Nr. |05 Erster Blatt 161 Jahrgang Mittwoch, 5. Mai 1911 Ter Oiehener Nnzelarr rrfrfieini täglich, außer UmtagL. - Beilagen tcrniti I wöchentlich SiestenrrZamilienblätler ; i ; ;i;Tiiual mönail. kant' wirtschaftliche 5ettsrage> ■ erinpicd) - Anschlüsse liir die Redaktion 112, "'erlag u. (hrebition 61 Adresse tüt Depeschen: Anzeiger «testen. GietzenerAnzeigek Seneral-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen Hofaftonsörud und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vnch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Scbttlftraße 7. hit Oie -tageSnummcr J ' ~ „„ - ,, b,s vormittags 9 Uhr. vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 Seschäftrpelle Bahnhofstraße sba. Vezngsprets: monatlich75Ps^vier1el- i.ihdicf) Mk. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. auSschl. Bestell^. Zeilenpreis: lokal IbPi, auSioärt-S 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; tüt „Feutlle- ton'. „Vermischtes' und .GerichtSsaal': ft. Neurath; für „Stadt und Land': E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. (/) s -r 8 s 8 d 2 S S ft ?3 L 3 5 2 ß S Z' i f !Ä LS rg 5 < 7 f F 5 rt d J? I? II *1® ?2. o 2 Z 3 ? * wgS ll ö- - s? s p Berufsrid)ter oder Laienrichter, n. Ganz in dem gleichen Sinne wie Weinberg spricht sich Rechtsanwalt Dr. Cahn-Nürnberg in Heft 3 der Deutsch Richterztg von 1909 au*3. Er schreibt u. a., es sei doch eine Erfahrungstatsache, daß die Vorsitzenden der K. f. H. einzig und allein die schwere Arbeit tun, während manchmal tm-3 ungemein dekorativ und einem gewissen industriellen Niveau schmeichelhaft erscheinende Element der Beisitzer sich mit wohlgemeinten Ratschlägen zur Beilegung des Rechtsstreits, mit Prüfung der Wechsel auf ihre Vormänner, mit Durch blättern der (Geschäftsbücher und Korrespondenz, sowie mit teilnahmsvoller Beachtung der bei dem Plaidoper zutage tretenden Kredit- und Solvenzverhältuisse sich begnüge. Auch Eahn ist der Meinung, das; der Handelsrichter für den Vorsitzenden schon um deswillen leine Stütze sein könne, weil er, ohne zuvor die Akten gesehen zu haben, in den Sitzungssaal trete und bei manchem der 30 bis 40 anstehen den Falle monatelang Schriftsätze gewechselt worden seien, deren Vortrag der Handelsrichter nicht folgen könne, weil er nicht genügend vorbereitet sei. Die Folge sei entweder ein sogen. Gesühlsurteil oder aber — was erfreulicherweise öfter der Fall sei — die durch drei Unterschriften gezierte Sentenz des Vorsitzenden. Auch hinsichtlich der Gewerbe-- und Küufmannsgerichtc spricht Eahn sich gleich ungünstig aus. Er stellt fest, daß schon jetzt allerwärts die größte Mißstimmung herrsche und schreibt wörtlich: „Die Rückstau aus eine hctoc und spöttische Kritik der Presse, aus ein durch diese und politische.Sekretariate gezüchtetes Querulant en tmn, beherrscht dann und wann die Stätte der gewerblichen Sondergerichle. Ein Prinzipal, Der an dem Rechtsstreit un- 'chuloig ist wie ein neugeborenes Kind, muß zuweilen auf den mcljr wie kräftigen Zuspruch des diesbezüglichen Vorsitzenden, dem mindestens von einem der Beisitzer aus das kräftigste feuinbicrt wird, mit einer Vergleichssumme bluten, deren — wenn selbst geringfügige — Leistung ost ungerechter ist, wie der verkehrteste Inristensprnch. 3ft doch durch dieses an manchen Orten ein« geführte Bergleichsunwesen in weiten Kreisen der Arbeitgeber die Ueberzeugung befestigt, daß der Tropfen sozialen Oels bei der von solchen Sondergerichten zu erwartenden Kost unausbleiblich ist." Diesen durchaus zutreffenden Ausführungen ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Sie sind aber um deswillen besonders beachtenswert, weil sie von Rechtsanwälten hcr- rühren und die Auffassung iviedergeben, die in weiteren ■’treifen des Anwaltsstandes herrscht Man hat bis jetzt im allgemeinen noch nicht behauptet, daß die Rechtsanwälte „weltfremde" und „verknöcherte" Juristen seien. Im Gegenteil wird vielfach empfohlen, die Richterstellen öfter mit Anwälten zu besetzen, weil sie mit den Bedürfnissen des Lebens und der Wirklichkeit vertrauter feien. Jedenfalls wissen die Rechtsanwälte als die Vertreter des rechtsuchenden Publikums besser als sonst jemand die Wirkungen der richterlichen Tätigkeit und gerichtlichen Entscheidungen bei dem Volke zu beurteilen, und deshalb sind ihre Meinungen in dieser Hinsicht von besonderer Bedeutung, namentlich dann, wenn es sich um Persönlichkeiten handelt, deren Anschauung nicht durch parteipolitische Interessen beeinträchtigt ist. Leider hat Weinberg darin unbedingt Recht, daß die Frage nach der Erweiterung der Laienkompetenz heute eine politische Frage geworden ist. Es ist nicht wahr, daß das Volk in seiner Allgemeinheit eine solche Erweiterung wünscht. Allerdings beruft man sich — und auch die Kommission zur Reform der Strafprozeßordnung hat das s. Zt. getan — gern auf die „öffentliche Meinung". Man hat gesagt: „Die öffentliche Meinung dürfe m einer solchen Angelegenheit nicht unbeachtet bleiben, und diese verlange es, daß den Laten in alten Strafgerichten eine Teilnahme an der Rechtsprechung eingeräumt werde." Aber ob die öffentliche Meinung recht hat oder nicht, wird nicht geprüft, auch nicht, ob die Ansichten der Tageszeitungen, die nur zu gern ihre Redaktionsansichten für die allgemeine Meinung ausgeben, und die Ansichten einiger anderer Per sonen wirklich die Volksmeinung wieder geben. Tatsächlich ist es nicht der Fall. Das Vertrauen des Volkes zu der Rechtsprechung der Gerichte ist nicht in dem Maße gesunken, wie es von gewissen Seiten behauptet wird. Soweit es geschwunden ist, ist das die natürliche Folge der unausgesetzten Hetze eines gewissen Teils der Presse und gewisser politischer Kreise gegen die Richter und ihre objektive Rechffprechung, wie überhaupt gegen jede staatliche Autorität. Jedenfalls wird durch eine weitere Zuziehung von Laien zur Rechtsprechung das Vertrauen zu oiefer nicht wieder hergestellt werden. Die oben mitgeteilten Aeußerungen sind aber auch um deswillen von besonderem Interesse, weil sie beweisen, daß man selbst zu den Handelsrichtern in maßgebenden Kreisen nicht das Zutrauen hat, daß sie den an einen Richter herantretenden Aufgaben gewachsen sind. Wenn solche Urteile in großen Industriestädten, an Plätzen mit groß- kaufmännischen Handelsverkehr, wo zweifellos eine große Anzahl hervorragender Kaufleute und Industrielle als Handelsrichter zur Verfügung stehen, laut werden, um wie viel mehr müssen dann Bedenken gegen die verlangte weitere Zuziehung von Laien in der Strafjustiz, wo eine solche Auswahl der geistigen Elite der Laien nicht stattsinden kann und soll, obwalten. Es muß Weinberg auch darin unbedingt zugestimmt werden, daß das schlechteste unserer Gerichte zweifellos das Schwurgericht ist, das eine politische Errungenschaft ist und dessen Existenzberechtigung bis auf den heutigen Tag eine politische Frage ist. Deshalb hätten die verbündeten Regierungen die günstige Gelegenheit, die sich bei der Reform des Strafprozesses bot, nicht entgehen lassen sollen und auch eine Reform dcL schwurgerichtlichen Verfahrens erstreben müssen. Entweder mußte man die Schwurgerichte durch große Schöffengerichte ersetzen oder doch mindestens bestimmen, daß der Vorsitzende der