DlenStaa, 28. Februar 1911 161. Jahrgang Sh?. 50 Uetecelttdtfl • Bui> CtttnÄmdtaL 1)1. ^»»»tNlchafUtch« V», irz den militärischen Boykott. -Krrtsbkfl e»d) entlud n Ps 95 bsg. 95 Ssg.95 ßfa.95 M 95 W- 99 Iw99 IM t* ,etcirw *■ »BnirtflfT* trtm* eAdxntlU» M «ebe besten Soldaten und die besten Osftziere, dte mtt den besten , Waffen ausgerüstet sind. Den Soldatenmißhandlungen treten - wir mit aller Entschiedenheit entgegen. (Beifall.) Abg. Schöpfliu (So,3.): Der Krieasmimstec braucht nur aufzustehen, und die Nattonal- liberalen fallen auf den Bauch., Ta man uns vor^worfen hat wir hätten-nur olle Kamellen auT Lager, will e^ige neue Falle auspacken. Für die jüdische Bourgeosie, die ihre «ohne gern Reserveoffiziere werden lassen mochte, un^ besonders m» Zeug zu legen, haben wir keine Veranlassung. Aber wn konstatieren, daß hier Recht und Gesetz gebrochen wird, ^tese ^^rveofnzierS kreise vermeiden doch sonst den jüdischen Verkehr führt ein Offizier sein Rebeckchen Henn. (Hetterkeit.) Und wieviel wieviel jüdisches Blut fließt in blauen Adern! Dem preußischen Adel und feinen geistigen Fähigkeiten kann eS nickt schaden, wenn er durch jüdischesBlutvonZettzu Zeit aufgefrischt wird, .-oerr Raab hat den .deutschen Re,ch.stag mit dem Deutschen Wirtshaus" in der Friedrichstraße verwechselt. Ausgerechnet ein Vertreter des Antisemitismus wirft den Juden ihren geschäftlichen Sinn und ihre geschaitlichen Retgungen vor Wer die politische Geschichte kennt weiß, daß ferne Partei 10 mcl geschäftlichen Sinn bat wie die Antisemiten. Alle.llescksaftltchen Kniffe naben sie nackgemackt und wechseln alle,drei ^ahre ihre Firma, wenn die alte bankerott gemacht bat. Sw machen eS tote Ser schlimmste Ramschbazar. (Zuruf links: Nur nicht w ge'chei Damit lasse ich H-rrn Raab fajtoimmen. sHeiterkeit^ Die badische Bombengeschichte ist wohl auch daS Werk eines Spitzels. Wo ist der Wald, in dem die gruselige Mordtat powert sein soll? Wir Niedergerittenen von 1907 retten! Sie 2BabI von Jmmenstadt bat c5 wieder gezeigt. Dieser Ichwarze Punkt t mAllaäu wird verschwinden trotz Osann und Genossen. Deii Inhalt des Bilsingschen Erlasses bat derKriegsminister sa preisgegeben, soweit die Verhaftung der soztaldemokratiichen Ab- geordneten m Frage kam. Herr v. Bi,sing,aber to,rd w^l befördert, während man Leute wie Gaedke maßregelt. Redner spricht über Soldatenmißbandlungen. Bet einzelnen sächsischen Regimentern sind die Mißhandluimen besonders grausam, nament- lich bei den Oschatzer Ulanen. . Wurden die Osfiziere. die selbst die Soldaten mißhandeln oder ihre Aufsichtspflicht verletzen, ohne Pension verabsckiedet werden, dann wurde sehr bald' Besserung eintreten. Es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit de- Kriegsministers, hier einzugreifen. Wenn der Kriegsminister jedes Gasthaus verbieten will, in bem Sozialdemokraten verkehren, dann gäbe es bald überhaupt kein bohkottsreicS Lokal mehr im Reiche. Dann muh er seinen Offizieren auch den Besuch des Reichstagsrestaurants untersagen! ^ann müßte man auch die Lokale verbieten, wo sich Konservative mit Sozialdemokraten verbrüdert haben , O'er Redner spricht gegen die Soldatenmißbandlungen. Ich habens lebhaft oedauert, daß bei der Schilderung