch die Sozialdemo kralle indirekte Steuern bewilligt, um nicht der Reaktion dann die ganze Saaje zu übemnen. Bll der eliau-lothttngiw,cn Verfassung, frage l,abe die Soziaidemokcalle sogar für^eine 1. Kammer geiämmt. Man brauche keine Ängst vor d.r Sozialdemotratie zu haben. Sie bleioe eine einsei.ige Kiastenpartei, die bis jetzt noch niasts erreicht habe. Wenn man ;iu) einmal den Liberalismus wegdenke, dann werde die P itiE eben ohne die Linie gemacht. Ein Staat könne nicht von unten heraus regiert werden, man dürfe das Reckst der Persln lieble t nicht außer Ache lassen. Te Führung in Kampfe gegeben schwarzbiai.en Block gehöre dem Liberalismus, wenn ma: ein neues T.utfcklai d hab.» w.lle. Ter Liberal s.nusmüße aber wenn er die Führung haben wolle, sozial wllkeu. Ec bur,e di. Arbeiter n.cht bloß brauchen ivoilen b.i den Wahlen. Ter Lib. ra.ii.mus müsse te; aufste.g.nb.n Arbllteeschicht, ii: die Person lichtest ancri.niK, gerecht werden. Wir in Gießen konnten stolz ein, einen Führer d.cher ausste.gende.i Arbei eriu.L.t in den Reichs tag schicken zu wollen, einen Führer, der dazu berufen ist, diest neue Entwicklung des Vaterlandes mit anzubahnen. Wer den Lwc- ralisnrus nicucr zur Geltung bringen wvite, i.Ui,e XJr>iC bringen. Leisen Sie alle mit, den Liberalismus wieder zur G.l tung zu bringen, wählen Sie Erkelenz! (Stürmisck>er Beifall.- Ta der bleich.tag.^noivac E-^t.i.z iteu, muj. ö.aiwau,, wo er zuerst sprach, erscheinen war, gab Ooercho iothera. Tr. Ebel Kenntnis von einem Flugolatt d.r Antiscm.. .i, da. eine Reihe von Kommerzienräten ms RiitergutSbe,itzer lltst) Au, lichtSralsmikglieder aussührt. Ter Redner setzte den Behanp tungen des F.uzbiastes ü.cr die Gestnnungen der Li.eralen d.e Bestrebungen d r Liberalen für den Bauernstand entgegen. Ei bezeichnete das Flugblatt als ein Zeichen des Niederganges des Antisemitismus und sorüerte aus, das Wort eines liberalen ländlichen Vertrauensmannes wahr zu machen „..über inu dem AutstemstiS mus". Er schloß unter sehr lebhaitem Beifall mit dem Rufi „Wühlen Sie Erkelenz". Vcrbanbssekretur Erkelenz, der mittlerweile gekommei. war, wurde mit stürmischen Beifall begrüßt. Er wies darauf hm. daß es sich bei dem bevorstehenden Walstgaug um große wichtige Entscheidungen handle. Es sll nvtweuoig, iiu) bei dem Wah.kamp. auch mit der auswärtigen Politik zu beschäsiigeu, die bis jetz. eigentlich zu kurz geloinmen sei. Teutschland müsse sich al. großes Voll damit beschäftigen, auch außerhalb Deutschlands grogc Kulturausgaben zu erfüllen. Tie Kruste baiür ständen uns zue Verfügung, cs haiid.e sich darum, diesen Krusten die Stelle z: ichasieu, wo sie arbeiten könnten, um gcwßßcernaßcn ein zweite. Teutichiand zu schassen. Eine gut geleitete auswärtige Polili. und auch eine gute Kotoniall'oliuk liege gerade im Interesse de» Arbeiterschaft unb sonstigen Leinen Leute. Tas Verständnis bafiir, das in England weit verbreitet sei, sehie leider bei,uns fast allgemein. Eine weitere wichtige Ausgabe sei, baß alle Stände unb Klassen sich zusammen stndeu |ür eine gemeinsame fortschrittliche Poli.it und sich ablvcnben von ber einseitigen Ktaffcnpolitik. Ein Wahlkampf sei nicht bloß ein Kamp, um einen Parlamentssitz, sondern eine Gelegenheit, bas Voll suiammeii’uiancn und politisch . weiterzubilden. Wir müßten nicht nur roeiterlommcn in der wirtschaftlichen Entwickelung, sondern auch aus dem Gebiet der geselischastlichen und politischen Freiheit. Es sei notwendig, baß der Wille zur Mitarbeit an biesen Zielen bei allen Männern unb Frauen vorhanden sei. Notwendig sei ferner die Erkenntnis, bau die moderne Entwickelung einzelnen Schichten Nachteile bringe und daß man dafür sorgen müsse, die Nöte ber einzelnen Stände zu beseitigen. Ter Frcihcitsgedanle müh'e_ aus die Nöte der einzelnen Stände Rücklicht nehmen und Verständnis haben, dann werde man zu einem gesunden, lebeuskrästigen Liberalismus kommen. Tie Reichssiuanzresorm könne die große Umkehr in der En> loiaclung werden, indem sie die einzelnen Stänoe wieder zu- fammengeführt haoe. Fn dst>em Sinne luiiuc man van ber bieioj»’ finanzreiorm sagen, bau sie ein Teil von jener Kraft sei, die stets Las böse will unb doch das gute schasst. Tazu fei aoer notwendig, daß jedermann seine Psticht tue. 7000 Wähler Istitteu bei der letzten Wahl nicht gewählt, diese müßten zur Wahlurne gebracht werden, dann könne der Ersolg nickst ausbleiben. Es handle sich uni die große Aufgabe der policischen unb sozialen Befreiung bes Volkes. Wenn auch die Gefahr, baß wir wie Spanien regiert würden, nicht in den nächsten 5 Jahren nahe sei, vorhanden sei sie. Wer weder von Spanien oder „Spahnien" regiert werden wolle, müsse seine Pslicht tun. