Nr. 254 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer ConntagS. - Beilagen: uiermnl wöchentlich SiehenerZamilienblätter; ziveimal wöchenllAreir- blatlfürdenUretrSicben (Dienstag und Freitag); zweimal monolL Landwirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse inr Tepescheni «nzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die TageSnummcr bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt M Jahrgang Donnerstag, 5. Oktober (9U SietzenerAMger General-Anzeiger für Gberhessen Rofationsbrud und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. VezugSvrelS: Monatlich 75Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Vs.; durch dieVost Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokallöPs^ auswärts 20 Psenniq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes" und .Gerichtssaal-; R. Neu- ralh; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umtobt 10 Seiten. Der italienisch-türkische Krieg. Bom Kriegsschauplätze lammen heule feine überraschenden Meldungen. Die Stadt Tripoli? scheint, nachdem ihre Befestigungen von den Italienern unter Schonung der Häuser und Menschen beschossen worden sind, von den Türken geräumt und den Belagerern eingenommen worden zu sein. Die türkische Besatzung hat sich wahrschein- lich ins Innere des Landes begeben. Tie italienischen Meldungen lauten ziemlich bombastisch, besonders wenn gesagt lvird, daß hinter den feuernden Kriegsschiffen Torpedoboote kreuzten, um dem Geschwader den Rücken frei zu halten. Die türkische Flotte ist jedenfalls froh, daß fie in beit Dardanellen in Sicherheit ist. Eine neue Meldung der Konstantinopeler Blätter, wonach ein italienisches Schiff bei Hodeida ein türkisches Torpedoboot zerstörte, bestätigt offenbar nur die früher gemeldeten Vorgänge, nämlich die Verfolgung zweier türkischer Torpedoboote, von denen eines sich in Sicherheit bringen konnte. Was die Kämpfe bei Prevefa anlangt, so steht es fest, daß die Italiener dort entschieden zum Angriff übergegangen sind. Ter Evrriere della Sera erhielt ja von Tarent aus eine ausführliche Darstellung eines oer beteiligten italienischen Offiziere, des Kommandanten Bisearetti. Danach erhielt Bisearetti am Abend des 28. den Befehl, sich zu vergewissern, ob im Hafen von Prevefa noch feindliche Schiffe seien, und diese eventuell zu kapern. Bisearetti wandte sich daraufhin mit dem „Eorazziere" und dem „Artigliere" gegen Prevefa. Er entschlotz sich in der Stähe zu einer Rekognoszierung anLano , womit der Leutnant Panunti, der landes- tundig ist, betraut wurde. Danach dampfte Bisearetti mit seinen Schiffen vor Prevefa und eröffnete in sechs KilometerEntfernungdasFeuer. Die türkischen Schiffe wurden schnell so schwer beschädigt, daß sie das Feuer nicht erwidern konnten. Der Feind war völlig überrascht; auch die Forts von Prevefa feuerten nicht, weil sie wahrscheinlich nicht auf einen Angriff vorbereitet waren. Ter „Artigliere" blieb zur Rückendeckung drei Kilometer vom Hasen weg, während der „Eorazziere" allein einfuhr,, um eine im Hafen liegendeJacht zu nehmen. Die beiden feindlichen Torpedos waren schon gänzlich zerstört, eines war bereits untergegangen, das andere stand in Brand, um dann auch zu versinken. Rasch näherte sich der „Eorazziere" der Jacht, während am Ufer die aufgeregte Menge zufcch. Tie Jacht war von der Mannschaft verlassen. Tie Türken rafften sich schließlich noch zu einem Angriff auf; während nämlich der „Eorazziere" mit seiner Beute sich entfernte, begannen sie vom Ufer aus .Gewehrsalven abzugeben. Darauf wurden vom „Eorazziere" die Häuser bombardiert und als das feindliche Geweyrfeuer nicht aufhörte, auch die Menge beschossen, wodurch große Lücken in diese gerissen wurden, was eine allgemeine Flucht veranlaßte. Langsam drehte sich der „Eorazziere", immer noch unter dem Feuer, das aber keinen Schaden anrichtete. Zwischen Ein- und Ausfahrt waren noch nicht vierzig Minuten vergangen, dabei aber 76 Schüsse abgegeben worden. Was danach von den amtlichen Beruhigungsnachrichten der Italiener zu halten ist, kann man sich denken. Vielleicht werden die italienischen Schiffe jetzt die albanische Küste in Ruhe lassen. Der türkische Botschafter in Wien scheint die geschilderten Vorgänge beim Grafen Aehrenthal zur Sprache gebracht zu haben. Vielleicht entschließt sich Oesterreich noch zu deutlicheren Warnungen. Tie Regierungen der kleinen Balkanländer versichern, eine nach der andern, ihre Neutralität und abwartende Haltung. Tie Gietzener Stadttheater. Tie Geschwister. — Die Neuvermählten. Von Goethe. Von B j ö r n s o n. Gießen, 5. Okt. Obliegenheit und Neigung des jungen Tichters, die gesellschaftlichen Vergnügungen des weimarischen Hofes zu, beleben, mag Goethe veranlaßt haben, D i e G e f ch w i st e r zu schreiben, aber das kleine Merkchen ist ein getreues Spiegelbild feiner damaligen Herzensnot, die in Frau von Stein eine Schwester und zugleich eine Geliebte begehrte. Im schlichten, bürgerlichen Gewände des Kaufmannes Wilhelm tritt Goethe selbst an das Licht der Rampe, um seine schmerzvolle Liebe in gefühlvollen und leiden) chaftlichen Worten zu klagen und sie in seinem dichterischen Traum mit einer schönen Erfüllung zu krönen. Tern- gemäß ist der Wilhelm des Stückes, das mit Schärfe die Grenzen zwischen der bräutlichen und der schwesterlichen Liebe zeichnet, denn auch aufzufassen. Er ist ein gefühlvoller, weit über dem Durchschnitt stehender Mann, der — ein feiner Gegensatz—in geschäftlichen Tingen zwar bedachtsam und zuwartend, in seiner Liebe aber enipftndsam, stürmisch und von überquellender Leidenschaftlichkeit ist. Tie meisten Darsteller spielen ihn, wie das auch von Bulthaupt und