Zweites Blatt 161. Jahrgang Nr. 197 Gießener Anzeiger Erscheint täglich mit Aufnahme des Eotmtage, General-Anzeiger für Gberheffen Tie ^Gtetzmer ZamlltenblStler- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqelegt, da» „Xrelrblalt fflr de« Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „£«ibwirtf*ifUld)tn Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal. Mittwoch, 25. August 1911 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchea Universität» - Buch- und Ereindruckerei. R. Lange, Dieben. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: ea® 112. Tel.-?ldr» AmeigerGießen. Deutscher handwertr- un» Sewerbekammertag. ~ Düsseldorf, 22. August. 3m groben Saal der Tonhalle begann heute unter Teilnahme von Vertretern der Reichsbehörde und der BundeSnaaten sowie der Lokal- und Vrovin«albehörden und sämtlicher deut schen Handwerks- und Äewerbekammern die erlte Hauptversammlung dcS 12. Deutschen Handwerks und Gciverbckammertagcs, bem das Herrenhausmitglied Obermeister Plate ^Hannover- präsidierte. Rach den üblichen Begrübungsansoracheu und der Vorlegung des Geschäftsberichts, aus dem wir das wesentliche bereit- mitgeteilt haben, sprach an erster Stelle Znndikus Tr. Wilden lDüsseldorf> über „kommunale Handwerks- särderung". Ter Redner verlangte die Errichtung von Handwerker- und Gewerbeausschüssen zur Beratung und Begutachtung von Anträgen und Maftnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Förderung des Handwerks. Tie Einrichtungen für die Berufswahl sind von der Gemeinde zu fördern. Tie Bildung der Handwerker ist zu heben, und zwar durch die Errichtung und Unterstützung von Fortbildungs- imb Fachschulen. Gemeinsam mit der Fortbildungsschule und den Vertretern des Handwerks soll sich die Gemeinde an der Jugendfürsorge beteiligen, besonders an der sittlichen und staatsbürgerlichen Erziehung Ferner sollen die Gemeinden für die Geschmacksbildung der Handwerker und die Veredelung der Handwerksarbeit zur Schaffung guter Vorbilder oder durch die Unterstützung gelegentlicher Ausstellungen wirken. Ter wirtschaftlichen Förderung des Handwerks durch die Gemeinden und damit des Handwerks dient vor allem eine gute Regelung des VerdingungSwescns. Bei der Vergebung der Arbeiten soll sich die Gemeinde nicht auSschliestlich von ihrem geschäftlichen Interesse als Auftraggeberin leiten lassen, sondern auch die berechtigten Interessen dcS Handwerks berücksichtigen. Auch sollen die Gemeinden eS unterlassen, das handwcrkschädigcnde Unternehmen zu betreiben unb in den schon ohnehin für das Handwerk schwierigen Konkurrenzkampf zu dessen Ungunsten ri:i;u- greifen. Tie Betriebskraft, wie Gas unb Elektrizität sollen an bie Handwerker zu günstigen Bedingungen abgegeben werden. Tas Gewerbesteuerspftem ist zu verbessern durch die Einrichtung besonderer Gemeindegewerbesteuern auf Grund des Rom munalabgabengesetzeS anstelle der üblichen Zuschläge zur staatlich veranlagten Gewerbesteuer. Der Redner legte eine Reihe ert- f^rcchender Leitsätze vor, die einstimmig angenommen wurden. Hierauf sprach Syndikus Tr. Pacschkc Breslau über die Versicherung der Privatangestellten. Ter Redner meinte, bafi der Gesetzentwurf aus dem Rahmen der allgemeinen Invalidenversicherung heraiiSsalle und damit wieder daS eben abgeschlossene Werk der Vereinigung der sozialen Ges. ne zerstört werde. Durch Annahme de- Entwurfes würde der soziale Frieden nicht gefördert, sondern gestört werde», denn das Geütz bringe denjenigen Personen, die dadurch versichert werden, eine 'linabl von vondervorteilen, welche du bui besetz versicherten Personen nicht erhalten haben Tie Cigau. fation der Versicherung sei zu kompliziert und kostspielig. Zu be mangeln sei auch, bau eine Mitwirkung ber Beitragspflichtigen bei dem Direktorium nicht vorgesehen ist. Für diejenigen Personen, denen staatlich geleitete oder beaufsichtigte Pensionskaneii min bestens dieselben Rechte bieten, wie es die Reich-Versicherung tut, Habe der Versicherungszwang wegzufallcu. Ter .stostenauj- wand, der durch die Tovvelversicherung unb die Kosten der be sonderen Verwaltung entstehe, sei übcrmästig und daher nicht zu billigen. Ter Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag könne daher einem derartigen Gesetzentwurse nicht zustimmen Rach einer kurzen Aussprache wurden die Leitsätze gegen vier Stimmen angenommen. Damit war die Tagesordnung erledigt, unb die Verhandlungen wurden auf morgen vertagt. Sozialdemokratischer Parteitag. +’ Berlin, 22. August. Ter „Vorwärts" beginnt heute mit der Veröffentlichung des Berichts des Parteivorstandes an den Parteitag zu Jena Einleitend wird darin ausgeführt: Je mehr sich in Deutschland die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung entwickelt, desto eifriger schreien ihre erbitterten Gegner, die Scharfmacher der Schwerindustrie und die mit dieser verbündeten Junker, nach Ausnahmegesetzen wider die staatsbürgerliche Gleichberechtigung heischende Arbeiterklasse. Solange es nach