Erster Blatt 16V Jahrgang Mittwoch, 21. September 1911 General-Anzeiger für Oberheffen Nr. 22? erschein! täglich, au?er d r-?-m:; 475*91,eiert* VJ iv ■ IV IV V W MV l'WlV V riirtfd}aftli in'oill'ch wr den l..r die Redaktion 112, *7^ < ^-r polthlcfcen teil: Sluquft TSS- General-Anzeiger für Gberheffen SSS •a7aö^e2*rtnu?nmfr Rotationsbrud unt Verlag der vritkf lachen Univ.'vnch. und Steindruderei H. Lange. Nedaklion, Lrpedilion und vruckerel: 5eß:°är d!! bis Dormnag« 9 Uhr. vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle vahnhosftraße |6&* Anzeigenteil: r». Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Per Streit um Tripolis. Tie Spannung zwischen Italien und der Türkei, bic in jedem Äugenblut die ernsrestcn Formen annehmen kann, bestehl unverändert loruer. Italien Hal dem tür- lischen (DroRivefir eine ernste Woic überreichen lassen und gegen die Gefahr protestiert, der Die Italiener bi 'Jiuiehnancn ausgesetzt seien, Ileberraschendcrweiie soll der nabinettsral in nonstautinopel beschloisen haben, den loin schastlichen Wünschen Italiens weitgehend entgegenzltkvm men, tvas tmmerhin em ihugegeniommcn bedetnet und beweist, daß die lurkischeii Staatsmänner den Movi nicht verloren haben. Man könnte cs ja verstehen, lvenn die Urregung über die italienische iperauviorDciung zu einem Bruch führen werde Tie Meldung, baß bic türkische Flotte von Beirut nach Tripolis abgehen luerbc, ist nicht sehr ernst zu nehmen. Tenn die tnrlischc Flotte Hal gar zu genügen Gesechtswert. Tas wird auch der Grund sein, ub man in Konstantinopel Feindseligkeiten ausweichen will. Tie Pforte soll verschiedene BermiUlungsantr.ige an bic Mächte gestellt haben. Es wird berichtet: Rach der „Iribunn" hat der italienische Geschäftsträger in Konstantinopel dem Gr oß- wesir eine sehr energische Note überreicht, in der Italien gegen die Gefahr protestiert, der Die italienische Kolonie in Tripolis durch den Fanatismus der Muselmanen ausgesetzt sei. Tic Note sagt, Italic,i würde eine Entsendung türkischen Militärs iiach Tripolis als iiveraus schwer,viegenden .Akt ansehen. Im türkischen Ministerrat wurde beschlossen, die Einberufung der Reserven vorzubereiten. Tic türkische Flotte werde von Beirut in der Richtung Tripolis abgehen. Ein Kabinettsrat unter dem Barsch des Großwesirs beschloß, allen wirtschaftlichen Wünschen Italiens in weitgehendster Weise entgegenzukommen, soweit es die Würde der türkischen Regierung irgendwie zulassc. Alle Ausschreitungen gegen italienische Untertanen in Tripolis sollen schwer bestraft werden. Rach einer Meldung aus Konstantinopel hat die Pforte auch England, Frankreich und Rußland um ihre Vermittlung gebeten. Tic drei Regierungen haben aber mit kühlem Bedauern abgelehnl. Tem „Poppolo Romano" wird aus Berlin telegraphiert: Tee deutsche Botschafter von Iagow ist nach Rom abgereift Hier erklärt man zu dem Gerücht über une deutsche Vermittlung, daß bic deutsche Regierung bis jegr noch nicht mit derartigen Verhandlungen befaßt worden in. Tas schließt aber nicht aus, daß sie sede besondere Gelegenheit benützen wird, um eine friedliche Beilegung der Differenzen zwischen Italien und der Türkei zu erreichen. . w Tie „Taily News" melden auS Malta i^Tie italienischen Dampfer „Sieilia" und „Lar- degna" nahmen Truppen von Syrakus und dem benachbarten Hafen Augusta an Bord. Teutsche Offiziere bei einem etwaigen Krieg. Tic „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Nach einer auch in deutsche Blatter übergegangenen Mitteilung soll die deutsche Regierung den m der türkischen Armee dienenden deutschen Offizieren die Nachricht haben zugehen lassen, daß sic an einem eventuellen Krieg gegen Italien sich keineswegs beteiligen sollten. Auch England soll bereits einen gleichen Schritt iiiucrnom- men haben. Was Deutschland anlangt, lag zu einer derartigen Mitteilung schon au.- dem Grunde fein Anlaß vor, tveil die deutschen Offiziere im türkischen yeere nicht als Truppenführer, sondern als Instrukteure angc- ftellt sind. Ter allgemeine Ausstand in Italien gescheitert. Tie ,Agenzia Ltefani" meldet: „Tic Versuche der Sozialisten in Rom, Mailand, Como, Varese und unteren Städten, den allgemeinen Ausstand zu erklären, um gegen das Borgern in Tripolis zu vrotefneren, find an der einmütigen Haltung Der öffentlichen Meinung gescheitert. Das Zentralkomitee der Eisenbahner fordert diese ans, sich jedem Ausstande fernzuhalten, mit der Erklärung, daß diese Kundgebung der Ernsthaftigkeit entbehren und nur eine dekorative Handlung sein würde. Pas Unglück von Toulon. Die französischen Marinesachverständigen sind sich über die Ursachen der Katastrophe noch keineswegs einig. Ent- weder taugt das Pulvermaterial nichts — und der Vizeadmiral Bellue soll schon die Ausschiffung der alten Pulver- Vorräte von den Schiffen seines Kommandos angeordnet naben — oder aber die Mannschaft war allzu sorglos, und eine Leichtfertigkeit war die Ursache. Bezeichnend ist, daß heutc schon wieder von einem Brand auf einem französischen Kriegsschiff gemeldet wird, der offenbar auf Unvorsichtig- teit zuruckzusühren ist. Tie französischen Fachmänner aber die Ursachen. Der frühere Marineminister Picard sagte über^die Gründe der Katastrophe: Wahrscheinlich wird man die Ursache der Katastrophe niemals kennen. Eine Selbstentzündung des Pulvers scheint mir ausgeschlossen. Bei der Explosion der „Jena" hat man das Pulver zu Unrecht angejchuldigt. Ter amtliche Bericht hat gezeigt, das; diese Katastrophe die Folge einer Unoor sicht, g teil war. 11 n b e ft r eit bar sind unsere seeleuie an Bord außerordentlich sorglos. Wahrend ich Minister war, brach Feuer an Bord eines Kreuzers aus, weil ein Matrose neben finem Licht, das in einem hölzernen Behälter brannte, einaeschlummert war Es wäre nicht feit zum ipicr gefallen wäre. Tamil stimmt überein, was dem „Malin" aus Toulon gemclbci wird. Ta» Feuer fc, im Oelmagozin der .Livertö" ausgebrochen und habe sich von da naw der Pulverkammer öerereilet Tic Luken, die zum Unterwasserjetzen dienen, habe man nicht öffnen lönnen. Einer anderen Ansicht ist der Admiral M a r i n »T a r - bei, der etllärt, die kleine Tetoncnion, Die Der größeren Explosion vorausging, lasse vermuten, daß Lelbuentzün- Dung des Pulvers vorliegt. Tas Pulver „B" zersetze sich und müsse ost erneuert werden. Ter Matineminister Telcaffe erklärte den Iourna listen, die sich gestern um ihn versammelt halten: Infolge ucr Explosion Der „Jena" wurde seinerzeit ein Aassthuß für oie Pulverlrage ernannt. Tie Beschlüsse dieses Aus- fchusses sielen gegen Die frühere Methode der Fabrikation ocs Pulvers „B" aus. Tie Fabrilationsmethvde des Pulvers sollte geändert werden Ader das nach Der neuen Methode fabrizierte Pulver ut noch nicht in Gebrauch. In diesem Punkte ift der Marinennntster ohnmächlig. Denn das Pulver tvird von Den zustänoigen Stellen des Kriegs- Ministeriums gctieserl. Ungo'ichts der Ungewißheit der Ursachen der Explosion der „Libens" ordnete der Vizeadmiral Bellue ast, die Schisse seines Kommandos sollen alle vor 190 2 her- gestellt en Pulver Vorräte und alle Hebung» Munition u n v e r z li g l I äs ausschiffCn. Eine neue Folge von Unvorsichtigkeit. Toulon, 20. Sept. .Ins oem ganzer „Patrie" brach i ii e i ii e r K a f e m a t