Awetter Blatt 16b Jahrgang Nr. 204 Lrlchevrl tL-Nch mit Au-nahme bei Sonntag». Tie „Gtetzener La»lltmbliNer" werden dem gUntetfler* Btermal wöchentlich beigelegt, bat „Krtlsblett für bei Kreil »ießm" iroeimal wöchentlich. Die „lrnidioinl-aftltchea LeU- I regel“ erlchemen monatlich iweimaL Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Donnerstag, 3b August 19U Rotanon'druck und Verlag der Br üblichen Universität- - Buch- und kteindruckerei. R. Lange, Sieben. Redaktion, Expedition und £ ruderet: Schul- snnhe 7. Erped.tton und Verlag: Redaktion: 12. Tel>-AdraAnzeigerGießen, Jreie Lernmittel in den hessischen voll;schu>cn. Die Korrespondenz de Deutschen LehrcrvorcinS schreibt aus dem Großhcrzoglum Hessen: „Im Laufe der Jahre wurden namentlich in den Städten auf dem Gebiete des Schulwesens immer mehr Verpflichtungen der Familien auf die Gemeitrde übernommen. Tiefe slenoerung trat da am stärksten zutage, ivo die Familien- Hande sich lockerten, namentlich dadura,, daß auch die Mutrc . außerhalb des Hauses Verdienst suchen muß. Die erste leichterung für die Eltern [am in der Regel durch die Lui Hebung des Schulgeldes. Tie Lteuerzakfler gewohnten sich daran, baß die Gemeinde auf diese frühere ümnähme verzichtete In den Städten kamen mu oer Zeit für die Gesamtheit noch dazu: Tie Losten für die Ferienkown e r, s und für Badekuren besonders kränklicher .Uuider, bi? < gaben für Zwangserziehung, die unentgeltliche Bcha"o,'u,g ut der Zahnklinik, die Gewährung von Schuhen, Brillen, Bändern usw., die wtterbringung gefährdeter Lender in Heilanstalten, in Spitälern usw., ferner die Einrichtung der Iugendspiele, der o^rientoaubcrungen, des Milchfrühstückc. der Linderhone u. dal. m. Jetzt stehen di- Stodlgemeindr > vor einem tveiteren schritt her freien Lic.erung der Lernmittel für sämtliche Schulender. Den Anfang damit haben die schweizerischen Städte gemacht. Allmählich bricht ich der Grundsatz, die Lehrmittelfreiheit als eine .Won equenz des Schulzwangs zu betrachten, auch in Süddeutsch and Bahn. Bon den hessischen Städten z. B. liefert Main- allen Schülern, deren Eltern es wünschen, bic großen uph FI einen Lernmittel, und jie zahlte im letzten Jahr bei einer Gesamtausgabe für bas Schulwesen von etwas über eine Million Mark für diesen Posten 34000 Mark. Tie Mainzer Volksschulen, vor allem die unteren Klassen derselben, werden auch von den Lindern von Post-, Bahn- und anderen Beamten besucht, die ohne Frage die Ausgaben für die Lernmittel tragen können; trotzdem lassen sich heute schon etwa 99 v. H. der gesamten Schüler ihre Bücher und Hefte von der Stadt geben. Man fieht bicraud, wie die Bedürftigkeit schließ- sich nicht mehr in Betracht gezogen wird, aber auch, wie rasch sich die Bevölkerung an diese Neuerung gewöhnt, obwohl doch die meisten Schüler beim Austritt auS der Schule gerne ihre Bücher als Andenken behalten. In Mainz und Darmstadt werden die Bücher am Ial/resschluß an die neuen »lassen weiter gegeben; auf Wunsch der Eltern ,edoch können die Lernmittel auch im Besitze der Linder bleiben. