m. 289 Der «ebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -iedenerFamilienblatter zweimal wöchentl.Areis- blatt fürdenAreir Ziehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land wirtschaftliche Seitsrogen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Abreste iür Depeschen: Anzeiger Stießen. Annahme von Anzeigen iür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Samstag, 7. Dezember 1912 Erstes Blatt 162. Jahrgang Anzeigenteil: H. Beck. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. ä A vezugsvrer»: jflHHr inonatlich75Vi^viertel- GiehenerAnzeigerW wVm^ politischen Teil: Augus General-Anzeiger für Gberhessen MLM Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. 0^"E.He^°ar den Die heutige Nummer umfaßt 28 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 7. Dezember. lieber die Wirkung der Auslandsreoe des Reichskanzlers hat der Reichstag, als er sie — mit Ausnahme der Sozialdemokraten — billigte, sich nicht getäuscht. Die Petersburger Presse ist einsilbig und vielleicht ettvas ratlos geworden; einige Blätter, die der Allslawenpolitik dienen, haben zwar angedeutet, die Lage sei ernst geworden, enthielten sich aber aller herausfordernden Wendlmgen. Dagegen spreizte der gallische Hahn sein Gefieder. Deutschland will, wenn nötig, sich entschlossen auf die Seite seines Bundesgenossen stellen; da mußte es unseren westlichen Nachbarn notwendig erscheinen, mit dem russischen Verbündeten ebenfalls einen Händedruck zu wechseln. Aber während die französische Presse an der Bethmannschen Rede den barschen Ton tadelte und Deutschland als Störenfried hinzustellen suchte, hat der Ministerpräsident Poin- care in seiner gestern mitgeteilten Rede große Zurückhaltung geübt. Er erklärte nur, daß die französischen Bündnisse und Freundschaften auch „neuerlich Kraft und Wirksam leit beweisen" würden. Das klingt sehr friedlich, wie überhaupt die ganze Rede beweist, daß der Optimismus der deutschen Regierung diesmal berechtigt scheint. Neu war die Mitteilung, daß ein französisch-russischer Gedankenaustausch über „ernste Schwierigkeiten auf dem Balkan" schon im vergangenen Januar eingesetzt hat und daß Rußland freiwillig den Herren an der Seine die Zusicherung gab, cs wolle den: Status quo auf dem Balkan treu bleiben. Wie mir in Deutschland ein Interesse daran haben, daß Oesterreich keine Balkanabenteuer s u ch t, so könnten Frank reich ebensolche russische Treibereien nur ungelegen kommen. Wir haben mit Freuden aus der Rede Poincares er- slchen können, daß Frankreich weit davon entfernt ist, eine Erschütterung des Weltfriedens zu wünschen. Es l)at die Türkei sogar auf die neue nahende Gefahr schon im Frühjahr aufmerksam gemacht. Die interessante Enthüllung aus der Vorgeschichte der jetzigen Balkanhändel sollte dartun, daß Frankreich eine konsequente Friedenspolitik getrieben hat, und wenn es richtig ist, daß auch Rußland keine Kriegspolitik beabsichtigte, so würde man heute wirklich der Annahme näher rücken, daß England bei dem Balkanbergrutsch ein bißchen die Hand im Spiele hatte. Auch in London hat man an der Lokalisierung des Balkankrieges mitgewirkt, und man begnügt sich heute über dem Kanal damit, daß die auf den: Balkan neu erstandene Slawenmacht der Berliner und Wiener Politik zu schaffen machen wird, mährend England unter den: abnehmenden türkischen Halbmond in Afrika und Asien seinen Einfluß stärkt. Schon ist, ivie gestern mitgeteilt wurde, am Donnerstag im englischen Unterhaus die Zukunft Eyperns besprochen worden, und Sir Edward Grey hat nicht etwa in dlbredc gestellt, daß solche Fragen die Londoner Konferenz auch bcscl)äftigcn werden. Man ivird sich mit der östlichsten Mittclmeerinsel, deren Verwaltung England bekanntlirb. schon im Jahre 1878, beim Berliner Kongreß, von der Türkei sich gesichert hat, nicht etwa ^begnügen. Der Islam wird weiterhin in Afrika und Asien dem britischen Jnselreich tributpflichtig gemacht. Vor einigen Tagen berichtete die „Evening News", eine Bevorstehende deutsch-englische Verständigung werde nicht nur Mittelmeer fragen, sondern auch „die afrikanische Frage" regeln. Hat Herr v. Kiderlen-Wächter solche Aussichten im Auge gehabt. als er die guten deutsch-englischen Beziehungen lobte? Man wird die Ergebnisse abwarten müssen, um zu beurteilen, ob die bevorstehenden Friedcnsvcrhandlungen zu einer Schwächung Deutschlands und des Deutschtums führen, oder ob neue Vorteile und Aussichten uns für die Veränderungen auf dem Balkan entschädigen werden. Für ein dauerndes deutsch-englisches Einvernehmen stehen