m. 104 ZweUes Blatt |6V Jahrgang Erschein! tägNch mit Ausnahme deS Sonntag». T A A T'e ,,«iehener Kamiliendlätter" werden dem 1 8^ g lä 1 Z i .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS Vf «L %, ■ ■ | l V 4AIL IvLu vL ,,Kreisblot! für den Kreis Hießen" zweimal V II W 'VW' ■ V ■ W V VH W V wöchentlich. Die „LandwirtschaftUchen Seit- — f < fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Oberhessen Donnerstag, 4- Mat (W Rotationsdruck enb Verlag der Brüh lösche« Universität^ - Buch- und Steürdrnckerei. 9L Lange, Gießen. Redaktion, Expedition mtb Druckerei: Eckmk- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redakl ton: 112. Tell-Adr.: AnzeigerGießen. mb Deutscher Reichstag. 166. Sitzung, Mittwoch, de» 8. 3JlaL 8m Tische de» BundeSratS: Delbrück, Caspar. Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten und erbittet die Ermächtigung, den deutschen Kronprinzen zu seinem Geburtstage zu beglückwünschen. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf über di« Ausgabe klein er A i t ien. Die Hufhebung des ßflfskaffengefe^es. Abg. Graf b. Westarp (Kons.)' stimmt den gestrigen Ausführungen Trimborns zu. Durch Schwindelkaffen ist bisher großer Schaden angerichtet worden. Tas RegierungSmatcrial ist ganz überzeugend. Die Vorlage ist daher notwendig. Sie ist uns im allgemeinen ganz sympathisch. Der Redner beantragt, die Vorlage an die Reichöversicherungs- Kommission zu überweisen. Abg. Stadthagen (Soz.): Dieser Gesetzentwurf ist geradezu eine Prämiierung für neue Schwindeleien. Er will den Arbeitern den letzten Nest des Selbst- berwaltungSrechtS nehmen. Wieder ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter, weil man die Arbeiter fürchtet. Alles soll dem Ermeffen deö Staates überlasten werden. Tann muß der Staat auch ür die Schäden haften, die nach Inkrafttreten deö Gesetzes noch durch Schwindeleien entstehen. Früher machte daS Zentrum eine olcke Politik nicht mit. Aber jetzt ist eS unter Trimborns Führung tief gesunken. Zum Aufsichtsamt haben die Arbeiter kein Vertrauen. Dort sitzen nur Vertreter der Unter, nehmer. Wir haben nicht die fmmg, daß aus der Kommission etwas Brauchbares herauf fLQtn Man will Sinekuren schassen für pensionierte Offiziere, Un5^«.iziere unb Beamte. DaS macht das volksfeindliche Zentrum mit, wir aber lehnen es ab. Abg. Dr. Neumann-Hofer (Vp.): Mißstände sind vorhanden. Tausende sind durch die Schwindel- kaffen geschädigt worden. Eine Aenderuna der Gesetzgebung ist daher notwendig. Aber die Hilfßkaffen dürfen nicht gefährdet werden, sie müffen bestehen bleiben. Was sollten die Saison, und Danderarbe'tcr ohne sie machen? Auch für höher bezahlte Arbeiter sind sie als Zuschußkasten unentbehrlich, ebenso für nicht versicherungspflichtige Personen, Handwerker usw. Tie Vorlage gebt den richtigen Weg Dir haben nicht die Absicht, zu dulden, daß die Arbeiter entrechtet werden. Abg. Dr. Weber (Natl.): Der Entwurf ist eine brauchbare Grundlage. Die Schwindel, kaffen haben gerade die kleinen Eristenzen schwer geschädigt. Tie bestehenden Gesetze reichen nicht aus. Entschieden weisen wir es zurück, als ob wir bei dieser Vorlage parteipolitische Tendenzen verfolgen. In sozialdemokratischen Kreisen wird genau soviel Schwindel getrieben wie in bürgerlichen. (Lärm b. d. Soz., Zuruf: Gemeinheit!) Vizepräsident Dr. Spalin: Es wurde eben Gemeinheit ge- rufen I Der war es? Abg. Bebel (Soz.) ruft dem Abg. Emmel, der auf sich deutet, zu: Sie haben sich nicht zu melden! Abg. Emmel: Ich war eSl Abg. Bebel: Sie haben sich nicht zu melden, wir sind doch in keiner Schule l Vizepräsident Dr. Spahn ruft den Abg. Emmel zur Ordnung. Abg. BchrenS (Wirtsch. Vflfl.): Die Staatsaufsicht ist mir tausendmal lieber als die sozial- demokratische Bevormundung. So denken Hunderttausende von Arbeitern. Wir werden den Entwurf in der Kommission nach Möglick'keit verbeffern. Die Sozialdemokraten tun hier so, als hätten sie zu bestimmen, was den Arbeitern frommt. So weit ist er noch nicht. DaS tun die Arbeiter im Lande und die anderen Leute im Reichstage ebenso gut wie Sie. (Beifall.) ?lbfl. Ledebour (Soz.): ES handelt sich hier nicht um den Kampf gegen einzelne Schwindler, die überall vorkommen, sondern um den Kampf gegen SchwindeIlasten, _ Die Aussprache schließt. Die Vorlage geht an di« Reich 8 - Versicherungs-Kommission. Petitionen. Eine Reihe von Eingaben wird ohne Debatte erledigt. Das Smpfgefefj. Zahlreiche Petitionen fordern die Aufhebung oder Abänderung des JmpfgesetzeS. Der Reichstag hat sich bereits in zwei Sitzungen mit der Frage beschäftigt. Abfl. Dr. Fleischer (Zentr.): Die Wogen der Erregung über die ablehnende Stellungnahme der Regierung zu den Petitionen geben hoch- Ich bin selbst Leidtragender. Eines meiner Kinder ist nach der Impfung schwer erkrankt, obgleich eS der Arzt vorher ausdrücklich als völlig gesund erklärt hat. Was sagt Geheimrat Kirchner dazu, der den Impf- gegnern gegenüber immer so überlegen tut? Die Herren machen sich die Abwehr sehr leicht. Sie schieben den Erkrankungen einfach andere Ursachen