Beratung der Geschworenen beizuwohnen habe. Tann würden Willkürlichleiten und so grobe Irrtümer, wie sie jetzt an der Tagesordnung sind, bei den Wahrsprüchen ausgeschlossen sein. Auch hatte man die Zuständigkeit der Schwurgerichte in weiterem Maße, als beabsichtigt, beschränken fallen. Erfahrungsgemäß erweisen sich die Geschworenen zur Aburteilung des Berbrecl)ens des Meineides als gänzlich unbrauchbar. Es mag hierzu nur die Bemerkung eines älteren erfahrenen Rechtsanwalts aus der neuesten Zeit angeführt sein, mit der er gegen die Zuerkennung eines Parteieides an die Gegenpartei protestierte, daß nämlich der Gegner kein Bedenten tragen würde, einen solchen Eid zu leisten, weil es ja bekannt sei, daß die Staatsanwälte ;id) scheuten, Anklage zu erheben, weil die Schwurgerichte in Mcineidssachen sreiiprachcn, aud) wenn der Beweis zu Ungunsten des Angeklagten ausgefallen sei. Zum Schluffe sei nur nod) bestätigt, daß die Ansicht Cahns, daß aud; die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte im Volke keineswegs beliebt seien, durchaus richtig ist, jedenfalls genießen |ie bei den Arbeitgebern vielfach kein Vertrauen, so daß Gewerbetreibende häufig mit ihren Gehilfen die Vereinbarung getroffen haben, daß jeder Teil jederzeit ohne Grundangabe aufsagen kann, nur, um die Sonder geeichte nicht anrüfen zu müssen. Diese Bemerkungen mögen genügen. Tic objektiv denkenden Rechtsanwälte, „deren Auffassung nur von fachmännischen Erwägungen getragen ist", sollten aber dem von ihrem Kollegen Weinberg an fie ergangenen Rufe foi acnb mehr als bisher aus die Gefahren Hinweisen, welche ourd; eine weitere Vermehrung des Laienclementes in der Rechtsprechung der gesamten Rechtspflege drohen. Frankreichs Verlegenheit in der marokkanischen Frage. Auch heute wird aus Paris mitaetcilt, der französische Ministerrat wisse noch nichts über die Lage von Fe; und habe audi von Major Brsmond feine Nachrichten erhalten Ob man in Paris willens ist, die Truppenführer in Ma rokko wieder einmal selbständig handeln zu lassen? Denn es liegen heute Nachrichten vor, daß wieder französische Truppen nach Casablanca abgegangen seien. Marseille, 2. Mai Bon hier sind ungefähr 30 Dffi ziere und 1300 M ann aller Waffen mit bedeutendem Kriegs material nach Casablanca ab genau gen. Paris, 2. Mai. Im Ministerrat teilte Minister Crnppi mit, daß er weder aus Fez, noch von Major Brämond Meldungen erhalten habe Kriegsminister Berteaux sagte, die Entsatzkolonne rücke schnellstens vor, wie befohlen worden sei. Rabat, 2. Mai. Leichte Kolonnen, die bei El Knipra lagern, haben die Umgegend von M c 0 e b i a erkundet und alles ruhig befunden. Ein Marineoffizier hat aus dem ^Sebufluß Messungen vorgenommen, um zu ermitteln, ob die Schiffe bis El Knipra hinaus fahren können. Tanger, 2 Mai AuS Elkassar wirti Mterm 1. Mai gemclba, daß ein Teil der Gljlotlcute sich gegen Raisuli empört und seinen Kaid rbgesetzt Hai. Man glaubt, daß der frühere Paschs an dessen Stelle Raisuli getreten ist, bte Em pörung angeftiftet Hai. Tie Reiter des Kaids Bcndahain, di bei Sak el Arba lagerten, sind heute früh zurüttgekehrl. Im Gharbgebici zeigt die Bevölkerung gegenwärtig große Erregtheit, die ebenso maßlos ist nnc die aufrührerischen Gelüste in der jüngsten Zeit. Tie Bewohner zahlreicher Dörfer verlangen, die Bem Hassen zu bekämpfen. Die englische Presse über den deutschen Standpunkt. L London, 1. Mai. Tic englische Presse gibt meift beifällige Kommentare zu den Erllürui'.gcn der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über die deutsche Marokko Politik. Ter „Standard" hebt die gemäßigte Sprache des amtlichen Artikels Hervor, bic gerade der Warnung an Frank reichs Adresse das notwendige Geivicht verleihen. Die „Dail y New s" meint in ihrem Leitartikel, die deutsche Erklärung enthalte eine verhüllte Drohnng und folgert daraus, daß man noch nicht zu einem definitiven Abkommen über die Teilung Marokkos zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien gelommeii sei, daß ein solches Projekt aber in der Lust liege. Frankreich soll nach dem genannten Blatt folgendes' Teilungsprojekt be günstigen; Spanien soll die Riff-Küste und em nach Süden lid) erbreitenbes Hinterland erhalten, Deutschland Mogador mit einem brauchbaren atlantischen Seehasen unb einem Hinterland, das Marakesch einbegreift, währertb an Frankreich Casablanca, bet breite Schawiah Streifen und von der algerischen Grenze ausgehend Zentral-Marollo mit den Städten Fez und Melines sollen würde. London, 2. Mai. Im Unterhaus fragte Tillou, ob die britische Regierung von der französischen bezüglich der beabsichttgten militärischen Operationen gegen Fez um Rat gefragt worden und ob die britische Regierung in irgend einer Weise einen Angriff auf die Unabhängigkeit des marokkanischen Reichs gebilligt oder die Verantwortung für ihn übernommen habe Sir Edward Grey erwiderte, die britische Regierung sei durch die französische von den Maßnahmen in Kenntnis gesetzt wor(Ein unveröffentlichtes Gedicht von Novalis. ES kann fein Rausch seyn — ober ich wäre nicht Für diesen Stern geboren — nur so von Ohngetähr In dieser tollen Welt zu nah an Meinen magnetischen Kreis genommen. Ein Rausch wär wirklich sittlicher Grazie Vollendetes Bewußtsein? — Glauben an Menschheit wär Nur Spielwerk einer frohen Stunde — ? Mare dies Rausch, was ist dann das Leben? Soll ich getrennt sein ewig ? — ist Vorgefühl Ter fünftigeii Vereinigung, dessen, was Wir hier für unser schon erkannten, Aber nicht ganz noch besitzen tonnten — Ist dies auch Rausch: so bliebe der Nüchternheit, Der Wahrheit nur die Maske, der Ton, und das Gefühl der Leere, des Verlustes Und der vernichtigenden Entsagung. Womit wirb beim belohnt für die Anstrengung Zu leben Widerwillen, feind von sich selbst zu sein Unb tief sich in den Staub getreten Lächelnd zu sehn — und Bestimmung meinen? Was führt den Weisen denn durch des Lebens Tal Alls Fackel zu dem höheren Sein hinauf — Soll er nur hier geduldig bauen Rieder sich legen und ewig todt fein. Tu bist nicht Rausch — du Stimme des Genius, Du Anschaun dessen, was uns unsterblich macht. Und du Bewußtsein jenes Wertes, Der nur erst einzeln allhier erkannt wirb. Einst wird die Menschheit sein, was Sophie mir Jetzt ist — vollendet — sittliche Grazie — Dann wirb ihr höheres Bewußtsein ""liebt mehr verwechselt mit Dunst des Weines. Du’ie Verse sind unmittelbar nach dem Tode Sophie v. Kühns, der Braut des Novalis, nieder geschrieben. In den gewaltsamen Rhythmen ist das Wühlen des Schmerzes und des Zweifels zu spüren — eines Zweifels, den der jugendliche Dichter so wenig zu Worte kommen lassen wollte, daß er vielmehr seiner Sophie nachzujterben gedachte, baß er aus diesem Verlust später den Inhalt seiner gesamten Dichtung gewann. Das angeführte Gedicht sand sich unter Nachlaßpapieren des Geh. Baurats v. Lanci- zolle (Stettin) und ist soeben neben anderen Versen und wichtigen Brtesen von Novalis in der „Deutschen Rundschau" (Mat- Heft) veröffentlicht worden. — Leibl und sein Freundeskreis. Retrospektive Ausstellung in Wiesbaden („Leibl unb sein Freundeskreis"). Unter diesem Titel veranstaltet bic „Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst" anläßlich ihres zeymahrigen Bestehens