Nr. 81 Erster Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 4- April 1912 sEäWIvQvII-vI vH l j v iy v i |=£a ZWK General-Anzeiger für Oberheffen MW Znnasm" oon feigen Rotafionsörud und Verlag der vrühllchen Unlv.-Vuch: und SleindniSerel n. Lange. Redattion, Lrpedttian und Druckerei- Schulstratzt r. s°'^.d°tt bil oöen5Sn9nu6“ VSdingen: Zernsprecher Nr. 269 Seschästtstelle vahnhasstratze 16a.simeigentc.i: H. B°ck. Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten. 3um Rücktritt Des Abgeordneten Noeren. AuS der von uns veröffentlichten Erklärung des Abgeordneten Roeren, mit der er seine Mandatsniederlegung begleitet hat, ist nicht mit Gewißheit festzustellen, ob der verdrossene Zentrumsführer nun außerhalb der Frak- Honen seinen Stampf für das erklärte konfessionelle Zentrum fortzusetzen gedenkt. Roeren hat die Borgänge in der Fraktionssitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 14. v. M. als für ihn entsä-eidenl) bezeichnet: er muß dort bei dem Streit um die Definition der Zentrumspartei wohl eine Niederlage erlitten haben. Es ist im Grunde erfreulich, daß die führenden Kreise des deutschen Zentrums sich ihre politische Unabhängigkeit von den rö- mischen Direktiven bewahren wollen und daß sie ben rückschrittlichen Tendenzen Roms wenn nicht deutlichen Wider- itanb, so doch eine kühle Zurückhaltung gegenübersetzen. Tiefes Verhalten gebietet ihnen die Klugheit; das Zentrum hält seine taktischen Traditionen aufrecht und will sich nach allen Seiten hin Freiheit seiner Entschlüsse bewahren. Selbstverständlich wird dies an dem tatsächlich konfessionellen Charakter des Zentrums nichts ändern; das Haupt- lcilmotiv bleibt nach wie vor: Stärkung der kirchlichen Macht. Herrn Roeren gegenüber berief sich die „Köln. Voltsztg." dieser Tage auf den verstorbenen Führer Lieber, der mit größter Entschiedenheit dafür eingetreten fei, daß das Zentrum nach den Satzungen eine interkonfessionelle Partei sein und bleiben müsse. Herr Roeren, der als Be- tämpfer der Unsittlichkeit bekannte Fanatiker, der oft zu falschen Mitteln griff, findet jetzt auch in der führenden Presse des Zentrums manche sanfte Zurechtweisung. Der „Köln. Bolksztg." kommt sein Rücktritt von seinen Aemtern sehr gelegen. „Die Einigkeit und Geschlossenheit des Zentrums", sagte sie, „läßt jetzt gar nichts mehr zu wünschen übrig, nachdem die Aog. Bitter und Fleischer nicht wieder- gewählt worden sind, der Abg. Graf Oppersdorfs in das Zentrum nicht ausgenommen wurde und der Abg. Roeren feinen Austritt aus den beiden Zentrumsfraktionen vollzogen hat". Das Btatt erinnert aua) daran, daß vor anderthalb Jahren Roeren vor dem Landesausschuß der preußischen Zentrumsfraktion erklärt habe, er wolle sich künftig aus den Boden der Parteibeschlüsse stellen. Das ist richtig; eine solche Erklärung Roeri'ns ist seinerzeit auch veröffe.ü- licht worden. Bon dem mittlerweile aus Rom schärfer blasenden Winde hat er sich aber wieder die Segel blähen lassen. Wahrscheinlich wird die offizielle Zentrumspartei über sein unrühmliches Ende den Mantel der christlichen Liebe decken. Bon einem Vorstandsmitglied der Zentrumsfraktion des Reichstags (offenbar dem Abg. Erzberger) erhält die Schics. Voltsztg. eine Zuschrift, in der es heißt: Die Mandatsniederlegung des Abg. Roeren kommt niemandem überraschend. In der ganzen derzeitigen Legislaturperiode war Roeren nur einige Tage in Berlin; er entschuldigte sich.beim Bor- sitzenden rvegen seiner leidenden Gesundheit und blieb allen Verhandlungen fern. Schon in der letzten Legislaturperiode gehörte der Abg. Roeren zu den seltenen Besuchern des Reichstages; man schrieb allgemein dieses Ausbleiben seiner erschütterten Gesundheit zu. Wäre sein Rücktritt hiermit motiviert worden, so hätte man dies allseitig verstanden. Aber int höchsten Grade überraschend kommt die Erklärung, mit der Geheimrat Roeren seine Mandate niederlegte. Hier werden so scharfe und so schwere Angriffe gegen die Zentrumsfraktion des Reick-stags und des Abgeordnetenhauses erhoben, daß diese verpflichtet find, selbst das Wort zur Abwehr gegen bcweislose Behauptungen zu nehmen. Leider erfolgte Rocrens Erklärung in einem Moment, wo die Fraktionen eben a b g c r e i ft sind, obwohl die Erklärung das Datum vom Februar 1912 trägt. Vor drei Wochen können die Fraktionen und die Borstandschasten keine Stellung nehmen. . _ Ter Badische Beobachter, das führende Organ der badischen Zentrumspartei, bemerkt zu dem Rücktritt des Abg. Roeren: „Roeren mag über Mallinckrodt und Windthorst und ihre Politik sagen, was er will — zu den Lsterdtenstags-Grublern gehörten sie jedenfalls nicht. Davor bewahrte sie ihre staatsmännische Klugheit wie ihre katholische Ueberzeugung." Ergebnisse der Reichrerbsci.aMeuer. Nach der Statistik über die finanziellen Wirkungen des Reichserbschaftssteuergesetzes vom 3. Juni 1906 im Rechnungsjahre 1910 sind die Hauptergebnisse für das Deutsche Reich folgende: der Anfalle: au6 Erwerb von Todesmegen . Schenkungen unter L'ebenben, zusammen Zahl Gesamtreinwert Cteuerertrag Alk. Alk. 105 847 788 777 787 52 794 646 6180 62 616 453 3 991 616 11^ U27 öul d‘J4 lyu uü 78u2b21 Außerdem wurden bei 45 Erwerbsfällen aus Erbschaften von zusammen 68 247 Mark Reinwert 8751 Mark und bei 23 dergleichen aus Schenkungen unter Lebenden von zusammen 64 202 Mark Reinwert an Steuer 4836 Mark niedergeschlagen. Im Durchschnitt entfällt auf einen versteuerten Anfall ein Reinwertbetrag von rund 7600 Mark mit einem Steuerertrag von rund 507 Mark. Es betragen die Gesamt- die Gesamt- rohwerte Verbindlichkeiten Alk. Alk. 33 071 bei den überhaupt versteuerten Nachlässen....... 907 041 178 118 263 441 4 665 Schenkungen unter Lebenden 67 956 434______5 339 981 zusammen 974 9u7 612 123 0U3 422 Bei dem Erwerbe von Todes wegen weisen die Abkömmlinge 1. Grades von Geschwistern mit 37 103 (— 35,05 v. H. der Gesamtzahl) die Höchstzahl aller versteuerten Erwerbsanfälle, dagegen Geschwister mit 293 000 023 Mark (= 37,15 v. H. des Gesamtreinwertes) den höchsten Gesamtwertbetrag auf, während den größten Steuerbetrag die auch mit dem höchsten Steuersätze belegten „Uebrigen Erwerber" mit 17 541852 Mark (= 33,23 o. H. der ganzen Steuersumme) ober auf einen Anfall von durchschnittlich 6617 Mark rund 850 Mark zahlen. Bei den Schenkungen unter Lebenden entfallen von dem Gesamtwertbetrage von 62 616 453 Mark allein 25 815 650 Mark = 41,23 v. H. an mildtätige ober gemeinnützige inlänbifche Stiftungen usw. Dagegen wirb auch hier ber Hauptsteuerbetrag mit 1470 011 Mark = 36,83 v. H. von ben „Uebrigen Erwerbern" aufgebracht. Gestunbet mürben int Berichtsjahr: an Erbschastssteuer .... 2799967 Mk. , Schenkungssteuer. . . . 