unter. Geheimrat Kirchner erklärte: Wer anderer Ansicht ist als ich, der versteht nichts, der ist nicht sachverständig! — So kommt man nicht vorwärts. Der Impfzwang ist oft geradezu, wie schon Windihorst erklärt hat, eine Gewissenstortur. DaS französische Heer war z. B. völlig burd)geimpft, trotzdem herrschten 1870/71 in ibm überall die Pocken. In England hat man die Erfahrung gemacht, daß nicht durchgeimpfte Bezirke bei Pockenerkrankungen bester abschneiden als geimpfte. Geheimrat Kirchner gab selbst zu, daß die Wirkung der Lymphe nur etwa zehn Jahre anhält. Dann müßte er auch den Mut haben und hier verlangen, daß das bcu' üc Boli in Abschnitten von zehn Jahren zwangsweise geimpft wird. TaS wäre die einzig richtige Konsequenz der Der- tretet deS Jmpia ietzeS mit ihrer sogenannten wissenschaftlichen Ueberzeugung. Stimmen S>' für alle Resolutionen, die hier vorliegen, und vor allem die d.e G e w i s, e n s k l a u s e l einführen wollen. S rgen Sie für die Einberufung einer Kommission, an der Freund: und Gegner sich beteiligen. Abfl. Pfeiffer (Ientr.)r Ganz entschiedenen Protest erhebe ich gegen die Ausführungen deß Geheimrats Kirchner, dec die Jmpfgegner eines verbreche» rischenTreibenS bezichtigt hat. Ein Beamter der Negierung, der an so weit sichtbarer Stelle steht, sollte sich hüten, solche Ausdrücke ju brauw'-n (Sehr wahr! rechts und im Zentrum.) Dann wäre es auch seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, diese Verbrecher vor Gericht zu bringen. Ter Redner wendet sich sodann gegen die Deutsche Medizinische Wochenschrift und die von Professor Schwalbe gegen ihn und seinen Fraktionskollegen Dr. Faßbender gerichteten Angriffe. Jmpfschäden an Leben und Gesundheit sind nicht zu bestreiten. 1874 hat kein Mensch daran gedacht ein ZwangSgesetz zu machen, als das es die Vollzugsorgane jetzt auffasten. Jetzt ist man tatsächlich schon so weit, daß man die Impfung an Gefesselten vollzieht. (Geh. Rat Kirchner: Tas glauben Siel) Eine Reihe deutscher Familien lebt in der Schweiz, um die Kinder vor der Impfung zu schützen. Die Revision der Gesinnung bei den Herren vom Gesundheitsamt unb Medizinalkollegium muß über kurz oder lang kommen. (Beifall im Zentrum.) Abfl. Graf Oppersdorfs (Zentr.)r Die Stellung zur Jmpffrage ist keine Fraktion?, frage. Mißstände im einzelnen. Mißstände von Polizeibcamten soll man an die richtige Stelle bringen. Eine Ueberlastung der Jmpfärzte soll man abstellen usw. Tie rechtliche Grundlage sollte festgelegt werden. Ter Behauptung, das Impfen helfe nichts, steht die medizinische Wissenschaft entgegen. Die SO 000 Aerzte in Teutschland, die doch auch gesunden Menschenverstand haben und dieselbe Gewissenhaftigkeit wie andere Leute, aber ein durch Schulung gesck>ärftes Auge, die Universitäten stehen geschlosten in dem ganzen dreißigjährigen firicae auf feiten der Jmpffreunde. Diese Geschlossenheit gibt doch zu denken und daneben der Blick auf die geradezu verhängnisvolle Statistik in denjenigen Ländern, wo eine ZwangSimpsung nicht besteht. Man beruft sich auf England, aber zwischen England und dem Hauptpockenherd liegt das ganze geimpfte Europa. Von den Naturheilkundigen, von den Jmpfgegnern hier ist noch niemand nad) Rußland in den Pockenherd gefahren unb hat sich ungeimpft in größter Nähe die Sacke angesehen; das müßte geschehen imb hierfür sollte die Regierung 6000 Mk. zur Verfügung stellen. (Heiterkeit. Sehr gut!) Ich bin gegen die G e w t s s e n 8 k l a u s e l, denn da würde bic Agitation die Hauptrolle spielen. Die hier verteilten Photographien machen zum großen Teil stark den Eindruck der Rnoucke. Schaden tut schließlich alles in der Welt: Arzt sein ist gefährlich, Mutter sein, Vater sein kann auch gefährlich fein. (Große Heiterkeit.) Darin sind wir ja alle einig: man sollte wieder eine P o ck e n k o n f e r e n z wie vor 80 unb 20 Jahren ein- berufen. Abg. Sachse (Soz.) spricht fin* die ersten Beiben ZentrumSrebner als Jmpfgcgr 11 unb bezieht sich auf eine Reihe zünftiger Aerzte, die man ' .gjt als Verbrecher abtun könne. Preußischer Geb. Obermedizinalrot Dr. Kirchner: In keinem Lanbc ber Erde ist in den letzten 30 Jahren soviel für die Gesundheit der Nation geschehen wie im Deutschen Reiche: denken Sie an das NeichßgesundheitSamt, die Hochburg der öffentlichen Gesundheitspflege, an die unter Leitung Robert Kochs eingeleitete Seuchenbekämpfung, an die zahlreichen hervor- ragenden Gesundheitsinstitute. Während in Rußland im vorigen Jahre Hunderttausende an der Cholera starben, sind in Deutschland nur 60 erkrankt. Und da wollen Eie cs so darstellen, alt ob den Regierungen in Deutschland die Gesundheit des Volkes gleichgültig wäre? Glauben Sie, daß, wenn cs ein anderes Mittel gegen die Pocken gäbe, wir den Impfzwang aufrecht erhalten würden? Alle Angriffe der Jmpfgegner gegen mich werden mich nicht beirren, nicht weil ich als Arzt voreingenommen wäre, sondern weil ich tief durchdrungen bin von der Notwendigkeit, zum Woble deS deutschen Volkes den Impfzwang aufrecht zu erhalten. Der Redner wiederholt