162. Zahrgang Erstes Blatt General-Anzeiger für Oberhessen Nr. 78 Erstes Blatt 162. Jahrgang Montag, 1. April 1912 iä (BidtCUCi* 2limi(icr ® rr hi, w/hnftinn 112* Äw politischen Teil: August ä»äs General-Anzeiger für Oberheffen LLsL Annahm« °°n iinjeigen Rotationsörud und Verlag der vrühlschen Univ.-Such- und Steinöruderei R. fange. Redaktion. Expedition und »ruderet: Schnlftratze r. W- . E h'-tz. w-de» dir normiMags'g'uf)“ vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschästsstekle vahnhoss,ratze 16 3. Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten. Die ungarische Krise. Das ungarische Kabinett Khuen-Hedervary hatte bekanntlich seinen Rücktritt gegeben, weil sein Plan, den Widerstand des größeren Teiles der Obstruktion gegen das Wehrgesetz durch ein Kompromiß zu beseitigen, an dem Widerstand der Krone gcsclzeitert ist. Es handelt sich um die schon berühmt gewordene Entschließung, mit der das Ztronrecht die.Einberusung der Ersatzreserven so umschrieben werden sollte,' daß die tatsächliche Verfügung der Krone über die Armee dadurch in eine größere Unabhängigkeit vom ungärisck>en Parlament gelangt wäre. Allgemein erwartete man nun, daß Gras Khuen infolgedessen gehen müsse. Aber der Kaiser hat ihn wieder betraut, weil jede andere Kombi Nation die Einheit der Mehrheit im ungarischen Abgeordnetenhause verstört hätte und man sehr gut weiß, daß man kaum jemals mehr eine so überwältigende Mehrheit für die Gemeinsamkeit mit Oesterreich erhalten werde. Gras Khuen-Hedervary hat am Freitag nochmals die Mitglieder seines Kabinetts zu einer Beratung zusammen- gerusen, und der Ministerpräsident hat, als er am Samstag mit dem Kaiser konferierte, dessen Zustimmung zu den Beschlüssen der Ministerlonserenz erhalten. Das Kabinett ist in seiner bisherigen Zusammensetzung neu ernannt worden, Es heißt, das wiederberufene Kabinett werde sich ausschließlich auf die Arbeitspartei stützen und eine neue polittscl>e Richtung einzuschlagen trachten, um die .Wehrvorlage aus eigener Kraft durchzubringen. Sollte sich die Obstruktion erneuern, so würde die Regierung den Reichstag auslösen. Wir erhielten folgende Meldungen: Ofen pest, 30. März. Das „Amtsblatt" veröffent licht morgen ein königliches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Khuen-Hedervary, in dem der König sein tiefes Bedauern ausdrückt, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Kabinett über seine gesetzlich gewährleisteten Herrscherrechte die Demission des Kabinetts herbeigeführt haben. In dem Handschreiben wird daraus hingewiesen, daß der König seit Wiederherstellung der Verfassung stets über die verfassungsmäßige Ordnung gewacht habe. Nichts läge dem ungarischen König ferner, als das Rekrutenbewilligungsrecht der Nation einzüschränken, andererseits müsse der König jedoch seine Herrscherrechte festhalten, auf Grund deren er in außerordentlichen Fällen dtt Reservisten und Ersatzreservisten einberufen könne. Das Handschreiben schließt: So wie cs mein entschiedener Wille ist, die verfassungs mäßigen Rechte der Ratiounverschtt zu erhalten, so muß ich in glcicfer Entschlossenheit meine konstitutionellen Herrscher rechte unverletzt bewahren. Ich vermag meinen Herrscherpflichten nur dann uacktzuLommen, wenn ich diesen meinen zweifachen Berus gleichmäßig erfüllen kann. Der König fordert schließlich die Nation auf, ihm seine Aufgabe zu erleichtern, damit er ihr in einer mit seinem Gewissen zu vereinbarenden Weise gerecht werden könne und hierdurch die Fortsetzung der konstitutionellen Arbeit gesichert werde. Wien, 31. März. Der Kaiser tat, wie die Blätter berichten, in der dem ungarischen Ministerpräsidenten am Freitag gewährten Audienz, die Aeußerung: „Wenn die Resoluttonsfrage nicht beseitigt wird, so bleibt mir -r Sie kennen ja die Verhältnisse — nichts anderes übrig, als . . ." Hier machte der Monarch eine Handbewegung, die die Folgerung gestattet auf den Ernst seiner persönlichen Entschließungen. Aus Wien wird gemeldet, der König empfing Herrn v. Khuen-Hedervary in dreiviertelstündiger Audienz und erklärte sich mit den gestrigen Beschlüssen des Ministerrats einverstanden. Das Kabinett Khuen wurde in bisheriger Zusammensetzung neu ernannt. Ans heften. Zur hessischen Beamten-BesoldungSvorlage. bs. Darmstadt, 1. April. In einer Reihe von Blättern ist die Nachricht verbreitet worden, daß die Parteien des Bauernbundes und der Nationalliberalcn im hessischen Landtag der Vorlage über die Erhöhung der Beamten - Besoldungen ablehnend gegenüberständen. Demgegenüber ist sestzußellen, daß die nationalliberale Landtagsfraklion noch leine Stellung zu den Ausführungen des Finanzministers Dr. Braun genommen faxt und auch nicht nehmen konnte, weil sie crlt den Eingang der Regierungsvorlage abwattet. Die Vorlage ist auch beute noch nicht in den Händen der 9lbgeordneten. Es ist deshalb unrichtig, jetzt schon von einer Stellungnahme der nationalliberalcn Landtagsfraktion zu sprechen. Sitzung des Landesausschusies der nationalliberalen Partei. bs. Darmstadt, 31. März. Die Landesausschußsitzung der nationalliberalen Partei, welche aus allen Teilen des Großherzogtums