Auffassung der Industriefeudalen noch Zeit ist, soll ber sich in gefefcmäfngcn Bahnen rapid vollziehende Vormarsch des klassenbewußten Proletariats mit den Machtmikteln des nie bernen Staates nufgehaltcn werden So betrieb bie Preßmeute bet Junker unb Kapitalisten eine wilde Hetze gegen Partei unb Gewerkschaften, als vom 26. September v. Is. ab einige Tage die Moabiter Unruhen bie Oeffentlicbfeit beschäftigten. Tie Scharfmacher glaubten, daß jetzt die günstige Gelegenheit zur Propa gauba von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie, von Streik unb Zuchthausgefetzen gegen die Gewerkschaften gekom men sei. Tie Philister sollten durch Verbreitung schauerlicher Tatarennachrichten in eine Stimmung versetzt werden, wie sie 1878 nach den Attentaten noch mit Erfolg erzeugt werden foniuc. Aber der Schlag ging daneben Rach den wochenlang dauernden Verhandlungen vor der Strafkammer und dem ^Schwurgericht war die Polizei die eigentliche Verurteilte. Tic Stimmung der Bevölkerung war der sozialdemokratischen Partei andauernd gün stig.wie die Rachwahlen zum Reichstag und zu den Einzel!andlagen bewiesen. Bei den 37 Nachwahlen hatten die Gegner einen Stimmenverlust von 135787 Stimmen, während w i r einen Gewinn von 24 036 Stimmen halten. — Tie Zahl der organisierten Mitglieder der Partei belief sich im Jahre 1911 auf 836 562. Tas bedeutet eine Zu »ahme gegen das Vorjahr von 116 524 unb ist die höchste Mit- gliederzunahme, die die Partei bisher in einem Jahre zu ver zeichnen hatte. In 11 Bezirken beträgt die Zahl der Panci- ntiiglicbcr mehr als 30 Prozent der sozialdemokratischen Reiche tagswähler. Tie Zahl der Wahlkreissekretärc beiter sich aus 75. Parteiorganisationen bestehen in 383 Reichstagswahl kreisen. Die polnisch sozialistische Partei hat in 12 Reichstagswahlkreisen mit 42 Ortsvercinen 2085 Mitglieder. Iugendausfchüsse bestehen an 454, Bildungsausschüsse an 410 und rimderschutz Kommissionen an 136 Orten. Tie proletarische Jugendbewegung ii?; g. wellige Fortschritte gc macht. Tie Zahl Der Abonnenten der „Arbeiterjugend" h.tt sich von 45 000 auf 65 000 vermehrt. Jugend leim beste! en in 130 Orten; die Gesamtausgabe für jic betrug 44 091 Mar'. Im Berichts jal)r wurde die Agitation gegen die Reichsverstcherungsordnung gemeinsam mit den Gewerkschaften fortgesetzt. Ferner erschien ein Flugblatt zur Agitation für die Maifeier. Tic Agitation unter den Landarbeitern bat gute Fortschritte gcmadn Ter Landarbeiterverband hat in allen Gauen Deutschlands festen Fnß gejaß: und zählt zurzeit in 382 Gruppen über 12 000 Mitglieder. Tie Zahl der sozialdemokratischen (4 e m e i n d e v c r - tret er ist im letzten Jahr von 7729 aus 8910 gestiegen. — Senn Die Beteiligung an der Maifeier auch nicht so groß wie im Vorjahre war, wo die Maifeier auf einen So:mi..g io war Dock, eine so starke Beteiligung 'n r.i'eichiien, wie neck nie an einem Brachen tage Ta:- mcic.icn üc .Neinstimme >.d die Berichte aus NorD- und Süddeutschlano Tiu Gegner, die da flloubrn, daß bie Maifeier tot sei, erlebten das Gegenteil. Tie Zahl der täglich erscheinenden Tarteiblätter bat sich gegen das Vorjahr um sechs vermehrt, so daß bie Partei jetzt 81 Tageszeitungen besitzt Für ba> sozialdemokratische Prenebureai! bat die Parte v " 3200ti ' ii-, bezahlt Ter ..Vorwärts" erbrachte im Berichtsjahre einen lieber schuß von 165 558 Mark, die „Gleichheit ' einen solchen von 13 239 Mark, die „Reue Seit'* 1403 Mark und der Wahre Jakob' 40 342 Mark Ter Abonnentenstand be? letztgenannten B.atte? belief fick aut 1 Juli 1911 auf 307 000 Tie Part cischu l e hielt im Bcrickt'iakrc ihren 5. halbjährlichen Kursus al Leider 6 et rüg die Teilitehtner:abl in bieferi TursuS nur 21, ba die Gewerk schäften von den für sie freigeballen en Platzen nur vier besetzt hatten. ES waren wieder, wie in früheren Jahren, bie Verbände ber Bergarbeiter und Maurer, die je zwei ihrer Mitglieder auf die Parteischule entsandt batten. Unter den 24 Pan . ckülem waren zwei Genossinnen. Zn 171 Orten wurden 345 Vor- trogskurse mit 2879 Vorträgen unb 45 873 Teilnehmern ab gehalten Ter Hafsenabschlus; ivird alS sehr günstia' bezeichnet Ti Barteifaife schlief-, i:t Einnahme und Ausgabe mit 1 427 823 Mark ab. Ter Berickn geht dann auf die Tätigkeit b. r sozial bemokratifchen Reiche lag» rat ion unb t • n Stellu: ,i zu den verschiedenen Gesetzesvorlagen ein. Airche und Schule. Tie Tekauatsshnode Schotten und der Fall Iatho. Wir erhalten folgende Zuschrift: Als Urheber der Besprechung der Jatho-Augelegeuheit unb des angenommenen Antrags sei auch mir das Wort oersiattct — nicht um den Streit zu schüren, fonbent zur Verständigung Da freue ich mich, mit dem Einsender des betr. Artikels in Nr. 195 dieses Blattes im großen und ganzen einer Meinung zu sein, nämlich, daß die Hauptsache ist, „das Evangelium von Christus und sein Verstehen und Aneignen", sowie „daß das Christentum nicht Lehre, sondern Leben ift". Deshalb ist, wenn das fein willkürlich konstruiertes