solcher Falle eine gewisse Heiterkeit auf der Rechten herrschte. rHort! Hort! -- - S- ",hgfter Widerspruch rechrs.) Leider find totr von dem parlamentarischen Druck auszuüben und die Abgeordneten zu veranlassen, ettoa» vorzubringen. womit sich die Offiziere im Gegensatz zu ihren Borge- setzten befinden. Im Anfang sind solche Versuche vielleicht ztem. lich harmlos, aber ihre Folgen können sehr ernst sem denn dmntt wird'die Armee direkt in das parteipolitische Ge- triebe h i n e i n g e 5 0 g e n. (Sehr richtig! ttW Tton male sich nur einmal aus, dass aktive Offiziere, die Begehungen zur konservativen Partei, zum Zentrum ober zu den liberalen Parteien haben, sich nun an Abgeordnete der verschiedenen Parteien wenden und daß nun hier im Reichstage im A°nwn der aktiven Offiziere über diese Frage gesprochen wird. Wo8 wurde die weitere Folge sein? Daß die Reden, bter hier tm Reichstage gehalten werden, sich in ben Offizierkorps widerspiegeln, und daß die Reedn in den Kasinos cntfürccbcnb weiter fortgesetzt wer- den. Tann sind totr nur noch einen ganz kleinen Schritt davon entfernt, daß wir konservative, Zentrumsoffiziere und liberale Offiziere haben, und die Armee steht mitten tm Pa^eigettiebe. .Der Reichstag sollte ganz damit einverstanden sein, daß ich an mentem Teile alles tue, um die Armee völlig auS dem Partetgetr,ebe herauSzulassen. Wenn Sie mir nach dieser Richtung mcht ohne wetteres glauben wollen, so denken Sie an die Erfahrungen die in nichtdeutschen Staaten gemacht worden sind ,(^hr runtig. rechts), die wahrhaftig nicht dazu ermutigen, d'e Armee dem varteivolitischen Getriebe näher zu bringen. (Sehr richtig! recht».) Seien Sie dankbar, daß die Armee abfeit» von jeder Politik ruhig ihre Pflicht und Schuldigkeit tut und sich nicht um Partei- Politik kümmert, denn daS ist nicht Aufgabe der Hrmee. Der Erlaß verfolgt keinen anderen Zweck, als hier eine Scheidewand zu ziehen. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich brauche keine Mah> nung, keinen Unterschied um beS Glaubens willen in bcr Jrmec zu machen, auch nicht um des Standes willen. Mir stehen die Zahlen im Augenblick nicht zur Verfügung, toicbtel Lehrer zu Offizieren befördert sind. Vor einigen Jahren, wenn ich nicht irre 1905, erhielten von den gedienthabenden Lehrern 47 Prozent die Qualifikation zum Reserveoffizier. Wieviel be- sördert worden sind, weiß ich nicht. Ich sehe immer mehr ein, wir müssen noch mehr Statistik haben. (Heiterkeit.) Im nächsten Jahre will ich eS Ihnen beantworten, euiS kann ich Ihnen oder schon heute sagen, ein Unterschied nach dieser Richtung wird nicht gemacht. Ebensowenig ist es auch bei den jüdischen Mitbürgern der Fall, da mögen sie sagen waS sie wollen. Ich bestätige noch einmal ausdrücklich: Antisemitische Rogungen sind auch Hw und da in der Armee vorhanden, bewußt oder unbewußt. Wundert Sie da (Rufe rechts: nein!) Ein Volksheer muh doch abfcwben auf btc Gesinnungen, die im Volke vorhanden sind. Und daß sie da sind, werden Sie doch nach der Rede vom Sonnabend nicht leugnen. Deshalb ist es ja auch sehr schwer, dagegen zu arbeiten. Gewiß, ich mißbillige es, und ich arbeite an meiner Stelle dagegen, aber der Erfolg ist sehr schwer. A n t i s e m t t t s ch e Osstztere 1 und Unteroffiziere in dieser schroffen Form haben wir glücklicherweise nicht und eS würde kein Zweifel fein, daß gegen derartige Vorgesetzte als Ungeeignete emge- jchritten wird. Sie weifen aur meine Machtbefugnis hin. .