die Zeichen im übrigen nicht sehr günstig. Die Jnvasionsfurcht unserer Vettern, ihre argwöhnische Ausschau nach Luftfahrzeugen und die Ermunterung der englischen Kolonien, dem Mutter- landc wegen seiner schwieriger werdenden Lage zur See Kriegsschiffe erbauen zu helfen, das alles sieht nicht nach einer Aufheiterung des Himmels aus. In der inneren Politik Deutschlands ballen sich über dem Haupte des Herrn v. Bethmann-Hollweg schwarze Wolken zusammen. Das Zentrum hat ihm durch Herrn Peter Spahn im Reick)stag wegen seiner Haltung in der Jesuitenfrage den Krieg erklärt. „Schwarze Dämpfe, ent steiget, entsteiget qualmend dem Abgrund! Verschlinget des Tages lieblichen Schein". Auch das angebliche scharfe Wort des Kanzlers über die anmaßende Politik des Vatikans und die angedrohte Zurückziehrmg der diplomatischen Vertretung ist noch nicht unzweideutig dementiert worden. Trotzdem darf man mit mehreren Rednern der Parteien im Reichstage annehmen, daß die schwarzen Wolken sich nicht entladen werden. Die Vermutung, daß das Zentrum mit diesen: plötzlichen, überlauten Eintreten für Loyolas eifrige Scharen sich nur das Herz des Heiligen Vaters wiedcrgewinnen will, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die angeblich „interkonfessionelle" Partei war dem Papste bekanntlich verdächtig geworden, und wie er die interkonfessionellen Gewerkschaften zwar nicht mißbilligte, aber die rein katholischen Vereine lobte und segnete, so hat er mehr als einmal auch dem Zentrum nahe legen lassen, daß eS in allen Lagen der höheren Weisheit Roms folgen möge. Dagegen wehren sich nun die Leute um Spahn und Groebcr. Sie sind die klügeren Taktiker, und sie wissen wohl, daß das laute Jammern nach den lieben Jesuiten den strengen Modernistenverfolgcrn in Rom als sehr zeitgemäß und erfreulich für den kirchlichen Geist in Deutschland erscheinen wird. Die schlichte, stille Abschaffung des verhaßten Gesetzes im deutschen Reichstag würde diese Wirkung nicht ganz erzielen, denn sie wäre im Grunde ein Geschenk von der gewachsenen Zahl der „Genossen". Darum mußte in der gestrigen Reichstagssitzunig Herr Groeber noch einmol wirkungsvoll die Fäuste ballen. Aber es scheint, daß im ganzen Reichstag außer den Zentrumsreihen kein Mensch diese Drohungen gegen die Regierung recht ernst nimmt. Und trotz bombastischer Entrüstungsausdrücke legt die Partei der römischen Kircheninteressen ihre Worte sehr auf die Wagschale, bevor sie hinaus in die Welt geschickt werden. Auf der einen Seite will man dem Papste wohlgefällig erscheinen, auf der andern aber ist man ängstlich bemüht, den Schein aufrecht zu erhalten, als vertrete man im deutschen Parlament nicht lediglich konfessionelle Interessen. Man wird aber die Zentrumspolitik für die Zukunft sehr sorgfältig beobachten müssen. Die Zeit der Vorbereitung. Nun gibt es, wie es scheint, außer dem serbischen auch noch einen griechischen Konflikt. Auch Griechenland trotzt den Mächten. Die Spannung der Welt ist jetzt darauf gerichtet, ob es den deutlicher werdenden Mahnungen Oesterreichs und Italiens folge,: und von der Besetzung Dalonas Abstand nehmen wird. Daß die provisorische Regierung Albaniens ein Werk Oesterreichs ist, wird mit jedem Tage greifbarer. Griechen und Serben werden schließlich trotz allem mit langen Nasen abziehen müssen. Der österreichisch-italienische Protest, Wien, 6 Dez. Die Gesandten Oesterreich-, Ungarns und Italiens in Athen unternahmen gestern, wie der Vertreter des Wolff Bureaus von zuständiger Seite erfährt, bei der griechischen Regierung Schritte, wobei sie mittcilten, daß ihxe Regierungen in die Besetzung Valonas und der Insel Saseno nicht ein Willi gen könnten. Valona, 6. Dez. (Agenzia Stefani.) Die provisorische Regierung bildete das neue Kabinett folgendermaßen: Präsidium und Aeußeres Ismail Kemal Bey, Vizepräsident ohne Portefeuille Monsignore B a c c i 0 n i, Krieg M e h m ed Pascha D c r h a l l a , Inneres Mufid Bey, Finanzen Abdi Bey Toptani, Justiz Pitteo Togra, Unterricht Guracuc Chi, öffentliche Arbeiten Midmat Bey Frashcri, Post und Telegraphen Lefnosi, Ackerbau und Handel Pandelitzali. Ein Senat, der bis jetzt aus achtzehn Mitgliedern besteht, ist eingesetzt worden, zum Präsidenten wurde Zefnel Bey aus Ipek gewählt. Zu Kommandanten der nationalen Miliz wurden ernannt Issa Boljetinaz und Riza Bey. Sämtliche Wahlen erfolgten in der Nationalversammlung. Das Kabinett setzt sich aus zwei Katholiken, drei Orthodox e n u n d fünf M u s e l m a n e n z u s a n: m c n. Sämtliche Gewühlten sind einflußreiche Persönlichkeiten. Dem „Matin" wird aus Belgrad telegraphiert: Die Ansicht der Serbe,: über das künftige Albanien sei, daß Albanier: inbetreff Serbiens und Grieck>enlands in ähnlicher Weise abgegrenzt werden möge, wie Dalmatien bezüglich der Herzegowina. Alle Flüsse und deren Nebenflüsse, die in das Adriatische Meer münden, sollen Albanien gehören, alle Flußläufe, die in der: Ochrido-See münden, sollen Ser- bien und Griechenland gehören. Danach würde die Nordgrenze Albaniens durch eine vom Kap Rodini längs des Matti-Flusses nach Dibra durch das Drin-Tal an dem Westufer des Ochridcrsees gezogene Linie gebildet wer-, den und der See selbst Serbin: und Bulgarien zufallen. Die Ansicht Griechenlands bezüglich der Süd und Südost- Grenze sei noch nicht bekannt, doch würde auch diese Grenze nach dem Grundsatz der Wasserläufe bestimmt werden. Aus Saloniki. Die „Voss. Ztg." meldet aus Sofia: Angeblich sollen die Griechen den bulgarischen General Theo- dorow aufgefordert haben, seine Truppen aus Saloniki zurückzuziehen. Serbischer Nebermut. Die „Deutsche Tageszeitung" berichtet aus Semlin: Das serbische Regierungsorgan „Samouprava" kritisiert die Kanzlerrede höhnisch. Andere Blätter ergehen sich in nicht wiederzugebenden Ausfällen gegen den deutschen und den österreichischen Kaiser. Für die nächste Woche werden hier allgemein schwerwiegn:de Ereignisse erwartet. Nach Pariser Meldungen aus Belgrad erklärte Ministerpräsident Pasitsch, Serbien wolle keinen neuen Krieg an fangen. Er hoffe auf einen fried-, lichen Ausgleich. Serbien soll tatsächlich entschlossen sein, Als Mutter offenbarte Fräulein Brehm herzliche, schlichte Beredsamkeit und innige Empfindung. Ten Bürgermeister gab Herr Goll in einer prächtigen Maske sicher und treffend. Dem braven Lorenz lieh Herr Bruchwitz eine schlichte Kraft und den Pfarrer spielte Herr Vvlck mit salbungsvoller Würde. Von den übrigen Darstellern sind Fräulein Scholz als Barbara, sowie die Herren Grosser-Braun als Martin und Paul Gerhardt als Johann zu erwähnen. N. Das Theater in der Sonne des Humors. Unter dem obigen Titel hat Dr. W. Ahrens, der Herausgeber einer bekannten Sammlung „Gelehrten-Anekdoten", soeben im Verlage von Hermann Sack, Berlin W. 35, eine reichhaltige Sammlung kleiner fcitcrcr Theatergeschichten erscheinen lassen und in dem mit vortrefflichen Bildern geschmückten Buche ein Werk geschaffen, das für Jung und Alt eine anziehende und höchst amüsante Lektüre bilden wird. Wir entnehmen dem Buche folgende Proben: Johann Nestrop, der bekannte Komiker und erfolgreiche Possendichter, verabscheute die oft recht spießbürgerlichen Jfflano- schen Stücke. Unsäglich kleinlich erschien cs ihm, daß in diesen Stücken ost der ganze dramatische Knoten um eine Bagatelle von einigen Dutzend Talern geschürzt ist, die irgcndeinein braven Manne des Stückes sehlen. Da äußerte Nestroy denn einst, als auch ivieder ein solches Stück ausgeführr wurde, in seiner drastischen Weise: „Wanns in die erschien zwei Parkettbänk eine Kollekte machen, so is a jedes von diese Stuck schon im erschien oder zweiten Akt aus." * Theodor Döring, der berühmte Berliner Sckfauspieler, folgte Einladungen in andere Familien fast nie. Auch sein Freund Friedrich Haase mußte nach Begründung seines Familienheims in Berlin lange vergeblich bitten, Döring möchte doch einmal bei ihm speisen. Schließlich kam aber Döring doch, und es mußte ihn, wohl behagt haben: denn zu Haases Freude kam er jetzt häufiger. Ta sagte denn Frau Elise Haase eines Tages in herzlichem Ton zu ihm: „Kommen Sie, lieber Freund, morgen mittag; wir machen gar keine Umstände." Mit liebenswürdigem und schelmischen Lackeln antwortete Töring: „Nein, Frau Elise, Umstände lieb' ich!" Moritz Saphir wurde einst, als er in Begleitung eines Neffen über den Roßmarkt in Prag ging, von einem sehr albern aussehenden, geschniegelten jungen Menschen angesprochen. Hinterher fragte der Neffe, wer der junge Mann gewesen sei. „Ein Schauspieler," lautete die Auskunst. „Das sieht man ihm auf der Strotze gar nicht an," meinte der Neffe. — „Auf der Bühne sieht man es ihm noch weniger a n," entgegnete der boshafte Kritiker. / * August Iunkermann, der berühntte Reuterdarsteller, wurde auf Befehl Kaiser Wilhelms I. nach Wiesbaden berufen, um. dem Kaiser seine Reuterrollen vorzuspielcn. In „Onkel Bräsig", einer Bühnenbearbeitimg der „Stromtid", kam eine Stelle vor, an der der kaiserliche Zuschauer Anstoß nahm. Axel von Rambow, der frühere Offizier, der schuldenhalber den Dienst Quittiert hat und nun infolge seiner Mißwirtschaft auch mit dem