Montag, 8. Juli M2 162. Jahrgang erster Blatt ichener AMger wir diese Gesinnung er meldet aus Baltisch Äeußerungen einer freundlichen oder gegen Deutschland gebracht hat. Daß widern, bedarf keiner Versicherung. vezu chSpret»: monatlich 75Vf^viertel- iäbrlid) Ltk. S.20- durch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich 05 Pf.: öurdj die Bost 'Ulf. 2.— viert el- jäbrl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: totallö'iii^ auswärts 20 Pfennig. Lhesredatteur: dl. Goetz. Berautivortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille- ton-, .Pennischles' und ^Gerichtssaal": K. Neurath-, für .Stadt und Land": E.Heß: für den Anzeigenteil: H. Beck. Die Xaiserzusanimenlunst in valtisch port. Das politische Ergebnis. Wolffs Bureau berichtet: Battisch-Port, 6. Juli. Die Begegnung des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland trug einen besonders herzlichen Charakter und bildete einen neuen beweis für die Freundschaftsbeziehungen, die die beiden Herrscher seit langen Jahren verbinden. Der Gedankenaustausch, der aus diesem Anlaß zwischen den in Begleitung der Majestäten befindlichen Staatsmännern stattgcstlnden har, ergab aufs neue den f e ste n E n tf chlu ß, die zwischen beiden Ländern bestehenden altehrwürdigen Traditionen hochzu halten. Die politischen Aussprachen, die sich auf sämtliche Tagesfragcn erstreckten, befestigten beiderseits die Ueberzeugung, daß es für die Interessen der beiden Nachbarreiche und des allgemeinen Friedens dauernd von der höchsten Bedeutung bleibt, die wechselseitige auf gegenseitigem Vertrauen ruhende Fühlungnahme aufrecht- «rerhalten. Es konnte sich weder um neue Abmachungen handeln, da hierzu ein besonderer Anlaß nicht vorlag, noch auch darum, irgendwelche Aenderungen in der Gruppierung der europäischen Mächte herbeizufuhren, deren Wert für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und des Friedens (ich bereits erprobt hat. Die Begegnung in Baltisch-Port kann daher mit vollem Recht allenthalben mit Genugtuung begrüßt werden. Während sie einerseits eine feste, dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet sic andererseits auch einen beredten Ausdruck der friedlichen Grundrichtungen, die die Politik beider Reiche in gleichem Maße bestimmen. Ueber den letzten Teil der Zusammenkunft liegen fol- — Alma-Tademas Begräbnis. Sir Laurence dllma-Tadema wurde am Freitag zu Grabe getragen und zwar hat er seine letzte Ruhestätte in der historischen St.- Pauls-Kathedrale zu London gefunden. Seine sterblichen Ueberreste wurden in dem „Malerwinkel" der Krypta untergebracht, und zwar in der Nähe des Grabes, in dem der im September 1910 verstorbene bekannte Maler Hollman Hunt ruht. Selbstverständlich ging die Bestattung mit größter Feierlichkeit, welche die „Royal Academy" leitete, vor sich. Der Präsident der Akademie, Sir Edward Poynter, und einige andere hervorragende Mitglieder fungierten als Leichenträger. ff. Napoleon als Opernheld. Am New Yorker Metropolitan-Theater wird im Januar des nächsten Jahres eine neue Oper aufgeführt werden, die Napoleon zum erlten Male singend auf die'Bühne bringt. Es ist eine Overnbearbeitung der Sardouschen dramatischen Komödie „Madame sans Göne", die der Italiener Giordano zu einer Textbearbeitung des Librettodichters dLimoni geschrieben hat. Kein geringerer als Verdi war c5, der den Komponisten nach seiner eigenen Erzählung auf den Opern- fiaif hrnwies und seine Einwände, man könne sich Napoleon nicht aut singend aus der Bühne denken, wiederlegte. Was Verdi dagegen angeführt haben soll, klingt allerdings mcht recht stichhaltig Verdi soll nämlitf) Giordano gefragt haben, ob er etwa Napoleon gekannt habe, und auf die verneinende Antwort er Härt habett: „Kennen ihn etwa die Leute, die heute ins Theater gehen? Ich glaube es nicht! Und warum soll er nicht haben fingen können? Ich könnte nun auch einen Napoleon nicht verstehen, der auf der Bühne eine Romanze sänge und dabei typisch die Hand in den Rock streckte. Tas geht nicht. Aber wenn man Napoleon bühnengemäß bearbeitet, kann er auch in der dratischen £per singen." Verdi meinte , ebenfalls, es käme dabei aus den Versuch an, und diesen Versuch will Giordano nun wagen. A^r- dings hat er sich weislich davor gehütet, in seiner Over „Madame sans Gene" den Napoleon so fingen zu lassen wie die anderen Mitspielenden. Napoleon, der übrigens erst im dritten und letzten Akte des etwas zusammeirgestrichenen Werkes auftritt, übc^lätzt das Singen eigentlich dem Orchester, während er sich selbst aus eine gesangliche Teklamation beschränkt. Bei der ersten Aufführung wird die Farrar die Katharina singen, Caruso den.Lefebre Tie „Kölnische Zeitung" meldet aus Baltisch- Port: Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, herrscht sowohl im deutschen wie im russischen Hoflager eine durchaus befriedigende Stimmung. Der Verkehr zwischen beiden Kapern und deren Familienmitgliedern gestaltete sich sehr anregend und freundlich. Der Reichstanzler batte loieberbolt längere Besprechungen mit den russischen Ministern, die vom Geiste gegen- Prefststimmkn. Die„NorddeutscheAllgemeineZeitung" schreibt : In deut Geist, wie sie geplant war, ist die Kaiserzusammenkuntt vor Baltisch-Port verlausen. Schöne Tage ungetrübten Bei- ammenseins rourbcn unserem Kaiser durch die Gastfreundlchaft des Kaisers Nikolaus in den russischen Gewässern bereitet. Sie Verliesen in heralirftcm verwandtschaftlichen Verkehr zwischen den Mitgliedern der beiden Herrscherhäuser und boten Gelegenheit zu offener lind vertrauensvoller Beiprechnng der