161. Jahrgang Zweiter Blatt Nr. 75 Erscheint ISgNch mit Ausnahme deS Sonntag». Tie „Gietzener KamiNenblLUer"' werden dem viermal wöchentlich beigelegt. da» „Krtlsbloti für bei Kids Gieße," zweimal wöchentlich. Di« „Landwirtschastlicheu Lett- fragen^' erscheinen monatlich jroeunaL Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheilen montag, 27. Mmz (<)H SiotationSdruck und Verlag der Brükl'srhen UnwersuälS - Buch- und Srcindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion. Expedition und Druckerei: kchul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaklwme^S ILL. T«l.-2lbruAnzeigerGießen. Sic erfordert Muße, Süh-Bersenie», Nacttfühlen. So dachte man ehedem. Aber da gibt cs Kostproben, Breviere, Auszüge. Hier findest du alles gruppiert, vorgclaut und verdaut. Davor wird noch eine Einleitung gestellt, und so kannst du nicht irren. Und dann kommen d,c Trauen ja selbst. Meist haben sie keine Ahnung von Rezitation. Aber das macht nichts. Sie bieten im besten Fall Fragmente und sind oes naiven Glaubens, der Zuhörer nriub. nun eines ihrer Bücher Taufen und sich darin vertiefen. Dabei hat man kaum verstanden, was da vorgelesen wurde. Tas macht ja auch nichts. Mair hat den Auroc gehen, stehen, fitzen sehen, ist man damit zufrieden Man weiß nun, wie er aus sicht. Künstlich Nahrung, das ist die Losung. Statt deinen Körper zu trainieren, schluckst du Präparate aus der Küche des Chemiker-'. Und ebenso machst du es mit deiner geistigen Nahrung. Tu läßt dir von andern dosierte Pillen reichen, schluckst iic gläubig hin unter und glaubst deine Seele damit zu bereichern Tabei, wenn jemand die Zeil zusammenrechnet, die er bet solchen An - sammlungen verbringt, würde er gut ein schönes Buch lesen, einen Vormittag im Museum zubringen können. Aber freilich — da würde er vielleicht ratlos fein; der geistige Stoffwechsel langt dazu nicht. — Wie Richard Strauß komponiert. Richard Strauß ist ein großer Verehrer des Ballspiels und huldigt diesem Sport mit Leidcmcha'c in seinem schönen Sommerrcim zu Garmisch, in dem der größte Teil seiner Kompositionen wahrend der Muße - zcit narb den Anstrengungen der Saison entsteht. Ein Freund, der sich öfters mit ihm zusammen an diesem gesunden Zeitvertreib erfreut hat, erzählte einem .Korrespondenten des Neuhorker Musical Courier, daß so manche musikalischen Themen, die dann im „Nosen- lavalier" Verwendung gefunden haben, Straus; während des Spiels zuerst durch den Kopf gegangen sind. Ter Sckövser der „Elektra" ist während des Ballsviets eifrig bei der kompositorischen Arbeit. Tann und wann HSic er plöhlich au:, läßt den Bail achtlos zu Boden fallen, nimmt sein Notizbuch hervor und schreibt die Idee nieder, die eben in seinem Geist entstanden. Einige der schönsten Meldoicn des „Rosentavalicr" sind auf dieser Weite in feiner Phantasie geboren worden. Wenn Strauß diese ersten Einfälle dann später am Klavier ausarbeitet,-so geht es manchmal reckst langsam vorwäts; er t'drreibt eine Stelle nm oder feilt an ihr wohl ein halb Tutzendmal: ia gelegentlich hat er schon eine ganze Komposition vier oder fünfmal völlig umgearbeitet. Bei einer io sorgfältigen und mühsamen Arbeitsmethode, fügt d:c Musical Courier hinzu, muß man sich nur wundem, daß der Komponist überhaupt solch ein Werk wie den „Rosenkavalier'" zustande gebradn hat, dessen Partitur mehr Noten enthalten soll, als die der „Götterdämmerung". yaupwersninmlung öes Verbandes Deutscher Diplomingenieure. ~ Berlin, 26. März. Unter zahlreicher B cciligiing von nlu.t Purgierten aus allen Teilen des Rciäzes trat heute vormittag nn Mottvhaus zu echar- 1 ottcuburg die .Hauptversammlung des Verbandes Teusicher Diplom 3ugcnicurc jiiiaujinen. Ter sicllvertretende Bornvenbc von anbori (Mülheim Ruhr- trölfnne die Versammlung an Stelle des durch Kranll-cit verhinderten ersten Vorschenden Pros. ^r. :Jicid)cl ^Charlottenburg) mit Bgrüßungsworten und erlnlte sodann zur Crsta.'.ung des Jahresbcrici.tS das Wort dem Schrist- führet Diplom Zngcnieur Lanz (Berlins 9i