t e d e v V o r d e r o e ä s F e u e r a il s. Ter Brand wurde gleich bei Beginn auf feinen >? erb beschränkt, so daß nur unbcbcutcnbcr Schaden en: nanben ist. Einer der geretteten Lsfiziere Der „Libertv" erklärt, der B r a n d s e i m e h r c i c »tun- den bekannt gewesen, ohne das; Alarm gc blasen wurde F a st die gesamte Mannschaft schlief. Nach der ersten Explosion wurde der fomman Dicrcubc Leutnant verständigi, der Alarm schlagen ließ. Ter Quartiermeister lag zwischen Eisen» und Trümmer- niajscii eingeklemmt; sein rechter Fuß war durch einen Eilcnblock zerschmetteri. Erst nach Drei Stunden konnte er befreit werden, nachdem man den Fuß abgetrennt yaite. Ter Mann ertrug die Lpcration mit stoischer Ruhe. Ein Matrose der Liberte eingejchlosien. Aus Toulon wird gemeldet: In einem der Hinteren Geschütz türme der „Liberte" ist ein Matrose etngeschlossen, an Denen Befreiung gegenwärtig gearbeitet wird. Ter Mann erklärt, er sei nur leicht verwundet, aber in Dem Turme befänden sich Die Leichen von zwölf Kameraden, d.'ren Verwesung das Atmen unerträglich mache. Man konnte dem Einge,chlosscnen durch eine k l c i n c £ c f»- n u n g Nahrung zusuhren Er versprach, nach Kräften ausl arren zu wollen, bat aber feine Retter um möglichste Beschleunigung. Ter Ersatz der Liberte. Im „Matin" n .rb u\. ......g. ..j a usgesprochen, durch nationale T.ii'i.i... .. loren gegangenen Panzers aufzubringen. Tie Berluflzisser. Paris, 26. Sept. Tie genaueZifferder Toten der „Libertv" wird erst morgen befcnntgcgcocn werden. Vorläufig gibt man nach einer Enauetc in Toulon folgende Ziffern an: ti38 Tote von Der „Liberts" und 100 von den anderen Schiffen. Die Entscheidung der Zortschritlspartei für die Landtagswahl in Siegen Ließen, 27. Sepl. Der Verein der fortschrittlichen Volkspartei hielt gestern abend im Einhornsaale eine gut besuchte Hauptversammlung ab, um Stellung zu der bevorstehenden Landtagswahl zu nehmen. Ter vom Vorsitzenden, Iustizrat Metz, erstattete Bericht über die bisher in der Angelegenheit geschehenen Schritte schloß mit dem Antrag, bei der Wahl in Gießen-Stadt-Wieseck selbständigoorzugehen.da die an sich tvünschenswerte Verständigung mit der nationalliberalen Partei wegen eines gemeinsamen Vorgehens nur bann annehmbar erscheine, wenn eine Einigung im ganzen Land oder doch für Die Städte ermöglicht werden könne. Nach längerer Besprechung stimmte Die Versammlung dem Antrag des Vorstandes einmütig zu und stellte £berlehrer Professor Urstadt als Kandidaten auf. Für die übrigen für die diesmalige Landtagswahl in Betracht kommenden Bezirke unseres Reichstagswahltreises ift eine Einigung der Heiden liberalen Parteien erzielt worden und zwar auf der Grundlage, daß im Wahlbezirk Lich-Hungen die Fortschrittspartei, und im Wahlbezirk Nidda die nationalliberale Panei den Kandidaten stellt. In Lich-Hungen ist Leminarlehrer Leucht- g e n s» Friedberg ausgestellt worden, während für Nidda die Kandidatenfrage noch nicht erledig» ist. Ein in Aus sicht genommener, in Dem Bezirk wohnenDer Herr tonnt, nicht ausgestellt iverDen, weil er erst am ö. November, also zwei Tage nach der Batst, hessischer Staatsangehöriger wird Auch der im Wahlbezirk G r o ß e n-Li n de n- Heuchelheim von der forrschriulichen Vvtkspartei in Aussicht genommene Kandidat wird von den National- liberalen unterstützt werden. (Eit srauzöfische Antwort. Tas Lolsfsche Bureau teilt mit: Unseren Informationen nach trägt der am Montag abend vorn Botschafter u am von uberbrach'e französische Vertragscnt- irnrf über Marokko im wesentlichen den Wünschen der bei- ben Regierungen Rechnung, wenn auch in den Einzelheiten noch einige redaktionelle Aenderungen vorzu- nehmen fein werden. Die Udogcrung von iäbris. Täbcie. 26 Scp: Ein .ivenagr^er Beiiuch der Ver- tcidigcr bce Stadt, bic Anhänger Schul'cha ct> Tauleh» au» der Crtiäaii Karame11k »u vertreibest, nnszlang Ans L?cjscn. AuSde m 3. ober hessische tiReich-tagöwahk» kreis. Landwirtschastsiehrer Heck-Alsfeld ift nun* mehr als offizieller Reichstaaskandidat der national- liberalen Partei auig.irHlt worden Tie Wahlkreis- icitung ist mit Herrn Hcct bereits in Die Agitation ein- getreten. £b ihm die Unterstützung der fortschrittlichen Bollspartei zuteil iviro, ift noch unentschieden. Dcutschc» Neicb. Ter Prinz rege nt von Bauern ift am TienS- teg nach Berchtesgaden abgereist. In Kassel schloßen bic Lanbcsorganisationcii ber fortschrittlichen Vc> 11» vartci und ber 91 a 11 o n a l liberalen einen Gegen scitigkeitsvertrag ab zur Wahrung de» gegenseitigen Besitziianbes in Kurde,sen Tabei nt bemerken»- nicrt, bau öic Nationalliberaleii im Wahtkrei» Frivlar-vom- beig-Iiegenhain, bisher vom verilorbcnen Abgeorbnelen Vtebcrmami von Sonnenberg vertreten, nicht ben Baucrnbuntl r jbcflcrmann, fonbem ben Kanbibaten der sortschritlltchen Vottc- Vflrtei, ben Simbikns der .Eanbetskammer Göttingen, Tr. Ia- porie, geschlossen unierftübcn wollen. Ter Berliner „Lokalanzeiger" meldet auS Trier: Tem Vernehmen nach stellt bas Ientrnm dem Abgeordneten Basser- in a n n ben Landtagsabgeorbneten Bergarbeiiei Lauer mann als ^fs e i ch s t o g s k a n b i b a t c n für ben Wahtklei» Saarbrücken gegenüber. Tie Nationalliberaleii ScS ReichstagSwahlkreiseS Äannover-Stabt zogen ihre tlanbibaiur gemäß dem liberalen PrormnalaLkomm^ii Aurua und beichlossen, für den fortfcfontl- lichcn Kandidaten, Iustizrat Len-berg, einzutreten. Ausland. AuS Prag wirb gemdoet: Tie tschechische Agrarpartei beschloß heute, in die Zuweisung ihres Notstands- a n t r a g e S an den LanbesauSfchuß gemäß der Forberung der Tculichen emzuwllligen. Tadurch idTemeii die Schwierigkeiten, tic dem normalen Verlaus D r Landlagsieilion aus dem tschechischen Antrag drohen, im wesentlichen behoben zu sein. Tic Telefliertcnoeriammlunp ber Internationalen Friebcnsvereinigung beschloß, den Friedenskongreß, ber anfangs Oktober in Rom beginnen sollte, vom 21. bis 27. März in Rom obAuhalien, wenn das in Rom aus irgendeinem Grunde nicht möglich sein sollte, dann ut Bent. Eine Blattermeldung aus Nachod lautet: Am Dkontag abend zerstörten 2000 Textilarbeiter in dem Torfe Zbccnik acht Wirtschaftsgebäude und vernichteten die Vorräte. Es wurden 70 Gendarmen entsendet. . , ___ÜJ____ . .--1____! - । ■ ..-J.-J1 beer nnö Flotte. TerKronprinzistnichtOberstderTanziger Leibhusaren, wie vielfach angenommen wird, sondern ist nach wie vor Major und Regiiiientskommandeur. Sein Patent als Major ist nur um b Monate vordatiert worden, damit er der älteste Stabsoffizier des Regiments ist. Wie mau annimmt, wird die Belöcdcruna des Kronprinzen zum Lbersten — die Charge des Lberftleutnant ubcnpniigcn Die Thronfolger — in nicht allzuierner Zeit erfolgen, spätestens zum Geburtstag des Kinsers. Ter jetzige Kaiser wurde bet der Uedcrnahme des Gardehusarenregiments ivsort Oberst im 27. Lebcnsjal^re, während der Kronprinz bereits im .*). Lebensjahre stehl. Tas Avancement ist also ,ctzt auch für die Thronfolger schlechter geworden. 