161. Jahrgang Chefredakteur: A. Goch. Verantwortlich für den politischen Teil: August Nr. 256 Der «iehener Anzeiger erscheint täglich, anher EonntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich Erstes Blatt 9 Samstag, 7. Oktober M VeingSpreiS: monatlich75M.,viertel« jährllch Dik. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePosl Mk.2.—viertel- jädrl. auöschl. Bestell«. Zcilenpreiü: lokallöPf, auswärts 20 Pfennig. SiebenerZaniilienblätter; iweimal ivöchentl.Nreir-. .lattfürdenNreirSiehen (Tienslag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitfragen Ferniprech - Anschlüsse: rWW General-Anzeiger für Gberhessen LNZL 2tnnohm" w« »njeigen Rotationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. lange. Redaktion, Srpcdition und Druckerei: Schutftrahe 7. d"n bt! ^rmUtagiTui)" viidingen: zernsprecher Nr. 269 Seschästrftelle vahnhosftratze 16a. Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaht 20 Seiten. politische rvoehenschc^u. Gießen, 7. Oktober. Die Tagung des österreichischen Reichsrates hat am Donnerstag keinen rühmlichen Anfang genommen. Ter Sozialdemokrat Adler füllte die erste Sitzung des Ab- geordnetenhcnrses mit einer donnernden Anklagerede gegen die Regierung aus. Während er über die strengen Maßnahmen gegen die Unruhestifter und Umzügler vom 17. September wetterte, hat einer seiner Parteigenossen die Gesinnung in die Tat übersetzt und die Mordpistole gegen den Justizminister erhoben, glücklicherweise ohne jemanden zu treffen, .höchstens die sozialdemokratische Aktion selbst hat durch diesen Streich eine Niederlage erlitten, denn cs ist damit erwiesen worden, welche Früchte aus der Saat blinden Hasses aufgehen. So kaltblütig und gesinnungstüchtig der Täter Njegur sich gcberdete — kein Mensch wird ihn für einen Staatsrcttcr halten. Die schlimmsten Ausschreitungen vom 17. September mußten gesühnt werden, und der Justizminister hat nichts als seine Schuldigkeit getan. Eine andere Frage ist es, ob die bisherigen Maßregeln der österreichischen Negierung zur Abwendung der Lebensmittelteuerung ausreichen. Verneint man diese Frage, dann gibt es freilich andere Mittel und Wege als Nevolverschüssc, um zum Ziele zu gelangen. Doch mit diesen ernsten Ucberlegungcn hat das österreichische Abgeordnetenhaus sich vorerst noch nicht befaßt. Tie Regierung hatte gleich einer zweiten Anfrage zu begegnen, die womöglich noch nebensächlicher abgetan wurde als die Beschwerde über die Folgen der Teuerung. Wie der Ministerpräsident Frhr. v. Gautsch den bekannten Fall Cartwright ignorieren zu können glaubte, wird in der deutschen Bevölkerung kaum Verständnis Und Zustimmung finden. Daß der englische Botschafter Cartwright iu Wien öffentlich Stimmung gegen Deutschland machte, daß er sich dabei dreister Verdrehungen der marokkanischen Sachlage bediente, das ließ den Ministerpräsidenten anscheinend ganz kalt. Er nahm den deutschfeindlichen Engländer als „Vertreter einer befreundeten Macht" in Schutz und leugnete, daß durch den Fall Cartwrigbt die inneren oder äußeren Verhältnisse der österreichisch-ungarischen Monarchie berührt worden seien. Wir halten diese Erklärung für ein bedeutsames Zeichen der Zeit. Wenn man auch vom österrcichi scheu Ministertische keine scharfe Zurückweisung des Cart- wrighischen Vorgehens erwarten durfte, so konnte die ministerielle Erklärung doch auf die deutschen Gefühle Rücksicht nehmen und bei diesem Anlaß im Gegensatz zu den hämischen Aeußerungcn des Engländers der deutschen Politik Gerechtigkeit widerfahren lassen. Tenn schließlich war es doch nicht ausgeschlossen, daß durch ein Zerwürfnis in der Marokkofrage auch die Verhältnisse Oesterreichs sehr wesentlich in Mitleidenschaft gezogen werden konnten. Daß man in Wien amtlich kein Interesse daran zu haben glaubt, böswilligen Ausstreuungen gegen den deutschen Bundesgenossen zu begegnen, ist für uns Deutsche sehr bedauerlich und berührt uns nicht gerade liebenswürdig. Auch dieser Vorfall freigt wieder, daß wir einigermaßen ins Hintertreffen geraten sind, und daß über unsere Interessen, mehr als dies unter Bundesgenossen billig ist, zur Tagesordnung übergegangen wird. Tas Berliner auswärtige Amt läßt heute in einer Notiz des Wolffschen Bureaus die Antwort des Herrn v. Gautsch als „korrekt" bezeichnen. Dabei stützt sich die Norddeutsche Allgemeine Zeitung wieder darauf, die englische Regierung habe ja erklärt, daß Cartwright die bekannten Aeußerungen nicht getan habe. Wie das amtliche Blatt heute noch so etwas schreiben kann, nachdem weitere Veröffentlichungen in Wien unzweideutig die Autorschaft Cartwrights festgestellt haben und die ganze deutsche Presse die amtliche Londoner Erklärung überhaupt nicht ernst genommen hat, ist sonderbar. Dabei haben englische Minister und Staatsmänner auch in dieser Woche fortgefahren, über die Marotkofrage der Welt Sand in die Augen zu streuen. Ter alte Respekt ist eben fort. Auch den gestern gemeldeten Zwischenfall in Agadir, wo Franzosen die dort ansässigen Tentschen verhöhnt und bedroht haben, nimmt man in der Wilhelmstraße wieder auf die leichte Schulter. Es soll sich nur um ein paar übermütige Franzosen gehandelt haben. Und eine Notiz des Wölfischen Bureaus stellt die Sache wiederum so dar, als ob alles korrekt zugcgangen sei. Wenn es richtig ist, daß der französische Konsul zugunsten der Deutschen eingeschritten ist, so ist das ja erfreulich. Aber wir glauben der rosigen Darstellung unserer amtlichen Autoritäten nicht so recht. Und das bittere Gefühl über den zunehmenden Hohn unserer Feinde und die wachsende Gleichgültigkeit unserer Freunde bleibt besteben. So hatte Herr Bassermann ganz recht, wenn er in den „Leipz. Reuest. Nachr." darauf hinwies, daß das Volk erregt sei über die lare Wahrung der deut' scheu Interessen. Wenn wir Pflichten gegen uns selbst versäumen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn unsere Freunde es mit ihrem Eintreten für uns auch nicht so genau nehmen. Zurzeit füllen wir den Italienern in der Türkei dienstfertig ihre Pässe aus. Es soll für die deutschen Behörden in der Türkei eine heillose Arbeit sein. Wir haben auch Schritte zur Anbahnung des Friedens zwischen Italien und der Türkei getan. Sie haben aber keinen Erfolg gehabt. Nur der Ratschlag an die Türken, Tripolis endgültig aufzugeben, |cf)eint übrig ckeblieben zu sein. Wenn wir nur nicht zu eindringlich mft dieser Natserteilung sind! Niemand wird es uns sinken, am wenigsten natürlich die Türken, die, mit cincli Kabinettswechsel, sich schon nach 'oesseren Freunden uii3 Beschützern umgesehen haben. Tie Engländer werden freilich dem kranken Mann auch nicht aus der Patsche knckfen. Aber die jahrelange, mühsame deutsche Arbeit scheint fruchtlos vertan zu sein. Heute wird zwar halbamtlich versichert, unser Botschafter Frhr t>. Marschall genieße bei den leitenden Persönlichkeiten in Konstantinopel noch das alte Anseben, aber gleichzeitig wird zugegeben, daß die türkische Rolksstimmung heute g e g e n uns ist. Und das kann uns sehr leicht unsere wirtschaftlichen Fortschritte im Osmanenrciche wieder verkürzen. Daß der Krieg für die Türkei mit dem völligen Verlust von Tripolis endet, darüber gibt cs kaum noch einen Zweifel. Die gelandeten Italiener haben in Tripolis bereits einen Gouverneur ernannt und die gesamten Hafenbcfcstigungcn