Ans Heften. Ans dem Finanzausschuh. bs. Darmstadt, 7. Juni Auch in der heutigen Sitzung des Finanzausschusses kam man zu keiner Klärung der Tinge. Nach wie vor herrscht unter den Vertretern der einzelnen Parteien Uneinigkeit. Ta auch die Negierung sich in keiner Weise nachgiebig zeigt, schreiten die Verhandlungen nicht vorwärts. Uebcr den Verlauf der nächsten Sitzungen wird wohl auch kaum etwas an die Oeffentlich- feit dringen. Wie eifrig man aber bestrebt ist, zu irgend einem Ergebnis zu kommen, geht daraus hervor, daß sclbir für morgen, Samstag, eine Sitzung anberaumt ist, obwohl es sonst als ein Brauch der Wammer gilt, Samstags und Montags keine Sitzungen abzuhalten. ♦ Von den beiden Gießener Abgeordneten, Herren Justizrat Grünewald und Professor Urstadt, erhalten wir zu den letzten Mitteilungen unseres Tarmstädter Mitarbeiters folgende Richtigstellung: Wenn Sie tn Ihrer Nr. 131 mitteilen, daß bezüglich der Besoldungsvorlagc die Fraktion der fortschrittlichen Bolksvartci des Landtags gespalten sei, so ist demgegenüber fcstzustellcn, daß uns unterzeichneten Abgeordneten von einer solchen Spaltung nichts bekannt ist: sie mußte uns aber doch eigentlich bekannt sein, wenn sie bestünde. Tu* Fraktion in Anwesenheit aller Mitglieder hat Punkt für Punkt beraten und sestgestelll, wie sich der Fraklionsredner Abg. Henrich verhallen solle, derselbe stehl während der Ausschußberalungen forlgesetzt im Einvernehmen mit uns, und es existiert keine Meinungsverschiedenheit. Die Fraktion will Erhöhung der Beamtengehälter auf der Grundlage der Negierungsvorlage, sie will gleichzeitige Beseitigung der Ungleichheiten, sie will Deckung auf dem regierungsseitig vorgeschlagenen Wege mit den bekannten Modifikationen und Gegenvorschlägen. ($krid?t»jaaU Leipzig, 7. Juni. Tas Reichsgericht verwarf die von den Direktoren Ohm und Schmidt der Niederdeutschen Bank in Dortmund gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund am 21. November 1911 eingelegte Revision. Luftschiftahrt. Hamburg, 7. Juni. Tas Luftschisf „Z. 3" ist nachts 12 Uhr 45 Min. nach Friedrichshafen abgegangen. An Bord des Schilfes befinden sich Graf Zeppelin, der gegen Mitternacht in Hamburg eintraf und sich sogleich zum Luftschii'shafen begab. Vermischte». ♦ Ter ausgepfiffene Ehrendoktor. Aus London wird gemeldet: In der Unioeriität Aberdeen in Schottland wurde der als Ehrendoktor die Antrittsrede haltende Ear- n c g i e von den Studenten ausgepsifsen. Sie zerschlugen ettoa 120 Stühle und bombardierten dann einander mit den Trümmern. * Schlägerei zwischen Studenten und M e tz - gern. Aus Heidelberg, 7. Juni, wird gemeldet: Heute nacht fand hier aus dem Heumarkt .wischen etwa 30 Meyger- gesellen und Mitgliedern der Burschenschaft „Frankonia" eine blutige Rauferei statt, bei der auch das Messer eine Rolle spielte Mehrere Studenten sollen schwere Verletzungen davon geiragcr haben. Drucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr, 7 General-Anzeiger für Gberhesien Die Tiszas. honisi des der um das den umoristischer Schlaac umph der 8it) Tie „Gletzener Zamllienblätter" werden dem „Anzeiger' Piermai wöchentlich betgelegt, oal „Krtiiblah für deu Ertli Gießen- zweimal wöchentlich. Die „raudwlnschaftliche, Lett- fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Ph P1»cluhaaie i? Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion:«-^ 11L. rell-Adr^AnzeigerEieben. Samstag, 8. Juni 19(2 Rotottonsdruck und vertag der Vrühl'fch« UnwersuLtß - vuch- und bleindruckerri. R. Lang«, Ließen. holismus Derrn Pcincc. irger Brüu übertrumpfen, — an Schlauheit und an Mut! äKM •cr “ / 12'/, UF1ä 7 # l 9. »rBall 5 W . Sarte" Freitag, 2t * Neuer Lärm im Abgeordnetenhause. Ofen pest, 7. Juni. Im Abgeordnetenhaus erneuerten sich die Sturmszenen der letzten Tage abermals unb verliefen ganz in der nämlichen Weise wie früher. Zuerst drangen die ausgewiesenen Abgeordneten in den Sitzungssaal, wurden jeboeb vor Beginn ber Sitzung von Polizisten entfernt. Hierauf eröffnete ber Präsident Graf Tisza die Sitzung, von den Oppositionellen, die bisher noch nicht ausgewiesen sind, mit W u t a e h e u 1, unsäglichen Beschimplungen und gewaltigem Lärm empfangen. Präsident Graf Tisza notierte die Ruhestörer und hob die Sitzung auf. Ein Revolveranschlag ans Gras Stephan Tisza. Ofenpest, 7. Juni. Im Abgeordnetenhaus gab ber Abgeordnete Julius Kovacs auf den Präsidenten Grafen Stepl-an Tisza mehrere Revo 1 verschüsse ab, ohne ihn zu treffen und schoß dann zweimal auf sich selbst. Kovacs starb wenige Minuten fpäter. lieber die Sitzung des Abgeordnetenhauses wird berichtet: Nach der Hinausführung der oppositionellen -ib» geordneten nahm Graf Stephan Tisza um Uyr lieber den Vorsitz ein und sagte: Ich muß wieder über bedauerliche Vorfälle sprechen, welche sich heute ereignet haben. I n diesem Moment stürzte durch dte linksseitige Journalistenloge der aus- aewieseneAbgeordneteJuliusKovacsinden Saal, drang bis zur dritten Bankreihe vor und feuerte unter dem Ruf: „Es gibt n o ch einen oppositionellen Abgeordneten!" zwei bis drei Schüsse in der Richtung auf den Präsidenten ab Eine große Anzahl Abgeordneter der Regierungspartei stürzten sich auf ihn und versuchten, ihm ben Revolver zu entreißen. Ter Präsident blieb unverletzt. Hieraus gab Kovacs zwei Schüsse auf sich selbst ab und stürzte zusammen. Es entstand ein unbeschreiblicher Tumult. Tie Mgeordneten schrien den Journalisten zu: „Ihr habt ihn hereingelassen!" Tie Journalisten bestritten dies energisch. Kovacs wurde in das Zimmer des Arztes des Abgeordnetenhanses geschafft und starb dort einige Minuten später. Präsident Tisza hatte sich erhoben, nahin aber gleich wieder den Präsidentensitz ein und faßte, nachdem sich die Panik gelegt hatte: Nachdem es sich um die T'at eines Wahn- witzigen handelt, der sich ber irdischen Ge- red) t ig leit entzogen hat, frage i ch, gehen wir darüber zur Tagesordnung über? Hierauf setzte der Präsident feine Ausführungen fort. Tie Sitzung dauert an. Der Anschlag spielte sick) im einzelnen folgendermaßen ab: Nachdem sämtliche oppositionellen Abgeordneten aus dem Sitzungssaal entfernt worden waren, erschien Graf Tisza auf ber Estrade. Er wollte eben seine Rede beginnen, als mehrere Schüsse ertönten. Ter ausgewiesene Abgeordnete ber Bauernpartei, Julius Kovacs, hatte mit bem Ruse: „Es gibt hier noch einen Oppositionellen!" brei Schüsse gegen Tisza abgefeuert. Tic Kugeln brangen in bas Pult des Präsidenten: Tisza blieb unverletzt. Tie Mitglieder ber Regierungspartei stürzten sich in höchster Erregung auf ben Täter. Tiefer feuerte einen Schuß gegen sich ab, welcher ihn tödlich verletzte. Journalisten trugen den Schwerverletzten aus dem Saale; Tisza blieb unbeweglich auf dem Präsidentensitz und zuckte mit keiner Miene. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, ergriff er das Wort und sagte: „Wir stehen der Tat eines unglücklichen Wahnsinnigen gegenüber, der mit -eigener Hand sich ber ftrafenben Gerechtigkeit entzogen hat. Wir gehen nunmehr mir bem Ausdruck der Teilnahme, die wir den Handlungen und Schicksalen solcher traurigen Wahnsinnigen widmen, zur Tagesordnung über." Hierauf schritt Tisza zur Verlesung des Präsidialeinlaufs. Nach einer Weile mußte infolge der herrschenden Aufregung die Sitzung unterbrochen werden. Nach einer Pause von fünf Minuten eröffnete Graf Tisza neuerdings die Sitzung und ordnete die dritte Lesung der Militärstrafprozeßordnung an. Hierauf schritt das Abgeordnetenhaus zur Verhandlung des Einführungsgesetzes zur Zivilprozeßordnung. Nach Schluß der Verhanblung ergriff Graf Khuen-Hebervary bas Wort und sagte: Tas Protokoll der heutigen Sitzung wäre unvollständig, wenn es nicht den Ausdruck der Entrüstung und des Entsetzens enthalte, welchen das meuchlerische Attentat auf unseren verehrten Präsidenten erweckt habe. Wir müssen ber Vorsehung bauten für bie glückliche Errettung eines hervorragenoen Mannes, ber im Dienste bes Vaterlandes ber Gefahr ausgesetzt gewesen ist, einem meuchlerischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ber nur baburch erklärlich ist, baß er im Wahnsinn begangen würbe. Auch können wir nicht umhin, noch be- fonbers bie heroische Kaltblütigkeit zu bewundern, die Graf Tisza in diesem verhängnisvollen Moment bewiesen hat. Tie Rede war wiederholt von stürmischen Ovationen für Tisza unterbrochen. Alle Mitglieder des Hauses erhoben sich und brachen in begeisterte Eljenruse aus. Unmittelbar nach bem Attentat machten einige Abgeorbnete der Regierungspartei den Mitgliedern der Journalistengalerie heftige Vorwürfe, weil sie dem Täter den Zutritt gestattet hätten. Die Journalisten erklärten entschieden, daß Kovacs ganz unbemertt auf ber Journal!stengalerie erschienen sei unb sofort die Tat verübte. Tie Abgeorbneten entschuldigten sich hierauf wegen ber ungerechtfertigten Vorwürfe. Eine Rechtfertigung Tiszas. In einer längeren Rebe nach dem Anschlag führte Graf Tisza aus, bas Abgeorbnetenhaus hätte erwarten können, daß cr Vorkehrungen treffe, damit die ausgeschlossenen Mitglieder nickst in bas Abgeordnetenhaus zurückkehren konnten. Ta ich bemerkte, erklärte Graf Tisza, daß die ausgeschlossenen Abgeordneten bestrebt sind, die Straße zu mobilisieren, erschien es mir richtig, ihnen zu gestatten, in den Sitzungssaal hineinzukommcn, wenn Sie es für gut halten. Tann aber verfüge ich die Entfernung aus dem Sitzungssaale. (Allgemeiner lebhafter Beifall.