Ur. 271 Erster Blatt M Jahrgang Zreitag, s7. November 19U General-Anzeiger für Oberhessen sä£=fi*iAj»AttAy wlVIlVIlVi vUllVIUVl eirlfdfflfindfe Äeitfra^c« M ö ■■ ▼ _ Bf ™ Lhekredatteur: A tLoej, Fernsprech- Anschlüße: WV L) J Ay : t r.’.üvortlicb für bett für die Redaktion 113. v v v polittschen teil: Auaust -LIL-- General-Anzeiger für Oberhessen BMs tür"au- lelt mit der Tischglocke leise hin und her, das WasseralaS des Tuschzeichners zeigt Bewegung, und an den Fußsohlen spüren wir die seltsame Wahrnehmung, daß nicht nur die wogende MeereSflut, sondern auch unsere alte Erde, so nehmet einzugraben. Ein bunter Wechsel von fesselnden! Eindrücken boten die Städte Peschawar, Allahabad und Benares, dtomentlich Benares ist als heiliger Wallfahrtsort bekannt und bietet mit feinen architektonisch reizvollen Badetreppen zum Ganges ein echtes Abbild indischen Kultuslebens. Ist es doch der sehnlichste Wunsch des alten Hindu, in Benares zu sterben und sich dort verbrennen zn lassen, damit feine Asche in den heiligen Strom geil reu» werde, der sie dem großen Meere und damit der Seligkeit zuführe. Ihr Ende fand die Reise in Kalkutta, wo der Redner den zukünftigen Träger der deutschen Kaiserkrone verließ, um seine Reise nack Hinter-Indien (Irawadi^, auszudehnen. Starker Beifall zeigte dem Forschungsreisenden, daß es ihm durch seinen Vortrag, der durch ein reiches Lichtbild ermalerial aufs glücklichste ergänzt wurde, gelungen war, den Zuhörern ein fesselndes Bild von der Reise unseres Kaisersohnes vorzufuhren. « DK.- Ein Th eat er-M useum soll in England errichtet werden. Man weist daraus hin, daß die Kunst des Theaters die einzige ist, die in den offiziellen Museen keine Berücksichtigung ftndel. Mrs. Enthoven, eine in Londoner literarischen Kreisen wohlbekannte Tarne, besitzt eine Sammlung von ungefähr 700uu historisch interessanter Theaterzettel und sie hat die erste Anregung zu dem Theatermuseum gegeben. Ibrer Ansicht nach )oll es sich aber nicht etwa um ein bloßes Schau-Museum handeln, das nur Ausstellungszwecken Rechnung trägt, ihr Ideal ist ein der Kunst des Theaters geweihtes weitläufiges Gebäude, wo allen Leuten, die Interesse für die Bübnenkunst, ihre Geschichte und Entwicklung hegen, ls>elegenhek geboten wird, an Hand von Buchern und allem anderen geeigneten Material einschlägige Gebiete zu durchforschen. in Vertrag für alle Zeiten geschlossen sei, sich entgegen kommend zeige. Mit Bezug auf die in dem Flussblatt der fortschrittlichen Volks- Partei enthaltenen Versprechungen setze er durchaus keinen Zweifel in die Ehrlichkeit des Kandidaten Urstadt, hält es aber für richtiger, einen im praktischen Leben stehenden, als liberal und unabhängigen Mann bekannten Kandidaten zu wählen, z»_____ hessische Landtag an Akademikern reichlich versehen fei. Von diesem i «u» du 5cigen, vuk ucl —— Gesichtspunkt aus betrachtet, verdiene der Kandidat Mngspor'guten Namen als Turnverein sich bewahrt hat, Lahezuglls Die Revision Erber verworfen! w Leipzig, 16. Nov. Tas Reichsgericht verwarf die Revision des Schlossers Erbe, der am 29. Septemi« vom Schwurgericht in Gteßen wegen schweren Tiebstahls zu drei Jahren Zuchthaus und wegen Raubmordes zum Tode verurteilt worden war, weil er am 4. Juli in Rieder-Mörlen einen Einbruch verübte und die Ehefrau Walther ermordete und beraubte. Aus Hes?err. Gießen, 17. Nov. Wahlerversammlung der fortschrittlichen Volkspartei. Die auf gestern abend von der fortschrittlichen Volkspariei Steins Garten einberufene Wählerversammlung toar außer- ** In Audienz empfangen wurde am Mittwoch vom Großherzog u. a. Geh. RegierungSrat Schönfeld von Schotten. ** Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den evang. Pfarrer Will). Hartmann zu Rieder-Ingelheim unter Verleihung des Charakters als „Professor" zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Offenbach und den evang. Pfarrassistentrn Karl Krämer zu Mainz zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Worms ernannt. ** Die Direktion der R e i ch s b a n k hat den von der Stadt Gießen zur Errichtung eines ReichÄankLebäudes zur Verfügung gestellten Bauplatz, Ecke der Lor^y- und Bis- marckstratze angenommen. Die an die Schenkung geknüpfte Bedingung, aus der seitherigen Reichsbanknebenstelle eine Reichsbank st elle zu machen, wurde damit gleichfalls angenommen. Stadttheater. Nach eben eingetroffener telegraphischer Mitteilung ist Herr JürgaS am 20. dS. Mts. unabkömmlich geworden, so daß die Aufführung der „Frösche- leider nochmals, und zwar auf unbestimmte Zeit, verschoben werden muß. Tektonischer Ursprung. Nach einer Rücksprache mit Prof. Kaiser, dem Vertreter der Geologie an unserer Landesuniversität, handelt es sich nicht um ein vulkanisches, sondern um ein tektonisches Erdbeben, d. h. um ein Beben, das durch Verschiebungen im Erdinnerri hervorgerufen wurde. Diese Erdbeben, wie sie in den 70er und 80er Jahren häufig bei Groß-Gerau beobachtet wurden, bedingen nicht stets große Verschiebungen; es können dabei Verschiebungen von nur wenigen Zentimetern eintreten. Gegen die Annahme, daß es sich um einen weiteren Einbruch der mittelrheinischen Tiefebene handelt, sprechen die Tatsachen, daß das Beben süolich bis Mailand und nördlich bis Erfurt beobachtet wurde. Auch die östliche Ausdehnung bis nach Wien widerspricht dieser Annahme. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt der Erdbebenherd (das Epizentrum), soweit sich das aus den bis jetzt vorliegenden Meldungen beurteilen läßt, im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Hochplatte. Weitere Wahrnehmungen. lieber die Beobachtungen, die in Gießen gemacht wurden, gingen uns noch folgende Nachrichten zu: Gestern abend. 10 Uhr 30 Minuten wurde eine etwa s/4 Minuten dauernde Erderschütterung verspürt. Der Einsender dieses konnte in seinem Zimmer (Süd-Anlage) die Wahrnehmung machen, daß der Ofen und der um ihn stehende Schirm sowie die Hängelampe mehrere Sekunden Deutlich bebten. Die gleiche Beobachtung machte das Mäd- chen in der Küche, wo die Töpfe am Wandbrett und auf den Regalen leicht zu wackeln anfingen. Es wäre von Interesse, zu hören, ob auch von anderen Leuten ähnliche Beobachtungen gemacht worden sind. — Ein Einwohner der Moltkestraße schreibt uns: Gestern abend 10i/2 Uhr verspürte man hier drei rasch nacheinander folgende Erdstöße. Die Stöße waren derartig stark, daß sämtliche Möbelstücke im Hause in starke Bewegung kamen. In der' Bahn Hof st raße und im Seltersweg wurden innerhalb 3 Sekunden zwei Erdstöße gemerkt, die von Osten nach Westen gingen. Die Dauer eines jeden Stoßes war etwa lVa Sek. Nicht gemerkt wurde das Erdbeben im hiesigen Tele- araphenamt, was wohl darauf zurückzusühren ist, daß das Gebäude auf Felsen steht, wodurch die Wirkung der Erdstöße abgeschwächt wurde. In ganz Oberhessen wurde das Erdbeben gespürt. Nachrichten gingen uns u. a. zu aus Wieseck, Lich, Obbornhofen, Hungen, Nioda, Schotten, Ulrichstein, Büdingen, Lindheim und Friedberg. Von letzterem Ort schickt uns ein Freund unseres Blattes folgende anschauliche Schilderung: 10.25 abends. Ich schreibe an einen Freund: Lieber L.! 'Eben bin ich im Begriff, Dir zu schreiben, da schaukelt mein Schreibtisch, die Wände meines Zimmers, 3. Swck, die Leuchter auf dem Bücherschrank mit ihren zahlreichen Glasprismen schaukeln und flirren. Das dauerte Augenblicke, bann isl's vorbei. Ick sehe sofort auf die Uhr. Es ist nach Bahnzeit ca. 10.25. Ich stehe auf Mud sehe die Leuchter an, die Glasprismen an den Leuchtern schwingen noch leicht hin und her. Jetzt erst, nach 2 Minuten, haben sie sich vollständig beruhigt. — Ich Öffne das Fenster, draußen ist alles ruhig, auch im Hause scheint sich niemand aufzuregen. Das Schaukeln war so hestig, daß ich mich wundere, in den Wänden meines Zimmers keine Risse zu sehen. 3—4 starke Schwankungen — horizontale — glaube ich erkannt zu haben. Zweifellos handelte es sich um ein Erdbeben. Zch gehe noch aus, um mich zu erkundigen. * Marburg, 16. Nov. Gestern abend wurde hier ein Erdbeben von 3 Sek. Dauer wahrgenommen. Frankfurt a. M., 16. Nov. Heute abend gegen Sill Uhr wurde in Erfurt und München ein leichter ieinige Sekunden dauernder Erdstoß verspürt. In Stuttgart war der Erdstoß so heftig, daß sich die Gegenstände rm Zimmer bewegten und teils umfielen. Viele Personen eilten aus den Häusern auf die Straße. In Augsburg und in allen größeren Orten Schwabens wurden gleichfalls drei hintereinander folgende starke Erdbeben wahrgenommen. Frankfurt a. M., 16. Nov. Heute abend um 10.25 Uhr wurde hier ein von Norden nach Süden gehender starker Erdstoß wahrgenommen. Verschiedene Häuser haben große Risse erhallen. Die Bewohner eilten bestürzt teils nur notdürftig bekleidet auf die Straße. Die Feuerwehr, die R e t t u n g s w a ch e mußten vielfach in Tätigkeit treten, doch sind ernste Unfälle nicht vorgekommen. Auch aus Mainz, Karlsruhe und Straßburg wird über den Erdstoß gemeldet. Besonders stark anhaltend soll die Schwankung in München gewesen fein. In verschiedenen Orten wurden die Fernsprechleitungen gestört. Heidelberg, 16. 9tot). Heute abend ‘10 Uhr 25 Minuten wurde hier ein 15 Sekunden währender, anscheinend von Osten nach Westen verlaufender Erdstoß verspürt, welcher die Wände, Decken und Möbel stark erschütterte. Im T Heater schwankten die Säulen; es entstand eine Panik und die Vorstellung wurde unterbrochen. Unfälle sind bisher nicht gemeldet worden Rottweil, 16. Nov. Heute abend 10 Uhr 25 Min. wurde hier ein starker Erdstoß »oahrgenommen. Die Erschütterung war so heftig, daß verschiedene Gegenstände rn den Zimmern herunterfielen. Arn schwarzen Tor tzürzte ein Kamin M- Lei verschiedenen Häusern fielen Aus Stadt und Land. Gießen, 17. November 1911, Bon den städtischen Werken. Die finanziellen Ergebnisse unserer städtischen Werke für 1910/11 liegen jetzt vor und lassen erkennen, daß sie sich gedeihlich entwickelt haben. Beim Gaswerk ist erfreulich, daß seine Entwickelung trotz der Konkurrenz der Elektrizität wieder mit einem 7500 Mk. höheren Reingewinn abschließt als im Vorjahr. Der Ueberschuß des Gaswerkes beträgt 145 322 Mk., von dem 57 405 Mk. für Verzinsung und Tilgung der Schuld in Abzug zu bringen sind, die in Höhe von 687 233 Mk. am 31. März 