Nr. 6 Zweites Blatt 162. Jahrgang ftrlcbetni tLqllch mit Au-nabme beS komuaqS. Dv ^Gietzener FamkliendlöNer" roerben 6em .yn^eiaer* viermal wöchentlich beigelegt, bat „Krettblatl für de» Krets Eictzen" zweimal wachen kl ich. Die .^aadwirllchaftllchen Lett- frage»- erscheinen monatlich iroeimaL General-Anzeiger für Oberheffen iilontag, 8. Januar 19(2 9to(anoii6bma tmb Verlag oei Br übliche» Umuerntäis - Bnch- und SiembnidereL 3L V q n q e. Gießen. -levaknon. EroediNon und Tnideret: Schul* ftrnKe 7 Eroev l»on und Bering 5L SRebaftion:e=tti# 112. rel.-Adr.:Aiize,gerLieven. Line Kundgebung de; ljanfnbundes in Kietzen. Gießen, 8. Januar. Die öffentliche Versammlung des Hansakmndcs, in der am Samstag abend der Präsident des Bundes, Geh. Juftizrat Pros. Tr. Rießer über die Befreiung des Bürgertums sprach, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung der G eßcner Bürgerschaft. Der Saal des Colosseums war bis auf den letzten Platz besetzt, auch zahlreiche Damen und auswärtige Mitglieder und Freunde des vansabundes waren erschienen. Der Vorsitzende, Ttadtv. L. Petri II., begrüßte die Versammlung und dankte für das zahlreich Erscheinen. Er verbreitete sich kurz über die Ziele des tzansabundes, wies auf die vom Hansabund angcbahntc Einigung der beiden liberalen Parteien und bezeichnete a. Ziel der bevorstehenden Reichstagswahl die Wahl von Vertretern aus dem erwerbenden Stande, damit den deutschen Arbeitern lohnende Arbeitsgelegenheit geschaffen werden könnte. Der Präsident des Hansabunhcs s i h ute hierher gekommen, um zugunsten der Kandidatur Erkelenz zu sprechen. Er heiße ihn herzlich willkommen. Geheimrat R i e ß e r , der mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde, versprach im Gegensatz zu den zahlreichen Gegnern des Bundes, fack'lickw Ausführungen. Er wicS dann daraus hin, daß In dustrie, Gewerbe und Handel heute dieselbe Stellung im d'sts.ticn Wirtsckwstslebcn eiunehmen, wie in den sechziger Iah eu die Landwirtschaft. Tic gewerblichen Stände hätten aber nicht die politische Macht, die nach wie vor der Großgrundbesitz bes'he Dieser halte sie nach wie vor fest und beherrsche das politisckw Leben durch den Bund der Landwirte, dessen gegenwärtige Leitung lediglich auf Erhaltung der Vorherrschaft des Großgrundbesitzes ausgehe. Er behaupte die politische Macht vor allem durch die ungerechte Wahlkreiseinteilung im R ich und in Preußen und durch seine Vertretung in den 1. Kammern. Man wolle diese Vertretung nicht beseitigen, sondern bloß auch den andern Ständen, den Bauern, Handel und Gewerbe dieselben Rechte in gesunder Mischung «erringen. Die Leiter von Großbankm hätten ebensogut öffentlich-rechtliche Pflichten wie der Großgrundbesitz, deslwlb sollten sie auch dieselben Rechte haben. Es sei darauf hinzuwcisen, daß jeder Fortschritt des Bauernstandes g^gen den Widerstand des Großgrundbesitzes und des Junkertums errungen werden mußte. Tic Schutztruppc des Junkertums sei der Bund dcr Landwirte, dessen leitende Stellen ganz in deii^ Händen des Großgrundbesitzes liege, während er die übrigen Stände lediglich seiner Freundschaft versichere. Dies hab? sich namentlich bei der Rcichsfinanzreform gezeigt, in der Mlchnung der Erbschaftssteuer, die doch den Bauernstand so gut wie gar nicht getroffen hätte. Der Bund der Landwirte habe sich bei feiner Gründung eine große und schöne Aufgabe gestellt, nämlich den Schutz und die Förderung der deutschen Landwirtschaft. Es gebe niemand, der nicht die Förderung der Landwirtschaft wolle. Die Leitung des Bundes der Landwirte sei aber über das ursprüngliche Ziele weit hinausgegangen, >ndem iv neben der Förderung der Landwirtschaft auch die politische Macht allein in ihren Händen haben und den anderen Erwerosständen nicht die gleiche Förderung und Berücksichtigung emräumen wolle. Industrie und Exportwirtscl)ast seien nötig, um dem ständigen Bevölkerung^ zu wachs den Lebensunterhalt zu verschaffen. In diesem Sinne erfüllen Gi.poriinbuftric und Handel eine eminent nationale Ausgabe. Es sei nvabstrcitbar, daß durch bie Industrialisierung Deutschlands auch dec inländische Markt sich gehoben habe. Ter Bund der Landwi'ke handle auch in guten Zeiten nach dem Grundsatz „Lerne Nagen ohne zu leiden". In guten Zeiten kämvse er um die politische Macht, in schlechten handle er nach dem Grundsatz „warum soll es einem andern Stand, besser gehen als uns". Ter Build der Landwirte habe die ödeste Jn- teresscnpolitik in das politische Leben gebracht. Er habe aus eigennützigen Gründen die Goldwährung bekämpft, er habe den Ausbau des Kanalfyftcms bcluinm't, das wir zur Verbilligung der Produktionskosten brauchen Ter Bund der Landwirte habe dem Kapital den Krieg angetündigt, trotzdem ohne das Kapital die ungeahnte Entwickelung unseres Wirtschaftslebens unmöglich gewesen sei. Ter Kamps gegen das Großkapital, das doch auch der Landwirtschaft genutzt habe, und gegen das Unternehm-er- tmn, werde vom Bund der Landwirte geführt^und die Ausdehnung des Staatsmonopols gefordert. Wer wisse, wie die staatliche Kontrolle alle neuen Unternehmungen hindere, der tmfie auch, daß wir dem priva'en Kapital den ungeahnten Aufschwung unserer Wirlschaftscntwickelung zu verdanken haben Der Handel, der durchaus werlerhöhend nrirfe, werde durch G setze und Enqueten beunruhigt und damit die Freude an der Arbeit getötet. Der Bund dcr Landwirte habe mit seinen Freunden, zu bereit namentlich auch die Antisemiten gehören, vor allem di Verwaltung bcsct-t. Plan könne dies nicht durch Zahlen belegen, aber man fühle, daß agrarisch Trumvs sei Tas sehe man an der Art der B'handlung von Anträgen, die Handel und Industrie nutzen sollen Handel. G'werbc und Jndust i 'ra'-cn der grössten Teil dcr St-mtslasten und nehmen demgegenüber ein< geradezu klägliche Stellung im Staotsleben ein, namcut icki im Rcick>stag und preußischen Abgeordnetenhaus Nach ein r Darstellung des Bundes der Landwirte betrage dcr Wert der landwirtschaftlichen Produktion 12 Milliarden, der der industriellen Produktion K Milliarden. Tas sei von einer dem Landwirtebund frcundl. ?n Seite dahin richtig gestellt worden, daß dir industrielle Produk'.ion Teutschlands 36 Milliarden betrage, aber trotzdem bleibe man bei dieser falschen Behauptung, namentlich auch aus den 17 Millionen Postkarten, mit denen dcr Bund der Landwirte ganz Deutschland überschwemme. Der Bund der Landwirte verlange den sog. lückenlosen Zolltarif und Tr Diedrich Hahn habe es ausaevlaudert, daß die agrarischen Zölle wesentlich erhöh' werden müßten. Jetzt, vor der Wahl, sei man all?rdings^da> von still, aber nach der Wahl werde man schon damit kommen. 