Nr. 252 Zweiter Blatt Lrfchetnl tS-li- mit Ausnahme des Sonntag«. Die „eieBetiet ZamllienbläUer- werken dem .Anzeiger^ Dietmol wöchentlich beigelegt, das „Krelsblott ffir ben Kreit Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 161. Jahrgang Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dienstag, 3. Gttober Ml Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Cteindruckerei, R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^^6L Redaktion: 112. Tel.-Adru2lnzeigerGießen. Politische Tagesschau. Sollen die deutschen Staat-arbeiter Beamteneigenschaft erlangen? Man schreibt uns: Es ist oft in Parlament und Presse die Forderung aufgestellt worden, den Staatsarbeitern Beamteneigenschaft zu verleihen, einerseits, um sich tüchtige Arbeiter zu sichern, andererseits als Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie. .Dieser .Gedanke ist auch von der Regierung wiederholt erwogen worden, doch ist man zu dem Schluß gekommen, dieser Forderung nicht nachzugeben, weil zu große Schwierigkeiten bestehen und vereinzelte Verwaltungen dem Plane widerstreben, alle Arbeiter, die zehn Jahre sich im Staatsdienste befinden, als Beamte einzustellen. Bor allem lagen finanzielle Bedenken vor. Man ist den Staatsardeitern in der Hoffnung, daß sie die Sorge des Staates anerkennen werden, in anderer Weise entgegengekommen. Es ist beabsichtigt, bei bewährten Arbeitern ein ziemlich unkündbares Arbeitsverhältnis, das sogenannte Diplomderhältnis, herzustellen und zwar soll ein Arbeiter, der zehn Jahre im Staatsdienst gearbeitet hat, gegen Arbeitsverlust gesichert werden. Die preußische Staatsbahnverwaltung hat den Anfang gemacht. So dürfen Eisenbahnarbciter, die sich 10 Jahre gut geführt haben, nur entlassen werden, wenn die zu- ständige Eisenbahndirektion die Entlassung herbeiführt. Diese .Arbeiter dürfen von Bahnmeistereien und den Inspektionen nicht ohne weiteres entlassen werden, sondern es bedarf eines Antrages bei der Direktion. Diesem Anträge wird nur entsprochen, wenn der Arbeiter seine Pflichten gröblich vernachlässigt hat oder wenn er arbeitsunfähig ist. Im letzteren Falle wird für eine Unterstützung nach dem Maße seiner Arbeitszeit und seiner bisherigen Arbeitsleistungen gesorgt, wenn die gesetzlichen Wohlsahrtseinrich- tungen nicht ausreichen. Durch diese Maßnahmen kommt das .Arbeitsverhältnis dem des Beamten außerordentlich nahe. Die Borteile für die Staatsarbeiterschaft liegen auf der Hand. Bemerkt sei noch, daß durch diese Regelung eine politische Beeinflussung nicht eintritt, wenn auch erwartet wird, daß die Arbeiter die Politik des Staates, der für sie unermüdlich sorge, nicht bekämpfen. n Merkwürdige Erscheinungen der Futtcrnot in der Großstadt. Die diesjährige Knappheit an Futtermitteln für das Dieh infolge der Dürre des Sommers Hal für die Großstadt merkwürdige Erscheinungen gezeitigt. Das Fleisch ist momentan billiger und reichlicher am Markt, die Milch ist teurer und rnapper. Tie Milch ist seit einigen Tagen sogar so knapp, daß die Milchhändler ihre ftänbigen Kunden laum versorgen tonnen und namentlich die Säuglinge schon unter der Milchknappheit leiden. Die Ursachen dieser Erscheinungen sind folgende: Ter Heine Bauer verlauft seit Wochen sein Vieh, da die Futtermittel zu teuer sind und sich für ihn eine rationelle Viehhaltung nicht mehr betreiben läßt. Kurz vor dem Quartalsbeginn mit seinen finanziellen Verpfllchtungen ist die Notwendigkeit des Biehverkaufs noch mehr an den kleinen Bauern heran- getreten. Das .Angebot von Schlachtvieh ist deshalb in den Städten ungewöhnlich groß, wodurch die Preise gedrückt werden und das Fleisch etwas billiger ist. Der Mckschlag wird aber kaum ausbleiben, da später durch diesen Massenverkauf ein Mangel an brauchbarem Schlachtvieh eintreten muß und die Preise höher notieren müssen als jetzt. Wir werden bald eine Hausse in Fleischpreisen erleben. Die natürliche Folge des Biehverkaufs ist der Mangel an Milch. Biele Heine Milchbauern haben die Milchlieferung schon gänzlich eingestellt, da sie für den Winter nur wenig Kühe behalten. Auch die Milchpreise werden in kurzer Zeit emporschnellen, und es ist bereits in Erwägung gezogen worden, die Mlchpreise vom 15. Oktober ab abermals um 2 Pfg. pro Liter zu erhöhen. • Zugang an neuen Versicherungen « Abgang durch Tod und Ablauf Abgang durch Aufgabe und Ruckkauf . . Die Entwicklung der Lebensversicherung in Deutschland. Der gewaltige Aufschwung der deutschen Volkswirtschaft kommt u. a. auch in der außerordentlichen Zunahme der Lebensversicherungen zum Ausdruck. Die folgenden, uns zur Verfügung gestellten Zahlenangaben beziehen sich nur auf das Todesfallverjicherungsgeschäft der inländischen Lebensversicherungs-Gesellschaften. Geschäftsergebnis bei fämtl. Gesellschaften Am Jahresschlnß blieben insgesamt versichert I (Versicherungsbestand). . . . 