in den Festräumcn des dortigen Rathauses vom 7. Mai bts 10. Juni eine Ausstellung, die der Auimerrsamteit aller Kunstfreunde zu empfehlen iit. Die Ausstellung, an der auch die National-Galerie sich beteiligt, enthält fast nur auserlesene Werke aus privaten unb öffentlid>en Galerien, deren Versicherungswert wohl 24 Millionen Mark übersteigen dürfte. Von biejer Summe entfallen allein mehrere 100 000 Mark auf bic Kollektion Carl Schuchs, bes so spät unb rasch berühmt Gewordenen, während T r u b n e r und Thoma mit je etwa 20 Werten aus ihrer ersten Perwde (1870—81) vertreten sein werden. Dazu kommen sechs Originale von Leibl selbst, sowie reiche Kollettionen von Johann Sperl, Theodor Alt, Hirth du Frön es und Otto Schulderer. — Die Expedition Filchner. Am Montag erfolgte, wie aus Hamburg gemeldet wird, die Schlußbesichtigung des Fllchnerschen Südpolar-Expeditionsschiffes „Deutschland". Zu dieser Besichtigung waren Prinz Heinrich von Preußen und der Herzog von Sachsen-Altenburg in Hamburg eingetroffen. Nach der Besichtigung sand im Hamburger Rathaus ein Festmahl statt, an dem außer den fürsllichen Gästen u. a. der preußische Gesandte für die Hansastädte von Bülow, der bayerische Gesandte in Berlin Graf von Lerchenfeld, der Hamburger Bürgermeister Dr. Predöhl, der Präsident der Hamburger Handelskammer u. a. m. teil nahmen. Dr. Predöhl brachte ein Hoch auf den Leiter der Expedition, Oberleutnant Filchner und seine Fahrtgenossen aus, für das Filchner herzlich dankte. Die Ausreise erfolgte am gestrigen Dienstag. — Stürme auf der Sonne. Daß auf der Sonne, bic sich ganz ober wenigstens in ihren gesamten äußeren Schichten in einem gasförmigen Zustand befindet, Bewegungen und Massen- umsexungcn mit einer für das menschliche Begrisfsvermögen unvorstellbaren Gewalt vor sich gehen, ist so gut wie selbstverständlich unb seit langem aud) durch Beobachtung erwiesen. Erst durch Die neuesten und feinsten Mesjinginiiruimnte aber ist es möglich geworden, die Schnelligkeit und Ausdehnung dieser Bewegungen genauer festzustellen. Einen wichtigen Fortschritt in dieser Richtung bedeutet eine überaus sorgsame Arbeit, bic Dr. Slocum von ber Perlessternwaric im nprophysilaliichcu Journal geleistet hat. Dieser Astronom hat im Verlaus der letzten sieben Jahre nut einem besonderen Instrument ber berühmten Sternwarte im ganzen 3323 Protuberanzen photographiert, aufs sorgfältigste ausgemessen und in ihrem Wesen studiert. Daraus haben sich bedeutsame Schlüsse für die Beurteilung der Massenversetzungen auf der Sonne ergeben. Bei 1094 Protuberanzen verriet sich eine wagerechte Strömung. Ihre mittlere Höhe wurde zu 30 000 Kilometern bestimmt. Im ganzen scheint die Massenbewegung in hohen Breite^nach dem Äquator, in mittleren Breiten nach den Polen der Sonne gc- rid)tet zu sein, übrigens auf der nördlichen Sonnenhalbkugel stärker vor sich zu gehen. Eine besondere Stellung nehmen die Sonnenwolken ein, die zuweilen in ganz bedeutender Höhe über der eigentlichen Oberfläche schweben E>n solches Gebilde, das Dr. Slocum beobachtet hat, hatte eine Höhe von nicht weniger als 320 000 Kilo Metern und bewegte sich mit per unbegreiflichen Gcschwinbigleid von 50 Kilometern in der Sel.uide. Daß diese Wolke außerdem, von ungeheurer Ausdehnung gewesen sein muß, ergibt sich allein aus der Tatsache, daß sie so genau wahrzunehmen war. Die Reise dieser Wolke erfolgte ohne Zweifel parallel zur Sonnenoberflächc. Dr. Slocum nimmt an, das- auf der Sonne ähnliche Windgesetze herrschen wie auf der Erde, nur daß die Stürme um ein Vielfaches heftiger sein müssen. — Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen- s ch ast. Der a. o. Professor unb Direktor des agrikulturchemischen L'aboratorüims an der Universität Göttingen, Geh. Reg.-Rat Dr. Bernhard Tollens ist zum ersten Oktober 1911 um die Entbindung von Jeinem Lehramte eingelommcn. Geheimrat Tollens steht un 70. Lebensjahre — Seinen 70 Geburtstag begeht am 4. Mai ber Professor der Philosophie an der Universität Königsberg i. P r., Geh. Regterungsiat Dr. phiL Julius Walter. Er ist am 4. Mai 1841 zu Wolmar im Livland geboren. — Der Professor des Wasserbaus an der Technischen Hochschule in Stuttgart, Dr. Lueger, ist im Alter von 6*5 Jahren gestorben. — In Berlin soll tm Herbst dieses Jahres die schon oftmals geplante große jurifteie Ausste11 ung nach dem Muster der Pariser unb Münchener Veranstaltungen stattsinden. — Die ualieniiche Regierling hat einen Preis von 1'icOO XI. für die beste Arbeit über die Prophylaxe der gewerblichen Milsbrandinfektion ausgesetzt. Die italienisch oder französisch getriebenen Arbeiten sollen bis 1. Dezember 1911 beim Aderbaumtnisterium eingereicht werden. 1 dK' ■ i. r ■ .pr Aus Hessen. Nationalliberale und Fortschrittler. Pfarrer Korell teilte am Sonntag in Versammlungen zu Bubenheim und Groß-Winternheim mit, daß ein kürzlich von der nationalliberalen Parteileitung in Berlin gemachter letzter Versuch einer Verständigung zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen für Hessen endgültig gescheitert sei und daß nun die Fortschrittliche Volkspartei im ganzen Lande gezwungen sei, die Nationalliberalen als Gegner zu bekämpfen. In denselben Versammlungen wurde mitgeteilt, daß Pfarrer Korell die fortschrittliche Landtagskandidatur im Landtagswahlkreis Wörrstadt-Arnsheim angetragen worden sei. In diesem Bezirk erhielt die fortschrittliche Volkspactei bei der letzten Reichstagswahl die absolute Mehrheit, so daß er bei der direkten Landtags,vahl als sicherer Besitz der fortschrittlichen Volkspartei angesprochen werden kann. Aus Statt und tanOe sieben, 3. Mai 1911. ** Ministerialrat Dr. Hermann Kratz, der neue Vorsitzende der Abteilung für Bauwesen im Ministerium der Finanzen, ist nach der Darmst. Ztg. am 25, September 1865. zu vom Ausstand in Mexiko. Paris, 2. April. Der „Newyork Herold" meldet aus Mexiko, daß die Aufständischen vorgestern in der Nähe von Cuernavaca einen Eisenbahnzug angegriffen und vier Reisende, darunter einen Rus, en namens Dr. Olsten S e f f e r und einen Japaner sowie den Heizer getötet haben. Sefsers, welcher früher portugiesischer Konsul in Mexiko war, war ein hervorragender Agronom. New York, 2. Mai. Nach einem Telegramm aus. Mexiko nahmen die Rebellen die Städte Durango, Topolobampo,Mayatlan und San Antonio ein. Die Belagerung von O j i n a g a mußten sie jedoch aufgeben; sie wurden in Unordnung nach Mu lato zurückgeworfen. Ausland. Die russische Reichsvuma erörterte die Regierungsvorlage über die Unfallversicherung der Arbeiter. Der Berichterstatter, Baron Tiefen hausen, wies darauf hin, daß alle Mitglieder des Dumaausschusses für die Einmischung des Staates in die Beziehungen zwischen Kapital und Arbcü seien. Die Regierung sei jetzt entschlossen, die in den westlichen Staaten, besonders in Deutschland erprobten Maßregeln durchzuführen. Als Redner traten meist Sozialdemokraten aus, Pokrowski erUärte, die Sozialdemokraten - k ■ Deutsches Aereh. Der deutsche Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise werden am 3. Mai nachmittags 3 Uhr an Bord der „Hohenzollern" in G e n u a eintressen unb um 5 Uhr 25 Min. mit Sonderzug nach Chiasso weiterfahren. In Berlin wurde am Dienstag der neue deutsch- schwedische