1911 auf dem Werke ruhte. Es verbleibt mithin an Reingewinn 87 917 Mk. Es wurden im abgelausenen Jahre hergestellt 2 095 364 Kbm Gas, die folgende Verwendung fanden: Private Beleuchtung 594 779 Kbm., Heiz- und Kochgas 964 445 Kbm., K'raft- gas 30658 Kbm., Straßenbeleuchtung 303007 Kbm., Selbst- verbrauch 30658 Kbm., Verdichtung und Verlust (6,69 Proz. der Produktion) 140 306 Kbm. Die Produktion erhöhte sich im letzten Jahre gegen 1909/10 um 42000 Kbm. Gas. Die stärkste Tagesleistung war mit 9100 Kbm. gefertigten Gases am 17. Dezember 1910 erforderlich, während die höchste Stundenleistung mit 990 Kom. Gas am 16. Dezember 1910 sich ergab. Der Kohlenbedarf für 1910/11 stellt sich auf 700 Doppelwagen. Gasmesser standen am 1. April d. I. aus 5591 oder 360 mehr als am gleichen Tage 1910. Für die Straßenbeleuchtung waren 869 Laternen oder 32 mehr als im Vorjahre in Betrieb. Die Gesamtlänge des Rohrnetzes betrug 59 920 Meter. Das Wasserwerk brachte einen Ueberschuß von 130 511 Mk., von denen an Zinsen für die Schuld des Werkes 50 988 Mk. zu zahlen sind, der dann verbleibende Rest von 79 522 Mk. wird zur Schuldentilgung verwendet. Der Ueberschuß ist gegenüber dem Vorjahr um rund 1000 Mk. zurückgegangen. Unser Wasserwerk stand Ende März d. I. mit 1369 663 Ml. zu Buch. Es wurden 1910/11 an Wasser gefördert: 281050 Kbm. aus den alten Quellen (natürlicher Zulauf) oder am Tage durchschnittlich 142 Kbm. mehr als im Vorjahr und 1197 366 Kbm. oder 148 Kbm. durchschnittlich weniger als im Vorjahr im Queckborner Werk. Es er Härt sich das Mehr aus den alten Quellen durch den regen-, reichen Sommer in 1910/11. .Abgesetzt wurde an Wasser an Private 1113 409 Kbm., für öffentliche Zwecke 104 677 Kubikmeter, Selbstverbrauch 25 700 Kbm., Gemeinde Queck- born 18 532 Kbm. Der Verlust belief sich infolge der häufigen Rohrbrüche auf 216097 Kbm. Wasser. Der tägliche Durchschnittsverbrauch an Wasser im Versorgungsgebiet für den Kopf der Bevölkerung betrug täglich 188 Liter gegen 170 im Vorjahr. An Kohlen und Koks wurden für 5as Wasserwerk Queckborn 55 Doppelwagen verfeuert. Die Zahl der Anschlüsse an das Wasserverteilungsnetz betrug 2185 oder 15 mehr als im Vorjahr. An Hydranten )iiw vorhanden 321 (darunter 47 Oberflurhydranten) wozu noch 75 Hydranten im Privatbesitz und 78 für die Besprenguüa der Anlagen kommen. Aufgestellt waren im ganzen 2286 Wassermefter. Die gesamte Länge des Rohrnetzes betrug 83 632 Meter gegen 82 410 Meter im Vorjahr. * *’ TageskalenderfürFreitag, den 17.November: Stadttheater: „Die Ahnengalerie " Anfang 8 Uhr. Samstag nachmittag 31/, Uhr: Schüler-Vorstellung: .Die Jungfrau von Orleans.* ordentlich stark besucht. Der Kandidat der Partei, Professor U r st a d t, führte zrtztächst aus, in der Reichspolitik gelte neuer- dings das Wort „rechter Hand, linker Hano, alles vertauicht". Die Konservativen hätten um yraterieller Vorteile willen selbst einen Krieg nicht gescheut. Sodann entwickelte der Redner nochmals das Landtagswahlprogramm der fortschrittlichen Volkspartei. Von der auf den Grundsätzen der Humanität und des freien Selbstbestimmungsrechtes der einzelnen Persönlichkeit beruhenden liberalen Weltansckwnung aus, seien auch die den hessischen Landtag berührenden Fragen zu behandeln, die Schulfrage, die materielle Besserstellung und die staatsbürgerliche Sicherung der Beamten, die Sicherung des Koalitionsrechtes der' Arbeiter, die Förderung des gewerblichen Mittelstandes usw. Er verspreche keinem Stande Sondervorteile, sondern wolle dem Volksganzen dienen vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus. Die Fortschritts- Partei sei bereit, auch in Hessen mit den Nationalliberalen zu- sammenzugehen, wenn deren Gesundung aus der Partei selbst heraus erfolgt fei. Man werde dann zwar zunächst keine Mehrheit in der Kammer haben, aber in treuer Arbeit nach und nach .durch eigene Kraft eine rein liberale Mehrheit erringen. Bis dahin könne in einer Art von Großblock mit der Sozialdemokratie mancher Fortschritt erzielt werden. An gemeinsame Arbeit mit der Sozialdemokratie werde sich auch die nationalliberale Partei Hessens noch gewöhnen müssen und es werde bei uns gerade so gut gehen wie in Baden. Von der Sozialdemokratie trenne seine Partei eine Welt, aber der Entscheidungskampf um die beiderseitigen Weltansck)auungen stehe noch in weiter Ferne, bis dahin sei eine gemeinsame Arbeit möglich. Nicht wegen seiner Person, sondern wegen der Ausbreitung der fortschrittlichen Grundsätze bitte er, . am Freitag ihm die Stimme zu geben. (Lebh. Beifall.) Nittergutsbesitzer Becker- Bartmannshagen, der durch Händeklatschen begrüßt wurde, führte aus, eine Partei, für die mit oder ohne ihren Willen mit Inseraten, die die Unterschrift „ein Arbeiter" oder „7 Wähler" trugen, gearbeitet werde, brauche sich darauf nichts emzubilden. Das sei die Art, nach der in Ost- elbien der Bund der Landwirte arbeite, während es in Hessen die Nationalliberalen so machten. Zwischen den Konservativen seiner Heimat und den fogenannten Altnationalliberalen von der Art des Freiherrn von Heyl gebe es keinen Unterschied, nur seien die