stark besucht war, besprach in mehrstündiger Diskussion die politische Lage im Reich und in Hessen. Schließlich wurde unter Ablehnung anderer vorliegender Entschließungen die folgende Entschließung in überwiegender Mehrheit angenommen: Der Landesausschuß spricht seinem Vorsitzenden Herrn Dr. Osann sein volles Vertrauen aus und verlangt, daß im Reiche und im Lande eine von rechts und links unabhängige Politik auf der Mittellinie verfolgt wird. Der Landcsaussck-uß m i ß b i l l i g t es, wenn beim Konflikt zwischen der nationalliberalen Partei und einem wirtschaftlichen Verband Mitglieder unserer Partei für die wirtschaftliche Organisation gegen die national liberale Partei eintreten, im Interesse der Parteidisziplin. Ebenso muß es mißbilligt werden, wenn Mitglieder der Partei über den Kopf der Parteiinstanzen hinweg politische Entschließungen treffen. Ein weiter eiugebrachter Antrag, daß der Landesaus- schuß den Inhalt der von mehreren Mitgliedern der- natio- nalliberalen Partei am 11. Februar 1912 in Frankfurt gefaßten Entschließung mißbilligen sollte, konnte nicht zur Abstimmung gebracht werden, weil dieser Antrag zu spät eingebracht worden luar. Die Antragsteller begnügten sich daher, gegen diese Frankfurter Erklärung zu protestteren. In den geschäftsführenden Ausschuß wurden folgende Herren gewählt: Für Starkenburg: Landi'agsabgeordneter Auler, Bensheim, Ingenieur Ritzert, Darmstadt, Fabrikant Heyne, Offenbach, Prof. Dr. Neßling, Darmstadt, Dr. Osann, Darmstadt; für Oberhessen : Rechtsanwalt Kauftnann-Gießen, Mühlenbesitzer Scyutt, Friedberg, Rechtsanwalt Scheer, Lauterbach, Iusttzrat Windecker, Friedberg. Für Rheinhessen: Zustizrat Calmann, Alzey, Justizrat Görz, Mainz, Oberbürgermeister Köhler, Worms, Justizrat Dr. Stephan, Worms. In den Zentralvorstand wurden gewählt: Justiz- rat Calmann, Alzey, Handelskammersyndikus Mesmann, Mainz, Justtzrat Windecker, Friedberg, Oberbürgermeister Köhler, Worms. Der Koifer in Korfu. Achilleion, 30. März. Der Kaiser und Prinz August Wilhelm mit Gefolge begaben sich heute früh zu Fuß über Canone nach Garitza, wo Professor Dörp- feld den Stand der Ausgrabungen erläuterte. Es sind inzwisckzen eine breit gepflasterte Straße, die vom Tempel zum Altar geführt hat, sowie der größte Teil des Altars, der etwa 24 Meter lang und 2,30 Meter breit war, ferner ein großes Säulenkapitäl freigelegt worden. Der Kaiser verweilte über eine Stunde an der Ausgrabungsstelle und kehrte dann im Automobil nach Achilleion zurück. vom italienisch-türkischen Kriegsschauplatz. Derna, 31. März. (Agenzia.Stesani.) In der Nacht vom 29. zum 30. März versuchte der Feind die W a s s e r l e i t ii n g zu zerstören. Er wurde durch das Feuer der italienischen Artillerie vertrieben. In Tobruk machten gestern die ttirkischen Streitkräfte erneute A n st r e n g u n g e n, um die Arbeiten an den neuen Befcstigungsiverken zu störe n. Die Angreifer wurden, ohne daß die Italiener Verluste erlitten, zurückgeworfen. Rom, 30. März. Die „Agenzia Stesani" meldet aus Tobrut vom 29. März: Der Feind bat heute einen Vorstoß gegen Arbeiter an den Bcsesttgungen des Forts gemadjt, wurde aber nach einstündigem Feuergefecht mit Verlust z u r ü ck g c w i e s e n. Auf der Seite der Italiener wurde ein Mann leicht verwundet. — Eine Karawane, die 40 Kamele zählte, und in die Nähe der italienischen Befestigungen kam, wurde durch Artilleriefeuer unter Verlusten zerstteut. Deutsches Reich. Der Zentrumsabgeordnete R ö r e n versendet, wie schon in der Samstags-Hiummer angedeutet wurde, in der Tat eine Erklärung, daß er seine Mandate zum Reichstag und zum Landtag niederlege. Aus der Erklärung geht hervor, daß er dies getan hat mit Rücksicht auf die Meinungsverschiedenheiten über den Charakter des Zentrums. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von der Spiritus- zentrale kürzlich vorgenommene Preiserhöhung hat die Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise von neuern cuü die Tatsache gelenkt, daß die Spirituserzeugung des laufenden Jahres infolge des Minderertrages der letzten Kartoffelernte erheblich unter dem Durchschnitt bleibt. Angesichts dieser Tatsache wird dem Vernehmen nach in den Kreisen des B u n d e s r a t s erwogen, in welcher Weise durch die Anwendung der im Branntweinsteuer» gesetz gegebenen Mittel die Mehrerzeugung angeregt und einer etwaigen Spitttusknappheit und einem übermäßigen Aufsteigen der Brannttveinpreise entgegen gewirkt werden könnte. In erster Linie soll die Erhöhung des Durchschnitts- brandes und die Heraufsetzung der Vergütungssätze für vollständig und unvollständig vergällten Branntwein in Bettgcht kommen. Beschlüsse in diesem Sinne dürften schon in wenigen Tagen vom Bundesrat gefaßt werden. Ausland. Dem „Berl. Tagäbl." zufolge verlautet in Petersburger diplomatischen Kreisen, daß als Vertreter des Kaisers von Oesterreich Erzherzog Franz Josef und Gemahlin zu Beginn des Sommers der Zarenfamilie einen Besuch abftatten werden. Ferner werde im Sommer eine Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm stattfinden. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Vor Jaffa wurde ein deutscher und ein ö st e r r e i ch i s ch e r P o st w a g e n überfallen. Der deutsche Wagen konnte unter Verlust eines Pferdes gerettet werden, der österreichisck>e Wagen wurde ausgeraubt; der Lxnkcr und zwei Pferde erschossen. Die Täter sind entkommen. Ter „Matin" veröffentlicht folgendes Funkentelegramm aus> Fez vom 30. März: Ter Vertrag, durch welchen das Protektorat Frankreichs über Marokko errichtet wird. Heue Briefe aus Hebbels Studienzeit. So reiches Matettal über Leben lunb Entwicklung Friedrich Hebbels die neueste Litcraturgcschichtssorschung auch ans Licht gefördert hat, so bleibt doch besonders in der Studienzeit des Dichters, in jenen Sturm- und T-rangjahren, da seine Kuntz ihre persönliche Gestaltung sand, noch mancherltt auszuhellen. Dem Finderglück des bekannten Hebbel-Kenners Dr. Paul B o r n - stein ist es gelungen, eine Rtthe neuer Dokumente aus dieser Epoche aufzufindcn, die er in den Grenzboten veröffentlicht. Wir erfahren hier von lyrischen Beiträgen, die der angehende Poet in einer kleinen Wochenschrift, dem „Titmarscher und Eider- ftcdter Boten", veröffentlichte, hören aus einem Briefe von Amalie Schoppe an Hebbel von der lieblosen Art, in der er diese Nernlicki- cnghcrzige Gönnettn des jungen Mannes sich von dem reifer und selbständig Gewordenen abwendct, lesen die Eingabe, in der Hebbel bei dem Laudvogt Griebel um ein Testimonium paupertatis bittet, uin bei seinen Studien die Kollegs frei zu erhalten. Der bedeutendste der veröffentlichten Briefe, ein Lebensdokument SDc6: bels von großer Wichtigkeit, ist sein Bttef aus Heidelberg an den Wesselburener Jugendfreund Jakob Franz, in dem sich schon ganz die charakteristische Eigenart Httibels offenbart. Franz, der aus behäbigen Verhältnissen stammte, hatte Hebbel in Wesselburen versprochen, er wolle ihm, wenn er das für den Mittellosen so große Wagnis des Studiums auf sich nähme, auf zwei Jahre jährlich zehn Taler vorschießen. Diese sollten nun hauptsächlich Hebbels Mutter zugute kommen. dem Bttef vom 18. Juli 1836 erscheint der Sohn, der damals in bitterer Not ins Tagebuch schrieb, sein Leben sei nur noch ein Kampf für Mutter und Leichenstein, in ängstlicher Sorge um die alte darbende Mutter in der Heimat; zugleich aber reckt fich in ihm auch ein stolzes Selbstgefühl auf, ein unerschütterftcher Glaube an sein Können und seine Zukunft. Der Freund hatte ihm geschrieben, daß er viele Kollegien belegt habe. ,,Ich hab s mir bequemer gemacht und nur zwei belegt, wovon ick) noch das Eine, da ich kein leeres Stroh dreschen mag, schwänze. Lächeln hab' ich müssen, als ick in Deinem Bttef mit Bezug auf Literair geschichtc und Antropologie las. Du hättest in der kurzen Zeit doch auch für die allgemeine Bildung was thun wollen. Lieber Junge, die holst Tu nicht von der llnioerfität und nicht von den Professoren: da lernst Tu Nichts, als wie Tu's nicht machen mußt. Ein Knabe, der Berge versetzenwill, und ein Proteyor, der die Literatur analysiert — ich weiß nicht, was sich potz irischer ausnimmt. Freilich, die Bibel hat Recht, auf ben, Glauben kommt Alles an, ;nib wenn der Gott nur geduldig ist, so kommt der Priester nie zu kurz." Von der Strenge seiner Selbstzucht und der Kraft seiner Entwicklung legt die folgende Stelle Zeugnis ab: „Wie es mit meinen Gedichten wird, wttß ich noch nicht. Cs liegt so viel an Stoss vor mir, was ich behandeln und der Sammlung noch einverleiben möchte, und dies zieht ein Geschäft in die Länge, was nie genug in die Länge gezogen werden kann. Tu wirst sehr wenig Gedichte finden, die Tu schon kennst: ich bin außerordentlich streng gegen meine Produkte aus früheren Zeiten, bin aber dafür auch überzeugt, daß selten ein Dichter mit meiner Klarheit, Sicherheit und Bewußtseyn seiner Individualität ausgetreten ist, tote ich. Tas Schicksal der Gedichte kümmett mich wenig; die deutsche Kritik ist heut zu Tage eine alte Vettel, die nur ihre eigenen Basen und Tanten begünstigt und ich gebe nichts um die saubere Verwandtschaft. Was lebt, das wirkt: und was wirkt, das lebt: dies Evangelium bewahrheitet sich alle Tage." Den Freund, der gerade eine unglückliche Liebes- andre hinter sich hatte, warnt er davor, sich der Schwermut und Niedergeschlagenheit zu sehr hinzugeben. „Es gibt eine Götzendienern des .Herzens, vor der man sich bewahren muß." Tann bittet er den Freund, feiner Mutter „die Summe von 21 C. M. zu schicken und ihr dabei in einigen Zeilen zu sagen: dies wären die Michaelis zu erlegenden 15 C. M. Miethe und die ihr von mir in meinem letzten Bttef versprochenen 6 C. M. zu 2 Fudern Tors. Ich bitte Dich inständigst, dies zu thun, sobald es Tir irgend möglich ist, und jedenfalls im August- Monat: der Preis des Torfs steigt mit jeder Woche, wie Tu selbst weißt, und die arme Frau würde sich in der drückendsten Verlegenheit befinden, wenn die Miethe nicht rechtzeitig ttn- ginge. Doch, dies bedarf keiner weiteren Worte; Du fühlst, daß ich mein unbegränztes Vertrauen Dir nicht würdiger zu erkennen geben kann, als wenn ich Dir die heiligste meiner Sorgen übertrage, und ich weiß. Du wirst mttn Vertrauen ehren." Auf