320 831 zusammen 3120 798 Alk. Von ber Erbschaftssteuer allgemein befreit unb daher in ber Statistik unberücksichtigt geblieben finb bie Anfälle an Ehegatten, sowie Hinber unb bereu Abkömmlinge, ferner solche unter 500 Mark, ba biefer Betrag als untere Grenze ber Steuerpflichtigkeit burch § 11 Ziffer 1 bes Gesekes festgelegt ist. Außerdem sind statistisch nicht behandelt bie steuerfreien Anfälle aller Art aus Schenkungen unter Lc- benben. Nach ben befonberen Bestimmungen bes Gesetzes finb, abgesehen von ben Fällen, in benen der Wertbetrag von ben Steuerbehörben nicht besonders ermittelt würbe, 23 776 897 Mark Erwerb von Tobe» wegen steuerbefreit geblieben. Außerdem wurden gemäß § 15 (ganze oder teilweise Steuerbefreiung der land- unb forstwirtschaftlichen Grundstücke) in 16369 Anfällen 871388 Mark Steuer unerhoben gelassen. Arbeiterbewegung. Genera streik im Schucidergcwerbe. Der in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Magistrats-Syndikus Dr. Hiller zusammengetretene Einigungsausschuß hatte beschlossen, daß die Arbeit am 2. April wieder ausgenommen werden sollte. Die Gehilfen finb je- boch ber Weisung ihres Hauptvorstanbes nicht nachgekommen, finb vielmehr an biefent Tage in ben Generalstreik eingetreten, nachdem ber Arbeitgeberverbanb bie Aussperrung aufgehoben hat. Zurzeit finben weitere Berhand- lungen in Jena statt und die Arbeitsaufnahme soll nun am Dienstag nach Ostern erfolgen. Deutsches Reich. Die amtliche „Nordd. Allg. Zeitung" schreibt: „Nach Mitteilungen ber Presse erließ bie bayerische Regierung neuerlich Bestimmungen über bie Hanbhabung bes §1 bes Jesuitengesetzes. In einem Teil ber Presse wirb baran bie Behauptung geknüpst, baß biese Bestimmungen mit bem Sinn bes Reichsgesetzes unb ben bazu ergangenen Beschlüssen bes Bunbesrats im Wiberspruch stehen. Ob bies ber Fall ist ober nicht, wird Gegenstand der Prüfung für diejenige Stelle sein müssen, welche verfassungsmäßig zur Ueberwachung der Aussührung der Rerchsgesetze berufen ist". Wenn die „Norddeutsche" nicht mehr sagen konnte, hätte sie auch diese, höchst bescheidenes Kundgebung sich schenken können. Es weiß doch kein Mensch, was er damit anfangen soll. Ausland. In der Sitzung desungarischenAbgeordneten- h aus es vom Mittwoch erklärte Khuen Hedervary, das königliche Handschreiben entspreche vollständig ber Verfassung. Was bie Forberung betrete, baß bie Wahlreform vor der Wehrreform verhandelt werde, so könne hierüber die Nation befragt wekden. Der Ministerpräsident erklärte schließlich, die in ben Blättern erschienenen Melbungen über bie letzten Aubienzen stammten nicht von ihm. Sobann würbe ber Antrag bes Abg. Kossuth aus Beantwortung bes königlichen Handschreibens durch eine Adresse abgelehnt unb bas Allerhöchste Hanbschreiben betreffend die Ernennung des Kabinetts einhellig zur Kenntnis genommen. Tas Abgeordnetenhaus vertagte sich dann aus den 1$. April. Die „Times" meldet aus Schanghai vom 2. April: DieNationalversammlunginNankinghat noch, einer erbitterten Debatte mit 20 gegen 6 Stimmen be' schlossen, ben Sitz ber provisorischen Regierung nach Peking zu verlegen. • Pilatus in der Sage. In der seinen Novelle von Anatole France, die „Der Statthalter von Judäa" heißt, tritt Pontius Pilatus auf. Dreißig Jahre sind verstossen, feit er, ber Ungnade des Kaisers verfallen, Palästina verlassen hat. Er ist ein alter Mann geworden, der unendlich viel erlebt und unendlich viel darüber nachgedacht hat; seine Erfahrungen haben ihn melancholisch gemacht, feine Züge und immer strenger geworden. Er hat die Schwefelbäder von Bajä ausgesucht; hier trifft er zufällig den Aelius Lamia, der vor dreißig Jahren als Verbannter zu ihm nach Jerusalem kam und dort lahrelana sein Gast war. Bei einem Mahl Kauschen beide, auf ihren Lagern ruhend, Erinnerungen aus. Silberne Schüsseln mit gebratenen Vögeln, Austern vom Lukriner See und Lampreten aus Sizilien werden ausgetischt. Die beiden Freunde unterhalten sich über Judäa, so wie es vor drei Jahrzehnten war. Pilatus erwähnt die Anstrengungen, die er gemacht hat, um den Juden, die in seinen Augen Barbaren finb, römische Kultur beizubringen, er kommt auf ihre Gebräuche zu sprechen, die er verachtet, auf ihre Religion, die ihm zu fanatisch ist unb die beinahe leben Tag zu Glaubenskämpfen, Zusammenrottungen, endlosen Tis- putationen führt. An eine solche Geschichte erinnert sich Aelius. Da war ein gewisser Jesus aus Nazareth, der später wegen irgend eines Verbrechens an der Religion gekreuzigt wurde. „Erinnerst du dich noch an diesen Mann, Pontius?" Pontius Pilatus runzelt die Brauen. Er besinnt sich. „Jesus? Jesus — aus Nazareth? Nein, ich erinnere mich nicht." Diese kleine Erzählung ist eine eigenartige und zugleich die moderne Variante der alten Pilatus-Sage, die besonders im Mittelalter eine große Rolle spielte. Für das Schicksal ber heiligen unb unheiligen Personen, die an der Tragödie Christi Anteil hatten, hat man sich schon in frühen Zeiten interessiert. Mit dem Tod Christi war ihr Leben nicht beschlossen; man suchte das Vorher und Nachher zu erforschen unb schmückte es mit seltsamsten Fabeln aus. Eine Sage läßt Pilatus im bamuergi» schen Gebiet geboren werden, eine andere nimmt Vienne als seine Geburtsstadt in Anspruch, die verbreitetste läßt ihn zu Forchheim, dem alten deutschen Königssitz, das Licht der Welt erblicken. Dort zeigte man auch des Pilatus rote Hosen. Ter Vater des Pilatus war — so erzählt eine Sage, die ihn zu M a i n z geboren werden ließ — ein König namens Atus; seine Frau hieß Pila. Beide Namen, zusammengesetzt, ergeben den des Sohnes. Pilatus mußte, ba er feinen Halbbruder ermordet hatte, flüchten. Erst als Legat in Jerusalem taucht er wieder auf. Jahre sind verflossen, seit er das Urteil an Christus vollstreckt hat. Der römische Kaiser fühlt, hochbetagt, auf einer Reise durch Kompanien, seine Sterbestunde herannahen. Da hört er durch einen niedrigen Sklaven von dem galiläischen Wundertäter, ber Aussätzige heilen, Blinde sehen machen kann unb Tote ins Leben zurückgerufen hat. Der Kaiser schickt hoffnungsvoll einen Boten nach Palästina. Aber Jesus ist längit gekreuzigt. Indes verspricht die heilige Veronika, den Kaiser nut ihrem wundertätigen Schweißtuche zu heilen, unb der Sendbote begiot sich mit ihr und bem in Fesseln geschlagenen Landpfieger auf die Rückreise. Stott des Sirafgerichtes wird bem Pilatus beim Kaiser ein nicht un- frcunblidier Empfang zu teil, der immer mehr an Wärme gewinnt, weil ber heilige Rock Christi, ben der Landpfleger am Leibe trägt, diesem die Sympathien aller gewinnt. In dem Augenblick aber, ba er das schützende Gewand ablegt, erwacht der Zorn des Kaisers; er verurteilt den Landpfleger zum Tode. Pilatus wartet aber die Hinrichtung nicht ab, sondern stirbt durch Selbstmord. _ , Ä .. „ Nach einer anderen e-age wird er vom Kotier nach Vienne in Südfrankreich verbannt. 2ort wird noch heute ein alter, verfallener Turm als Schloß des Pilatus gezeigt. Nur kurz soll der ehemalige Landpfleger darin gehaust haben; die Gewissensbisse über den von ihm verschuldeten Tod Christi trieben ihn zum Wahnsinn und Selbstmord. • Nichwerjetzllng und Schülrrselbstmorde. Der diesjährige Versetzungstermin ist nicht vorüber gegangen, ohne daß die Tagespreise wieder über eine Reihe von Schüler- selbstmorden — und zwar mehr denn je! — berichtete. Mit unwiderstehlicher Gewalt scheint diese Seuche über unsere Jugend gekommen zu fein, trotzdem bie Fürsorge für sie in allen Streifen des Bolles, bei Fachleuten wie Laien, sich von Jahr ^u ^ahr steigen. Wo mögen ba bie Wurzem des Hebels liegen? — Bei ber Beantwortung der Frage ist die Tatsache zu beachten, daß bie meisten Fälle von Schul er selbstmorden sich in ben größeren -stabten ereignen. Wer hier die gegen früher meist völlig veränderte Lebensweise kennt, die Ueberfeinerung der Nerven und ähnliches, wird unen Hauptgrund des Hebels bald herausfinden. Die ganze Erziehung unb Behanblung ber Jugend, die in vielen Fällen wohl gar Dienstboten überlassen ist, ist zu schlapp und weich. Seitdem auch Kinder schon „Nerven" haben, kennt man kaum Strenge Iunb Strafen. Ueberack wird