161. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 97 scheint tL-llch mit Ausnahme des Sonntags. mer Straße 86, hier. Tie „Gießener KamMenblStte^ werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Urei,blatt für den Breis Gießen" zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftliche« Seil» fragen" erfcheinen monatlich zweimal. wählten Ausschuß an der Spitze. Das Kapital ist in größeren ober kleineren Anteilen in den Händen des Personals selbst. Der „Louvre" dagegen vertritt das rein kapitalistische Unternehmer syslern. Der „Printemps" hat eine gemischte Verfassung. Mittwoch, 26. April 1911 -Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'schen Universität» - Buch- und Eteindruckerei. 9L Lange, Gießen. Aus KtttSt und Land. Gießen, 26. April 1911. * T i e ältesten Zeitungsanzeigen. Während all» gemein angenommen wird, daß der englische Erwerbsgeist damit angesangen hat, die periodisch erscheinenden Zeitungen .;u An zeigen zu benutzen, nimmt die chinesische Zeitung „KinPana", die nebenbei gesagt, auch die älteste Zeitung der Welt tu, für sich den Vorzug in Anspruch, als erste in ihren Spalten be zahlte Inserate ausgenommen zu haben. Dieses offizielle Mic gierungsblatt des chinesischen Reiches, dessen Titel „Kln-Pana" in wörtlicher Ueberjctzung „Vater der Presse der Welt" lautet, geht in seinem Ursprung bis aus das Jahr 989 n. Ehr. zurück, begann im Jahre 1361 wöchentlich zu erscheinen, tommt, seit 1800 täglich heraus und begann von 1457 an im Anschluß an seinen Handelsteil bezahlte Anzeigen auszunehmen. Tie nächsten nach ihnen sind allerdings Die Engländer. Einige aus dem Jahre 1588 stammende Zeirungsnummern des English mercurv enthalten Anzeigen von eben erschienenen Büchern, deren dem Zeitgeschmack huldigende Titel einen recht absonderlichen Wortlaut, wie „Seufzer aus der Hölle" oder „Tie erschrecklichen Greueltaten des grausen Menschenschläck)ters Tonnerlan in Persien", haben. Die erste seit 1622 regelmäßig erscheinende eng lische Zeüung „Weekly News" nahm anfänglich gar keine Inserate auf; diese wurden erst um die Mitte beeil'/. Jahrhunderts häufiger. Tie schon damals stark entwickelte Jagdleidenschaft der Engländer brachte es mit sich, daß es 'ich bei Den Anzeigen vielfach um verloren gegangene kostbare Hunde handelte, wobei die Meute König Karls II., des 1660 auf den Thron gerufenen Stuarts, den Vorzug der Einrückung an hervorragender Stelle besaß. So heißt es in einer Zeitungsnummer aus dem 3abr. 1663 „wir müssen wieder nach einem schwarzen Zagdhuno, einer Pttcuzung zwischen Windspiel und Wachtelhund fragen, ohne Ab zeichen außer ein an weißen Streifen auf der Brust und mäßig ge stutzt em Schwänze, der dem König sicher gestohlen ist, da er nid): in England geboren und großgczogen ist, feinen Herrn also nie freiwillig verlassen würde. Warum hört man Denn nie auf, die Majestät zu bestehlen? Der König muß sich dock einen Hund halten!" Schon in Den ersten Zeilen des Anzeigenwesens tauchen auch, breiten Rmim einnehmend, die prahlerischen Anzeigen von Geheimmittelschwindlcm und Kurvmschcr.c auf, denen sich Zauberkünstler, Athleten und Boxer würdig anschließen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion. 112. Teb-AbrsAnzeigerDießen. Au; dem hessischen Zinanzaurfchuh. R.B. D arm st ad 1,25. April. Die deuische Strafrechtsreform. Ter „Reick»s- und Staatsanzeiger" gibt aus den bisherigen Beschlüssen deL am 4. April im Reichsjustizamt znsammengc- tretciien S tr a f r e ch t s a us s ch uß folgende Beschlüsse zu den 1 bis 12 bekannt: Tie Dreiteilung der strafbaren Handlungen in Verbrechen, Vergehen und Ucbertretungcn soll beibehalten werden. Die zeitliche und räumliche Geltung des Strafgesetzes will der Ausschutz im wesentlichen nach den Vorschlägen des Borentwurfs, jedoch mit verschiedenen Ergänzungen regeln. Beim Wechsel der L-trafgesttz- gebung soll grundsätzlich das dem Täter günstigste Gesetz an- geroenbet werden. Für bas Einführungsgesetz sinb gewisse lieber» leilungsbeslimmungen Vorbehalten, insbesonbere über bie Aenbe- rungen im Strasvollzug. An bem Territorialprinziv bes § 3 des Vorentwurss ist festgehalten. Dabei sind bie beutschen Schutzgebiete und Konsulargerickstsbezirle ausdrücklich bem Inland gleichgestellt. Als Zeit ber Begehung soll bie Zeit anzusehen sein, zu bet bet Handelnde tätig gewesen ist, als Crt ber Begehung bagegen jeber Ort, wo ber Tatbestand der strafbaren Hanblung ganz ober teilweise sich verwirklichte. Die Bestimmung im internationalen Strafrecht, baß strafbare Hanblungen eines Deutschen im Auslanbe im Inlanbe auch dann verfolgbar sind, wenn bie Tat nach bem am Begehungsort gclteubcn Recht straflos ist, lehnt ber Ausschuß ab, bagegen stimmte er den Vorschlägen hinsichtlich ber W e l t v e r b r e ch e n zu, b. h. öer Delikte, bie ohne Rücksicht aus bie Staatsangehörigkeit des Der Halfer in Korfu. Achilleion, 25. April. Ter Maijcr besichtigte das Linienschiff „Erzherzog Franz Ferdinand" ein gehend und sprach sich ancrleiMicnb über bin Zustand b.s Schiffes, namentlich über bie Uebcrfichtlichkcst des gaitg.it Baues unb die Klarheit der Decke aus. Er brückte seine Anerkeilnung baburd) aus, daß er noch ben ersten Offizin, Korvettenkapitän Graf (So lorebo mit bem Roleit Ablerorben 3. Klasse bedachte. ^Noch vom Flaggschiff aus telegraphierte der Kaiser an Kaiser Franz Josef die Freude anssprechend, Gelegenheit gehabt zu haben, seine Schisse zu sehen. Korfu, 