Donnerstag, 2. Mr; I9fl Rotationsdruck und Verlag der Drühllschen Universitäts-Buch- und Steinbruckcrei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^bl. Redattion-.^SIIL Tel.-2ldruAnreigerDießen. da? kleine .Handwerk den am wenigsten empfindlichen Wettbewerb. Tie Versuche nut der Uebectragung von Lieferungen an f I c t n t Handwerker sind durchaus befriedigend ausgefallen. (Beifall.) Wir sind gewillt, sic nach Möglichkeit zu beschäftigen, frei- lich nur innerhalb der un5 zu Gebote stehenden Mittel. Tw ^rage de? *2Ujg. Älbrcckl, weshalb keine Mittel int Etat sichen für die Errichtuna neuer Leklcidungöämtcc, bcaniworic idi mit dem Hinweis auf den EtatStitcl für das erste Armeekorps ui Königsberg und die Zusage dcS KriegSminifterS hinsichtlich der Errichtung eines Beklcidung-mntS für das 18. Armeekorps, das M. 52 Dritter Blatt ... MJahrgang trldjeml flgtK» mH SluSna^me bä Conntoel. AAA *** A-* AM Sie „«kirn« JatnUKnblMe." w«d-n dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, dal V I E | W ▼ ■ ▼ ■ „Erelsblatt für de» Kiels riehen" zweimal fr egen" erscheinen monaUich zweimal. General-Anzeiger für Oberheffen mb. Deutscher Reichstag. 188. Sitzung, Mittwoch, den 1. März. z Am Tische des BundcSratS: Frhr. v. Heering en. Präsident Graf Schwerin-Lowitz eröffnet die Satzung um 1 Uhr 16 Min. Der ITlllifflrefaf. (Siebenter Tag.) rrf Dr« Beratung wird bei der .Bekleidung und Au?- rüstung der Truppen" fortgesetzt. Line Resolution Wiedeberg (Zentr.) fordert bei der Vergebung von Lieferungen, namentlich von Bekleidungsstücken, Bc. rücksichtigung der Vcrcmigungen von Heimarbeitern und der Komitees, die Arbeiten an Heimarbeiter vermitteln. Eine Resolution Irl (Zentr.) verlangt die Berücksichtigung der selbständigen Handwerksmeister, der Handwerkergenossenschaften und Innungen. Abg. Pauly-Cochem (Zentr.) bittet, die Lohegerbereien mit Lieferungen zu bedenken. Sonst besteht die Gefahr, daß dieses Gewerbe gänzlich zu. gründe geht. Abg. Albrecht (Soz.). behauptet schwere Mißstände in den Bcklei d u n g 2 ä m! e r n. Die maßgebenden Persönlichkeiten, Offiziere, hältcii zum Teil keine Sachkenntnis. An der Spitze eines solchen Amtes brauche nicht em Stabsoffizier mit gegen tiOOO Mark zu stehen. Warum beftnbe sich im Etat kein Posten für die Umwandlung von Be» kleidungsämtcrn in solche nut Zivilhandwerkern? Das Klein- gewerbe kann die Arbeit gar nickt so einheitlich und exakt liefern wie die großen Betriebe. Der Redner spricht gegen die Gesang- nisarbeit und bezeichnet die Rede des Slbfl. Linz zugunsten tc5 Mittelstandes alü Handwerksfängcrci. Er befürwortet Petitionen der Arbeiter bei den BckleidungSämtcrn in Breslau und Leipzig und bemängelt die Arbeitsordnungen, durch die Sozialdemokraten ausgeschlopen werden. Was 'vt!cn solche Kindereien? Wir sind doch nicht ordnungSfeindlickl Wir haben ja erst Ordnung in die Geschickte hmcingebrackt! lHeiterkeit.) Den söge- nannten Arbeiteraukschüsscn bei der M-utärvertvaltung fehlt jede Bewegungsfreiheit, sie sind Zuchthau'-auSschusse, • Abg. Vogel (9M.)J schildert die Lotigkeit der Gerbervcreine, die zwischen Produzenten und Konsumenten eine ersprießliche Vermittlung auSüben. Der Redner sucht eine im vorig en Jahre gehaltene Rede seines Fral- tionSkollcgcn Wahl über diesen Gegenstand zu widerlegen. ■ Abg. Vogt-Hall (Wirtsch. Vgg.) begrüßt die Resolution Wiedcberg. Man hätte mit der Einrick- tung der Oekonomiehandwerker langsam brechen können, aber nicht den Heimarbeitern, die sich auf ihre Arbeit mit Maschinen usw. eingerichtet haben, plötzlich die Arbeit zu entziehen. Abg. Wahl (ML) erörtert bte Arbeitsmethode in den modernen Gerberei