-.w komme damit auf eine Grundlage zu sprechen, auf bet bau Of sizierkorps und seine Starke auch ruhtz Der Kom- manbeur muß mit einer gewissen unumschränkten Vollmacht auS- gerüstet sein: er trägt bie Verantwortung ber allerhöchsten Stelle gegenüber birclt dafür, daß das Ofizierkorps richtig zusainmen- gesetzt ist und dienstlich und außerdienstlich feine Schuldigkeit tut Da kann man aber dem Mann nicht von oben herunter befehlen, daß er den annehmen soll und den nicht. Ich habe am Sonnabend einen Fall eingehend behandelt, den Herr Gothein tm vor- inen Jahr vorbrachte. Sie haben darüber gelacht, mit Lachen bringen Sie aber die Tatsache nicht au8 der Welt, daß alle», was ber betreffende Herr behauptet hatte, falsch war. (Hort. Hört! rechts.) Was soll da von der Zentralstelle geschehen? Soll ich bei Sr. Majestät beantragen, daß, trotzdem Herr Assessor Tannenbaum ein schlechter Reiter ist, er bei den Prüfungen kein .Ausreichend" bekommen hat, er zum Offizier gemacht tottb? (Zurufe links: In zwanzig Jahren kein einziger Fall.) Dafür liegt die Sache auf der anderen Seite viel zu ernst. Wollten wir von der Zentralstelle befehlen, ungeeignete Leute bine,nzu- nehmen, so würde eS eine Pflichtverl e tzuna sein. Ich habe erklärt, sobald ein Fall vorkommt, wo dieser Grundsatz dec Gleichberechtigung greifbar verletzt ist, da greife ich ein. (Zu- ruf: Kommt nickt vor!) Ich kann Ihnen von früheren Jahren den Beweis geben, wo c8 greifbar war, da ist eingegriffen worden. DieWahIderOffiziere durch daS Offizierkorps ist eine andere feste Säule für unser Tffizierkorps, es ist eine der freiheitlich sten In st r. tutionen, die wir haben ^Sehr richtig, recht»), und wollen wir die Homogenität des OsfizierkorpS aufrechterhalten, so kann an dieser Freiheit der Wahl nicht gerüttelt werden. Aber selbstverständlich, wenn ein Offizierkorps fick in Widenpruch setzt mit. her Verfassung ober mit den vom allerhöchsten Ort direkt besohle-' nen Gesichtspunkten, so wurde der allerhöchste Kriegsherr nicht zögern, Remedur zu schaffen. Es ist durchaus kein Kadavergehorsam in ber Armee. Herr Schopflin hat t^en Vissing. mb. Deutscher Reichstag. 186. Sitzung. Montag, den 97. Februar. Sm Tische de» BundeSraf Frhr. v. Heer in S««. Präsident Graf Schwerin-LSwitz eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 25 Min. . , Da» Gesetz über die weitere Zulassung von HilfSmit- gliedern im Kaiserlichen Patentamt wird tn dritter Lesung verabschiedet. Der milifflrefaf. Die Besprechung beim GehaltStitel des Minister» wird fortgesetzt. Abg. Gröber (Zentr.): Der Vorwurf der Sozialdemokraten, wir hätten alles mögliche bewilligt, aber die Erhöhung der MannschastSlohne abgelehnt, nimmt fick seltsam auS aus dem Munde einer Partei, die alle Steuern ablehnt, zuletzt noch die WertzuwachSstcuer. Gelingt e» uns, die erforderlichen Geldbewilligungen zu erreicheii, bann werden wir es an uns nicht fehlen lassen. Begriff eine» wahren DolkSheer» noch immer weit entfernt. (Beifall