- Um die öffentliche Meinung zu beruhigen, erkläre ich, daß alle unsere Beschlüsse streng in der von der Geschäftsordnung vorgeschriebenen Form gefaßt find. Nur bie Annahme des Wehrgesetzes bildete eine Ausnahme insofern, als das Präsidium infolge der elf Monate währenden Obstruktion gezwungen war, die Geschäftsordnung so zu handhaben, daß bie technische Obstruktion eine Beschlußfassung nicht verhindern konnte. Gegenüber dem Vorwurf, daß das Parlament jetzt ein Rumpfparlament sei, weise ich darauf hin, daß sämtliche oppositionellen Abgeordneten unter den von der Hausordnung vorgeschriebenen Bedingungen aus dem Sitzungssaal entfernt wurden. Bereits in jedem Parlament ist eine Ausweisung gegenüber renitenten Mitgliedern oorgenom- men worden, doch in England, Frankreich und Deutsch- laiid ist niemals gesagt worden, öaß dadurch der Parlamentarismus mit Schmach unb Schande bedeckt wird, weil einzelne Abgeordnete polizeilich entfernt werden mußten. Würde doch dem Parlamentarismus ein großer Schaden zugefügt, wenn das Parlament renitenten Mitgliedern gegenüber nicht bie Ordnung aufrecht zu erhalten vermöchte. Kovacs lebt. Ofenpest, 7. Juni. Ter Abgeordnete Julius Kovacs ist nicht tot. Er wurde vom Abgeordnetenhaus Nr. 133 Zweites Blatt 162. Jahrgang ©iefjencr Anzeiger Urthte zu vermiet., evtl, mit ZUUCH Wohnung, Streben: mobil. Näb-i-L Stock. 2851 PsMM in Dfnnictcn. 2086 Walltorstrastc 48. nh-WSichemangel »hertoce 55 p. «*• ^iflftra6c6£t>. 3-Zimm-Wobn. au verm. 3767 Grabenstraste 8. k äiffeat, sofort gesucht. 14056 SelterSweg 24. 26901 38 */a ventl. jung. ob. äst. Mann gesucht.welche Ehepaar!zurAuobtldung iBUjliyC olUMctroae.Qauiion Baüemeiiter u. Masseur stellen kann. 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Offerten sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens am 20. d. Mts., abends 6 Uhr, bei uns einzureichen. Gießen, den 6. Juni 1912. Großherzogliche Handelskammer Gießen. S. Heichelheim. Fernsprecher 754 Vergebung von Gauarbeiten. Die zur Wiederherstellung des SchulhauseS zu' Nüddingshausen notwendigen: Schlosser-, Schreiner-, Zimmer- und Wests' biuderarbeiten sollen im Wege öffentlichen Angebot vergeben werden. Die Angebots),nterlagen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Nüddingshausen während der Diensl« stunden zur Einsicht der Interessenten offen und roir> zur Erteilung von Auskunft am Freitag, den 14. Ium. von vormittags 11 x/a Uhr ab, ein Beamter bts Großh. Kreisbauinspektors, daselbst anwesend sein. Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehe», sind verschlossen und portofrei spätestens bis zum Montag, den 17. Juni ds. IS., vormittags lV/2 Uhr, an Großh. Bürgermeisterei Nüddingshausen ein« zureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt vor behalten. Gießen, den 5. Juni 1912. Der Großherzogliche Kreisbauinspektor. _________________________________________ ■ Statt besonderer Anzeige. Es hat Gott gefallen, unsere liebe Tante Emilie Briegleb heute morgen 5 Uhr nach langem Leiden zu sich zu nehmen. Schmiedezwangsinnung. In der zweiten Quartalsversammlung vom 28. Avri (Mienen wurden die Preise über ausinfäOrcnöen SlisWüq Beliebter Ausflugsort. --------- Schöner, schattiger Garten, grober Saal, Terrasse. Gute Küche, Helle und dunkle Biere, Welne erüerFermen. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die zahlreichen Blumen- und Kranzspenden, sowie die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer (Buhmann bei dem schweren Verluste unserer lieben Tochter Anna sagen wir unseren tiefgefühlten Dank. Familie Geitzler. Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Buscher. 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