161. Jahrgang Zweiter Blatt Nr. 176 Erschefnl »glich mit Ausnahme beS konnlag«. Tte MWe* *mt Ka»tlle»blLttu" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqel«Gt, das „Krelibletl für bm Kreta •tat«" zweimal wöchentlich. Die .^-»dwlrtschastllches Lett« frage»" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- slrage 7. (hpcbirion und Verlag: Redaktton: 12. Tel.-21dr^Anzeiger«ießeiu Samstag, 29. Juli 1911 Rotationsdruck unb Verlag der Br üblichen Universität» - Buch- und Eleindnickerei. R. Lange, Gießen. Giehener Ameiger General-Anzeiger für Oberheffen ♦ Eine Moschee in Paris. In der französischen Hauptstadt leben mehr als 12000 Mohammedaner, und viel größer ist noch die Zahl der Anhänger'des Propheten, die vandenunsug auf türlischem Gebiet. Saloniki, 28. Juli. Amtlichen Berichten zufolge rauchen bei S-tatista und Grobena neue griechische Banden aus, welche eilig in das Innere des Landes Vordringen. Tie oersügbaren türkischen Truppen werden als unzulänglich für die Verfolgung bezeichnet. Leit drei Tagen sind insgesamt sechs griechische Landen, 25 bis 15 Mann stark, gesehen worden. Tie Meldungen heben die Anwesenheit beurlaubter griechischer Offiziere bei den Banden hervor. Eine fünsziggliedrigc bulgarische Bande unter Kawadresf überschritt bei Demir-Klapu trotz der Ltrectenwache die Wardar und die Bahn und zog nach Möprülu weiter, um das Wilajet Monastir zu erreichen. Eine amtliche Meldung besagt, Torghut Schefket Pascha sei von Skutari nach Konstantinopel abgereist und Essad Pascha habe das Kommando übernommen. Ten Blättern zufolge wurden vor dem Hause des neuen Stabschefs der Armee ui Albanien, des Obersten Pe- t r c iv, brennende Zündstoffe gefunden, die auf einen Versuch der Brandstiftung schließen lassen. Arbeiterbewegung. Ter A umstand tu der Badischen Anilin- und Sodafabrik. Wie die Direktion der Badischen Anilin- und Lodaladrik in Ludivigshaie» nmicili, sind »m Lause des DonnerStaa weitere 200 Man» in de» Ausstand getreten. Die Gesamtzabl dcr 'Jlu5fki»biflc» beläuft sich nunmehr aus 1500 Mann. In der Fabrik herrscht zurzeit völlige Ruhe. Thann i. Elsaß, 28. Juli. Nachdem hier etwa 100 Arbeiter der Ziegel iabrik in den Ausstand getreten ,uw, streiken ictu auch 200 Arbeucr dcr Bleicherei Tumml, Iaeale u. Eo. Ein werterer namhastcr Teil der 850 Arbeiter dieser Firma hat nch gestern den, Ausstand angeschloisen. Heute und nun auch die Maurer der Firma Wauß u. Frcvtag in den Ausstand getreten. In geichloiienen Zügen marichienen die 2lus- ständigeu wiederholt durch die Lladt, um aus bieic Werse auch die anderen .Arbeiter zum Anschluß an den Ausstand zu veranlassen. e»t Antrai des Kreise» Fnrtv, der aut möglichste Vcr* billiguna der Encnbadinayrken ;u lurncrisch r. Veranstaltungen mit Einsckluu des Lonntagsvcrkebrs hinarbciut. wud angenoarmen Ein Antrag Henschel Weimar wendet sich gegen die Fugendwchren, die von Milrtür- und ärregcrv.-rerncii ge- bildet ivvrd.-n sind, weil er in idnen ein- Geiahr inr btt wertere Entwicklung der deutschen Turnerschaft itrb: Unter ollte,tiger Zustimmung wurde Nut» der Antrag dem llnteraus'chut; sur d,e schuicirtlasicne Jugend überwiesen. • Tamit nxu die 7ag. orduung erl.-drgi Morgen findet rui Aus,lug in die sächsische Lchwciz, am Sonntag und Montag ernc Reise nach Prag statt. geordneten- und .Qcnwtridncrlafie 31010.52 Mark, Tr. Ferdinand Göp - Ltiituug 102 082.48 Mark, ehemalige Jahn - Llistung 10 362.25 Mark. Der Bericht schließt mit der Feststellung, bar. Turnvereine btt Lchankderrieb aus ihren Otaunbitüdrn zur Einkommensteuer nicht herange;ogen werden können. xet Jahres- bericht wurde ohne Aussprache genehmigt, woraus der cdias- meister Ätzrotl Steglidi den .vaii/nbcnd,: erstattete. .Der Barbestand am Schlüsse dec- Jahres 1910 betret nch aut 18 48 > «8 Mk An steuern wurden vereinnahmt 145 868.08 Mark, sur Versammlungen der Au-?schußmitql>eder. Ausschußfitzungen usw >our- den ausgegeuen 27 395.60 Mark, für Vertretungen aut auswär- tmen Turnfesten 2250.75 Mark Für Errrästung deutscher Turn Hätten wurden in den Jahren 1906 bis 1910 rund 40 000 Bi ar k bewilligt. Ter Kassenbericht wurde genehmigt und dem Schatzmeister Entlastung erteilt. Hieraus gelangte eine Reihe von Anträgen zur Beratung Angenommen wurden die Anträge, wonach in Kreisen mit melk als lOüOUÖ steuernden Mitgliedern em zweiter Vertreter sur den Ausschuß der Teutschcn Turnerichatl und ine Versammlung der )tr ei stur n warte ausgestellt werdeii ioll; ferner daß die Steuern von setzt ab auch für alle diejenigen Ehrenmitglieder, die außerhalb dcS betreffenden Ortes wohnen, bezahlt werden sollen. Eden- fo wurde der Antrag angenommen, die Steuer uni einen Pfennig für den stopf zu erhöhen. Geh. Sanitätsrat Götz teilte hieraus mit, daß von 437 stimmberechtigten Mitgliedern 423 anwesend sind. — Nach lebhafter Aussprache wurde die Einsetzung eines Spielausfchuffes beschlossen, wobei aber für lebe Sportart ein Sonberausfchuß ins Auge gefaßt wurde. Zur Turnsestordnung lagen Anträge vor, bie dem Turnausschuß als Material über- wiesen wurden. .Hieraus wurde ein Antrag des Au-Nchupes angenommen .wonach Anträge auf ?Lbänt>erung der Bestimmungen ber Turnfestordnung vier Monate vor dem deutschen Turnfest einsureichen und vorzuberaten sind. Der übrige Teil der Verhandlungen drehte ndi um die Frauenfrage, namentlich darum, ob hie Aufnahme felb- ftänbiger Frauenvereine mit gleichen Rechten und Pilichtcii, wie die Männerturnvereine zulässig sei. Nach einer längeren Aus einandersetzung wurde der Amrag auf Zulassung der unb deutschen Turnerschast geltenden Bestimmung : -tarnen’ turnücrcinc und Frauenabteilungen sollen nur für jene OJaiic zugelafien werden, m denen die Feststadt liegt, weitere grauen* Abteilungen nur nach Genehmigung des Turnausschusses und des Orlslurnausschusses. — Hieraus wurden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt. ,5. Deutscher Turntag. ~ Dresden, 27. Juli 1911. Unter zahlreicher Beteiligung begannen heute im Konzert faal des Zoologischen Gartens die Beratungen des 15. Deut scheu TuriitageS, welche der Vorsitzende, Geh. Saniiätsrat Dr. G ö tz , mit begrüßenden Worten eröffnete. — ES wurde fodann in die Tagesordnung cingctretcn unb ber Jahresbericht bekannt gegeben. Ter Bericht betont die unermüdliche Arbeit der Deutschen Turnerschaft unb weist darauf hin, daß in erster Linie die Sorge für die aus der Schule entlassene Jugend den Turnern am Herzen liegen müsse. Im Anschluß hieran wird die Entwickelung ber Deutschen Turnerschast geschildert, die am 1. Ja- nuar 1911 9691 Vereine mit 1003 609 Mitgliedern umfaßte. Frauenabteilungen bestehen in 1690 Vereinen mit 58 477 Mitgliedern. Im Auslande bestehen 45 deutsche Vereine. Zum Reichsheer hat die Deutsche Iurnerjd)aft 35 912 Mann gestellt. Der Vorsitzende gedachte sodann der in den letzten Jahren verstorbenen Turngenossen, woraus die Ersatzwahlen vorgenommen wurde». An 33 Vereine wurden aus der Dr. Ferdinand Gotz-Luftung 11 000 Mark, außerdem für einzelne Vereine hypo- thekansche Darlehen bewilligt. Ter .stassenbestand der Deutsdien Turnerschast ist folgender: Hauptkassc 83 562.28 Mark, Ad- einc Demonstration abgehalten, der alle Teilnehmer in Hemdsärmeln beiwohnten. Ein Chicagoer Redalteur telegraphierte daraufhin zurück: „Bitte Unfallsliste fd)idcn . . vor kurzem wurde eine große Monsterversammlung zu Denver abgehalten, der Tausende Delegierte von allen Städten des Westens benvohntcu. Ein Gebet eröffnete die Feier, an das sich ein tausend stimmiger Gesang auf folgende» Text schloß: „Stadt Oklahoma! 64 205! Loost Okloljoma!" Als man aber in Omaha diese imposante Veranstaltung wicderlwlen wollte, da halte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn der Geistliche, der das Gehet sprach, war cni Mann von Pueblo, und er schloß: „Unb nun, o Herr, erstehen wir deinen besonderen Segen für die große unb mächtige Stadt Pueblo, deren Bevölkerung in diesem Jobr 66 723 Seelen beträgt. Amen. ' Pueblos Ehrgeiz ist nicht mehr und nicht weniger als das Pittsburg des Westens zu werden. Daher das Motto, unter dem die Booster von Pueblo feduen unb siegen: „Achtet auf unfern Rauch". Pittsburg gilt nämlich für die räudigste Stadt der Welt, und das läßt Pueblo nicht schlafen. Sie haben eine Eowboobande von 52 Mitgliedern mit Fahnen unb Reklamen aller Art durch die ganze» Bereinigten Staate» geschickt, um Pueblo bekannt ;u machen. Noch eifriger beun Boosting ist Taloma. Ihre ntchl sehr schöne, aber dafür desto irirffamere Nationalhymne lautet: „Loost Taeoma! Tag und Nacht, rot »u du ar deckest, wenn du schreibst, leg deine ganze Seele darein. Loost Tacoma!" „Tu sollst Tacoma lieben", dies Motto ber Stadl ist ein so verbreitctes^Schlagwort, das ein Bries, der nur die Orlsbezrichniing, „2ie 2labt, bie ich lieben soll", trug, sogleich nach Tacoma befördert wurde. Der Eigentümer einer Farbenfabrik dieser Stadt hat allen Mitbürgern umsonst rote Farbe zur Verfügung gestellt, damit sie überall in den Vereinigten Staaten groß anschreiben können: „Taeoma, das Emporium der Erde". Das ging so lange, bis an Lokalpatriot die Flammenschrift einer Herde Rinder auf» Fell schrieb, die einem Mann von Spokane gehörte, der dann einen bedeutenden 'Schadenersatz einforderte. Taeoma schickt alljährlich Aepsel in den ganzen Bereinigten Staaten umher, die die Inschrift tragen: „Kommt aus Tacoma. von weit her. Komm näher. Du sollst Tacoma lieben." Seinen Lokal- patriotismus hat jüngi't ein Bewohner der Hauptstadt von Montana mit dem Tode bezahlt. Es herrscht ein 2Dort, den Namen der Heimatstadt aus de» höchsten Gipseln anzuschreiben. Als Butte- Ecky 50000 Einwohner erreichte, schrieb ein Mann diese Tatsache an die höchste Felsenwand des berühmten Cheyenne Canon. Während er die großen rote« Buchstaben hinmalle, verlor er das Glcid>- gcroian und stürzte in den Abgrund, noch mit dem letzten Atemzug rufend: „Booft Butte-City!" Die maul- und Llauenseuche in Bettenijaufen. Zu unserer Noti^ in Nr. 168 vom 20. d. M. schreib: uns das M r c i -3 d c t e r i n ä r a m t: Tie Feststellung der Maul- und Klauenseuche in Bcttenhauscii unmittelbar nach dem daselbst abgehaltenen Bauernieste hat viel Aussehen erregt. Sie gab vielsach zu der Annahme Veranlassung, daß die Seuche burdj eben bieses Fest borthin