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen ist Der größte Teil der abaeliefcrtcn Bücher noch in solch gutem juftanb, daß die Kosten für die Neuanschaffungen nicht besonders hoch werben, ja, es tritt jedenfalls eine Vermin- öerung derselben für bic folgenden Jahre ein. In Vororten von Mainz hat man auf diesem Gebiet ähnliche Ber- suche gemacht, und man ist bereit» nach kurzer Zeit soweit gekommen, daß z. B. in Weisenau mit 6300 Einwohnern bic Hülste der Schüler die Schulbücher und Hefte von der Gemeinde erhält. Ohne Frage wird im Laufe der Zeit die Uebernahme der gesamten Lernmittel auf die Gemeinde lasse in den meisten Industrieorten erfolgen." Auch in Gießen wird an die Zkrnder solcher Eltern, die mit einem Einkominen von weniger als 900 Mark zur Steuer veranlagt sind, die Gewährung freier Lehrmittel zugesagt. Im Jahr 1909 haben nach dem Verwaltungs- bericht 461 jtnaben und 446 Mädchen an dieser Vergünstigung teilgenommen, die einen Aufwand von etwas über 4000 Mark erforderte. Der Kaiser in Stargard. Stettin, 30. Aug. Das Kaiserpaar, die Prin- zessin Viktoria Luise, der Kroiiprinz und Prinz Oskar sind um 103 4 Uhr im Automobil nach Stargard zur Weihe der wiederhergestellten Marienkirche abgerciit. Unterwegs sand in Altdamm Begrüßung durch die städtischen Körperschaften statt. ______________________________________ Stargard (jammern), 30. Aug Ter Kaiser und btc Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar sind um IN, Uhr hier eingetragen. Auf dem Marktplatz hielt £berbürgermeiftcr Kolbe eine Ansprache und reichte dem Kaiser einen Ehrentrunk. Tir Ar'vreche deß PeiftrS bei Entgegennahme Ehrcnt77'.nis lautete: SKeis verehrter Herr ©üt jettaeifter' Ich bitte Sie in meinem Namen vtb im Namcn Ibr ; Majeftät btt jlai'crin bcr Bürger- tdjiüi _ v : Stargard von ganzem Her,.: unteren luiif auS i.bmü ^1115 bcr Stadt, Die uns ein Bewec? find für bi» Liebe ühb u* des pommerichen Volkes, ein farbenreicher und bildcr- - Tic huionidicH Beziehungen, die 2■: na* in Ibrc'- "ITJolid flcfdjiloeit haben, zwischen meinen Vorfahren anb d n .’oc.mcrfcbcn Herzögen vor ihnen und bcr Stab' Star narb sind ein Beweis dafür, wie sehr von alterSher feiten» bcr dürften bic Treue bcr Pommern geschätzt wurde und wie sehr ihnen bas Wohl Der Stadt am Herzen gelegen hat. Sie entbehrte niemals in Kriegszciten und Zeiten bcr Not, wi in Zeiten der friedlichen Arbeit die Fürsorge des verrfcherbauseo. Mit Stargard verbindet mich ein besonderes Band insofern, als ich in meinem 10. Jahr 18 69 hierher kam, nm teiljuncbmen an der letzten Revue, wobei mein . ter fein 2. pvmmerscheS Korps seinem Baier, dem damaligen König Wilhelm, vorführlc. Ich erhielt damals hu Um form des 2. pommerfchen Regiments, die ich mit 5toi» feil 42 Jahren trage. Niemand ahnte damals, als hier die fncblidic Heerschau gehalten wurde, welch großen bedeutenden Zeiten wir hamalt- ^tgegengingcn. So mochte ich von ganzem Herzen wünschen, daß die bisherige Geschichte der Stadl vorbildlich sei für ihre Weiterentwicklung und daß auch sie von der allgemeinen Hebung der wirtschaftlichen Lage in unserem Bat erlaube ihren Anteil haben möge. Jedenfalls mag die Stadt Stargard versichert sein, daß auch ich gleich meinen Vorfahren zu ihr flehe und mit Wohlwollen ihrer