25. April. DaZ österreichisch-ungarische Geschwader hat heute nachmittag Korsu verlassen. Lin preuhischcr Eisenbahnanleihegesetz, das dem preuß. Abgeordnetenhaus zugegangen ist, fordert insgesamt die Summe von 263 376 000 2)1 L Im einzelnen werden gefordert zur Herstellung weiterer Ge- eise auf bestehenden Strecken28410000 Mk., zum Bau von 4 neuenHaupteisenbahne n(Witten-West nach einem geeigneten Punkte der Bahnstrecke Schwelm- Barmen—Rittcrshausen, von Mors nach Geldern, von Wiesenburg nach Roßlau, von Nienburg a. Weser nach Minden i. W.) die Summe von 51864000 Mk. Für den Bau von Nebenbahnen wird eine Summe von 46 493000 Mark gefordert und zwar für folgende Nebenbahnen (Bartenstein—Heilsberg, Mogiliw—Orchheim, Tarnowch—Mi- tultschuy, Flatow—Deutsch-Krone—Zastrow, Torgau—Belgern, Mansfeld-Wippra, Uclzen—Tannenberg, Eichenberg— Velmeden, Meinerzhagen—Olge, Polch—Münstermaiseld. Zur Beschaffung von Fahrzeugen für diese Strecke fordert der Entwurf die Summe von 818o000 Mark. Zur Errichtung elektrischer Zugförderung werden 27 330 000 Mk. gefordert (für die Strecke Magdeburg—Bitterfeld 17 430 000 Mk., für die schlejischcn Gebirgsstrecken Lauban—Dittersbach—Konigszclt mit ihren Zweigstrecken Hirschberg—Grünthal—Schmiedeberg, Ruhbank—Licbau, Nicdcrsalzbrunn—Halbstadt 9 900 000 Mart). Ferner fordert der Entwurf 3 500 000 Mk. für den Ausbau der Nebenbahn Posen—Schneidemühl zur Hauptbahn, 4 530 000 Mk. für den Bau einer rechtsrheinischen Eisenbahnverbindung zwischen Mülheim a. Rh. und Kall-Süd bei Köln an Stelle der aufzugebenden Schifsvrückenlinie und 5 048 000 Mark zur Deckung von Mehrkosten für bereits genehmigte Bauausführungen. 82 Millionen Mark werden gefordert zur Beschaffung von Fahrzeugen für die bestehenden Staats- bahncn unb 6 Millionen Marl zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen. Zur Herstellung eines weiteren Geleises auf der Strecke Friedrichsdorf int Taunus — Friedberg-Hessen werden 3 0.8 000 Mk. gefordert. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Gderhesien Wölfersheim sich bereits eine Brikettfabrik befinde und andere am Main und in der Nähe von Kassel, die der staat- ichen Grube Hessens eine lebhafte Konkurrenz bereiten dürften. Die Beratung über diese Vorlage wurde gegen 2 Uhr abgebrochen und soll morgen vormittag fortgesetzt werden. parifer Warenhäuser. W. Paris, im April. Die Weltausstellung 1920 wird anscheinend nicht zustande kommen unb bie Pariser atmen auf. Nickst einmal bie Gasthaus- bejitzer wollen von der neuen Weltkirmes etwas roinen. An bie Stelle einer allgemeinen Weltausstellung sollen^ internationale Au'stellnngen für bestimmte Gebiete ber Kunst, Technik, Wistcn- sck.aft treten. Eine Ausstellung für Kunstgewerbe und dekorative Kunst soll 1914 ober 1915 ben Anfang machen. Wir halten auch dies Unternehmen für überflüsfig, denn Paris ist so wie w eine staubige Weltausstellung. Alles, nxts überflusttg ift, ist,auch deshalb schon schädlich. Fede internationale Ausstellung nimmt dem Paris, Das wir lieben, etwas von seinem einzigartigen Reiz, xie Boulevards, die Avenue de I’Dpera, die Rue de la Paix find Ausstellung genug. Zn jedem Schaufenster können wir tranzostiche Kunst und Kunstgewerbe studiereii. Dazu kommt aber, batz Paris in seinen großen Warenhäusern fortwährend AusstcUungspalastc ausweist, bie auch ben verwöhntesten Gefchmack befriebigen. -tu Magazine ber deutschen Großstädte mögen praktischer angelegt, moberner, kolossaler sein. Es fehlt ihnen aber, wie so vielen Stabten bes amerikanisierten Neudeutschlanb, bie Geschichte, bie Überlieferung. ~ m _ .... Die Pariser Galerien sinb ein Stück Pariser Kunstgeschichte. Wie hübsch sind schon bie Namen. Nehmen wir B. die „Belle Jordiniere". Sie ist schon eine alte Dame, Denn sie stammt aus der Restaurationszeit. Damals war sie ein kleines, schwächliches Geschöpf. Heute sitzt sie breit unb behäbig auf ihren Millionen am Poiit-Neuf. Jeder Jüngling, der in einem fertigen Anzug seiner Schönen ben Kopf verbreiten unb ihr Herz erobern will, geht zur Bellt» Jardiniere. Das Warenhaus würbe einst mit einem Kapital von brei Millionen gegrünbet, bas freilich niemals eingezahlt wor den ist. Heute beläuft sich ber Jahresumsatz aus etwa aO Millionen. Jedes Stadtviertel hat heute seine vefonöeren Galerien. Da haben wir ben „Petit Saint-Thomas“, „Hotel de Ville", ben „Pygmalion", bie „Trois Quartiers", bie „Ville Samt-Denis", ben „Gagne Petit", bie „Menagere", „Chateau d’Eau", „Place Blanche". Sie alle arbeiten nach bcnifclben System, das ben vor zwei Jahren verstorbenen 200fachen Millionär und Kunstsammlcr Ehauckiarb zum Ersinber hat. Ehaucharb loar Laben,ünglmg im „Pauvre Diable", ber mit 15 Franken Monatsgehalt an fing, unb bessen Ehrgeiz über bie 100 Franken nicht hinausgehen zu bürfen schien. Aber ber junge Mann hatte Genie unb Glück Er fand einen Geldgeber, mit dessen Hilfe er fein ^Warenhaus zum „Louvre" gründete. Das war 1855. Das erste Jahr brachte lagenvoriage uno Die vuriaftung einer öl neu.