Nr. 254 tr1d)dnt tigllch mit Ausnahme deS Sonntags. Lie „Sleßener Lamlllendlätter" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Mrtlsblaft fir de« Kreis «letzen" jroeimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen »eit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 161. Jahrgang Samstag. 28. Oktober 1911 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersltätS»Bilch- und Steindruckerei. R. Lange. Dießem Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld stratze 7. Expedinon und Verlag: Redaktion:«-«-112. Tel.-Adr.: AnzeigerGteßen. Mb. Deutscher Reichstag. 190. Sitzung. Freitag, den 27. Oktober. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück. Frhr. von Gchorlcmer-Lieser, Präsident Graf Schwcrin.Löwitz eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 16 Min. Die Interpellationen Ober die IDauI- und Klauenieudie. Die Interpellation des Zentrums lautet: Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um die großen Schäden welche aus der Maul, und Klauenseuche der Allgemein, heit, besonders der Landwirtschaft und dem Gewerbestand ent» stehen, zu mildern? Die Interpellation der V o US p a r t e i hat folgenden Wort, laut: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß die bisherigen polizeilichen Bestimmungen über die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche zum Teil zweckwidrig und daher erfolglos sind, dagegen die Landwirtschaft und den Viehhandel aufs schwerste belästigt und geschädigt haben? Beabsichtigt der Herr Reichskanzler bei den einzelstaatlichen Regierungen auf eine sachgemäße Aenderung dieser Bestimmungen hinzulvirkcn? Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt sich zur sofortigen Beant- Wortung bereit. Abg. Steindl (Zentr.) begründet die Interpellation des Zentrums. Kein Unglück kommt allein. Zu der Teuerung treten die Schäden, die die Maul- und Klauenseuche verursacht. Im letzten Jahre ist dadurch ein Schaden von drei Millionen Mark entstanden. Dazu treten die Nachteile, die durch die unvollkommenen Abwehrmaßrcgeln entstehen. Tas Vieh muß eingesperrt gehalten werden. Das ist oft eine Sier» guälerci. Ter Landwirt leidet weiter unter der Marktsperre. Die Kalamität nimmt ständig zu. Auch die Gewerbetreibende,i werden davon betroffen. Nun die VersammlungSver- botel Die Landräte verbieten einfach Versammlungen unter Hinweis auf die Seuche. AnderSwo kommen doch auch viele Leute zusammen, z. B. in der Kirche. Der Redner verweist besonders auf die Zustände in Oberschlesien. Dann wird daS Viehseuchengesetz in Kraft gesetzt? Dir haben schon durch eine Resolution eine Entschädigung für die durch die Seuche gefallenen Tiere gefordert. Daran halten wir fest. Wir fordern aber auch Mittel zur Erforschung der Ur» fachen der Seuche. Wir bedangen eine lückenlose Grenz- sperre, damit unser Vieh geschützt wird. Der unheimliche Gast muß ferngehalten werden. Abg. Fcgtcr (23p.) begründet die Interpellation der VolkSpartci. Es ist keine Partei» frage, denn Mitglieder aller Parteien müssen ein lebhaftes In. icreffe daran hoben. Trotz aller Sperrmaßregeln wächst die Seuchengefahr ständig.- Am 31. Mai waren 3117 Gehöfte verseucht. am 31. Juli mehr als 4000, im August mehr als 5000. Die deutsche Volkswirtschaft wird dadurch ungeheuer geschädigt. Alle Landwirte sind einig in der Forderung von Abwehrmaßrcgeln. Nur über die Art ist man verschiedener Meinung. Vielleicht schafft man nach Osten hin einen Grenzbezirk, der unter ständige Beobachtung gestellt wird. Auch sollten alle Tierärzte, nicht bloß die amtlichen, mit der Kontrolle betraut werden. Durch die Seuche wird in erster Linie der kleine und mittlere Landwirt geschädigt. Die Regierung muß bessere, zweckent- sprechendere Maßregeln zur Abwehr ergreifen. Aber die Re. flierung tut nichts. Zu dieser Seuchennot tritt die Futternot. Bittere Enttäuschung herrscht im Lande, weil die Regierung nicht einmal die Futtermittelzölle aufheben will. (Der Präsident ruft den Redner zur Sache.) Durch die jetzt geltenden Sperrmaß. nahmen wird die Seuche nur verlangsamt. D i e Sperrmaß- regeln bringen mehr Schaden a 18 d i e Seuche selbst. (Hürtl Hört!) Wenn just daS Reichöviehseuchengesctz noch) einmal beraten würde, so würden Sie wohl ^etzt — nach all den bösen Erfahrungen — für unsere Anträge, die Sie damals abgelehnt haben, eintreten. Denn wir haben die Schäden vorauSgesehen. Auch wir verlangen R e i ch S m i 11 e l für die Erforschung der Seuche. Dr. Heckschcr hat schon in der Korn. Mission einen entsprechenden Antrag gestellt. Es ist eine natio- nale Frage, unseren Viehstand gesund zu erhalten. Wenn die Regierung unseren Anregungen folgt, wird Besserung geschaffen werden. (Beifall links.