Handelsvertrag vom Staatssettetär des Auswärtigen Amtes, v. Kiderlen-Wächter, und dem schwedischen Gesandten in Berlin, v. Trolle, unterzeichnet. Der Wortlaut wird demnächst in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht werden. Die Beisetzung des verswrbenen Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe findet am Freitag den 5. Mai, vormittags 11 Uhr, in der lutherischen Stadtkirche zu Bückebura statt. In Vertretung des Kaisers nimmt Prinz Ellel Friedrich an der Beerdigung teil. In einer zahlreich besuchten Versammlung ostpreußischer gewerblicher Kreise in Königsberg wurde ein Provinzialverband O st Preußen des Hansabundes begründet. Der derwürttembergischcn2. Kammer zugegangenc Gesetzentwurf betreffend die Beschaffung von Geldmitteln für den Eisenbahn-Bahnbau und für außerordentliche Bedürfnisse der Verkehrsanstalten-Derwaltung in der Finanz-Periode 1911/12 fordert insgesamt 40 781000 Mark; davon sind für Nebenbahnen 6 433 000 Mark, für den Bau von zweiten Gleisen 5 000 000 Mark, für den Umbau des Nordbahnhofes Stuttgart 14 000 000 Mark, für notwendige Erweiterungen und Verbesserungen 7 554 500 Mark, für die Erbauung von Wohngebäuden 831 000 Mark, für die Vermehrung der Fahrzeuge 6 770 000 Mark und für Zwecke der Post- und ZÄegraphenoerwaltung 163 000 Mark bestimmt. Der Ausstand in Kanton. Hongkong, 2. Mai. Naco vieren aus Kanton zufolge stellte die britische Landesabteilnng, welche das Fremdenviertel bewacht, Geschütze am Kanal Dqr Schämten auf. In der Nacht vom Sonntag auf Montag unternahmen die Aufrührer einen erfolglosen Versuch, die Polizei-Station auf dem anderen Ufer des Kanals gegenüber Schamien in Besitz zu nehmen. Der albanische Ausstand. Daß der albanische Aufstand noa) lange nicht niedergedrückt ist und die in Konstantinopel amtlich ausgegebenen Nachrichten sehr gefärbt waren, zeigen die heutigen neuesten Meldungen wieder. Endlich erfährt man auch genaueres über die Ursachen der Erhebung. Tas atbanesische Zentralkomitee veröffentlicht nämlich einen Ausruf, in dem nach einer Mitteilung in der „Frkf. Ztg." folgende Forderungen erhoben werden: 1. daß aus Albanien eine Provinz gebildet werde; 2. daß die albanesischen Schulen von der Regierung erhalten werden; 3. daß unsere Soldaten in Friedenszeit in den Grenzen Albaniens bleiben. Die Albaner, die dem Padischah allerdings recht häufig sehr wertvolle Soldatendienste geleistet haben, machen an das modern umgestaltete Reich nationale Ansprüche. Bemerkenswert ist, daß die Verfasser des Aufrufes auch auf die den Jungtürken bei der Neuordnung der Zustände geleisteten Dienste sich berufen. Konstantinopel, 2. Mai. Aus dem albanischen Aufstandsgebiet wird gemeldet: Am 28. April griffen die Aufständischen Tuzi und die Festung Schipzanik an, wurden aber zurückgetrieben, ebenso wurde der Angriff auf das Lager der Kolonne Muhiddin bei Kastrati zurück gewiesen. Am 29. April griffen die Aufständischen die Posten bei Semaja, Detschitsch und .Bitoja an, am 30.April die Mekissoren und die Montenegriner das Blockhaus Li- schiz bei Beraue, jedoch in beiden Fällen erfolglos. Saloniki, 2. Mai. Tie Tätigkeit der Banden in Nord-K'ossowo macht sich immer fühlbarer. Starke Ar- nautenbanden umzingelten bei Zarkowe eine türkische Militürabteilung. Die Soldaten trieben die Gegner auseinander. Sie hatten drei Tote und zwei Verwundete; die Arnauten verloren 6 Mann. Bei einem zweiten Treffen gerieten die türkischen Soldaten in einen Hinterhalt. Ein Leutnant und vier Mann wurden getötet, die übrigen entflohen. Hier lauft das Gerücht, die Aufständischen hätten Tuzi vollständig niedergebrannt. seien für die Versicherung, doch müßten die Kosten der Vorlage durch Besteuerung der Arbeitgeber aufgebracht werden. Ter Ar- beüslohn, das Existenzminimum dürfte nicht geschmälert werden. Da die Vorlage die Versicherung den Arbeitgebern übertrage, würden die Sozialdemokraten dagegen stimmen. Aus Petersburg verlautet, daß int Befinden des Ministers des Auswärtigen eine merkliche Besserung eingetreten sei. In der letzten Woche war die Temperatur normal, die Herztätigkeit gut, der Prozeß in den Lungen ist in der Auflösung begriffen. Saasonow tritt bald einen langen Urlaub bis zu seiner Wiederherstellung an und kehrt auf seinen Posten zurück, selbst wenn eine verhältnismäßig lange ärztliche Bchand- luna notwendig ist. Irgendwelche Personalveränderungen sind vorläufig im russischen auswärtigen Amt nicht beabsichtigt. Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet aus H a n k o u: Das durch auswärtige Telegramme verbreitete Gerücht, in P a r i s werde eine Konferenz zusammentreten, die sich mit der Aufteilung Chinas beschäftigen solle, rief unter der hiesigen Bevölkerung große Erregung hervor. Der Generalgouverneur erließ eine amtliche Berichtigung, die in allen Zeitungen Hankous erschienen ist. ____________________________ Deutsche Kolonien» Eine Aufstandsgefahr in Sud-Kamerun. Ber 1 in, 2. Mai. Die in den Tagesblättern verbreitete Nachricht von einem Eingeborenen-Ausstand in der Bimbagegend von Südkamerun blieb amtlich bisher unbestätigt. Im Reichskolonialamt liegt lediglich ein kurzer Bericht des Gouvernements vor, der auf ein Telegramm von der Station D u m e vom 16. Marz beruht. Darnach ist der Leiter des Dumebezirks auf einen Hilferuf des Kaufmanns Greve von der Firma Pagenstecher nach Betugge im Norden des Bezirks gerückt, wo anscheinend die Haltung der Eingeborenen unsicher geworden war. Der Häuptling von Betugge und zwei Helfershelfer wurden festgenommen und zu 15 resp. 8 und 7 Jahren Kettenhaft verurteilt. Der Bezirksleiter ist am 20. Februar wieder nach Dume zurückgekehrt und betrachtet die politische Lage im Bezirk zur Zeit der Absendung des Telegramms als ruhig. Auch der Gouverneur, der inzwischen den Südbezirk bereist, bezeichnete durch ein Telegramm vom 18. März die Lage im Süden des Schutzgebietes als ruhig. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die jüngsten Privatmeldungen auf Gerüchte zurückzuführen find, die mit dem geschilderten Vorgänge im Zusammenhang stehen. den, die jetzt für den Entsatz der Europäer in Fez ergriffen werden. Tie britische Regierung habe vernommen, daß auch den anderen Regierungen diese Mitteilung gemacht worden sei. Tic von Frankreich unternommene Aktion ziele nicht daraus ab, den politischen Status von Marokko zu ändern Die britische Regierung könne daher nicht sehen, warum irgend ein Gnwand gegen sie erhoben werden sollte. _________________________________________ folgen der Maiseier. Berlin, 2. Mai. Infolge der Maifeier wurden in Groß-Berlin in 320 Betrieben 6728 Holzarbeiter ausgesperrt, davon wurden über 6000 auf 39 Tage, die übrigen tanger ausgesperrt oder entlassen. Den „Flensburger Nachrichten" zufolge wurden auf der Flensburger Schiffswerft 1100 Arbeiter bis zum 15. Mai ausgespcrrt, weil sie am 1. Mai gefeiert hatten. Braunschweig, 2. Mai. Die „Landeszeitung" meldet: Neun Maschinenfabriken sperrten 3000 Arbeiter für eine Woche ans, weil sie trotz vorheriger Bekanntmachung der Fabrikleitung am Maifeiertag von der Arbeit fern blieben. Hamburg, 2. Mai. Die Tirektion der Dulkanwerft ließ gestern an den Landungsbrücken, wo die Arbeiter zur Werft hinüber fahren, eine