link».) Kriegsminister v. Hecringen: Der Abgeordnete Kopsck behauptet, daß bei der Ausstellung des Etats nicht genügend sparsam- leit geübt worden sei. Ick will demgegenüber nur darauf Hinweisen, daß bei Etat für 1911, abgesehen von ber H-ereS- Verstärkung, die eine Ausnahme bildet, gegenüber dem Etat für 1910 ein Weniger von 4,9 Millionen ausweist. Jeder von Jvnen weiß, daß der Etat 1909 bereit» febr sparsam ausgestellt war. Diese drei Jahre müssen Ihnen den Beweis geben, deck Mr Militärverwaltung redlich bestrebt war, fick nach ver xeae zu strecken. Der Erlaß für den Verkehr von Offizieren mit einzelnen Abgeordneten hat unter ziemlich großen Uebcrtreibungen zu leiden. Selbstverständlich ist nut dem Erlaß nickt gemeint, daß jedes Gespräch ber Offiziere mit Abgeordneten verboten werden soll. (Heiterkeit.) Wie wäre da» auch möglich! Das Off'zierkorps setzt fick au» vielen «dncMcu zusammen und hat lo innige Beziehung zu allen Parteien, allen bürgerlichen Parteien (Lacken links), das'» eS gar nicht möglich ist nach dieser Ricktung überhaupt eine Absonderung ein treten zu lassen. Die Verfügung richtet sich lediglich gegen die Gefahr, die aktive Ofiziere bei Abgeordneten mit der ausgesprochenen Absicht Vorbringen, hier einen Siehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Mg. Kopsch (93b.): Der Kriegsminister bat es.Herrn Raab zu derbanken wenn fien Gehalt noch nicht bewilligt ist. An den Anttoorten die Herr Raab bisher erhalten hat. wird er keine große ^-reude haben Er ist aber wahrscheinlich schon dankbar dafür wenn er u ber ha u p einer Antwort für wert gehalten wird. (Sehr gut! link«.) Die persönlichen Angriffe und verhetzenden Bemerkungen RaabS treffen unsere fÜdi'äAM,Mitbürger nickt. Es 9eniigt wlch Redner niedriger zu bärgen. Sie charakterisieren die ant mit icke KampfeSwcise. Eugen Richter sagte emmal: die Au isem'ten machen diejenigen Witze, die die Herren von der Rechten gern belachen die selbst zu machen sie ftd) aber zu vornehm erachten. tHö^! Hört! links.s Herrn Raabs Witze haben diesmal sogar die Herren von der Reckten nicht belacht. Sie haben sich wohl gehütet. das erkenne ick gern an! Der Widerwille im Hause war aanz allgemein. Herr Raab bat die Untergebenen geradezu Jum Di^ziplinbr uch gegen jüdische Vorgesetzte aufgefordert. 83*7 lommn. wir. wenn die Won konfessionelle Kluft noch erweitert wird? Die E'nbeitlickke't des Heeres wird ernstlich gefährdet, das deutsche Volksbewusssiein untergraben. Und doch sind wir alle Kinder der Mutter Ger- mania Der polnische Redner hat sogar zu einer Trennung zwi- schen katholischen und evangelischen Soldaten und Ofsizieren auf- aefordert Der Redner verlangt für die Abgeordneten das Recht, sich von Offizieren informieren zu lassen und spricht bann gegen Wir haben am Sonnabend bie Unterschrift unserer Partei vom Schlußantrage zurückgezogen, weil wir eine so aufreizende und verhetzende Rede, wie sie der Abg. Raab nicht ohne Widerspruch von unserer Seite ins Land bin> anögeben lassen wollten. Aus Gründen der Gerechtigkeit müssen wir die gegen unsere jüdischen Mitbürger am Sonnabend geschleuderten Angriffe zurückweisen. (Beifall links.) Herr Raab bat mit dem Rüstzeug vergangener Jahrhunderte gearbeitet. Er hat