2lr beite rbctvcßung. R. B. Xnrraftoot, 26 Sepr In Sachen des Trans- vorlaroeiter st reikes hat le'it Die Lei.ung der ü reiten oen .Irbiiicr ein Flugblatt „An Die Bürgerschaft' verteilen lassen, wor,n sie die begangenen Jlusicfcrcitungen abzuschnachen i.tiudu. Tas Flugblatt rersteigt ul' ogar bi- $u ocr Bebauptung, daß die rorgelommenat Ausschreitungen Durch Die Schuld Der Aibeu- gcber hervorgeruien worden ieun. Tcmgcgcnüber wird vom Vor- fiand der regier en erklärt, caß er ?u Verhandlungen wegen Lohnerhöhung durchaus bereu gewesen »ei, und daß Die gemeinsame Vcratung zwischen Arbeitgebern und^Arbeitnehmern nut an Der 3orccvin0 Der Letzteren scheiterte, dm Teutichen Transport- arbeitcrcerbanD als Die einzig berechtigte Organisation Der Arbeiter anzuerkennen. Im aLrigen ist iestzustellen, caß durch da» »eit Samstag molgtc /. änert Vorgehen Der Polizei eine nachdrückliche Wirkung eruelt wordm ist Tie Ansammlungen in Der Nahe Der Arbeit-tstätzc und Die Belästigungen Arbeitswilliger Dauern zwar noch fort, aber da Die Polizei inzwuchen t ercitd zirka 3Dock- eigeniümer unterließen, dem im letzten Streit vom .Schiedsrichter g^ällten Spruck^e zu entsprechen. Au- Stadt rrnd Land. Gießen, 27. September 1911. -Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Geh. Oberschulrat Nodnagel zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Königlichen Kconenordens 2. Klasse erteilt. — Pfarrpersonalien. Der Grobherzog hat bcm Pfarrer am Diakonissenhaus Elisabethenstift. zu Darmstadt Johs. D egg au die evang. Pfarrstelle zu Beedenkirchen übertragen. ** Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Gilbert Ött zu Gundernhausen erne Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ernsthofen, der Schul- anrtsaspirantin Gertrud Seiderz aus Speicher (Rheinpreußen) eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Bieber (Kr. Offenbach). Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die Lehrerstelle an der Gemeinde- Schule zu Hesselbach präsentierte Lehrer Hch. Jos. B e ck e r l e zu Lützel-Wiebelsbach. Erledigt sind: Die mit einem evang., Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vöckelsbach, die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reb- geshain, mit ihr ist Organisten- und Vorlesedienst verbunden. Dem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter-Seiberten- ro d; mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. •• Stadttheater. Da WilbrandtS „Meister von Palmyra", mit dem am Sonntag die neue Spielzeit eröffnet wird, in Gießen Neuheit ist, dürfte eine kurze Inhalts- angabe des Werkes weitere Kreise interessieren: „Im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, da das niedergehende Heidentum seine letzten Kämpfe gegen das siegreiche Christentum kämpfte, war Palmyra die zweite Stadt des römischen Weltreiches. Der hochangesehene Baumeister Apelles kehrt als Roms Verbündeter siegreich aus einem Perserfeldzug zurück, freudig erwartet von der Vaterstadt Palmyra. In einer JelSwildniS begegnet er dem „Herrn des Todes", sowie dem „Herrn des LebenS" Der letztere sagt ihm auf dringendes Bitten ewiges Leben zu, doch mit der ernsten Warnung: „Leben ohne Ende, kann Reue werden ohne Ende". Doch ApelleS traut auf die „ZwillingSbrüdecr Arbeit und Genuß", und während Generationen um ihn hinsinken, lebt er weiter und baut Griechentempel und christliche Basiliken den wechselnden Geschlechtern. Wie der Meister ein Bild des Lebens ist, so ist das Abbild des TodeS ein Weib, das dem ApelleS in fünferlei Gestalt durch fünf Generationen unerkannt begegnet und wieder verloren geht. Durch ein ganzes Jahrhundert zieht sich die Handlung hin, und wie die Geschlechter vergehen, mit denen Apelles jung war, so sinken die Bauwerke in Staub, die der Meister errichtete. In den Trümmern von Palmyra ersteht ihm dann endlich die Erkenntnis: „Nur der kann leben, der in andern lebt, an andern wächst, mit andern sich erneut; ich bin ein Mensch, ich hab des Todes Recht, und wie die Toten alle will ich sterben." Der „Herr des Todes" erscheint dem Helden schließlich nicht als der Sensenmann, sondern als Pausanias, „der Sorgenlöser". •• Stenographie. Am Sonntag fand hier eine Bezirksversammlung der Stolze - Schrey'schen Schüler st enographen aus Hessen undHessen-Nassau statt. Das Wettschreiben am Morgen, zu dem außer Wettbewerb auch Nichtschüler zugelaffen waren, fand rund 90 Teilnehmer. Nach dem Festessen im „Hotel Schütz" fand dort eine geschäst- liche Beratung statt. Gleichzeitig hielten die Vereine der Erwachsenen (Bezirk Oberhessen und Dilltal) eine Vertreterversammlung ab, mit der ein Wettlesen verbunden war. Bei der Abendunterhaltung im „Hotel Schütz" hielt Hauptlehrer Fenner aus Marburg einen Vortrag über die Geschichte der Kurzschrift. DaS Ergebnis des Wettschreibens und Wettlesens wurde noch am selben Abend verkündet. Es konnten trotz der strengen Bedingungen 79 Preise vergeben werden. Dabei hatte der Gymnasiasten-Verein Stolze-Schrey Gießen einen glänzenden Erfolg zu verzeichnen, eroberte er doch nicht weniger als 2 3 Preise. Abt. 240 Silben: 1. Preis Jos. Kübel. Abt. 200 Silben: 1. Pr. Adolf Dörmer. Abt. 160 Silben: 1 Pr. Karl Strack. Abt. 140 Silben: 1. Preise Ernst Strack, Ferd. Strack. Abt. 120 Silben: 1. Preise Gustav Brandau, Wilh. Schaaf (Anfänger), Kurt Frey (Anfänger); 2. Pr. Ludw. Bücking. Abt. 100 Silben: 1. Preise Otto Brandau, Friedr. Müller (Anfänger); 2. Pr. Friedr. Dahmer. Abt. 80 Silben: 1. Preise W. Nowack, Fritz Müdicken, Konr. König, Wilh. Grünewald. Abt. 60 Silben: 1. Preise Grein, NicolauS; 2. Preise Eckardt, Aubel; 3. Pr. W. Kling. Von Schülern anderer Gießener Schulen wurden noch drei Preise errungen: Abt. 100 Silben: 1. Preis Ad. Kreiling (Oberrealschule); Abt. 60 Silben: 2. Preise Ferd. Schott iRealgymnasium), Karl Ockel (Volksschule). Die meisten Preisträger erhielten außerdem noch schöne Wertgeschenke. Besondere Beachtung verdienen noch folgende sehr hervorragende Leistungen: In der Abteilung 340 Silben gab ein Mitglied des hiesigen Stadtvereins, Heinr. Bcrghöfer (Schreinergeselle) eine Arbeit ab, die nur 2^ Fehler aufwics. Er erhielt dafür einen ersten Preis. Weiterhin lieferte Herr stud. Theiß (Wetzlar) bei 240 Silben in ungekürzter.Schulschrift eine preiswerte Arbeit ab. Beim Wettlcsen der Stadt- vereine waren die höchsten Leistungen: 1. Preis Jos. Kübel, Gießen (Gymnasium), mit 451 ©iben; 2. Pr. stud. 0. Theiß Wetzlar, mit 439 Silben, 3. Pr. Adolf Dörmer, Gießen (Gymnasium), mit 410 Silben. _ ** heiteres Vorkommnis ereignete sich tue)er -tage ui einem oberhessischen Städtchen in oer Mitte der Marburger Straße, als die letzten Arbeiter zum Essen wollten Steht da em etwa vierjähriger Junge und schreit fortgesetzt „nach heim." Man nahm hieraus, daß sich der Junge verlaufen hatte. Vorübergehende Arbeiter bemühten sich nun, seinen Warnen festzusteilen, um ihn „nach heim" zu; postigen. Doch auf alle Fragen antwortete der Verlaufene blos „nach heim". Was nun, wohin mit dem immer mehr „nach heim" Schreienden. Auf die Bürgermeisterei bringen, meinten verschiedene Arbeiter. Endlich kam einer der Arbeiter auf die drollige Frage „wo holst du denn deinem Vater den Schnaps?" Bestürzt antwortet der Junge „beim H . . . . G......" Auf die weitere Frage „und wo gehst du denn daraus": „Ei durch die Mainzer Gasse," lautete die Antwort. Bald war denn auch der arme Junge „daheim". Landkreis Gießen. Reiskirchen, 26. Sept, dnser Bahnhofsgebäude wird eine bedeutende Erweiterung erfahren. Die Bahn hat zu diesem Zwecke