betrieben. Die Militärverwaltung müsse mit den Neuerungen mithaltcn. Die Gerbereivereine mit ihrer alten Eichenlohe. Methode arbeiten zu teuer. Die Behauptungen über die schlechte Haltbarkeit des in der modernen Schuellgerberei berge- stellten Sohlleders zeugte von absoluter Unkenntnis der Vcrhä rnssc. Der Kriegs mimst er hat in der Kommission erklärt, tic Militärverwaltung brauche die Industrie im Kriege und musie sie daher auch im Frieden leistungsfähig erhalten: das möge der Kricgömini'icr auch für die Gerberei-Industrie gelten lassene. Bei einer Mobilmachung sind die Gerbereivcreine auch nicht annähernd in der Lage, die Armee mit cichengegcröten Sohl- und Oberledern zu versorgen. Die Versuche der Militärverwaltung mit der neuen Methode sind nicht ausreichend, sie muffen fortgesetzt werden. __ . / Generalmajor Staabs: Da« beste Leder ist für un§ gerade gut genug. Dir haben bisher keine Ursache, von dem bisherigen altbewährten Leder» material aszugeben. Unsere Versuche sind durchaus cinwaudsfrei und grünbltdi, sie gehen bis ins Jahr 1904 zurück. Selbstverständlich haben wir die Pflicht, alle neuen Erscheinungen eingehend zu erproben. Der Kauf bei den Gcrbervereiniguuaen bat sich durchaus bewährt. Der General erwidert sodann auf die Ausführungen dcS Abg. Albrecht und wiederholt seine Erklärungen aus der Kommission. Die Inanspruchnahme der Strafanstalten durch die Bekleidimgsamter ist unumgänglich: mir so ist für den Kriegsfall die rechtzeitige Fertigstellung der Bekleidung gesichert. Die Beschäftigung der Strafanstalten mit (staa'eaufträgen bedeutet für noch keines hat. SBürttcmb. Militärbevollmächtigter General u. Dvrrcr erwidert auf eine Beschwerde des Abg. Mbrccht in bezug auf das Bckleidungsomt in Ludwigsburg. Es handel: sich um eine Arbeitercntlass » ng. Die Bestimmungen dort unter, scheiden sich in keinem Punkte von den auch sonst in der Armee erlassenen. Leute, die den Frieden zwischen den Arbeitern unb der Behörde stören, können wir natürlich nicht dulden. Ich wundere mich nur, daß die Herren dem Staat das natürliche Recht der Notwehr nicht geben wollen. Abg. Gans Edler zu Putlih (Kons.): Tie Einrichtung der BckleiduygSamtcr ist noch jung, aber die Erfahrungen berechtigen dock schon zu dem Urteil, daß wir mit der seinerzeitigen Anregung des Reick-rtagS, die den Anstoß gegeben bat, zufrieden fein können. Tic Qualität der Sacken ist bciicr als bei dem früheren System. Freilich stebt cs mit der Gcldiragc ändert; hätte der Reichstag die großen Kosten der Umwandlung voran: gesehen, so hätte er die Anregung wohl nicht gegeben. AVer für uns war und ist der Kernpunkt die Handwerker- frage, die Fürsorge für das kleine Handwerk. Mit dem weiteren Ausbau der Bcklcidur.gSämter sollte man indes nicht zu schnell Vorgehen. Abg. Sommer (23p.): Tie HcereSverwa'tung als einer der größten Arbeitpebci muß auf die berechtigten Wünsche der Handwerker Rücksicht nehmen. Auch wir sind der Meinung, daß man an die Stelle von Offizieren tüchtig ge'ckultc Kaufleute fcd.cn sollt-. Die Befürchtung, daß darunter die Interessen des Keinen Handwerks leiden könnten, teilen wir nicht. Auf dic finanziellen Mittel muß Rücksicht gc^ iwmmcn werden, daher darf der Ausbau nur langsam crfolgm. Abg. Tussner ($enfr.): Auck wir wünschen dieic finanziellen Rücksichten: der Ausbau muß im Einklang bleiben mit den laufenden Mitteln. Tas Wohlwollen der Sozialdemokraten für das Keine Handwerk ist ein sehr billiges. Tie Bezirkskommandos sollten allgemein dcn Reserve- und Landwehroiiiziereii, die im Privatberuf Fachleute sind, nahelegc-n, ihre Hebungen bei den Dehleidungsämteru zu machen. D:r Redner wendet