1 [1900 1905 11910 19UU 1905 ,1910 1900 1905 .1910 1900 1905 .1910 Mk. 559 915 583 770 508 374 1 197 554 906 109 080 217 148 707 374 197 446 645 147 010 850 185 286 124 266 509 808 6 264 983 924 7 935 573 233 10 665 004 638 294 756 784 407 905 557 687 164 385 1900 1905 1910 Der Bestand an den ehemals beliebten lebenslänglichen oder den bis zum 85. und 90. Lebensjahre laufenden langen Todesfallversicherungen geht von Jahr zu Jahr zuruck. Dieser Rückgang hängt u. a. jedenfalls mit der Erkenntnis zusammen, daß eine Todesfallverficherung im Greisenalter meist ihren ursprünglichen Zweck verliert und dem Versicherten zur Last fällt. Jahreszunahme des Versicherungsbestandes (reiner Zuwachs)..... Aus Hetzen. Im neuen Landtagswahlkreise Lich - Hun- 9 en ist, nachdem sich kürzlich auch die liberalen Parteien aus die Person des Seminarlehrers und Stadtrats Leuchi- gens-F-riedberg geeinigt haben, bie Lage die, daß für d re i Kandidaten der Wahlkampf geführt wtrd. Für die Soz.al- wemokraten kandidiert Hauser- Steinberg, für den Bund Ber Landwirte der seitherige Abg. Fenchel-Ober-Hörgern. Äer liberale Kandidat ist geborener Licher und erfreut sich hier großer Sympathien. Er hat bereits begonnen, sich seinen Wählern vorzustellen. Am Sonntag sprach er in Trais-Horloff und Langsdorf, am Montag in Langd vor gut besuchten Versammlungen und entwickelte unter Beifall sein Programm. Am kommenden Sonntag wird Seminarlehrer Leuchtgens in seiner Vaterstadt Lich sprechen. R. B. Darmstadt, 2. Cft. Tie nationalliberale Partei Hessens wird sich auf ihrem Parteitage, der Sonntag, 8. Oktober, im städtischen Saalbau zu Tarmsladt stattsindet, ausschließlich mit den am 3. November erfolgenden Landtagswahlen beschäftigen. Am Vormittag des genannten Tages wird der Landesausschuß eine Sitzung abhalten; Nachmittags um 3 Uhr findet alsdann die Landesverfammlung statt, in der die Landtagsabgeordneten Bach-Mainz, Oberbürgermeister Kühler- Worms und Justizrat und "Notar Dr. Osann über Fragen der hessischen Politik sich aussprechen werden. Im Wahlkreis Bensheim-Zwingenberg hat eine nationalliberaleVertrauensmünnerver- sammlung nach einem Bericht des bisherigen Abgeordneten Aul er und einem Vortrag des Landesvorsitzenden 2r. Osann Herrn .Auler wiederum als Kandidaten ausgestellt. Deutsches Aeich. Der Neichstagsprüsident beraumte die erste Reichstagssitzung auf den 17. Oktober, nachmittags 2 Uhr, an. Die Tagesordnung ist sehr umfangreich, enthält jedoch lediglich Berichte über Bittschriften. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt folgendes mit: Heute fand im Reichsamt des Innern die Eröffnung der neuen Unterrichtskurse für Konsularanwärter des Auswärtigen Amtes statt, wozu eine Reihe der hervorragendsten Vertreter von Handel und Industrie, der Finanzwissenschaft, zahlreiche Mitglieder des Reichstages, Vortragende Räte, Hilfsarbeiter des Auswärtigen Amtes erschienen waren. Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter wies in seiner Eröffnungsrede auf die Vielgestaltigkeit der von den Konsuln im Auslande zu erfüllenden Ausgaben hin, die durch die wachsende Bedeutung unserer wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande immer größere Anforderungen an die Vorbildung der Einzelnen stellen. Für die heute im Vordergrund stehende Ausgabe der Förderung der wirtschaftlichen Interessen Deutschland sei der Konsul bisher durch eine einjährige Tätigkeit in der Handelsabteilung des Auswärtigen Amtes und durch praktische Arbeit als Vizekonsul unter Leitung älterer Konsuln ausgebildet worden. Wenn auch diese Einrichtung sich gut bewährte, so müsse man trotzdem auf eine Verbesserung bedacht fein. Dies setze aber voraus, daß ein Teil des Unterrichts von denjenigen übernommen werde, über deren Interessen und Anschauungen der Konsul unterrichtet sein müsse. Das Auswärtige Amt wandte sich daher an zahlreiche Firmen um dauernde Mithilfe und erhielt von allen Seiten Zusagen. Ebenso stellten sich die Vertreter der Wissenfthast bereitwilligst zur Verfügung. Dies Zusammenwirken von Industrie, Handel und Wifsenschaft werde der Förderung der deutschen Interessen im Auslande zugute kommen. Daraus hielt Professor Schumacher (Bonn) einen Vortrag über ostasiatische Wirtschafts fragen/ womit der neue Msbildungsgang eingeleitet wurde. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der „N y r d d e u t s ch e n A l l g e m e i n e n Z e i t u n g" sand am Sonntag im Hotel „Arion" zu Berlin ein Festmahl statt, an dem der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Presse teilnahmen. Ter Kaiser sandte ein Glückwunschtelegramm, in dem er der patriotischen königstreuen Haltung der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gedachte. Der wür ttember g ische Kriegsminifter v. Marchtaler hat sich nach Berlin begeben. Der Geschäftsführende Ausschuß der National- liberalen Partei, der am 1. Oktober d. I. zu einer Sitzung in Berlin zusammengetreten war, ist sich darüber schlüssig geworden, den diesjährigen allgemeinen Vertretertag der .Partei auf Sonntag, den 3. Dezember nach Berlin zu berufen. Ter Tagung wird am 2. Dezember eine Sitzung des Zentralvorftandes voraus- gehen, in welcher der dem Parteitag zu unterbreitende Wahlaufruf für die bevorstehenden allgemeinen Reichstagswahlen sestgestellt wird — Ob der Zentralvorstanb der Narionalliberalen Partei vor diesem Zeitpunkt noch einmal zu berufen ist, wird von dem Gange der Politik im Reichstage abhängig sein. Um der Teuerung zu begegnen, wird die Stadtgemeinde Essen einen großen Einkauf und einen Kleinverkauf von Seefischen und Kartoffeln eintreten lassen. Um den staatlichen Beamten und .Arbeitern, die durch die Teuerung besonders in Mitleidenschaft gezogen sind, Beihilsen zu gewähren, wird ein Fonds von 30000 Mark zur Verfügung gestellt. Für die Speisung armer Schulkinder wurden anstatt wie bis- her 10 000 Mk. 19 000 Mk. gewährt.