vom Vater ererbten Gut völlig ferttg ist, sagt in seiner Ver- zweislung: „Ich werde wieder in die Armee eintreten". Ta lehnte der Kaiser, der vorn in der Prosceniumsloge saß, sich entrüstet über die Logenbrüftung und sagte: ,^Jch nehme ihn aber nicht ivieder." Am anderen Morgen kam ein Adjutant des Kaisers auf die Bühne und meldete, der Monarch merbe abends nochmals zu derselben Vorstellung das Theater besuchen: mm: möge die Worte, die ihn vielleicht verletzt hätten, streichen oder ändern. So sprach denn der Darsteller des 9lref von Rambow statt der anstößigen Textstelle an diesem Abend die Worte: „Ich werde mir einen tüchtigen Inspektor wieder nehmen und hoffe, es bann in der Landwirtschaft noch zu etwas zu bringen." Ta nickte der Kaiser freundlich mit dem Kopse und sagte: „Ah ja — so lasse ich mirs gefallen!" Hk. Photographische Ausnahme des Sternenhimmels. Wie die „Umschau" meldet, wird binnen kurzem Don dem Astronomen Cyapm an von der Sternwarte Greenwich ein vor ungefähr 23 Jahren begonnenes astronomisches und inter» nationales Riesenunternehmen zu Ende geführt sein, das die photographische Aufnahme des gesamten Sternenhimmels und zugleich die Zählung der Sterne betrifft. Auf die verschiedenen Sternwarten der Erde verteilt, werden alsdann über 50 Millionen Sterne bis zur 15. Größenklasse auf über 20 000 photographischen Platten festgelegt sein, von denen ungefähr 3 Millionen bis zur 11. Größenklasse, außerdem in einem großen Fixsternkatalog zusammengestellt oorlii ,,en werden. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Wie aus München gemeldet wird, sind die berühmten Fresken Hans von Marecs, die der Künstler für seinen Freund Dohn im Bibliothekssaal der Zoologischen Station in Neapel gemalt hat, vom baverischen Staate für eine 100000 Mark weit übersteigende Summe angekauft worden. elektr. Betrieb empfiehlt Iflill TransF Bei Ä iyi" Ei^n^Bedin^l 2 bis .„tuns i VcrtrCX^- zS-K Gieszener Ktadttheater. Magdalena. Volksstück von Ludwig Thoma. Gießen, 7. Dezember 1912. Ludwig Thoma hat einige Komödien geschrieben, die recht ergötzlich waren: nun kommt er mit einem Drama Magdalena, das er in genauer Kenntnis seiner Fähigkeiten und mit einer erquickenden Offenheit ein Volksstück nennt. Es handelt von einem wackeren Ehepaar, das siebenunddreißig Jahre lang tapfer mit dem harten Leben gekämpft hat und dem nur das eine Unglück widerfahren ist, eine nichtsnutzige Tochter zu haben. Sie hat sich in München so hübsch benommen, datz ne nach Verbüßung ihrer Strafe „per Schub" nach Hause gebracht wird, und hier trisft sie eine verzeihende Mutter und einen harten, polternden Vater Tas ganze Darf bebt vor sittlicher Entrüstung, selbst der Kooperator und der brave Knecht Lorenz D erläßt das verpestete Haus, aber allen scheint es im Grunde so zu gehen wie dem Zuschauer: keiner weiß eigentlich, was das Mädchen verbrochen hak. iMttlerweile hat das dumme Ding aber einen Burschen zu sich gelassen, und da sie heimlich slüchten will, bittet sie ihn um ein paar Mark. Darob neue (rntrültung, eine Verschwörung des ganzen Dorfes und in einem Wutanfall bringt der Vater sein Kind um. . Diese einfache Episode hat Thoma mit einem scharfen Blick für das Zuständliche klar und planmäßig entwickelt; ohne alle Umschweife wandelt er die Fabel ab, aber sein Drama erhält dadurch nicht etwas knappes, sondern mehr etwas dürftiges. Und doch packt es den Zuschauer, denn neben der sicheren Zustands- sclnldcrung sind auch die Menschen gut und anschaulich geschildert, ist die Handlung spannend durchgeführt. Wie überall, wo es seither aufgeführt mürbe, hat es gestern auch hier, wo es so dankenswert rasch nach der Uraufführung herauskam, einen starken Beifall gefunden, und es wird sicher noch manchesmal über unsere Bühne gehen, die dem Werke (SBerlag von A. Langen) eine sehr fein einfühlende Darstellung angedeihen ließ. Herr Direktor Steingoetter, der die Vorstellung leitete, hat mit guten und schönen Mitteln eine klar durchgearbeite Aufführung geboten, die den Gehalt des Werkes völlig erschöpfte und eine durchaus erfreuliche Einheit zuwege brachte. Auch die Darsteller zeigten sich von ihrer besten Seite. Fräulein de Bruh n schuf eine Magdalena, der man trotz ihrer patzigen Verderbnis das Mitgefühl nicht versagen konnte, eine Frauenfigur, die bis ins kleinste sein und sauber ausgeführt war. Herr K l i e w e r gab dem alten Paulimann eine handfeste, ge iunbe Derbheit, war aber mitunter nicht ganz leicht verständlich, wozu allerdings der T^ichaMr Dialekt beigetragen hoben mag. Ferne Forderungen