gedenke. Ich trinke aus das Wohl her Stadt Stargard. Das ääi,>rpaar begab sich bann nach bcr St. Marien- .iiche zur Weihe des wieberhergestcllteu Gotteshauses. Nach dem Gottesdienst besichtigte bas Kviserpaar die Kirche, trug sich in bas golbene Buch Stargards ein und nahm ein Album von photographischen Ausnahmen bcr Kirche und vielen in Stargard mit besonderer Schönheit er yaltcncn mittelalterlichen Backsteinstautett entgegen. Schließ, lich empfing es die Huldigung von 50 Wei^ackcr- leuten, vierzig Frauen und Mädchen und zehn Männern, in ihrer bunten, malerischen Tracht. Tie Frauen überreichten eine Puppe in Weizackcrtracht. Tas Kaiserpaar fuhr um iy» Uhr nach dem Bahnhof. Berlin, 30. Aug. Tas Kaiserpaar traf, von Star- garb kommend, um 4.28 Uhr auf dem Stettiner Bahn- Hof ein.__________________________________________________________ Die wirren in Persien. Teheran, 30. Aug. Wie hierher gemeldet wurde, kam am vorigen Montag in bcr Gegend von Lavadku eine Neiterabtcilung bcs Ex sch ah s nach dem Lager ber Regicrungötruppen, angeblich um Fricdcnsvcr- hanblungen anzulnupsen. Ta man seitens bcr Regic- rungstruppen Verdacht schöpfte, wurden bic Leute während bcr Nacht entwaffnet. ES würben 400 Gewehre abgenommen. Auch bie Führer wurden gefangen und sollen nach Teheran geschickt werden. Die Petersburger Telegraphen-Agcntur meldet aus Aftr ab ab vom 29. August: Laut ergänzenden Meldungen über die letzten Gefechte besetzte Ismail Khan, bcr einen Teil ber Truppen des Exschahs befehligt, einige Positionen der Regierungstruppen bei Firneskuh, wurde jedoch am nächsten Tage aus dieser wieder herausgedrängt. Dem Siege Sardar Arschads wird hier große Bedeutung beigemessen. Man nimmt an, daß bie Regic- rungstruppcn baburch gezwungen werben, jetzt aus ihrer passiven 5?altuug herauszutreten und den Mampf aufju- nehmen. R——"F? . _____ ICircbc litt6» Schule. Iatho und die kirchlich-positive Vereinigung für Hessen. Wir werden um Ausnahme der folgenden von 187 hessischen Pfarrern, darunter 18 emeritierten Pfarrern, unter* eichneten Erklärung ersucht: TaS SpruchkoUegiuin, das dazu bcfilmmt Ist, die preußische Landeskirche in ihrem BekeuntuiSstaud vor dem zerstörenden Radikalismus zu schützen, hat dem Kötner Plärrer Iaido die C'öbtg- tc.i und d,e Berechtigung, das Ptarroint in der preufchchen Ltiiideo- ( rd)2 zu versehen, adgeiprochcu und ihn damit seines riniteS eiit- tg. d7 hessische Plärrer, zum groxercu Teil der i-nigereu »-ud jiingstcn Generatioii angehörend, haben lich dewogcu ßcfühlt, ne ',en die Entscheidung des preußischen SpruchkoUegiumS össcuilich < lell- miq zu nehmen, indem sie gegen dieses deii Borivurs .gänzlicher Beriiüiivmvlosigleit' erheben, es sogar der .Goitlosigkcif l-e- zichtlne.l u>id der Hossuung AuSdriick geben, daß der ^.ag fomincit möge, .da Ialho traft des höheren Rechte» des Glauben» in da > Anii - er eoangelischeii Kirche zurückgerulen wird-. Nicht genug damit, erheben auch vier von den fünf ordentlichen Prosestoren der Theologie an unserer Lande-»Universität, die dazu berufen s»nd, die künstigeu Diener unserer Kirche auSzubilden, ihre Elimine für den den persönlichen Gott unb den Erlöser Ehristuv