in der Hauptsache die fachlichen Ausführungen, die er bei der Verhandlung vor einigen Monaten schon getan hatte. Der Redner hält daran fest, daß daS Treiben einzelner Jmpf- qegner geradezu verbrecherisch sei. Gebeimrat Dr. Dreger: Die heutige Verhandlung über daS Jmpfgesetz ist die wichtigste, die seit Jahrzehnten im Reichstag über sanitäre Fragen stattgefunden bat. Wird da? Jmpfgesetz aufgehoben, so wird die Zahl der jährlichen Todesfälle in Deutschland um 10—15 000 steigen. Die Pocken sind keine Schmutzkrankbeit. sie ergreifen alle Stände, bringen in Hütten unb Paläste. Ich könnte Ihnen einen deutschen Bundesfürsten nennen, der in England bei der Schaustellung einer wilden Völkerschaft sich ansteckte, und bei dem dann in seiner Residenz die Pocken auslwachen. Auch die österreichische Kaiserin ist an den Pocken erkrankt Die englische Gewiffensklausel ist im Versuchsstadium. Abg. Dr. Faßbender (Zentr.) empfiehlt zur Klärung der Frage die Einsetzung einer Kommission aus Jmpffreunden unb Jmpfgegnern. Abfl. Dr. Mugdan (Vp.) spricht gegen ave Anträge auf Aenderung deS JmpfgesetzeS, auch gegen einen eutfpreebenben Antrag Dr. Müller-Meiningen (Vp.), die Jmpfschäbigungsfälle, die hier immer vorgeführt werden, sind alle nicht so schlimm, auch der deS Dr. Fleischer nicht. (Oho- Rufe.) Verzichten Sie auf die Eisenbahn, weil Eisenbahnunfälle Vorkommen? Reben Sie nicht immer von Gewissenszwang. Denken Sie an bie Schulpflicht, die Militärpflicht! Ein gewisser Zwang ist unvermeidlich. ES wäre ein großes Unglück, wenn wir den Jmpfgegnern auch nut einen kleinen Schritt entgegenkommen würden. Damit schließt die Aussprache. Abg. Bebel (Soz.) erklärt, daß der Antrag Sachse (Soz.), die Petitionen zur Berücksichtigung zu überweisen, kein sozialdemokratischer sei; er sei nur von toemgen seiner Freunde gestellt. Sämtliche Anträge werden abgelehnt. DaS HauS geht über die Petitionen zur Tagesordnung über. Ein VertagungSantrag wirb angenommen. Donnerstag, 2 Uhr: Rechnungssachen. Schluß nach 6 Uhr. Der Aeltenfterat des Reichstage trat am Mittwoch nachmittag wahrend der Vollsitzung zusammen und beschloß, die zweite Lesung der Reichsver- jicherungsordnung am Freitag zu beginnen. Eine Geschäfts- ordnungc-anssprache über die Art der Beratung der Vorlage wird nicht statlftnden. Man wird in die Beratung der Vorlage eintreten iniber gegebenen Paragraphcnsolge. Sitzungs- sreie Tage werden bis zu den Pfingstfeiertagen nicht:, eintreten._____________________________________________________________ Aus den Reichstagsausschüssen. :: Berlin, 3. Mai. Der Ausschuß gegen die Mißbräuche im tzettgewerbe traf heute zur Forlse^ung seiner Beratung roicberjinamnu*n, brach aber nach einer Geschästsordnungsaussorache bic Sitzung wieder ab und vertagte sie auf morgen. Zur Verhandlung steht letzt $ ö ber Vorlage, der unter gewissen Voraussetzungen der Behörde die Möglichkeit gibt, den nichtapprobierten gewerbsmäßigen Krank- heUSbehandlern den Gewerbebetrieb überhaupt zu unterlagen. Tas soll geschehen, wenn Tatsachen uoniegen, die die Annahme begründen, daß durch die Ausübung des Gewerbes das Leben der behandelten Menschen oder Tiere gefährdet oder deren Gesuiidheit geschädigt wird, oder .stunden schwindelltatt aus- gebentet werdeit. Ferner kann der Gewerbebetrieb untersagt werden, ivenn der Gewerbetreibende wegen einer strafbaren Handlung, die mit der Ausübung des Gewerbes in Verbindung steht, r.chts trajng verurteilt ist, bet Uebertretungen im Falle wiederholter Verurteilung. Anträge zu diesem Paragraphen lagen heute noch nicht vor; einzelne Parteien haben dazu noch nicht Stellung genommen. Ter Schifiahrlsabgabenausschaß setzte heute seine Beratung fort bei § 7, der ine Zuständigkeit der Strombeiräte zu regeln hat. (fin fortschrittlicher Antrag, diesen bei wichtigeren Angelegenheiten nicht nur beratende, ionbern auch beschließende Stimme einzuräumen, wurde von der Regierung lebhaft bekämpft und schließlich mit 13 gegen 9 Stimmen abgtlcijni. Angenommen wurde ein Zentrums an trag, der drn Strombeiräten eine erweiterte begutachtende Zuständigkeit zumeist. Aus der Aussprache ist bemerkenswert die Erklärung des Ministers v. Breitenbach, daß die preußische Regierung schon heute in der Lage sei, wenn sie die Elb? kanalisieren würde, Abgaben selbständig innerhalb ber Selbstkostengrenze einzusühren wurde von fortschrittlicher Seite unter Bezugnahme au* bie Eldschissahrtsakte entschieden bestritten, wogegen Ministerialdirektor Peters daraus verwies, daß man bei der .stanaliiierung Dtolbau unb österreichischen Elbe 1896 von österreichischer •sexte 2lbgaben für die Elbe ein führen wollte und sich an die preußische Regierung wandte, um von ihr die erforderlichen Unterlagen zu erhalten. Hieraus wurde von den Fortschrittlern die Vorlegung der Elbschissahrtsakte verlangt, was aber die Regierung ablehnt. Reichstagsabgeordneter Dr. Werner- Butzbach ist in den Bitt schriften-Aus schuß eingetreten und hat dort einen Schriftführerposten übernommen. Aus deutschen Universitäten studierende heften. In dem