2? sei durchaus nach dem Grundsatz gebandelt, „dir das Wasser und mir der Wein". Ter Bund der Landwirte verlange in einer Tenkschrift eine Kontrolle der Kreditgewährung durch staatlich agrarische Kommissionen. Ter angeblich so mtttelstands'rc"nd lick'? Bund der Landwirte unterhalte selbst große Wircnhä'iser und wende das Stiftern der Boykottierung gegen hie en, die dem Hansabund freundlich sind. Ter Bund der Landwirt' gebe dem Zwischenhandel die Schuld an der Teuerung. Er vcrbche Halchw'-ck und Industrie, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. G'leistet habe der Bund der Landwirte für den Mittelstand und beson>e-s für das Handwerk in der langen Zeit seines Bestehens nichts. Von diesem agrarischen Zukunstsstaat wolle man nichts wissen, deshalb gelte der Kampf dem Bund der Landwirte und den von ihm abhängigen Elementen. Man könne nur einen Kandidaten wählen, her wie Herr Erkelenz auf dem Boden der unbedingten Gleichberechtigung aller Stände stehe und dabei die schwächeren Glieder stützen wolle. Man müsse einen Kandidaten wählen, der alle Staatsstcllcn nach dem Grundsatz der unbedingten Gleich Berechtigung besetzt haben wollte, ohne Rücksicht auf, den Stand, dem der Kandidat angehöre, auch die diplomatischen Stellen. Man könne auch keinen Sozialdemokraten wählen. Ter deutsche Arbeiter brauche mehr als alle anderen Staube ein starkes Heimats- und Staatsgefühl. Er brauche keine Versprechungen auf den Jukunftsftaat, sondern Förderung in dcr Gegenwart. Er O"R ebner) könne auch nicht billigen, daß eilt Flugblatt der wirtschaftlichen Vereinigung ihren Kandidaten als den allein nati-maf zuverlässigen bezeichne, er betrachte den Patriotismus als etwas selbstverständliches. das man niemand absprechen dürfe 'lebhafter Beifall). Es müsse aber verlangt werden, daß man alle Verbesserungen auf dem Boden dcr jetzigen staatlichen Zustände erftretr. Ter sozialistische Zukunftsstaat habe keine Zukunft, denn er vernichte die Persönlichkeit, die nach einem Ausspruch Goethes höchstes Glück der Erdenkinder sei.. Wer am 12. Januar einen Sozialdemokraten wähle, weil er unzufrieden sei versündige sich an sich selbst und am Vaterland. Jeder Deutsche habe ja sein eigenes politisches Programm, aber es gelte, bi ei !CRt zurückznstellen und wie die Gegner, namentlich die Sozialdemokraten und das Zentrum, eiserne Disziplin zu üben und wie diese den unbeugsamen Willen zur Macht zu fraben.. Man dürfe nickt weiter wursteln, jeder sei auch in der Politik seines eigenen Glückes Schmied. 'Ter große Gedanke des 12. Januar sei, den einseitigen Agrarstaat mit seiner Bindung abznschaffen zugunsten eines Staates, b"r der freien Per sönlichkeit Rechnung rrnge. Im Wahlkreis Gießen seien bei der letzten Wahl 7000 Wähler der Urne ferngeblieben, wenn das heute wieder vortomme, bedeute es ein Verbrechen. Unser, G/ebanfen feien ftaatscrhalicnb im eminentesten Sinne des Wortes So möge der Freitag werben ein Tag der Freiheit, ein Tag der Befreiung des Bürgertums. (Minutenlanger stürmischer Beifall.) Der V o r s i tz c n b e dankte dem Redner für seine glänzenden Ausführungen und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Hansabund, in bas bie Anwesenden begeistert einstimmten. RcichStagswahlbcwcgung. Au? dem Wahlkreis Gletzkn-lZründkrtz-A dda. Das Wablkomi'ee des Bundes bcr Landwirts ersnckit uns um folgende Richtigstellung: L'bcrole und G iildemokratische Blätter und Agitatoren be» haupten, daß der Bund der Landwirte, obwohl er immer ben Sckmtz der nationalen Arbeit aus seine Fahne schreibe, die von hm verbreiteten illustrierten Postkarten dcr Billigkeit gegen in Amerika habe Herstellen lassen Das ilt eine grobe 'nwabrbeit Diese Postkarten zur Verbreitung volkswirtschast- l'.cher Anschauungen sind nicht im Auslande, sondern von zwei deutschen Druckereien in Berlin und Hamburg hcrgestellt worden. Wie unsinnig dieses Gerücht dcr Großblockgenossen ist, jjeroeiü auch chon dic cinsache llebertcgung, daß die Zoll- und Frachtkosten die Herstellung dcr Karten nur verteuert hätten. Außerdem ist cs cine bekannte Tatsackie, daß die Amerikaner selbst ihre Ansicksts- fanen dcr Billigkeit halber saft durchweg in Deutschland drucken lassen. Aus A l l e u b o r f (Lba ) erhalten imr von mehreren 9rbrmnenten folgende „Erklärung" mit der Ditte um Abdruck: „In dcr Versammlung am 4. Januar in Allcndorf a. d Lba. wurde seitens eines Besuchers der liberalen Parteien Herr Erkelenz g.fragt, welchen Standpunkt er im Falle einerStich - wähl zwischen Tr. Werner und dem Sozialdemokraten für seine Person einrunehmen gedenke. Trotzdem Rechtsanwalt Kaufmann den nationalen Standpunkt des Kandidaten hervorhob, blieb Herr Erkelenz die Antwort schuldig." Aus Offendach-Tiebvrg. m. Offenbach, 8. Zan. Der Reichstagskandidat dcr nationalliberalen Partei im Wahlkreis Offenbach-Dieburg Cbcrbürgcrmcifter a. D. Brink ist plötzlich erkrankt, so daß ihm ärzt.'ich?rs>'i^s jede "Vc.eiliguug an der Wahlagitation untersagt wurde. Eine Polizew'-rfuguug. Der Polizeipräsident in Berlin verbot, daß am 'Abend be§ 12. Januar bie Wahlergebnisse durch Scheinwerfer und Transparente von den Zeitungen iundgegeben werden uitb zwar auf eine Anfrage eines Blattes h>n. .Herr o. Iagow begründet das Verbot mit dem Hinweis auf mögliche Verkehrs ft ockun gen. Wir halten diese Anordnung für recht verkehrt, da 1907 bie Verkündigung durch Scheinwerfer erlaubt gewesen ist. 5mrya1sen am Ruder. Schanghai, 7. Jan. Suny a tf en hat in Rauling eine Kundgebung an alle befreundeten Rationen erlassen. Äe beginnt mit einer langen A n kl a g e g cg en die Mandschuregicrung. Weiter erklärt sie, daß die Republikaner entschlossen seien, a.lle Verträge, Anleihen und internationalen Verpflichtungen, die unter der Mandschu- regieruug vor dem Beginn der Revolution mit Ausländern oder mit fremden Nationen cingegangen worden seien, zu respektieren, dagegen alle späteren Vertrage nicht anzu- ertennen. Tas Manifest verspricht ven Fremden Schutz der Person und des Eigentums. Tie