leugnenden und deshalb seine» Amte- Enisctzien, mdem ic mit 83 ihrer Kollegen an anderen deiitschen Universitäten gleich- foll» eme Erklärung gegen die Entscheiouug des Svruchtollegiinns veröffentlichen. Tie» gerade, da» Eintreten einer größeren Anzahl von Pfarrern unseres Landes im Verein mit den Lehrern und Erziehern der tünstigen Diener unserer Kirche für einen die Wahrheiten des Evangelium» leugneiiden Alami, i|t in hohem Alaße geeignet, .da- Vertrauen zu der Wahrhaftigkeit unserer Veikundigung auf da» tiefste zu erschüttern', ivie e» in der Protest-Erklärung der h7 heißt. Wir sehen uns deshalb veraiilaßt, ohne uns in ivcucrc Erörterungen emzulassen, indem wir uns der von einer großen Anzahl Geistlicher der preußischen Landeskirche erlassenen Üundgebuug anschließen, zu erklären: ,Wir stehen fest auf dem Bodeii des biblischen Ehrislenlum- und bitten unsere Gemeinden, mit unS bei dem Ernst der Zeit um so entschiedener dem BekeiintmS unserer evangelischen Landeskirche Treue zu halten.' Bon den Unterzeichnern der Erklärung sind folgende auS Lberhessen: Adolph-Gießen, Ahlheim-Münster, AuSfeld-Gießen, Beckel- Södel, Bernbeck-Büdesheim, Bernbcck-Lkarben, Bernbeck-Wicseck, BoecknecLchlitz, Boell-Lber-Eschbach, Elemm-Btldiugcu, Elotz- Wölfersheim, Elotz-Holzhaufen, Lic. Tr. Tlcckmann Rodheim v. bcr Höhe, Doering,Breungeshain, Toeriiig-Muschcnheim, Enget Lbbornhofen, Fischer-2lllcii Bufeck, Fischer Eichclsdorf, irrtinf- Hutzdors, Freitag-Holzheim, Frentag Lich, Fritsch"Rupperisburg, Gras-Gambach, Grauling-Engelrod, Groth-Rödgen, Hainer Hungen, ^cllroig-jUrd.iji’iiv, Hildebrand-Echzell, Hohgraesi 1 kirchen, Holl-^kieder-Rosbach, Iacobowski Langenhaui, Jäger- Glauberg, Ztaiser-Landenhausrn, .üalbhcnn Lbcr Mockstadt, Mav- vesser-Eberstadt, rttebcracr-Friedbcrg, üliNgclhvfer.Llch, Mnab- Bruchenbrückcn, Zinott-Wallenrod, >iödding-Geluhaar, Mublcr» Steinbach, König-Bellersheim, umpf Wenings, Lehr Lber-^ioS- bad), Lenz-Stockhausen, Lühl Niedcr-Eschbach, MennerttFrcien- steinau, Moser-Wohnbach, Müller-Lauterbach, Münch-Schotten, Nebcl-Laubach, zur Nicdcn Bad-Nauheim, Pabst Eckarishanscn, Peters Ulfa, Vraetorius Hombn | « Rheinsurth-Lendhecken, Röschen.Freien n, Schilling-Mittclgründau, Schlössci>Lautcrbach^ -schmiot-schlitz, Schorümmcr-Gießen, Hoet)nc-Angcrsbach^ Schreiber-Grebenau, Schrimpf-Hirzenhain, Scnba Wetterseld, Sommerlad-Watzenborn, Staubacki-Groß-Eichen, Beller-Maar, Bolv-Laubach, Wahl-Beienheim, Wagner-Rieder-Florstadt, Webcr-Lang-Äöns, Weinberger- Lardenbach, Wcrner-Nrdba, Widmann-Gedern, Wissig-Bad-Rau- heim, Wols-Lehrbach, Wolf Ranstadt, Würitzhosfer-Pohl-GönS, Zatzmann-Fauerbach. Ferner die emeritierten Pfarrer Bernbeck- Gießen, Broß-Gießen, Kalbhcnn-Gießen. )nge.iieur Richter. S a l o n i f i, 30. Aug. Ein Kaufmann, welcher gestern abend von Serfidschc hier angekommen ist und dec Richter wahrend seines dortigen Aufenthalts gesehen hat, teilte mir über diesen mit: Richter befindet sich den Umständen angemessen ganz wohl und ist geistig frisch. Er schien ermüdet und etwas unruhig. Richter besand sich in Begleitung des Mutessarifs von serfidschc und eines französisch und deutsch sprechenden