vetr. eines Adriahafens und eines Zuganges zur Adria auf bas Allernotwendigste zu beschränken. Noch eine Reifs des österreichischen Gencralstabschess nach Berlin? Das Berliner „Tageblatt" meldet aus Wien: In Wien waren heute Gerüchte verbreitet, Generalstabschef Sche- mua sei abermals nach Berlin abgereist, um mit seinem deutschen Kollegen v. Moltke zu konferieren und Armeeinspekteur Freiherr v. Hvetzendorf habe sich nach Berlin begeben. Beides wird in offiziösen Kveisen bestritten. Dazu berichtet der „Lokalanz." aus Berlin: An maßgebender stelle erklärt man, von der nach einem abends verbreiteten Gerücht über die bevorstehende Ankunft des österreichischen General st abschefs nichts zu wissen. Die türkischen Blätter deuten an, daß vor der Verständigung mit Griechenland noch Kriegsereianisse zu erwarten seien. Es wird die Ueberlegenheit der türkischen Flotte fiber die,griechische shervorgehoben und man erwartet, daß sich jene bald rege. Der Sultan sandte der Flottenbesatzung kaiserliche Grüße und Geschenke. Die „Voss. Ztg." bringt aus Sofia folgende Notiz: Man versichert, daß die Kriegführenden grundsätzlich in Aussicht genommen haben, die Friedensverhandlungen bis Neujahr zu Ende zu führen. Aus Belgrad will die „Tägl. Rundsch." erfahren haben, die Verbündeten würden eine Note über die durch den Waffenstillstand neu geschaffene Lage ausgeben. Die Nichtunterzeichnung Griechenlands bedeute nicht, daß der Balkanbund durch irgendwelche Mißverständnisse gelockert sei. Die drei Delegierten Montenegros für die Londoner Friedensverhand^ungen, Lazar Miuskowitsch, Jowo Popowitsch und Lujo Wojnowitsch, traten die Reise nach England an. Die Spitäler Montenegros sind von Patienten überfüllt, die infolge der schlechten Witterung der setzten Tage an Krankheiten der inneren Organe leiden. Die große Mehrzahl der auf den Kriegsschauplatz entsandten auswärtigen Berichterstatter verlieh .Cetinje und Antivari. Graf Berchtold bei einem Vortrag Hardens? Der „Lokalanzeiger" meldet aus Wien: Einem Vortrag Maximilian Hardens über das türkische Erbe wohnte der Minister des Aeußern Graf Berchtold bei und applaudierte am Schlüsse lebhaft. Harden erklärte u. a., daß es zu einem Kriege mit Serbien kommen müsse. Itußland werde nicht kriegerisch hervortreten. Oesterreich könne Serbien einen Adriahafen nicht zugestehen. Deutschland müsse im eigensten Interesse an der Seite Oesterreichs fechten, um eine slawische Hegemonie zu verhindern. Deutsches Reich. Rom und das Zentrum. Die „Tägliche Rundschau" berichtet aus Rom: Die „U n i t a Cattolica" erklärt, nicht das Zentruip, sondern die Regierung wolle den Kulturkampf. Der Kanzler solle die sektiererischen Einflüsse von sich entfernen, damit ein Konflikt vermieden werde, der gerade für die Regierung die schwersten Folgen haben könnte. In der morgen erscheinenden „Civilta Cattolica", der Hauptzeitschrift des Jesuitenordens, wird den Hohenzollern vorgeworfm, sie behandelten die Katholiken noch ivie im 16. Jahrhundert und patten weder früher noch heute ihr Königswort gel-alten. Für die preußischen Konservativen sei ihr Christentum vornehmlich politisches Machtmittel. Die Berliner Polizei reiße protestantisä-e Mädchen aus katholischen Anstalten heraus und die preußische Schulverwaltung pro- testantiviere systematisch. Ausland. Eine Botschaft Tafts. In der Generalbotschast an den Kongreß drückt Präsident Taft die Absicht aus, die gesamte Tarifrevision der kommenden demokratischen Regierung zu Überlas- s c n. Er betont die Dringlichkeit der Währungsreform auf den vom Wahrungsnusschuß empfohlenen Grundlinien und empfiehlt, den Plan, jährlich zwei Schlachtschiffe zu bauen, wieder aufzunehinen mit dem Vorschlag, 1913 drei z u bauen, um das Manko dieses Jahres auszugleichen. Taft erklärt weiter, daß der Protest Englands gegen die Panamakanal-Gesetzgcbung eine gebührende Beachtung fände und. daß man bemüht sei, eine befriedigende Schlichtung zu erzielen. Aus Stadt und Land. Gießen, 7. Dezember 1912. f ** Tageskalender: S t a d t t h e a t e r : Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Kinder - Vorstellung : .Rotkäppchen"; abends 7*/, Uhr: .Autoliebchen." Kine matograph: Täglich Vorstellung. B i o g r a p H-L i ch t s p i e l e: Täglich Vorstellung. BakofsKam mer-Lichtsviele: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung. , Museum des oberhessischen Geschichtsverrins. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich. Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11—1 Uhr unentgeltlich. GemäldeausstellungdesKunftvereinsim Turm- > Halls am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr, außerdem Mittwoch nachmittag von 8—5 Uhr. Akad. Dürer - Bund. Ausstellung der Veröffentlichungen ! des Dürer-Bundes. Von, 8. bis 18. Dezember täglich von 10-1 ' und 2—4 Uhr in der Alten Klinik. E v a i, g. B u n d. F a m i l i e n a b e n d am Sonntag abend 8X Uhr in Stein? Garten. S o l i st e n - K o n z e r t der Regimentsmusik aus der »Liebigs- höhe" Sonntag nachnuttag VA Uhr. Anlagemusik findet Sonntag mittag 18 Uhr in dev Süd-Anlage statt (nitv bei günstiger Witterung). Musikiolge: 1. Pilgerchor und Lied nn den Abendstern aus der Cper „Tann- I Häuser" von R. Wagner; 2. Fantaste aus der Oper „Preziosa" ; von C. Di. v. Weber; 3. Kaiser Wilhelms I. Gruß an sein Volk, > Charakterstück von R. Eilenberg; 4. Erzherzog-Albrecht-Aiarsch von K. Komzak. * ** Ordensangelegcnheit. Der König von Preußen s'hat dem Oberleutnant Bosse an der Unterosfizierschule Jülich ldie Erlaubnis zum Tragen des Ritterkreuzes 2. Klasse des Ver- ' dienstordenö Pl-ilippS des Großmütigen erteilt. ** Titelverleihuntz. Der Großherzog Hal dein , ^ominialkommissar des D-iminiums Fischbach j. R. Oberförster Eduard Neu sch äffe r den Charalter als Forstmeister erteilt. ** § e h r er p e r s o n a l i en. Hebe r tragen wurde deni ^chulamtsaspiranten Konr. Reidt auS Grebenau, Zkreis Als- I Md, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hopfmannsfeld. ** P ost - P ersonalnachri ch t e n. Verliehen Würbe aus Anlaß des Scherbens aus dem Dienste ber ttrvnenvrben 4. Klasse bcm Telegraphensekretär Enenkel in Mainz Versetzt würben: Ober Postinspektor W a ch t - in a n n von Darmstabt nach Düsseldorf unter Ernennung , MM Postrat; Postinspektor Deutler von Mühlhausen i Thüringen > nach Darmstadt unter Uebertragung einer Over- Postinspektorstelle; Ober Tclegraphenassistent Seeger von Mainz nach Gießen; die Postassistenten Flott von Ben- Herm, He per er von Mainz-Kastel, Kohr von Worms, Stüve von Eberstadt und Willenbücher von Eich nach Hamburg, Klinger von Gießen nach Worms, Möller von Gustavsburg nach Remscheid, Nicolai von Gießen nach Duisburg, S ch w e r z e l von Darmstadt nach Essen (Ruhr), die Telegraphenassistenten Lindemann von Offenbach und L. Krämer von Darmstadt nach Berlin, Mattern von Mainz nach Essen und Mau er er von Bad-Nauheim nach Hamburg; Telegraphenmechaniker Tragisch von Darmstadt nach Berlin. An gestellt wurde die Telegraphengehilfin Häußercr in Mainz. B c stan- den haben die Postassistentenprüfung Postgehilfe Karl Müller in Darmstabt; bie Telegraphenassistentenprüfung Telegraphengehilfe Dollega in Darmstadt und Telegraphenanwärter F i l b e r t in Worms. Angenommen wurden als Telegraphengehilfin Hedwig D i e h m in Darmstadt und Elisabeth L ö f s e l in Mainz; als Postagent Kaufmann D i n g e l d e i n I. in Brandau; als Telegraphen-Hilfs- mechaniker Mechaniker Karl Seipp in Darmstadt. Freiwillig ausg eschieden sind die Telegraphengehilfinnen H e d r i ch und He i n z in Darmstadt, Hohmann in Friedberg. Gestorben sind die Postagenten Dingeldein in Brandau und Reinhardt in Gimbsheim. ** Dem „Hilfsverein Ober-Mockstadt" ist auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuches die Rechtsfähigkeit verliehen worden. •• Stadttheater. Auf die beiden Sonntags-Vorstellungen, von denen „Rotkäppchen" bei Volkspreisen, „Autoliebchen" bei kleinen Preisen gegeben wird, sei auch an dieser Stelle hingewicsen. — Zum Possart-Gastspiel am Montag werden an der Abendkaffe den Herren Studierenden Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen abgegeben; voraussichtlich kann der Nachfrage an der Abendkasse durchaus genügt werden. ** Die bayerische Vereinigung hält morgen nachmittag int Felsenkeller ihre 1. Weihnachtsfeier ab. ** Ein tiefbedauerlicher Unglücksfall, der leider ein Menschenleben kostete, ereignete sich am Freitag mittag V21 Uhr in der Bahnhofstraße. Der Unfall trug sich nach den Ermittelungen des Großh. Polizeiamts folgendermaßen zu: Das Geschäfts automobil des Gießener Anzeigers hatte auf einer seiner regelmäßigen Fahrten zum Bahnhof am Cafe Amend einen vom Bahnhof kommenden Wagen der elektrischen Straßenbahn passiert und fuhr nach der allgemeinen Vorschrift auf die rechte Seite der Straße ein, also auf das Schienengleis. An der anderen Seite der Straße stand das Automobil des Fabrikanten Kreuter; es war etwas von dem Rande der Fahrbahn entfernt, doch war zwischen ihm und dem anderen Auto ein Zwischenraum von 3 Metern, so daß für einen Radfahrer eine Durchfahrt leicht möglich