162. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 5 Trlchetni tLgNch mit Ausnahme btf Sonntag«. war cm Ende seiner Ausführungen: die Mehrheit bei habe aller- Hansabund sei als gäbe. Also sei Aushebung Abbau der Schutzzölle kommen. in 10 cingeführt wyrdcn sei, sei der Steuern beschlossen worden, nicht durch sie, sondern durch Börserrmanipulationen sei cs verursacht worden, daß der Kaf,ee teurer geworden sei. Hieran seien aua) deutsche Banlen beteiligt gewesen. Freisinnige Abgeordnete hätten zuerst die Erhöhung des Kaffeezolles und eine Besteuerung auf Zichorie verlangt. Die sog. Branntweinliebesgabe Hafter Beifall.) Tic nahezu 2‘/a stündige Rede wurde im allgemcincn ruhig angehört, die oft recht sinnlosen und unangebrachten Zurufe wurden von dem Redner meistens geschickt erwidert. Kandidat Erkelenz als Gegenredner. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul» streße 7. Exved'tion und Vertag: 5L Redaktion:^sS112. Lell-AdrnAnzeigerGießen. aber von den 946 Positionen des Zolltarifs handelten 900 von der Industrie und 46 von der Lanowir.schaft. Fürst Bismarck habe die Schutzzölle im In.eresse der deutschen Eisenlndustrie cingeführt, dura) ihre Bei cicigung , würde die Stillegung der Ma- schirren',abrik und bamü Arbeitslosigkeit heroeigeuhrt. Die Schutz- Wählerversammlung für Dr. wrrner. Gießen, 6. Januar. die Lieferung der unsetbständigeu Erwerbstätigen. In der neuen Reickssversicherungsordnung sei der Kreis-der Versicherten bedeutend ern eiter: worden. Wenn ,ie ur Krasi ireic, rouiven tdgja) drei Millionen an bic •ii2iDe:.iuiraiifd>er Seite sei nrehriech anerkannt morden, daß durch die Versichrrungs- -gesetzgcbung und die Arbeiterschutzgejctzgcoung die deuischen Arbeiter wesentlich besser, gestellt Men als die Arbeiter in anderen Ländern. Ter Redner belegt dies durch eine Reihe von Aussprüchen deutscher und auswärtiger Sozialdemokraten. Tuix: die Frechandelspolitik Englands sei der englische Bauernstand beseitigt worden, während bei uns der Bauernstand den Jungbrunnen des Volles bilde. Durch das P riva ta n g c ste I t t en g c s c tz seien die 2 Millionen des sog. neuen Miticlitandes in die Ver- sicherringsgcsctzgehung eingesügt worden.. tcicn und Der Freisinnigen gescheitert seien. Unrichtig sei auch die Behauptung, daß unsere Grenzen gesperrt seien. Die gestatteten Einfuhrkontingentc aus Oesterreich und Rußland wurden niemals erreicht. Tie bedauerliche Teuerung der letzten Zeit sei nur durch den Mißwachs hervorgerufen worden. Aus Tänc- mart würden lährlich über 100 000 S.ück Rindvieh eingeführt. Als man die Grenzsperre nach Frankreich aufgehoben habe, sei sofort die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Durch die Grenzsperre sei cs gelungen, Deutschland seuchenfrei zu machen. Die jetzige Ausdehnung der Seuche sei blos durch _bie Aufhebung der Grenzsperre hervorgerufen. Die wichtigste Frage, die der nächste Reick-srag zu erledigen habe, sei die Frage, ob Freihandel oder Schutzzoll. lediglich das Großkapital. Ersatzsteuer für andere Die ..«lehener Samillcnblätter0 werden bem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgclegt, da4 „Krelsblott für den Ktels Sletzen" groetmal wöchentlich. Tte ..kandwirtschastlichen 3tU» trageo" erscheinen monatlich jrocimaL Samstag, 6. Januar 1912 Rotationsdruck und Verlag der Brüdlfchen UnlversilälS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Wahrheit gemeint sei, gehe a.us der Tatsache hervor, daß er Millionen Wahlansichtspostkarten zollpolitik habe die Arbeitslöhne viel mehr erhöht als die Brot- preisc. Tic ganze Sck-utzzollpolilik lause darauf lnnaus, die Fcrligsabrilate hül-er zu verzollen als Halbfabrikate und noch höher als bie Ziohprodukie. Vier Fünftel der Rohprodukte würden zollfrei cingcsührt werden. Die Sozialdemokratie wolle bic der Sckrutzzölle und die Fortschrittspartei sei'für den Schutzzölle. Durch Abbau oder gar Aufhebung der werde namenlofc» Elend gerade über die Arbeiter Er sei ..... ----- ------- -------...... „ . Versammlung sei politisch aufgeklärt genug gewesen, ihn ruhig anzuhören. Wenn es ihm gelingen werde, mit Hilfe alter nationalen Clemente (Ohorufc) wieder in den Rcick)stag zu tomfnen. werde er auch in Zukunft arbeiten für Kaiser und Vaterland, für den Schutz der ehrlichen Arbeit in Stadt und Land. (Leb- L ? Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesjen das bezwecke, &en billigeren Verkauf Produkts im Ausland als im Inland . Es sei anzustreben. Laß das Gesetz auch aur die vorigen Syndikate Mlsgedehnt werde. Weitere Arbeiten des Reichstages betrafen Wenn die Frage zugunsten des Freihandels entschieden werde kurze Zeit die Fahne des Großkapitals wehen, dann aber die Fahne der Revolution (lebhafte Hohnrufe). Auman bann die Arbeits- statt billigen Brotes werde losigkcit haben. Tnrch die Einführung des Schutzzollsyftems sei es gelungen, die Zahl der Auswanderer von 200 000—300 000 in den achtziger Jahren auf 20 000 zurückzudrängen. Unter den Schutzzöllen sei die Industrie mäch.ig cmporgcblüht, durch die Schutzzollpolitik habe man Arbeit geschossen und cs der Industrie crmögliüM, die Lasten der Kolonialpotitik zu tragen. Es werde immer mir von den landwirtschaftliawn Schutzzöllen gesprochen. gegründet worden. Er schütze Auch die Kafseestcucr sei c.l in nicht nationaler Weise durch zwei Agenten in Amerika babe Herstellen lauen (Weiterleit und Beifall). Tie Pojikarten seien bann durch einen Strohmann des Bundes der Landwirte in einer Berliner Truckerei verschnitten worden und der Mann hat. vergessen, den dabei beschäftigten Arbeiterinnen ihren Lohn auc- zuzahlen, deshalb sei durch eine Klage am Berliner Gewerbegericht der ganze Handel aufgedeckt worden (Heiterkeit). Taß durch die Reichsfinanzresorm Geld in die Reickstasse gekommen sei, sei richtig und klar. _ Tarum handle es sich bei der Sache nicht, sondern darum, daß der schwarzblauc Block die Besteuerung dcp großen Vermögen durch die Erbschaftssteuer Nicht zugclassen habe. eines wichtigen zu verhindern. werde durch die Untätigkeit der Regierung stets falsch dargestellt. Tie Stcuerspannung, die man mit diesem Namen belege, sei im Interesse der süddeutschen Brenner eingeführt worden. Tie ostelbischen Brenner haben kein Interesse an der Liebes- (Ter Redner wird in seinen Ausführungen hierüber mehrfach durch den Ruf „Erbschaftssteuer" unterbrochen.) Es wäre möglich gewesen, aus dem Branntwein 220 Millionen herauszuholen, wenn nicht die Einführung des Branntweinmonopols an dem Widerstand der süddeutschen Par- Tie Wählerversammlung, bic der Wahlausschuß der Kandidatur Tr. Werner für gestern abend in das Kolosseum cin&cruicn hatte, war aus allen Parteilagern außerordentlich gut betucht. Auch laMrcidtc Wähler vom Land waren anwesend. , Punkt V'9 Uhr eröffnete Lehrer Kling die Veriammlung, woraus Oberlehrer Tr. W c r n e r seine Rede begann mit bem Ausdruck des Tankes an alle, bic bei ber letzten Wahl ihn in der Hauvt- eber Stichwahl gewählt hätten. Als einige Zwischenrufe cm- setzten, sagte ber Redner, „Sprengen Sic.nur bic Versammlung, ^ic werden uns Damit den größten Ticntt tun." Er muilc damit beginnen, einige unrichtige Behauptungen in gcgnerifchcn Flugblättern richtig zu stellen. Ter G i e ß c n e r A n z c i g e r habe die gemäßigt liberalen Bahnen des vorigen Jahres verlanen und bic Aufnahme einer Berichtigung von ihm abgelchnt. Tann bestritt ber Redner, daß er sein Versprechen, für die Achchaffung oct Zündholzsteuer zu wirken, nicht erfüllt habe, wie dies die Sozialdemokratcn behauptet hätten. Tie Behauptung eines liberalen Flugblattes, er sei Vertreter einer einseitigen agrarischen Klässenvolitik, sei unrichlig. Er sei der Nachfolger Philipp Kohlers, an dessen Grab zahlreiche nicht agrarische SBcrtrctcr gestanden und Kränze nicdcrgclegt hätten. Ter liberalen Behauptung widerspreche das Programm der wirtschaftlichen Vereinigung und vor allem auch seine, des Redners, Tätigkeit im Reichstag. Er habe Prof. Schring habe bic Gesahren geschilbert, die Deutschland durch die vom Großgrundbesitz herbeigeführte Abwanderung ber Bevölkerung droht. In Oberhessen und Starkenburg seien 44 Proz. des Ackerlandes im Besitz der Großgrundbesitzer. Nach Sehring sei in 40 bis 50 Jahren der beutidje ländliche Grundbesitz im Besitz der Großgrundbesitzer. Tuch Tr. Werners Partei verspreche Bauernpolitik durch innere Kolonisation, aber Tr. Werner habe nicht sagen können, wie er mit dem Großgrundbesitz Bauern Politik treiben könne. Die Antisemiten seien eben abhängig vom ! ^mij der Landwirte, den Koniecvativcn und dem mit diesen verbündeten Zentrum. Ein Rundschreiben vom Bund ber Landwirte, das die Beschaffung von Geldmittel für die Reichstags wahleii erstrebe, spreche es deutlich aus, daß die jetzige Politik in erster Linie dem Großgrundbesitz Vorteile biete, davon habe Tr. Werner nichts gesagt. Ter Wahlausschuß Tr., Werners habe eine Schrift von dem Redner an hiesige Geschäftsleute gesandt, in der er sich günstig für die Koni umvereine ausgesprochen habe. Dr. Werner habe hiervon nichts gesagt, weshalb er es nachholen wolle. Er habe in der Schrift sich dagegen gewendet, daß Leute, die ein paar hundert Mark geerbt haben, ein Ladengeschäft ausmachen. Tie Entwicklung habe gezeigt, daß der Kleinkaufmann sich neben den Konsumvereinen lebens- und konkurrenzfähig erhalten könne und ihnen vielfach überlegen sei. Die Konsumvereine seien mit ihrem einen Prozent des