- fabrik bilden werden. Es wurde zunächst eine Anzahl Vorstellungen erledigt, so namentlich die der Aktuare Distel und Genossen und der Steueraufseher, betr. Schifssbeblet- tung, .Kleidergelder und Rangveryältnissc. Bezüglich dieser Vorstellungen, über die Abg. Dr. O s a n n berichtete, konnte zumeist den berechtigten Wünschen der Bittsteller Folge gegeben werden. Dagegen mußten die Vorstellungen der Beamten über Teuerungszulagen für erledigt erklärt werden, da ja bekanntlich schon gelegentlich bei Haushalts-- beraiung gegenüber dem Antrag Dr. Osann beschlossen wurde, Teuerungszulagen für das Jahr 1911 nicht zu gewähren Der Antrag Köhler, betr. das Wasserwerk zu Lauter, wurde vom Ausschuß für erledigt erklärt, nachdem inzwischen die meisten der Müller und Triebwertbesitzer, welche durch das Wasserwerk Schädigungen erlitten hatten, vom Staat entschädigt worden sind. Täters und dem im Auslande bekgenen Ort ber Begehung im Jnlande verfolgbar sinb. Außer H o ch v e r r a t, Münzner brechen unb Amtsdelikten deutscher Beamten soll auch der Meineid als Verbrechen und Vergehen gegen Deunckic ober gegen Reichsbeamte als Weltverbrechen angesehen werben, weiter Fraucnhandel, Sklavenraub, Sklavenhanbcl unb Ber brechen bes Sprengstoffgcsetzes. Deutsche sollen auch verfolgt werben bürien, wenn sie auf liaatcntoicm Gcbi.te eine nach bcuiidum Recht als Verbrechen anzuschenbe strafbare Hanblung begingen. Im Einführungsgefey soll zum Ausbruck gelangen, daß bic Grund sätze, bic für bie im Auslanbe von einem ober gegen einen Deutschen begangenen Delikte gelten, auch aus bic Schuygenonen Anwenoung finden. Die Vorschriften über bic Immunität ber Ab georbneten und bie Freiheit ber Parlamentsberichterstattung sind unccr änbert. einen Reingewinn von 1500 Franken, und die Geschäftsteilhaüer zogen sich mißmutig von Chauchard zurück. Er fand aber neue Freunde, und man gründete eine Gesellschaft mit 1100 000 Franken Kapital. Das Geschäft ging aber so miserabel, daß die Anteilscheine schließlich aus den zehnten Teil ihres WeNes fielen. Chau- chard verzagte nicht unb ertaub immer neue Tricks, z. B. bie Heinen RetlameluftballonL für bic Goren der kaufenden Mamas. 1870 bezifferte sich bet Umsatz des Louvre auf 40 Millionen und wird sich heute zwischen 120 bis 130 Millionen im Jahre bewegen. Auch die anderen Warenhäuser sind meist von armen Teuselii gegründet, -so z. B. die „Samaritaine . Der junge Cognacg halte sich als Händler mit Zahrrnarktsware eine winzige Summe zusammcugespart, als er 1869 den kühnen Gedanken faßte die „Samaritaine" auszumachen. Drei Jahre später heiratete der Mann mit dem ansprechenden Namen eine Angestellte des Bon Marche", bie gleichfalls ein kleines Vermögen, ober genügenb Hunger nach einem großen hatte. Die beiben hatten zuerst schwere Seilen burchzumachen. 1880 überstieg ihr Warenumsatz in ber „Samaritaine" bereits drei Millionen und heute wirb er aus etwa 70 Millionen berechnet. — Ter Printemps" ist 1866 von Zalazot, bem bamaligen Chef der Seidenabteilung bes „Bon Marche", ins Leben gerufen und wurde anfangs vom Unglück verfolgt. 1881 brannte er gar ab. Dann aber ging's rasch bergauf. Heute setzt er etwa 40 Millionen jährlich um. Mit amerikanischer Geschwindigkeit ist die „Galerie Lafayette", bie Hauptkonkurrenz bes „Printemps", ein Warenhaus ersten Ranges geworben, bas einen ganzen Häuserblock entnimmt. Einen Platz für sich beansprucht bei „Bon Marche". Er war zuerst ein kleiner Kramladen und Weißwarengeschäst in der fernen Rue du Bac unb gehörte einem gewissen Vibau, ber es schließlich zu einem Umsatz von 500000 Franken jährlich brachte. Mit ihm vcrbanb sich Boucicaut, der damals Heiner Angestellter im Petit Saint-Thomas" war. Boucicaut war bereits ein Manu von 42 Jahren unb batte immer noch nicht seine Jbeen oerwirk- licheu fönncu. Tiesc Ideen waren feste, augezeigtc Preise, Rabattverkäufe Reklameverkäufe, Gelegenheitskäufe' Kommissionstan- liömeu für bic Verkäufer, bie sogenannte „guelte", d. h. Gehaltszuschüsse für geschickte Verkäufer: 'chließlich Herabsetzung ber Preise und G.währ Tür bic Gute der Ware. Auch Boucicaut hatte zuerst Pech. Nach els Jahren belief sich ber Umsatz zwar auf sieben Millionen, aber bei dem Prinzip bes Kleingewmncs war die Einnahme nicht bebcutenö. Ter Aufschwung erfolgte erst als Boucicaut allem wirtschaften konnte. 1887 überflieg ber'Jahresumsatz 150 Millionen unb wirb heute bie 220 Millionen hinter sich gelassen haben. Ter „Bon Marche" ist eine Art Republik mit einem geschäftsführenden, von den Angestellten ge- Es folgte nun noch die Fortsetzung der Beratung über die Regierungsvorlage, betr. die Errichtung einer Brikettfabrik nut elektrischer Uebcrlandzentrale au dem staatlichen Braunkohlenbergwerk „Ludwigshofsnung" bei Wölfersheim. Zunächst gab der Ansschußberichterstatter, Abg Ulrich, einen Bericht über das noch nachträglich von'der Regierung beigcbrachtc Material zur Beurteilung der Vorlage. Dann wurden von verschiedenen Ausschuß- mitaliiuerii die Angaben und Berechnungen der Regierung insbesondere bczügllch der Rentabilität der Britetifabrit einer cingehenden Erörterung und Kritik unterzogen. Es wurde u. a. namentlich auf Die Zweiselhaftigteit des Ab- l'atze-^ hingcwiefen und geltend gemacht, dag ein staatlich geleiteter Betrieb gerade bei der außerordentlichen Konkurrenz und den SyndikatsbUdnngen ut der Braunkohlen- inbuftrie einen schweren Stand haben würde; auch wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in direkter Nähe der Grube Inzwischen waren auch die Vertreter der Regierung für bie vorerwähnten beiden wichtigen Vorlagen erschienen, die Herren Finanzminister Braun und Minister des Innern von Hombergk, die Geheimeräte Dr. Becker, Best und Geh. Lberfinanzrat Dr. Knell, sowie für tue Anlage der Brikettfabrik Geb. Rat Milbrand, Finanzrat Ball' e r, Baurat Schöberl und Bergwerlsdirettor Schul