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Verlauf der Maul, und Klauenseuche ist seit Jahren für die Regierungen Gegenstand ernster Aufmerksamkeit und Be- sorgniS. ES ist uns nicht entgangen, daß unsere durch eine Reihe von Jahrm bewährte Methode der Seuchenbekämpfung dieses Mal nicht in dem bisher beachteten Umfange wirksam gewesen ist. Die zunehmende Verbeitung der Seuche, deren Bösartigkeit Schäden für weite Kreise gebracht hat, ist uns nicht entgangen. Tie Besorgnisse sind noch dadurch gesteigert worden, daß zweifellos die Dürre zu einer Verschärfung der Schäden beigetragen hat. Etwaigen Uebelständen bei der Bekämpfung der Seuche sind wir entgegengetreten. Ich habe in unausgesetztem Verkehr mit den größeren Bundesregierungen darauf Bedacht genommen, Ungleichmäßigkeiten zu beseitigen, vor allen Dingen aber auch die Erleichterungen und die Abänderungen in der Seuchenbekämpfung herbeizuführen, die bei den veränderten Ver- hältnissen notwendig und zweckmäßig erschienen. Diese Ver- Handlungen haben aber doch auch ergeben, daß mit der Einheitlich, leit allein die Sache nicht gemacht ist, sondern daß die lokalen Verhältnisse doch auch eine gewisse Bewegungs. s reih eit für d,e einzelnen Staatsbehörden erfordern. Tinge, die beispielsweise in Preußen zweckmäßig und durchführbar er. schienen, mußten in anderen Bundesstaaten als nicht zweckmäßig erkannt werden. Unsere heutigen Erörterungen über unsere augenblicklich bestehenden Bestimmungen zur Bekämpfung der Seuche haben bis zu einem gewissen Punkte mehr einen akademischen Charakter, Denn es handelt sich um die Kritik von Vor- schriften, die in allerkürzester Zeit durch neue ersetzt werden sollen. Ich nehme an, daß das neue Viehseuchengesetz mit all den dazugehörigen Ausführung s. 6 e setzen und Ausführungsbestimmungen zum 1. April n. I. in Kraft treten kann. Damit sind dann die bisherigen Bestimmungen mit ihren etwaigen Mängeln aufgeräumt. Auf der anderen Seite haben aber die Erfahrungen, die wir im Laufe des letzten Jahres gemacht haben, und die Erörterungen heute insofern für uns eine eminent praktische Bedeutung gehabt, als wir in der Lage gewesen sind, respektive noch sind, sie bei den neu aufzustellenden, demnächst abgeschlossenen Aus'ichrungSvorschriften, die der BuiideSrat zu erlassen hat, zu berycfjiriitigen. Wir sind bemüht gewesen, alle im Lause der letzten Zeit gemachten Erfahrungen, rot allen Dingen aber audj bic Wünsche der Jnteressentenverbände, die ja eingehend gehört sind, bei Den neuen Vorschrnten zu berücksichtigen. Insofern tu mir auch die heutige Besprechung der Sache nur willkommen, als noch Gesichtspunkte, die hier heroortreten, bei den AusführungSoorschriften berücksichtigt werden können. Zur Kennzeichnung des Standes der Seuche habe ich Ihnen eine graphisckie Darstellung auf den Tisch des Hauses gelegt. Tie Seuche hat in Deutschland wohl Ende August d. I. ihren Höhe» punkt erreicht. Am 1. Oktober d. I. waren bei unS 35 700 Gehöfte verseucht gegenüber 34 400 Gehöften am 14. Oktober d. I. Diese Zahlen stehen hinter denen des August nicht un- beträchtlich nach. Unsere bisher bewährte Bekämpfungsmethode der Seuche hat in diesem Jahre insoweit versagt, als cS uns nicht möglich gewesen ist, die zuerst auftretenden Seuchenfälle auf ihren Herd zu beschränken. DicS ist unS aber mit denselben Mitteln weit über ein Jahrzehnt gelungen. Eine ganze Reihe von Jahren hat cS keine Schwierigkeiten gemacht, die einzelnen Seuchenfälle zu fassen und an der AuSbruchßstklle zu isolieren. Das zeigt wohl, daß es an unseren Vorschriften und ihrer Handhabung selbst nicht liegen kann. ES ist im Übrigen eine Beobachtung, die auch bei anderen Gelegenheiten in der Bekämpfung ansteckender Krankheiten gemacht worden ist, daß eine Dekämpfungsmethode, die sich Jahre hin- durch ausgezeichnet bewährt hat, einem neuen SeuchenauSbruchc gegenüber nicht dieselbe Leistungsfähigkeit zeigt wie bisher. Für diese Auffassung spricht auch der Gang der Seuche in den übrigen zentraleuropäischen, uns benachbarten Ländern. Der Gang der Seuche in Oesterreich-Ungarn, in Holland, Belgien, in der Schweiz, in Frankreich ist ähnlich gewesen wie bei uns: die Seuche tritt außerordentlich expansiv auf, erreicht in verhältnismäßig kurzer Zeit eine sehr große Verbreitung, und alle angewandten Mittel erweisen sich als erfolglos, erfolglos auch in Oester- reich-Ungam, wo man im Gegensatz zu uns ein neues, den modernen wirtschaftlichen Anforderungen und praktischen Ersah, rungen angcpaßtes Veterinärgesetz soeben in Kraft gesetzt hat. In Oesterreich-Ungarn roareji im letzten Jahre über 115 000 Ge. Höfte verseucht, viel mehr als bei und, in Frankreich 16 000 Ge» Höfte am 1. Juli, in Belgien am 15. September 2300 Gehöfte und in den Niederlanden 15 500 Gehöfte. Auch in Rußland und in den Hinterländern von Oesterreich-Ungarn hat die Seuche einen ziemlich hohen Stand erreicht. Sie ist ja auch über die Ostgrenze von Rußland zu uns gekommen. Anders liegen die Dinge in Groß- Britannien und