Gesamtumsatzes keine so große Gefahr für den kleinen Kaufmannstand, daß er sich nicht behaupten könne. Er könne dies sehr gut auf dem Boden des liberalen Programms und mit Hilfe des HansavundcS, der gerade die Förderung des kleinen Kausmann- standeS als wichtige Aufgabe betrachte. Von dem Warenhaus des Bundes der Landwirte mit seinen 11 Millionen Umsatz habe Tr. Werner nicht gesprochen. Tr. Werner habe so viel von Steuern gesprochen, die die liberalen Parteien nicht gewollt hatten. Die Parteien des schwarzblauen Blockes hatten doch die Mehrheit gehabt, warum habe er denn bic schönen Steuern dann nicht be>chlossen. Tr. Werner habe seine Rede mit bem Versprechen geschlossen, daß er für die ehrliche Arbeit in Stadt und Land fei. Durch seine Steuerpolitik habe ber schwarz-! blaue Block dies nicht getan, er habe bie erwerbstätigen Stände bei der Arbeit besteuert und nicht nach der Fertigstellung an ihrem Verdienst durch eine gerechte Einkommensteuer. Tie Stellung der fortschrittlichen Voltspartei zur Zollpolitik habe Tr. Werner völlig unrichtig dargestellt, weshalb er es hier vor genügend vielen Zeugen wiederholen wolle, damit Tr. Werner fernerhin nicht mehr unrichtige Tarstellungen geben könne. Es sei vollständig ausgeschlossen, die Zölle völlig abzuschaffen, denn das werde schwere Erschütterungen mit sich bringen. Taß man die Zölle erhalten wolle, bedeute doch nicht, daß man alle Zölle in ihrer jetzigen Höhe erhalten müsse. Tie fortschrittliche Volksvartei wolle alle Zölle erhalten Ter Redner legte dann seine Stellung zur Rcichsfinanzreform dar, an der er znnr nicht mitgearbeitet habe, für die er aber von seinen Gegnern verantwortlich gc macht werde. Tic ReichLfinanzreform habe sich durchaus vewahrt, 'ic habe das Reich von der Schuldknechtschaft des Kapitals losgelöst und zahlreiche Haudckskammerbcrichte hätten in ihren Berichten die günstige wirtschaftliche Lage anerkannt, -iic ictzige Tabaksteuer habe zwar ihr.' bedenklichen teilen, aber auch bie Liberalen hätten den Lalak schärfer heranziehen wollen. Es ,ei Tatsache, daß bic Tabakindustric mcljr unter ber Konkurrenz ber Zigarettcnindustric als durch die erhöhte Tabakiteucr gelitten ha. e. Auch Gcneraldirektvr Ballin frohe ausgesprochen, da» die Äusflchten unserer wirtschaftlichen Entwickelung durchaus günstig feien, ’-tie Fänanzreform sei durchaus notwendig gewesen, fie fei oon feiner Partei, auch nicht bezüglich der geforderten Höhe, crnst.tch bestruten worden. Die Einzclstaatcn seien auf bie direkten Steuern angewiesen, und die an sich nur durch eine Verfassungsänderung mugiiefre Einführung einer Rcicl-Seinkommen- und Vermögenssteuer sei an dem Widerstand der Einzelstaatcn gescheitert. Es fei möglich geivcscn, die Erbschaftssteuer durch die Koticrungs- b i e 2 i V i b c n b c n ft c u c r usw. zu ersetzen gewesen, aber die Par- teien der Linken ivären dagegen gewesen, trotzdem die kleinen Leute davon nicht getroffen werden. 'Tie Kotierungssteuer bringe in Frankreich viele Millionen ein und hätte bei uns 120 Millionen erbracht, wenn nicht die Regierung und Parteien der Linken allzusehr aus den Schutz des mobilen Kapitals bedacht gewesen seien. Auch bei Genehmigung ber Grb.'chaftsstemr seien alle bürgerlichen Parteien geneigt gewesen, 400 Millionen indirek.e Steuern zu bewilligen. D-anlit 100 Millionen Erbsck-aftsstcuern erreicht worden wären, ici es notwendig gewesen, bis 62^ Prozent zu gehen. Man habe sckwn eine Erbschaftssteuer, die 1911 39 Millionen emgebracht habe Für diese habe seine Partei 1906 nniiimmtg gestimmt und auch 1009 hüllen die meisten Mitglieder der wirtschaftlichen Bereinigung b.-.fiir gestimmt. TaS Gesetz von 1909 frabc eine Erweiterung des Gesetzes von 1906 uno die Au.dchnung aus itinDer und Ehegatten bezweckt. Ihr Ertrag sei aus m Millionen ver- aiiichlagt gewesen, so daß noch 443 Millionen ans anderem Wege zu decken gewesen seien. 1906 hätten auu> dw Pollli.er der Linken Die Erbschaftssteuer als einen Lin.rnd) in das Famillenleben bezeichnet, wenn sie 19o9 ihre Ansiast geändert hallen, so sei dies in dem Gesetz bcgrüiu-t, der dem mobilen Kapital bic Möglichkeit gegeben hält , regen Zahlung von 5jJ Mark Lronungsstrasc jid) d.r Erb,chusrsst.euer entzochen zu können. Auch ber größte Teil des Grunbbesitzes, wie er in den Fideikommisten festgclcgt sei, sei durch die Erbichaftssteuer nicht gc.roi,en worocn, weshalb man den t)ideikommisft.nipel cinge.