Bekanntmachung anschlagen, nach der alle diejenigen Arbeiter des Betriebes, die am 1. Mai nicht zur Arbeit erschienen waren, entlassen seien und am 3. Mai ihren Lohn abheben könnten. Es handelt sich angeblich um eine Aussperrung von 2000 Mann. Nieder-Florstadt in Oberhessen als Sohn eines Arzt»« geboren. Seine Staatsprüfung legte er 1891 ab und wurde bann zunächst Polizeikommissär in Darmstadt mit dem Zit i inspektor. Durch Dekret vom 18. Juni 1892 erfolgte die Ernennung zum Polizeiinspekwr. Dann war Tr. Kratz als dtrets- amtmann bei den Kreisämtern Friedberg und Darmstadt beschäftigt; am 30. November 1898 wurde er Ministerial'ckretär und mit Wirkung vom 15. April 1899 ständiger Hilfsarbeiter un Ministerium des Innern. Durch Dekret vom 20. Juni 1900 erfolgte seine Ernennung zum Vorstand des Polizeiamts Tarin stadt, zunächst mit dem Charakter als Polizcirat und vom 16. April 1902 ab mit dem Charakter als Regierungsrat. Am 26. September wurde Dr. Kratz bann zum Kreisrat im Kreise Dieburg ernannt. ** Dienstjubiläum. Ober - Postassistent Willy Kinzenbach (Schalterbeamter der Stadtpost) feiert heute sein 25jähriges Dienstjubiläum. •• Iin Museum für Völkerkunde ist eine neue Kollektion javanischer Gegenstände, Geschenk von Herrn Dr. Gail, eingetcoffen. Landkreis Gießen. :/: Heuchelheim, 2. Mai. Auch hier wird dem Blum en tag reges Jnteresie entgegen gebracht. Tie hiesigen Gesangvereine veranstalten nächsten Sonntag im Garten der Wirtschaft »Zum Schwanen* ein Konzert, bei dem ,bie Blume der Barmherzigkeit* als Eintritt erstanden werden muß. Bei ungünstiger Witterung gehen die Gesangvereine „Germania* und „Teutonia* in den Saal zum „Treppchen*, die zwet anderen in den Saal von Friedr. Volkmann. — Am Himmelfahrttag macht der Gesangverein „Germania* seinen diesjährigen Ausflug auf den HoherodSkopf. ---- Großen-Linden, 2. Mai. Am Blumentag, Sonntag den 7. d. Mts., werden weißgekleidete Mädchen an den Bahnzügen auf unserer Station Blumen zum Kauf anbieten. Jüngere Mädchen verkaufen von 3 Uhr nachmittags ab Blumen, Postkarten und BlumentagSzeitungen. In der Turnhalle werden die Gesangvereine Lieder vortragen. Zum Eintritt genügt der Ankauf einer Blume für 10 Pfg. Auch der Turnverein wird sich beteiligen. Abends von 8 bis 11 Uhr findet in der Turnhalle Tanz statt. — Großen-Buseck, 2. Mai. Auch in unserem Orte hat das Lokalkomitee alle Vorbereitungen getroffen, um den Blumentag am 7. Mai zu einem Festtage zu ge- stalten. Den Verkauf der Blumen, Blumentagszeitungen und Postkarten hat eine Anzahl junger Mädchen übernommen. Nachmittags 3i/2 Uhr findet — bei günstiger Witterung — in dem Park der Fran Baronin v. Rabenau, der in liebenswürdiger Weise der Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde, ein Konzert mit Musik- und Gesangsvorträgen statt, zu dem die hiesige Kapelle und sämtliche vier Gesangvereine ihre Mitwirkung zugesagt haben. Im Brückschen Saale wird sodany abends 7i/2 Uhr ein Familien- abend stattsinden mit Aufführung mehrerer Theaterstücke und lebender Bilder. Ihre Einstudierung liegt in der Hand unserer Krankenschwester, die der Gemeinde schon manchen schonen Genuß durch ihre Aufführungen zu bereiten gewußt hat. Ein kleiner Vortrag des Vorsitzenden des Lokal- komitees geht den Aufführungen voraus. Der Eintritt zu diesen beiden Veranstaltungen kann gegen Kauf einer Blume erfolgen. — Grünberg, 2. Mai. Der Großherzog hat den Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemein'chaft Konr. Wahl hier aus Anlaß seiner am 1. Mai d. Js. erfolgte» Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit bet Inschrift „Für treue Dienste" verliehen. Kreis Bübingen. K.A. Büdingen, 2. Mai. Der Landwirtschaftliche Bezirksverein Büdingen wird seine Hauptversammlung dieses Jahr etwas später halten, nämlich am Samstag, 27. Mai, in Büdingen. Oekonomierat Leithi- ger, der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, der in der Provinz Oberhessen von seiner früheren Wirksamkeit in bestem Andenken steht, wird einen Vortrag halten über „die Mittel und Wege zur Steigerung des Futterbauesund der Viehzucht, Anlage von Viehweiden und Melioration von Hutweiden"". -l-. Büdingen, 2. Mai. Unter Vorsitz des Kreisrats Boeckmann fand heute nachmittag im „Stern" eine Sitzung des Komttees für den Blumen tag statt. Der Vorsitzende berichtete über die Vorarbeiten und empfahl, von einer Vertagung des Blumentages, die den einzelnen Komitees im Falle des Eintritts schlechten Wetters sreigestellt wurde, abzusehen. Zwei hiesige Wagenbesitzer haben sich bereit erklärt, die Blumenverkauferinnen, falls schlechtes Wetter eintreten sollte, durch ihre Bezirke zu fahren. Von den Blumenkörben, die kostenfrei von einer hiesigen Dame zur Verfügung gestellt werden, standen drei ausgeschmückte und mit Blümchen gefüllte Exemplare zur Anstcht aus, ebenso neue Sorten von Postkarten und die ersten Exemplare der Festzeitung, durch deren Verkauf die ersten Nickel in die Kasse flössen. Die zum Verkauf kommenden Figuren sind in der Fürstlich-Jsenburgischen Fabrik zu Wächtersbach hergestellt. — Nach dem von Oekonomierat Andrae vorgelegten Programm für den „Bunten Abend" wird der Gesangverein Liederkranz den Abend mit einem Vortrag eröffnen, dann folgt die Ansprache des Vorsitzenden, hierauf Gesang des Evang. Kirchengesangvereins, ein Theaterstück, ferner Gesang des Gesangvereins Sängerlust, Vorführungen der Turngeiellschaft (dem Turnverein ist infolge der Vorbereitungen für das Gau turnfest die Mitwirrung nicht mögtich) und weitere Vorträge der drei Gesangvereine. Die übrige Zett soll durch Tanz ausgefüllt werden. — Das Komitee wird während des Blumentagsverkaufs im „Stern" sein,Hauptquartier" aufschlagen. Kreis Alsfeld. — Alsfeld, 2. Mai. Die erst kurz hier errichtete Mutter- Beratungsstelle der Großh. ZeMrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge, Zweigstelle Alsfeld, entwickelt sich ausgezeichnet. In der letzten Beratungsstunde waren 1 7 Mütter, bei der Größe Alsfelds ein guter Erfolg. x Grebenau, 2. w».ai. ^ijr 40jähriges Jubiläum als Hebamme beging Frau Schmidt, zwei Drittel der Einwohnerschaft unseres Dorfes sind ihre einstigen Pfleglinge gewesen. Kreis Lauterbach. ~ Lauterbach, 2. Mai. Die Jungviehweide des landwirtsch. Bezirksvereins Lauterbach wird Donnerstag den 4. Mai eröffnet. Zum Auftrieb sind 92 Rinder und 18 Fohlen angemeldet. Mit Rücksicht auf die über das Schlitzerland verhängte Sperre infolge der Maul- und Klauenseuche ist die Zahl der zum Auftrieb gemeldeten Tiere recht günstig zu nennen sie dürfte sich nach Erlöschen der Seuche noch bedeutend erhöhen. Das Gras der Weide ist durch die letzten warmen Tage recht gewachsen, so daß für das Vieh reichlich Grünfittter vorhanden ist. Zurzeit sind einige Holländer Schafe zu Zucht- Heer unö Flotte. Eine Xtaueifeiet für Oberstleutnant v. Schlichting. Berlin, 3. Äcai. Zn der frcaierne des Königm- Elisabeth- Regiments, auf deren Zinnen die Fahnen Halbmast wehten, hat gestern nachmittag. unter aujjerorbentlidj großer Beteiligung die Trauerfeier für den am 25. März in Konstantinopel erschossenen deutschen Militärinstrutteur, Oberstleutnant von Schlichting stattgefunden. Generalfeldmarschall Frhr. v. d. Goltz, der kommandierende General des Gardekorps, sowie eine beträchtliche Anzahl hoher Militärs, ferner der türkische Botschafter, türkische Offiziere und die Spitzen der osmanischen Kolonie und schließtdemia-e Osiiziere aller Waffen hatten sich eingefunden, um dem Toten das letzte Geleit zu geben. Die Beisetzung erfolgt auf dem Friedhof im Weftend. Berlin, 2. Mai. Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine Kabinettsordre, nach welcher zu Ehren des verewigten Generals der Kavallerie, des Für st en Georg zu Schaumburg-Lippe, dem bisherigen Chef des westfälischen Jäger- Batattlons Nr. 7 die Offiziere des Standorts Bückeburg sich der Landesttauer anschließen. An den Trauerfeierlichketten nehmen das westfälische Jäger-Batattlon Nr. 7, von dem Leibgarde- Husaren-Regiment der Regimentskommandeur, ein Rittmeister, ein Oberleutnant und ein Leutnant teil. Englische Stimmen über die englisch-deutsche Zreundschast. London, 2. Mar. „Daily Graphic" sagt in seiner Besprechung der Versammlung der englisch-deutschen Freund schaftsgesellschaft: Die Wiederherstellung der alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland wird dazu beitragen, den von Taft und Grey angestrebten angelsächsischen Frieden zu festigen in Anbetracht dessen, daß ein sehr großer einflußreicher Bestandteil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten deutschen Ursprungs ist und eine sehr natürliche, angemessene Anhänglichkeit an den Interessen des großen Reiches empfindet, dem er entsprossen ist. Das Blatt ist der Ansicht, daß die neue Gesellschaft ihre Arbeiten zu einem günstigen Zeitpunkt beginnt, da die Tätigtet t der U n h e i l sti s t er seit einiger Zeit willkommene Merkmale des Nachlassens gezeigt habe. Eine vielversprechende Grundlage für den Wiederaufbau der englisch-deutschen Freundschaft ist vor kurzem durch die Annahme des britischen Vorschlages über den Austausch von Mitteilungen über die Flottenbauten seitens des deutschen Reichskanzlers geboten worden. „Morning Leader" sagt: Die Lage hat sich augenscheinlia) gebessert, wir hoffen, daß die einzige Regierung, welche die Feindseligkeit und das Mißtrauen der irischen Amerikaner zu entwaffnen vermocht, im Laufe der Zeiten mit nicht geringerem Erfolg die Deutschen von Chikago oder Berlin von der .Aufrichtigkeit unserer friedlichen Bestrebungen überzeugen wird. I6|U '' •wC. m 2f, nt tzj,, * k'ile nry oon roitb bfta ^>e hjks,-> 1 'm «orttn » bei btn "den rotrbtc Wangcm;., Iteppdjen*, oltmann.» Armani«' topf, tumentag, Wdchen ar m Rauf on> nachmitlazz m. 3nbe og'n. Zuir Pfg. Au^ von 8 bij nserem Lck 'troffen, ui ttagc zu gc igszeitunga m ubernom- stiaer Sira, labenau, da r Verfügung 1 Geslmg-vor j untlichc via I haben Z« .1 in Familien. I Theaterstück I in der Hand 1 >on manchen j iten gennißi 1 des SW Antritt zu iner Stnme H )g t)at bc 1 .gemnwchä, 1 Zs. eWii'l ichen mit I ] i irtfchasi ne hauptvrr nämlich oc ral2eitht> stemmet, bc t Wirtflunter trag halt» erung bei age von W- ch des Sm-. im „etcnf entag M len und emp- die den ein- chten Vetter- SÄ- :e Bezirke, zr rei von erna # standen dro iieinplare z^' Uten und. h n BerMs du Berkaus kop -qischen * -S Ji« Ansprache Mengesa^ (i (b® T? i«e A durchs tgnaruer iKk - • cfi K»et?‘ tekba^ >t ^Li^i )er b. ted)t <<\ jyetfen auf der Weide, die fast das doppelte Gewicht gegenüber den einheimischen besitzen. 9 X. Nied er-Stoll, 2. Mai. Am Sonntag wurde hin unter überaus starker Beteiligung ein Veteran von 70/71 zu Grabe getragen. Es war der Eisenbahnarbeitcr und Kirchendiener Hch. Kreutzer. Er hat den Feldzug oon Anfang bis zu Ende im Gießener Regiment mitgemacht. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, den Veteranen- Appell zu Darmstadt im vergangenen Jahre mit zu machen. Tie Kriegerveretne der Umgegend und der Eisenbahnervcrein Lauterbach erwiesen dem Heimgegangenen die letzte Ehre und ließen zahlreiche Kränze an seinem Grabe niedcrlegen. KreiS Friedberg. x Bad-Nauheim, 2. Mai. 'JZadjban in den letzten Wochen die Anfertigung der Gesellenstücke beendet worden iü, lanb heule in den Raumen der Stadtschule durch den Orll>- gaverbeverein unter dem Vorsitz von Schlossermeister Knipp die theoreliscl-e Prüfung durch die Lehrer Wagner und Bcchtols- hcnner statt, der sich 27 Lehrlinge aus alten Handwerk zwei gen unterzogen Tie lleberreicyung der Gesellenbriefe erfolgt an einem der nächsten Sonntage, Nwbei auch die Zeichnungen, die in der Sonntagszeichenschulc angefertigt wurocn, ausgestellt werden. x Ober-Mörlen, 3. Mai. Hier werden morgen die Eheleute Heinrich König XII. das seltne Fest der biamantncn Hochzeit begehen. Das Jubelpaar, das eine stattliche Zahl Enkll und Urenkel hat, erfreut sich noch großer Rüstigkeit. X. Griedel, l.Mai. Gestern feierten wir die Grundsteinlegung unserer neuen Kirche. Daß die Feier so schön verlief, verdanken wir neben dem schönen LLettcr der Mitwirkung des hiesigen MännergesangveremS, geleitet von Lehrer Henrich, der das Lied oortrug: /Dht dein Herrn fang alles an*, und des Gambacher Posaunenchors, geleitet von Pfarrer Graf, welcher die Feier mit einem Vorspiel eröffnete, die drei Lieder begleitete und zum Schluß noch einige Lieder vortrug. Ihnen beiden sei herzlichst gedankt. Ter Orts- geistliche Pfarrer Egelhoff hielt die Festrede über 1. Kor. 3, 2.11: »Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher lit Jesus ChrtstuS.* Ec beantwortete darin die Fragen: Warum bauen wir ein neues Gotteshaus und auf welchem Grunde muß es ruhen? Er führte aus, daß das alte Gotteshaus ungejunö und unwürdig war, daß man aber für GotleS HatiS mehr übrig haben müße alS für menschliche Wohnungen; zu allen Zeiten habe man Gotteshäuser gebaut; so fei auch die Errichtung dieses« Baues em erfreuliches Zeichen dafür, daß man für Gott noch etwas übrig habe und ihn ehren wolle. Aber auch um unseretwillen bauen wir, um in diesem Bau die göttlichen Lebenskräfte am uns wirken zu lassen, oder nut anderen Worten: um mit den anderen zusammen unsere unsterblichen Seelen aufjiibQucn zu einem geistlichen Hause, nämlich der Gemeinschaft der Gläubigen. Dieser Bau müste aber, wie der sichtbare Bali, ruhen auf einem festen Grunde, nämlich auf dem Grunde, den Gott schon gelegt hat, auf JefuS Christus. Ten sichtbaren Bau »aber möge Gott behüten, daß wir bald daS Fest der Em- 'welhung begehen können. Nach der Verlesung der Urkünde, welche die Grunde des KicchcnbaucS und die Verhällmsie der Gemeinde beschrieb, und nach feierlicher Einlegung derselben m den Grundstein im Allarfundamenl, erfolgten die üblichen Hammerschläge der dabei Beteiligten. Mit Segen schloß die Feier. Die Kollekte für den Kirchenban betrug 117,37 ÜJlf. Starkenburg und Rheinhessen — Offenbach, 2. Mai. Tie Handelskammer Offenbach verhandelte in ihrer letzten Sitzung auch über eine einheitliche Regelung des Buß- und Bettages für ganz Teutschland. Ihre Ansicht darüber har sie im Sitzungsbericht mit folgenden Worten niedergelegt: Ta in den Kreisen von Handel und Industrie unseres Bezirks an die Acußerungen des hessischen Ministers des Innern, betreffend einheitliche Regelung der Feier des Buß- und Bettages, am 25. März, wie sie in der Presse weeder- gegeben worden sind, bi«* Beiürchtung geknüpft worden ist, daß bei der Regierung