Zerrbild ist, eine „dogmatische Predigt, die andauernd die Zuhörer mit Glaubensartikelti, kirchlichen Lehrsätzen, wie die Lehre vom Teufel, ber Sünde usw. Sonntag für Sonntag belastet usw." auf positiver Seite geradesogut eine Verirrung, wie die Bestreitung und Leugnung dieser Dinge eine solche von liberalen Predigern ist. Aber wir verachten die Lehre nicht und vermögen nicht, Lehre unb Persönlichkeit voneinander zu trennen; Lehre ist uns vielmehr Ausdruck des Glaubens, und dem Wort: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über". Und weil wir gerade nur das Evangelium als lebendige und lebenwirkende Gotteskraft kennen und oerfünben deshalb unser Wiberstand unb Widerspruch gegen alles, was nicht Predigt des Evangeliums ist. Wir verstehen nicht, wie man von Iathos Predigt sagen kamt, baß sie das alte Gold des Evangeliums unb der Bekenntnisse neu münzen, den alten Gottesglanbeti in neuen Bildern Darstellen wolle. Es ist vielmehr eine neue Religion, bie mit dem Evangelium nichts mehr gemein hat. Deshalb unsere tiefe Erschütterung, unsere heiße Betrübnis über die Erklärung der 87. Wohl wird gesagt, daß diese fein Eintreten für Iatho und seine Theologie sein soll. Tatsächlich ist sie da5 doch, unb der Schlußsatz in jener Erklärung ber 87 hebt icnc Versicherung wieder auf, wo gesagt wird, daß hoffentlich .u nicht ferner Zeit Iatho kraft höheren Rechtes in sein Pfarramt zurückkehren werde. Die Insinuation, daß nach unserer Erklärung keiner der 87 mehr Vertrauen verdiene, weisen wir entschieden zurück, wenn auch richtig ist, daß durch die Erklärung viel Vertrauen zerstört worden ist und die Wirkung der Erklärung in erster Linie eine nieder reißende ist, namentlich bei den Laien. Diese waren es auch in Schotten, die große Beunruhigung und Erregung leigten unb auf der schärferen Resolution bestanden. Von den 24, die für den Antrag stimmten, waren nur 6 Mil glieder der positiv-kirchlichen Vereinigung. Daß bie Er- tlärung die Synode beschäftigte, darf die 87 nicht wundern, da ihre Erklärung ja gerade für die Gemeinden bestimmt war. Nebel, Pfarrer, Laubach. Aus Stadt ititfc Land. Gießen, 23. August 1911. '• Ordensverleihung. Der König von Preußen hat dem Eisenbahn-Werkslättenschrciner Goldmann in Großen- Linden daS Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. ** Landwirtschaftskam mer-Ausschuß für Oberhessen. In der Vorstandssitz.ung vom 19. d. Mts. wurden einige wichtige Angelegenheiten erörtert und folgende Beschlüsse gefaßt: Angesichts der durch die anhaltende Trockenheit geschaffenen Notlage und der tvachsenden Seu- chengefabr sollen die geplanten Ackerbau- unb Obst aussteklung en zu BaD Nauheim, Lindheim, -Ilsfeld und Schotten in diesem Jahre au s f a ll e n und auf ba-? nächste Jahr verlegt werden. Tie in Kapitel Obstbau frei gewordenen Mittel sollen vorbehaltlich entgültiger Aeschlußfassung Der Lbstbaulommission zur iierauegcwe des Oberh. Obst sortimentes, Prämiierungen von B.iumpflanzungen, Unterstützung des Obftmarktes Büdingen, Errichtung von Obst fortenreinzuchtstationen zu Salzdausen und Friedberg und Hess. Odstsortimenl, dessen Herausgabe schon vor den Ans- Teilungen erfolgen sollte, wird nun erst einige Wochen später erscheinen weil Die fünf noch fehlenden farbigen Abbildungen nunmehr erst hergestellt iverden können. Tie in Kapitel Ackerbau erübrigten Mittel sollen hauptsächlich zur Minderung der Futternot und zur Ergreiiung von Mitteln dienen, die jetzt noch zu einer Vermehrung der ,vuttcrbeftänbe für den Herbst unb für bas tonunenbe Frühjahr führen tonnen. Das Bestreben der Weideturatorien, den Weidegang auf den Provinzial Iungoiehweiden aufrecht zu erhalten und den Weidebeschickern die Viehhaltung zu erleichtern, finden volle Billigung. Tie Bescyraniung oes vorzeitigen Abtriebes auf die Fohlen der Weide Wernings, die 21,»- jährigen Fohlen der übrigen Weiden und die freiwillig adzu treibenben anderen Weidetiere wird demnach gutgeyeißen. Ter diesjährige Biehimport aus der Schwerz soll vorläufig unterbleiben, und erst zur Ausführung gelangen, sobald bie Seuchcnveri ältnisse günstiger geworden sind, was viel leimt im kommenden Frühjahr erwartet werden tann. Tic Vorführung bewährter '..-mfcqinen soll 111 sechs Orten der Bezirke .Grunbcrg, Alten-Buseck unö Lollar ftattfinben. Außerdem wurden mehrere andere Angelegenheiten be«. sprachen und erledigt. •• Die Kindersterblichkeit in der Stadt Gießen hat sich in der hinter uni liegenden kritischen Zeit, soweit Binder unter einem Jahr in Betracht kommen, überaus günstig gestaltet. Geboren wurden bei der ortsansässigen Bevölkerung von Juni bi8 20. August 130 Kinder (im gleichen Zeitraum auch 130 Kinder von ortsfremden Mutterns. An Todesfällen ereigneten sich bei den Gießener Kindern unter einem Jahre 12, darunter 7 Fälle, die durch Magen- ober Darmkatarrh herbeigeführt sind. — Im Sang linaSheim in der ^irchstrnße rourben wahrenb dieser Zeit, vom Juni bis heute, täglich im Durchschnitt 35 — 36 Kinder