verschleppt worbcn sei. Bei genauerer Prüfung verliert aber diese Annahme sehr an Wahrscheinlichkeit Die Jnkudationsdauer der Maul- unb »lauen- feudie, b. i. bie Frist, die zwischen ber Ansteckung unb dem Au: brutb der Erkrankung verstreicht, beträgt in der Regel 4 Tage im Minimum 3, im Maximum 6 Tage. kürzere Fristen kommen zwar vor, bilden aber eine große Ausnahme Ta die Krankhcits- erschrinungen an dem zuerst erkrankten Tiere in Bettenhausen bereits am Dienstag »ach dem Feste beobachtet wurden, müßte man eine Jnkubatwnsdauer von kaum zwei Tagen amiehmen, ivenn man die Ansteckung auf den vorhergeljcndcn Sonntag zurück- führen will. Tieie Annahme ist zwar nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich. Dazu kommt noch, daß in dem Gedoste deS Landwirtes Tietz, bei dem die Seuche zuerst ausgebrochen ist, am Sonntag vor der Feststellung zwar Besuch verkehrt ist, der aber, wie bie inzwischen vorgenommenen Erhebungen er» geben haben, aus Orten war, die weder verseucht waren noch.inzwischen verseucht worden find. Ls ist darnach nicht wohl anzunehmen, daß der Seuchen- ausbruch in Bettcmhaufen mit dem Fest daselbst in Verbindung zu bringen ist. 2hi» f’hiO'i itnö Land. Gießen, 29. Juli 1911. Linschreibbrics.-lutomat. Gegenwärtig stellt bie Post an verkehrsreiche» Acmtern Automaten auf, die zur Einlieferung von Einschreibbriefen dienen. Ter Apparat soll durch seine einfachen Gbmdi- tinmcn und jein schnelles Arbeiten das durch die Handschrift liche Ausstellung des -Scheins und den Eintrag in das Annahmebuch verursachte Warten am Schalter ersparen. Nach dem Oessnen einer kleinen Tür an der Vorderseite des Automaten schiebt der Ausgeber den Einschreibbrief in eine schlitzartige Oeffnung, schließt die Tür und dreht eine »urbel zweimal herum, worauf auö dem Automaten der Einlieferungsschein in eine Schale herausfällt. Ti es ec Schein tragt außer der Bezeichnung der Postanstalt den Tag der Auflieserung und den Ausdruck R., d. h Rckornrnai, biert --- Eingeschrieben, sowie als Jdentitatszeichen dieselbe Einschreibnummer, wie die iiizwischen unter Verschluß gelangte Sendung. Tie Briefe können etwa 15:25 Zentimeter grog und bis 1 Zentimeter stark sein und müssen, falls sie nicht als unfrankiert behandelt werden sollen, mit den erforder liche» Freimarke» beklebt sein. Eine Aufschrift an brr Außenseite des Automaten weist barauf besonbers hi» Die »osten bes Apparates betragen zirka 750 Mark Die technischen Einrichtungen bes Automaten und Die Vorgänge bei Benutzung desselben find folgende: Wird bie an der Vorderseite des Automaten befindliche Tür, welche bie Emwurfsöfsnung Derberft, geöffnet, so verriegelt sic den Betätigungsmechanismus unb macht ein Trehen ber kurbel unmöglich. Turch bas Einschieben bes Briefes in bie schlitzartige Oeffnung wirb ein Gesperre ausgelöft, das bie Drehbewegung zweier Transportwalzen, sowte ber Drurfwalzcn für bie Quittung unb bereit Abtreunvorrich nmg freigibt. Durch das Schließen der Tür wird ber Bi tätigungtzmechaniSmus freigegeben. Der eingeschobene Brief iommt'zwischen zwei Walzen mit Typensatz zu liegen. Leim zweimaligen Drehen der .kurbel werben bie beiden Walzen bewegt und dadurcl) dcr Brief mit dem Ein schreib- alljährlich als Gäste die Leinestadt besuchen. Bisher gab eS, mit Ausnahme einer kleinen dürftigen Kapelle auf bem Pere Lachaise tein Gotteshaus, in dem die gläubigen Mohammc- bancr ihre Andachten abyalten konnten. 'Jhtn hat die Pariser mohammedanische Kolonie die nötige Summe aufgebracht, um in der Hauptstadt Frankreichs eine stattliche Moschee zu errichten. Aucl) der Sultan Mohammed V. hat sich an Dem Unternehmen beteiligt, und der Bausumme bereits 4000 türkische Psund überwiesen. Die Pläne find in .Arbeit, und bald wird Der Bau beginnen. * Richtige Selbsteinschätzung. vor kurzem wurde in dem Städtchen Liebstadt in Ostpreußen eine evangelische »icdje neugeweiht, die vor hundert Jahren von Franzosen zerstört worben war. Ter Einweihung folgte ein» Festmahl, bei bem ber Generalsuperintendent Dr. Braun aus Königsberg ein Hoch auf den Kaifer ausbrachte, das er nach der „Elbinger Ztg." mit folgenden Worten einleitete: „Id- hege ganz unbegrenzte Verehrung für unseren Kaiser, und darin wurde mir nacheifern, ber Gelegenheit hat, wie ich, ben Reichtum seines Innenlebens kennen zu lernen. Diesem Manne gegenüber sind wir alle, verzeihen Sie, meine Herrschaften, den etwas harten Ausdrurf, Schafsköpfe, so groß ist meine Bewunderung seines Geistes, der alles auffaßt und umfaßt und verarbeitet! Alles was er wahrnimmt, versucht sein Geist umzusetzeu und seinem Volke nutzbar zu machen." In der Versammlung fand sich niemand, der dem Herrn Generalsuperintendenten wegen der „Schafsköpfe" widersprochen hätte. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Tie 50 jährige Toklvrjudctteicr begeht am 2. August der Ordinarius der aiwrgamichen, analytischen und lechnischen Chemie an der Unweriilcu Stratzburg i. Ei,'., Professor Tr. Friedrich Rose. — Äpothekcrtag. Am 20. und 21. Augu'i lagt in Freiburg i. B. die fünfte Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der wirrfchajUichcii Interessen Temichcr Apo- lhcler (E. B. Leipzigs, der enui 80 v. H. aller deutscher Apo- lhekcnvorf'tände umsatzl. Nach dcc Tagung des Wirrschattsoer- bandes beginnt die Hauptversammlung oes Demschcn ADOlhelcr- Vcrnns. — Ter „Umschau" zufolge hat der amerifanudic Milliardär John Murray 85 Mcklionen für ein int Neuyorker Zentralpark zu erbauendes Meeresmuseum gestrnet. :.'cehrere Expedckionen sind berecks unter Leitung von bei Hinten aineri- taniidien Tiesseeforschern umerwegs, um Material für das Mulcrmr zu beschaffen. »***> ein ediger Tb- LSS- Lustiges vom amcrilanifchen £olalpatriotismus. „Boosting" — das ist ein '5Dort, mit dein sich die Bewohner so mancher kleinen amerikanischen Stabt mit einem nur bei Yankees erklär!id>cn Feuereifer widmen. „Loost", das in die Form des amcrifaiii|'d)cii Lokal Patriotismus, der dringende, alles beherrschende Wunsch, das Heimatörtd-en „in die Höhe zu bringen". Lustige Stückchen von dieser kirchturmDolitik der SdMbbürger au-3 ben vereinigten Staaten erzählt Arthur T. T o l l i n g im Ltranb Magazine. Im Jahre 1898 mürbe ber erste „Boosters Club" zu Spokane im Staate Washington gegründet, Mitglied mürbe die ganze Ae vollerung des Ocrtd)ens, und Das Evangelium,^das nun nadi allen Windrichtungen verbreitet wurde, lautete: Spokane ist das Zentrum ber Vereinigten Staaten und die herrlidistc -sdioDiung Gottes des Allmächtigen. Tas erste Gebot für alle Mitglieder aber ivar: „Keinen Tag vorüber gehen zu lasten, ohne etwas i» Wort oder Tat für den Aufschwung der Stadt,getan zu haben". Tiese Gründung sand unzählige Nachfolger : im Osten, Norden und Süden der Vereinigten Staaken schossen die Boosters Eluvs wie Pckze empor, und ricseM>ifl ivaren iie Anstrengungen, mit Er- bitterung wurde der Wettstreit geführt. Tie erste Tat dieses amerikanischen Lokalpatriotismus ist stets die, einen ?lussch»ß zu erridften, der den swlzen Namen „Handelskammer", „Vereinigung der Lefsenttickkeit", oder „Liga der Stadtfteunde" trägt. Tas Abzeichen dieses Rates, dem iidi sogleich eine Tnmcmgrupve anschließt, ist ein Knopf, mit einem auiiäligcn Motto, so z. B. „Wacht über Takomas WadiStum", oder cuie Schleife mit ber Inschrift „Sooft Seattle", usw. Tie Veranstaltungen, die nun organisiert werden, bcstehe» elwa in einer „Zylckiderhut- und Hemdeirbrust-Parade". Eine solche veranstalteten Die Boomns von San Franzisko als die Gefahr ausiauchte. Die große Pa- narnakanal-Ausstelluilg von 1912 werde in Neu-Orleans frattiin» Den. Man stelle sich vor: Tausende von würdigen Bürgern einer Stadt marschieren in langen Reihen durch Die «kraßen, jeder mit einem möglichst großen Znlindcrhut, nut einer möglicbn drecken Hemdbrust und einem Fähnchen in der Hand: auf Zylinder, Hemd brust und Fahne in großen roten Buchstaben etwa Die Worte: „Boost Seattle". Ta;u in regelmäßigen Avständen das Stotto brüllend, für das sie wirken, leben und sterben wollen. Die Henidenbrustparadeli wurden übertrumpit von der „Hcmdsärmelparade", Die zu Ehren des „Stierauges Des Westens", der Stadl Winnipeg, veranstaltet wurde. Bewiesen werden soUte damit, daß Winnipeg and) im Winter ein gutes Minna habe. Und so Der einigten sich denn alle Bürger und Freunde der «tobt am N eujahrstage zu einem Auszüge in Hemdsärmeln über den der Telegraph folgende Munde in alle Zeitungen Llrnerikas trug: „Um ben Glau. . zu zerstören, daß Wckiniveg eine vorstadk d:: de e >«rnrdc L.urigen Tages ~ Dresden, 2L. Juli. Der heutigen letzten Sitzung ging, gestern im Ausstellungs- Palast ein Empfangsabend zu Ehren der Teilnehmer am 15. Deutschen iunii.rg voraus. — Ten wichtigsten Gegenstand ber heutigen Schlußsitzung bildete bie Unsa l lver sichern n g s- frage. Ter Berichterstatter Winter Mdesheim) legte Leit- lätze für bie Satzungen der von ihm empfohlenen Uiifallveruche- rungslasse für Die ganze deutsche Turnersdiast vor. Es sollen hier- iiacli bei Unfälle» Uiiterstütz»ngen von 50 Pig. bis l1 > Mark vro Tag, bei Todesfällen infolge Un.alls Barbcträge von 500 bis 1000 Mark, bei GanzinvaliduL von_ 1000 bis 2009 9Jlarf gewährt werdeii. Ter Redner empfahl^ SelbsiDersicherung. a.er Sckfatzmcister Rechnungerat Atz rott Steglitzi wandte iid) gegen den Antrag: von dem Kreis 13 wnrde die Gründung einer UntcrfriiV4ingyfaffc beantragt; in besonders schweren Fällen, In- Validität und Tod, habe bie de »Ische Turnerschaft einzutrcten. Tiefer Antrag iaud nach kurzer Debatte Annahme. Es folgen hierauf die W a hl en. Tie fa^ungsgemä,; aus- scheidendeii Mitglieoei, 1. Loriitzcnder Geh. San-Rat Gotz, Geschäftsführer Prof. Dr. Ruehl (Stettin), Prof. Keßler (Stuttgart) und Geh. Mcd.