der Provinz Cvrenaika genommen. Sic werden dafür die nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Rache der Türken zu spüren haben. Viel wesentlicher als die inhaltlosen Vermittclungsvcrsuche nützen der Türkei gegenwärtig die Rtaßnahrnen Oesterreichs, die es bewirkt haben, daß Italien mit seinen Schiffen die Küsten von Albanien und Epirus verschont. Der Herzog der Abruzzen hatte ja, wie auch aus den neuesten Meldungen hervorgeht, die beste Absicht, auch in Albanien vorzugehen. Oesterreich hat seine Mahnung freilich nicht um der schönen Augen der Türkei willen nach Wien gerichtet. Ueber Krieg nnd Frieden entscheiden heute wie immer nur die nackten realen Interessen. Und nur der Starke und Mächtige kann im Wettstreit der Völker seine Rechte durchsetzen. Der italienisch-türkische Krieg. Tripolis militärisch beseht! Nach zweitägigem, allerdings oft unterbrochenem Bombardement der italienischen Kriegsschiffe auf das im Westen der Stadt gelegene Fort Sultanje und die beiden, den Hafeneingang schirmenden anderen Forts ist es nun den Italienern gelungen, die Stadt Tripolis zu besetzen. Ueber die Vorgänge bei der Landung in Tripolis meldet die amtliche Agenzia Stefani noch folgende Einzelheiten: Rach der Landung der Matrosen in Fort S u l t a n i a begaben sich die Araber, die zu den Stämmen aus der Umgebung von Tripolis gehören, au Bord des Admiralschiffes und gaben ihre Unterwerfung fimb, indem sie gleichzeitig um Einstellung des Bombardements baten. Der deutsche Generalkonsul als Doyen des Konsularkorps, begab sich ebenfalls an Bard und bat den Admiral, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und den Schutz der Personen und des Eigentums der fremden Kolonien in der von den türkischen Truppen verlassenen Stadt übernehmen zu wollen. Man landete darauf noch weitere Kompagnien Matrosen mit Kanonen und Schnellfeuergeschützen und besetzte die Stadt Tripolis militärisch. Auch im Fort Sultania blieb ein Posten. Die Besetzung ging ohne Zwischenfälle vonstatten. Tie gelandeten Truppen wurden unter den Befehl des Kapitäns zur See C a g n i gestellt. Kontreadmiral Borsadolmo wurde zum Gouverneur ernannt. Der deutsche Generalkonsul hat dem Admiral Färavelli mitgeteilt, daß während des Bombardements kein Schaden weder an Personen noch an Häusern in den europäischen Niederlassungen zu beklagen ist. Rom, 6. Okt. Tie B lütter besvrechen die Besetzung von Tripolis. „Giornale d'Jtalia" sagt: Nach fast dreizehn Jahrhunderten sieht Tripolis neuerdings römische Embleme. Tie italienischen Farben, die über der Stadt wehen, bezeichnen das Ende einer langen Periode der Barbarei. Tie Araber von Tripolis blicken neidisch auf das Gedeihen Aegyptens und Tunesiens. Wir dürfen ihre Hoffnungen nicht enttäuschen. „(Sortiere d'Jtalia" schreibt: Tie Einnahme, die uns keinen Mann und kein Schiff kostet, klug vorbereitet und mit seltener Energie durchgeführt war, bedeutet eine Verwirklickmng der Wünsche der Nation und hat eine hohe moralische Bedeutung, von der ganz Italien durchdrungen ist. Tie Blockadeerklärnng Italiens. Berlin, 6. Okt. Der „Reichsanzeiger" meldet: Tie italienische Negierung erließ nachstehende B lockaPeer klärung, die sie der deutschen Botschaft in R o m bekanntgab: Tie italienische Regierung erklärt im Hinblick auf den Kriegszustand und gemäß der Grundsätze des Völkerrechts, insbesondere der Regeln der Pariser Deklaration vom 16. April 1856 und der Londoner Erklärung vom 26. Februar 1909, daß seit dem 29. September die zwischen dem 11. Grad 32 Minuten nnd dem 27. ctrab 54 Minuten östlicher Länge von Greenwich liegende Küste von Tripoli- tanien und Cyrenaica in ihrer Ausdehnung von der tunesischen bis zur ägyptischen Grenze mit ihren Häfen, Flut- häfen, Reeden, Buchten usw. durch ihre Seestrcitkräfte lvirksam blockiert wird. Befreundete und neutrale Schiffe erhalten zum Auslaufen aus dem Blockadegebict eine vom Beginn der Blockade laufende Frist, welche vom kommandierenden Admiral der italienischen Seestreitkräfte festgesetzt wird. Gegen alle Schiffe, welche die Blockade zu brechen versuchen, wird gemäß § 575 des Völkerrechts und den mit den neutralen Mächten bestehenden Verträgen verfahren. Die Küstenbefestigungen von Eyrenaika bombardiert. Berlin, 7. Okt. Tie „Morgenpost meldet aus Chiasso: Aus Malta wird gemeldet, daß Cyrenaika besetzt worden ist. Außer den Häfen von Benghazi und Terna sind auch die Küstenbefestigungen von Bomober, Urzia und Tobruk bombardiert worden. Italienische Matrosen wurden in diesen Häfen ausgeschifft, die Forts besetzt und auf den höchsten Punkten die italienische Flagge aufgepflanzt. In Benghazi wurde sehr erbitterter Widerstand geleistet. Tie italienischen Schiffe hatten keine Verluste. Ein Seegefecht an der albanischen Küste. Rom, 6. Okt. (Agencia Stefani.) Heute früh 5 Uhr wurde unerwartet verräterisch von der Küste von San Giovanni di Mcdua (Albanien) auf ein italienisches Schiff, das die weiße Flagge zeigte, gefeuert. Der italienische Torpedobootszerstörer „Artig!iara", der den Uebcrwachungsdienst ansübt, um zu verhindern, daß Kriegs- kontrebande nach Albanien gelangt, und der vermutlich noch nicht den Befehl, sich von der albanischen Küste zu entfernen, erhalten hat, erwiderte, angesichts des Angriffes notgedrungen das Feuer zur Rettung des Schiffes. Die „Artigliara" wurde leicht beschädigt, der Kommandant am Fuß verwundet. Der Schaden auf feindlicher Seite ist unbekannt. Ein Bombardement von Hodeida? London, 6. Okt. Dem Reuter Bureau geht aus Hodeida über Perim folgende Nachricht zu: Am 2. Oktober feuerten zwei italienische Kriegsschiffe 21 Granaten über die Stadt, von denen eine ein Beglcitboot der im Hasen liegenden englischen „Guildhall" zum Sinken brachte. Massaua, 6. Okt. (Agenzia Stefani.) Die Forts von Hodeida und ein türkisches Kanonenboot feuerten mehrere Schüsse gegen das italienisch e K a n o n e n b o o t „A r e t u s a" ab, ohne zu treffen. Die „A r e t u s a", die zum Schutz des italienischen Handels den Ueberwachungsdienst im Roten Meer versieht, er« widcrtedas Feuer und brachte das feindliche Kanonenboot zum Sinken. Berlin, 7. Okt. Der „Lokalanzeiger" meldet aus London: Aus Chiasso wird gemeldet: Nach einem Telegramm vom Noten Meer richtete das italienische Kriegsschiff „Aretusa" schweren Schaden an den Befestigungen von Hodeida an. Bei der Vernichtung des türkischen Kanonenbootes wurden ungefähr 20 Mann getötet und verwundet. Viele türkische Matrosen, darunter mehrere Verwundete, stürztensichinsMeer,ehe das Kanonenboot unterging. Der Kapitän der „Aretusa" befahl, die Boote herabzulassen, und es wurden so viel als möglich gerettet. Das Reutersche Bureau meldet aus Hodeida vom 25. September: Mit Jmain Jahia, dem Führer der Aufständischen, ist ein befriedigendes Uebereinkommen getroffen worden, das auf den dauernden Frieden im Jemen abzielt. Man erwartet, daß die Hauptmasse der türkischen Verstärkungen unverzüglich nach Konstantinopel zurückkehren wird. * Tie Beschränkung der italienischen Tätigkeit zur See Wahrscheinlich haben Oesterreichs Vorstellungen in Rom eine nachhalitge Wirkung ausgeübt, denn es wird gemeldet: R o m, 6. Okt. Tie „Tribuna" erinnert bei Besprechung des Gefechts des Torpedobootszerstörers „Ar- tigliere" bei San Giovanni di Medua daran, daß die italienische Regierung während