verpflegt. Darunter 28—30 unter einem Jahr alte. Von diesen starb Ansang Juli an Lungenentzündung 1 flinb, ein Ergebnis, da? als glänzend zu bezeichnen ist, weil in der Anstalt meist schwächliche, mangelhaft oder falsch ernährte llinder Anfnahmefinden. — Unser Säuglingsheim beherbergt zurzeit ein 14 Tage altes ZwillingSpärchen, daS von einer Bauersfrau im Streife Alsfeld geboren wurde unb, 6 Tage alt, 1250 unb 1350 Gramm wog, als man eS nach Gießen brachte. Tie beiden ftinber sind wie Die Püppchen anzuschauen unb baS eine ist sehr fchivach. Selbstverstänblich bebnrfen die Zwillinge ber arößten Pflege, doch haben fie sich in den wenigen Tagen, die sie sich im Säuglingsheim befinden, einigermaßen entwickelt. •• Gießener Kinderklinik. Die Erbauung der neuen Kinderklinik in der Friedrichstraße ist bem Architekten Han? Meyer übertragen worben, der auch die Pläne dazu neu entworfen hat. Die Ausschreibung der Arbeiten soll in den nächsten Tagen erfolgen, " Außerordentliche Belohnungen und Anerkennungen für bewiesene Aufmerksamkeit, Umsicht und Entschlossenheit in Gefahr erhielten: der Lokomotivführer Hainbach in Gießen, der Zugführer Dechert in Gießen, ferner der Bahnarbeiter Renher in Lauterbach, die Lokomotivführer SitziuS in Wiesbaden, Keßler in Darmstadt, Tfd)irnerin Mainz, sowie der Lokomotivheizer Schütrumpf in Mainz. Landkreis Gießen. r. Londorf, 21. Slug. Gestern hielt der Turnverein sein 91 bt um en. Morgens um 8 Uhr begannen auf dem Festplatz ,nuf dec neuen Wiese* die Hebungen. Außer Turnen am Reck, Barren unb Pferb bestauben bie Wettübungen in Freiübung, sowie HinbecniSlaufen unb Kugelstoßen. Nachmittags gab eS ein Volksfest, bei bem bie Friedberger Musikschule anfspielte. DaS zwischendurch vorgeführte Schauturnen lockte viele Zuschauer au, die den Leistungen der Turner reichen Beifall spendeten. 9(benb5 7 Uhr verkünbete der Präsident dcS Turnvereins, Edler, daS Ergebnis be5 PreiSturneuS. ES erreichten in der Oberstufe: 1. Heinr. Rohrbach 951/., 2. Ludw. Aumann 931 3. I. Meßmer 84'/,, 4. Cchneckec 82'/,, 5. Ludw. Fabel 82 Punkte; in der Unterstufe: 1. PH. Höchst 101'/., 2. IohS. Anmann 98, 3. Fr. Haffelbach 93'/,, 4. Mar Adler 92'/4, 5. IohS. Winkelhaus 86'/2, 6. Hrch. Bott 78'/4, 7. Karl Winner 78 Punkte. — All en darf a. d. Lda., 22. Ang. Der Freiballon .Hansen*, Führer Referendar F. R. Landmann, Mitfahrende Frau und Fräulein Iager-ManSkopf von Frankfurt 0. M., der heute vormittag 7.25 Uhr in Griesheim a. M. ausgestiegen war, landete heute vormittag 11.35 Uhr nach schöner Fahrt glatt auf freiem Felde bei unserem Städtchen. Mit Hilfe der rasch herbeigeeilten Bevölkerung wurde der Ballon rasch verpackt unb auf bem hiesigen Bahnhof verladen. -d- Stangenrod, 20. Aug. Heute sand hier die Einweihung der wiederhcrgestellten >lirche fürdieGe mein den Stangenrod unb Leh 11 heim statt. Zu Dieser Feier hatten sich nicht nur die Einwohner der betressenden Gemeinden, sondern auch viele Leute der näheren und weiteren Umgebung eingefunden. Als Vertreter des Kreisamts Gießen war Regicrungsrat Merck und als solcher der >ireisbaubel)örde Kreisstraßcnmeister Mohr, der die Leitung hatte, erschienen. Tie obere ."lirchenbehvrde ließ durch Dekan Wagner aus Grünberg die Glückwünsche aussprechen. Baurat D i e h m , Gießen, der leider verhindert war, hatte schriftlich Glückwünsche übermittelt. Tie Feier wurde mit dem zweistimmigen Gesänge des Chorals: „Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel" von den Schullinderir von Stangenrod cingclcitct. Im Beisein genannter Herren, sowie der beiden Geistlichen, der Lehrer und des .stirchen- vorstandes fand die Schlüsselubcrreichung statt. Aach diesen üblichen Formalitäten öffnete Dekan Wagner die rlirche. Run strömte die schon lange harrende Menschenmenge hinein, so daß noch viele aus den Treppen und Gängen Platz nehmen mußten. Die Zahl der Besucher wird aus etwa 400 geschätzt Psarrer Schmidt von Grünberg versah den Altardienst. Dekan Wagner hielt die Fest- prcdigt. Aus ihr konnte man entnehmen, daß bie Kirche m Stangenrod eine der ältesten in Oberhcfsen ist Sie wurde im Jahre 1220 eingeweiht. Im Laufe der Jahre hatte sie verschiedene Reparaturen erfahren, jedoch in den letzten Jahren war sie so baufällig geworden, daß eine gründliche Renovierung vorgenommen werden mußte. Tank der Lpfcrwilligkeit der beiden (Gemeinden Stangenrod und Lehnheim konnte mit den Arbeiten im vorigen Jahre begonnen werden. Tie altehrwürdige Kirche macht in dem neuen Gewände auf den Besucher einen erhebenden Eindruck und ist ihr Besuch allen Fremden angelegentlichst zu emv fehlen. Tic kosten der Renovierung betragen etwa 110«^ Mark. Am Schlusfc des Festgottesdicnstcs 'wurde mit den entsprechenden Auszeichnungen eine Kapsel in Den Altar cingeinauert. a. Hungen, 22. Aug. Der Triebwagenverkehr Hungen —Gießen und rückwärts bis Nidda, Hungen- Mücke bezw. Hungen—Friedberg mit Gegenzügen ist nun bereits im letzten Winter- und Sommersahrplan eingesetzt, obwohl bis heute die Wagen noch nicht verkehren. Meteorologische Beobachtungen -er Station Netz«. L ’S •« Wett« r August — 9 10 8 Sonnenschein Bed. Himmel Bew. Himmel + 26,5 ' C. - 15,2 1 J. oiS 22. „ 22. 