politischen Fragen durch die Monarchen und ihre Minister. Ueberraschungen tollten dabei nicht vorbereitet werden. Der Wert der Aussprache liegt darin, daß sich aus beiden Seiten der Wille gefestigt hat, dauernde Fühlung zwischen Deutschland und Rußland in den großen Tagesragen zur Wahrung des europäischen Friedens zu unterhalten. Tie vor Baltisch-Port ausgetauschten deutsch russischen Freund 'chastskundgebungen sind in der Presse entstellenden Deutungs- versuck»en weniger ausgesetzt gewesen, als frühere Zusammen- lünste. Wir möchten namentlich mit dem Ausdruck der Befriedigung darüber nicht zurückhalten, daß bei der Ankunft, Kaiser Wilhelms in den rin Hieben Gewässern die russische Preße viele unbefangenen Gesinnung )er „Hohenzollern" konzertierte. Die Abschiedsfrühstücktasel war an Bord des „Standart". Nach der Tafel geht die „Hohenzollern" mit den Begleitschiffeit in See nach Swine- münde, wo die Ankunft morgen abend vorgesehen ist. Der Kaiser gedenkt sich am Montag vormittag zu kitrzem Aufent- )alt nach dem Neuen Palais zu begeben und am Dienstag nach Swinemünde zurückzukehrcn und von dort die Nord- andsreise anzutretcn. Der Reichskanzler mit dem Wirkt. Geh.-Rat Graf v. Mirbach-Harf und Adjutant Freiherr . Sell begibt sich heute von hier über Reval nach Petersburg. Swinemünde, 7. Juli. Die „hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist, gefolgt von dem „Sleipner", heute nachmittag unter dem Salut der Festung hier enige- taufen. Das Wetter ist herrlich. Potsdam, 7. Juli. Der K a i s e r traf 11 Uhr 6 Mrn. von Swinemüirde kommend im Sonderzug auf der Station Wildpark ein und begab sich ins Neue Palais. meint": Wir haben unserem Verbündeten niemals die Kränkung angetan, in dieser Monarchnbegegmmg geheime Kombinationen und verstockte Nebenabsichten zu suchen. Untere Vertrauen war immer voll und ganz geblieben. Wir haben diesmal wie m früheren Fällen ohne Beunruhigung geichen, rote bic beibcn JJio- narchcn ihre überlieferungsmäßigen Besuch? anniahmeu und wir bedürfen zu unserer Beruhigung weder der amtlichen Lornrnumque-? noch der balbamtlidwn '-Behauptung der „Kölnischen Zeittmg. xer französische Botschafter Louis wird von ^asonow die Verticherung erhallen können, daß Rußland und Deutschland fein für ötani reich beunruhigendes Abkommen getroffen haben. -^a*5 amtlich, dormmnnque, welchs feststellt, daß die Stimmung Europas immer mehr den Wunsch nach Gleichn'wicltt kundgibt, daß sich in hen diplomalischn Beziehungen nichts geändert hat und daß die Poliln Rußlands und Deutschlands von friedlichen Abtichten erfüllt ist, wird mit Befriedigung aufgenonrrnen werden. , Das Journal des T4bats" schreibt: Die CommnniguoS entsprechen der Erwartung der öffeMlichen Meimmg Europas. 'Wan müßte die Weltgeschichte eines Jahrhunderts verkennen, um sich einzubilden, daß Rußland eine Deutschland feindliche Politik verfolgt. Wenn es sich mit Frankreich verbündet hat, so wollte Htußland nur die Bestrebungen nach einem germanischn Uebergewicht zu Nickste inackwn und Frankreich gegen Herarls" forberungen schützen, also das europäifebe Gleichgewicht stwkrn. England läßt sich von denselben Erwägungen leiten, deshalb kann der Austausch von Freundschaftsbezeugungen zwischen Petersburg, Berlin und London in keiner Weise unser Mißtrauen wachrnfen, es ist unerhört, daß französische Politiker anläßlich derartiger amtlicher Kundgebungen den Argwohn der öffentlichen Meiming bald gegen Rußland, bald gegen England aufreizen. Diese Patrioten arbeiten nur den Gegnern in die Hand. Der „Gaulois' mant, die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen der deuNclwn und der russischen Regierung ivird da mit einem Nachdruck betont, der uns auf den ersten Blick überraschen mag, aber keinesivegs beiinrnIngen darf. Man darf nicht vergessen, daß die beiden Zander ihrer Nachbarsck>aft ioegen die Notwendigkeit empfinden, tu gutem Lin vernehmen zu leben. > iDienstag und Freitag): iioeiinal monatl. £anb> ■irt1d)afilid)t.'5citf ragen siernsprrch - Anschlüße: __ __ SS General-Anzeiger für Oberheffen Annahme VON Anzeigen Rotationsönid und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zleindruckerel R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulftraße 7. U o°rm^tta7"E'h" vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhosstrahe 16a. Runft Wissenschaft und Leben. — D i c Bedelitung derSalze für dasLeben. tzeit einiger Zeit ist man in der Lage, einzelne Organe und Zell- foinplere unseres Organismus auch isoliert „überlebend- zu erhalten, lücnn man sie in der sog. Kmgerschen Lösung aufbewahrt. ir-3 ift dies eine Salzlösung, die Kochsalz (Chlornatrium), Ehlor- fnlium und Clilorkalzium in einem Mengenverhältnis von WC : 3,2 :1,5 enthält. In einer gleichen Konzentration sind aber hie Salze im Meerwasser vorhanden. Cffenbar stehen also der Mensch und andere höhere Organismen unter dein Einfluß dieser Salzlösungen. Ties wird schon daraus ersichtlich, daß gewiße Vleerestiere, wenn sie in Seftidierte» Wasier getan werden, ab- terben. 