anderen wiederholt beanstandet.wurde, viel zu saftlos und zu maßvoll. Tas tat auch Herr Karl Gerhart Schröder, üidem er jedenfalls den etwas allzu korrekten, bescheidenen bürgerlichen Ton der Zeit zu wahren suchte. Tas ist jedoch nicht Goethes Absicht gewesen und der Künstler, der, ihm folgen will, muß die höchste Leidenschaft mit einer gcmeh'enen Gebärdensprache vereinen. Im Sinne der durch nichts begründeten Bühnenüberlieferung — man denke nur an Charlotte — also Au jung und zu gebändigt, bot Herr Schröder eine achtbare Leistung. Fräulein Frieda de Bruyn wußte in der erheblich leichteren Rolle der Marianne ein starkes Gefühl und würdige Schlichtheit eindrucksvoll zu vereinen. Herr Marl Volck war als Fabrice vielleicht auch zu jung, aber von herzlichem, gewinnendem Wesen. Aus das bedeutende Goethesche Jugendwerk, das die geringe Zahl der klassischen bürgerlichen Stücke um ein wertvolles bereichert, folgte Björnsons dramatische Plauderei über Die Neuvermählten. Geistreich und spöttisch schildert es in seiner technisch so rührend ungeschickten Form, die sich zu allen Erläuterungen langatmiger, feierlicher Reden bedient, wie ein junges Lage kann sich aber jeden Tag ändern. Tie russische Schwarzetneerflotte soll schon in verdächtiger Nähe des türkischen Gebietes gesehen worden sein. Said Pascha hat nach mühevollen Versuchen endlich ein neues Kabinett zufammengebracht, von dem man behauptet, das; cs englandfreundlich fei. Ter Wiener Bot- schaftcr aber, nicht, wie gestern noch vermutet wurde, der Londoner, soll die Leitung der auswärtigen Politik übernehmen. Ernstlichen Fricdensvcrhandlungen ist man auch heute noch nicht näher gekommen. Ereignisse zur See. Konstantinopel, 4. Okt. Tie Blätter melden: Ein italienisches Schiff zer st örte bei Hodeida ein türkisches Torpedoboot. Ter Torpedoboots- zcrstörer „Scheik-i-Schefket" fei nach Hodeida geflüchtet, von wo aus er und andere Kanonenboote gegen die italienischen Schiffe geschossen und sie angeblich beschädigt hätten. Berlin, 4. Okt. Der „Lokalanz." meldet aus Konstantinopel : Ein italienischer Kreuzer hat im Roten Meere den kleinen Kreuzer „B e k i S ch c w k e t" verfolgt, der sich in einem Hasen in S i ch e r h e i t b r i n g e n konnte. — Aus Janina wird amtlich gemeldet: Gestern nachmittag um 2 Uhr erschien vor V a 1 o u a ein italienischer Kreuzer, der den Hafen absuchtc und weiterdampfte, ohne Anker zu werfen. K o n ft a n t i n o p e l, 4. O Et. Aus Tripolis wird gemeldet: T,'s als Küstenschiff dienende Kanonenboot „Seja-d i-T e r i a h" wurde von der Besatzung versenkt, damit es den Italienern nicht in die Hände falle. — Eine amtliche Note widerspricht der voil italienischer Seite auf- gestellten Behauptung, die Türkei beabsichtige, Vorstöße gegen die italienische Küste zu unternehmen. Nom, 4. Okt. Tas Marineministerium erließ für die Kommandanten der Hafenplätze folgende Anordnungen: Ten im Augenblick der Kriegserklärung im Hafen liegenden oder in Unkenntnis der Kriegserklärung eingelaufenen t ii r l i s ch e n Schiffen ist eine sichere Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen, die übrigen tür- tischen Schiffe find zu kapern, den türkischen Schiffen, die die Fahrt gezwungenermaßen unterbrachen, ist die für eine sichere Weiterfahrt erforderliche Zeit zu gewähren und über die auf den beschlagnahmten Schiffen gefundenen Waren neutraler Mächte fino besondere Instruktionen beim Marine- ministerium einzuhölcn. K o n st an t c n op el, 4. Okt. Ter Mali von Janina meldet, in der vergangenen Nacht ist ein italienisches Schiff im Hafen von Aolona erschienen und hat sich bald wieder entfernt. Wie die Blätter berichten, erhielt die Pforte gestern ein Telegramm aus Tripolis, das den Beginn der m oieser Jahreszeit üblichen Stürme meldet. Man glaube daher, die Italiener würden zur See die Operationen beschleunigen. Zur Verteidigung von Tripolis seien alle Vorkehrungen getroffen. Vizeadmiral Aubry hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem die Tapferkeit und Kaltblütigkeit des Marine- leutnants O l g en i, der in der Nacht vom 27. zum 28. September im Bereich der feindlichen Batterien auf einer Schaluppe des Linienschiffs „Roma" eine Erkundung des inneren Hafens von Tripolis vornahm und der Mut seiner Mannschaften rühmend hervorgehoben wird. • Die Beschießung des Forts von Tripolis. Rom, 4. Ott. (Agericia Stefani.) Vizeadmiral Farave l l i telegraphierte gestern abend um 7 Uhr 45 an Bord des Panzerschiffes „Benedetto Brin": Um 3i/2 Uhr nachmittags begann d i e Beschießung der Haupt- Weib infolge der elterlichen Verzärtelung erst dann den rechten Weg zu ihrem Manne findet, als er sie gegen den Willen aller von ihrer Familie losgelöst hat. Björnson geht dabei dem Problem artig aus dem Weg, aber er sagt so viel treffliche, erbauliche Worte, er schildert feine Menschen mit so innigem, luftigem Behagen, daß man eine wahre Freude daran hat. Herr V o l ck, in der Maske des Tichters, und Fräulein Scholz als besorgtes Elternpaar, verstanden es beide, treuherzige, fern vom Leben stehende Menschen zu schaffen, die kraftvoll beseelt waren und durch kleine, kaum merkliche Gesten überraschend natürlich schienen. Fräulein Emma M ü h l p f o r t h — wie man mir sagte, eine ganz junge Anfängerin — bewies warmes Theaterblut und lebendiges Erfassen. Sprechweise und Geste wirken ungezwungen und klar, so daß ihre Laura ein allerliebstes verzogenes Kind war, das zwar im einzelnen noch manches unfertige bewies, aber im ganzen einen sehr guten ersten Eindruck machte. Herr John Rappe- por t war mir als widerspenstiger Gatte und Schwiegersohn etwas zu sanft, vielleicht aus der Erwägung heraus, daß die