Schonung unb zarte Rücksichtnahme gepredigt. Da ist es denn nicht au verwundern, daß bei einem so erzogenen Knaben, wenn einmal eine strenge Strafe droht, sich ber Geist durch eine alles lähmende Furcht verwirrt, und das Kind in den Tod geht. Tie Unnatur in der Erziehung und Ucberkultur hat auch zu einer Ueberfpannung des Ehrgefühles geführt. Tie vermeintliche Schande der Nichtversetzung glaubt der Knabe ^nur dura) den Tod sühnen zu können, anstatt daß eine gesunde schäm zum Bester- machen anfeuert. Körperliche und genüge Abhärtung der Jugend durch Anwendung einer von wahrer Liebe zu den Kindern getragenen Strenge, die feine Verweichlichung kennt, unb gröbere Natürlichkeit in ber Erziehung, muß bie Familie besonders pflegen, ivenn es mit der Selbstmorbkranlhett besser werden loll- Gelegenheit zur körperlichen Abhärtung bietet sich heute uocra 1, ich denke vor allem an die Bereinigungen der Wandervogel oder an den Jungdeutschlandbund des Freiherrn v. d. Goltz. Geistig stählen kann man die Jungen am besten, indem man sie nicht vor der Arbeit behütet, nein, ihnen möglichst Piel, gibt. Tis Freude an der Arbeit ionimt mit bem natürlichen Ltolz aus die Fortschritte bei ber Jugend immer gemeinsam. Die schule hat in ben modernen Lehrplänen soviel Spielraum gelassen und Jett geschaffen für indiviouelle Betätigung, Väter und 'Nulter sorgt dafür, daß eure Kinder diese Zeit auch tüchtig nutzen, »clrt stets, ihnen neue Arbeit zu verschossen. Dann wird ihnen selbst das Leben auch nicht Öde und und leer erscheinen, und wir werden nie mehr das traurige Scksaufpiel erleben, daß zwei hochbegabte junge Menschen sich gegenseitig erschießen aus Ekel am Leben, wie tm vergangenen Jahre in Thüringen. — Wenn die Erzieher in Schule und Haus sich wieder mehr vemuhen, cm ftram* mes, kraftvolles Jungdeuifchlanb heranzubilden, dem alle Heber- hütur fern ist nud das sich feine Jugend bewahrt, dann Werder» auch die ScWerselbstmorde aufhören. — Aron Bernstein, ein vielseitig bedeutender Mann, erblickte vor einem Jahrhundert, am 6. April 1812, das Licht der Welt. Am befannteften wurde er wohl durch feine „Naturwissenschaftlichen Volksbücher", oon denen ein Kritiker sagte, daß sie weit mehr für bie Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse getan hätten als irgendein Werk, unb ihre Bebcutiing baher vielfach bie von Humboldts „Kosmos" überrage, Der nur auf einen beschränkten Kreis Gelehrter von Einfluß gewesen ist. Diese Volksbücher finb vielfach in frembe Sprachen übertragen worden, unb bie Universität Tübingen ernannte Bernstein dafür zum Doktor honoris caufa. Slber nicht nur als Naturwissenschaftler, auch als volkstümlicher Politiker, als der er im Jahre 1849 dis noch letzt bestehende Berliner „Volkszeitung" (ursprünglich „Up; überall erMItfich. Auergesellschaft l Berlin 0.17 , Aus Stadt und Land. Gießen, 4. April 1912. Karfreitag. Es sind viele Jahre her, daß ich Schüler eines Gym- jeiasiumS im Rheinland war. Damals bestand dort bie Sitte, -aß sich die evangelischen Schüler, während ihre tat Häuschen Kameraden in der mit dem Gymnasialgebäude zusammenhängenden ehemaligen Klosterkirche an der Messe terlnah- men, in einem großen Saale zur Morgenandacht zusammenfanden. ES wurde ein Ehoral gesungen, darauf verlas einer unserer Lehrer, die hierbei miteinander abwechsel- ten, einen Bibelabschnitt, dann gingen wir in unsere Klassenzimmer. Zu meinen liebsten Jugenderinnerungen gehört die zin diese Schulandachten; sie gaben dem Tag seine Weihe, Hehrer und Schüler fühlten sich dabei als eine zusammengehörige Hausgemeinde. Jeden Montag kielt unser Direktor Die Andacht, und einerlei, in welcher Zeit des Jahres man sich befand, er ließ regelmäßig das Passionslied des alten Nikolaus von Hof fingen: „O Lamm Gotte- unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, alUeit erfunden geduldig, wiewohl du wärest verachtet; all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm dich unser, o Jesu!" So oft ich dieses Lied höre, wird mir die Situation, in der ich es einst kennen lernte, wieder lebendig, jinb ich sehe den alten, weißhaarigen Philologen auf dem Katheder stehen. Er hat auf das tiefste aus und ein gewirkt durch die Weite und lieberiegcnfjeit seiner Bildung und durch sein ernstes, freundliches Wesen; er gehörte wahrlich nicht zu denen, die in engen, dumpfen Dersarnrnlunas- jräumen über den Glauben anderer richten und sich für die 'Auserwählten halten, aber man merkte es ihm an, daß das K-irchenlied, daS er so ost fingen ließ, feiner persönlichen Ueberzeugung entsprach. Tie Zahl derer, die in der Not deS Lebens nicht verzagten, weil der gekreuzigte Christus ihr Trost war, ist zu allen Zeiten sehr groß gewesen. Dio Scharfsinnigsten unter ihnen, Paulus, der Erzbischof Anselm von Canterbury, Martin Luther, haben sich Mühe gegeben, die Bedeutung des Todes Christi rein gedankenmäßig in eine bestimmte Formel zu bringen. Sie haben sich dabei der Anschauungsmittel ihrer Zeit bedient. Paulus, der mit dem Sklavcn- jeben feiner Zeit wohl vertraut war, sah das Verdienst Aesu darin, daß er und durch seinen Tod freigekauft habe chon der Knechtschaft der Sünde. Der große Dialektiker Anselm setzt in juristischer Beweisführung auseinander, daß der sündlose Jesus durch sein Leiden und Sterben für die Künden der Menschheit genug getan habe. Und Luther, in dessen Tagen Europa widerhallte von dem Menschenraub und Mord oer Türken, bezeichnet Christi Blut als das Lösegeld, das für unsere Befreiung gezahlt worden sei. Sie alle sehen in Jesu Tod einen Opfertod und haben damit das Rechte getroffen. Die Menschheit lebt von dem Opfer, das ihr der einzelne bringt. 9tia)t diejenigen, die Aufklä- rung in die Massen bringen und auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege arbeiten, find die eigentlichen Förderer des Menschengeschlechtes, sondern die Mutter, die nur für ihre Kinder lebt, der Held, der für fein Volkstum stirbt, der Forscher, der im Dienste einer Idee Entbehrungen auf sich nimmt. Jesus hat wunderbare Worte geredet und Taten der erbarmenden Bruderliebe getan, seine Worte wären verhallt im Winde, feine Taten wären vergessen, wenn er nicht aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater und aus Liebe zu seinen Brüdern so geduldig und so voller Zuversicht den Tod erlitten hätte. „Er starb für uns," das ist der Trost der Kranken, Armen, Sterbenden und derer, die Leid tragen Um dunkle Wege, die sie einst gegangen sind. Darum aber auch ist die Gefolgschaft des Gekreuzigten so groß, und so oft zur Zeit des eben erwachenden Frühlings der Kar- freitag wiederkehrt, füllen sich in Stadt und Land die Kirchen bis zum letzten Platze, und in ernstem, feierlichem Tone singen die Gemeinden: „O Haupt voll Blut und Wunden gegrüßest seist du mir!" H. B. • ** Landesuniversität. Der Gr oßherzog hat den Direktor der Frauenklinik an der Akademie für prak- tische Medizin in Düsseldorf, Professor Dr. Erich Opitz, zum ordentlichen Professor der Gynäkologie und Geburts- Hilfe in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Wählerzeitung") begründete, war Bernstein bekannt, ferner auf dichterischem Gebiet Begründer. Außerdem war Bernstein Stifter der jüdischen Reformgemeinde, die zuerst die deutsche Andacht und die Verlegung des wöchentlichen Gottesdienstes vom Samstag auf den Sonntag annahm. Merkwürdig war seine geistige Entwicklung. Nach Besuch der Talmudschule zu Fordon an