sich sodann gegen die Ausführungen des Abg. Wehl. Die Bekleidungsämter haben mit dem Bezug des Leders durch die Gerbervereinigung durchaus gute Erfahrungen gemacht. Ter Redner erklärt, oft Bei der Lederabnahme zugegen gewesen zu fein unb cs sei in jedem Falle bei dec Abnahme sehr streng verfahren wordciu In den Gerbervereinigungen können sich auch die kleinen unb mittleren Hand- Werker an den Lieferungen an die Armee beteiligen. Das ist praktische H andwcrkerfreundlichkeit. Wir haben noch keine Erfahrungen» ob in dem scknellgegerbten Leder ein vollwertiger Ersatz für das Eichenlohe-Lcder gegeben ist. S?erc Wehl steht auch wohl allein in den Reihen seiner politischen Freunde. Auch unsere Forstwirtschaft bat ein großes Interesse an dieser Frage. Nicht nur da? Siegerland, sondern auch meine engere Heimat, das badische Hochland, der Schwarzwald brauchen den Rindenabsatz. Abg. Bohle (Soz) spricht tote vorher schon dec Abg. Albrecht über Arberterent- lassungen im Beklcidungsanit Straßburg und erbebt nochmal» Einspruch gegen die Entlaffuug sozialdemokratischer Arbeiter in Ludwigsburg. Kricgsminister V. Hceringen: Ick habe int vorigen Jahre die Bitte au-gespiocken, daß der eine ocer andere Abgeordnete sich einmal ein BeklcidungSamt selbst ansehen möge. Das ist geschehen, unb die erfreuliche Folge haben wir in der heutigen Rede des Abg. Herrn Tuffner. Ick werbe auch in Zukunft dafür sorgen, daß die Abgeordneten die Beklcidungsämler i'r"l'i'ck f nncn er ic;' An der Spiye der Bekleidungsämter können loir nur höhere Offiziere haben. Dir bringen sie verhältnismäßig jung hinein, sic werden ausgebildet, imb wir können obre Ucberhebuug sagen, sie tun voll ihre Schuldig' fei: auch in bezug auf die technischen Fragen. Die Straßburger Entlassungen waren notwendig, weil wir für die Laute keine Arsiei: mehr hatten. Es ist alles versucht ivordcn, dem BeUcidiingsamt an Arüei: zuzuschieben, ma-5 uut irgend möglich war. Enliasic- wurde!: mit unverheiratete Arbeiter, die für keine Angehörigen zu sorgen hatte,!, mit Verlängerter Kündigungsfrist. Für die Be« kleibungsämter gilt dieselbc Arbeitsordnui^ wie für alle anderen militärischen Beiriobe. Arbeiter, die eine sozialdemokratische Gesinnung betätigen, müssen entlassen locrden. Dar bedarf feiner lveitercn Begründung. Die nationalen Parteien werden mir Recht geben. Der ÄriegSmimjcer stellt eine vor- jährige Behauptung des Abgeordneten Bohle richtm. Herr Bohle batte behauptet, im Belleidungsamt vsiraijUurg beftcoc eine Strcn'abteiIun-7. und batic eine Protesterklärung bet bärtigen Arbeiter als von ‘Beamten unb Offizieren ctsroungcn InngesieU: und von skandalösem Mißbrauch der Dienstgewalt gesproöieu. Ick habe inimtrtclbar darauf eine gerichtliche Untersuchung gegen Unbekannt cir.leiten lasten wegen MißbrauckS der Dienstgewalt und Nötigung. Die Untersuchung wurde eingestellt, tveil durch die Gl- mltt.'un^.n und bcsondrns die beschworenen Aussagen aller in Be- krack: i.inntenben Persönlichkeiten, vor allem des Vorarbeiters und detz :Vrjc;icr5 der Gruppe, erwiesen wurde, daß die Unterzeick- ir.tng des Protestes ganz sreiwillig erfolgt war. Die Behaupiung des Herrn Bohle ist also unrichtig. (Beifall.) Zlbg. Wiedrbcrg (Zcntr.): ES ist dankbar anzuerkennen, daß die Heeresverwaltung den Heimarbeitern bereits viele Aufträge zugewiesen hat. Auf diesem Dege muß sie aber auch weitere Fortschritte machen. Ein Schlußantrag zum Kapitel der Bekleidungsämter wird angenommen. Tie Resolutionen Dicdeberg und Irl werden angenommen. Abg. Kölle (Wirtsch. 