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) In ber Aussprache wandte sich Derr Gemoll aus Esten gegen die AuSsührungen bes Privatdozentcn Tr. Vogt über die Sozialdemokratie. Tie fortschrittliche Volkspartei schlage immer aus die Sozialdemokratie, weil diese nicht tue, was die Fortschrittspartei wolle. Richtiger sei doch, daß die Fortschrllisvattei, die ja doch im Ausstcrben begriffen sei (Gelächter), der Sozialdemokratie sich anschließe. Mit dem Wort Freiheit solle man gerade bei dem Fortschritt vorsichtig sein. Von den Kolonien in Afrika sei für Deutschland nichts zu wollen. Gerade die liberalen Parteieii hätten die Lebensmittel verteuert. Tie liberalen Forderungen müßten von ber Sozialbemokratie vertreten werben, weil ber Liberalismus zu schwach geworben sei. Von Herrn Erkelenz erwarte er für bie Arbeiterschaft nichts, ba ihn sonst bie Nationalliberalen nicht unterstützt hätten. Herr Erkelenz habe nur bie Interessen ber Parteien zu vertreten, bie ihn gewählt hätten. Ein benfenber Arbeiter könne nicht Erkelenz wählen, sondern nur Beckmann bie Stimme geben. (Vereinzelter Beisatt.) Herr Erkelenz sprach bann bas Schlußwort, in bem eiben Vorrebner kurz abiertigte. Wenn besten Freunbe ihn hätten hierher kommen lassen, so hätten sie sich bas Fahrgelb für ihn sparen können, berat verbient habe er es nicht. Herr Gemoll habe sich hier nach Art ber nordbeutschen Genossen als Raoi- k'alinski ausgespielt, ber neben seiner mueßbaren Meinung teilte anbere bulbe. Von ber hiesigen Sozialdemo kralle fei man Jm allgemeinen eine vernünftigere Stellungnahme gewöhnt. Für den Liberalismus handele es sich nicht darum, nn- ieblbare Glaubenssätze auijuftelten, sondern die Entwicklung des ganzen Volkes zu fördern. Die Sozialdemoiratie habe mir ihren einteiligen Forderungen feit langer Zeit nichts erreicht, und es sei Kickst, bas schönste Zukuiiftsstaatsprogramm auisunellen. Für bie Gegenwart werde auer mit wichen Dingen nidjis erreich! Es würbe ber ganzen Entwicklung bienen, wenn bie Sozialbemokratie in ber Gegenwart dazu beitragen würde. Erreichbares zu erreichen. Der Redner bezeichnete es dann als eine erfrischende 4,at, daiz ber Liberalismus mit irischem Mut unternommen habe, daß sieb Bürger, Bauern und Arbeiter zusammensinden zu gemeinsamer Arbeit. Leiser versage die Sozialdemokratie hierbei, lie arbeite vielfach mit der Reaktion Hand in Hand. In Baden und Bayern könne sie atteröings auch anders. Ter Liberalismus kämpfe im Kampfe gegen links nicht gegen die Arbeiter,chast, sondern er wolle sie zu gemeinsamer uroeit gewinnen. Der Liberalismus wolle Bürgertum, Bauernschast unö Arbeiterschaft zusammensühren im Interesse der wirtschastlichen und sreiheit- licheii Entwicklung, im Interesse der Kultur und der nationalen Ehre (Langanhaltenser, stürmischer Beifall.) Geh Juitiirat Metz schloß die Veeiammlnng mit ber Aufforderung zu estriger Wahlarbeit unb emem Hoch auf bas Vater- lanb worauf mit dem besänge von „Deutschland, Deutschland über' alles" die große. Dcnauicne Kunögeoung ihr Ende erreichte. * Aus dem Wahlkreis tz-icßen-Ärüubere-Nidda. Vom Prehau.-fchuß der liberalen Patte en erhalten wir folgende Zuschrift: . , s3ie kann ein streng nationaler Gl, evius- wähler Herrn Ertelenz wählen? Diese irn Flugblall des Heern Werner aufgeroorienc Frage wurde am z.e.id.ag in rincc zahlreich besuchten Wählerversammlung in Nieder-Ohmen .tipp und klar bcan.ioortct. Herr Dr. med. K. stellte sich selbst als rech.sstelfcnder Nationallibcta.er und Giseviuswähler vor, trat aber gleichwohl mit Entschiedenheit, unter lebhafter Zustimmung oer Versammlung, für Herrn Erkelenz ein. Er könne, so führte er auS, caic Pattci nickst unterstützen, bie mit bem Zenkruni verbündet sei und der Partei Liebesdienste leiste. — Also gerade bas nationale Gefühl führt diesen Giseviuswähler Herrn Erkelenz zu. Tie fortschrittliche VolkSpattei unb die Zolle. Vom Wah.ausschuß der f o r t s ch r i t t l i ch c n B o I! S- Partei werden wir um Aufnahme folgender Berichtigung gebeten: In Lcr in Friedberg erscheinenden neuen „Tages-Zeitung" vom 0. Januar laufenden Jal-ces wurde unter der lleberfchrift: „Wie der Freifinn Bauernagilation betreibt" in fetter ödfrift i.,e Tatsache behauptet, alü Erkelenz in Gießen aufgestellt wurde, .;abe ein freisinniger Stadtverordneter gesagt: „Wir müssen den Bauern 7 Mk. Zoll verbrechen, zu halten brauche man cs ja nickst." Die Behauptung ist