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Gttober 1911 General-Anzeiger für Gberhefsen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Univ. Buch und Zteindruckerei R. Lange. Nedaltion, Erpedition und Vruckerei: Zchulftrahe 7 Büdingen: Zernfprecher Nr. 269 SeschäftLstclle Bahnhofstraße 16a. Der Gießener Anzeiger erlcheinl täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SirtzenerZamillcnblStter; zweimal ivöcbcntl.Kteis» blatt für ten KreU ®ießcn (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land» wirtschaftliche Seit,ragen flerniprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. (Expedition 51 Adresse tiir Depeschen: Anzeiger «testen. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Vezn gSvreiS: monatlick75Ps., viertel» jährlich Mk. 2.20; dnrck Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.— uicrtel- jabvL ausjchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ ausivärts 20 Pfennig. Chefredakteur: ?l Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für , Feuilleton.Vermischtes* und „®cucl)t*|oai": St Neurath; für .Ltadt und Land*: E.Hcß; für den Anzeigentetl: H. Beck. Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten. Der itaiiemich-türrijche Krieg. Vom Kriegsschauplätze darf mau auch für die Zukunft keine großen Lchlachtenverichte erwarten. Tie türkischen Truppen in Tripolis haben sich ins Innere zurückgezogen. Ferner ist durch das österreichische Dazwifchentrcten den Italienern die Möglichkeit genommen worden, die Küste von Albanien und Epirus zu beunruhigen. Tie heute zur Veröffentlichung kommende interessante Tarstcllung über oad Gefecyt tm Hafen von San Juan di MeDua betrifft das Ereignis, das einige Tage zurüä'liegt und von Oesterreich vielleicht schon mit zur Sprache gebracht worden ist. Zur Begrenzung des Kriegsschauplatzes kommt sodann noch hinzu, daß es noch gar nicht-so sicher ist, ob die Türkei ihr angedrohtes schärfstes Mittel, die Ausweisung aller Italiener, voll zur Amvendung bringen wird. Der deutsche Botschafter in Konstantinopel soll dem Großwesir geraten haben, davon AbstanD zu nehmen, da die Türkei sonst die bisher auf seiner Seite gewesenen Smnpa- rhien der Völker verlieren werde. Eine solche Maßregel sollte, so meinte der Botschafter, wohl überlegt werden. Es wäre unseres Erachtens aber kein großes Wunder und müßte verständlich gesunden werden, wenn Sie Türkei die Ausweisung doch durchführt oder, bei einem letzten Ver- inittlungsversuch androht. Tenn Herr Giolitti, der in Turin eine große Rede gehalten hat, mag so schön sprechen wie er will — er kann Die Tatsache nicht verdrehen, daß Italien lurzerhand einen Raubzug unternommen hat. Zu den äußeren Schwierigkeiten, die die Türken durchzulämpsen liaben, ist nun auch noch eine innere Krisis hinzugekommen. Ter Wiener Botschafter will den zurzeit allerdings schr undankbaren "Posten eines Ministers des Auswärtigen nicht annehmen, und es schweben über die Besetzung des Postens noch Perhandlungen. Man kann es Raschid Pascha wahrlich nicht verübeln, daß er sich gegen ein Amt sträubt, dessen erste Tat vermutlich die Abtretung einer türkischen Provinz jein sollte. Tie Türkei ist schlecht gerüstet,mnd das Komitee 'iir Einheit und Fortschritt ist nicht einmal mehr in sich 1 elbst einig. ® Am Samstag soll, nach einer VLeldung der „Franks. Ztg.", die italienische Torpedobootflottille zwei weitere tüi> iische Torpedoboote in den Grund gebohrt haben. Ob das »aljr ist, ist noch unbestätigt. Wir erhalten folgende Meldungen: Die Italiener in Tripolis. Rom, 8. Eft (Agenzia Stefani.) Nachrichten, die Schiffe aus Tripolis nach Augusta überbracht haben, besagen: Tie Beschießung von Tripolis erfolgte am Dienstag. Tie folgenden Tage wurde mit der Zerstörung der Forts Hamidie und Sultania fortgefahren. Am selben Tage durchsuchte man die Batterie von Hamidie und machte die Geschütze unbrauchbar. Am Tonnerstag erfolgte westlich von Tripolis die Ausschiffung von ALa- trosen, die Sultania und Hamidie besetzten. Tie italienische Flagge ist auf Fort Sultania gehißt worden, zur selben Zeit wurden auf der Batterie Hamidie die Mu- nitions- und Pulverlager in die Luft gesprengt, da diese für die Türken ein Grund, die Rückkehr zu versuchen und Mittel zur Verteidigung bilden könnten. Untcrbeffen schritt man zur Durchsuchung der Leuchtturm-Batterie, die die anderen Batterien der Stadt beherrscht. Nachdem die Möglichkeit der Besetzung festgestellt wurde, wurde diese Batterie von Matrosen besetzt. Inzwischen erschienen an Bord des Panzerschiffes „Bcnedetto Brin" drei Araberhäuptlinge, um ihre Unterwerfung anzuzeigen. Als Vertreter des Konsularkorps erschien der deutsche Konsul, der den Kommandanten bat, die Stadt zu be- schen. Ties geschah. Wie dem „Messagero" aus Augusta gemeldet wird, erzählen Dort aus Tripolis eingetroffene Flüchtlinge, die Türken hätten aus Mutlosigkeit oder aus Mangel an Lebensrnitteln sich ins Innere zurückgezogen. Die Araber lassen sie vollständig im Stich; sie verkauften dem Kommandanten Cagni für wenige Franken vorzügliche Flinten. Aus Terna wird gemeldet, daß Die Türken insbesondere wegen Mangels an Lebensmitteln sich werden ergeben müssen. Eine Rede des italienischen Ministerpräsidenten. Turin, 7. Oft. Heute abend fand im Königlichen ern Drner von elfhundert Gedecken zu Ehren d«es Ministerpräsidenten .Giolitti statt. Anwesend waren ^zahlreiche Minister, sämtliche Unterstaats- tekretare, viele Senatoren und Deputierte, die Bürgermeister von ganz Piemont und hervorragende Persönlichkeiten ganz ötalten5. Juf Dem Platze vor Dem Theater wartete eine gewaltige Menschenmenge auf Giolitti, Der aber Durch eine Hintertür Da» Theater betrat. Hier wurde er von einer großartigen HulDigungskundgebung empfangen. Alle An- loesenden erhoben ,tch und riefen: Es lebe Giolitti' Tie Beifallskundgebungen dauerten mehrere Minuten. l i^tt i Dankte in einer Rede, Die er beim Bankett im ^mgltchen ^Heater hielt, zunachit Dem Bürgermeister von Turin w rur dte Veranstaltung des Banketts und drückte L Stadt -rurin unD den Veranstaltern Der Ausstellung seine Mttkcnnung aus. Tie .Ausstellung liefere Den Beweis, daß fein oi-ifHn?1 ,Dx»Ut% ^,lt< Cm Fragen der inneren PoU- ! ö.u und betonte, die vebung Des vierten Standes einen höheren ^tard der Kultur, fei das Dringendste Problem Gründen der Gerechtigkeit, sondern auch vom wirl- ’S Standpunkte, denn nur die tätige Teilnahme an jeber Form öo^ Fortschritts von weiten des ganzen Volkes könne Den Reich. hrm des Landes hervorbringen. Giolitti erörterte und verteidigte die Gesetzentwürfe bertessend Das L c b e n s Versicherungsmonopol und das allgemeine Wahlrecht. Tie Reform des Wahlrechts werde am Anfang der neuen gesetzgeberischen Periode es ermöglichen, die großen Reformen ausznführen. Denen Italien zu strebe. . .. lieber die auswärtige Lage tagte Mmisterpraiident Giolitti: Tie großen Fortschritte Des italienischen Volkes, von Denen ich gesprochen habe, nuiiien uns gerade, weil sie zeigen, welche bcivunderungcwürdigen verborgenen Strafte Das italienische Volt besitzt, Die lleberzeugung verschaffen, daß wir erst am Anfang einer neuen Periode unserer Geschichte sind, in welcher dec höchste Grad der Slultur, des Wohlstandes, der wzialen Gerechtigkeit im Innern und