Nr. 83 Der «ießener Nnzelger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -iehener^amilienbläller, zweimal wöchentl.Nreir- blatt für den Kreis Stehen (Dienstag undFreiiag); zweimal inonnlL kand- wirtfchaftlicheSeitftagen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Dagesnuminer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 9. April 19(2 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei K. Lange. Redaktion, Lrpedilion und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Vezn gSvreiS: monatlich 75 Vl., viertel» jäbrlich Alk. 2.20; durch Jlbboie* u. Zweigstellen monatitch 65 Vi.; durch die Bost Mk.2.—viertel- ICühI. mivid)L Bc'iütlg. 3cilenprei6: lokal 15 Pf, auSivärlo 20 Vieuniq. Gljcfreöafteur: ^?l Goetz. Verantwortlich inr den politischen Teil: August Gocg; für .'Acnille- ion", .Vernitschicc " und .Genchissaal" n. 9ku- rnil); iüt .Stadl und Land": (£.£>cf>, kur den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten- Zur grantjurter Univerfitätsfrage wird uns geschrieben: In Frankfurt a. M. bereitet sich in diesen Tagen die Gründung einer Universität vor und dies geschieht auf einem Weg, der nach jeder Richtung hin äußerst seltsam ist. Nichts spiegelt die Zielendes geistigen Strebens einer Zeit so deutlich wieder, als die Einrichtungen, die sie schafft, ihren Z w e ck e n z u d i e n e n. Nur der Zeitgeist, die gerade moderne Richtung, setzen sich einen kurzen Zweck; aber in einem tiefen inneren Sehnen und Wünschen, das durch Jahrzehnte und Jahrhunderte eines Volkes geht, da liegt ein wahres Bedürfnis. Diese Bedürfnisfrage zu erörtern hat sich der preußische Untcrrichtsminister von Trott zu Solz im Abgeordnetenhaus recht leicht gemacht. Mit einer Wendung, wie man sie nach 40 Jahren des Deutschen Reichs, an solcher Stelle nicht hätte für möglich halten sollen, schlängelte er sich an ihr vorbei, sprach davon, daß das neue Institut der Universität Marburg wohl wenig Konkurrenz machen werde — und damit war die Bedürfnisfrage in bejahendem Sinn entschieden. Daß die Stadt Frankfurt a. M. ein starker preußischer Vorposten mitten int nichtpreußischen Süddeutschland ist, daß kaum 60 Kilometer nördlich und südlich von Frankfurt nichtpreußische Universitäten sich befinden, darum braucht ein preußischer >lnltusminister sich nicht weiter zu bekümmern. Es kommt hinzu, daß man sich an volkstündiger Stelle längst darüber klar ist, daß wir gerade in dieser Gegend der Universitäten an einer Ucberproduktion von Anwärtern auf geistige Be rufe geradezu leiden, weil diese scheinbar günstige Gelegenheit zu studieren dem Gewerbe die gewecktesten Köpfe entzieht, und sie nachher in den meisten Fällen zur Unfruchtbarkeit verdammt. Eine solche ungesunde Ueber- schweminung mit Aerzten und Rechtsanwälten, wie wir sie zurzeit in unseren Gegenden erleben, wird von denen am meisten bedauert, die zum Studium verleitet, nun die Oede in ihren Wartezimmern sehen und nun einen Kampf um's tägliche Brot führen, für den ein wohleingesessener Meister nur einen Blick des Mitleids hat. Erstaunen muß es weiter, daß das neue Bildungsinstitut den Namen Universität führen soll, während ihm die älteste und vornehmste Fakultät fehlt. Von einer uni^rsitas der Wissenschaften kann also keine Rede sein, und der Mangel ist um so mehr zu bedauern, als gerade In dieser Tagen der heftige Kämpft zwischeir der positiven und der liberalen Richtung in der Theologie, die vielfach beobachtete Welt- frcmdheit unserer Pfarrer, die starke Entfremdung vieler Volkskreisc vom religiösen Denken und kirchlichen Leben, beweisen, daß auf keinem Gebiet mehr suchend und forschend gearbeitet werden muß, wie in der Theologie Sollte der preußische Unterrichtsminister eine allzu starke Bevorzugung einer ihm nicht genehmen Richtung befürchten, bann wäre das doch ein sehr bedauerliches Zugeständnis dessen, daß — hier ganz allgemein gesprochen — eine so starke wirtschaftliche Abhängigkeit, wie sie in Frankfurt a. M. geschaffen worden ist, und die damit notwendig öerbunbene Anpassung in gesellschaftlicher Hinsicht, es außerordentlich erschweren nach Menschenmöglichkeit voraussetzungslos und tendenzlos zu arbeiten. Eine staatliche Universität, die mit staatlichen Mitteln unterhalten wird, bildet die breiteste Grundlage, die von Menschen Überhaupt geschaffen werden kann, nämlich die nationale. Ein Bildungsinstitut aber, das von einer Kommune seinen Ausgangspunkt nimmt und auch von einem ebenso beschränkten Kreis seine Mittel empfängt, muß notgedrungen das Gepräge tragen, das der Stadt eigentümlich ist. Wir sind allzumal Menschen, auch die Gelehrten! Der Kaller in Korfu. Der Kaiser hat dem Reichskanzler während der Oster- tage einen Beweis seines Vertrauens gegeben, indem er ihn auf einem besonders dazu auserwählten Schiff der deutschen Marine zu sich nach Korfu bringen ließ. Er erwartete ihn selbst im Hafen und geleitete ihn zu seiner Wohnung ins Schloß. Das widerlegt die Gerüchte vom bevorstehenden Rücktritt des Herrn v. Bethmann Hollweg. In den letzten Tagen hat die amtliche „Norddeutsche Allg. Ztg." wieder einmal den Mund aufgetan, um über „Verwilderung der öffentlichen Meinung" ein Klagelied anzu- stimmen. Und zwar hatte sie besonders die Zeitungsnotizen über den bekannten Jesuitenerlaß der