-Rat Partfch (Breslau) wurden unter lebhaftem Beifall wiebergewählt. Zur I ii g e n b f r a g c führte F i f^ e r .Neuß) aus, baß ihr cntfdjiebcn für die Zukunst größere Sorgfalt als bisher zuge roenbet werden müsse. Turd) ein eigens zu schassendes Organ soll Die geistige Vcibindnna zwi'chen ben Jugenoabteilungen nnb der bcutscheit Turnerschast liergestellt werbe». Tie dazu gestellten Anträge wurde» dem Ausschuß überwiesen. ta achmittag6 6 IV enwald fest ird gebeten. Jer Vorstand^ 116 er Giesse: 6mittae8 4U6r,N« f ausflui ebigshöhe d-iDilnrt t-Versammlnr Bll, uad>wtM‘i6U1" , ,fohannes>lr- '• Ä*» , vermerk bedruckt, worauf er in einen verschlossenen, dem Publikum unzugänglichen Aufnahmebehälter fällt. Dieselben Typen, welche den Brief bedruckten, drucken nochmals den gleichen Vermerk auf eine Papierstreifenrolle; ein Messer im Apparat trennt den bedruckten Streifenteil ab, der in die Schale herausfällt und den Einlieferungsschein darstellt. Ein Drehen der Kurbel kann nur stattfinden, wenn der Brief eingeschoben und wenn die Tür geschlossen ist. ** Vo m H e s s i s ck en S t a ats s ch uld b u ch. In den Monaten April und Mai 1911 beträgt der Zugang an Schuldbnchsorderungen auf 83 Konten 2 606 500 Mark, wovon 1 550400 Mark bar eingezahlt wurden. Die steigende Inanspruchnahme des Staatsschuldbuches ist in besonderem Maße zu beobachten seit dem Inkrafttreten der Aenderungen zum Schuldbuchgeseh, die neben der Befreiung von den Eintragungsgebühren wesentliche Erleichterungen bei der Legitimation brachten und ferner Bareinzahlungen zur Begründung einer Schuldbuchforderung zulassen. In letzterem Falle können entweder zum Eintrag bestimmte Schuldverschreibungen aller- Zinsgattungen provisionsfrei angekauft werden, oder es erfolgt die direkte Eintragung nach dem jeweiligen .Kurswert. Tie direkte Eintragung ist zurzeit auf 4prozentige bis 1918 unkündbare Anleihe beschränkt. Annahmestellen sowohl für einzutragende Schuldverschreibungen als auch für Geldeinzahlungen sind in Darmstadt : das Großh. Staatsschuldbuchbureau (Luisenstraße 1), die Großh. Staatsschuldenkasse und die Hessische Landes- Hypothekenbank: außerhalb Darmstadts sämtliche Reichs- bankanstalten, die Großh. Bezirkskassen (mit Ausnahme der Bezirkskassen Gießen I und Mainz I und II), sowie das Steueramt Gernsheim. Geldeinzahlungen für Schuldbuchzwecke werden auch von der Reichspost auf das Postscheckkonto der Großh. Hauptstaatskasse (Nr. 17, Frankfurt a. M.) entgeaerrgenommen. Der Antrag ist in diesem Falle unmittelbar an das Staatsschuldbuchbureau oder an eine der obengenannten weiteren Annahmestellen zu richten. Die näheren Bedingungen wegen der Eintragung sind aus den „Amtlichen Nackrichteu über das Staatsschuldbuch" zu ersehen, die nebst den erforderlichen Antragsformularen bei dem Großh. Staatsschuldbuchbureau in Darmstadt wie auch bei sämtlichen vorgenannten Annahmestellen unentgeltlich zu haben sind. Die Vorteile, welche die Schuldbucheintragung für eine sichere und kostenlose Vermögensverwaltung und Vermögensanlage bietet, gewährt in gleicher Weise das Reichsschuldbuch für die Besitzer von Schuldverschreibungen des Reiches. Hierfür kommen als Annahmestellen neben dem Reichsschuldbuchbureau in Berlin sämtliche mit Kasseneinrichtung versehenen Reichsbankanstalten, die Großh. Haupt- staatskasse in Darmstadt, sowie die Großh. Bezirksrassen, mit Ausnahme derjenigen, an deren Sitz sich eine Reichs- bankanstalt befindet, in Betracht. Von diesen Stellen können die „Amtlichen Nachrichten über das Reicksschuldbuch" sowie ein Merkblatt unentgeltlich bezogen werden, die über alles Wissenswerte Aufklärung geben. ” Der Zirkus Blumenfeld setzte gestern sein vorgestern so günstig begonnenes Gastspiel mit demselben Glück fort und hatte vor allem mit seinen ausgezeichneten Pferdevorführungen einen durchschlagenden Erfolg. Auch die geradezu musterhaften Darbietungen des Holmes-TrioS fanden die wohlverdiente Anerkennung. Neu war ein vorzüglicher Jockeyritt der Gebrüder Blumenfeld, der sehr gut gefiel. Erne be- sondere Sehenswürdigkeit des Unternehmens sind die reichbesetzten Ställe, in denen außer einer großen Anzahl prächtiger Pferde, darunter etwa ein Dutzend herrlicher Schimmel, die Zebras, Elefanten und Lamas und die niedlichen Ponys die Hauptanziehungspunkte bilden. Die Ritterspiele wurden wieder mit lebhaftem Beifall aiifgenommen. Die darin vorkommenden Ballette, die von 12 Damen getanzt wurden, wurden besonders lebhaft ausgenommen. Kreis Schotten. Lardenbach, 28. Juli. Trostlose Zustände herrschen zurzeit auf dem Bahnhof Weickartshain. Seit Eintritt der heißen Witterung sind dort fast alle Brunnen, auch derjenige der Eisenbahn, ganz ausgetrocknet. Man sucht sich damit zu helfen, daß man in Kübeln Wasser von auswärts, besonders von der nahen Haltestelle Stockhausen, herbeischafft. Diesem Mißstand könnte doch so leicht ab- geholfen werden, wenn die Station Weickartshain samt chren Anwohnern an die Wasserleitung Lardenbach Anschluß bekämen, da dort gutes Wasser im Ueberschuß vorhanden ist. Dies war ja auch bisher vorgesehen, doch ist die Genehmigung der Eisenbahnbehörde wegen ihres Zuschusses zu den Baukosten noch nicht eingetroffen. Sehr erfreulich ist nun, daß die Anwohner von Bahnhof Weickartshain gestern abend vertraglich festgelegt haben, ohne die Einwilligung der Eisenbahn abzuwarten, das Trinkwasser von dem hiesigen Wasserwerk zu beziehen. Mit dem Weiterbau von hier nach der Station W. wird nächsten Montag begonnen werden. Die Wasserleitungs- arbeiten sind hier fast beendigt und die Hausanschlüsse alle ferttggestcllt. Der Hochbehälter auf dem „Galgenberg" geht seiner