41 B« Müller'sche Badeanstalt. Wass erwärme der Lahn am 23. Slug «ft: 17° k. Kinder vom 4 0 2 21. 21. Erwachsene: im Man kann auch nicht erfahren, bis wann der Betrieb ausgenommen wird, auf einzelnen Stationen ist durch Aushang mbestimmte Zeit angegeben. Für manche Geschäftsreisenden, )ie sich ihre Tour unter Mitbenutzung der Triebwagen nach Dem Fahrplan zusammcngestellt haben, ergibt sich auf den betr. Stationen eine Enttäuschung und Zeitverlust; wir -vollen hoffen, daß der vielbesprochene Triebwagenverkehr mit dem Winterfahrplan wirklich in Kraft tritt. Die Elektrizitätsanlagen am Hunger Bahnhof sind schon lange betriebsfertig. Kreis Lauterbach. ~ Stockhausen, 22. Ang. Seit Jahren macht sich in unserer Gemeinde infolge des zahlreichen Viehstandes und der ungenügenden Anzahl Brunnen ein großer Mangel an Trinkwasser geltend. Durch die Trockenheit wurde die Beschaffung des nötigen Wassers in diesem Jahre gerade zur Kalamität. Der Gemeinderat hat sich nun entschlossen, nachdem frühere Verhandlungen gescheitert waren, eine Wasserleitung zu bauen. Die Schürfungen nach Trinkwafser sollen alsbald begonnen werden und es sind einige Quellen aus dem Grundstück des Heinrich Schrimpf III. hier dazu aus- ersehen. Kreis Schotten. △ Lardenbach, 22. Aug. Das Gruppenwasserwerk für Klein-Eichen und Lardenbach geht seiner Vollendung entgegen, Hochbehälter und Rohrstrang sind nahezu vollendet. Die gefaßten Quellen liefern täglich über 200 Kubikmeter Wasser, während beide Orte nur etwa 60 Kubikmeter benötigen. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 22. Aug. Der älteste Seminarlehrer .Hessens, Musikdirektor Schmidt, feiert im November d. I. sein öOjähriges Lehreriubiläum und damit zugleich sein öOjähriges Jubiläum an derselben Anstalt. Am 4. Pfingstfeiertag beging er mit seinen noch lebenden Klassenbrüdern den 50jährigen Abgangstag vom hiesigen Seminar. Seit Ostern 1859 weilt er ununterbrochen in unserer Stadt. x Aus dem Kreise Friedberg, 22. Aug. In Nied er-Rosb ach kam der in Ober-Nosbach wohnhafte H. Falk an der Dreschmaschine unter die Presse. Der Kopf war zerquetscht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. — Die Maul- und Klauenseuche ist nun auch in .©.riebe! in zwei Hofreiten ausgebrochen. x Bad-Nauheim, 22. Aug. Ein Kellerbrand entstand heute nachmittag auf bis jetzt unaufgeklärte Weise in dem Haus „Derminu s", Ecke Park- und Kurstraße, und nahm rasch an Ausdehnung zu. Die Feuerwehr war bald zur Stelle: aber es war ihr nicht sofort möglich, an den Herd des Brandes zu gelangen, da die starke Rauchbildung ein Betreten der Aellerraume nicht zuließ. Der Keller wurde deshalb von oben aus durch die K^llerfenster unter Wasser gesetzt. Was den Brand wohl verursachte, waren alte Wintervorräte in Kohlen und Holz. Im Haus, wo sich Restaurationsräume und Verkaufsladen befinden, die schon teilweise ausgeräumt hatten, wurde kein weiterer Schaden angerichtet. — Das hiesige Postamt, das im Sommer mit stark vermehrtem Personal arbeitet, sendet von jetzt ab wöchentlich wieder Beamte zurück, auch ein Zeichen dafür, daß wir uns bereits in der abwärts gehenden Hälfte der Saison befinden. Die Postunterbeamten, die zur Hochsaison hier ein stattliches Heer bilden, gaben sich daher schon am Sonntag ihren üblichen A b s ch i e d s b a l l. — Gellern abend sowohl, wie auch heute nachmittag hatten wir über unserer Stadt ftprfe Gewitter; sie waren aber trocken und brachten den ersehnten Regen Glicht. Dagegen soll es in benachbarten Orten der Wetterau recht kräftig geregnet haben. Pfcrucksachen aller Art liefert In Jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Auf dem Briesenslock ist ein Herr Z a ch m a u n aus Burgsdor in eine Gletscherspalte abgestürzt. Sein Leichnam ist geborgen. — Aus dem „Mönch" ist der bayrische Gymnasiallehrer Buche Es starben au: Zusammen: im Wochenbett Brechdurchfall Blutvergiftung Mittelohreiterung Krebs Schlagfluß Gehirnentzündung Rippenfellentzündung Blutung der Bauchspeicheldrüse SumnraS 11 (5) 6 (3) I 4(2) Anm.: x'te ui iuuH.mctn gc,eo. t Ziffern geben an, wie viel der Todeswlle ui der betreuenden ^eunheil aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Nicht nur unsere Feuerwehr alber Genügt den Ansprüchen der Jetztzeit nicht mehr, auch auf nnbeixm Gebieten sieht cs hier recht traurig au*, lediglich einige Tatsachen sollen konstatiert werden. 