Dänemark, wo es gelang, die Seuche auf einzelne AuSbruchstcllcn zu isolieren. Tas liegt zum Teil an der insolaren Lage dieser Länder und an den anderen Wirtschaftsverhältnissen dort. Eine Einschleppung über die Grenze und die besonders gefährliche Uebertragung durch Personen, wie auch andere Uebertragungsmöglich. leiten kommen dort nicht so in Frage wie bei uns. Zum Teil mag es auch liegen an der radikalen Bekämpfungsmethode in Groß - Britannien und Dänemark an der Abschlachtung der ganzen verseuchten resp. seuchenverdächtigen Viehbestände unmittelbar nach Ausbruch der Seuche, ein Mittel, das nach unseren Informationen die Niederlande angewandt haben, aber mit negativem Erfolge. Man hat dort diese Methode aufgeben müssen, weil das Mittel versagte und die Kosten ins Unerschwingliche wuchsen. Auch wir haben in Preußen Versuche mit Abschlachtungen ganzer Viehbestände in den schleswigschen Marschen gemacht. Auch bei uns hat dieses Mittel versagt. Die Abschlachtung ganzer Viehbestände kann zurzeit bei uns nur erfolgen, wenn die betreffende Polizeibehörde sich mit dem Besitzer einigt und bereit ist, ihm den vollen Wert zu ersetzen. In Zukunft wird diese Methode in ihrer An» Wendung dadurch erleichtert werden, daß das neue Viehseuchen- gesetz der Polizei dieses Recht auch bei Maul- und Klauenseuche gibt. Nach alledem wird man nicht ohne weiteres behaupten lönnen, daß die geltenden Bestimmungen bei uns schuld daran sind, wenn die Seuche sich in diesem beklagenswerten Umfange bei uns ausgebreitet hat. Eine andere Frage ist es, ob die Ausführungsverordnungen des Bundesrats bei dem expansiven und bösartigen Auftreten der Seuche noch in allen Punkten durchführbar und zweckmäßig sind. Es ergeben sich da alle möglichen Schwierigkeiten, die die Vorredner angeführt haben, tn der Verwendung des Viehes bei der Bestellung usw. Wir sind in Preußen darauf bedacht gewesen, zunächst durch außerordentlich weitgesteckte Disvensatronsbefugnisse der Pro- vinzialbehörden diesen Schädigungen entgegenzutreten, so daß in dieser Beziehung die Beschwerden nicht mehr begründet sind. Wir haben versucht, die Schwierigkeiten zu eliminieren, soweit es überhaupt möglich ist. lieber die Ausführung dieser Bestimmung habe ich mich unverzüglich mit den Bundesstaaten in Verbindung gesetzt und auch im allgemeinen eine gründ- sätzliche Uebcreinftimmung über die Durchführung der in Preußen erprobten Ausnahmevorschriften gefunden. Wie weit in einzelnen Fällen diese Anordnungen funktioniert habet), ist ja Sache der örtlichen Ausführung. Der Reichskanzler hat also seine Pflicht in der Uebcrwachung der Durchführung des Gesetzes erfüllt und er hat sich bemüht, Härten zu beseitigen und soweit es zulässig ist, eine Einheit- lichkeit sicher zu stellen. Die wichtigsten Forderungen des Zentrumsredners sind damit erfüllt und auch zum Teil die des Vorredners. Auch nicht beam- tete Tierärzte sollen zugezogen werden, wo die Beschränkung auf beamtete Ähwierigkesten ergibt. Wir sind daraus bedacht, die Freizügigkeit Les Viehes auf die Vieh- und Schlachthöfe und innerhalb derselben zu erleichtern. Nun ist die Frage erörtert, welche Mittel ergriffen werden können, um die Viehbefitzer für die Schädigungen, die sie durch die Sperrmaßregeln erlitten haben, z u entschädigen, und auch die indirekten Schäden. DaS war ja Gegenstand ein- gehender Erörterung vor Verabschiedung des Seuckcngesctzes, und ich glaube kaum, daß, wenn wir heute das Gesetz zu beraten hätten, grundsätzlich etwas anderes herauskommen würde, als da- malS. Tas Maß der Entschädigungen ist durch das neue Gesetz erheblich erweitert. Das Seuchengesetz dehnt die Entschädigungen aus auf Tuberkulose, vor allem auf Maul- und Klauenseuche und außerdem auf Milchrand. Aber die Ent- fchädigungen sind durch die Bundesstaaten zu regeln. Das Reich kann eine Verpflichtung nicht übernehmen. Tas Reich kann nicht seststellen, wer überhaupt entschädigt werden soll, und die Sache würde auch sehr viel teurer kommen, als wenn wir die Bundesstaaten damit belasten und ihnen überlassen, andere Organe, die den Verhältnissen näher stehen als der Staat, mit der Regelung zu betrauen. Vor allem aber würde eS besonders schwer sein, bei Der Maul- und Klauenseuche zu einer irgendwie annehmbaren Regelung der Entschädigung zu gelangen, weil ia tn Der Regel da Die Tiere nicht eingehcn, sondern nur in ihrer Ge- iunbhcit, Verwendbarkeit. Fruchtbarkeit usw. zurückgehen. Für die Erforschung der Seuche haben wir seit einer Reihe von Jahren erhebliche Beträge auS NeickiSnntteln ver- wendet. Eine ReichSeinrichtung zu treffen, empfiehlt sich nicht; richtiger ist eS, zunächst einmal abzuwarten, zu welchen Erfolgen die preußischen Arbcuen, positiv oder negativ, führen. Preußen hat ein eigenes Institut auf der Insel RiemS bei £Rugen unter Leitung des Professor Löffler; die Annahme, daß Professor