eine Stellung in der Welt, Die der ruhmreichen Vergangenheit der italienischen Waffe mehr entspricht, abhängen werden von der Art, in welcher Regierung und Volk es verstehen, ihre Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen. Als das gegenwärtige Ministerium sich dem Parlament rwrstellte, erörterte cs in allgemeinen Umrissen Das Programm für die innere und äußere Politik.' Tie auswärtige Politik ist ein Stofs, Der nicht geeignet ist für zu genaue Erklärungen, Da sic sehr oft in ihrer Entwicklung Er- eigniffen unterworfen ist, die nicht von unserem Willen abhängen. Ich persönlich bin öfters beschuldigt worden, mich nicht genügend mit ihr zu befassen, das rührt Daher, daß ich mich immer bestrebt habe, so wenig als möglich über Die auswärtige Politik au sprechen, da mich Die Erfahrung gelehrt hat, daß es keinen Minister Des Äußern jemals gereut hat, geschwiegen zu haben. Es wäre jedoch nicht richtig, zu behaupten, daß das gegenwärtige Ministerium nicht klar in seinem Programm Die Bahn vorgezeichnet hätte, die zu beschreiten es vorhätte. Als sich Das Ministerium dem Parlament vorstellte, beabsichtigte cs eine Politik absoluter Bündnis treue zu befolgen und eine Politik herzlicher Freundschaft mit allen M ä ch- t e n, die dahin zielte, den Frieden aufrecht zu erhalten, aber bei eifersüchtiger Wahrung unserer Interessen und Der nationalen Würde. Der Schluß Des Passus über auswärtige Politik lautete: In solchem Augenblick ist es Pflicht Der Regierung, alle Verantwortung auf sich zu nehmen, weil ein Zögern oder ein Aufschub Den Anfang des politischen Verfalls bezeichnen können, Der Folgen nach sich zieht, die Das Volk während vieler Jahre, bisweilen IahrhunDerte, zu bedauern hat. Tas Ministerium fühlte Die ganze Verantwortung, Die cs in Dem gegenwärtigen Stampfe Dem LanDc gegenüber übernommen hat, aber es hat sie mit ruhigem Geiste übernommen, weil cs überzeugt ist, daß gegenüber Der Hartnäckigkeit und Feindseligkeit, Die seit Jahren unsere wirtschaftliche Tätigkeit in Tripolis hinderte, und gegenüber Den fortwährenden Provokationen der türkischen Regierung jedes Zögern ober jeder Aufschub zu gleicher Zeit die Ehre des Landes, feine Politik und feine wirtschaftliche Sage gefährdet haben würde. Wir werden ruhig das Urteil Des Parlamentes und des Landes abwarten, inzwischen wollen wir unserem Heere und unserer Flotte einen Gruß schicken. Der das vollständige Vertrauen des italienischen Volkes zu ihnen zum Ausdruck bringt. Tic auswärtige Politik kann nicht Parteispalmngen Hervorrufen, weil sie allein von dem Gedanken an das Vaterland beherrscht wird, der uns alle eint, * Das türkisch-italienische Gefecht im Hasen von Juan di Mcdua. Konstantinopel, 8. Okt. Der Wali von Skutari meldet über das Vorgehen des italienischen Tor- pedobootzerstorers „Artiglieri" bei San Juan di Medua: Der Zerstörer sandte eine Barke mit einem Effilier und sechs Matrosen in den inneren Hasen, um einen Lloyddampfer und einige türkische Segler zu durch- suchen. Tie türkischen Truppen eröffneten ein Artil- leriefeuer gegen die Barke, welche darauf mit den Insassen unterging. Nunmehr bombardierten die Italiener San Giovanni di Medua, wobei sie das Regierungsgebäude und das Hafenkapitanat leicht beschädigten. Ein türkischer Soldat wurde getötet. Auf dem „Arttglieri" wurden ein Schornstein und ein Mast abgerissen. — Ter Sultan empfing heute nachmittag den österreichisch-ungarischen Botschafter in Audienz. Wieder eine türkische Minifterkrifis. Konstantinopel, 7. Okt. An der Pforte verlautet, der Minister des Aeußern Reschid Pascha demissionierte. Der frühere Minister Noradughian, dem das Portefeuille des.Aeußern angeboten war, lehnte ab. Tie türkischen Verluste. Konstantinopel, 8. Eft. Nach einer hier verbreiteten Tepesche des Kriegsministeriums hatten die Tür- k e n infolge des Bombardements der Küstenbatterien von Tripolis durch die italienische Flotte am 3. Oktober zwölf Tote und 23 Verwundete. Einige italienische Kriegsschiffe sotten durch die Geschosse der türkischen Batterien beschädigt worden sein. K o n st a n t i n o p e l, 8. Eft Durch die Demission des Ministers des Aeußern Reschid Pascha, die peinlich überraschte, wird die Stellung des Kabinetts von verschiedenen politischen Kreisen als erschüttert betrachtet. Reschid Pascha, der morgen hier erwartet wird, soll auch nicht nach Wien zurückkehren. Ter zum Botschafter in Rom ernannte frühere Gesandte in Belgrad AliFuadhifmet Bei soll zum Botschafter in Wien ausersehen sein. Es verlautet, daß das Portefeuille des Ministeriums des Aeußern dem Gesandten in Sofia Mustapha AssimBei angeboten ist. Der Ministerrat dauerte bis ein Uhr früh. Wie es heißt, wurde beschlossen, durch Vermittlung der türkischen Botschafter den Großmächten eine neue Note zu überreichen, in Der um Vermittlung zugunsten des.Friedens und der sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten gebeten wird. Ter türkische Nuf nach Vermittlung Berlin, 9. Okt. Ter Konstantinopeler Vertreter des „Lofalanzeigers" hört, daß es sich bei dem neuen Heran-- treten der Pforte an die Mächte nicht um eine regel • r e ch t c Note handelt, vielmehr sandte der Ministerrat Instruktionen au die türkischen Botschafter bei den Großmächten, sie sollten diesen auseinandersetzen, daß durch die Landung der italienischen Truppen in Tripolis der Sloiiflitt in jene neue Phase getreten fei, Die Die Mächte in ihrer früheren Antwortnote für die Basis einer Intervention als geeignet erklärt hätten. V o n W i e n ist, wie der Korrespondent hört, gestern am 8. Oktober eine Interventionszusage in Konstantinopel eingetroffen, nachdem noch in Der Nacht ein scharfes Wiener Telegramm gegen Die Ausweisung Der Italiener protestiert hatte. Wie es heißt, wünscht Die Türkei eine Intervention auf folgender Basis: Anerkennung der Souveränität des Sultans in Tripolis, erkennt aber den Statusquo von heute und Die in den letzten acht Tagen in Tripolis gc-t jchaffene Lage an. Ter deutsche Botschafter und der Großwesir K o n st a n t in o p e l, 9. Eft. Ter deutsche Botschafter Freiherr von B i e b c r ft c i n besuchte den Großwesir und sprach mit ihm über Die Ausweisungsfrage. Der Botschafter hat geraten, man möge einen, so schwerwiegenden Schritt nur nach reiflicher Erwägung tun. Bisher habe die Türfei die öffentliche Meinung Europas für sich gehabt, durch die Ausweisung der Italiener könne sie viele Sympathien verlieren. In den Streifen der Pforte scheint Der Beschluß des gestrigen Mi^ nisterrats, der vorläufig nicht durch eine Jrade sanktioniert ist, mehr als ballon d essay auf gefaßt zu werden. Man wolle den Eindruck einer solchen Maßnahme sondieren. Berlin, 9. Okt. Das „Tageblatt" behauptet nach einem Telegramm seines Konstantinopeler Vertreters, daß Reschid Pascha, der aus Wien heute mittag in Konstantinopel eintraf, trotz der vvrgesttigen Demission das, Portefeuille des Aeußern angenommen habe. Demi gegenüber läßt sich die „Vossijche Zeitung" aus Sofia unter dem 8. ds. telegraphieren: Gestern nach Mtttemacht während eines Tiners erhielt der türkische Gesandte M u st a- v h a A s s i m - B e i ein Telegramm, das Portefeuille des Aeußern zu übernehmen. Heute reifte ep bereits auf feinen Posten ab. Affim-Bei galt hier als ehrgeiziger