eine grobe U n w a h r tt e i t. Ter wahre Sachverhalt ist solgcnder: In der Verirauensmänner-Vcr .ammlung der sortschritteichen Vollspartei in Gießen, in der Herr Erke.enz ausgestellt wurde, tat H e r r Stadcperordnetcr J ö b c r eine Äeußcruiig, die von einzelnen Anwesenden dahin jcrlV . je« wurde, man brauche wegen der Erfüllung von Ver ,pre .tgen bezüglich der landwirtschaftlichen Zölle niajt zu ängst- .ich , fein. Hiergegen wurde in der Versammlung von mehreren utcbiuen unter Zustimmung der ganzen Versammlung alsbald Protest eingelegt unb ansgeführt, daß man nur das versprechen । ürje, was man auco unbedingt hatten wolle nnb könne, worauf ,;err Laber sofort erklärte, daa das auch feine Meinung und er mißverstanden worden sei. Ein cnglis.her Brief an den Kandidaten Erkelenz. Uns wird folgender Brief zum Abdruck übergeben: London, den 4. Januar 1912. Mein lieber Herr Erkelenz! Ich habe mit großer Freude Ihren Brief empfangen und die Nachrichten pfllck)lschuldigst letzten Sonntag früh der Aoult Schcoi überbracht. Nun soll ich Ihnen sehr herzliche Glückwünsche für das neue Jahr sagen ob, obwohl wir unS als Engländer nickst cinmischen wollen in die deutschen Parteikümpse, so wollen wir Ihnen doch nicht vcrhehsen, daß uns der Eintritt eines so echten Kämpen für die höchsten Ziele (so sterling a Champion of the aighest causes) als ein Gewinn für den Reichstag erscheinen würde. Ich tarnt Sie und jeden Kandidaten, ber sich jetzt um Stimmen in Tllutschland bewirbt, nur versichern daß bie warme Frunb- schaft, die das englische Volk für das deutsche sühlt, durch unser auswärtiges Amt, gelinde gesagt, nur sehr ungenügend zum Ausdruck gebracht worden ist. Durch die letzten 3ebat.cn in Parlament unD Presse ist der Beweis hinreichend erbracht worden, daß unser gegenwärtiges Ministerium d.s Aeußcren voltkommen die^Fühlung mit dem Volke, das es vertreten sott, verloren h-at. Ich hofsc. Laß Lie deutschen Wähler ebensowenig Sir Eöwaro Grey als das wahre Sprachrohr (mouthpiece) der englischen Gefühle belrachten werden, wie wir hier die kriegerischen Aeußcrungen des Herrn v. Heydebrand als gloubtoürbige Wiedergabe ber bentschen Ge finnungen ansehen. Es hat mich sehr interessiert zu ersahren, das Sie in Gießen kandidieren, wo ich ein wunderschönes Semester als Student vor 27 Jahren verbrachte, als Harnack dort Prosessor war. Ta unsere Zeitungen die Einzelergebnisse Ihrer Wahlen nicht bringen, so wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mit eine Post- farte ober eine Zeitung mit dem Wahlresnltat senden lassen wollten. Treue Grüße an Gießen unb bie besten Wünsche an Sie. Von Herzen Ihr I. Herbert Stead. Herbert Stead ist der Bruder von William Stead, dem bekannten englischelt Scßrittsteller. Er ist Geistlicher der 5iongrcgationalisten der drittgrößten Kirche Englands. Gleichzeitig fungiert er als Leiter des Browning Settlement im Nordosten Londons, einer Einrichtung, bie sich die Wohlfahrtspflege in ihrem Bezirke angedeihen sein läßt. Tamit verbunden ist eine Adult School, d. h. etwa Schule für Erwachsene, in der Männer an Sonn- und Wochentagen zusammentretsii, um Vorträge anzuhören unb zu besprechen. Tiesc Schulen zählen in Großbritannien mehr als 500 000 Arbeiter als Mitglieder. Angehörige aller Parteien unb Konfessionen, auch Sozialisten, sind vertreten. Erkelenz hat bei seiner englischen Stubienreise monatelang mit biesen Leuten zusammengearbeitet und unterhält noch heute rege Beziehung mit ihnen. Tie Versammlungen für Tr. Werner. Vom Wahlausschuß für oie Kandidatur Tr. Werner wevq den wir um Abdruck folgenden Sammelberichtes gebeten: Wir haben bis heute weder in der Friedberger „Neuen Tageszeitung", noch im Gießener Anzeiger unseren Freunden und Parteigenossen über unsere Wahlversammlungen berichtet, noch irgend welche andere Veröffentlichungen gemacht. Ta aber von verschiedenen Seiten ein Bericht gewünscht wird, kommen wir diesem Wunsche hiermit nach. Schon vor seiner Wiederausstellung hac Herr Tr. Werner in einer großen Zahl von Orten des Wahlkreises gesprochen. Tie eigentliche Versammlungstätigkeit setzte sofort nach der am 13. Tezember aogehaltenen Vertrauensmänner-Ver- fammlung ein. Herr Tr. Werner sprach bis jetzt in einer sehr großen Zahl von Orten und sand saft überall begeisterte Zustimmung. In der ersten freisinnigen Versammlung in Grünberg, die schwach besucht war, trat ein Pfarrer aus der Nachbarschaft Herrn Erkelenz entgegen. Herr Ertelenz gab zu, daß die Freisinnigen den Zolisu)utz verhindert haben wurden, wenn sie die Macht dazu gehabt