Umwelt schon auf ihn abgefärbt habe. Tas ist berechtigt, aber nur zu einem Teil und m dem Augenblick, wo es in ihm aufflammt, muß sich seine Unerschütterlichkeit und seine Entichlosfenheit in jedem einzelnen Zug äußern. Herr Rappeport ließ diese Regungen nicht außer acht, aber er dämpfte sie, obwohl Axel selbst einmal sagt, daß er im Verkehr mit seinen Kommilitonen nicht gerade zartfühlender geworden sei. Meta de la Chapelle war eine liebevolle Mathilde. Tie Regie des Herrn Direktors Steingoetter hatte mit den z. T. doch neu zusammengesetzten Kräften in beiden Stücken ein tadelloses Zusammenspiel herausgebracht, das. voll lebenbiger Bewegung war. K. N. * ff. E i n unveröffentlichtes Werk von Oskar Wilde erscheint in diesen Tagen im Verlage des „Mercure de France" in Paris. Es führt den Titel „Die heilige Buhlerin" und hat, roie_ berichtet wird, eine seltsame Vorgeschichte. Eines Tages ließ Wilde, als er in einer Droschke durch Paris fuhr, in dem Wagen ein Manuskript liegen, das er nicht wieder fand. Dieses Manuskript war das bes Buches, das jetzt vor die Oeffentlichkeit tritt. Ter Gegenstand dieser Wildeschen Dichtung berührt sich mit Flauberts berühmten sJtomane „Tie Versuchung des heiligen Antonius". Eine als Probe bekannt gemachte «zene schildert, wie der Christum bekennende Honorius zu der Buhlerin Myrrhina kommt und von chr unter Hinweis battericn und wurde bis Sonnenuntergang fortgesetzt. Tie Beschießung werde heute wieder aufgenommen, um die Batterien vollständig zu zerstören. Mau wandte mäljrenb der Beschießung die größte Sorgfalt an, um eine Beschädigung der Stadt zu vermeiden. Nur ein Leuchtturm in der Nähe der Batterie sei zerstört worden. Nach einer Meldung der „Tribuna" aus Malta über die erste Phase der Beschießung von Tripolis wurde das Feuer von der Division des Admirals Thaon di Revels bestehend aus den Schiffen „Ferrucio", „Varese" und „Garibaldi", und zwar von der Artillerie mittleren Kalibers eröffnet. Tas Feuer wurde in langen Zwischenräumen abgegeben, als ob der Admiral gleich nach den ersten Schüssen die Hisfung der weißen Fahne als Zeichen der Uebergabe erwartete. Tie Schiffe schossen aus weiter Entfernung von der Küste und s ch o n t e n W o h n h ä u s e r u n d M e n - scheu. Berlin, 5. Okt. Das Bombardement von Tripolis wurde nach Meldungen der Morgcnblätter gestern fortgesetzt. Die Wir« fang der Geschosse wird aber in den Blättern verschieden geschildert. Während nach einem Telegramm des „Berl. Tagebl." aus Rout die Italiener eine Menge von Explosivgranaten abfeuerten, die eine schreckliche Wirkung gehabt haben müßten, läßt sich der „Lokalanzeiger" aus Rom folgendes drahten: Die durch das Bombardement der inneren Stadt Tripolis angerichteten Zerstörungen sind ganz geringfügig. Durch Granatsplitter wurden einige Baulichkeiten nahe dem Friedhöfe beschädigt. Bei der Beschießung schonte Admiral Thaon die Privathäuser und Moscheen. Während die Granaten auf den Fons von Tripolis explodieren, ireuzen italicniiche Torpedoboote hinter der Schiffslime zur Rückendeckung des Geschwaders. Ter Militärgouverneur sandle mittels Parlamentärboten eine Botschaft an den italienischen Äommanbanten, Vizeadmiral Thaon de Revel, über die Bedingungen der Uebergabe. Man versichert von italienischer Seite, daß der Gouverneur an den italienischen Admiral das dringende Ersuchen gerichtet habe, die Landung der italienischen Truppen so rasch wie mög - lick ins Werk zu setzen, damit in der Stadt Unruhen verhindert würden. Er, der Gouverneur, verfüge nicht mehr über die genügende Anzahl Truppen, um die öffentliche Sicherheit verbürgen zu können, nachdem fast alle Bataillone sich nach dem Süden zurückgezogen hätten. Daraufhin ließ der Admiral de Revel alle Forts durch Maxjnein f a n t e r i e besetzen. Tie Uebergabe von Tripolis. Mailand, 5. Okt. Eine in später Abendstunde veröffentlichte Extraausgabe des „Secolo" erklärt, aus amtlicher Quelle die Nachricht erhalten zu haben, daß sich Tripolis gestern um 11 Uhr vormittags den Italienern ergeben hat. In Mailand herrscht §un- geheurer Jubel. Das Kabinett Said Pascha gesichert. Konstantinopel, 4. Ch. (11 Uhr 15 Min. vormittags.) Wie verlautet, ist es Sa cd Pascha doch ge* lungen, das Kabinett zu bilden. Ter Marinemini st erzog seinEntlassungs- gesuch zurück, wahrscheinlich um die Neubildung des Kabinetts zu erleichtern. Tas jungtürkische Zentralkomitee erließ eine Proklamation, in der es die Einsetzung eines Komiteesdernationalen Verteidigung ankündigt. Tie Gruppe Abgeordneter, die die Regierung um Einberufung der Kammer ersuchte, erhielt von der Pforte die Mitteilung, daß dasParlamenram14. Oktober einberufen wird unter dem Vorbehalt, daß bis dahin eine genügende Anzahl Abgeordneter in Konstantinopel sich befindet. K'onstantinope l, 4. Okt. Der Min ist er rat beriet über die Stellungnahme der Regierung gegenüber den in der Türkei befindlichen Italienern. Es verlautet, daß auf den Ruhm ihrer Schönheit und den verführerischen Zaubep ihres Hauses eingelaben wird, die Liebe zu gemeßen, wogegen er nur von der Liebe Gottes und der Schönheit des Heilandes spricht. Seine Worte machen auf die vielumworbene Kurtisane einen verwirrenden Eindruck und immer wieder muß sie sich wiederholen: „Wie seltsam er zu mir sprach! Und mit welcher Verachtung er mich ansah! Ich frage mich, warum er so settsam zu mir sprach?" Tie Szene atmet den schwülen und sonderbaren Reiz Wil bescher Wortkunst. kf. Die Einrichtung der Süd pol ar post. Binnen! kurzer Zeit werden Briefe bis wenige Meilen vor dem Südpol befördert werden rönnen. Es handelt sich darum, eine postalische Verbindung mit der Expedition des Kapitän Scott herzustellen, lieber