ie 3 M Samstag 20. Mai 1911 Nr. 118 161» Jahrgang •ditxhd ««NH ertf Wr*w4mt M •wrte* tu „iltgrwti gamllltubläntr «etto bem ,11njdfler* dermal «Lch entlieh del gelegt, bei „KrtisblaO für tze» Kreb Gtcßev" »iveimat MÜchcntltktz. Ti« „tenöGlrtl^afin^e» S Ccztnbrodötk R. leege, «lefenu Redaktion, Err^ditto« *nb Trnckereb strotz» 7. Lrpedttlm» - J itte IM ■ 11911 52!^ tndschaft jur | einem ZronlKii r Ferkel 'ommen bm. De n m mein« S» Klei >icbrl gmgläsß list* «■*»** „JE* ermeister >, nur beste Ostenpreises ,2« 15-2(1 0; ph. leiaeDWÜs«* tersebeidei. r rn- , g SS gtt Lberlvind'en beginnen, aus 5er lm'r ärlmahliT zur Gesundung kommen. (Hört! Hört! rechts.) Lassen wir dieser Auf- fnssung wieder freien Spielraum und Oberwasser, so wird das dem deutschen Volke schwere Opfer kosten. Und zwar Opfer, die man nicht einfach durch die Bemerkung beseitigen, kann, es seien 1909 noch einige Einnahmequellen unausgeschöpft geblieben. Auf Schlagworte, die dabei gang und gäbe find, lasse ich mich nicht etn. Die Einnahmen, die dadurch erreicht werden könnten, sind durch die Forderungen, die von allen Seiten kommen, schon um dos Zehn- und Zwanzigfache überzeichnet. Ich halte es für ausgeschlossen, daß die verbündeten Regierungen einen Rückfall m die eben erst überwundene finanzielle Krisis mitmachen werden. ,(Beifall rechts und im Zentrum. Lachen links.) Abg. Schickert (Kons.)? . Auch wir haben den Wunsch, daß die Altersgrenze auf funf- undsechzig Jahre herabgesetzt wird. Gegenüber der gegenwärtigen Lage stellen wir aber diesen Wunsch zuruck. (Zachen links.) Man kann sich nicht wundern, daß die.Herren, die der Reichsversicherungsordnung unsympathisch gegenüberstehen, diese Anträge gestellt haben. Sie erreichen vielleicht dadurch ihr Ziel, die Versicherungsordnung zum Scheitern zu bringen und geben sich dabei im Lande den Anschein, volkstümliche P o 1 i t i k zu treiben. (Beifall rechts, lebhafter Widerspruch links.) Die Annahme dieser Anträge würde auch die Unkosten für die Versicherten erheblich erhöhen, ganz abgesehen vom Reich^uschuß. Nun hat man auch von der Erbanfallsteuer gesprochen. Es zahlt doch niemand Steuern, die nicht bewilligt sind und die Nicht einmal dem Reichstag vorgelegt sind. (Oho-Rufe links.) Wir lassen uns bei der Frage von keinerlei Nebenabsichten leiten, auch nicht von der Rücksicht darauf, welchen Eindruck unsere Abstimmung auf die Wähler macht. Wir treiben lediglich sachliche Politik. '(Beifall rechts, schallendes Gelächter links.) Wir halten an den Kommissionsbeschlüssen fest und überlassen die Verantwortung für das etwaige Scheitern der Vorlage denjenigen, die dagegen stimmen. ^(Beifall rechts.) Abg. Dr. Stresemann (Natl.)k Es kann wohl als communis opinio des ganzen Hauses angesehen werden, daß die Herabsetzung der Altersgrenze als richtig angesehen wird. Der Staatssekretär hat allerdings erklärt, daß die Bedeutung dieser Altersgrenze immer mehr abnimmt und daß die Zahl der Arbeiter, die ein Interesse daran haben, sich immer mehr verringert, weil die Arbeiter jetzt früher in den Besitz der Rente kommen. Herr Delbrück stand da im Gegensatz zu Herrn Wermuth, denn sonst hätte er auch feststellen müssen, daß sich die Belastung des Reiches ebenfalls in Zukunft verringert. Als die große soziale Gesetzgebung des Deutschen Reiches geschaffen wurde, da wollte man nicht nur dem invaliden Arbeiter eine Unterstützung gewähren, fondern die Arbeiter erhofften auch einen gesicherten Lebensabend, im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte, im Besitz einer Rente, durch den er besser gestaltet wird. Nun hat der Staatssekretär Delbrück die Mehrlasten auf fünfundvierzig Millionen angegeben, während der Negierungsvertreter in der Kommission nur neunundzwanzig Millionen