bereits Gelände erworben. Das Bahnhofsgebäude soll his zu dem 190J erbauten Wartehaus verlängert und außerdem ein entsprechender Güterschuppen angebaut werden. — Unser Schulhausneubau wird mit Beginn des Winterhalbjahres eingeweiht. Um die ausgeschriebene Schulstelle haben sich 10 Lehrer gemeldet. O Lich, 26. Sept. Die Kartoffelernte, die viel besser ausfällt, als man ursprünglich erwartete, ist jetzt in vollem Gang. Bis zur Kirmes, die nächsten Sonntag stattfindet, wird sie schon beendet sein. Eigentümlich ist die Erscheinung, daß die Kartoffeln in der Erde schon seit Wochen Keime zeigen, eine Beobachtung, die seit vielen Jahren nicht gemacht worden ist. Auf vielen Aeckern stehen die Kartoffel sogar in zweiter Blüte. Auch auf dem Stadt- wall gegenwärtig blühende Linden und Kastanien sind eine Folgeerscheinung der abnormen Sommer- ,und Herbstwitterung. ch. Lollar, 26. Sept. Zu dem Berg tu rufe st bei Großen-Buseck am 24. d. Mts. wurden vom hiesigen Turnverein 22 Wetturner entsandt, die auch sämtlich Preise errangen. Im Laufe des Jahres 1911 wurden von dem Verein im ganzen 53 Preise errungen. Kreis Büdingen. ::Büöing en, 25. Sept. (Schö ffeng erichtssitzung.) H. E. von Stockheim hatte gegen den ergangenen Strafbescheid des Finanzamts Nidda wegen Zuwiderhandlung gegen die Reichsgewerbeordnung und das Hess. Wandergewerbesteuergesetz gerichtliche Entscheidung beantragt. In der heutigen Verhandlung wurde er srcigesprochen, die Kosten belasten die Staatskasse. — Der Küfer K. H. von Büdingen wird wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zu einer Gefängnisstrafe von 1 M o - nat verurteilt. Ter Straßenwärter I. B. von Lorbach wird wegen Körperverletzung mit 3 Mark oder 1 Tag Gefängnis bestraft. — Ter Zimmermann R. K. aus Crissowa, zurzeit ohne festen Wohnsitz, hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns mit 2 Wochen Haft verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. — Ter Weißbindergeselle I. L. zu Hüttengesäß wird wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 10 Mark, oder 2 Tagen Gefängnis verurteilt. — Ter Pächter Ch. W. B. von Rinderbüger-Hof wird wegen Ueber- tretung des Reichsviehseuchengesetzes zu einer Geldstrafe von 6 Mark oder 2 Tagen Haft verurteilt. — Wegen Viehseuchen- Vergehens wurde der Händler S. St. freigesprochen. — Unter Abtrennung der Verhandlung gegen A. St. wird das Verfahren ausgesetzt und neuer Termin auf Montag, den 13. November 1911, bestimmt. — Ter Viehhändler A. F. in Büdingen ist des Viehseuchen-Vergehens angeklagt. Tie Verhandlung wurde auf Montag, 9. Oktober 1911, verschoben. — Der Schneider K. H. S. aus Schneeberg, zurzeit ohne festen Wohnsitz, und der Taglöhner K. R. aus Eichen, werden wegen Bettelns zu je 4 Wochen Haft verurteilt. Tic erlittene Untersuchungshaft wird dem K. R. angerechnet. Beide Angeklagte sind nach verbüßter Strafe der Landespolizeibehörde zu überweisen. Der Taglöhner O. M. aus Büdingen ist der Beleidigung im Sinne des § 185 St.G.B. angeklagt; die Oeffentlichkeit wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit ausgeschlossen. Tas Schöffengericht Büdingen überweist nach erfolgter Beweisaufnahme unter Feststellung seiner Unzuständigkeit die Strafsache an das Schwurgericht des Landgerichts Gießen. △ Ober-Mockstadt, 23. Sept. Die U eberreich u n g der Ka i s e r s ch l e i f e an den Kriegerverein fand im Beisein des Präsidialmitgliedes der Hassia, Will-Rendel, durch Kreisamtmann Fröhlich statt. Lehrer Jung hielt die Begrüßungs- und Pfarrer Kalb Henn die Festrede. Ter Posaunenchor wirkte bei der Feier mit. Kreis Alsfeld. lz. Renzendorf, 26. Sept. An der Straße von hier nach Unter-Sorg zu stehen viele Aepfelbäume. Da die Aepfelernte dieses Jahr spärlich ausfällt, wurden die Bäume mit doppelter Sorgfalt bewacht: denn zahlreich hingen die Früchte in den, Aesten. Aber trotzdem gelang es doch langfingrigen .Händen, die Bäume ihres Schmuckes zu berauben. Mer schon am nächsten Morgen verbreitete sich in der Umgegend das Gerücht, es werde ein Polizeihund an Ort und Stelle geführt werden, um die Diebe ausfindig zu machen und siehe da, wie exakt ein Polizeihund arbeitet! Noch hatte er seine wertvolle Nase nicht in Tätigkeit gesetzt, da waren die Diebe schon durch seine geheimnisvolle Einwirkung entdeckt. Freiwillig meldeten sich die beiden Uebel- täter und gestanden ihr Vergehen ein. Es waren zwei Orts- bürger aus einem Nachbardorfe. Kreis Lauterbach. n. Schlitz, 26. Sept. In diesen Tagen verläßt nach fast lljähriger Tätigkeit Hierselbst der Stationsführer der hiesigen Gendarmerie. Wachtmeister Jak. O h l unser Städtchen. Er ist nach Jugenheim a. d. B. versetzt worden. Die Bürgerschaft sieht den pflichttreuen, eifrigen, aber stets humanen Beamten nur mit großem Bedauern scheiden. An seine Stelle wurde Fußgendarm Hauß von Ober-Ingelheim hierher versetzt unter gleichzeitiger Beförderung zum Wachtmeister. i. Herbstein, 26. Sept. In Zeiten, wo das Schicksal dem Menschen einmal wie in diesem heißen und dürren Sommer zuwider ist und die Gemüter der Menschen bedrückt, ist es immer etwas Beruhigendes und Tröstliches, zu hören, daß all die betrübenden Erfahrungen, die wir machen, auch anderen vor uns schon unzählige Male machen mußten. Und so mags jetzt vielen nicht uninteressant sein, zu hören, daß u. a. auch das Jahr 1590 ganz dem heurigen ähnlich war. In einem alten Herbsteiner Gerichtsbuch findet sich nämlich folgender chronikalische Vermerk: „Anno Domini (15)90 ist so ein heyßer Sonneschein große Dührn gewest von Walpurgis ahn bis zum Eriestag, daß grosser mangel mahlend halben, auch die sornrnersrücht, gerften, Habern, Erbsen, Liensen und flax, auch alles gardten-gewegse ist in diesem sonne schein alles verdorben, daß solches Jhares gleichen bet) menschen nicht gewesen, aber ein herrlicher alle maß trefflicher gubter ffiein, daß deren gleichen auch nihemals von menschen erlebt worden ist, gott schaffs serners nach sehnem göttlichen Willen." Leider verfaß der Chronist zu bemerken, ob der Wein, der in diesem bösen Jahre sein irdischer Trost war, im Rheingau oder in Herbstein gewachsen war. i. Lanz en Hain, 26. Sept. Ein hiesiger Einwohner wurde beim Ausladen von Fichtenstämmen im Oberwalde so unglücklich von einem fallenden Stamme getroffen^ er einen Bruch des, Oberschenkels, eine Quetschung des Knöchels und, wie es scheint, auch i'onftige innere Verletzungen erlitt. Ter Mann, der als fleißig und brav bekannt ist, wird umso mehr bedauert, als er schon jahrelang mit Unglück im Viehstande und Krankheit in der Familie heimgesucht ist und infolgedessen schwer um seine Existenz zu kämpfen hat. Kreis Schotten. st. Schotten, 26. Sept. Gestern vormittag 10 Uhr versammelte sich auf Einladung des stellv. Vorsitzenden Kromm-Schotten der Kreis verein der Bürgermeister im schönen Rathaussaale zu Schotten. Der stellv. Vorsitzende widmete dem verstorbenen 1. Vorsitzenden Bürgermeister Jochem-Laubach Worte des Dankes und der Anerkennung und die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. In der hierauf vorgenommenen Wahl wurde Kromm-Schotten zum 1. und Ritter- Laubach zum 2. Vorsitzenden gewählt. Tie von dem Rechner Lehr-Ruppertsburg vorgelegte Rechnung für 1904/10 schließt mit einem Rest von 10.33 