bayerischen Regierung im Auge. Es war vielfach behauptet worden, die Reichsregierung habe mit Frhrn. v. Hertling diesen Schritt „abgekartet", ober ber Reichskanzler versteckte sich hinter dem Kaiser. Es kann zugegeben werden, daß solche Aeußerungen zu weit-gingen. Immerhin sind die amtlichen Aufklärungen der „Nordd. Allg. Ztg.", wie wir in der letzten Zeit oftmals haben feststellen müssen, zumeist von einer beklagenswerten Ungeschicklichkeit; sie haben oft weder Hand noch Fuß. Dies müßte die Regierung zuerst einmal abstellen, bevor sie über „Verwilderung" klagt. Durch eine sichere, charaktervolle Haltung des Regierungsblattes würde die öffentliche Meinung im guten Sinne beeinflußt werden, nicht aber wird sie es durch bloße Schulmeisterei. Wir erhalten folgende Meldungen: Der Empfang des Reichskanzlers. Achilleion, 8. April. Der Kaiser begab sich am Samstag nachmittag 5.30 Uhr im Automobil zur Stadt, ging dann an Bord der „Hohenzollern", um dort das Einlaufen der „Äolberg" abzuwarten. Die Kolberg, mit dem Reichskanzler v. B e t l; m a n n - H o l l w e g an Bord, in dessen Begleitung sich Adjutant Freiherr v. Sell befand, lief nach schneidiger Fahrt von Brindisi nachmittags um 6 Uhr im Hafen von Korfu ein. Der Kaiser hat den Reichskanzler eingeladen, mit ihm die Osterfciertage im Achilleion, das dieser noch nicht kennt, zu verleben. Kaiser Wilhelm empfing den Reichskanzler auf der „Hohenzollern", begab sich dann mit ihm im Automobil nach dem Achilleion, in ber Stabt überall herzlichst begrüßt. An der Landungsstelle in der Stadt Korfu hatten sich bei der Ankunft des Kaisers und des Reichskanzlers eingefunden: Gesandter Freiherr v. Wangenheim, Konsul Spenglin und Präfekt Varatassis. Der Kaiser und der Reichskanzler trafen bald nach 6.30 Uhr auf dem Achilleion ein, wo für den Reichskanzler eine Wohnung im Schlosse selbst bereit gehalten worden war. Bei der Abendtafel saß der fraifer zwischen Prinzessin August Wilhelm und dem Reichskanzler. Neben diesem saß Fürst zu Fürstenberg. Gestern nahmen der Kaiser, die Fürstlichkeiten und ber Reichskanzler ben Tee auf ber „Hohenzollern", bie Abend- tafei war in Achilleion. Heute vormittag machte ber Kaiser, ber Reichskanzler unb sämtliche Herrschaften einen Spaziergang auf ben Berg Kyraki. Gegen Mittag zog eine feierliche Prozession, bestehend aus bem Geistlichen und ben Einwohnern des Dorfes Gasturi durch ben Park an dem Schloß vorüber. Der Kaiser, der Reichskanzler und die übrigen Herrschaften standen auf dem Balkon des Schlosses. Der Geistliche sprach den Segen über den Kaiser, worauf die Musikkapelle „Heil dir im Aiegerkranz" spielte. Gin Grlafj des Scheich-uISsIam gegen die Mode. Der Scheich-ul-Jslam, der die höchste religiöse Behörde in der Türkei darstellt, hak soeben eine Proklamation erlassen, die die bescheidenen Modegelüste der türkischen Frauen verdammt und zugleich ein Beweis dafür ist, daß der kurze Frühling der türkischen Frauenemanzipation durch die Strenge der konservativen Rechtgläubigkeit bereits wieder zerstört wird. Es batten ja, nad)bem die Jungtürken zur Herrschaft ge- kominen, lindere Lüfte im Leben der Frau zu wehen angefangen. In diesen Blütetagen einer freieren Auffassung, in denen man den Frauen nichi mehr nach dem Gebot Allahs die Seele absprechen wollte, waren Männer mit ihren Frauen zusammen ausgefahren und ausgegangen, ein bis dahin unerhörter Anblick; ein Frauen- Thib war gegründet worden; neue Schulen waren entstanden, in denen Reformen in der Mädchenerziehung durchgeführt wurden. Natürlich hatte sich auch in der Mode diese freiere Regung ausgedrückt. Wenn auch nur ganz wenige Frauen wagten, sich europäisch zu kleiden, so wichen doch viele Mohammedanerinnen von der altlxrgebrachten und durch den Koran vorgeschriebenen Kleidung ab; wurde auch der Schleier nicht aufgegeben, so erschien er doch immer weniger dicht, immer dünner unb feiner; ja er wurde sogar in den europäischen Vierteln über den Kopf zurückgeschlagen. Diese liberalen Ideen haben nun aber in weiten Kreisen tiefe Erbitterung und Verstimmung hervorgerufen. Die Regierung mußte einsehen, daß die Toleranz, die sie gegen die Bestrebungen der Frauen zeigte, ihre eigene Autorität untergrub, daß immer häufiger behauptet wurde, nur ein Verächter der Lehren des Koran, ein schlechter Muselmann, könne derartige „Zügellosigkeiten" bestärken. Seit einiger Zeit ist deshalb ein völliger Wandel in den Ansichten unb Zielen der maßgebenden Kreise'eingetreten: die kurze Freiheit, in der die türkische Frau aufalmen durfte von ihrer hundertjährigen Knechtschaft, ist neuer Bedrückung gewichen. Vor allem richteten sich gegen die gottlosen Abweichungen von der alten Kleiderordnung strenge Verbote; die Polizei erhielt den Befehl, jede Frau, die mit einem dünnen Schleier erscheine, die aufiällige und anstößige Kleider trage, zu verhaften, und es wurden auch einige Exempel statuiert. Nachdem den Damen so das Tragen dünnerer Schleier unmöglich gemacht worden war, kam eine Mode auf, nach der der „Tschartschas", das große Umschlagetuch, von den eleganten Türkinnen willkürlich verändert wurde, in seinem Umfange zusammenschrumpfte und nur noch ein kleines fesches Cape war; ebenso wurden die Röcke enger und enger und zeigten eine gewisse Verwandtschaft