z. Ter Ausschußvorsitzende, Abg. Dr. Osann, gab zunächst seiner Freude über die Wiedergenesung des Finanzministers Zraun Ausdruck und sprach namens des Ausschusses die lmvailung aus, daß Exz. Braun nach Wiedererlangung seiner Gesundheit wieder seine ganze Kraft dem Wohle des Landes widmen werde. Finanzminister Braun dankte dem Ausschuß für die freundliche Begrüßung und sprach die Hossnung aus, daß er nun wieder gemeinsam mit den Kammern werde für des Landes Wohl tätig fern können. ES sand dann zunächst eine allgemeine Besprechung über die abweichenden Beschlüsse der Ersten Kammer zur Gemeindesteuerresorm statt, worüber der Ausschußvor- sitzeiide den Bericht erstattete. In der Aussprache erklärte sowohl Finanzminister Braun, wie Minister von Hombergk, daß es das dringendste Bestreben der Regierung sei, diese Vorlage noch int gegenwärtigen Landtag zur Verabschiedung zu bringen. Sie yosfe, daß sich Mittel unb Wege fütben werden, um die noch bestehenden Difse- rcnzen zwischen den beiden Kammern auszugleichen. Ter Finanzausschuß war ebenfalls der Auffassung, daß man juchen müsse, wie bei den anderen wichtigen Gesetzentwursen, auch bei dieser für das ganze Land bedeutungsvollen Vorloge eine Verständigung zu erreichen. ** Wissenschaftlicher F o r t b i l d u n g s ku r. sus für Volksschullehrer an der Universität Gießen. Wie in den Vorjahren, so richtet der Gießener Lehrerverein auch in dem bevorstehenden Sommcrlialbjahr mit Genehmigung des Rektors und der akademischen Behörden an hiesiger Universität wieder einen wissenschaftlichen Fortbiidungsturjus für Volksschullehrer ein. Es lesen: Geh. Kirchenrat Pros. Tr. Krüger („Die Entstehung der kirchlichen Glaubenslehre"), Prof. Tr. Sommer, Direktor ber Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, und Pros. Dr. Dannemann, Dozent an derselben Klinik; die letztgenannten beiden Herren je vier Stunden. Prof. Tr. Som- befindet sich gegenwärtig noch auf Reisen und wird tbemata seiner Vorträge sofort nach seiner Rückkunft mitteilen. Prof. Dr. Tannemann lieft über: 1. Was versteht man unter psychopathischer Minderwertigkeit? Wodurch wird sie veranlaßt, und wie äußert sie sich? 2. Neurotische Veranlagung (Epilepsie und 5)ysterie) bei Kindern und die der Erziehung daraus erwachsenden Scbwierigteiten. 3. Geistesstörungen im Kindesalter. 4. Erzieherische Maß nahmen bei den anormalen Jugendlichen, insbesondere für die Fürsorgeerziehung. Wir glauben, daß die zu behandeln den Themata daS Interesse der Lehrerschaft in ganz besonderem Maße sefscln werden. Zeigt sich doch gerade gegenwärtig vielleicht mehr denn je in dieser ein Ringen und Streben nach Erkenntnis auf veiigionswissenschaftlichem Gebiete, und sucht man doch auch im öffentlichen Leben und ganz besonders in der Rechtspflege die „Fälle" nicht mehr bloß vom juristischen, sondern auch vom psychologischen Standpunkte aus zu erfassen, und den gewonnenen Einblicken in den geistigen und seelischen Entwickelungsgang der aus der Bahn Geratenen Rechnung zu tragen. Die Vorlesungen finden von der zweiten Matwochc ab jeden Mittwoch von 4 bis 6 Uhr acht Wochen lang statt und sollen nach Möglichkeit in einem späteren Fortbildungskurs systematische Fortsetzung und Ergänzung finben. Nicht- lehrern, die sich etwa an den Vorlesungen beteiligen wollen, erteilt bereitwilligst Auskunft der Vorsitzende des Gießener Lehrervereins, Lehrer Valentin Müller, Frankfurter Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat heute nach längerer Pause wieder zu seinen Beratungen rnsanimen, deren wichtigste Punkte bie Gemeind eum- env orlage und die Errichtung einer Brikett- ------- rden. Es wurde zunächst eine Anzahl ** Stenographie. Am 22. d. M. hielt der Gabelsberger Stenographen-Verein von 1861 im „Eaf6 Ebel" seine ordentliche Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht über das 50. Geschäftsjahr 1910/11, der von dem 1. Schriftführer erstattet wurde, sei folgendes wiedergegeben: 5 Dezenien sind nunmehr verflossen, seit der G. St.-V. von einem kleinen Häuflein ins Leben gerufen wurde. Damals war Gabelsbergers Werk noch eine Kunst zu nennen, denn sie wurde nur, wie ja auch die Namen der Gründer aufweisen, von den gebildeten Ständen gepflegt, im Gegensatz zu heute, wo die Stenographie eine uneirtbehrliche Dienerin für die .schreibende Well geworden ist. Demgemäß hat auch der Mitgliederstand von damals fast um das LOfache zugenommen, indem der Verein jetzt aus die stattliche Mitgliederzahl von beinahe 300 blicken kann. In dem vergangenen (50.) Geschäftsjahr fanden 21 Vereinsabende statt, von denen vier mit Vorträgen ausgeschnrückt waren. Vertreten war der Verein auf 5 Versammlungen des Bundes, Verbandes bezw. Bezirkes. Von der Unterrichtstätigkeit innerhalb des Vereins sei erwähnt, daß 4 Anfänger-, 2 Fortbildungs-, 2 Redeschrift-, 2 Diktat- und 2 Schreibmaschinen-Kurse, sowie ein Unter--’ richtskurs in der französischen Sprache abgehalten wurden. Außerhalb des Vereins wurde von Mitgliedern Unterricht erteilt im Inf.-Regt. Nr. 116, im Ev. Jünglingsverein „Wartburg", im Kaufmännischen Verein weibl. Angestellten, an der Kaufmännischen Fachschule, an der Präparanden-Anstalt in Lich und im G. St.