des Aufstandes in Albanien, von dem lebhaften Wunsche beseelt, eine schnellere Beruhigung der Provinz herbeizuführen, strenge Maßnahmen zur Verhinderung der Einfuhr von Waffen und Munition ergriffen habe. Diese Maßnahmen seien nicht nur nach Ende des Aufstandes, sondern sogar noch während des jetzigen Krieges aufrechterhalten worden. Trotz der Feindseligkeit sei der entschiedene Wunsch der Regierung; und das Interesse Italiens, daß die Unruhen in Albanien sich nicht wiederholten. Trotzdem hätten einige fremde Blätter Italien angeklagt, daß es den Waffenschmuggel begünstige. Am 2. Oktober seien daher die U eber- wach ungsbefehle bestätigt und erneuert wor- den, immer in dem Wunsch, alles zu vermeiden, was zu Verwicklungen auf dem Balkan führen könnte. Es sei Zweifel entstanden, ob nicht die Operationen-der italienischen Schiffe an den Küsten Albaniens und im Jonischen Meer Veranlassung zu Mißverständnissen geben und die dorrige'Bevölkerung in Aufregung versetzen könnten. Es sei also der Flotte erneut Befehl gegeben worden, aller Operationen an den Ottomanischen Küsten Albaniens und von Epirus sich durchaus zu enthalten und die im Adriatischen Meere kreuzenden Schiffe nach den italienischen Häfen zurückzubeordern. Diese Maßnahmen seien von dem Bestreben eingegeben, die politischen Interessen Italiens und Europas zu sichern. R o m, 6. Okt. Der HerzogderAbr uzzen ist heute nachmittag, nachdem seine Schiffe zurückbemfen worden sind, in Tarent eingetroffen. Er wurde von der Bevölkerung mit ungeheurer Begeisterung begrüßt. ßiolitti in Turin. Turin, 6. Okt. Ministerpräsident Gioli11i ist hier ein- getroffen. Am Bahnhof und auf der Fahrt durch die Stadt wurde er mit begeisterten Kundgebungen und den Rusen „Hoch Giolitti'" „Hoch das italienische Tripolis!" empfangen. Tie wirtschaftlichen Maßregeln der Türkei. Rom, 6. Cft Wie die Agencia Stefani aus Saloniki meldet, sind am Dienstag auf Befehl der türkischen Behörde sämtliche italienische Handelshäuser und Warenniederlassungen, ebenso wie die größteitalienischeBankModianoge schlossen worden. Infolge der Tätigkeit des Komitees für Einheit und Fortschritt sind in Saloniki weit schärfere Maßnahmen gegen die Italiener ergriffen wordeii als anderswo. In dem jetzt für türkisch erklärten italienischen Hospital ist allen Italienern, selbst dem Leiter. Nach einer Reihe von Anfragen über die gestrigen Vorfälle in der Säulenhalle und dem Sitzungssaal, wobei es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Deutschen kam, wurde die Sitzung geschlossen, und die nächste Sitzung auf Dienstag anberaumt. * Anschlag auf brn Justizminister. Wien, 6. Oktober. Die polizeiliche Untersuchung gegen Njegus und Paulin i)t abgeschlossen. Njegus, der die Absicht batte, den Justizminister zu erschießen und dies unumwunden zugab, wurde wegen Mordversuchs, Paulin wegen Verdachts der Mitschuld in das Landgericht eingeliefert. Der Bürgermeister von Sebenico teilt der „Neuen Fr. Presse"' über den Attentäter Njegus folgendes mit: Der Vater des Attentäters war Gastwirt. Njegus zeigte sich immer unruhig und gewalttätig. Nach der Wahlkampagne bedrohte er den Bürgermeister von Sebenico, weshalb er gerichtlich bestraft wurde. Auch sonst geriet er wiederholt mit den Behörde^ in Konflikt und wurde des öfteren bestraft, ebenso erlitt er während der Militärzeit Strafen. In Sebenico war er Korrespondent mehrerer sozialistischer Zeitungen. Die gescheiterte liberale Einigung. DaS Sekretariat der fortschrittlichen Volkspartei in Hessen bittet uns um Aufnahme folgender Notiz: Es ist unrichtig, daß E i n i g u n g s v c r h a n d l u n g e n für die Landtagswahlen zwischen den Lantesvorständen der national liberalen Partei und der fortschrittlichen Vo:kspartci gescheitert seien, da Verhandlungen solcher Art überhaupt nicht stattgefunden haben. Ebensowenig ist es richtig, das; der Darmstädter freisinnige Verein eine Einigung prinzipiell abgelehnt hat. Er hat sich nur geweigert, den bereits nominierten, um die freisinnige Sache hochverdienten, Stadtverordneten Henrich fallen zu lassen. Vilbel, 6. Okt. Eine Vertrauensmännerversammlung der nationalliberalen Partei stellte am Sonntag für den Landtagswahlkreis Vilbel den Lehrer Will-Rendel als Kandidaten für die kommende Wahl auf.. Der Kandidat, der ursprünglich angenommen hatte, hat nun doch wieder abgelehnt. Die Freisinnigen und Sozialdemokraten haben bereits Kandidaten im Wahlkreis aufgestellt. rb. Darmstadt, 6. Okt. Der verdienswolle Präsident der Zweiten Kammer, Geh. Regierungsrat Haas, der während der letzten Kammertagungen durch sei ne schwere Erkrankung fast vollständig an der Führung der Präsidialgeschäfte verhindert war, hatte die Absicht gehegt, in Rücksicht aus s inen leidenden Zustand und sein Alter — er hat die siebzig bereits überschritten — auf eine weitere parlamentarische Tätigkeit zu verzichten. Nachdem sich aber inzwischen sein Gesundh.itszustand wieder gebessert hat, scheint er sich nun neuerdings doch entschlossen zu haben, von Neuem ein Landtags Mandat anzunehmen. Im Landtagswahlkreis Bensheim—Lindenfels—Fürth ist aber schon von den Nationalliberalen der Postverwalter Mergelt-Rcichelsheim zum Kandidaten ernannt worden und die Vertrauensmänner sollen entschlossen sein, an dieser Kandidatur festzuhalten; ebenso gedenken die Baucrnbündler von ihrer Kandidatur Si fert nicht, abzugehen. Infolgedessen sind nun Schritte eingeleitet worden, ihm sein langjähriges früheres Kammermandat als Vertre er des Kreises P f un g st a d t—G e r ns h c i m ui der zurückz- g winnen, da? nur in der verflossenen Landtagsp.'riode durch den sozialdemokratischen Abg. Raab ausgcübt wurde. der Eintritt verboten worden. Ausländische Aerzte versehen den Dienst ganz allein, da die Krankenschwestern nicht unter tiirkischen Vorgesetzten dienen wollen und sich zurückgezogen haben. Zahlreiche Italiener sind nach Serbien abgereist. Die Ausweisung der Italiener. Die „Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Die deutsche Botschaft hat der türkischen Regierung empfohlen, bei der Ausweisung der Italiener aus der Türkei Mäßigung walten zu lassen. — Die „Köln. Ztg." meldet weiter, daß sich die Pforte infolge der Vermittelung der Botschafter veranlaßt gesehen habe, die Untersagung der Kohlenübernahme von Handelsschiffen in den ottomanischen Häfen wieder aufzuheben. Konstantinopel, 6. Okt. (Wiener Korr.-Bureau.) Der französische Botschafter traf gestern hier ein und hatte mit dem Großwesir am Nachmittag eine Besprechung. Die Ausweisung der Italiener aus der Türkei soll bevorstehen. Gestern ereignete sich auch der erste Fall von Boykott gegen Italien., Er betraf italienische Waren, die mit einem bulgarischen Dampfer eintrafen. Konstantinopel, 7. Okt. Morgen soll, wie verlautet, ein Kommunique der türkischen Negierung erscheinen, das einige Ueberraschungen bringen werde. Angeblich sollen darin alle Repressalien angekün digt werden, die die Türkei nunmehr gegen italienische Untertanen, italienische Waren und den Besch von Italienern anzuwenden gedenkt. Es heißt sogar, das (Kommunique werde den Krieg bis zum äußersten versprechen. Eine Landung der Türken auf Samos. Athen, 6. Okt. Nach einer Meldung der Agence d'Athenea landete die Türkei gestern 500 Soldaten bei Sarnos und machte sich dadurch einer Verletzung des von Frankreich, England und Rußland garantierten völkerrechtlichen Status der Insel schuld. Ein englischer Dampfer von den Türken anaehalten. Saloniki, 6. Okt. Der englische Dampfer „Oehris" wurde unterwegs von dem türkischen Küstenpanzerschiff „Feth-i-Bulend" angehalten. Bei der Durchsuchung der Ladung wurden vierzig Fässer Schießpulver gefunden, weshalb der Dampfer nach dem Hafen von Saloniki gebracht wurde. Er wird vorläufig alß Prise betrachtet. Der neue türkische Minister des Auswärtigen. Berlin, 7. Okt. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Der neue Minister des Aeußern R e s ch i d Pascha ist stets für Anl ehnung der Türkei an DeutschlandundOe st erreich eingetreten. Seine Berufung erfolgte zwar nicht aus diesem Grunde, darf aber als Gewähr gegen eine Abkehr der türkischen Politik vom bisherigen Pfade gelten. Trotz der den Deutschen gegenwärtig unfreundlichen Volks st immung genießt der deutsche Botschafter Freiherr v. Marschall unverändert das alte unbegrenzte Vertrauen der maßgebenden Personen. Die türkische Mobilisierung. Konstantinopel, 6. Okt. Die Meldung eines Berliner Blattes über die Mobilisierung von 600000 türkischen Soldaten ist unzutreffend. Die gesamte Mobilisierung der europäischen Türkei umfaßt sieben Divi sionen. In Anatolien fand überhaupt keine Mobilmachung statt, sondern nur eine Verschiebung der aktiven Truppen aus dem Innern nach den Hafenplätzen. Eine Erklärung der griechischeu Negierung. Athen, 6. Okt. Die Agence d'Athönes veröffentlicht folgende Erklärung : Wir sind ermächtigt, in der entschieden- sten Weise die Meldung der Aaence-Ottomane als u n w a h r zu bezeichnen, nach welcher zwei Banden unter dem Befehl hellenischer Offiziere zwischen Elasfona und Diskata sowie zwischen Elassona und Serfidje bemerkt worden seien und daß sich andere Banden in Griechenland bilden wollen, um in ottornanisches Gebiet einzufallen. Es ist allgemein bekannt, daß Räuberbanden das gesamte Gebiet ständig verheeren und der griechischen Bevölkerung das Leben unmöglich machen, da die ottomanischen Behörden nicht den Willen zeigen oder unfähig sind, sie zu verfolgen. In Athen mißt man der Einberufung der Reservisten zweier Bataillone, zur Bewachung der Grenze von Epirus, keine Bedeutung bei. Die Türkei hat im Vilajet Janina die Reservisten von 22 Bataillonen unter die Fahnen einberufen. Dieses ungeheure Mißverhältnis kennzeichnet, so heißt es in einer amtlichen Veröffentlichung, die friedlichen Absichten der hellenischen Negierung. Tas Kabinett in Athen hat den Mächten von den durch Griechenland getroffenen militärischen Maßnahmen Mitteilung gemacht, damit diese für den Fall, daß über diese Maßnahmen in der Presse ungenaue Angaben gemacht würden, unterrichtet seien. Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 6. Okt. Bei Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ergriff der Finanzminister das Mort zur Einbringung des Budgets für 1912. Der Staatsvoranschlag für 1912 weist an Gesamteinnahmen in Höhe von 2 916 990 344 Kronen auf, also 35,2 Millionen mehr als im Jahre 1911; an Staatsausgaben 2 916 685 263 Kronen, 34,9 Millionen mehr als im Jahre 1911. Der Ueberschuß beträgt 305 081 Kronen. Außerdem brachte die Regierung im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf ein, durch welche die Aktivitätszulagen der Staatsbeamten von der sechsten Rangklasse abwärts, sowie die der Unterbeamten und Diener erhöht werden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden die bisherigen Vizepräsidenten wiedergewählt, darunter der So-- zialdemokrat P ernerstvrfer. Bei der Verkündigung oer Wahl Pernerstorfers wurden vereinzelte Pfuirufe auf Seiten der Deutschen laut, worauf die Sozialdemokraten mit lautem, anhaltendem Beifall und Hochrufen erwiderten. Bei der Wahl des definitiven Präsidiums wurde Präsident Sylvestre wiedergewählt. Zum Schluß fernes Exposes betonte der Finanzminister, angesichts der vielfachen Anzeigen der Entwicklungsfähigkeit des Erwerbslebens der ö st erreich ischenVolkswirtschaft, der Vergrößerung des Gesamtumsatzes des Handelsverkehrs, der günstigen Entwicklung der Banken, Sparkassen und des Genossenschaftswesens und der, wenn auch nicht auf allen Gebieten, verstärkten Industrie, glaubten die Minister sagen zu können, Oesterreich habe keinen Grund, den Mut sinken zu lassen, dürfe vielmehr getrost, wenn auch mit Vorsicht und Geduld, an die großen Aufgaben herantreten, welche die Existenzbedingungen der Volkswirtschaft und der Sozialpolitik stellten. (Lebhafter Beifalls 5<. hauptvcriammllng der deutschen Philologen und Zchulmümier. ~ Posen, 6. Okt. In der allgemeinen Sitzung der 51. Hauptversammlung deutscher Philologen und Schulmänner sprach heute der bekannte Forscher auf dem Gebiete der Ameisenkunde, Pater Was mann (Valkenberg in Holland) über „Das Seelenleben der Ameisen". Er wies darauf hin, daß schon vor vielen hunderttausend Jahren im ersten Drittel der Tertiärzeit ein reiches Ameisenleben aus unserer Erde sich entfaltet habe und kam zu dem Schluß, daß dieses älteste Amcisenleben demjenigen der Gegenwart in seinen Hauptzügen entsprach. Nirgendwo int ganzen Tierreich treffen wir so menschenähnliche Gescllschaftseinrichtungen wie namentlich bei den Ameisen. Einzelne kühne Sozialreformer sind deshalb sogar auf den Gedanken gekommen, die Ameisenrepubliken als Vorbild für die Menschenstaaten aufzustellen. Ameisen und Menschen sind grundverschiedene Wesen nicht bloß körperlich, sondern auch bezüglich des Seelenlebens und doch finden sich viele überraschende Äehnlichkeiten. Der Vortragende gab hierauf eine Schilderung der einfachen Ameisenkolonien und ihres Gesellschaftslebens, sowie der gemischten Ameisenkolonien, in welchen Ameisen verschiedener Arten beisammen leben. Es sind dies die Kolonien der paraschischen Und der sklavenhaltenden Ameisen. Den Höhepunkt der Sklavenzucht in den Ameisenstaaten stellen die Ama- zonen-Ameisen dar, die das glänzendste Kriegertalent mit gänzlicher individueller Hilfslosigkeit verbinden. Sehr mannigfaltig und interessant sind die Beziehungen der Ameisen zu fremden Nestinsassen oder Gästen aus anderen Ordnungen und Klassen des Gliedersinns. Die psychologisch merkwürdigste Kategorie bilden die echten Ameisengäste, da sie die Pflege, die sie von den Ameisen erhalten, durch ein narkotisch berauschendes Sekret vergelten, nicht selten zum schweren Schaden ihrer geprellten Wirte. Mannigfach ist der Nahrungscrwerb der Ameisen, der an Viehzucht und Jagd, Ackerbau und Gemüsekultur der Menschen erinnert, aber doch nur auf instinktiven Grundlagen beruht. Der Nestbau der Ameisen weist in spezifischer Beziehung die größte Mannigfaltigkeit auf. Bei manchen Ameisenarten dienen bei der Herstellung der Gespinftnester die eigenen Larven äls Webschiffchen, ein einzig dastehender Gebrauch von Werkzeugen im Tierreich. Tie Annahme einer Ameisenintelligenz wurde sodann vom Redner an einigen Beispielen beleuchtet, die aus den Beziehungen der Ameisen zu ihren echten Gästen entnommen waren. Von „Intelligenz" im philosophischen Sinne des Wortes kann keine Rede sein. Der Redner schloß mit einem Hinweis auf Albertus Magnus und die gläubige Naturauffassung, die mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, auch heute mehr als je vollkommen vereinbar fei. In der pädagogischen