mit dem berüchtigten Humpelrock. Gegen diese neue Unbotmäßigkeit hat nun der Schcich-ul-Jslam seinen strengen Erlaß gerichtet, in dem er über die Verletzung der Vorschriften des Islam klagt. „Diese Befehle tun nicht nur Gutes, sondern wenden auch viel Ucbel ab, ihre Wohltaten sind von weisen Leuten gutgeheißen. Nichtsdestoweniger werden leider diese religiösen und nationalen Forderungen vernachlässigt. Die Tfckzartschafs, die von altersher von Mohammedanerinnen getragen werden, sind in ihrer Form zum Entsetzen aller fühlenden Männer verändert worden." Es sei die Pflicht aller Männer, sich gegen diese „unmoralische und dem Koran zuwider handelnde" Sitte zu wehren. Die Regierung habe deshalb dem Strafgesetzbuch einen Paragraphen hinzugefügt, nach dem jedes Mitglied einer religiösen Gemeinschaft bestraft werde, das sich gegen die Lehren seines Glaubens vergehe. Die Modedamen, die in Schleiern und Tüchern sündigen, sollen also unter die Gotteslästerer eingereiht werden. — EinebeachtenswerteOperation. Dem Direktor der chirurgischen Klinik in Leipzig, Geheimrat Dr. Payr, gelang es, ein blödsinniges Kind dadurch zu heilen, daß er ein von einem Kinde einer gesunden Mutter stammendes Stück Schilddrüse in die blutreichen Gefäße der Nieren verpflanzte. kf. Eine neue Welt. Auf der bekannten Mount Wilson Sternwarte in Kalifornien ist gegenwärtig eine Schar von Astronomen bei einer Beobachtung tätig, die bisher noch keinem Astronomen geglückt ist. Dr. Edward Fath, der Leiter dieses astronomischen Beobachtungausschusses, hat nämlich jüngst an Pros. P. T. Todd vom Amherst College einen Bericht geschickt, in dem er behauptet, mittels des 60 zölligen Refraktors der Mount Wilson Sternwarte könne gegenwärtig das Entstehen eines neuen Sonnensystems, einer Welt, die viele Male größer sei als unser Sonnensystem, beobachtet werden. Dr. Fath bat auch photographische Aufnahmen des noch nie beobachteten Vorgangs gemacht. Auf diesen Aufnahmen soll deutlich erkannt werden können, daß ein riesiger Spiralnebel im Weltenraume gerade im Begriff ist, sich zu einem Weltsystem, zu einem leuchtenden Stern, zu entwickeln. ff. Elektrisch behandelte Schulkinder. Sonnte Arrhanius, der berühmte schwedische Physiker, soll, wie aus Stockholm berichtet wird, an Schulkindern eigentümliche Versuche gemacht haben, die für die außerordentlich günstige Einwirkung hochgespannter Ströme auf Wachstum und Intelligenz sprechen. .Es wurden, so erfährt der „Matin", zwei Gruppen Am ßcftrigcu Nachmittag sand auf ber „Hohenzollern" das übliche versuchen für die Mannschaften statt. Das Wetter ist sehr schön. Korsuer Nationaltänze. Korfu, 9. April. Der Militäroberpfarrer Goenshielt gestern vormittag üuf der „Kolberg" den Gottesdienst ab. Viele Deutsche nahmen daran teil. Von Bord w.irden Huldigungstelegramme an den Kaiser und die Kaiserin gesandt. Am Nachmittag wurde in G a st u r i eine uniformierte Musikkapelle, die aus jungen Leuten des Dorfes gebildet war, auf Anordnung des Kaisers i n e i n e m deutschen Wirtshause mit K a f s e e u n d Kuchen bewirtet. Sodann spielte die Kapelle unter Clio en zum Korsuer Nationaltanz auf, den reichgeschmückte Frauen und Mädchen des Dorfes polonaisenartig ausführten. Volk aus der Umgegend, Städter, zahlreiche Fremde und v i e l e d e u t s ch e M a t r o s e n hatten sich cingefunbcn, um am sonnigen Nachmittag das eigenartige Schauspiel zu genießen. Gegen 5 Uhr erschien der Kaiser unb stellte sich mit dem Prinzen und den Prinzessinnen, dem R e i ch kanzler, dem Fürsten zu Fürstenberg und den Umgebungen mit in den Ning, der sich um die Tänzerinnen gebildet hatte. Auch der Gesandte v. Wangenheim und der griechische Präfekt waren anwesend. Der Tanz wurde fortgeietzt. Sodann trat die Musikkapelle in den Ring und spielte «abwechselnd mit der Dorfkapelle korfiotische Tänze. Im weiteren Verlaufe intonierte die deutsche Kapelle den alten Rheinländler „Im Grünewald ist Holzauktion", dessen Risih- mus dem eines griechischen Tanzes entspricht. Die Griechinnen tanzten danach lustig weiter unter allgemeiner Fröhlichkeit. Am Schluß spielte die deutsche Kapelle und die griechische Dorfkapelle die deutsche Hymne, die der Kaiser und alle Anwesenden unbedeckten Hauptes anhörten. Nach beinahe anderthalbstündigem Verweilen begab sich der Kaiser und seine Begleitung nach dem Achilleion zurück. Der Wiesbadener Aufenlbalt des Kaisers. fc. W i e s b a d e n , 8. April. Der Aufenthalt des Kaisers im Schlosse zu Wiesbaden wird, wie jetzt endgültig festgestellt, 10 Tage dauern, und Prinzessin Viktoria Luise mit dxm Kaiser hier eintreffen. Die Kaiserin^ welche zur Zeit der Ankunft des Kaisers in Wiesbaden Mitte Mai noch in Bad-Nauheim zur Kur weilt, nimmt während der Anwesenheit des Kaisers in Wiesbaden einen zwei- Isis dreitägigen Aufenthalt am Wiesbadener Hoslager. Das Schloß wird "für den kaiserlichen Aufenthalt bereits hergerichtet. Dom italienisch-türkische» Kriegsschauplatz. „FIieger"-Bomben. Rom, 7. April. Die Agenzia Stefani meldet aus Benghasi vom 6. April: Gestern warf ein Flieger mehrere große Bomben in das feindliche Lager, welche die Insassen des Lagers in Schrecken setzten und viele von ihnen töteten. Deutsches Neich. Das „Berliner Tageblatt" erfährt aus gut informierter