23g.)' bittet um Garnisonen für Clausthal und Zellerfeld. (2Wg. Tr. Dsüller-Meiningen (Bp.) ruft: Seine Wahlkreis- rede!) 216g. Werner (M-f.) erneuert den Zuruf des Abg. Müller- Meiningen, -indem er für Hcr § seld und Rotenburg Garnisonen verlangt. Tie Abgg. Werner (Ref) unb Will (Zentr.') befürworten die Dünsche der Maschinisten in der Garnisonvcrwallung. Abg. Irl (Zentr.) _ wünscht, unter Bezugnahme auf einen besonderen Graubenzer Ioll brr Vergebung von Anstreicherarbeiten, bei dec Feststellung der N e t t op r e i s e dic Zuziehung von Sachverständigen. ES dürfe den Handwerksmeistern nicht verwehrt werden, die Arbeiten gemeinsam zu kalkulieren, falls cS nicht geschieht, um die Behörde zu übervorteilen. 2I6(i. Dr. Weber (Natl.)'s bespricht die in der Kommiiiion schon behandelte Angelegenheit der Kantine auf dem Schießplatz i n A r h S; der Kantinenwirt hat einen Großbetrieb, durch den sich die Geschäftsleute in ArhS geschädigt fühlen. Es müsse möglich sein, solche Monopolstellungen zu verhindern und die Geschäftsleute der Gegend mehr heranzuziehen. Abg. Tr. Will (elf. Zentr.) wünscht, unicr Bezugnahme auf dic Verhältnisse int RelchSland, daß die Schießübungen möglichst nicht in der Zeit der Feldbestek- lung unb Ernte, sondern im Winter vorgenommen werden. Generalmajor Staabs: Die Schießübungen durchweg im Winter siattfindeu zu laflen, ist nicht möglich. Abg. Dr. Becker (Köln, Zentr.): Im Rheinland, dessen Pferdezucht durch zielbewußteS Streben einen ungeahnten Aufschwung genommen bat, beschwert man sich darüber, daß die Remontckommissionen zum großen TeU aus Belgien importierte Pferde anfaufeit. Abg Dr. Weber (Natl.): Der Darmstädter Fall bat dock gezeigt, daß mit den Krümper- Pferden großer Mißbrauch getrieben wird. Wir bitten um strenge Vorschriften und ihre Beachtung. Weiterbcratung: Donnerstag 1 Uhr. Schluß 7 Uhr. -x " s Aur dem Reichrversicherungsaurschutz. Berlin, 1. März. Der Reichsversichernngsmrsschnß setzte heute die Beratung über den Einigungsantrag zum tz 3a6 über die Anstellung der Bean:ten in b_en Krankenkassen fort. Der Wortführer der Sozialdemokraten 6leibt dabei, daß man ein Ausnahmeoesetz gegen die Arbeiter schaffen wolle. Er gibt, wie cs schon gesternt geschehen war, zu, daß Mißstände vorgekommen seien, aber sie hingen nicht mit den Ansteltuirgsvertragen zusammen. Das viel erörterte Vertragvformular sei beseitigt, und allmählich wurden die aus Grund desselben gejchloifenen Verträge verschwinden. Unlautere Absichten seien jcbeitfalI-3 mit dem Formulare nicht verfolgt worden: auch von nicht sozialdemokraüscheu Vorständen feien Verträge^auf dieser Grundlage abgeschlossen. Bei den Berufsgenossenschaften drücke die Aufsichtsbehörde beide Llugen zu. Ter Regierungsvertreter hält dem soziaidentotratlschen Redner entgegen, daß die Sozialdemokraten früher das Vorhandensein des Fortnuiars und entsprechender Verträge bestritten hätten. Er weist an einzelnen Fällen nach, daß bte sozialdemokratischen Beamten mit ihrer Stellung Mißbrauch getrieben haben. Die Beamten selber klagten über die Anstellung ungeeigneter Personen. Von Zentrumsseite wird die Mögltchkeit zugegeben, daß bei den massenhaften Verträgen auck) einmal ein ungeeigneter von nicht- sozialdemokr. »eite abgeschlossen worden ]ci; das sei aber in jedem. Falle zu verurteilen. Ter bisherige, den Sozialdemokraten fast allein zugute kommende Zustand sei unhaltbar. Vor allem müsse eine ge.unde, gemeinsame Arbeit von "Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei der Führung und Förderung der Kajsentärigleir jichergestellt werden. Ter Vertreter der W i r r s ch a s l l i ch e n Vereinigung kann in der geplanten Abänderung der bisherigen L>.siim- mungen kein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter oder die Sozialdemokratie erkenne:'. Es handle sich lediglich um Beseitigung offenbarer Mißstände, hervvrgerufen durch ewi- fertige parteipolitische Lrgitation und Bedrückung: Ter Dortfichrer der Fortschrittspartei erklärt die bisherige Einflußtofigteit der Arbeitgeber in der Kassenver -1 toaltung für den erheblichsten Mißstand; hier müsse im, Interesse der Kassen Wandlung geschossen werden.