Mk. ab. Da Lehr fein Rechneramt niederlegte, weil für ihn das Einziehen der Beiträge mit vielen Umständen verbunden sei, wurde Stadt- sekrelär und Kreiskasserechner Staul-Schotten zum .Vereins- rechner gewählt. Nachdem Viehl-Rainrod noch das letzte Protokoll verlesen und noch verschiedene Gemeiudeangelegen- heiten erörtert worden waren, schloß der Vorsitzende die heutige Versammlung mit dem Wunsche, daß seitens des Kreisamts nach Erscheinen der neuen Landgemeindeordnung bald eine Bürgermeisterversammlung gehalten werden möge. Anschließend hieran fand um 11 Vs Uhr die 106. Hauptversammlung des Landw. Bezirksvereins Schotten statt. De,r 1. Direktor. Geheimrat Schönfeld- Schotten erstattete in sehr ausführlicher Weise den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr. Die Rechnung schließt ab mit einem Rest von 635.39 Mk.; der Verein hat aus eigenen Mitteln zugunsten der Gemeinden und Mitglieder bei dem gemeinschaftlichen Bezug von künstlichem Dünger und Klee- samen über 1200 Mk. zugelegt. Nachdem dann noch der Voranschlag für 1911 festgesetzt und der 2. Direktor Cella- rius-Schotten einen sehr interessanten Bericht über die Bekämpfung der Futternot und die Erhaltung des Viehstandes erstattet hatte, wurde die Versammlung um 1 Uhr geschlossen, nachdem vorher noch beschlossen wurde, einem Anträge des Bezirksvereins Alsfeld auf Auflösung des Provinzialvereins vorerst nicht zuzustimmen. Hierauf vereinigten sich die Bürgermeister des Kreises, die Beamten des Kreisamts, der Stadlvorstand und eine Anzahl Schottener Bürger zu einem Festessen im Hotel „Zur Post" zu Ehren des am 1. Oktober aus dem Amte scheidenden Kreisrates, Ge- heimratSchönfeld. Bürgermeister Kromm-Schotten eröffnete den Reigen der Tischreden, indem er namens und im Auftrag des Stadtvorstandes dem Scheidenden für alles Gute, was er der Stadt Schotten, ihren Vereinen und jedem Einzelnen während seiner fast 24jährigen.Amtstätigkeit hier erwiesen hat, herzlichen und aufrichtigen Dank darbrachte und seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, daß Geheimrat Schönfeld nicht von Schotten scheiden, sondern hier bleiben werde. Seine Rede endete mit einem Hoch auf den Landesherrn. Alsdann feierte Bürgermeister Ritter- Laubach den Scheidenden namens des Kreisvereins der Bürgermeister als wohlwollenden und tüchtigen Vorgesetzten und fürsorgenden Berater der Gemeinden des Kreises. Namens der Kreisschulkommission widmete Schulrat Feuerbrech dem Scheidenden Worte des Dankes und der Anerkennung für seine segensreiche Dienstführung. Alsdann ergriff namens der Beamten des Kreisamts Kreisamtmann Dr. Probst das Wort und dankte Geheimrat Schönfeld für alle guten Lehren, die er seinen Beamten stets gegeben, und das außerordentlich große Wohlwollen, das er ihnen stets bewiesen hat. — Tief ergriffen von all den hochehrenden Worten der Vorredner fagte Geheimrat Schönfeld herzlichen und aufrichtigen Dank für die vielen ehrenden Worte und die hohe Aberkennung, die seiner dienstlichen Tätigkeit im Kreise gezollt wurde; er verband damit das Versprechen, daß er wohl aus dem Amte scheide, aber nicht von seiner, ihm! ans Herz gewachsenen zweiten Heimat, dem Vogelsberge, er wolle hier bleiben. Sein Hoch galt dem schonen Vogelsberg. x Ans dem Vogelsberg, 26. Sept. Für Verbesserungen der Hut weiden im Vogelsberg sind vom hessischen Staate im Rechnungsjahr 1910 insgesamt 18357.12 Mk. Meliorationskosten aufgewendet worden. Von diesen Kosten haben vertragsmäßig die betreffenden Gemeinden, in deren Gemarkungen Meliorationen vorgenommen wurden, die Hälfte der Staatskasse zu ersetzen. Im ganzen wurden im Rechnungsjahr 1910 in 12 Gemarkungen Meliorationsarbeiten ausgesüyrt, von denen 8 auf den Kreis Lauterbach und 4 auf den Kreis Schotten fallen, sodaß der Kreis Lauterbach 5757.68 Mk. und der Kreis Schotten 3420.88 Mk. beizutragen hat. Im vorigen Jahre wurden insgesamt für beide Kreise 15 902.47 Mk. für denselben Zweck aufgewendet. Die Zahl der Gemeinden betrug 9, davon 5 im Kreise Lauterbach und 4 im Kreise Schotten. Die Meliorationsarbeiten werden unter Leitung des Großh. Külturtechnikers Kunz aus Lauterbach aüsgesührt. Kreis Friedberg. x Bad-Nauheim, 26. Sept. Die Bad-Nauheimer Kirmes, das Saisonschlußfest, das nach all der vielen Sonnnerarbeit der Einwohnerschaft auch das Vergnügen wieder in Hülle und Fülle bietet, wird dieses Jahr am 1., 2. und 8. Oktober abgehalten. — Der Blumen pflege durch Schulkinder wird in unserer Stadt besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Ausschuß für Blumenschmuck laßt in den oberen Klassen der hiesigen Schulen Topfflanzen, die die staatliche Gärtnerei umsonst zur Verfügung stellt, zur Pflege alljährlich während der Sommermonate verteilen. Di« bestentwickelten Pflanzen wurden in diesen Tagen prämiiert und mit wertvollen Preisen bedacht. Starkenburg und Rheinhessen. rb. Groß-Gerau, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Der Direktor der Aktien-Zuckersabrik Groß-Gerau, B i l l h a r d t, fuhr heule nacht im Automobil von Frankfurt hierher. In der Nähe des Treburer Forsthauses stieß sein Wagen mit einem Bierfuhrwerk zusammen, das angeblich nach der salschen Seite auswich. Die Deichsel des Bierwagens drang dem Chauffeur in den Leib; der Mann war sofort lvt. BUlhardt wurde herausgeschleudert, fam aber ohne ernste Verletzungen davon. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert. rb. Ober-Ramstadt, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Tie Kamins ab ri k des Beig. Heim ist heute nacht vollständig niedergebrannt. Ter Schaden ist bedeutend. Hessen-Nassau. [] Marburg, 26. Sept. Am 14. Oktober findet eine Sitzung des Kreistages statt. Hauptsächlich handelt es sich um die Wahl eines KommunallandtaaS.AL^^rdnetrn Cr verlaufet bic Stutnr . auf SObruA" mtb fhinfhorrf. ionbrm ba* Sdilofc birgt ein ftdlbige Summe bi einitflürtig unmcpl m 1 50 «*tarf n- enthält, so Wubt nur die ienbern alle M beffemmten 9rri» Sport. — Fau stball. Am letzten Sonntag sand auf dein Sportplätze an der Hard: zwischen den ersten Mannichasten befl diesigen epori- vereinS von 1900 unb deS Verein- für Bewegiina-fpiele ein Faiifl- badroettlpiel um die Meisterschaft de« oberhefstschen Bezirks stall Ta» erste Spiel gewann der Verein für Bewegungsspiele mit 116:110 Punkten; da« zweite Spiel gewann der Sportverein von 1900 mit 1X2 :107 Punkten. Ta« darauf folgende EntstdeidungTfoiel gewann ebenfalls mit 25 :21 Punkten der Sportverein von 1900, welche Verein hierdurch die Spiele nut dem Gesamtergebnis von 257:244 Punkten für sich gewinnen konnte. — 5” 6 ball. Ter 0»,ebener Sportverein von 1900 spielte am Sonntag in Offenbach gegen den Essenbacher Fußballklub von 189'.«. Veibet war bic hiesige Mannschaft gezwungen, nur mit 8 statt mit 11 Mann aiHutrelen, während der Gegner feine volle Mnnnfcha't am Platze hatte. Trotzdem war da« Spiel gleichmäßig verteilt und endete mit dem Ergebnis von 0:0 Toren. £. Büdinaen, 24. Ccpt. Am Sonntag sand in Büdingen ein Wettspiel zwffchen ber ersten Mannschaft des F.