ersten ehrlicher. Man spräche in jenen Kreisen viel vom Familiensinn, bei der Fideikommissrage, bei der Nachbaßsteuer, und bezeichne seinen auf persönliche Vorteile frebacfyten Standpunkt mit dem Schlagwort, das sei preußisch-deutsche Eigenart. Er halte etwas anderes für preußisch-deutsche Eigenart, nämlich die treue Pflichterfüllung auf allen Gebieten. Sie sei in allen Schichten des deutschen Volkes und auf allen Gebieten vorhanden, nur auf einem nicht, nämlich auf dem politischen. Auch in der Politik solle das deutsche Volk den Willen zur Macht bekunden, der allein zum Erfolge führe. iTer Kampf gelte allen, die sich dem Selbstbestimmungsrecht des Volles und dem Fortschritt entgegensetzen und auch der sei als Feind zu behandeln, der sich nicht reinlich von den Parteien des schwarzblauen Blocks trennen könne. 'Tie hessische Wählerschaft habe es am Stichwahltag in der Hand, im ©inne des liberalen Gedankens Fortschritte zu machen. Jeder Stimmzettel, der für Urftadt in die Wahlurne geworfen werde, bedeute einen Erfolg gegen die Reaktion. (Stürmischer Beisall.) Nachdem die Herren M e chler-Wieseck und Beckmann- Gießen ihre Parteigenossen crufgefordert hatten, gemäß des Beschlusses der sozialdemokratischen Parteiorganisation für die Wahl Urstadts zu wirken, schloß der Vorsitzende Justizrat Metz die Versammlung mit der Bitte, für Urstadt einzutreten und klein- lichie Bedenken persönlicher Art beiseite zu lassen, damit die Wabl des fortschrittlichen Kandidaten aus eigener Kraft gesichert werde. Natioualliberale Wählerversammlung in Wieseck. Im Saale von W. Dorfeld in Wieseck sand am gestrigen Donnerstag eine von der nationalliberalen Partei einberufene gut besuchte Versammlung statt, die jm Gegensatz zu früheren ihnen ruhigen sachlichen Verlauf nahm. Der Redner, Rechtsanwalt Kaufmann, bedauerte zunächst, daß der Kandidat Klingspor infolge Krankheit nicht in der Lage sei, nochmals seine politischen Anschauungen darzulegen. Er ging bann des näheren auf die vom letzten Landtage verabschiedeten Gesetzesvorlagen ein und rechtfertigte den Standpunkt der nationalliberalen Partei in der Wahlrechtsvorlage und dem Gemeindesteuergesetz. Dann sprach er über die Aufgaben des neuen Landtages. In der Wirtschaftspolitik müsse Sparsamkeit walten; er zeigte, wie durch eine Vereinfachung des zurzeit noch sehr umfangreichm Beamtenapparates wesentliche Ersparnisse gemacht werden könnten. Es fei weiter nicht richtig, daß die Tilgung der aus früheren Zeilen stammenden Schuld vor der Aufbesserung der in einer Notlage sich befindenden Beamtenschaft erfolgen müsse. Daß es wünschenswert sei, den Preußisch-Hessischen Eisenbahnvertrag zugunsten Hessens zu revidieren, das sei der Wunsch aller Parteien, nur sei fraglich, ob Preußen, mit dem der durckmus den Vorzug vor Professor llritabt. Klingspor sei ein Manu bei' praktischen Arbeit, ber sich burdj Energie l)erausgearbeitet habe, er wisse, wo den Bürger und Arbeiter der Schuh brücke. Außerdem hätten alle Parteien zugegeben, baß er in liberaler Gesinnung unb infolge seiner persönlichen Eigenschaften als Mensch unb Arbeitgeber gleich hoch geschätzt werden müsse. Wer aber praktisch sich bewährt ^abc in Werken der Nächstenliebe, ber gäbe in Wirklichkeit die Gewähr, daß er ber beste Volksvertreter sei. An der lebhaften Aussprache, die den Ausführungen des Rechtsanwalts Kaufmann folgte, beteiligte sich außer ben Herren Will unb Vogelhöfer- Wieseck hauptsächlich Herr Riegel-Gießen. Er sprach über das Koalitionsrecht ber Arbeiter, das noch lange nicht allgemein sei, da die ländlichen nicht organisierten Arbeiter noch davon ausgeschlossen seien, unb bas in Gefahr wäre, burch bie neuen Strafrechtsbestimmungen beschnitten zu werben. Dann wanbte er sich gegen die national- liberalen Scharfmacher, die er als die „größten Gegner des Fortschritts" hinstellt. Gegen die Person des Kandidaten Klingspor hat er nichts einzuwenben, doch gehöre er auch infolge ber kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu ben Ausbeutern. Er suchte sobann bie Parole ber sozialdemokratischen Parteileitung zu rechtfertigen. In seinem Schlußwort wies Rechtsanwalt Kaufmann aus die logischen Widersprüche des sozir^>emokratischen Diskussionsredners hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß an dem morgigen Stichwahltage recht viele Stimmen für Klingspor abgegeben würden. von den Dächern Ziegelsteine herab; auch wurden Risse an den Wänden festgestellt. Die Einwohnerschaft stürzte entsetzt auf die Straße in der Befürchtung, das Erdbeben lönne sich wiederholen. K 0 nstanz, 16. Nov. Heute abend um 10.25 Uhr zeigte sich am wesllichen Himmel ein starker blitzähn- licherFeuer strahl. Man verspürte ein starkes, wellen- artiaes, mehrfach von Norden nach Süden sich bewegendes Erdbeben, durch das Kaoline einstürzten, Mauern barsten und viele Gebäude, darunter das Postgebäude, beschädigt wurden. Der Bevölkerung hat sich große Aufregung bemächtigt. München, 16. Nov. Die Erdbebenstation der Königlichen Sternwarte teilt mit: Um 10 Uhr 25 Minuten 50 Sekunden war in München ein s eh r starkes Erdbeben zu