____________ Ausland. Der König von Schweden beauftragte den Führer der liberalen Partei S t a a s f mit der Bildung des neuen Kabinetts., Aus Lissabon meldet man: Der Versuch der royalistischen Erhebung ist vollständig unterdrückt. Tie Gefangenen wurden auf die Festungswerke von Lissabon gebracht. Tie Regierung wird den Royalisten wegen Verbrechens der Rebellion den Prozeß machen und sie unverzüglich aburteilen lassen. Im ganzen Lande herrscht völlige Ruhe. In Mexiko wurde M ad er o zum Präsidenten gewählt. Aus Han kau wird gemeldet: Tie hiesigen chinesischen Behörden benachrichtigten die Europäer, daß in Spontan Revolutionäre eingelrossen und die cyinesftchen Truppen wenig zuverlässig seien. In der Provinz Hupe find Unruhen gusgebrochen. .Eine große Anzahl Soldaten ist desertiert. Das Ende öer Marottooerhandlungen. Im französischen Minister rat erhärte der Minister des Aeußern, die französisch-deutschen Verhandlungen schritten beftiedigend fort. Paris, 2. Oktober. (Agence Havas.) Tas endgültige Einvernehmen über Marokko steht unmittelbar bevor. Es konnte festgestellt werden, daß beiderseits der lebhafte Wunsch nach einer Einigung besteht, da v. Kiderlen-Wächter und Herr Eambon einzig und allein bestrebt sind, zu einem Text zu gelangen, der vollkommen klar und jeder Zweideutigkeit bar ist und so für die Zukunft jede Ursache zu Reckungen und Mißverständnissen verhütet. Man verhehlt sich indessen nidjt, daß die Regelung der Kongofrage nicht weniger schwierig und nicht weniger heikel ist._______________________________________________ Vie Affäre Oes Grasen wolff-Metternich abermals vor Gericht. 4 Berlin, 3. Okt. Vor dem Landgericht Berlin I begann heute erneut die Ver« Handlung in dein Prozesse gegen den Grasen Gisbert Wolfs- Metternich, der sich unter der Anklage, verschiedene Hochstapelelen und schwindelhafte Kreditoperationen begangen zu haben, zu verantworten hat. Tie Angelegenheit hat bereits im Juli b". Js. drei Tage lang die 10. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigt. Ter Angeklagte gab damals lediglich zu, Schuldverpflichtungen übernommen zu haben, er stellte sich aber auf den Standpunkt, daß es ihm nach der nahe bevorstehenden Hochzeit .mit einer reichen jungen Tarne leicht möglich sein werde, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Als die in Frage kommende Dame bezeichnete er die Tochter der Frau des Warenhausbesitzers W. Wert- Heim. Tie als Zeugin geladene Frau Wertheim behauptete dagegen, der Graf habe keinerlei ernste Aussicksten gehabt, ihr Schwiegersohn zu werden, er habe in ihrer Familie lediglich als eine Art bezahlter Reisemarschall fungiert. Um die Aussage der Zeugin zu erschüttern, beantragte in der damaligen Verhandlung der Verteidiger des Grafen verschiedene Zeugen äu laden, die bekunden würden, daß Frau Wertheim eine gewisse Gehässigkett selbst gegen ihre nächsten Familienangehörigen an den Tag gelegt habe. Ter Gerichtshof gab dem Anträge statt und vertagte daher die Verhandlung. Zum Termin ist auch Frau Wertheim wieder als Zeugin geladen, sie hat aber aus Meran ein Schrecken geschickt, daß sie reiseunfähig sei; aus diesem Grunde ist es möglich, daß der Verteidiger des, Angeklagten eine neue Vertagung erwirken wird. Aus Statt und Land. Gießen, 3. Oktober 1911. * Tageskalender für Dienstag, 3. Oktober: Stadttheater: „Nora/ tilnfang 8 Uhr. * ♦ Der Großh erzog hat dem Pfarrer und Dekan Otto Scriba zu Erbach die erste evangelische Psarrstelle zu Wimpfen übertragen. ** Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den Oberlehrer am Realgymnasium zu Darmstadt Prof. Gg. Grünewald zum Oberlehrer an der Liebigs-Ober- realschule zu Darmstadt ernannt und den Oberlehrern an der höh. Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz Tr. Franz Bender und Tr. Friedr. Lehnert den Charakter als Professor erteüt. Turch Entschließung des Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsreferendare: Christian Stephan und Aug. Rühl in Grünberg, Aug. Schlörb in Friedberg, Siegfried Kann in Gießen, Herrn. Baas in Mainz, Karl Göbel in Schotten, Nud. Nuß in Mainz, Tr. Theodor Jil ke in Gießen, Herbert Hölzer in Mainz, Tr. Otto .Arnold in Offenbach, Otto Hauff und Christian Müller in Mainz, Mlh. Hörr in Offenbach, Adam Ofen loch in Bensheim, Friedr. Elb ert in Worms, Gg. Goes und Otto Heid in Darmstadt, Wilh. Meyer und Adam Schier in Friedberg, Hch. Lenz in Mainz und Dr. Jos. K e i l m a n n in Gießen zu Lehramtsassessoren ernannt. * * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde: dem Lehrer Rich. Kühnel zu Groß-Gumpen die Lehrerstelle an der G.emeindeschule zu Wemges, der Schulamtsaspirantin Susanna Herrmann aus Mainz eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim (K'r. Offenbach). * * Stadttheater. Einigen der neuen Fachmitgliedern, die sich bisher noch nicht in größeren Aufgaben zeigen konnten, bietet sich am Mittwoch in Goethes „Geschwistern" und Björnsons „Neuvermählten" Gelegenheit dazu. Es sind in diesen Stücken neben Herrn Volk, Frl. Scholz und Frl. de la Chapelle beschäftigt die Herren Schröder und Rappeport und die Turnen de Bruye und Mühlpf ort. Besonderes Interesse dürste die neue Naive Frl. de Bruye finden, die s. Zt. den ersten Preis in der Seebachschule errang. Tie junge Tarne spielt die Marianne in den „Geschwistern" und hatte mit dieser Rolle auch schon im Nauheimer Kurt Heater im September einen großen Erfolg. ** Ter Sängerchor des Turnvereins Gießen 18 4 6 feierte am