-C. Wolfgang» Ernst-i^iimuasium und der ersten Mannschaft des F -C. Langen- Tubach ftatt Tas Wettspiel entschied sich mit 3:1 Goals zu nutzsten Büdingens. vermischtes. * Gin Meisterwerk englischer Architektur nach Amerika verkauft. Tic Amerikaner begnügen sich jetzt nixfn mehr damit, die herrlichen Gemälde europäischer ftiinft und du Meisterwerke des Äunstgewerbes nach dem Lande der Dollars aus- iufsthren. ,'ie sangen jefit auch an, ganze grobe Bauten euuach zu rerpaden und über den Cu-an zu schauen Mit der Ausführung dieser 3bee ist ein amerikanischer Millionär vorgegangen, der ent? her herrlichsten Denkmäler englischer Gotik, Tattershall Gairic in Lincolnsshire, gekauft bat und nun seinen Hreunosi damit imvomeren wird, daß er das altenglütfr 50*191(1)106 ci’ einet seiner Besitzungen wieder aufbaut Der hnbioe Mann war augenscheinlich nicht der Ansicht des Goetheschen Der,es: ..Amerika, du hast es besser ' Als unser Kontinent, der alte / Dan ferne verfallenen Schlösser. . vielmehr gefiel ihm aut einer Auw- tour durch die VerelmgtcnKömgreicke die feine und doch »o mächtige Silhouette des stolzen Wachtturms, der auder malerischen Ruine so edel hcrausragr und sich so iart vom Dimme! ab-Widmet Darum sollte er sich dieses Monument nicht zulegen, ebenso gut wie irgend einen Rembrandt oder Raffael? Für Geld ist alle? zu fabat- Und wttlltch, der jetzige Besitzer war zu dem Gqchäft bereu. Cholera. II r a f d f, 26. Sept. Im Steile Tsckadrhlin Tarn gestern Todesfall an Pest vor. unb die Wahl eines LandratS für den Kreis Marburg. Ebenso soll über die hier zu erbauende Wander- arbeitSstätte Beschlust gesagt tuerben. W 5ran!iiirt a. M., 26. Sept. Die Stadtverordneten-Versa in mlung beschloß heute mit 3d gegen 22 Stimmen, in Zukunft Dien st Wohnungen für die Schulleiter nicht mehr zu erbauen, genehmigte ober gleich darauf die Pläne für den Neubau der Liebig- Realschule, bet der eine Direktorwohnung vorgesehen ist. ;WT nicht im ®cnwn, hir Stück p: anrm Ta hir Ruine er nm kommt eine gan» engen ;c Anlage ist ein Gerichtssaal. T armft ab t, 25. Sept Tic dritte diesjährige Schwur- gerichtsve riodc für die Provinz Starkenburg wurde heute mit einer Anklage wegen Totschlags eröffnet, die sich gegen den ISiätingen Fräser Adam Bruder aus Offenbach richtete Gr hatte in ber NE zum 17 Juli d. Js. im Gatten der Dirischaft von Dolf zu Offenbach nach einem kutrcn Wort wechsel seine Geliebte, mit der er häufig in Streitigkeiten geriet, durch einen Messerstich ins Herz getötet. Die (-'Geschworenen sprachen btn Angeklagten des Totschlags für schuldig, hielten aber mildernde Umftänbc für vorliegend. Das Gericht verurteilte ihn zu der in diesem [vall zulässigen Höchststrafe von fünf Iabren Gefängnis und fünfiährigcm Ehrvetlult. Ter ?lngdlagtc, der während der Verhandlung wenig Reue an den Tag legte, erkannte die Strafe sofort an. Mainz, 26. Sept In dem Strafprozeß gegen den Fabrik- d-rtreter Loren; Walter aus Büdesheim, der in Worms seine ‘Tidneben' Frau getötet bat, bejahten die Geschworenen bic Frage des Totschlags unter Zubilligung milbember Umitände und verurteilten ;tm ;u 31. . Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Berlin, 25. Sept Der Schriftsteller Ludert .Eulenberg nab die Redakteure be;w Herausgeber des ..Pan", Wilhelm Herzog umh Pau'. (ia)fierei, wurden von ber Anklage der Verbreitung umtftnr einzeln. Stück Saloniki, 26 Sept Die Cholera nimmt infolge der Verheimlichung der strankheit weiter z u. Seit gestern wurden 16 neue Falle festgestellt, von denen sieben tödlich verlaufen unb. In Koeprulu an ber Bahnlinie Salomkr-Ucskün greif: bie Cholera ebenfalls ra ch um sich, weil das T rin kwa, ser verseucht ist. Die Bevölkerung beginnt zu flüchten. eine halbe Million Backstei WetteraiiSstchtei, m besten am Donnerstag, neu 28. Ceptbr. 1911: Wechselnd bewölkt, höchstens geringe Niederschläge, Temperatur wenig verändert. Letzte Nacbricbten. Eine türkisch-griechische Krise. Saloniki, 27. Sept. (Priv -Tel) An der türkisch-griechischen Grenze herrscht lebhafte Be- lECfluitfl Griechenland trifft außergewöhnliche Bcr- teidigungömaßregein und hat namentlich seine Artillerie bedeutend verstärkt. Tie Spanier in Marokko. Mogador, 27 Sept. Ag. 5>avas. Der spanische Kreuzer Aguila traf hier ein. Angeblich ,st er nach 3 f n i bestimmt Tie Stämme beabsichtigen, eine Landung m 3fni mit (Gewalt zu verhindern Die Meldung, der «reutet habe eine Militärmtssion an Bord, wird von spanischer amtlicher Seite bestritten. Criftschisfahrt. Tic Zerstörung des englischen Marinelustschifscs Tas zerstörte e n g i i s ch c M a r i ne l u s t s ch i fs ist mit einem Kostenaufwand von 2 Millionen Mark erbaut worden. Tas Luftschiff wurde von ber Firma Kickers fertig leflrUt und ist ohne einen Probeflug von bei Admiralität abgcnoiumcn worden Das Schiff sollte am Sonntag eine größer Fernfahrt unternehmen und wurde» Da bic. Wctfrvcrbälttusse nick,: sehr günstig waren, von dein Dampfer „Hernuone" begleitet, Kaum war das Schiff aus der x?allc gezogen worden, als der binierste von den 1, Gas- bcbdltcrn plötzlich vlatzte Kurte Zeit darauf barsten auch ber iiebciitc unb achte Gasbehälter, so hast das Schift' dadurch in der Mitte einen Knick erhielt, wahrend der Hintere Teil des Luft schiffes durch die sehr schwere Gondel immer mehr und mehr sich utr Ifrbc neigte und dadurch den Bruch vollständig h.rbeiführte Da auch noch zwei andere Gasbeh ilter undicht geworden waren, so war an eine Bettung des Luftschiffes nicht mehr zu denken Die Mannschaft sprang aus den Gondeln in das Wasser und konnte noch mit knapper Mühe schwimmend das Ufer erreichen Gleich darauf sauste der Ballon ins Wasser. Er wurde später als eine unförmliche Masse herausgezogen. 3u Fachkreisen glaubt man, wie dem Berl. Tagbl. gemeldet wird, dasi das Schiff noch ausgebcssert werden kann Es war bas größte der Welt und hatte eine Besatzung von zwei Offizieren und sechs Mann Die englische Presse ist einstimmig sehr ent rüstet, baß die Admiralität zwei Millionen Mark für ein Luftschiff ausgegeben trat, dessen Leistungsfähigkeit sie vorher nie erprobt hat Auch seien vorher nicht genügend Flugversuche aus geführt worden, so daß man an eine größere Fahrt des Lust, schiffes also nickst hätte denken könneii. >en- Tel) *• öU'fii, G/L ‘"*5* er «ft? Kb« ** yS* eutend. 1» m, ' »"'S". L$«k- Weitgit, btt I 5 *-8 u' ö?r0enom. I im“? Wttkr I I ■ t ^hr seit- ' ^enbtr^, WtStobp da- Urk ^!?ngelea?v. B. seitens des ieinbtoiönung Wb. fcaubüin. schonen e.lb .^oticn "lchaltsbench. ^liefet ob mu eigenen llcder bei dem Her und -i«. 'ann noch bei -ektor Cella, richt über bie I i«9 des «Heb. tng um 1 Uhr lvurde, einem >>'ung des Pro, erauf vereinig- nlen des-reis- ollener Arger zu Ehren der kreisraies, Äe-1 mm-Schollen ' m er nameitr n scheidender ihren Lernner ährigen Am.'