verzeichnen. Der Seismograph reagierte darauf so arg, baß er herausfiel und wieder hineingerichtet werden mußte. In den einzelnen Lokalitäten und Wohnungen war das Beben stark zu verspüren. Wien, 16. Nov. Um y2ll Uhr nachts wurde in der ganzen Stadt ein eine halbe Minute andauerndes Erdbeben verspürt, welches die Richtung von Westen nach Osten zu nehmen schien und von mehreren kurzen Schwankungen begleitet war. Mailand, 16. Nov. Hier wurde heute abend 10Uhr 30 Minuten eine Erderschütterung von einigen Sekunden Dauer verspürt, die auch in Laoco, Varese und anderen ähnlich gelegenen Orten wahrgenommen wurde. Aus Hechingen und Mülhausen im Elsaß wird übrigens gemeldet, daß dort schon vorgestern zwei Erdstöße v 0 n u n ge wöhnlicher Heftigkeit verspürt wurden, bie sich von Westen nach Osten bewegten. Auf den Straßen lagen vielfach Trümmer von Schornsteinen. Von einem Seitenturm ber reformierten Stephanskirche ist ein Zentner schwerer Steinblock heruntergestürzt. Im Stabttheater mußte bie Vorstellung abgebrochen werden, da bie Besucher bavonliefen. fest sie ruht, ins Wanken zu geraten vermag. Die Phantasie arbeitet mächtig; neben dem Klirren der Fenster vermeint man das Murmeln erregter Erdgeister zu hören Draußen klingelt es wiederuni. Es ist eine Mitbewohnerin unseres Hauses, eine erschreckte Mutter, die, ihrer Ein samkeit entflohen, bei uns Schutz und Aufllärung holen wollte. Ob sie uns im Verdacht hatte, daß wir die Urheber dieses Bebens gewesen wären? Daß das Haus nur vor Heiterkeit gezittert hätte? Sie sah itiTjerc teils erschreckten, teils -»rchdenklichen Gesichter uno mochte uns doch schließlich wohl glauben, daß die geheimnisvolle Natur diesen nächtlichen Spuk auf ihrem Gewissen habe. Und nun bangte den Damen davor, daß der Schrecken in der Nacht sich wiederholen llinnte. Alle Bilder, die der llassische Schilderer Phinius der Jüngere der Nachwelt vom Falle Pompejis und Herculanums zurückaelassen hat, drängten sich vor die erregten Sinne. Erst allmählich kehrte die alte Fassung, auf die in unserem Hause viel Wert gelegt wird, zurück, und die Damen begannen wieder zu lächeln. Die Schicksalsfäden wurden weiter gesponnen. Könnte es nicht ein seliger Tod werden, wenn ein Erdbeben das Haus Zusammen sinken ließe und die Glücksplaneten es so fügten, daß die Gleichgesinnten in ewigem Schlafe zusammengebettet würden? Da prallen die Ansichten wieder aufeinander, und die Meinungen über das „Lebensglück", dessen wissen- schaftliche Begriffsverfassung nach meiner Meinung unmöglich ist, wogen wieder aufeinander los. Das Glück ist launisch; es tappt unter die Menge und faßt bald des Knaben lockige Unschuld, bald auch den kahlen schuldigen Scheitel. Es wäre demnach nicht nur für die Guten und Frommen. Wer weiß es besser? Doch das gehört nicht mehr hierher und muß im kleinen Kreise noch lebhaft besprochen und vielleicht entschieden werden. ** Vom Männer-Turnverein wird uns geschrieben: Nächsten Samstag sind es 26 Jahre, daß der M.-T.-V. Gießen gegründet wurde. Der Verein hat deshalb beschlossen, sein Stiftungsfest in Gestalt eines Winterno uncck- festes mit Ball feierlich zu begehen. Bei dieser Gelegen- umal ber I hell soll ein rein turnerisch gehaltenes Programm vorge- !on diesem führt werden, um zu zeigen, daß der M.-T.-V. seinen alten Kkinaspor' (Ulten 92zunen alH f-rrR bat. Nahezu öl«? Hessen n ^kapelle # Ales NÄ ' ber Ä-chtub« ■ti - Di- Sn Lm 25. W mi bie ME Antrag d ssg SJSÄ J ^Metzger u te» Mmal einen vo -äedberg Womi /unten" zu 7'hreremal von oe Zellen mit große " VonderÄ 19. November, Verbindung mit ^,ihr25jähri Straehle-Marb «nein geschichtliche Semeinde werden zübiger Weise ve (?) Allendc Itiegertieieht besch ,erbands-Kri Stiftungsfest, am 8. Maulbaä Maul- und gebrochen. Bis st ivorden. Der Kri verfchont. -r. Hefter diensiet gewesener der hier wohnte, h Mannten &tünben + Schlitz, 16, nannte .Lalte M ’ stiiheren Jahrzch tM Kirmes; dieser M die Kirmes m £ dem ganzen «W dem Markt zwis Wmen Nationaltv Ml ein Tanzvergni Wn aus den ® “Ho eine Art Heira Bekl muc, tm tz «iS» SSfÄS: WZ- §8« Am »tat®’" will, 3*4'1 7 Je * "i”!1» >rer Ausgabe der R ab att-Spar-Marken verschont. KreiS Schotten. 09492 >rfen! 'tritt Um °° 29. gWl| ""k° tlebliahi! lotbet • in Nltökk-N^; Ittt ttwtbttt e 6t Thrischona, werden Mitwirken. Zutritt nur für Frauen und Jungfrauen. r,bit 1& Herzliche Einladung. So Gott will, findet am Sonntag, 19. November, nachmittags 3l/t Uhr» im oberen Saale des Cato Ebel das Jubiläums-Fest der hiesigen Methodistengemeinde Kratt. — Festredner: Prediger I. Straehle-Marburg. Soli-Quartett. Chorgesänge. Jedermann hat freien Zutritt! 09484 -7Z : l£euf«ui< *?l S 6* ■ Klmgsk! -r. Helpershain, 16. Nov. Ein in Vadenrod bedienstet gewesener verheirateter Knecht namens Hachenberg, der hier wohnte, hat sich im nahegelegenen Walde aus un- bekannten Gründen erschossen. Kreis Lauterbach. 4- Schlitz, 16. Nov Am Mittwoch fand hier der so- Ecmntc ,Lalte Mark t" ober die „Schlitze? 