Grund dieses Bttefes vermag Bornstttn ein bisher unbekanntes Werk Hebbels festzustellen. Es handelt sich um das in einer Kieler Bettung, dem „Korrefpondenz-Blatt", erwähnte „Sendschreiben an die Norderdithmarscher von einem Norderdithmarscher, in Bettest der Zoll-Angelegenheit", dessen Autorschaft Hebbel mit ziemlicher Sicherheit zugesprochen werden kann. Hebbel interessierte sich damals leidenschaftlich für die Bonfrage, die durch ein die Ausfuhrzölle stark erhöhendes dänisches Bollgefetz hervorgerufen war uitb in Holstein große Unruhe erregte. Mit feiner Flugschrift wollte er in gewiß nicht rein politischer Weise auf seine Landsleute einwirken, doch ist es. bisher noch nicht gelungen, ein Exemplar dieses nur in beschränkter Anzahl erschienenen, völlig verschollenen Privatdrucks aufzufinden. * — Scotts Rückkehr. Aus Wellington wird unterm 31. März gemeldet: Die „Terranova", das Expeditionsschiff Kw- pitän Scotts, ist in Akar na (Neu-Seeland) angekommen. Kf. Neue Bismarckiana. Zu dem auf den 1. April fallenden 9 7. Geburtstag des Fürsten Bismarck feien einige kleine Züge des großen Mannes mitgeteilt, die in jüngster Zeit neu bekannt geworden find. Der Ritter von Przibram,^ der kluge, an Erfahrungen reiche „alte Oesterrcicher", dessen Erinnerungen soeben zum Abschlüsse gelangt find, erzählt in berem neuen Bande Einiges über ben Besuch, den Bismarck in Wien abstattete, als Baron Haymerle das Ministermm des Auswärtigen übernommen hatte. Wie gewöhnlich, so n>_ar Bismarck auch damals in feinen Tischgesprächen voller Geist. Die Gemahlin des Barons Haymerle, Tochter des einstigen großdeutschcn Senators Bernus von Frankfurt, hatte in ihrer Sprechweise starke Anklänge an ihren heimischen Dialekt beibehalten, und besonders liebte sie es die Jnifinitive um bas „n" am Ende zu verkürzen. „Wie viele tausend „n" muß die gute Dame in ihrem Leben verschluckt haben!", bemerkte Bismarck. Der Scher; wird verstanden, wenn man sich vergegenwüttigt, daß die Arbeitsleistting eines Schriftsetzers damals nach der Raumttnheit von tausend n berechnet wurde. Als einige Tischgenossen ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gaben, daß der Fürst, wie früher den Sekt, so beim Nachtische die angebotenen Zigarren ablehnte, erklärte er dies mit den Worten: „Ich nehme an, daß jedem Menschen die Zahl der Flaschen und Zigarren, die er Zeit seines Lebens zu vcttilgen habe, vorher bestimmt fei. Nun kalkuliere ich, daß mir ein Quantum von 10 000 Flaschen und 100 000 Zigarren zugcmessen war. Und diese Ration habe ich, dessen bin ich sicher, reichlich zu mir genommen." — Kongreß der Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen. In Gegenwart des Staatsministers 2r. v. Studt wurde am Samstag nacknnittag im Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin der Kongreß der akademisch gebildeten Zttchenlehrer und Zttchenlehrerinnen Preußens mit bei Eröffnung einer Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Zeichen-- untcrttcht eingeleitet. Es ist dies die zweite berartige Ausstellung ; die erste fand im Jahre 1907 statt. In einer besonderen Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Künstlerinncn- heims führen die Zeichenlehrer und -Lehrettnnen ihr Wunen, vor. Tie VerhaMungen des Kongresses beginnen am Montag abend. Am Dienstag findet bann die Hauptversammlung des Landesverttns akademisch gebildeter Zeichenlehrer und Zttchew, lehrettnnen Preußens statt. Großenbuseck kann nun beginnen. öteilid) hat der Slpril auch seine ist jetzt an den Ostern besucht, werden vollzogen. Durch den Eingang der entsprechenden Klasse Realschulen in Friedberg und Butzbach war die hier an 1911 eingerichtete Obersckunda auch von außerhalb gut ttzuröc am Lonniag nao'mitlug u.n v?- tlhr unterzeichnet. Montag früh werden 101 Kanonenschüsse dieses Ereignis verkünden. Eine amtliche Bestätigung oieser Meldung ist bisher nicht etngetrosscn. so daß sie 23 Schüler und Schülerinnen zählte: davon berrealschulen übertreten. Jin abgc-- Heer und Flotte. Stapkllauf eines großen Kreuzers. Hamburg, 30. März. Auf der Werft von Blohm und Boß lief heute nachmittag der große Kreuzer I. vom Stapel, der bei der Taufe den Namen „Sey blitz" erhielt. Tre Tausredc hielt GencralinspeNeur der Kavallerie General v. Klei |t. Dieser betonte, daß gerade der Name des großen Siegers von Roßbach und Zorndorf für die. Aufgabe des großen Kreuzers der geetg- netste sei. Launen: Es ift kein April so gut, er schickt dein Schäfer Schnee auf den Hut. Doch was schadet das! »Nasser 'ilpnl ist deS Bauern Will". ** 3 n Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog am Samstag u. a. Geh. Justizrat M e tz in Gießen. ^Ordensverleihung. Ter Großheizog hat das Ehrenkrcuz des Verdienstordens Philipps des rurogrnut.gen dem Oberstleutnant Sonntag beim Stabe des 2. Oberrheinischen Infanterie-Regimen:S Nr. 99, feith.r Bcttailrons- Kommandeur im Jnfalilerie-Leibregiment Großherzoqut (3. Hess.) Nr. 117 verliehen. " Hessisches Silbergeld. Auffällig ist, daß man in unserem Lande äußerst selten Silbermünzen mit dem Bildnis deS Landesherrn zu sehen betoniml. Hessen hat nämlich, außer 