Politiker von aufbrausendem Temperament. Konstantinopel, 8. Eft. Es verlautet, die Pforte hob infolge von Schritten von den Botschaftern das Verbot der Kohlenverforgung fremdländischer Schiffe an den türkischen Sküsteu auf. — Die Blätter melden: drei in Ben-GHafi ansässige Stämme rüsteten eine Schar von Freiwilligen zum Kampfe gegen Italien aus. Einige Blätter melden: Gestern bombardierte ein italienischer Kreuzer den kleinen Hafen von Sneidije im Wilajet Aleppo, ohne Schaden anzurichten. Gleichzeitig wird eine Tepesche aus London veröffentlicht, nach der die dort ansässigen Mohammedaner den Erlaß eines IradeS betreffend den Boykott der Italiener verlangen. Montenegros und Bulgariens Absichten. Konstantinopel, 8. Eft. Auf Anfrage des türkischen Geschäftsträgers in (Set in je wegen der montenegrinischen m i l i t ä r i f ch e u M a ß n a h m e n erwiderte Montenegro, daß es sich um keine kriegerischen Absichten handle, sondern um gewöhnliche Garnisonsveränderungen. Montenegro werde die Neutralität wahren. — Auch der bulgarische Gesandte erklärte dem Großwesir, Bulgarien werde strenge Neutralität beobachten. Eine französische Protestversammlung. Paris, 8. Eft. Gestern abend fand unter dem Vorsitz von' Francois Pressense eine große Protestver- s ammlung gegen den italienischen Feldzug gegen Tripolis statt. Eine Tagesordnung wurde angenommen, in der den konstitutionellen Ottomanen, die allein fähig seien, das Land au retten, dessen Bestehen für den Frieden und das europäische Gleichgewicht notwendig sei, die Sympathie der Versammelten ausgesprochen und an die an dem Streitfall nicht beteiligten Großmächte der Appell gerichtet wurde, den Frieden durch Aufrechterhaltung des Rechts wiederherzustellen. Ter ehemalige Minister Haladjian wohnte Der Versammlung bei. Aus Hetzen. Landtagsabgeordneler Pennrich Im Alter von 62 Jahren ist am Sonntag früh Der seit dem Jahre 1879, also seit 30 Jahren, dem hessischen Landtage angehörende Abgeordnete Jacob Pennrich in Bingen einem Schlaganfall erlegen. Pennrich gehörte dem gemäßigten Flügel des Zentrums an und war Senior und Präsident der Landtagsfrattion. Sowohl von seinen Partei genossen, wie von allen Fraktionen und Mitgliedern Der Kammer war Pennrich als sachlich und vermittelnd wirkender Politiker geehrt und geschätzt. Zahlreich sind seine Anregungen und Anträge, die während seiner langjährigen Täligieit zum Wohle des Landes zur Turchführnng kamen. Mit großer Energie verfocht er die von ihm für gut erachteten Pläne. Hervorragend war er um Die Abschaffung Der Weinsteuer bemüht. Er ist Der Anreger Der H e s |. Landeslo11erie, Die Dem Staut jetzt jährlich etwa eine Million Mart einbringt. Mit großer Zähigkeit trat er immer wieder .für eine Ueberbrüctung Des Meins bei Bingen ein. Sehr fördernd wirkte er in den einzelnen Ausschüssen. P. ist im Mai 1849 in Bingen geboren, besuchte die dortige Realschule und übernahm 1877 die Buchdruckerei und oen Zeitungsverlag des „Binger Anzeigers", in dem er schon seit 1872 Redakteur war. Seit 1902 zog er sich non der Redaktion zurück, blieb aber Hauptaktionär des Verlags, des seit dieser Zeit unter dem Titel „Mittel- rheinische Volkszeitung" erscheinenden Blattes. P. war seit 1874 mit kurzer Unterbrechung Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums in Bingen. * Die Bezirksgruppe Darmstadt des H ansa- b u n d e s hat in der letzten Sitzung ihres geschästsführenden Ausschusses eine Entschließung z u r Abwehr d e s 'w irisch a f t l i ch e n R o t st a n d e s beschlossen, in welcher hauptsächlich Oeffnung der Grenzen und Herabsetzung der Zölle und Äsenbahntarife sowie Beseitigung der Ausfuhrtarife verlangt wird. Deutsches Reich. । Petersburg, 7. Okt. Heute vormittag fand der S t a p e l l a u f des „G a n g u t", des vierten Dreadnoughts der baltischen Flotte, statt. Die Wasserverdrängung beträgt 23 000 Tonnen. Heer und Flotte. Der bekannte Zwischenfall in der Charlotten- burgerLuisenkirche hat mm doch noch ein militärgerichtliches Nachspiel gehabt. Wie erinnerlich, hatte dort am 23. Juli d. I. der Pfarrer Sic. Kraatz in seiner Predigt den Fall Jcttho berührt und dabei das Erkenntnis des Spruchkollegiums kritisiert. Die an dem Gottesdienst teilnehmenden Mannschaften des Königin-Elisa- beth-Grenadierregiments hatten daraufhin auf Befehl ihrer Offiziere noch während der Predigt ziemlich geräuschvoll den Gottesdienst verlassen. In der Folge hatten sowohl Pfarrer Kraatz wie der Gemeindekirchenrat gegen die beiden in Betracht kommenden Offiziere, einen Hauptmann und einen Oberleutnant, Strafanzeige wegen Störung des Gottesdienstes (aus §167 des Reichsstrafgesetzbuches) beim zuständigen Militärgericht erstattet. Wie der Fränkische Kurier" erfährt, hat nunmehr das Kriegsgericht der zweiten Gardedivision die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Offiziere abgelehnt. Dem ablehnenden Entscheid ist eine Begründung beigegeben, die etwa folgenden Gedankengang hat: Den Offizieren müsse zugestanden werden, daß sie zum mindesten subjektiv in der Ansprache des Pfarrers Kraatz eine Gefährdung der ^Disziplin der ihnen anverrrauten Mannschaften erblicken, und sich infolgedessen zu ihrem Vorgehen berechtigt halten konnten. 'Danach müßten, selbst wenn objektiv eine Störung des Gottesdienstes vorgelegen habe, die Offiziere straffrei bleiben. Die Erhebung der Monarchisten in Portugal. Lissabon, 8. Okt. Aus Braganza wird vom 7. Oktober, nachmittags 3 Uhr 20 Minuten, gemeldet: Tie Royalisten wurden geschlagen: sie haben sich auf spanisches Gebiet zurückgezogen. OPorto, 8. Okt. Marinetruppen sind gestern abend hier eingetroffen und nach Villa Real und Mirandello weitergegangen. Tas Küstenpanzerschiff „Vasco da Gama" warf auf der Reede von L e i x o e s Anker. Republikanische Truppen halten die wichtigeren strategischen Punkte besetzt. Einzelne Abteilungen verfolgen Banden von Monarchisten. Spanische Kämpfe im Riffgebiet. Madrid, 8. Okt. Nach einer Blättermeldung setzten sich gestern früh drei spanische Kolonnen nach dem Heb Kert in Bewegung. Die eine überschritt den Fluß und griff heftig die Befestigungen der dahinter verschanzten Harka an. Tie Harka flüchtete. Zwei spanische Kriegsschiffe unterstützten die Operationen mit ihrer Artillerie. Melilla, 8. Okt. Tie Vorhut unter Oberst Rivera würde auf dem linken Ufer des Kert angegriffen; sie verlor zwanzig Mann. Rivera und zwei Offiziere wurden verwundet. Tie Division von Orozco überschritt den Fluß und besetzte eine Stellung elf Kilometer landeinwärts. Arbeiterbewegung. — Im T arifau s schuß der deutschen Buchdrucker wurde am Samstag nach vierzehntägiger Verhandlung einneuerLohntarif auf die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen. Nach dem Tarif wird der Gehilfenschaft u. a. eine Lohnerhöhung pon 10 Prozent und eine wöchentliche Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde bewilligt. Lokalzuschläge auf Orte mit besonders verteuerten Lebensbodingunaen werden nach dem Orts- klassenprinzip des Reichsbesoloungsgesetzes geregelt. Ferner wird die allgemeine Einführung des Berechnens an Setzmaschinen zugestanden und die Arbeitszeit an Setzmaschinen für alle Systeme und für alle Betriebsarten einheitlich geregelt. Auch über die wirksame Bekämpfung der Schleuderkonkurrenz wurde Uebereinstimmung erzielt. Graf wolss-Metternich vor Gericht. < Berlin, 7. Oktober. Am heutigen fünften Verhandlungstage wurde mit der Vernehmung der Zeugen fortgefahren. Zu Beginn der Verhandlung beantragte der Verteidiger R.