-V. Klein-Linden. Bei dem Bundes-, Verbands- und Bezirkswettschreiben wurden insgesamt 48 Preise, sowie einige Ehrenpreise, errungen. Die festlichen Veranstaltungen (in Gemeinschaft mi! dem Damenverein) und zwar Himmelfahrtswanderung nach Greifenstein-Dianaburg-Braunfels, Feier des Gründungstagcs (Kommers und Ausflug), Gabelsbergers Geburtstagsfeier und ein larnevalistisches Tanzkränzchen erfreuten sich durchweg einer guten Beteiligung. Der von dem Rechner üorgetragene Kassenbericht wies ein erfreuliches Bild der finanziellen Lage des Vereins auf. Auf, Antrag der Rechnungsprüfer wurde dem Rechner Entlastung erteilt und ihm von dem 1. Vorsitzenden noch der Dank des Vereins für die tadellose Kassenführung zum Ausdruck gebracht. Tie Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Nachdem noch einige Beschlüsse betr. der 50 jährigen Jubelfeier, die anläßlich des 32. Verbandstaaes des hessen-nassauischen (Main-Rheingau) Verbandes, am 1., 2. und 3. Juli stattfindet, gefaßt, schloß der 1. Vorsitzende gegen 1 Uhr die sehr anregend verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf den Verein. Kreis Lauterbach. = Hochwaldhausen, 25. April. Der vor einigen Jahren an den östlichen Ausläufern des Hoherodskopf, in unmittelbarer Nähe der Bahnstation Ilbeshausen, gegründete Luftkurort Hochwaldhausen gewinnt infolge seiner reizenden und gesunden Lage eine immer größere Bedeutung. Umrauscht von den mächtigen Buchen des herrlichen Oberwaldes lockt es von Bötzinn des Frühjahrs bis in den Spätherbst die Touristen herbei, um sich im schattigen Grün von den Mühen der Wanderung zu erholen. Mich die Ansiedlungsfrequenz hat schon sehr gute Fortschritte gemacht. Ein neues Unternehmen ist zurzeit in Aussicht, dessen Verwirklichung dem jugendlichen Luftkurort einen größeren Aufschwung geben wird. Es.handelt sich um die Errichtung einer höheren Schule, allerdings nicht um eine staatliche, sondern um eine sogenannte freie Schulgemeinde, wie bereits seit dem Jahre 1906 in Wickers- - öorf bei Saalfeld eine solche besteht. Vor einigen Tagen weilten Herren der freien Schulgemeinde Wickersdorf bei dem Gründer des Luftkurorts, Hotelbesitzer Berlit in Hochwaldhausen, und besichtigten die Lage des Kurorts sowie das etwa in Frage kommende Baugelände. Die Schule wäre zunächst als sechsftufige Reformanstalt gedacht, die sich allmählich zur Vollanstalt entwickeln soll. Hauptbedingung für die Errichtung der Schule ist die Anlage großer Sportplätze sowie Gelegenheit zum Rodelsport. Eine Rodelbahn ist nicht allzuweit vorhanden. Der Raum zu anderen Sportplätzen ebenfalls. Die Erbauung dieser Schule wäre durch das reich vorhandene Holz- und Steinmaterial rnit verhältnismäßig geringen Kosten verknüpft und das Zustandekommen des geplanten Unternehmens wäre für die hiesige Gegend sehr zu wünschen. Die betreffenden Herren haben sich sehr anerkennend über die Lage des Luftkurorts ausgesprochen und die Förderung der Angelegenheit versprochen. Kreis Friedberg. L. B a d - Na u h e i m, 25. April. Die unter dem Denk- üralschutz befindliche alte Salinenschmiede in der Nähe des abgebrochenen sogenannten französischen Siedehauses ist in denselben Form an den neuen Salinenanlagen am Goldstein wieder aufgeführt worden. Da täglich zahlreiche Kurfremde eintreffen, sind jetzt vier staatliche Badehäuser geöffnet worden. Die Spruoeleinfassungen sind fertig geworoen und gewähren einen prächtigen Anblick. Die an ihnen auszuführenden Bildhauerarbeiten werden während des Sommers ausgeführt. In wenig Tagen wird auch der neuangelegte Sprudelhof hergestellt sein. -m. Nieder-Flor stad t, 25. April. Kürzlich erkrankte das Kind eines hiesigen Bürgers, der es zunächst von dem hiesigen Arzt behandeln ließ. Durch dritte Personen aufmerksam gemacht, wandte sich der Vater des erkrankten Kindes an eine Frau in Büdingen, die das Naturheilverfahren betreibt. Sie sandte Medikamente, das Kind wurde aber schlimmer und starb plötzlich. Hierauf ließ die Staatsanwaltschaft Gießen die Leiche beschlagnahmen und gestern fand ihre Obduktion statt. Sie ergab, daß das Kind an Gehirnvereiterung gelitten hatte, wodurch der Verdacht, daß die Frau den Tod des Kindes durch ihre Behandlung verursacht hatte, hinfällig wurde. Hessen-Nassau. X Hanau, 25. April. Für den Truppenübungsplatz des 18. Armeekorps, der nach den neuesten Bestimmungen im Spessart, bei der Stadt Bad Orb, errichtet werden wird, hatte die Militärverwaltung noch kürz- lich ein Gelände im östlichen Teile des Kreises Hanau und im angrenzenden Kreise Gelnhausen, bis Somborn hin, vorgesehen. Das Dorf Ober-Rodenbach int Kreise Hanau war als Mittelpunkt vorgesehen, und zum völligen Verschwinden ausersehen, gleich den Orten Villbach und Lettgenbrunn bei Orb, die jetzt dem Abbruche verfallen sind Die heftige Agitation, die in Orb gegen das Projekt der Errichtung eines TruppenübungsplaHs eingesetzt hatte, war jedenfalls mitbestimmend für die Militärverwaltung' sich nach einem Platze im Krefte Hanau umzusehen, bis dann die Order Einwendungen als hinfällig bezeichnet und daä Gelände bei Orb endgültig für den Truppenübungsplatz bestimmt werden konnte. Dcrmifcbte». _ * Das O Vier eines Raubmordes ist anscheinend, wre sich letzt h.rausstellt, in der Silvesternacht ein junger Mann in Köln geworden. Auf der Heimkehr von einem Silvester ball war der sich hier aufhaltende 19jährige Sohn des Rentmeisters Bonan aus Fürstenberg in Westfalen verschwunden. Nach längerer Zeit meldete sich die Frau eines Bäckers, die mitteille, sie habe gesehen, wie in der Silvesternacht ein junger Mann' bet sich in Begleitung eines jungen Mädchens befand, von zwei Dcannern niedergeschlagen worden sei. Später hätten die Männer