der Weichsel kam er 1832 nach Berlin, um seine talmudistischen Studien fortzusctzen; hier wurde er von dem deutschen Geistesleben so angezogen, daß er sich mehr und mehr vom Judentum emanzipierte, damit freilich auch mit seiner Familie zerfiel, so daß er mit schwerer Armut zu ringen hatte. Heinrich Laube erzählt, wie der arme Student in Berlin oft zu ihm kam. „Er kam immer nur einen Tag um den andern, sicherlich au8 Bescheidenheit; denn wahrscheinlich speiste er an dem dazwischenliegenden Tage gar nicht;" übrigens konnte er daS vielseitige Wissen seines damaligen GasteS nicht genug rühmen. Oft sagte er ihm: „Sie sind ein Schulmeister und werden einer bleiben". TaS ist er denn auch geworden, wenn auch in anderem Sinn, als Laube damals gemeint hatte. Wie er auch durch seine Persönlichkeit im späteren Suter bildend auf die Jugend wirkte und wie sich seiner ungemein fesselnd wirkenden Belehrung so leicht niemand zu entziehen ver» vwäste, daS schildert HannS Fechner, der Maler-Dichter in feinen Jugendcrmnerungen in sehr anziehender Weise. Bernstein starb ,0m 12. Februar 1884. ~ 156 000 Franks für ein Bild der Kölner v $u Versteigerung der Sammlung DollfuS in Paris, per en erster Tag einen Erlös von fast einer Million Franks "tOwic, ist besonders bedeutend wegen der deutschen, niederländischen und italienischen Primitiven, von denen ÄillfuS in einer 40iährigen fruchtbaren Sammlcrtätigfeü eine Fülle prächtiger perle zufammcngebracht hatte, wie sie wohl so bald kein Privat- fammier mehr besitzen wird. Den höchsten Preis dieses denkwürdigen TageS erzielte ein prächtiges Werk der Kölnischen Schule, das dem sog. Meister der heiligen Sippe zugeschrieden wird. Es ist ein kleines Tryplichon von 1,24 Meter Höhe und 1,80 Meter Brette, dessen Mttelbild in leuchtenden Farben die Darstellung rm Tempel zeig!, während die beiden Settenbilder die Madonna mit dem Jejuslind und den auferftanbenen CdristuS vor seiner SDhittcr darstellen. DaS herrliche Bild, für daS 156 000 Franks vezohtt wurden, soll für daS Berliner Museum erworben worden fein. — Kurze Nachrichten auS Kunst und Wissen- schäft. Der Deutsche Verband für künstlerische Gießen und zum Direktor der LniverMtsfrauenklinik ernannt ** Aus dem Ministerium be5 Innern. Der Großherzog hat den Kreisarzt deS Kreis gesundheitS- amts Mainz, Medizinalrat Dr. Aug. Balser, zum Vortragenden Rat in der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministeriums deS Innern mit dem AmtStitel ,L>bermedizinalrat", den KreiSamtmann bei dem KreiSamt Friedberg, RegierungSrat Dr. Emil Gaßner, xum Vor- stand deS PolizeiamtS Offenbach unter Belassung 6eS Titels „RegierungSrat", den Kreisamtmann bei dem KreiSamt Lauterbach, Hch. Herberg, zum Kreisamtmann bei dem KreiSamt Friedberg, den KreiSamtmann bei dem Kreisamt Groß-^erau, Dr. Otto Michel, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt, den Feldbereinigungskom- miffär zu Friedberg, KreiSamtmann Ferd. Kirnberger, zum KreiSamtmann bei dem Kreis amt Offenbach, den Rc- gierungSaffessor Dr. Aug. H e ß zu Dieburg zum Kreisamtmann bet dem KreiSamt Lauterbach, den Regierungs- affeffor Hugo Schneider zu Offenbach zum Kreisamt- mann bei dem Streidamt Groß-Gerau, den Regierungsasfessor Dr. Karl Jann zu Darmstadt zum Feldbereinigungskom- miffar in Friedberg ernannt ** Ordensverleihungen. Der Großherzog hat daS Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen dem FeuermerkShauptmann a. D. Kage, seither bei der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Darmstadt: daS Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens: dem Oberleutnant Sold an im 4. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 72, seither im Jnfanierie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, und dem Oberleutnant a. D. Felix Graf zu Sayn-Wittgenstein- B er lebur g, seither Leutnant im Leibaarde-Hnfanterie- Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 115; das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste": dem Sergeant der Landwehr II Schorsch, seither Hoboist im Leibgarde- Jnfanterie-Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 115, vernetzen. ** Technische Hochschule. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor für neuere Sprachen Geheime Hofrat Dr. phil. Phil. Hangen in Darmstadt auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten ersprießlichen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen oer- liehen, sowie den Bibliotheksgehilfen an her Technischen Hochschule zu Darmstadt Otto Hunsinger zum Revisor bei dieser Behörde ernannt ** Hofbibliothek. Ter Großherzog hat den Hilfsbibliothekar Dr. jur. Karl Esselborn tn Darmstadt zum Bibliothekar an der Hofbibliothek ernannt ** Seminarlehrer. Der Großherzog bat den Dor- steh er und ersten Lehrer der Präparandenanstalt zu Lindenfels Peter Joseph Jans und den Lehrer an derselben Anstalt Wilh. Knobelochzu Seminarlehrern an dem Voc- seminar zu Lindenfels, den Vorsteher und ersten Lehrer an der Präparandenanstalt zu Lich Hch. Lorentz und den Lehrer an derselben Anstalt Rich. Oßwald zu Seminarlehrern an dem Vorfeminar zu Lich, den Vorsteher und ersten Lehrer an der Präparandenanstalt zu Wöllstein Alovs Müller zum Seminarlehrer an dem Vorseminar zu Wöllstein ernannt« ** Hochbauamt Gießen. Der bisher dem Hochbauamt Gießen zugeteilte Bauninspektor Heyer wurde am 1. April nach Worms versetzt, wo ihm die Tienstgeschäste des LreiSdau- inspektors übertragen wurden. •• Kunstverein. Die neue Ausstellung, die von morgen, Karfreitag, an geöffnet ist und etwa 80 Oel- gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen aufroeift, ist beschickt von Prof. o. Volkmann - Karlsruhe, von Münchener Künstlern ,Die Werdenden^, von G. Altheim, Prof. Kräh, H. Schlegel, Frieda Best, H. I. Noocr-Darmstadt, W. Thiclmann-Willingshausen und E. Elmer-Groß-Elchen. ** Die Sammlung des deutschen Luftflottenvereins hat bis jetzt in Gießen noch immer nicht die Beachtung gefunden, wie in anderen Städten. Es gingen inzwischen noch ein: Prof. Dr. L. 50 Mk. Der Gesamtbetrag der hiesigen Sammlung steigt damit auf 71 Mk. Da nicht anzunehmen ist, daß das Interesse für Kultur hat W. eimar als seinen Tagungsort für das Jahr 1913 bestimmt. Karl May. Im Tag veröffentlicht Catiban das folgende Gedicht über den soeben verdorbenen Schriftsteller Karl ■- ay, der nicht nur der am meinen gelesene, lonDern auch der fleißigste deutsche Schriftsteller genannt werden darf. Allzu früh schon auf dem Sprunge. Em Phantast, doch sonit geiiino. ' Schließlich untertietiger Junge. Räuberhauptmann. Emge'punnt. Nene» Leben, er erstrebt es. Dichtete nun Land um Band. Selvuerümdnes — eelbiierlebteS, Wahres drum l Old Shaner Hand. (Bunter Phantasien Vermählung Nennt sonst Poeste der Snov.) Lor dem tzttanz der Ich-Erzählung Stand halb Deutichland au, dem Kopp. Ja, erlogen war fein Wandern, Ja, er orununte mal als Sieb — Doch zum Unterschied von andern Stahl er niemals, wenn er schrieb. Tie in leinen Büchern leben, Rothaut, edjetfo und L^lvarzZesicht, Alle uaben mm vergeben — 9tur Europa tonnt' es nicht. Aber ob sie ihm durch wilden Lärm zerilort die ü>rei entuq — In den ew'gen jagögefilDcn Pirscht er doch nut Älanitu. Hierbei darf noch erwähnt werden, daß sich Karl May in den letzten vierzig fahren durch ferne schriftnellerlschen Arbeiten ein B er mögen von rund 6 Millionen Mark erworben har. Unter seinem Namen hat May 2<3 Bücher