-A. Alsberg die Ladung eines neuen Zeugen, der Angaben über die Glaubwürdigkeit der vielgenannten Zeugin Gust'ke machen solle. Diese wurde neuerdings vorgerufen und nochmals über die Geschäfte mit dem Juwelier Steff vernommen. Sie ist zurzeit in Petersburg engagiert und zwar noch bis Mitte Januar; sie will nur nach Berlin gekommen sein, um dem Prozeß beiznwohnen. Sie erklärt, dem Juwelier seien wöchentlich 500 Mk. bezahlt worden. Es konrmt sodann das Automobilgeschäft mit der Firma Horch zur Sprache. Der als Zeuge vernommene Direktor der Horchwerke, Rolla, erklärt, seiner Firma sei die Verbindung mit dem Grafen um der Reklame willen sehr angenehm gewesen und deshalb habe der jetzige Angeklagte den Wagen auch erheblich billiger bekommen; die Firma habe nicht annehmen können, daß der Neffe des deutschen Botschafters betrügerische Absichten habe. Hierzu bemerkt der Angeklagte, daß er für den Wagen genau den Preis bezahlt habe, der im Katalog verzeichnet war, nämlich 16 000 Mk. Der Vorsitzende stellt an Hand eines Kataloges für 1909/10 fest, daß ein Wagen, wie ihn der Angeklagte besaß, mit 14 000 Mk. ausgezeichnet war. Direktor Rolla behauptet, den Grafen ganz besonders davor gewarnt zu haben, sich etwa betrügerische Manipulationen zuschulden kommen zu lassen, und beziffert den seiner Firma erwachsenen Schaden aut 7000 Mk. Graf Metternich widerspricht in ziemlich erregtem Tone einzelnen Ausführungen des Zeugen. Es kommt dann zu einem neuen Zwischenfall, der selbst beim Gerichtshof lebhaftes Erstaunen hervorruft Der Zeuge Rolla überreichte nämlich dem Gerichts einen Brief des vorgestern als Zeuge vernommenen Grafen Lchulenburg, der bekanntlich selbst dein Angeklagten ein größeres Darlehen gegeben und sich bei seiner Vernehmung seinerzeit nicht ungünstig über den Grafen Metternich geäußert hat. In diesenr an die Firma Horch gerichteten Brief schreibt Amtsrichter Graf Schulenburg, daß er selbst sowie auch verschiedene andere Personen von dem Grafen Metternich in gröblicher Weise betrogen worden sei und die Vermutung hege, oaß auch die Horch-Gesellschaft bei der Hergabe des Wagens ein Opfer des Angeklagten geworden sei; er beabsichtige, das gesamte Material der Staatsanwaltschaft zu übermitteln unb ersuche die Firma' Horch um Mitteilung, in welcher Weise sie durch den Grafen Metternich betrogen worden sei. Es wurde sodann beschlossen, den Grasen Schulenburg neuerlich zu vernehmen. Bald darauf erscheint der Zeuge auch im Saal und erklärt auf den Vorhalt, daß zwischen seiner Aussage und dem von ihm geschriebenen Briefe ein erheblicher Unterschied sei, er sei infolge der verschiedenen ungünstigen Gerüchte, die ihm über den Grafen zu Ohren gekommen seien, mißtrauisch geworden. Der Zeuge erklärt auf Befragen, er habe den Brief an die Firma Horch im Zorn und in der Aufregung geschrieben. Die Aeuße- rungcn in dem Briefe: habe er überhaupt nicht Jo ausgefayt, als ob es sich um einen Betrug im juristischen Sinne handle. Er sei überzeugt gewesen, daß der Angeklagte über kurz oder lang eine reiche Heirat machen werde. Das Darlehen von 6000 Mk. habe er dem Angeklagten gegeben, um ein Automobil kaufen zu können. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden, daß das Automobil um 3600 Mk. ausgelöst tvvrden sei, der Angeklagte dem Zeugen also auch falsche Vorspiegelungen gemacht habe, erwiderte der Zeuge, er würde ihm den Betrag auch gegeben haben, wenn der Angeklagte die paar hundert Mark zu anderen Zwecken hätte verwenden wollen. Tie Angelegenheit sei jetzt dadurch geregelt, daß sich die Gräfin Metternich für die Schuldsumme verbürgt habe. Der Zeuge hat seine Ansicht über den Grafen wieder geändert, nachdem er gesehen hat, daß Graf Metternich nach seiner Verheiratung bezahlen wird. Auf Befragen des Verteidigers R.-A. Jaffe erklärte der Zeuge, er halte die im Affekt getanenen Aeuße- rungen über den Angeklagten nicht mehr auftecht. Der Zeuge Wäschegeschäftsinhaber Singer bekundet, Graf Metternich habe bei ihm Hemden im Werte von 28 Mk., Strümpfe zu 18 Mk., Handschuhe zu 12 Mk. üsw. auf Kredit gekauft. Der Angeklagte erklärt, bei diesem Einkauf sei auch seine Frau anwesend gewesen, woraus wohl zur Genüge hervorgehe, daß ihm jede betrügerische Absicht ferngelegen habe. Die wieder vorgerufene Gräfin Metternich bestätigt die Angaben ihres Mannes und erklärt ausdrücklich, daß sie als seine Frau die gefaulten Sachen habe bezahlen wollen. — Bei den folgenden Zeugenaussagen handelt es sich zumeist um ganz geringe Beträge. Das Gericht beschloß, von einer nachträglichen Vereidigung der Gräfin Metternich Abstand zu nehmen. Es kam sodann abermals zu einem interessanten Zwischenfall insofern, als sich ergab, daß ein Irrtum des Gerichtshofs vorgekommen war. Der Zeuge Kaufmann Mandus sollte laut Gerichtsbeschluß gleichfalls nicht nachträglich vereidigt werden und zwar deshalb, weil er wegen Geisteskrankheit entmündigt sei. Mandus verwahrte sich hiergegen ganz entschieden. Der Gerichtshof zog sich erneut zurück und verkündete dann den Beschluß, den Zeugen nachträglich zu vereidigen; das Gericht war, wie der Vorsitzende betonte, auf Grund eines Passus in den Akten und infolge gewisser Eigentümlichkeiten des Zeugen bei Abgabe seiner Aussage zu der Ansicht gekommen, daß der Zeuge nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sei. Es folgte sodann die Vernehmung des Sachverständigen Dr. Edm. Forster, Assistenten an der psychiatrischen Abteilung der Charite, der vom 15. April bis 4. Mai d. I. den Geisteszustand des Angeklagten beobachtet hat. Er äußerte sich dahin, daß Graf Metternich auf der Abteilung feine Spuren von Schwachsinn gezeigt habe, dagegen habe er während der Verhandlung stets Proben eines vorzüglichen Gedächtnisses und einer schnellen Auffassung gegeben. Der Angeklagte sei schon auf der Abteilung wegen Geringfügigkeiten außerordentlich erregt worden. Seine BAchwerden waren vielfach sehr übertrieben, aber sie hatten stets einen tatsächlichen Grund. Zwischen dem Verhalten des Angeklagten in der Anstalt und seiner ganzen Lebensgeschichte bestünden verschiedene Beziehungen. Der Sachverständige erklärt hierauf weiter, es lasse sich md)t mit Sicherheit feststellen, ob bei dem Angeklagten eine Vererbung vorliege. Jedenfalls aber sei die Erziehung, die er genossen habe, auf fein späteres Leben von bestimmendem Einfluß gewesen. Als einen schweren Fehler des Grafen Metternich sen. bezeichnete es der Sachverständige, daß er seinen damals noch nicht volljährigen Sohn, dessen Verschwendungssucht er kannte, mit einer ziemlich großen Summe Geldes nach Amerika sandte, um sich dort eine Existenz zu gründen. Bei Personen, die so veranlagt sind wie der Angeklagte und die noch dazu einen klangvollen Namen besitzen, erklärte es der Sachverständige für gänzlich ausgeschlossen, daß sie einen gewinnbringenden Beruf ausfüllen können. Es sei unter den vorliegenden Umständen ganz erklärlich, daß der Angeklagte eben jede sich bietende Gelegenheit, sich das notwendige Kapital znm Leben zu