kürzlich erschienenen Band der preußischen Statistik finden sich auch Angaben über die auf deutschen Universitäten studierenden Hessen. Ihre Zahl betrug im Studienjahre Ostern 1908/09: 1287. Tavon studierten 794 in Gießen, 160 auf preußischen, 334 auf sonstigen deutschen Universitäten. Tie Zahl der in Gießen Studierenden überhaupt (Hessen und Nichthessenbetrug damals 1205, entsprach allo nahezu der der studierenden Hessen auf sämtlichen deutschen Universitäten. Don den 1287 Hessen studierten 80 evang. Theologie, 60 davon in Gießen, 6 kath. Tbeologie. Die Zahl der letzteren ist unvollständig, da nur die kath. Theologen auf Universitäten, dagegen nicht die in Klerikal-Seminaren darin enthalten sind. Nach der Statistik über die Berufswahl der Abiturienten würde sich eine viel höhere Zahl ergeben. Tanach beabsichtigen jährlich ungefähr 15 kath. Theologie zu studieren, was bei sechssemestrigem Studium un- ge'ähi einer Zahl von 40 kath. Theologen entspräche. Rechtswissenschaft studierten 225, davon 144 in Gießen, Medizin 201, davon 86 in Gießen. Weitaus die Mehrzahl >774) gehört der philosophischen Fakultät an, und zwar studierten 334 davon 238 in Gießen) alte und neue Philologie uno Geschichte, 216 (153) Mathematik und Naturwissenschaften, 56 43 Mameralia und Landwirtschast, 37 (10) Zahn Heilkunde, 35 14 Chemie und 31 (12) Pharmazie. Die größte Freizügigkeit Hübet sich also bei den Medizinern (nur 3y/o in Gießen, von den Chemikern nur 45°/o, von Pharmazeuten nur 42°,o unb von den Slubierenden der Zahnheilkunde sogar nur 28°,o. Die hier sich offenbarenden Unterschiede sind im wesentlichen bedingt von dem größeren ober geringerem Zwang für die hessischen Studenten, ihre Studien in Gießen abzuschließen, ferner auch von der ungleichen Dauer des Studiums und von den ökoiwmischen Verhälinissen der einzelnen. Tie Freizügigkeit hat nach der Tarmsl. Ztg. im Lause der letzten Jahre fast in allen Fakultäten einer größeren Seßhaftigkeit Platz gemacht: 1886/87 betrug die Zahl der nicht in Gießen studierenden Hessen 455/0, 1906/08 nur noch 400/0. Ob und wieweit I diese Erscheinung begrüßenswert ist, läßt sich nicht ohne weiteres I ausmachen. Sicherlich kann die Neigung unserer ftubierenbar Jugend, andere Länder, pudere Menschen und andere Sitten kennen zu lernen in einem Alter, wo bie Seele für neue Einbrücke noch empfänglich unb bie Bildung des Geistes wie des Charakters nock) nicht abgeschlossen ist, nicht hoch genug bewertet werden. Daß ber Universitätswechsel auch seine Schattenseiten hat, unb baß er, wenn er gewisse Grenzen überschreitet, aus einer löblichen unb nützlichen Sitte zu einer schäblichen Unsitte werden kann, soll nicht geleugnet werden. Welche auswärtigen Universitäten von den hessischen Studenten bevorzugt werben, läßt sich auf Grunb der vorliegenden Statistik leider nicht ganz beantworten. 'Jüigabeti sind mir für die preußischen Universitäten vorhanden. Tie größte Anziehungs trait übt Berlin aus 62 Studenten im Studienjahr 1908/09), unb zwar mehr im Winter als im Sommer. Tie Mehrzahl der dort studierenden Hessen gehört ber philosophischen 37, und luristischen Fakultät (16) an. Außerdem sind stärker besucht Marburg (30), im Winter unb Sommer gleichmäßig, ebenfalls meist von Angehörigen der philofophifchen Fakultät (15), Bonn (21 , Stiel (17), das fast ausschließlich im Sommer und besonders von Medizinern <8) bezogen wird, unb ferner Göttingen (14 . Setzt man in den einzelnen Staaten und Lanbesteilen die akademische Jugend, soweit sie sich auf Universitäten berinbet, ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, io zeigt sich, baß ihr Anteil weitaus am größten in Hessen ist. Auf 10 000 männl. Pcr> kommen hier 21,3 Stub., im Reich nur 14,3. In ziemlichem Abstano von Hessen folgt Baden mit 18,4. Tiefe Vorrangstellung nimmt Hessen auch bei der medizinischen und ohilosophischen Fakuttät ein, wo der Anteil 3,3 bezw. 12,8 ,Reichsdurchschnitt 2,3 bezw. 7,1) beträgt. Im bet theologischen Fakultät wirb cs nur non Württemberg (1,7 gegen 1,3), in der juristischen ! Hessen 3,7 > von Brandenburg mit Berlin (5,6., Bremen 5,5., Hessen-Nassau 4,5), Bayern '4,1) unb der Rheinvrovinz (3,9) übertroffen. Wenn auch diese Ziffern unzweifelhaft bas hohe Bildungsniveau unterer Bevölkerung zum Ausdruck bringen, so können sie doch bei der gegenwärtigen Ueberfüllung aller gelehrten Berufe nur mit sehr geteilten Gefühlen ausgenommen werden. 