Schmaltz sich über tie Löfflersche Methode abfällig aitSgciprodxn hat, ist nicht richtig. Wir haben alles getan zur weiteren L-rjor» sckmng der Seuche, wir werden darin sortfahren und die notigen Mittel eventuell von Ihnen anfordern. Abg. Dr. Hahn (Kons.): ES ist zweifellos, daß die Maul- und Klauenseuche von der Lstgrenze her eingeschlcppt worden ist. Tie Gefahr ist außer- ordentlich groß. Mit dem Inhalt eines kleinen Bläschens aus der Zunge eines erkrankten Tieres fönnen 5000 Ochsen infiziert werden. S ch a r f e M a ß n a h m e n sind also am Platze. Die Tierärzte haben ihre Pflicht durchaus getan. Der Redner gibt eine genaue Darlegung der verschiedenen Scfämpfuiigflm titel. Die Behörden haben bei ihren Maßnahmen nicht immer richtig operiert. Wo Tierarzt und Landrat aber im lokalen Bezirk zusammenarbeiten, war man erfolgreich. Man hat die Sperrbezirke möglichst klein gehalten, aber die Bcobachtung-gebiete vergrößert. Ich will nicht denunzieren, aber ich weise darauf hin. daß die Gefahr in den Kreisen Oppeln und Aurich bc- sonders groß ist. Dort haben wir scharfe Grenzwacht zu halten. In der Theorie wissen wir ganz genau, was wir zu tun haben: Abschaffung aller erkrankten Tiere bei voller Entschädigung und schärfste Desinfektion. Wir Haben dem Kompromiß beim Viehseuchengesetz nur zugestimmt, um das Erreichbare zu retten. Herr Wachhorst d e Wente wird loyal genug sein, daS richtig zu stellen unb nicht zu behaupten, daß die Nationalliberalen mehr für die Landwirtschaft tun wollten als wir und bc- sonders Dr. Rocsickc, der Mitbegründer deS Bundes der Landwirte ist und deswegen das zweifelhafte Vergnügen hat, von gewissen Parteien dauernd attackiert zu werden. In Gegenden, wo klein« Landwirte schwer geschädigt sind, sollte man ihnen für ein Jahr gewisse Summen zinslos geben, die dann amortisiert werden. Das ist aber Sache der Bundesstaaten. Leider herrscht bei den Slationallibcralen wieder eine Unstimmigkeit. Sie wollen zwar bei der Bekämpfung der Seuche uns tatkräftig zur Seite stehen. Aber wir müssen hier im Hause auch eine sichere Mehrheit haben, die an Der bisherigen Art der Seuchenbekämpfung festhält (Rufe links: Ahal) und die nicht der Meinung des Herrn Kobelt und seiner Freunde ist. Wir wissen nicht, ob wir immer bei der Regierung dasselbe Entgegenkommen finden werden. Denn die Herren wechseln auf den kurulischen Sesseln. Darum müssen wir für eine sichere Mehrheit für unsere Forderungen hier im Hause sorgen. Wir müssen eine Mehrheit haben für die richtige Seuchenbekämpfung und auch für die anderen wirtschaftlichen Fragen, damit im nationalwirtschaftlichen Sinne die bewährten Grundlagen nicht verlassen werden. In einem Flugblatt der Sozialdemokratie wird unö zu in Vorwurf gemacht, wir trieben eine arbeiterfeindliche, volksverräterische Politik. Ich fordere die Regierung auf, die Folge einer solchen Hetze nicht zu unterschätzen und rechtzeitig auf dem Posten zu fein. (Lebhafter Beifall rechts, Lachen links.) Abg. Keil (Soz.): Im Ivürttembergifchen Landtag haben auch wir Sozialdemokraten die Regierung gedrängt, etwas zugunsten der gefdjätigten Landwirte zu unternehmen. Nicht aus veterinären Gründen weigern sich die Regierungen die Grenzsperre aufzuheben, sondern um die Fleischpreise zugunsten der Agrarier hochzuhalten. Nach Wärt- temberg ist die Seuche von Preußen gekommen, da sollte man also eine Sperre errichten, statt die Grenze gegen Frankreich wieder zu schließen. Man erläßt Versammlungsverbote, aber die Führer des Bundes der Landwirte, di: doch am meisten seuchengefähr- lieh sind (Heiterkeit.), läßt man ohne Quarantäne durchs Land agitieren. (Heiterkeit.) Wir protestieren gegen die Verwendung der Seuche zugunsten der Agrarier. Landwirtschaftsminister Frhr. b. Schorlemer: Tie Erleichterungen haben wir vor allen Singen den kleinen Leuten gewährt. Wirkungslos sind unsere Maßregeln doch nicht gewesen, wo wir nicht wegen der Rübenbestellung oder der Weidebeschickung erhebliche Ausnahmen machen mußten. Der Minister spricht der Tätigkeit der Tierärzte hohes Lob auS. Durch das Kaisermanöver ist eine weitere Verbreitung ter Seuche nicht erfolgt, weil das Militär mit der Eisenbahn transportiert wurde. Das Verbot von Versammlungen ist — freilich nicht auf Grund des ViehseuchcngesetzeS — manchmal nicht zu umgehen. Zum Beispiel bei der KirmiS, wo doch die Berührung von Mensch zu Mensch, besonders wenn getanzt wird, eine sehr nahe ist. (Heiter, feit.) Neben dem Löfflerschen Serum werden zurzeit noch vier oder fünf ankere Mittel untersucht. Im allgemeinen sind unsere Maßnahmen von Erfolg gefrönt Abg. Neuner (Natl.): Viele Anregungen deS Reichstages hat die Regierung doch einfach unbeachtet gelassen. Auch wir verlangen eine Wissenschaft- liehe Erforschung der Seuche. Auffallend ist, daß mehreremale die Seuche, gerade auf dem Berliner Viehhof zum Ausbruch