ührt l;aue. Warum hatten Denn die Parteien der Linien gegen die Reichs Wertzuwachs steuer dort zweimal zum schwedischen Handelsvertrag gesprochen und dabei vor allem ber zollfreien Einfuhr der Pflastersteine widersprochen, durch bie die deutsche Steniinbuilrie auf das schwerste geschädigt würde. Nach dem Bericht ber Gießener Handelskammer hätten zahlreiche Steinbrüchc stillgelcat werden müssen. Seine Partei habe gegen den schwedischen Handelsvertrag geitimmt, wahrend die Sozialdemokraten dafür geftimmt hätten, trotzdem damit außer den Steinbruchbesitzern zahlreiche Steinbrucharbeiter schwer geschädigt worden seien. Seine Partei hätte dies getan, um eine bodenständige Produktion zu schützen und zu erhalten, Ter japanische Handelsvertrag habe gezeigt, daß unsere Lage immer schlechter geworden fei. Er und seine Partei schließe aber daraus nicht, daß unsere Handelspolitik schleckst sei, sondern fie wolle umercr Industrie durch ihre Zollpolitik vor allem den Jnlandsmarkt erhalten. Ter japanische Handelsvertrag schMge unsere Seiden- inbuftrie auf das schwerste, ermögliche die Niederlassung von japanischen Industriellen und die Ansiedlung von japanischen Arbeitern. Wenn jetzt das große chinesische Menschenreservoir durch die ftattfinbenbeu Umwälzungen in Bewegung gesetzt wird, die es ermöglichen, daß dieses Volk einen ähnlichen Vertrag erhält, bann hätten wir bie g e l b c G e s a h r. Wenn das erst einmal ein» trete, werde man auch in ben Kreisen unserer Handarbeiter die Bedeutung einer nationalen Arbeiterpolitik erkennen. Er habe im Reichstag weiter über die Maul- und Klauenseuche gesprochen, die Sperrmaßregeln, das Beobachtungsgebiet und die Entfchädigungsf'rage besprochen. ES handle sich dabei nicht allein um die materiellen Interessen, sondern um die Frage der Sicherstellung unserer Volksernährung. Teutschland hätte die beiden letzten Krisen überwunden dadurch, daß wir im Inland einen aufnahmefähigen Markt hätten. Wenn man den sozialdemokra- tifchen und freisinnigen Parteien folge und unsere Schutzzollpolitik beseitige, werde Teutschland in seiner Ernährung vorn Ausland abhängig werden und im Falle eines Krieges wäre unser Volk aufs schwerste bedroht. In diesem Sinne sei bie landwirtschaftliche Frage und die Beibehaltung der Seuchen-Absperrmaßrcgeln von außerordentlicher nationaler Bedeutung. Er habe ferner mit- gearbeitet in der Kommission für das K U r p f u s ch e r g e s c tz und fei in der Petitionskommission tätig gewesen und habe in letzterer manches erreicht. Er sei außerdem im Reichstag für die Lahnkanalisation tätig gewesen, die durchaus aussichtsvoll sei. Wenn der, erste Perionendampser hierhertömme, werde er dafür sorgen, daß jedermann eine Freikarte erhalte. Er habe ferner einen Antrag zur Förderung des gewerblichen Ätittelstandes unterschrieben, der alles enthalte, was die gewerblichen Korporationen haben wollten. Tie schrankenlose Gewerbefreiheit habe vielfach schwere Schädigungen für die Gewerbetreibenden im Gefolge gehabt. Ter kleine Befähigungsnachweis verhindere nicht, daß den Handwerlern vorn Großkapiral und der Großindustrie große und unberechtigte Konkurrenz gemacht wird. Tcmgcgenüber üctlange Der Antrag der wirlsch. Vereinig, die Einführung dcS Befähigungsnachweises, so daß nur der ein Handwerk ausüben könne, der eine ordentliche Lehrzeit durchgcmacht uni) den Befähigungsnachweis erbracht habe. Ferner ver.auge der Antrag, dag die Industrie entsprechende Beiiräge zur Handwerkerausbiidung leiste, und daß nur DoUjäfrrige Personen ein Gewerbe selbständig betreiben Dürfen. Tas Gesetz zur Sicherung der Br. Werner sagt, er habe dies nicht gewußt.) Von einem studierten Mann rnüst'e man verlange, daß er sich informiere, ehe er solche. Dinge vorbringe. Bezüglich des Warenhauses des Bundes der Landwirte lyabc Herr Erkelenz nur darauf hingewiesen, wie heuchlerisch das Verhalten der Leute sei, die aus der einen Seile die Warenhäuser bekämpften , und auf der anderen Seite ein solches unterhalten. Es handle sich bei der Frage der Reichs- finanzrefvrm nicht darum, was dieser oder jener Abgeordnete einmal gesagt habe, sondern darum, daß bei den beschlossenen Steuergesetzen die einzige gerechte Steuer, die Erbschaftssteuer unter Mithilfe der wirtsclmstlichen Vereinigung abgelehnt worden sei. Darüber werde am 12 Januar Abrechnung gehalten nx'rbcn. Er wolle nicht reden über die naive Freude, mit der Dr. Werner über die wenigen Monate seiner Reiclistagstäligkeit hier berich- let habe, auch nicht davon, wie Dr. Werner so oft unfreiwillig den .'cuntor des Reichstages hervorgeruseu habe, er wolle nur darauf Hinweisen, daß Dr. Werner Antisemit habe. So wenig Mr. Werner draußen im Wahlkreis antisemitische Witze verschmähe. 