2luch eine einfache Kochsalzlösung schützt sie nicht vor der Vergiftung, solidem stets erst der Zuiatz von Chlorkalzium und T Lilorfalium. Bei einer derartigen Wichtigkeit der Salze ist es uv erefiant, die Frage allgemein zu beantworten, welche Rolle die cü^c für die Erhaltung des Lebens svielen. Ter amerikaiiische Zhnsiologe Iacgues Löb beantwortete sie in einer neuen Unter |ud)ung dahin, daß die Salze die Zellumhüllungen .gerben' und nndurchdriiiglich marfjen. Tann kann das für junge Zellen in seiner Konzentration > esoiiderS gütige Kochsalz nicht in sie einbringen 3m übrigen beben die Salze sich gegenseitig in ihren Giftwirlungen dif und machen die Zellhülien sich gegenseitig undurchlässig. Nur in gewißer Koiizentration halten die Salze die Lebensfähigkeit der gelten aufrecht. Tie schädigenden Wirkungen falscher Kombinationen üiißern sich in einer Zerklüftung der Zellen, die oon her Oberslache ins Innere sortschreitet und sie in kleinste Teilchen zer- f) a f c f u e a r e - C) o l j". Ein Bibliotheksschrank, der iweifellos einzig in feiner Art ist, gelangt in den nächsten Tagen jit Loiidoii zur Versteigerung. Der Schrank besteht nämlich aus- schließlich aus Holzteilen, die von Orten flammen, welche entweder nut dem großen Tramatiker zu seinen Lebzeiten oerknüvft waren oder in feinen Werken erwähnt sind. Tie Holztette wurden von einem Amerikaiier namens W. C. Prescott, der mein aber in England weilte, gesammelt: er hat dieser Ausgabe mehr als die wallte eines Lebens gewidmet. 60 historische Gebäude, wie z. B. der Tviver in Loudon, die Westminster Abbey und das bekannte Kenil- worth Cafile haben Holzteile für den Bibliotheksschrank opfern müssen. 'Alles in allem besteht er aus 111 Stucken, und Mr. Wescott hat jeben Zweifel an ihrer Echtheit dadurch unmöglich gemacht, daß er sie sich urkundlich hat beglaubigen lassen. gcttbc Meldungen vor: Baltisch-Port, G. Juli. Abends um 8 Uhr war Tafel auf der „Hohenzollern". Kaiser Wilhelm empfing den Kaiser n n b d i e Kaiserin von Rußland und die Prinzcssineu-Töchtcr am Fallreep unb geleitete die Kaiserin in den Speisesaal, wo die Tafel mit reichem Taselschmuck und herrlichen dunkelroten Nelken dekoriert war. Rechts von Kaiser Wilhelm saßen zunächst die Kaiserin von Rußland, Prinz Adalbert, Großfürstin Tatjana, Bot- schifter Graf Pourtales, Großsürstin Anastasia und General ton Tatischtschow, links Großfürstin Olga, Großfiirst Nikolaus ^Nikolajewitsch, Großfürstin Maria, Oberhofmarschall Graf Eulenbitrg, .Hofdame Fürstin Obelenski und Wirklicher Geheimer Rat v. Valentins. Gegenüber dem Kaiser saß der rlaifcr von Rußland; rechts folgten zunächst der Reichs- kanzler v. Bethmann Hollweg, Ministerpräsident Kokowtzow, Srneraladjutant Freister v. Lyncker, Minister des Aeußcrn kassonow unb Generaladjutant Baron v. Rtöllendorff, links Generaloberst v. Plessen, Hausminister Baron Fredericks, : biniral v. Müller, KriegSmiE« General Szuchomlinow und Marineminister Admiral Grigerowitsch. Die Kapelle ter „Hostenzollern" konzertierte. In dem Programm be- Luiben sich Stücke von Tschaikolvski), Glinka und Ganne. russischen Herrschaften verließen die „Hohenzollern" vegen 11 Uhr. Nach dem Diner fanden kinomatographische iwrftil)ruugcn durch den Pstotograplten Jürgensen statt, wobei u. a. Szenen von der Nordlandreise des Kaisers im Jahre 1911 und von der Mittelmeerreise 1912 gezeigt wurden. Gestern abend nach dem Diner hielten die Majestäten ein Cercle ab, bei dem die Monarchen miteinander eine angeregte Unterhaltung pflogen und bei dem der Kaiser ücii yiüßland den Reichskanzler, wie schon in den ersten - Tagen, abermals in ein längeres Gespräch zog. Heute tormittag 10* , Uhr empfing der Kaiser auf der „Hohen- ?ollern" das Offizicrkorps des Regiments Nr. 75. Den $)errett wurden Erfrischungen gereicht, während die Kapelle Et. 158 Der Siebener Lnzekger erscheint täglich, außer BenntaqS. - Betlagen: viermal njötbentltcü tie6tner$amilienblätter, jioeimal möcbentl.Urei$> tl«ttfürbenKrei$6ie6en fettigen Vertrauens getragen waren. 9iom, 6. Juli. Die „Tribuna" schreibt zu der Katser- zusarnmenkunst in Baltisch-Port, die Zusammenkunft sei eine Bekräftigung der P o tsdamer Entrevue und beweise, daß daS von Bismarck erdachte System der Rückversicherung für den Frieden ein regelmäßiger Rhythmus in der europäischen Politik geworden sei. Ob aus der Zusammenkunft der Frieden zwischen der Türkei und Italien hervorgehe, wisse die „Tribuna" nicht und wolle es auch nicht erraten. Es sei möglich, daß die beiden Souveräne, deren Friedensliebe bekannt sei, hierüber Ideen austauschten und es sei zu hoffen, daß diese Ideen einem allgemeinen Interesse dienen würden. Ein weiteres Herumraten wäre unvorsichtig und müßig, besonders für Italien, dessen erste Pflicht sei, aut sich selbst zu rechnen. — „Popolo Romano" befont in feiner Wochenrundschau, die Wichtigkeit der Zusammenkunft vor Baltisch-Port bestehe in der Konstatierung des lebhaften Wunsches nach einem allgemeinen Frieden und gegenseitiger Freundschaft zwischen den mächtigen Nordreick^en, die verschiedenen MlianZ- systemen angehören. Ter bevorstehende Besuch des Reichskanzlers in Petersburg beweise den Wunsch Rußlands, die guten Beziehungen mit Deutschland nicht zurückzusetzen gegenüber den Interessen der Allianz mit Frankreich, die durch den bevorstehenden Besuch des Ministerpräsidenten Poineare in Petersburg und des Ministers des Aeußern Sasonow in Paris geschützt würden. Paris, 7. Juli. Das Kommunique über die Zusammenkunft von Baltisch-Port wird in der hiesigen Presse im großen und ganzen günstig besprochen. Ter „Temps" und der Bariton Amato den Napoleon. Nach der Aufführung in New York soll die Oper in Chicago, Philadelphia und anderen amerikanischen Großstädten über die Bühne gehen, und erst im Jahre 1914 soll sie zum Karneval auf italienischen Bühnen gespielt werden. — Deutsch- amerikanisches Sängersest. Aus Philadelphia, 5. Juli, wird uns gemeldet: Bei dem großen Sängerfest des nordöstlichen Sängerbundes, das unter Teilnahme von Tausenden von J.’iitglicDern deutscher Gesangvereine in Gegenwart einer zahlreichen