Quelle, daß demnächst ein Handschreiben Pius X. an die deutsch e n B i s ch ö f e erscheinen soll, wodurch allen Welt- und Ordens- geistlichen das öffentliche Auftreten in politischen Versammlungen irgendwelcher Art unter Strafe einer Zensur verboten wird, desgleichen die Teilnahme an solchen Versammlungen. Das Auftreten der Geistlichen in sozialer Hinsicht, in Arbeitergesellenvereinen usw. wird nicht untersagt. Aus Varel (Oldenburg) wird gemeldet: Die Fortschrittliche Volkspartei stellte Dr. W i e m e r als Nachfolger Trägers im zweiten oldenburgischcn Wahlkreise als Kandidaten auf. von je 50 Schulkindern ausgewählt. Die eine Gruppe arbeitete mit ihren Lehrern sechs Monate hindurch in gewöhnlichen Schulzimmern, während die Arbeitsräume der anderen mit einer elektrischen Einrichtung versehen waren, die hochgespannte Ströme von allen Wandungen in die Zimmer entlud. Weder die Schulkinder noch die Lehrer wußten, was für Versuche eigentlich mir ihnen angestellt wurden. Das überraschende Ergebnis soll nun sein, • daß nach einem halben Jahre die elektrisch behandelten Schulkinder um 18 Millimeter mehr gewachsen waren, als die Kinder der anderen Gruppe; ebenso soll das geistige Wachstum dem ber anderen Gruppe überlegen sein. Auch die Lehrer, die elektrisch behandelt worden sind, geben an, durch die Behandlung sei ihre Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung erhöht worden. — Teures Möbelholz. Möbel aus Eichenholz beherrschen wieder einmal die Diode. Die Nachfrage nach Eichenholz ist darum überaus rege, was natürlich zu einer großen Preissteigerung Anlaß gab. Die Preise für diese Holzart sind innerhalb der letzten Jahre um mehr als 100 Proz. gestiegen, und was für Summen zu zahlen man heute bereit ist, beweist z. B. eine Versteigerung, die kürzlich im Spessart stattsand. Hier legte eine Frankfurter Firma für eine aus 5,87 Festmetern Holz bestehende Steineiche den Preis von 3150 Mark an und erwarb einen Stammabschnitt von nur 3,71 Festmetern für 2000 Mark. Das wären 540 Mark für den Festmeter. Mit Recht nennt das „Fachblatt für Holzarbeiter" dies einen „enormen" Preis für Eichenholz. Stellt sich dies damit doch in die Reihe unserer teuersten überseeischen Möbelhölzer. Das sehr geschätzte wertvolle Teakholz, das aus Südasien stammt, kostet pro Festmeter nur 250—400 Mark — Preise, die den Laien in Erstaunen versetzten, erzielt aber vor allem auch das Mahagoniholz. Für einen einzigen großen, in drei Teile zerschnittenen, Mahagonistamm opferte einst eine Pianosortefabrik den berühmt gewordenen Preis von 60 000 Mark! Kein Wunder, daß man mit diesem teuren Holz jetzt sparsamer und sparsamer umgeht! Moderne Furniermaschinen verstehen es, aus dem Mahagoniholz Blätter herzustellen, die nur eine Dicke oder vielmehr eine „Dünne" von Bruchteilen eines Millimeters besitzen! — Kurze Nachrichten aus Kunst unb W issen - schast. In Athen wurde am Sonntag der 16. Orien- t a l i st en - K o n g r e ß eröffnet. Anwesend waren die königliche Familie, der Kronprinz von Sachsen und zahlreiche Orientalisten aus der ganzen Welt, u. a. Professor Delbrück von ber- Universität Jena. Bestbewährte Glühlampe 70’ o Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910 Durch die Hlektrirltitewerke und Installation^ gcechalle zu bcxtehcn. Aeariesellechaft, Berlin 0.17 *•131.3 «wat 1 Äimm Bnb. 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Aus Rom wird gemeldet: Ter P a p st sah am ^»termontao bei einem Empfang uiigariicfrer P ^er ziemlidi niederaesa lagen Imb matt aus, jedoch ist kein Grund zu unmittelbarer Beiorgnir vorhanden. Ter Plan, b-n Vatikan mit V en e d i g t e le phonisch zu verbinocn, damit der Papst so die von ihm geschenkten Glocken am Einweihungstage des neuen Camvaml- hören rönne, ist enr Rat oer Aerzte aufgegeben worden, die ein- zu starke Gemütsbewegung des Papstes befürchten Aus Konstantinopel verlautet gerüchtweise, daß der G r o ß w e s i r s a i d Pascha, der seit ungefähr drei Monaten Trant ist und nicht auf der Pforte erscheint, sondern die Angelegen beiten seines Ressorts zu Dause erledigt, die tatsächliche Leitung der Geschäfte nicht mehr übernehmen werde Die Jungt.irkev sollen Verhandlungen führen, um das Großwesirrat einer anderen Persönlichkeit anzuvertraucn. Es verlautet sogardaß mit Kiami Pascha Unterhandlungen gepflogen werden. Ter Wechsel im Großwesirrat soll nach Eröffnung des Parlaments erfolgen. Wie aus Fez gemeldet wird, trifft der Sultan je? einigen Tagen eifrig Vorbereitungen zu seiner baldigen Abreise nach Rabat Er hat alle ihm persönlich gehörenden Gegen stände aus dem Machsen-Palast in seinen eigenen Überfüllen lassen: auch seine Frauen sind bereits übergesiedelt. Die Ab reise Mulan vafids dürfte in der zweiten Hälfte des April, un gesähr zu derselben Zeit wie die des Gesandten Regnault. statt- finden. Der Sultan beabsichtigt angeblich von Rabat nach Paris zu reisen, wo er An sang Juni eintrefsen dürfte. Wie die Agenzia Stefani aus Adis Abeba meldet, hatte Kaiser Mcnelik in der letzten Zeit einen neuen faweren Anfall seines Leidens. Die Kaiserin T a i t u ist ebenfalls schlver erkrankt. Rach Ti entfiner Nachrichten sind in S ch e n s i frem - denfeindlichc Unruhen ausgebrochen. Viele Mohammedaner wurden ermordet. = Frantenberg, ä. April. In 'JU t e n lot beim brannte nachts bas Gehöfte des Landwirts und Lieh- gern zahlten, weil gute Rinder für den Metzger und für dessen Kundschaft vorteilhafter sind als Fleisch von Tieren, die noch nicht ausgereift und halb gemästet sind. Tas Vieh flammt auä i.cr Gegend von Kassel und war ursprünglich für den Kölner Markt bestimmt. r _ . 