verschaffen, benützen mußte, im Auslande wie in Berlin, wohin ihn seit Vater mit monatlich 30 Mk. habe ziehen lassen. Charakteristisch für Leute mit der Veranlagung des Angeklagten sei es, daß sie es mit der Wahrheit nie besonders genau nehmen. Es scheine sehr wohl möglich, daß sich Graf Metternich gar keine Rechenschaft darüber gegeben habe oder habe geben können, ob das, was er tue, recht oder unrecht sei. Der Vorsitzende richtet hierauf an den Angeklagten die Frage, ob der bereits als Zeuge vernommene Generalmajor Pauly sich nicht mit Heiratsvermittlung befasse. Der Angeklagte erklärt, etwas ähnliches gehört zu haben, es aber nicht selbst zu wissen. Der Staatsanwalt bemerkt hierzu, er habe erfahren, Generalmajor Pauly sei früher zwar einmal Offizier gewesen, sei aber nicht Generalmajor; dem Vernehmen nach soll er sich auch mit Ordensschacher befassen. Wie der Angeklagte bestätigt, trägt Generalmajor Pauly das Eiserne Kreuz auf der Brust. Der Generalmajor Pauly soll zur nächsten Verhandlung, die am Dienstag vormittag ftattfinden soll, nochmals als Zeuge geladen werden. Die Einnahmen ♦ dem von Juli August (September auf beiden Linien zusammen 138 941 (120811) 105 631 (101 162) 92 419- (89 657) grüne Linie 51253 43 531 59 592 mithin wurde im abgelaufenen Quartal 1911 gegenüber gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Mehreinnahme Mk. 2068,25 erzielt. Mit diesem Ergebnis ist der Rückgang der Einnahme des vorigen Vierteljahrs gegenüber 1910 ausgeglichen. 134 376 Personen mehr stellen sich 1911 Mk. 13 078,25 „ 10 292,55 „ 8 999,60 Mk. 32 370,40 im Juli August September zusammen mithin 1911 331 988 (311 63u, als 1910. Ans Sta&t Ntld Land. (&jenen, 9. Oktober 1911. Von der Straßenbahn. Im abgelaufenen Vierteljahr hat sich die Freglienz unserer Straßenbahn gegen das Quartal vorher gehoben und die Personenbeförderung und damit die Einnahnien haben das Ergebnis für den gleichen Zeitraum des Vorjahrs überholt. Allerdings sind auch durch die Einstellung von zwei weiteren neuen Wagen (um den 7x/2 Minutenverkehr der roten Linie bis zum Schützenhaus durchzuführen) mehr Wagenkilometer zurückgelegt worden. Das zahlenmäßige Ergebnis stellt sich wie folgt (die Zahlen in Klammern sind die Vergleichszahlen von 1910): Die Zahlen der beförderten Personen betragen rote Linie 82 688 62 107 52 8(7 197 612 20 358 1910 Mk. 11 765,30 „ 9 836,95 „ 8 709 90 'Ulf. 3u 312,lo **DenNachweisderBefähiaungzurUeber- n ahme eines .Kirchenamtes erbrachten die Kandi-- baten der evang. Theologie Ferd. Eckhardt aus Lincoln (Nord-Amerita), Hch. Seim aus 97orbecf und Gottfried Weber aus Lißberg. ** Gießener Stadttheater. Es lebe das Leben! Der gestrige Abend brachte im großen und ganzen eine Wiederholung des am Ende des vorigen Winters als Benefiz für Herrn Bakof auf dem Spielplan erschienenen Stückes, in dem Sudermann feinem alten Thema von der Ehre dadurch eine neue Wendung gibt, daß er es vor einem parteipolitischen Hintergrund abhandelt. Tas Stück, das als Buch bei I. G. Cotta erschienen ist, gehört nicht zu den besten Werken des Dichters, aber die spannende Handlung fesselte auch gestern die Zuschauer ebenso lebhaft, wie die zahlreichen, witzigen Schlagbilder des blendend geführten Dialoges sie ergötzten, lieber die schöne und gute Darstellung ist nicht viel neues zu sagen. Frau Baum ei ster- Felsegg erschütterte wieder durch ihre hervorragende Verkörperung her Beate, Herr Bakof war ein trefflicher Kellinghausen. Die Herren G ü h n e als Staatssekretär, Volck als Brachtmann und Norden Berkelwitz waren von bezwingender Natürlichkeit. Neu war vor altem Herr Goll als Völkerlingk, in reservierter, taktvoller Darstellung, Lona Schmidt als allerliebste Ellen, Mila de la Chapelle als spitzzüngige Leonie, John Rappeport als temperamentvoller Norbert, Ludwig Großer als sarkastischer Prinz Usingen, Georg Hilpert als tüchtiger Holtzmann und schließlich Karl Schn mack als Meißener. Der geringe Raum, der mir heute zur Verfügung steht, macht es mir unmöglich, auf die einzelnen Leistungen näher einzugehen. Ter Gesamteindruck der von Herrn Bakof geleiteten Vorstellung war sehr günstig. — Am Nachmittag erregte die unverwüstliche Tante Charleys Ausgelassene Heiterkeit in einer flotten, von Kurt Gühne geleiteten Aufführung. N. " Stadttheater. WolzogenS Lustspiel „Kinder der Exzellenz', das in der morgigen DienstaqS-Abonnement- Vorstellung gegeben wird, ist unter der Direktion Steingoetter hier noch nicht aufgeführt worden. DaS liebenswürdige Werk, daS in einigen Szenen an den Charakter eines Schauspiels heranreicht, enthält eine Reihe dankbarer Aufgaben. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen de la Chapelle, Brehm, de Bruyn und die Herren Bakof, Goll, Kaiser, Gühne, Volck, Rappeport und Großer. ** Ihr hundertjähriges B e st eh en feiert am 15. Oktober dre Firma I. B. Noll hier. ** Verein der Straßenbahner. Am Samstag abend beging im Lenz'schen Felsenkeller der Straßenbahner-Verein Gießen fein 1. Stiftungsfest. Hierzu waren Fahrgäste eingeladen worden, die sozusagen die feste Kundschaft des Unternehmens bilden. Daß die Männer von der Elektrischen mehr können als die Kurbel und die Bremse am Straßenbahnwagen zu bedienen, bewiesen die Darbietungen des Abends, die außer Musik flott gespielte, humorvoll wirkende Theaterstücke brachten. Gegen 1 Uhr nachts begann bet Tanz, der um 5 Uhr sein Ende erreichen mußte, damit bte Festgeber pünktlich um 6 Uhr tvieber zum Dienst antreten konnten. Kreis Büdingen. (.) Ortenb er g, 7. Okt. Im Sitzungssaal des Bezirks- sparkassegebäubes versammelten sich heute die Mitglieder des Sparkassebezirks Ortenberg. Der Präsident der Sparkasse, Großh. Forstmeister und Lanstagsabg. Dr. Weber gedachte in ehrenden Worten des Vorstandsmitglieds Bürgermeister Gußmann-Hirzenhain. Gußmann gehörte 30 Jahre oem Sparkassevorstand an. Auch die Regierung war durch K^eisrat Boeckmann-Bübingen vertreten. Die Prüfung der 1910er Rechnung gab zu keinen Beanstandungen Anlaß. Der Reservefonds beträgt jetzt zu Ende 1910 176 352.11 Mk. Gegen 1909 vermehrte er sich um 8148.10 Mk. Der 1910 erzielte Reingewinn beträgt 11 272.75 Mk. An Unterstützungen und Geschenken wurden 1680 Mk. und an Beiträgen zu den Kosten der Industrieschulen des Bezirk 1380 Mk. bewilligt. Die Einlagen (Kapitalschulden) bc trugen zu Ende 1910 2340 606 Mk. Der Direktor Lenz berichtete ausführlich über den günstigen Geschäftsstand. Nachoem der geschäftliche Teil beendigt war, fand ein gemeinsames Mittagsessen im Gasthaus zur Post statt. Kreisrat Boe ck mann brachte nach vorausgegangener Betrachtung der Kriegs- und Friedenslage der Gegenwart auf den Kaiser ein Hoch aus. Auch der Präsident Dr. Weber gedachte in wohlgesetzter Rede der Bedeutung der Sparkassen im Kriegsfälle und ihres Schutzes. Kreis Alsfeld. w. Angenrod, 8. Okt. Ein eigenartiger Unfall, der ben Tod zur Folge hatte, ereignete Jid) heute morgen zwischen 3 und 5 Uhr. Der in einer Mühle beschäftigte Mahlbursche stürzte im Fieberwahn aus dem Fenster seines Zimmers auf das Mühlrad und zog sich hierbei schwere Verwundungen am Kopf zu. Hierauf ist er in den Bach gefallen, wo er anscheinend Noch ertrunken ist. Ter Bedauernswerte litt seit einiger Zeit an einer starken Kopfrost. Noch bis 3 Uhr heute morgen war er bewacht worden; als fid) der Wärter auf einige Zeit entfernt hatte, geschah das Unglück. Später fand man die Leiche im Bach. Der Bedauernswerte steht in den 40er Jahren und hinterläßt eine Frau mit drei kleinen Kindern. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 8. Okt. Die Zuckerfabrik „Wet« t e r au" beginnt morgen ihren diesjährigen Betrieb. Einig/ hundert Arbeiter werden beschäftigt, die zum großen Teil im Stadtteil Fauerbach wohnen. Am Donnerstag wurden die ersten Zuckerrüben angefahren. Sie haben dieses Jahr weniger Zuckergehalt als sonst. Die Fabrik, die unmittelbar neben dem neuen Güterbahnhof liegt, wird durch eineü Schienenstrang mit ihm verbunden. -1. Butzbach, 8. Oft. Gestern abend um 8l/4 Uhr versammelte sicb der K r i e g e r p e r e i n am Gasthaus „zum Löwen' und marschierte von da aus in die Stadtkirche, um den vom Verein für die Veteranen geftifleteu Ehren schrei» einzuweihen, der von dem Vereinsmitglied Schreinermeister Karl Weigel hier sehr schön auSgeatbcitet Itvorbeit ist. Der Gesangverein „Orpheus* leitete durch Absingen eines Liebes die Feier ein. Pfarrer Loos gedachte der verstorbenen und noch lebenden Veteranen in wann- herzigen Worten, erinnerte an die Kriegs- und gegenwärtige Zeit, forderte die Jugend zur Nachahmung der Veteranen auf, dankte namens des Kirchenvorstandes dem Verein für den Schmuck' gegenständ der Stadtkrrche. Ter Vereinsvorsitzende, Medizinalrat Dr. Vogt, der ebenfalls eine kernhaste Ansprache hielt, hatte den Ehrenschrein Pfarrer Loos überliefert, der die Orden und Ehren- zeichen folgender Veteranen ans den Feldzügen 184b—49, 1866 lind 1870—71 enthält: Eskadronsschmied Müller, | 1875; Musketier p. I. Weber, f 1876; Stabsarzt Dr. Engelbach, f 1881; Gefreiter Karl Ewald, f 1885; Gardist Gg. Held, f 1886; Unteroffizier Friedr. Wilhelm Müller, f 1887; Musketier H. Hermann, f 1890; Füger I. G. H. Haub, f 1890; Schütze Wilh. Metzger, f 1900; Unteroffizier Jakob Vogt, f 1901; Musketier Markus Kaufmann, f 1903; Stabsarzt Dr. Melchior, f 1904; Rittmeister Freiherr L. v. Bouchenröder, f 1904; Gardist Johannes Heiser, + 1906: Musketier Heinrich Heyd, f 1906; Musketier Peter Wex, f 1906; Cheveauxleger Daniel Faust, f 1906; Wachtmeister Friedr. Will)- Lirchho', f 1908; Dragoner Ludwig Pfeil, f 1909; Trompeter Heinrich Braun, j 1911. An diese Feier schloß sich die Mitglieder- Versammlung im Hotel „Hess. Hott. Stach Beendigimg der 2age6* ordnung wurden mehrere gemeinschaftliche Lieder gesungen und es herrschte eine sehr gute Stimmung. Starkenburg und Rheinhessen. iftVonMainz,8. Okt. wirb uns geschrieben: Gestern! fanb in bem Feftsaal bes Kasinos znm Gutenberg unteir bem Vorsitz von Jnstizrat sMetz-Gießen bte ordentliche Hauptversammlung der Hessischen Anwalts^ I k a mmer ftattz die int ganzen von 89 Anwälten W * die j. mau Alle Ballons Berlin 2" und deS fron- unlicht B wss Trauben ft Pst. 27 Pfg H Frische Bücklinge 6111 Bürgerschaft Gießens hierzu höflichst ein. D8, 3 Stück 20 Pfg. WasdiuPIättmasdimen 08353 Hch. Kalbfleisch ■. WWWWWWWW» 5 'L7- Alle Stoffe, JYIöbel,Böden, Und Geschirr, was eben schmutzt, Wird allein mit Sunlichtseife Einwandfrei, wie neu geputzt! die an der G o r d o n - , linv iect gelandet mit Xeu-Isenburg, im Oktober 191L Taunusstrasse 13. in gniijft steigt lose ausgewogen ca. l'/s-Psü.-AiKe Gor dr Kansas, 7. Okt. zöiijchcn „Condor 3". Ter amerikanische Ballon „Buckeve" legte bisher die weiteste Strecke, nämlich 370 Meilen, zurück. Kansas, 7. Okt. Ter sranzüsiiche Ballon „Eondor 3" ist gestern abend in Mingo (Iowa) gelandet; vom Ballon „Berlin 2" liegt feine Nachricht vor. Bennett-Fahrt tcilger^ mm.. Ausnahme deS deutschen Ballons 2lnuiid}cr U)cucrl)cnd)t. Oesfentliche Li! e t t e r d l e n st st e l l e Gießen. LellcratlSilchteii in pcneit am TienStag, Den 10. Oktober 1911: Meist heiler, trocken, tags nnld. nachts kühl, später wieder Zu- nahltic der Beivolltiiig. bester Konstruktion jeder Größe fabriziert ForsterWäschereimaschlnenfiibriM ItUthViüi RUM5GM A HAMMER, Forst CL*Mltti No.76. Saarbrücken, 7. Okt. Ter Ballon „Saarbrücken" riß sich hier heute mittag beim Füllen los und flog ohne Gondel davon. Nach einer nachmittags aus Wipperfürth eingcgangencn telephonischen Nachricht wurde er dort geborgen. Briefkasten der Uc^aftion. lAuonhme Anfragen bleibe» unberücksichtigt.) H. -d. öie haben recht; wir wollen Henle aber Die Sach» nicht onenilid) anschiieiden. Deutscher Flotten-Verein Kreisgruppe Giehen. Am Freitag, den 13. Oktober, abends 8'/, Ubr im Einhorn: Vortrag mit Lichtbildern des Herrn Kontreadmiral z. D. Recke Thema: „Welche Bedeutung haben die Panzerkreuzer für die deutsche Florte im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse/' Ter Vortrag, gehalten von einem unserer befähigsten Seeoffiziere, verspricht hochinteressant zu werden und laden wir die Kein Giciitiker versäume eine häusliche Trinkkur mit der Assiuuiuisiiäuaer Litlilonlermu.quelle Broschüre Irei durch Brunnenverwaiiung Uichtbad Assmannshausen am Übeln. bi» Trinkkur fit 60 Matchen /tat i»icn jur GichtanflUlen erhalten. br. wed. Hch. i. C. Depot für Gleuen: Jean Weisel, Telephon 235. rVucksachen aller Art ley liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 er Präsident 2r. Sc t Bedeutung der fr Schutzes. lb. igcnartiger Unfall, de' -ute morgen M-m - >gte Mahlbursche 'MN imcrs aus dasMhlrc- am K°vszu- W >nb noch ertrunken w ' an einer starken KW , beacht ipotben, al. geschah das U4 Ter SebauermW 7 Ä« i”»” Letzte Nachrichten. Tie Spanier im Rifsgebiet. Madrid, 8. Okt. Eine amtliche Meldung aus Melilla besagt.- Tie vorläustgen Operationen wurden nach zehnstündigem Mampfe glänzend durchgesührt und die Abteilung schwer gezüchtigt. Sie ließ zahlreiche Tote, Waffen und Munition zurück. Tie Tivision Oroczo erreichte die Höhen bei Terkemin nach hartem Stampfe, wobei sie aus dem Marsche alle- zerstörte. Die Verluste der Division siird beträchtlich. Privat drpeschen sprechen von mehr als hundert. Die Kolonne Tomasetti ersetzte diel Kolonne Rivera an dem User des Stert, um die Bewegungen der Oroczodivision zu decken. Wie die Blätter melden, unterstützte eine Landungsabteilung des Panzers „Carlos V," die Operationen, indem sie die strategischen Punkte auf dem linken Flügel besetzte. Ter Kriegsminister befand sich in der Feuerlinie und leitete den Kampf. Tie Wirren in Persien. Teheran, 8. Okt. Salar cd Dauleh löste, nachdem er nach seiner letzten Niederlage Hamadan erreichte, den Rest seiner Streitkräfte auf und will über Bagdad nach Europa gehen. Er erklärte, im Frühjahr wiederzukommen. Die Re giernngstruppen zogen am 4. Oktober in Hamadan ein, zwölf Stunden spater, nachdem Dauleh die Stadt verlassen hatte; sie erbeuteten dreizehn Geschütze. Die Medschlis genehmigte die Anstellung des Engländers George New als Setter des persischen Telegraphenwesens. n - 2 ennelt - Flug. Äcker fabrikF LhrigenBeMeb'cn. die zum großes M Donnerstag s Sie haben diese- , •sW- VÄjS irenswre' , - (l ^ll,ei ev.,s» ,C":1 u B-rem ’11' - hOMVWW braucht nicht auszufallen, meine Herren, wenn Sie sich angewöhnen, Wybert -Tabletten bei sich zu führen und bei belegter Stimme oder rauhem Hals davon zu nehmen. „Es gibt kein besseres Mittel, um die Stimme sofort klar und frisch zu mucjicn.