iZestmenge m den letzten Tagen gefeiert worden ist, siegte in dem Wettsingen um den vom deutschen Kaiser gestifteten Sängerpreis der Junge Mannerchor zu Philadelphia. Ter Käferpreis, den der Männerchor bereits auf dem Sängerfest vor zwei Jahren erwarb, geht mit dem neuen Siege in seinen ballernden Besitz über. An dem Kaiserpreissingen nahmen außer dem oben genannten Verein die Vereine Williamsburg-Säugerbund- Brookliin, Arioll-Brooklyn und Kreuzer Quartettklub New York teil. Ter •ioranteuer Männerchor und die Neuwarker Concordia errangen gemeinsam den vom Kommerzienrat Stollwerck geuiftete» Wanderpreis. Tie Stadt Philadelphia, bereu Bürgermeister ein Teulsch- 'Amerikaner ist, zeigte bem Fest-Ausschuß das größte Entgegenkommen und bewilligte einen Geldbetrag. An dem Festzuge durch die itabt nahmen gegen 20 000 Sänger teil. - Ter Brooklyner Sängerbund hat heute zur Feier semes 50jährigen Bestehens auf dem Norddeutschen Lloyd-Tampfer „König Albert" eine Reise nach Deutschland angetreten, die ihn durch alle Teile Deutschlands führt. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen« schäft. Ter „Umschau" zufolge plant Dr. Siegftied Benignus im Herbst eine ForsckMngsreise in das alte Welserland Venezuela und zu den OuellengebietendesOrinoco. Die Wichtigkeit des Distrikts liegt nicht nur auf wissenschaftlichem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete, da dort viel Kautschuk, Kakao, Mineralien, Farbhölzer, vorhanden sind. — Der Tirettor der landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim, Professor Dr. von Ströbel, tritt am 1. Oktober aus GesiMd- heitsrücksichten von seinem Amte zurück. — Die Deutsche Arktische Erpedition Schrödcr-Stranz unternimmt Ende dieses Monats eine vorläufige Studienreise in das nördliche Eismeer. Petersburg, 7. Juli.* Reichskanzler Dr. v. B-eth- mann-Holl weg, dcr Botschafter Graf Pourtalös, Ministerpräsident Kokowtzow und der Minftter des Aeußern Sasonow sind heute morgen hier eingerrossen. In der «d e u t s ch e n B o t s ch-a f t fand heute ern D i n e r statt, dem Reichskanzler Dr. v. Bethmann-Hollweg, per russische Minister des Aeußern Sasonow-, Kttltusmimster Casso, der neue russische Botschafter in Berlin Serbejcw, General v. Tatischtschow, der deutsche Militärattache Graf v. Posadowsky-Welftrer, der deittsche Marineattachö Kapitän zur See Frhr. v. Kayserlingk, der deutsche Militär- bevollmächtigte Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten, die übrigen Mitglieder der deutschen Botschaft unb andere beiwohnten. _____________ Die Vesoldungsvorlage in der Ersten Kammer. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat seinen Entschluß, von der in der Regierungsvorlage festgesetzten Skala für die Beamtengehaltsverbcsserung nur 9 0 Proz. zu bewilligen und den Bolksschullehrern nicht die von der Zweiten Kammer beschlossene höhere Gehaltsaufbesserung von 15 Proz., sondern nur die von der Regierung angesetzte llprozentige Verbesserung zu gewäh'ren, mit einer eingehenden Begründung versehen. Der Berichterstatter, Fürst zu I s en b ur g- B irste i n, gibt zunächst eine Uebersicht über die Anforderungen der Regierung und bedauert, daß die Zweite 5iammer wegen der in die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden zum Teil stark einschneidendcnt Vorlagen der Regierung einige dieser Vorlagett zurückgestellt und damit einen erheblichen Betrag des für die Verabschiedung notwendigen Bedarfs in Frage gestellt hat. Man hätte bei einer Vorlage von so großer Tragweite für das Land auch auf die Aufbringung der Mittel Bedacht nehmen müssen. Dies gelte zunächst von der Vorlage über die Kosten derhöheren Schulen, die für dre Staatskasse eine Einnahme von 230 000 Mk. ergeben sollte. Der Bericht betont, daß ohne die Einnahmen dieser Vorlage wohl schwerlich die Mittel für bie Beam ten - besoldungsreform aufgebracht werden können: andererseits müssen die Bewohner der Städte, die eine höhere Schule besitzen, gegenüber den Vorteilen, die sich ihren hindern durch den Besuch solcher Anstalten bieten, auch ein entsprechendes Cpfer zu bringen bereit sein. B^üglich 'der Vorlage, die die Grundgehalte für jebe Lehrerstelle um 100 Mk. erhöhen wkll, hätten die Gemeinden Einwendungen erhoben, die sich aber nach den im Finanzausschuß Zweiter .Stammer vorgebrachten Anregungen über die Staffeluna dieser Beträge wohl nicht mehr halten ließen Wenn man nie Gemeinden mit über 150 Proz. Steuer- zuschlag von dieser Belastung freiließe und die (Gemeinden mit 100 bis 150 Proz. Steuerzuschlag mit der Hälfte der in Aussicht genommenen Beträge heranzöye, so würde sich der Gemeindesteuerausschlag in den übrigen Gemeinden höchstens um etwa 1—2 Proz. erhöhen, was dem Ausschuß durchaus annehmbar erscheine, da die schwächeren Schultern geschont werden. Die Gemeinden hätten doch seinerzeit auch die ihnen von der Lberrechnungskammer auferlegten Gebühren für die Rechnungsrevision ohne Beanstandung aus sich genommen. Nicht stichhaltig sei die Erklärung der Lehrer gegen diese Belastung, daß ihre Stellung darunter leiden würde; denn eine Steuererhöhung, die die Regierung zur Erhöhung der Beamtenbesoldung vorsieht, hätte jeden Steuerzahler getroffen und es hätte sich sonach jeder Steuerzahler den Beamten gegenüber auf diesen Standpunkt stellen können, daß er seinerseits mit der Steuererhöhung mit zum Gehalt des Beamten beitragen müsse. Die Regierung habe sich zu einer organischen Reform im Herbst bereit erklärt, wolle jedoch an den Grundprinzipien unter Verbesserung der Bezüge der Staatsbeamten an Wohnungsgelo und