gelangte. Für den Schutz unserer 10 Milliarden-Viehzucht müssen noch mehr Mittel aufgetoentet werden. Präsident des Reichsgesundheitsamtes Summ macht ein- aehende Mitteilungen über die wissenschaftliche ForschungStätigtest. Der Erreger £er Seuche ist freilich noch nicht gefunden. Die Versuche zielen jetzt darauf ab, ein* Immunisierung der Tiere zu erreichen. Jedenfalls sind schon brauchbare Grundlagen zur Bekämpfung der Seuche geschaffen worden. Abg. Dr. v. Lertzen (Rp.) bedauert die parteipolitische Drille einiger Redner. Er erklärt sich für unbedingte Aufrechterhaltung der Grenzsperre, ebenso, soweit erforderlich, der Sperrmaßregeln sti den Sperrbezirken, unter möglichster Schonung der flctncn Leute, aber für der Beobachtungsbezirk. Abg. Dr. Weener - Gießen"Wirrsch'Vgg.): ^as neue Reichs« Srehseuchengesetz enthält eine, Reihe von wesentlichen Verbesserungen, insbesondere ine, daß die Katzen und das Geflügel von den Sperrmaßregeln ausgenommen werden, und das ist um U wertvoller, als es nicht moglrch ist, diese Tiere einzubehaltew Durch .das. ültc .Rerchsoiehseuä)engeseb wurde, eine Wenge vor i>cn- Dte Heuti lieber die einung sein, ob man Meteorologische Beobachtungen der Stotion Gießen. Oktober — + 12,1 '0. = 4-8,1 ’C. N?5 49 89 72—78 45 75 79—84 46 81 72-74 38 73 68-71 65—66 65 65—66 65 63-64 63 64-65 51 64 Zahn-Creme Mundwasser Stippen von C»/,0 ,MAGGI® gute, sparsame Küche“. 36-40 30-34 38 32 83 92 67 60 61 56 49 42 46 51 mit dem Kreuzstern 102 93 81 69 617, 617, 50 34 30 77 65 63—71 59-62 1. Grobe Ausgiebigkeit und Billigkeit. 2. Kurze Kochzcit und bequemste Zubereitung. bis 27. , 27. 26. -26. behauptet. Kolonialwerte und derNentenmarkt neigten vorwiegend zur Schwäche. Die Ultimoregiilierung nahm bei etwas leichterem Geldstande einen glatten Verlauf. Prolongationsgeld bedang 5^4 Prozent, tägliches Geld etwa 37s Prozent. Privatdiskonto 4U/1G Prozent. und ob eine Verschleppun also eine C" 3. Jede Sorte bat den ihr eigenen, natürlichen Wohlgeschmack. Man verlange ausdrücklich MAGGI« Suppen. Schale. Weidemastschafe . . . Geringere Lämmer . . Schweins. kirchliche Nachrichten der evangelischen Gemeinde Büdingen. 20. Sonntag nach Trinitatis, den 29. Oktober: Vormittags 10 Uhr: Pfarrer 63 ö b e L Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Ströher - Haingründau. Die Amtswoche hat Pfarrer Göbel. Schlachtivertes höchstens 6 Hahre alt 48—51 87—91 Junge, fleischige, nicht ausgelnästete und ältere ausgemästets 44—48 80—87 Ungejochte 50—53 90—94 der wirtschaftlichen Entwickelung nicht befürchten zu musien. 'LAe eigentliche Ursache der guten Widerstandskraft der Börse, durste wdöch in der Reinigung der Märkte von Auswüchsen und in der derzeitigen Verteilung der Effekten zu suchen sein. Ein grober Teil der Wertpapiere ruht wieder in kräftigen Hänven, ,o daß die Spekulationsmärkte von dem Druck befreit sind, der bisher ständig auf ihnen gelastet hatte. Von Wichtigkeit erscheint weiter der Umstand, daß man in Amerika die allgemeine wirtschaftliche Lage wieder zuversichtlicher beurteilt, .wenn auch uas Vorgehen der Regierung gegen die Trusts größere Unternehmungslust vorerst noch nicht aufkommen läßt. Eine Stutze für die relativ gute Haltung der deutschen Märkte bildet auch me Erkenntnis, daß weder die politische Beunruhigung noch die Feuerung und die hohen Zinssätze, die sich im heimischen Wirtschaftsleben zeigenden Ansätze der Besserung verrichtet haben. Erst der Septemberbericht des Stahlwerksverbandes legte wieder “ -- ab. Unzufriedenheit in die Landbevölkerung hineingetragen. Die Aenderung ist daher zu begrüßen (Sehr richtig'), denn man sagte gerade bei uns in Oberhessen mit Recht, daß auch die Fliegen, die Schwalben und die Spatzen zum Geflügel gehören (Heiterkeit), und die Tann man ebensowenig an die Kette legen wie die Ratten Katholische Gottesdienstordnrmg. Sonntag, den 29. Oktober 1911: Nidda: 8% Uhr. B ü dingen: 10 Uhr._______________________ Spielplan Des Gießener Stadttheaters. Direktion: Hermann Steingoetter. Montag, den 30. Oktober, abends 7 Uhr: Gastspiel der Großh. Hofoper in Darmstadt: „Tas Glöckchen des Eremiten." Komische Oper in 3 Akten von A. Maillart. Ende gegen 10 Uhr. Dienstag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr (5. Dienstags-Abonnement-Vor- stellnng): „Die Haubenlerche/ Ende 10'/, Uhr. Mittwoch, den 1. November, abends 7 Uhr (5. Mittwochs - Abonnement - Vorstellung) : „Der Pfarrer von Kirchfeld." Ende 98/t Uhr. Freitag, den 3. November, abends 8 Uhr (5. Freitags-Abonnement-Vor- stellung): „Meyers/ (Neuheit!) Schwank in 3 Akten von Fritz Friedinann-Frederich. Ende gegen 107, Uhr. Sonntag, den 5. November, nach,nittags 8% Uhr, bei kleinen Preisen: .Es lebe das Leben." Ende gegen 6 Uhr. Abends 1% Uhr, bei gewöhnlichen Preisen: „Polnische Wirtschaft." Ende 107, Uhr. 74-80 64-67 Bollfleifchige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 