^ Die Sozialdemokratie stabe gar feine Berechtigung, bte Tätigkeit der Arbeitgeber herunterzureißen; wo sie selbst die Rolle des Arbeitgebers inne habe, sei sie keineswegs besser, sondern erheblich schlechter gewesen als die von ihr befehdeten Arbeitgeber. Ter Redner rechtfertigt die zustimmende Erklärung seiner Freunde zu dem § 356 in der ersten Lesung. Dagegen sei der Zwischensatz in dem Einigungsantrag über die unparteiische Wahrneh- m u n g d e r D i e n st a e s ch ä f t e für ihn nnd seine Freunde u n a n n c h m b a r. Seine Freunde seien auch nicht in der Lage, sich für die Bestimmung über die sofortige Entlassung der Beamten zu erklären, so lange nicht eine eingehendere Begründung hierfür gegeben werde. Es dürfe auch fein Unterschied gemacht werden zwischen Orts- und Betriebs- krankentassen und es müsse weiter verhindert werden, baß irgendein Zwang auf die Beamten ausgeübt toerbe. Ter Vertreter ber Reichspartei betont nochmals, daß bic Sozialbemvkrarie selbst bie Urheberin der Eini- gungeanträge fei Ter Sprecher ber Konservativen weist bic Haltlosigkeit bcs von ben Sozialdemokraten erhobenen Vorwurfs einer Entrechtung der Arbeiter noch einmal nach und legt Verwahrung ein gegen die von ben Sozialdemokraten geforderte grundsätzliche Ausschließung von Militäranwärtern bei ber Anstellung von Kassenbeamten. Ein anberes konicrvatives Mitglteb betont, baß auch anbere Verträge, burch bie angestellten Kassenbeamten viel zu hohe Bezüge ge,ichert würben, in gleicher Weise reformiert werben müßten. Tic Angestellten öer Krankenkassen müßten bei ihrer politischen und tri- Aschen Betätigung die nämlichen Grenzen innehalten, wie alle anderen öffentlichen Beamten: sic dürfe in keinem Falle das Vertrauen ber Arbeitgeber sowie ber Kassem- inügtieber erschüttern. Tie Aussprache hierüber wird am Donnerstag fort- I gesetzt. 2!iis Stadt nnd Land. Gießen, 2. März 1911. — Hilssverein für GcistcSkranke in Hessen. Am TienStag den 7. März 1911, nachmittags J/24 Uhr, findet in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten eine Versammlung der obcrhessischen Vertrauensmänner des HilsSvercins für bie Geisteskranken in Hessen statt. Dabei werden Vorträge halten: Professor Sommer: 'Sie Zusammenhänge von Säuglings-, Krüppel- und Jdioten- fütforge", unb Professor Tanne mann: „Die neue Irrenanstalt bei Gießen'. Gaste sind willkommen, jedoch wird wegen der Platzverhaltnisie um vorherige Anmeldung bei der Verwaltung der Klinik gebeten. Koche mit GaS. Wie auS dem Inseratenteil ersichtlich ist, veranstaltet die Gasanstalt vom 14. bis 16. März in „StemS Garten" ein Schaukochen, wobei den Damen gezeigt wird, mit wie wenig Gas auf einem modernen Gasherd gekocht werden kann. Es werden Mahlzeiten für 5 Personen auf einem Junker & Ruh-Herd mit Doppelsparbrennern hergcslellt. 