Samstag im „Großherzog von Hessen" sein 10 jähriges Stiftungsfest, zu dem eine stattliche Anzahl Vertreter anderer $8 er eine und eingeladcner Gäste erschienen waren. Tie Feier wurde eingeleitet durch einen sehr schönen Prolog, der von Fräulein Tilli Lindenstruth sehr gut zum Vortrag gelangte. Sodann begrüßte der 1. Vorsitzende Gröninger alle Anwesenden; sein Gut-Heil galt der deutschen Turnsache und der Pflege des deutschen Liedes. Der gut geschulte Chor unter Leitung des Herrn Wickert erntete für seine Vorträge wohlverdienten Beifall. Auch zwei Toppelquartette kamen sehr schön zum Vortrag. Weiteren Genuß wurde den Teilnehmern geboten, durch einen von Herrn Max Blau geblasenen Klarinettensolo, wofür ihm durch regen Beifall gedankt wurde. Sehr viel Vergnügen bereiteren zwei humoristische Duette, gesungen von Fräulein Carola Malkomesius und Herrn Theodor Wittenbecher sowie Fräulein Käthe Gröninger und Herrn Hch. Wahl. Der Tanz, darunter ein Blumenwalzer, trug ebenfalls dazu bei, daß sich die Teilnehmer unterhalteiider Stunden erfreuen konnten. Ten Schluß der Feier bildete ein stattgehabter Ausflug nach der Karlsruhe am Sonntag nachmittag. Kreis Bstdingen. X Nidda, 2. Olt. Tie Obsternte ist beendigt und in unserer Gegend so reichlich ausgefallen, wie seit vielen Jahren nicht. Beispielsweise wurden auf der Station Nidda in der letzten Hälfte des September über 50 Eisenbahnwagen voll Kelterapfel und Zwetschen verladen; hierzu lieferte die kleine Gemeinde Borsdors allein etwa 900 Ztr. Lcyüttelavfel und 3UO Zentner Zwetschen. Berücksichtigt man noch den Erlös für Tafeläpfel und Birnen, so kann man bic Einnahme der Borsdorfer Landwirte für Obst aus Lut 19—20000 Mark schätzen. Auch Michelnau, Unter- Vchmitten, Fauerbach und Rabertshausen hatten eine vor- Lüaliche Obsternte; zahlreiche Landwirte dieser Orte haben über 1000 Mark aus Obst gelöst. Auch die Kartoffeln sind viel besser geraten, als früher angenommen wurde. Während die Erträge in trockenen Lagen gegen sonst zurück- blieben, waren sie auf feuchten Aeckern desto besser und alle Knollen gut; faule Kartoffeln findet man fast gar nicht. Zieht man weiter in Betracht, daß auch die .Heu- und Getreideernte eine sehr gute Qualität geliefert haben, so können unsere Landwirte trotz der geringen Grummeterntc recht wohl zufrieden sein. ----- Aulendiebach, 2. Okt. Heute fand hier eine sozialdemokratische Versammlung statt, in der Reichstagsabg. Busold-Friedberg und der Landtagskandidat Schanb-BüdeSheim Vorträge hielten. Starkenburg und Rheinhessen. ch. Bingen, 2. Oktober. Wie das letztemal berichtet wurde ist das im Blindenheim gestohlene Bild wieder ausgcfunden worden. Am Samstag traf der Untersuchungsrichter aus Mainz hier ein. Der unter dem Verdachte des Diebstahls verhaftete Raab leugnete trotz allen Vorstellungen. Als ihn jedoch das Bild gezeigt wurde, gestand er den Diebstahl ein und beschuldigte eine hiesige >Altbändlerin der Hehlerei. Die Händlerin gab zu, am 11. September das Bild von Naab für 2 Mk. gekauft zu haben, doch meinte sie, daß sie weder wußte, daß das Bild ans Elfenbein geschnitzt war, noch hatte sie den Wert des Bildes gekannt. Ebenso unbekannt wäre ihr gewesen, daß das Bild aus dem Blindenheime gestohlen sei. Erst kürzlich habe sie davon erfahren und sie habe das Paket gemacht und es in die Anlagen an der Ilmtsstraßc niedergelegt, damit es von einem ehrlichen Finder gefunden würde, Raab wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Hessen-Nassau. {. Marburg, 2. Oktober. Seit gestern wird hier das Wahres fest des Kurhessischen Hauptvcreins des evang. Bundes unb' die 21. Hauptversammlung abgehalten. Ms Einleitung fanden vormittags in der lutherischen und der reformierten Kirche Festgottesdicnste statt. In ersterer predigte Pfarrer D. Dr. Gerbert-Biebrich und in letzterer Konsistorialrat Dr. Dechent-Frankfurt. Bei beiden Gottesdiensten wirkten die Kirchenchöre mit. Es schloß sich eine Sitzung des Hauptvor- standes und der Festkommission, sowie ein Gang durch die Stadt an. Im Hofe des alten Landgrafenschlosses fand nachmittags um 3 Uhr eine volkstümliche Versammlung statt, die gewissermaßen eine Huldigung für den Landgrafen Philipp den Großmütigen bildete. Im Anschluß an den mit Musikbegleitung vorgetragcncn Gesang des ersten Verses des Lutherliedes wie? Superintendent Wissemann-HofgeiSmar darauf hin, wie die Geschichte des Schlosses mit der Reformationsgeschichte im Zusammenhang steht. Er verband damit eine Schilderung des Lebens und Wirkens Philipps des Großmütigen für die Reformation und wie dieser edle Hcssen- fürst für seinen Glauben gelitten und gestritten habe. Unter Mitwirkung des lutherischen Kirchenchors schloß sich nachmittags um '4 Uhr eine gleichfalls stark besuchte öffentliche Versammlung im großen Stadtsaale an. Prof. Hüveden-Kassel sprach über das Thema: „Der Protestantismus und der Staat." Er wies darauf hin, wie Luther bei seiner Romreise die Empfindung mit nach Hause gebracht habe, daß eine Reformation der christlichen Kirche nötig sei. Luthers Verdienst sei cs gewesen, daß er den Staat vom kirchlichen Bann wieder frei gemacht habe. In seinen weiteren Ausführungen meinte er, daß der politische Ultra- nwntanismus unzulässig sei. Justizrat Büss-Kassel stellte sich als alter Hesse vor. Er schilderte den hohen Wert der Kirche, die Pflichten, die man gegen diese habe und schloß mit einem Hinweis