republikanische Regierung beabsichtigt eine Reform deS Zivil- und Strafrechts, ferner eine Reform des Bergbaurechts, eine Reform der Verwaltung und des Finanzwesens, Abschaffung der Beschränkungen des Handels und religiöse Toleranz. Ten Mandschus, die sich friedlich verhalten, wird Rechtsgleichheit und Schutz versprochen. London, 8. Jan. Große Massen von russischen Soldaten werden in der Nähe von Chardin und links der mongolischen Grenze angesammelt. Man schließt daraus, daß Rußland demnächst die Mongolei besetzen wird. In Pekinger Regierungskreisen ist man jetzt davon überzeugt, daß dic britische und japanische Tiplomatiö sich bemüht, den Norden und Süden Chinas zu spalten. Eine Nacht im Asyl für Gbdachlose in Berlin. Von Referendar T. I. E ck m a n n - Münster. Durch die Prcssc eilt augenblicklich dic Nachricht ton einem furchtbaren Unglück, be.n? in dcr Nacht zum zweiten Wcihngchts- fagc und den folgenden Tagen über 70 Menschen im Affst Tur Obdachlose zum Opfer gefallen sind, und noch immer melden sich Erkrankte, so daß die Folgen dieses Unglücke noch gar nicht ab* zuscdcn sind. Zum Teil schreibt man in der Presse dieses Unglück den Zustäirden zu, welche in dem Asyl herrschen sollen. Bei einem längeren Aufenthalte in Berlin ist es mir möglich gewesen. Nr meine sozialen Studien einen Einblick in die Verhältnmc des zu so trauriger Berühmtheit gelangten Asyls zu tun. Im folgenden möchte ich in kurzen Worten meine Beobachtungen wiedergeben. die ich während eines nächtlichen Besuches dieser größten Anstall ganz Deutschlands gemacht habe. Dic Sonne war soeben im Westen imtergegangen, als imr uns, mein Freund und ich, an einem Samstag kurz nach 8 Uhr jenem großen, langgestreckten Hause in der Fröbelstraße, weil draußen im Norden Berlins, näherten. Viele andere schienen mit uns dasselbe Ziel zu haben, wenigstens war die Zahl lener verkommenen Gestalten, die sich burd) die wenig bebauten Zugangs- straßen dem Haufe näherten, sehr groß. Ehe wir das Asyl selbst betraten, kehrten wir. noch in eine Destille webersten Ranges ein. Heute stand und saß der kleine analmcrfüllte Raum gedrängt voll von Menschen, meinen? Arbeiter. mit roten, aufgedunsenen. Schnapsgesickstern, und Fraucn, mit bleichen, verhärmien Zügen Aus einem Nebenraum klang uns ein Volkslied aus rauben Kehlen entgegen, ein melancholisch, monotones Herlciern, übertönt von dem kreischenden Geräusch eines verstimmten Phoncaravhen. Hin und wieder ertönte ein lautes Schimpfwort. rohcS Gelächter, dazwischen ein flirren von Gläsern, die der Wirt hinter dem Sckenktisch in einem unsauberen Vlcchbehältcr zu >vülen begann. Wir atmeten erleichtert auf, als wir wieder in der frisckien Luft waren und dem Asyl zuschritten. An dem Vorderhause vorbei, das ein großes Krankenhaus enthält, traten wir durch ein großes, geräumiges Portals ein. Einige umhcrstehcnde Aufseher musterten uns, da wir in^ unserem Landstreickteranzuge verdächlig genug ausschen mochten. Dock wohl an diese Art Leute gewöhnt, ließ man uns unbehelligt passieren. Ein großer Raum, kahl, nüchtern, mit Öolzbänken an den Wänden, sonst nichts. Auf den Banken saßen die verschiedensten OcItalien, alte greife Männer und junge kräftige Burschen, manche mit verdrossenen und verwilderten Gesichtern, oft nur mit den notwendigsten Kleidungsstücken angetan. Nur wenige Leute unter ihnen trugen Halbwegs anständige, wenn auch abgetragene Kleider. Eine trübe brennende Gaslampe v erb reinste etwas Helligkeit, ßinc Viertelstunde verging. Inzwischen hatten sich wohl 50—60 Männer eingefitnbcu (denn die Frauen haben ein hiervon vollständig getrenntes eigenes Asyl), ein Schlüssel rasselte, eine Seitentür öffnete sich, und ein uniformierter Beamter trat ein und rief: „Mitkommen und baden." — Hastig drängte alles zur Tür. Ein endlos langer Korridor führte un-5 in einen ebenso einfach aus- geftatteten Raum, wir kleideten uns aus und der Wärter wies uns in den Bade raum. Einige schnürten ihre Kleider in ein Bündel und gaben sic einem Wärter, um sie von etwaigen Ungeziefer reinigen zu lassen. Die Kleider wurden in einen großen Eisenkasten gehängt, in welchem sie ans etwa 80 Grad erhitzt und so von ihren lästigen Bewohnern befreit wurden. Der Baberauni war noch das Erauicklichste, was wir heute abend zu sehen bekamen, ein luftiger, itrüberer Raum mit hellen Porzellanwänden und mit 60 Brausen an der Decke, unter denen wir uns in zwei Reihen auffiellen mußten. Das Baden in dem lauwarmen Wasser machte b?n Leuten anscheinend viel Vergnügen, und munter patschten alle in dem niederen Basin umher. Hilfsbereit begann der eine den anderen abzuwaschen und zu seifen, wie überhaupt eine auffallende Freundschaft alle diese Leute verbindet. Sie fühlen eben wohl selbst, daß sie einer gemeinsamen sozialen Schickst angeboren, bie nur einen Feind kennt, die heutige Gesellschaftsordnung, und dieser allgemeine Gegensatz läßt sie sich eben io eng zusammenschließen. Jede Auskunft nrirb vom Nachbar bereitwittigst erteilt, und wenn es einer noch so eilig hat, er beantwortet doch zunächst die von jedem anderen Fremden an ihn gestellten Fragen. Wenn sie es auch in be^ug auf „Mein" und „Tein" nicht fo genau nehmen, so besorgt smd sie anderseits wieder, ihren Kameraden die besten Stellen und Gegenden zum Arbeiten und Fechten zu empfehlen. Einer meiner Nachbarn, ein Schweizer, malte mir die Arbeitsgelegenheit, als Kuhhirt in die Schwei; zu gehen, so verlockend aus, daß ich beinahe folrfien Verlockungen nicht hätte widerstebcn können. Halb im Schlaf hörte ich ihn noch murmeln, „du musst zur Schweiz gehen, wenig Arbeit, gute Behandlung, hoben Lohn". Tann schlief er ein. Natürlich duzt sich dort alles, ohne sich je gesehen zu haben, und höchst unangenehm fiel es auf, als einer in diesen vertrauten Ton nickst einstimmen wollte. — Eine Viertelstunde dauerte das Bad: mit sauberen Handtüchern trockneten wir uns rasch ab, einige wuschen noch schnell ihr Hemd, ihre Strümpfe und Taschen- nich. Als wir in unseren Kleiberraum zurückkehrten, waren bort zwei Arbeiter zurückgeblieben, und alle fielen nun wie auf Verabredung über die beiden her. „Tu hast gestohlen", „du hast gefleddert", brüllte alles durcheinander. Als man sich aber überzeugte, daß nichts abhanden gekommen war, ließ man sie in Frieden. Gestohlen wird dort nämlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Gerade erwischte ich noch meinen Nachbar, wie er mit meinen nicht allzu luxuriösen Stieseln zur Tür hinaus wollte. Ich nahm sie ihm aber wieder ab, er ergriff aber ein Paar andere und verschwand mit diesen. Endlich brachte man uns in unseren Schlafraum. Saal 11. Ein schmuckloser Raum, etwa 20 Meter lang, 6 Meter hoch, und ebenso breit, an jeder Schmalseite eine Tür, einige Waschbecken mit Wasserleitung, lieber jeder Tür brannte eine Gaslampe, die Fenster bestanden in Heinen, dicht unter bet Tecke liegenden Luken, durch die ein letzter Schimmer des AbcndS hereindämmcrte. An b?n Wänden standen einfache Hol;pritschen, etwa 60 Stück, zu jeder gehörte eine Leincndecke aus richtigem groben und zum Teil schmutzigem ^acktuch, ein Blechuaps nebst Löffel. TaS war die ganze Ausrüstung. Kalt, nüchtern und auch nur die allergeringste Annehm lichtest. Viele warfen sich todmüde, so >vie sie kamen, eingewickelt. in ihre Decke, auf die nächste Pritsche, den Rock als Kopfkissen unter bent Kopf zusammcngclegt. Ein Invalide schnürte mühsam sein Holzbcin tos und stellte es dickst an seine Pritsche, damit eS ihm nicht gestohlen werden konnte. Wenige nur blieben noch! wach, hin und wieder fiel noch ein Wort, einige jiridten noch um Geld Karten, sonst alles Ruhe. Doch vorher hatte sich noch ein eigentümliches Treiben entwickelt. eine Art von Markt, denn alles, was ein Landstreicher an Bedürfnissen bat, kann er hier für wenige Pfennige erhalten. Tie am Tage zusammengeftohlenen oder gefochtenen Sackten werden hier preiswert zum Kaufe angeboten: Palmkuhle Brot), Staube (Hemd), Schnaps, Zigaretten, Wurst, Fische usw. Da natürlich sehr viele von den Asylistcn cri't nach 8 Uhr abcnbS kommen, io können sie an der Abendmahlzeit, die gratis dort verabreicht wird, nicht mehr, teilnehmen, da diese nur bis Punkt 8 Uhr ausgegeben wirb, '•eo stillen viele ihren Hunger dadurch, daß sic ihre Abendviahlzeit bei ihren Genossen ein laufen, und nur so ist es zu erklären, daß nicht alle, sondern bloß eine verhältnismäßig kleine Anzahl auf den verschiedenen Sälen erkrankt ist. Wie berichtet wird, will die Astilverwastung für bie Zukunft cine genauere Kontrolle und Turchsuchnng der Neuonkomwenden vornehmen, um fernerhin derartige Unglücksfällc möglichst zn verhindern, ivas allerdings bei den Tausenden große Schwierigkeiten machen wird. Besonders viel gehandelt wurden bort auch Ousttungskarten und Ausweispapierc, die gewöhnlich einem andern gestohlen sind und die mit dem Höchstpreise von 0,50 Mk. das, Stück bezahlt wurden. Auch geistige Genüsse rann man hier billig erstehen. Ein junger Mann, kaum über 16 Jahre, bot mir feinen Hintertreppenroman „Nick Carter — der Weltdetekliv", zum Tausche an, da er aer feinebn Gcsinmmgsgenoffen fand, zog er ,ich knurrend aus seine Pritsche zurück. Ehe wir uns zur Ruhe legten, suchten wir noch einige Nach- bariäle auf, doch mußten wir uns beeilen, da um 9 Uhr all« Türen von den Wärtern verschlossen werden. Es bot sich un3| Saal auf Saal stets dasselbe Bild. Allein auf unserem Korridyk Aus Stadt und Land. (Sieben, 8. Januar 1912. •• ReichSgründungSfeier. Dian schreibt unS: In der ReichSgründungSfeier am 18. Januar, die die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes in SteinS Garten veranstaltet, wird der künstlerische Teil bestritten werden von Frl. I. Stammler, Konzertsängerin, Herrn I. Hahn, Pianist, und dem Bauerschen Gesangverein. Die trefflichen Leistungen der Mitwirkenden sind in Gießen bekannt genug, um einen besonderen Hinweis auf die Gediegenheit deS Gebotenen zu erübrigen. *♦ Schiklnb Wintersport, Gießen (Gießener Zu den unter dem Protektorat des Großher- zogs am 27. und 28. Januar auf dem Hoherodskopf statt- findenden Wettläufen hat der Klub ein sehr reich- haltiges und interessantes Programm aufgestellt, das im Interesse des Sports auch auf nicht im Deutschen Schi- Verband organisierte Läufer reichlich Rücksicht nimmt. Äußer einem Dauerlauf über acht Kilometer, der nur für Mitglieder des Klubs offen ist, finden folgende Rennen statt: Ein Hindernislauf, ein Dauerlauf, ein Alte Herren-Lauf, ein V o l k s l a u f und ein Jugend- lauf. In den beiden letzte Läufen, die völlig frei und jedermann offen sind, werden 16 Preise ausgesetzt, die durchweg in praktischen Gegenständen bestehen. Alle Anmeldungen sind bis spätestens 10 Minuten vor Beginn des Startes bei der Oberleitung an^ubringen. Das künstlerisch ausgestattete Programm, das in den nächsten Tagen erscheint und alle näheren Angaben enthält, wird auf Wunsch jedermann unentgeltlich zugesandt. •* OeNentliche Lesehalle. Im Dezember wurden 2550 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1137, Zeitschriften 476, Juaendichrüien 356, Literaturgeschichte 21, Versdichtungen und Dramen 36, Länder- und Völkerkunde 72, Kulturgeschichte 38, Geschichte und Biographien 117, Kunstgeschichte 24, Naturwissenschaft und Technologie 140, Leer- und Seewesen 34, Haus- und Landwirtschaft 14, Gesundheitslehre 6, Religion und Philosophie 34, Staatswlsscnschast 10, Sprachwissenschaft 14, Fremdsprachliches 12 Bände. Nach auswärts famcn 116 Bände. Kreis Büdingen. cq. Echzell, 6. Jan. Wir hatten heute Bürgermeisterwahl. Von den drei Kandidaten war Philipp Stoll am 3. Januar zurückgetreten, so daß Heinrich Friedrich Schultheiß und der Beigeordnete Friedrich Schmidt zur Wahl standen. Es wurden 346 Stimmen abgegeben. Ans den bisherigen Beigeordneten entfielen 272. Er gilt somit als gewählt. Musikverein und Gesangverein Frohsinn brachten ihm am Abend ein Ständchen Die übliche Maien wurde gesetzt, worauf in den Wirtschafte^ das herkömmliche Eintrinken begann. Wir stehen jetzt vor der Wahl eines Beigeordneten. Kreis Lauterbach. ~ Freiensteinau, 7. Jan. Einen Akt brutaler Roheit haben sich hier einige auswärtige Burschen zu schulden kommen lassen. Der hiesige Ortsgei st liclje lva: von einem Gange zur Post aus dem Nachhauseweg begriffen als er vor der Wohnung des Bürgermeisters Rasch während der Dunkelheit von einigen Burschen belästigt und bedroht wurde, so daß sich der Gastliche genötigt fühlte den Bürgermeister um Hilfe anzurufen. Bei dessen Erscheinen ergriffen $mar Sie Täter die Flucht, nahmen a6ci ,als sie von dem Bürgermeister verfolgt wurden, auch gegeh diesen eine drohende