517,-52 Vollsleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgeivicht 517,-52 Vollsteischige Schweine über 27, Zentner Lebendgewicht 50-51 Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 51-52 Wir sind w Kundgebung ges schreibt: Die Frage, o tuns oder den staatsrechtlichen G rats und der vh ivie wir hören, vo prüft und m 0' Das deuts allen vorliegender Co iß zu Holsen,. gelegt haben, die Anerkennung linde her Lerhandlunger Abkommens Anlai zu sagm mtmendh darüber verbreitet lands und, sein noch immer fall roie haltlos die 5 leitung oder Ivährc reich.vor dem E Deutschland sprach reich Allein zu ve Die Reichsv' . sie paßte sich i ^Paragraphen je an, wahrend sie nicht ausfüllen Gehen hinderte, völlig im Rech! tage am 8. R< will und sich e die Reichsverf zur Aenderuni fetzes bedarf, Äundesgebiet stimmung der Schußged/e/e j fafiuna nid)t jii Xenmuigm und das ftompe nur dann dem Ri blicklich die Lev (Artikel 11.) Ob Bismarc macht hatte, uni schen Disputierk ^rabe umdrehen geschaltet wird, lenem Grunde bi reichen können. , niemals zu dieser mehr die Auslea mverbungDeutsc r-pser avserlegen tags gehöre, und Retchstage gebim ,ur. das deutsche' politischer SLanbesarntsnachrrebten Alten-Buieck. Aufgebote: Oktober 25. Christoph Wagenbach, Dag. löhner, mit Margarete Sophie Tupper, beide in Alten-Duseck. Eheschließungen: Oktober 22. Friedrich Wilhelm Müller, Schreinermeister, mit Karolinc Damm, beide in Altcn-Bufeck Geborene: Oktober 20. Dem Landwirt Justus Elias Einhauser ein Zwillingspaar, Elisabeth und Anna Katharine. — 25. Dem Käsereibesitzer Karl Georg Müller ein Sohn, Hans Erich. e Grotzen-Vuseck. Aufgebote: Oktober 23. Otto Reuter, Bäcker, mit Marie Rühl, beide in Großen-Buseck. Geborene: Oktober 21. Dem Landwirt Heinrich Scheid VI eine Tochter, Frieda. — 23. Tem Schlosser Wilhelm Pkeiffer IX. eine Tochter. Sterbefälle: Oktober 22. Katharine Siegfrieds geb. Weller, 67 Jahre alt. — 25. Anna Marie Walter, geb. Samm, 96 Jahre alt. / Heuchelheim. Aufgebote: Oktober 20. Wilhelm Otto Hofmann, Streckenarbeiter, mit Katharina Schmandt, beide in Heuchelheim. Eheschließungen: Oktober 22. Otto Hofmann II., Schneidergeielle, mit Katharina Hofmann, beide in Heuchelheim. Sterbefälle: Oktober 22. Friedrich Volkmann I., Former, 40 Jahre alt. Watzenborn-Steinberg. Eheschließungen: Oktober 20. Karl Gorr, Lehrer in Ober-Ohmen, mit Emilie Kling in Watzenborn-Steinberg. — 21. Georg Harnisch IX., Bergmann, mit Maria Burk, beide in Watzenborn-Steinberg. Geborene: Oktober 13. Tem Schuhmacher Heinrich May ein Sohn, Otto. — 21. Dem Georg Ludwig Babel eine Tochter. Emma. iß, 25a (tWin* 1 2)ei jtiöd’ HS SH nr die J« hsz vormAag-- viiederschlaa: 1,1 mm. Warum, mein Lieber, bist du verschnupft? ^4(1 Mir kann so was gar nicht passieren. Erstens hab ich ein äI:7 brillantes Borbeugungsmittel, und zweitens roeth ich mir schnell zu helfen, wenn sich doch mal so eine Erkältung ein1 M nuten null: ich nehme stets Fays ächte Sodener Arineral- —Pastillen, soweit em Schnupfen den HalS und die Bronchien tn Mitleidenschaft zieht, soweit werden meine Sodener auch schnell und sicher mit ihm fertig. Darum folge meinem Rat Kauf dir in der Apotheke oder Drogerie eine Schachtel -Lodener für 85 Pfennig, gib aber acht, daß du keine Nachahmungen erhal,t. ss«/18 Börsen-Wochcnbericht. -- Fra nkfurt a. M., 27. Oft. Angesichts der ungeklärten politischen Verhältnisse ist die Börse auch in dieser Woche aus ihrer Zurückhaltung nicht herausgetreten. Wenn dennoch die Grundstimmung sich als vorwiegend fest charakterisierte, so tarn dafür zunächst in Betracht daß nunmehr das befmitwe Zustandekommen einer Einigung über die Marotko-Angelegenheit keinem Zweifel mehr begegnet und daß man stch tn Bezug auf den italienisch-türkischen Krieg wieder mehr der Hoffnung bntgegeben hat, daß der gesteigerte Widerstand welchen nnrerdings die ttaltenischen Truppen in Tripolis finden' die italtentsck-e Regterung zu Friedensverhandlungen geneigter machen werde. Ob der Optimismus der Börse berechtigt ist bleibt abzuwarten. Ten Vorgängen in China schenkte man er- hohte^Beachtung, man glaubt jedoch auch hier ernste Störungen verordnet worden sind. Ein Bureaukratismus ersten Ranges macht sich hier bemerkbar. Auch die Frage der Erittearbeit ist verschiedest ausgelegt worden. Das eine Kreisamt bestimmt, daß das Einholen des Grases, des Heues und verschiedener anderer Futtermittel Erntearbeit seien, während das von dem amberen Kreisamt bestritten wird. Durch die weite Ausdehnung der Be- vbachtungsbezirke ist namentlich der kleine Landwirt auss schwerste geschädigt, aber auch der selbständige Gewerbetreibende in den kleinen Städten und Marktflecken. Es ist namentlich dem kleinen Landwirt nicht möglich, seine Ferkel oder seine ausgewachsenen Schweine auf den Markt zu bringen, und dadurch wird ein