sich an die alten antisemitischen Schriften gehalten und den Standpunkt betont, daß die Juden Staatsbürger zweiter Klasse seien. Einer solchen Anschauung in der heutigen Zeil müssen mir entschieden entgegentreten. Das ist nickst nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht. Luck der Kriegsminister l links. leb Ms- W 9' 6« .f," M 99 M 99 W 99 M 99 W 99 L" A99 fdjett Erlaß Webet kefMiMs^tt mcTnle, 5a8 sek eTnif Mobil, machung gegen „Unbekannt", und das sei doch in der preußischen Armee nicht üblich. Diese Äeußerung zeigt, daß der Abgeordnete doch keine Ahnung von den Sachen hat. (Sehr richtig! rechts.) Denn was treiben wir denn überhaupt im Frieden in unseren Bureaus: die Mobilmachungen gegen „Unbekannt", gegen Pen äußeren Feind. Wir wissen nicht, gegen wen wir den nächsten Krieg führen, trotzdem muffen wir ihn borbereiten, und eS wäre eine Pflichtverletzung, wenn wir nicht auch gegen eventuelle Aufstände überlegen würden, waS zu tun ist. Die betreffenden Vefehlshaber würden dann Werrascht werden, und e3 würden viel mehr Mißgriffe gegen die Bevölkerung vorkommen. Der AL- geordnete hat bemängelt, daß der Passus über die Immunität der Abgeordneten überhaupt im Erlaß drin war, ja, daS bedauere ich auch Aber eS wird ihm vielleicht nicht unbekannt sein, daß in weiten juristischen Kreisen Zweifel dar. über bestehen, ob unter dem Artikel 81 der Verfassung nur die Strafhaft -er Abgeordneten oder auch die Präventivhast zu verstehen ist.- Im vorliegenden Falle handelt es sich um Präventiv- haft,, und wenn Zweifel bestehen — ich spreche gar kein eigenes Urteil aus — da sind doch auch einmal praktische Irrtümer möglich. Ich für meinen Teil würde eS lieber gesehen haben, wenn ein solcher Erlaß lediglich praktische Gesichtspunkte behandelt hätte. ' Der Kommandant hat das dann aber eingesehen und eS ist sofort redreffiert worden. Der Abgeordnete hat mit großem Pathos gefragt, wer der Man» sei, der in Baden diesen Aufruf ^verbreitet har. Es ist der Erdarbeiter Ludwig Pfeil aus Weila. Im übrigen geht die Militärverwaltung die Sache zurzeit gar nichts cm, die Untersuchung wird vom Zivilgericht geführt. WaS Mißhandlungen anlangt, so wird jeder Offizier durch solche Vorfälle gewiß schmerzlich berührt werden. Der Abgeordnete braucht mich an meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit gar nicht zu erinnern. Ich tue sie auch ohne seine Ermahnung. (Lebh. Beifall.) Gewiß sind solche Schindereifälle auf daJ entschiedenste zu mißbilligen. Aber derartige Mißhandlungen gehen in der Armee doch dauernd zurück. 1896 hatten wir noch 0.95 Pritzent und jetzt nur 0,93 Prozent, also um zwei Drittel reduziert. Ich muß aber wiederholen, die Armee enthält keine Engel, sondern fehlende Menschen und zwar von recht energischem Temperament, und da kommt daS noch vor und wird sich schwerlich ganz überhinden lassen. Verlassen Sie sich darauf, wir sind ehrlich bestrebt eS einzuschränken, und eS wird scharf eingegriffen, mag eS nun ein Regimentskommandeur oder Leutnant oder Ulsteroffizier sein, wo ent Vorgesetzter seine Pflicht und Schuldigkeit nicht getan hat. Die Vorbereitung der Rekruten! Auch mir ist eine konfessionelle Unterscheidung der Soldaten nicht angenehm. Wir haben