veröffentlicht, otjne die zahllo,en Aust soye, die in Zettungen und Zeitschriften erschienen smd. Das Manövergelände liegt im wirb. in der Sta e l b. Ter Borsitzenbe führt hierzu aus. x Boltmarftratze behandelt, bet aber nicht stattgegeben Ter Gemeinderat billigte vielmehr die von der Bauleitung zugelassen werden. Hieran anschließend wirb eine Beschwerde des Justus Merle von Alsfeld wegen der Zuschlagserteilung der Grund- und Chaussierungsarbeiten für Den Aus' bau der Volkmarstraße behandelt, kommission vorgenommene Zuschlagserteilung. T i e Taglohnsfuhren werden dem Wilh. Fuchs zu Alsfeld zu feinen Angebotspreisen übertragen. T i e Leichenwagen subren werden dem Submittenten zum Preise von 5,50 Mk. zugeschlagen. Tie Kleinpflasteranlage in der Bahnhof st raße, ne bereits 1910 vorgesehen war, aber wieder zutückgesteltt wurde, oll nunmehr mit der in diesem Iahte stattfindenden Umpflasterung )er Obergasse vorgenommen werden. Tie Kosten werden, wie das Kreisamt schreibt, je zu einem Tritte! von Kreis, Provinz und Gemeinde getragen. Ein Antrag, der Kanalisierung der Bahnhofstraße alsbald näher zu treten, wurde angenommen. Ander w c i te Organisation des Sicherheitsbien st es die Schaffung einer g.'nugenb grogm deutschen Luftflotte' hier geringer ist als anderwärts, fei wiederholt auf die hohe vaterländische Bedeutung der Sammlung bingcroiefenv ** Die Herb st Manöver des 18. Armeekorps. Tie größeren Truppenübungen deS 18. DrnieckorpS werden in diesem Jahre voraussichtlich am 5. September mit daß der zurzeit von Nachtwächtern versehene nächtliche Sicherheitsdienst nicht hinreichend sei, da die Nachtwächter, zum Teil schon ältere Leute, nicht mehr die erforderliche Rüstigkeit zur regelrechten Ausübung ihres Dienstes besäßen. Es sei im Einverständnis mit dem Kreisamt geplant, die freiwerbenden Nachtwächterstellen nicht mehr zu besetzen, an deren Stelle vielmehr 2—3 Polizeidiener anzustellen und die ganze Polizei bann auf der Grundlage der Schutzmannschaft umzugestalten. Vorläufig sollen auf 1 Jahr bis zur Durchführung der Organisation die beiden Wächter der Wach- und Schließgesellschaft auf den Polizeischutz verpflichtet werden gegen eine jährliche Vergütung von le 100 Mk. Ter Stadtvorstand erklärt sich hiermit einverstanden. T i e Anschaffung des Lichtbilderapparates vom Volksbildungsverein Alsfeld, der sich aufgelöst hat, zum Preise von 250 Mk. wurde beschlossen. Zufolge Anregung des Tenk- malspflegers Geh. Rat Walbe wurde beschlossen, für Herstellung von Aufnahmen für Herausgabe des „Deutschen Bürgerhauses" einen Zuschuß bis zu 100 Mk. zu bewilligen. Ausführung des Art. 92 der neuen Lanbaemeindeordnung. Ter Gemeinberat hat hiernach zu beschließen, in welcher Weise die amtlichen Bekanntmachungen zu erfolgen haben. Es schlug ber Vorsitzende vor, die amtlichen städt. Bekanntmachungen nur noch in den drei hiesigen Blättern erfolgen au lassen. Ter Antrag wurde angenommen. Nur noch private Bekanntmachungen eiliger Natur erfolgen durch die Ortsschelle. Wiederher st ellung ber Walpurgiskirche. Nach einer von dem Vorsitzenden bekanntgegebenen Verfügung ist Reg.-Baumeister Kuhlmann nach Gießen zur Aushilfeleistung bei dem dortigen Hochbauamt versetzt worden. Tie Leitung der Renovierungsarbeiten der Walpurgiskirche soll ihm jedoch Vorbehalten bleiben. Während ber Bauausführung soll er in gewissen Zwischenräumen nach Alsfeld fahren, ba beabsichtigt sei, die örtliche Bauaufsicht dem stäbtischen Baubeamten oder einem Hochbauaufseher zuzuteilen. Bezüglich eines vom evangelischen Kirchenvorstand an den Gemeinderat gv- richteten Ersuchens, bet Renovierung alsbald näher zu treten, damit Herr Kuhlmann die Arbeiten ausführen könne, wird be^ schlossen, zunächst den Ausgang der Lotterie abzuwarten. Falls die Lotterie nicht zustande kommt, will der Gemeinderat mit dem Kirchenvotiiand in Verhandlungen eintreten, ob und auf welcher Grundlage eine Renovierung der Walpurgiskirche durchzuführen tlt Zu einem Wirtschaftskonzefsionsgesuch wurde die Bedürfnis- frage bejaht — Nichtöffentliche Sitzung. Verschiedene Gelandeankäufe, ebenso die Verpachtung der bereits erworbenen Grundstücke wurde genehmigt, ir Ter Schreiner Bruno Herrmann iE zur Besetzung ber WaseiNneisterstelle vorgeschlagen werben. Kreis Frteoverg. _ * *98tt.ubeim, 3. April. Der unter Leitung von einem dreitägigen Brigademanöver beginnen. Im Anschluß hieran finden viertägige DivisionSmanöver und zum Schluß (Dom_l/. bis 21. September) dreitägige Korp-'manöver statt. i Großherzogtum Hessen. ES wird für das KorpSmanöver begrenzt im Norden durch den Breuberg, Neustadt, Sandbam. NäuseS, Hering, Klingen, Ueberau, Reinheim, Hahn, Cbcrramftabt, Tarmsladt, Griesheim, Leeheim, GcrnSheim und den Rhein abwärts bis Bingen, im Westen, Süden und Norden durch die Grenze des Landes. Der 21. Division soll der östliche, der 25. (hessischen) Division der westliche Teil ber vorstehend bezeichneten Manövergebiete zugewiesen werden. Tie Grenze des Manövergeländes für beide Divisionen wird ber Rhein bilden. " Eine neue DollzugSverorbnung zur Gewerbeordnung ist durch die neuen Bestimmungen des BerwaltungSrechlSpflegegesetzeS notwendig geworden, die in Nr. 9 des Regierungsblattes nunmehr erschienen iü. *• Die Schweinefleischpreise wurden vor einigen Tagen erhöht und zwar kostet gewöhnliches Gebrauchsfleisch (Bruststück) Mk. 1,40, Bratenstück und Kotelett Mk. 1,80 daS Kilo. Tie Wurstpreise re. bleiben wie bisher, doch ist auch darin ein Preisaufschlag zu erwarten. ” Die Besichtigung auswärtiger Schla cht- Höfe soll von dem Ausschuß, nachdem die Anlagen von Halle, Leipzig, Verden und BreSlau besucht sind, noch aus die Anlage in Zürich ausgedehnt werden, wohin sich die Mitglieder nach Ollern begeben. Die Herren erklären, auf ihrer letzten Reise besonders in Dresden und BreSlau viel gesehen zu haben, waS bei dem Erweiterungsbau unseres Schlachthofes Anwendung finden kann. ** Paketeinsammlungdurch die Post. ES ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzusendende Pakete auf Bestellung aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte ober einen Zettel nut den Worten: „Palet abzuholen bei (Name und Wohnung) unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben. Auch kann der Wunsch um Abholung von Paketen dem Postamt telephonisch mitgeieilt werden. Hierauf wird die Sendung bei der nächsten Paletbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause des Absenders abge^lt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht. Kreis AlSfclb. w Alsfeld, 2. April. (Stadtvorstandssitzung.) Volks schulneubau; hier Zuschlag für die Schlosierarbeilen und Wandbekleidungen in den Baderäumen. Der Zuschlag für die drei Lose Schlosserarbeiten wurde dem Vorschlag der Baukommission gemäß dem Schlossermeister I. Aug. Kurtz zu Alsfeld erteilt und zwar Los 1 mit 990,50 Mk., Los 2 mit 519,95 Mk., Los 3 mit 834 Mk. (Voranschlag 2469 Mk.). Ter Zuschlag für die Wandverkleidungen im städtischen Bad wird dem Maurermeister Hch. Knieriem III. zu Alsfeld zu seinem Angebot von 3249,40 Mk. erteilt unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die Ausführung durch Spezialarbeiter erfolgt, die von der Bauer „Frohsinn' " . "'WA ■ ■ WX Unser bester Glühkörper II Mmu cdil m Ol ym. jpatkimv ■ mit Aufschrift „Degea ' WXPEkjl SZ °n°verßZ ^ssen. Ez durch §lin. ? .ablvärtt UleGrcnzc che, der 25 gehend tie Qtenie b der Rhein 1 zur Qt, "U'ngrn derben, die