3-Markftücke im Jahre 1910, seit 1900 fein Silbergeld mehr prägen lassen. Seit 1908, in welchem Jahre die letzte 10-Nlarkstücke-Prägung vorgenommen wurde, sind für das Großherzogtum nur noch 20-Ntarkstücke geprägt, wobei anscheinend auS Versehen lull Goldstücke mit dem fugend- lichen Gesicht des Grosjherzogs, wie es vor 12 Jahren aus- 20. August: Ztägige Wanderung in das Sauerland. — Sonntag, 1. September: Hirzenhain — Gelnhaar — Bindsachfen — Michelau — Büdingen Hauptversammlung der deutschen Gebirgs- und Wandervereine). (4 Std.) — Sonntag, 6. Oktober: Bieber — Königsberg — Hohensolms — Bermoll — Herborn. (51/» Std.) — Sonntag, 3. November: Saasen — Queckborn — Ettingshausen — Lich. (4 Std.) — Sonntag, 1. Dezember: Gießen — Großenbuseck — Beuern — Climbach — Allendori — Treis — Lollar. (0V2 Std.) — Sonntaa, 5. Januar 19Id: Gießen — Butterweg — Hochwatt — Schiffenberg — Lindener Mark — Gießen. (4 Std.) — Sonntag, 9. Februar 1913: Gießen — Ganseburg — Reiskirchen — Winnerod — Reinhards Hain — Grünberg. (5 Std.) — Sonntag, 2. März 1913: Gießen — Launsbach — Wettenberg — Krosdorf — Vetzberg — Rodheim — Au» Stadt und Land. Gießen, 1. April 1912. Der Omnibusvertehr zwischen Gießen und Wieseck gesichert! Zwischen der Gießener Stadtverwaltung und dem Gemeindevorstand zu Wieseck haben in den letzten Tagen rege Verhandlungen stattgesunden, deren Ergebnis ist, bay, gegen die Leistung eines kleinen Straßenkostenbeitrages der Gemeinde Wieseck an die Stadt Gießen, der schon so beliebt gewordene Autoomnibusverlehr auch für die Zukunft gesichert ist. Die Stadt Gießen hat das allergrößte Interesse an einer guten Verbindung mit der Nachbargemeinde, und es ist gelungen, mit der Omnibusgesellschaft ein Abkommen zu schließen, wonach beide Gemeinden das Unternehmen in gemeinsame Regie nehmen werden. Damit werden auch erhebliche Verbesserungen eingeführt werden. Tie im Betrieb befindlichen Wagen erhalten neue Gummireifen, und der Anhängewagen wird mit be>seren Trittstusen nebst einem Geländer zum Festhalten versehen. Zur Sicherung der Rentabilität sollen am Anhängemagen innen und außen Reklameschilder und Ankündigungen angebracht werden; die Gießener Geschäftswelt wiro gebeten, Anmeldung eit hierzu der Bürgermeisterei Gießen zu übermitteln. Die endgültige Uebernahme deS Verkehrs durch die beiden Gemeinden findet am heutigen Montag abend um 6 Uhr statt und soll von beiden Gemeinden mit einer kleinen Feier verbunden werden. Am Walltor harren die festlich geschmückten Wagen des Stadtvorstandes zu Gießen, die eine Probefahrt unternehmen werden. Zur Mitnahme von Festteilnehmern werden auch die beiden seit gestern hier im Betrieb befindlichen neuen Automobildroschten sich einstellen. Ein hiesiger Stadtverordneter, der zu seinen bisherigen großen Verdiensten um das Ostviertel noch das hinzu- aestellt hat, daß seiner unermüdlichen Vermittlung der erfreuliche Vertragsabschluß zu danken ist, hat es sich nicht nehmen lassen, bei diesem Anlaß auch der Jugend zu gedenken und sie am Walltor mit der Austeilung von Bretzeln zu erfreuen. Das wird von der Jugend ulm so freudiger begrüßt werden, als der gleichfalls offiziell an der Fahrt teilnehmende Automobilklub, um der auto- mobilfcindlichen Strömung im Publikum enlgegenzuwirken, beschlossen hat, zu den Festbretzeln Kaiserwürstchen zu stiften. Die Omnibusführer werden bereits heute in einer schmucken Postillonuniform erscheinen und der Originalität Halder sowie um der Hebung des Verkehrsbildes willen mit einem Horn ausgerüstet sein, auf dem sic bei der Ankunst an den Haltestellen das früh- liche „Wer kann dafür" ertönen lassen. Am Eingang des Dorfes Wieseck harrt der dortige Gemeindevorstand, und dem Vernehmen nach hat auch er festliche Vorbereitungen getroffen und die Wagen werden aus leichten Reifen her- gestellte blumen- und laubumwundene Triumphbogen zu durchfahren haben. Wie man hört, wird auch eine Musikkapelle zur Stelle fein. Die endgültige Sicherung des Autoomnibusverkehrs bedeutet für die Stadt Gießen ein frohes, festliches Ereignis, und die Bewohner der in Frage kommenden Durchfahrtsstraßen werden gebeten, aus diesem Anlaß heute abeno ihre Häuser zu schmucken. * " Der April, den die Römer Aprilis nannten, war der zweite Monat im allen römischen Kalender und hat, wie schon die Alten annahmen, seinen Namen bekommen von dem lateinischen Wort aperize, eröffnen, weil sich in diesem 2)10- nate die Erde zum Wachstum öffnet. Für den Landmann bringt der April reichliche Arbeit, gilt es doch, in diesem Monat die Saat für den künftigen Sommersegen ouSzu- slreuen. Da der April in seiner zweiten Hälfte meist schon die Obstbaumblüte heroorzaudert, ist er auch für den Imker von Bedeutung, denn daS erfolgreiche Einträgen der Bienen iah, geprägt wurden, obgleich bereits luio zo-Mai.t|iude mit einem neuen Porträtstempel, welcher Ernst Ludwig, wie er jetzt ist, zeigt, hergestellt worden sind. Ec wäre sehr zu wünschen, wenn die zuständige Stelle dafür sorgen würde, nach zwölfjähriger Pause für Hessen wieder 2-Mackstücke zur Ausprägung und in den Verkehr kommen zu lassen. •• Gießener Stadttheater. DaS