Sektion, verbunden mit der historisch- geographischen, sprach Dr. Friedrich (Leipzig) über Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht. Er betonte, die innere Gemeinsamkeit zwischen historischer Wissenschaft und historischem Unterricht, die auch ein reges äußeres Zusammenarbeiten erwünscht machen. Dann behandelte er die in der teilweisen Verschiedenheit der Zwecke begründete Verschiedenheit von Forschung und Unterricht, wie sie in der Auswahl und Verarbeitung der Stoffe deutlich werden. Eine soziologische Geschichtsbehandlung in der Schule, welche die Bedeutung des Faches innerhalb der Organisation des Unterrichts ganz verschieben müßte, lehnte er ab. Quellenbenutzung forderte er nicht als heuristische Grundlage, sondern als illustrierende Begleiterscheinung des Unterrichts, wünschte jedoch, daß neben den Quellen die Lektüre klassischer Geschichtswerke zu ihrem Rechte komme. Direktor Dr. Matzdorff (Berlin) sprach über „Stellung der Biologie im Organismus der höh. Schule n", in die jene einzugliedern ist, nachdem seit 10 Jahren für ihre Ausnahme eine starke und erfolgreiche Bewegung stattgefunden hat. Ihr Betrieb wird sich, sei es von der Selbstbetätigung ausgehend oder an der Hand voü Unterweisungen namentlich auf eigen» Beobachtungen und Versuche stützen müssen. Unter den Lehrmitteln nehmen tobende Tiere Die er,re stelle ein, dann..können Präparate, Modelle und Abbildungen in sparsamer Weye Der* wendet werden. Das Lehrbuch soll niemals Anweisungen für den Lehrer erhalten. Schwierig ist die Frage der Lehrzeit für einen durchgehenden biologischen Unterricht. Vielfach wird auch wahlfreier Unterricht vorläufig noch zu empfehlen fein. Vor aUem mögen überall die Vertreter {Der biologischen Naturwissenschaft bartun, was sie können. r . Geheimer Archivrat Professor Dr. Warschauer (Pofen) sprach über den „Schulunterricht in der historischen Heimatkunde". In der orientalischen Sektion sprach Profeßor Dr. a cob (Brvmberg) über „Das Deutschtum im heutigen Palästina . Professor Dr. Siebs (Breslau) berichtete über em interessantes Volkslied, das ein Testament Friedrich des Großen darstellt. In 18 Strophen, die nach der Melodie des Prinz Eugen gesungen werden, gibt der König Anweisungen, was mit ferner Leiche geschehen soll, und gibt seinem Nachfolger politische Er- Mahnungen. Tas Lied hat Professor Siebs im böhmischen Rresen- gebirge vielfach noch lebendig gefunden. Weiter sprach Dr. Hermann Haack (Gotha) über „Fortschritte her Kartographie in den letzten Jahrzehnte n". Nur ein Fünftel her gesamten Landfläche erfreut sich, wie der Redner ausführte, einer genauen Angabe und Aufnahme in großem Maßstab, von den übrigen V5 ist weitaus der größte Teil topographisch eine terra incognita. Besser steht es mit der Aufnahme der Küsten. Nur die Polarküsten sind für Schisfahrtszw.'cke noch unerforscht. Ueberraschend gering sind die Kenntnisse des Meeresbodens. Als zuverlässigste Karte für unsere Kenntnis der Oberfläche gilt jene im Maßstabe von 1 zu 100 000; eine in London zusammengetretene Konferenz, die von Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Italien, Spanien, Rußland und den Vereinigten Staaten besucht war, hat sich über die Grundsätze der Herstellung dieser Karte geeinigt, so daß die Herstellung gesichert erscheint. Das lenkbare Luftschiff wird in Verbindung mit der Photogrammetrie viel zur Erweiterung unserer Kenntnisse bertragen, Professor Süpfle (Mannheim) berichtete noch über „Die höheren Lehranstalten und die Schularztfrag e", Privatdozent Tr. Frischeisen (Berlin) über „den gegenwärtigen Stand der S p r a ch p h i l o l o g i e", Professor Lehmann (Posen) über „Universität und Schule". Sodann wurde beschlossen, den nächsten Philologen- und Schulmännertag im Jahre 1913 in Marburg abzuhalten. 26. Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Zrauenvereinr. < Braunschweig, 6. Oktober. Die Teilnehmer an der Tagung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins besichtigten im Laufe des gestrigen Nachmittags die verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen von Braunschweig. Das große Interesse, das der Frauentag erweckt, zeigte sich in dem starken Besuch der gestern im Rathaussaale abgehaltenen Versammlung. Unter den Ehrengästen befanden sich Herzogin Elisabeth und die Staatsminister Hartwieg und Wolff. Helene Lange sprach über das Thema: „Was verstehen wir unter Gleichberechtigung der Geschlechter?" Gleichberechtigung bedeutet Freiheit, und Freiheit war von jeher die höchste Idee der Bestrebung. So wurde die Frage der Gleichberechtigung eine sittliche Frage. Die Frauen müssen an den Gedanken der gleichen Rechte festhalten. Sie wollen es nicht auf allen Gebieten dem Manne gleichtun, aber man soll ihnen in Gemeinden und Staat eine Mitbestimmung zugestehen. Heute vormittag wurden die Beratungen fortgesetzt. Frau Pauline Voigtländer gab den Geschäfts- und Kassenbericht der Charitas- und Luise-Lenz-Stiftung bekannt, deren Zinsen an Studentinnen gegeben werden. Frau Apolant (Frankfurt a. M.) berichtete über die Auskunftsstelle für den Gemeindcdienft, welche der Allgemeine Deutsche Frauenverband eingerichtet hat. Nach dem Bericht ist die Zahl der Anfragen gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. Frau Apolant begründete sodann den Antrag der Ortsgruppe Frankfurt a. M., nach dem der Allgemeine Deutsche Frauenverein für die Aufnahmen von Frauen in städtische Ausschüsse eintreten soll. . . Hierauf folgte ein Vortrag über die Erziehung der Mädchen für das Berufsleben. Ein Drittel aller Berufe wird in Deutschland bereits von Frauen ausgefüllt. Die Forderungen, allen Frauen eine Fachausbildung zuteil werden zu lassen, würde aber den Arbeitsmarkt mit Kräften überladen. (?) Die Erziehung zum Berufe muß Hand in'Hand mit der Schule gehen. Die Mädchen müssen auch den nötigen Berufsernst lernen. Sehr fraglich fcfyeinc es, ob die jungen Mädchen auch hauswirtschaftliche Ausbildung erhalten sollen. Geschichts- und Bürgerkunde sei dringend notwendig. Hierauf wurde eine Entschließung angenommen, die sich mit der Ausgestaltung der weiblichen Berufsbildung im Sinne der Gleichstellung beschäftigt. Ein Antrag Hamburg wurde sodann nach kurzer Beratung angenommen und beschloßen, für die Reform der Privatwohltätigkeit und zwar sowohl der korperativen, wie derjenigen von Einzelpersonen, einzutreten. Den Mitgliedern der Vorstände wurde empfohlen, sich aller Beteiligungen an Privat- wohltätigkeitssesten, Blumentagen usw. zu enthalten, ferner durch Mahnungen an der Teilnahme abzuhalten. Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Kongreß mit den üblichen Dankesworten geschlossen. Aus Statt mit Laut. Gießen, 7. Oktober 1911. * • Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nachmittag Uhr: „Charleys Tante"; abends Uhr: .Es lebe das Leben." Kolosseum: Täglich Dorstellung. Kinernatograph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung. Öl i l i l ä r k o n z e r t auf der „LiebigShöhe" Sonntag nachmittag 4% Uhr. Aulagemusik am Sonntag vormittag 11% Uhr in der Sud- Anlage. Spielpinn: 1. Parademarsch von Mollendors. 2. Ouvertüre zur Operette „Tie schöne Walatbe" von Fr. v. £irpp6. 2. Fantasie a. d. Oper „Faust" (Margarete) von Gounod. 4. Kösener 8.-0.