in i ilt. vor einigen orauchsfleisch Rt 1,80 da» doch in auck schlacht, en von Halle, au? die, die '-Dinglicher i ihrer letzten hen zu haben, chthoseS An. Ersitzung.) idlloiieiaibciien Schlag für die , der Baukom» rtz zu Meld lit 519,95 Sil., er Zuschlag für dem Maurer» t Angebot von Bedingung, daß von der Bau» wird eine Be» der Zuschlags» für den Aus' ht stattgegcben )vn der Bau» Tie Tag» Sfeld zu seinen lgensuhren t zugeiÄaaen. nhoistraße, ickgestellt wurde, n Umpslasierung en werden, Ivie Kreis, Provinz malisierung der enommcn. An» eitsdienttes ihrt hierzu aus, mchlliche Sicher» ichter, rum . MliM M Es sei im Em» ödenden Racht- Stelle vielmehr lolizei dann aut M .Borlau sg n't aus den po» Vergütung vo" it tinoerfi* !arate-°°m ai, zum Preise nng des Tenk» ürtzer« Bürgerhauses -ussührung deordnung. s teilen- t gv- n**, '„iib 1» Ä ereits ^„rma-"' ff*** }• A ist noch Miete aus Be» n braucht nur ietlel mit ben Hfl) unfrait» ■einem Bries, Abholung von 'den. hinauf frt gegen eine lbgeholt. Dar chen Personen ulg sich. Luftschiffahrt. Hirschberg i Schics., 3. Avril. Verschiedene Großindustrielle des MreiicS .'oirMbcrg haben eine Sammlung e» öimet, deren Ertrag der Heeresverwaltung für eine Militär- flirgmaschine zur Verfügung gestellt wird, die den Namen „S ch n e e k o p v e" führen soll Vermischte». * Bon der Berliner Untergrundbahn. In der Generalversammlung der Gesellschaft für elektrische Loch- und Untergrundbahnen wurde mitgeteilt, daß trotz des Aufenthaltes der Bauausführung infolge des jüngsten Wasiereinbruches in der Baugrube doch die rechtzeitige Eröffnung der Gesamtstrecke Spittelmarkt—Schönhauser Allee für Frühjahr 1913 an»unehmen sein dürste Ter Geldbedarf für die Durchführung des Bauprogramms soll für das lausende Jahr durch den Verkauf von Obligationen im tzöchstbetraac von 20 Millionen Mark gedeckt werden. Bisher sind davon 10 Millionen Mark begeben. Es ist weiter beabsichtigt, un Lause des nächsten Jahres 20 Millionen Mark Aktien oder vielleicht Vorzugsaktien auszugeben. Tie Uebcrschwemmung am Mississippi ist die größte seit Menschengedcnken. Zweihundert Meilen Dämme sind bedroht. Bei Lickmann (Kentucki) sind weite Strecken überflutet, lausende von Menschen sind obdachlos, tausende leiden Lunger. Von Cairo (Illinois) bis Helena lArkansas) verlassen die Bewohner der Niederungen ihre Häuser und schaffen ihr Lab und Gut auf die Höhen. „ Der Materialschaden ist groß. Bisher 1 sind zwei Todesfälle zu verzeichnen. - * Orientaliseher Aberglaube in der Karwoche. In Syrien wird der Mittwoch der Karwoche der „Mittwoch des Propheten Hiob" genannt. An ihm begehen sich sowohl Christen wie Juden und Mohammedaner vor Sonnenaufgang anS MeereS- ufer und waschen sich mit dem Sal-wasser Gesicht, Hände und Füße. Das schützt nach ihrer Meinung vor Krankheiten, ja heilt bestehende sogar. Die Tradition will, daß an diesem Mitt- Berliner Luftzahrzeug-Aluftellung. Prinz Heinrich von Preußen eröffnete am Mittwoch nach einer kurzen Ansprache des Herzogs Viktor von Ratibor die All- temeine Luftfahrzeug -Ausstellung Berlin 1 9 12. er Flieger Hlrth war aus einet Rumpler »„Taube" von Jo» Hannis Hal gekommen und kreiste zurzeit der Eröffnung über der Ausstellung. Bei dem Festmahl, das vom Kaiserlichen Automobilklub, dem Kaiscrlicken Aeroklub und dem Verein Deutscher Motorfahrzeug- Industrieller veranstaltet wurde, hielt Prinz Heinrich von Preußen eine fRebc, in der er u. a. sagte, die Ausstellung zeige, wie man ohne Chauvinismus bestehen könne und daß im Flugzeugwesen viel gefd>ef)cn sei, um Deutschland vorwärts zu helfen. Ein starkes Fliegerkorps tue unS bitter not. Tie Mittel zur Erlangung eines solckjen seien sicher zu beschaffen, wenn ein Appell an die Nation in richtiger Weise gerichtet werde. Den zurzeit noch mißlichen pehiniärcn Verhältnissen abzuhelfen, sei der Zweck einer zu veranstaltenden Sammluna Er bitte, der Arbeit der für diese Organisation zu wählenden Männer Vertrauen und Unterstützung entgegenzubringen. Ter Kaiser habe vor kurzem einen Preis für den besten deutschen Flugzeugmotor gestiftet und dadurch das größte Interesse für die vierte Waffe, wie man daS Fluazeug- tocjeit $u nennen pflege, bewiesen. Der Prinz dankte dem Kaiser Und die Anwesenden stimmten begeistert in daS ausgebrachte Kaiserhoch ein. Berlin, 4. April. Unter dem Vorsitz deS Prinzen Heinrich von Preußen konstituierte sich gestern im Herrenhause die „Wissenschaft ichc Gesellsck)aft für Flugteckmik", die berufen ist, der aus- vllihenden deutscher Luftschiffahrt neue und schnellere Wege zu weisen. vüchcrtlsch. — Soeben ^erschien: T i e hessische Eisenbahnfrage nach dem-Landtagsschlusse. — Der StaatSrenten- markt und die Sparkassen. — Teuerung und Geldwert. — Heft 10 des 2. Bandes der „Sammlung national- ökonomischer Aufsätze und Vorträge. Von Dr jur. et phil. M agnuS Biermer, ordentl. Professor der Staatswissen- schasten an der Universität Gießen. Geheftet Preis Mk. 1,50. Verlag von Emil Roth in Gießen. — Die drei in diesem Heft behandelten Themata des bekannten Nationalökonomen sind wieder durchaus aktuell und werden zurzeit viel erörtert Zu Anfang ist die lebhaft umstrittene Frage der hessisch-preußischen Eisenbahngemeinschaft im Anschluß an die LandtagSverhand- lungen objektiv und erschöpfend beurteilt, während in dem zweiten Aussatz eine Frage moderner Finanz wirtschaft, auf welchem Gebiete der Verfasser Autorität ist, ab^ehandelt wird. Der Artikel Teuerung und Geldwert endlich bringt einen Ende Januar im Mittelrheinischen Fabrikantenverein gehaltenen Bor- trag, der hochinteressante Schlaglichter auf dieses ganz aktuelle Thema wirst. Das bei gegebene Namen- und Sachregister zum 1. und 2. Band dieser Sammlung ist nicht nur für die Abonnenten der Sammlung von hohem Wert, sondern wird auch Einzelabnehmern deS Hefte- willkommen sein. Universitcits-Nachrlcbten. — Dir Kölner Vereinigung für rechts» und staatswissenschaftliche Fortbildung Deranitaltet vom 15. April bis 25. Mai 1912 einen Frühjahrskursus. Der Kursus ist für gereifte Per- fonen, welche neben her allgemeinen Bildung bis zu einem ge- wissen Gendc auch eine rechts- oder staatswissenschaftliche Vorbildung erstrebe n___________________________________________________ Gericht-saal. Bremen, 2. April. Bo, dem viesigen Schöffengericht hotte sich ein ilchdondler wegen whrlässcher Körperverletzung zu oer» antivorleu. Ter Angellogte war übermäßig schnell durch eine Straße gesohreu und hatte dabei einen Ltranenreiniger augetohren, so dost er eine unbedeutende Verletzung erlitt. Ter Angellagte be- stritt entschieden, der Führer des sagens ^gewesen zu sein, aber der Anueialutue sowohl, wie ein anderer Ltraßenremiger eitaniilen ihn mit Bestimmtheit wieder. Ta der Angeklagte bei semein leugnen verblieb, wurde der lleber’ahrene als Zeuge vereidigt. Als der Vorsitzende dann den zivenen Straßenreimger auffotbeitc, den Zengeneid zu leinen, weigerte f i ch dieser ganz ent« schieden, die vorqesprochene Formel iiochzusprechen, da er Freidenker sei. Ter Ciericlitsiwi Hellte sich aber auf den Standpunkt, daß nur bei qemiiien Religionsgesellschasten der Ersan des Eides durch eine entsirechende andere Formel zulälsig sei. Während der eigentliche etlnqte nunmehr sreigeivrochen ivurde, da ihm eine Schuld nicht nacl'oeiviejcn werden tonnte, erhielt der Straßenreiniger wegen Verweigerung des Eides eine Ordnungsstrafe von 1) Alk. 8 Breslau, 