türkischen Lsfiziers. Infolge der Harten Ausbreitung Das Wetter im September. Bon unserem mc;.;rel.;.i'd?eh B..u matter wird uns ge schnSen: Nach meteorologischer Rechnung treten wir am 1. September inl Gcgeuiatz zur üiironomuaicu Red-nungsweuc der Kalender- m den Herbst ein. Ter normale September Mittcldcutschlands ist bcr gleichförmigste und ruhigste Monat des jjanjen Jahres, frei von stärkeren atmosphärischen Störungen. Tie mittlere ^.ages Wärme, die sich seit Mitte August in stärkerem sinken beiindci, nimmt während des ganzen Monats gleichmäßig ab. Rach den Frankfurter Beobad-tungen von 1857—1907 sinkt ine Äcoiiats- lemperatur von 18.3 Grad im August aus 14.9 Grad im September (Weilburg 13.2 Grad). Tic mittlere NachmUtagswarme gebt von 23.8 Grad aus 20.1 Grad zurück (2nhnt Immerhin stnd im letzten Auguudrittet, wahrend der übrige Monat Bewölkungszisfer des September spricht sich auch in der relativ ....... *-«-*** *•— geringen Regenmenge des Monats aus. Im Mittel fallen in der Frankfurter Gcgmd 47 Millimeter Niederschlag, in Weilburg 69 Millimeter Die beiden bcnachbartm Monate August und Oktober smd wesentlich feuchter. Aufjergovohnuch trocken nut kaum 1 Millimeter Regm warm der September 1865 und 1890. Im Durchschnitt dürfen in Frankfurt 12 Regentage, weiter nordwärts im Lahntal 14 Regentage erwartet werden. 1899 kamen aber 27, 1865 bngegen nur 3 Regentage vor. Auch die Gewittertatigkeit, die schon un August zurückgegangen war, erlahmt noch mehr im September. Die gleichmäßige Durchwärmung der Atmosphäre und das Fehlen stärkerer Erhitzungserscheiautigen der Erdoberfläche sind der Gewittercntwickelung ungünstig. Für die Ebenen Mitteldeutschlands bringt der normale September nur noch rund zwei Gewittertagc. Entsprechend sinkt die Wahrscheinlichkeit der Hagel- btt Cholera in Mvnastir wurde morgens die Quarantäne in Dstrova auf 48 Stunden ausgedehnt, so daß es zweifelhaft ist, vL Richter heute hier eintrifft. Der Schuldirektor Sigmund fuhr Richter mit dessen Sachen und Korrespondenz entgegen. Nach einer späteren Meldung ist Richter aus der Quarantäne ie Hanauer Stadtkapelle ist für den Festtag gewonnen worden. x Ober-Seibertenrod, 30. August. Eine hiesige Schreinersfrau bestieg die Tenneleiter, um Stroh herabzuholen. Da brach eine Sprosse der Leiter und fügte der Frau so schwere körperliche Verletzungen bei, daß sie in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte. Erst kurz vor diesem Unfall wurde die Frau von Zwillingen entbunden. — In Ober- Ohmen fiel eine Frau, die hinkte, in der Nahe des Backhauses zu Boden und brach ihr noch gesundes Bein. Da der Mann im Rheinland beschäfttgt ist, wurde ihr auf ärztliche Veranlassung eine Pflegeschwester zubeordert. — In Ruppertenrod fiel ein Mann beim Dreschen mit der Dreschmaschine vom Gerüst herab in die Scheuertenne; er brach das Handgelenk. Heiu'n^Naffau. w. Frankfurt a. M., 30. Aug. "Der Komplize des Arbeiters Pellmann bei dem Mord an dem Agenten Bienerth, begangen am 8. Dezember vorigen Jahres in der Nähe des Griesheimer Exerzierplatzes, namens Löffler, wurde gestern in B er- lin verhaftet. Löffler ist geständig. Durch seine Aussage wird auch