1 Ter Durchgangsverkehr von Franksiirt nach Kassel wird in der Nord-Anlage zur Marburger Straße hm vollständig gesperrt, nirgends eine rechtzeitige Warnungstafel angebracht. Halb- eitige Sperrung hätte auch genügt, wäre weniger kleinstädtisch und hätte die Feuerwehr auf ihrem Wege zum Brandplatz nichu^ 2 Wer durch die Moltkestraße nach dem Schiffenberger Weg fahren will, findet diesen gesperrt, gleichzeitig sind die drei nächstliegenden Umwege auf dem Ludwigsplatz gesperrt (wie lange schon") und erst durch Löberstraße, Bismarck,traße kann man sein Ziel' erreichen. Diese gleichzeitige .Sperrung ist eine fchwere Vermischtes. * Selbsttätige Feuermelder. Selbsttätige Feuermelder sind Apparate, die unabhängig von Menschenhand ein entstehendes Feuer baldmöglichst anzeigen. Das Prinzip dieser Melder beruht auf der Einwirkung der bei, einem ijeuer entstehenden Wärme, die sich der Luft bcr, nächsten Umgebung mitteilt. Von den verschiedenen Arten solcher Temperaturmelber seien nur der Schöppe'sche und der Siemens-Melder erwähnt. Tie Wirkung des ersteren beruht auf der Ausdehnung eines federnden Metallstreifens, der für verschiedene Wärmegrade eingestellt werden kann. Seme Ausdehnung erfolgt in einem bestimmten Verhältnis der auf ihn einwirkenden Wärme. Es gibt Melder für Ruhestrom, die am häufigsten Verwendung finden. Bei bieten durchfließt der elektrische Strom unausgeietzt das ge- amte Leitungsnetz. Die Verbindung zwischen Leilungsdraht und Meldern wird durch einen Metallstreifen hergestellt. Unter dem Einfluß der Wärme dehnt sich der etwas gebogene Streifen in der Richtung der Biegung aus, wodurch er sich von dem Kontakt der Leitung entfernt, so daß diese stromlos wird. Bei dem Siemens-Melber wird die Unterbrechung des Stromkreises durch bas Platzen der Glaskugeln eines Thermometers bewirkt, die nut einer sich leicht ausdehnenden Flüssigkeit, z. B. Wemgeift, gefüllt ist. Durch die Glaskugeln werden zwei Febern zusammengepreßt, die mit der Leitung verbunden sind. Platzt die Kugel durch den unter der Wärmeeinwirkung bei Llusbruch eines Feuers sich ausdehnenden Weingeist, so entfernen sich die beiden Federn voneinander, wodurch die Leitung stromlos wird. Dies bewirkt das Fallen der dazugehörigen Klappe, die den Ort des Brandes unter Ertönen von Glockensignalen anzeigt. Gleichzeitig wird dadurch der Hauptfeuermelder in Betrieb gesetzt, der den Alarm zur nächsten Feuerwache weitergibt. Starkenburg unö Riwurliessen« Hk. Darmstadt, 22. Aug. Die verstorbene Privatin Ferdinande Zöller hat in ihrem Testament der hiesigen Technischen Hochschule zur Erhöhung der bereits bestehenden „Heinrich- und Helene-Keller-Stiftung" den Betrag von 5000 Mk. vermacht. Eine weitere sehr bedeutende Stiftung wurde der Technischen Hochschule zuteil durch den Geheimen Kommerzienrat Dr.-Jng. Karl Henschel in Kassel. Dieser hat der Technischen Hochschule zur Erinnerung an seine in Darmstadt verbrachte Studienzeit ein Kapital von 50 000 Mark zur Verfügung gestellt zur Gründung einer Stiftung — „Karl-Henschel-Stistung" —, deren jährliche Zinsen zur Förderung technisch-wissenschaftlicher Untersuchungen auf dem Gebiete des Maschinenbaues verwendet werden sollen. Ferner hat die Firma F. H. Bauning L S e y b o l d, Maschinenbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Düren, der Technischen Hochschule eine vollständige betriebsfähige Versuchs-Papiermaschine im Werte von etwa 26 000 Mark zur Verfügung gestellt. Weiter hat der Generaldirektion der Deutschen Waffen- und Munitions- sabriken, A.-G., Berlin-Karlsruhe, Geh Baurat Tr.-Jng. Paul v. Gontard, der Technischen Hochschule einen Betrag von 23 000 Mk. überwiesen zur Erbauung einer Halle für die kriegstechnische Sammlung. w. Worms, 22. Aug. Ans eigenartige Weise ums Leben gekommen ist hier der Laternenanzünder 5 *2'. ■3« -ä ihu x Bad-Nauheim, 21. Aug. Stadtverordnete n s i tz u n g. Eine Sitzung der Stadtverordneten fand heute nachmittag statt. II. a. wurde mitgeteilt, daß die Feldbereinigung soweit beendet ist, so daß die Ueber- gabe im Herbst 1912 erfolgen könne. Es wurde in dieser Sache beschlossen, bis zu diesem Termin alle Pachtverträge über städtische Grundstücke zu kündigen. — Sodann wurde die Verlegung einer Wasserleitung durch den Staat durch die Usa von den Stadtverordneten genehmigt. Im Anschluß an diesen Punkt der Tagesordnung kam es ^zu einer lebhaften Aussprache durch eine Anfrage über die Grup- penwafferleitung. Es war nämlich während der großen Hitze einige Zeit nicht das vertragsmäßige Quantum von 1500 Kbm. jeden Tag geliefert worden. Es konnte mit- geteilt werden, daß die Lauterer Quellen trotz der anhaltenden Trockenheit nach wie vor die tägliche Wassermenge liefern und nicht nachgelassen haben. Es wurde aber in einigen angeschlossenen Orten bedeutend mehr Wasser verbraucht- als ihnen zuram. Infolgedessen hat Bad-Nauheim einige Tage 3—400 Kbm. weniger erhalten. Es wurde beantragt, den § 2 des Vertrags zu revidieren. Bemerkt sei übrigens an dieser Stelle, daß Bad-Nauheim bis jetzt noch nicht im geringsten über Wassermangel zu klagen hatte. Staatliches und städtisches Wasserwerk, welch letzteres sich in der glücklichen Lage befindet, noch über den Bedar hinaus Wasser zu liefern, funttionierten bis jetzt in ausgezeichneter Werse und haben die diesjährige ztrastprobe vollauf bestanden. — Das ehemalige K o h l e n s ä u r e w e r k, das