3. April. Der am ©tabtti^ater tätige Opernsänger Bceg wurde wegen Wahlschwindels zu drei Tagen Gefängnis Dmmd(t, weil er am Tage der ReichStagSwahl einen Vertreter zur Abaabc seines Stimmzettels entsandt hatte. Der Vertreter erhielt drei Wochen Gefängnis. woch ein Engel Hiobs Wunden mit DkeerwaFer ausgewaschen und ihn so geheckt habe. Am Karfreitag selbst schneiden sich die Christen am frühen Mvrgen, so lanae sie noch nüchtern sind, die Näael und vertrauen mm darauf, baß sie keine Zchenschmerzm während des ganzen Jahres bekommen. Kleine Lageschronik. In der Bronceftgurenfabrik von Krvhne in Berlin erfolgte beim Ableuchten einer undichten Gasleitung eine Explosion- durch die hervortretenden Stichflammen wurden der Besitzer Kröhne und ein Gehilfe erheblich verletzt. Der Materialschaden ist enorm. Aus Bernburg wird gemeldet: Auf dem Kalischacht „Anhalt" bei Ilberstedt explodierten aus unbekannter Ursache 13 Zentner Dynamit. An Gebäuden der Umgegend wurde erheblicher Schaden angerichtet. Menschen sind nicht verletzt In Schöneberg bei Berlin vergifteten sich der 50- jährige Apotheker Hein und seine 36-jährige Frau mit Cyankali aus NahrungSsorgcn. In der Optischen Anstalt von Goerz in Friedenau explodierte ein neuer Trockenofen Hierbei wurden ein Mon- teuer und ein M e i st c r durch umherslicgende Eisentecke im Gesicht und an den Schultern verletzt Die 50 P r e i s t r ä g e r des Schülerwettbewerbs des „Journal d'Allemagne" sind am Dienstag in Paris einoc- troffen. Die Schüler begaben sich in das College Sainte Barbe, wo sie beherbergt werden. Mittwoch besichtigten sie daS Louvremuseum In A l b i ist nach einer Meldung auS Paris daS Waisen- Haus Saint Jean verbrannt. Die Kleider- und Wäscheräume wurden vernichtet. Etwa 100 Kinder konnten sich notbürftig bekleidet inS Freie retten. DaS historische Schloß Katzerowbei Plase, Eigen - tum der Fürstlich Metternichschen Familie, ist vollständig niedergebrannt. Aus London wird gemeldet: Stallmann stellte eine Kaution von 18 000 Mark Er wurde auS der Untersuchung entlassen. 18ei einem Schcibenmanöver bei Pola deS Linienschiffes „Erzherzog Karl" kenterte die Jolle deS ScheibenschlevperS „Büf- fel . Zwei Mann ertranken, die übrigen konnten gerettet werden. . Ter 2hdfan Miharayama auf der Insel Och im a be- ftndet sich nach Meldungen auS Tokio in heftiger Tätigkeit. Lava droht die Dörfer zu verschlingen. Die Einwohner sind in Fischerbooten geflohen. D« letzte AuSbruch daS Vulkans hat im Jahre 1868 stattgefunden. ßanöcL 4- SiegerlLnder Eisen st einverein. Nach dem in der Hauptversammlung erstatteten Bericht betrug die Förderung im Monat Februar 179 288 Tonnen, der Versand 191 691 Tonnen. Ter Abruf ist weiterhin flott, doch ist wieder einmal Wagenmangel zu beklagen. Nachfrage war nach wie vor günstig. Neu in den Verein eingetreten ist die Grube Bruderbund. Berlin, 3. April. Nach einem Rundschreiben der Spiritus-Zentrale an die Mitglieder deS Berwertungs- verbandes deutscher Spirittis-Fabrikanten wurde durch Beschluß deS Bundesrats der Durchschnittsbrand für das laufende Brenn- jahr von 94 Prozent auf 120 Prozent erhöht. Die Zulassung der Verarbeitung von Mais ohne Schaden für das Kontingent ist bi« zum 30. September 1912 verlängert worden. Die Spiritus- Zcnttale betont, es sei von höchster Wichtigkeit, daß eine weitere AnspanLing im Verkaufspreis entbehrlich sei, da sie den Absatz dauernd schädigen würde. B r e m e n, 3. April. Die heutige ordentliche Lauptvenamm- lung deS Norddeutschen Lloyd genehmigte den Jahres- für me Sulw" «ntvet zu einem Konzert auf der Tetrajfc verpflichtet worden Der etwa 60 Sänger zählende Männerchor, in dem das Volkslied besonders eine Pflegestätte bat, errang m innen voriahrigen Veranstaltungen auf der Terrasse stets hohe inerfennung, besonders auch vom ausländischen Publikum. tzeffen-Naffau. X Frankenbcrg, 3. April. Auf Station Aue-Din- gcS Hausen der Edcrlalbahn rannte am Montag der von Ernte- biü r [ommenbe Pcrsonenzug gegen einen Ranzierzug, wobei fünf Wagen de§ letzteren entgleisten und total zertrümmert würben Bon den Passagieren bej PersoncnzugS murbat einige geringfügig verletzt Der Materialschaden ist beträchtlich. W. Hanau. 3. Avril. Durch eine Benzinexplofion in der Tunloj>-Guinmifabrik wurden die dort beschäftigten Arbeiter Werner auS Groß-Krotzenburg und Dies auS Hain- stad t schwer verletzt, so daß Lebensgefahr besteht. Kongreß der Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen. O Berlin, 3. Avril. In den heute fortgesetzten Verhandlungen der 14. Haupt- 'versammlung des VerbandeS der preußischen Zeichenlehrer und -Lehrerinnen hielt zunächst Zeichenlehrer LaaS (Duisburg) emen Vortrag über die üieiornt des LinearzeichnenS. Ter Korreferent Zeichenlehrer C o u r t h (Lübeck) sprach über daS gebundene Zeichnen unter Vorlegung von Leitsätzen, in denen eS u. a. heilst: Tas Freihandzeichnen und das Linearzeichnen, zwei in ihrem Wesen nach verschiedene Disziplinen führen bei ganzer Arbeit 'noch immer wieder zusammen. Ohne die eine durch die andere zu schmälern, sollen beide in ganz besonder- intime Beziehungen zueinander gebracht werden. Da- Linearzeichnen gründet heb auf lebendigster Anschauung. Es ist so praktisch, so handwerklich wie möglich zu gestalten. Im Mittelpunkt deS Interesses lteht ba-3 klare Werkzeichnen. In bezug auf die Theorie verfährt man mehr ableitend. Das Lmearzeichnen ist bi- vor kurzem oft stieimütterlich behandelt worden. Eine derartige Hintansetzung diese- obligatorisch zu sorderndeii Faches würde sich bald im Unterricht ungünstig bemerkbar machen. Zu empfehlen ist auf der Oberstufe eine Treirnung in eine architektonisch-konstruktive und eine maschinell-technische Abteilung. — Morgen finden Besichtigungen statt, womit die Tagung ihr Ende erreicht^ Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Po st Verhältnisse in Krofdorf. Einsichtige Bewohner von Krofdorf waren von vornherein der Ansicht, daß die mit dem 1. April zur Einführung gekommene Postbefürderung über Lollar keinen Anklang in der Gemeuide Krofbors^Gleiberg finben würbe. Das hat sich benn auch gleich gezeigt. Nicht nur bas Eingehen der Fahrpost, der einzigen Verbindung zwischen Krofbors und Gießen, wird von bet Einwohnerschaft sehr bedauert, auch mit der Beförderung der Postsachen ist man unzufrieden. So gelangen Pakete, welche nach 1 Uhr mittags auf- geliefert werden, erst am folgenden Tage »ur Absendung. Auch treffen die Berliner Zeitungen jetzt viel später ein als früher. Was aber am meisten Kopfschütteln hervorgerufen hat, ist das, daß dem Postboten jugenrutet wird, den Postkarren nach und von der Station Krosdorf>Gleiberg (Strecke Wetzlar—Lollar) zu schieben. Wenn man bedenkt, daß der Weg vom Posthause bis zur Station zirka Vi Stunde beträgt und eine nicht geringe Steigung zu überwinden ist, so kann man sich vorstellen, welche Ansttengung das Schieben eines selbst leeren Postkarrens verursacht, besonders, wenn der Boden aufgeweicht ist. Der betreffende Postbeamte kommt bann auch immer schweitztriefend von bicfer Arbeit zurück. Wir erlauben uns beshalb an die Paßbehörde die Bitte zu richten, die alte Beförderungsweise wieder einzufthren, zumal da an einer dreimaligen Ortsbestellung, der einzigen sogen. Verbesserung, 99 Prozent der Bevölkerung kein Interesse hat. Sollte sich die Behörde hierzu nicht entschließen können, so möchten wir ihr im Interesse der Gesundheit ihrer