großer Schaden für die Landwirtschaft hervorgerufen. (Sehr richtig! rechts.) In einem Anträge ist int württembergischen Landtage von einem Mitgliede meiner Fraktion gefordert worden, daß man Sachverständige bei weiteren Maßnahmen hinzuziehen solle, nachdem der Krnsticrarzt den Ausbruch der Seuche festgestellt hat. Der grüne Tisch kann hier nicht alles erledigen, Leute aus dem Leben müssen gehört werden. (Sehr wahr! rechts.) Vielfach läßt auch die Regierung es an den notwendigen Aufklärungen, fehlen. Ich erinnere bloß an die Reichsfinanzreform, was hat da alles die Regierung versäumt an Volksausklärungen! (Lebhafte Zustimmung rechts lind in der Mitte, Unruhe links.) So werden auch die Leute vielfach bei Fragen der Maul- und Klauenseuche nicht aufgeklärt. Es würde dann manches nicht so scharf aufgefaßt werden. Die Entschädigungsfrage interessiert den Landwirt am allermeisten. Nach dem neuen Viehseuchengesetz wird, wenn auf amtliche Anordnung die Tötung des Tieres erfolgt ist, mindestens die Hälfte des Tieres ersetzt, wenn es mit Maul- und Klauenseuche behaftet war. In Württemberg und in Sachsen bestehen schon Gesetze, die eine Entschädigung bei der Maul- und Klauenseuche vorsehen und hunderttausende von Mark sind dort schon . bezahlt worden. Es liegt im Interesse des Mittelstandes, des Bauernstandes, der gesamten Volksernährung, daß die Schädigung, die beim kleinen Landwirt infolge der Maul- und Klauenseuche eint ritt, in pekuniärer Beziehung ausgeglichen wird. (Sehr richtig! rechts.) Das Reich kann bei der jefcigen Finanzlage gar nichts tun, wohl aber die Einzelstaaten. Die Viehkassen sollten auch von den Einzelstaaten unterstützt werden durch Hergabe zinsfreier Vergütung. Man kann auch das Augenmerk der gesetzgebenden Kreise auf eine Reichsversicherung richten. Ms Seuchen- verschlepper kommen hauptsächlich die Viehhändler an der russischen Grenze in Frage. Die kleineren Bauern, die sich oftmals aus Verärgerung den Sozialdemokraten bei manchen Wahlen behilflich sind, mögen sich nun bei den Grenzöffnungsschreiern bedanken. Wenn heute der sozialdemokratische Redner betont hat, daß auch die sozialdemokratische Partei geeignet sei, den kleinen Bauern zu helfen, so möchte ich daran erinnern, daß, als die beiden Interpellationen über die Maul- und Klauenseuche in diesem Hause verlesen wurden, die Sozialdemokraten laut auf» lachten. (Hört, hört!) Deshalb sollte man die sozialdemokratische IPartei nicht nach ihren nach außen dringenden Worten, sondern nach dem Lachen, daß man draußen im Lande nicht hören konnte beurteilen. (Lebh. Beifall.) Das Haus vertagt sich hierauf. Die Interpellationen sind damit Erledigt. Dienstag, den 7. November, 2 Uhr: Kleine Aktien und andere steine Sachen. Schluß 7*6 Uhr. Bull en. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtivertes 44—47 ^äri en. Rühe. Vollfleischige ausgemästets Färsen höchst. Schlachtivertes 44—48 Vollfleischige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtivertes bis zu 7 Jahren . . 37—40 Altere ausgemästets Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 32—36 Mäßig genährte Kühe undFärsen . . 29—31 Kälber. UrauWru! io ft- -danno°^ Kr Spracht u S’mmen soll e SäS 8 Bearbeit. ;' 'öean hat unELlQ^ 1 «» S Ä' * la sen 7$n9 iuiij 3 Nu bubJnW A Wzk ^b|hnotbLlQBi PattenÄ 1 glauben 7 -bec Leh ?WC1 * Öatte Sä >5; ÄS Und die Mäuse. Gerado die Fliegen sind vielleicht die aller- gefährlichsten Verschlepper der Seuche. Die junge Taubenbrnt wurde durch die Sperrmaßregel bei dem heißen Sommer in ihrer Existenz sehr vielfach gefährdet. (Sehr richtig!). Es ivird auch darauf hingewirkt werden müssen, daß die Beseitigung der Ka daver entlueber reichsgesetzlich oder landesgesetzlich in den Gr> meinden bei epidemischem Auftreten der Seuche gestattet ist. Es ist z. B. vorgekommen, daß in einem Orte meines Wahlkreises ein Kadaver 36 Stunden in der Sonnenhitze gelegen hat, über und über mit Fliegen bedeckt. (Hört, hört!) Es muß also den Gemeinden gestattet werden, trotz des neuen Tierseuchengesetzcs und trotz der Abdeckerei einen Kadaver zu beseitigen, wenn Gefahr vorliegt, daß die Seuche dadurch weiter verbreitet wird. Eine weitere Verbesserung in dem Reichsviehseuchengesetz ist, daß das Erlöschen ber, Seuche unverzüglich bekannt gemacht werden muß. Genau so, wie die Polizeibehörden schleunigst den Ausbruch der Seuche bekannt zu machen haben, ebenso muß unverzüglich im Interesse der Landwirtschaft ein Erlöschen der Seuche angezeigt werden. (Sehr richtig! rechts.) Tie Sperrmaßregeln sind heute vollständig zwecklos von' dem Augenblick an, wo 2/3 oder die Hälfte des Torfes von der Seuche befallen ist. In einem Orte meines Kreises ist das ganze Torf verseucht gewesen, und trotzdem wurden die Sperrmaßregeln streng aufrecht erhalten, obwohl es gar nicht mehr möglich war, die Seuche zu bannen. ILL-. di- Beobachtungsgebiete