- Marsch von H- Metz in Gießen. * • Landesuni oer sität. Der ordentliche Profesior der Archäologie Dr. Watzinger hat einen an ihn ergangenen Ruf nach Innsbruck erfreulicherweise abgelehnt. Auch der ordentliche Profesior für alte Geschichte Dr. Max Strack hat einen Ruf und zwar an die Universität Kiel erhalten. Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Vfarrverwalter Karl Frank zu Hutzdorf die eoang. Pfarr- 'telle zu Crainfeld übertragen. ** Eine Sitzun g des Provinzial - Ausschusses findet am Samstag, 14. Oktober, vormittags y49 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des Josef Wagner von Schöckingen. 2. Klage der LandesversicherungsanstaltGroßh. Hessen in Darmstadt gegen die Ortskrankenkasse Gießen ;pegen Ersatz von Pflegekosten für Johannes Plösser IX. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen die Orts- rankenkasse Gießen wegen Unterstützung des O. Hilpert von Bamberg. 4. Gesuch des Christian Sch unk zu Butz- o a ch um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. "). Aufnahme des Religionslehrers I. I. Isaak zu Hungen in die Fürsorgekasse für Kommunalbeamte. * * Stadttheater. Normals sei darauf hin- gewiesen, daß die Vorstellungen des Sonntags, nachmittags der bekannte Schwank „Charleys Tante",, abends da--. u- vlikationsbcfugnis zugeiprochen. Cttrifcbificibrt. Ter Apparat überschlug eichte >eiids riA Sonntag naö Zentrale: Zranksurt a. M. La. 70 Zilialen Bahnhofstrasse 26, Telephon 186 Pfund 13 Pfg. Pfund 18 w Weizenmehl Bruch-Makkaroni Pfund 24 Pfg. Stangcn-Maktaroni la. Pfund 30 Pfg. Pfund w Pfund 20, 28, M 18 20 24 34 Pfg. n Reis, prima Bruch-Reis Suppeu-ReiS jHMrfltn Weine ■ cstellung. bigshöhe' Bohnen, kleine weiße Erbsen, große gespaltene do. große ganze Linsen, gutkochend Solonialmortn .....fionfetutn Gulbranson wegen Beleidigung der Berliner Polizei zu 200 Mark Geldstrafe. Dem Polizeipräsidium wurde “-“»Mit oniragen. tete noch übn „Di, ^Aularztsroge", ft .--de" gegenivör- Pessar Lehmann Magnet - Mehl 9e,e&^fitt - in praktischen Handtuchsäckchen ===== o-Pfd. SackSo, 100 Pfg • 10-Pfd.-Sack 185,195 Pfg. Pfund 38, 48 Pfg. ft 60, 80 „ Ä u st i n (Minnesota), 6. Cft. Hier ist der an der Gordon- Bennet-Fährt beteiligte deutsche Ballon ,.B e r l i n I" (Führer Leutnant Vogt) um 10 Uhr vormittags gelandet. Amtlicher wellerdericht. Oeffentliche Wetterdien st stelle Gießen. Wetleransnetnen in gelten nm Sonntag, Den 8. Oktober 1911-, Vcclüetnd bewölkt, geringe Niederschläge bei wenig veränderter Temperatur, später leicht alisheiternd. Gerichtssaal. Stuttgart, 6 Okt. Tie Erste Strafkammer verurteilte den verantwortlichen Redakteur des „S i m p l i z i s s i m u s" HanS Roslllkll, Kl 36 Pf«. gE,rVf2 50,60^. Reims, 6. Okt. Beaumont, der seinerzeit den Fernflug Paris—Rom gewann, ist auf dem Militärflugplatz aus einer Höhe von zehn Metern a b g e st ü r z t. Der Apparat üb sich. Beaumont erlitt einen Beinbruch und mehrere l Verletzungen. do. Eiernudeln Meeres >51« bet vbL wysäj Kenntnisse beitrai ment zusammen nu5 Mannschaften auS Nassau und Hessen. Son aktiven Offizieren wurden zu dem Regiment tom- nnnbiert als BLtaillonSkommandeure: die Majore von Zrscher-Trcuenfeld (L) vom Regiment Nr. 81, Leineweber (II.) von den 88ern und v. FoNen III. Bat.) von 116., ferner 3rci Hauptleute oder ältere Oberleutnants von der 21. und mer von der 25. Division als Kompagnieführer und zu- ammen 17 Leutnants, Feldwebel, Kammerunteroffiziere oerden von den aktiven Truppenteilen gestellt. Als Kam- .'agnicführer sind aus dem Beurlaubtenstande einberufen: ■ic Hauptleute Monde! (80. Regt.), Hoch! 87. Regt v Neß- ing, Reinhardt, Prz irembel von der Landwehr-Jnfanteric 1. Aufgebots. Oberleutnants und Leutnants des Geurlaub- iertstandeS befinden sich bei jeder Kompagnie drei. Tie ckebung deS Regiments dauert bis zum 18. Oktober. Hessen-Nassau. 0 Marburg, 6. Okt. Gestern abend machte hier ein aus Limburg stammender Student der Medizin seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Tie Gründe, welche den jungen Mann zu der Tat veranlaßten, sind unbekannt. hk. Frankfurt a. M., 7. Okt. Zum Direktor der Römisch-Germanischen Kommission deS Deutschen archäologischen Instituts hier wurde der Direklor des Landesmuseums nassauischer Altertümer in Wiesbaden, Professor Dr. Emil Ritterling berufen: in dieser Stelle wird er Nachfolger deS Professors Tr. Hans Tragendorff. • X. Hanau, 6 Ölt. Ter Magistrat unfeier Stadl Hat sich mit Maßnahmen gegen die Teuerung be- ’chäftiqt; er will aus möglichst billige Weise Kohlen, Kartoffeln, Hülsensrüchte, Kraut imb Milch beschaffen. Dabei besteht die .'lbsicht, nicht nur kleine Mengen, sondern den ganzen Winter- vedars abzugeben. X. Schlüchtern, 6. Okt. Eine große Zahl am 5istelrasen-Tunnelbau beschäftigter italienischer Ar beiter int Gestellungsbefehl für den Kriegsdienst in der Heimat erhalten. Tie Abreise der Arbeiter ist bereits erfolgt. Kleine Tageschronik. Bei dem letzten Sturm sind auf dem Rhein zwischen Emmerich und Rotterdam, wie jetzt bckamU wird, ungefähr 20 Schiffe, darunter einige mit ganzer Besatzung, gesunken. Bei einem Großfeuer der Brandschen Tampf- und Wassermühle in dem benachbarten Fürstenberg bei Neustrelitz, verbrannten 20 000 Zen Mer Getreide. In Leicester brannten eine Kirche, mehrere Fabriken, Lagerhäuser und Privathäuser nieder. Während deS Brandes fand in der Kirche ein Dankfest statt. Die Andächtigen schwebten eine Zeitlang in großer Lebensgefahr. Viele Personen sind ofync Obdach, Tausende arbeitslos. Ter Materialschaden wird auf 5 Millionen Mark geschätzt. In Toulon wurden 70 Ovser der ,Lib«rt6", deren! Persönlichkeiten nicht fcstgcstellt sind, feierlich beerdigt. prima Qualität Pfund 30 „ Pfund 40, 45 „ toitb q5 n ^n. SJ * Wütigen M a - tete übn hna’tlnQ'- ich bed ßu? 3en, n>aä ^. T9Clt '°fha) über ln den lebten ngen sortgeseht. ftri. älts- und ftafimbtri: bekannt, denn Zim ierichtete übet bie Syrier vülgemMC Teut/dx 1 Seriiit iß bie 3ahi Äugen, tsgruvr. ■eint Deichs W WM Wir- Erziehung bit Em Drittel dte tauen ausgefüllt p Mdung zuteil rottbr. t straften überladen, r'tzand mit der W tqen BeruismrN lern-r. Rädchen auch Aeichichts- unb W-1 S eitle MW tung der iveiblichen t- n^nW kurzer Beraw« t lirDöito™/. * settiliungen «n u ÄM * A'wd d-i ®»»9«6 B Letzte Nachrichten. Die Erhebung der portug'efischen Monarchisten. Lissabon, 7. Okt. Die Monarchisten machten gestern einen Angriff auf Macedo de Cavallecros bei Braganza. Sie wurden mit einem Verlust von 30 Mann zurü «geschlagen. Op 0 rt 0 , 7. Okt. Eine amtliche Note bestätigt, daß die Monarchisten sich in Vinhaes konzentriert und Braganza und Chaves besetzt haben. London, 7. Okt. König Manuel von Portugal befindet sich noch in Richmond. Wien, 7. Okt. Nach einer Meldung der Neuen Freien! Presse befinden sich die Prinzen Miguel und Franz Josef von Braganza, sowie Prinz Franz Lover von Parma bei den monarchistischen Truppen. w. Frankfurt a. M., 7,*Okt. (Priv-Tek.) Heute morgen 7 Uhr überfiel in einem berüchtigten Hause in der Metzgergasse der 24jährige Fabrikarbeiter Sensel eine Bewohnerin des Hauses und verletzte sie durch 6 Messerstiche lebensgefährlich. Hierauf brachte sich Sensel selbst «mehrere schwere Verletzungen bei. Tafel Neis, großkörnig 20,24,30 Weizengries, fein Pfund 19 Hartgries, gelb, fein Pfd. 22 Pfg., grob 24 Gerste, grob Pfd. 14 Pfg., mittel 16Pfo., fein 22 