2lus 11110 Land. Gießen, 4. Mai 1911. Die Gießener Lesehalle. Tie Lese- und Bücberbatlen, wie sie fetzt so zahlreich bestehen, dürfen eine hervorragende Stelle unter nuferen sozialen Einrichtungen beanspruchen, und über ihre große Bedeutung im gesamten Volksleben ist kein Zweifel mehr. Sie haben die wichtige Aufgabe, den breitesten Schichten unseres Voltes dauernd Bildungsstoss und Bildungsmtttel: zuzusühren; alle sollen an den geistigen Gütern der Nation f teilnehmen. Mit Recht hat schon DH. Carlyle inmitten der sozialen Wirren seiner Zeit die allen Kreisen gleichmäßig zugängliche öffentliche Bibliothek als die Universität des Voltes bezeichnet. Abseits jeden Parteitreibens will die Lesehalle der Weiterbildung durch belehrende Werke dienen und durch gute unterhaltende Bücher — den besten 'Schutz gegen die Schundliteratur und ihre schlimmen Er- scheinungen — aus dem prosaischen und trocknen Pflichtenkreise des Alltagslebens emporheben. Diese hohe Aufgabe Lu erfüllen, ist die 1898 durch den Lesehallenverein ins Leben gerufene und aus freiwilliaen Beiträgen unterhaltene Gießener Bücher-und Lesehalle die Jahre hindurch nach Kräften und mit Erfolg bestrebt gewesen. Dank dem Entbegenkommen der städtischen Verwaltung ist ihr jetzt ein werteres Torhäuschen, das am Theater, Kur Verfügung gestellt worden, so daß die räumliche Entwicklung nicht mehr gehemmt ist. Größere Kosten, einmalige und ständige, wird der in Zukunft getrennte Betrieb der Ausleih-Bibliothek und der Leseräume erfordern. Hochherzige Unterstützung wird dem Verein diese Schwierigkeit erleichtern; es fehlt aber an Mitteln zur zeitgemäßen Ergänzung und Erneuerung des Bücherbestandes. Diese ist rns Stocken geraten, und die Neuanschaffungen haben schon in den letzten Jahren aufs empfindlichste eingeschränkt werden müssen; die Lesehalle kann aber nur ihren Zweck wirklich erfüllen, wenn namentlich die belehrenden Werke dem neuesten Stande des Wissens entsprechen. Dieser ihrer vornehmsten und dringendsten Aufgabe kann sie fernerhin nicht genügen, wenn ihr nicht mehr Mittel als bisher zur Verfügung stehen. Es handelt sich um eine gute und wichtige Sache, da darf der Verein bei der gemeinsinnigen und dildungsfreudigen Bevölkerung Gießens sicher auf verständnisvolle Unterstützung rechnen, wenn er sich demnächst mt die zahlreichen Bürger unserer Stadt, die noch nicht Mitglieder des Lesehallenvereins sind, obwohl sie dazu in der Lage wären, mit der Bitte wendet, ihm beizutreten, unb an die bisherigen Mitglieder, durch Erhöhung ihres Beitrages oder durch einmalige Spenden diese gemein- ttützigen Bestrebungen noch kräftiger zu fördern. * ** Eine AusschUßsitzung des landwirtschaftlichen Provinzialvereins fand hier im Cafe ,Ebel am 1. Mai statt. Die Rechnung für 1909 wurde vor- gelegt. Der Ausschuß, bestehend aus dem Präsidenten, dem Ki:eisrat Boeckmann und dem Oberverwalter Erb-Stock- hausen, berichtet über die Beschaffung von Diplomen und Denkmünzen, die in Zukunft an landwirt- schaftlicheDien st boten für langjährige treue Dienste gegeben werden sollen. Das vorgelegte, von einem einheimischen Künstler gemalte Diplom, das durch Druck vervielfältigt werden soll, und die silberne Denkmünze sanden allseitigen Beifall. Die Ausführung wird ausgesetzt his zur Entscheidung über die Frage, ob der landwirtschaftliche Provinzialverein nach dem Anträge des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Alsfeld im Jahre 1912 aufgelöst werden soll. Die Mitgliederversammlung, die im Dezember stattfindet, wird darüber zu befinden haben. In dieser Versammlung würde auch das Präsidium neu zu wählen sein. Der jetzige Präsident, Oekonomierat Schiente, gab die Erklärung ab, das Präsidium, in dem er einige dreißig Jahre Wirksam war, dann niederlegen zu wollen. ** Maul-und Klauenseuche. Das Ministerium des Innern hat für die Kreise Darmstadt, Bensheim, Dieburg, Offenbmh, Gießen, Lauterbach, Mainz und Worms langeordnet, daß infolge der wiederholt vorgekommenen Ausbrüche von Maul- und Klauenseuche bei Tieren, die von größeren Schlachtviehmärkten kamen, angeordnet, daß Tiere in le b en dem Zu stände aus den Schlacht- böfen der genannten Kreise nicht entfernt werden dürfen. Besonders gilt dies für die im Bereiche mancher Schlachthöse untergebrachten Schweine, die zu Zeiten des Herrschens der Seuche oft ständige Seuchenherde bilden. Ferner wurde verfügt, daß unter den erwähnten Umständen der Beseitigung des Düngers und der Schlachtabfälle aus Schlachthöfen und Schlachthäusern eine besondere Auf- merksamkeit zuzuwenden sei. Landkreis Gießen. H- Wieseck, 3. Mai. Hier fand' gestern eine Gemeinderatssitzung statt, in der wegen des Neubau es eines Schulhauses beraten wurde. Ein Vertreter der Kteisbauinspektion war zugegen. Die Pläne, die von der Großh. Baubehörde vorgelegt wurden, sehen einen zweiklassigen Anbau an das neue Schulhaus vor, der mit einem Kostenaufwand von etwa 19 000 Mk. zu erbauen wäre. Auch soll eine Zentralheizung für diese Schule angelegt werden. In dem Erdgeschoß ist ferner für die Schüler ein Brausebad mit 20 Brausen vorgesehen; die Arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß mit dem 1. Oktober eine Klasse bezogen werden kann. Heute mittag 4 Uhr tagte der Ausschuß für Einführung von elektrischerEnergie. Oberbürgermeister Mecum- Gießen erläuterte an. Hand einiger Vorträge die Einführung von Licht und Kraft. Es wurde hierüber eine Einigung erzielt und es soll demnächst dem Gemeinderat ein Vertrag unterbreitet werden. Die Gemeinde ist gewillt, die Anlage auf eigene Regie zu übernehmen. Auch wurde die Frage wegen der elektrischen Straßenbahn berührt, jedoch scheint Gießen, im Gegensatz zu anderen