auf die Aufgaben der Kirche. Weiter sprach Pfarrer Dithmar-Altenburschla zu dem Thema: „Der Protestantismus und die Familie." Einen besonders glanzvollen Verlauf nahm die Abendversammlung. Begrüßungsansprachen hielten hier der Verbandsvorfrhende, Oberlehrer Hoffmann-Kassel, Oberbürgermeister Trvje im Namen der Stadt, Pros. Budde als Rektor der Universität, Geheimrat Mirbt als Vertreter des Kgl. Konsistoriums, Prof. Bornhäuser als Dekan der theologischen Fakultät, Superintendent Happich im Namen der Pfarrer uno Gemeinden der Diözese Marburg, Pfarrer Heermann für den Gustav-Adolf-Ver- tiit, Pfarrer Griesebach als Vertreter für den Hauvtverein für deutsche Ansiedler im Auslande zu Witzenhausen, Landgerichtsbirektor Schmeckenbecher-Gießen für den Hauptverein Hessen-Darmstadt, Exzellenz Generalleutnant v. Henning namens des Hauptvereins Wiesbaden-Frankfurt, Oekonomierat Dr. Hesse sm Namen des Marburger Zweigvereins. Der geschäftsführende Vorsitzende des evangelischen Bundes, Reichstagsabg. Sie. Ever- ling - Halle, wies auf das Wachstum des Bundes hin und freute sich besonders, daß in Hessen der Bund auf dem Lande so festen Fuß gefaßt hätte. Pfarrer Aßmann-Bromberg schilderte den „deutsch-evangelischen Vorpostenkampf in der Ostmark". An der Hauptversammlung nahmen etwa 130 Vertreter teil. Die erste Ansprache hielt Reichstagsabg. Lic. Everling-Halle. Oberlehrer Hoffmann-Kassel betonte dann, daß der Bund in Hessen letzt Über 18 000 Mitglieder zähle. Pfarrer Horst-Niedenstein sprach „über Pflege der evangel. Festspiele in den Gemeinden^ und .dann nahm man als nächstjährigen Versammlungsort Witzen- hausen in Aussicht. Ein Festmahl beschloß die Tagung. Rodheim a. d. Bieber, 2. Oktober. Infolge der Teuerungsverhältnisse sind heute selbst gutgehende Wirtschaften nicht Mehr sonderlich begehrt. Die frühere Stvrksche Wirtschaft, Ecke derBieberer-Fellingshäuser Straße, die einst für 48 000 Mk. verkauft wurde, ging gestern zum Preise von 2 8 0 0 0 M a r k in den Besitz der Brauerei Jhring-Lich über. (Ein deutscher Dampfer gestrandet. London, 2. Okt. Beim Sturme im Kanal strandete bei Boulogne gestern der Dampfer »König Friedrich August* von der Hamburg-Amerika-Linie. Er wurde gegen einen Wellenbrecher getrieben und liegt noch dort. Zahlreiche Schleppdampfer kamen, um Hilfe zu bringen. »König Friedrich August* hat mehrere hundert Passagiere für Amerika an Bord, außerdem Offiziere und Mannschaft. „König Friedrich August" war nach Boulogne gekommen, um dort feine französischen Passagiere an Bord zu nehmen. Er geriet dabei in den Bereich der Brandung. Ein gewaltiger Sturm und furchtbare See gingen über da§ Schiff hinweg. Es gelang dem Dampfer, glücklich durch die Brandung durch, zukommen und zunächst Anker zu werfen, doch saß er alsdann fest. ES scheint, daß an Bord Ruhe und Ordnung herrscht. Zurzeit ist man dabei, den Ballastraum leer zu pumpen, um da? Schiff zu erleichtern. Vier englische und französische Schlepper haben sich bisher vergeblich bemüht, das Schiff abzuschleppen. Die durch die Deckkabinen gebildeten hohen Ausbauten auf dem Dampfer fingen der, Wind wie große Segel auf. Dies bewirkte, daß das Schiff hin und her ge» warfen wurde und heftig an seinen Ankern riß. Der Dampfer ist am Montag früh ohne Schaden wieder flott geworden. Lristschöstahrt. Traue r feier für .Kapitän Engelhardt. Johannisthal, 2. Olt. Heute mittag fand auf dem Flugplatz eine Trauerfeier für Kapitän Engelhardt statt, der die Witwe des Verstorbenen, sämtliche in Berlin weilenden Flieger, die Direktion der Flugplatzgesellschast, die Direktion der Wright- Gesellschaft, sowie zahlreiche Armee- und Marineoffiziere beiwohnten. Der schwarze Eichensarg war, von einer Kriegsflagge bedeckt, vor dem Flughause aufgebahrt, v. Nieder, der Vor- itzende des Deutschen Lustschisferverbandes, widmete, dem Ver- torbeuen einen herzlichen Nachruf. Nach der Trauerfeier wurde her Sarg zum Leichenwagen getragen, den zwei umflorte gekreuzte Schraubenflügel schmückten. Hierauf erfolgte die UÜberführung zum Lehrter Bahnhof, von wo die Leiche nach Bremen kommen soll. Eine Probefahrt des L. Z. 9. Friedrichshafen, 2. Okt. Der für die Militärbehörde bestimmte Luftkreuzer „L. Z. 9" ist heute nachmittag unter Führung des Grafen Zeppelin zu seiner ersten Probefahrt um 3 Uhr 30 Min. aufgestiegen. Nach verschiedenen Uebungen und Manövern über dem See ist das Luftschiff nach ’/< stündiger wohlgelungener Fahrt um 4 Uhr , 15 Min. wieder gelandet. Die zur Uebernahmekommission hierher beorderten Offiziere haben an der Fahrt noch nicht teilgenommen. Neupork, 2. Okt. Nach einer Meldung aus Spokane ist der Flieger Cromwell Dixon abgestürzt. Er war so- ort tot. Sport. Vereinsdauerfahrten zum Frankfurter Bundestag. Das amtliche Ergebnis der Vereinsdauerfahrten zum 28. Bundestag des D. R-B. unter den erfolgreichen Beteiligungen ist nachstehendes: Gruppe 1. (625 Kilometer unb mehr) 1. R.-V. „Wanderer" 1889 Schwerin, 637 Kilometer mit Stundendurchschnittsleistung von 10,926 Kilometer; 2. V.-R. 1899 Friedrichsfelde bei Berlin 642,8 Kilometer : 10,162 Kilometer; 3. R.-V. „Flott" 1897 Breslau 631,1 Kilometer : 9,048 Kilometer. Gruppe 2. (425—625 Kilometer) 1. Berliner R.-Klub „Defekt" 606,4 Kilometer: 11,245 Kilometer; 2. R.-Klub „Kondor" Dresden 475,6 Kilometer: 12,693 .Kilometer; 3. R.-V. „Schwalbe" Zehlendorf 577 Mometer : 10,955 Kilometer; 4. R.