5^irmes" statt. früheren Jahrzelmten seierte hierzulande jede Gemeinde ihre ne rttrmes; dieser Brauch ist allmählich geschwurrden. Aber, »enn die Kirmes in Schlitz gehalten wirb, dann |trömt die Jugend au- dem ganzen Schtitzcrland zusammen, und bietet, wie sie sich aus dem Markt zwischen den Verkaufsftänden bewegt, in ihrer kleidsamen Nationaltracht ein buntes, srohbcwegtes Bild. Abends findet ein Tanzvergnügen statt, woran mrr die Brrrschen und die Mädchen aus den Dörfern tcllnchmen. Tie Veranstaltung ift «,ch j0 eine Art Heiratsmarkt, denn hier haben die Bauernburschen STbtettimgen werben ihr Können zeigen, so bie Schüler-Ab- tdlung mit zwei Riegen, die Zöalmae, die Frauenabteilung schiedene Riegen der aktiven Turner, die Gewandtheits- Übungen mit Stützhandeln turnen, eine Uebrrngsart, die im Turngnu Hessen noch nicht gezeigt worden ist. Mit Rücksicht aus die guten Beziehungen, die der M I -V seither jnt dem Re i ent imbfcen b.nathb irren Gauvcrcinen un er halten hat, sind Bertretungen des Offtzierkorvs und der befreundeten Turnvereine zu dem Feste eingeladen worden Ten rumerifd)en Vorführungen wird die von der Regi- mentskapellc gestellte Musik ihr Teil zum Gelingen deS ^csteS beitragen, zumal von ihr zum crfteu Male der von Lber-Musikmeister Löb er komponierte, dem M.-T.-D. ae- widmete neue Turnermarsch gespielt werden wirb, den Die Regimentskapelle am Sonntag morgen beim Promenadekon- ^ert zu Gehör bringen wirb. " Der Artillerie-Verein schreibt und: Am ZamStag, 18. November, begeht der hiesige Arttllerie-Verein sein 16. Stiftungsfest, verbunden mit GroßherzogS- Geburtstagsserer, im Hotel Schutz Für angenehmen Verlaus der sJcjad)tübuna sorgt ein unterhaltendes Programm bestens. — Die Weihnachtsfeier mit Bescherung der Kinder findet am 25. Dezember im Cafö Ebel statt. Näheres besagen bie Anzeigen, die demnächst aufgegeben werden. ** Antrag der Mühlgässer. Ein Teil der Anlieger der Großen Mühlgasse hat sicy an die Bürgermeisterei gewendet mit dem Anträge, einen Teil der durch den Straßenburchbruck) entstandenen Straßenbaukosten, der die Antragsteller trifft, auf die Allgemeinheit zu übernehmen. ** Metzger und Komponist! Die hiesige Alei - scher-Jnnuna, welche am Sonnlaa ihr 25 j äh r iges Stiftungsfest mit Fahnenweihe feiert, wird zum erstenmal einen von Hofmetzgermeister Haustein jun. in Friedberg komponierten Konzert-Walzer, betitelt „Herbstblumen" zu hören bekommen. Der Walzer wurde schon mehreremal von der Nauheimer Kurkapelle sowie Militärkapellen mit großem Erfolg gespielt. *♦ VonderMethodistenyemeinde. Am Sonntag, 19. November, feiert die hiesige Methodistengemeinde in Verbindung mit ihrem jährlichen Ernte- und Herbstdank- feft, ihr 25ja h r iges Jubiläum, wobei Prediger I Straehle-Mardurg die Festrede halten wird. Neben einem geschichtlichen Ucberbltd über die Entwicklung der Gemeinde werden gesangliche Darbietungen die Feier in würdiger Weise verschönen. Landkreis Gießen. (?) All en do r f a. d. Lahn, 17. Nov Der hiesige Kriegerverern beschloß in seiner letzten Versammlung das serbands-Kriegerfest, verbunden mtt 25jährigem SttfttrngSfest, am 23., 24. und 25. Juni abzuhalten. KreiS Alsfeld. e. Maulbach bei Homberg a. d. D., 16. Nov. Die Maul- und Klauenseuche ist nun auch bei unS aus- gebrochen. Bis jetzt ist sie in einem Gehöfte amtlich festgestellt worden. Dec KreiS Alsfeld war bisher von der Seuche für Verzins ringen sind, bi? rf 11 auf dm Sr gewinn 87917 ft' teHt 2095 364 fttj : Private 64445 §bm., Str 1 3007 Äbm., Verlust (6.69 Pvi buftion eryöhtr i:' X)0 Kbm. GaS. i \ t. gefertigten Ok -: »ährend die höt', 16. Dezember 19.1 0/11 stellt sich d n 1. Aprllb.3-^1 tge 1910. Jur “ oder 32 mehr t ;ge bei x Ueberftbus dm Schuld des Der! 4 cbleibenbe M * roenbet Ter Itb 1000 M WIK de Mrz b. I. f .0/11 an Wasser / Zellen (nntude 142 Kbm. mehr 8bm. durchschn»» t 'Bert Es eck i durch den W t wurde au ■* liche Zwecke IN n Gemeinde u- fgSS ks wurden fm verseuerl. rgsney betrug Hydranten swd Fanten) w^ _ für die MPt cen im fff' z Rohrnetze» * Vorjahr 7.9loöuß des AaslverW Solmses* Hof Bahnhofstrasse, 09501 Samstag, den 18. November, 7>/2 Uhr: IHumoristisches Konzert des bekannten Komiker- und Singspiel-Ensembles 3 Damen „Ernst Bergbaus“ 3 Herren ttlmüsam.Programm! aao Elberield. Emil Steck. Bekanntmachung. Die Verkaufsstelle des Bundes der Landwirte veranstaltet in bem nachfolgenden Ort einen Vortrag über „Stirn iSkMW für die ürotihii itt küiiftlicheii Äutvittkl" «rosten Bafeck, «reis «festen, am Montag, den 80. November, abends 7 Ubr, im «attbof ^Zum Ritter" (Carl Siegfried). Wir laden zu diesem Kursus unsere verehrten Mitglieder, aber auch alle dem Bund der Landwirte noch fernitebcnden Landwirte, Gartenfreunde und Beamte ein, welchen an der Hebung der Landwirtschaft im allgemeinen gelegen ist. Nack dem Vortrage findet eine Aussprache statt, wobei auch landwirtschaftlich technische Anfragen aus der Versammlung be- flttworict werden.