Haltung an, so daß er nach Hilfe'rufen mußte. Als hierauf einige Bewohner hinzueilten, kam es zwischen diesen und den Burschen zu einer Schlägerei, in deren Verlauf zwei hiesige Bewohner durch Messer- stiche verletzt wurden, sogar eine Frau, die ihren Mann zurückhalten wollte, erhielt einen Stich in den Oberarm. Die Täter konnten von der Gendarmerie als junge Burschen aus dem preußischen Orte Kressenbach ermittelt und zur Anzeige gebracht werden. Kreis Schotten. §Utf a, 7. Jan. Die Gemeinde Hebamme Frau Margarethe K o ch konnte gestern auf ihr 2 5jähriges Dienstjubiläum zurückolicken. — Ta auf der hiesigen dritten Schulstelle sehr häusig Lehrerwechsel stattsin- det, was nicht im Interesse der hiesigen Schuljugend gelegen war, so faßte der O r t s v o r st a n d oen Beschluß, auch die dritte Lehrerstelle definitiv zu machen, damit stabilere Verhältnisse in den Schulen eintreten. Ta aber nur zwei Lehrerdienstwohnungen vorhanden sind, so soll einem Lehrer eine angemessene Wohnunysvergütung zugewiesen werden. Die Kreisschulbehörde steht dem Vorhaben der Gemeinde im Interesse eines geregelten S.chul- betriebs sympathisch gegenüber. Kreis Friedberg. b. Butzbach, 5. Jan. (Gemeinderatssitzung) Anwesend : Bürgermeister Flach, Beigeordneter Heil, die Geincinde- ratsmitglieder: Grauer, Heil, Hend, Küchel, Müller, Appenheimer, Tröster, Dr. Vogt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gratulierte Oppenheimer namens der Baukommission dem Medi- jinalrnt Dr. V v g l für seine 25 jährige Wirksamkeit als Gemeinde' rat, alsdann ebenfalls der gesamte übrige Gemeinderat. z. Bogt dankte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er dies Amt auch fernerhin in der seitherigen Tätigkeit ausüben könne. — ,Tcn Antrag der Taukommisüon, wegen Neuregelung der Beerb'.gungs- kosten bezw. Festsetzung des neuaufgestellten Tarifs, beantragt Bürgermeister Flach zu vertagen bis der neue Friedhof durch die Feldbereinigung überwiesen und angelegt sei, und den Tarif in der neuen Friedhofsordnung vorzuiehen. Oppenheimer^ verlangt Vorlesung des von der Daukommission ausgestellten Tarifs, da die Ausstellung desselben beschlossen sei. Dr. Vogt liest den Tarii vor. Hehd beantragt einen Zusatz bezüglich der Konten für den Transport einer Leiche vom Fricdhose bis zur Bahn. 2em Anträge wird stattgegcben. Hierauf wurde der Tarif angenommen. Oppenheimer verlas als Berichterstatter die von einigen Jnteressenren gegen den Ortsbauplan zwischen Main-Weser-Lahn- und Griedlerstraße erhobenen Einwendungen und berichtete übet die von der Kommission gefaßten Beschlüsse, die angenommen werden. — Vorlage des Gutachtens des Ingenieurs Dr. Heyd von Darmstadt. Gemeinderat Heyd verliest als Berichterstatter der technischen Kommission das von Ingenieur Dr. H e y d ausgearbeicete Gutachten über die Erweiterung der Kläranlage, sowie das Prolo- loll der technischen Kommission. Beigeordneter Heil rügt einige Anstände und macht andere Vorschläge. Oppenheimer schlägt vor, von Dr. Heyd einen Kostenanschlag über fein Projekt einzusordern, auch wäre es wünschenswert, wenn Beigeordneter Heil über fein Projekt einen .Kostenanschlag vorlege. Tröster stellte hierauf d:esen Antrag, der angenommen wurde. — Zum Antrag der Baukom- mission, betreffend Ortsbauplan der Stadt Butzbach, zwischen Taunus- und Gießener Straße, hier Einspruch der Direktion der Main-Wefer-Bahn, verliest der Vorsitzende der Vau- kommission Dr. Vogl die Beschwerde der D^cest n der Main- Weser-Bahn und mehrerer Grundbesitzer. Nach langer Aussprache wurde beschlossen, die projektierte Straße längs des Bahnkörpers zwischen Taunus- und Gießener Straße ausfallen zu lassen und über eine neu zu projektierende Straße später Beschluß zu fassen. Starkenburg und Wljrinlicffrn. R.B. Darmstadt, 7. Jan. Der erste Hofball, der gestern abend im Residenzschloß stattfand, war von rund 300 Teilnehmern besucht. Das Großherzogspaar eröffnete den Ball um 8 Uyr durch einen Rundgang, wobei der Großherzog die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen führte, während die Großherzogin vom Landgrafen Chlodwig von Hessen geleitet wurde. Weiter folgten die Land- grafin Chlodwig, die Fürstin zu Jsenbnrg-Birstein, die Fürstin zu Solms-Hohensolms-Lich, die Prinzessin zu Löwenstein, die Prinzessin zu Jsenburg-Birstein, Gräfin Wilhelm ;u Solms-Laubach, die Prinzessin zu Solms-Braunfels, die Prinzessin zu Neuß, Prinz Christian von Hessen, Graf zu Erbach-Erbach, Prinz Leopold von Isenburg-Büdingen, Prinz zu Löwenstein, Prinz Ludwig zu Solms-Hohcnsolms- Lich, Prinz zu Stolberg. Ferner waren der russische und >er englische Gesandte und die drei Minister mit ihren Tarnen, sowie zahlreiche hohe Beamte und Offiziere, die oschargen u. a. m. zugegen. Die schmucken Galauniformen ■er Stcnldesherren belebten das farbenprächtiae Bild, das ie Hofbälle stets bieten, noch mehr. 11m 101,4 Uhr wurde der ^anz unterbrochen und in den Nebensälen das Abendessen inqenommen. Die Tafel- und Dallmusik stellte die Kapelle des 115. Infanterie-Regiments. Die Ballfestlichkeit ehnte sich bis nach 1 Uhr nachts aus. Heute mittag fand m Residenzschloß eine Frühstückstafel zu 31 Gedecken statt, zu der der Großherzog sämtliche hier weilende Standesherren eingeladen hatte. Kreis Wetzlar. O Kinzenbach, 6. Jan. Um den Sparsinn der Jugend zu fördern hat die Spar- und Darlehnskafse mit dem 1. Oktober 1906 den Sparkartenverkehr ein* geführt. Es wurden im abgelaufenen Jahr 629 Karten zu 10 Pfg., 921 Karten zu 20 Pfg., 1610 Karten zu 50 Pfg. und 3649 Karten zu 1 Mk., mithin 4701.10 Mk. bei der Kaffe angelegt. Dre Karten werden wöchentlich durch den Vereinsdrencr ausgegeben und am Schlüsse des Vierteljahres dem Abnehmer in sein Sparkassenbuch gutgeschrieben. Für unsere Jugend sind auf diese Weise seit 1. Oktober 1906 27101.50 Mk. verzinslich angelegt worden. X Dorlar, 6. Jan. Gestern würde der Kauf einer vorzüglichen Quelle in dem Wiesentälchen nach Bubenrod (Gemarkung Waldgirmes) zum Preise von 4300 Mk. vollzogen. Die Wasserleitung wird besonders für den am Berg gelegenen Teil des Dorfes ein Segen werden, wo zur Sommerzeit alle Brunnen versagten. Die Anlage hat natürliches Gefälle und wird im Frühjahr in Angriff genommen. — Um eine geeignete Verbindung mit Gießen herbeizuführen, besteht nach wie vor der