- Lues ist der Inhalt zahlloser Zeugnisse über die in i urer \\ Übung unerreichten Wybert -Tabletten, die in allen Apotheken 1 Mark pro bchachtel kosten. Iss“/» Depot in Giessen: PeliKan-Apotheke« Kreuz 2. veumrsci-tes. • Eine Fr i e d e n s a u s sl e l l u n g in — 91 o in. Eine Ironie les Schicksals Hal es gewollt, das; die erste historiiche «zriedensiiussiellnng gerade dieser Tage erosfnei worden ist; das; aber znni Ort der Ausstellung gerade 9ioin ausersehen wurde, darf wohl als cm besonderer Witz der Weltgeschichte betrachtet werden. Lie Aussiedlung hat in einigen Hallen der römischen Universität ihren Platz geimiden, und die Anhänger des ewigen Wellsriedens, die zu ihrer Erossnung herbeigeeill sind, lanien gerade noch recht, um den 'Ausbruch des von dem gastireuildtichenItalien „inszenierten" iivicges zu erleben. * E i n Al o n u m e ii t a l w e r k der F o r st iv i s s e n s ch a i t. In 9lmeiua ist soeben, wie uns geschriebeil wird, der erste Band emer großartigen Publikation erschienen, die für bic Forslivissen- Ichait von höchller Bedeutung sem wird. Es handelt sich um cm Werk, das nut der gröstten Eienanigkeil alle Baume und Pflanzen der Walder der ganzeil Welt be|ci)ieibt, und zwar in der Form eines sehr übersichtlich angelegten Katalogs. Ter Beriasjer dieics Werkes, rliehder, yat 15 Jahre fortgeietzlen Studiums an die Arbeit geivendet unb alle botanischen Garten, alle Baum- und Pslauz- schulen, die wichtigsten Walder des Erdballes besucht. Er hat Forschungen migenellt in den Bibliotheken von Paris, London, Berlin, -Lt. Petersburg, Leyden, Madrid, Florenz und 2u anderen Städten. Tie Berofientlichung wird jrmf Bande umsasjen, von denen der letzte em Generalregiiter enthält. Die Schlagwörter sind m mehreren sprachen aufgeführt, darimter auch n» Japanisch. Ler Katalog enthalt eine Fülle von Ausichtuffeu ans den verlchiedeniten Gebieten, die Ergebnisse muhfamer porschuligen. Alan erfährt z. B., wie die .Revue" nütteilt, dav Italien 2U6 botani|d)c Garteil besitzt, dog die plora Homers und Birgits mit absoluter Richtigkeit geschildert i|t, dag Dante, Eervanles, Shakespeare ganz genaue und richtige Angaben über die Pflanzen machen, vo>» denen |ie sprechen. Tie Uiebliugsbaume der grogien Dichter werden anigeiuhrt, die berühmtesten Baume erwähnt: es ftnoen sich auch Abhandlungen über die Symbolik des Waldes, über die Sprache der Baume usiv. Kleine Lageschronik. Tic Ziehung der 1. Altenburger Geldlotterie wurde wegen ungenügendem Los-Avfatz auf 23. und 24. Oktober 1911 verlegt. In H eilb ro nn ist der Geheime Kommerzienrat von Hauck, Ehreuomitvenver per ;yiuu>u:?iuiHuu:i., ua h. ^epeiu?iuyie ge- storbe n. Aus der Zeche Fürst Hardenberg des Gelsenkirchener Bergwerkvereins r i B em Förderseil. Der Förderwrb stürzte in, die Tiefe. N eu n Bergleute wurden getötet. In Köln sand am Sonntag die feierliche E in weihung des neuen Lustizpalastes am Reichensperger Platz statt. Ter Neubau, der 9o5 Meter Frontlänge bei einer Bevauungs-' Kanold wurde zum etalsmäßigcn Professor an der Technischen Hochschule in Hannover ernannt: ihm wurde der durch Versetzung des Professors Klingholz nach Berlin erledigte Lehrstuhl für Entwerfen und Detaillieren, neuzeitliche Bauaufgaben, Steg' reiknentwerfen und Städtebau übertragen. Gericbtrsaal. a. Schotten, 7. Okt. Tas Schöffengericht verhandelte heute gegen den Bahnarbeiter, der den Brand aus dem Bahnhof Schotten am 24. Juli fahrlässig verschuldet haben- sollte. Da die Ursache des Brandes nicht festgestellt werden konnte, erfolgte Freisprechung. Ltt-tschiftahrt. „Berlin 2" gewinnt. KansaS-City, 8. Okt. Ter Ballon „Berlin 2" ist am Samstag früh etwa 440 Meilen von Kansas-Cith entfernt mitten in der Wildnis, nahe bei Holeombe (Wiskonsin) gelandet. Ta er vor dein nächsten icl werber < > Mellen voraus hat, ist er als Sieger deS Gordon-Bennel-RennenS zu betrachten. Ballonführer und Passagier sind wohlauf. Die 100. Fahrt der „Schwaben". Baden-Oos, 8. Okt. Heute nachmittag 3 Uhr 18 Min. stieg die „Schwabe n" zu ihrer hundertsten Passagiersahrt mit 12 Personen an Bord auf. Das Lustschiff war aus diesem Anlatz mit Flaggen geschmückt und trug an der vorderen Gondel einen Lorbeertranz. Tie Lujtschisihallc in Baden-Oos zeigte über xm Portal die Zahl „100" und war mit blau-weitzen und schwarz-weiß-roten Flaggen geschmückt. öessenlandes besucht war. Den interessantesten Teil der Lagesordnung bildete die Wieder- und teilweise Neuwahl )es Vorstandes; sie fiel auf die Rechtsanwälte Loeb- Darmstadt, EaujeMain;, Earlebach-Mainz, Iustizrat Win- decker-Fricdberg und Grünewald-Gießen. Uevcr die Wahl des Iustizrats Grünewald -Gießen entstand cine heftige Aussprache. Ter Lberhessische Anwaltsverein hatte auf Grund des Beschlusses einer von 17 Anwälten besuchten Versammlung Rechtsanwalt Engisch-Gicßen vorgeschlagen, für dessen Wahl Iustizrat Metz-Gießen warm eintrat. Iustizrat Reh-Alsfeld erklärt, er areise den schon in Gießen gemachten Vorschlaa von Homberger^icßen wieder auf und schlage Grünewald-Gießen vor. Seinen Ausführungen schloßen sich Rotschild und Freund in Offenbach sowie B e i l st e i n - Grünberg an. Rechtsanwalt Hornberger- Gießen betonte, der Oberhessische AnwaltSvereiu habe keinerlei Vorschläge zu machen, wenn diese bindend seien, brauche man üoeryaupt feine Wahl durch tue Kammer. Hierauf ergriffen noch Mendclsohn und Spohr-Gießen Partei gegen Grünewald. Tie Aosttinmung ergab für Grünewald aO, für Engisch 38 Stimmen. Als Vor,inender wurde Rechtsanwalt Eause-Mainz gewählt. Der sonstige Inhalt der Tagesordnung betraf Ausstellung des Voranschlages, Rechnungslegung und sonstige innere Angelegenheiten der Hammer. Em Vorschlag Grunewald-Gießen, oer Frage der Fürsorge für die AnwaltSgehilsen wieder näher zu treten wurde angenommen, ein Antrag Spohr, 50. Mk. für eine Genossenschaft zu spenden, die Puvlimm und Anwaltstaiu» einander naher bringen wolle, wurde säst einstimmig ab- gelchnt. Eine Anfrage Reh über den Fall Dr. Hermann- Lauterbach wurde votn Vorstand besricoigend beantwvrter, desgleichen eine solche von Eulau-Ofscnbach bctr. der Stellungnahme zum Rechtskonsulentenwesen. M. Offenbach, 9. Okt. Ter lö Jahre alte Arbeiter Simon erstach auf der Eisenbahnfahrt zwifchen 2)tichelbach und Niedersteinbach seinen ArbeilStollegen Stab, nut dem tr in Streit geraten war. F. C. Heppenheim a. d. Bergstraße, 8. Okt Großes Aussehen erregte hier und in der Umgegend die durch oen Untersuchungsrichier, Landgerichtsrat Tr. Reup >.iuadt, erfolgte Verhaftung des Besttzers des bclaniuen . ic igen Hotels „Zum halben Atond" Leckert. Dieser ist druigend verdächtig, das unlängst in dem Hotel entstandene Schaoen- feuer selbst gelegt zu haben. ch Bingen, 8. Lkl. Heute morgen verschied in Folge eines Schlaganfalles im Alter von 63 Jahren der Landtag.avgcordne.e und Stad.verordnete Jalob Pennrich von hur. Peimri.tz gehörte dem Zentrum an, er mar 33 Jahre Land.agsabgevroneicr Per Stadt Bingen. Seit dem Jahre 1874 gehörte er mu lurzen Unterbrechungen der hiesigen Ltudiverorone.e.iversammiung an. Pe.m- rid) war langjähriger Verleger um) ihebufieur des im Jahre lo48 gegrünbeteii Binger Anzeigers und eine Persönlichkeit, d.e wen über die Grenzen unserer Stadt bekannt war. Hegcu-Nugau. [] Marburg, 7. Lkl. Unsere Pferdebahn, die am 1. Oktober 1903 den Ornnibusoerkehr ablöiie, stel.te heule ihren Be- ineb ein. Tie Eröfinung der cleitrischen Slraßenbahn i|t bald zu erwarten. * Kirchhain, 7. Okt. In der Nacht zum Sarnskag starb in P ü tz ch e n bei Bonn der langjährige frühere Landrat des Kreises Kirchhain, Kgl. Kain.nerherr Freiherr Rudolf Schenck t u Schweinsberg, Rechtsntier tkS Iohanniterordens. Ter Verblichene, ein Mitglied des bekannten althessischen Ritter- geschlechks. deren Stammburg in Schweinsberg fleht, hat sich wahrend seiner Wirtfauiteit als Landrat in hoh.m Graoe um die 3ntcre*fen seines Kreises und seiner Bewohner verdient gemacht. Er war auch Gründer und Vorsitzender deS Kreistriegeroerbandes .