jetzt städtisches Eigentum ist, soll zu einer Auto-Garage eingerichtet und für 3000 Mark jährlich verpachtet werden. Diese Summe ist bereits geboten worden. Beschlossen wurde, erst einen Voranschlag ausarbeiten zu lassen. Höchste Temperatur am Niedrigste , Jung. Beim Reinigen einer Laterne wurde er, während er aus der Leiter stand, von einem Radfahrer angerannt, so daß er ab stürzte und bewußtlos liegen blieb. Er ftorb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der Radfahrer wurde wegen fahrlässiger TÄtung verhaftet. Wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen. = Lich, 22. Aug. Der V. H. C, Zw e igv e r e r n L i ch, führte unter starker Beteiligung am Sonntag seine fünft e W ander u n g nach dem nördlichen Taunus aus. Bis Ostheim wurde die Eisenbahn benutzt und von da ging die Wanderung, unter Führung des Lehrers H. Ostwald aus Bab-Nauheirn, nach dem Forsthaus Hubertus. Nach kurzer Rast und Früchtückspause führte der Weg über Ziegenberg nach dem Forsthaus Winterstein, wo wieder Rast zur Erfrischung gehalten wurde. Von hier ging die Wanderung über den Johannisberg nach dem Endziel Bab- Nanheim, woselbst die 40 Wanderer gegen 6 Uhr nachmittags wohlbehalten ankamen. Außerdem waren verschiedene Mitglieder mit der Bahn nach Nauheim gefahren. * Sonnenschein auf Flaschen gezogen. In Neuyork wurden zwei ganz abgefeimte Gauner verhaftet, die an leichtgläubige Amerikaner schwindelhafte Anteilscheine an einer Gesellschaft verkauften, die organisiert war, um auf Flaschen gezogenen Sonnenschein auszubeuten. Man behauptet, daß die Schwindler mit Hilfe dieses neuen Tricks etwa 4 Millionen Mark gemacht haben. In geschickter Weise wußten sie darzustellen, auf welche Art es ihnen möglich sei, die Sonne einzufangen, die von den Soimenstrahlen gewonnene elektrische Energie aut» zuspeichern und später zu verwerten. lieber 200 Agenten waren ür sie im ganzen Lande tätig. Wie die Anklage sagt, bildeten die beiden Gauner die „Sun Electric Gennartor Company" und sre verkauften Shares für jeden nur annehmbaren Preis von 20 Mk. aut» wärts bis zu 50 Mark. Tausende von Leuten gaben ihr Geld her und sogenannte „Kraftanlagen" wurden in Neuyork, Philadelphia, Baltimore und anbereu Großstädten angelegt. Sie be- tanben aus einer Reihe von Spiegeln, die auf dem Dache eines Hauses aufgestellt waren und durch Drähte mit Töpfen in Verbindung standen, die wiederum durch einen Draht Verbindung mit Gaslicht hatten. An sonnigen Tagen wurden nun einige Interessenten aufs Dach geschleppt, der Apparat wurde emgo chattet und das Gaslicht begann zu brennen. Tie Leichtgläubigen waren von dem Erfolg derartiger Anlagen bombenfest überzeugt uni) die Gauner sagten ihnen natürlich nicht, daß die Gaslampen durch elektrische Drähte mit einer Batterie in Verbindung standen. ** Auswanderer. Bei ihren Bemühungen, Anneblcr ür die von der Eisenbahn durchzogenen Gegenden im Westen von Kanada heranzuziehen, geht die Verwaltung der kanadischen Paeifie-Bahn schon seit längerer Zeit soweit, daß sie den Einwanderern Landgüter fix und fertig zur Verfügung stellt. Diese Maßnahme hat soviel Anklang gefunden, daß jetzt die Bewerbungen um derartige Landgüter schneller eingehen, als die Eisenbahnverwaltung die Güter abgrenzen, vorrichten und nut ben nötigen Baulichkeiten versehen kann. Deshalb hat, dieses Vorgehen der kanadischen Paeifie-Bahn auch in Südafrika und tn Australien Nachahmung gefunden. In Australien haben diese Güter eine Größe von 40 bis 50 Hektar, wovon etwa vier Hektar für Baumwollpflanzungen vorgerichtet find. Außerdem wird ein Haus gebaut und ein Brunnen gegraben, sowie soviel wie nötig von dem Gut eingezäunt. Die Eisenbahnverwaltung liefert endlich den Ansiedlern eine Kuh und einiges Geflügel sowie genügenden Samen zur Aussaat für das erste Jahr. Die Kosten für die Güter sind in zehn jährlichen Raten zu erstatten. Kieme «iageschrontt. Bei einer großen Schlägerei unter den Bergleuten in Hörde wurden die beiden Brüder Bohn mit einem Beil furchtbar zngerichtet. Dem einen wurde die Nase abgeschlagen uno ein Arm fast volllstänbig abgetrennt, so daß er sofort starb. Ter anbeie schwebt in Lebensgefahr. Zum Besuche der Hygiene-Ausstellmtg in Dresden trafen sechs Mitglieder der französischen Deputiertenkammer mit dem Vorsitzenden des Hygieneausschusses von Paris ein. Die Münchener Baufirma. Heilmaun L Littmann hat anläßlich ihres 40jährigen Bestehens für ihre Arbeiter 40 000 Mark gestiftet. . In Grevesmühlen hat der verstorbene Senator, Rechtsanwald Jhlefeld, 400000 Mark zum Schaden Keiner Leute u n t c r f d) I a g e ft Beim Baden im Lü g a n e r > e e ist gestern der beutfd)c Tourist Leonarb aus Barmen ertrunken. abgestürzt. Er war sofort tot. Bei ben Manövern bes 14. österreichischen Korps^ im Am- pezzo-Tal tarn es zwilchen Soldaten des 36. Infanterie- Regiments, vorwiegend Tschechen, und Soldaten be5_ 14. Infanterie-Regiments, bas hauptsächlich aus Deutschen besteht, in den Wirtshäusern zu