Vollendung entgegen. Die Fassung der Quelle, die bisher etwas Schwierigkeiten bereitete, hofft man in allernächster Zeit beendigen zu können. Der Wasserreichtum unserer Quelle (über 250 Kubikmeter je Tag) bei dieser trockenen Zeit ist uns eine sichere Bürgschaft, daß unsere Wasserleitung für die Zukunft nicht versagen wird. — Hierzu erhalten wir die Nachricht, daß am Freitag morgen die Einwilligung der Vahn- behorde, betr. einen Zuschuß von 1000 Mark, eingetroffen ist. Kreis Friedberg. ... Bad-Nau heim27. Juli. Den Rekord der Anwesenheits- rntcr erbrachte der 20. Juli mit 8300 an diesem Tage amtlich eingetragenen Kurgästen. Die höchste Zahl der verabfolgten Bäder wurde am 24. Juli mit der Ziffer 4449 sestgestellt. Die öei'arnf* lumme aller in diesem Jahre verabreichten Bäder betrug bis 20. Juli 26O O75. Alle drei Zistern sind seit Bestehen des Bades noch niemals erreicht worden. Gegenüber dem Vorjahre sind 1700 51^00(16 rncbr anwesend. Die Gattin des „Gaikwar" von Ba- roda (lndlsches Maharadja-Reich) und zwei Prinzessinneii-Töchter ist mit Leibarzt und Bedienung zur Kur eingchoifcn. 2b- Juli. Aus der Gemeinderatssitzung vom 2 c. Juli 1911. Nach einem von dem Eifenbahnbetrtebs- amt 1 Gießen vorgelegten Lageplan sollen in unserer Ge- Wartung zum Weichensteller-Doppelhaus zwei Stallgebäude errrchtet werden. Da diese außerhalb des Bereichs des Stadtbauplans erbaut werden, wurde auf Grund des § 6 beS Ortsbaustatuts hierzu die Genehmigung erteilt unter der Bedingung, daß die Abortgrube einen Anschluß an den vorhandenen Kanalstrang erhält, damic der etwaige Ueberlaus nicht die Umgebung verunreinigen kann. — Ter Brunnen bei dem Forsthause hat gegenloartig lein Wasser und es. wurde deshalb, beschlossen,. eine Wasserleitung bis an die Chaussee von Hausen zu legen. — Das Ministerium der Justiz hat eine Aenderung der zwischen der,Zellenstrafanstalt und dem angrenzenden Gelände vertragsmäßig festgelegten Grenze nicht zugestimmt. Die Baukommission hat beschlossen, eine Eingabe an die Landstände zu richten. Der Gemeinderat erteilt hierzu seine Zustimmung. — Gemeinderat Braubach hatte beantragt die große Glocke bei jedem Begräbnis, ohne Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung oder die Vermögenslage der Verstorbenen läuten zu lassen. Es wurde hieraus beschlossen, die große Glocke beim Läuten auszuschalten. — Die Begräbnisordnung soll einer Revision unterzogen und der technischen Kommission zur Prüfung vorgelegt werden. — Gemeinderat Oppenheimer rügte, daß der festliche Empfang der großen Glocke nur von den evangelischen Geistlichen ausgegangen sei. Die Glocke sei Eigentum der politischen Gemeinde und es hätten sich die Vertreter aller hiesigen Kultusgemeinden daran beteiligen müssen. Nach Aufklärung des Sachverhaltes durch Bürgermeister Flach wurde die Angelegenheit als erleoigt betrachtet. — Gemeinderat Oppenheimer stellte für die nächste Tagesordnung den Antrag: Kostenlose Beerdigung und Abänderung des Ortsbaustatuts. — Die beantragte Zwangserziehung einiger schulpflichtiger Kinder wurde abgelehnt. — Als Erheber der Gebühren für Wasser- und Kanalleitung, für elektrischen Stromverbrauch und für Straßenreinigung wurde Gerber Julius Reith dahier angenommen. — Der Gambrinusbrauerei Butzbach soll Wasser aus der städtischen Wasserleitung verabfolgt werden. Starkenburg und Rheinhessen. ck. Aus Rheinh"ssen, 27. Juli. Die starke Litze der WAptu.j.l;d ivÄr ’A VwW'.v ' / > i' > lehren Zeit rtcr. .ar o.e ^taubert von der Ocircit la>iC?ung, uenn sie kommen sehr schnell voran und werden bald in den Saft übergehen, mit welchem Augenblick auch jede Sauerwurmgefahr beseitigt ist. Bei fernerem Anhalten der günstigen Witterung wird sich der Unterschied in der Blüte — diese ist ziemlich unregelmäßig verlausen — noch einigermaßen ausgleichen können. Im allgemeinen sind viele Trauben in den Weinbergen zu zählen. Gießener Strafkammer. )( Gießen, den 28. Juli. Zwei jugendliche Verbrecher. Auf der Anklagebank nehmen zunächst zwei dreizehnjährige Knaben Platz, denen Straftaten zur Last gelegt werden, wie man sie bei Personen in so jugendlichem Alter kaum vermuten sollte. Es ist der Stadtschüler K. B. von Gießen und sein Mitschüler H. D. von da. Sie werden beschuldigt, einen Einbruchsdiebstahl versucht sowie einen zweiten Einbruchsdiebstahl verübt zu haben. Außerdem hat sich B. auch noch wegen Betrugs zu verantworten. Und dies war so. Eines Tages begab sich B. in ein hiesiges Geschäft und verlangte eine Hose. Er gab an, sein verhinderter Vater habe ihn gesandt. Auf diese unwahren Angaben hin erhielt B. auch die Hose. Er brachte sie alsbald, seinem vorher entworfenen Plan gemäß, zu einem Schneider, um sie zu verkaufen. Aus dem Erlös wollte er sich eine Mundharmonika kaufen. Der Schneider behielt die Hose, gab ihm aber kein Geld, sondern verständigte den Vater und so kam der Betrug heraus. In der Nacht vom Pfingstsamstag stiegen beide Angeklagte durch das Kellersenster in einen Keller ein, über dem sich ein Ladengeschäft befand. Sie hatten es auf die Ladenkasse abgesehen, fanden aber die Zugangstüren verschlossen, und außerdem hemmten so