^.irchhain, sowie Vorstandsmitglied sonstiger gem.iiinubigec Vereine. Vor etwa 2 Jahren mutzte er sich wegen eines Leidens, das ihn plötzlich befiel, von seinem ihm so lieb gewordenen Amte ,;urückziehen. Tre Beerdigung findet am Dienstag in Schweinsberg statt. w. Biebrich, 7. Okt. Heute nachmittag hat die Beisetzung pes in Berlin verstorbenen Phiu),ophen Prof. Tilthey auf dem hiefigen Friedhof stattgesunden. Der Beisetzung ging eine Trauerfeier in der Urauia-Gedächtnis- lirche voraus, in der Geheimrat Prvf. Tr. Stumpf namens der Universität Berlin und Geheimrat Prof. Dr. Roethe namens der Akademie der Wissenschaften Ansprachen hielten. Rinfrift frei I Der Borstand der Kreisgruppe Gießen uiiiuii im Deutschen Flottenvereine. „ 32 120 Paris, 9. Okt. Der aus Anlaß der LibertH Katastrophe eingesetzte Untersuchungsausschuß beschloß die schleunige Entfernung aller Putoervorräte älterer Konstruktion von den Kriegsschiffen. Toulon, 9. Olt. Gestern abend erfolgte in einem Kaffeehaus die Explosion einer Bombe, bei der fünf Personen verletzt wurden. ir Me U jz Cln Suy Etagenbett-6111 i-BSn. als dieÄ?tr’ ZM tasSg .Sinb.n, !c t’ifttion eteinaoettr 26 hebenSroürbiqt Wn- * eines Echaufpj^ l,bkartr Aufgaben, h ‘belQ Kapelle, ßöl5err Ahne, Boii! Nach zehnjähriger Aflbeesorentätlgkeit an Grossh. Hess. Land- und Amtsgerichten und einjähriger Beschäftigung bei gcwerbl. Grossunternehmen Frankfurts habe ich mich in Offenbach a. M., Sprendlinger Str. 21, als Rechtsanwalt niedergelassen. Theodor Kranz. Airche und Schule. — Pfarrer aipo loiru auf cuic ^^nladung des kirch- lich-liberaten Vereins in Schoneberg am 23. Oktober über die leiigiöse Bedeutung der Perion Je|us sprechen. Universitäts-Nachrichten. If. Frankfurt p. M., 6. Ott. Ter Stadtbauinspektor am hiesigen ftädlischen Hochbauantt, Regierungsvaumekiter Paul i Seit 16 Jahren in Deutschland eingeführt und beliebt Vie lall' dieser Nur Schutz- echt marke. mit En gros von der Fabrik: hv“/i Plockstr Ab heute tiefbetrübt mitteilen. der Mch WWp 08350 Außerdem ein neues grOrtiB Prskro«, Ailcinvntfiisirungsrclßt für Kießcn I (Inematograph Babnbofttraße 54 (083511 Bahnhofstraße 54. Ter Vorstand. vö/iol OOOOOOOOOvr Imlette M ■ ■ ■ sl'/io 6110 Frau Professor Höhlbaum. AI Die trauernden Hinterbliebenen. In deren Namen: Heinrich Roth. lir. 23 grlNnl Gemeindekrankenschmester, soivie für die Worte des Herrn Pfarrers Rieder sprechen wir hiermit allen unseren Dank aus. trostreichen am Grabe herzlichsten 6199 Für die so zahlreiche Beteiligung, die vielen Blumenspenden, die liebevolle Pflege seitens der taei* Gesangverein Zur Weihe unseres neuen Pianinos am Dienstag, den 10. d. M., adendö 9 Uhr, im VereinSloknl „Zum Postkeller" laden wir hierdurch unsere verchrlichen aktiven sowie passiven Mitglieder hösl. ein. Zahlreich. Besuch sehr erwünscht. Ur. Elias Sauersiolf - Bad Marke Svipeck, gegen Herzleid., Arterienverkalkung. l>reinAngrelfen der Wannen. Atk. 1.90, 10 Bader ä Ulf. 1.80. In Apolh. u.Drog. v. direkt d.^arl Welter, Frank- surl a. M.-Aiedenau 48. halte ab: Werktags 9—5 Uhr Sonntags 10—12 Uhr $te .Anzeige wöchenl' Iran« Danksagung. in seinen Eigenschaften und Wirkung von dem hochangesehenen Chemiker der Seifen-Industrie Herrn Dr. C. F. 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Ab MW, SiciiMng, ein kiucMoWiWks Mcistmmk: Tocaes-finze^ge Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unsere innigstgeliebte Mutter, Großmutter, Schwiegermutter,Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharina Kröck Ww Sonntag mittag 1 Uhr nach kurzem Krankenlager im Alter von 67 Jahren sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, M-Gladbach, Bielefeld, Kinzenbach und Gießen, den 9. Oktober 1911. Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Marktstraße 13, aus statt. 61J2 Sektion Giessen 0. &. Oe. A.-V. Dienstag, d. 10. Oktober, abends 83/< Uhr g im oberen Taale des Nestanr. Metropol außerordentliche Killipt-Pttsliiiiülliiiig. Tagesordulmg: Prüfung der Baupläne und Vergeben des Hüttenbaus. (vü/i0 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinschelden ineines lieben, unvergehlicken Gailen, unseres guten Vaters, Großvaters, Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels Philipp Weber Königlicher Eisenbahn-Weichensteller 1. Klasse sowie für die zahlreichen Kränze und Blumensvenden, die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Schulte und für die Beteiligung des Gesangvereins Harmonie unseren herzlichen Dank. ISTOltfier Mriegseriunerungen. Grokart'ge historische und dramatische «^andluna-n. linhcdin.tt schöne Momente find in dieser Vorführung enthalten. 9?ndi Slouieii beyüUintcr 6iiiotiicbev Gemälde begegnen w.r u. «■ b¥in Minen “Sw’ltemi, Lhi-rs, Saure, «och nie nt ei aeumaen Ninar-Laenau su kopieren, wie in dielen Szenen, nmn lnnn sich den nroücn 'Selben mchi namrgeireuer denken. Hklitc jiiiii Ictitcn «dt hab grotzlirtige BliHrijim W W i Familie Weber. Großen-Linden, den 7. Oktober 1911. 08349 Familie Lil-mg Adslph Hl Klein-Linden, den 9. Oktober 1911. Oon Jos© eäe LafciersB der phänomenale Gedankenleser. Les Condor’s Faul Haase Equilibristen. der glänzende Humorist, und die anderen Attraktionen. Jeden Sonntag nachmittag 4 Uhr: Grosse Extra-Familien- u. KindervorstellungzukimnPreiseu Yon 11—1 Uhr vorn. Frühschoppenkonzert. Täglich abends 8 Uhr: [08286 Giessen (Neuen Baue 16), den 8. Oktober 1911. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 6198 1 Dr.O hie einige einle Gung h>" -er Jimer . -en, nach d ' Verhalten e liberalen P- stehende Si item Mund dem letzten sitzende erti aus Mainz Der fiii ■ Fragen aud zu befassen die Vorzüge Es ist eine ein so toichl lind ich mu rungen herv die Frage, zugestallen, sich schon ai heutiges Sä halb dieses Wissenschaft dieser Zeit Lchulgesetz heutigen 3 Ehrensache müzuwirlei auch im li von einer Mir muffet geraten iv> Wirb, entz, auf bloße regelung u hiert>en, faj filninbtye j- fünfe lein , her fionfeiiioi fciiionöMen zogen. 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Frauen der Gemeinde Der Vorstand: CUL Stadttheater (liessen Direktion; Hermann Steingoetter. Dienstag, d. 10. Oktober 1911, abends 8 Mir: 2. Diellötag-Abonn.-Vorttellung Gcwöhnl. Preise Gewöhnt. Preise Sie Kinder der Exzellenz Lustspiel in 4 Auszügen von E.v.Wolzogen und W. Schumann. Ende 10V« Uhr. a’/« Mittwoch, d. 11. Oktober 1911, abends 7 Uhr: 2. Mittwoch-Abonn.-Vorstelluna Gewöhnt. Preise Gewöhnt. Preise Der Meisler von Pnlnijn Drarnnt. Dichtung in 5 Aufz. vo« Adolf Wilbrandt. Ende gegen IO1/« Uhr.