war. Auch dieses Auto hatte der Wagen des Gieß. Anz. schon passiert, als ein Radfahrer in scharfem Tempo ihm innerhalb der Schienen entgegenkam. Als der Radfahrer noch einige Meter von dem Auto entfernt war, verlor er offenbar die Gewalt über sein Rad. Der Führer des Autos, ein älterer, ruhiger Mann, bremste scharf, so daß der Wagen sofort stand, ep konnte aber den Zusammensto ß nicht m e h r v e r h ü t e n. Der Radfahrer fuhr direkt schräg in das Auto hinein, und der Zusammenstoß war so heftig, daß der Radfahrer, ein Postbedienstcter namens Wassem, mit dem Kopf gegen die Schutz scheibe flog, so daß sie zertrümmert wurde und der Verunglückte einen S ch ä d e l b r u ch und sonstige Kopfverletzungen erlitt. Er fiel in weitem Bogen schräg rückwärts auf den Bürgeisteig. Dr. med. Klei n, der den Vorfall vom Fenster aus mit angesehen hatte, und Dr. Geyer leisteten dem Verunglückten im Cafe Amend die erste Hilfe. Sie fanden seinen Zustand hoffnungslos, ordneten aber dennoch seine Ueberführung in die Klinik an. Hier ist der Verletzte um 31/, Uhr gestorben. Nach den Feststellungen des Polizeiamts trifft den Verstorbenen allein die Schuld an dem Unglück. Er ist ein Opfer der Gepflogenheit geworden, mit der viele Radfahrer in abschüssigen Straßen fahren, ohne sich um den sonstigen Straßenverkehr zu kümmern. Sehr zu bedauern ist die Frau des Verunglückten, die mit einem einjährigen Kinde jetzt den Kampf ums Dasein aufnehmen muß. Hoffentlich findet sie dabei von Menschenfreunden Unterstützung. Der Verunglückte, Heinrich Wassern aus Ulrichstein, war 23 Jahre alt. Er ist noch nicht angeftellt gewesen; seine Witwe hat also nur Anspruch auf Unfallrente (zumal sich der Mann außer Dienst auf der Heimfahrt vom Dienste befand). Das Auto erlitt nicht unerhebliche Beschädigungen. KreiS Alsfeld. O Groß-Felda, 6. Dez. Vor wenigen Jahrzehnten hatte unser Dorf eine eigentümliche Housinbustrie, nämlich bas Nagelschmiedcn. Noch vor 20 Jahren wurde hier während des ganzen Winters die Nagelschmiederei von etwa 70 bis 80 Leuten betrieben, heute gibt es davon kaum noch 20. Kreis Lauterbach. Q Wallenrod, 6. Dez. Als undankbare Gäste erwiesen sich durch unser Dorf ziehende Zigeuner. Nachdem sie im Dorf eine Nacht geherbergt hatten, verließen sie e§ in der Morgenfrühe. Jedoch verfehlten sie nicht, bei ihrem AuSzuge sich eine große Milchkanne anzueignen, die vor einem Gasihause hing. Die Bemühungen deS Eigen- tüniers, dieselbe wieder zu erlangen, waren ohne Erfolg. Auch in einem Nvchbardorfe machten sie Ansprüche auf fremdes Eigentum geltend, indem sie dort eine Pfeife stahlen. Kreis Friedberg. m. Schwalheim, 7. Dez. An dem neuen Bad- Nauheimer Güterbahnhof, der schon in Schwalheimer Gemarkung liegt, entwickelt sich eine rege Bautätigkeit. Zum großen Teil hat bereits der Staat dieses für die Geschäftswelt sehr wertvolle Gelände in Händen, außerdem befinden sich an den Zufuhrstraßen noch einige hundert Morgen Land im Besitze von Schwalheimer Bürgern. Während schon jetzt einige Wohnhäuser mit Versandhallen im Bau begriffen sind, wird im Frühjahr die Franksurter Versandsirma, die die Lieferung von Hafer, Kartoffeln und Obst für das 11. und 18, Armeekorps übernommen hat, mit dem Bau von Lagerhäusern und Kellern beginnen. Starkenburg und Rheinhessen. rb. Darmstadt, 6. Dez. Ein weiten Kreisen interes- nerenbCT voll tisch er Presscbeleidigungsvrozeß kam heute vor der hiesigen Strafkammer zur Verhandlung. Das sozialdemokratische Offenbacher Abendblatt hatte gegen den na- tionalliberalcn Stadtverordneten Fritz Perrelat, ber auch Dorstandsmilglied der städtischen Sparkasse in Offenbach war und als Agent für Grundstücks- und Hypothekenverwaltungen tätig ist, den Vorwurf erhoben, .daß er als Vorstandsmitglied der Spar' lasse seine Amtspflicht gröblich verletzt und sein Ehrenamt miß braucht habe, um sich pekuniäre Vorteile zu verschaffen. Er habe sich in zwei Fällen für Sparkassendarleheu Provision zahlen lassen usw. Bei der im Oktober d. Is. vor dem Schöffengericht zu Offenbach verhandelten Beleidigungskalge gegen den verant wörtlichen Redakteur des Offenbacher Abendblattes, Ignaz Stlug, wurde- dieser 50 Mark Geldsttafe oder 10 Tagen Gesang ms verurteilt. Der Beklagte hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, doch bie Zeugenvernehmung vermochte nicht den Beweis zu erbringen, baß bie Borwürfe irgenbroie gerechtfertigt wären. Justiz rat v. Brentano wies als Vertteter des Privatklägers darauf hin, daß der ganze Vorstoß des Blattes nur in der Absud, erfolgt sei, P. zur Niederlegung seines