hätten, jetzt fei er aber nicht so ohne weiteres ab- zuschassen. In Harbach sprachen als Gegenredner gegen Herrn Erkelenz mehrere Leute aus der Nachbarschaft und fanden die Zustimmung der ganzen Versammlung^ In L a u t e r, N o n n e n r o l h, L b e r o e s s i n gen, in M ü n- fter, wo ein paar Sozialdemokraten dem freisinnige.: :lled- ncr Beifall zollten, uno in N i e d e r - B e s s i n g e u erzlllleu unsere Redner in den gegnerischen Ver,ammlungen großen Erfolg. In Saasen, wo wir selbst eine Versammlung veranstalteten, kam unser Redner aus die vcrschieoentlich behaupteten 44 Prozent allen Bodenoesitzes, ja sogar bed Ackerlandes, die der Großgrundbesitz in Hänoen haoeu soll, zu sprechen. Er bewies aus dem statistischen .(abrönch nir das Großherzogsum Hessen gerade bas Gegetnell, woraus auch heroorgrug, daß aus den Grvßgruuobesltz, den Wald rnüeingerscy.iet, noch keine 10 Prozent» FABRIK1 ohne Wald noch keine 5 Prozent kämen. In Nidda kam es allerdings zu einer sehr stürmischen Versammlung, wo die Gegner versuchten, unsere Redner niederzuschreien, überhaupt nicht zum Worte kommen zu Lassen. Es wirft dies ja ein sehr eigentümliches Licht auf die wenig politische Schulung gewisser Leute, die ja auch in dem Bericht über die Werner-Versammlung erwähnt wurde. In der Niddaer Versammlung wurde auch die Behauptung aufgestellt, die Wirtschaft!. Vereinigung habe gegen das Reichstagswahlrecht in Elsaß-Lothringen gestimmt. An £xinb der amtlichen Drucksache wurde sofort nachgewiesen, daß die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung einstimmig dafür gestimmt hat. Genau so ist es mit der anderen Behauptung, daß die Wirtschaftliche Vereinigung bei der Rcichsversicherungs- ordnung gegen die Herabsetzung der Altersrente auf das 65. Lebensjahr gestimmt habe. Die Aussichten für unsere Kandidatur sind durchaus gu'te. Wenn ufyere Freunde am Wahltage wie sonst ihre Schuldigkeit tun, dann wrrd der Erfolg nicht ausbleiben. Gestern abend sprach Dr. Werner vor überfüllter Versammlung ift Grün berg und erntete langanhaltenden stürmischen Beifall. In der Diskussion sprachen u. a. Rechtsanwalt Kaufmann und Rechtskonsulent Iöckel-Grünberg. Letzterer Trat aks nationalliberaler Vertrauensmann mit Entschiedenheit für Dr. Werner ein. Auch in Griinberg und Umgegend dürste unser Kandidat starken Zuwachs erzielen. Dr. Werner ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift, die zwar keine Berichtigung enthält und manches in der Gießener Versammlung von ihm bereits Ausgeführte wiederholt, die wir aber gleichwohl nicht zurückweisen wollen. Daß es ein großer Fehler war, die Erbschasts- steuer bei der Reichsfinanzreform abzulehnen, haben wir öfter dargetan, und unseres Erachtens kann dieser Fehler auch durch die neuesten Ausführungen von Dr. Werner nicht entschuldigt werden. Zahlreiche Konservative sogar haben in diesem Punkte ihrem Führer Heydebrandt Opposition «gemacht. Dr. Werner schreibt: Auf die Veröffentlichung des freisinnigen Wahlausschusses erwidere ich: 1. Die Erbschaftssteuer besteht seit 1906 und brachte 1911 den Betrag von 39 Millionen Mark ein. 1909 sollte sie ausgedehnt werden auf Kinder und Ehegatten. Der Ertrag dieser Steuer itrar von der Regierung auf 55 Millionen veranschlagt, hätte also bei einem Steuerbedarf von 500 Millionen keinen Pfennig indirekter Steuern erspart. Das sagt man den Leuten im Lande aber nicht. An die Stelle ber Erbanfall steuer auf Kinder und Ehegatten traten Talon- und A k t i e n st c m p e l. Allein die deutsche Bank hat im Jahre 1910 den Betrag von 400 000 ML. für diese Talonsteuer aufgebrackst. 2. Die Kartoffelhandelsgeschichte von Wiesbaden hat mit der Stadt Wiesbaden gar nichts zu tun. Sie stand zuerst in dem „Wiesbadener Tageblatt" und dann in der fteisinnigen Hess. Landeszeitung. 'Dann haben diese beiden fteisinnigen Zeitungen also nach freisinnigem Urteil ,-alles von A—Z erfunden"? 