Städten, den Anschluß seiner Vororte nicht zu suchen, denn der von der Stadt geforderte Preis ist so hoch gesetzt, daß sich die Gemeinde an ein solches Unternehmen nicht heranwagen kann, ohne eine große Mißstimmung unter den Bewohnern zu erzeugen. Kreis Alsfeld. § Rupp er tenr o d, 2. Mai. Eine Schar seltener Gäste übernachtete auf heute in unserem Ort. Zigeuner — aber nicht Zigeuner der gewöhnlichen, landläufigen Art, sondern wohlhabendere. In zwölf schönen, reich verzierten Wagen, an deren Stirnseite zwei Adlerprofile prangten, kamen sie angefahren. Das Pferdemateriäl war tadellos, manches Geschirr silberplattiert. Auch die Kleidung der Fremden zeigte nicht das lumpige Kunterbunt der gewöhnlichen Horden. Sie bettelten auch nicht, sondern versuchten zu kaufen. Als ihr Gewerbe bezeichneten sie Pferdehandel, Gymnastik und — Wahrsagen. Nur in einem Fall verachte eine braune Genossin beim Geldwechseln, bei dem sie an 1/2 Markstücken mit glattem Rand zu suchen vorgab, ein 1/2 Markstück verschwinden zu lassen. Die Geschäftsinhaberin hatte es jedoch bemerkt und erzwang die Herausgabe von der Handfertigen. Kreis Lauterbach. — Lauterbach, 2. Mai. lieber das letzte Schuljahr der hiesigen Webschule erstattete der Hauptlehrer Pfund el fol- genben Bericht: Das Hauptergebnis des vergangenen Jahres war wohl die Eröffnung des n e u e n S ch u l g e b ä u d> e s. Nachdem der für die Web- und Handwerkerschule errichtete Neubau im vorigen Jahre im Rohbau fertiggestellt worden war, wurde int Sommer der innere Ausbau Vollender. Unterdessen war auch der 'ältere Bau, der den Websaal enthält, uw gebaut, so daß die Einweihung des Neubaues am 15. Oktober begangen werden konnte. Der Schulbetrieb hatte durch die Bauarbeiten vielfache Störungen erlitten. Von älteren Schülern fanden sich drei nochmals für längere Zeit ein, bis sie eine Stellung gefunden hatten. Die Oberklasse besuchten 11 Schüler, wovon zwei die Schule vorzeitig verlassen haben, so daß sich bei Schulschluß 9 der Prüfung unterziehen konnten. In die untere Klasse eingetreten sind 10 Lehrlinge und weitere 3 in den halbjährigen theoretischen Kurs, so daß die Schule von 27 Schülern besucht war. Es war dies die höchste bisher erreichte Ziffer. 20 waren aus Lauterbach, 3 aus Frischborn, 2 aus Maar, 1 aus Wallenrod und 1 aus Sorau in der Miederlausitz. ßln Kostgeldern wurden 5049 Mk. gezahlt. Angefertigt wurden in der Webschule 515 Stück verschiedene Waren für Fabrikanten aus Lauterbach, Schlitz, Alsfeld und Lardenbach, wofür 1946 Mark Weblöhne vereinnahmt, außerdem aber für 279 Mark selbstgefertigte Waren verkauft wurden. An Schulgeld gingen 130 Mark ein. Trotz der hohen Schülerzahl sind die vorgesehenen Weblöhne nicht erreicht worden. Es ist dies darauf zurückzuführen, daß durch den Umbau des Webfaales der Betrieb Längere Zeit gestört war, eine weniger lohnende Arbeit wie sonst zu leisten war, auch hatte der Fleiß mancher Schüler zu wünschen übrig gelassen. Alle diese Umstände zusammen haben darauf hingewirkt, daß das abgelaufene Jahr mit einem' größeren Fehlbetrag abschloß. Soweit sich übersehen läßt, werden die Verhältnisse im kommenden Jahre künftiger werden. Der Erneuerungsfonds wurde im Berichtsiahre durch die Anschaffung von 4 Webstühlen und 6 Motoren nebst zugehöriger Leitung mit dem Betrage von 3800 Mark in Anspruch genommen. Für Möbel und Einrichtungsgegenstände konnten 348 Mark cmfgewenbet werden, welcher Betrag vom Landesgewerbeverein besonders bewilligt worden war. Kreis Schotten. 8. Höckendorf, 3. Mai. lieber unseren Ort brauste liefet: T.age eine Windhose und richtete große Verheerung'an. Die Halle der hiesigen Holzschneiderei, die zum Aufbetvahren von Dielen, Balken u. bergt, dient, wurde umgeb'lasen wie ein Kartenhaus. Auf dem Wege, den die Windsbraut nahm, wurden die Dächer glatt abgedeckt, Schornsteine umgestürzt, Bäume entwurzelt, Fensterscheiben zertrümmert. An einem Hause wurde ein Fenster von der Gewalt des Sturmes herausgehoben und mit solcher Wucht auf die Wiesen geschleudert, daß man das Fenster vorerst gar nicht zu finoen vermochte. Ein solcher Orkan gehört in unserem Tale zu den seltensten Vorkommnissen. x Aus dem Vogelsberg, 3. Mai. Unsere Ort- schaften wurden jüngst von Photographen besucht, die im Auftrage eines Geschäftes aus Eisenach fast alle Häuser der Dorfschaften aufnahmen. Auch anziehende Bilder der Dorftchaft wurden photographiert. Jetzt erscheinen die Reisenden der Firma mit den Bildern, bereit Abnahme ber Bilber beit Leuten frei steht. Wie lukrativ übrigens bie§ Geschäft sein muß, zeigt ber Absatz ber Bilber tn einem Ort ber Umgegenb Gießens, in bem, nacfy Aussage des Reisenben, für über 1000 Mk. in Bilbern unb Postkarten bestellt würben. Hessen-Nassau. ( ) Marburg, 3. Mai. Zwei Polizeibeamte aus Rosenthal lieferten heute nachmittag einen von hier gebürtigen jungen Mann ein, ber im Verbacht steht, ben Raubmorbversuch am Samstag verübt zu haben. Der Betreffenbe, ber früher bei ber Firma Weis Haupt gearbeitet hat, machte sich, obwohl er arbeitslos war, in ben letzten