die Art der Beförderung werden von der Postbehorde interessante Angaben gemacht. Im nächsten Dezember wird ein Hüss- schifs von Neuseeland in die antarktischen Regionen abgehen und Briefsachen aus der Kulturwelt nach Viltorialand befördern. Tort ist am Kap Evans eine Art Postanstalt errichtet worden, in der die Mitglieder der Südvolarexpedition ihre Briefe niederlegen werben. Es wird zuversichtlich erwartet, daß es gelingen wird, die Briefe aus der Heimat auch Über diese südlichite Postanstalt der Welt hinauszubefördern, denn einige Teilnehmer an der Expedition sind entschlossen, den gefahrvollen Weg zwischen den Lagerstätten der Gesellschaft und Kap Evans auf Hundeschlitten zurückzulegen, um die Verbindung mit der Außenwelt aufrecht zu erhalten. Für Markenliebhaber sei erwähnt, daß auch diesmal wie in den Jahren 1907 bis 1909, als sich Shakleton auf seiner Forschungsreise befand, besondere Marketi herausgegeben werden, die den Ausdruck Viktorialand tragen und einen hohen Liebhaber- wert erreichen werden. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen-« schäft. Ter Mathematiker, Professor an der Technischen Hochschule zu Braunschweig, Tr. Richard Dedekind friert am 6. Oktober feinen 80. Geburtstag. — Der Kaiser richtete an den Generalkommissar der deutschen Abteilung der Turiner Weltausstellung, Geh. Regierungsrat Busley, aus bellen Meldung von der Zuerkennung zweier großer Preise für (Sabiner Majoliken und für ihre künstlerische Fassung folgendes Telegramm aus Rominten: Ihre Meldung über die meinen Erzeugnissen zuerkannten zwei großen Preise befriedigte mich ganz besonders. Ich beauftrage Sie, dem Obersten Preisgericht meine Freude hierüber auszudrücken. Wllhelm, das jungtürkische Komitee auf die Ausweisung der Italiener aus der Türkei bestehe, worüber die Pforte die Entscheidung jedoch aussetze. Der „'Sanin" meldet, der Ministerrat traf eine Ent- scheidung, die die Wahrung der nationalen Ehre s i ch e r st e l l t. Nach der Liste des neuen Kabinetts', die dem Sultan zur Genehmigung unterbreitet wurde, wird der frühere Kadi von Jahia, Scheik ul Islam, der Botschafter in Wien, Mustapha Reschid Pascha, erhält das Portefeuille des Aeußeren, der Walt von Adrianopel, Dschelal, das des Innern, der Vakufminister erhält das Portefeuille der Justiz und behält vorläufig das Bakus bei, der Rechtsbeirat des Ackerbauministeriums, Sinapiam, übernimmt das Porto feuille des Ackerbaus und der erste Adjutant des Sultans, General der Artillerie, Hörscheid, das Portefeuille der Marine. Die Minister des Kriegs, der Finanzen, des Unterrichts, der Bauten und der Kunst behalten ihre Porte feuilles. Der türkische Widerstand. Saloniki, 4. Okt. Dem hiesigen jungtürkischen Komitee telegraphiert das Komitee in Ben- Cha si, daß die Mohammedaner beschlossen hätten, die Provinz bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Wie aus P r e v e s a berichtet wird, erschienen abermals italienische Kriegsschiffe vor Prevesa. Sie gaben Salven ab, ohne den Hafen anzugreifen und verschwanden wieder. Das Vorgehen wird als Kundgebung ausgelegt. Die Regierung verbot den Verkauf von Kohlen und allen Artikeln für den Schiffsbedarf an fremde Schiffe und fremde Staatsangehörige. Der stellvertretende Gouverneur von Tripolis meldete, daß die Kabel in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober nicht abgeschnitten wurden und daß der telegraphische Verkehr auf den Landlinien aufrecht erhalten worden sei. S f a x, 4. Okt. Agence Havas. Der türkische Militär- Attache Ali Fethi Pascha und mehrere Offiziere und Aerzte der türkischen Armee beabsichtigten, Tripolis zu erreichen. Sie gingen in Gabös an Land und versuchten im Automobil die Grenze zu überschreiten. IN Ben-Guerdan weigerten sich die Militärbehörden, sie über die Grenze zu lassen. Sie begaben sich nach Sfax zurück, um Instruktionen abzuwarten. Friedensverhandlungen? Berlin, 5. Okt. Das „Berl. Tagcbl." meldet aus Konstantinopel: Der deutsche, russische und der englische Botschafter, sowie der serbische und der rumänische Gesandte statteten gestern nachmittag auf der Pforte einen Besuch ab. Die Botschafter erklärten, daß die Großmächte bereit seien, falls >die Türkei mit Italien in Verhandlungen eintreten wolle, ihre guten Dienste zur Verfügung zu stellen. Tie neutralen Mächte und die Türkei scheinen den Versicherungen Italiens, die Ruhe des Balkan zu respektieren, nicht zu glauben. Dem Berliner „Lokatanzeiger" vom Donnerstag morgen wird aus Wien depeschiert: Der Wiener türkische Botschafter erschien heute am 4. Oktober bei Freiherrn v. Achrenthal und gab den Befürchtungen Ausdruck, daß Italien tatsächlich die Landung größerer Truppenmengen in Albanien beabsichtige, da nach vertraulichen Informationen der Pforte &u diesem Zweck Druppenein schiff un gen an der adriatischen Küste Italiens stattfänden. Der Botschafter fragte, ob Oesterreich, wenn sich diese Befürchtungen bewahrheiten sollten, auf seinem nach der Kriegserklärung abgegebenen Standpunkt auch heute beharre. Griechenlands Vorbereitungen. Berlin, 5. Okt. Die „Tägliche Rundschau" meldet aus Athen: Die griechische Regierung behält die Reservisten des Jahrganges 3904 unter den Waffen und hat die int Juni d. I. zur Reserve übergegangenen Truppen wieder einberufen. Mobilisierung Rumäniens. Wien, 5. Okt. Aus Bukarest sind hier Nachrichten ein- getrofsen, daß die rumänische Regierung umfassende Maßnahmen getroffen habe, um die Armee rasch mobilisieren zu! können. Andererseits hat aber das russische Kabinett, einer Wiener Meldung der „Bossischeu Zeitung" zufolge, in Athen mitgeteilt, daß sich Griechenland wegen etwaiger Truppenbewegungen an der