weder katholische noch evangelische noch jüdische Sol- daten als Stafte, sondern deutsche Soldaten. Aber eine Vorbereitung, wie sie die sozialdemokratische Partei für unsere Rekruten uns angedeihen läßt, für die danke ich noch vielmehr. Ich kann Ihnen beweisen, tote sie an unseren Leute Hetzen. Sie begleiten unsere Rekruten bis an die Kasernentür und empfangen sie mit genau derselben Agitation. Der Minister verliest einige Proben au- der „Deutschen Bäcker-eitung": „Mit geballten Fäusten und Zähneknirschen werden die Befehle befolgt." Aus einem Polizeibericht aus Hamburg: „Im allgemeinen ist der Mensch beim Militär ein Tier." (Pfui-Rufe rechts.) Ein andermal wird der Vergleich des Loser eines Soldaten im Kriege mit dem Lose einer SchwemS gezogen. (Pfui-Rufe rechts.) Die „Gleich- beit" in Stuttgart schreibt in einem Briefe an die Mutter: „Der Vorgesetzte, der Teufel in Menschengestalt." Wenn Sie sowas schreiben, dann wollen Sie nachher sagen, Sie animieren unsere Rekruten, ihre Pflicht und Schuldigkeit zu tun? Wie das zu ver. stehen ist, darüber kann niemand im Zweifel fein. (Sehr richtig!) Ich erinnere Sie an ein Theaterstück, aus der Kasernenstube, da? auf der „Freien Volksbühne" in Remscheid aufgeführt ist, ein Machwerk schlimmster Art, das schildert, wie ein Rekrut zum Selbstmord, unb ein sich zur Sl^ialdemokratie rechnender Unter- offtzier getrieben wird, sich am KorporalschastSführer zu vergreifen. Ich verweise sie auf etwas ganz N-ueS, auf das Hnter- haltungSlatt des .Vorwärts vom 8. Januar 1910. Soll da der Solbak, btt feint Pflkchk und Gchukdlgkelt fn der Kaserntat soll, mit besonderer Lust hineinkommerr? Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Essen 1907 ist ausgesprochen worden: .Im übrigen wollen wir allerdings dem Proletariat den Kaiernendrill verekeln! (Hört! Hört! rechts.) In der „Jungen Garde" vom 2. September 1906 wurde, tote mein Amtsvorgänger hier vor zwei Monaten schon mitgeteilt hat, die Frage aufgeworfen. was das Vaterland für den Sozialdemokraten bedeute. Wenn Sie zu dem noch bedenken, wie viel Vorbestrafte sich unter den Rekruten befinden, so können Sie sich vorstellen, tote schwierig daS Material ist, das wir in kurzer Zeit zu brauchbaren Sol- daten verwandeln und zu selbstdenkenden Menschen erziehen sollen. (Lachen bei den Soz.) Können Sie glauben, daß heute ein Feld- soldat brauchbar ist, der nicht denkt! Ich weiß nicht, warum der Abg. Schoepflin auch solle Fälle vorgetragen hat, in denen nach seiner Ansicht eine genügend schwere Strafe ausgesprochen wurde, wenn man überhaupt diesem Waschen der schmutzigen Wäsche in der Ocffentlichkeit eineBedeutung beilegt. Wir begrüßen jede Kritik, so weit sie sachlich und nicht aus grundsätzlichen Gesichtspunkten an un- geübt wird. Wenn es sich aber lediglich darum handelt, eine zersetzende Kritik « a SS Ms 5;<7. L 3RL a 5 5$ es E 3# S e"5 76—83 L-ZZ.s L- 41-46 u» «a. 2 g E 0 79-86 44-46 fo = ® ? O ■«* so ST (ö a 2 O 'l. S 8 A E a p ES 02 S c~? coo L (9 a »5Lo L 84—86 74-00 s ar» Ä? i p *°' rs L üA'S s **W E»g*g*i • aff § C <»a ■3 Ä p c Sg «5 TZ = « ci JS a <9 :1S .s £ en« Z s Z ta co e=A C D st --25J d <=, Leiter 2 e ■t± c ... 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