-Klub „Sturmvogel" Rathenow 584,8 Kilometer : 9,708 Kilometer. Gruppe 3. (290—425 Kilometer.) 1. R.-Klub „Normania" Halle 387,3 Kilometer : 11,452 Kilometer. Gruppe 4. (190—290 Kilometer.) 1. R.-V. „Rad- freunde" Tüsfeldorf 267 Kilometer : 15,7 Kilometer. Gruppe 5. (100—190 Kilometer.) 1. „Germania Gießen 103 Kilometer : 24,426 Mometer; 2. „All Heil" Frankfurt a. M. 110 Mometer : 23,741 Kilometer; 3. Erstes Frankfurter Radfahrer- Quartett 106,8 Kilometer : 22,967 Mometer; 4. „Germania" Bornheim 151,9 Kilometer : 20,163 Kilometer; 5. Radsportklub Heilbronn 167 Kilometer: 18,905 Kilometer; 6. R.-V. Limburg 123 Mometer : 19,421 Kilometer; 7. Radtourenklub Darmstadt 148 Kilometer : 18,423 Kilometer; 8. R.-V. 1891 Marburg 107,6 Kilometer : 18,067 Kilometer. Nr. 1 in allen Gruppen erster Preis und Bundesehrenurkunde, Nr. 2 in Gruppe 2 und 5 zweiter Preis und Bundesehrenurkunde, alle übrigen Bundesehrenurkunde. Vermisstes. * Rettung aus Seenot. Tic Rettungsstation Helgoland der Deutschen Gesellschaft zur, Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am 30. September vom Fischkutter Nr. 238 drei Mann durch den Raketenapparat und von dem Fischkutter „Senator von Mells" drei Mann durch das Rettungsboot „Claus Dreyer" der Station gerettet. Das Rettungsboot war in der Nacht vier Stunden unterwegs. — Tie Rettungsstation Cuxhaven der Gesellschaft meldet: Am 30. September von dem Krabbenkutter „Schiffer Junge", gestrandet bei Kaiser-Wilhelms- koog, mit Krabben nach Neufeld bestimmt, eine Person durch das Rettungsboot „Oberarzt Mayer-Glückstadt" der Station Neufeld gerettet. — Die Rettungsstation Horumersiel der Gesellschaft telegraphiert: Am 30. September von der.hier gestrandeten deutschen Tialk „Diene" aus Carolinensiel zwei Personen durch das Rettungsboot „Meta Hartmann" der Station gerettet. — Von der Rettungsstation Labbe ist die aus z e h n Personen bestehende Besatzung des auf der Kolberger Heide gestrandeten deutsck-en Fischdampfers „August", Kapitän Härme- ning, der nach Geestemünde bestimmt wat, gerettet worden. Die Bergung geschah durch das Rettungsboot „Oberinspektor Pfeiffer". — Der norwegische Dampfer „Sverre", von Lulea nach Rotterdam gehend, rettete neun »Personen von der Mannschaft des deutschen Dampfers „Gladiator", von Rostock nach Brügge unterwegs, der auf der Höhe von Ymuiden gesunken ist. Drei Mann, namens Reimer, Saager und Wieffer, sind ertrunken. Kleine Tagerchronik. Im ganzen Riesengebirge fällt bis auf 800 Meter herab andauernd starker Schnee. Bei der Hampcl- baube erreicht die Schneehöhe bereits 25 Zentimeter. In den Tegeler Gaswerken entstand am Montag früh 5 Uhr eine Kesselexplosivn, durch die große Kvhlenvorräte entzündet wurden. Ein Gebäude wurde auf eine Länge von 15 Metern und eine Breite von 6 Metern ht Trümmer gelegt. Drei Arbeiter, die dckbei verschüttet worden sind, wurden gerettet, erlitten aber zum Teil schwere Brandwunden. Das Feuer wurde gelöscht. In Ischl erschoß sich der 67 jährige bayerische Kammerherr Fürst Alfred von Wrede, der hier mit seiner Gemahlin im Sommeraufenthalt weilte. „ In Kronstadt (Rußland) schoß der G Y m n a s i a st Gawrilow während der Unterrichtsstunde zweimal auf seinen Lehrer Bielowin, ohne ihn zu treffen, worauf er sich selbst durch einen Schuß in den Mund tötete. Aus Jekaterinoslaw wird gemeldet: Zwischen den Stationen Illarionow und Ssinelnikowo entgleiste ein Kurierzug infolge böswilligen Losschraubens des Gleises. 20 Personen wurden leicht verletzt. In Abo (Finnland) wurde der Präsident des Hofgerichts, Akermann, durch einen Revolver schuß getötet. Der Täter verübte Selbstmord. Bei einer Ueberschwemmung in Angol Hiss ar, einem Vorort Konstantinopels, an der asiatischen Küste, sind etwa 2 0 Häuser unb Villen, herunter eine Mühle zerstört worden. ICunji und Wissenschaft. — D i e k i r ch e n m n s i k a l i s ch e Ausbildung her Pfarrer war auf dem 23. deutsch-evangelischen Kirchengesangvereinstag zu Hannover, der am 2. Oktober begann, der Gegenstaich eingehender Beratungen. Nachdem Pfarrer Glebe- Bochum einige Leitsätze vorgelegt und begründet hatte, fand eine längere Aussprache statt, die bann mit der Annahme her folgenden bedeutsamen Entschließung endigte: „Der 23. deutsche Kirchengesangstag richtet unter dankbarer Zustimmung zu den Ausführungen des Pfarrers Glebe-Bochum über „Die kirchenmusikalische Ausbildung und Fortbildung der Pfarrer" an bic künftigen Diener der evangelischen Kirche die dringende Bitte, sich möglichst früh, vor allem aber auf den Universitäten und Pretigerseminaren, diejenige Vertrautheit mit den Schätzen unserer kirchlichen Tonkunst zu verschaffen, bereit sie später im Pfarramt zur Pflege der Musica sacra unb bamit zur Belebung nnb Bereicherung des, christlich kirchlichen Lebens in der Gemeinbe be- büricit. Zugleich bittet der Kirchengesangstag bic berufenen staatlichen und kirchlichen Behörden auf daö dringendste, dahin wirken zu wollen, das- auf den Gymnasien unb den Universitäten, sowie auf den Predigerseminaren, im Lehroikariat unb in Stimmbil- bung5iurfcn den künftigen Pfarrern zu solcher Ausbildung jede erwünschte Gelegenheit geboten, in den theologischen Prüfungen der Erfolg dieser Bemühungen scstgestellt, unb auch die Pfarrer zu fortdauerndem Wachstum in Verständnis unb Hebung der heiligen Tonkunst durch geregelte Teilnahme an Lchrkursen, Konferenzen unb Kircyengesangstagen angehalten werden." Zum