2lußerbern werden die schönsten Braten auf einem neu konstruierten Grill zubereitet, wobei ber Braten im Gewichte nichts verliert unb an Schmackhastig, feit alles übertrifft. Wir können den Damen empfehlen, sich an Ort unb Stelle hiervon zu überzeugen; die zubereiteten Speisen werben ben Anwesenben als Kostproben serviert. "Stadttheater. Für dic „Faust"-2luff ührunsg en am SamStag unb Sonntag abenb gibt sich ein lebhaftes Interesse kunb. Dagegen scheint zu wenig bekannt zu sein, daß bie Sonntag-Nachinittag-Vorstellung deZ Lustspieles „Der Vetter" bei Volkspreisen stattsinbet. Das liedenswürbrge Lustspiel, das an vielen Theatern auch unter dem Titel ,Tcr Allerwettsvi'tter" gegeben roirb, hat hier jüngst in einer Biebcrineier.2luSstellung an Kostümen unb Dekorationen ganz außerordentlichen Beifall gesunden. DaZ drciaklige Stück spielt etwa 2 Stunden. Continental - Caoutchouc - und versehen- In weniger al? zwei Minuten gestattet ?ie selbst dem Laien die Auswechslung eines Reifens. 1 " — ■ Spezialliste zu Diensten. 11 1 ■ Continental Felge z Soll Ihr Auto stets rechtzeitig sein Ziel erreichen, und wollen Sie sich unnötige Kraftanstrengung bei der Reifenmontage ersparen, so lassen Sie Ihr Fahrzeug mit $ abnehmbarer IZI Remscheid Grösste und bedeutendste Spezialfabrik für Gas-Badeöfen. Verkauf nur durch die Installationsgeschäfte. — Kataloge kostenlos. Job. Vaillant ° " Vaillant’s Wand-Gas-Badeöfen ,Geyser‘ u. automat. Heisswasserapparate . yj DA ’M&V dSh SM o 0 o. \e ' V 3' «andrrets ®teßetiN eh. Ettingshausen bei Lich, 1. März. Die hiesige Gemeinde hat aus ihren Holzverkäufen ca. 28 000 Mk. erlöst. Zur Verteilung an die Ortsbürger kommen je 15 Mk. Gemeindesteuern werden mit Ausnahme von Wassergeld nicht erhoben. Kreis Alsfeld. § Aus bcm Ohmtal, 1. MÄH. Ftt Seit Wies en - gründen des Ohnitales bildeten die Üanfwege der Mäuse ein unübersehbares Netz. In die Kreuz und Quer liefen die durchsressenen Mäusepfrüre, einen eigentümlichen .Anblick gewährend. Nun sind die Talwiesen schon fast zwei Wochen mit Hochwasser durchflutet. Alle Mäuseherbergen sind mit Wasser angefüllt. Was von den Mäusen nicht floh, mutzte ertrinken. Auch im Felde setzten die Gewässer der Mäuseschar zu. Nur in den Chaussee- b an kett en blieben die Mäuse erhalten. Hierin ist ihre eigentliche Hochburg. Unzählige Löcher in den Banketten verraten die Stärke des hier hausenden Mäuseheeres. Die Löcher aber nicht allein, sondern auch die allzeit sichtbaren Mäuse an den Straßen. An diesen Banketten, die immerhin eine begrenzte Angrifssstclle darstellen, müßte unbedingt eine Vertilgung der Mäuse stattsinden, sei es durch Vergiftung oder durch Ansteckung, andernfalls wird von den -Chausseebanketten aus die Verbreitung der Mäuseplage wieder aufs neue einsetzen. — Wettsaasen, 1. März. Unsere Gemcindcvertre- tung beschloß die Erbauung eines neuen Schulhauses. Das alte Schulhaus soll verkauft werden. Die Platzfrage für den Neubau ist noch nicht erledigt. Man wählte hierfür den Langohrschen Garten, eine vortreffliche Stelle, aus, allein der Besitzer will sich vorderhand nicht zum Verkaufe des Geländes verstehen. (-) Atzenhain, 28. Febr. Schwierigkeiten im Schulhausneubau, der hier schon im vortgen Jähre beschlossen war, entstanden durch die eigentliche Platzfrage. Die Baustelle, auf die das neue Schulgebäude kommen soll, war bereits festgelegt worden. Damit waren aber verschiedene Gemeinde mit Flieder nicht einverstanden; sie machten ihre Einwände beim .Krcisamt geltend. Diesem ist es fetzt gelungen, eine Einigung zu erzielen und dem Schirlhausneu bau die zweckdienlichste Stelle anzuweisen. Kreis Lauterbach. = AngcrZbach, 1. März. Der Gesangverein „Frohsinn" veranstaltete gestern abend in der Wirtschaft von Adrian Möller hier eine wohlgelungene Theatervorstellung, nachdem für die Angehörigen des Vereins schon am SamStag abend eine Vorstellung oorausgegangen war. Die unter Leitung des Vereinsoirigenten, Lehrer Sauerwein von hier, eingeübten Theaterstücke wurden so gespielt, wie man es unter ländlichen Verhältnissen wohl nicht