Gehalt festhalten. Der Ausschuß behalte sich eine Stellungnahme darüber vor, bis die Vorlage endgültig geregelt werden soll. Wenn die Zwette Kammer eine vorläufige Gehaltsaufbesserung für 1912 beschloß, so erkenne der Ausschuß die Notlage der Beamten an, wie dies auch schon in der Beantwortung der Thronrede betont wurde. „Bei dieser Gelegenheit muß aber das bestimmteste Verlangen an die Großh. Regierung ausgesprochen werden, daß alsbald die organische Aende- ruug des Tarifs zur Befoldungsordnung im Rahmen der finanzieller! Verhältnisse des Landes in Angriff genommen werden muß. Die Erhöhung der Bezüge lediglich durch Aufsetzen des prozentualen Betrages auf den Gehalt als Gehaltsteil kann nicht als eine Regelung der Besolbungs- Ordnung angesehen werden, die für Jahre hinaus Geltung haben soll, da in einem Tarif auch nur abgerundete Zahlen als Gehaltsttasfen angenommen werden dürfen. Zudem find in den letzten Jahren Unstimmigkeiten in der Befoldungsordnung zutage getreten, die bei dieser Gelegenheit mit erledigt werden müssen. Würde den Vorschlägen der Zweiten Hammer insgesamt zugestimmt werden, so würde ein Bedarf von 2 805 230 Mk. notwendig, worauf die in der Regierungsvorlage nachgewiesenen £06 470 Mk. anzurechnen wären, fo daß ein Betrag von 1998 760 Mk. dem Resten fonds zu entnehmen wäre. Der Ausschuß glaubt in diesem Augenblick vor der endgültigen Erledigung der Besoldungs- reform Bewilligungen in dieser Höhe dem Plenum nicht empfehlen zu können, da zunächst noch nicht abzusehen ist, welchen finanziellen Effekt die organische Aenderung hat; man dürfe sich deshalb vor Erledigung dieser Vorlage nicht durch die Bewilligung solcher Zulagen binden. Der Ausschuß glaubt sich deshalb zu seinem Bedauern für 1912 in bescheidenen Grenzen halten zu müssen und beantragt, nur eine Zulage von 90 Pr o z. der von der Regierung vorgeschlagenen Erhöhungen für die Beamten zu bewilligen, dagegen den Lehrern die in der Regierungsvorlage angesetzten 11 Proz. Gehaltserhöhung zu gewähren. In dem von der Regierung vorgesehenen Bedarfshlan inar eine Ausgabe von 2 340 230 Mk. vorgesehen. Eine lOprozentige Kürzung an Gehalt und Wohnungsgeldzuschuß der Beamten würde 157 963 Mk. aus machen, so daß ein Bedarf von 2 182 267 Mk. verbliebe. Da aber weiter auch noch der den Gemeinden angefonnenc Betrag von 277 000 Mt. aujw bringen ist, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 2459267 Mk., mithin eine Differenz von 119 037 Mk. gegenüber den vor- gelegten Deckungsmitteln, und dieser Betrag soll durch Erhöhung des Betrags von 460 220 Mk. „ans Eisenbahn- üb erschössen und Etatsüberschüssen überhaupt" aufgebracht n>erben. Weiter hält der Ausschuß die Regelung der Pension s b c 5 ü g e während des Provisoriums nach den Beschlüssen Zweiter Hammer für bedenklich. Denn es wird wohl nicht angängig sein, einem Pensionär eine niedrigere Pension zu gewähren, als er sie nach den jetzigen Bestimmungen zu beanspruchen hat. Es dürste richtig sein, eine Bestimmung dahin zu treffen, daß demnächst nach Erledigung der Besoldungsreform der Pensionär die Bezüge der Pension erhält, die ihm zukommen würden, wenn zur Zeit seiner Pensionierung das Gesetz in Geltung gewesen wäre. Die Differenz 'Mischen der späteren Pension und der nach den zurzeit geltenden Gesetzen zu zahlenden Pension wäre b em na d) ft nachzuzahlen. Bezüglich der Volksschullehrer sieht die Regierung entsprechend den Bezügen der gleichen Gruppe der Staatsbeamten mit 2000 bis 3000 Mk. eine Erhöhung von 11 Proz. vor. Hierzu sagt der Bericht: Da die Vollsschullehrer narb der bisherigen Gesetzgebung bereits freie Wohnung haben, fo war eine Berücksichtigung in dem Gesetz über den Wohnungsgelbzuschuß nicht erforberlich. Gegen diese Regelung haben fick) die Vorstände der Lehrervereine gerichtet und darauf hingewiesen, daß die gleid)cn Beamtengruppen dadurch, daß sie in ihren Bezügen durch da>.' Wohnungsgeld Um 4 Proz. verbessert werden, vedeutend besser' gestellt würben als sie: außerbem werde der Unter» schieb in tum Bezügen der Lehrer unb der mittleren Beamten burd) diese Regelung noch vergrößert. Sie stellten daher die Forderung, sie mit 15 Proz. zu verbessern, da sie dann erst in gleicher Weise, wie die mittleren Beamten, bedacht würden. Tie Zweite Kammer hat diesen Wünschen Rechnung getragen und 15 Proz. Erhöhung beschlossen, wodurch ein Mehrbedarf von 18.8000 Mk entstand, zu dem durch Ablehnung der Beitragsleisttmg der Gemeinden weitere 277 000 Mk. kommen. Der Ausschuß kann eine solche Besserstellung der Volksschullehrer in keiner Weise als berechtigt anerkennen. Hal>en sie bisher jahrelang den Vorteil einer freien Dienstwohnung gehabt, die für 400 Mt. bei der Pension ungerechnet nmrbe, so können sie, da sie mit den mittleren Beamten gleicher Kategorie gleich zu behandeln sind, nur eine Erhöhung um 11 Proz. ihrer Bezüge bean* sprachen. Hierzu kommt noch, daß bei Wegfall des erhöhten Zuschusses der Gemeinden eine weitere Summe von 27, 000 Mark durch die Staatskasse aufzubringen ist, was zurzeit für das Land unmöglich ist. Der Beschluß Zweiter Kammer auf Bewilligung von 15 Prozent erscheint auch aus dem Grunde nicht annehmbar, „weil bei dieser Erhöhung der Volksschullehrer in einen Höchstgehalt Von 3450 Mk. käme und damit die höchsten Bezüge /im ganzen Reich erlangte. Da unsere Mittel verbieten, die mittleren Beamten unb ganz besonders zu unserm Bedauern die höheren Beamten, den Bezügen des Reiches _ unb Preußens zu nähern, verbietet es die LLücksicht auf die übrige Beamtenschaft, bei den Lehrern eine Ausnahme zu machen und sie über die Sätze von Preußen hinausgehen zu lassen. Wenn es bei den Lehrern auch nur ein geringer Bettag ist, mit dem sie über die höchsten preußischen Sätze kämen, so muß aus prinzipiellen Gründen dieser Regelung widersprochen werden." Der Ausschuß tritt weiter auch nicht dem Wunsch der Lehrer bei, die bisher bei der Pen- lionierung mit 400 Mk. angerechnete Dienstwohnung mit “00 Mk. anzunehmen, dagegen ftimmt^er dem Art. 4 des Gesetzes zu, wonach die Vergütung ber Schulderwaller vor bestandener Schlußprüfung von 1009 Mk. auf 1100 Mk. erhöht wird. Im übrigen stimmt der Ausschuß den von der Regierung vorgeschlagenen weiteren Ersparnissen in der Staatsverwaltung (Herabsetzung der Tagegelder um etwa 15 Proz. usw.