Schlüsse sprach Pfarrer Glebc warme Worte des Tankes für die lebhafte und dauernde Anteilnahme an der Besprechung unb bat herzlich um kräftige Mitarbeit an der Sache. — Das Königliche Münzkabinett in Berlin,- das bestrebt ist, seine wertvollen Sammlungen fortgesetzt zu vermehren, hat jetzt wieder eine außerordentliche Bereicherung erfahren durch den Ankauf der größten Sondersammlung Karolingischer Münzen eines Pariser Sammlers. Durch diesen reichen Zuwachs, in dem sich viele hervorragende Seltenbeiten und geschichtlich bedeutsame Stücke befinden, ist der Bestand des Kabinetts an Karolinger auf über 1500 Stück Geprägen an- gewachsen, worunter sich 56 Denare Pipins, 180 Karls des Großen, 8 Karlmanns, 224 Ludwig des Frommen und 303 Karls des Kahlen befinden. Die Sammlung ist auf dem Gebiet der Karolinger Münzen durch die Erwerbung an die erste Stelle gerückt. Der Ankauf wurde dadurch ermöglicht, daß der Kaiser bic Mittel bewilligte. — Kurze Nachrichten au 5 Kunst und Wissenschaft. — Otto Ernst's Traoikomödie „Die Liebe höret nimmer auf" hatte bei der Uraufführung im Breslauer Lobetbcater bei ausgezeichneter Darstellung sehr freundlichen Erfolg. In Mannheim wurde die gleichzeitiae Uraufführung des Werkes anfangs mit zweifelndem, später sich etwas steigerndem Eindruck aufgenommen. - Die Vereinigung mitteldeutscher Psychiater und Neurologen hält am 21. und 22. Oktober 1911 in Leipzig ihre 17. Versammlung ab. Geschäftsführer sind die Universitätsprofessoren Geh. Rat Dr. Flechsig unb Dr. Georg Koste r-Leipzig. — Dr. phil. Paul I a n n a s ch , etatsmäßiger a. o. Professor unb Ab° teilnngsvorsteher am chemischen Laboratorium der Universität Heidelberg, feierte am 2. Oktober seinen 70. Geburtstag. — Der Pertreterder praktischen Theologie an der Universität Rostock, Konsistorialrat Prob Dr. tlieol. Johann Friedrich Hashagen, feiert am 4. Oktober seinen 70. Geburtstag. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dreier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) G i e ß e n , 2, Oktober. Seit wann ist die Wiese an der Wilhelmstraße unterhalb der ehemaligen Aktienbrauerei der städtische Lebrichtabladevlatz geworben ober will die Stadt vielleicht da Rattenzüchterei anlegen ? Man sollte doch mehr Rücksicht auf die Anwohner nehmen unb ihnen nicht die Luft verpesten. Zur Verschönerung trägt es sicher auch nicht bei. Gin Anwohner bet Wilhelmstraße. Märkte. F.0. Wiesbaden. Viehhof-Marktbericht vom 2. Okt. Austrieb: Rinder 31 (Ochsen 23, Kühe 8, Bullen 0), Kälber 25, Schafe l 7, Schweine 396. Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine ruhig. Preis Durch« pro 100 Mo. schnittsvrei; Lebend» 2 hla-:» pro 100 Pfund Ochsen. von-bisvon-bir Uebe”$u)f£t8 Voklsleischige, ausaemästete. höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt 48—51 85—89 491/, 87 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere auSgemäftete 44—47 82—84 45'/, 83 Ungejochte.......... 50—52 87—90 51 88'/, Bull en. Vollfleischige, ausgewachsene, Höchsten Schlachtwertes 44—46 73—78 45 75'/, Iars en. Kühr. ll'oflfleischige auSgemästete Färsen Höchst. Schlachtivertes 48—50 78—87 47'/, 827, Vollftelschige ausgemästete Kühe Höchst. Schlachtwertes dis zu 7 Jahren . . 38—42 73—76 40 74'/, Altere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 33—37 65—73 85 69 K äl b er. Feinste Mastkälber ...... 62—63 103-105 62'/, 104 Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 55-58 92-97 56'/, 94'/, Geringere Alast- unb gute Saugkälber 48—52 80—89 50 84'/' Geringere Saugkälber . . .... 44—48 73—80 46 76 S ch a ’e. Weidemastschafe ..... 43-00 84—00 43 84 Schweine. Vollflcifchige Schweine bis zn 2 Zentner Lebendgewicht........ 53—54 68—69 53'/, 68'/, Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 53-54 68—69 53'/, 68'/, Vollfleischige Schweine über 2'/, Zentner Lebendgewicht 51—52 66-67 51*/, 66'/, Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 52-53 67—68 51'/, 67'/, Ueberstand: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine langsam geräumt. Briefkasten der Bedaktioir. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) N. £>. Es war uns nicht möglich, aus Ihre Fragen eine 9Int“ wort zu erhalten. Wer rasch sein Wohlbefinden nofi schweren Krankheiten heben will, nehme Bioson als bestes und billigstes Kräfliqunqsmittel! Meine 13 jährige Tochter hat einige Pakete Biofon genommen, denn sie litt an Lungenkatarrh unb war durch starkes Husten sehr geschwächt. Zur Kräftigung nahm sie daher von Ihrem Präparat. Nach einiger Zeit konnte ich eine wesentliche Besserung seststcllcn. Sic fühlt sich gestärkt und ist wieder munter. 