______________________________D,7/|« Sonntag, den 19. November, nachmittags 3 Uhr, findet in Gießen im Bereinshans der Stadtmission, Mcrstltßk 14 die Einführung einer Misfionsschwcfter statt. Dieselbe soll grauen und Jungfrauen in Stadt und Land mit Trost and Rat, Wort und Tat dienen. Frau Pfarrer Hettefuß, die bekannte Schriftstellerin, und Frl. Rappard, Vorsteherin beS Schwesternhauses bei nach Abzug von E« starben an: Zusammen: angeborener LebenS- von ihm, für bie sie als Grunü langte dort eine Anm.: Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel ber Todesfälle in bet betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. geschloffen bat. konnte nie sicher festgesteift iwrben. Da» aber weist man sicher, dast Smsth feit 189U dauernd mtt fünf tinwicn zusammen gelebt hat. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterbienststelle Gießen. WetterauSstchten in Hellen am SamStag, den 18. November 1911: Trub, vereinzelt leichte Regelfälle, mild, westliche Winde. Dessau, 16. Nov. Der Bildhauer Professor Emanuel Semper ist heute im 63. Lebensjahr gestorben. 27 Ortsfremden 6,6 v*. Kinder Erwachsene. tm vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr l IHonatL Ucbtrfldji öer Toöersällc in ötr Stadt Kietzen. Monat Oktober 1911. Einwohnerzahl: angenommen zu 31,300 linkt. 1600 Mann Militärs' Eterblichkettsziller: 17,0 *1^ Ehebruch angab. Diesen Ehebruch nachguwersen, war natürlich außerordentlich leicht, denn Smith hatte damals bereits verschiedene andere Frauen neben ihr. Innerhalb weniger Jahre war Smith mit fünf Frauen verheiratet, unter denen sich übrigens auch zwei Schwestern befanden. „Wenn ein Mann sich mit einer Frau für die Zeit und die Ewigkeit nach den göttlichen Gesetzen verbindet," so ist Smiths Ansicht über bie Ehe, „so erfüllt er den Willen Gottes nur zum Teil. Er tut etwas Gutes, aber es ist nur der Anfang des Gutttms, nicht bie Erfüllung." Im ganzen stammen aus den verschiedenen Ehen Smiths 42 Kinder, 21 Knaben und 21 Mädchen, und nach seinen eigenen Worten war Präsident Smitb auf jedes eiiudne seiner Kinder stolz. Wie viele Ehen er nach dem mormonischen Ritus wirklich (ßcrtcbufaal. Straßburg, 16. Nov. Nach breuägiger Verhandlung verurteilte beule da» Kriegsgericht der 30. Tivision den Unteroffizier spie des Infanterie-Regiments Nr. 136 wegen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung zu einer (Befamt- irafe von acht Jahren Zuchthaus und zur Ausstoßung aus dem Heere. Ter Vertreter der Anklaqebelwrde halle fünf Jahre Zuchthaus beantragt. 6nie hatte in der Nacht »nm 27. August d. I« in der Nähe des kchilligheuner ToreS dem Vizefeldwebel HeSntg cnstgelauert, um ihn zu eschieben Der Schnst Halle aber den gerade postierenden tlfinersburfchen 91 b t vom Iufanterse-Regi- menl Nr. 126 gen offen unb schwer verletzt. Adt ist zum Krüppel geschossen und hat den Verlust eures VeineS zu beklagen. Zu der Verhandlung waren 61 Zeugeil geladen. Ter Verurteilte wirb gegen das Urteil Verustmg emlegen. Vermischtes. • Das Tagebuch des Verschütteten. Während in Südafrika ein neues furchtbares Grubenunglück 2U0 Menschen in den Tiefen des Bergwerkes begraben hat, fand man in einer Lohlen- mine Kaliforniens die Leiche eines Bergarbeiters, der als verschollen gegolten hatte, in den Tiefen deS Werkes durch einen Erdsturz abgeschnitten worden war und einen furchtbaren Tod erlitten halte, fin der krampfhaft geballten Faust des Toden fand man ein mit Bleistift mühsam hingekritzelteS Tagebuch über die sieben Tage des Sterbens. Ter .Morning Telegraph' veröffentlicht diese er- schulternden Aufzeichnungen deS Unglücklichen: ,6. Oktober. ES ist zu Ende. Lagt meiner Frau, daß ich starb, ohne zu zittern. ES ist gröblich, wie eine Ratte in der Halle verenden zu müssen, aber Lottes Wille erfülle sich. 7. Oktober. Ich hungere, ich friere, ich erleide schreckliche Dualen. Warum kommt feine Hilfe? Vielleicht ahnt niemand, dah ich hier liege. Tiefe Marter kann nicht lange dauern. 8. Cftober (Sonntag). Noch am Leben. Ich triere so sehr und bin so müde. Hilf mir, o Golt. Ich verzeihe meinen Feinden. Tie Well scheint nur jetzt so schön. Tod, wo bleibst du? 9. Oktober. ES ist Mittag. Warum vergibt man mich? Ich werde immer schwächer: ganz allmählich verläßt mich das Leben. Ich gäbe eS sofort für einen Schluck Waffer. lü. Cftober. TaS Ende naht. Nun leide ich nicht mehr so viel und habe resigniert. Ter Tod scheint nur sub und ich fürchte ihn nicht. Gott irrt nie; bald werde ich sein Geheimnis kennen.* Tie letzte Eintragung lautet: ,11. Oktober: Ties ist die letzte Nacht; nun kommt der Frieden. Lebt wohl!- Tie Leiche wurde mir durch Zufall gefunden. ff. AuS bem Familienleben eines Mormonenpropheten. Joseph Smich, der jüngst verschiedene Präsident der „Heiligen ber lebten Tage", war ein fanatischer Anhänger der Polygamie. Die Gebote Gottes, bie er zu bewlaen glaubte, wenn er mit einer ganzen Reihe von Frauen gleichzeitig verheiratet war, standen ihm höher, als bie Gesetze des Landes, in bem er lebte, und danach hat er gehandelt. Zum erstenmal verheiratete sich Joseph Smith nn Jahre 1859. Diese Ehe verlies jedoch unglücklich. Seine Frau verließ ihn, wanderte nach Kalifornien und er- und Mädchen aus den Dcnanebtnen Dörfern Gelegenheit, einander kennen zu lernen, und mancher „veripruch", b. h Verlobung, ist auf bie Schützer Kirmes zurückruführen — Im benachbarten Nicber-S toll stürzte der