1 ~ ** T i e Sonntagsfeuerwache ist seit dem 1. April wieder eingerichtet und in Notfällen durch telephonischen Anruf beim Polizeiaml zu rufen. Branddirektor Braubach hat mr die aus 6 Mann bestehende Sonntagsfeuerwache einen Kurven al-Ret- tungswagen Herstellen lassen, damit ihre Hilfe bei Bränden allen Anforderungen entsprechen kann. Der Wagen ist tn erster -.ime als Steigerwagen gedacht, mit Anstell-, Einsteck- und .ioan eitern oroic mit allen Geräten für eine Steigmannschafk ausgerüstet In ihm wird mitgesührt ein Sprungtuch, _ Selbitrettungs- und Traggurte, ferner ein Rauchschutzapparat für einen Feuerwehrmann Der Rettungswagen führt ferner einen Kohlensäureapparat und 200 Meter Schlauchmaterial mit, daß direkt an die Wasserleitung angelegt werden Fann, Für kleinere Zi.mnerbrände hat inan eine Krückensvritze nebst einem Wasserbehälter zur 93er» 'ügung, üm nicht bei einem Zimmerbrand, allzuviel Wasser tn das Gebäude gelangen zu lassen. Außerdem führt Irr Wagen Verbandszeug sowie eine Tragbahre mit, um Verlebte fortschanen zu können Jedenfalls ist dieser Universal-Rettunaswagen, der von Wagner Faber bergestellt ist, ein sehr praktisches Feuerwehrgerüst, um so mehr, als er sehr leicht von der Brandwache fortbewegt werden kann. ** Wandervögel. Am 1. und 2. CftcrTeiertaa zogen mrch die Stadt Gießen viele Wandervögel, die alle nach Marburg wanderten. Es befanden sich unter den durch Gießen ziehenden Wandervögeln solche aus Berlin, Leipzig. Nürnberg, München, Jena usw', die den allergrößten Teil ihres Weges zu Fuß zurückgelegt hatten und auf dem Wanderwege wieder in die Heimat zurücktippeln. •• D er Herr Förster In der Uniform eines preuß'- scheu Försters erschwindelte vor einigen Tagen hier ein Unbekannter ein Fahrrad. Er bestellte em neues Rad, das inan ihm nach Garbenheim direkt ans der Fabrik znienden solle, lieh, sich dann ein anderes Rad, um angeblich eine Besorgung zu machen und verschwand damit spurlos. Seine .'lngaben über seine Person und Wohnort erwiesen sich als falsch. •• Selb st Mordversuch. Gestern versuchte ein hier ansässiger junger Mann sich die Pulsader zu öffnen. Die Sache mißlang und der Lebensmüde wurde in die Klinik gebracht. Landkreis Gießen. X Grünberg, 7. April. Ter Besitzer der Grünberger Molkerei Hch. K. Zimmer von der Steinmühle hat sich gestern erschossen. Der gut situierte Mann hat anscheinend die Tat in geistiger Umnachtung begangen. ------ Utp h e, 7. April. Heule konnte durch das Kreisgesundheitsamt Gießen die Erkrankung zweier polnischer Arbeiterinnen an Blattern in dem Arbeitergehöft des Hof gutes Utphe festgesiellt werden. Beide Mädchen stammen aus Russisch- Polen, waren seit dem 23. März erst zugereist, hatten al'o die Krankheit von dort eingeschleppt. Geimpft waren beide nicht. Das Gehöft wurde gesperrt, die beiden Erkrantten nach Gießen in die Isolierbaracke gebracht und alle fremd- ländischen Arbeiter und Arbeiterinnen mit Schußpockenlymphe iofort geimpft. Damit hofft man der Weiterverbreitung dieser bösartigen, bei uns infolge des Impfzwanges äußerlt seltenen und dann immer von außen eingeschleppten Seuche Herr zu werden. Ein Grund zur Beunruhigung der Bevölkerung liegt sonach nicht vor. Kreis Alsfeld. W. Elbenrod, 8. April. Einbrecher drangen hier in öcn Keller des Gastwirts Fischer, stahlen zwei Fässer Bier von 12 und 18 Liter und nahmen noch 10 Limonaden- und 5 Flaschen Selterswasser mit. Aus einem int Keller lagernden Oelfasse entfernten sie den Kralmen, waren jedoch so vernünftig, das Spundloch mit einem Stück Holz zuzustopfen. In einem anderen Hause hießen sie 13 Hühner und eine Quantität Kartoffeln mitgehen. Die an den Türen befindlichen Schlösser fand man ersprengt vor. Es wurde sofort durch die Hunde des Wachtmeisters Glaub aus Grebenau und drei Gendarmen die Verfolgung der Diebe aufgenommen. Leider verloren die Hunde im Walde infolge des einsetzenden Regens die Spur. Offenbar hat man es wieder mit Zigeunern zu tun. Auch der Keller des Schulhauses wurde erbrochen, hier konnten die Diebe aber wegen der von innen verschlossenen Tür nicht in die Wohnung gelangen. Kreis Lauterbach. = Lauterbach, 8. April. Ter für die bessere Ausbildung und für die Fortbildung der Privatförster schon seit Jahren lebhaft und erfolgreich tätige Verein für P r i v a t f o r st b e a m t e Deutschlands hält vom 3. bis 29. Juni hier einen forstlichen Lehrgang für Privatförster ab. Lauterbach ist der Sitz der Verwaltung der Freiherren Riedesel zu Eisenbach. Ter zugehörige Wald hat eine Flächengröße von 12 560 Hektar, stockt teils auf Basalt, teils auf Buntsandstein und besteht aus 60 Proz. Laubholz (meist Rotbuche), 21 Proz. Kiefern und 19 Proz. Fichte. Ter Forst ist den Teilnehmern an diesem Lehrgänge zu Unterrichtszwecken geöffnet. Ten Waldbegängen soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Tas Ziel der Wirtschaftsführung ist die Verbilligung der Produktionskosten und damit die Steigerung der Rein-Einnahme. Tie Leitung des Lehrganges liegt in der Hand des Freiherrlich Riedeselschen Forstrats Eule- selb. Tie übrigen Lehrkräfte sind aus dem Norden und Süden, aus dem Osten und Westen unseres Vaterlandes gewonnen. Dadurch ist Gewähr geleistet, daß die mannigfachen Erfahrungen auf dem Gebiete der Forstwirtschaft zum Vortrage kommen. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 8. April. Wie bestimmt verlautet, wird die Gro ß h e r z o g l ich e Familie im Sommer, nach der Rückkehr von Rußland, für längere Zeit im hiesigen Schlosse Aufenthalt nehmen. --- Bad-Nauheim, 9 April. (Priv.-Tel.) Tie Ankunft der Deutschen Kaiserin erfolgt morgen. Mitt- woch, vormittag 8 15 Uhr. Starkenburg und Rbeinbefseu. rrn. Darmstadt, 8. April. Aufsehen erregt das Verschwinden des Zigarettenfabrikanten Jak. I a c o b s o h n , Inhaber der Zigaretten- und Hülsenfabrik „Globus" hier. I. stammt aus Russisch-Polen und kam vor etwa 3 Jahren hierher. I. soll seit langer Zeit dadurch erhebliche Steuerhinterziehungen begangen haben, daß er die Steuerbanderolen selbst anfertigen ließ. Hessen-Nassau [] M arburg, 8. April. Tie feit Jahren übliche Verteilung von Ostereiern an über 100 Kinder unbemittelter Ellern fand gestern nach beendigtem Gottesdienst in den Anlagen dcS Stadtparkes statt. Ter schönen Feier, bet der eine Ansprache gehalten und Österlicher gesungen wurden, sowie dem , Promenadenkonzert der Jägerkapclle, wohnte eine große Menschen- : 1 menge bei. Wandern unö Keifen* 0 Marburg, 8. Avril. Die deutschen Wandervögel in Marvurg. Marburgs Straßen und Gassen,hallen seit gestern wider vom Gesänge froher Wanderlieder, die. au5 iugendsrischen Kehlen kommend, durch eigenartige Manbolmen unb Harfenbegleitung erhöhten Reiz bekommen. In kurzen Unter- brcck ungen zieht eine Truppe Wandervögel nach der anderen, darunter auch viele Tarnen, aus allen Gauen Deutschlands, tn die Stadt ein um an dem Bundestag des deutschen Bundes für Jngendwanderungen „Wandervögel" Dem Bundestag des Vereins ,.Al Wandervogel" und dem Vecbandstag des alle Wandervogel Verbände umschließenden Verbandes deutscher Wandervögel" teil zunehmeii. Man schätzt die Zahl der bereits hier eingetroffenen Wandervögel auf über 1000, ein großer Teil soll noch unterwegs ein und erst morgen hier anfommen. Heute nachmittag fgnd auf dem Marktplatze eine Begrüßungsfeier statt, wobei-Beigeord neter Schimpfs die fremden Gäste im Namen der Stadt will kommen hieß. Ein Massenchor der Wandervögel trug unter Musikbegleitung einige Wanderlieder vor Tie jungen Leute ’inb teils in der Stadt, teils in den umliegenden Orten einguartiert. und eine Tochter. . _ . X. Hanau, 7. Avril. Als gestern in T ar ber g ber Landwirt Scherer mit seinem 17jährigen Sohn damit beschäftigt war, ein altes Wohngebäude abzubrechen, stürzte infolge eines heftigen Windstoßes eine Wand nach innen und erschlug den jungen Scherer. . t X. Fulda, 7. April. Ein Automobils in dem sich ber Kreisboniteur Budde, die Frau und beiden Söhne des Kgl. Domönenpächters Oberamtmanns Klostermann der Domäne Johannesberg bei Fulda befanden, geriet gestern nachmittag, als es auf der Straße einem entgegenkommenden Fuhrwerke ausweicken wollte, in den Chauffeegrabe'i, kippte nm und begrub die Insassen unter sich. Die Aniebörigen der Familie Sloitermann erlitten nur leichte Hautabschürfungen, Dagegen wurde der 46 Jahre alte, unverheiratete Budde derart schwer verletzt, daß er auf dem Transport zum Fuldaer Krankenhause starb. Fulda, 8. April. Den Höhepunkt des ernen für* hessischen Mu fikfcsteS unter Dem Protektorat der Land- qräfin von Hessen anläßlich des Diamantenen Jubiläums deS hiesigen OrotorienvereiuS ,G*ci(ia* am 11. und 12. Mai bildet die Aufsührung be§ Cratorium3 „Quo vadia im großen ?tadtfaal ?ldolf Müller-Frankfurt ivird den .PetriiS^, Lillmn Wiefeke-Berlin die ,£i)ciiad und Harzen-Berlin den .Prätorianerobersten" fingen. Zur Aufnahme eines Massen- choies haben auswärtige Gesangvereine, darunter einer auS Wien, ihr Erscheinen zugefaat. zeit. - Diese Ehrungen sollen auch den Schäfern, denen das wertvolle Sachsvieh im größten Teil des Jahres bei Tag und bei Nackt anvertraut ist, zuteil werden, wälfrend die Hirten von Gänsen und Schweinen, die nur vorübergehend und nur am Tage ihreo Amtes walten, davon ausgeschlossen bleiben sollen. Auch den Wald und Feldsckin^en, die mit polizeilichen Befugnissen ausgestattet sind, können die Auszeichnungen für langjährige land- wirtschaftliche Dienste nicht verliehen werden. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen konnte der Vorsitzende die Versammlung schließen ** Tic Sckweinemärkte sind in Gießen von dem Kreisamt unter gewissen Bedingungen wieder gestattet worden Ter erste Markt findet am 17. April statt. Arn gleichen Tage wird auch auf Oswaldsgarten Krämermarkt abgehalten. Tie Abhaltung der Rindviehmärkte ist ivegen der immer noch drohenden Seuckxmgefahr bis auf weiteres noch ausgesetzt. ** V o r t r e f f l i ck e s M a st v i e h. Ein hiesiger Viehhändler hat am Samstag vor Ostern in unserem Scklachthos 14 Mastrinder im Gewicht von 6—8 Zentnern eingestellt und an infere Metzger verkauft, wie sie in dieser Qualität äußerst selten hierher kommen. Tic Kernware erregte die Verwunderung ber Abnehmer, die dafür zwar einen hohen Preis anlegen mußten, diesen aber Aus Sta&t und <£anfc« Gießen, 9. April 1912. ♦♦Tie Dfterfeicrtagc brachten recht schönes Detter, das den Frühling wenigstens abnen ließ. In Feld und Wald beginnt es zu grünen und die bekannten Frühjahrsblumen beleben das bis jetzt noch ziemlich eintönige Bild. Von den Waldl«'iumen steht bis jetzt nur die Birke in Blättern, während die Buchen zwar starke Knospenbildung zeigen, die Knospen aber noch nicht springen lassen. Dafür ist die Hessenluft noch zu frisch, aber bald wird sich auch in unseren Waldern alles, alles wenden. Tas begehrteste Blümlein ist immer noch der Waldmeister und Männlein und Weiblein sah man sich in den Wäldern des Hangelstein, an der Hvchwart, am Schiffenberg usw. eifrig bücken, um das würzige Pflänzchen zu sammeln, das nachher auf den verschiedenen Ausflugspunkten den Griindstock für eine Bowle nbgeben sollte. Die elektrische Straßenbahn machte gute Geschäfte, dagegen war die innere Stadt in den Nachmittagsstunden recht still und einsam, bis der Abend die Ausflügler in Scharen zurückbrachte. Wer die Ostertage in Rheinliessen und Starkenburg verbrachte, konnte wieder feststellen, daß die Natur dort bereits viel weiter vorgeschrilieii ist, als in Oberhessen. An der Bergstraße grünt alles und prangen die Bäume hn Blütenschmuck. Man konnte in den Gärten der bekannten Sommerfrischen im Freien sich zum Kaffee niederlassen. Abends wehte freilick) auch dort ein kräftigeres Lüftchen, das aber nicht einmal „ohnmächtigen Schauer körnigen Eises" über die grünenden Felder wirft. Der Bahnverkehr gestaltete sich, entsprechend dem schönen Wetter, recht lebhaft. ** Das Bauhandwerk lag in den letzten Jahren bei uns ziemlich darnieder. Die Ursachen hierfür waren, daß es an größeren Staats- und Gemcindebauten ganz fehlte, und die pri vale Bautätigkeit sowie das Jmmobiliengeschäst durch Stempel gebühren und Steuern überbürdet ist und es schwer hält, zu erträglichen Zinsen 2. Hypotheken zu bekommen. Im laufenden Jahre scheint für die Bauunternehmer wieder eine bessere Zeit zu beginnen, da Aussicht vorhanden ist, daß es wenigstens nicht an Beschäftigung fehlen wird. Sollen doch, wie man zuverlässig hört, die Ohren und die Hautklinik, das Lnpusheim, das Amts gerichtsgebäude, der Schlachthofsweiterbau. die Oberrealschule und das in Aussichi genommene Unfallkrankenhaus noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden. Außerdem ist an Privatbauten kein Mangel, so daß für die Bauhandwerker und deren Arbeiter wieder bessere Zeiten in Aussicht zu stehen scheinen. Da anzunehmen ist, daß die Fertigstellung der in Angriff genommenen großen öffentlichen Bauten vor Ende 1913 nicht erfolgen wird und bis dahin wieder neue Arbeiten — wir erinnern nur au das Volksfckulgebäudc auf dem Seltersberg und den schon sagenhafi gewordenen Wasserturm an der Schönen Aussicht — spruchreif geworden sind, kann mit einer lang anhaltenden Besse rung im Baugeschäft gerechnet werden. ** Tie Ausschußsitzung des landwirtschaftlichen Prozinzialvereins sand am letzten Donnerstag hier im Hotel Viktoria statt. Zunächst wurden 25 neue Mit. qlicdcr ausgenommen, darunter wohl zum erstenmal ein akttver Offizier, der in Oberlfcssen begütert ist. — Tie Prüfung ber Rechnung für 1910 wurde dem dazu bestellten Ausschuß über* wiesen — Heber bett Voranschlag für 1912 würbe eifrig go sprockten und Vorschläge zur Verminberung einiger Posten in ben Ausgaben vorgescklagen, bic nach Möglichkeit in ber nächsten Zeit zur Ausführung kommen sollen Eine Neuwahl des Präsidenten wurde bis zur Hauptversammlung im Tezember b. I. hinausgeschobeu. lieber bic Maßnahmen zur Ehrung lanb- wirtschaftlicher Dienstboten für längere Dienstzeit be- richlei ber Präsibent. Die Ausgaben von Medaillen für fünfzehnjährige treue Arbeit in einer Arbeitsstelle, ober von Broschen an weibliche Bcbienslcte kann noch im April b. I. vor sich gehen, ebenso bie Ausgabe ber sehr gut gelungenen künstlerischen Diplome unter Glas unb Nahmen für 25jährige treue Diensd- händlers Menkel nieder. = Siebcnfoof, 8. April Auf Schloß Wittgenstein starb am Samstag ber Fürst Ludwig rn Sayn W i 11 g e n jt c_i n - Hohe n ft ein, ber Chef unb -senior des Gesamt-Haufcs )sayn. Vermischtes. * Eisenbahnunglück. Bei Eagecliff (Durham) e n t g l e i st e n mehrere Wagen des E r p r e ß z u g e s. Ter Zug riß schließlich auseinander: die Lokomotive und einige Wagen fuhren weiter, währ'nd die en'g'eisten Wagen dickt t vor einem Abgrunde stehen blickten. Von den 150 Passagieren, die tüchtig durcheinandergeriittckt wurden, erlitt niemand erheblichen Schaden. * Ter neue Leipziger H a u p t b a h n h o f, der größte Bahnhof Eurovas, wird am 1. Mai d. I in seiner westlichen, preußischen Hälfte in Betrieb genommen. Von diesem Tage ab werden, so wird uns aus Leipzig geschrieben, die aus ber Richtung Thüringen kommenden Züge auf ben neuen Bahnhof geführt. Am 20. September erfolgt die Verlegung des Verkehrs aus der Richtung Halle vom Berliner Bahnhof auf den neuen Hauptbahnhof unb am 1. Oktober 1912 werden die Züge aus ber Richtung Berlin vom Bäuerischen Bahnhof unb Berliner Bahnhof, sowie ber Schnell- unb Eilzugsverkehr aus ber Richtung Hof vom Bäuerischen Bahnhof auf ben neuen Bahnhof