Stadttheater schloß gestern abend seine diesmalige Spielzeit mit einer schönen Aufführung von 2)i 0 n n a Vanna. Herr 53a um elfter ooin Hoftheater in Darmstadt hatte die Rolle des Guido übernommen und führte sie mit feiner, klar abgestimmter Innerlich- feit durch, die voll überzeugender Kraft war und die Vor- flellung zu einer bedeutsamen Höhe erhob. Seine Gattin, Frau Gertrud Baumeifter-FelSegg, stand als Tionna Van na in tagender Größe neben ihm, lebensvoll und beredt, übernahm sich aber in der Schlußszene emigemale im Ton. Den Prmzivali spielte Herr Bruchwltz temperamentvoll und mit Schneid. Sowohl Herr Baiimetster als auch Herr Bakos wurden durch Blumenspenden ausgezeichnet. ** Der Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein G i e ß e n, hielt am Freitag abend im Kaiserhof seine Hauptversammlung ab. Nach dem vom 1. Schriftführer Faber erstatteten Jahresbericht hat die stetige Weiterentwicklung des Vereins auch im 4. Vereinsjahr angehalten. Die Mitgliederzahl ist am 246 gestiegen. Die Wandertätigkeit war recht lebhaft, die Vereinsabende, besonders die tm Sommer an Ausflugsorten abgehaltencn, waren größtenteils gut besucht. Es fanden zwei Vorträge statt. Tie zweite nach dem Vogelsberg führende Markierungslinie (Gießen—Grünberg) ist fertiggcstellt worden. Ter vom Rechner Andreas erstattete Rechnungsbericht ergab ein günstiges Bild der Vereinsfinanzen, da ein lieberschuß von 125 Mk. verblieb. Der seitherige Vorstand wurde in schriftlicher Abstimmung wiedcrgewahlt. Zum Schluß erklärte die Versammlung ihr Einverständnis mit der Uebernahme der vom deutsch-öster- reichisck-cn Alpenverein, Zweigvereitl Gießen, ins Leben gerufenen und feither unterhaltenen lokalen Markierungen und beschloß, eine angemessene Verstärkung der Markierungskommission. — Für das Wanderjahr 1912/13 ist folgender Wanderplan aufgestellt worden: Sonntag, 14. April: Hungen—Einartshaufen—Jägerhaus—Laubach. (o Std.) — Sonntag, ö. Mai: Homburg v. d. Höhe — Sandplacken — Arnoldshain — Schmitten — Treisberg- Alt- und Neuweilnau. (6 Std.) — Montag, 27. Mai (2. Pfingst- feiettag): Bieber — Tünsberg — Waldhaus — Kreuzmühle — Schmelz — Fronhausen. (4i/z Std.) — Sonntag, 9. Juni: Balduinstein — Schloß Schaumburg — Wasenbach — Rupbach- tal — Laurenburg — Dörnberg — Goethepunkt — Obernhof — Kloster-Arnstein. (4i/3 Std.) — Sonntag, 14. Juli: Mücke — Großeichen — Dodenhausen — Ulrichstein — Sieben Ahorn — Äeiselftein — Hoherodskopf — Schotten. (6 Std.) — Sonntag, 4. August: Londorf — Wermertshausen — Höingen—Erfurtshausen — Schweinsberg — Handsteinsgraben — Hochberg — Vomberg a. d. Ohm. (4Vr Std.) — Sonntag, 18. bis Dienstag, Arbeiterbewegung. Tas Ende dcs englischen Bergarbeiterausschuffes. London, 30. März. Nach den bis nachmittags 31/3 Uhr vorliegenden Berichten haben 15 000 von 20 000 Bergarbeitern ihre Stimme für die Wiederaufnahme der Arbeit abgegeben. Tie Zechenbesitzer und Bergleute von.Süd-Derbyshire beschlossen in der heutigen Konferenz unverzüglich ein gemeinsames Tistriktsamt aus Grund des Mindestlohngesetzes zu bilden. Ein Vertreter der Zechenbesitzer erklärte, oie Arbeitgeber würden die Bestimmungen des neuen Gesetzes loyal erfüllen. • Franksurt a. M., 30. Marz. Gestern abend hat ein großer Teil der Arbeiterschaft der Adler werke, vormals Heinrich Kleyer A-G., die Arbeit ni ederg eleg t. Gefordert wird eine Verringerung der Arbeitszeit um 3 Stunden pro Woche und eine entsprechende Erhöhung der Löhne, außerdem wird gegenüber einem Statut des Metallindustriellenverbandes die Aendc- rung auf Einführung von Minimallohnsätzen erhoben. Bei den Adlerwerken feiern heute etwa 3500 Mann, wahrend ungefähr 800 noch arbeiten. Von der Bewegung ist eine Reihe weiterer hiesiger Maschinenfabriken ergriffen. und Zwerge, Vi.c.— a :-> Lum ...u. .n inue, ~c.. P^ppeu- uoitor u. a. mehr, muerbrodjen von einer vorzüglich ae* gluckten Kinderfhmphonie. Tie Belohnung für die Kinder bestand bann in den niedlichen Osterlörbchen, die am Schluffe zur Verteilung kamen. ** Unfall. Ein achtjähriger Junge hatte auf dem Trieb Hülfen von Platzpatronen gesucht uno warf am Samstag abend eine davon in den Ofen in der elterlichen Wohnung. Tie Hülfe war noch gelaoen, explodierte und das herausgeschleuderte Zündhütchen flog dem Jungen durch die Ohrmuschel hindurch und in den Kopf. Der Junge mußte in die Klinik ausgenommen werden, die Verletzung ist aber nicht lebensgefährlich. *♦ Tödlicher Unfall. Ter 48jährige Weißbinder Johs. Eiff III. aus Watzenborn fiel am verfloßenen Samstag nachmittag beim Aus stellen eines Gerustes aus einer Höhe von 3 bis 4 Meter herunter und starb alsbald. Nach ärztlicher Feststellung war die Wirbelsäule gebrochen. ** Verhaftet. In Untersuchungshaft genommen wurde am Samstag ein junger Mensch von hier, der einem Bediensteten seines Vaters mittelst Emueigen durch ein Dachfenster zur Nachtzeit einen Geldbetrag entwendet hatte. ** Diebstahl. Ein junger Mann von außerhalb hatte sich gestern hier einen neuen braunen Anzug gekauft, das Palet an fein Fahrrad gebunden und letzteres im Hausflur einer Wirtschaft aufgestellt. Als er ipätec sein Rad abholte, war