20. Januar in Aussicht genommen. Tie „Tägliche Rundschau" meldet: Nachdem eine Reihe von Bundesstaaten als Termin für die Reichstagsstichmahlen Aus dem Wahlkreis Gießen-Grnnberg-Nldda. Vom liberalen Wahlausschuß werden tvir um Veröffentlichung folgender Erklärung ersucht: Herr Pfarrer Schick von Queckborn beschwerte sich in einer von den vereinigten liberalen Parteien in Harbach veranstalteten Wählerversammlung in der an den Vortrab des Herrn Münz sich anschließenden Aussprache über die unsachliche und unanständige Kampfesart der liberalen Parteien und führte den letzten Wochenbericht über die liberale Versammlungstätigkeit im Gieß. Anz. als Beispiel dieser unanständigen Kampfesart an. Seinem Auftrag, diese Beschwerde dem liberalen Wahlausschuß mit- zuteilen, hat Herr Münz entsprochen, doch kann der liberale Wahlausschuß durchaus nicht zugeben, daß in dem fraglichen Wochenbericht etwas unsachliches oder unanständiges zu finden ist. Tie Behauptung, daß im Wahlkamps unsachlich oder unanständig vorgegangen wird, wäre viel eher auf die von Anhängern der deutschsozialen Partei hierher übertragene Praxis der Saalabtreioung anzuwcnden. So wurde z. B. den Liberalen in Langgöns die Abhaltung einer Versammlung unmöglich gemacht mit der Begründung, daß Herr Dr. Werner ja auch in Gießen keinen Saal bekäme. Was es mit dieser Behauptung auf sich hat, beweist die gestrige Versammlung im Kolosseum, in der Herr Dr. Werner unangefochten sprechen konnte. Auch der Ausspruch des Herrn Dr. Werner in einer Versammlung in Trais-Horloff, die Wahlmacher des Herrn Erkelenz seien alle mit Jordanwasser getauft, kann doch nicht gut als sachlich bezeichnet werden. Tie von mehreren deutsch-sozialen Versammlungsrednern schon öftere (z. B. in Hungen, Mainzlar und Burkhardsfelden) versuchte Praxis, in liberalen Versammlungen noch nach den Schlußreden der Ein- beruser zu sprechen, ist ebenfalls nur als Gegenteil einer sachlichen und anständigen Kampfesweise zu bezeichnen. * Aus der übrigen ReichStagswahlbewegung. Friedberg-Büdingen. 4- Steinfurth, 4. Jan. Gestern fand eine von nationalliberaler Seite aus einberufene Wahlversammlung statt, welche unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Scriba zu Bad-Manheim tagte. Der Kandidat der nationalliberalen Partei, Landgerichtsrat Strack zu Gießen, entwickelte in eingehender Weise sein Programm. Die Versammlung war sehr gut besucht, insbesondere hatten sich auch zahlreiche Parteifreunde aus Bad-Mauheim eingefunden. Der Vorsitzende dankte dem Redner für seine von hoher patriotischer Auffassung zeugenden Ausführungen und wies insbesondere auf den versöhnlichen Geist der Rede des Kandidaten hin. Kaufmann Ulrich aus Friedberg brachte ein .Hoch auf den Kandidaten aus, in das die Versammlung einstimmte. — An detnselben Tage fand in Wisselsheim eine Wählerversammlung, welche unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Köhler tagte, statt, die ebenfalls von nationalliberaler Seite einberufen war. Auch diese Versammlung war trotz der Nachmittagsstunde ausgezeichnet besucht, und Landgerichtsrat Straa erntete für seine Ausführungen den Beifall der Versammlung. Allerdings sei Häuptel worden, — nügend Geld in die Reichskasse brächten. Auf der anderen Seite spreche man aber von der ungeheuren Belastung Tie Behauptung, daß das Großkapital sich auf Grund der Strafbestimmungen von der Erbschaftssteuer habe drücken können, sei sehr einfach, aber nicht richtig. Man habe doch eine Vermögenssteuer, die die Erbschaftssteuer kontrolliere und umgekehrt. Tr. Werner müsse die Polini des Bundes der Landwirte, qljo die Politik des Großgrundbesitzes, betreiben: wenn er es nicht tue, sei er die längste Zeit Abgeordneter gewesen. Bauernpolitik könne nur gegen den Großgrundbesitz betrieben werden, dazu sei Tr. Werner außerstande. Politik gegen den Großgrundbesitz.könne nur durch eine gute Bauernpolitik getrieben werden, wie lie die Liberalen wollen. Tamit werde auch eine gute Mittelstandsund Arbeiterpolitik getrieben. Ter Großgrundbesitz treibe nur eigene Interessenpolitik, das zeige sein Verhalten in der vreußt- scheu Wahlrechtsfrage, die eine deutsche Frage sei. Wenn die Befreiung des Bürgertums wirklich erfolgen tolle, io rnüne als Ziel die Zertrümmerung des schwarzblauen Blocks angestrebt wer' den. Gerade der Vorgänger Tr. Werners, Köhler, habe den Bund der Landwirte sehr ungünstig und scharf beurteilt: aber er habe sich dem Bund der Landwirte doch beugen münen. Tas werde auch Tr. Werner tun müssen. Wer das große Ziel der Bekämofung des Bundes der Landwirte unb des Großgrundbesitzes und ihrer schlechten Steuerpolitik im Auge habe. Müsse sich zusammenschließen, wie es hier die liberalen Parteien getan haben. Auch Tr. Werner werde nicht um die Entscheidung herumkommen, ob er für ober gegen ben schwarzblauen Block sei. Eine klare Entscheidung hierüber sei notwendig im allgemeinen Jntereste, int Interesse der nationalen Ehre und einer guten Auslandspolüik. Tie Entscheidung sei zu treffen im Interesse des Liberalismus und um der nationalen Ehre willen. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Zwischenrufe. Als Tr. W e r n e r das Wort zur Erwiderung nehmen wollte, ertönten lebhafte Schlußrufe. Er appellierte an das Anstandsgefühl und an den Liberalismus, von dem Herr Erkelenz eben noch gesprochen habe. Tie Zuhörer seien ja so anspruchslos, datz sie bei der nmvelsten Bemerkung des Herrn Erkelenz Bravo riefen (Lebhafte Schluß- und Pfuirufe). Erst einem 'Appell des Privatdozenten Tr. Vogt an das Anstands- und Gerechtigkeitsgefühl der Versammlungsteilnehmer gelang es, Ruhe zu schaffen, worauf Tr. Werner den Ausdruck „simpel" zurücknahm. Tr. Werners Entgegnung. den 2 2. Januar empfohlen hat, wird auch die preußische Regierung demnächst in einem Erlaß den gleichen Tag zur Vornahme der Stichwahlen für die Reichstagswahl empfehlen. Es ist anzunehmen, daß der 22. Januar in fast allen größeren Bundesstaaten der Termin der Stichwahlen fein wird. Ter neue Reichstag dürfte zum 13. Febr. einberufen werden. & , Rheinisches echmkum Landesmissionsfest. Der Gedanke, daß die Christenheit die Pflicht habe, an den Nichtchristen Mission zu treiben, ist zwar in der Bibel tausendfach begründet, und das erste Jahrhundert war ein Missionsjahrhundert ohnegleichen, aber in der Folgezeit hat der Religion Jesu Christi die Expansionskraft gefehlt, was zum Teil durch äußere Gründe — Krieg, Unruhen und Unkultur in den christlichen Ländern, Mangel an Berührung mit außereuropäischen Völkern, Mangel an Mitteln — bedingt war. Als der Missionsgedanle vor beinahe zweihundert Jahren — man wird hier den frommen Grafen Zinzendorf nicht vergessen können — wieder erwachte, begegnete man ihm allerwärts mit Mißtrauen und schalt ihn als Torheit und Schwärmerei. Zudem war int 18. Jahrhundert durch Rousseau und die von ihm angeregten Schriftsteller die Meinung verbreitet, daß die Wilden, die tm Urwald leben und nie mit Christentum und Kultur in Verbindung gekommen sind, die glücklichsten Menschen unter der Sonne seien. In phantastischer Weise hat man damals das Leben dieser Naturkiuder ausgeschmückt: sie leben int Urwalde und auf einsamen Inseln im schatten blühender Bananen-, .Krokus- und Zitrvnenbäume unter einem ewig blauen Himmel, sie beten die Sonne oder die Erde an, sie verbringen ihre Tage in Frieden und paradiesischer Unschuld, bis die Europäer kommen und sie unglücklich machen. Tie Forschungsreisendeu des 19. Jahrhunderts haben dieses Phantasiegemälde gründlich zerstört, sie haben auf ihren Reisen nichts gefunden, als arme, verkümmerte, durch Hungersnot, Seuchen und Uebcrschwem- mung geplagte Menschen, die das Leben des Nebenmenschen geringer achten als das Leben eines Tieres. Deshalb hat die Mission eine große Aufgabe; sie geht heutzutage Hand in Hand mit der Zkultur, um rohe, wilde Volksstämme zur Freiheit und Gesittung zu führen. Kein unbefangen Urteilender wird den Missionsarbeitern die Anerkennung versagen, daß sie bei ihrer Tätigkeit in vielfach ungesundem Klima und unter unzähligen Entbehrungen von ehrlichem Idealismus getrieben werden, und jeder, der in der christlichen Religion die Krone und Blüte alles geistigen und sittlichen Lebens sieht, wird dieser Arbeit seine Geldbeiträge und, was mehr wert ist, sein Interesse zuwenden in der Ueberzeugung, daß von der Mission nicht nur die Volker, die sie christianisiert, Gewinn haben, sondern ebenso sehr die einheimische Christenheit, der aus per Betätigung des Mftsionssinnes j-ort und jort eine Fülle von Glaubenskraft und christlichem Idealismus zufließt. H. B. Z»m £anöesmi)fionsfefte. Wenn man in den Chroniken und Kirchenbüchern einer Stadt oder einer Landgemeinde liest, so findet man eine große Anzahl von Familien verzeichnet, die völlig aus- estorben sind. Nur die Namen sind noch erhalten, und )ie kommen den Nachlebeiiden fremd mtd seltsam vor. So ist es auch mit dem Epiphanienfeste gegangen, das die Christenheit in den vier ersten Jahrhunderten ihres Be- tehens alljährlich am 6. Januar gefeiert hat und das dann rurch das Weihnachtsfest verdrängt worden ist. Man mag )as bedauern; denn das Epiphanienfest war mit vielen chonen, sinnvollen Zügen ausgestattet — man denke nur an alles, was sich in der Volksdichtung, in der Volkse itte und in der Kunst an die biblische Erzählung von den )rei Weisen aus dem Morgenlande angeschlossen hat — aber ändern kann man das nicht mehr. Wir feiern heutzutage )as Epiphanienfest, wenn der 6. Januar nicht auf einen Sonntag fällt, an dem nachfolgenden Sonntage, und zwar eiern wir es, weil mau in den drei Weisen oder Königen ne ersten Heiden sieht, die zu Jesus gekommen sind, als Werner Breuer Feinster Kaffee