viel Kisten und Kasten ihren Weg, daß sie ihr Unternehmen als aussichtslos aufgaben. An einem anderen Abend warteten sie vor einem Geschäft, bis der Inhaber sich entfernt hatte. Alsdann stiegen sie auf das Dach eines niedrigen Anbaues und von da durch ein Fenster in den zweiten Stock ein. Im Innern suchten ie die nach dem Laden führende Türe dadurch zu öffnen, daß ie drei Schrauben aus dem Schlosse losschraubten, darauf suchten ie die Tür aufzuzwängen, wobei ihnen der Schlüssel in die Hände iel. Sie plünderten die Ladenkasse und nahmen verschiedene andere Sachen wie Kaffee, Wichse, Seife, Eier usw. mit. Vor ihrem Weggang kochte sich jeder in der Küche auf dem Gaskocher erst 7—8 Eier. Auf der Straße wurden sie von zwei Schutzleuten bemerkt und als verdächtig angehalten. B. ist wegen Diebstahls bereits vorbestraft und ist unzweifelhaft der Anstifter, während D. der Verführte ist. Das Urteil lautet gegen B. auf zwei Monate eine Woche und gegen D. auf zwei Wochen einen Tag Gefängnis. Die Freisprechung eines Standesbeamten. Der Bürgermeister H. W. von M. hat in seiner Eigenschaft als Standesbeamter eine Eheschließung vollzogen, obwohl keiner der Verlobten in M. wohnte. Er ist deshalb wegen Vergehens gegen das Personenstandsgesetz angeklagt worden. Das Gericht hielt den Irrtum des Angeklagte für entschuldbar und spricht ihn frei. Ein Dien st austritt mit Hindernissen. Der K. H. Sch. von Schwalheim war bereits im dritten Jahre Weißbinderlehrling. Er empfand es der Würde eines solchen nicht mehr entsprechend, noch fernerhin Speis zu tragen und erklärte dies auch seinem Meister. Der Meister aber schien wenig Ver- tändnis für derartigen Berufsstolz und Standesbewußtsein zu haben und quittierte die Renitenz seines Zöglings, wie dieser angibt, mit Ohrfeigen. Deshalb beschloß Sch., ans dem Dienste aus- utreten. Er begegnete seinem Freunde, dem Hausburschen K. M. 2. von Bad-Nauheim und beriet mit diesem, wie er sich in den Besitz seines ihm noch zustehenden Lohnes von 4,50 Mk. setzen könne. Das Ergebnis war, daß W. an den Meister einen Brief chrieb, den Sch. diktierte. In diesem Briefe forderte angeblich )ie Mutter des Sch. den Meister auf, das Arbeitsbuch und die Jnvalidenkarte ihres Sohnes herauszugeben und den rückständigen Lohn zu zahlen. Unter den Brief setzten sie unbefugt den Namen der Mutter. W. überbrachte den Brief und erhielt das Geld. Kurze Zeit darauf aber sprach die Mutter des Sch. vor und war sehr wenig erbaut über den Mißbrauch ihres Namens. Die beiden Briefschreiber aber haben sich heute wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Das Erkenntnis des Gerichts lautet gegen jeden auf drei Tage Gefängnis. Vcrmifdite». • Die Bedeutung der Zeitungsanzeigen. Wir lesen im „Zeitungsverlag*: Als tm Anschluß an die Arbeitsverweigerung der Scherl'fchen Rotationsmaschmenmeister die Zeitungen der Firmen Mosse, Ullstein, Scherl in Berlin nicht oder nur in verringertem Umfange erschienen, ist die Tatsache sestgestellt warten, daß durch den Streik den Inserenten unwiderleglich der Wert der Z e lt u n g s a n z e i g e n dargetan wurde. Bei der schristlichen Propaganda soivohl, wie bei der mündlichen Akquisition wird von den Geschäftsinhabern oder deren iKetlame- chefs vielfach geantwortet, die Insertion halte keinen besonderen Erfolg gehabt, die Anzeigen wurden vielmehr nur mit Rücksicht auf die Anzeigen der Konkurrenz ausgegeben. TaS war emer der bekannten strittigen Punkte, die nicht durch theoretische Auseinander- etzungen, sondern nur durch die Praxis widerlegt werden konnte. Ter Berliner Zeitiingsstreit hat diese Widerlegung gebracht. Eine Rundfrage, die wir in großen Berliner Geschäften, namelitlich in den Warenhäusern, vorgenommen haben, hat tatsächlich ergeben, daß durch den Wegfall der großen Anzeigen in den Tageszeitungen eine wesentliche Besuchs- und U ms a tzv e r r ing eru n g in den Geschäften hervorgerufen worden sei. lieber die Höhe des Aiissalles waren leider genaue Angaben nicht zu erhalten. Einzelne Geschäftsinhaber gaben rückhaltlos zu, daß sie durch den Fort- ,all der Jnsertioil einen e m p f»n d l i ch e n E i n n a h m e a u S f a l l gehabt hatten. Eiile der größten Berliner Ftrineii hat die schädigende Wirkung des Streiks für die Inserenten sofort erkannt unb ohne Zaudern ihre Vorsichtsmaßregeln getrosten. Sie ließ noch am Samstag von ihren im cak stehenden Anzeigen 600 000 Prospekte drucken und diese durch 400 Austräger m Groß-Berlin und Vororten verteilen. Tie Kosten beliefen sich auf rund 4200 Mk. Die dnrch den Zeitungsstreik herbeigestihrte Einnahmeverminderung auf der einen und Erhöhung der Reklamesoesen auf der anderen Seite stellt also einen ganz konkreten Fall dar, der die Bedeutung der Anzeigen für den täglichen Geschäftsverkehr, beton- ders für die großen D e t a i l g e s ck ä f t e , zur Genüge kennzeichnet. Es läßt sich gar nicht leugnen, daß selbst bei stärkster Konkurrenz die Anzeigen in den gelesenen Tageszeitungen eine ganz wesentliche Belebung des Marktes durch Steigerung der Kauflust herbeiführen. Tie Hausfrau ist heute gar nicht mehr daran gewöhnt, Straße auf, Straße ab zu laufen, um in den Gefchäftsauslagen nach ihren Wünschen entsprechenden Dingen zu suchen. Es ist vielmehr zur Geivohnheit geworden, die Anzeigen in den Zeitungen zu studieren, um günstige Einkaufsgelegenheiten festzustellen. 