griechischen Grenze nicht zu beunruhigen brauche. Die Haltung Rußlands. Der Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Odessa: Eine Abteilung des Sch w ar z em e erg es ch wad ers ist nach der anatolischen Küste des Schwarzen Meeres abgegangen. Hier fand eine wichtige Beratung statt, die im Zusammenhang mit der auswärtigen Lage stand. Die russische Flotte soll in der Nähe des Bosporus gesichtet worden sein. Der serbische Geschäftsträger überreichte nach einer Meldung aus Konstantinopel der Pforte die Neutralitätserklärung, die besagt, daß Serbien die freundschaftliche Politik, weuhe es bisher der Türkei gegenüber befolgte und während der Ereignisse in Albanien bewies, wabren und nichts unternehmen werde, was die innere Ruhe der Türkei gefährden könnte. Serbien hofft, daß die anderen Balkanstaaten dieselbe Haltung einnehmen und daß der Friede auf dem Balkan nicht gestört werde. Benghasi bombardiert? Paris, '4. Okt. Heute abend hier eingetroffene Depeschen berichten, daß die Stadt Benghasi von den Italienern bombardiert wird. * Eine amtliche Mahnung an den Herzog der Abruzzen. Berlin, 4. Okt. Die Nachricht von einer erneuten Beschießung des Hafens von Prevesa ist, wie von zuständiger italienischer Stelle mitgeteilt wird, unzutreffend. Der Herzog der Abruzzen erhielt gestern von zwei verschiedenen radiotelegrapbischen Stationen an5 und überdies durch ein eigeits entsanotes italienisches Torpedoboot die bestimmte Weisung, jede Beschießung zu unterlassen. Es steht fest, daß diese Weisung den Herzog recht- zertia erreichte. Trotz dieser halbamtlichen Erklärung der Ageneia Ste- fani beharren Meldungen aus türkischen und griechifchen Quellen dabei, daß die italienischen Schiffe nach wie vor mit neuen Angriffen auf die albanische Küste drohen. Dem „Berl. Lokalanz." vom Donnerstag morgen wird aus Konstantinopel gedrahtet: Der Landungsversuch der Italiener bei Prevesa wurde abgeschlagen. Die Italiener verloren 15 Mann. Italienische Truppensendungeu. Genua, 4. Okt. Der Dampfer „America" ist mit 1200 Soldaten und Kriegsvorräten an Bord in der Richtung auf, Sizilien in See gegangen. Eine ungeheure Menschenmenge jubelte den Abfährenden zu. Auch General T o m m a s i, der Kommandeur des hiesigen Armeekorps, war erschienen. * Eine Rede des englischen Handetsministers. Es liegt wieder einmal eine englische Ministerrede vor. Der Handelsminister Churchill spielt darin den Weltschulmeister und spielt auf Englands entscheidende Haltung bei der Marokkofrage an. Es klingt ein versteckter Triumph heraus. Um so scheinheiliger sind die Versicherungen, England habe sich nicht eingemischt und die Verständigung mit Frankreich nicht gehemmt. London, 4. Okt. Minister Churchill erklärte gestern in einer Rede in Dundes: Der Anblick der europäischen Lage ist rauher und schrecklicher geworden als seit Jahren. Befriedigend ist, daß die zurückhaltenden Kräfte am stärksten sind bei den stärksten Nationen, und daß England, Deutschland und Frankreich gerade jene Mächte sind, denen es am schwersten fallen würde, den Frieden zu brechen. In der Zwischenzeit machten wir eine unruhige und kritische Zeit durch, die noch weit unruhiger und kritischer gewesen wäre, w e n n n i ch t die britische Flotte stark genug gewesen w ä r e, u m n n s die unbestrittene und zweifellose tatsächlich-e Herrschaftzu sichern. Der Streit zwischen Italien und der Türkei ist in ein Stadium getreten, wo leider Worte gegenwärtig unnütz sind. Was die marokkani^ s ch e n Schwierigkeiten betrifft, so kann die Politik Großbritanniens klar als Politik bezeichnet werden, die, wie Premierminister Asquith und Schatzsekretär Llohd George erklärten, eine vollkommen gerade und e h r- liche ist. Wir wünschen ernstlich, Frankreich und Deutschland zu einem Abkommen gelangen zu sehen, das für beide Teile befriedigend und vorteilhaft unb .für uns nicht nachteilig ist. Kein englischer Minister äußerte je öffentlich oder geheim eine Silbe, welche solch glücklichen Schluß verzögern oder hemmen könnte. Wir wünschen eine Erledigung zu sehen, welche die marokkanische Frage ein für allemal beendigt, und welche diese beiden großen Nationen, die der Menschheit unschätzbare Dienste geleistet haben, in die Lage setzen würde, zusammen- zuleben unter der Bedingung gegenseitiger Achtung. Das ist die einzige sichere Grundlage auf der der Friede Europas aufgebaut werden kann. Der Wunsch nach einem solchen Abkommen leitet die ganze Politik Greys. Noch eine Stimme aus dem englischen Lager. Der frühere Botschafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, sprach auf einer Versammlung in Hanley mit ernstem Nachdruck über die Notwendigkeit, eine bessere Stimm un gHwischenEnglandundDeutschland au schaffen. Die jetzt bestehende Verstimmung zwischen bci- oen Völkern könnte die Ansicht entstehen lassen, daß man nicht eher ein gutes Einverständnis und herzliche Beziehungen erhoffen dürfe, bis die Stellung beider Völker endgültig durch einen Krieg festgelegt fei. Es liege kein Grund zu einem Zwist vor, es schwebe keine Frage, die sich nicht dazu eigne, durch Verhandlungen beigelegt zu werden. Er richte an^jede der beiden Nationen die Mahnung, dahin zu streben, bte andere besser kennen zu lernen. Auch im Verlag von Dietrich Reimer ist eine gut brauchbare, farbige italienisch-türkische Kriegs- karte nebst Uebersichtskarte des Mittelländischen Meeres erschienen. Aus Hessen. Zur Landtagswahl in Gießen. Wie uns von zuverlässiger Seite aus Darmstadt gemeldet wird, sind die von den Gießener Nationalliberalen gemachten Einigungsvorschläge seitens der freisinnigen Landesparteileitung abgelehnt worden. Diese Vorschläge gingen dahin, das neugeschaffene