Geneigtheit bestände, den hessischen Bußtag aus denselben Lag zu verlegen, an dem die Feier des preußischen Buß- und Bettages abgehalten wird, beschließt die Kammer, dieserhalb bei dem Minister des Innern vorstellig zu werden und ihn zu bitten, falls die beiürchletc Neigung tatsächlich vorhanden sein sollte, derselben entgegen zu romen. Wenn auch die Handels- Tammcr nichts dagegen zu erinnern hat, daß der Buß- und Betrag in allen deutschen B u n d es sta a t en, welche diesen Feiertag haben, ans ein und denselben Tag und zwar auf einen Sonntag gelegt wird, so muß sie sich doch mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, daß aus Anlaß der einheitliche Regelung der Feier des Buß und Beltags, mit welcher an sich schon wiri- fchafttick-e Nachteile für Hessen verknüpft sind, ein neuer Feiertag für unser Land geschaffen und damit die Arbeitsmöglichkeit für Handel und Gewerbe noch weiter eingeengt würde. Tie nachteiligen Wirkungen einer weiteren Einschränlung der ArbeitSmög- lichkeit für unsere zu einem großen Teil auf den ausländischen Markt angewiesene, hochentwictelte Feinindustrie, wurden in der Eingabe an den Minister des Innern in längeren näher begründeten .Tarlegungen besonders hervorgehoben. Kreis Wetzlar. st Lützellinden, 2. Mai. Nächsten SarnStag und Sonntag, 6. und 7. Mai, finbet in der Gaslwirtjchast von Ludwig Klein die 6. Bun de s-AuS st el lu ng deS RI it tel- deutschen Kaninchen- und Geflügelzüchter- AerbandeS, verbunden mit PreiSschießcn statt. Für Futter und Obdach hat der hiesige Kaninchenzuchtoercin reichlich gesorgt. — Leun, 2. Mai. Ein hochbetagtes Geschwister- paar ist an demselben Tage hier gestorden. Gestern morgen um 9 Uhr starb die 65 Jahre alte Frau Wilhelmine Ctröhmann, geb. Staaden, und nachmittags 21/2 Uhr ihr 6 Jahre älterer Bruder, der in Wiesbaden im Ruhestand lebende Bergwerksbirektor Friedr. Staaben, der ferne Schwester auf dem Krankenlager besuchen wollte. X. Rod heim a. d. Bieber, 2. Mai. Unter reger Beteiligung hielt am Sonntag nachmittag der Turnverein Mn Anturnen un Garten des Äasiwirts K. Schlierbach ab. ■$n Anbetracht der vielen Sommerfeste war von einer Lustbarkeit diesmal Abstand genommen worden. Ter Verein zählt jetzt 100 Mitglieder. H Marburg, 2. Mai. -^rotz eifrigster Semübungen der Gendarmerie und der Polizei ist es bis jetzt noch nicht Gelungen, den Wegelagerer, der am Samstag bei den Steinbrüchen bei Niedcrweimar den Bautechniker Mauß von hier übersiel und ausraubte, ausfindig zu machen. Mehrere Verdächtige, darunter auch der jung' Bursche aus Wehrshausen, mußten wieder frcigelassen werden, weil sie ihr Alibi nachwcisen konnten. Ter Ueberfallene ist nur durch ein Wunder dem Tod entgangen, denn der Schuß in den Leib wurde durch die Kleidungsstücke und die Hosen- schnalle so abgeschnxicht, daß die naget in der Bauch wand stecken blieb und leicht entfernt werden konnte. Schlimmer ist schon die Schußwunde an der Unten Hand. Tem Räuber fielen im ganzen 331 Mk. in die Hände. — Zu dem Familiendrama im Rest. Rhein ist noch zu bemerken, daß Rhein sich vier Schüsse beigebracht hat. Eine Kugel durchschlug Die Stirn und das große C>ehtrn und blieb an der inneren Wand des Hinterjchädels sitzen, ein zweiter Schuß durchbohrte von der Stirn aus die Augenhöhle und verlebe ebensalls das Gehirn, der dritte Schuß drang hinter dem rechten Ohr ein, durchschlug das Gehirn und sitzt nun ebenfalls an der Jrmenwand des Schädels, der vierte Schuß ging in die linke Brust, durchbohrte den Herzbeutel, verletzte die Lunge und blleb in der Leber sitzen Trotzdem ist Rhein noch am Leben. Er ist 37 Jahre alt und stammt aus Lbertassel, seine Frau, eine verwitwete Schmidt, geb. Henke, war zwei Jahre jünger und stammt aus Quersurth. Tie Leiche der letzteren wurde heute noch einmal von der Friedhojsyalle in die Klinik zur gerichtlichen Obduktion abgeholt. Gießener Ltrafkammer. )( Gießen, 2. Mai. (Berujungen in Privatllagesachen.) „Ächtungsvol l". Die ledige H. B. aus Tollewitz bei Dresden war bei b:r Inhaberin einer Fremdenpenston zu Bad-Nauhcim, einer Frau P. als Dienstmädchen in Stellung gewesen, aber infolge eines Zerwürsnhses mit ihrer Dienstl-errin aus dem Dienste gusg> jchicden. Ihr Baler, der Taglohner F. A. B. aus T. schrieb daraufhin einen Brick an ihre Dienstherrin, worin er dies.' aufforderte, dem Akadchen feine Sachen herauszugeben, die zurückgeblieben waren. Der Br.ef enthiett eine Reihe verletzender Wendungen und schloß mit den Worten: „Achtungsvoll lasse ich weg, denn Sie octbienen keine Achtung." Das Gericht war der Aniicht, daß der Brief an sich zwar in Wahrung berechtigter Interessen geschrieben sei, daß aber einzelne Ausdrücke, insbesondere der Schlußsatz unvertennbar die Absicht der Beleidigung erblicken ließen. Tas freiiprechende schössengerichtliche Urteil wurde ausgehoben und der Angeklagte wegen Beleidigung zu 10 jDiarf Gttostrase verurteilt. Beleidung durch die Presse. Der Besitzer des Warenhauses S. E. in Gießen war in Konkurs geraten. Der Redakteur eines zurzeit nicht mehr er- sck>einenden Blattes, T. R. in Gießen, hatte ihn in einem Artikel scharf angegriffen und war deshalb vom hiejigen Schöffengericht zu 25 Mark Gcldstrase verurteilt worden. In der heutigen Verhandlung wurde das erstinstanzliche Erkenntnis bestätigt, da der Kampf gegen die Warenhäuser, den nach Angabe des Angeklagten seine Parteistellung ihm zur Pflicht mache, ihn nicht zu solchen Angriffen berechtige. Auch war Verjährung der Sache, entgegen der Anficht des Verteidigers, nicht eingetreten. Späte Einsicht. Der Landwirt I. M. D. in Bl. hatte den dortigen Bürger- tneister N. öffentlich beschuldigt, daß er ihn bei der Zwangsversteigerung | einer Liegenschaften absichtlich benachteiligt habe. Er war deshalb vom Schöffengericht in Büdingen zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. In der heutigen Verhandlung sah der Angeklagte nach Aufklärung des Sachverhalts die Grundlosigkeit seiner Beschuldigung selbst ein und bat den Beleidigten um Verzeihung. Ter ft lag er war versöhnlich und erklärte, daß er die Privattlage zurücknehmen werde, sobald der Angeklagte die Kosten bezahlt habe. JmArmenhause zu Grünberg gibt es immer noch keinen Frieden. Dieses Mal ist es der Taglohner K. CH. M. und feine Ehefrau von Grünberg, die nach einer Schöffengerichtssitzung zu Grünberg eine andere Mitbewohnerin des Armenl-auses, die Ehefrau E. R. von da ein Spitzbubenmensch geheißen und sie des Diebstahls beschuldigt haben. Ter angcirctcne Wahrheitsbeweis mißlang voll- Üändig und c5 behalt bei der von dem Schöffengericht mit Rücksicht auf die ganze Umgebung ausgesprochene Geldstrafe von je 10 Mark fein Bewenden. <öcrid?tsiaaL Berlin, 2. Mai. Ter Schrinj.eller Georg Geißel, der in den Besitz eines Zettels gelangt war, dessen Inhalt er kompromittierend für die Darmstädter Dank hielt und mittels dessen er gegen den ehemaligen Vorstand der Bank, den Scadtältcsten und früheren Rcict-stagsvizepraiidcnim ftaem pf, hartnäckige Er- twessirngsoersuche unternommen hatte, wurde vorn Gericht zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurtellt. xustschissahrt. Ein merkwürdiger Unfall Paris, 8. Mai. Einer großen Gefahr »st gestern in Poujy der deutsche Flieger Lindpainlner