herausrechnete. Wir bitten um Aufklärung, denn für die Abstimmung wird es von Bedeutung sein, wie hoch die Kosten tatsächlich sind. Gewiß sind die Lasten auch für, die Versicherten beträchtlich. Die Annahme des Antrages würde eine Mehrbelastung von 1,50 Mk. pro Jahr ausmachen. Ich müßte an der Großzügigkeit der deutschen Arbeiterschaft zweifeln, wenn sie nicht die von ihr so lebhaft erstrebte Herabsetzung der Altersgrenze dafür gern in Kauf nehmen würde. Die Aufnahme dieses Gesetzes wird bei den verschiedenen Bevölkerungsschichten sehr verschiedenartig sein. (Zurufe: Aber sehr!) Diejenigen, die den Mut haben, dafür zu stimmen, werden sich manchen schweren Anklagen derjenigen Erwerbsstände auS- setzen, denen dadurch neue Lasten auferlegt werden, namentlich in den Kreisen des Mittelstandes und des Handwerks wird es der Fall sein. (Sehr richtig!) Deshalb sollte man uns aber auch zugeben, daß wir uns die Berücksichtigung aller dieser Umstände lediglich von der sachlichen Berechtigung der hier erhobenen Forderungen leiten lassen. Auch in den Kreisen der Industrie sind Bedenken dagegen aufgetaucht, ob man diese neuen Lasten auf sich nehmen könne. Es ist mir aber auch bekannt, daß gerade in den Reihen der Industrie die Herabsetzung der Altersgrenze als durchaus wünschenswert bezeichnet wird. Die Industriellen unserer Fraktion haben gesagt, sie legen großen Wert darauf, daß diese Herabsetzung der Altersgrenze durchgeht. Ich muß einer eigentümlichen Beweisführung oes Staatssekretärs Wermuth entgegentreten. Mit dieser Kapitalisierung der Ausgaben sollte man wirklich dem deutschen Reichstage zücht kommen. Was würden Sie dazu sagen, wenn ich aus- führen wollte: ein Minister kostet und kapitalisiert jedes Jahr eine Million. (Große Heiterkeit.) Wir würden es zurückweisen, wenn ein Vertreter derjenigen Partei, die die militärischen Rüstungen bekämpft, in Volksversammlungen vortragen wollte, daß die militärischen Ausgaben des Deutschen Reiches kapitali- fiert soundsoviel ausmachen. Ich will mich auch nicht auf den Standpunkt stellen, das 9 Millionen gegenüber den Milliarden des Deutschen Reiches so geringfügig sind, daß sie so zwischen hinein geschoben werden können. Wir stimmen dem Schatzsekretär darin bei, daß es schwierig sein wird, den Etat jetzt und in den nächsten Jahren zu balanzieren, trotzdem eine gewisse Schönfärberer mH Steuerst trnb' Zöllen fortgesetzt In offiziösen Darlegungen vor sich geht. (Sehr richtig!) Wir haben aber auch in diesem Etat bei einer anderen Frage, die uns auch am Herzen liegt, nämlich bei der Veteranenfürsorgc, die Mittel und Wege gefunden, um den ReichSetat auszugleichen. Meine Fraktion war die einzige, die einstimmig dafür stimmte, durch die Reichswertzuwackssteuer die Mittel hierfür zu beschaffen. Wenn die 8’4 Millionen Mark, die zur Durchführung des vorliegenden Antrages erforderlich sind, sich nicht ohne neue Steuern beschaffen lassen, würden wir es als selbstverständliche Pflicht erachten, die finanziellen Konsequenzen auch unsererseits zu ziehen. Wir baben in diesem Jahre und auch heute wiederholt gegen Anträge stimmen müssen, die mir sachlich als berechtigt erschienen. (Hört! Hört! bei den Soz.) Es gibt eben Dinge, die finanziell nicht erreichbar sind, und die deswegen zurückgestellt werden müssen. Sie selbst von der äußersten Linken würden, wenn Sie die Mehrheit hätten, auch nicht in der Lage sein, alles gesetzgeberisch so zu aestalten, wie es Ihnen sack berechtigt erscheint. (Sehr richtig!) Wenn wir bet dem vor- liegenden Anträge eine Ausnahme machen, so entnehmen Sie bitte daraus, daß eß sich hierbei um eine Herzenssache handelt. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß die verbündeten Regierungen einem derartigen Mehrheitsbeschlüsse deS Reichstags die Zustimmung nicht versagen würden, sondern angesichts der Verantwortung, die sie dadurch übernehmen, in bezug auf den ganzen sozialen Frieden im Volke und in bezug auf die Beurteilung der Regierung in dieser Frage, dem Anträge ihre Zustimmung geben werden. (Lebhafter Beifall Iinf5.), Ministerialdirektor Caspar: Ich kann nur wiederholen was der Reichsschatzsekretär gesagt hat. Dr. Stresemann irr: sich, wenn er annimmt, daß die ver- bündeten Regierungen nachgeben werden. (Zurufe links: Abwarten!) Abg. Becker-Arnsberg (Zentr.): Die 'christlich-nationale Arbeiterschaft zieht den Bezug einer Kinderrente der Herabsetzung der Altersgrenze vor. (Unruhe links.)' Der Kölner christliche Gewerkschaftskongreß hat das einstimmig beschlossen. Auch die Anhänger der Partei des Herrn Stresemann haben dafür gestimmt. Jüngst hat sich eine Konferenz von Vertrauensmännern christlicher Gewerkschaften dahin ausgesprochen, alle Anschläge abzulehnen, die das Zustandekommen der Reichsversicherungsordnung gefährden könnten, selbst wenn fie populär wären. (Lauter Beifall rechts und im Zentrum.) Es gibt übrigens noch andere viel wichtigere Forderungen als die Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre. Diese sollte man erst einmal verwirklichen, und zwar mit Hilfe einer Dividenden st euer. Wie denken die Liberalen hierüber? Der Bund der Industriellen, der Dr. Stresemann sehr nahesteht, hat sich übrigens gegen jede sozialpolitische Mehrbelastung gewandt. Mag er erst einmal dort seiner Ansicht Geltung verschasfen, dann würde die Reichsregierung wohl auch ihr Unannehmbar zurückziehen. (Stürmische Heiterkeit links.) In der Kommission hat nur ein einziger Fortschrittler für das 65. Lebensjahr gestimmt. (Hört, hört! im Zentr.) Er hat betont, daß man damit den Weg der Altersversicherung verlasse und den Weg der Altersversorgung beschreite. Das geht aus den Kommissionsberichten der Presse hervor, die wir alle vorsichtiger, weise gesammelt haben. (Heiterkeit.) Wir wollen das Erreichbar e, denn wir haben eben politisches Augenmaß. Dem Unannehmbar der Regierung, das nicht ohne inneren Ernst ausgesprochen ist, werden wir einstimmig Rechnung tragen. Der Antrag dec Fortschrittler hat politische Tendenzen und will weiter nichts, als die Reichsversicherungsordnung zu Fall bringen. .(Beifall rechts und im Zentrum. Lärm links.) Abg. Molkenbuhr (Soz.): - - Die Forderungen, die Herr Becker soeben als die wichtigsten bezeichnet hat, sind bisher regelmäßig vom Zentrum niedergestimmt worden. (Hört! Hört! links.) Ernster als die Rede des Abg. Becker ist das Unannehmbar der Regierung zu nehmen. Die Rechnung des Schatzsekretärs stimmt nicht. Eine Volksabstimmung würde das Zentrum glanzend desavouieren. Selbst eine Abstimmung unter katholischen Arbeitern wurde gegen das Zentrum ausfallen. Abg. Frhr. d. Gamp (Rp.):*------ Herr Molkenbuhr unterschätzt die Rede des Abg. Becker. Es war die Rede eines wirklichen Arbeitervertreters, der wir gern Beifall gespendet haben. (Zurufe links: Das glauben wir!) Wir würden die Altersgrenze gern herabsetzen. Aber es gebt nicht! Wir treiben doch alle hier Realpolitik und dürfen uns dabei nicht wie Dr. Stresemann nur von unserem Herzen leiten lassen. Die Beiträge müßten um 20 Proz. erhöht werden, wenn das 65. Lebensjahr beschlossen würde. Die Erfüllung dieses Wunsches scheitert an der harten Notwendigkeit. Darum halten wir an den Kommissionsbeschlüssen fest. Abg. Dr. Potthofs (Vp.): Die christlichen Arbeiter werden über Herrn Becker sehr erbaut fein. Arbeiterführer vom Schlage Beckers können auf uns feinen Eindruck machen. Gegen Dr. Stresemann hat sich dieser Herr sogar eine wahrheitswidrige Denunziation geleiftef. Das Zentrum tanzt so, wie die Konservativen es wollen. Was ist dann noch Graßes dran an der ganzen Neichsversicherungs» ordnung? Das Unannehmbar der Regierung schreckt unS nicht. Hoher Bundesrat, du bist ja schon so oft umgefallenI Wie oft hoben schon die Staatssekretäre ihr Unannehmbar! wieder stillschweigend in die Tasche gesteckt! Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Sie haben dem Abg. Becker wahrheitSwidrige Denunziation vorgeworfen. Das entspricht nicht der Ordnung des Hauses, ich muß es rügen. Hätte ich es gleich verstanden, würde ich einen Ordnungsruf erteilt haben. Abg'. Bruhn (Rp.) spricht für den Antrag. Abg. Gothein (Vp.): Wenn Sie die Ausgaben für die Reichsversicherungsordnung kapitalisieren, dann müßen sie alle Einnahmen, Einkommen und Steuern auch kapitalisieren. Abg. Arning (Natl.): Nicht aus politischen, fondern auS ärztlichen Gründen trete ich für den Antrag ein. Abg. Dr. Südekum (Soz.): Glaubt ein einziger Mann hier im Reichstage, daß die Regierung das Gesetz an der Altersfrage scheitern lassen wird? Sie denkt gar nicht daran! Sie fürchtet die moralische und politische Verantwortung vor dem Lande! Das Unannehmbar ist. nur ein Bluff! Was kann sie denn tun, wenn der An- trag angenommen wird. Vielleicht löst sie den Reichstag auf! Aber fie wird freilich nicht die Parteien der Rechten mtt leeren Händen vor die Wähler treten lassen! Abg. Dr. Stresemann (Natl.): Herr Becker hat über meinen Beruf und meine Bezlehungen zur Industrie in einer Weise gesprochen, die man als Verdächtigung auffassen muß. Ich babe erst vor kurzem in einer industriellen Versammlung dringend geraten, die Reichsversicherungsordnung anzunehmen und auch eine Herabsetzung der Altersgrenze. Wenn Herr Becker erklärte, die Regierung würde ihr Unannehmbar zurückziehen, wenn der Zentralverband Deutscher Industrieller cs wünscht, nun, dann ist das schmeichelhaft für den Zentralverband, nicht aber für die Regierung, die über den Parteien stehen soll. (Sehr gut! links.) Vereinigen Sie sich mit uns, die ungeheuerliche Thesaurierung in den Reservefonds der Berufsgenosscnschaften zu beseitigen (Sehr wahr!), die werbendes Kapital aus dem Verkehr zieht und eine Erhöhung der Beiträge notwendig macht. Wir würden es tief bedauern, wenn die Regierung dieses große Werk scheitern lassen wollte. .(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Durch eine Reihe von Reden ist die Auffassung durchgegangen, als ob meine Erklärung über die Stellung der Regierung zu dem Anträge auf falschen Voraussetzungen, einer falschen Berechnung beruhe. Ich kann das nicht anerkennen. Ich muh die grundsätzliche Richtigkeit meiner vorherigen Ausführungen aufrecht erhalten. Die Sache ist nicht lediglich mit 20 Millionen Belastung der Versicherungsträger abgetan, man muß zweifellos auch mit einem erheblichen Ausfall an Beiträgen durch die frühere Invalidisierung der Arbeiter rechnen. Es ist eine aus wohlerwogenen Erwägung- gen abgegebene Erklärung, nicht diktiert durch Kleinlichkeit, sondern durch die Erwägung, daß auch auf dem Gebiete der Sozialpolitik ein gewisses Maß gehalten werden muß in Rücksicht auf nufere finanzielle Leistungsfähigkeit. (Zuruf von den Soz.: Kompott- schussel!) Ich habe mir die Kompottschüsseltheorie nicht zu eigen gemacht. Und die Erklärung der Regierung ist diktiert durch die Auffassung, daß, wenn wir glauben, an dem Maße festhalten zu müssen, das wir glaubten bieten zu können, wir nicht noch jetzt in diesem Stadium der Verhandlung nachgeben können, weil ein Nachgeben in diesem Moment dann auch Forderungen in anderen Punkten Hervorrufen würde. .(Gelächter links.)! v Abg. Greßberts (Zentr.)