überführt. Am 1. Februar 1913 wirb dann ber Dresbener Verkehr vom jetzigen Dresbcner Bahnhof auf ben Hauptbahnhof verlegt, so daß bis zur Eröffnung ber Internationalen Bauausstellung Leipzig 1913 der gesamte dem künftigen Leipziger Hauptbahnhose zufallcnbe Eisenbahnverkehr sich auf der preußischen Hälfte des Hauptbahn- Hofes abwickelt. * Tie Sterblichkeit ber Gastwirte. Ter französische Mcbiziner Tr. Louis Jacguet veröffentlicht in der Presse ntebicalc bic Ergebnisse interessanter Forschungen, bie angestellt wurden, um den Zusammenhang zwiscl>en Beruf unb Sterblichkeit zu ergrünben. Tas Hauptaugenmerk bcs Forschrs war dabei auf den Stand gerichtet, der Alkohol aussckenkt und verkauft, also auf bic Gastwirte. Tas Ergebnis ber vergleichenben Untersuchungen ist bie interessante Feststellung, baß in allen Säubern die Gastwirte unb Besiper von Branntweinschenken eine ungleich größere Sterblichkeit aufweisen, als die Allgemeinheit. Währenb beispielsweise in Paris die Sterblichkeit der Männer zwischen 30 unb 49 Jahren 36,1 für das Tausend beträgt, erreicht sic unter den Gastwirten nicht weniger als 46,9. Und ähnlich liegen die Verhältnisse in der Schweiz: hier ist die Sterblichkeit der Männer in dem angegebenen Aller 25,8 von tausend, die ber Gastwirte aber 42,59. Das reichste unb vollstänbigste statistische Material liefert Englanb, wo seit 1860 bic Todesursachen^gcnau registriert werben. Tie englische Statistik berecknet bic Sterblichkeitsziffer in anberer Form unb kalkuliert bie Zahl der Männer zwischen 25 und 65 Jahren, bic erforderlich wäre, um in einem Jahre 1000 Todesfälle aufzuweifen. Da zeigt fick nun, baß in der Periode 1880—1882 auf 64 000 erwachsene Männer 1000 Todesfälle entfallen, während zur gleichen Zeit 64 000 (Gastwirte nicht weniger als 1521 Todesfälle mi verzeichnen haben würden. 1890 bis 1892 ergaben 41 000 Männer 1000 Todesfälle, während 11000 Gastwirte 1642 Todesfälle zu verzeichnen hätten Und von 1900—1902 verschiebt sich die Zahl noch weiter zu ungunften der Gastwirte: während auf 71000 Bürger 1000 Stet befällt entfallen, würden im gleichen Zeitraum 71000 englische Gastwirre mit 1669 Todesfällen zu rechnen haben. Kleine Cagerchronik. In Schleiz c r s ch o ß sich ber Schuler ber vierten Seminar- klasse G o e v e I aus Gera, weil er die -Reife für bie dritte Klasse nicht erlangt hatte. — In Kassel erhängte sich ein 1 Ojähx. Sohn eines Eisenbahnbeamten weil er nicht versetzt worden war. In Köln versuchte der Reisende K u 1 m a n n mit seinem 10jährigen Töchterchen auf den Trierer-Saarbrückener Zug »u springen als dieser sich bereits in Bewegung gesetzt hatte. Beide gerieten unter die Räder und wurden tödlich verletzt. Am Sonntag abend 8,15 Uhr fuhr im Bahnhof Ehreshoven der Sonntagszug 1462 statt am Bahnhof zu halten, auf einen in Verlängerung des Einfahrgleises stehenden Prellbock rociter. Hierbei entgleisten bic Lokomotive unb zwei Personenwagen. Der Lokomotivführer wurde getötet, Reisende Hieben unverletzt Raymond Ea 11 emin, einer ber Uomplizen ber Automobil- banbiten Bonnot unb G a r n i er, ist im neunten Arronbissemenl von P ar i s verhaftet worben. Präsident Falliöres hat bic beiben zum Tode verurteilten Verbrecher A n b r ä unb Nutze! begnabigt, die «/OSRAM LAMPEN Ferd. 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Georg Kerschenstemers Schilderung der amerikanischen Volksschule und Professor Ludwig KemmerS Abhandlung über militärische Ausbildung der Jugend. Die erste Veröffentlichung aus dem Nachlaß I. V. Widmanns: eine Reisebeschreibung, Die Handel. X Hungen, 8. Avril. Wegen der im Konkurs befindlichen Gewerkschaft des Eisenbergwerkes E l if e n b u rg bierseldft steht am 1.'. ds. MtS., vormiltagS 9 Uhr, Gläubiaertermln vor dem Amtsgericht an. Wie man hört, soll eine Heberscbuldimg der Gewerkleba't eigemlich gar nicht vor liegen, wenigstens nicht in dem Sinne, daß es nicht möglich wäre, das Unternehmen vielleicht durch ein Abkommen mit den Gläubigern fortjufübren. Heller hoher Laden Seltersweg 52 (notorisch beste Geschäftslage I für i. April oder später zu vermieten. 62 Curt v. Miinchow. Versteigerung Mittwoch, den 10. Avril ds. 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Mai adia im nrohen drn .'Betrug ü^n-Berlin den eines Massen- runter einer ans 'olt » Ä&nx g A sich Dv ßhre- nhc bl'eb^^Mobtl Widmann als Student geschrieben hat, ist für bie Literaturfrcunde ebenso wichtig, wie die Briese Hermann Linggs aus den Rcvo- lutionsiahren, die eine unbekannte Episode aus dem Leben des Sicht erd — er wurde durch die furchtbaren Eindrücke, die er als Militärarzt erlebte, vorübergehend geisteskrank — aufhellen und Professor Artur Farinellis (Turin) Aufsatz über Baumgartners italienische Literaturgeschichte, der dem gefeierten Iesuitenvatcr schwere Irrtümer und Plagiate nachweist. Prof. Josef Schnitzers „Bekenntnis eines demokratischen Priesters", Proseftor Erich von Drngalskis „Südpolarfahrt Roald Amundsens", Briefe Eduard „Wenn Sie von hartnäckigen Flechten, juckenden Hautausschlägen nsro. geplagt stnd, so daß der Hautreiz Sie nicht schlafen läßt, brmgt Ihnen Zucker s „Saluderma" rasche Hilfe. Aerztlich warm emvf. Dose 50 Pf. u. 1 M. lstärkste Form» bei W. 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