'Höchster Respekt. Unter den Aufzeichnungen des Prinzen von Signe findet sich ein merkwürdiges Beifpiel von der unermeßlichen Tevotfon, mit der die Welt des 17. Jahrhunderts znm hoben Adel aufblickte. Ter Haushofmeister des Herzogs von Nivernais lag sterbenskrank und der Herzog, der ihn außerordentlich schätzte, begab sich ins Krankenzimmer, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Ter Haushofmeister lag gerade im Sterben und richtete sich nur mit Mühe auf, indem er dabei mit matter faum hörbarer Stimme im Ton der tieiften Unterwürfigkeit sagte: „Ach gnädigster Herr, nehmen Sie es mir doch ja nicht übel, daß ich in Ihrer Gegenwart sterbe." Im höchsten Grade gerührt versetzte der Herzog: „Oh mein Bester, genieren Sie sich nicht", und der Haushofmeister versäumte nicht, von dieser Erlaubnis sogleich Gebrauch zu machen. Märkte. F.C. Wiesbaden. Diehh o'-Marktberi cht vom 23. Juli. Auftrieb. Rinder 57 (Ochsen 11, Kühe 46, Bullen 00), Kälber 64, Schafe 23, Schweine 210. Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig. Preis Durch- pro 100 Pfo. schnittspreis me«'lOO Wunb Ochsen. vcn-biSvon-üir Dollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtivertes höchstens 6 Jahre alt 49—51 88—93 5'J 90 Junge, fleischige,, nicht ausgemästete und ältere ausgemäftets......45—48 84—87 46 85 Ungejochte . 50—53 90—96 51 93 B u l l en. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes 44—47 80—84 45 82 parsen. St ü h e. Vollfleischige ausgemästete Zärsen höchst. Schlachtivertes 48—52 36—92 50 89 VoUsteychlge ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bls zu < Jahreu. . 40—44 77—80 42 78 Aellere ausgemästete Stühe und wenig gut entwickelte jüngere Stühe u. Zärs-r? us—39 70—75 37 72 Mäßig genährte Stühe nnd Färsen . W 65—68 81 63 st a l b e r. Leinsle 'Mastkälber 60—62 100-104 61 102 Mittlere Map- und beste Saugkälber . 53—56 89-93 54 91 Geringere Mast- und gute Saugkälber 48-52 80—87 50 83 Geringere Saugkälber 47—49 78—81 48 79 o dj a fe. Weidemastschase 43-00 86—00 43 86 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Hevendgewicht 48—49 61—63 48 62 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 48-49 61—63 48 62 Vollfleischige Schweine über 21/, Zentner Lebendgewicht........ 45—47 57—60 46 58 Fleischige Schweine nnter 80 kg Lebendgewicht 47—48 60—61 47 60 Ueberstand: Rinder Uebersland, Kälber und Schafe geräumt Schweme Ueberstand. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Weickartshain, 28. Juli. Seit ungefähr einer Woche ist hier Wassermangel eingetreten, da wir seit dem angegebenen Zeitraum von unserer Wasserleitung, welche im vorigen Herbst im Anschluß an die „Dieberggruppe", Geilshausen, erbaut wurde, kein Wasser mehr erhalten. Das wenige Wasser, welches wir noch von dort erhallen, reicht nicht für einen Teil des Torfes „Für einen, zu viel, für alle zu wenig." Ta unser Dorf sehr wasierarm i|t, so ist der jetzige Zustand, bei der gegenwärtigen Hitzelrode, doppelt empfindlich. Tie Leute sind wieder gezwungen, wre in früheren Tagen, zu Joch und Eimer zu greifen, und das föeniac Wasser, welches noch zu haben ist, mühsam herbeizuschleppen.^ Trotzdem wir hier durch die Wasserleitung fein Wasser bekommen. Joden die Quellen bei dem Orte Geilshausen nod) Wasser-Ueber- schutt haben. Sollte hier jetzt, was Gott verhüten möge, ein Brand ausbrechen, so wäre man wider Willen gezwungen, untätig zuzuschau en Solches ttotz Wasserleitung; der reinste Hohn! Angesichts solcher Zustände fragt man sich unwillkürlich: warum wurde dre Gemeinde von der vorgesetzten Behörde veranlaßt, sich einer Gruppe anzuschließen, welche für die völlige Wasseröersorgung uniercs Dorfes keine Garantie bieten kann, oder will? Wenn wirkttch kein Wassermangel der Quellen besteht, warum wird dre Sache nicht Eontrolliert? Hoffentlich treten bald andere Zustande ein. Wollende etwas feines rauchen Etwas für Sie! Preis:. OrienLTab Jnh. Hirgb Ziers. Dresden u.CigarettenTabrik ./Yenidze 5 6 8, 10 Pfyd.S'r. dann empfahlen .wir J hnen CIGARETTE DES FEINSCHMECKERS Neu! Vietoria-Versicherung. Tas Bureau der Zentral-Jnkasfo-Stelle wird am 1. August dieses Jahreö, von SelterSwegv? (Hoi- nach Selterswegöll. verlegt LAden etc. M geräumige Wohnung 4224 Per L C lieber a 4753 Itr iijirt litt iiittr |i itriidti. Ernst Bloedner Nachf rbrifcr e für dauernde Arbeit zu forortiecm Eintritt gesucht **>«■ Hexlifeaitee^t * Werkjeuamafchineniubnk und für ein kleines Geschäft gesucht. Selbständiger Arbeiter, welchem eö auf angenehme Stellung an kommt, wolle schriftliche Angebote unter 4725 t. d. Geschäftsstelle d. Giehener Anzeigers niederlegen. Bin tüditigtr Oandlanqrr gesucht von 16-18 Jahren. Nab. Sandgasse 11 II. [06166 06053 Stube mit Kabinett an einz. Peri, zu verm. l'icbiflurJM ediint z-ZiMtt-Mohiiiii I. Stock. Marburger Strafte IO, per fofort zu vermieten. 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