- srichiigeii sdruck Mub i scheide- fen ete M' einen-. MMmrn nr des hnr ibtn unb tut- I ir der Gemein immi/fipn hnt- )en Sorte bei sreiche Densü iten des ftrewl unb dankte' i, bie er seinen, rdentlich groß' at. - Iw er- her fyrrebiw ii> anstichtisen die Hohe Anim geifer Lchen, boj- in feine, P n PogeM schönen *f. tiogeUbcig r-y | 1910 iitigtl®- ,et worden, w- >etressenben fronen vorgenov- iu ersetzem 3? ; [2 Gemarkung < , 8 aus denI * Kreis scho^ to inW betrnr Kreise Folien ining^ M esührr- , Bad-Nauhein-^ ofl der viel» daS Lngnüg-' d.eseS W * Slninenpsl" dt besonder- An. lu'nenlW^ , Topssl°^."' ügUNg £. g,e oertelien- @ p-61”1"' Schwurgericht. th Gtesten, 26. September Sittlichkeitsverbrechen in zwei Fällen. Leute verhandelte daS Schwurgericht gegen den 21 Jahre alten Ticnstknechr Fohann döhn von Cber-fctlbercbrim wegen Votsucht in zwei Fällen. Tie Anklage vertritt Staatsanwalt Irümpcrt Betteidiger war Fustttrat Metz Fs find neun Beugen und al» medizinischer Sachvr-rständiger Medizinalrat Dr £>aberforn zu hören. Der Angeklagte ist wegen Notzuchtsversuchs vom Schwurgericht Mainz zweimal vorbestraft. Nach dem An- klagebeschlnst ist er schuldig, am 9. Fuli d 3». bei Dauern beim und am 11. Juli d. Fs in Echzell, im ersteren Fall an einem Madch.n unter 14 Jahren, das Verbrechen der Notzucht beganjen zu haben Die BerHandlung erfolgt wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit hinter verschlossenen Türen. Ter Angeklagte war geständig und bte Geschworenen billigten ihm mildernde Umstände zu Tas Urteil lauhte auf 5 Fahr Gefängnis (Sin Monat der Untersuchungshaft wurde ihm aw gerechnet. Giestcner Strafkammer. )( (Srieben, 26. Sept. Unbestellte Dachdecker. Ter Taglöhner Ehr. H. von Giesten hatte in dem Hause Frankfurter Straffe 75 gebettelt. Etwa zwei Wochen später, Ende Mai (. I, erschien er wieder. Er gab an, er sei bei einem hiesigen Dachdeckermeister in Diensten und sei beauftragt, das Dach auszubessern. Die Mieterin setzte keinen Zweifel in seine Angaben und liest ihn ruhig gewähren Anstatt aber das Dach auSziibessern, zerschlug er in Gemeinschaft mit dem mitgebratbten Taglöhner K D. von Giesten eine gröstere Anzahl Schiefer und verursachte einen Schaden von etwa 60 Mk Zum Schluß verlangten H und W. von ber Frau des Eigentümers Be Zahlung für ihre Arbeit, indem sie angaben, die Mieterin habe ne mit einer notwendigen Ausbesserung beauftragt. Sie erhielten indessen nicht». Am nächsten Ta§e sucksten beide Angeklagten einen Neubau in der (staubrechlstrastc beim. Sic zer- triimmertni ein Vorhängeschloß mit einem jammer und entwendeten aus dem Neubau em Paar Schnürschuhe und zwei Metermaße. Nach diesen Erfahrungen begab sich W. am nächsten Tage, dem 2. Juni l. lufammcn mit dem Taglöhner I Z. von Gießen nach dem Hause Ost-Anlage 40. W. zertrümmerte •men Teil des Dache», wahrend ihm I alte, von einem Schutt häufen entnommene Schiefer »ur Ausbesserung reichte Nach 17, Tagen verlangten sic gleichfalls von dem hier anwesenden Vertreter dcS Hauseigentümers Bezahlung für ihre Arbeit unb die gelieferten Schiefer, indem sie angaben, von dem Mieter beauftragt »u sein. Ter Vertreter schickte sie weg, um sich zu erkundigen Am Abend kamen sie wieder mit dem Arbeiter 3. V unb verlangten Zahlung. Sie erhielten aber nichts Tie Strafkammer erkannte wegen Bettelns, L)au»fried«nsbruchS, Diebstahls und Sachbeschädigung: gegen L. auf zwei Monate Gefängnis und einen Tag £>aft, gegen W. auf sechs Wochen und gegen 3 auf eine Woche Gefängnis; B. wird mangels Beweises frei- ciesprvchen. Belästigungen von Frauen in den Anlagen. Der Chauffeur tz. D. aus Dinslage ist hier erzogen worden. Gerne Vslegeeltcnr hatten hier eine Animierkneipe und wurden schließlich beide wegen Kuppelei erheblich bestraft Der Erziehung entsprechend war daS Verhalten des jungen Menschen Schon feit länger al» Jahresfrist wurden Frauen unb Mädchen in den hinigen Anlagen von ihm belästigt, indem er ihnen mit entblößten zkörverteilen in schäm verletzender unb ärgerniserregender Weise eutgegentrat. Der Angeklagte ist deswegen schon verschiedentlich vorbestraft worden und bat erst am 31. August l I. eine dreimonatige Gefängnisstrafe in Butzbach verbüßt. Nun ist er beschuldigt und geständig, am 31 August unb 2. September wieder zwei Frauen in gleicher Weise belästigt zu haben. Das Urteil lautet gegen den minderwertigen, im.übrigen aber zurechnungs fähig ei, Menschen aus sechs Monate Gefängnis Ungetreuer Handlungsgehilfe. Der Kaufmann R M von Crainfeld liebt es, gern den noblen Derrn «ir spielen. Da die hiermit verbundenen Ausgaben aber mit feinem Einkommen nicht in Einklang standen, ist er auf die schiefe Bahn gekommen Er war früher in einem hiesigen Ofc- sckäste tätig und ist geständig, etwa 10U Mk Shmbcngrlbcr unter- schlagen »n haben. Zuletzt mar er bei einem entfernten Verwandten in ötamborf als Reisender und Verkäufer beschäftigt Er behielt unb verausgabte etwa 150 Mk Jnkasfogelber für sich unb eignete sich Stoff für einen Anzug nebst 'M ragen, Manschetten und L»cmd aus dem Gesckmfte an Außerdem gab er fingierte Bestellungen auf, um sich in den Besitz der Waren zu setzen unb sie für sich zu verwetten Als sein Prinzipal sich eines Tags auf die Reife begab und der Angeklagte Aufdeckung feiner Betrügereien fürchtete, gab er schnell ein gefälschtes Telegramm auf, das er mit dem Namen eine» nahen Verwandten unterzeichnete. Der Angeklagte ist letzthin erst von der Strafkammer zu Esten wegen Urkundentälfchung Mi drei Wochen Gefängnis verurteilt ivorben. Er erhält unter Einbeziehung dieser Strafe wegen Diebstahls, Urkundemälschung, fortgesetzten Betrug» und Unterschlagung in zwei Fällen eine Gesamtstrafe von sieben Monaten Gefängnis; zwo, Monate Unter- HÄungSbast werden ungerechnet. Zehn M ar k Geldstrafe. Der TaalöHner D. L. von Cichclsdorf war am 16. April l. I. in Gemeinschaft eines Bekannten mit zwei anderen Personen in eine Rauferei verwickelt worden. Er gibt zu, mit einem Stein affchlagen zu haben. Das Schöffengericht zu Nidda aber bat itin freigefprochen, da cs der Ansicht war, bic beiden anderen seien bie Angreifer gewesen. In ber heutigen Verhanblung ergab sich indessen, daß B. zugeschlagen Hat, während ihm einer ber anderen den Rücken zuwandte, so daß von Notwehr keine Rede fein kann Nach Sage der Sache cracktet aber das Genckt eine Eeldstram von zehn Mark als ausreichende Sühne. unjfidjhgtr Sckrrften. begangen durch die Veröffentlichung be» Artikels. „Bries eine» Vater» unserer Zeit' frngriprodxn Tic sachverständigen begutachtete» übereinstimmend, der Arttkel i« n»chl demoralisierend, sondern moralisierend. Ter Staaisanwatt Hatte je 60 Mark Geldstrafe beantragt. — Ter Vetter des Reichskanzler» zu Festung»- haft verurteile Bor einiger Zeit erregte bie Affäre be# im *rh(e Wirfitz ansässigen Rftterguisbesttzers offafen tzeinrich d. b. Goltz- Lzayze und be» bamaligcn Landrau. des streife» Wirfitz, Grafen W a r ten »1 eb e n, in ronten Ärnjni Auf sehen. A.fm Grafen v. d Goltz war der Vorwun gemacht »vorden. M) in unfaire tzvoothekenaeschüf te angdaiien zu baden. Gra? v. d Goltz hatte daraufhin den Landrai Grasen Sar t e n »11 b e n und den Rittergutsbesitzer v Bethmann voll- weg - Ru n » »oo , den Bctter be» Reichskanzlers, tum Duell g.'or- bert. Graf Sarten»lrben, ber, wie bas B T. rmtieiU. den Miu*g 1870 71 bet den Leibgarde Husaren mittn achte, das Eiierne Mtru> erster stlast'e besitzt uiw al» Oberleutnant a D das Reckt batte, die Uniform der Leibgardedusaren zu tragen, nahm d,e Forderung nickt an mu deni tzimvns, Gra' v. b Goltz solle sich erst von den gegen ihn erhobenen Beschulbigungcu reinigen Die Affäre kam vor be» Ehrengericht, unb bas Militärkabinett führte eine für ben Grafen v b Goltz günstige Emfcheidung herbei Dem Grafen Wattensllben wurde bie Berechtigung, Uniform zu ttagen, aberfannt Ter Gemaßregelte nahm baraufbin feinen Abfckneb al» Lanbrat, unb