besser verlangen kann. Der stürmische Beifall, der den Darstellern nach jedem Stück zuteil wurde, zeigte, daß das Publikum mit den Leistungen sehr zufrieden war. Schade, daß sich der Saal für eine solche Vorstellung als viel zu klein erwies. Immerhin kann der Verein auf seine Leistungen und seinen tüchtigen Dirigenten stolz sein, der sich das Unternehmen sehr angelegen sein ließ. Kreis Wetzlar. = Krofdorf, 1. März. Der Schützenverein Krofdorf beschloß, am 2. Juli ein größeres Preis- schießen, verbunden mit einer Festlichkeit, zu veranstalten. Zu der Festlichkeit sollen alle befreundeten Schützenvereine der Umgegend, sowie alle hiesigen Vereine eingeladen werden. Hessen-Nassau. w Frankfurt a. M., 1. März. Wie der Polizei- bericht meldet, schoß ein in der Mainzer Landstraße wohnHafter Kaufmann in der vergangenen Nacht in der Friedberger Landstraße auf die Passanten. Eine Person wurde hierbei schwer, eine andere leicht verletzt. Der Täter.wurde festgenommen. w Wiesbaden, 1.März. In einem hiesigen Gasthof erschoß sich gestern abend die Kellnerin Auguste Luc art aus Dotzheim. Das Motiv zur Tat ist Liebeskummer. vermischter. , * Berliner Dialektscherze. In den Briesen Otto Erich Hartlebens an seine Freunde, von denen jetzt wieder ein neues Schock veröfscntlickü wird, findet sich auch die folgende vertrauliche Zuschrsit an Arno Holz, der in dem naturalistischen Drama „Familie Selicke" bekanntlich zuerst den Berliner Dialekt in phonetischer Reinkultur auf die Bühne gebracht hatte. ,^Zch weitz", schreibt Hartleben, „daß du dich für den Berliner Dialekt interessierst, ich weiß auch, daß dir das deutsche Drama nahe liegt — aber ob du schon einen berlinischen Satz mit Drama bilden kannst? Das weiß td; nicht. Aber ich kann es: Emil drama die Stiebeln zum Schuster. In diesem Sinne! Dein Otto Erich." Das ist schlimm genug. Aber noch etwas schlimmer ist die Zumutung, einen berlinischen Satz zu bilden, in dem die Worte „Kaviar" und „Kasimir" Vorkommen. Die Lösung lautet nämlich: „'ck haw' jar teene Zähne mehr, 'ck ha' sie mir alle ausziehen lassen." — Verfasser unbekannt. Kleine Cagrschronik. In Charlottenburger schoß der aus Wien stammende Schneider Zompla in seiner Wohnung seine Braut, die Wüwe Nejebze aus Wien, und dann sich selbch. Der Grund zur Tat ist unbekannt. Am 1. März ist der Personenzug 253 zwischen Schenkenzell und Schiltach infolge eines Felssturzes entgleist. Die Lokomotive ist umgestürzt, doch ist niemand verletzt worden. Die BetriÄsstörung auf der Kinzigtalbahn wird voraussichtlich bis heute abend andauern. In Saint Etienne stürzten vier zumeist von Arbeiter bewohnte Häuser ein; zwei Personen wurden getötet, eine schwer verletzt. Handel. Berlin. 1. März. Nach Mitteilung der Diskonto- g e sell s ch a ft werden die neu auszugebenden 30 Millionen Diskonto-Kommandit-Anteile mit halber Dividendenberechtigung für das Jahr 1911 von einem unter Führung des Hauses S. Bleichröder stehenden Konsortium mit der Maßgabe übernommen, daß 2500000 Mark zum lieber» nahmskurs zur Abfindung der früheren Inhaber der Firma Bamberger u. Co. in M ainz zu verwenden sind, während restliche 27 500 000 Mark von dem Konsortium zum Kurse von 166,50 Proz. gezeichnet werden. Das Konsortium übernimmt hierbei die Ver- vflichtung, alle durch die Kapitalserhöhung und durch die Ausgabe der neuen Anteile entstehenden Spesen bis zum Höchistbetrage von 2 Millionen Mark zu tragen und 18 888 000 der neuen Anteile den alten Kommanditisten, und 277 200 Mark den früheren Inhabern der Firma Bamberger u. Co. dergestalt zum Bezüge anzubieten, daß auf je nominal 10 800 Mark alte Anteile ein neuer Anteil zum Kurs vlon 