3. Die Getreideeinfuhrscheine sind ein freisinniges Kind: sie wurden 1894 auf Betreiben der Freisinnigen unter Führung des verstorbenen Abgeordneten Rickert eingerichtet. Sie werden heute noch vvm Königsberger Freisinn unter Führung des Abgeordneten Gyßling im Jnterqse des ostdeutschen Getreidehandels unbedingt verlangt? Weshalb aber sagt man den Wählern nicht, daß seit dem 1. Dezember 1911 dieses Einfuhrfcheinsystem geändert ist, daß die Tauer der Scheine beschränkt und die Rück-Einfuhr von Petvo- leirrn und Kaffee statt Kvrn verboten ist? Aus Lang-GönS erhalten wir von sechs Abonnenten folgende Erklärung mit dem Ersuchen um Abdruck: In vielen gegnerischen Versammlimgen wird stets die Behauptung ausgestellt, daß s. Zt. Herr Pfarrer Ko rel l in L a n g- Göns nicht zum Worte gekommen sei: daß sogar Ausschreitungen gegen ihn vorgekommcn seien: ja, ein Wähler in der Werner- Bersammluna am vergangenen Freitag in Gießen behauptete, „man sei sogar mit Mistgabeln auf Herrn Karell eingedrunge n". , Wir erklären hiermit ausdrücklich, daß Herr Pfarrer Korell damals seinen Vortrag, in dem sachliche Zwischenrufe fielen, beendete, so daß Herr Pfarrer Korell am Schlüsse der Versammlung noch seine Genugtuung darüber aussprach, daß er seine Ausführungen ruhig zu Ende führen konnte. Aus brm Wahlkreis Friedb-rg-Budingen. wird unS vom 10. Januar noch geschrieben: Tie Wogen des Wahlkampfes sind nach Weihnachten höher und höher gegangen. Alle Parteien haben nochmals die gesamten Kräfte zusammengerasft, die im Wahlkreise selbst zur Verfügung stehen oder aus Nachbarkreisen von befreundeter Seite geliehen worden sind. Es ist viel gearbeitet worden, besonders von den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten, denen am meisten Zeit zur Verfügung stand, da ihre Kandidaten schon vor langer Zeit ausgestellt worden sind. Die Sozialdemokraten haben diesmal mehr im Stillen gearbeitet, man hat von ihren Versammlungen, zu denen ihnen besonders von Frankfurt agitatorische Kräfte zur Verfügung standen, wenig gehört. Dazu erneut sich ihr Kandidat, der seitherige Mandatsinhaber und Landtags- abgeordnetc B u s o l d - Friedberg, im Wahlkampfe des Vorsprungs, daß er den Wählern von dec Reichstagswahl 1907 und der Ersatzwahl 1910, sowie von der Landtagswahl in Vilbel her schon bekannt ist und sich deshalb nicht überall vorzustellen brauchte. Seine Hochburgen sind die Vilbeler Gegend und vor allem die Städte. Heute wird er in Bad-Nauheim, am Vorabend der Wahl in Friedberg Versammlungen abhalten. Ob er aber im ersten Wahlgange wieder die Stimmenzahl auf sich vereinigen wird wie bei der Ersatzwahl 1910, ist diesmal sehn in Frage gestellt. Einmal gehen ihm in Bad-Nauheim 200 bis 300 Stimmen verloren, die er dort im Sommer 1910 vom Saison- personal erhielt, dann kommen auch viele freisinnige Stimmen für ihn in Wegfall, die, da die Fortschrittspartei 1910 keine eigenen Kandidaten nominiert hatte, schon im ersten Wahlgang, zu ihm übergegangen waren. Eine fleißige agitatorische Tätigkeit hat der von den National- liberalen aufgestellte und vom Bund der Landwirte unterstützte Kandidat Landgerichtsrat Dr. Strack-Gießen entfaltet. Wenn er auch durch seine frühere amtliche Tätigkeit im Wahlkreise nicht unbekannt ist, so tritt er hier aber politisch zum erstenmal aus und mußte sich daher den Wählern in ausgiebiger Weise bekannt machen. Und das ist geschehen. In den 113 Orten des Wahlkreises sind rund 100 Versammlungen für ihn abgehalten worden, in den meisten hat er selbst gesprochen. Das war nur dadurch möglich, daß ihm außer einigen nationalliberalen Wahlhelfern sämtliche Bündlerführer in Friedberg-Büdingen zur Agitation zur Verfügung standen: v. Helmolt und HirschelFriedberg, Hensel-Dortelweil, Weid-Nieder-Wöllstadt u. a. Erne Tatsache, die die Aussichten Stracks auf dem Lande sehr g ü n st i g gestaltet hat, die aber andererseits, obwohl sein von versöhnlichem Geist getragenes und echt patriotisches Programm allgemeinen Beifall gefunden hat, ihm in den Städten doch manche Stimme verscherzt hoben dürfte. Außer der Entfremdung durch die Wablhilfe der Bündlerführer werden manche Wähler in den Städten, die an dem wirklich nationalliberalen Programm -in. Stracks selbst nichts auszusctzen haben, durch das dem Bunde gegebene Versprechen des Kandidaten, er wolle im Falle seiner Wahl der nationalliberalen Fraktion nur als Hospitant beitreten, davon ab stehen, ihm im ersten Wahlgang die Stimme zu geben. . Verhältnismäßig spät konnte der Kandidat der fortschrittlichen Volkspartei, die die Nationalliberalen wegen des Zusammengehens mit dem Bund der Landwirte diesmal nicht unterstützt, in die Agitation eiitireten. Seminarlehrer Leucht- ge n s - Fiüedberg wurde erst kurz vor Weihnachten aufgestellt. Er hat, obwohl ihm nur wenig Wahlhelfer ^ur Verfügung itanben, in den wenigen Wochen aber eine intensive Tätigkeit entialtet. Gegen 40 Versammlungen sind für ihn abgehalten worden, in rund 30 hat er selbst gesproch.'n. Jo-eule wird Lcuchlgens noch in Friedberg sprechen, wo er als Stadtverordneter auch großen Anhang hat. Ganz in der Stille und unter Ausschluß der Oefsentlichkeit hat das Zentrum gearbeitet, dellen Kandidat Rechtsanwalt