Dagnermeistcr Goppel infolge eines Fehltrittes von einer stellen Treppe herab und erlitt innere Verletzungen. Aerztliche Hilfe war halb zur Stelle. Starkenburg itnD vJiliaiihrnrn. bs. Darm st adt, 16. Nov In Sachen des Trans- porlarbeiterstreikS laben nunmehr zehn der Beteiligten bie Klage zugestellt erhalten In Untersuchungshaft befinden sich noch vier Angeklagte; zwanzig andere wurden wetten nicht ausreichenden Materials entlassen Die Anklage selbst stützt sich in der Hauptsache auf Paragraph 125 deS Strafgesetzbuches. Die AnNaye wegen schweren Land- friedenSbrucheS wurde fallen gelassen. Zahnschmerzen. WaS dieses Wort besagen will, ist bekannt. Ist jemand mit kranken Zahnen behaftet und tritt aus dem erwärmten Zimmer an die frische Luft, hält er sich ängstlich das Taschentuch vor den Mund. Eine Tasse heißen Kaffees, ein Glas Bier verschmäht er. Die Geselligkeit meidet er. Zn schlaflosen Nächten wälzt er sich auf seinem Laaer herum und möchte die Wände emporklettern. Leihe und kalte Umschläge, beiße Fußbäder und alles mögliche wird probiert, selbstverständlich ohne Erfolg. Und doch ist es eine Kleinigkeit, Zahnschmerzen zu verhüten; durch tägliches, zweimaliges Putzen der Zähne mit KoSmodont-Zahncreme mit aktivem Sauerstoff erhält man sich die Zähne gesund. Zu Haden in allen einschlägigen Geschäften. (Tube 60 Pf ). Probetube gratis durch die Kolberger Anstalten für Exterikultur, Ostseebad Kolberg. Letzte Nachrichten. Sine grausige Bluttat in Wien. Wien, 16. Nov. Heute nachmittag drang ber Beamte Matkovic in bie Wohnung beS pensionierten Stationschefs des Justizministeriums von Holzknecht ein, tötete burch Nevolverschüsse besten 17 jährigen Sohn Georg, sowie bie 24 jährige Tochter Marie und verwundete ben 21 röhrigen Sohn Robert sänver, er erscho 6 sich bann fclbft Beweggrund tu ber Tat war die Zurückweisung seiner Bewerbung um die Tochter. vücherttsch. — Sammlung kleinerer Reichsgesetze unv Verordnungen privatrechtlicden Inhalts Eine Ergänzung zum Bürgerlichen Gesetzbuch unö seinen Nebengeietzen, gerinn.gäbe mit Anmerkungen und alphabetnchcm Sachregstier. Von Dr. Arthur B. Schmidt, Professor der Rechte an der llnwersitäl Gießen. Dritte, neu bearbeitete und stark vermehrte Auflage. 1912. 5. H. Beckl'che Verlagsbuchhandlung Oskar Beck-Ndünchen Die neue, dritte Auslage, ist bedeutend vermehtt und bis auf die Gegenwart ergänzt: es ist eine Ergänzung >u allen Ausgaben des D und dessen Nebengesetzen, nicht nur bie m Verbindung mit dem B -G.-B. abaeänberten kleineren Reich^gefetze prwalrechtlichen In- Hafts und die neuen auf das B.-G B. glichen Neich-igesetze, sondern auch noch das ganze urheberrechtltche äicchtsmaterial. schwäche 10(7) — 10(7) — Keuchbu'ien 1 — 1 — Tuberkulose 6 6 — — Herzleiden 2(2) 2(8) — — Lchlagstuß 2(1) 1 1(1) —• Tarnikalaith 1 (1) KO — — Vlinddarmentzündung 3 (8) 1U) — 10) anderen Unterleibs- strankbeiien 2(2) 2(2) — — Nierenentzündung Vöcartigen 'Jleu- 2 3 — — btldungen 7(6) 7(6) — — Berunglückung anderen Krankheiten 2(2) 7(5) 9(2) 5(4) I Tm Sumina; 44 (27) (17) 13 (8) 3(2) Theater-Variete KOLOSSEUM Direktion: KAHL OHM. Da» neue Programm wurde am gestrigen Ur ernteten* Abend mit f stürmischer f ♦ Begeisterung ♦ ausgenommen. £ Es war ein Erfolg wie selten!!! Alles Nähere besagen die Plakate au den Anschlag- Säulen und 'Tafeln. Bei Wünschen jeder Art flRefer- vieren der Plätze rc. re.) wolle man sich der Bequemlichkeit halber der Telephon-Nummer bedienen. ___ (00506 Inden vorderen Räumlichkeiten des Tbeaiers allabendlich heitere ttünstler Konzerte von?',Uhr ab. Hospiz^ Wang. ScHwesternliaui, (Meura, Muaralr. A 81T" Für Bräute! fertige an: Kleeen. glatt ver Sl. 35 Big. verz. 50 u. W Bfg. Deckbettbeiügeö.2L50 „ breite 65 Pfg. Bettücher »er St. Io , Handtücher ver St. 6 , Kreuzstichnamen billtgst. Schttstl. Angebote unter 6099 an den Gießener Anzeiger erbet elf-Stoffe sowie sämtliche Artikel ftir Wöchnerinnen empfiehlt C. Pattberg 6445 Setters weg 60. M.!aMllabfallholz pro Sorten Jea. 2*/, Ztr.» Mk 2J7) 3 Satten 7 Mk. Süferci Pb. Sommerkorn, Bleichstr. 12. t6L34 Visitkarten bfl? 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' " Pfg. 93 fff. 9d Pfg. 95 pfg. 1 Paar Während der 95 Pfennig-Tage auf alle übrigen Artikel doppelte Rabattmarken 95 pfg. 95 pfg. 95 pfg. 95 pfg. Eine romantische Tragödie m 5 Aufz. von Frredr. v. S« Ende nach 6 Uhr. ja / Sonntag, den!«. Nov- 1911, Abends 7V, qire;f, Stleinc «reife. Steine ¥«'» Neubeiii «Reueen. Beyers Schwank in 3 Sitten non Srw Frtüdmann-Frebertch. Cfnbe 9V, Ubr. 6 Esslöffel und 6 Kaffee- QX löffel 3d 12 Speiseteller Tablett mit 6 Goldrand- QX bechern 3d Emaille Fleischtopf mit QX Occkci vtl Emaille-Teigschüssel nnd QX 1 Küchen messer du Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Baiers, Schwiegervaters, Großvaters, Schwagers und Onkels 1 Herren-Normal-Enter- QX Jacke du 1 Herren-Normal-Hemd (j^ 95 Pfg. i. 4 bunte QX 33 Pfg. 1 schwerer Zinkeimer und QX 1 Bürste dd Pfg. 1 lOteil. Wäschetrockner u. QX 1 Dtzd. Wäscheklammern 3d pfg. 1 schwere ovale Zinkwanne QX 40 cm 3u Pfg. 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