Wunsch, daß Dorlar einen Haltepunkt an der Strecke Gießen-Wetzlar erhält. . , _ _Wißmar, 5. Jan Ter Gastwirleverband Krof- dorf-Rodheim und Umgegend hat beschlossen, sein W i n t e r s e ft am Mittwoch, den 17. Januar, bei Gastwirt Wolf hier abzuhalten. = Hohensolms, 5. Jan. Der Zusammenlegung der Feldmark ist nunmehr die Wasserleitung gefolgt. Während ihre Quelle am naljen ,Lappenberg" liegt, wurde auf „dem Hals" der Hochbehälter angelegt. Am 2<. Ja- uuar soll das Werk seiner Bestimmung übergeben werden. Hessen-Nassau. L. F u l d a, 6. Jan. In dem im Bau befindlichen Kalischachte der Gewerkschaft Herfa ereignete sich ein schwerer Unfall. Zur Nachtschickst waren acht Leute in dem Schachte mit Erdarbeiten beschäftigt, als einer der mit Erd- und Steinmassen gefüllten Färber korbe, wahrscheinlich infolge nicht richtigen Funktionierens der Klappen, seinen Inhalt wieder in den Schacht auf die dort arbeitenden Leute entleerte. Ein Arbeiter wurde so |chwer ac< troffen, daß er sofort tot war, die anderen erlitten leils> | schwere, teils leichtere Verletzungen.______________ Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen vom 30. Dezember 1911 btd 5. Ian. 1912. Kreis: Am 30. Dez. waren verseucht: Boni ti -. bis 5. Januar nd neu oe» - feucht: Von» du. Lez. bis 5. Fauuac ni die Seuche erlolchen in: Darmstadt . Arheilgen Weiterstadt — 'pensdemr . Bensheun, — — Ticburg . — — itrbach . . —— —* — Groß-Gerau Wolldor', Mörfelden Bischofsheim Gr-Gerau, Hevpenbeim — — Offenbach. . Offenbach, Langen, Obeitshaufeu, Offen- — lhal, Rembrücken, ftiein- Krotzenburg, SUetn- Aiideim, Hainstadt, Gießen Jügesheim, Egelsbach Langsdorf, Hungen, Lich, Leihgestern Beuern, Birk- Birklar, Warbenteid), Llllingen, Nieder- Besüngen, Beuern, Grünmgen, 'Muschen- heim, -Mainzlar, Großeil-Linden lar,Steinberg \>U^elb . . . Kirfchgarten, Schadenbach —* Kirschgnrien Büdingen. . Echzell, Ranstadt. Ltock- heim, Ober-Mockstadt. Lorbach, Leidhecken, Düdelsheim, Tauern- heim, Eckartsborn, Lindheim, Effolderbach, (tflauberg, WeningS Beienheim, Brüchen- Lder-Mock- üadl, Eckarts- bom, Echzell Friedberg- Fauerbach, Friedberg . Melbach bviicfen, Friedberg- Fauerbach, Ober- Ober-Flor- Eschbach, Dorheim, Kirch- gönS, Ilbenstadt, Reichelsheim, Ltieder- Weiiel, -Utaffenbeim, OpperSbofen, Keuchen, Habt, o lab en Ttaden, Rodheun, Ober-Floriladt, Pohl- Göns, Bad-Nauheim, Obcr-Aiörlen Lauterbach. Angersbach, Pfordt, putzdor^, llellershausen, Bernshausen, Oberweg- — für th Schotten . . Freieuseen, Rudingshain, — — Atainz . . . Bretzenheun, Alarienborn, —— Breitenheim, Lladecken, Gonsenheim, Gonsenheim, Sörgenloch 'Marienborn Alzey.... Weinheim, Badenheim Bosenheim — Bingen . . . (tzennngen Engelstadt, Windhäuser — Groß-Winternheim Hos Schwabs- Oppenheim Bechtolsheim, SchivabS- burq, Guntersblum, — bürg Wald - Ilelversheim, Dienheim, Selzen Worms. . . Dittelsheim, Alsheim, Abenheim, — Bechhleim, Bermersheim Osthofen €uftjd>ifyabrt. Frankfurt a. M., 6. Jan. Zum diesjährigen Zuverlässigkeitsflug am Oberrhetn hat Prinz Heinrich von Preußen, wie gemeldet, mit allerhöchster Genehmigung das Prowaren ungefähr 20 Säle und die übrigen konnten wir von unserer Abteilung aus nicht erreichen. Ein jeder Raum war überfüllt, kampieren hier doch im Winter häufig in einer Nacht 3000 bis 4000 obdachlose Menschen, erschütternde Zahlen, wenn man die Lage dieser Obdaästosen bedenkt, die nichts besitzen, als was sie auf dem Leibe tragen und das ist ltoch notdürftig genug. Allmählich wurde cs ganz still, alles war in einen bleiernen Schlaf gesunken. Stundenlang hörte man mm nichts mehr in den öden kahlen Räumen, als das Stöhnen und Schnarchen von Tausenden, unter denen manche hier die einzige Erholung von ihrer schweren täglichen Arbeit finden. Nur ab und zu Ivars sich einer der Schläfer noch herum oder wickelte sich fester in seine Tecke, als die kühle Morgenluft durch die Fensterluken eindrang und ein kalter Zugwind Über die Schläfer dahin fuhr. Grau zog die Morgendämmerung herauf, unter den Schläfern begann es sich zu regen, man um sch sich, zog seinen Rock an uiti> packte seine wenigen Habseligkeiten in ein Bunde! zusammen. Irgendwo schlug eine Uhr fünf. Ein Schlussel rasselte, ein Wärter rief durch die Tur: „Aufstehen!" und schon fiel die schwere Tür wieder ins Schloß. Mau tief ihm Schimpfreden nach, denn niemand ist mehr gehaßt von diesen Leuten als diese oft rücksichtslosen Wärter. Soll es doch schon vorgekommen sein, daß einzelne Wärter von den Rowdics.derart^zugerichtet worden sind, daß man sie tot hinaustragen mußte. Seit der Zeit sollen die Beamten Gummiknüppel tragen, um gegen derartige Ueberfülle gewappnet zu fein. Nachdem das Kommaiido ertönt war: „Decken zusammen- legcn!" kam das Frühstück an die Reihe, das aus einem Stück Schwarzbrot und Mehlbrei bestand. Jed»nn wurde eine dicke Schnstte Schlvarzbrot in die aufgehaltenen Hände geworfen, wäh- rend die Mehl suppe sich ein jeder in i einem Blechnapf ablwleu mußte. Die Brotschnitten mürben von den meisten mitgenommen, denn vorm Tore warteten Leute, die für einen „Seckyer" die Schnitten auf» kauften. Eine große Anzahl verschwand foiort mit den wenigen Pfennigen, die sie auf diese Weise verdient halten, in den nächilen Testillen, um sie dort in Sckmaps umzusehen. Für manche der Asylisten kommt nock) eine recht peinliche Sache: die Revision. Einzelne — bei allen würde es zu lange dauern — werden nämlich stets herausgegriffen und die Insassen verwarnt, d. h. es imrb ihnen gesagt, daß sie nur noch fünfmal im selben Monat wiederkommen dürfen. Hierbei werden ihre Personalien festgestellt, und manch guter Fang ist den stets anwesenden Kriminalbeamten hierbei geglückt. Nach einer langen halben Stunde ließ man uns endlich hinaus, eilig drängten die Wartenden dem Ausgang zu, denn dort hleiben durste tagsüber keiner. Es mochte halb sieben sein, als mein Freund und ich dem Zentrum der Stadt rtxieber zuwanderten — als ich zurückblickte, sah ich die Straßen angefüllt von bunberten und aberhunderten der verkommensten Gestalten, dem Abschaum einer drei Millionenstadt. Langsam zefitreuten sich die Mensck-enmassen, um in den unentwirrbaren geheimnisvollen Verbrecherwinkeln der Weltstadt ihr elendes Dasein weiter zu fristen. * ®"ncral Nogi gegen die zunehmende Verweichlichung. Aus Tokio wird den