Haferstocken, vorzügliche Qualität Pfund 22 Grüntern, ganz und gemahlen Pfund 35 MWetMechlken Paket QA feinste Qualität — gesetzlich geschützt. W U einen an - ltzvolf Dlc grovitV yortnit1^ i4. El wi 1Ull8J n 9^3 fei MgJ : Ä: & ’Sf- c I 1^3 I i ' * ■ Börsen-Wochcnbericht. Frankfurt a. M., 6. Okt. Tie Beunruhigung, die die Kr ic g s e r kl ä r u n 9 Italiens an die Türkei an der Börse verbreitet halte, hat sich schnell wieder gelegt, denn angesichts der Bestrebungen der Mächte, den Kampf auf Tripolis zu beschränken und auf ein möglichst rasches Ende des Streites hinzuwirkcn, glaubte man sich weitgehenden Besorgnissen nicht bingeben zu müssen. Nach den Kursrückgängen, die der erste Schrecken veranlaßt hatte, ist denn auch bald wieder eine Erholung eingetretcn. Uebrigens wurden die Kursrückgänge auch durch den Ultimo und die Anspannung am Geldmärkte mitverursacht, denn zum Ultimo sind noch manche schwache Elemente aus ihren Positionen herausgcdrängt worden. Tie Großfinanz traf weitgehende Vorsorge, um für die Bedürfnisse des Quartalswechsels gerüstet zu sein und da ein großer Teil der auswärtigen Guthaben in der letzten Zeit abgewandert ist, so war man genötigt, seine Ausflucht zur Reichsbank zu nehmen. Es wurden ungewöhnlich große Summen Wechsel zur Diskontierung eingereicht und so kam es, daß dec Status der Reichsbank in der letzten Septemberwoche sich um mehr denn Millionen Mark verschlechterte. Offenbar hatte die haute banque mehr Mittel bereit gestellt, als nötig war, denn nach Ueberwindung des Ultimos trat starkes Geldangebot hervor, welches nicht nur auf den Satz für tägliches Geld, sondern auch auf den Privatdiskonto drückte, welcher von seinem höchsten Stand um beinahe ein volles Prozent zurückging. Turch diese Erscheinung darf man sich allerdings nicht täuschen lassen. Der Rückfluß zu den Kassen der Reichsbank, die mit 504 Millionen Mark an die Notensteuer geriet, dürfte sich so schnell doch nicht vollziehen und bis die Bank wieder aus der Notensteuer kommt, dürfte immer noch einige Zeit verstreichen.' Handel und Industrie werden vorerst noch, mit teuerem Gelde zu rechnen haben. Ter Bedarf der Börse ist durch die Lichtung der Engagements allerdings erheblich zurückgegangen, durch die großen Ver- Korinthcn, gereinigt Sultaninen, „ Verlangen Sie franko gegen franko Katalog I........Tapete von 14— 45 Pfennig Katalog TI........ Tapete von 50- 70 Pfennig Katalo - ITT........ Tapete von 75-300Pfennig Ringfreie Tapeten-Industrle C.Kupsch, Frankfurt a. M. O. Alte Gaeta Nr. 14. kuste, die in der letzten Zeit namentlich an den miStpflrtiqfll Börsen erlitten worden sind, wurde der Markt aber auch empfindlich geschwächt und dadurch bat die Unternehmungslust stark ab- genommen. Vorläufig ist eine ^'bmderung dieses Zustandes auch kaum zu erwarten Pie Tripolisaffäre erhält sich vielleicht länger auf der Tagesordnung als man heute onnebmcn_ mag, von Amerika, woselbst die Regierung mit immer größerer Sckwrfc gegen die Trusts vorgeht, ist vorläufig gleichfalls keine Anregung zu mvarten, und wenn bei uns die Wirtschaftslage im großen ganzen auch noch gesund ist, so liegt für die Börse doch keine Veranlassung vor, in besonderen Jubel auSzubrechcn. DaS Geschäft dürfte sich rnelmehr längere Zeit in ruhigen Bahnen bewegen. Aus dem Anlagemarkt Haden sich die deutschen Anleihen gut erhalten, Balkanweric konnten aber ihre Kurs - Verluste noch nicht gartz wieder einholen. Recht fest lagen Meri- lauer, weck die Präsidentenwahl ohne besondere Störungcir vorübcrgeganc;en ist und man auf eine günstige Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Republik rtdwct. "Mud) Chinesen und Argentinier haben sich erfrolt. Italiener waren schwächer, aber italienische Eisenbahnaktien haben sich von ihren Kursrückgängen sämell erholt, während die türkischen Bahnen dte Verluste noch nimt ganz einbringen konnten, denn bei den Störungen, die das Verkehrsleben der Türkei durch die Kvnse- aucnzen des Krieges erleidet, dürften die Einnahmen zurückgehen. Schantungbahnen, die durch starke Realisationen und auch infolge der neuen UeberschwemmungSschäden gedrückt waren, konnten sich wieder erholen. Schiffahrtsaktien lagen fest, Bankaktien schwächten sich teilweise mäßig ab. Montanvapiere mwfolgten keine ganz gleichmäßige >rursbewcgung, .Hüttenaklicn hielten sich besser als Bergwerlsaktien, weil der Kohlenmarkt im Gegensatz zur Eisenindustrie schlecht liegt. Auf Gelsenkirchener drückte die beporsteh-:ndc Kapitalsvermehrung. Kaliwerke waren aur die Einigung der Snndikatc mit den amerikanischen Interessenten fest. Von Industriepapicren waren chemische Werte teilweise matter, nur Höchster und Anilin höher. Der Export chemischer Produkte hat wieder zugenommen. Maschinenfabriken lagen schwächer, ebenso Elektrizitätsaktien. Privat-Tiskonto 315/i« Prozent. Schauspiel „Es lebe daS Leben" von Hermann Suder- rnami, bei kleinen Preisen gegeben werden. •* Vortrag über indische Frauen. Auf den am Montag, 9. Oktober, im Johannessaal stattfindcnder. Vortrag des Fräuleins Raaflaub aus Bern wird hier- mit nochmals aufmerksam gemacht. Fräulein Raaflaub war selbst als Missionarin in Indien tätig und ist als eint sehr anziehende Rednerin bekannt. ♦♦ Der Motorklub Gießen, A. D. A. C., tyicl: gestern abend eine Sitzung ab, in der die Satzungen zur Beratung und Genehmigung vorlagen. Zu Beginn der Der- sammlung iinirbe der Beschluß gefaßt, den Klub in Zukunf: Automobilklub Gießen (A. D. A. C.) zu nennen Tad) Genehmigung der Satzungen und der Fahrordnung L-gte der 1. Vorsitzende, Kaufmann Willy Docter, sein Am. als 1. Vorsitzender nieder, da er in den engeren Vorstand der A T. A. E. gewählt wurde. An seiner Stelle wurde Dr. Klein jun. zum Vorsitzenden und der seitherige Vorsitzende zum 2. Vorsitzenden gewählt. "Der Di änner-Turn verein hält mor-gen nachmittag ein Ab turn en und abends auf der Liebigshöhe einen Familienabend ab. (S. Inserat). Landkreis Gießen. =• Birklar, 6. Okt. Ter Großherzog hat dem flonimunolfori'lronrl Ruppert Agel zu Birklar aus Anlaß skiner Versetzung in den Ruhestand baS Allgemeine Ehren- Erichen mit der Inschrift .Für treue Dienste" verliehen. O Lieh, 6. CH. Auf dem Bezirkstag des Hassia- Bezirks L ich, der in Ober-Besstngen flattfonb, wurde bei Vo rstand wie folgt neugewählt: Vorsitzender Reeaer-Lich, stellvertretender Vorsitzender Roth-Muschenheim, Schriftführer Iakob-Ronnenroth, Rechner Reeb-Hattenrod. A Dau bringen, 6. Okt. Schulvenvalter Hahn verließ unseren Ort, um eine Lehrerstelle an der deutschen Reichs- schule in London zu übernehmen. --- Staufenberg, 6. Okt. Am Sonntag, 8. Oktober, sindet RekrutenabschiedSseier, verbunden mit Tanz, bei Gastwirt L. Geißler statt. 