Schröder -Friedberg ist. Ter Ausgang der Wahl ist wvhl: Busold und Stvack werden in die Stichwahl kommen. Tie nationalliberale Korrespondenz erläßt folgende Aufforderung: Die Wahlkreis-Vorsitzenden in benjentgen Dahlkreiien, in welchen die Nationalliberale Partei mit eigenen Kandidaten im Wahlkampfe steht, werden dringend gebeten, keinerlei Stich- wahlsonderabkommen zu treffen, sondern ihre Dünsche an die Vorsitzenden und führenden Vertrauensmänner der bundesstaatlichen und provinziellen Organisationen so rechtzeitig weiter zu geben, daß diese Herren, die zum 16. Januar von feiten der Parteileitung der Nationalliberalen Partei zu einer Sitzung nach Berlin berufen sind, die Interessen der in Frage kommenden Wahlkreise entsprechend zu vertreten in der Lage sind. Vom Bund der Landwirte. Berlin, 11. Jan. Die „Deutsche Tageszeitung" gibt in ihrer heutigen Nummer die L i st e d e r j e n i g e n Reichstags- kandidaten bekannt, die der Bund der Landwirte auf- gestellt hat oder aber unterstützt. Es handelt sich dabei außer flinf Kandidaten des Bundes der Landwirte um 134 Konservative, 34 Reichsparteiler, 7 Nationalliberale, 32 Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung und einen Bauernbündler. \ Hochwasser. Der Neckar und die Fils führen seit heute früh derart Hochwasser, daß der Neckar bereits ausaetreten ist. Weiteres Steigen und Verkehrsstörungen toerden be« fürchtet. ~ Märkte. Limburg a. d. Lahn, 1q. Fan. Fruck t markt. Durch- schntttspreis oro Platter. Roter Weizen (nassauischer) 17,50 Ht, weißer Weizen (anqebaule Zrenidsorte) 1 >,00Mk^ Korn 14,00 'Ulf., Gerste: , uttergerste 00,00 Pik., Braugerste 13,50 Pit,. Haier Pik. 9,40, terblen Pik. 0,00, Kartoffeln 7.tiu—8, 0 Pik. Sicher und schmerzlos wirkt daö echte Radlauer'sche Hübner» ugenmittcl. Fl. GO Psg. 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Jan., abends M Uhr von ihrem MdlkM Kkdmlh in nicht» Jede Hilfe ist willkommen^. unter der Wahlarbeit wohl v"/, Rkt.-Lib. Partei. 1871-1911 ZorWittl. Polkspartei 44 H Der liberale Wahlausschuß. ln/t. fehlungen tllkr'ichr Hiiboer- Konen-'Avotdkke, Drogerien. isl11;1 Laut eines in diesem Blatte erschienenen Inserates richtet der Wahlausschuß der liberalen Parteien an die Herren Chefs die dringende Bitte, ihre Angestellten zu der Wahlarbeit in großer Zahl beurlauben zu wollen. Da Um uns die Arbeit am Wahltage zu erleichtern, bitten wir alle Anhänger und Freunde unserer Sache dringend, möglichst schon und dringend erbeten! An die Herren Chefs richten wir die dringende imarkt. Tutd)* lieber) 17,50 M, , Rom 14,00 M., [3,50 'M. Haier 'M 'eit heute früh itö ausgetreten en werden bc- mir dringcndst jüngere nnd ältere Herren, ebenso unsere Aussprache. Damen, ganz besonders aber unsere akademische und kaufmännische Jugend, sich uns an diesem Tage in großer Zahl zur Verfügung zu stellen. Wir laden zur Organisation dieser Wahlarbeit ein auf liberale Rekhstagswäbler! Wenn jemand durch irgend einen Zufall nicht in den Besitz unseres Stimmzettels gelangt ist, so nehme er einen gegnerischen Zettel, streiche den darauf stehenden Namen mit Tinte durch und versehe ihn mit der Aufschrift Anton Erkclcnz, SBetfcmMctrctär. Referenten die Herren: Landtagsabgeordneter Iustizrat Grüuewald-Gtetzen Oberpostassistent Jencck-Frankfurt a. M. fort erbeten. Der Wahlausschuß der am Wahltage in der Stadt Gießen. Zur Leistung der am Wahltage, Freitag, den 12. Januar, unbedingt notwendigen Wahlhilfe ersuchen Ams güt in Reichstags- inbtoirtt tm> U dabei außer 0' Kvnjewalive, tret« der Wirker. in Butzbach wieder zu vereinigen. Keiner bleibe zurück! Der liberale Wahlausschuß. in den oberen Saal des Restaurant Metropol Plorkstratze. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Reichstalzswahl. Wir machen darauf aufmerksam, da», die Wahl- handluna pünktlich um 7 Uhr aeschlosscn werden must, und das; nach 7 Uhr niemand mehr absrimmen kann, auch wenn er schon vor 7 Uhr tm Wahllokal anwesend war. Giesten, den 10. Januar 1012. Grasch. Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Keller.B»/, Der Wahlausschuß für die Kandidatur Dr. Werner. cke> SK and;^u3utf’ r°rn1*^H?nb u- Mil- 'Ä ' br°° nd — Aufforderung! Wir fordern alle nationalgcsinnten Wähler in Stadt und Land auf, am Wahltage ihre Stimme aus den seitherigen bewährten Abgeordneten Dr. Ferdinand Werner g ®iibe °llhler LtD9ta ? roegen 'in LÄ’ Ard oe"en Äonbüdt teerten in nur die für die liberalen Parteien zu verstehen ist, so kennzeichnet sich dies als eine Wahlbeeinflufsung grober 4lrt. Denn von jedem Beurlaubten, der nicht für das liberale Wahlbur.au tätig ist, und ebenso von jedem, der sich nicht beurlauben lätzt, aber auch von jedem Prinzipat, der der Bitte nichft nachkommt, muß zunächst angenommen werden daß er kein Freund des Kandidaten Erkelenz ist. Ei« greunb der Kandidatur Werner. Dablkrnsen, wibaten im trlet StiL, wünsch: ln£r der Kunde-- ■e($tieiti8 weiter c von feiten der ier ^dunanLch MtnendenWahl- M ieT 9 w’ & Staats-, Gemeinde- nnd Privat- WGhlhtlK Beamten u. Bediensteten ö ö I am Donnerstag, den 11. Jannar, abends 9 Uhr, im Hotel Einhorn B1 >tag,r».Jauur. m. 3 Mr, uierbti- Zur teilweisen Deckung der Unkosten werden 30 Pfg. Eintrittsgeld erhoben. v11/, $tronitn(ftt lom Alldeutschen Verband. Günstige Gelegenheit -zur Ansiedelung tm Badischen Cbcrlanb bietet nch groster Sirntn oder kapitalkräftigem Fachmann durch Hebern ahme einer im Betrieb bcfindiichcn neu ein gerichteten und bedeutend erweiterungsfähigen ss'®lx Zigarren-Fabrik in bester Ganend. Bahnstation. — Gesl. Anträgen unter F. V. Z. 260 durch Rudolf Mosse, Frankfurt a. M. meitbneten Pav Sä Chaussee und dem lineg. A .... E B‘/i Mag, 18. Jan. chuiitiagö 3 Ubr. n unserem AM le dem Georg W .©eitel rugeschlik' chstehend veue't' «ellen versteigert Ci .©rabaarten iqm au! dem qw Sand in btt 1 ISchwarzla» bett 23. M M ft, Orlsaenchl. Gros. —- Der Wahlausschuß. ______________ NciWaWahst^essentliche Versammlung Bitte, hierzu wie zu der Hauptarbeit am Wahltage ihre Angestellten in großer Zahl beurlauben zu wolle».iMMtag, 18.3mm, 8I4UH in TtmS Ernten: Reibungen °n d°s Wchwüro, T-<-ph°u »»». ^gjoIl8glllNlIlINsj8söi8k. Unter gütiqer Mitwirkung v. Frl. J. Stammler (Gesang), Herrn J. Hahn (Klavier) u.d. Bauerschen Gesangverein. Festrede: Privaidozent Dr. A. Wirth, München Or. Werner. Unsere Freunde versammeln sich am Wahltagabend im W" Lenzschen Felsenkeller in Gießen zur Entgegennahme des Wahlergebnisses. V. , der auch im Bülowblock mit den 5^0 servat den und D“/i 9ll Di Ceften Lchiffa heifcn im ?au lieben t timen; itimmun öfterreid den, die sam zu wie sie bi Fall, da den Lchi aus der gelangen Regierm treten w einen vi leit dazt gesamte durchs und dadl vchiffch schale we Unsere Gegner Können nicht bestreiten, daß auch in unseren Hochburgen die freisinnigen Versammlungen ruhig durchg^führt werde« konnte«. In freisinnigen „Hochburgen" sieht es leider anders aus. . M . Und in freisinnigen Flugblättern und Versarnrnlungsberichten toivb geflunkert, dast es eine 41 rt har. war die allezeit für Wucher-, schrankenlose Gewerbe- und Aktienfreiheit eintrat! , ___ Die Mittelstandsorgane (Kolonialwarenzeitung, Handelsgärtner, Mittelstandszeitung usw.) schreiben darüber ganz ander . Wer hat denn für alle Mittelstandsgesetze gestimmt und wer dagegen? Nun, der anffteklärte Wähler weis; Bescheid I . n m . 10 Die Wähler werden gruselig gemacht mit den behaupteten 44%, die der Großgrundbesitz in Hessen von a em run UN o en, nach *”* 'Sich- «... — d°" •*-** "-»"?• i’s- dHen Grund und Boden einschließlich Wald mitrechnet, so besitzt er in Hessen 55 000 Hektar — 9,6 c, alle anberen ^sitzen § ' jy aHen Laßt man den' Wald weg und rechnet nur landwirtschaftlich benutzten Boden einschl. Weinberge, Garten und Weideland, so kommen auf dre Großen nur 19000 Hektar = 4,76%, auf die Kleinen aber 408000 Hektar --- 95,24%. srtMn n* Aber vielleicht haben die fortgeschrittenen Rechenkünstler den Großgrundbesitz viel früher- etwa von 20 Hektar an gerechnet' dann stellt sich wenn man nur den landwirtschaftlichen Besitz wie vorstehend zahlt, der Brotzbesitz auf 65000 Hektar =18%, der klemb sitz A ^2 000 Hektar = 82%. Auch hier fau.cn also keine 44 «o heraus. Wie kommen die Freisinnigen zu ihrer interessanten und pikanten „Wahrheit ? Rechnen sie den 0(8rotzbesitz vielleicht noch früher, etwa von 20 Morgen an? Neichstagswähler! Glaubt ihnen nichts mehr: Ihr wißt nun Bescheid! ♦* N W wird feiner Lo ^ralterii; Jolle, wes «rtcien z ptbtfcieben ta&rtei rang des 5 w-N'di ^.etroas «eiierbeftt tomard | d «bet Warnte A ^lhen ' auch febic *Noi ^^rbto gut v gr WS n^lt QU griZ kff f®. "achs, ginnten jäb,'lVn öerltQiiiii ^Qnfinrte hin i or-fü Achtet D( Hier die Beweise: 1. Man wirft der Wirtschaftlichen Vereinigung vor, sie sei eine Fraktion Kraut und Rüben. Was ist die Wahrheit? Unsere Fraktion stimmt in allen wichtigen Wirtschaftsfragen geschlossen. Was beweist das, wenn in einzelnen Fragen einzelne anders stimmen? Kommt das nicht bei jeder bürgerlichen Fraktion, bei den Freisinnigen aber,am allermeisten vor? Wie war es doch bei der Gesamtabstimmung