^ zu und gibt nock) nähere Wünsche darüber bekannt. 2lus Hessen. Aus Beamten kreisen wird uns geschrieben: Die Ausführungen des Abg. Wolf- Stadecken in den Kammerverhandlungen vom 4. l. M. «Nr. 156 d. Bl.) geben Anlaß zu folgender tatsächlichen Richtigstellung. Herr Wolf hat n. a. erklärt: „Wenn ein Gerichtsschreiber mit Volks- schulbildung 4900 Mk. bekommen soll ufiv., wo bleibt da der Grundsatz von der gleichen Vorbildung uff. . . ." Diese Ansicht des .Herrn Abgeordneten, daß der Gerichts- schreiber Volksschulbildung besitze, kann m. E. nur auf mangelnder Information beruhen. Durch Verordnung vom Jahre 18 9 9 wird von den Gerichtsschreiberaspiranten die Reife für die Cberfehinba einer höheren Schule und seit 1906 (wenn ich nicht irre} Reife für Unterprima verlangt. Die Feststellung dieser Tatsache inacht es überflüssig, über die Tätig leit des Gerichtsschreibers weiter ein Wort zu verlieren. Die hessischen Gerichtsfchreiber haben den gleichen Rang und die gleick)e Vorbildung, wie die Gerichtsschreiber (Sekretäre) der anderen Bundesstaaten, in deren Reihen — was nebenbei bemerkt sei — eine ganze Anzahl Reserve- und Landwehroffiziere sich befindet. Dcutfcbcs NeLch. Tie neue Kaiserliche Kabinettsorder über das Duell im Heere wird voraussichtlich nach Schluß der Kaisermanöver veröffentlicht werden. Nach der Verordnung dürfen Duelle künftig grundsätzlich erst nach Abschluß eines förmlichen ehrengerichtlichen Verfahrens ausgelragen werden. In Posen geht das Gerücht, daß die e r ft e Enteignung bevor st ehe und zwar soll dafür das etwa 4000 Morgen große Rittergut Glembokin nahe der russischen Grenze, das unlängst von Herrn Jezewski an Herrn von Tmardowski verkauft wurde, in Aussicht genommen sein. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist der Elsässi- s d) e n Maschinenbau -Gesellschaft bereits vor einigen Tagen ihre gewohnte Jahresbestellung, wie man hört 31 Lvkvmo- tivcn, von der preußischen E i s e n b a h n v e r wa l t u n g zugestellt worden, so daß die Grafenstadener Affäre nunmehr als volluäiwig beigeleU berrawtet weröen fnnn. —nuilanö”” Budapest, 6. Juli. Der Abgeordnete Kovaes, der seinerzeit das Attentat auf den Kammerpräsidenten Grafen Tisza verübte, wurde aus dem Privatsanatorium in das Lazarett des Untersuchungsgefängnisses übcrgcfüfyrt. Er ist vollkommen genesen bis auf eine kleine Wunde über dem rechten Auge, in der noch der Splitter einer Kugel steckt, die er gegen sich selber abfeuerte. Der Kugelsplitter dürfte durch eine Operation entfernt werden können. Haag, 7. Juli. Die Regierung beharrt auf ihrem den Kammern vorgelegten Entwurf, nach dem im Jahre 1913 in Vlissingen ein stark gepanzertes Linienschiff mit schwerer Geschützausrüstung erbaut werden soll, um die Neutralität auf der westlichen Schelde aufrechtzuerhalten und einer an der Küste operierenden Flotte die Benutzung des Hafens und der Reede von Vlissingen untersagen zu können. Die Regierung hält die Betonbatterien und die anderen Verteidigungswerte für keineswegs ausreichend. Die Kosten werden auf 5 360000 Gulden beziffert. Madrid, 7. Juli. Aus Tuy wird gemeldet: 150 portugiesische Royalisten gingen in der letzten Nacht über den Minho und griffen Valenca an, wurden aber mit einem Verlust von drei Toten und mehreren Verwundeten zurückgewiesen. 80, die auf der internationalen Brücke über den Minho zurückgehen wollten, mußten sich den spanischen Behörden ergeben, andere, die den Fluß durchschwimmen wollten, hatten dasselbe Schicksal. Der Rest der Bande zerstreute sich. NewPork, 7. Juli. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Wilson veröffentlickst eine Erklärung, in der er die Grundsätze bekannt gibt, nach denen er den Wlahlkamps zu führen gedenkt. Wilson folgt Roosevelt darin, indem er die hohen K o st e n der Lebensführung für die brennendste Tagesfrage ansieht und sie dem herrschenden Tarif zuschreibt. Sicherung der vausorderungen — Verfügung der Gewerbebetriebs. Bon einem hessischen Bauhandwerker wird uns geschrieben: Das Reichsgesetz über die Sicherung der Bauforderungen ist am 1. Juni 1909 in Kraft getreten, jedoch nur mit dem ersten Teil. Der zweite Teil, der gewissermaßen die Rute zum ersten Teil darstellen sollte, kam nicht zur Einführung. An Bestrebungen aus Handwerks- und Gewerbekreisen hat es seither nicht gefehlt, die verlangten, daß auch der zwette Teil zur Einführung gelangen piöge. Die Einführung des zweiten Teils ist jedoch von keiner Bundesregierung befürwortet worden, und nach meiner Ansicht auch mit vollem Recht. Dieser Abschnitt sollte nur dort in Kraft gesetzt werden, wo ein erheblicher Bauschwindel Platz gegriffen hat, dem auf andere Weife nicht wirksam entgegengetreten werden kann. Durch die in diesem Teil actroffenen Maßnahmen wird das Bauen nicht unwesentlich verteuert, verzögert und erschwert, daß es dem