51 rei5 Büdingen. H. Büdingen, 6. Okt. In dem neu hergerichteten Rathaussaale zu Büdingen ist dieser Tage das von Kreisrat Boeckmann gestiftete große Wandgemälde, daS Büdingen im 16. Jahrhundert darstellt, von Maler Otto Künzle, Frankfurt a. M., fertiggestellt worden. Ehe Besichtigung des in altertümlicher Bauart hergcrich- teten Saales sowie die von dem Fürsten Wolfgang zu Aieuburg und Büdingen und Herrn Krcisrat Boeckmann luftifteten prachtvoll ausgeführten Wandmalereien ist jedem Freund und Kenner altertümlicher Baudenkmäler zu emp- felilen. — Am 17. Oktober wird hier der unter dem Namen Gallusmarkt bekannte stets stark besuchte Schwcine- marft abgehalten. Leider konnten 'von der Aufsichtsbehörde He den Auftrieb sehr beschränkenden Bestimmungen nicht mifgehoben werden. Kreis Friedberg. ----Bad-Nauheim, 6. Okt. Bis zum 6. Oktober smd 34062 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Ta ge noch 2022 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 5. Oktober 455 036 abgegeben. H Rendel, 6. Okt. Der Schwager deS Familien- IrrrberS Gunderloch, Landwirt Phil. Wächtersbäuser, wurde heute früh von der $cnbarmerie Vilbel verhaftet. Er sicht in bringendem Verdacht der Mitwisserschaft an dem fünffachen Mord. Wächtershäuser soll eingestanden haben, mit seinem kchwager vor der Tat in Hanau gewesen zu sein, auch der schon ter haftete Weißbinder Müller auS Dorselden war dabei. Nun- Jiicfjr glaubt man Anhaltspunkte dafür zu haben, daß Wächters- liaier in der Nacht vor der Bluttat seinen Schwager Gunderloch tfb-erbergt habe. Die Ehefrau des Wächtershäuser, eine Schwester lunderlochs, steht in gleichcfm Verdacht. Ta Wächtershäuser b wer Tage sein Gut verkaufte, so liegt Fluchtverdacht vor. Ter Öliaöricjc Wächtershäuser hat das Gut seines Schwagers bei dessen ti.niäbngem Wegzug sehr billig erhalten und ist damit wohl einer der reichsten Bauern Rendels geworden. Jetzt hat er sein isamtes Anwesen mit Aecker und Gebäuden einem auswärtigen genten verkauft. Wächtershauser wurde am Abend wieder auS b.r Haft entlassen, wie man hier' annimmt, gegen Kantions- ßcklung. iNach einer anderen Msldung hat die Vernehmung L>achtershäusers durch den Untersuchungsrichter von Gießen den kerdacht nicht bestätigt.) Starkenburg und Rheinhessen. F. E. D a r m st a d t, 6. Okt. Gestern trat auf dem lruppenübungSplatz Darmstadt unter Führung von Obcrst- kutnant v. Wright vom Stabe des 117. Infanterie-Regiments ein zweites Reserve-Jnfanterie-Regt- gar. rein, von hohem na nsex Fettgehalt u. großer weis* ■ selbe gk Waichkran voll- Pfd. Pfg. M Pfg. Pfd. K™ U wichtig geschnitten Fkiiies BlütkWchl 1S $f9. extrafeines 00 Pfund 20 Pfg. ßeüialni garantiert remes Sesamöl. Liter Pfg. ÖÄ ül’MCül'fü feinere Sorten Liter 90, 100, 120 Pfg. IVtji LldvllV Wiloloßtiv unb Ml. ^abzuhallrn. Allgemeinen eins. hweig, 6. Oktober. Algemeinen Deutschen fleitrigen Nachmittags von Braunschweig, tag erweckt, zeigte sich »aussaale abgehaltenen esanben sich tzerzogin unb Wolff, tzelenc leben wir unter Gleich- btiaung bebeutet Frei- böchste Jbee bet Bc- Berechtigung eine siu- Gebanlcn der gleichen uf allen Gebieten den Gemeinben unb Staat f”HCflo6’r IS'1' Nudeln LS Mmd 24 16 „ in Paketen per Pfund 40, 42, 50 „ TAPETEN! W • MAIUJBEJITZERN 25%RABA1T • ■ -------- . iltag WA jounoö- ’• » Denke iten in Jackenkleidern L Velvet-Ja ckenkleider. JS Unfeie Vorräte in / ft ya cken kleid em und Voiteile ff fc 210 78- 90 v GoefheRraße 9-11 Goefheßraße 9-11 Frankfurt a. M Frankfurt a. M Is-Speisekartosfeln O. Elias Sauersloli-Bail ICredlt OO Reeller Telephon 259. C. Rübsasmesm Sls/| M HaiixtvcrMinlW AWr Tagesordnung: u. a. v V (SntuinnSänbcmnn, (S'aUunflSänbcnmn, lTTJ n 1 Jttman: MI'irött-VttskiiiiillW , ■’ßetr. Nudcrtag int Bootsbaus. | Diskretion Der Vorstand. 61591 IC, <> er. 6121 versteinert: 08329 für 08328 versteinert werben. D6U» Mi Giefien, nm 7. Oktober 1911. Seipel. Gerichtsvollzieher. Montan, abends Buchbcrgc y bi /ucu ’clufni 8 Mille Ziaarrcn. 3 Paar wollene Hemden und 3 Paar Hosen. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Geißler. Gerichtsvollzieher MonaWvcrstm und Auszahlung de« wachen' frag llk. Lrsche^ a 710 Lis Gerüli chisten rere gri T>e -®1 .Anze'st' Stoffe, blau, fchwat) und giiine ffarben, uni undgemu/leite Stoffe, genoppt oder fchmale Streifen. Magnum bonnm | Ilassia Industrie Mittwoch, den 11. Ott, abends 9 Uhr, im Metropol a710 Zider Aori rtien aui leguner Ot triibija^ tflidjt bcji Ter fi stctisliichen Leiden im ! Teuern amten Die । eine Eins zu ermög Vkrsteiqerung. Montag, den 9. b. Mts., nachmittags 21’. 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Dienstag, den 10. Oktober, abends 9 Uhr beginnen wir im BcreinSlokal, Bahnhofstrakc 7 wieder einen Anfänger-Kursns für Damen und Herren. v^/o Honorar G Mark. Stenographen-Verein Stolze- Schrey, Giessen. $ Kleine Anzahlung Bequeme Teilzahl. per Zentner frei Keller Mk. 4.50 08339 ninCCO« Grösstes Möbelwarenversandliaus pijT.p1fc.4p Jß Oberhessens in. Kreditbewilligung 1 luuAuU* 1“ NB. Infolge des kolossalen Andrangs in den letzten Tagen bitte Aufträge wegen einer prompten B fickt nierung frühzeitig zu besorgen. Stadttheater Giessen Direktion: Hermann Steingoetter. Sonntag, den 8. Oktober 191L nachmittags 3l/s Ubr Kleine Preise. Kleine Preise. Cbarley’s Tante Schwank in 3 Akten von Brandon TbomaS. Ende gegen 6 Uhr. Abends TI» Ubr Kleine Preise. Kleine Preise. Es lebe das Leben Schauspiel in 5 Akten von Hcrm. Sudermann. |a Ende 10'/. Ubr. A "K WU8 am ""d bring ”• 8a Mn (sal °°" 9. $ tejy MillionenecS;‘r" linsten, Katarrh, Heiserkeit. Verschleimung, Kram nf- Keuchhusten C&d Privat ^anz - Unterricht erteilt zu jeder Tageszeit ' Hugo Höbt Tanzlehrer, 08291 Sonnenstrasre 5.__ Privat- Tanz-Unterricht erteilt zu jeder Tageszeit Karl Schmidt, Tanzlehrer Wetzfteingasse 31 (742 dt»* ».»ft not. bcgl Zeugnisse von SPsF-1 sr Aerzten und Privaten. Paket 2.» Ff . Dose 50 Pf. zu haben bei: Apotheke z. gold. Engel, <-g. Wallenfels, Marktplatz 21, Aug. Wallenfels. Marktplatz 17, E. I>ort. Walltorstr 45. .Ine. Maternus, Chr.Bieker. Neustadt, Stndt-Apoth. in Kirtorf, II. Kuhl. Apoth. in Krofdorf, J. Beppler in La'*g-Göns, Aug. Seibert und Hch. Kilmmel in Wiescck. Fr. Volk II. u Pli. Becker VII. 1. Heuchelheim, Willi Kühl in Gr-Buseck Eaudw Bczug- u. Abwatzgcn. in Lollar, Die Ausführung der Erd-, Maurer-, Asphalt-, Sieinhnuer-, Schmiede- und Eisenarbeiten ein- schliesfiich Piateriallieierung zur Erbauung eines Stellwerksge- bäudes auf Bahnhof Dutenhofen soll vergeben werden. Zeichnung und Angebotsmuster liegen hier zur Einsicht nuS und können für 1.40 Mk. (Postanweis.j ausschl. der Zeiclmung bezogen werden. — Die eingcsandtcn Angebote werden am Freitag, den 20. Oktober 1911, vormitt. 11 Uhr geöffnet. Id6/i9 Die Zuschlagssrist beträgt drei Wochen. Wetzlar, den 3. Oktober 1911. König!. EisenbnhnbctrieSamt. Konkitts-Verstkigrrung Am Mittwoch, den 18. Oktober, nachm. von 2 Uhr an, läfit der Konkursverwalter. Herr Ernst Protz, in der Konkurssache deS verstorbenen Friedhofsgärincrs Wilhclni Stroh von Wetzlar, Friedcnsstrasre 15, meistbietend öfientlicl) versteigern: 110Piistbectseniler,Strohmatten. eine gröhere Partie Topfpflanzen, Koniferen, Lorbeerbäume, niedere diesen, Dahlien, Fris.Gladiolnsre. Wetzlar, den 5. Oktober 1911. Ernst Boeder, Wetzlar, Pariser Strasze L [G1G0 Das Ävni BS Dcrfaulte die erste öettkbern- Fabrik mit elektrischem Betrieb Gustav Lustig Berlin ®. 154 Prinzenstrasze 46 47. Verland siegen Nachnabme. Ver- padung kolicnsrei. Garantie: Umtausch oder illütfitnbuno auf meine Nostrn. Füllfertige BetlfeCeni Pkd. M. 0.55, 1.00, 1.25. - Prima £>nlbt>üunnt 'Di. 1.75. - (Rfuüfdjte Äniifern-ftedern M. 2.00 — i» Uielfje OirtniehaluDnunen 9)1. 2.50, 3.00, 3.50. - Crtit ditnefildje Ülo- »wpolvauneu (ßcleVl gefch.) 'Dt. 2.85, echt ru||i|chc Dlatavor viänledanneu (fle|cVl oejd).) M. 3.50. Aon den Daunen geniigen 3—4 Tlunb juni grohen Overdett. — »iinfefebern