Tagen burch größere Gelbausgaben verbächtig, man fanb bei ihm auch einen zweimal abgeschossenen Revolver. Er begab sich gestern nach Gemünben unb würbe bereits abenbs burch einen Marburger Kriminalbeamten verhaftet unb bann ins Rpsenthaler Gefängnis gebracht. Die Gegenüberstellung mit bem Verletzten soll morgen erfolgen. _______________________________________________________ (ßeridnsiaaL Wiesb aden, 3. Mai. Die Arbeiterin Sophie Christens von Biebrich hatte zeitweilig einen Arbeiter namens K. aus Wiesbaden bei sich wohnen, welcher im September 1908 zu einer Reserveübung eingezogen wurde. Während K. noch bet seiner Hebung war, verschaffte sich Frau Ehr. feine Heiratsurkunde, präsentierte sich als Frau K. auf der Wiesbadener Stadtkäfse und erhob die bei derarttgen Hebungen gezahlte Unterstützung mit 12,48 Mark. Vor der Sttafkammer gab die Frau an, die rückständige Miete des Mannes mit dem Geld bezahlt zu haben, was aber nicht zutrifft. Sie wird wegen Betruges und Hr- kundenfälschung zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Berlin, 3. Mai. Ter große Spielerprozeß gegen den Generalagenten Josef Matiske und fünf Mitangeklagte, in dem es sich um die bekannte Affäre des mehrmals von der Berliner Kriminalpolizei in der Wilhelmstraße gesprengten Spielklubs handelte, fiel der Vertagung auf morgen anheim, da sich bei Sitzungsbeginn ergab, daß Matiske nicht erschienen war. Das Gericht erließ deshalb Haftbefehl gegen Matiske. Zweibrücken, 3. Mai. Das Schwurgericht verurteilte gestern den Fabrikarbeiter Georg B r i g a l d i n 0 aus Pirmasens, der am 27. Januar dieses Jahres in Pirmasens aus den dortigen Schafhüter Jakob Arendt mehrere Revolverschüsse abfeuerte in der Absicht, diesen zu töten, wegen Mordversuchs zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust__________________________ Lustschiffahrt. Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein. Frankfurt a. M., 3. Mai. Tie Meldungen zum deutschen Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein sind außerordentlich zahlreich emgelaufen. Bis zum 1. Mai waren 18 Flieger gemeldet: Emil Jean n in (Aviatik), Charles La eml in (Aviatik), Eyrin g (Albatros), Brun b über (Albatros), W i r t e rst ä t t e r (Euller), Hellmuth Hirt, Vertreter Bruno Jablonsky (Rumpler-Etrich', Robert Thelen (Wright), Bruno Warntgen (eigene Konstruktion), Leutnant v. H a m m a ch e r (Euler), Leutnant Scanzoni v. Lichtenfels (Euler), Leutnant v. Hidessen (Euler), Ingenieur Otto Reichardt Euler), August Euler (Euler,, W. D a ck e r (Euler), Willi Reinhard (Etrich-Rumpler), Ingenieur Hans Krastel (eigene Konstruktion), Dr. I. Hoos (eigene Konstruktion), sowie Oberleutnant H. Roser (Aviatik), der gestern bei Haxheim verunglückte und deshalb ausscheidet. Da nur 15 Teilnehmer angenommen werden dürfen, muß der Sportsausschuß am nächsten Sonntag die Entscheidung treffen. Falls das preußische Kriegsrnmisierium den Offizieren die Teilnahme trotz der gegenwärtig gepflogenen Verhandlungen nicht gestattet, treten die sieben Euler-Flieger zurück- Tie Kartellvereine haben heute beschlossen, einen Offizier-Sonderflug auszuschreiben, der nur die letzten Stationen: Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Ai a i n z, Darmstadt und Frankfurt berührt. Das Kriegsministerium hat zugesagt, hierzi« einige Offiziere der Militär-Fliegerschule in Töberitz zu beurlauben. Tie Preise bestehen in E h r e n p r e i s e n die von hohen Gönnern der Veranstaltung bereits gestistet sind. Rom, 3. Mai. Der italienische Flieger Marra wollte gestern einen Ueberlanbflug über Toskana unternehmen. Vorher führte er mit einem Fahrgast über der Stadt Pisa Flüge aus, als plötzlich der Apparat 30 Meter tief h e r a b st ü r z t e. Der Flieger wurde besinnungslos aus den Trümmern hervor- gezogen. Man befürchtet, daß er innerlich schwer verletzt ist Der Mitfahrer wurde nur leicht verletzt. Petersburg, 3. Mai. Der französische Flieger Ble- riot ist hier eingetroffen, um einige vom Kriegsministerium erworbene Flugmaschinen abzuliefern unb eine Fliegerschule zu eröffnen. Kleine Tageschromk. Im Dorfe Ziegelerben bei Coburg erschlug ber 60jährige Musiker Graf feine gleichaltrige Frau, weil fit ihm Geld zum Trunk verweigerte. Der Mörder würbe verhaftet. J-n Sonderburg erfolgte am Mittwoch mittag bie Einweihung eines Seemannsheim für Unteroffiziere und Mannschaften der kaiserlichen Marine, an ber il a. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen teilnahmen. In Brzezowitz (Oberschlesien) stürzte beim Auswechseln der Masten der elektrischen Leitungen ein schwerer eiserner M a ft um und fiel in eine Schar spielender Kinder. Ein lljähriger Knabe wurde getötet, sein kleinerer Bruder lebensgefährlich unb zwei andere Knaben schwerverletzt. In Spitzberg im bayerischen Wald ftarb die wohl älteste Bewohnerin Deutschlands Josefa Eder im Alter von 116 Jahren. In Zürich erschoß der Barbier Bucher, der von ber Armenpolizei mit seiner Familie in seine Heimatgemeinde geschafft werden sollte, zwei seiner Kinder, verletzte seine Frau und ein drittes Kind schwer und beging dann Selbstmord. Aus Nancy wird gemeldet: Ein Boot mit zwei Studenten, die eine Fahrt auf die Meurthe unternommen hatten, kenterte. Einer ber Insassen ertrank. — Bei Cahore kenterte ein Boot, in dem sich vier Militarmusikev befanden, im Lot. Drei Soldaten ertranken. — Bei Havre ereignete sich auf dem Kanal von Tancarville ein ähnliches Unglück, dem drei Arbeiter zum Opfer fielen. In Port de Buc bet Marseille nahm bie Polizei in einem von Apachen besuchten Nachtlokal sieben Verhaftungen von Mädchenhändlern vor. Markte. ko. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 3. Mai. Aufgetrieben waren 1544 Schweine. Vollfleifchige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 47.00 49.00 Mk., Schlachtgewicht 60.00-62.00 Alk., vollfleifchige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 46.00—47.00 Mk., Schlachtgewicht 59 — 60.00 Mk.; vollfleifchige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 47.00—49.50. Mk., Schlachtgewicht 59.00—61 Mk.: vollfleifchige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 48.0<)—49.50 Mk., Schlachtgewicht 60—61.00 Mk.; Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht 00.00 bis 00.00 Mk., Schlachtgewicht 2)0.00-00 Mk. Sauen 00—00 Mk. Geschäft langsam, bleibt etroaL0'* Erstand. F.C- Wiesbaden. V ieE/J^ -Mark tberi cht vom 3. Mai. Auftrieb. Rinder 39 (Ochsen II, Kühe 28, Bullen 00), Kälber 276, Schafe 22, Schweine 449. Tendenz: Rinder gedrückt, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig. Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittspreis fiebenb» schlacht' pro 100 Pfund ... Lebend. Schlacht, O chf en. von-vlSvon-biS -«wicht Dollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtivertes, höchstens 6 Jahre alt 47—49 85—89 48 87 Junge, fleischige, nicht ausgemäste und altere ausgemästete 43—46 83—84 44 83 Ungejochte 49—51 89—91 60 90 Bull en. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes 44-46 80—84 45 82 Vollfleischige, jüngere 40—43 75—78 41 76 Färsen, Kühe. Dollfleischige ausgemästete Färsen höchst Schlachtivertes. . . . . . 46—50 34—87 48 85 Dollflelschige ausgemästete Kühe höchst Schlachtivertes bis zu 7 Jahren. . 40—43 77—78 41 77 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 35—39 70—75 37 72 Kälber. Feinste Mastkälber 66—63 110-114 67 112 Mittlere Mast- und beste Saugkälber . 59-62 98-106 60 102 Geringere Mast- und gute Saugkälber 54—57 90—95 55 92 Geringere Saugkälber..... 48—53 80—89 50 84 Schafe. Weidemastschafe 45—00 90—00 45 90 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht........ 47—48 60—62 47 61 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 47 —48 60—62 47 61 Dollflelschige Schweine über 21/, Zentner Lebendgewicht........ 45—46 58—60 45 59 Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht ........ 46—48 59—61 47 60 Ueberstand bei Rindern, Kälbern, Schafen und Schweinen. Limburg a. d. Lahn, 3. Mai. Fruch tmarkt. Durchschnittspreis pro Malter Roter Weizen (naffauischer) 17,00 Mst weißer Weizen (angebaute Frenidsorte) 16,50 Alk., Korn 12,50 Alk., Gerste: Futtergerste 0,00 Alk., Braugerste «0,00 Mk., Hafer SIL 8,75, Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 8,50-9,00 Alk. -■■iju ..■■■■■ ....... .....■ 1 ———■ Airchliche Nachrichten. Israelitische Rehgionsgemeinoe. Gottesdienst in 0er Spnagoac (Süd-Anlages Samstagden 6. M a i 1911: Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Predigt. Sabbatausgang: 8.45 Uhr. israelitische tteliglonsgesellschast. Eotterdienft. Sabbatfeier am 6. Mai 1911: Freitag abend 7.30 Uhr. Samstag morgen 8.00 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.45 Uhr. Wochengottesdienfi Morgens 6.00 Uhr, abends 8.45 Ubr. Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben. Mai | 1911 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Grad ba Bewölkung In gehnlet ber Rchtb. tztmmekfl. Wetter | co cd 2» 747,5 17,7 7,8 52 8 2 7 Bew. Himmel 9“ 746,7 13.9 8,3 70 8 2 8 u 4. 7« 745,7 10,4 7.8 84 8 2 5 Sonnenschein Höchste Temperatur am 2. bis 3. Mai — -f- 18,6 6 3. Niedrigste , , 2. , 3. , =- + 3,3 0, Niederschlag: — 0,0 mm.______________________ G.ilenneberg1, Zürich Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! Sanatorium Lindenfels zwischen Darmstadt—Heidelberg, 400 m hoch herrl. gelegen, (ss F1 Section iberhtssen Samstag Den 6. Mar: Spaziergang mit Damen. Hochwart-Schiffeuberg. [v*0/, Abmarfch: Ecke Schiffenberger Weg-Licher Strafte 2 Uhr nachm. Wanberzeit 2V, Stunden. V.H.C. T erhielten die allbekann- ten Van den Bergh'- W- sehen Margarine-Pro- Jüktc, vorz.t die als Ersatz bester Butter einzig dastehenden Marken Stets frisch tu haben In allen einschlägigen tSeschlften. 2762 West Anlage. Seltersweg 87 II 3000 LAden etc. 2952 Gut erhaltener | 5 Zimmer Nicgelpsad 22. 08678J 2984 Gesucht -um 1. Juni ein an- 19 48 8? 14 [2981 4 Zimmer vart. 4 48 to 7! > N SelterSweg 50. 96 45 ■00 61 47 ■62 61 47 ■62 » 45 -60 66 47 -61 latia war sucht für >oi. «Vieuunn- - Geil. 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