der in Frankfurt verhaftete Pellmann, der bisher hartnäckig leugnete, überführt. Wandern und Reifen, Bäder und Sommerfrischen. — Bad-Nauheim, 30. Aug. Der,Namenstag des Groß- Herzogs, der Ludwigstag, wurde bei schönstem Wetter durch ein Festkonzert mit einer feenhaften Beleuchtung des Kurhauses und der Terrasse gefeiert. Bei den Klängen der Kurkapclle füllte ein vornehmes Publikum die Terrasse, während im Konzert- Haus großer Ball mit Blumenwalzer stattsand, wobei man Ge- legenhett hatte, die ausgewählten Toiletten von Tänzerinnen aller Nationalitäten bewundern zu können. Unter den Ballzuschauern bemerkte man auch die Maharana von Baroda in Indien mit ihrem Gefolge. Ein Landsmann von ihr, Obeidullah Khan, Höchstkommandierender des indischen Königsreichs Bhopal, ist feit kurzem zum zweiten Male zur Kur hier eingettofsen. Eine berühmte Größe am Kunsthimmel Frankreichs, Mlle. Cecile Sorel, Mitglied der Comödie Francaise in Paris, ist gestern zur Kur hier eingetroffen. — Zu den am 31. August beginnenden Tennis- Wettspielen sind von der Großh. Bade- und Kurverwaltung und von zahlreichen Liebhabern des Spiels eine große Anzahl wertvoller Preise gesttftet. Für die nächstjährigen Wettspiele hat der Großherzog einen Ehrenpreis in Aussicht gestellt und auch die Staatsregierung einen Preis bewilligt. Lustschiffahrt. — In der Flugmaschine über den Ozean. Der verwegene Plan, mit einem Luftfahrzeug den Flug von Amerika nach Europa zu wagen, erhält jetzt durch die Abenteurerlust des jungen amerikanischen Fliegers H. A. R o b i n s o n feste Gestalt. Robinson will vielleicht schon im kommenden Jahre mit einem besonderen Apparat, einer Abart der Curtiß- Flugmaschine, den kühnen Flug wagen. Der Apparat ist eine Art Hydroplan und im Stande, aufs Wasser niederzugehen, sowie auch vom Wasser wieder aufzusteigen. Mit einer Reihe von Dampsschiffgesellschasten haben Besprechungen stattgesunden, nach denen sich die Reeder bereit erklärten, auf der Route eine Anzahl von Schiffen zu stationieren und außerdem noch schnelle Begleitschiffe zu stellen. Dritter internationaler ttongreh der hals- und Nasenärzie. 4 Berlin, 30. Aug. Unter zahlreicher Beteiligung trat heute vormittag hier im Plenarsitzungssaal der dritte internationale Larynao-rhinologische Kongreß zusammen. Die Verhandlungen, deren erstem Teil Prinz August Wilhelm von Preußen als Protektor beiwohnte, stehen unter Leitung des Geheimen Medizinalrats Professor >Dr. Frä n- k e l (Berlin). Nach dessen Begrüßungsrede gab der Sekretär des Kongresses Professor Rosenberg einen Bericht über die Arbeiten des vorbereitenden Ausschusses und teilte mit, daß 400 Delegierte eingetroffen und 130 Vorträge angemeldet sind. Begrüßungsadressen sind eingelaufen: vom Verein deutscher Larhngo- logen, vom Laryngologen-Verein in Moskau und vom Verein der Spezialärzte von St. Petersburg. Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Schmidt (Berlin) überbrachte die Grüße des Reichskanzlers und des Kultusministers. Er betonte den Zusammenhang der Laryngologie und Rhinologie mit der gesamten medizinischen Wissenschaft und wünschte der Tagimg erfolgreichen Verlauf. — Der Vertreter des Ministers des Innern und der Rektor der Universität haben ihr Fernbleiben mit Krankheit entschuldigt. Bürgermeister Dr. Reicke begrüßte im Namen der Stadt Berlin „die vielbegehrten und viel verlästerten Helfer der Menschheit". Damit waren die Eröffnungsfeierlich- ksiten erledigt und der Prinz verließ den Saaft Nach einer Pause begannen die wissenschaftlichen Vorträge. Vermischtes. Tf. Das Eis der Behring st raße taut auf! Eine erstaunliche Nachricht hat der „Beard", ein Fahrzeug der Vereinigten Staaten, dieser Tage bei seiner Rückfahrt in den Hafen ran Neuyork mitgebracht: das Eis der Behringstraße taut auf! Tie außerordentliche Hitze dieses Sommers hat sich auch in den nördlichen Gewässern der Behringstraße, die sonst dick vereist sind, fühlbar gemacht, und mit Staunen sah die Mannschask des „Beard", wie an Stelle der früheren Eismassen freies Fahrwasser vorhanden war. Ein anderes Fahrzeug der amerikaniscken Regierung, so berichtet der „Araldo Jtaliaiw" in Neuyork, bestätigt diese Nachricht vollauf. Es handelt sich um einen Kreuzer, der in den polaren Gewässern eine Reise von beinahe 10000 Seemeilen ausgeführt hat und überall außerordentlich starke Eis- abschmelzungen festgestellt hat. Wie weit bis zum Pole sich die Wirkung des warmen Sommers erstreckt, weiß man natürlich nicht. SaiiM. Berlin, 30. Aug. In der heutigen Monatssitzung des Zentralausschusses der Reichsbank wurde unter Hinweis auf den hohen Bestand an Metall und namentlich an Gold der Ausweis vom 23. August als sehr befriedigend bezeichnet. Seitdem hätte bis zum 23. d. M. der Metallbeständ um 10 Millionen abgenommen gegen 9 Millionen im Vorjahr. Die Anlagen hätten um 33 Millionen zugenommen gegen 18 Mil- (ionen im Vorjahr. 'Die fremden Gelder hätten sich um acht Millionen vermehrt gegen 19 Millionen im Vorjahre. Der Betrag der ungedeckten Noten habe am 26. August 186 Millionen betragen gegen 264 Millionen am 27. August des Vorjahres, so daß sich der Stand um 78 Millionen besser darstelle als im Vorjahr. Zn einer Veränderung des Diskonts liege kein Grund vor. Märkte. fc. Frankfurt a. M. Stlnveinemarktbericht V0IN 30. Aug. '2hifaetviebeii waren 2289 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 52.50—54.00 Alk., Schlachtgewicht 67.00 — 68.00 Tif., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 51.00-52.50 Mk., Schlachtgewicht 66—67.'0 Mk.. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgeivicht 52.50—54.00. Mk, Schlachtgewicht 66—66.50 Mk.: vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 52.0"—54.00 Mk., Schlachtgewicht iiß.00—68 Mk.; Fettfchweine über 150 kg Lebendgewicht 00.00 bis 00.00 Aik., Schlachtgewicht oo.OO—00 Mk. Sauen 00—00 Mk. Geschäft mittelmäßig, verbleibt Ueberftanb. Limburg a. d. Lahu, 30. Äug. Fruch tmarkt. Durch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 17,30 Mk, weißer Weizen (angebaute Jremdiorte) 16,80 Mk., Korn 13,00 'l’it, Gerste: utlergerste 0ü,00 Mk., Braugerste 00,00 Mt.. Has« Mk. 8,50, v rbieu 0,00 Mk^ Lartoffeln 8—0,00 Pik. F.C. Wiesbaden. B >ebh of-Mar k tbertch: vom 30. Aua. Auftrieb. Rinder 115 (Ochsen 82, Kühe 83, Bullen 0), Kälber 8.H, Schale 27, Schweine 433. Tendenz: Rmder, Kälber, Schale und Schweine mittelmäßig, Preis Durch. pro 100 Pfd. schnittsprett hebend. Lchiachc- pro 100 Mund Cd>l,n. »onÄUi» Voll fleischige, auSgeniäftete, höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt 48—50 87—90 49 88 Junge, fleischige, nicht ausgeniästete und ältere ausgemästete...... 