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Die Unterlagen liegen auf unserem Hockbauamt zur Emstcht offen und sind Angebote bis zum genannten Termin dorthin ein- zureicken. [B*/i<> Kokspreife Nuhkoks Mk. Abnahme bei von „ „ über 800 „ Im Gaswerk findet nur Verkauf von n n L35 1.30 1.25 1.20 115 36 200 400 Stäckkoks 120 Mk. 115 „ HO „ 105 „ 100 „ Es kostet 1 Zentner ab Gaswerk: mindestens 6 Zentner Fm Gaswerk findet nur Berkaus von über 5 Zentner statt, die meinen hiesigen Kohlenhändler verabfolgen Gaokoks auch in Mengen unter 5 Zentner zum Preise von 120 Mk. für Stück- und 135 Mk. für Nuhkoks pro Zentner. v Für die Anfuhr an das Haus werden 10 Pfg. für den Zentner berechnet. Für Abnehmer aufterhalb der Gemarkung Gieftens er» mäßigen sich die Preise außerdem um den Betrag der Oktrot-9lück- vergutung von 4 Pfg. für den Zentner.BV» 23ei für den kommenden hinter Fichteudeckreiser aus den städtischen Waldungen zu beziehen wünscht, wolle dies alsbald auf der Bürgermeisterei — Zimmer 15 — anzeigen. Bu/? Der Preis beträgt 20 Psg. für die Welle und ist bei der An- Meldung zu entrichten. Tie Lieferung erfolgt frei vor das Haus Weniger als 5 Wellen werden nicht abgegeben. .Die Meldelisten werden am 5. Ettober geschloffen. Später eingehende Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Für den Schlachthof wird ein schreibgewandter junger Manu gesucht, der bereit und geeignet ist, die Fleischbeschau zu erlernen und tick demnächst der Prüfung als Fleifchbeschauer ;u unterziehen. Meldungen mit Lebenslaus und Zeugnissen sind unter Angabe der beanspruchten Vergütung .bis zum 10. do. Mts. an die Bürgermeisterei ei neureichen. B8/w M !W8 AS ER MM M WL UM tz tz ji«s-‘ uun 2? Vräü £ie p®1 .Anzeig« „Krtisbl ivöchenl ftdö Z"Z gn^?1» über l»- Ä! r Tor ipeni, L--Sj 3? M ^„ "gleich i ■\i kße xfy -o-Änicrum •ffvüit auf, ro .Wkrgebms verhau 3 Dt» 4 Stu> W cm tei in nur / e Nagenialles lcerung geht gegeijen roiu rviri) wenige Ter Borttag sei wie gew länger als sonders, die Darrn zu. i Nagen in i al5 solche oh dm Leränd Pankreassafl in das unle schon vorher Mit Buller Wer und ■ M, werde! längeres B Milch hassi dmlend in baulicher \ BaweUen die Ausnc dmtend m erheblich, ler als n Äompvtlfo eine sorg, Manzenre auf die Be sur bie pfl< lann über a mittel gteid) ifWtit ans। die Sekretion . dMlich iw id pck vn Mc rungsMel. Wate M 3m übrige, nützbaren 9 belasten int haben, den darm aus j ,. In der Menschaf? stanzoS in l Dr>.Wette Gebiete der ’ . Am heut ® rne llmgel «reicht hatte ö dar Der 5; und d Eonn7Canba' ■Qmm£Iltct9 fehVi" ZK? «tt!« sich zanachs^ Aen, der" Arde im H .J® einen v I»™ iL s w 7^,urra s gjMniil iiSl°n eim Eltern Zur Aufklärung über Henkels selbsttätiges Waschmittel und Verbesserungen erschienen, die oft eine vollständige Umwälzung der bestehenden Ver- sind fortgesetzt Neuerungen von dem allgemeinen Streben nach Verbesserung bisher fast völlig unberührt geblieben, nämlich das der äsche Reinigung der henlel sc Le., Düsseldorf SS89' Alleinige Zabrikanten: Gegründet 1876 Auf allen Gebieten hältnisse verursachten. Nur ein Gebiet ist Schon seit mehr als tausend Jahren wäscht man stets in der gleichen zeitraubenden und anstrengenden Weise! Alle Versuche, hier einen bedeutsamen Fortstl.ritt zu erzielen, sind nicht durchschlagend gelvesen. Eist der jüngsten Zeit blieb es Vorbehalten, eine völlig befriedigende Lösung der Waschfrage zu bringen, nämlich Auch Fabrikanten der weltbekannten Henkel s Bleich-Soda. Auf allen beschickten größeren Fachausstellungen nur mit ersten Auszeichnungen und vielen Ehrenpreisen prämiiert. durch „ ift das Produkt langjährigen, sorgsamsten Studiums; seine Herstellung geschieht sehr sorgfältig unter genauer Kontrolle unseres Laboratoriums. Wir empfehlen daher Vorsicht beim Einkauf, da viele minderwertige Nachahmungeü existieren, die in Wirksamkeit an „Persil" nicht im entferntesten heranrcichcn und die unter Umständen schädlich für die Wäsche sind. Millionen Hausfrauen, die „Persil" dauernd gebrauchen, sind beredte Zeugen für dessen Güte. Erkundigen Sie sich bei Ihren Bekannten und versuchen Sie es selbst, auch Sie werden dann bald die Vorteile des „Persil"--Gebrauches erkennen. In allen Geschäften erhältlich. das neue selbsttätige Waschmittel, dessen Wasch- lind Bleichkraft bei garantiert absoluter Unschädlichkeit geradezu enorm ist. Kein Neiden u. Bürsten, nur einmaliges, halbstündiges Kochen und die Wäsche wird wie von selbst blütenweiß. Dabei verschwindnr spurlos selbst die hartnäckigsten Flecken von Kakao, Kaffee, Tee, Obst, Notwein, Tinte, Sauce, Blut re., ohne dast das Gewebe durch den Waschprozest im geringsten angegriffen wird. Vielmehr gewährleistet die zarte Behandlung beim Waschen die denkbar größte Schonung und längere Haltbarkeit der Wäsche. Bei ganz besonders schmutziger Wäsche unterstützt die glänzende Wirkung des Persil ein vorheriges Einweichen in Henkelns Bleich-Soda. Auch die Preisfrage spielt feine Rolle! Für ein Quantum Wäsche, das mit V2 Pfund „Persil", also für 35 Pfg., gewaschen wird.«braucht man sonst für mindestens 25 bis 30 Pfg. gute Seife, Soda oder sonstige Waschmittel; nun aber wäscht „Persil" die Wüsche bei | größerer Schonung des Gewebes in etwa i/3 der sonst erforderlichen Zeit spielend leicht und ohne Mühe schneeweiß. Sollte diese Zeitersparnis der Hausfrau nicht mehr wert sein als die Paar Pfennige, die „Persil" viellei । t mehr kostet? Und sollte ihr die längere Erhaltung ihrer Wäsche, die durch das sonstige Reiben und Bürsten enorm leidet, nicht mehr am Herzen liegen wie die scheinbare Mehrausgabe für ein besseres Waschmittel? Ueberdies aber bietet „Persil" einen völligen Ersatz für Rasenbleiche indem es die Wäsche nicht nur blendend weiß macht, sondern sie auch dauernd weiß erhält. Auch als Desinfektionsmittel für Kranken- und Kinderwäsche bewährt sich „Persil" vorzüglich, da es die Bakterien tötet, Krankheitskeime erstickt und I alle scharfen Gerüche beseitigt! Alle diese Vorzüge zusammen genommen ergeben: Höchste Reinigungs- imb Bleichkraft — denkbar geringste Arbeitsleistung — größte Schonung und Erhaltung der Wäsche — sowie bedeutende Ersparnis an Zeit, Arbeit, Mühe und Geld.