dritte Mandat in Darmstadt den Freisinnigen, dagegen das hiesige zweite Mandat den Nationalliberalen zu überlassen. Aus Stabt mtb Land. (ließen, 5. Oktober 1911. * Uebertragen wurde dem Rabbiner Dr. phil Js. Holzer zu Worms die Stelle eines Rabbiners des Rabbinates WormS mit dem Amtssitze in Worms. • • Er,ledigt sind an der Volksschule zu Worms eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle, sowie zwei mit eoang. und zwei mit kath. Lehrerinnen zu besetzende Lehrerinstellen. "Steuerpersonalien. Der Steueraufseher Stephan zu Friedberg wurde in den Ausseherbezirk Vilbel versetzt. •* Ernst-Ludwig-Eleonoren-Kreuz. Wie im Regierungsblatt bekannt gegeben wird, hat der Großherzog unterrn 23. März 1910 zur Anerkennung hervorragender Verdienste auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege das Ernst-Ludwig-Eleonoren-Kreuz gestiftet. Das Kreuz wird solchen Personen zur Belohnung verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Wohlfahrtspflege verdient gemacht haben und es kann dieses Kreuz jeder, sowohl Hesse als auch Nichthesse, erhalten, dessen Würdigkeit anerkannt ist und keinem Zweifel unterliegt. DaS Kreuz ist aus Silber hergestellt und trägt auf der Vorderseite das Brustbild des Großherzogs, sowie das der Großherzogin, auf der Rückseite ein allegorisches Herzschild, darum die Umschrift: „Für Verdienste in der Wohlfahrtspflege". Es wird an einer silbernen Spange neben oder unterhalb der Ordensschnalle getragen. Damen befestigen es an der linken Schulter. ” Stiftung. Bankier I. Grünewald in Gießen hat für Zwecke der Mutter- und Sänglingsfürsorge in Hessen 10000 Mk. gestiftet. *' Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß e8 sich noch jetzt lohnt, Abonnements zu nehmen, da neu hinzutretende Slbonnentcn für die bereits verflossenen Abonne- mentZ.Vorstellungen kostenlos Gutscheine erhalten. ** Die natio nallib erale Partei hält heute abend im Groß Herzog von Hessen eine Vertrauensmännerund Mitgliederversammlung für Gießen und Wiescck ab, in der die Aufstellung des Kandidaten für die Landtagswahl erfolgen soll. (S. Inserat.) Landkreis Gießen. O Lich, 4. Okt. Verschiedene Gemeinden in der Nachbarschaft haben wegen der immer noch herrschenden Viehseuche und der allgemeinen Notlage auf die Kirch- weiyseier verzichtet, so Nieder- und Ober-Bessingen, Nonnennotst, Rötbaes it a- Kreis Alsfeld. -b- Alsfeld, 4. Okt. Ter israelitische Religionslehre^ Spier verließ heute nach 36jähriger segensreicher Arbeit unsere Stadt. Ein großer Teil der jüdischen Gemeinde be-1 gleitete ihn und seine Angehörigen an die Bahn. B. K. Schwabenr od, 4. Okt. Ein schwerer Abschied. Mitten in den schönen Seemannsurlaub traf dieser Tage bei einem Matrosen eine telegraphische Abberufung ein. Sein Schiff sollte, wie man annahm, nach Tripolis abgehen. Die Mutter des „blauen Jungen", die schon bei der Marokko- frage um ihren Sohn besorgt war, war hierüber ganz trostlos. 'Auf dem Bahnhose in Alsfeld kam es zwischen Mutter und Sohn zu einer rührenden, herzergreifenden Abschiedsszene, die manchem Anwesenden als Bildnis über „Mutterliebe", auch „Scheiden" in Erinnerung bleiben möge. Kreis Lauterbach. ~ Lautcrbach, 4. Okt. In letzter Zeit wurde von dem Zugpersonal der Nebenbahn Lauterbach-Stockheim wiederholt bemerkt, daß Steine auf die Schienen gelegt waren. Trotz eifriger Nachforschungen konnten aber die Täler nicht ermittelt werden. Obschon man nach den Umständen annehmen konnte, daß es sich nicht um. eine verbrecherische Abflcht, sondern um unbesonnene Bubenstreiche handeln dürfte, so waren doch die Züge gefährdet; und ein Unglück konnte hierdurch leicht herbeigeführt werden. Vor einigen Tagen glückte es endlich einem Streckenwärter, zwei der Täter auf frischer Tat zu erwischen. Es waren schulpflichtige Jungen, die in der Nähe des' Bahnhofs Lauterbach-Süd Steine von etwa 10 Zentimeter Stärke auf die Schienen legten. Wenn sich diele Jungen auch der Tragweite ihrer Handlungsweise nicht bewußt' sein dürften, so wäre eine exemplarische Strafe doch sehr am Platze. — Die Schlachtungen im hiesigen, Schlachthofe betrugen im dritten Kalendervierteljahr;' 1911: 556 Stück Großvieh, 384 Stück Kleinvieh und 2456 Schweine. Der größte Teil der geschlachteten Tiere gehört der hiesigen Wurstfabrik. Kreis Schotten. X Schotten, 4. Okt. Unter dem Vorsitze des Lehrers Dern-Offenbach tagte heute auf dem Lehrerheim bicj Hauptversammlung des Vereins „Lehrerheim Vogelsberg", die gut besucht war. Nach Be-i grüßung durch den Vorsitzenden, sowie durch den Obmann oes Bezirksvereins Schotten, Lehrer Karl L i n ck-Rudings-j Hain, erstattete Dern-Offenbach den Jahresbericht, 5er, ein erfreuliches Bild steter Vorwärtsentwickelung des Unternehmens bot. Außer der regelrechten Tilgung der Hypothekenschuld konnte die Schuld auf >Anteilscheine um 800 Mk. vermindert werden, so daß bei der hessischen Hypothekenbank jetzt noch 11 608,08 Mk.. auf Schuldscheinen noch 19 200 Mk. zu tilgen sind. Trotz der Rückzahlungen und der beträcht- lichen jährlichen Abschreibungen auf Mobilien und Immobilien vermehrte sich das Vereinsvermögen um 263,96 Mk. und der in Sparkassen angelegte Reservefonds für bauliche Reparaturen stieg um 364 Mk. Durch den Vertrieb von Backesbildern und Backespostkarten erwuchs dem Verein eine, Einnahme von mehr als 400 Mk. Der Mitgliederbestand hat sich im letzten Vereinsjahr um 127 vermehrt, und e4 steht zu erwarten, daß bei der außerordentlich regen Tätigkeit des Vorstandes und dem wachsenden Interesse, das Hessens Lehrerschaft für das Heim bekundet, das Unternehmen sich immer günstiger entwickelt. Die vor einigen | Jahren gebaute zweite Wasserleitung hat in diesem