e» wurden ,hm bei seinem Sckieiden vom stre,s Wirfitz CDahcmen bargebradu, bic eine beutlidic Spitze gegen ben Grafen v. b. Goltz zeigten. Zur gleichen Zeit mit der Forderung an den Grafen Wartensleben war auch an den Besitzer der Herrschaft Runowo, v Bethmann-Hollweg, eine For- berung de» Grafen v d Goltz ergangen. Ter Vetter des Reichs- kanzlers nahm die Forderung an und das Duell, das unblutig verlief, wurde in der Nähe von Tegel bei Berlin auSgesochten Zur Sühne für den gesetzlich verbotenen Zweikampf hat die Strafkammer in Schneidemü hl den Grafen v b Goltz und den Rittergutsbesitzer v. Bethmann-Hollweg zu je brei Monaten Festungshaft verurteilt. Werner Breuer Fe in »ter Kaffee • Zesatr. Fabrik: <"»le R-><»»ktrrhr-D Johannisthal, 26 Sept Heute stellte die Flieger in Beese durch einen Flug mit Passagier von 140 Minuten Dauer, bet dein fic eine Höhe von 820 Metern erreichte, einen neu n Weltrekord für Fliegerinnen apr. — Der Flieger v. Gorissen stürzte aus fünf Meter Höbe infolge Brucks ber reckten Verwindung ab. Er erlitt eine leichte Gehirnerschütterung unb eine Verletzung über dem linken Auge Das Flugzeug wurde zertrümmert. Caspar landete zu hart, so baß das Untergestell des Apparates zerbrach. Warschau, 26. Sept Gras Scipio bei Campo, der heut morgen aus einem Farmanopparar nm einem Passagier zum Fluge nack Petersburg ausgestiegen war. fiel 20 Werst vvn Lomfh^ in einen Baurn Das Flugzeug wurde zertrümmert, tue beiden Flieger blieben unverletzl. Handel. ZahlungSkinstellnng bet Bank von Egypten. Lonbon, 26. Sept Die Bank of Egvvt bat ihre Zahlungen eingestellt. Wie ba« Reuter Bureau erfährt, ist bie suipenDierung der Zahlungen ber Bank of Egypt in erster Linie auf bic Verluste zuruckzuführen, bie unter bem früheren äghp- tifehen Direkwr entstanden sind und später burck ben Run auf die ägyptischen Niederlaffungen Die Depositen belaufen sich auf 500000 Pfund Sterling: andere Berdiicklichkeiten und Akicvte betragen einundeinhalb Millionen Ptunb Die Aktiven werden einen Ileberfchuff zeigen Tie Bank Hat ein Marital von einund- einvierlel Millionen, wovon 625 000 Pfund eingezahlt sind. Man hegt keine Befürchtungen für bic ftrebitoren. Tic Lage bet Aktionäre ist febod) zweisekhaft. Vereinbarungen mit befreunbftrn Banken ermöglichen die balbigc volle Auszahlung ber ägvvtischen Gläubiger Die englischen Gläubiger erhalten wahrscheinlich den größeren Teil ihrer Ansprüche in kurzer Zeit. rh. Darmstadt, 27. Sept Tic Süddeutsche Eisenbahn- gesellichaft, bie im vergangenen Geschäftsjahr 2 210 887 Mark Reingewinn erzielte, beschloß bie Ausickiüttung einer Divibenbe von 6 Proz. Außerbern würbe ein Divibenben-Ausgleichsfonb» mit 200000 Mk gegrünbet. Tie Uriacke der Tarmfranfbeiten bei Alnicheukindern bilden icbr v'i die durch unzweckmaffige Mrlchcruabi ung verursachten Tarrngdtungen, welche am Icidj:eiten durch bie Ernährung mit •'flufefc' unb Muhmllch oerbütei werden »flufete“ macht bic flubmild) femflodiger gerinnbar und dadurch leichter verdaulich. ergebt auch beten Aahrwerr. hv$/n Der freche Spatz! Mein Schatz, das ist ein frecher Spatz, Er nimmt die Strass* mit einem Satz, Doch sonst ein nettes Herrchen; So spricht das Fräolein Clärchen. Des Sonntags in dem grünen Forst Entwickelt er 'nen grossen Dorscht, Doch Montags, wenn er Kater hat, Hilft Werner Breuer Surrogat! aud» in seinem Znncin einig-- unvrrgkuhhdr Werke hc? frübrn cngludcn stunstgewcrbcs Am bcrütmtcfifn find die herrlich or- incivcitcn und geschmückten ftntntnc. von denen Abgüsse einen El r.nplatz im Sould Xenftnglon-Muieum einnevmen Bor einiger Zeit vcliuckne man, diese mn den Wappen Lord Eromweils und dcraldischen Verzierungen ge'ckmückten Stücke 'ür den Äaat zu erwerbe» nun aber werden fic nach Amerika rinübenvandern. Tas gleiche Schicksal erwartet d,e derrlidien Zürnt und ^vnfirr, bie .18 Fuß lange Galerie mu ihren wundervollen Spitzbogengewölben, ermattet alle Steine der an mondrn Stellen lüjhifc dicken Maner. Sia werden alle nummert, damit auch >eder 5fein später uebrrt den anderen tu stehen kommt, eingepackt und über» große 'Wasser verstaut England aber ist um rin kedeulende» historisch ivic künstlerisch wrckttge» Monument ärmer • Der verbrauch von ftau gummi bat sich in flmetüe in den letzten Fahren auverordentlich schnell gesteigert Eine ganz wichtige Industrie baf sich bereit» auf Grund dieser neuen Le»denfchasl cutwickell. Der Kaugummi stammt von dein Brciapfelboum, brr in Mexiko wild wachst unb ben man ,rtzt in großem Stile zu kultivieren bcabfichligi Der Baum wird eingeschnitten, unb aus bem Sckmttt fließt ein weißes Harz, das fich bei der Beritbrung nut ber Luft gelb färbt unb einen Honig- artigen Geschmack Hal Tiefer Gummi unterliegt bann vor bem Gebrauch noch einer befonberen Prozedur, durch bfe sein Geschmack verfeinert wird Zm Fabre 1909 mürben etwa 2500 Tonnen Rohmaterial in bie Vereinigten Staaten einaeführt, beren Wert sich auf etwa 8 Millionen Mark beläuft Kleine Cagerchronik. Au» Veranlassung ber Cisenbahndirektion Berlin ioll eine große Menge Kartoffeln unter Umgebung des Zwischenhändlers von Landwirten bezogen und tunlichst billig an bic (fdenbahnbramtrn abgegeben werden. Die M ilchsperre in München kann al» abgewendet gelten Ein unter bem Vorsitz be» Minister» des Innern zu- fammengetretene» Schicdsger»chi setzte für bic Probuzenten ben Milchprei» auf 17 und 16' . Pfennig für 'Sinter unb Sommer fest Tic Probuzttiten hatten bi» 18 Pfennig für ben Liter verlangt Ter Lotteriekollekteur De st ermann in München, der nach Unterschlagung von 15 000 Mk vereinnahmter Lotterie- qelder am 6 3epiembcr geflohen war, hat sich selbst ber Polizei gestellt In der Nähe ber Murmanküstc lief, wie au» Ar- changcl»k gemdbet wirb, ein englischer T a rnvfcr aut C>runb. Tic Mannschaft würbe gerettet, ba» Schiff ist verloren. Kürzlich waren bem (Generalkonsul Christitsch in Belgrad Edelsteine im Werte von 25 000 Mk abhanden gekommen: letzt sind die Steine unter einem Kasten im Salon ves Bestohlenen wiedergesundtn worben Man vermutet, bau ber Täter unter ber Ticnerschait zu suchen ist und baß er das Gestohlene unbemerkt zurückgab, als er bic Unmöglichkeit einfoh, cS zu pcnDcrtcn. hofskapelle ans statt. 5911 Statt besonderer Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Nachricht, dass mein innigstgeliebter Mann, meiner Kinder treusorgender Vater, der Lokomotivführer i. P. Herr Heinrich Mi vorgestern abend nach langem, schwerem Leiden im 43. Lebensjahre sanft entschlafen ist. , TT. x . .. . Die tief trauernd en Hinterbliebenen: Frau Eleonore Luft und Kinder. Giessen (Wolfstrasse 10), den 27. September 1911. Die Beerdigung findet am 28. September nachm. 4 Uhr von der hiesigen Fried- w M D N N 'M 5896 Giessen, Karlsruhe und Hamburg, den 26. September 1911 Die Beerdigung findet in Bornheim (Rheinhessen) statt. Karl Stabei, Intendantur- und Baurat; H. Frees, Pfarrer a. D. und drei Enkel. Todes-Änzeige. Heute morgen entschlief nach kurzer Krankheit unser Vater, Schwiegervater und Grossvater Herr Rentner Georg Stabei im beinahe vollendeten 92. Lebensjahr. H M W UMM Braunkohlen- Brikets 1 sind seit Mai 1911 billiger geworden! Bestes Heizmaterial! Billiger als Kohlen! 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