das Paket mit Anzug verschwunden. ♦♦ Durch die Findigkeit der Post wurde vor einigen Tagen Herrn Bakos ein Brief eingehänoigt mit der Adresse: „An den betr. Herrn, der das Lichtspieltheater Gießen auf dem Seltersweg einrichlet/' Die Poft behändigte den Brief an den zukünftigen Direkter des Unternehmens, das am 1. Oktober eröffnet tperben soll. Landkreis Gießen. --- Obbornhofen, 31. März. Dem Gräflichen Hofgutspächter Richard B 0 r n e m a n u zu Obbornhofen ift aus Anlaß seiner 25jährigen Bewirtschaftung des Hosguis Obbornhofen zum 1. April d. I. von dem Vormund des minderjährigen Ehefs des Gräflichen Hauses Solms-Lau- bach, dem Grafen Wilhelm zu Solms-Laubach, der Titel Oberamtmann verliehen worden. Kreis Schotten. a. Schotten, 29. März. Die Bürgermeisterwahl von Burkhards, die nun schon Jahre behandelt wird und die schon viel Staub aufgewicbelt hat, kommt noch nicht zur Ruhe. Nachdem die Bestätigung davon abhängig gemacht worden war, daß das Ministerium den ncugewählteu Bürgermeister als Ortsgerichtsoorsteher erkenne, das letztere aber nicht erfolgt ist, so ist auch die Bürgermeisterwahl wieder hinfällig. Bei der Neuwahl werden andere Kandidaten auf- gestellt werden. = Ober-Seibertenrod, 30. März. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der Landwirt Karl Rühl mit zwei Stimmen Mehrheit gegen den früheren Bürgermeister Schmirmund gewählt. Die vor einem halben Jahr abgehaltene Bürgermeisterwahl, bei der Bürgermeister Schmirmund bei Stimmengleichheit durch das ^05 Sieger wurde, war angefochten und vom Kreisaus- schuß für ungültig erklärt worden. n. Ulrichstein, 30. März. An Stelle des nad) Lollar versetzten Lehrers Wilhelm Weitzel wurde der Landwirt Heinrich Stein II. von hier durch Beschluß des Aufsichtsrats zum Vorstandsmitglied der hiesigen Spar- und Darlehnskasse e. G. m. u. H. bestimmt. Kreis Friedberg. L. F r i c b b e r g, 31. März. Ta zurzeit vieleJtalicner am neuen Bahnhof und in der Umgegend beschäftigt sind, die sich fast alle zur katholischen Religion bekennen, hat das hiesige katholische Pfarramt eine BekanmmachÜng über die Abhackung des katholischen Gottesdienstes in unserer Stadt in italienischer Sprache erlassen. Infolgedessen sah man heute eine Anzahl Italiener dem Hochamte beiwohnen und zur Beichte gehen. X Bad-Nauheim, 29. März. Ihrem Jahresbericht zufolge war die hiesige Ern st- Ludwig-Schule (höhere Bürgerschule mit Reallehrplan und Realberechtigung) im abgelaufenen Schuljahr von 169 Schülern besucht (gegen 149 im Vorjahre): 62 der Besucher sind Mädchen. Autzcr dem Rektor Prof. Tr. Zimmer wirken an der Anstalt noch acht ordentliche Lehrkräfte. Tie Umwandlung der Schule in eine Realschule mit Obersekunda Diese günstigen Verhältnisse sind zum großen Teil der Stadtverwaltung zu danken, die keine Opfer scheut, toenn es sich um die Schulen handelt. Entlassen wurden aus der Stadtschule heute 70 Schüler. Mit der Konfirmandenentlassung war eine größere öffentliche Schulfeier verbunden. Gedichtvorträge von Schülern aller Schuljahre wechselten mit Gesängen des ^chüler- chors ab, den Lehrer Diehl leitete. Oberlehrer Kredel hielt eine eindrucksvolle Ansprache, in der er den Konfirmanden^ manch goldnes Wort mit auf den neuen Lebensweg gab. Ter Schülerchor ,,Ter Herr ist meine Zuversicht", von B Klein, beschloß die eindrucksvolle, aus allen Kreisen der Bevölkerung stark besuchte Feier. = Bad-Nauheim, 31. März. Der Großherzog hat den Hauptsteueramtsassistenten Karl Weidmann zu Offenbach zum Bureau-Asjiftenten bei der Bad- und Kurverwaltung Bad-Nauheim ernannt. Starkenburg unv Rheinhessen. = Offenbach a. M., 29. Mörz. Nach dem soeben herauSgegedenen Jahresbericht war die hiesige Goetbeschule (Privat-Real- und Handelsschule mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen 2)hlitärbienft) im letzten Jahre von 356 Schülern besucht, das bedeutet gegen daS Vorjahr ein Mehr von 26 Schülern. Unter den Besuchern der Anstalt befinden sich allein 89 auS Offenbach und 175 aus Frank« furt und eine größere Anzahl Ausländer. Lehrkräfte sind neben Direktor Rau noch 20 an der Schule tätig. Der Lehrplan der Äoethefchule ift übereinfümmenb mit dem der hessischen Realschulen. Nur kommen als besondere Fächer noch „Rechnen und HandelSwiffenschci'ten*, Stenographie und Piaschinenschreiben hinzu. Die Einjährigenprüfung wirp jährlich zweimal unter dem Vorsitz eineß RegierungSvertreterg abgehalten. Im abgelaufenen Jahr beuonden 44 Unter, sekundaner daS Examen. Mck der Anstalt ist ein Alumna > Gießen. (4 Stunden.) ** Eisenbahner-Versammlung. Am Freitag abend fand im Lenzschen Felsenkeller eine vom Verband deutscher Eisenbahnhandwerker und -Arbetter (92 000 Mitglieder) einberufenck, gutbesuchte Versammlung statt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden Erhard berichtete Herr H. Haardt von Frankfurt a. M. über die allgemeine wirtschaftliche Lage und über die Reichsversicherungsordnung. Zunächst führte er aus, wie es von den Eisenbahnern allgemein anerkannt werde, daß die Eisenbahnverwaltung in den letzten Jahren außerordentlich viel für die Besserstellung ihrer Arbeiter getan habe. Trotzdem