kleinen Gewerbetreibenden nicht mehr möglich wird, überhaupt Auf- ttäge zu bekommen und die Herstellung von Bauten mehr in großkapitalistische Unternehmen übergeht. Auch durch § 35 Abs. 5 der Gewerbeordnung, Fassung vom 7. Januar 1907, und bei Beachtung des ersten Abschnitts des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderung, kann der Bauschwindel jetzt schon auf das wirksamste bekämpft roerben., Hierzu braudjen wir in Hessen die weitgehendste Unterstützung der behördlichen Organe, besonders der Verwaltungsbehörden, bei Versagung des Gewerbebetriebes. Nach einem Erlaß des Badischen Ministeriums vom 23. März 1907 können die Tatsachen, welche die Unter» saguny des Gewerbebetriebes als Bauunternehmer und Bauleiter, sowie der Betrieb einzelner Ztveige des Baugewerbes, welche Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden bedingen, sowohl auf dem Gebiet der beruflichen Sachkunde, als auf dem Gebiete der moralischen und wirt- schafttichen Sachkunde liegen. Als unzuverlässig im Sinne des § 36 Abs. 1 der Ge» roerbcorbnung wird auch ein Baugewerbetreibender an« zusehen sein, der vorsätzlich wiederholt fahrlässig der Be« ftimmung des § 1 des Gesetzes über die Sicherung der Bau« forberungen hinsichtlich ber Verwenbung des BaugelbeS 1 anbett, oder den in §§ 2 und 3 ausgesprochenen Ber- pflichtungen zur Fichrung des Baubuches nicht in der vorgeschriebenen Weise nachkommt. Besteht begründeter Verdacht, daß ein Baugewerbe- treibenber bas Baugeld unbefugt verwendet ober das Bau« buck) nicht ober nicht recht führt, so kann das Verfahrest wegen Untersagung des Gewerbebetriebes gegen ihn em- geleitet werden, in dem Verfahren die Vorlage des Bau« duches verlangt und auf Grund der §8 1 und 12 der Vor« fahrungsordnung in Verbindung mit § 31 der Pol. Str. G. B. erzwungen werben. Mit biefem Erlaß wird eine wirksame Handhabung für den ersten Abschnitt des Gesetzes gegeben. Wenn jedoch die Führung des Baubuches und die Kontrolle über die Verwendung der Baugelder eine wirksame sein soll, so muß eine weitere Bestimmung gefordert werden, daß irgend einer zuständigen amtlichen Stelle die Kontrolle über die Baubücher übertragen wird und daß die Nicht- ober nicht richtige Führung unter erhebliche Geldstrafen gestellt wirb. Staatsminifter a. v. hobrecht f. Der frühere Oberbürgermeister von Berlin und spätere Finanzminister, Ehrenbürger von Berlin, ArturHobrecht, ist im Alter von 88 Jahren g e stör b e n. Hobrecht war am 14. August 1824 zu Kobierczin in Westpreußen geboren Er flubiecte in Königsberg, Leipzig und Halle bieJRechte uni) trat 1844 als Rcierendar in Naurnlurg a. S. in den Staatsdienst Im Jahre 1863 wurde Hobrecht, damals Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern, zum Oberbürgermeister von Breslau gewählt. Neun Jahre später wurde er Stadtoberhauvt von Berlin. Ebenso wie vorder Breslau, vertrat er jetzt auch die Hauptstadt im preußischen Herrenhause. Nach dem Rücktritt des Finanzmmisters (samphausrn trat Hobrecht am 26. März 1876 in dessen Stelle, (d)icb jedoch wegen Tisserenzen mit dem Fürsten Bismarck bereits im Juli 1879 mit dem Charakter eines Wirklichen Geher .en Rats wieder alls dem Ministerium. Im Herbst 1879 mürbe Hobrecht von dem Wahlkreis Preußisch-Ltargardt in das Abgeordnetenhaus und 1881 für Marienwerder in den Reichstag gewählt, wo er zu t,en Führern der nationalliberalen Partei gehörte. 1893 wurde er „icht wiedergewcihlt. Er veröffentlichte, n. b. ,Frkf. Ztg/, den gtoman , Fritz Kannacher".______________________________________ Ans IHaroffo, Paris, 6. Juli. Offiziös verlautet, der heutige Ministerrat werde die Frage der Entsendung neuer Serftärfungen nach Marokko prüfen. Fez, 7. Juli. Ein Brief des Generals Gouraud teilt mit, daß er über den Nogi einen vollständigen Sieg davongetragen habe. Der Feind habe zahlreiche Tote auf dem Schlachtfelde gelassen. General Lyautey äußerte einem Berichterstatter gegenüber, die Lage in S ü d m a r o k k o verursache ihm wachsende Besorgnis. Der neue Prätendent Hiba mache daselbst täglich Fortschritte. Es wäre wünschenswert, baß sich dort kein Europäer mehr aufhielte, damit er sich um ihre Sicher- heit nicht zu kümmern brauche. Er werde einige Bataillone in Mascheria-beu-Abbu aufstellen, welche erforderlichenfalls in vier Tagen nach Marakesch niarschieren könnten. General Lyautey erwähnte sodann die Schwierigkeiten der Pacisi- cierung und sagte: Wenn man nickst auf gewiße internationale Erwägungen Rücksicht nehmen müßte, bann wäre Frankreich felbstverständlich in der Lage, bie zur sofortigen Besetzung Marokkos notwendigen Kraftan. strengungen zu unternehmen. Zu diesem Zweck mußte man 25—30000 Mann mehr hicrherschtcken, also etwa ein Armeekorps. Aber im gegenwärtigen Augenblick eine solche Streitkraft dem Mutterlanbe zu entziehen, wäre recht ge« fährlich, unb berjenige, welcher sich dazu entschlöße, würde eine schwere Verantwortung auf sich laden. Ich werde trachten, mit wenig Truppen viel auszurichten.