M. N. N. berichtet: General Nogi, der Sieger von Port Arthur und seit einigen Jahren Direktor der Tokioer Adelschule, hat in der Zeitschrift ,Litsugio-Club" (Geschäftswelt) einen Aufsatz solgenden Inhalts verösfmllicht: „3d) bin vom Lande und weiß nicht viel von der Welt. Und doch tut es mir immer weh, wenn ich sehe, wie heutzutage die jungen Leute bei uns sich immer mehr gehen lassen. Was kann denn ein junger Mensch Besseres tun als wie der Baler mit Hacke, Spaten und Pstug den Boden seiner Väter bewirtschaften? Und doch deucht das unsere jungen Leute geradezu eine Schande. Mag es sein, daß es noch nützlichere und edlere Beschäftigungen, noch bessere Methoden gibt, seinem Balerlande zu dienen, aber mindestens darf der Sinn für hatte Arbeit nickst verloren gehen. Ein Jammer ist es, zu sehen, wenn heutzutage junge Leute Arbeft als ein liebel anfehen, das möglichst umgangen, vermieden werden müsse. Kein Wunder, daß die körperliche und geistige Rüstigkeit des Volkes reißend schnell abnimmt, .»eute hört man von nichts mehr reden als von der lvachscnden Schwierigkeit des Lebensuuierhalts: mag hierfür die Steigerung der Lebene-mittelpreise teilweise l»erantwott- lick) mi machen jein, die Hauptursache zu solchen Klagen trägt doch der Luxus, tragen die ausschweifenden Gewohnheiten unserer Tage. Wer heute int Kampfe ums Dasein den kürzeren zieht, dem ist eben ntcht zu helfen, denn er hat sich selbst durch seinen Vang zur Be- queniüdile-.t geschwächt, zu ernster Arbeit unfähig gemackst. Glücklid) daher die, welche noch jung genug sind, um vor Betreten dieses Irrweges beizeiten umzukehren. Zunäckist müssen wir uns bestreben, aus der Jugend körperlich kräftige, widerstandsfähige, wetterfeste Individuen zu mad)cn, die vor keiner Strapaze unb Anstrengung zurückschrecken. Hierzu ist ein entsprechendes Beispiel der Eltern und Erzieher unbedingt vonnöten. Nirgend auf der Welt wird so wenig Wett auf die körperliche Entwicklung gelegt wie in Japan: kein Wunder, bafj wir Japaner so wenig leisten, so früh altern. Früher hat auch der Japaner einfacher gelebt, mehr gearbeitet und war wetterfester als batte. Ich kann nie begreifen, wie ein Mensch sich beklagen kann, er könne seinen Unterhalt nicht verdienen. Irgend eine einfache Arbeit gibt es immer, die, mit Ernst und Eifer betrieben, ihren Mann ernährt. 'Die alten Krieger nxrrtcten nickst erst, bis der Feind das Tor zu stürmen begann, sie übten Selbstzucht in allem und jebem, was sie taten, unb waren so beständig geltählt und geschult und famtffbereit. So ist es auch heute." Ernste Worte, die zum Teil auch für uns Europäer Geltung haben. — Schnee in den Bergen. Trotz der milden regnerischen Witterung, die in den letzten Tagen des vergangenen lialnes in den Niederungen herrschte, trugen doch einige Mittelgebirge eine zum Schisport geeignete Schneedecke. Sv wurde bis zum 31. Dez. der Kreuzberg (Rhön) von zahlreichen Schiläufern besucht, die ganz gute Schneeverhaltnisse antrafen. Auch auf dem Hohervds- topf war an verschiedenen Tagen der Schilauf möglich. Endlich werden aber auch ictzt tiefer herab im Gelurge ausgiebige Schneefälle zu ermatten sein. Sehr kalte Luftmassen,' die schon seit einigen Tagen über Nordosteuropa tagen, erniedrigen die Temperatur der warmen ozeanischen Luftwirbel, so daß auch in Mtttel- eurvpa Abkühlung eintritt. — Das letzte Gedicht Felix Dahns. Der verstorbene Dichter hat für den Musen-Almanach des nächsten Presseballes noch einige markige Verse geschickt — wohl die letzten, die er geschaffen. Sie lauten: Das höchste Gut des Mannes ist fein Volk: Doch dieses Volk ist formlos, rechtlos, schutzlos Dem Feind, dem Nachbar hilftos preisgegeben: Dem Volk Gestalt und Schutz gibt erst der Staat, Drum ist das höchste Gut des Volks sein Staat. Breslau, 27. Dezember 1911. Felix Dahn. ♦ A ufsatzblüten, die er während seiner Tättgkeit sammelte, stellt ein Lehrer der Tapl. 0111 dU. b|$5- Januar '"bieLeuche solchen in; Hriedberg- »tauerbach, Cbet-ölot- ilabt, Staben Stu-i. phil. (Schüler hies. Qb.-Neatsch.i en. gewissenh. Nachhilfe, überw. Hausarb. UeberEriolgla.Res. Offunt. E. W. 47, Amr 2. 10158 Kleine dagesd?ronit. In Straßburg i. Els. starb plötzlich an 'den Folgen einer Sehnenentzün.dung im Alter von 56 Jahren der Professor an oer hiesigen Universität Dr. Willy List, £bcr-i bibliotbekar her Kaiserlichen Universität und der Lanöes- bibliothek. Aus Anlas; des heutigen 70. Geburtstages des Geh. Rates Dr. Karl Engler, Dozent für Chemie an der technischen Hochschule in Karlsruhe, beschloß der Ltadtrat zu Ehren des Forschers und Gelehrten die Schulstraße in Englerstraße umzunennen. Im Sturm ist ein Schleppdampfer mit deutscher Flagge vor Skutari gestrandet. Wilh. Rudolph Großh. Hess. Hoflieferant Piano-Handlung und Reparaturwerkstätte. Seltersw.9L Fernspr.389 Für Dillkrcis, Krs. Wetzlar tm Teil des ^abntales «.desLicgerlandes lucht eitriger Kaufmann, Mitte dreißig, evang.. i. durchaus sicheren Berbaltnisfen, vom Frühjahr ab erstklassige Vertretung ob. Reisevotten. Lebens- mittetbranche beoorz. Firmen, die auf eine fleifeiflc, unbedingt Auverläss. Kraft reflektier., srehe ich mit besl. 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COjj f-sil ss? sfärs LToill 1 («rtW «KW i NM Steinst.. 61 vt. *) Diese charakteristische Probe möge unsere Leser anregen, das soeben erschienene treffliche Buch des bekannten Biologen zit lesen. Sein Titel lautet: „Lebensfragen aus der lieimtschen Pflanzenwelt". (307 S., 15 schwarzen, 8 farbigen Tafeln und 70 TexNignren. In Leinenband Mk. 7.80. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig). ________________ SM eilt ?l Leute in ’ einer her )tbc- W ‘er Aappen, 7 arbeiten. I.chwer fieN Ersten täls In sehr gut. -Hause, schönste Lage, sind einige Btmmcr m. oder ohne Plvfeel abzugeben. Väh. zu erf. Löbcrstr. 24. Kleine Wobnung zu verm. 270! Nittcrgasse 23. I Möbl. Zimmer\ ^chöit inobl. dunm. z. verm. Stephanstr.32 III., Hnf&. »^JungeFrau sucht abl.Iebr. Aufnavnie für8bisl0Wochen wo sich dieselbe im -Haushalt od.Pstege betät.kann. Cfr.unt. NI. K. Bla r bürg, feauvtvostl. für Schuhgeschäfte Sohlen u. Fleck mit- Gil«y bcr. -Herrn m GngLunfe ÄHl Franz, f. ert. Mat. vor? Schritt!. 