den anscheinend Leblosen auf den Rücken genommen und ihn m den Rhein geworfen. Diese Mitteilung bat setzt insofern Bestätigung gesunden, als nunmehr die Leiche des- Verschwundenen unter einem Floß im Rhein gefunden wurde. Bei der Leiche fand sich fein Geld vor. Da der junge Mann bei seinem Verschwinden über 200 Mark bei sich trug, scheint es sich zu bestätigen, daß er von jenen zwei Männern im Bunde mit einem Mädchen beraubt, ermordet und sodann in den Rhein geworfen worden ist. * D i e Kaiserbroschen der Brüsseler Blumenhändlerinnen. Ein hitziger Streit unter den Brüsseler Blumenhändlerinnen ist durch gerichtliche Entscheidung zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Man erinnert sich, daß bei dem Besuch des,deutschen Kaiserpaares im alten Brüsseler Rathause die Blumenhändlerinnen, die auf dem schönen alten Platze ihren historischen Standplatz haben, der Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise Blumensträuße überreichten. Die beiden Frauen erhielten als Dank- und Erinnerungszeichen zwei schöne Broschen mit dem perlengeschmückten Widmungszuge der Kaiserin. Leider erregte das Geschenk den Neid der übrigen Brüsseler Blumenhändlerinnen so sehr, daß sie zum Kadi liefen und den beiden Frauen, die im Auftrage aller Blumenhändlerinnen gehandelt hätten, das Rechn auf die Broschen abstritten. Man wollte, daß die Schmuckstücke verteilt ober zurückgeg ben werden. Die beiden Glücklichen kämpften energisch um ihren Besitz und boten einen entsprechenden Geldbetrag als Ersatz an. Daraus gingen die anderen nicht ein, denn ihnen war es nicht um Geld zu tun, sondern um die Ehre. Der Richter legte den beiden Beklagten den Eid auf, daß keine Abmachungen bestanden haben, wonach sie den übrigen Blumenverkäuferinnen gegenüber verpflichtet gewesen seien, etwaige Belohnungen zu teilen. Da dieser Eid geleistet wurde, so wies, wie der „Tag" meldet, der Richter die Klägerinnen ab, und die beiden Frauen bleiben im Besitz ihrer Broschen. Doch ist bei der Prozeßleidenschaft der Marktfrauen sicher zu erwarten, daß die Angelegenheit auch die zweite Instanz beschäftigen wird. * Em eigenartiger Fall von Gedachtnis- schwäche ereignete sich dieser Tage in London. Eine junge Dame bat auf der Straße einen Schutzmann utm Hilfe, da sie sich nicht erinnern könnte, woher sie komme. Sie wurde auf die Polizeiwache gebracht und vermochte sonst in jeder Hinsicht Rede zu stehen, verriet sogar einen hohen Bildungsgrad, nur in bezug auf ihren Namen und ihre Herkunft hatte sie jede Erinnerung verloren. Man machte die verschiedensten Versuche, ihr Gedächtnis zu wecken, las ihr u. a. alle Namen des Adreßbuches vor, deren Anfangsbuchstaben mit den auf ihren Kleidern gefundenen übereinstimmten, aber vergebens. Durch Zeitungsnotizen konnte endlich eine Identifizierung herbeigeführt werden. Zwei Damen erkannten das junge Mädchen als eine Miß Kent, Kassiererin in einem Londoner Geschäftshaus und Pensionärin im Heim für arbeitende Mädchen. Als man ihr die beiden ihr sonst wohlbekannten Damen zuführte, zeigte die Erkrankte keinerlei Spur von Erinnerung. Die Störung soll durch Gemütserregungen entstanden sein. Kleine Taqeschronik. Auf Grund der Tatsache, daß kürzlich die Allongen der neuen Hundertmarknoten von einer Firma mit Reklameaufdruck versehen worden sind, warnt die „Berl. Korresp." davor, solche oder sonst für den Umlauf untauglich gemachte Noten in Zahlung zu nehmen, da deren Einlösung seitens der Reichsbankanstalten erst nach einer nur in Berlin ausführbaren und mit erheblichem Zeitverlust verknüpften Prüfung ihrer Echtheit erfolgen kann. In Elberfeld übergoß sich eine Arbeiterfrau mit Petroleum und zü ndete sich selbst an. Ihre Kinder hatte sie vorher zu Besorgungen fortgeschickt. In Stuttgart stürzte bei den Abbruchsarbeiten der alten Dragonerkaserne eine Wand ein und verschüttete zwei Arbeiter. Der eine wurde getötet, der andere schwer verletzt. In Pausa (Vogtland) und in dem benachbarten EberS- gru en sind Zahlreiche Personen an Vergiftungserscheinungen, teilweise schwer, erkrankt. Die Ursache ist auf den Genuß gewiegten Fleisches zurückzuführen. Untersuchung ist eigeleitet. In Blankenburg im Harz brannte in vergangener Nacht das Hotel Fürstenhvf" vollständig nieder. Der Inhaber und das Personal konnten sich retten. In Bamberg wurde in der Michaelkirche ein Fremder fest genommen, der einen Kerzenleu chter zertrümmert und Altardecke nzerrissen hatte. Der Täter heißt Weber und stammt aus Mannichswalde in Sachsen-Altenburg. Bald darauf wurden ähnliche Beschädigungen in der St. Getreu- Kirche wahrgenommen. In Holthausen brach ein Wald'brand aus, durch den 1000 Morgen Waldbestand zerstört wurden. In der Nacht drangen in die Postagentur Breinig zwei vermummte Männer ein und zwangen den Postverwalter mit voraehaltenem Revolver, den Geldschrank zu öffnen, der 4000 Mark enthielt. Die Verbrecher sind unerkannt e n t f o m men. Bei Saarbrücken stürzte bei einer Besichtigung durch den Korps-Kommandeur der Oberleutnant Mathieu vom Infanterie-Regiment Nr. 70 mit dem Pferde. Der Offizier wurde angeblich geschleift und durch Huftritte schwer verletzt. In Wien stiftete eine verstorbene Bauunternehmerin für arme Studenten eine Million Kronen. Aus Wattenscheid wird gemeldet: Auf der Zeche „Holland" wütet seit acht Tagen ein Grubenbrand, der bisher noch nicht bewältigt werden konnte. Durch ben Brand sind etwa 600 Bergleute arbeitslos. In Oldenburg