43—46 80—85 44 82 Ungejochte..........50—53 90—96 51 93 Bullen. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtivertes........ 43—45 78—82 44 80 b ä cf en, Kühe. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst, Schlachtivertes . 46—51 34—91 48 87 VoUfleifchige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtivertes bis zu 7 Jahren . . 37—39 71—75 38 78 Wemg gut entwickelte Färsen und älteee ausgemästete Kühe 32—36 65—72 34 68 Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 27—30 60—68 28 64 K äl. b er. Feinste Mastkälber 60-62 100-104 61 102 'Mittlere Mag- und beste Saugkälber. 53—58 89-97 55 98 Geringere Mast- und gute Saugkälber 48—52 80—87 50 83 Geringere Saugkälber 43—47 72—78 45 75 S ch a ie. Weidemastschafe 43-00 86—00 43 86 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 53—54 68—69 53 68 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 53—54 68—69 53 68 Vollfleischige Schweine über 2*/, Zentner Lebendgewicht 51—52 66—67 51 66 Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht ...........52—53 67—68 52 67 Sauen 48—49 62-63 48 62 Spielplan des Kurhaus-Theaters Bad Nauheim. Direktion: ©ermann Steingoetter. Sonntag, den 3. September: .Doktor Klaus." Mittwoch, bet 6. September: „Ter dunkle Punkt." Freitag, den 8. Septemb«: Gastspiel voii Frau Gertrude B u u m e i st e r - F e l s e g g: lebe das Leben." Sonntag, den 10. September: „Im weiß« Rößl." kirchliche Nachrichten. Osraeüuitye Ncligionsgesellschast. ©ottesöicnft. Sabbatieier am 2. September 1911: Freitag abend 6.40 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Ubr. „ Nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-AuSgang 7.55 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.00 Uhr, abends 6.30 Uhr. Miiller'fche Badeanstalt. Wasserwarme der Lahn am31. August: 176 B. Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. August 1911 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absoliite Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Grad der Bewölkung In gehntel der fichtb. Himmelsfl. Welter 30 2" ^51,3 21,9 8,9 46 NW 2 10 30. 9“ <51,8 17,7 11.2 74 — still 10 31. 754,4 13,3 9,4 83 — n 0 Höchste Te ÄiedrigNe viiederichl mperat ig: uc ai 0,0 m 29. 29. m. bis 30. , 30. Au zust = • 4- 22,4 *C. 14,2 *0. Automobil-Vertreter: Wilh. Hamel.tHessen, Hielt*n*trase« Für Fahrräder: Adam Kircher, Giessen, Bleichstrasse» usselsheim Man verlange ir Sanatorium Lindenfels zwischen Darmstadt— eidelberg, 400 m hoch herrL gelegen. (m% 4 2 Zu w zwei pnieien. L Verseh West-Anl ä^r3.im,nt Elektr. u. ä9c« zum AKr 'Vater, "dudez. u. t Btnn. grankfui 2:Z.Wol)ni & AM "gtcinp1 Wiesenstr. K“ w« Mchenlammer L slbönem Cbl M G°L und Ru erfrage11 iffl_ WM t(h. ar. 4-Zimi ml Loggia, groge .immer und alle L Oktober zu ve fjoonslrabt 2g_ 1*32 “ >um 1. 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