Beamten ben Vorschlag machen, zur Beförberung bet Postsachen von unb nach ber Bahn entroeber eine Dra^seilbahn zu bauen, ober sich einen Postesel zuzulegen, der ben Karren zieht, mußte doch schon einmal ein Bauer sich des Gelben erbarmen und ihn hinten an seinen Wagen spannen, weil der Postbote ibn nicht mehr schieben formte. Der Billigkeit wegen wäre wohl die Anschaffung genannten Grautiers vorzuziehen. Gin Freund ber StephanSjünger. Rodheim a. b. Bieber. Bor einiger Zeit wurde in ortsüblicher Weise bekannt gegeben, baß ab 1. April bie H ühner- sperre in Kraft trete. Diese Bestimmung wirb jedoch so gut wie gar nicht befolgt. Ganze Scharen Hühner überstreifen vor wie nach bie an bas Dors grenzenben Mesen unb Aecker unb richten dort ben größten Schaden an. Ich frage nun, wofür werben olche Polizewerorbnungen heran-gegeben, wenn nicht bar auf ge- ehen wird, baß sie auch befolgt werben? Hoffentlich bewirten nefe Zeilen, baß biefem zum Unfug auSartenden Zustande baldigst ein Riegel votgeschooen wird, andernfalls die betreffenben Grundeigentümer gezwungen sind, sich höheren Ortes zu beschweren. berichl, bie Gewinn- uxb Berlustrechnüng für 1911 und damit die Verteilung einer fünfprozentigen Dividende, erteilt« dem AufsichtSrat und dem Vorstand Enilastung, wählte die auS- scheidenden AuffichtSratSmitglieder I. H. Kolenkampft unb Direktor MankiSwitz wieder und genehmigte verschiedene Statutenänderungen. Aus eine Anfrage teilte Direktor Hei necken über da- laufende Geschäftsjahr sollendes mit; ber Verlauf ber ersten brei Monate des neuen GesckZaftsiahreS ist in jeder Beziehung günstig. Der Aufschwung, den Hanbel und Schiffahre un letzten Jahre genommen hatten, hat weiter angehalten. Erfreulicherweise sind keinerlei Anzeichen für eine Abichwächung bemerkbar Der Zwischendeckverkehr nach und von Nordamerika bat zeitweilig so zugenommen, baß zur Bewältigung verschiedene Estradampfer expediert werden konnten unb da gleichzeitig nach wie vor /in lebhafter Güteraustausch stattfindet, so sind unsere Schiffe lohnend besckwfiigl. Die M o l) l e n a u o |‘t ä n b e in Deutschland und England haben naturgemäß Mehrausgaben für bie Kohlenversorgung unserer Dampfer zur Folge gehabt, bie auch nach Beendigung der Ausstände noch eine Zeitlang anbanern werden. Wir sind aber nicht erheblich dadurch betropen, da wir reckst- zeiiio in unserem Heimatoliafen für einen großen Kohlenvorra.t zu den früheren billigen Preisen gesorgt hatten, n»ahrviib die Mehrkosten in den auSlänbisck)en Häsen durch Erhöhung der Fracht rate zum Teil ausgeglichen wirb, die wir gemeinschaftlich mit un. befreundeten in- unb ausländischen Reedereien emtreten lassen mußten. Die Betriebsergebnisse deS ersten Quartals dieses Jabiv- übersteigen erheblich bieicnijcn deS gleichen Zeitraumes des Vm fahre-. stand. 41—43 86-88 57,50—60.0) 74.00-77.0) 73.00—70. ) । 57.00-59.00 59.00-60.00 74.00-76.0) 74.00—7^.00 59.00—60.00 Mk. Mk. 48-53 86-93 40-44 84—90 59-59 % 74-76 93-95 90—94 44-48 41-48 74—76 78—75 39-44 42-46 34—88 20-83 84-90 74—81 72-80 81—86 65—73 56—64 46-50 40—44 72-73 71—0-9 Mk. 70—73 66-60 60-65 56-5) 65—73 57—62 50-54 Xlebenb- Schlachtgewicht 101-121'/, 96-104 84-90 Mk. 117-122 112-117 102—110 95-100 iZeueiu- sd)lad)i- gewicht 68-69*/, 57-68*/, 52—55 51 -63 73—80 68—72 F.C. Wiesbaden. P le h h of -M n r r tb c rt ch t vorn 3. April. Austrieb: Rinder 2 5 lOchseu 13, Bullen 0, Lühe 15), Halb« 166, Schale 54, Schweine 5'J >. Tendenz: Rinder, Kälber, Schale, Schweine lebhaft. Preis stir 100 Pld. Märkte. te.Frankfurt a. M. Bi e h h o<-M nrkt b e ri cht vom 2. April. Austrieb: 80 Rinder, darunter Cebion 3n, Biillen 4, Kühe und Färsen 37, Kälber 1498, 27 Schale, lHS3 Schiveuie. Tendenz: Ochsen geräumt, Halber lehr lebhaft, frühzeitig au6- oerkauft, Schafe ruhig, geräumt, Schweine gedrückt, bleibt Hebet- ' ' Preis stir 100 M. 577,-58 567,-00 Ochsen. S?osisieischige, tiuSgernäftete, liSchsten Schlacht- werte» un Alter von 4-7 Jahren Tie noch nicht gezogen haben (ungejocht) . - Junge, sieischige, nicht aulgemäiiete und ältere auSgemäiletü Mäßig genährte junge, gut genährte ältere . . Bullen. Vollfleifchige, autgeio., höchsten Schlachtw. . . Bollfleischige, jüngere fc a r । e n. R ü t) •. Liollsieischige auSgemästete Färsen höchsten Schlachtwerte» vollfleifchige au4gemäftete Kühe höchsten Schlachtivertes bi» zu 7 Jahren .... Wenig gut entwickelte Färsen 'Heitere auSgemästete 5iühe und wenig gut ent- nudeUe jüngere stutze Mäßig genährte stütze und Färsen st ä l oec. Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . . Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . (geringere tt-augtalbec scha • •. Weidemaslschase: Plasllämmer und DtaiiDanunel Schweins. ibollsieischige Schweine von 80—100 ks< Lebend- geivicht.............. il. ollfleischige Schweine unter 80bg Lebendgewicht Vollfleifchige Schweine von 100—120 kg iiebenb- geivicht Vollsteifchige Schweine von 120—160 kg Lebendgewicht Feulchweine über 150 kg Lebend gewicht . . Vollfleifchige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht l)Oli|ieucinge Schweine unter 80 k? Lebendgewicht. UioUneikingc Schweine von 100—120kg Lebendgewicht l:oLficiicuige Schweine von 120—160 kg Lebendgewicht Kälber. Feinste Mastkälber Mittlere Masi- und beste Saugkälber . . Geringere Mau- unb gute Saugkälber . Geringere Saugkälber....... Bchörde geführt. In einem Augenblick, wo er sich unbewacht glaubte, wollte er ein Fläschchen mit Gift zum Munde fuhren, doch es wurde ihm entrissen. vebler Kernch au- dem Munde. Fast stet- haben Menschen mit schlechtem Gebiß auch übelriechenden Atem. Das Unbehagen bei einer Unterredung mit solchen Menschen ist häufig so stark, daß H abstoßend aus un- wirkt. Man mag mit diesen Leuten nicht gern au tun haben. Beruf, Karriere und Stellung können dadurch in hohem Maße beeinträchtigt werden; auch leidet die Geselligkeit meist darunter. Tägliche-, zweimalige- Putzen der Zähne mit Kosmodont» Zahncreme mit attwem Sauerstoff (Tube 60Ps.) beseitigt den üblen Geruch. In allen einschlägigen Geschäften zu haben. Probetube gratis durch die Stolberger Anstalten für Exterikultur, Ostseebad Äolberg. MotorUä^en-Fa hrräder ----------■■IHBWJUlMWTntJ--------- f Preisliste. Nau veriangey ntomohilTertreter; Willi. Hamel OLeÄen, Bleichstr. 7 »hrrndvertreter: Adam Klych»r ftieflen, Blejühitr. 15 % Rüsselsheim^M- Unsere Geschäftsräume bleiben Karfreitag geschlossen! Sebr. 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Osterfeiertag; Utilitär Konzert ausgeführt von der Kapelle des hiesigen Inf.-Rogts. „Kaiser Wilhelm“ unter persönlicher Leitung des Obermusikmeisters Herrn W. Löber. 02889 Anfang an beiden Tagen 43/4Uhr. Eintritt 45 Pf. Windhoi Irschen - Zsninilnng Wetzsteinstrahe 19 W" Eröffnung “WS Mittwoch, 3. April, nachm. 5 Uhr Der Verkauf findet Mittwochs und Samstags von 5 bis 7 Uhr statt. D1/« Biograph Blockstraße 12 02892 Plockstraße 12 Ab heute: Der wiße Domino httMWendes Hjcsttriiriiiiia in iirti Atten. Es ist feine kleine Aufgabe, ein Drama, bei dem die wildesten Leidenschaften zum Ausdruck kommen sollen, derartig aufzubauen, daß das Gesamtbild verständlich und klar bleibt, wobei daS rein Menschliche der Sünde in einer dezenten Weise widergegeben werden muß. Das ist indessen bei diesem Biographsilm in einer Weise gelungen, welche jedem Kenner des Leben? Bewunderung abringen muß. 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