ist der Stammsitz der alten dänischen Adelsfamilie, der Grafen von Surf ner, das Schloß Schu- lenburg, ein Raub der Flamm en geworden. Damit ist eine der schönsten Baulichkeiten Schleswig-Holsteins zerstört. Am Sonntag kollidierten 100 Meilen südlich von Schanghai die chinesischen Dampfer „Kwanglee" und „Meefoo". „Mee- foo" wurde buchstäblich in zwei Teile zerschnitten und an! innerhalb weniger Minuten. Ue6er 4 0 Chinesen sind ertrunken; alle ausländischen Passagiere wurden gerettet. Tas aus vier Gebäuden bestehende Gehöft des Besitzers Skowronnek in Dupken ist vollständig niedergebrannt. Eine alte Frau ist verbrannt. In Saint aignan veranstalteten bei der Hochzeit des 58jährigen Schneiders Dupin etwa 150 Personen vor der Wohnung des Neuvermählten Katzenmusik. Nach etwa einer Stunde schoß Dupin in die Menge. Eine Person war sofort t o t. Der Schütze verbarrikadierte sich in seinem Hause, bis die Gendarmen ihn festnahmen. Die Sitzungen der Pestkonferenz in Mukden sind beendet. Einer Meldung aus Trautenau zufolge hat die Spinnerei Faltis Erben, die 1200 Arbeiter beschäftigt, den Betrieb eingestellt, nachdem 400 Spinnerinnen wegen Nichtbewilligung von Lohnforderungen gestern in den Ausstand getreten sind. Auch in anderen Fabriken macht sich eine Lohnbewegung geltend. Batavia ist für choler av erseu cht erklärt worden. Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 11. bis 24. April 1911. Bereits zu Anfang Avril hatte bie Preisberichtstelle des D. L. R. aus die durch Bläusefraß verursachten Schäden und auf die nachteiligen Folgen der Blärz'röste hiugewiesen. Der nach dein Eischemen des betreffeudeu Berichts emqctretene Kälterückfall bat, ivie die amtlichen Berichte von 'Dhtte Avril erkennen lassen, namentlich die svät gesäten und infolgedessen schwach entwickelten Saaten iveiter ungünstig beeinflußt, so daß der Stand von Weizen auf nur 2,7 gegen 2,2 im Vorjahre geschätzt wird und Roggen noch ungünstiger, nämlich mit 2,8 gegen 2,4 im Vorjahre beurteilt wird. Am wenigsten befriedigten die Futtergewächie, von denen Klee die Rote 3,0, Luzerne die Rote 2,9 erhielt. Die durch diese ungünstige Darstellung soivie durch erneute Befürchtungen wegen der andauernd 'rockenen Witterung hervorgerustue Befestigung hat auf dem Weltmärkte einen lebhaften Widerhall geiuiiöeu. Infolge der all- gemein erwachten Kauflust hat Argentinien seine Forderungen seil h/L3uli su i Meteorologische veodachtungen der Station Gießen. bis 25. April = + 25,3 6 3. 25. Ein ausgezeichneter Erfolg. Fällen von Weißbrot 2 j\g. 62 P,g. Schwarzbrot 2 Kg. 54 Vst. Inboiftnw Mhenz., Ante Weizen 100 Kg. OO.Ou 00.00 Blk. Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Mk. Entkräftung ist einerseits auf ihre zweckmäßige Zusammensetzung ans nährstoffhaltigenBestand- teilen zurückzuführen, andererseits auf das langerprobte Scottsche Verfahren, in dem dieselben in eine so leicht verdauliche und wohlschmeckende Form gebracht werden, daß jung und alt Scotts Emulsion gern und mit Erfolg nimmt. Da dem Präparate zahlreiche Nachahmungen erwachsen sind, empfiehlt eS sich, beim Einkauf ausdrücklich Scotts Emulsion zu verlangen, deren äußere Verpackung neben# stehende Schutzmarke aufweisen muß. Man lasse sich auf keinen Fall Nachahmungen aufdrängen. kZubeb. iüi l,/u Denn »38 im Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 24. April 1911. |;':t von Äc lÄendyseiihe Iramine W Beten nächst It:d)nlal3 u. 5 |iWi b. 1.81 riatlung uri «standen. sMeres Wo Markte. — Kartoffelmarkt-Bericht vom 24. April 1911. Dortmund: Magnnrn bonmn 3.70—0.00, weiße runde 2.80—0.00, Gelbfleischige weiße0.00, roteMk.4.00—0 00. Köln: RoteTaber2.8k», rote Sorten Alk. 2.70—2.80, Magiuiin borniin Mk. 3.60-3 90, weiße riinde Alk. 2.80—2.95,Gelbfleiichige blaue Alk. 0.00 —0.00, rote 4.00 bis 4.30, weiße 0.00 bis 0.00. K enipen: Rote Taber 0.00-0.00, andere rote Sorten Mk. 0.00-0.00, Magnuin bonum Mk. 4.20, weiße runde 0.00—0.00. Gelbfleischige blaue 0.00—0.00, rote Mk. 0.00—0.00. Plaidt: Rote Daber Mk. 0.00—0.00, andere rote' Sorten 0.00—0 00, Magnum bonum Alk. 3.50—0.00, weiße runde Mk. 4.00—0.00, Gelbfleischige rote Alk. 3.50-0.00, weiße Alk 0.00—0.00. Saarlouis: Rote Sorten Mk. 0.00-0.00, Magnum bonum Mk. 0.00—0.00, weiße runde Mk. 0.00 bis 0.00, Gelbfleischige rote O.oO—O.OO, weiße Alk. 0.00—0.00. Magdeburg: Rote Daber Mk. 2.-.0—0.00, andere rote Sorten Mk. 1.75 -1.95, Magnum bonum Mk. 2.40 bis 2.75, weiße runde Alk. 1.90—2.20, Gelbfleischige rote Alk. 2.50—2.90. Dl ü nchen : Magnum bonum Alk. 4.00—0.00, weiße runde Mk. 0.00—0.00, Gelbfleischige weiße Mk. 4.50—0.00. (Alles zu 50 Kilo.) 91ut echt mit dieser Mark—demFischer — dem Garantie- Zeichen des Scott- ichen Verfahrens! Frankfurt a. M., Eostenheiiner Straße 14 park., 9. Mai 1909. /Diem dreijähriges Söhnchen Wilhelm hatte letzten Winter die Masern zwar glücklich überstanden, war aber dadurch sehr vor Kräften gekommen, und seine Widerstandsfähigkeit war sehr znrück- gegangeu. Ich gab dem Kleinen nun eine Zeit lang Scotts Emulsion zu seiner allgemeinen Stärkung und Wiederaufrichtung was nur auch bestens gelungen ist. Nach verhältnismäßig kurzein Gebrauch ist der Kleine heute em dicker, wilder Junge, dessen Besinden nichts zu wünschen übrig läßt'. (gez.) Frau Volk. Daß Scotts Emulsion so vorzüglich wirkt in allen fjl Ludwig,' Munmer WebiM- i gnund mit! 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Fleischpreise tu Gieß eil Ochsen Kälber Schiveine 50 Kg. Schlachtgewicht 85—88 Blk. h,Kg. Schlachtgeiv. 