? , Diesen Standpunkt der Regierung kann ich Nicht verstehen und nicht vertreten. (Lebh. Hört! Hört!) Wenn sie nur aus Furcht vor weiteren Forderungen Nein sagt, dann können wir den An- trag auch annehmen. (Bewegung und Hört! Hört!) Hat sie keine triftigeren Gründe dagegen? Wir haben die anderen Anträge nut abgelehnt, um das Gesetz nicht zu gefährden. Erfreulich ist die Haltung der Industrie, die die neuen Opfer auf sich nehmen will. Wir werden ja sehen, wer an seinem Standpunkt festhält, die Regierung oder die liberalen Parteien! Staatssekretär Delbrück wiederholt: Die ablehnende Erklärung der Regierung ist vollkommen ernst zu nehmen. Ich halte sie voll und ganz aufrecht! Abg. Dr. Mugdan (Vp.)t> Das widerspruchsvolle Verhalten des Zentrums in dieser Frage geht schon daraus hervor, daß es in der Kommission bei der zweiten Lesung eine ganz andere Haltung angenommen hat als in der ersten. Die Aussprache schließt. Die namentliche Abstimmung ergibt die Ablehnung der Anträge auf Herabsetzung der Altersgrenze mit 160 gegen 146 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Sonnabend, 11 Uhr, Weiterberatung. j Schluß 7 Uhr. .x Börsen-Wochenbericht. — Frankfurt a. M., 19. Mai. In dem Abwickelungsprozeß, der seit Beginn dieses Monats sich vollzogen hat, ist in den letzten Tagen ein Stillstand ein* getreten und die Grundstimmung kennzeichnete sich wieder als etwas sester. Der zuversichtlicheren Beurteilung der Börsenlagc und der weiteren Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse kamen allerdings auch besondere Umstände zustatten. Zunächst war es Amerika, insbesondere die wesentlich gebesserte Disposition der Neuyorker Börse, was den Wechsel der Anschauungen hervorgerufen hatte. So wenig die Entscheidung des Ober st en Bundesgerichtes im Trustprozesse gegen die Standard Oel Company die Trustfrage einer endgültigen Lösung zugeführt hat, so hat sie doch die Wirkung gehabt, die auf dem Geschäftsleben lastende Unsicherheit wenigstens vorläufig zu beseitigen und den Börsen drüben wie auf dem Kontinent eine größere Zuversicht in die nächste Entwickelung der Dinge zu geben. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß der Tiefstand der Depression nunmehr in der Union erreicht sei und daß dort jetzt wieder eine Wendung zum Besseren erwartet werden könne, die insbesondere die in letzter Zeit gewichenen Preise auf dem internationalen Eisenmarktc heben werde. Dabei wird jedoch übersehen, daß die Preismisere der letzten Wochen nicht allein durch Amerika verursacht worden war, sondern mindestens in gleichem Maße durch die int Hinblick auf die zur Erörterung stehenden Verbandserneuerungen betriebene Quoten- jagd der deutschen Werke. Die einmal erreichten Produktionsmengen werden jetzt als eine dauernde Einrichtung bestehen bleiben und man darf selbst bei einer wesentlichen Belebung des Weltmarktes nicht damit rechnen, daß wir wirkliche Konjunkturpreise erhalten werden. Man wird also jedenfalls gut tun, die Erwartungen nicht allzuhoch zu spannen und besonders nicht aus dem Auge zu verlieren, daß die Kurse schon durchweg sehr hoch stehen, und daß die Verteuerung der Zinssätze, die uns der Herbst mit Sicherheit bringen wird, bei der Bewertung der Rentabilitätschancen der Jndustriepapiere in Rechnung gestellt werden müßten. Angesichts der günstigen Entwickelung, die der internationale Geldmarkt in der letzten Zeit genommen hat und die auch dem heimischen Geldmarkt zustatten lammt, sind aber die Geldmarktssorgen vorerst ganz in den Hintergrund getreten und das Vertrauen auf eine Andauer der befriedigenden Wirtschaftslage hat neuen Zuwachs erhalten. Die ansehnliche Steigerung, die der deutsche Ausfuhrhandel erkennen läßt und die erhebliche Vermehrung des Exports aus den Vereinigten Staaten geben allerdings einen Anhaltspunkt dafür, daß der Weltmarkt dauerird eine große Aufnahmefähigkeit, bekundet. Daneben haben