über die Rrichsvcrstchirungovrünung . Fre ft "t. 24 ja, 10 nein, 14 Khlen. Wo war denn die Einigkeit im Freisinn bei der Frage der t'oljnämtcr, beim ^e.marbeitogejetz, bei den Schrnahnsabgabrn usw.. 2 Ter frfitoartblaue 'Block. Er spielt in den Reden des Freisinns die allergrößte Rolle, desselben Freisinns der,, wie Bebel IM Reichstage noch vor kurzem sagte, 1<> Iah c lang mit dem Z „ttimi flemoge't bot, bei auch im Bülowblock mit den Ko'rrva^ven und „Antisemiten" (!!) zusammensaß und dessen Redner noch heute das Scheitern dieses Bülowblocks beklagen, weil der Freisinn mit diesem (leider) das beste Bes^^(ft e die freisinnigen Abgeordneten Julius Kopsch und Fischbeck die (so schriebK-pschselber an "si^n Hentrumspfarrer^ dem Zentrum immer freundli«, g>genüberstande»? Will man das ...cht wiffen? Und sagte nicht selbst der freisinnige Abg. vausirnann, als bet der elsaß-lothringischen Derfassungsfrage das Zentrum mit der Linken ging, er wuu siche sich einen iolchen «lock (--'"le "vdZ> "tr"rn) für die uüchsteu ReichSlagSwahleu? Bon einem fchwarzblauen Block ist aber keine Rede. Jede Fraktion stimmt so ab, wie sie es für sind, i« 3£ Mteilui richtig' seiner läge;n verwehr, nicht e die W machen > liebe läufig Ä aeschlnge um etrnc von etwc Teil baz 2 Latail tzei diesc icchnischc Pann h werden , mllung oung ge von etn dieser nicht je bereits nicht bi Leerest Leerest Lstern richtig hält. e 3. „Der „Autiiemitismus" hat abgewirtschaftet." 3ft's auch wirklich wahr, oder geht er nicht eher zu Grunde, bis er überflüssig wird? Warum macht mau denn so ungeheure Anstrengungen, um einen „abgewirtschafteten" Gegner zu bekämpfen. 4. „Die Wirtschaftliche Bereinigung vertritt den (Sroftgrnndb.sitz". So? Wo liegen denn unsere Wahlkreise? Im Iunker- lande? Wer sind denn unsere Wähler? Großgrundbesitzer oder kleine Leute? Sehe man sich doch die Wirtschaftliche De^imgung des Reichs ages an! Kleinbauern, Han werter, Kaufleute, Arbeiter, Beamte bildeten ihren Bestand. Sind das Junker? In welcher Partei sitzt aber der Fiveikominiftdefitzer R-ichsgraf vou ^othmer mit 12 000 Hektar Land? Wo die „neuen" ^t-oftgru-dtn jist r vom Borsenadel . J.o Ritter- gutsbesitzer Becker-Lachrnannshagen, Domänenpächter Fegter? Bei uns? Rein, in der „Fortschrittlichen Lolkspartei. 5. „Die Wirtschaftlich> Vereinigung hat für die neuen Steuern gestimmt uud das Vo’t belastet." Ja, wollten denn die Freisinnigen nicht sogar noch 5)0 SAillioueu indirekter Steuern mehr bewilligen. ™ . -> Wollten sie nicht den Tabak doppelt so hoch besteuern, als er besteuert worden ist, und zwar nach dem Gewicht statt nach Wert. 6. „Die Wirtschaftliche Vereinigung hat gegeu die Aufh düng der Züudholzsteuer gestimmt." Auch das ist unwahr! Um eine Abstimmung hat es sich am 10. und 11. Januar des vergangenen Jahres gar nicht gehandelt, sondern um eine Interpellation, bei denen bekanntlich eine Abst.n mu> g nicht stattsindet. Wenn unser Abgeordneter Lattmann am 1L Januar dafür sprach, daß an Stelle der Zündholzsteuer die Dividenden- und Kotierungösteuec treten mochte, so beweist das, wie wir zu dieser Angelegenheit stehen. 7. „Wie steht Dr. Werner zu den Konsumvereinen?" . . , Nun sein und unser Standtpunkt ist zur Genüge bekannt. Die Konsumvereine sind nicht in der Lage, billiger zu verkaufen als die Fach» aesckäfte. Sie'sind überall da überflüssig, wo, wie z. B. in Gießen, leistungsfähige Firmen genug ^oroandeu sino^ Und die Landkonsumvereine? Ja, wer liefert denn diesen die Waren? Der meist freisinnige flädkuche Großhändler, und reser begründet auch zahlreiche neue Vereine auf dem Lande, um neuen Absatz zu haben. Uns ist ein solcher Grossist bekannt, oer acht Konsumvereine in Landortcn selber begründet hat. Was nun die Besteuerung der Konsumvereine mit offenen Läden anlangt, so tritt unser Kandidat !ür ihre stenerliche Gleichberechtignng ein, aber nicht wie das vielfach der Fall, für chre steuerliche Bevorzugung gegenüber dem selbständigen Mittelstand, der nicht verschwinden darf. 8. „Das angebliche Warenhaus des Bundes der Landwirte; Offiziers- und Beamteuwarenhäuser." lllun, wenn taftächllch eM^olch^s Warenhaus besteht, warum lassen denn die Freisinnigen nicht ordentlich die Steuerschraube anziehen? Warnm stimmten denn die Freisinnigen im Pieustljchen Laudt'g einmütig gegen die WarenhauSsleuer. 9. „Wir sollen Feinde des Mittelstandes sein?" Das sagt die Partei, die , _ gegen jede Stcucrbclastung der Börse Wählt den Mann der schassenden Stände in Stadt und Land Dr. friiiiiiiiiiii Wmtt in Öntilmdi. Der Wahlausschuß.