Raufereien. Der Kampf würbe auf bem Manvverfelde fortgesetzt. Aus den Reihen deS 36. Regiments fielen etwa 14 scharfe Schüsse. Eine Untersuchung ist eingeleitet. In der Maltby-Kohlengrube (Grafschaft Bork) wurden nach einer Meldung aus London infolge einer schweren Explosion mehrere Arbeiter in der Grube cingeschlossen. Bisher sind drei von ihnen tot aufgefunben. In Grand Jorks (North Dakota) wütete am Montag ein Tornado. Acht Personen sind umgekommen, 40 wurden verletzt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt al Lei uiuei uuici Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Revattton deut Publtlum gegenüber [einerlei Verantwortung.) Gießen, 23. August. Zustände in Gießen! Ter letzte Brand in der Marburger Straße hat wiederum zu Aussetzungen an der Bereitschaft unserer Feuerwehr Veranlassung gegeben, die eine Reorganisation unbedingt zur Folge haben müssen. I Verkehrsbchinderung. . . , , 3 Im Frühjahr wurde ein Geländer in der Altcestraße abgemessen und in Auftrag gegeben, zwei Drittel wurden vor 14 Tagen fertiggestellt, bann ruht die Arbeit über 10 Tage. 4 An den dort neu gepflanzten Akazien werden kleine Brüstungen angelegt, sie alle werden recht geschmackvoll aulgebaut, nur eine, die von Gebüsch nicht umkleidet ist, fallt Kbem ui die Augen, weil sie vollständig sieiftehend aus alten, halb bedauerten, zum Teil senkrecht eingegrabenen Trottoireinfanungen „höchst originell!!" hergestellt ist. . 5 Nach Fertigstellung bes Geländers wird bas alte Holz- geländev abgebrochen, an die Böschung geworfen, babet die Anlagen beschäbiat, was zufällig nicht in die Wicieck rollt und fortschwimmt, bleibt Tage lang, auch über Sonntag, zur Bcr- zierung dort liegen. _ , , 6 Ein nachts von bcr Brücke Bahnhofstraße in bie Wteseck geworfener Korbkinderwagen (!!!) gibt tagelang jeden Morgen den aus der Schule kommenden Buben Veranlaslung, nach lieber« teigung des Geländers unter bcr Brücke und in ber seichten Wieseck ihren Tummelplatz aufzuschlagen, von der Brücke wird mit Backsteinen geworfen, kein Aufsichtsorgan kümmert sich, obwohl darum gebeten wurde, um diese wie auch andere unan- tändige (Gewohnheiten der Kinder, die man dort fast täglich beobachten kann. Ter Wagen ist weggeräumt! Er lagert jetzt, wie sonstiger Unrat, unter der Brücke. 7. Zur Reinigung von ca. 100 m Wieseckgrund — was Reinigung dort heißt, kann man daran erkennen, daß ein Erfolg der Arbeit nach 4 Wochen bereits unerkennbar ist und dieselbe darum 4—5 Mal bereits in diesem Sommer wieder nötig wurde — brauchen 4 kräftige, im Wasser watende Männer einen ganzen Tag. 8. Ter wie seit Jahren nicht langandauernde tiefe Wasserstand ber Wieseck wird zu einer gründlichen Reinigung, trotz zahlreicher Beschwerden der Anwohner über schlechten Geruch des Wassers, nicht ausgenutzt. Eine Reinigung wäre dringend notwendig, denn trotz Kanalisation fließt sicher unerlaubter Weise noch zahlreiches Abwasser in den Bach, so daß er tagelang wie mit Teer beschüttet glänzt. Es bleiben Gerümpel, Steine, alte Eimer und Schuhe liegen, wo sie liegen, die ausgerupften Algenhaufen ruhen an ber Böschung zum Verdorren ober Verfaulen, bie zahlreichen Ratten werden nicht gestört. Eine gründliche Reinigung durch Wegschaufeln des Grundes und Befestigung der Ufer würde zum Ziel führen, das sieht man nahe der Brücke, wo man einmal derart gearbeitet hat. 9. In ber Bahnhofstraße neben bem Hause Nr. 27 liegt ein scheinbar von der Nachbarschaft als Abladeplatz benutzter, von Schmutz starrender unhygienischer Bauplatz, jedermanns Blick zugänglich, um dessen Reinigung sich niemand kümmert. Fehlt es da nur am Geld, oder haben solche Uebelftänbe vielleicht auch andere Gründe? Märkte. le. Frankfurt a. M., 22. Aug. Heu- und Stroh markt. Angefahren waren 13 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4.50—5,00 AU. Stroh (Kornlangstroh) 0.00—0.00 Alk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft langsam. Die Zufuhren waren aus Oberhessen und dem Kreise Dieburg. le. Frankfurt a. M., 21. Aug. (Orig.-Telegr. des r(SieB. Anzeigers".) M a r t o f f c I m a r £ t. Man notierte: Kartoffeln (neue) m Waggons Alk. 8.50—9.50, im Kleinhandel Alk. 10.00—11.00 für je 100 Kg. Mchentl. Iledersicht derTodersäüetTd. Stadt Sietzen. 32. Woche. Vom 6. bis 12. August 191L Einwohnerzahl: angenommen zu 31,300 linkt. 1600 Mann Militär). Eterblichkeitszisser: 18,20 %„, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 10,0 °/oo* wenn die Verdauung gestört lt. Geben Sie Ihrem Kmde deshalb beizeiten Nestle sKin- dermehl, welches die geeignetfte, künstliche Slinbernabrung ist, die den Saugung glualtaj Uber d.schwierige Periode d.Sommers hinmegbringt. __________________________________________________,__SS-^/h , Ersah für schwere Zlelschjpeisen in heißen Sommertagen versuchen Sie einen Mond amin-Mikhflammeri Er ist sehr erfrischend und bildet die beste Beigabe zu jeder Art von frischen, gekochten Früchten. 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