Sommer. Wasser im Ueberfluß geliefert. Die Anmeldungen zum Gesuch des Lehrerheims liefen in den Ferienmonaten so zahlreich ein, daß viele keine Berücksichtigung finden konnten. Trotzdem soll ans ftnanziellen Gründen zunächst von einer Erweiterung des Heims abgesehen werden. Doch wurden von der Versammlung Anträge auf kleinere bauliche Veränderungen angenommen. So wird zum Schutze gegen Witterungseinflusse die Wetterseite des Heims geschindelt. Bei der Vorstandswahl wurden König-Mainz, Dirlamm-, Nieder-Eschbach, Spieß-Rainrod und Dem-Offenbach wieder- gewählt, anstelle des nach Paris versetzten Lehrers Schaaf- Schotten wurde Lehrer Trinkans-Darmstadt neugewählt. Der Voranschlag für 1911/12 wurde mit 2900 Mk. gut geheißen. Ein Antrag, das Lehrerheim während der Weihnachtsferien offen zu halten, wurde auf ein Jahr zurück- gestellt. Die jetzige Pächterin, Frl. Berta Maul, die schon 12 Jahre den Wirtschaftsbetrieb in Händen hat, hat zum Bedauern aller Besucher gekündigt, und der Vorstand sieht sich darum vor die Frage gestellt, das Lehrerheim vom 1. April 1912 anderweitig zu verpachten. — Die Firma Jul. Bach in Gießen hat dem Heim eine Anzahl Wand- dekorierungen geschenkweise überlassen, die gelegentlich der Hauptversammlung ausgestellt waren und die als Wandschmuck für die Wände oer Fremdenzimmer dienen sollen. -z. Sellnrod, 4. Sept. Das von der Chris ch ona- G em ein de hier erbaute neue Vereinshaus, das schönste Gebäude im Dorfe, soll nächsten Sonntag eingeweiht werden. Kreis Friedberg. O. Friedberg, 4. Okt. Wegen der Maul- und Klauenseuche, die bei einem schon gekauften Stück Rindvieh im Frankfurter Viehhof cmSgebrochen war, durften unsere, Metzger die gekauften Ochsen nicht nach Friedberg bringen. Sie mußten im Frankfurter Schlachthof geschlachtet und das Fleisch auf Wagen hierher gebracht werden. xSteinfurth, 4.Ott. In voller Blütenpracht stehen gegenwärtig noch unsere Rosenkulturen — bei dem trüben Herbstwetter dieser Tage ein uugewöhnlicheü Anblick. Viele Rosen blühen in diesem Jahr zum zweiten und drittenmal. Neben dem Blumenversand beginnt jetzt auch schon das Verschicken von Ablegern und Steck' lingen. Starkenburg und Nheinhessen. R. B Darmstadt, 4. Okt. Der neue russische Gesandte am hessischen Hofe. Ministerresident Baron voü der Vliek, dessen Uebersiedeluug von Berlin hierher infolge des Streits der Möbeltransportarbeiter um mehrere Tage sich verzögerte, ist heute mittag vom Großherzog in besonderer Audienz empfangen worden. Im Anschluß daran fanb zu Ehren des Gesandten im hiesigen Residenzschloß eine Hof täfel statt, zu der Staatsminister Dr. Ewald, Minister des Innern v. Hombergk, die Generalität und die höchsten Hofchargen, sowie die hier akkreditierten Diplomaten Einladungen erhalten hatten. Kleine Tageschronik. Die Südpolarexpedition des Oberleutnants F i l 6* ner trat am Mittwoch von Buenos Aires aus, an Bord der „Deutschland" die Ausreise an. In Saloniki breitet sich die Cholera weiter aus. Die italienischen Aerzte sind aus dem Sanitätsausschuß ausgeschlossen worden. Die Behörden entfernten die Leitung des italienischen« Hospitals; sie beabsichtigen, es als CbvlerabospÄal zu verwenden.' «080 Noll, Drogerien. < (8P/s Mitglied bcr Nabatt-Spar-Vereiniguna. 6094 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: PlÄNINOS ■ 6099 Die Beerdigung findet Samstag, 7. Okt., 2 Uhr statt. B*/i Die Beerdigung findet SamStag, den 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr, statt. 08225 Pianola, Phonola h< Phonola-Piano 2150-2650 ML 1250 und 950 ML Achtung! Aeptei und Birnen! WeHeparatHrwert» lür Flügel, Pianioos s. Barmoniras Wettcrgaffc 5 (08243) Televbou 707 Inb Obst billigst. '082351 Karl Rösch. N L 8 -> CD CT CD v- Gespielte Pianinos, Flügel und Harmoniums sind meistens in größerer Zahl vorrätig (30 bis 1200 ML) Zuschlagßfrist 2 Wochen. Gießen, den 30. September 1911. o N <8 a v n v ö B o n 01 0 u e>. B Olga-Pulver ! feit Jabr. bew. für Kühe u. Pferde, die nicht trädjtig werd. Pak. 1 Mk. Zu hab. Hirsch Avotbckc (Sieben Vertretung“!!: Bechetein, Berdux, Kaps, Knauß, Mand, Schiedmayer, Thürmer, Hofberg, Mannborg. :: :: :: es* SD er O B Familie Keil. Wieseck, den 5. Oktober 1911. Adolf Sengt, Kaufmann, Jena. Giessen (Landgrafenstrasse 2), den 4. Oktober 1911. Die Beerdigung findet am Samstag, den 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Klavierstimmen :: Aufpolieren vor Pianos Nnr anerkannt gute Fabrikate :: Höchster Bar-Rabatt Kleinste Raten Langjährige Garantie :: Probe - Lieferung überallhin Wer die Hotzfällungsarbeiten für 1911 im Lützellinden er Markwald urch den Obmann d Linck-'Rudings- resbericht.der ickelung des linier- Tilgung der hypo- scheine um MM ien hypothekenbanl en noch Ist MM i und der beträch!. liobilien und 9m« ögen um 263,96TO efonds für böulüfc.1 den Vertrieb vor chs dem Verein ein.' : Mitgliederbestand vermehrt, und e ntlid) regen Atig m gnttreffe, bai nbet, das Unter- Die vor t diesem SENU kum R' amonaten so zah!- iq finden tmuittt zunächst von ein« den. Doch imiita Anete bauliche $t:- zum Schutze ma > heims geschlndüi q-Minz, DirlaM Essenbach medn- iten Lehrers W fiÄj d'° V inben d bcr ^orftanb ['» «8 Lchrerhnm » S’Ä'S inmet dienen solle» d°-M- , einge.»eit)t Maul- un> Ablegern Unseren Anzeigenkunden zur gefälligen Beachtung Upt den größeren Anzeigen für die SanrStagsnumm« eine sorgfältige Satzauöstattung zu sichern, empfiehlt ek sich dringend, die Aufgabe ein bis zwei TaGc vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nur bei rechtzeitiger Bestellung eine wirkungsvolle Anordnung währleistet werden. Verlag -er Gießener Anzeiger. Groß-Rechtenbach, den 2. Oktober 191L Der Bürgermeister. Amtlicher TeU. 380 bis 1700 ML Flügel 1000 bis 3300 ML Trauben Heute frische Zufuhr feinster Casteliamarer Goldtrauben in 3», 6- und 8-Pfund-Versandkisten per Pfund 30 Pfg., lose, per Pfund 35 Pfg. : Medizinal- — : Blutwein feiner Dessert- und Krankenwein, natürl., süßer, roter Traubensast, garantiert rein, per Flasche Mk. 1.50. 