Amtes als Stadtverordnete!: zu veranlassen, wie sich schon so viele anständige Männer in Offenbach durch solche Manöver hätten bestimmen lassen, aus dem öffentlichen Leben auszuscheiben. Nach umfangreicher Zeugen Vernehmung und Beratung verkündete die Strafkammer, baß das von ber ersten Instanz festgesetzte Sttafmaß durchaus angemessen und richtig sei. Ter Angeklagte habe nicht, wie er vorschütze, in Wahrung berechtigter .Interessen gehandelt, sondern in der Absicht, dem politischen Geaner „eins zu versetzen". Dem Ange- Ragten wurden sämtliche Kosten des Verfahrens auferlegt. s. Groß-Gerau, 7. Dez. In der hiesigen Zucker, sabrik wurde gestern abend der 18 Jahre alte Arbeiter Karl Fischer überfahren und sofort getötet Hessen-Nassau. Marburg, 6. Nov. An ber hiesigen Universität wurde die Neuerung eingeführt, daß bie Toktordiplome von letzt an in deutscher Sprache abgesaßt werden. An ber Universität Gießen geschieht dies schon seit 1904. Gießen hat damit den Anfang gemacht. Red/. X. H a n q u , 6. Dez. Als vor einigen Monaten die Baufirma Joh. Hch. Hack mit etwa Mill. Mark Passiven in Konkurs geriet, verschwand bald darauf auch ber 36 Jahre alte Sohn des Inhabers genannter Firma, Architekt Iatob Hack. Er hatte W e ch s e l f ä l s ch u n g c n in der Höhe von etwa 100 000 Mark verübt Jetzt ist er in New York verhaftet worden. vermischter. * Zusammenstoß auf der Hochbahnin NewPork. An der höchsten Stelle ber Hochbahn i u New Bork, da, wo die Strecke 70 Meter hoch liegt, stießen ;wei Züge zusammen. 11 Personen wurden nhiwr verletzt. Da die Wagen Feuer fingen, entstand unter den Fahrgästen eine riesige Furcht. Tausende von Menschen standen in furchtbarer Erreguug unten auf der Straße und sahen dem Brande in idyuinbelnber Höhe zu, unfähig, Hilfe zu bringen. Durch Angestellte der Bahn 'wurde das Feuer verhältnismäßig schnell gelöscht und größeres Unglück verhütet. Kleine Tageschronik. In einem Anfall von Geistesgestörtbett beging eine junge Dame aus Berlin in einem Landhavse in Hoch stadt bei Wiesel bach Selbstmord. Sie tränkte ihre Kleider mit Petroleum, ging auf das Feld und bestieg einen Strobsckwber, den sie a n zündete. Sie sand ihren Tod in den Flammen. Der Schwager des flüchtigen Kassenboten Brüning, der Maurer H a t o c in Engter, der mit seiner Ehefrau wegen Verdachtes der Beihilfe verhaftet worden war, wurde nach dem Untersuchungs gefängnis in Osnabrück übergefüh-rt. Gefunden wurden 67000 Mark, die an zwei verschiedenen Orten des Hauses versteckt waren. Unweit Rostow am Ton übersielen Räuber einen Postzug, verwundeten drei Passagiere und beraubten den Kassierer mit 55 000 Rubck. Die Räuber entkamen. Der Direktor I d m a n der Foerningsbank in Heising- fors wurde wegen Wechselfälschung und Unterschlagung verhaftet. Ter Verlust dieser Bank beträgt allein 4 Millionen Mark, worin die Verluste der Privatpersonen und Unternehmungen nicht inbegriffen sind. Amtlicher Wetterbericht. Deffentlidier Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen für Comttcw, den 8. Dez. 1912: Nebelig d's trüb, mein trocken, bei wenig veiänderter Temperatur. Allen Personen, die Kaffee Hag, den coffeinfreien Bohnenkaffee, als Ersatz für eoffeinhaltigen Kaffee trinken, entgeht nichts;^ sie haben den gleichen Genuß wie sriiher. Rektor Pros. Dr. K. B. Lehmann. RcktoratSredc der Universität Würrbnra 11. 5. 12. Überzeugung genügt ei Pfund u. s. w. Sie sind billi| und wohlbekömmlich. Bester Ersatz für Mandeln Backzwecken, im Haushalte vorzüglich im Geschmack Pfund 40 Pfg. KolonialwartB-Gescliaiieo. hätte ich vergessen Pinots mitzubringen. 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Lebensjahre mein lieber Gatte, unser guter, treusorgender Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Johannes Volk König!, Lademeister i, P. Dies zeigen tiefbetrübt an sagen auf diesem Wege allen herzlichen Dank Familie Liidw. Kreiling. Wieseck, den 6. Dezember 1912. Die trauernden Hinterbliebenen In deren Namen: Kätchen Wassern geb. Fassold u. Kind Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter und Gross mutter Frau Johannette Leidner Ww. sagen wir auf diesem Wege allen unseren innigsten Dank. Besonderen Dank den Schwestern für die liebevolle Pflege. Geheimen Justizrat Theophil Baist (W. 8. 1845/48) geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Dienstag, 10. Dezember 1912, nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 7965 I Drucksachen aller Art “SEE ecmMeln ein. Verkauf in und ouffer dem Haus. H. Moo*. 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