auch die Ausführungen int Ausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses über die Vcrkehrs- vorlagen die Börse daran erinnert, daß auch int Jnlanüe rüstig an der weiteren Vervollkommnung der wirtschaftlichen fttäfte und Mittel gearbeitet wird, so daß die .Bedenken, die in letzter Zeit infolge der Unsicherheit über das Schicksal der großen Montanverbände den Markt beunruhigt haben, in ihrer Wirkung etwas abgeschwächt wurden. Montanpapiere konnten sich falt durchweg im Kurse erholen und auch andere Jndustriepapiere haben wieder vorwiegend Kursbesserungcn zu verzeichnen: Elektrizitätswerke und Maschinenfabrik-Aktien standen dabei int Vordergründe des Interesses. Von chemischen Werten setzten die Aktien der Scheideanstalt ihre Steigerung fort, mit ihrem jetzigen Kurse über 700 Prozent gehören sie zu den höchst notierten Werten der hiesigen Börse. Stark anziehende Tendenz verfolgten auch Kaliwerte auf die erfolgte Einigung des Syndikats mit Amerika. Banken blieben ziemlich behauptet. Von Sahnen waren nur Amerikaner begünstigt, von Schifsahrtsaktien Lloyd. Größeres Interesse zeigte sich auch für Kolonialpapiere auf die gebesserten Aussichten der Goldproduktiorr. Privat-Diskonto 27/s Prozent. Handel- ** Konkurse in Hessen. Ueber das Vermögen des Kolonialwarenhändlers Adam HoimannIV. zu Griesheim wurde am 4. Akai das Konkursversahren eröffnet, da der Schuldner zahlungsunfähig ist. Amtsgerichtstaxator Ernst Wolff in Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt Konkursforderungen sind bis zum 27. Mai bet deut Amtsgericht Darmstadt I anzumelden. — Ueber das Vermögen des Fahrradhändlers A n t o n Willius, Mainz, Große Bleiche 15, wurde am 8. Mar das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Cordes in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind dis zum 30. Akai bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — Lieber das Vermögen des Kolonialivarenhändlers Jakob W o l f in Drais wurde am 10. Mai das Konkursverfahren eröffnet. Bureauvorsteher H. N i k o l a i in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 1. Ium bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — Hebet das Vermögen des Ludwig Hochheimer von Mainz, zurzeit unbekannten Aiisemhalts, rourbe am 12. Mai das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Schwöret in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 3. Juni bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — Hebet das Vermögen des 'DliiUei'5 Heinrich Eidmann von Kefenrod wurde am 12. 9Jlat das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt K o cf) in Büdingen wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkutsfordc- rungen sind bis zum 30. Akai bei dem Amtsgericht Büdingen an- zumclden. Spklplanöes Kurl)aus^l)eaters Baö Nauheim. Montag den 22. Mai: »Der dunkle Punkt." Mittwoch den 24. Mai: „Tet Schwur der Treue." Freitag den 26. SDlai: „Hohe Poliitrk." Sonntag den 28. Mai: „Wenn der junge Wein blüht." Die echte Scotts Emulsion ist deutlich kenntlich und überall wohlbekannt durch die Schutzmarke, einen Fischer mit einem großen Fisch aus dem Rücken. Wird beim Einkauf hierauf geachtet und immer au§= ~ drücklich Scotts enwlfion ver- langt, so sind Verwechselungen unt den vielen minderwertigen E Nachahmungen ausgeschlossen. Nur 1 y/Ix nebenstehende Fischermarke gewähr- löstet die Echtheit von Scotts Emulsion, die seit Jahrzehnten -Qrb‘tmbb®maÄ bewährt und erprobt ist und stets lV£na«iat)£tlni den gewünschten Erfolg herbeisührt. .Pfeil dreieck-Seifs n Fabrikant: August Jacobi. Darmstadt. Verkaufsstellen durch dieses Plakat kenntlich. hv#/e Sicher und schmerzlos wirkt baä echte Radlaucr'iche Hübner auaenmittel. Fl. 60,Pfg. 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