172 Proz. bezogen werden kann. Die Einzahlungen sind wie folgt zu leisten: 25 Proz. zuzüglich des Agios am 26. Apvil, 50 Proz. am 26. Juni, und 25 Prozent am 16. September. Märkte. L. Friedberg, 1. März. Der heutige Schweine markt, der erste in diesem Jahre, war mit Ferkeln gut befahren, doch dursten nur Tiere aus dem Kreise Friedberg aufgetrieben werden und selbst solche von Händlern waren ausgeichlosscn. Zum Teil schöne Ware hatte man zu Markte gebracht, namentlich Tiere aus größeren Schwemezüchtereien. Biele Käufer waren erschienen, dennoch war der Handel nicht flott, da die Zeit zum Einlegen etwas früh ist, dann fehlten auch die Händler, welche einem Markte ein lebhaftes Gepräge geben. Auch btc Preise waren hoch. Ganz kleine Tiere kamen das Paar 25 Mk., größere 40—60 Alk. ohne das übliche Trinkgeld. Schon gegen Mittag war der Markt aufgeräumt. Der Krämermarkt war ohne jede Bedeutung und schon um 4 Uhr zu Ende. Ten 9lad)mittag sand im Hotel Trapp die Ziehung der P f e r d e l 011 e r i e statt. Die Lose ivaren bei den hiesigen Händlern vergripen. Der Markt selber war mtt Sterben gut beschickt, namentlich standen in den städtischen Ställen kräftige Arbeitspferde. Auch der Handel war lebhaft, obgleich man auch hier über die sehr hohen Preise klagte. F.C. Wiesbaden. Biehhos-Marltbericht vom 1. März. Austrieb: Rinder 39 (Schscu 24, Kühe 15, Bullen 0), Kälber 242, Schafe 31, Schweine 402. Tendenz: Nmder, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig, Preis Durch- pro 100 Pfd. schnillspreis Lebend' schlacht pt0 100 Pfund _ ntroto). ^cbenb» S4(a4ju O chs en. von-vrSvon-blS Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 48—50 87—91 49 89 Junge, fleischige, nicht ausgemäslete imb ältere ausgemästete .... . 44—46 83—84 45 83 Ungejochte ...... 47—48 85—88 47 dtz Bullen. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes........ 45-47 82—84 46 83 Vollfleischige, jüngere 40—44 75—80 42 77 öar 1 en, Kühe. Vollfleischige ausgemästete Zärsen höchst. Schlachtwertes ........ 45—49 82—86 47 84 VoUstelichlge ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Zähren. . 39—42 76—76 40 75 Sichere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte lüngereKühe u. Färsen 35—38 70—73 36 71 Mäßig genährte Kühe nnb Färsen . . 30—34 66 —68 32 67 Halber. feinste Mastlälber 63-65 105-108 64 106 Mittlere Mast- und beste Saugkälber . 57—63 95-106 60 100 Ecrmgere Mast- und gute Saugkälber 53—56 89— 93 54 91 Schale. Weidemastschase 42-00 84—00 48 84 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 47—48 60—62 47 61 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 47—48 60—62 47 61 Vollfleischige Schweine über 2'/, Zentner Lebendgewicht . ...... 45—46 58—59 45 58 Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 46—47 59—60 46 59 Limburg a. d. Lahn, L März. Fruch tmcrrkt. Durchschnittspreis pro Malter. iNoter Weizen (nassauischer) 16,50 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorte) 16,00 Mk^ Rom 11,60 Alk., Gerste: Futtergerste 0,00 Alk., Braugerste u0,00 Alk., Hafer Alk. 7,60 Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 6,00—7,00 Alk. Meteorologische Beobachtungen der Station Stehen. Wetter 1911 s zj 1 w •3 do c __ sS r 1. 2" 1. b“l 2.1 Höchs Dliebri Ai 748,3 «54,2 .54,9 e Tein gite rderschl 7,1 4,0 ... jerotur 2g: = 5,2 69 5,4 88 4,7 82 am 28. Fe „ 28. 0,5 mm. W W SW >ruar er 4 2 2 is : V 6 3 10 . Mär- V Sonnenschein Bew. Himmel Aed. Himmel = +9,4’0. =™ -j- 3^> 0, (*. Menn ©berg’, Zürich Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! (D*/i Sanatorium Lindenfels zwischen Darmstadt—Heidelberg, 400 m hoch herrl. gelegen, (ss”/11