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Aus Batavia wird gemeldet: Der holländische Dampfer „3xion" wurde 25 Seemeilen von der Insel Eng an o durch Feuer vollständig zerstört, lieber das Schicksal der 24 Mann starken Besatzung ist bis jetzt nichts bekannt. 3m Museum von 93 en t m c ist nach einer Meldung aus Paris ein kostbares Bild von Boucher auS dem Rahmen geschnitten und entwendet worden. Auf der neuen Fernsprechlinie Paris—Madrid gelang eS am Mittwoch abend, einige Minuten sich gut zu verständigen. Sollte die Inbetriebnahme stattfinden, so würden Madrider Rach- richten kaum '/, der bisherigen Zeitdauer für die Uebcrmittelung nach Deutschland benötigen. Das Lotsenschiff 2 des belgischen Lotsenamtes in Vlissingcn ist im Sturm u n t e r g e g a n g e n 12 Mann, bic Häupttr kinderreicher Familien, sind dabei ertrunken. Amtlicher wetterderlcht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. ®etteron6iid3ten in Hellen am Freitag, rvn 6. Oktober 1911: Abnebmende Bewölkung, noch geringe Niederschläge, Temperatur wenig verändert. K 35 11. B7." I Donncrötag, 12. Qktbr. 1911, nachmittags 3 Uhr, wird in1 unterem Amtszimmer die der Witwe deS Ehr. Wagner I. und den Erben des Ehr. Wagner I. zugefchriebene nachstehend verzeichnete Parzelle zum Zwecke der Auseinandersetzung der Er- rungenschaftogemeinichast und der Erbengemeinschaft versteigert: 1/795 = 96 qm Hosreite in der Wolkengasje. Gießen, den 6. Sevt. 1911. Großherzogl. Ortsgericht. Gros. Km W U HM W MK LW MZM MMlllMMMllMW MMMMMMM ^UMMsttMMMllülllltlME ••*>*e e -^1 m*«»»-«». . • • I *r.ci«r.-a•;:I MMMMMMM UMMMMML si WA ___W IHilllllbUIUÜli^.WlilK^ KOLOSSEUM SM •2Ä W Gebr. Weil Neustadt 10 GIESSEN Fernspr. 506 :l Wagener & Schlötel (joetheßraße 9-77 Goetheffraße 9-77 leichte weiche Stoffe etc. Sa m m et Pa I etots Plüsch Paletots a43. 55-78.-90- mit 2 Pfund Federn gefüllt Kissen Mk. 3.- im Der Borfitzende. D1/, M. I. V/5i0) 08179 verbunden mit Anfang 8 Uhr. Gesellschaftsanzug. Der Vorstand. v^/iol Der Anflage der heutigen Nununer liegt ein Prospekt der Firma Görlitzer Tuchfabrik Otto Schwetasch in Görlitz bei. si»l» mit 7 Pfund doppelt gereinigten neuen Federn gefüllt Mk. 9.50 12.— 14.70 16.50 22.— re. Riedeselstraße 40, statt. Tages-Ordnung: [Dodeine flaufdimäntel TDk 24.- bis 160.- in modern ff en ffoimen und Schnitten, mit und ohne Peljgarnituren 110-350.- Wit haben jetjt ein großes Lager in farbigen Versammlung Wg £ie» und Wieseck Donnerstag, den 5. Oktober, abends 83/< Uhr, Hotel Grotzherzog von Hessen. Tages-Ordnung: Landtagswahl, a) Bericht. b) Aufstellung eines Kandidaten. 3.60 4.40 6.20 re. M V. H. C. > HMI Zweig-Verein Giessen. Freitag, den 6. Oktober Monats - Versammlung im „Kaiicrbof". Sonntag, den 8. Oktober VIIVereinswandernng Büches—Hardeck—Ronneburg — Büdingen. 4»/z Stunden. Abfahrt 8'" Uhr. — Führer: C. Wenzel und C. Faber.(v5/io & Ärlillerie- Giessen. Monatsversammlung Samstag, den 7. Oktober, bei Kamerad Rösinger, Ecke West- Anlage und Neustadt. Reservisten willkommen. Hessische Landespolitik, insbesondere die Landtagswahl. Redner: Die Landtagsabgeordneten Bach (Mainz), Oberbürgermeister Köhler (Worms), Dr. Osann (Darmstadt). Zu dieser Versammlung sind die Angehörigen der nationalliberalen Partei, Freunde und Gesinnungsgenossen freundlichst eingeladen. Der Borfitzende der nationalliberalen Landespartei. Dr. Osann. Gratis-PräsentVerlosung Jede 10. Person gewinnt tintn mckollen Gegenstand! I. Preis eine Damcn-Uhr. Mmsllidmle Partei Vertrauensmänner- u. Mitglieder- Rauchen vor 12 Uhr nicht gestattet. ®8n£t"o6crH Ausflug aut den Windhof. Vollständige Betten Schlafzimmer - Einrichtungen Teilzahlungen nach Uebereinkunst gestattet. Hellte* kntaparlei in Hessen. Die Landesversammlung der nationalliberalen Partei in Hessen findet Sonntag, den 8. Oktober d. Js., nachm. 3 Uhr, im großen Saale des Müschen Lnalbones in Darmstadt WF Liebi^shöhe Sonntag, den 8. Oktober Militär-Konzert ausgeführt von der Kapelle des hiefigen Jnf.-Regt. „Kaiser Wilhelm" unter persönlicher Leitung des Odermusikmeisters Herrn W. Löber. Anfang 4Va Uhr. 08210 Eintritt 45 Pfg. Drucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei. Schulstr. 7 Stadttheater Giessen Direktion: Hermann Steingoetter. Freitag, den 6. Oktober 1911, abends 8 Mir 1. Freitag- Abvnnem.-Vorstellung Gewöhnt. Preise Gewöhn!. Preise Oer Meister von Palmira Schauspiel in 5 Aufzügen von Adolf Wilbrandt. Ans. 8 Uhr. Ende geg. 11V< Uhr. Sonntag, den 8. Oktober 1911, nachmittags 3*/» Ubr Kleine Preise. Kleine Prerse. Charley’s Tante Schwank in 3 Akten von Brandon Thomas. AbcndS 71/, Ubr Kleine Preise. Kleine Preise. Es lebe das Leben Schauspiel in 5 Akten von Herm. Sudermann, (a I'» iamen-tan Giessen. Beginn der Turnstunden am 5. Okt. Tnrnzeit Zienstag n. Donnerstag 5Uhr. Reuanmeldungen erfolgen während der Turnstunden Turnhalle der Stadtmädchenschulc, West-Anlage. 03200 Kaufmännischer Verein. Samstag, 7. Oktober 1911 in Steins Saalbau Zur ?»/,<> Feierte 31. Slitaigsties Konzert der Gießener Kammermusikvereinigung (Herren Bauer, Geller, Krauße und Herrmann), sowie eines Teils der hiesigen Regiments-Kapelle. Theater* Gastspiel von Wiesbadener Schauspielern. Ba§8 unter Leitung de§ Herrn Universitäts-Tanzlehrers Will. Dir.: Karl Ohm. L S - MmnzMzrsiM Heute, Donnerstag: grosse Estra-Familien-Vorsteliiing