stehe Preußen in der Statistik mit einem Jahresdurchschnitt von 1153 Mk. gegenüber den vier größten deutschen Bundesstaaten immer noch erheblich zurück. Sodann erklärte der Redner an Hand von vielen prakttschen Beispielen die Vorteile der neuen Reichsversicherungsordnung, wofür ihm reicher Beifall zuteil wurde. Bei der nun folgenden Aufstellung der Vertreter der Betriebskranlenkasfe zu der am 10. April stattfindenden Wahl gingen folgende Herren hervor: Dreher Wenzel, Schlosser Erhard, Lampenwärter Becker Gepäckträger Weber, Hilfsweichensteller Velten. •• Der Geflü gel- und Vogelzucht-Verein Gießen und Umgegend 1897 E. V. hat beschlossen, in diesem Jahre fein 15jährigeö Bestehen zu feiern. Um das Interesse für die Geflügelzucht weiter zu fördern, soll jeden ersten Donnerstag im Vtouat eine zwanglose Zusammenkunft der Viitglieüer und Freunde der Geflügelzucht statt- sinden, wobei jedesmal eine Gratis-Verlojung veranstaltet werden soll. ** Die neuen Taxameter-Autodroscffken, zwei schmucke Gefährte, sind seit gestern int Betrieb. Sie haben ihren Standplatz am Bahnhof, können aber auf telephonischen Anruf hin von jedem anderen Punkt der Stadt aus benutzt. Iverden. •• Bildhauerarbeit auS dem 17. Jahrhundert. Beim Abbruch des Noll'schen Hauses in der Äteustadt, den die Hoch- und Tiefbau-Gesellschaft vorm. Hch. Wmn vornimmt, hat man einen Türbalken mit einem Wappen des JahreS 1606 und dem Namen Georg Wormbser gefunden, der in seiner tauberen Arbeit mit den fchönen gothlschen Buchstaben den BewelS liefert, daß man vor 800 Jahren m (Liegen tüchtige Holzschnitzer gehabt Hal. Im Hinterbau unter dec Backofen- anlage hat man einen Balken mit dec Jahreszahl 18U6 und den Namen einer Reihe von Zimmerleuten aus Grünberg gefunden, deren Siachkommen heule noch teilweise m Grünberg Daß Zimmerhandwerk treiben. Tie Inhaber der Hoch- und Tiefbaii-Gejellichaft, Gebrüder Müller, wollen die Balken dem Piuseum deS Oberhefsischen GeschlchtSoerelnS überweisen. ♦♦ Ter Kindergarten des Fröbelsrmt- nars von Fräulein Mo es er hatte am Freitag die Angehörigen der minder und Freunde der Lache zu feinem L ft e r f e st e eingeladen, und zahlreich hatten sich die Gäste eingefuiiden, um die Darbietungen der Kinderschar anzu- sehen. Nach dem unter Gesang erfolgten Einmarsch der irohlichen Kleinen wickelte sich das reiafhaltige Programm flott und ohne Lcockung ab, und es war eine wahre Luft mit anzuschauen, wie die Kinder bis herab zu den Äieinfltn, mit Eifer und ivewijsenyaftigkeit bei der Sackx waren und bereit, auch bem kleinsten Wink der Leiterin, Ftaulctn Gerhard und ihrer „Tanten" zu folgen. In bunter Aba-echs- luiig sah man die Bewegungsspiele, einen Tanz der Cl en _ sie 23 Schi _____ 13 in hessische Dl......... ... laufcnen Schuljahre konnte zum zweiten Male die Einjähiigen- Prüjung abgehalten werden: es unterzogen sich ihr 13 Schüler, die alle bestanden. In den 7 Jahren des Bestehens der Ernst- Ludwig-Schule nahm der Besuch von außerhalb mit jedem Jahre zu. — Unsere Stadtschule wurde im vergangenen Schuljahre von mehr als 700 Schülern besucht, denen 18 ordentliche Lehrkräfte (15 Lehrer und 3 Lehrerinnen) Unterricht erteilen. Tie 19. Klasse wird zu Ostern eingerichtet. Tie Turchschnittsklassen- stärke beträgt nicht ganz 40, eine Ziffer, die im Vergleich zu den meisten anderen hesfischen Orten recht günstig ist. Viele der oberen Klassen überschreiten die Zahl von 30 Schülern nicht. verbunden. Tie Zahl der Zöglinge desselben betrug während des Schuljahrs 48. Tie Arbeiten der Schüler werden in be- sonderen Stunden unter Aussicht angefertigt. - Die starke Frequenz der Goetheschule machte einen Neubau erforderlich, dec im Laufe des neuen Schuljahrs bezogen werden soll. kirchliche Nachrichten. üaii)UH|u)e itxiuunoe. Di enstag, den 2. April: Vormittags um 51/* Uhr: Hl. Liesse. „ um 6 Uhr: Milstonspredigt. um b«/, und 81/, Uhr: Hl. Messe. , um 0 Uhr: Lii,iionspcedlgt. Abends um b*/4 Uhr: Rosenkranz. , um 81/, Uhr: Altlstonspiedigt. Israelitische uetigionrgefellfchast. Gottesdienst. DienStaa, den 2. und Mittwoch, den 3. April 1912: Pasfahfeft. 1. Tag. Vorabend: 6.30 Uhr.__________________ Vormittags: 8.00 Uhr. Predigt. Nachmittags: 4.00 Uhr. 2. T a g. Vorabend: 7.40 Uhr. Vormittags: 8.00 Uhr. Nachmittag»: 4.00 Uhr. Kestesausgang: 7.45 Uhr. WochengotteSdiensl: Morgens 6.30 Uhr, O Schienen merke und fordere ausdrücklich: = Brauns’sche Farben. — Metzgerei o VIT>- „ 09704 morgens abwaschen und mit im Hause des Herrn Rinn °-7b4 Zuckooh-Creme (ä 7ö Wr mit der Flagge ist echtes Simonsbrot und bei gleichem Preis schwerer wie Casseler. Stets frisch nur bei 2342 Georg UM Marktplatz 21 gegenüber Berlins elaporhele __ _ ™ ix. 2 M.j nachstreichen. Groh- O X A . I« /x J K artige Wirtung,v.Tausenden AinSTra.SSe beitäiiflt. haben m der «vll lv LI C4WWV V* VX ■ Univerntats - Apotheke, i« 1 2435 Ter Vorstand. V*/,j Gratis EmU Karju Schul* Kraft . L ' i r\ enirai-Drogerie । 9 Chili-Salpeter Peru-Guano Das VorlesuDgs-fepzeicbnis der toräiäl Rostock f.d.Soiumer-Sem. 1912 ist kostenfrei zu beziehen d. d. Sekretariat. 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