96-103 Vf. 7, , „ 60—62 , 7, Kg. 88-96 Pfg. 7, , 88-92 , 7, „ 70 -90 „ Getreidepreise in M a n ii h e i m Arotpreise in Gießen April 1911 Türometer auf 0° reduziert emperatur der Luft Absolute euchtigkeit Relative euchtigkeit Wind- richtling Sindstarke Grad Bewölkung Zehntel der tb. ßimnieltfL Wett« w CÄ 6# «-3 25. 2» ■ 46 4 18,9 7 3 45 W 2 2 Sonnenschein 25. 9“ <448 13 4 7,8 69 SSE 2 2 Beiv. Himmel 26. «43,9 7,2 6,6 87 S 2 10 Bed. „ 1000 kg je nach Qualität, wobei (—) gegenüber Weizen (+ 2) (+ ( (+ (4- 27,) das Mehr ( + ) bezw. Weniger Klammern (> beigefügt ist, ivie 200 204 192 196 195 201 197 199 202 192 200 197 204 1) 2) 4) 2) 3) 4) 2) 1) 1) 4) (+ ( + 2l/i) 5) (+ ( + tt (+ ( + 2) <+ 6) (+ 3) 3) 3) 4j 7) 4) 7) 2) 8) ) 2) 4) 2) folgt: ( 153 154 151 147 148 156 156 159 155 152 155 160 164 162 165 184 Roggen I (+ 41/,) (+ 4'/,) 6) 14) o} 7) der Vorwoche in Hafer 20a1/, (+2*/j 212'/, (4- 5) 223 (H- 2) (+ 2'/,) (+ 6) 168 163 158 162 166 183 178 182 178 160 180 180 165 180 Ende März um 8—10 Mk. erhöht. Auch Rußland hat seine Treffe für sämtliche Artikel, namentlich für Futtergetreide, stark gefteigel und damit den Anstoß zu der auf dein deutschen Haferrnarkte zur» Durckrbruch gelangten Auswärt-bewegung gegeben. Luitergerse behielt ihre feste Tendenz gleichfalls bei: infolge der verivatclv» Frühjahrsbestellung fehlt es an den russischen Märkten an Zwüh- uiid da per April noch große Verpflichtungen bestehen, so erhält sich das hohe Ausgeld, das greifbare uud bald fällige Ware ar- dauernd bedingt. Aber auch spätere Sichten haben im Preise ar- aezogen, da die Vonäte im Innern Rilßla>lds nicht mehr groz sein sollen und man infolgedessen auch uach Beendigung der Feld- arbeiten nur auf schwache Zufuhren rechnen zu können glaubt. Die Hausse auf dem Hafer- und Gerstenniarkte hat auch die Tendenz des bisher vernachlässigten Blaises fest werden lassen, und da die Qualität von Mixed wenig beiriedigt, Platarnais kaum noch m Trage kommt, so wendet sich das Interesse zuletzt mehr den Odessa- uub Tonaulorlen zu, deren Preise merklich angezogen haben. Von Brotgetreide war bei fuappem inländischen Angebot namentlich Roggen sehr fest; die meist schivaeh versorgteii Blühten bezahlten ivillig die im Verlaufe um 5—7 Mark geuetqexten Iheiie und auch die erhöhten russischen Offerten führten zri größerem schäft. Anch Weizen hatte ziemlich lebhaftes Geschäft. Ten stärksten Preisfortschritt hatte aber Hafer zu verzeichnen, indem vieliach >0—15 Blk. höhere Forderiingen bewilligt wurden. Es stellten sich ine Preise für inländisches Getreide am letzten Biarkttage in Mark pro •+ 8) 8) (-- 4) 6) '--10) 17?^ ü Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Blagdeburg Halle Leipzig Rostock Hamburg Haiinover Tüsseldorf Fraitkfurt a.M. Mannheim Biünchen Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 203.00 (4- 1.75), Budapest April 216.60 (-ft 10.65); Liverpool Mai 155.90 (-ft 5.15) Paris April 213.65 (0.00). Ehlcaao Mai 140.30 (4- 6.05). Roggen': Berlin Mai 158.00 (-ft 2.75). Haier: Berlin Mai 163.50 (4- 5.03) Blk. Futtergerste cif Hamburg April 113.00 (-ft 3.75) Blk., Blai-Juiii 112.75 (+ 4.50) Blk. tiersweg Vom« G-escl m allen 6k Bilder, A Königt Ko KönigL 1 Porzt Echte I Töpfereien Mö Werks rahmt 19 j ■.Etage stÄndi I ‘uKnnst und, Fayencen a B (Allein Tüchtige Detail Reisende aus der Del-, Feil od. Seifenbranche, die schon lange Jahre erfolnreidj Land- u. 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Zu dieser Versammlung laden wir unsere Mitglieder sowie die Bürgerschaft freundl. ein und ersuchen um recht zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand: Valentin Müller. Ortskrankenkasse Gießen. Allgemeine Versammlung Freitag, 28. Avril 1911, abends 8'/- Uhr, in Steins Garten. Tag es-Ordnung: Hiir tau Mn. Samstag den 29. April, abends 9 Uhr im eigenen Hause OldkllUilhk ' ' Tagesordnung nach Satzung. i»/. Der Vorstand. Bürgerverein Gießen. Freitag den 28. April er., abends 81/, Uhr, im Saale des Hotel „Einhorn" D3I/4 Haupt-Versammlung. Tages-Ordn ung: 1. Jahresbericht des Vorsitzenden, 2. Rechnungsalöage u. Entlastung desRechners, 3. Vorstandswahl, 4. Rechtzeitig eingebrachte Anträge, 5. Verschiedenes. 1 Unter Vorsitz des Herrn Regierungsassessors Wolf fcmt) gestern abend bei zahlreicher Beteiligung eine Versammlung hiesiger Ladeninhaber statt. Nach erfolgter Anregung wurde einstimmig beschlossen, zu dem Blumentage die Schaufenster festlich zu dekorieren unter möglichster Verwendung von Blumenschmuck, dem Charakter des Festes entsprechend. Die Wahl der Blumen soll den einzelnen Ladeninhabern überlassen bleiben. Wir bitten, diesem Beschlüsse allseitig zu entsprechen und dadurch mitzuhelfen, der Stadt Gießen ein festliches Gepräge zu geben. Das unterzeichnete Komitee ist gern bereit, im Zweifelsfalle nähere Auskunft zu erteilen. [BvM/4 Fr. Helm. Ernst Ludtv. Sack. C. Röhr. MM« Iller 800 Meter lang, großes Drama in 2 Akten, ausgenommen von der Nord.-Film-Comp., dargestellt von den berühmten dänischen Schauspielern, den Darstellern von Versuchungen der Grossstadt. Spieldauer etwa 3/4 Stunden. Ferner das übrige MW Prooramm. 'Restauration ^puck Nord-Anlage (Brauereiausschank) Nord38nlasc Schöne schattige Gartenwirtschaft empfiehlt vorzügliches helles Bier sowie das beliebte prima Dunkel (nach Münch. Art). 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