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Angeb. unt. 0144 an den Giest. Anz. erb. Schutz der Nad Hölzer gegen Schneebruch. Don Professor Dr. G. Worgitzky*). Wie entgehen unsere Nadelhölzer den Gefahren des Schutt- bruchs? Lenken wir unsere Schritte dem heunatltchen Walde zu, wenn der erste Schnee gefallen ist und wir lautloZ über eine weichen Shncn da hm schreit en. Alle Aeste der Nadelbäumc tnd von ihm bedeckt, doch nur in schmaler hoher cd)'.d)t,, dte anfangs wenig fest haftet. Schon die leise Erschütterung unterer Tritte genügt, um sie da und dort beim Vorübergehen zum plötzlichen Abrutschen %u bringen und erst recht werfen sie dte leisen Schwellungen deS Westwindes herab. Wte bald werden die Wivsel vorn Schme gesäubert stehen, wenn sich dte schwach? Strömung zu wirklichen Windstößen ausgewachsen haben wtrd. Auch die Wintersonne mit ihren bloß schrägen Strahlen befreit doch oft in kurzer Zeit die Wipfel von ihrer Schncelatt, wenn sie die Trusten an tfroen Ränoern zum Schmelzen bringt, bis sie den Halt verlieren und abfallen, um dann in die unverletzte Schneedecke des Bodens eigeMümliche fährtenarttgc Lücken zu schlagen, der jeder Semit, der zur Winterszeit den Hochwalo durck-streift hat. Es ist wieder Form, Stellung und Kletnheu der Aadeln, die den Bäumen diese willkommene Erletchlerung verschaffen. Die schmale Form läßt den Schnee an den cm* seinen Nadeln überhaupt schlecht haften und ihre zwar sichte, aber nach allen Seilen ncri-Wc Stellung bietet keine günstige Unterlage zu seiner Anhäufung. Das gilt nicht nur für die büsdielförmigen Zweige der Kiefer, sondern noch mehr für die Fichte lPicea exc(fa), deren kurze Nadeln einzeln und allseitig um den Zweig stehen, wenn auch oberseits etwas dichter als unterseits, und ebenso für km Wacholder iJumperus communis), dessen vfri menförmig zugespitze Nadeln dreizählige Quirle bilden. Nur bei Tanne und Eibe (Tarus baccata) sind die Nadeln zweiteilig geordnet, d. h. sie stehen in zwei Langs- retben am Zweige, als wären sie mit einem Kamm geidjeitelt worden, nnd beide Bäume wären daher leicht zu verwechseln, wenn nickst die Längsfurchen an der Nadelunterseite bei bet Tanne graue, bei der ®ibe gelbgrüne Farbe hätten und die Eibe nicht im Spätherbst ihre scharlachroten Scheinbeeren trüge. Doch sind die beid n Nadeln zu kurz, um eine geeignete Fläche für die Schneekruste zu sck-affen, und infolge ihri^s glänzeiiden Wachsüberzuges zu gjatt, um leichtes .Haften zu ermöglichen. Eitd- lich ist die hängende Stellung der Endzweige und ihre elastifche Federung bei allen Nadelbäumen der längeren Sckstieebedeckung hinderlich. Nur wenn reichliche Mengen feuchten Schnees Tage hindurch niedergehen, dessen große nasse Flocken in dicker, immer wachsen bet Kruste Heben bleiben, oder wenn gefrierender Nebel oder überkalteter Stegen, der „Ranchfrost", sich in großen Eiskiumpen an die Zweige hängt, dicke Eisschalen um die Stämme legt und schließlich die Wälder ganzer GrittrgsNanken m einen einzigen glitzernden Eismantel hüllt, dann können wir auch im Nadcl malb ähnliche Verwüstungen durch Schneebruch erleben, wie nur sie bisweilen im Laubwald antreffen. Aber es handelt fick bann immer nur um zeitlich und örtlich begrenzte Zerstörungen, die iwar daS Daldgebist eines bestimmten Bezirks auf Jahrzehnte hinaus aufs schwerste schädigen, aber niemals die Nadelwald r ganzer SrcitenftridK gleichzeitig Heimsuchen, den Fortbestand d-st Nadelwaldes als solchen in Frage stellen. Die Schneefälle der beginnenden Eiszeit mußten allein durch ihre regelmäßige Died-r kehr, und nickt durch besondere Ergiebigkeit oder lange Dauer, das weitere Auftommen von Laubwäldern mit tropischem G/eorägf vernichten, während sie die damaligen Nadelhölzer in nickt höherem Grade schädigen konnten, als es unsere heutigen Diuter tun. Erleben wir es dock fast alljährlich, daß die,Fichten-' und Tannenwälder unserer Gebirge wochenlang^tief verschneit stehen, uw jebci Äst seine hohe, zum Teil vereiste Schneemütze aufgesetzt hat und sie die ganze Zeit über, solange das gleichmäßige Frostwetlei' auljält, ohne Gefährdung erträgt. Dazu verhilft ihnen nicht zu letzt die schmale Wipfelform der Nadelbäume. Man denid an Den Wacholder und seine seltsamen, fast an v.rmummte Mensckwn- gestalten gemahnenden Gebüsche, wie sie unsere nordischen Heiden beleben und ihnen in ihrer starren Eigenart ein neues Eharaller > mertmal aufprägen. Die Kiefer im jugendlichen Zustand, die -Fickte zeitlebens, ähnlich die Tanne, überraschen durch die regelmäßige Pt)ramid7nform ihrer Wipfel, wo die Zweige quid artig in einzelnen Stockwerken nach allen Seiten abgehen und^die folgenden immer etwas kürzer als die vorhergehenden werden Nur an den äußeren Enden der Zweige kann hier der Schtee haften, da die jüngeren Zweige die darunter stehenden älteren teilweise decken. Es verteilt sich die Schneelast auf zahlreiche, relativ kurze Arme, die selbst wieder in günstigster Stellung von dem 8-cntraIen Stamm getragen werden. Sinnend blicken wir auf zum eintönigen Winterhimmel, denen grau verschleiertes Gewölbe soviel im Geschick unserer Heimat- licken Wälder entschieden hat, als wir durch rauhe Tone anf- aeichreckt werden, die aus ihtn selbst zu Erni men scheinen, schwarze Schatten taudyen in größeren Höhest über den Wipfeln auf, eine Vogelschar, aus deren Dritte die Stimmen vereinzelt ersck>allen. Zu Hunderten ziehen sie schweren, aber eilfertigen Fluges, fast zielbenußt dahin. Sind es Nebelkrähen, die der eisige Winter des tontinentalcn Ostens nach dem milderen Westen treibt, sind cs Saatkrähen auf der Wanderung nach Süden? Wir vermögen es von unten nicht zu entscheiden. Mit ihren dnnllen Fittichen aber fliegt unsere Sehnsucht, hin zu jenen glücklichen Breiten, fernen letzt ein heiterer Himmel lacht und eine wärmere Sonne strahlt.__ Kleider- n. Vchnehcml nach Rodheim a. B. gesucht. Schiiiil. Angebote u 295 an den Gieß. Anz. erb .!D"1 Zum 15. Januar suche tüchtig. Mädchen für Küche und Hausarbeit. Fran Direktor Ohm Kolosseum. 1283 Beginn neuer Kurse 2l»fa»g Jauuar in Buchfiibr., Stenographie, Maschinenschreiben, Schönschreiben und allen Handels- fächern. Erfolg garantiert. Anmeld, werden täglich entgegengen. Hermes fljehr-InMtiint, Handelsschule für Damen und Herren, MJ Gienen,Bobnbofstraße 30. Tüchtige Darlcdns-Ver- mitttcr für reelle, feil 6Jahr, besteh. Firma sofort ges. 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