kann man zweierlei Meinung fein, ob man sie vollständig aufheben soll ober ob man sie banach einrichten soll, wie das praktische Leben es verlangt. Man soll nicht nach Schema F vorgehen. Insbesondere muß man sich fragen, ob von dem einen Ort nach dem anderen ein Verkehr stattfindet ne Verschleppung der Seuche möglich ist. Es müßte Einengung der Beobachtungsgebiete erfolgen. Erfreulicherweise heißt es auch im Reichsviehseuchengesetz, daß ein tunlichst eng zu bemessendes Gebiet gegen den Verkehr mit Tieren abgesperrt werden soll. Die Einheitlichkeit bei den einzelnen Behörden läßt auch viel zu wünschen übrig. Namentlich auch bei uns, da haben wir gesehen, daß sich die Kreisämter vielfach widersprechen, und daß für Orte, die dicht nebeneinander liegen, aber in verschiedenen Kreisen, verschiedene Maßregeln Die nach- A sind am Sonntag, den 29. Okt. stehenden £&vl Zilv von 12 Uhr mittag- bis 12 Uhr nachts nnr für dringende Fälle sicher anzutreffen: D ,8/10 Dr. Richter, Frankfurter Strasse 4. Sanitätsrat Dr. Zinsser. Goethestrasse 10. Zeugnis von der befriedigenden Entwicklung der Geschäftsla^ Wenn die gewaltig gestiegenen Produkcivnsmengen der Gw werke zu erhöhten Preisen Absatz finden, so spricht dies für eine starke Aufnahmefähigkeit der überseeischen Länder, deren Bedarf von Monat zu Monat dringender geworden ist. Auch vom Kohlen- markt, der seit langer Zeit einer Depression unterlag, wird zunehmende Nachfrage gemeldet, und in der guten Beschäftigung unserer Hauptindustriezwcige hat sich kaum etw-as geändert. Die hierdurch in ihrer günstigen Auffassung der Wirtschaftslage bestärkte Spekulation fchritt in dieser Woche mehrfach zu Meinungs- fchtfen in Montan papieren, die fast durchweg Kursbeise- rungeu erzielten. Im Vordergründe des Interesses standen Har- pener Bergbau-Aktien, wobei wieder Fusions- und Kapitalserhöhungsgerüchte in Umlauf kamen, die aber der Begründung entbehren. Die Steigerung dürfte zum Teil auf Glattstellung Pariser Paisse-Engagements, die während der Marokko-Affäre eingegangen wurden, zurückzuführen sein, zum Teil auch darauf beruhen, daß die reinen Kohlenzechen bei der immer näher rückenden Erneuerung des Kohlensyndilats eine Verbesserung ihrer Stellung erreichen werden. Laura-Aktien profitierten von der Meldung, daß der russische Zoll auf Roheisen aufgehoben werden soll. Andere Jndustriepapiere lagen wenig einheitlich, doch konnten auch hier vereinzelt Kursbesserungen erzielt werden. Von Bahnen erfuhren Schantungbahn im Zusammenhang mit den chinesischen Nachrichten abermals einen größeren Rückgang, auch , Lübeck- B'üchener gaben nach. Amerikaner waren befestigt, Schiffahrtsaktien ebenfalls. Banken blieben bei stillem Geschäft gut Arbeiterbewegung. Ausständige Tabakarbeltcr. Bremen, 27. Okt. In einer gestern abend von der Organi- satwn der ^.abakarbeiter einbcriüenen Versammlung der Sabafarbeiter, Zigarrensortierer und Listenbekleber wurde beschlossen, am kommenden Sonntag in Hamburg, Altona und Bremen tn ben S y mp a t D i e-Aus ft a n d einzutreten, falls bis Samstag der Kampf der Tabakarbeiter in W e ft t a ( e u und Lippe feine befriedigende Beilegung erfahren haben sollte. Markte. Gießen, 28. Okt. Al a rkt b eri cht. f?(uf heutigem Wockien- ntarfte kostete: Butter pr. Pfd. 1,25—1.35 Alk., Hühnereier 1 St. 9—10 Pfg., Läse pr. St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Tauben pr Pr. 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Vif., Hahnen pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten pr. St. 1,80-2,20 D!k., Gänse das Pfd. 65—70 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 82—90 Pfg., Rindfleisch pr. Pfund 64—86 Pfg., Kuhfleisch 70 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—90 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 74—78 Pfg., Hammelfleisch vr. Pfd. 60—80 Pfg., Lartoffeln pr. 100 Lg. 7.00 bis 9.00 Alk., Weißkraut das Stuck 15 bis 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 10,00—12,00 9)if., Milch das Liter 22 Pfg., Aepfel per Ztr. 10 bis 20 Mk., Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., per Ztr. 0—00 Pik., Birnen das Pfund 10—20 Pfg. Marktzeit von 8—2 Nhr. fc. Frankfurt a. M., 27. Okt. Heu- und St r 0 h ma rkt. Angefahren waren 4 Wagen Hen und 3 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4.80—5.00 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 0.00—0.00 Dtk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft langsam. Stroh nicht verkauft. Die Zufuhren waren aus den Kreisen Friedberg und Dieburg. 6. Wiesbaden. D ie b h of-M a r k 1 b e rt ch: vom 27. Okt. Auftrieb: Rinder 100 (Ochsen 24, Kühe 76, Pullen 0), Kälber 81, Schafe 14, Schweine 257. Tendenz: Rinder gedrückt, Kälber, Schafe und Schweine ruhig. Preis Durch- pro 100 Pfo. schnittsprei; t'cbennbe.u^‘^t' pro 100 Pfund Ochsen. don-biSvon-bir VebenR6e'öf6?a