____________ hessische evanq. can-essynode. : rm. Darmstadt, 7. Juli. Die heutige Verhandlung der Hessischen L a n b c s s Y - n o b c begann mit ber Beratung ber Vorlage des Oberkonsisw- riums wegen der Herausgabe eines Hessischen Kirchenbuches, bie auf Anregung des Prof. Dr. Paul Trews in^Halle, früher in Gießen, zu Stubicn-wecken aus Ueberschüssen der Rcch- nungsperiode 1910-11 erfolgen soll. Ter Betrag von 1000 Mk. wird bewilligt. Der nächste Antrag betrifft den Antrag des Spnodalen Riarse, die Herausgabe eines Gesangbuches vorzubereiten, das durch besseres Papier, fdiöncrcn Truck und Bildschmuck den gesteigerten Ansprüchen unserer Zeit genügt. Nach kurzer Aussprache wird der Anttag, des Ausschusses angenommen, einen Sonderausschuß mit der Prüfung unb Entscheidung hierüber zu beauftragen. Es folgt die Beratung der Vorlage, bett, die Eiuführungdes Einzelkelches in ber Paulusge- meinbe z u Bessungen. Tie bisherigen Abendmahlfciern bleiben davon unberührt und ber Einzelkelch soll fakultativ bei zwei weiter eingefügten Abendmahlfeiern eingeführt werden. Auch Friedberg will die Einzelkelche einführen. Nach Bericht des Ausschusses werden beide Anträge angenommen. Der Antrag der Kirchenbehürde in Langen, eine zweite evang. Pfarrstellc zu errichten, wird angenommen. Auch die in Folge der Erbauung einer eignen Kirche in Würzburg notwendig gewordene Ablösung der Gemeinde Michelstadt und Errickpung einer selbständigen Filim- aemeinde Würzberg findet ohne Aussprache Annahme, lieber btc Vorlage, bett, die (ttrichtung einer Pfarrei an den Kranken- anstalten in Gießen bat ber 3. Ausschuß einen eingehenden zustimmenden Bericht erstattet. Oberkonfistorialpräsibent Nebel sührt dazu aus, baß biese Frage i'dwn fett Jahrzehnten ber Er- iebigunfl harre, ba bie Gemeinbepfarrer die Seelsorge durch die wachsende Ausdehnung ber Klintten nicht mehr erledigen können. Oberkonsistorialrat D. Petersen gibt bann eine ausführliche Begründung und erklärt, daß man lange große Sorge über die richtige Ausübung dieser schwierigen Seelsorge habe, denn es seien fünf verschiedene Kranken- und Heilanstalten mit etwa 8000 Personen zu versehen. Im Nanren des Ausschusses empsiehtt Synodale Hermann die Annahme der Vorlage. Synodale Dr. Dittmann führt aus, daß cs im Interesse der Kranken, tu denen alle möglichen Berufsstände durch Unglücksfälle gezählt werden kötmen, notwendig fei, eine Stelle zu fd>aifen. Sv nodale Widmann- Darmstadt ist sehr erfreut, daß durch die Regierung den bestehenden Zuständen ein Ende gemacht wird. An der ivritcren Besprechung beteiligen sich die Synodalen Dr. Dittmann, Jacob, Schlosser, Präsident Nebel u. a. Darauf wird der Antrag angenommen. Tie Vorlage des Oberkonsistoriums, bett, tie Aufteilung der Pfarrei Ober-Ofleiden, öeratt, daß eine zwette Pfarrei Deckenbach entsteht, wird genehmigt. Ebenso werden im Sinne der Lirchenbehördc erledigt: Die Soria gen, betr. die Trennung der Gemeinde .verchenrode von dem Uirchspiel Reunkttchen und deren Zuteilung zu dem Kttchspiel Ernstbosen und die Bildung eines selbständigen im Filialverhältnis zu Burggräfemvde stehenden Kird^engemeinde Ilbenstadt. Es folgt der Antrag deS Synodalen Merse, die Epiphaniakollekw nickst mehr der Baseler Missionsgesellschaft, sondern den stirchw- Die Taufendjahr-Zeicr der Stadt Leun. 05697 Statt Eiarten Garantie für guten Sitz. Solide Stoffe. W asch-Röcke Verlangen Sie nur 25 A.Salomon&Cie H»oh- und Tieftau Mass-Anfertigung eleganter Herren- und Damen-Garderoben der heutig endung neue, 'als Gourau! 'ollftänbigti habe zahlrech über die Orisgeschichtt an schloß. . E6 liegt eine persönliche Note darin, die einem solchen p£U in einem kleinen Landstädtchen den Stempel ausdrückt. Bei icbem kommt die Ueberzeugung zum Ausdruck, seinen Anteil zum gelingen des Festes bcigetragen zu haben. Der Pfarrer, der schon iruber die bei Waldschmidt in Wetzlar erschienene ^Ehronik von Leun herausgegeben, auch wohl den Festzug seftgesetzt hat, gab uns aus dieser Ueberzeugung heraus ferne Erklärungen. gr hat sich gewiß auch besonders nm die Feier verdient gemacht. Aber auch der Barbier, dem die Schaffung der Physiognomien oblag, ist nicht wenig stolz auf sein Werk und istwutend darüber, baß der Hervlb seinen Bart im Drange des Fefttumults hat zer- iaiisen lassen. Diese Momeiite verleihen dem »yeite am ländlichen Ort den besonderen Reiz, für den man empfänglich sein mutz. •orftotben bet gebenden Hemernden zu überlassen. Das Ober* 'mßstorrmn und mit ihm der Ausschuß stehen auf ablehnendem Standpunkt, da es eine alle Bestimmung sei, die trotz vielfacher eieirteifiger Strömungen eingehakten und ohne nncbtigc Grunde dicht geändert werden föune. ^>mwbale Wolter-Worms 1 teilt .arm Antrag, eine -werte Hessüd- ÄoUdte für die Hridcminwn, l -ren Zeitpunkt b* Lirchengemernde setz setzen soll, zu geitatten. .verschiedene weitere Anträge hierzu werden dann Mrückgezogen e Stadtwache warm vertreten. Den Schluß bildete der Huldigungswagen und der ffnegcrocreuL Auf dem Fest platz herrschte das Übliche bunte Treiben. Es sand Beanrßnna der Festtellnehmer durch den Bürgermeister Weber statt, der sich eine Rede des Pfarrers Himmelreich , (n jeder beliebigen Schriftart u. Karton- v 11 l LR31*TC11 rorte.fowle mit Zirkeln aller etudentiren und der spanischen Botschaft zur Einficht vorgelegt. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Welteraussichten in Hessen (ür Tieustag, den 9. Juli 1912: Meist heuer, trocken, tuarm, bleivitter. Verantwortlich für bm politischen Teil I. V.: R. Lange. liir Flugn GroBh. Boss. Licbigsiraße 6*. 4743] •4 "zimmer E 3 Büro Emil Karn, Schulstraße. Tv5^ 47&1 Neuenweg 38 05683] na 05691] Schön u. ein eins. möbl. ,57——mit 2 Sesseln Zimm. z.vrm.Marktvl.17 III !KlN ^gfst und 1 SUd) für | L&den u. dgl. 105632 hositraße 34. ä in unübertroffener Husführung, y nphmpr mnffpr ßlnrrr fndpllnfp vor- Sichere Exlsteni! nehmer matter Glanz, tadellofer Atz, andere Sachen. [4750 teil Krofdorfer Strafe 12 Stehen Wer erteilt einer Dame D1/« 7'/, Uhr. Celephon 487 Uelephon 487 ' »Ltrfl. */» Tüchtiger 05579] 'J-Unödicn k. d. Bügeln Overettcnvreiie! 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