Zasatz. Faorlk : C6ln • Rodenkirchen. so wenig versage sich das Zentralorgan der deutschFozialen Partei die Wachrusnug der niedrigsten Instinkte des Rassenhasses selbst bei den Kindern. Tr. Werner werde in einem Flugblatt als der allein zuverlässige nationale Kandidat hingestellt, während antisemitische Agitatoren und Zeitungen lick in durchaus ungehörigen Ausfällen über die Person des Kaisers ergingen. Wenn das deutsche Kaisertum sich auf eine solche Leibgard' ocrlaneii müsse, bann könne man ruhig sagen: „Ade deutsches Kaisertum." ^Stürmischer Beifall.) Der Redner wandte sich bann gegen die Art, wie Tr. Werner die Tatsache, bai? der fortschrittliche Kandidat Berliner ist, in Vergleich gestellt habe mit dem Bezug der Postkarten des Bundes der Landwirte aus Amerika, xic ortschrittliche Volksvartei sei stolz darauf, einen liberalen Ar- beiterfanbibaten auigeftell zu haben und t:fi’e, da»; er sich bald ubg Erkelenz-Gießen nennen könne. Wenn Dr. Werner vielleicht nachher ein freisinniges Sündenregister aufmadxn werde, w wolle er jetzt schon darauf Hinweisen, daß die wirtsch. Vgg. in der viel kürzeren Zeit ihers Bestehens noch viel mehr Dummheiten gemacht habe, Auch in der wichtigsten nationalen Frage, in der Dezember Abstimmung des Jahres 1906 habe ein Mitglied der wirtschaftlichen Vereinigung versagt. Auch die Sozialdemokraten gehörten zum deutschen Volk unb man dürfe ihnen die nationale Gelinnung nicht absprechen. Wenn Dr. Werner die Bundestreue der Nationalliberalen bezweifle, so weise er diese Verdächtigung zurück Er hoffe, daß bas liberale Bündnis sich bewähren werde, unb bitte um die Unterstützung des nationalen freiheitlichen Arbeiter- kandidaten Anton Erkelenz. (Stürmischer Beifall.) Tas Schlußwort Tr. Werner-. Unter lebhaften Schlußrufen begann Dr. Werner sein Schlußwort, das zum großen Teil in dem Lärm des Fortgehens verloren ging. Er wandte sich unter Berufung auf das Reichs- tagsprotokoll gegen die Behauptung, daß er sich lächerlich gemacht habe. Tie freisinnigen Wahlrechtsfreunde üi Lübeck, Preußen usw. seien nicht aus der Partei entfernt worden. Xie wirtschaftliche Vereinigung habe in ihrer Mehrheit für die Erb- chaftssteuer gestimmt. Dr. Vogt habe der wirtschaftlichen Vereinigung an allem Möglichen Schuld gegeben, selbst am Sturz des Fürsten Bülow, der sich doch selbst gestürzt habe. Wenn er über feine Tätigkeit berichtet habe, fo foajx.' er doch Bericht über seine Tätigkeit erstatten müssen. Schließlich wandte ich der Redner gegen den Vorwurf der Judenlwtze, es gebe n ben freisinnigen Kreisen viel größere Antisemiten als in einer Partei. Wenn von Anhängern seiner Partei Handlungen >es Kaisers kritisiert worden seien, so sei dies richtig. Sie faßten eben die Mannentreue nicht byzantinisch auf, während Herr Erkelenz den Kaiser in seinen verfassungsmäßigen Rechten kürzen wolle. Die Bundestreue der Nationalliberalen gegenüber dem Fortschritt habe er nicht bezweifelt, sondern nur die Ansicht ausgesprochen, daß die Wähler von Prof.^ Gisevins teilweise ihn wählen würden, wie sie es im vorigen Jahr in der Stichwahl getan hätten. Der fortschrittliche Redner habe weit zurückgehen müssen, bis er untergeordnete Personen der deutschsozialen Partei gesunden habe, die mit den Sozialdemokraten Verhandlungen wegen Wahlhilfe geführt hätten. Die nationale Gesinnung der Fortschrittler sei bekannt, sie endige im roten Stimmzettel. (Lebh. Beifall bei ben noch anwesenden Anhängern der Kandidatur Werner.) freifinniger Seite vielfach be die neuen Steuern nicht ge Tr. W e r n e r führte bann aus, daß auch Herr Erkelenz manches nicht erwähnt habe, so z. B. seine Stellung zur Monarchie. Herr Erkelenz bezeichne in einer Schrift als das Ziel der Entwickelung die Demokratie, also ein Kaisertum ton nur dekorativer Beleuchtung. Herr Erkelenz habe nicht davon gesprochen, daß dec Freisinn der ViSmarckschen SchutzpoUtik die größten Schwierigkeiten gemacht habe, er habe sich allerdings nach und nach bekehrt. In Dbcrht'h'cn gehe der Grundbesitz sortgesetzt zurück und der Bauernbesitz nehme zu. Seine (Redner) Partei habe teilte Großgrundbesitzer in ihren Reihen, während die freisinnige Partei t;ren mehrere habe, lieber die Branntweinliebesgabe habe Herr Ertelenz Ausführungen gemacht, die bewiesen, daß er sich klüger dünke, als die süddeutschen Finanzminister und die süddeutschen Branntweinbrenner. Wenn behauptet werde, daß die deutschsoziale Pari,! leine MitlelstandSpolitik getrieben habe, so sei dies unrichtig, wie aus Aeußerungen einer Reihe von Mittelstandszeitungen hervorgehe. Tie Gefährlichkeit der Konsumvereinsbewegung, die von der .vamburger Großeinkaufsaenossenschast ausgehe, beruhe daraus, daß sie nicht bloß