wie durch ein Wunder entronnen. Auf einem für den Wettslug Paris—Rom— Turin bemnunien sehr fchnellen Sommereinbecker verließ er uni 6 Uljr bas olugfclö m Touzy und erreichte bereits um 8.30 Uhr die ftngevielOcr zu Chalons. lieber dem Flugplätze angenommen, begann er einen verwegen en Gleitflug aus loOu HJleier Höhe, ber prächtig zu gelingen schien. Noch etwa 80 Meter über Sein Erdboden, schlug der Eindecker plötzlich um und stürzte, sich mehrmals überschlagend, lracyend zu Boden. Zum Erstaunen aller Zuschauer Heuerte der kühne Flieger un- versebrl aus den Trümmern seines Apparates. Llerintscytes. ♦ Tas neue englische Königsszepter. Bei den bevorstehenden Krönungsfesllichkellen in L o n d o n wird zum ersten Mal das neue britische Königs,zeperl beim Zeremoniell eine Rolle spielen. Tieses S.nnbol der englischen ftönigswürde hat auch einen ungeheueren materiellen Wert, denn seinen Hauptschmuck bildet der größte Tiamant der Welt, der Stern von utriia oder der berühmte Eullinandiamant. ^as, unschätzbare Stück ist gegenwärtig in Lotidon im Tower ausgestellt; täglich besuchen Hunderte von Schauluscigen das sorgsam in einen Glaskasten gebettete und von einem ganzen SckmvmannSam'gebot bewachte Kleinod. Der Eullinandiamant würbe in Südairiüa bei Eiands Fontcin von einem GOmbriqcn Bergmann nach Schluß der Arbeitszeit zusällig gefunden. Der unvergleichliche Stein, der von tadelfreier Klarheit und seltenem Feuer ist, wog un Rohzustand nicht weniger als 3032 Karat. Südafrika überreichte diesen preislosen (Delftein bekanntlich als ein Zeichen der Lonali- tät König Eduard zum Angebinde, dem da- Juwel zu seinem 66. Geburtstag feierlich übergeben wurde König Eduard ließ den Cullinandiamanten in Amsterdam schienen unb verfügte, daß der „Stern von Afrika" bei allen tünmgen britischen KönigS- Irönungen seine Rolle spielen sollte. Er wurde als Hauptschmuck dem Zepter eingesetzt. Gegemvurlig wiegt der Stein 516> .> Karat und übertrifft damit alle bekannten Diamanten in Größe um ein Vielfaches. Vorher aalt der Orlosfdiamant des Zaren als der kost barste Edelstein der Welt: der Fürst Orlosf hatte diesen Diamanten von 193 Karat der Kaiserin Katharina geschenkt; er sckmückv heule das Zepter der rusfisä-cn Zare. ♦ Die Verbannung des Humpelrockes vom englischen Hofe. Aus London wird geschrieben: Tie bereits veröffentlichte Erklärung Lord Chamberlains, daß Humpclkleider bei Hoffestlichkeiten nicht erlaubt seien, hat in den beteiligten Kreisen lebhafte Aufregung hcrvorgerufen, und verschiedene Hofkostüme, die nach der neuen '.Node angefertigt wurden, müssen wieder um geändert ^werden. Dieser Er laß ist vor allem auf die Königin zuruckzusichren, da diese, wie schon mitgeteilt, den Humpelrock verabscheut und überhaupt gegen alle Extravaganzen in der Mode ist. Seit den letzten drei Monaten werden bei den hiesigen Tamen- schneidern enge Röcke überhaupt nur noch nach Bestellung gemacht und die englischen Schneider selbst werden froh jein, wenn diese Mooe der Vergessenheit angehören wird. * Gras Haeseler als Schulmeister. Ter Lchr.'r Schulz in Harnekop, dem Generastcldmarschall Grafen Hacscler gehörigen t'mic, :i"t zur Teilnahme au einem Turnkurftts am 14 Tage beurlaubt und die dortige Schule hätte nun währeno dieser Zeil geschlossen tverden müssen. Um diesem llcbdüanbe vorzubcugcn, hcu sich nun die greifc Exzellenz, bereu Zuneigung zur Jugenb ja bclannt ist, entschlossen, dm beurlaubten Lehrcr lclbst zu vertreten. Ter Fcldmaisel^all versammelt täglich dic Sdiuljugcnb in seinem Parte um sich, um sie mit großem Eifer und offenbarer Lust und Liebe währiuid einiger Stunden zu untcrrichtm. * Eine Millionärin verhungert. In Moskau ist die Fürstin Schach owski, eine bekannte Millionärin. Hungers gestorben. Sie bewohnte ein eigenes Haus und hatte seit 20 Jahren ihre Wohnung nicht verlassm. Nach ihrem Tode öffnete die Polizei das Siechezimmer, das in ent setzlichem Zustande gefunden wurde. Die Tote war in Lumpen gehüllt. Die Kleider warm ihr buchstäblich am Leibe verfault. Das Zimmer starrte vor Schmutz, faule Speisereste und Lappen lagen ringsum ausgchäust.• Handel. Köln, 2. Mai. In ocr heutigen Sitzung des Roheisenverbandes mit den Sieg erländer Werkm wurde eine Einigung nicht erzielt. Es sind in der Betelligungssrage noch sehr erheblick-e Schwierigkeiten zu überwinden. Die Verl-anbllmgen tollen nächste Woche forigesccht werden. Aachen, 2. Mai. In der heutigen Haupwcrsammlung der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zink fabrikation suhrte der Gmeratdirektor aus, daß die Lage des Zinkhüttmgeschäfts befriedigend sei, sowohl bezüglich des Preises als auch bezüglich der Nachfrage. Es hält schwer, so führte er aus, unsere Bleihütten mit den nötigen Mengm Bleierzen zu angemessmm Preism zu versorgen. Das Bleiwalzwerk und das Zinkwalzwerk, sowie der Erzbergbau habm ebenfalls zufriedenstellend gearbeitet. Markte. kc. Frankfurt a. M., 2. Alai. Heu- und Strohmarkt. Angeiahren warm 6 Wagen Heu unb 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,^0—8,00 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 0,00 bis 0,00 Alt., Wirrstroh 0,00—0,00 Alk. Alles iür öu Kilo. Geschäft flott. — Tie Zufuhren waren aus Oberhessen und den Kreisen Dieburg und Hanau. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf ber Witterung feit gestern früh: Das flache Hochdruckgebiet verlagert sich nach Osten, während das Tief über dein at.antischen Ozean sich weiter verstärkt; auf die Witterung Zentraleuropas übt eS jedoch zunächst noch keinen erheblichen Einfluß aus. Alorgen ist auf ber Vorderseite des Tiefdruckgebietes noch meist trockenes, etwas wärmeres Wetter zu erwarten. Weiteraussichten in Heilen am Donnerstag dem 4. Mai 1911: Meist heiter und trocken, mäßig warm, südliche Winde. Letzte Nachrichten. Turin, 2. Mar. 4^yne vorherige Ansage erschien der König um 81/2 Uhr vormittags in der deutschen SCb- teilung, um die Eiektrizitätshatte, die Maschinenhalle und die Eiienbcchnhalle zu besichtigen. Geh. Rat Buslay führte den König. London, 2. Mai' Der König sprach dem Lordmavor für die Uebermittlung der am 28. Aprll in der Guildhall gefaßten Entschließung zu Gunstm des englisch-amerikanischen Schiedsgerichtsvertrages seinen Dank aus. Er erklärte dabei, er sei erfreut über die Totümmtierung der Meinung, die oon den Venretern so verschieden gerichteter Anschauungen des religiösm, politischm und soztalm Lebens über die Frage von so holder und weitreichender Bebmtung einmütig zum Ausdruck gebracht wurde. Teheran, 2. Mai. Der Medschlis nahm nach längerer Aussprache dieenglischeBankanleihe an. Die Opposition kritisierte jeden einzelnen Artikel aus das hestigste. Das Programm über die Verwendung der Anleihe wird dem Hause später unterbreüet toerben. Es verlautet, daß gegenwärtig zwischm Rußland und Persien Verhandlungm über den Bau der Eisenbahn von Dschulsa nach Täbris schweben. Warum, mein Lieber, bist du verschnupft? BZ Mir kann so was gar Nicht vassieren. Erstens hab ich ein brtllameS Boibcugungsmittel, und zweitens weiß ich mir > schnell zu Hellen, wenn sich doch mal so eine Erkältung 6 einmiten will: ich nehme stets FapS ächte Sodener Mineral-Pastillen. 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