Kolonialwaren verkaufe, sondern auch Bäckereien usw. ins Leben riefe. Daß die deutschsoziale Partei konservative und O r . s grundbeiitzerpou.u treibe, ici unrichtig, das beweise ihre Haltung bei der reick-ständigen Verfassungs- und Wahlrechtsfrage. Ter Bauernbesitz wachse in Deutschland und der Großgrundbesitz gehe zurück. Bauernpolitik sei zuerst von Preußen betrieben worden, durch das Rentengutsgesetz von 1890. Seine Partei sei durchrus für eine gesunde Landarbeiter- und Bauernpvlckik. Tie Liberalen hätten Jahre lang mit den Konservativen m dem Bülowblock zusammen gesessen und habe 10 Jahre lang Geschäfte mit dem Zentrum gemacht. Auch die Sozialdemo- traien und die freisinnige Partei seien vielfach mit den Konservativen bei Wahlen zusammengegangen. Im Parlament seien die Fortschrittler vielfach mit dem Zentrum jufammengegangen und eine Partei, die einen Kopsch zu den ihrigen zähle, habe alle Ursache, vor dem sogenannten schwarzblauen Block ruhig zu fein. Wenn die liberalen Geschäfte mit dem Zentrum machten, sollten sie es auch der wirtschaftlichen Vereinigung nicht übel nehmen, wenn sie mit dem Zentrum gute WirtschaftSgesetze zugunsten des Mittelstandes mache. Auch die Liberalen seien bereit gewesen, 400 Millionen indirekte Steuern zu bewilligen, die Freisinnigen seien zu allen Zeiten Gegner einer Besteuerung des mobilen Kapitals gewesen. Vermögens und Einkommensteuer wurden in Deutschland von den Einzelstaaten erhoben unb gerade in Hessen seien die direkten Stenern hoch genug. Es sei niemals von fortschrittlicher Seite bisjctzt gesagt worden, daß sich der geforderte Abbau der Zölle nur auf die Jndustriezölle beziehen solle. Tie Freisinnigen seien im innersten ihres Herzens auch heute nach Freihändler. Tie wenigen bestehenden Futtermittelzölle seien gerade im Interesse der kleinen Viehzüchter eingeführt worden. Ter Hansabiind sei von zahlreichen Mittelstandsvereinigungen abgelehnt worden, hauptsächlich wegen ferner sozialdemokratischen Tendenzen. Tie bei der Teuerung eingeführten Frachtermäßigungen seien hanptsächli chvom Großhandel geschluckt worden. Was die Postkarten des Bundes der Landwirte anbelange, so habe der Fortschritt keine Ursache, sich darüber anfzuhalten, denn er trete ja tür den Exporthandel ein. Ter Bund der Landwirte habe seine Postkarten aus Amerika bezogen und die fortschrittliche Volkspartei Berlin. (Stürmisches Gelöstster. Das Versprechen! Als der Hans nahm einst die Grethel Frag er ob ihr Herz auch edel, Ob sie ihm wollt* stets mit Freuten Seinen Lieblingstrank bereiten? Ja mein Herz ist gut und edel, H Hans umarmend, rief die Grethel Stets mit „Werner Breuer“ fein Wird Dein KaSee schmackhaft sein. Die Wirren tn Persien. Peking, 5. Jan. Konfnlardevcschen aus Tschungkiny besagen, daß der größte Aufruhr in Tsch eng t u (szetichuan» herrscht. Ter Vizckönig Tschacrfcng flüchtete in j)amen; er wurde dort am 20 Dezember gefangen genommen und hinge r i ch t e t. Ein ähnliches Schicksal traf den faifertigen General Tien. 140 Ausländer verließen gestern Tfckungkmg. Dcittfcbc Kolonien. Eine dentsch'belstllche Handllsqesellfchaft. Unter der Firma Societö Commcrciale Belgo- Allemande du Congo (Societe anonpin/ wurde tn Brustel eine belgische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Francs 2 000 000 mit dem Sitz in Brüssel errichtet. Bon dem Kapttal wurden Francs 1000 000 bei der Gründung vollgezahlt, aus ben Rest der (Anzahlung 25 Prozent geleistet. An der Gründung sind beteiligt u. a. die Deutsche Bank, die Teutich-r,st a s r i k a n i >' ch e G e s c l l s ch a f t in Berlin, die Firma C. '-Boer mann in Hamburg und die Banane b’Cutremcr unb Compagnie du Congo vour le Commcrce et l'Jndustrie in Brüssel. Die Gesellschaft hat insbesondere den Zweck, im belgischen Kong o und in den angrenzenden Kolonien Handel zu tr c i b e n unter Uebcrnahme und Fortführung der Geschäfte der Firma Walther Karl, die die Hauptniederlassung in Matadt am Kongo besitzt. ___________________ 12111 ßicoiflitroBt. Hochelegante 112 Zubehör ver 119 Veripietungen iht m. Hause Sckottftr. 10 eine schöne Part.-'Wobnnng beit, ans 5 Zimmern u. nU. W ei. io iter sehr billiü obzug. Siäü Babubosstr.sO. Wilhelmstrnhr 12 ift die 2. Et. beit, aus 7 Zimm., Bad. GaS, elektr. Licht u. all. Zudebörburch Verlegung des Herrn Maiar v. Eodenktern ver 1. April 1912cvcntL ftüber anbernieitm zu verm. 1234 Lihlincl-ziiWitrmehmng mit Gartenanleil, besgl. eine 3 Zimmerwobiiung in der Hillebrandstr. zum 1. Avril ob. früher zu vermieten. (139 Näheres Goetbestr. 69 vt. 6 Zimmer Tic seither von Herrn Prof. S.rackbe >Mjtt^>!aiser-ÄUee ivobnte r. 89 iHüoni L 21 ur. 1912 ab andw. a- verm. 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